Tod auf dem Nil

Ein Vorwort

2017 wagte sich Kenneth Branagh an den berühmten Stoff auf der Feder von Agatha Christie und brachte uns eine wunderbare Neuverfilmung von Mord im Orient-Express. Im Gepäck hatte er die Creme de la Creme aus Hollywood. Bereits 2018 gab es dann Dreharbeiten zur Fortsetzung „Tod auf dem Nil“. Mehrere Faktoren unter anderem natürlich die Pandemie, sorgten dafür, dass der Film immer wieder verschoben wurde. Nun durfte er endlich auf der großen Leinwand einziehen. Konnte Branagh als Regisseur und Hauptdarsteller ein weiteres Mal überzeugen? Das erzählte ich euch in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Frisch verheiratet verbringen Linnet Ridgeway-Doyle (Gal Gadot) und Simon Doyle (Armie Hammer) ihre Flitterwochen in Ägypten. Mit dabei sind Familie, Freunde und Bekannte, die das reiche Paar eingeladen hat. Durch Zufall ist auch Hercule Poirot (Kenneth Branagh) mit dabei. Da die eifersüchtige Ex-Freundin Simons Jacqueline de Bellefort (Emma Mackey) sie auf Schritt und Tritt verfolgt, flüchten sie schließlich an Bord eines Nilschiffes. Doch nach einigen merkwürdigen Begebenheiten kommt es zu einem Mord. Ein neuer Fall für Hercule Poirot.

Meine Meinung

Ich bin ein großer Fan von der Poirot-Reihe Agatha Christies, habe es aber noch nicht geschafft die beiden wohl bekanntesten Fälle Mord im Orient Express und Tod auf dem Nil zu lesen. So wa ich jeweils auf die Verfilmungen gespannt und wusste vorher tatsächlich auch noch nicht, wer der*die Mörder*in war. Bereits der Trailer von Tod auf dem Nil konnte mich wieder vollständig mitreißen, wollte ich meine Erwartungen dennoch nicht zu hoch schrauben, da mir diese bei Mord im Orient-Express zum Verhängnis wurden.
Als der Film mitten im ersten Weltkrieg begann, dachte ich mir kurzzeitig im falschen Film, passte die Einordnung doch zeitlich nicht. Schnell wurde ich aufgeklärt, dass es sich um die Vorgeschichte Poirots handelt, um einige Äußerungen und Entscheidungen später besser nachvollziehen zu können. Ein Zeitsprung später lernen wir die ersten Charaktere kennen und bekommen praktisch noch einmal eine Art Vorgeschichte. Einen weiteren – wenn auch wesentlich kleineren – Zeitsprung später sind wir dann in Ägypten angekommen. Bis wir das Schiff erreichen, dauert es zwar immer noch etwas, aber hier erfolgt dann die Charaktervorstellung.
Diesmal bleibt auch erstaunlich lange offen, wer denn überhaupt ermordet wird. Das whodunnit setzt sehr spät ein und geht auch nicht über ein paar Gespräche hinaus. Das macht in diesem Fall aber auch gar nicht, weil allein die Charakterentwicklung vorab interessant ist und die Spannung hoch hält. Ständig hat man jemand Neues im Verdacht, um doch wieder auf eine neue Spur gebracht zu werden. Zwar hat sich letztlich mein Verdacht bestätigt – eventuell bin ich da ein bisschen stolz drauf, ich bin sonst echt schlecht im Mörder*innen erraten – aber das Wie war für mich wieder einmal absolut überraschend.
Schauspielerisch waren auch diesmal wieder einige bekannte Namen aus Hollywood dabei. Und dabei werden alle ihrem Ruf gerecht und liefern ab. Im großen und ganzen also wieder ein Film, der hält, was der Trailer verspricht und dabei besonders mit tollen Bildern verzaubert. Und auch wenn es hier um einen Mordfall ging, hat mir der Film einmal mehr Lust auf eine Nilkreuzfahrt gemacht.

Das Fazit

Tod auf dem Nil überzeugt trotz oder gerade wegem dem spätem whodunnit, mit gutem Schauspiel und eindrucksvollen Bildern. Branagh überzeugt einmal mehr als Poirot. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Tod auf dem Nil läuft seit dem 10.02.2022 in den deutschen Kinos

Mord im Orient Express

Am 09.11.2017 erschien eine Neuverfilmung des Agatha Christie Romans in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort:

Agatha Christie gilt nicht umsonst als „Queen of Crime“. Ihre 66 Kriminalromane, unter anderem mit den weltberühmten Detektiven Hercule Poirot oder Miss Marple, und ihre Kurzgeschichten wurden weltweit über 2 Milliarden Mal verkauft und gehören zu den meistübersetzten Werken weltweit. Während sie der Theaterwelt wenig vertraute und die auf ihren Werken basierenden Theaterstücke immer selbst inszenierte, sieht es in der Filmwelt anders aus. Denn hier sind ihre beiden Meisterdetektive Miss Marple und Mr Poirot altbekannte Figuren. Trotzdem schien es an der Zeit zu sein, die Werke Christies erneut auf die Leinwand zu bringen. So begeisterte sich Kenneth Branagh sowohl für die Neuverfilmung eines der Christie-Werke, als auch für die Darstellung des Detektivs Hercule Poirot. Wie schon in der Fassung von 1974 liest sich auch die Besetzungsliste von Branaghs Remake des Stoffes wie ein Who-is-Who in Hollywood. Der Trailer setzte die Erwartungen sehr hoch. Doch kann der Film diese Erwartungen halten?

Die Handlung:

Der Orient-Express von Istanbul bis Paris ist gut gefüllt, als der Detektiv Hercule Poirot (Kenneth Branagh) einsteigt. Die Wagen der ersten Klasse sind komplett gefüllt, weswegen er sich ein Abteil mit dem Sekretär MacQueen (Josh Gad) teilt. Doch mitten in der Nacht kommt es zu einem Mord. Nun ist die Liste der Verdächtigen zwar überschaubar, immerhin müsste es einer der Passagiere sein, doch steht Poirot vor seiner größten Aufgabe, obwohl er doch eigentlich nur seinen Dickens lesen wollte. Waren es der Graf und die Gräfin Andrenyi (Sergei Polunin & Lucy Boynton), die Prinzessin Dragomiroff (Judy Dench) mit ihrer Zofe Hildegarde Schmidt (Olivia Coleman), der Butler Masterman (Derek Jacobi), der mit dem Sekretär MacQueen und dem Gangsterboss Ratchett (Johnny Depp) reist? Oder waren es vielleicht doch die Einzelreisenden? Die Witwe Hubbard (Michelle Pfeiffer), die Missionarin (Penelope Cruz), die Gouvernante (Daisy Ridley), der Arzt Arbuthnot (Leslie Odom Jr.) oder doch der Professor Hardman (Willem Dafoe)?

Meine Meinung:

Mord im Orient-Express beginnt zunächst mit der Aufklärung eines anderen Falls, in dem der Protagonist Poirot vorgestellt wird. So soll der Zuschauer schnell einen Zugang zu ihm kriegen und als Sympathiefigur des Films verstehen. Leider ist Poirot so exzentrisch, dass er nicht wirklich als Identifikationsfigur herhalten kann. Wenn man sich trotzdem an seine Art gewöhnt, hat man mehr Freude an seiner Aufklärungstechnik. Denn Branaghs Mord im Orient Express orientiert sich sehr stark an den Vorlagen und erzählt die Geschichte immer mit einer gewissen Ruhe. Wer aufregende Dialoge, spannende Verfolgungsjagden oder ausgeklügelte Verhörmethoden sucht, sitzt eindeutig im falschen Film. Christies Werk wird voller Respekt behandelt. Der Spannungsbogen selbst ist dadurch zwar nicht sonderlich hoch, aber der Mörder bleibt doch lange Zeit unentdeckt. Die Vermutungen überschlagen sich und wechselns ebenso häufig. Mit seinen 114 Minuten fehlt dem Film die Zeit alle Figuren bis ins Detail vorzustellen, weswegen der Zuschauer gebannt Poirots Ausführungen folgt, da er als einziger den Überblick bei den Charakteren zu halten scheint und ihm Sachen auffallen, die jedem Laien entgangen wären – ganz so wie es sich für einen Meisterdetektiv gehört.

Durch die bedrückende und einengende Atmosphäre des Zuges wird das Katz und Maus Spiel doch noch spannender als zunächst vermutet. Keiner kann weg, jeder könnte der Mörder gewesen sein. Die Enge des Zuges lässt auch das Kamerateam sehr kreativ sein, was die Einstellungen betrifft. So sind nicht nur die üblichen Einstellungen zu sehen, sondern auch immer mal wieder neuartige, die frischen Wind in den Film bringen. Und zwischendurch gibt es dann doch kleine Szenen, die die Spannung durchaus erhöhen.
Ebenfalls ein interessanter Schachzug ist es, neben den ganzen hochkarätigen Namen der Schauspielriege auch wenige unbekannte hinzuzufügen. Während sich Branagh, Dafoe, Dench und viele weitere einer Oscarnominierung oder sogar eines Oscargewinns rühmen können, schafft es trotzdem sich Daisy Ridley (Star Wars – das Erwachen der Macht) ebenfalls in den Vordergrund zu spielen, auch wenn sie vor Star Wars kaum Rollen vorzuweisen hatte. Einen Schritt weiter geht Branagh dann noch bei der Besetzung von Sergei Polunin als Graf Andrenyi, der bisher erfolgreicher Ballettänzer war und zum ersten Mal für einen Kinofilm vor der Kamera stand. Dennoch muss auch er sich nicht verstecken. Castingtechnisch macht Mord im Orient Express also auch vieles richtig.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Mord im Orient Express interessante Kameraführungen hat, den Cast gut ausgewählt hat und sich gleichzeitig auch nah an die Romanvorlage hält. Doch der schmale Grad zur Modernisierung des Materials gelingt letztendlich nicht. So fesselt der Film nicht genug, erzeugt zu wenig Spannung und auch die Auflösung wird im komplett ruhigen Ton des Films gezeigt. Dadurch fehlt dem Film das gewisse Etwas, den gewissen Pepp, der das Werk außergewöhnlich gemacht hätte. So ist Mord im Orient Express zwar ein guter Film, bleibt aber doch hinter den Erwartungen zurück.

Das Fazit:

Wer einen ruhig erzählten Kriminalfall, der in sich an jeder Stelle schlüssig ist – dank der guten literarischen Vorlage – mit einem starken Cast und nicht allzu viel Wert legt auf das außergewöhnliche oder einem hohen Spannungsbogen ist mit Mord im Orient Express genau richtig bedient. Für alle anderen dürfte der Film an der einen oder anderen Stelle doch enttäuschend wirken. Dafür gibt es 7,5 von 10 möglichen Punkten und damit das erste Mal, dass auf dieser Seite halbe Punkte vergeben werden.