Ein Vorwort
Nach Mord im Orient-Express und Tod auf dem Nil bietet uns Kenneth Branagh erneut seinen Hercule Poirot. Diesmal weniger mit einem who is who in Hollywood und deutlich düsterer als die ersten Teile, versucht a haunting in Venice eine neue Richtung einzuschlagen. Inwiefern das funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung
Hercule Poirot (Kenneth Branagh) lebt inzwischen in Venedig und ist im Ruhestand. Doch als seine langjährige Freundin die Autorin Ariadne Oliver (Tina Fey) auftaucht und ihm von einer realen Seance berichtet, ist seine Neugier geweckt. Und wahrhaftig scheint es in dem Haus von Rowena Drake (Kelly Reilly) nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Doch Poirot ist gewillt alles aufzuklären, muss er jedoch zunehmend an seinem Verstand zweifeln.
Meine Meinung
Sieben Bücher der Poirot Reihe habe ich bisher gelesen und stehe damit kurz vor Mord im Orient-Express (Buch 8). Bei den Kinoverfilmungen wurde sich aber auf die eher großen Fälle konzentriert, so dass nach Tod auf dem Nil (Buch 15) nun eben die Schneewittchen-Party (Buch 31, später umbenannt in die Halloween-Party) als a hauting in venice verfilmt wurde. Man könnte jetzt spekulieren, ob es damit eine Trilogie beendet, immerhin hat Christie über Poirot 33 Bücher geschrieben, so viel kommt nach Nr. 31 also nicht mehr – wobei es natürlich nicht ausgeschlossen ist, sich einfach nicht weiter an die Erscheinungsreihenfolge der Bücher zu halten.
Mord im Orient-Express und Tod auf dem Nil waren beide groß aufgezogen und vereinten das Who is Who in Hollywood, auch wenn die ein oder andere Castingentscheidung am Ende wohl bereut wurde. Große Kulissen, auch wenn das CGI Gewitter gerade für Tod auf dem Nil nicht gerade für bessere Kritiken sorgte, waren ebenfalls Kennzeichen der Filme. Für a haunting in venice wurde das alles deutlich reduziert.
So haben wir noch immer eine Michelle Yeoh als großen Namen und natürlich schlüpfte auch Kenneth Branagh wieder in die Rolle des Poirot, doch die ganz großen Namen blieben darüber hinaus aus. Doch auch der kleinere Cast muss sich keinesfalls verstecken und gänzlich unbekannt ist auch kaum jemand. Und die kleine Runde passt auch super in ihre Rollen.
Auch die Örtlichkeit hat sich deutlich geändert. Während wir zuvor den Orient-Express mit seiner Landschaft hatten und danach den Nil mit seinen Bauten, haben wir hier nach einer kurzen Gondelfahrt durch Venedig lediglich das Innere des Hauses. Wobei das bereits die düstere Grundstimmung gekonnt einfängt.
Denn auch das ist anders. Nicht groß und bunt, sondern reduziert, aber dafür eine unheimliche Grundstimmung allein durchs Setting. Der Wind, der durchs morsche Holz pfeift und eine Gruselgeschichte zum Haus gleich zum Beginn. Das funktioniert auch noch erstaunlich gut und so war ich dementsprechend gespannt auf den Rest der Handlung. Diese war dann auch durchdacht und konnte wieder mit einigen unvorhersehbaren Wendungen trumpfen. Dabei wird diesmal mit einem eher unzuverlässigem Erzähler experimentiert – wer Christie kennt, weiß, dass sie solche Kniffe gern mal einsetzt. Denn Poirot scheint größtenteils nicht ganz Herr über seine Sinne zu sein.
Doch natürlich gibt es am Ende trotz allem die große Auflösung der unerklärlichen Begebenheiten und Poirot hält seinen üblichen Monolog. Leider ist genau dieser diesmal sehr kurz geraten und präsentiert einfach so den*die Mörder*in. Kurze Erklärung dazu, fertig sind wir damit. Das ist sehr schade, ist doch hier eigentlich der Spannungsaufbau und das finale „Ahhh!“ eins der Highlights der Filme.
Letzlich ist A haunting in Venice vor allem eins: Solide. Solide Handlung, solider Cast, solide Atmosphäre. Er bleibt immer leicht hinter seinen Mögichkeiten, nutzt aber auch seine reduzierte Art, um sich wieder auf altbekannte Tricks ohne CGI zu verlassen. Ob er den Auftakt für eine neue Reihe an Filmen mit geringerem Budget bildet oder den Abschluss einer Trilogie bleibt offen. Genug Vorlagen gibt es noch.
Das Fazit
A haunting in Venice bietet eine reduzierte Inszenierung, mit schaurigem Gebäude, solider Handlung, einem guten Cast, kann aber die Spannungskurve nicht ganz halten und bleibt so leicht hinter seinen Möglichkeiten zurück. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.
A haunting in Venice läuft seit dem 14.09.2023 in den deutschen Kinos

