Horroroctober #6: Der Fluch

Irgendwie habe ich von den meisten Horrorfilmen immer nur einen zweiten oder dritten Teil gesehen. Auch hier habe ich vor einigen Jahren durch Zufall im Fernsehen einmal den zweiten Teil gesehen und hab den Horroroctober als Anlass genommen nun endlich auch einmal den ersten zu sehen.

In Japan glaubt man, dass wenn jemand durch rasende Wut getötet wird, ein Fluch geboren wird, der fortan jeden, der den Schauplatz des Mordes betritt, ebenfalls tötet. Karen und Doug sind Austauschstudenten in Japan. Nachdem die Pflegerin einer kranken Frau nicht mehr auftaucht, wird Karen darum gebeten nach dem Rechten zu sehen. Dabei trifft sie auf merkwürdige Phänomene und einen stetig wachsenen Leichenberg.

Der Fluch gehört zu den Filmen, die eine japanische Vorlage haben und für das westliche Publikum neu verfilmt wurden. Trotzdem ist Japan weiterhin der Schauplatz des Films. Die Handlung selbst erinnert ein bisschen an das haunted house-Genre, interpretiert das Genre aber sehr eigenwillig und schafft es daher eine neue und eigene Geschichte zu erzählen. Dem Zuschauer werden erst nach und nach die Zusammenhänge genauer dargestellt, so dass auch ein Rätsellös-Prozess während des Films stattfindet. Dadurch bekommt er eine ganz eigene Spannung und schafft es mit den Gruselelementen die passende Stimmung aufzubauen. Die Zeitsprünge, wenn vergangenes dargestellt wird, werden leider nicht klar gekennzeichnet und als Zuschauer braucht man ein paar Minuten, ehe man begreift, dass die Geschehnisse vergangenes darstellen. Auch kommen einige Charaktere vor, so dass einem die Namen in den Dialogen nicht immer direkt präsent sind, um sie einem Gesicht zuzuordnen.

Gruselfaktor: 4/5
Handlung: 3/5
Umsetzung: 3/5
Gesamt: 3/5

Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 7

Hallo ihr Lieben,
der Oktober ist zwar vollgepackt mit dem Horroroctober, aber trotzdem habe ich mal wieder einige Filme meiner Verpasst-Listen nachgeholt und berichte hier, wie gewohnt, nun in Kurzkritiken darüber.

1) Big friendly Giant
Roald Dahl ist für seine Kinderbücher bekannt, dessen bekanntestes Werk bisher wohl Charlie und die Schokoladenfabrik war. Nun hat Steven Spielberg sich nach vielen Jahren wieder an einen Kinderfilm getraut, der nach E.T. wieder einmal die Herzen von Groß und Klein höher schlagen lässt. Mit liebevoll gezichneten Figuren, geht es darum Kindern die Themen Einsamkeit und Ausgrenzung näher zu bringen. Dies wurde geschafft und dabei so viel Witz und Charme erzeugt, dass man noch Stunden später ein erwärmtes Herz hat. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

2) Findet Dorie
2003 entführte uns Findet Nemo in die kunterbunte Welt des Ozeans, der aber auch voller Gefahren ist. Bereits dort lernten wir Dorie kennen, der Pailettendoktorfisch ohne Kurzzeitgedächtnis. Nun 13 Jahre später erschien endlich die ersehnte Fortsetzung. Viele bekannte Gesichter sind wieder mit dabei, aber auch viele neue Charaktere. Dabei geht es im groben darum, dass Dorie immer wieder Erinnerungsfetzen sieht, die ihre Vergangenheit betreffen. Auf einmal erinnert sie sich an ihre Eltern und will sie unbedingt finden. Auch das zweite große Abenteuer im Ozean ist wieder voller Witz und liebenswerter Charaktere. Dabei war Hank, der siebenarmige Oktopus, wohl der liebenswerteste. Ein Film voll mit Witz, Spannung und unvergessbaren Charakteren, dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

3) Raum
Joy und ihr fünfjähriger Sohn Jack sind in einen nur 9qm großen Raum gesperrt und das schon seit vielen Jahren. Joy wurde entführt und seitdem als Objekt der Begierde genutzt. Dadurch ist auch Jack entstanden, den Joy nun versucht jeden Tag wieder fit, gesund und vor allem bei Laune zu halten. Dabei erfindet sie immer Geschichten, da Jack nun einmal nicht mehr als die 9qm kennt. Raum ist ein emotional geladener Film, der vorallem von der Liebe einer Mutter zu ihrem Kind lebt. Die Geschichte nimmt einen mit und gleichzeitig bewundert man Joys Durchhaltevermögen. Brie Larson hat zu Recht sowohl Oscar als auch Golden Globe für diese Film gewonnen. Raum bekommt 08 von 10 möglichen Punkten.

4) Die Winzlinge – Operation Zuckerdose
Nach einem Picknick lässt ein Pärchen ein paar Sachen zurück. Die werden sofort von den Wald- und Wiesenbewohnern beschlagnahmt. Auch ein kleiner Marienkäfer, der von seinen Eltern getrennt wurde, sucht Schutz in einer Zuckerdose. Am nächsten Morgen entdecken die roten Ameisen die Dose und wollen sie zu ihrer Königin bringen. Doch auch die schwarzen Ameisen sind an der Zuckerdose interessiert. Ein Film, in dem kein einziges Wort wirklich gesprochen wird. Intentionen werden lediglich durch tierische Geräusche dargestellt. Trotzdem ist der Film voller Witz, Charme und guter Botschaften über Freundschaft. Der Film ist durchgehend spannend und voller interessanter Charaktere. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

5) #Zeitgeist
Der Film stellt einige Stereotype im Umgang mit der digitalen Welt vor und zeigt eigentlich eher, wie man es nicht machen sollte. Dabei gibt es immer die Elternseite und die Kinderseite. Zum Beispiel gibt es die Mutter, die alle digitalen Schritte ihrer Tochter kontrolliert, alle Nachrichten, alle besuchten Seiten, alle geposteten Inhalte. Als krasses Gegenteil gibt es die Mutter, die ihrer Tochter gerne eine Karriere als Star ermöglichen möchte und daher eine Website angelegt hat, auf der sie Fotos ihrer Tochter postet, teilweise sogar in aufreizender Wäsche. Die verschiedenen Handlungsstränge überschneiden sich nur selten, spielen aber alle in der gleichen Stadt. Alle Charaktere sind stark überzeichnet, aber trotzdem bleibt der Film irgendwo realistisch und zeigt den falschen Umgang mit der digitalen Welt. Ein spannender und mitreißender Film, der seine Botschaft nicht mit dem Vorschlaghammer auf den Zuschauer einprügelt, sondern durch seine ruhige Erzählweise zum Nachdenken anregt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Horroroctober #5: The Eye

Ich glaube ich hätte mir mit dem Horroroctober nicht so viel Zeit lassen sollen, denn irgendwie ist in 1,5 Wochen schon der 31. und ich bin gerade einmal beim fünften Film. Aber na gut, merk ich mir für das nächste Jahr.

Sydney Wells ist seit ihrem fünften Lebensjahr blind. Durch die Hornhauttransplantation einer Toten kann sie nun nach vielen Jahren endlich wieder sehen. Doch nach ihrer anfänglichen Euphorie, merkt sie langsam, dass etwas nicht stimmen kann. Sie sieht Tote und findet sich manchmal an fremden Orten wieder, obwohl sie eigentlich in ihrer Wohnung ist. Um dem ganzen auf den Grund zu gehen, muss sie die frühere Besitzerin ihrer Hornhaut finden.

Die Geschichte von The Eye ist nun nicht gerade neu, zumal es ein Remake eines Hongkonger Horrorfilms ist. Auch habe ich bereits ähnliche Geschichten gehört, z. B. bei X-Faktor das Unfassbare. Trotzdem wurde hier noch einmal eine neue Geschichte weitergesponnen, so dass das Ende in keinster Weise vorhersehbar war. Im Gegenteil konnte der Film am Ende noch einmal mit einer nicht geahnten Wendung sehr überraschen. Trotzdem muss man sagen, dass The Eye abgesehen von ein paar Totenerscheinungen wenig von einem Horrorfilm hat und eigentlich eher in die Kategorie Thriller gehört, denn spannend ist der Film auf alle Fälle. Der Film wird von Jessica Alba als Protagonistin solide getragen, auch wenn sie vielleicht noch mehr aus der Rolle hätte machen können. Leider werden die Geister, die sie zwischendurch sieht, nie so richtig erklärt, sie sind einfach da, um den Gruselfaktor zu erhöhen. Hierfür hätten ruhig noch ein paar Minuten geopfert werden können.

Gruselfaktor: 1/5
Handlung: 4/5
Umsetzung: 3/5
Gesamt: 3/5

War Dogs

Am 29.09.2016 erschien ein Film über die etwas anderen Waffenschieber in den deutschen Kinos.

Efraim Diveroli und David Packouz nutzen eine Lücke im amerikanischen Waffengesetz aus und können so kleine Waffendeals an Land ziehen. Das ganze funktioniert ganz gut, bis sie einen 300 Millionen Dollar Deal für den Irakkrieg bekommen und sich dabei auf dubiose Geschäftspartner einlassen.

In den USA gibt es ein Gesetzt, dass die Regierung nicht alle Waffendeals an die größten Firmen gehen dürfen, sondern auch einige an die Allgemeinheit ausgeschrieben werden müssen. Dabei werden meistens nur kleinere Deals ausgeschrieben, doch wenn man gut genug sucht, findet sich manchmal auch eine kleine Goldgrube.
Dass er einmal Waffenschieber wird, hat sich David wohl nie auch nur träumen lassen. Nach der Schule weiß er nicht so wirklich, was er mit seinem Leben anfangen soll und massiert reiche Leute und versucht sich immer wieder an neuen Verkaufsprojekten, die aber nie so richtig funktionieren wollen. Als seine Freundin schwanger wird, steht er vor dem Problem, wie er seine Familie ernähren soll. Da taucht sein bester Freund aus Kindertagen wieder auf. Efraim gehört zu den kleinen Waffenschiebern, die die Gesetzeslücke der USA ausnutzen. Zusammen mit David möchte er das ganze ausbauen. Schnell finden sie genug Deals, um in Saus und Braus zu leben. Dann entdecken sie den Deal ihres Lebens und schaffen es einen 300 Millionen Dollar Deal an Land zu ziehen. Dafür brauchen sie jedoch neue Geschäftspartner und damit nimmt das Unheil seinen Lauf.
War Dogs basiert auf wahren Ereignissen, was die Geschichte noch unglaublicher macht. Der Film erinnert ein bisschen an „Lord of War“, hat aber einen noch weniger ernsten Ton. Der Film versucht einen Spagat zwischen Komödie und Thriller, schafft diesen aber nicht ganz, so dass die erste Hälfte eher zur Komödie und die zweite Hälfte eher zum Thriller wird. Das liegt vor allem daran, dass das Ende sehr vorhersehbar ist. Aber der Weg ist im typischen fünfstufigen Dramastil gehalten und funktioniert da sehr gut. Die Geschichte ist wenig bekannt und daher bietet sie immer wieder etwas neues und unvorhersehbare Wendungen, auch wenn der Trailer leider schon wieder viel vorwegnimmt.
War Dogs hat mit seiner Castingentscheidung alles richtig gemacht. Miles Teller und Jonah Hill stellen gut die beiden Gegensätze der Geschäftspartner dar und harmonisieren perfekt auf der Leinwand. Hill übernimmt die Rolle des Ephraim Diveroli, ein jähzorniger Lebemann, der einfach nur schnell viel Geld machen will. Teller übernimmt die Rolle des David Packouz, der zurückhaltende und bedachtere der beiden. Diese Gegensätze werden geschickt genutzt, um Teller/Packouz die Geschichte erzählen zu lassen und Hill/Diveroli für die Witze zu nutzen.
Mit einer Spiellänge von 114 Minuten wurde genau die richtige Zeit abgepasst, um die Geschichte mit allen Hoch- und Tiefpunkten zu erzählen, ohne Längen aufkommen zu lassen. Durch regelmäßige Wendungen in der Geschichte bleibt das Spannungslevel oben und die Erfolgsgeschichte der beiden kleinen Waffenschieber kann mitreißen.

Alles in allem eine mitreißende Komödie, auch wenn das Ende sehr vorhersehbar ist. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Snowden

Am 22.09.2016 erschien ein Film über die realen Ereigisse um Edward Snowden in den deutschen Kinos.

Edward Snowden arbeitete bei verschiedenen Geheimdiensten, unter anderem der CIA und der NSA. Dort fand er heraus, dass die USA heimlich fast die ganze Welt ausspionierten und die Legalität dafür fast erfanden. Bis er es nicht mehr aushält und der ganzen Welt davon erzählt. Und dafür als Verbrecher angesehen wird.

Die Geschichte des Whistleblowers Snowden erschütterte die Welt. Die USA soll fast die ganze Welt ausspionieren und auch die eigene Bevölkerung. Es soll zwar den Kampf gegen Terrorismus unterstützen, wurde aber in vielen Fällen missbraucht und sich auch gegen die Regierungen anderer Länder richten. Nach diesen Enthüllungen gab es in den Medien kaum noch ein anderes Thema. Doch was hat sich wirklich verändert? Die USA fanden viele Ausreden und Beschönigungen und zumindest die deutsche Regierung hat es sehr schnell auf sich beruhen lassen. Bereits 2014 gab es einen Dokumentarfilm über Snowden von Laura Poitras, in dem Snowden selbst seine Geschichte erzählt. Nun zwei jahre später wurde die Thematik wieder aufgegriffen, diesmal aber nicht als Dokumentation, sondern als Drama/Thriller für die Kinoleinwand.
Im Jahr 2013 wandte sich Snowden, der bereits aus den USA nach Hongkong geflüchtet war, an die Dokumentarfilmerin Laura Poitras und Glenn Greenwald, einem Journalisten des Guardian. Diesen erzählt er für den später veröffentlichten Dokumentarfilm Citizenfour seine Geschichte. Wie er schon immer seinem Land dienen wollte, aber bei den Special Forces ausgemustert wurde, aber durch seine guten IT-Kenntnisse schnell einen Posten in den Geheimdiensten CIA und später auch NSA bekam. Dies dient als Rahmenerzählung des Films und wird gepaart mit der persönlichen Ebene Snowdens. Wie er seine Freundin Lindsay Mills kennenlernt und wie sich ihre Beziehung zu seinen steigenden Erkenntnisse verhält. Wie er letztendlich aussteigt und aus den USA flüchtet, um seine Geschichte publik zu machen.
Die Schwierigkeit bei Biographien ist immer, dass eine große Anzahl des Publikums die Geschichte bereits kennt. Vorallem das Ende dürfte jedem bekannt sein. Trotzdem schafft Snowden es die Spannung hochzuhalten, da der Film nicht nur die Fakten aufzählt, sondern auch die persönliche Komponente hochhält. man erfährt mehr von Snowdens innerer Zerrissenheit, weil er seinem Land dienen will, aber gleichzeitig die vollkommene Überwachung nicht mit seinem Gewissen vereinen kann. Auch wird zum ersten Mal seine Beziehung zu Lindsay Mills thematisiert. Er durfte ihr nichts von seiner Arbeit erzählen, weswegen seine Beweggründe für sie immer schwer nachvollziehbar waren. Snowden versuchte sie vor der Spionage zu warnen, ohne etwas preisgeben zu können. Dadurch erweitert der Film die Erzählungen aus Citizenfour. Leider leiden darunter Fakten zur eigentlichen Arbeit Snowdens, die im Film nicht klar dargestellt wurden, sondern meistens nur angedeutet wurden. Der Film versucht die Jahre 2003 bis 2013 abzudecken, kann daher jede Station in Snowdens Leben immer nur anreißen, was irgendwann etwas unübersichtlich wirkt. Die wesentlichen Etappen sind jedoch klar erkennbar und so hilft Snowden dem Zuschauer die wahren Ereignisse nahe zu bringen.
Einen großen Teil zum erfolgreichen Gelingen des Filmes tragen die Schauspieler, die überwiegend herausragende Leistungen abliefern. Gerade Joseph Gordon-Levitt überzeugt als Edward Snowden. Er traf sich vor Drehbeginn mehrfach mit Sowden in dessen Exil in Russland, um Gestik und Mimik möglichst detailgetreu wiedergeben zu können. Dies gelang ihm auch, so dass man in keiner Sekunde des Films zweifelte, wen er darstellen möchte. Auch Shailene Woodley zeigte einmal mehr, dass sie eine herausragende Schauspielerin ist. Auch der weitere Cast ist mit bekanten Schauspielern besetzt, die ihre Rollen alle sehr souverän spielen, wie Melissa Leo, Zachary Quinto, Tom Wilkinson, Nicolas Cage und Rhys Ifans.
Snowden geht über eine Spielzit von 135 Minuten und schafft es beinahe ohne Längen auszukommen. Nur im Mittelteil, wenn es praktisch nur noch um die persönliche Ebene geht, zieht der Film sich etwas. Hier hätte man ihn um ca. 15 Minuten einkürzen können. Das Ende wurde noch einmal sehr rührend gestaltet, als es um die Enthüllungen und die Reaktion der USA ging. Leider zielt der Film sehr stark auf Präsident Obama als Bösewicht ab, praktisch als wäre er alleine Schuld an der Spionage. Das er als Präsident wenig Macht hat und die meisten Entscheidungen der Kongress fällt, wird nicht berücksichtigt.

Alles in allem ist Snowden ein bewegender und überzeugender Film, der einem wieder die Enthüllungen ins Gedächtnis ruft. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Horroroctober #3: Die Frau in Schwarz

Die Frau in Schwarz 2 war mein persönlicher Flop des Jahres 2015 mit gerade einmal 01 von 10 möglichen Punkten. Trotzdem wurde mir immer wieder geraten den ersten Teil zu sehen, da der zweite nur lose auf diesem basieren und der erste ohne unnötige Jumpscares auskomme. Also kam der Film auf meine Liste für den Horroroctober.

Arthur Kipps ist Anwalt und Witwer. Er soll für seine Kanzlei das Vermächtnis einer Frau klären und reist dafür in den abgeschiedenen Ort Crythin Gifford. Die Ortsansässige wollen ihn jedoch scheinbar schnell loswerden. Trotzdem begibt er sich auf das abgeschiedene Anwesen, um dort die Briefe zu durchsuchen. Doch das Haus scheint ein Eigenleben zu führen und auf einmal sterben Kinder im Dorf. Was geht wirklich vor sich?

Die Frau in Schwarz schafft es sehr schnell ein sehr düsteres Grundsetting zu schaffen und damit auch eine gruselige Grundatmosphäre. In Crythin Gifford scheint es nur schlechtes, regnerisches Wetter zu geben, was zwar zur Stimmung passt, aber doch etwas zu drastisch ist. Die abgeschiedene Lage des zu untersuchenden Hauses ist gut, damit sich Protagonist und Zuschauer wie am Ende der Welt führt, zumal man das Haus nur bei Ebbe erreichen und auch wieder verlassen kann. Hinzu kommt das der Film beinahe gänzlich auf Jumpscares verzichtet, sondern schafft es durch langsame Kamerafahrten, Nebel und dem langsamen Auftauchen von übernatürlichen Gestalten den Gruselfaktor hoch zu halten. Dadurch wirkt der Film sehr atmosphärisch und kreiert ein Vorbild für Filme des gleichen Genres. Selbst Daniel Radcliffe schafft es in diesem Film nicht mit Harry Potter verglichen zu werden und gibt dem Film dadurch noch einen Zusatzpunkt. Der einzige Kontrapunkt des Film ist, dass die erzählte Geschichte sehr oberflächlich behandelt wird. Kipps findet zwar immer wieder Briefe, die eine Hintergrundgeschichte zur Frau in Schwarz stricken, aber die Bruchstücke die man erfährt sind so wenige, dass man selbst nach Ende des Films das Gefühl hat, nicht alle Puzzlestücke gefunden zu haben.

Gruselfaktor: 4/5
Handlung: 4/5
Umsetzung: 4/5
Gesamt: 4/5

Nerve

Am 08.09.2016 erschien ein Film über ein potenzielles Internet-Phänomen in den deutschen Kinos.

Vee ist eigentlich eher schüchtern und zurückhaltend. Doch um aus dem Schatten ihrer besten Freundin zu kommen, meldet sie sich bei dem illegalen Online-Spiel Nerve als Player an. Die sogenannten Watcher geben den Playern immer neue Aufgaben, die sie für Geld umsetzen sollen. Doch Vee gelant in einen Strudel, den sie nicht aufhalten kann.

Bist du Watcher oder Player? So kündigt sich das Online Game „Nerve“ im gleichnamigen Film an. Die Nutzer werden somit in zwei Gruppen geteilt. Die Wagemutigen Player, die sich zu immer neuen Challenges herausfordern lassen. Bei Bestehen der Challenge gibt es Geld, das direkt auf das eigene Konto überwiesen wird. Finanziert wird das von den Watchern, die um die Challenges ansehen zu können, regelmäßig einen Betrag zahlen müssen. Ziel ist es möglichst viele Challenges zu gewinnen und dabei viele Watcher zu generieren bis am Ende nur noch ein Spieler als Gewinner übrig bleibt, da alle anderen Spieler durch nicht Bestehen einer Challenge ausgeschieden sind. In Zeiten in denen viele ihre Persönlichkeit über ihre Online-Profile auf Facebook, Instagram und ähnliches definieren, ist die Idee hinter diesem Spiel nur eine Steigerung des bereits vorhandenen Wahnsinns.
Im Film will die eher etwas schüchterne und zurückhaltende Vee es allen zeigen und meldet sich für sie untypisch als Player bei Nerve an. Ein weiterer Anreiz für sie ist, dass sie Geld braucht für eine teure Kunst-Akademie. Das Spiel muss sie vor ihrer Mutter geheim halten, die jedoch sowieso den ganzen Tag arbeitet. Schon bei ihrer ersten Challenge lernt sie den sympathischen Ian kennen, mit dem sie ab da ein Team bildet. Doch kann sie ihm wirklich trauen? Und wie viel ist am dem Gerücht dran, dass bereits ein Spieler bei einer Challenge gestorben ist?
Nerve kommt mit einer neuen Idee daher, die in der heutigen Zeit gar nicht so weit hergeholt ist. Die Spannung kommt sehr schnell auf und auch Vees Beweggründe werden gut dargestellt. Die Handlung ist gut in die aktuelle Tendenz und aktuellem Online-Verhalten eingebunden, geht aber einen Schritt weiter. Zunächst ist die Handlung dadurch auch sehr authentisch, verliert diese jedoch ein bisschen gegen Ende, denn der Showdown wirkt dann doch ein bisschen zu übertrieben. Den überwiegenden Teil schaffen es aber die reale Handlung und der hohe Spannungsfaktor eine rasante Geschichte zu erzählen, die mitreißt und begeistert. Hinzu kommt eine gelungene Mischung aus sympathischen, unsympathischen und undurchsichtigen Charakteren mit denen man mitfieber kann, die einen abstoßen und die man versucht zu knacken. Dadurch ist der Zuschauer dauerhaft in die Handlung mit eingebunden und es gibt genug Identifikationspotenzial. Das Ende ist zwar übertrieben, aber dennoch rund und eine vernünftige Aufklärung der Handlung.

Alles in allem ist Nerve ein halbwegs realistischer Film, der durchgängig spannend ist und nur am Ende durch ein zu übertriebendes Finale etwas schwächelt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Studierst du noch oder lebst du schon?

Meine Tage als Studentin waren kurz und sind auch schon wieder ein paar Jährchen her. Trotzdem fühlte ich mich von dem Buch „Studierst du noch oder lebst du schon?“ direkt angesprochen.

Jeanne möchte ihr Sabbatjahr nutzen, um eine Doktorarbeit zu schreiben. So ist sie außer sich vor Freude, als ihr dieses genehmigt wird. Allerdings erhält sie kein Stipendium. Kein Problem, denkt Jeanne, dann arbeite ich halt nebenbei an der Uni. Doch der Alltag als Doktorantin ist ganz anders, als man ihn sich vorstellt.

Tiphaine Rivière war einst selbst Doktorantin, gab dieses jedoch zu Gunsten einer Karriere als Comic-Zeichnerin auf und berichtet nun von ihren Erfahrungen, die sie während ihres dreijährigen Versuches gemacht hat eine Doktorarbeit zu schreiben.
Jeanne ist von ihren Beruf als Lehrerin total genervt, denn ihre Schüler haben keinen Respekt und sind überhaupt nicht zu bändigen. Also beschließt sie ein dreijähriges Sabbatjahr einzulegen (in Frankreich laut Buch ohne Probleme möglich) und in diesen drei Jahren ihre Doktorarbeit zu schreiben. Schnell wird sie auch als Doktorantin angenommen, leider ohne Stipendium. Also will sie nebenbei an der Uni dozieren. Doch das Schreiben einer Doktorarbeit ist trotzdem kein Zuckerschlecken. Die verschiedensten Probleme werden in dieser Graphic Novel ausführlich dargestellt. Durch viele innere Monologe wird die Nähe zur Protagonistin sehr stark, man fühlt durchgängig mit ihr. Durch viele Schilderungen von Alltagssituationen findet man sein eigenes Studentenleben in einigen wieder, was die Nähe noch mehr verstärkt. Gleichzeitig schildert die Graphic Novel jedoch einen Zeitraum von ca. 5 Jahren auf 179 Seiten. Dadurch gibt es viele Zeitsprünge, die nur leider nur selten gekennzeichnet werden, wodurch man zwischendurch doch den Überblick verliert. Doch der Leser kann den Faden schnell wiederfinden, so dass man das Buch gut in ein paar Stunden durchgelesen hat. Die Bilder sind im ganz eigenen Stil gezeichnet und haben dadurch einen ganz persönlichen Charme. Die Handlungen und Emotionen sind alle passend dargestellt, so dass man zu den Denk- und Sprechblasen gleich die richtige Betonung erkennt. Das Bild/Text-Verhältnis ist passend. Der Text ist gut lesbar und überdeckt das Bild dabei nicht. Wenn einmal mehr Text nötig ist, so wurde das Bildmaterial verringert, aber trotzdem passend um den Text drapiert.
Der einzige Haken am Buch ist der Titel. Denn dieser gibt dem Leser das Gefühl, es handele sich um eine Graphic Novel, die wirklich das Leben eines Studenten unter die Lupe nimmt. Denn zwischen Student und Doktorant ist noch einmal ein himmelweiter Unterschied. Aber vielleicht überrascht uns Autorin Rivière mit einer Fortsetzung.

Alles in allem ist „Studierst du noch oder lebst du schon?“ ein kurzweiliges, aber realistisches Abenteuer in die Abgründe eines Doktorantenlebens.

„Studierst du noch oder lebst du schon?“ wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

Streiflichter aus Amerika

Neulich grübelte ich vor meinem DVD-Regal über eine passende Abendunterhaltung und stieß auf Picknick mit Bären, eine Verfilmung eines Buches von Bill Bryson, und wieder war ich fasziniert von der Geschichte. Ein paar Tage später fiel mein Blick auf meinen SuB (Stapel ungelesener Bücher) in dem sich doch tatsächlich zwei Bücher des Herrn Bryson versteckten. Meine Wahl fiel auf Streiflichter aus Amerika.

Bill Bryson und seine Familie kehren nach einigen Jahren in England in Brysons Heimat die USA zurück. Kurz darauf bittet ein Freund von ihm für seine Zeitung eine Kolummne über die USA zu schreiben. Obwohl Bryson dafür eigentlich keine Zeit hat, schreibt er doch über alles, was ihm in seiner neuenalten Heimat auffällt.

Streiflichter aus Amerika kommt mit dem Untertitel „Die USA für Anfänger und Fortgeschrittene“ daher, was die Erwartung schürt einen humorvollen Guide durch die Eigenheiten der USA zu bekommen gepaart mit nützlichen Tipps für Touristen. Hier wird der Leser jedoch durch Titel und Klappentext in die Irre geführt. Denn die einzelnen Kapitel waren ursprünglich Kolummnen in der Mail on Sunday, eine britische Zeitung. Dies wird jedoch in einem sehr lustigen Vorwort schnell erklärt und so ist man auf die neue Situation von Anfang an eingestellt.
In den Kolummnen schreibt Bryson über praktisch alles. Von der Post, Kino, Motels, Strand, Steuererklärung, die Wunderwelt der Technik, Flughäfen, Bürokratie, Automietung, Sommer, Winter, Universitäten, Drogen, Friseur und Lesereisen, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. In 78 Kapiteln, die je einer Kolummne entsprechen, erzählt Bryson über seinen Alltag, seine Beobachtungen und über alles, was ihn gerade ausregt. Dabei sind manche Kapitel interessanter und spannender als andere, aber im großen und ganzen ist eine so große Mischung an Themen vorhanden, dass für jeden etwas dabei sein dürfte. Leider überwiegt bei vielen Kapiteln das Meckern. Bryson lässt an seinen Landsleuten kaum etwas Gutes. Würde man die Amerikaner nur nach diesem Buch bewerten, dann bewegen sie sich praktisch gar nicht und die Hellsten sind sie auch nicht. Das ist etwas schade, denn gekauft habe ich das Buch bei der Reiseliteratur, aber vorbereitet auf eine Reise in die USA ist man nach diesem Buch nicht. Aber wenn man sich von diesen Erwartungen löst und sich vor Augen führt, dass die Kolummne 1996 geschrieben wurde, dann macht das Lesen Spaß. Ein gutes Buch für zwischendurch mit abgeschlossenen Kapiteln.

Alles in allem schüren Titel und Klappentext falsche Erwartungen und leider überwiegt das Meckern, aber trotzdem macht das Lesen Spaß.

Bad Moms

Am 22.09.2016 erschien ein Film, der endlich einmal den Müttern gewidmet wurde, in den deutschen Kinos.

Amy hat Ehemann, zwei Kinder, Haus, Hund und Karriere. Doch dies alles unter einen Hut zu bringen, bringt sie beinahe täglich zur Verzweiflung. Eines Tages hat sie die Nase voll und gründet mit zwei weiteren überforderten Müttern die Bad Moms und hören auf zu versuchen perfekt zu sein. Das passt den perfekten Müttern jedoch gar nicht in den Kram.

Jeder, der nicht selbst Mutter ist, dürfte kaum verstehen, wie schwer es ist Kinder und Job unter einen Hut zu kriegen und dabei auch noch das eigene Leben zu genießen. Man möchte den Kindern alles bieten und rund um die Uhr für sie da sein, aber gleichzeitig auch noch das Geld für alles zu verdienen. Zu allem Überdruss wird einem aber auch noch von allen Seiten zugetragen, dass sie perfekt sein müssen, um eine gute Mutter zu sein. Sei es in der Werbung, in Filmen und Serien oder von den perfekten Müttern in Kindergarten und Schule. Mit Bad Moms startet nun endlich ein Film in den Kinos, der die Sorgen und Ängste der Mütter ernst nimmt und diese auf humorvolle Weise beleuchtet.
Wenn man an die Zukunft denkt, dann gehört meistens ein Haus, ein Mann, Kinder und natürlich der Hund dazu. Meistens wird dies auch gerne gegen eine Karriere ausgetauscht, manchmal soll auch beides verbunden werden. Genauso ist es bei Amy. Sie hat ein Haus, ist verheiratet, hat zwei Kinder, einen Hund und auch eine Karriere. Und um alles zu kombinieren eine Menge Stress und nie Zeit für sich. So eilt sie permanent vom Job zu Schule, um ihre Kinder immer rechtzeitig zu ihren Freizeitaktivitäten zu bringen. Doch als sie bemerkt, dass ihr Mann sie online betrügt, ändert sich ihre Einstellung gewaltig. Sie wirft ihren Mann raus und gründet zusammen mit zwei anderen überforderten Müttern die Bad Moms. Was zunächst eine totale Erleichterung des Alltags zu sein scheint, dreht sich langsam zu einer Katastrophe, als die perfekten Mütter davon Wind bekommen und dagegen angehen.
Wie weit geht die Verantwortung einer Mutter perfekt sein zu müssen? Mit dieser Frage geht Bad Moms respektvoll um und schafft es dennoch mit gekonntem Witz eine Komödie zu erschaffen. Die einzelnen Aspekte im Leben einer Mutter werden realitätsnah aufgegriffen und auch die verschiedenen Muttertypen werden vorgestellt. Von der reichen Gattin mit den perfekten Kindern, zur überforderten alleinerziehenden Mutter, die viel zu wenig Zeit mit ihrem Kind verbringt sind alle Stereotypen dabei. Alle diese Typen werden mit positiven und negativen Eigenschaften dargestellt, so dass hier keine Mutter als Idealtyp, aber auch keine als abschreckendes Beispiel fungieren muss.
Bereits im Trailer wurde mit „Von den Machern der Hangover Reihe“ geworben. Hier könnte man denken, dass Bad Moms mit ebenso derben Humor daher kommt, doch das ist nicht der Fall. Denn der Humor in Bad Moms ist wohldosiert, gut durchdacht und verzichtet, bis auf ein paar Ausnahmen, gänzlich auf Witze unter der Gürtellinie. Dadurch wird es zu einem Spaß für mehrere Altersgruppen. Die Schauspieler sind passend ausgewählt und spielen ihre Sache sehr souverän. Spannung wird während des Films erzeugt und auch bis zum Ende ausrecht erhalten, ist aber nicht der Kernpunkt des Films.

Alles in allem endlich ein gelungener Film für die Mütter. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.