Netflix Original: Enola Holmes

Ein Vorwort

Bevor ich überhaupt irgendetwas von dem Inhalt des Films wusste, sprangen mir bereits die Schlagzeilen über die Klage der Doyle-Erbengemeinschaft entgegen. Was war passiert? Nun vereinfacht gesagt, wird der Sherlock im Film Enola Holmes wohl relativ menschlich dargestellt, er zeige Gefühle und respektiere Frauen, was die literarische Figur wohl nur in den letzten zehn Geschichten von Doyle tat, die der Autor erst nach dem 1. Weltkrieg schrieb. Und genau an diesen hat die Erbengemeinschaft noch Rechte dran. Während andere Adaptionen, wie die BBC Serie Sherlock oder auch Elementary auch ohne es zu müssen, an die Erbengemeinschaft zahle, weigere sich Netflix hier. Wie die Geschichte ausgeht? Ich habe keine Ahnung. Ob mir der Film trotzdem gefallen hat? Oh ja, warum verrate ich euch in meiner Kritik.

Die Handlung

Enola Holmes (Millie Bobby Brown) wächst weitgehend allein bei ihrer Mutter (Helena Bonham Carter) auf, da ihre beiden älteren Brüder Sherlock (Henry Cavill) und Mycroft (Sam Claflin) bereits ausgezogen sind und der Vater früh verstarb. Dadurch wächst sie sehr untypisch für Mädchen ihrer Zeit auf. Sie kann kämpfen, spielt Tennis im Haus und lernt das Entschlüsseln von Anagrammen. Als ihre Mutter an ihrem 16. Geburtstag spurlos verschwindet, will sich Mycroft ihrer Erziehung annehmen und sie in ein Mädcheninternat stecken. Sherlock soll sich unterdessen der Suche nach der Mutter widmen. Doch Enola hat keine Lust auf das Internat und flüchtet. Mit ein wenig Geld, dass ihre Mutter für sie versteckt hatte, schafft sie es nach London und trifft unterwegs auf den ebenfalls flüchtigen Lord Viscount Tewksbury (Louis Partridge).

Meine Meinung

Ich mag Sherlock Holmes und viele seiner Adaptionen. Daher fiel mir die Entscheidung diesen Film zu sehen nicht schwer. Und ich wurde auch nicht enttäuscht. Denn Enola Holmes mag zwar „nur“ die kleine Schwester des berühmten Detektiv zu sein, aber ihre Geschichte hat den typischen Charme der Geschichten, eine schöne Geschichte, eine tolle Protagonistin und spannende Rätsel zum entschlüsseln. Aber fangen wir vorne an.
Wir lernen zunächst Enola und ihre Mutter kennen. Dabei erzählt Enola ihre Geschichte selbst und durchbricht dadurch gerne einmal die vierte Wand, was den Zuschauer von Anfang an mitten in die Geschichte eintauchen lässt. Man erfährt in kürzester Zeit alle wichtigen Informationen und schon geht die Geschichte los mit dem Verschwinden der Mutter. 
Enola ist dabei ein sympathischer kleiner Wildfang, die sich nicht an bestehende Konventionen halten will, und auch ihre Kindheit war alles andere als normal. Millie Bobby Brown schafft es die verschiedenen Stimmungen und Emotionen unserer Protagonistin sehr gut einzufangen und umzusetzen. Egal, ob sie sich als Junge verkleidet, kämpfen muss oder eine Lady spielt. Dabei muss sie sich keinesfalls hinter ihren Schauspielkollegen Cavill, Claflin oder Bonham-Carter verstecken. 
Henry Cavills Sherlock ist dann schon ein wenig seltsamer. Denn er passt nicht in das bekannte Bild des Meisterdetektivs. Das ist an dieser Stelle aber durchaus nichts schlechtes, spielt er ihn doch als eleganten Mann, der sich hinter einer eisernen Fassade versteckt und nur ganz selten Emotionen zeigt. Er ist ein sehr nachdenklicher und grüblerischer Sherlock, was zur Stimmung des Films passt und einen guten Kontrast zu Claflins Mycroft bildet. Dieser ist nämlich eine ebenfalls gewagte Darstellung. Während man vielleicht zu sehr an Mark Gatiss Darstellung aus der BBC Variante gewöhnt ist, haben wir hier zwar noch immer einen eleganten Mycroft, aber eben auch einen sehr eitlen und eingebildeten. Claflin schafft es seine Rolle an die Grenze zum Übertriebenen zu treiben, ohne diese zu überschreiten. 
Kommen wir also zur Handlung. Diese ist in mehrere Rätsel unterteilt, die gelöst werden wollen, laufen aber schließlich zu einer großen Handlung zusammen. Dabei ist sie durchgehend spannend, Enola hat einige gute Ideen zur Entschlüsselung, die auch optisch sehr gut umgesetzt wurden. Vor allem die Optik des Films sticht hervor. Man merkt, dass für den einst als Kinofilm geplanten Film ausreichend Budget zur Verfügung stand, so dass man sich an den Bildern und auch einem realistisch verdrecktem London kaum satt sehen kann. Die Rätsel reichen aus, um einen kompletten Film zu füllen, ohne das man von Schauplatz zu Schauplatz hetzen muss. 
Und zu guter Letzt möchte ich noch erwähnen, dass Burn Gorman mitspielen durfte, den ich immer wieder sehr gerne sehe. Und ja, das mag vielleicht lediglich für mich ein Pluspunkt sein, aber ich wollte es nicht unerwähnt lassen.

Das Fazit

Enola Holmes ist ein intelligent geschriebener Film mit tollen Schauspieler, schöner Optik, spannender Handlung, interessanten Rätseln und vor allem toller Protagonistin. Eine absolut Sehempfehlung! 

Meine Monsterwochen #2: Die Bücher

Herzlich Willkommen zum zweiten Teil meiner Monsterwochen. Heute soll es um die literarischen Vorlagen gehen.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in sechs Beiträgen um Dracula und Frankenstein in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und Dracula und Frankensteins Monster sind wohl prominente Vertreter des Genres! 

 

Dracula

Ein Vorwort

1897 veröffentlichte Bram Stoker sein großes Werk, nicht ahnend, dass er damit den berühmtesten Vampir der Literaturgeschichte erschuf. Seitdem wurde er unzählige Male in Film und Fernsehen adaptiert, erwähnt oder als Referenz herangezogen. Doch mit diesem Werk fing der Hype an.

Die Handlung

Der Rechtsanwalt Jonathan Harker reist von England nach Transsilvanien (Siebenbürgen, Rumänien). Dort soll er einen neuen Klienten treffen. Trotz der Warnungen der ortansässigen Bürger, gelangt er zur Burg. Dort trifft er auf Graf Dracula, einem sonderbaren Zeitgenossen. Nach und nach merkt er, dass er zu einem Gefangenen wurde und der Graf ein Vampir ist. Dieser reist schließlich, Harker zurücklassend, allein nach London und treibt dort sein Unwesen. Dabei trifft er auf die Freundinnen Lucy und Mina, wobei Mina Jonathans Verlobte ist. Als Lucy unbekannte Krankheitssymptome entwickelt, wird der Universalgelehrte Abraham Van Helsing zur Hilfe gerufen. Zusammen mit dem Irrenarzt Dr. Seward, Lucys Verlobtem Arthur Holmwood und Quincey Morris, einem Texaner, versuchen sie Lucy und Mina vor den Fängen des Grafen zu retten.

Meine Meinung

Die weitreichende Handlung Draculas auf die wichtigsten Bestandteile herunterzubrechen, ist schon ein Kunststück. Denn wenn man den anfänglichen Reisebericht Harkers erst einmal hinter sich gebracht hat, wird man schnell von der Handlung gefangen genommen. Erzählt wird sie durch verschiedene Schriftstücke. An vorderster Stelle stehen die Tagebücher von Mina, Jonathan, Dr. Seward und stellenweise Van Helsing. Unterbrochen werden sie von kleineren Berichten aus Zeitungen, Lucys Tagebuch oder dem Logbuch eines Schiffes. Alle zusammen erzählen die Geschichte. Durch die kleinen Wechsel im Schreibstil und die verschiedenen Perspektiven, erhält der Leser einen umfassenden Einblick in die Handlung. Auch die Entwicklung der Figuren kann man hierdurch gut nachvollziehen. So ist Van Helsing zum Anfang nicht der große Vampirjäger, zu dem er in späteren Interpretationen gerne gemacht wurde. Er ist ein Universalgelehrter, der seine Erkenntnisse über Vampire stetig durch die Forschung und dem Lesen anderer Erfahrungsberichte erweitert.
Besonders faszinierend ist hier der Umgang mit den Motiven der Liebe, Lust, Anziehung und Unschuld. Mit Mina Murray, später Harker, wurde zumindest ansatzweise eine starke Frau eingebracht, die zwar die gesellschaftliche Rolle als Frau einnimmt, sich aber an den Unternehmungen der Männer beteiligt, bzw. ebenfalls wichtige Rollen übernimmt. So ist Dracula eine faszinierende Mischung aus Horror- und Abenteuergeschichte, die einen stets aufs Neue überraschen, begeistern, aber auch ängstigen kann. Gerade diese abschreckende Anziehung, die der Graf auf die weiblichen Wesen ausübt, trägt wohl zur großen Faszination des Werkes bei.

Das Fazit

Dracula ist nicht umsonst ein absoluter Klassiker und grundlegende Lektüre im Horrorgenre. Aufgelockert durch die verschiedenen ErzählerInnen wechselt es zwischen Horror und Abenteuer hin und her und erzeugt dadurch eine ganz eigene Spannung, die über die gesamte Dicke gehalten werden kann.

Frankenstein

Ein Vorwort

Bereits einige Jahre vor Dracula schrieb Mary Shelley ihren Roman Frankenstein – oder Der moderne Prometheus. Geschrieben im Jahr ohne Sommer und als einziges einer Reihe von Gruselgeschichten geschrieben in eben jenem Sommer letztlich auch veröffentlicht. Dabei ist Frankensteins Monster kein klassisches Monster, denn es ist von Menschenhand erschaffen. 

Die Handlung

Auf einer Expedition in der Arktis holt die Mannschaft von Robert Walton einen jungen Mann irgendwo gefangen zwischen Tod und Wahnsinn an Bord. Es handelt sich um Victor Frankenstein, der sein eigenes Monster jagt. Nachdem er sich mit dem Kapitän etwas angefreundet hat, erzählt er ihm seine Geschichte. Wie er als junger Student forschte, um Leben zu erschaffen. Wie er sein Monster schuf und es dann sich selbst überließ. Und wie dieses beschloss sich zu rächen.

Meine Meinung

Was im Vergleich zu Dracula als erstes auffällt, ist, dass Frankenstein wesentlich dünner ist. Die Geschichte wird also auf wesentlich weniger Seiten erzählt. Das ist aber auch gut, denn die Geschichte hat wesentlich weniger Zugkraft. Auch wenn die Geschichte gleichfalls spannend ist, hapert es hier an einer spannenden Umsetzung. Während die Einleitung noch gut gelingt und man Frankenstein und seine Forschungen begleitet und hier auch noch logisch erklärt wird, warum Frankenstein in die falsche Richtung der Forschung getrieben wird, entgleitet uns der Protagonist danach zunehmend. Die in Filmen groß gezeigte Schöpfung wird in wenigen Sätzen abgehandelt und einen Igor – oder einen anderen Gehilfen – gibt es überhaupt nicht. Stattdessen haben wir einen heulenden Frankenstein, der sein Monster einfach sich selbst überlässt. 
In späteren Gesprächen mit seinem wiedergekehrten Monster wird es noch einmal spannender und auch tiefgründiger. Denn hier ist die Frage, wer das wahre Monster ist. Der es erschaffen hat und sich selbst überließ, oder das Wesen, dass überall allein wegen des Aussehens verstoßen wurde und sich dadurch immer mehr in seinen Hass verstrickt. Letztlich bleibt der Roman aber in allen Belangen oberflächlich, was schade ist. Wenn er sich aber auf etwas konzentriert, dann sind es die Gedanken und Fragen darüber, was ein Monster wirklich ausmacht. Leider wird auch der Protagonist stetig unausstehlicher in seinen Klagen. 

Das Fazit

Frankenstein oder Der moderne Prometheus ist ein Klassiker des Horrorgenres, doch der größte Horror spielt sich hier hinter den Kulissen ab. Ein unleidiger Protagonist und eine Konzentration auf die falschen Aspekte macht das Werk etwas langatmig, dennoch ist die Grundsatzfrage über das Monstersein wieder gut ausgearbeitet. 

Doctor Sleep – Kritik zu Buch & Film

Ein Vorwort

Eigentlich sollte es in dieser Kategorie ein bisschen mehr Vielfalt geben, als der dritte Beitrag über Stephen King, aber aus Doctor Sleep musste ich einfach eine Doppelkritik machen, weil ich das Buch letztes Jahr eigentlich nur in die Hand genommen habe, um es vor dem Kinostart gelesen zu haben. Dass ich den Film dann im Kino gar nicht sehen konnte, war ärgerlich, aber dafür gab es nun meine Heimkinopremiere. 

Die Handlung

Dan Torrance kennt der treue Leser noch aus Shining. Er hat die Ereignisse im Overlook-Hotel überlebt und erliegt Jahre später, wie einst sein Vater, dem Alkohol. Für einen Neuanfang zieht er in ein kleines Städtchen, wird trocken und bekommt schließlich einen Job als Pfleger in einem Hospiz. Dort macht er sich einen Namen als Doctor Sleep, weil er den Patienten in ihren letzten Minuten beisteht. Das er diese mit Hilfe seines Shinings besonders angenehm gestaltet, weiß außer ihm keiner. Er hat eine besondere Verbindung zu dem Mädchen Abra, das er noch nie gesehen hat. Sie können über ihr Shining kommunizieren. Von ihr erfährt er, dass es eine Gruppe von Wesen gibt, die sich selbst als Wahren Knoten bezeichnen, die sich vom Shining und der Angst von Kindern ernähren, da sie dadurch nicht sterben. Als der Wahre Knoten es nun auf Abra abgesehen hat, versucht Dan alles, um den Knoten entgültig aufzuhalten.

Meine Meinung zum Buch

Stephen King schreibt keine Mehrteiler und keine Fortsetzungen. So hieß es lange Zeit. Tatsächlich ist Doctor Sleep seine erste Fortsetzung. Die Geschichte, was aus dem kleinen Danny wurde, sollte einfach erzählt werden. Dabei stellt er wieder ein paar sehr ernste Beobachtungen an. Zum einen, dass Kinder mit Alkoholikern als Eltern oft ins gleiche Schema verfallen. King selbst kämpfte mit Alkohol und Drogen, weswegen er die Sitzungen der anonymen Alkoholiker im Buch auch sehr ausufernd beschreibt und die Grundsätze an vielen Stellen in die Geschichte einwebt. Zum anderen, dass das Shining bedrohlich sein kann. In diesem Fall durch den Wahren Knoten, die Kinder mit Shining suchen, quälen, töten und dann das Shining aufsaugen. Beide Beobachtungen führen zu einer logischen Schlussfolgerung, nämlich dieser Geschichte. Allerdings lebt sie hauptsächlich von Kings unfassbar gutem Erzählstil. Denn für das erzählte ist die Geschichte zu lang. Vieles hätte man weglassen können, dann wäre das Buch vielleicht ein bisschen spannender gewesen. Versteht mich nicht falsch, nach normalen Maßstäben war das Buch durchaus spannend. Wenn man es aber beispielsweise mit seinem direkten Vorfahren „Shining“ vergleicht, dann merkt man dem Buch die Längen an, da es einfach nicht die gleiche bedrohliche Stimmung schafft. Letztlich würde ich das Buch als Gut, aber nicht als Herausragend bezeichnen. King schafft es wieder auf die Charaktere und ihre Zwiespalte einzugehen und eine Fortsetzung zu schaffen, die sich von ihrem Vorgänger löst und gleichzeitig mit ihm verbunden bleibt. 

Meine Meinung zum Film

Mit Verfilmungen von Stephen King Werken ist es so eine Sache. Gerade seit dem Erfolg von dem Es-Remake sprießen sie wieder aus dem Boden. Friedhof der Kuscheltiere konnte an den Erfolg schon nicht anknüpfen. Doctor Sleep – oder Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen, wie der deutsche Verleih ihn nennt – hatte nun das Problem, das auch noch Stanley Kubricks Shining-Verfilmung irgendwo mit drin steckt. Während für viele dadurch wohl die Messlatte hoch gelegt wurde, war für mich eher das Problem, das Kubrick einige Änderungen vornahm, die nun zwangsläufig wieder mit aufgegriffen wurden. Um es kurz zu machen: Ich mag Kubricks Shining nicht. Ich gehe da ganz mit Stephen King mit, dass die Stimmung und der langsame Spannungsaufbau mit steigendem Wahnsinnslevel im Overlook-Hotel von Kubrick nicht eingefangen wurde, sondern viel zu plakativ dargestellt wurde. Für mich musste Doctor Sleep also eine Hürde mehr nehmen. 
Das vordergründigste Problem, das ich mit der Doctor Sleep Verfilmung habe, ist die Länge von 152 Minuten unter Streichung vieler interessanter Elemente. Das eine Verfilmung immer Elemente und Handlungsstränge aus einer Buchvorlage – gerade einer so umfangreichen, wie Kings – streichen muss, ist mir völlig bewusst. Aber wenn die Entscheidung nun so fiel, dann hätte der Film auch deutlich kürzer sein können. Denn die noch übrigen Elemente werden nun so langatmig erzählt, dass man bereits 90 Minuten sah und sich fragt, wann denn die eigentliche Handlung nun ansetzt. Hier wäre eine kompaktere Erzählung besser gewesen, oder wenn man die Länge hätte halten wollen, dann bitte mit mehr Inhalt. 
Das letztlich auch der finale Kampf stark vom Buch abweicht, ist dann wohl wieder Kubrick geschuldet, der einfach sein eigenes Ende schrieb und im Film daher ganz andere Möglichkeiten geschaffen wurden. Hier versucht der Film auch nochmal alles aus diesen Möglichkeiten auszuschöpfen, letztlich hat er den Zuschauer aber an diesem Punkt schon verloren, so dass der finale Kampf einen auch nicht mehr zurückbringt. 
Schauspielerisch ist der Film auf einem guten Niveau, vor allem Rebecca Ferguson merkt man ihren Spaß und ihren Enthusiasmus an ihrer Rolle deutlich an. Ewan McGregor spielt gewohnt solide, holt aus seiner Rolle aber auch nicht mehr raus. 

Das Fazit

Während das Buch sich wieder voll und ganz auf die Charaktere konzentriert und eine solide Handlung um diese baut und vor allem durch Kings Erzählstil lebt und spannend bleibt, verliert sich der Film in seiner Oberflächlichkeit. Durch die lange Lauflänge bei vergleichsweise wenig adaptiertem Inhalt kann der Film keine Spannung aufbauen.  Während das Buch wohl zu Kings schwächeren Erzählungen gehört, was aber dem ansonsten sehr hohem Niveau geschuldet ist, und trotzdem noch eine solide Leistung abliefert, ist die Verfilmung irgendwo knapp unterm Mittelmaß. 

Herbstzeit = Crimezeit – Ausgabe 2020

Ähnlich wie für mich zum Sommer meine Sommerlektüren gehören, gehören für mich zum Herbst Crimeserien. Diesmal habe ich zwar etwas geschummelt und zwei der drei Serien, die ich heute vorstellen möchte, nicht in diesem Herbst gesehen. Dennoch bleibt das Prinzip das gleiche und außerdem bin ich nebenbei auch schon an der nächsten Serie dran, die ich euch bestimmt im nächsten Jahr vorstellen kann. 
Für mich macht eine gute Crimeserie aus, dass sie erinnerungswürdige Charaktere und  intelligente Fälle hat, sehr gerne nach dem „Mord der Woche“-Prinzip. Wenn ihr Empfehlungen für mich habt, sehr gerne her damit! Ich habe nämlich das Gefühl, dass das Genre langsam ausstirbt und nur noch die angefangenen Serien beendet werden, aber wenige neue erscheinen. 

Bones – 12 Staffeln

Die Handlung: Temperance „Bones“ Brennan (Emily Deschanel) ist forensische Antropologin am Jeffersonian Institute. Sie untersucht Knochen alter Zivilisationen und kann daraus eine Menge Ereignisse rekonstruieren. Dies will sich das FBI zu Nutze machen und schickt Seeley Booth (David Boreanaz), um mit Brennan zu verhandeln. Nach einer etwas schwierigen Eingewöhnung zwischem dem impulsiven Booth und der menschenscheue Brennan, die mit vielen gesellschaftlichen Gepflogenheiten nichts anfangen kann, entwickeln sie sich zu einem guten Team. Fortan werden Leichen von Brennan und ihrem Team untersucht. Bedingungen ist für Brennan allerdings, dass sie bei den Ermittlungen auch im Außeneinsatz mithelfen darf, was Booth gar nicht gefällt. 

Meine Meinung: Die Serie läuft bereits seit 2005 und gerade die Anfänge habe ich noch sehr intensiv im Fernsehen verfolgt. Die Serie funktioniert eigentlich lange Zeit sehr gut, lediglich in den späteren Staffeln wurden die Staffelfinale ein wenig größenwahnsinnig, weswegen ich lange Zeit keinen Anschluss mehr an die Serie fand. Das hat sich Ende letzten Jahres geändert und seit diesem Jahr habe ich alle 12 Staffeln gesehen. 
Die Serie hat vor allem durch das Team des Jeffersonian wunderbar funktioniert. Zwischenzeitlich gab es ein paar Änderungen im Team, aber gerade die Vielfalt durch die Assistenten ab Staffel 4 – glaube ich zumindest – war eine gute Rotation drin, die Platz für verschiedene Witze schufen und doch eine gewissen Kontinuität erlaubten. Dennoch ist das Team irgendwo miteinander gewachsen. Auch an Brennan selbst, musste man sich am Anfang gewöhnen. Doch nach und nach konnte man sie immer besser verstehen und ihr gutes Verhältnis zu Booth haben die Serie so sympathisch gemacht. Leider passierte irgendwann das unausweichliche und die beiden wurden ein Paar, und genau ab da ging es mit der Serie bergab. Das bleibt jedoch jammern auf hohem Niveau, da die Fälle selbst durchgehend spannend bleiben und genug Variation drin ist, so dass es einen immer noch überrascht, wer am Ende der Mörder ist. 

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle – 3 Staffeln

Die Handlung: Phryne Fisher (Essie Davis) ist Aristokratin und kehrt in den 1920er Jahren nach vielen Jahren in Europa in ihre Heimat Melbourne, Australien zurück. Dort hilft sie bei der Aufklärung eines Mordes mit. Fortan mischt sie sich gerne in die laufenden Ermittlungen bei Mordfällen ein. Detective Inspector Jack Robinson (Nathan Page) ist davon wenig begeistert, kann Miss Fishers Enthusiasmus aber auch nicht stoppen.

Meine Meinung: Von der Serie habe ich euch dieses Jahr ja schon mehrfach berichtet, aber auch in diesen Beitrag passt sie wieder perfekt rein. Denn wir haben erinnerungswürdige Charaktere, auch neben der Protagonistin, spannende Fälle und den „Mord der Woche“. Am spannendsten ist hier aber, dass das ganze nicht in der modernen technischen Welt spielt, sondern in den 1920er Jahren. Dadurch mussten viele Fälle auf ganz andere Weise gelöst werden, als durch Analyse der Spuren am Tatort. Hinzu kommt, dass Australien als Handlungsort noch einmal zusätzlichen Charme hat. Es spielen einfach zu viele Crimeserien in New York. 

Stumptown – 1 Staffel

Die Handlung: Dex Parios (Cobie Smulders) war beim Militär und hat in Afghanistan gekämpft. Als sie zurückkam waren ihre Eltern weg und ihr Bruder Ansel (Cole Sibus) in einem Heim. Nun zieht sie ihren Bruder groß, der das Down Syndrom hat. Sie hängt häufig im Bad Alibi ab, der Bar ihres besten Freundes Grey (Jake Johnson). Nachdem sie von der Mutter ihres verstorbenen Ex-Freundes Sue Lynn Blackbird (Tantoo Cardinal) den Auftrag bekommt ein vermisstes Mädchen zu finden, erkennt Dex, dass sie durchaus Talent in dieser Art von Job hat. Sie beantragt eine Privatermittlerlizenz. Dabei hilft ihr Detective Miles Hoffmann (Michael Ealy). 

Meine Meinung: Im letzten Jahr stellte ich euch mit Almost Human bereits eine Crimeserie mit Michael Ealy vor. Die wurde nach einer Staffel abgesetzt. Dieses Jahr habe ich Stumptown entdeckt. Zwar hat ABC im Mai 2020 eine zweite Staffel bestellt, dies aber wohl im September 2020 wieder gecancelt. Aber vielleicht gibt es ja noch mehr Menschen, die diese Serie ebenso lieben wie ich und wir schaffen es die Serie zu retten? 
Denn Stumptown ist auf jeden Fall anders, als die gängigen Crimeserien. Dex stolpert eigentlich eher von einem Fettnäpfchen ins nächste, ist chaotisch und durch ihre posttraumatische Belastungsstörung aus der Zeit in Afghanistan auch dem Alkohol sehr zugeneigt. Nicht gerade die übliche Heldin. Auch haben wir neben Miles kaum Kontakt zum örtlichen Polizeirevier, auch wenn seine Vorgesetzte Bobby Cosgrove beide öfter mal zur Ordnung rufen muss. Wir haben also kein Sammeln von Beweisen, keine Spurensuche am Tatort, vor allem haben wir in der Regel kein Tatort. Denn als Privatermittlerin hat es Dex nicht mit Morden zu tun. Auch sind die zwischenmenschlichen Beziehungen hier kein reines Schmückwerk, sondern bilden das Herz der Serie. Mit all ihren verschiedenen und vor allem auch diversen Charakteren hat Stumptown eine ganz besondere Mischung. Nur ein paar Beispiele: Dex ist bisexuell, Miles ein people of colour, Ansel hat das Downsyndrom und die indigene Bevölkerung spielt eine regelmäßige Rolle. Besonders herausheben möchte ich hier auch noch den genialen Soundtrack. Also schaut euch die Serie an und dann müssen wir ABC bearbeiten, damit sie doch noch eine zweite Staffel produzieren!

Meine Monsterwochen #1: Mythos & Wahrheit

Herzlich Willkommen zu meinen Monsterwochen. Während viele zur Zeit den Horrorctober feiern, ich aber wenig Lust auf 13 Horrorfilme hatte – ich hab schon selten Lust auf einen Horrorfilm – möchte ich mich in diesem Monat in einem sechsteiligen Special mit zwei der bekanntesten „Monster“ der Literatur- und Filmgeschichte beschäftigen. Die Rede ist von Dracula und Frankenstein. Dabei soll es in verschiedenen Beiträgen um die literarische Vorlage gehen und dann die Umsetzung und Interpretation in verschiedenen „Filmzeitaltern“. Das klingt jetzt vielleicht alles ein bisschen großspurig, im Prinzip handelt es sich um meine üblichen Kritiken nur diesmal halt gesammelt zu einem bestimmten Thema 😉

Mythos & Wahrheit

Ein Vorwort

Den Auftakt in dieser Reihe macht ein mehrstimmig vertontes Hörbuch. Warum ich damit anfange? Nun ja, weil genau genommen die ganze Idee der Monsterweeks damit anfing. Denn durch das Hören dieser interessanten Fakten und Nacherzählungen schaffte es Dracula endlich von meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher) und ich widmete mich direkt danach auch noch Frankenstein. Und dann fing das Projekt an sich zu verselbstständigen. 

Die Handlung

Dracula und Frankensteins Monster sind zwei der bekanntesten literarischen Gestalten. Der eine das klassische Monster, der andere ein Opfer seiner Umstände? Diesen und noch vielen anderen Fragen geht das Hörbuch auf den Grund. Hat Dracula wirklich gelebt? Wie kamen Stoker und Shelley zu ihren Ideen? Was ist Mythos und was ist Wahrheit?

Meine Meinung

Mythos & Wahrheit fängt als kleine Nacherzählung der Geschichten an. Doch zwischendurch wird sie immer wieder unterbrochen von interessanten Fakten, Nachforschungen zur Mythologie, Geschichte des Autoren/der Autorin, wie es dazu kam, dass die Geschichte geschrieben wurde – was gerade bei Mary Shelley ziemlich interessant ist. Welche Vorbilder hatten die Autoren. Auf welchen Mythologien stützen sie sich. Bei Dracula folgt noch eine Reise nach Rumänien, wo Draculas Burg stehen soll. 
Die große Stärke des Hörbuchs ist die mehrstimmige Vertonung und die Musik- und Geräuschkulisse, die wunderbar zur erzählten Geschichte passt. Auch die Stimmen sind sehr passend. Sprecher sind u.a. Bodo Primus, Matthias Haase und Fritz Stavenhagen. 
Für meinen Geschmack war es dann aber doch ein bisschen zu viel Nacherzählung der Geschichte, ein wenig zu viel Wahrheit und einfach viel zu wenig wirklich Mythos. Vielleicht waren hier meine Erwartungen auch einfach etwas anders. Dennoch war es eine schöne Lektüre für zwischendurch und hat mich dazu bewogen beide Buchvorlagen endlich einmal zu lesen. So konnte ich meinen SuB und meine Liste der Schande ein bisschen weiter abbauen. 
Die Hörbücher gibt es übrigens im Viererpack zusammen mit Sherlock Holmes und Edgar Allen Poe. 

Das Fazit

Mythos & Wahrheit ist ein schön vertontes Hörbuch, dass sich perfekt als Kurzlektüre zwischendurch eignet und mit einigen interessanten Fakten aufwartet. Für meinen Geschmack etwas zu viel Wahrheit und zu wenig Mythos.