Dune – der Film

Ein Vorwort

Nachdem ich euch am Montag bereits das Buch vorgestellt habe, folgt nun endlich auch mein Beitrag zu dem Kinoereignis des Jahres. Denn eins ist sicher, James Bond kann einpacken, an Dune wird er nicht rankommen. Denis Villeneuve hat sich wieder einmal selbst übertroffen. Was Dune so besonders macht, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Haus Atreides wird vom Imperator dazu aufgefordert den Planeten Arrakis von Baron Harkonnen (Stellan Skarsgard) zu übernehmen und die Produktion des allseits beliebten Gewürzes Spice sicherzustellen. Der Planet ist jedoch eine einzige Wüste und spärlich besiedelt, abgesehen von den einheimischen Fremen. Paul Atreides (Timothee Chalamet), Sohn des Herzogs (Oscar Isaac), hat vor der Abreise seltsame Träume und fürchtet sich um die Zukunft. Sind es nur Träume oder ist seine Familie in Gefahr?

Meine Meinung

Dune galt lange Zeit als Unverfilmbar. Erste Versuche sind gänzlich gescheitert. 1984 gab es dann bereits eine Verfilmung von David Lynch, die unter schwierigen Bedingungen produziert wurde und so Zuschauer und Kritiker wenig überzeugte. Auch eine Miniserie aus den 2000er konnte sich nicht durchsetzen. Nun durfte niemand geringeres als Denis Villeneuve sich an dem Stoff probieren. Eben jener Schauspieler, der zuvor durch verschiedene Genres stromerte und mit Prisoners, Sicario oder auch einem Arrival eben diese ordentlich aufpolierte und einen neuen Schliff verlieh. Mit Blade Runner 2049 versuchte er sich dann erstmals an einem Blockbuster, der finanzielle Erfolg ließ allerdings zu wünschen übrig.
Nun stand also Dune bevor. Villeneuve verkündete bereits im Vorfeld, dass er nicht das ganze erste Buch verfilmt hat, sondern lediglich die erste Hälfte, um dem gewaltigen Werk genügend Zeit zu lassen. Da ich das buch im Vorfeld gelesen habe, konnte ich mir aber gerade das nicht vorstellen. Zum einen weil das Buch in drei Sinnabschnitte unterteilt ist und so keine logische Hälfte direkt existiert. Zum anderen weil gerade der zweite Teil, wo der Film dann ja enden müsste, einige langatmige Stellen aufweist.
Aber was soll ich sagen: Ich habe Denis Villeneuve unterschatzt. Denn er hält sich beinahe akribisch an die Vorlage. Fast jede Szene taucht auf, wenn auch ab uns an an einer anderen zeitlichen Stelle. Lediglich ganz wenige Szenen wurden dazugedichtet, was aber notwendig war, um an anderer Stelle unnötige erklärende Diskussionen einzustreichen. Auch fehlen nur einige wenige, die es aber auch nicht braucht, um die Handlung des Buches im Film zu vermitteln. Gleichzeitig versteht Villeneuve es auch wunderbar Szenen, die im Buch zu kurz kommen, auf der Leinwand aber wunderbar wirken zu verlängern, um den Spannungsgrad für die Zuschauer zu erhöhen und optisch mehr zu bieten. Dafür wurden ewig lange Kapitel, in denen es um Taktiken und Diplomatie geht, auf das nötigste gekürzt.
So ist Dune mit einer Länge von 155 Minuten spannend, logisch, gut durchdacht und vorallem eins: Optisch absolut herausragend! Die Liebe zum Detail merkt man in jeder einzelnen Szene. Allein der Landeanflug eines Raumschiffes auf einem der Planeten wird so atemberaubend inszeniert, dass man sich nichts spannenderes vorstellen könnte, als genau das anzusehen. Der Film ist einfach für die große Kinoleinwand geschaffen. Wer die Chance hat, sollte ihn also unbedingt im Kino sehen!
Besetzungstechnisch wurde hier alles aufgefahren, was Hollywood zu bieten hat. Timothee Chalamet setzt seinen Siegeszug als herausragender Charakterdarsteller weiter fort. Tatsächlich scheint er auch die einzig logische Wahl zu sein – zumindest fällt mir kein passenderer Darsteller ein. Jede Nuance der Mimik passt perfekt. Er zeigt Paul mit allen Facetten. Was die Buchlesenden in inneren Mologen über den Charakter erfuhren, zeigt Chalamet allein anhand der Mimik. Damit spielt er alle seine Mitdarsteller*innen an die Wand. Und dabei sind einfach mal Namen, wie Ferguson, Issac, Skarsgard, Bardem und Rampling. Wer bisher noch nicht an das Ausnahmetalent glaubte, wird spätestens hier überzeugt.
Auch die anderen Darsteller*innen beweisen hier noch einmal, was in ihnen steckt und beleben den Film auf eine ganz eigene Art. Eine gute Entwicklung ist auch, dass Sharon Duncan-Brewster die Rolle der Dr. Liet Kynes übernehmen konnte, die im Buch männlich ausgelegt war.
Kommen wir noch zur Filmmusik von Hans Zimmer. Eben jener Komponist, der bei vielen großen Produktionen mitwirkte, der aber auch in letzter Zeit kritisch betrachtet wurde, weil er mit seinem gleichen Stil zu sehr in die „Mainstream“-Kerbe haute. Bei Dune hat er sich aber noch einmal selbst übertroffen und einen in sich stimmigen Score erschaffen, der auf jede Nuance des Films eingeht und gerade durch kleine unterschwellige Melodien die nötige Stimmung erzeugt. Natürlich gibt es dann auch wieder die großen epischen Hymnen, wie zum Beispiel Pauls Dream.
Und tatsächlich endet der Film ziemlich auf die Seite genau in der Mitte des Buches. Auch wenn es mir beim lesen nicht bewusst war, so ist es doch eine sehr schlaue Stelle, da im folgenden wieder vieles neues erklärt wird und sich der (hoffentlich bald bestätigte) zweite Teil ausführlich damit befassen kann. Denn so gut der erste Teil jetzt auch ist, es braucht den zweiten, um die Geschichte zu einem halbwegs befriedigenden Ende zu führen.

Das Fazit

Dune beeindruckt auf allen Ebenen. Die Handlung nimmt sich Zeit ist aber gleichzeitig an jeder Stelle spannend, Score und Besetzung ist einfach nur herausragend. Aber gerade optisch ist es wohl einer der besten Filme der letzten Jahre, wenn nicht sogar aller Zeiten. Dafür gibt es 10 von 10 möglichen Punkten.

Dune läuft seit dem 16.09.2021 in den deutschen Kinos

Cinemathek: Call me by your name

Ein Vorwort

Willkommen in der Cinemathek, heute mit Call me by your name. Der Film war zwar dieses Jahr für mehrere Oscars nominiert – Bester Film, bester Hauptdarsteller (Timothee Chalamet), bester Filmsong (Mystery of Love) und bestes adapatiertes Drehbuch – wovon er aber nur einen (bestes adaptiertes Drehbuch) gewinnen konnte, obwohl ich bisher nur gutes über den Film gehört habe. Hält er, was er verspricht?

Die Handlung

Der 17-jährige Elio lebt mit seinen Eltern in Norditalien, hat aber US-amerikanische und französische Wurzeln. Jedes Jahr im Sommer holt Elios Vater, ein Archäologe, einen Studenten für 6 Wochen ins Haus, der ihm bei seinen Forschungen helfen soll. In diesem Jahr ist es Oliver. Zwischen Elio und Oliver ist schon bald eine Anspannung zu spüren.

Meine Meinung

Ich bin etwas zwiegespalten ins Kino gegangen. Zum einen hatte ich gehört, dass der Film unglaublich langsam erzählt werden soll, was mich bei den meisten Filmen eher stört. Auch konnte mich der Trailer absolut nicht ansprechen. Zum anderen hatte ich bisher nur Lobeshymnen auf den Film gehört. Also beschloss ich mich möglichst ohne jegliche Erwartungen einfach auf den Film einzulassen. Und er konnte mich absolut begeistern!
Call me by your name ist ein Film, der zwar unfassbar ruhig erzählt wird, aber dabei so viel Atmosphäre aufbaut, dass er einen komplett einlullt. Sehr schnell fühlt man sich selbst in einem viel zu heißen Sommer, um irgendetwas zu tun, und überlegt, welches schöne Buch man als nächstes lesen sollte. Ebenso wie Elio träumt man ein bisschen vor sich hin, während man die Ankunft von Oliver verfolgt. Das Armie Hammer einen sofort mit seiner Präsenz einnimmt, tut sein weiteres.
Während der ersten Hälfte des Films scheint auf dem ersten Blick relativ wenig zu passieren. Die Handlung plätschert ein wenig vor sich hin, erst nach und nach merkt man die kleinen versteckten Andeutungen. Doch mit der Zeit nimmt der Film an Fahrt auf und man erwacht aus der Trance, die der viel zu heiße Sommer in Norditalien bei einem hinterlassen hat.
Die Geschichte und Entwicklung zwischen Elio und Oliver, die sich mit der Zeit immer näher kommen, ist sehr subtil angedeutet und spielt mit der Leichtigkeit der Liebe und den damals noch schwierigen Verhältnissen. Hier profitiert der Film eindeutig davon, dass mit Timothee Chamalet und Armie Hammer zwei Schauspieler ausgesucht wurden, die die Stimmung des Films und die Intentionen ihrer Charaktere wirkungsvoll, aber doch subtil herüberbringen können.
Einer der größten Pluspunkte des Films – neben den bisher aufgezählten – ist aber auch der unglaublich authentische Soundtrack. Mystery of Love war nicht ohne Grund für den besten Filmsong nominiert. Denn der Soundtrack unterstützt noch einmal die sehr reduzierte Erzählweise, das Setting und das subtile Spielen der Darsteller und hüllt einen noch einmal zusätzlich in den Kokon des Films ein.

Das Fazit

Call me by your name ist ein Film, der gerade durch seine ruhige und subtile Erzählweise punkten kann. Mit gelungenem Soundtrack und gut gewählten Schauspielern rundet sich das Bild eines würdigen Oscarkandidaten. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Call me by your name lief ursprünglich ab dem 01.03.2018 in den deutschen Kinos.