Collide

Am 04.08.2016 erschien ein Thriller, der komplett in Köln gedreht wurde, in den deutschen Kinos.

Der amerikanische Autodieb Casey versucht in Köln ein neues Leben zu führen. Bis seine Freundin Juliette schwer erkrankt und sie dringend viel Geld brauchen. Zu diesem Zeitpunkt lässt er sich auf ein dubioses Geschäft mit dem Dealer Geran ein, der wiederum Rache an seinem ehemaligen Geschäftspartner den Drogenboss Hagen Kahl nehmen will. Doch der Plan funktioniert nicht ganz so wie geplant.

 Schnelle Autos und rasante Verfolgungsjagden. Diese Szenen auf einer deutschen Autobahn dürfte vielen aus der deutschen Serie „Alarm für Kobra 11“ bekannt sein – oder zumindest aus den vielen Trailern in den Werbepausen. Diesmal versuchte sich jedoch Hollywood an der Faszination der nicht Geschwindigkeitsbeschränkten deutschen Autobahn und bringt dafür gleich einige ihrer bekanntesten Gesichter mit.
Casey war in den USA ein bekannter Autodieb, der inzwischen in Deutschland wohnt, um sich der Konsequenzen in den Staaten zu entziehen. Auch hier führt er kein ganz legales Leben und nimmt immer wieder neue Aufträge des Dealers Geran an. Dieser gilt als ein Handlanger des Drogenbosses Hagen Kahl, würde aber gerne zu seinem Partner aufsteigen. Als Casey ebenfalls die Amerikanerin Juliette trifft und sich verliebt, versucht er ihr zu Liebe ein legales Dasein zu führen. Bis zu dem Punkt, als Juliette lebensgefährlich erkrankt. Doch für die lebenswichtige Operation brauchen sie viel Geld. In seiner Not sucht Casey Geran auf. Dieser will sich an Hagen Kahl rächen und gibt Casey den Auftrag eine große Ladung Drogen von Kahl zu stehlen. Doch der Plan geht natürlich nicht auf und so ist Casey schon schnell auf der Flucht.
Collide ist ein Film, der bewusst eine simple Handlung hat, um sich vollkommen auf eine spektakuläre Verfolgungsjagd zu konzentrieren. Leider geht dieses Prinzip nach hinten los, denn der Film verliert schon bald alles an Glaubwürdigkeit, da diese Jagd sehr stark ausartet. Und spätestens, wenn Casey sich mit dem dritten Auto mehrfach überschlägt und trotzdem nur mit ein paar Kratzern wieder aufsteht und wieder den professionellen Leuten von Kahl entgeht, fühlt man sich als Zuschauer nicht mehr ernst genommen. Denn einen gewissen Grad an Realität möchte man als Zuschauer doch erwarten. Zudem wird Caseys und Juliettes Liebesgeschichte im Film vorgestellt und so weiß man, dass sich die beiden noch nicht all zu lange kennen und schon tut Casey alles für sie? Nun gut, man könnte es als bedingungslose Liebe interpretieren, aber es wäre wesentlich nachvollziehbar, wenn es noch einen zweiten Antriebsgrund geben würde.
Auch versucht der Film an mehrern Stellen, vor allem durch einen sehr durchgeknallten Geran, Humor mit einzubringen, was aber auch nur stellenweise gelingt. Wirklich positiv im Film ist lediglich die Besetzung mit teilweise namenhaften Schauspielern, wie Anthony Hopkins und Ben Kingsley. Aber auch diese bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, weil es ihre Rollen einfach nicht nötig machen. Anthony Hopkins als Hagen Kahl spielt den eiskalten Drogenboss zwar sehr glaubhaft, aber auch ohne Facetten. Keine Rolle, die einem langfristig im Gedächtnis bleibt. Ben Kingsley spielt den völlig durchgedrehten Dealer Geran. Seine Rolle sorgt zwar für die einzigen humorvollen Momente und lockert den Film ein wenig auf, aber ist gleichzeitig wieder so überzogen, dass es nicht richtig passen will. Nicholas Hoult als Casey spielt seine Rolle zwar auch souverän, kann aber weder Nähe zur Figur oder gar Sympathie erzeugen.

Alles in allem versucht Collide gar nicht über eine mittelmäßige Leistung herauszukommen und kann damit in einem Thriller absolut keine Spannung erzeugen. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Pets

Am 28.07.2016 erschien ein Animationsfilm, der sich mit dem geheimen Leben unserer Haustiere befasst, in den deutschen Kinos.

Der Terrier Max könnte nicht glücklicher über sein Leben mit seinem Frauchen Katie sein. Er liebt sie über alles und hat in der Nachbarschaft einige Freunde. Doch eines Tages bringt Katie Duke mit, einen anderen Hund, den sie aus dem Tierheim hat. Durch die neue Konkurrenzsituation entführt Duke schließlich Max, dabei verlieren beide ihre Halsbänder und müssen nun vor den Tierfänger fliehen und irgendwie den Weg zurück nach Hause finden.

Bereits über ein Jahr vor dem Filmstart wurde der erste Trailer veröffentlicht. In diesem sah man verschiedene Haustiere, die alle unterschiedliche „Hobbies“ für die Zeit, in der ihre Besitzer arbeiten waren, entwickelt hatten. Der Trailer war so lustig gestaltet, dass der Erscheinungstermin rot im Kalender eingekreist wurde und über ein Jahr wurde nun auf den Start gefiebert. In der Weihnachtszeit erschien dann ein zweiter Trailer, in dem die bekannten Tiere nun für ein Weihnachtsfoto posieren sollten. Auch hier steckte wieder viel Witz drin, so dass die Aufregung noch mehr geschürt wurde. Doch bald darauf folgte der dritte Trailer und der erste, der auch etwas von der Handlung zeigt. Doch diese schien überhaupt nicht mehr so lustig, wie die ersten beiden Trailer vermuten ließen. Es schien nun gar nicht mehr so richtig, um die geheimen „Hobbies“ der Haustiere zu gehen, sondern es sah nach einem 08/15-Buddy-Film aus. Und genauso kam es letztendlich auch.
Zunächst lernt der Zuschauer Max kennen, einen Terrier, der sein Frauchen Katie über alles liebt, und der den ganzen Tag vor der Tür hockt und wartet, dass Katie zurück kommt. Als nächstes lernen wir seine Freunde kennen, mitsamt ihrer „Hobbies“. Es scheint alles, wie im ersten Trailer zu sein – könnte daran liegen, dass uns genau diese Szenen dort gezeigt wurden. Doch als Katie nach Hause kommt, hat sie eine Überraschung dabei: einen übergroßen Hund, der auf den Namen Duke hört. Er ist aus dem Tierheim und soll Max‘ neuer Bruder werden. Dieser ist von der Idee wenig begeistert und als Duke sich dann auch noch seiner Sachen annimmt, reicht es ihm. Als Katie am nächsten Tag das Haus verlässt, droht Max das ganze Haus zu verunstalten, wenn Duke nicht nach seinen Regeln spiele. Da max das noch nie gemacht hat, würde Katie sicher denken, dass Duke das Haus verwüstet habe. Dieser will sich beim alltäglichen Spaziergang mit dem Hundesitter dafür rächen. Kurzerhand entführt er Max und lässt ihn in einer einsamen Gasse zurück. Leider hat er nicht damit gerechnet, dass in dieser Gasse Straßenkatzen ihr unwesen treiben. Diese klauen die Halsbänder der beiden. Diese müssen nun nicht nur den Straßenkatzen und den Tierfängern entkommen, sondern auch irgendwie wieder zurück nach Hause finden. Dabei treffen sie unter anderem auf eine Straßengang vergessener Haustiere, angeführt von dem süßen, aber sehr gefährlichem, Hasen Snowball. Gleichzeitig sammeln sich zu Hause Max‘ Freunde für eine Suchaktion.
Durch die ersten Trailer hat Pets eine sehr hohe Erwartungshaltung geschürt, die der Film leider in keinster Weise halten konnte. Die Handlung ist lieblos zusammengeschustert und kann weder Spannung, noch Witz vermitteln. Die wirklich guten Witze sind bereits alle im Trailer verbaut. Die übrig gebliebenen sind so überspitzt, dass man über sie einfach nicht mehr lachen kann. Zudem hat man das Gefühl die gleiche Handlung schon ein dutzendmal gesehen zu haben.
Das Hauptaugenmerk liegt in diesem Film eindeutig auf den Charakteren und hier kann der Film wirklich mit den verschiedensten punkten. Leider entsprechen aber auch diese sehr gängen Klitschees und sind wenig neu inspiriert.
Nachdem Disney-Pixar in letzter Zeit mit „Alles steht Kopf“ und „Zoomania“ mit guten Ideen und guten Impulsen für die junge Generation daherkam, wirkt Pets nun noch bedeutungsloser. Denn das Thema der Freundschaft wird zwar vage angesprochen, aber doch sehr lasch behandelt. Man sollte nun also annehmen, dass Max und Duke auf ihrem Abenteuer zu Freunden werden. Doch in jeder Entscheidung, die die beiden treffen, ist immer die Frage, ob sie es für sich tun oder ob sie es wirklich aus Freundschaft tun. Max‘ Freunde zu Hause begeben sich zwar letztendlich auf die Suche nach den beiden, aber auch dies nur, weil die verliebte Gidget alle dazu bringt. Von alleine wäre keiner auf die Idee gekommen.

Alles in allem ist Pets ein liebloser Film, der in keinster Weise die Erwartungen erfüllen kann. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Verräter wie wir

Am 07.07.2016 erschien ein neuer Thriller mit Ewan McGregor in den deutschen Kinos.

Perry und Gail treffen in ihrem Urlaub in Marrakesch auf den zwielichtigen Russen Dima. Dieser hat jedoch Angst um sich und seine Familie und bittet daher den unauffälligen Perry um Hilfe nach Großbritannien einzureisen. Bei dem Versuch treffen sie auf den Geheimagenten Hector, der seine Chance auf wichtige Informationen wittert. Eine Hetzjagd durch Europa beginnt.

John le Carré dürfte als Autor vielen ein Begriff sein. Durch seine frühere Arbeit beim britischen Geheimdienst konnte er seinen Spionage-Thrillern die nötige Authentizität geben, die sie zu internationalen Bestsellern machten. In den letzten Jahren wurden seine Werke mehrfach als Vorlage für einen Film/Serie genommen, so z.B. „a most wanted man“ als Kinofilm im Jahr 2014 und „The Night Manager“ als Kurzserie im Jahr 2016. Dazu reiht sich nun auch „Verräter wie wir“, dessen Romanvorlage erst im Jahr 2010 veröffentlicht wurde.
Der Universitätsprofessor Perry und seine Frau die Anwältin Gail wollen in Marrakesch eigentlich nur einen romantischen Urlaub verbringen, um ihre Ehe zu retten. Niemals hätten sie gedacht, dort in irgendwelche Mafia Verstrickungen verwickelt zu werden. Doch sie treffen in ihrem Hotel auf den zwielichtigen Dima. Dieser begrüßte sie mit einer sehr offen Art. Was mit einem harmlosen Tennisspiel und einer Partyeinladung beginnt, soll schon bald größere Wellen schlagen. Denn Dima gehört zu den obersten Geldwäschern der russichen Mafia. Doch nachdem enge Freunde von ihm getötet wurden, möchte er gerne aussteigen. Perry soll ihm dabei helfen, indem er einen USB-Stick mit Informationen dem britischen Geheimdienst übergibt. Doch der eingeschaltete Geheimagent Hector sieht eine Chance noch mehr Informationen zu bekommen. Und schon stehen auch Perry und Gail zwischen dem britischen Geheimdienst und der russischen Mafia.
Verräter wie wir hat eine interessant klingende Handlung, kann aber als Thriller nicht überzeugen. Die nötige Spannung kommt in keiner Szene wirklich auf. Dafür sind die Dialoge zu lang und nichtssagend gehalten und es gibt zu lange Plansequenzen und Landschaftsaufnahmen. Gleichzeitig wird die Handlung so belanglos umgesetzt, dass man sich nach zwei Monaten kaum noch an diese erinnert. Die Charaktere selbst sind mit Ewan McGregor, Damian Lewis und Naomie Harris gut besetzt, die ihre Rollen auch souverän spielen. Nur Stellan Skarsgård kann als Dima wenig überzeugen. Weder nimmt man ihm den harten Geldwäscher ab, noch den Russen. Zwar imitiert er als Schwede den russischen Akzent sehr gut, aber er hat nicht die Austrahlung, die man mit Russland assoziiert.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Geschichte sehr vorhersehbar ist. Selbst jede plötzliche und eigentlich unerwartete Wendung ist so klitscheebeladen, dass man diese bereits minutenlang vorhersehen kann bzw. der Ausgang des Films bereits am Anfang klar ist. Hier fehlt einfach ein bisschen die Neuartigkeit.

Alles in allem kann der Film einfach nicht überzeugen und bleibt daher nicht dauerhaft im Gedächtnis. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Star Trek – Beyond

Am 21.07.2016 erschien pünktlich zum 50. Jubiläum der Star Trek Serie der dritte Reboot-Film der Reihe in den deutschen Kinos.

Die Enterprise ist mitten in ihrer fünfjährigen Mission im Weltall unterwegs, als sie bei einer Rettungsmission angegriffen werden. Dabei wird die Enterprise komplett zerstört und die Mannschaft in alle Winde auf einem fremden Planeten gestreut. Nun kann sie nur ihr eiserner Zusammenhalt noch retten.

1966 startete die erste Besatzung der USS Enterprise in die unendlichen Weiten des Weltalls. Gene Roddenberry schaffte zwar damals nicht den großen Erfolg, aber baute sich über die Jahre eine große Fangemeinde auf, die sich liebevoll Trekkies nannten, und mit den Jahren immer größer wurde. Nach der Originalserie folgten noch fünf Serienableger. Es wurden sechs Kinofilme mit der Originalcrew gedreht, die mit „Treffen der Generationen“ abgelöst wurde. Es folgten vier Kinofilme mit der Besatzung aus der Serie „The next Generation“. Schließlich im Jahre 2009 kam ein Reboot in die deutschen Kinos. Die ursprüngliche Crew wurde durch jüngere Ausgaben ersetzt und auf ein neues Abenteuer geschickt. So wurde auch eine neue Generation an Zuschauer herangezogen. Es folgte „Into Darkness“ im Jahr 2013 und nun „Beyond“. Was ist anders? Zum einen ist J.J. Abrams nur noch Produzent und die Regie übernahm Justin Lin. Zum anderen wurde ein Großteil des Drehbuchs vom bekennenden Trekkie Simon Pegg geschrieben, der auch wieder in die Rolle des Ingenieurs Scotty schlüpft.
Star Trek Beyond besinnt sich wieder mehr auf die ursprüngliche Serie zurück, in dem der Großteil des Films nicht auf der Enterprise stattfindet, sondern die Planeten entdeckt werden. Diesmal ist es allerdings nicht so ganz freiwillig. In der Mitte ihrer 5-jährigen Mission hält die USS Enterprise an einer Raumstation, um das Schiff kontrollieren zu lassen und ein bisschen zu verschnaufen. Dort erreicht sie der Hilferuf der Kapitänin Kalara, deren Schiff zerstört wurde und deren Mannschaft sich nun auf einem fremden Planeten befindet. Sofort eilt die Enterprise zur Hilfe. Doch auch sie ereilt das gleiche Schicksal. Die Enterprise wird zerstört und die Crew wird in alle Himmelsrichtungen zerschlagen. Doch sie müssen nun nicht nur auf einem fremden Planeten überleben. Denn hier leben Krall und seine Anhänger, die Rache an der Sternenflotte üben wollen. Schafft die Crew es sich zu wehren?
Auch der dritte Film der Reboot-Reihe kann wieder mit seinem bildgewaltigen Material überzeugen. Ob nun Weltraumschlachten oder der Überlebenskampf auf einem fremden Planeten. Hier merkt man, dass der Film als Abschluss einer Trilogie gelten könnte und daher noch einmal alles in Action verwandelt. Die Figuren agieren in ihren üblichen Verhaltensmustern, entwickeln sich aber, im Gegensatz zu den beiden Vorgängerfilmen, nicht weiter. Auch die neu eingeführten Charaktere bleiben sehr eindimensional, allen voran der Bösewicht Krall. Dieser wird sehr eindrucksvoll vorgestellt und sein Hass auf die Sternenflotte ist zwar nicht nachvollziehbar, dafür aber ein dominantes Thema. Doch am Ende wird dies wieder auf die einfachsten Gründe heruntergebrochen, die man immer wieder in Filmen sieht, und die im Nachhinein Krall zum 08/15-Bösewicht machen. Der altbekannte Witz der Reboot-Reihe wird beibehalten und gerade der analytische Spock und der impulsive Pille in Kombination bieten viel Humor.
Das Grundthema des Films ist der Zusammenhalt der Crew. Leider wird dieses Thema nicht subtil, sondern mit dem Vorschlaghammer eingebracht und immer wieder betont. Dadurch wirkt es zu aufgesetzt und nimmt dem Thema den Charme. Auch wirkt der Film dadurch zu konstruiert, woran auch das nervenzerreißende Finale nichts ändert.

Alles in allem macht der Film vieles richtig und kann begeistern, er wirkt aber nicht wie ein dritter Teil oder ein mögliches Finale. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Power to change

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Power to change – die EnergieRebellion. Der Film lief am 17.03.2016 in den deutschen Kinos an.

Die Politik finanzierte jahrzehntelang fossile Brennstoffe. Doch in diesem Film werden die Vorteile und die Visionen der erneuerbaren Enerien vorgestellt. Die Dokumentation führt uns dafür bis in die Ukraine.

Spätestens nach dem Unglück in Fukushima ist die Gefahr der Atomenergie bei allen bekannt. Die Politik reagierte sofort und wollte die Energiewende. Doch sobald Fukushima aus den Nachrichten verschwand, verschwand auch die Diskussion wieder. Der Film Power to change befasst sich mit Visionären, die noch immer versuchen die Energiewende durchzubringen. Seien es kleine Ideen mit denen sie ihren ganz eigenen Energiewandel voran bringen. Seien es Kommunalpolitiker, die zeigen, dass man etwas ändern kann, Unternehmer, Aktionäre, etc. Es sind schöne Ideen dabei, die in diesem Film gezeigt werden. Die eindeutige Nachricht des Films ist: Die Energiewende ist möglich! Die Schuldigen sind für alle Sprecher eindeutig die Großkonzerne und die Politiker, die nichts unternehmen. Gespickt ist die ganze mit interessanten Fakten.
Das größte Problem dieser Dokumentation ist aber, dass sie keinen klaren Adressaten hat. Die Ideen die vorgestellt werden, sind zwar nett, aber für den Zuschauer nicht zwangsläufig relevant. Die wirklichen Tipps der Energiesparer werden nur ganz kurz angesprochen und dann wird wieder weggeschaltet. Also im Prinzip das wirklich interessante und relevante für den Zuschauer im Kino, wird viel zu schnell abgehandelt. Ansonsten führt die Dokumentation bis in die Ukraine zur Krim-Krise und thematisiert wie die Politik Krieg um fossile Brennstoffe führt. Das wäre interessant, wenn daraus eine Aktion der Zuschauer führen könnte. Aber die durchgängige Kritik an Politik und Großkonzerne sollte sich auch an eben diese richten. Da ist der durchschnittliche Kinogänger eben nicht das richtige Publikum. Zwar wird auch auf die Wichtigkeit einer Photovoltaikanlage hingewiesen, aber im Endeffekt wird hier auch nicht auf alle Möglichkeiten hingewiesen. Uns so geht man am Ende mit einem Schulterzucken aus dem Kino und hat die Dokumenation binnen einer Stunde fast gänzlich vergessen. Hier wäre mehr möglich gewesen, wenn man sich eine Minute darüber besonnen hätte, wer am Ende den Film sehen wird.

Alles in allem zeigt der Film gute Ansätze, verzettelt sich aber in den Fakten und erreicht das Publikum damit nicht. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Hausbesuche

Beim Stöbern auf dem Blog meiner lieben Inkunabel-Mädels fiel mir Carmens Beitrag über „Hausbesuche – Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft eroberte“ ins Auge und konnte nichts anders, als es mir sofort selbst zuzulegen.

Stephanie Quitterer ist Regieassistentin in Berlin und nach der Geburt ihrer Tochter in Elternzeit. Diese will sie nutzen, um endlich einmal ihre Nachbarschaft näher kennenzulernen. Also backt sie Kuchen und alle anderen wichtigen Sachen für einen Kaffeeklatsch ein und klingelt einfach bei ihren Nachbarn.

 Jetzt einmal Hand aufs Herz an alle Menschen, die in der Großstadt wohnen: Wie viele eurer Nachbarn kennt ihr denn wirklich? Also nicht nur vom aneinander vorbeidrängeln im Treppenhaus, sondern wirklich mit Namen? Selbst in der Kleinstadt kennt man nicht immer seine Nachbarn. Nur auf dem Dorf scheint noch jeder von jedem alles zu wissen. Aber wann genau ist es denn aus der Mode gekommen, sich beim Einzug bei seinen Nachbarn vorzustellen? Ähnliche Fragen stellte sich auch Stephanie Quitterer, die Autorin von Hausbesuche. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann Tom und ihrer neugeborenen Tochter Marie in Berlin. Doch in ihrem Viertel scheint sie das Feindbild zu sein, schließlich ist sie Mutter. Auch sie trägt viele Vorurteile und Ängste mit sich herum, aber auch einen großen Traum. Sie wüsste gerne, was auf der anderen Seite der geschlossenen Türen in der Nachbarschaft ist. Wie gut, dass sie in ihrer Elternzeit endlich einmal Zeit hat (und ihr Partner Tom Musiker ist und von zu Hause arbeitet und daher auch auf Marie aufpassen kann). Doch zunächst muss noch der innere Schweinehund überwunden werden. Denn die Angst vor der Reaktion der Nachbarn ist allgegenwärtig. Doch eines Tages nimmt Stephanie all ihren Mut zusammen und klingelt an den ersten Wohnungen. Ihre Erfahrungen, ihre Kuchenrezepte und ihre Statistiken sind in ihrem Buch Hausbesuche zusammengefasst.
Hausbesuche ist ein Buch, das sich herrlich leicht und locker an zwei Tagen verschlingen lässt. Der Schreibstil ist sehr flüssig und teilweise herrlich selbstironisch. Am Anfang jedes Kapitels gibt es ein Kuchenrezept, das vor allem für Backanfänger geschrieben ist – Frau Quitterer ist auch noch Backneuling – und mit nützlichen Tipps, was man nicht machen sollte beim backen, versehen. Darauf folgt dann wieder eine neue Begegnung, die der Autorin nachträglich im Kopf blieb und ihre Gedanken zu ihrem Viertel, den Abbau ihrer Vorurteile und ihre aufkeimende Weltoffenheit. So wird in jedem Kapitel nicht nur stupide ein Treffen beschrieben, sondern das Buch trumpft auch mit einem Funken sozialkritischer Philosophie. Diese ist aber in keinem Fall aufdringlich oder dominiert in irgendeiner Weise. Es sind lediglich die Gedanken, die bei so einem Projekt einen durch den Kopf schwirren können. Am Ende jedes Kapitels gibt es eine kleine Statistik über die besuchten Nachbarn, sei es wie sie ihren Kaffee trinken, oder welche Ausreden am häufigsten benutzt wurden, um Stephanie nicht herein zu lassen.
Das Buch macht einfach nur Spaß zu lesen und regt dabei zum nachdenken an. Schon wünscht man sich, die Türklingel würde klingeln und ein Nachbar würde sich selbst zum Kaffeeklatsch einladen. Oder man ertappt sich dabei, wie man in der Küche steht und überlegt, was man selbst für so ein projekt mitnehmen und backen würde. Gegen Ende des Buches nehmen leider die tatsächlich beschriebenen Begegnungen immer mehr ab und wird immer mehr Stephanies eigene Wandlung beschrieben. Das ist etwas schade, denn man brennt auf noch mehr „Abenteuer“ aus der Nachbarschaftsfront, andererseits ist auch diese Entwicklung interessant zu beobachten. Am Ende des Buches bleibt eine Menge positiver Input gepaart mit einer Leere – wie nach jedem guten Buch/Film/Serie – und große Lust in die Welt hinauszurennen und die eigenen Nachbarn kennenzulernen. Aber wer hat schon so viel Mut, wie Stephanie Quitterer?

Lest ihr auch gerne? Dann schaut doch auch einmal bei Inkunabel vorbei! Hier gibt es immer interessante Tipps und aktuell haben sie einen Weltenbummlermonat zum Thema Südafrika. Es lohnt sich!

„Hausbesuche“ wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

Cinemathek: Monsieur Chocolat

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Monsieur Chocolat. Der Film lief am 19.05.2016 in den deutschen Kinos an.

Der Clown George Footit sucht für sein neues Programm einen zweiten Clown. Schließlich trifft er auf den schwarzen Chocolat und revolutioniert mit ihm die Clownzirkusauftritte. Schnell haben die beiden viel Erfolg. Doch das ein Schwarzer zu der damaligen Zeit so viel Erfolg hatte, stößt nicht bei allen auf Applaus.

Monsieur Chocolat erzählt eine wahre Geschichte über den ersten schwarzen Clown. Er floh vor der Sklaverei aus Afrika und versteckte sich ohne Papiere in einem kleinen Wanderzirkus. Schon hier wurde er nicht hoch geschätzt und als Kananga der Kanibale verkauft. Bis sich eines Tages der Clown Footit bei diesem Zirkus bewirbt. Doch seine Vorstellung ist inzwischen ziemlich ermüdend. Auf der Suche nach einem neuen Ansatz, überredet er Kananga es auch einmal als Clown zu probieren. So wurde dieser nicht nur der erste schwarze Clown, sondern die beiden revolutionierten auch die Clownauftritte. Denn ebenfalls zum ersten Mal waren ein weißer Clown und ein dummer August zusammen zu sehen. Als Duo Footit und Monsieur Chocolat feierten beide zunächst im kleinen Wanderzirkus Erfolge, bis sie entdeckt und direkt für einen großen Zirkus in Paris angeworben werden. Auch dort feiern sie Nacht für Nacht große Erfolge und machen ein Vermögen mit ihren Nummern. Aber jeder Erfolg hat auch seine Schattenseiten. Und nicht jeder gönnt dem schwarzen Clown seinen Erfolg.
Monsieur Chocolat beginnt mit einem etwas gemächlichen Erzähltempo und stellt die wichtigsten Figuren in Ruhe vor und lässt erste Einblicke in ihre Gedankenwelt zu. Dies ändert sich leider im Laufe des Films, wo der Fokus zunehmend nur noch auf Monsieur Chocolat liegt und auch gerade sein Partner Footit schmerzlich vernachlässigt wird. Nach dem der Weg des Erfolgs der beiden schön beschrieben und dargestellt wird, kommen immer mehr ernste Themen hinzu. Spielsucht, der Verlust von viel Geld, Identitätsprobleme und den schwierigen Stand der schwarzen Bevölkerung im Frankreich Ende des 19. Jahrhunderts. Zusammen mit den Themen Freundschaft und großen Träumen ist der Film ab einem gewissen Punkt im zweiten Drittel so vollgestopft, dass er nicht mehr so richtig weiß, was er eigentlich erzählen möchte. Jedes Thema wird irgendwie angesprochen, aber nicht tiefgründig behandelt, weswegen jeder zweite Handlungsstrang überflüssig wirkt. Das über eine Spiellänge von 120 Minuten fängt schon bald an sich zu ziehen. Da kann auch das sehr dramatische Ende kaum noch etwas herausreißen. Für dne Film wäre es besser gewesen, sich auf zwei Themen zu konzentrieren und diese dann aber auch konsequent zu erzählen. Auch wäre eine Konzentration auf beide Clowns und deren unterschiedlichen Lebenstil sehr interessant gewesen. Denn beide verdienten viel Geld, aber während wir von Chocolat sein Spielsuchtproblem kennen, erfahren wir von Footit nichts. Zwar spricht Chocolat ihn in einer Szene auf seinen alten Mantel an, da sie genug verdienen, dass er sich mehrere neue hätte kaufen können, doch wieso er sich keinen neuen kauft, wird nicht aufgeklärt.
Die einzelnen Clownszenen sind schön anzusehen, auch wenn es in der heutigen Zeit nicht mehr die gleichen Begeisterungsrufe wie damals auslösen kann. Aber trotzdem machen die Szenen Freude und man merkt auch, dass die Schauspieler beim Dreh viel Spaß hatten. Leider sieht man die meisten dieser Szenen im ersten Drittel und nach und nach werden es nur nach Randnotizen. Die schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarsteller James Thiérrée und Omar Sy sind beide einwandfrei und heben die Qualität des Films merklich.

Alles in allem hätte der Film viel mehr aus seinem Potential heraus holen können, was sehr enttäuschend ist. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Unterwegs mit Jacqueline

Am 14.07.2016 erschien ein französischer Film mit einer Kuh als weiblicher Hauptdarstellerin in den deutschen Kinos.

Fatah lebt mit seiner Frau, seinen Kindern und seiner Kuh Jacqueline in einem kleinen Dorf in Algerien. Sein größter Traum ist es mit Jacqueline auf der Landwirtschaftsmesse in Paris aufzutreten. Eines Tages bekommt er sogar die Einladung dahin. Nur leider ist er arm. Doch das ganze Dorf legt für ihn zusammen und so kann er die Überfahrt bezahlen und läuft einfach den restlichen Weg. Unterwegs trifft er allerhand verschiedene Leute.

Tiere haben in Filmen immer wieder kleinere oder größere Rollen. Doch wenn sie die Protagonisten des Films sind, handelt es sich doch meistens um einen Kinderfilm. Doch nur die Franzosen schaffen es einen Film auf die Kinoleinwand zu bringen, in der eine Kuh die weibliche Hauptrolle übernimmt und es sich um keinen Kinderfilm handelt. Die Altersfreigabe ist zwar ab 0 Jahren, aber Kinder sind in diesem Fall nicht die Hauptzielgruppe. Dabei herausgekommen ist eine etwas andersartige Komödie.
Fatah ist ein Bauer in einem kleinen Dorf in Algerien. Sein ganzer Stolz ist seine Kuh, die er Jacqueline getauft hat. Im Dorf wird Jacqueline sogar als seine eigentliche Ehefrau betitelt. Während Fatah das Gerede ziemlich kalt lässt, ist seine Ehefrau nicht begeistert. Fatahs größter Traum ist die Landwirtschaftsmesse in Paris. Er bewirbt sich jedes Jahr, hat aber bisher noch nie eine Einladung bekommen. Das ändert sich jedoch diesmal. Nun steht Fatah vor dem nächsten Problem: Wie soll er die Reise bezahlen. Also legt das ganze Dorf für ihn zusammen, auch wenn sie nicht geschlossen hinter der Reise stehen. So kann er sich zumindest die Überfahrt nach Marseille leisten und von dort geht es zu Fuß weiter bis nach Paris. Unterwegs trifft er die verschiedensten Menschen, die er alle durch seine einmalige positive Art überzeugt und so wird er schon bald zum Internet-Phänomen. Trotzdem ist der Weg weit und beschwerlich und nicht immer geht alles rund.
Am Anfang von „Unterwegs mit Jacqueline“ braucht man ein bisschen, um sich mit der Ausgangssituation anzufreunden. Denn Fatah etwas naive Art und einfältige Art zusammen mit seiner Liebe zu seiner Kuh sind am Anfang ziemlich befremdlich. Trotzdem ist man gespannt auf seine Reise, die leider zu Anfang etwas langweilig und eintönig dargestellt wird. Doch spätestens nach einem französischen „I will survive“ kommt etwas Stimmung in den Film und von da an macht es Spaß Fatah bei seiner Reise zuzusehen. Die verschiedenen Personen, die er unterwegs trifft, sind alle so verschieden, dass es Spaß macht, sie mit Fatah kennenzulernen. Hier treffen vorallem auch verschiedene Kulturkreise aufeinander. Als Fatah schließlich von der Presse entdeckt wird und zum Internet-Phänomen mutiert, lässt man sich schnell vom Hype mitreißen und hofft nur noch auf ein Happy-End und verflucht alle Steine im Weg. So schafft der Film es sich von langweiligem Drama zu mitreißender Komödie zu bessern. Trotzdem bleiben die Witze rar gesäht und zum Ende hin zieht sich der Film ein wenig. Trotzdem kann der Film am Ende mehr überzeugen, als man aus der Filmbeschreibung vermuten kann.

Alles in allem überzeugt der Film mehr, als man am Anfang vermuten lässt, hat aber doch ein paar Schwächen. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Sommerkino: Ich bin tot, macht was draus!

Wenn draußen die Sonne scheint und man bei der Wärme nur noch ins nasse Kühl hüpfen will, kann so ein klimatisierter Kinosaal schon angenehm sein. Aber das Wetter einmal zu genießen, ist da auch nicht verkehrt. Perfekt dafür ist ein Freilichtkino. Wie gut, dass meine neue Heimat genau dies anbot.

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Am 25.08.2016 besuchte ich den Film „Ich bin tot, macht was draus!“ im Freilichtkino. Der Film lief ursprünglich ab 28.04.2016 in den deutschen Kinos.

Der Film:

Die Mitglieder der belgischen Band „Grand Ours“ sind inzwischen in die Jahre gekommen. Trotzdem wollen sie sich noch den Traum einer US-Tour erfüllen. Doch ein Tag vor Abflug stirbt ihr Sänger Jipé. Das soll die Rocker aber nicht abhalten und sie wollen trotzdem fliegen. Dann halt mit der Asche im Gepäck. Doch die Rocker sind das Chaos in Person und so geht so ziemlich alles schief.

Wenn ein Mensch stirbt, dann trauern die meisten Menschen. Doch als der Sänger der Band „Grand Ours“ stirbt, ist alles ein bisschen anders. Denn er stirbt einen Tag vor der ersten US-Tour der Band. Also wird die Asche einfach eingetuppert und durch den Zoll geschmuggelt. Denn Asche am Mikro hatte wohl noch keine Band. Aber der Weg gestaltet sich als komplizierter als gedacht.
„Ich bin tot, macht was draus!“ klingt zunächst nach einem ernsten Thema, aber der Film ist vor allem eins: eine gelungene Komödie mit einer positiven Botschaft. Der Weg in die USA der Band ist so voller Hindernisse, dass man gar nicht groß darüber nachdenken kann, dass der Sänger kurz vorher gestorben ist. Man wird immer wieder überrascht und kommt aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Dabei sind die Witze gut durchdacht. Gerade die verschiedenen Charaktere geben dem Film das gewisse Etwas. Zwar sind alle ein bisschen überzeichnet und der Film trieft nur so von Rockerklitschees, aber gerade das birgt viel Witz und Charme.

Alles in allem ist der Film eine gut gelungene Komödie und bekommt dafür 07 von 10 möglichen Punkten.

Die Atmosphäre:

Draußen unter freiem Himmel zu gucken, ist natürlich etwas ganz anderes, als im Kinosaal. Zunächst schienen alle Zuschauer etwas befreiter. Es wurde immer wieder miteinander getuschelt, ohne das irgendjemand immer wieder „Pssst“ gezischt hätte. Andererseits fühlten sich auch die Raucher befreiter. Zwar wurde am Anfang gebeten zum rauchen bitte immer an die Seiten zu gehen, damit nicht der Nachbar vollgequalmt wird (schon traurig, dass so etwas überhaupt erwähnt werden muss), doch das permanente Aufstehen der Raucher und das damit verbundene durch das Bild laufen, war auch sehr nervig. Der Film war mit 96 Minuten nun kein Film mit Überlänge. Das überhaupt immer wieder mittendrin geraucht werden musste (teilweise rauchten auch die selben Personen immer wieder) finde ich unangemessen. Im Kinosaal steht auch keiner auf zum rauchen, wieso also hier, nur weil unter freiem Himmel gespielt wurde?
Die Veranstalter haben sich mit verteilten Decken und Sitzkissen zwar Mühe gegeben, ich bevorzuge aber trotzdem die bequemen Kinosessel vor den Steinbänken draußen. Auch lief der Film relativ spät (21 Uhr ging es mit Werbung & Trailern los), da die Sonne weitestgehend untergegangen sein musste.

Alles in allem sollte Rauchen während eines Films verboten werden, tat der Hintern nach dem Film doch ein wenig sehr weh, aber doch war es mal eine schöne Erfahrung und etwas Abwechslung. Außerdem wurde das warme Wetter auch einmal für Dauerkinogänger genutzt.

Cinemathek: Bach in Brazil

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Bach in Brazil. Der Film lief am 17.03.2016 in den deutschen Kinos an.

Marten Brückling bekommt unverhofft ein seltenes Bachnotenblatt vererbt. Das einzige Hindernis: Er muss die Erbschaft in Brasilien annehmen. Nach einigem Zögern fliegt er letztendlich doch und kaum hat er das Erbe angetreten, wird es ihm auch schon gestohlen. Während er auf den Fund wartet, beginnt er Musikunterricht in einer Jugendstrafanstalt zu geben und findet eine ganz neue Seite an sich.

Nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und den olympischen Spielen 2016, die beide in Brasilien stattfanden, entführt uns auch der Film Bach in Brazil in das südamerikanische Land. Ein touristisch relativ unerschlossenes Land, das mit einer relativ hohen Kriminalitätsrate daher kommt und trotz der oben genannten großen Veranstaltungen den meisten ziemlich unbekannt sein dürfte.
Marten Brückling trauert noch immer seiner Jugend hinterher. Denn sein damaliger Jugendfreund, mit der musikalisch ein paar Erfolge feierte, ist vor vielen Jahren nach Brasilien ausgewandert. Nun will Marten allein auf dem Bach-Festival in Bückeburg mit seinem Euphonium (aus der Familie der Flügelhörner) auftreten. Doch der musikalische Leiter des Festivals ist dagegen. Gerade nach dieser harten Nachricht, bekommt Marten direkt die nächste. Sein Jugendfreund ist in Brasilien verstorben. Aber es gibt auch eine gute Nachricht. Marten hat ein seltenes Bachnotenblatt vererbt bekommen, das Arioso, welches von Bachs Sohn Johann Christian geschrieben wurde. Leider muss er, um das Erbe antreten zu können, persönlich in Brasilien auftreten. Nach einigen Überlegungen, kann sich Marten schließlich durchrringen und tritt das Erbe in Brasilien an. Doch die Freude ist nur kurz, denn kurz nach Erhalt werden Martens Koffer, das Euphonium und das kostbare Notenblatt gestohlen. Hier trifft Marten auf Candido, der einzige deutschsprachige in der kleinen brasilianischen Stadt Ouro Petro. Dieser verspricht ihm seine Sachen zu finden, wenn er im Gegenzug den Kindern in der Jugendstrafanstalt ein bisschen Musik beibringt. Marten ist von der Idee zwar nicht begeistert, versucht es aber schließlich doch. Während die Kinder nun Bach lernen, lernt Marten, dass Musik mehr ist, als nur vom Notenblatt abzuspielen.
Bach in Brazil ist ein Film mit einer einfach gehaltenen Handlung und einem ziemlich vorhersehbarem Ende. Aber trotzdem sprüht der Film vor guter Laune und zaubert jedem im Kinosaal ein Lächeln auf die Lippen. Es zeigt das Leben von zwei verschiedenen Welten und geht dabei auch auf die Probleme der Jugend in Brasilien ein, die Kriminalität teilweise als einziger Weg zu Überleben ansehen, aber ohne dabei ermahnend den Finger zu heben und die Zustände pausenlos zu kritisieren. Sich eine Meinung über die Zustände zu bilden, bleibt dem Zuschauer selbst überlassen. Beide Länder werden sehr klitscheebeladen gezeigt. Das steife Deutschland in der romantischen Stadt Bückeburg, wo das Bach-Festival stattfinden soll. Hier wird alles akribisch geplant und gecastet und alles muss so ablaufen, wie es Wochen vorher geplant wurde. Kein Platz für Spontanität. Im Gegensatz dazu steht Brasilien in der barocken Stadt Ouro Petro. Hier wird die Jugendkriminalität angesprochen, aber auch das ganz andere Lebensgefühl. Die Spontanität, das Musikgefühl, hier gleicht kein Tag dem anderen. Auch die Charaktere werden sehr stilisiert dargestellt. So ist Bach in Brazil in ein sehr unaufgeregter Film, aber trotzdem versprüht er einen ganz eigenen Charme und macht beim Sehen einfach Spaß.

Alles in allem ist Bach in Brazil trotz einfacher Handlung ein sehenswerter Film. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.