Eine Handvoll Serienkritiken

Heute mit dabei: Eine gehirnsüchtige Pathologin, ein Meisterdetektiv zwischen London und New York, die Erklärung der alltäglichsten Dinge durch einen Dinosaurier-Experten, ein außer Kontrolle geratener Freizeitpark und ein schauspielender (Ex-)Auftragskiller. 

IZombie – Staffel 1

Die Handlung: Liv Moore (Rose McIver) ist frisch verlobt, ehrgeizige Medizinstudentin und einfach rundum glücklich. Bis auf einer Bootsparty ein Virus ausbricht und sie gekratzt wird. Mit blassem Teint, weißblonden Haaren und einem Heißhunger auf Gehirn, muss sie entsetzt feststellen, dass sie ein Zombie ist. Sie bricht die Verlobung, schmeißt das Studium und sucht in der Pathologie eines Polizeireviers einen neuen Job. Dadurch hat sie Zugriff auf die Gehirne der verstorbenen. Zusammen mit ihrem Kollegen Ravi Chakrabarti (Rahul Kohli) sucht sie nach einem Gegenmittel. Gleichzeitig stellen sie fest, dass Liv nach einem Gehirnmahl Charaktereigenschaften und Erinnerungen der Verstorbenen annimmt, wodurch die Detektive Clive Babineaux (Malcolm Goodwin) tatkräftig unterstützt.

Meine Meinung: Ich bin ein großer Fan von (gut gemachten) Crimeserien. Wohingegen ich mit dem Zombiethema so gar nichts anfangen kann. Daher hatte ich bisher auch einen großen Bogen um die Serie gemacht, auch wenn mein Lebensgefährte bei der Serie durchaus ins Schwärmen geriet. Nachdem ich aber Miss Fishers Mysteriöse Mordfälle beendet hatte, musste doch irgendwo wieder eine Crimeserie bei mir einziehen. Und so gab ich der Serie doch eine Chance. Und ja, man muss sagen, dass sie es sehr schnell schafft durch die Charaktere und Ausgangssituation einen in den Bann zu ziehen, so dass ich die erste Staffel auch in wenigen Tagen durchgeschaut hatte. Bisher haben Crimethemen und Zombiethemen auch noch eine gute Balance, allerdings ist meine Befürchtung, dass weitere Staffeln eher in Richtung Zombiethema gehen, weswegen ich noch vor dem Weiterschauen zurückschrecke. Wobei ich der Serie wahrscheinlich zumindest für eine weitere Staffel noch die Chance gebe.

Elementary – Staffel 7

Die Handlung: Sherlock (Johnny Lee Miller) und Joan (Lucy Liu) sind nach dem Ende der sechsten Staffel nach London gegangen, um so dem FBI zu entgehen. Doch gerade Joan schlägt sich mit Heimweh herum. Als dann auch noch eine Schreckensnachricht vom NYPD die beiden erreicht, reist Joan zurück. Gleichzeitig hat Odin Reichenbach (James Frain), der Kopf hinter einem großen Internetunternehmen, einen Algorithmus geschrieben, mit dem er Verbrechen vorhersagen will, um so die Verbrecher vorab auszuschalten. Er versucht Sherlock und Joan für sein Unterfangen anzuwerben, die jedoch kritisch bleiben.

Meine Meinung: Die finale Staffel Elementary kommt mit 13 Folgen verkürzt daher. Dennoch war es für mich als großer Fan der Serie, gut zu wissen, dass nach dem mehr oder weniger Cliffhanger am Ende der sechsten Staffel noch ein paar Folgen zur Aufklärung kommen. Die Staffel schafft es auch tatsächlich trotz der kurzen Zeit, das offene Ende der sechsten Staffel aufzugreifen, einen neuen Gegner einzuführen und die gesamte Serie zu einem Ende zu bringen. Ganz nebenbei gibt es auch weiterhin die Mordfälle der Woche, die zu lösen sind. Es gibt Wiedersehen mit alten Bekannten und auch den ein oder anderen endgültigen Abschied. Auch wenn die Sherlock Holmes Fans da draußen sich wohl vorstellen können, in welche Richtung die Handlung um den Charakter Reichenbach führen kann, bleibt die Staffel durchgehend spannend. Mit der finalen Episode haben sie mich dann durch ein Wechselbad der Gefühle geschickt. Aber dennoch war es eine runde Sache, auch wenn man aus der finalen Episode vielleicht eine Doppelfolge hätte machen können, um für ein paar Sachen einfach ein wenig mehr Zeit zu haben – oder statt einer Doppelfolge auch gerne nur eine Folge mit Überlänge. Aber all das bleibt Jammern auf hohem Niveau, denn Elementary ist eine sehr gute Serie, geht respektvoll und doch Modern mit seinem literarischen Vorbild um und weiß immer wieder zu überraschen.

The World according to Jeff Goldblum – Staffel 1

Die Handlung: Jeff Goldblum, ja der Schauspieler, hat 12 verschiedene Themen vorgesetzt bekommen, auf die er einen Blick werfen soll. Dabei sind es ganz alltägliche Themen, wie Fahrräder, Pools oder Grillen. Dafür hat er sich möglichst wenig informiert, um durch Gespräche mit den verschiedensten Personen neue Einblicke zu erhalten und seine Gedanken dazu mitzuteilen.

Meine Meinung: Disney+ hat nach seinem Release gleich daran gesetzt Publikum mit eigenen Originals die wöchentlich ausgestrahlt werden, an die Plattform zu binden. Neben Erfolgsrezepten wie The Mandalorian, durfte Jeff Goldblum (Jurassic Park, Independence Day) uns in 12 Folgen seine Sicht auf die Welt mitteilen. Dabei ist das Interessanteste, dass er sich mit ganz alltäglichen Dingen auseinander setzt und dann immer zu einer Großveranstaltung oder einzelnen Personen geschickt wird, um dort neue Eindrücke zu gewinnen. Untermauert wird dies immer wieder mit diversen Bildermontagen, die Geschichte und Entwicklung des Themas zeigen. Dabei wird alles mit Goldblums Charme und einer gewissen Lockerheit behandelt, so dass neben reinen Fakten auch ein echter Mehrwert geboten wird. Und auch wenn ein Thema mal so gar nicht interessant klang, gibt es doch in jeder Folge einen Aspekt, den man so vielleicht gar nicht beachtet hätte und der das Thema dann irgendwo doch interessant macht. Und nun bleibt mir nichts anderes übrig, als sehnsüchtig auf die nächste Staffel zu warten.

Westworld – Staffel 2

Die Handlung: Am Ende der ersten Staffel brachen die Hosts aus ihren vorbestimmten Rollen aus und Chaos kam über den Park, in dem jeder Gast in ein vorgefertigtes Szenario in einer Wild-West-Welt schlüpfen kann, um seine Gewalt- und andere Fantasien ausleben zu können. Doch der Aufstand der Hosts ist blutig und die Angestellten des Parks haben alle Hände voll zu tun die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Und was ist das für ein großes Geheimnis, das unbedingt beschützt werden muss?

Meine Meinung: Die ganzen einzelnen Charaktere und ihre Handlungsstränge aufzuzählen, würde diese Kurzkritik definitiv sprengen. Sagen wir der Zuschauer verfolgt mehrere Gruppen, teilweise Mitarbeiter, teilweise Host, teilweise Gäste, um den Aufstand der Host aus mehreren Gesichtspunkten darzustellen. Dabei tauchen zwischendurch Charaktere auf und verschwinden wieder. Manche bekommen erst gegen Ende der Staffel eine Bedeutung. Selbst der Aufstand besteht nicht aus der einen Gruppe, sondern ist in mehrere Splitterparteien unterteilt. Hier nicht den Überblick zu verlieren ist schon schwer. Doch den Machern der Serie war dies noch nicht Verwirrung genug, stattdessen haben sie auch noch beschlossen die Staffel nicht linear zu erzählen. Mit Hilfe des Charakters Bernard werden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft immer wieder wild gemischt. Dies wird leider auch bis zum Ende nicht wirklich aufgeklärt. Der Kunstgriff sollte wohl genutzt werden, um immer wieder überraschende Wendungen einbauen zu können, führt aber lediglich dazu, dass der Zuschauer immer verwirrter wird. Tatsächlich hätte ich mir am Ende gewünscht, dass ich noch einmal an die Hand genommen werde und mir ganz genau erklärt wird, was wann und warum passiert ist. Dies ist leider nicht passiert, weswegen ich auch gar nicht so genau sagen kann, ob mir die Staffel wirklich gefallen hat. Qualitativ ist sie auf einem weiterhin sehr hohen Niveau und auch schauspielerisch kann man nichts negatives sagen. Vielleicht hätte ein Handlungsstrand, eine andere Zeitlinie weniger schon geholfen. Denn am besten gefiel mir tatsächlich eine Folge, in der es hauptsächlich um einen Nebencharakter ging, der auf einmal eine viel wichtigere Rolle spielte. Einfach weil er mir seine Geschichte einfach von vorne bis hinten chronologisch erzählte. Auch die Erweiterung der Settings – neben Westworld gibt es noch mindestens zwei weitere Parks – war zwar eine interessante Idee, führte aber letztlich einfach zu weit. Weniger ist eben manchmal doch mehr.

Barry – Staffel 2

Die Handlung: Barry Berkman (Bill Hader) muss mit den Konsequenzen seiner Tat aus der finalen Episode der ersten Staffel leben, die auch seinen Schauspiellehrer Gene Cousineau (Henry Winkler) aus der Bahn wirft. In der Schauspielschule soll jeder ein traumatisches Erlebnis in einem kurzen Stück verarbeiten, was Barrys Freundin Sally (Sarah Goldberg) ganz in den Bann zieht. Und ganz nebenbei wird Barry wieder von der tschetschenischen Mafia eingespannt, da Hank (Anthony Carrigan) seine Zusammenarbeit mit den Bolivianern in Gefahr sieht, als die Anführerin der burmesischen Mafia anfängt sich einzumischen.

Meine Meinung: Die Grundidee der ersten Staffel einen Auftragskiller zu schaffen, der viel lieber Schauspieler wäre, war so kurios, dass ich sie mir einfach ansehen musste. Und Bill Haders Barry war einfach so kurios, dass ich mich regelrecht auf die zweite Staffel freute. Doch musste ich leider feststellen, dass die zweite Staffel bei weitem nicht mehr so gut funktionierte wie die erste. Das liegt zum einen daran, dass der Schatten der finalen Episode der ersten Staffel (ich möchte hier ungern spoilern, für alle, die die Serie noch schauen wollen) noch über der Handlung liegt. Und auch, weil an gewissen Stellen einfach der Witz raus ist. Dies merkt man vor allem an Folge Fünf die einfach nur völlig over the top ist und einfach nicht wusste, wann man besser aufhören sollte. Auch NoHo Hank schafft es nur mit der immer gleichen Masche für ein wenig Witz zu sorgen, was irgendwann auch nicht mehr erheitern kann. So hat die zweite Staffel von Barry zwar durchaus noch einige gute Ideen, aber irgendwo zu wenig, um ein ganze Staffel zu füllen, weswegen einzelne Aspekte immer und immer wieder durchgekaut werden. Vielleicht war der Stoff grundsätzlich nur geeignet für eine Miniserie. Es kann natürlich auch sein, dass nun durchaus ganz neue Ansätze gefunden werden, und mich die dritte Staffel dann noch einmal ganz neu überrascht.

 

Westworld

Meine Twitter und Facebooktimeline ist bereits seit ein paar Wochen voll mit Jubelausrufen über die neue HBO-Serie „Westworld“, die nicht selten als das neue „Game of Thrones“ bezeichnet wurde. Als Sky zu Weihnachten die Serie endlich auch mit deutschem Untertitel herausbrachte, nutze ich die paar freien Tage und überzeugte mich selbst von der Qualität.

Dolores Abernathy scheint auf dem ersten Blick ein ganz normales Leben in den USA zur Zeit des Wilden Westens zu leben. Doch ihr Leben ist voller Leid und Tod. Denn Dolores ist Teil des großen Freizeitparks „Westworld“, in dem die Reichen für gutes Geld in die Vergangenheit eintauchen können, um den „realen“ Wilden Westen zu erleben. Dolores Erinnerung wird jeden Tag zurückgedreht, so dass sie jeden Tag das gleiche erleben kann, ohne sich an den vorherigen Tag zu erinnern. Doch merkt sie wirklich nicht, was mit ihr geschieht?

Da Game of Thrones sich doch langsam aber sicher dem Ende zuneigt, hat HBO nun ein neues Großprojekt, das ordentlich Geld einspielen soll. Aber zunächst hat HBO ordentlich Geld in die Serie gesteckt – und das sieht man ihr auch an. Denn zunächst wurde eine Reihe namenhafter Schauspieler ausgewählt, allen voran Anthony Hopkins. Nachdem Hopkins in letzter Zeit sein Können an eher schwache Filme verschenkte, kehrt er nun als Schöpfer des „Westworld“-Parks Dr. Robert Ford zurück und schafft es, wie seinerseits als Hannibal Lector, einen Charakter zu schaffen, bei dem wir nie genau wissen, was er denkt, fühlt oder plant. Aber auch Namen, wie Ed Harris, Jeffrey Wright, James Marsden und Thandie Newton zeigten den guten Schauspielcast der Serie. Andere Namen, wie beispielweise Evan Rachel Wood, die die Protagonistin Dolores spielt, waren mir vorher komplett unbekannt, konnten aber auch allesamt überzeugen.
Westworld beginnt sehr langsam und führt den Zuschauer ruhig in die Welt ein. Der Zuschauer lernt zunächst „Westworld“ selbst kennen und erst als man selbst merkt, dass etwas nicht stimmen kann, wird dem Zuschauer auch die Welt um Westworld herum vorgestellt. Zumindest die Produktionseinrichtung, denn das Gebäude wird nie verlassen. So weiß der Zuschauer zwar, dass die Serie in der Zukunft spielt, sieht aber die grundlegenden Veränderungen außerhalb nicht (das wäre mal ein interessanter Ansatz für die zweite Staffel). Nach circa der Hälfte der Staffel wechselt Westworld das Tempo. Während sich vorher hauptsächlich auf die Vorstellung der Möglichkeiten des Parks und der guten Einführung der Charaktere konzentriert wurde, wird nun der Haupttwist der Serie eingeführt. Damit einhergehend steigt die Spannung um ein vielfaches auf ein sehr hohes Niveau. Da sich im Laufe der Serie mehrere Handlungsstränge ergeben, die erst im großen Showdown wieder zusammengeführt werden, ist für jeden ein passendes Thema dabei. Auch führt dies dazu, dass man gerade mit einem Handlungsstrang mitfiebert, dann zu einem anderen geschaltet wird, und man vorm Fernseher sitzt und diesen anmault, dass man aber wissen will, wie es mit dem anderen weitergeht. Grundsätzlich sind aber alle Handlungen so spannend gestaltet, dass man sowieso bei allen wissen will, wie sie weitergehen.
Die Drehorte in den USA sind gut ausgewählt und führen zu einem optischen Augenschmaus vom Feinsten. Denn allein eine Kamerafahrt über Westworld bzw. über einen Nationalpark in den USA lohnt sich anzusehen. Auch die scheinbare Endlosigkeit des Parks begeistert beim Sehen der Serie. Auch die Requisiten im Park und die Maschinen zur Schaffung der Hosts leben von einer Liebe zum Detail und sorgen dafür, dass sich die Serie qualitativ vom Alltagsbrei abhebt.

Alles in allem kann Westworld begeistern und ist eine Serie, die süchtig macht. An Game of Thrones kommt sie jedoch nicht heran.