Der Nachname

Ein Vorwort

Wenn ein Film erfolgreich ist, bekommt er einen zweiten Teil. So will es anscheinend irgendein blödes ungeschriebenes Gesetz, das dazu führt, dass immer mehr gute alleinstehende Filme noch einen zweiten (oder mehr) Teil(e) bekommen müssen. So nun auch Der Vorname, aus dem kurzerhand Der Nachname wurde. Warum das sogar noch halbwegs gut funktioniert hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Die Geschwister Elisabeth (Caroline Peters) und Thomas (Florian David Fitz) werden von ihrer Mutter (Iris Berben) und ihrem Adoptivbruder Rene (Justus von Dohnanyi), der inzwischen mit der Mutter liiert ist, auf das Familienanwesen in Lanzarote eingeladen. Mit dabei sind ihre jeweiligen Parter*innen Stephan (Christoph Maria Herbst) und Anna (Janina Uhse). Vor Ort erwartet sie eine überraschende Nachricht und jede Menge Drama.

Meine Meinung

Trailer sollen ja eigentlich Lust auf den Film machen. Nach dem Trailer zu Der Nachname war ich doch eher abgeschreckt, sah er doch nach einem großen Haufen künstlichen Dramas aus, der so gar nicht an die Prämisse des ersten Teils anknüpfen wollte. Doch eine Sache zog mich doch in den Film. Ich wollte wissen, was nun in diesem geheimen Zimmer ist, um das schon im Trailer viele Andeutungen gemacht wurden. Also Auftrag doch irgendwie erfüllt. Dennoch waren meine Befürchtungen hoch, basierte Der Vorname doch noch auf einem Theaterstück und war in sich abgeschlossen. Nun einen zweiten Teil ohne wirkliche Grundlage zu basteln, konnte eigentlich nur schief gehen.
Doch dafür liefert Der Nachname ziemlich solide ab. Das liegt an erster Stelle daran, dass zwar die Ausgangsprämisse – der geänderte Nachname – ziemlich banal ist und auch schnell abgehakt wurde, das restliche Drehbuch aber durchaus rund gestaltet ist. Zwar läuft es auf ein großes Familiendrama hinaus, wo jeder Geheimnisse vor dem anderen hat, und der große Knall am Ende kommt auch, dennoch ist es nur selten vollkommen übertriebenes und abgehobenes Drama, sondern erstaunlich realitätsnah. Die Paarkonstellationen waren unverändert, hatten sich aber seit dem Vornamen etwas weiter entwickelt, so dass hier kaum Zeit auf Vorstellungen, sondern gleich auf Weichenstellung, verschwendet wurde.
Durch die bekannten Charaktere, die irgendwo ihren Rollen treu bleiben, war der Witz auch gleich von Anfang an da und pendelte sich zunächst auf einem guten Niveau ein. Abgesehen von dem ein oder anderen Ausrutscher, blieb es auch auf einem relativ guten Niveau, so dass ich das Kino durchaus unterhalten verlassen habe. Wirklich im Gedächtnis wird er mir allerdings nicht bleiben, zu belanglos war die Handlung und die Lacher waren doch sehr auf gewisse Impulse ausgelegt und wenig zitierfähig. So ist Der Nachname nicht die Vollkatastrophe, die ich erwartete, hat durchaus auch seine Momente und ist alles in allem einfach ein solider Film, der aus einer wackligen Prämisse doch einen rund erzählten Film macht. Dennoch war er als Fortsetzung zu Der Vorname absolut unnötig.

Das Fazit

Der Nachname punktet durch ein rundes Drehbuch und einige gut pointierte Witze. In seiner Gesamtheit kommt er aber nicht über ein einfaches Familiendrama hinaus und kann mit dem ersten Teil nicht mithalten. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Der Nachname läuft seit dem 20.10.2022 in den deutschen Kinos

Neulich in der Sneak: Der Vorname

Ein Vorwort

Vorlagen aus anderen Ländern zu nehmen und daraus eigene Produktionen zu machen, ist eigentlich typisch Hollywood. Immerhin wird dort angeblich gerade ein Remake von Honig im Kopf gedreht. Ab und an versucht sich auch der deutsche Film an diesem Vorgehen. Während das deutsche Remake vom französischen Papa ou Maman (Mama gegen Papa) mit Carolin Kebekus bei den Kritikern floppt, scheint das Remake vom französischen Le Prenom (Der Vorname) eine wesentlich bessere Figur zu machen.

Die Handlung

Stephan (Christopher Maria Herbst) und Elisabeth (Caroline Peters) organisieren für Elisabeth Bruder Thomas (Florian David Fitz), dessen Freundin Anna (Janina Uhse) und dem Freund der Familie René (Justus von Dohnányi) ein Abendessen. Doch als Thomas erzählt, dass er und Anna das gemeinsame Kind Adolf nennen wollen, entwickelt sich darüber eine Diskussion, die noch ganz andere Geheimnisse an die Luft bringt.

Meine Meinung

Nachdem Till Schweiger seinen neusten Film Klassenfahrt 1.0 in die deutschen Kinos brachte, sahen sich die Kritiker des deutschen Films wieder einmal bestätigt. Deutschland könne keine guten Filme hervorbringen, sondern orientiere sich immer nur an den immer alten Sachen mit einem Humor, der bei Schweiger zuletzt sehr grenzwertig wurde. Nun versucht sich Sönke Wortmann (Der bewegte Mann, Das Wunder von Bern, Frau Müller muss weg) an einem französischen Theaterstück.
Die erste Hürde dabei ist, dass es sich um ein Kammerspiel handelt, das beinahe komplett in Stefans und Elisabeths Wohnung spielt. Lediglich die Einführungsphase, in der die beiden Bewohner vorgestellt werden, wurde teilweise außerhalb gedreht. Hier dienen auch erstmals nicht die großen Drei, Berlin, München, Köln, als Kulisse, sondern es wurde in Bonn gedreht. Leider bekommt man nur sehr wenig von der Stadt zu sehen. Dafür setzt Wortmann die Wohnung gekonnt in Szene und wechselt zwischen Wohnzimmer, Küche und Esszimmer hin und her, so dass die Darsteller auch Bewegung in das Ganze bringen können.
In erster Linie zeichnet sich der Film jedoch durch seine Dialoge aus. Und genau hier schaffen es Regisseur Wortmann und Drehbuchautor Claudius Pläging perfekt zu harmonieren. Denn die Dialoge sind intelligent, durchdacht und doch witzig. Sie sind voller Spitzen, Überdramatisierung und treffen doch genau die richtigen Stellen beim Zuschauer. So verfolgt man gleichzeitig die Diskussionen der Charaktere, die mit dem namensgebenden Vornamen beginnen, sich später aber immer weiter entwickeln, und auch geben die Charaktere immer mehr von sich Preis und man hat gleichzeitig auch noch Charakterentwicklungen.
An den anfänglichen Diskussionen ist es vor allem interessant, dass es tatsächlich Argumente für den Namen Adolf gefunden wurden. Denn während man wohl grundsätzlich im Trailer saß und Stefans „Bist du bescheuert?“, so gut nachvollziehen konnte, wird es hier jetzt wirklich spannend, denn es wird eine ebenbürtige Diskussion geschaffen. Nachdem es von dieser Diskussion weiter geht zu anderen Diskussionsthemen, nimmt der Erzählwind ein bisschen ab und wird gerade in der zweiten Hälfte immer schwächer. Das berühmte „Noch einen oben drauf setzen“ wird absolut ausgereizt, behält aber immer ein gewisses Niveau bei. Dadurch bleibt Der Vorname ein gelungener Film mit interessanten Charakteren, die gekonnt von den Darstellern verkörpert werden, hat aber eine deutlich stärkere erste Hälfte.

Das Fazit

Mit einer sehr starken ersten Hälfte weiß Der Vorname zu überzeugen. Wortmann erschafft hier ein gelungenes Kammerspiel mit starken Darstellern und interessanten Charakteren. Die zweite Hälfte schwächelt neben der starken ersten ein wenig, macht aber immer noch eine gute Figur. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Der Vorname läuft seit dem 18.10.2018 in den deutschen Kinos.