Sully

Am 01.12.2016 erschien die Verfilmung über die Notlandung auf dem Hudson River 2009 in den deutschen Kinos.

Captain Sullenberger stieg am 15.01.2009 in sein Cockpit. Doch nach Vogelschlag fallen beide Triebwerke aus und er ist gezwungen eine Notlandung auf dem eisigen Hudson River zu vollbringen. Hinterher wird er von den Medien als Held gefeiert, doch die Untersuchungskommision ist der Ansicht, dass Sullenberger die gefährlichste Variante gewählt hat und damit 155 Menschen an Bord in unnötige Gefahr brachte.

Das Jahr 2016 scheint wieder einmal vollgepackt zu sein mit Verfilmungen realer Ereignisse. Doch ob nun Snowden, Deepwater Horizon oder zuletzt Sully: bei allen Filmen war das Ende bereits durch die Medien sehr genau bekannt. Und so mussten sich die Drehbuchschreiber etwas neues ausdenken. Bei Snowden war es beispielsweise die persönliche Komponente, die bei allen Diskussionen und bei der großen Enthüllungsdokumentation komplett außer Acht gelassen wurde.
Auch Sully versucht neben der Erzählung der Geschehnisse eine menschliche Komponente einzubauen und wird hauptsächlich nach der Notlandung auf dem Hudson River erzählt. Die Erzählung basiert hauptsächlich auf dem Buch von Captain Sullenberger „Man muss kein Held sein“ und bietet daher viel Material aus dem innersten des Captains. Wir lernen zunächst Captain Sullenberger – kurz Sully – kennen, der noch mit den Nachwirkungen der Notlandung zu kämpfen hat. Er träumt schlecht, wird von den Medien umringt und hinterfragt sein Handeln selbst. War es wirklich die richtige Entscheidung die waghalsige Landung auf dem Hudson zu wagen, oder hätte er doch einen naheliegenden Flughafen erreichen können? Kurz darauf lernen wir seinen Co-Piloten Jeff Skiles kennen, der sich mit ähnlichen Fragen befasst, aber ungetrübt aller Gedanken der Ansicht ist, dass Sully ihm das Leben gerettet hat. Nur leider ist der Untersuchungsausschuss anderer Ansicht. Schnell haben die die Vorfälle digital nachgespielt und sind der Ansicht, dass das Erreichen zweier Flughäfen durchaus im möglichen lag. Gleichzeitig wird die Behauptung in die Runde geworfen, dass nur eins von zwei Triebwerken ausfiel und nicht beide, wie Sully und Skiles behaupten. Geschockt von der Aussicht, dass durch die Ergebnisse der Untersuchung beide Karrieren vor dem Aus stehen, obwohl sie ihrer Ansicht nach richtig handeln, müssen beide nun ihr Handeln weiter hinterfragen.
Sully wird nicht chronologisch erzählt, sondern beginnt bereits nach der Notlandung. Erzählt wird von diesem Zeitpunkt bis zum Ende der Untersuchung chronologisch. Unterbrochen wird die Handlung mit drei Rückblenden der Ereignisse. Einmal aus der Sicht der Passagiere und Flugbegleiterinnen, einmal aus der Sicht eines Mitarbeiters des Towers, der versuchte auf allen möglichen Flughäfen freie Landebahnen zu bekommen und ganz am Ende aus Sicht von Sully und Skiles. So waren die Ereignisse zwar bekannt, aber man bekam sie aus allen Sichtweisen einmal erzählt. Der Großteil der Handlung wird aber komplett aus Sullys Sicht erzählt und beschreibt seinen inneren Konflikt und seine Selbstzweifel, ob er wirklich die richtige Entscheidung getroffen hat. Er wird hin- und hergerissen zwischen den Medienberichten und -interviews, die ihn als Helden sehen, was er so nicht unterschreiben möchte, schließlich habe er nur seinen Job gemacht, sowie alle anderen Beteiligten auch, und dem Untersuchungsausschuss, die ihm sehr schnell menschliches Versagen unterstellen wollen. So nimmt sich der Film viel Zeit den Geschehnissen eine menschliche Komponente hinzuzufügen und zu zeigen, dass trotz des Überlebens nicht sofort alles in Wohlgefallen endet. Das Sully trotz seiner Selbstzweifel und Albträume sich auch noch sehr ernstzunehmender Kritik aussetzen muss.
Spannungstechnisch hatte es Sully nicht einfach. Denn der Ausgang der Notlandung selbst ist durch die allgemeinen Medienberichte den meisten Zuschauer bekannt. Für alle, denen es entfallen ist, wird es gleich zu Anfang aufgelöst, womit sich der Film leider ein Eigentor schießt. Daher versucht Sully gar nicht erst, die Notlandung selbst als das Spannungstragende Element zu etablieren, sondern konzentriert sich auf die Handlung nach den Geschenissen. Während die Verhandlungen mit dem Untersuchungsausschuss den Spannungsgrad heben und es durchaus interessant ist Sullys innere Zerissenheit darzustellen, wird hier leider ein zu hoher Wert gelegt, so dass trotz einer kurzen Spielzeit von 96 Minuten, trotzdem mitunter Längen entstehen.
Auch werden zwischendurch Szenen, vermutlich aus Sullys Jugend, eingeblendet, die aber weder eine Aussage über seinen Charakter treffen, noch in irgendeinerweise die Handlung bereichern oder vorantreiben. Daher sind diese komplett überflüssig und strecken den Film unnötig um ein paar Minuten. Außerdem werden mitunter Themen angesprochen, wie beispielsweise, dass Sully familiäre Probleme haben könnte, die weder verneint noch genauer beleuchtet werden und daher auch überflüssig sind.
Sully endet mit der Hauptverhandlung über sein angeblich menschliches Versagen. Hier steigt die Spannungskurve noch einmal an, denn dieser Teil wurde in den Medien nur wenig genannt. Leider werden hier ganz am Ende noch einmal ein paar heroisierende Reden gehalten, die nicht zum Grundton des Films passen. Schön zu sehen ist hingegen, dass im Abspann noch einmal die Überlebenden eingeblendet werden, die ihre Sitznummer nennen. So geht man aus dem Kino und macht sich noch einmal bewusst, dass die Ereignisse des Film wirklich passiert sind und das reale Menschen dahinter stecken.
Tom Hanks übernimmt die Rolle des Captain Sullenbergers und spielt die Rolle mit gewohnter Souveränität. Auch die anderen schauspielerischen Leistungen waren sehr souverän, wobei keine genauer hervorstach.

Alles in allem hat Sully ein paar Schwächen in der Umsetzung und kämpft mit dem Problem, dass das Ende bekannt ist. Trotzdem wurde ein interessanter Ansatz gefunden, der aber mit leichten Mängeln umgesetzt wurde. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Tristan und Isolde – eine Opernübertragung in „exklusiver Atmosphäre“

Am 08.10.2016 startete die Metropolitan Opera ihre Saison mit einem Klassiker von Wagner.
Das Kino mehr kann, als nur die aktuellsten Filme zu zeigen, bewiesen bereits mehrere Konzertvorführungen und Dokumentationen. Seit einiger Zeit zeigt das CineStar aber auch Oper und Ballettübertragungen. Während für das Ballett das Bolshoi-Theater in Russland zuständig ist, finden die Opern-Übertragungen aus den Sälen der Metropolitan Opera in New York statt. Der Saisonauftakt fand diesmal mit Tristan und Isolde statt.Ich überlegte im Vorfeld lange, ob ich die 30€ in eine Karte investieren sollte, entschied mich aber dafür, das Ganzeeinmal auszutesten. Die Vorführung wurde in „exklusiver Atmosphäre“ angekündigt. Davon war aber zunächst nicht viel zu merken. Zwar wurden vor dem Kinosaal an der Snacktheke kleine Stehtische mit Tischdecken und Blumen aufgestellt, aber die Snacktheke selbst war natürlich auch den Zuschauern des gegenüberliegenden Kinosaals geöffnet, die man direkt am legeren Outfit erkannte (und am Verhalten, aber das ist eine ganz andere Geschichte), denn die Gäste der Kino-Oper hatten allesamt schickere Kleidung an (wie es sich auch in der Oper eben gehört). Durch die mitunter etwas lange Schlange, waren die meisten Stehtisch blockiert und eine „exklusive Atmosphäre“ konnte sich nicht einstellen. Obwohl vorweg ein Empfang angekündigt war, gesellte sich erst 10 Minuten vor Beginn eine zweite Kollegin zur Mitarbeiterin am Snack-Tresen und legte das Programm des Abends aus. Immerhin ging sie noch zu den wartenden Gästen und erklärte jedem, dass man gerne Getränkewünsche für die erste Pause vorbestellen könne. Mein Freund und ich taten dies auch und hatten so auch gleich einen sicheren Stehtisch für die Pause. Dann wurden wir in den Kinosaal gebeten und bekamen dort noch einmal kurz das mitgeteilt, was bereits auf dem Programmplan stand.
Die Übertragung selbst begann mit einer Begrüßung auf der Leinwand und der Erklärung des Projekts „Metropolitan Opera“, die die Opern-Vorführungen in viele Länder übertragt. Dann begann der erste von drei Akten. Über die Oper selbst kann ich wenig sagen, da ich zwar die Geschichte um Tristan und Isolde kannte, aber von den Liedern bisher wenig gehört hatte. Obwohl die Oper auf Deutsch war, gab es Untertitel, was aber ein guter Schachzug war, denn wer nicht gerade ein geübter Operngänger ist, konnte mitunter sehr wenig verstehen (typisch Oper, kein Kritikpunkt). Interessant zu sehen war aber, dass die Geschichte, die eigentlich im Mittelalter im Krieg zwischen Irland und England spielt, modernisiert wurde und nun an Bord eines großen Schiffes spielte.
Am Ende des ersten Aktes gab es nun verschiedene Interviews mit den Darstellern und man konnte den Kinosaal verlassen und zu den reservierten Tischen gehen. Dort warteten auch wirklich schon unsere Weine (der Weißwein ist im Kino übrigens nicht zu empfehlen). Man konnte auch jetzt noch Getränke oder kleine Snacks bestellen (Croissants und Häppchen – nicht Popcorn oder Nachos). Nach der Pause ging es mit dem zweiten Akt weiter. Das Prozedere mit Akt und Pause und Akt wiederholte sich bis nach dem dritten Akt. Dann war das Spektakel vorbei. Zum Abschied gab es noch eine Rose für die Damen und eine Praline für die Herren und dann war der Abend nach über fünf Stunden auch wieder vorbei. Der Kartenpreis von 30€ pro Person ist zwar etwas happig dafür, dass man in den gleichen Kinosesseln wie sonst auch sitzt, dafür das man den Kinosaal aber für über fünf Stunden belegt, doch irgendwo wieder gerechtfertigt. Allerdings hätte ich mir zumindest einen kleinen Sekt zum Empfang im Preis inkludiert gewünscht. Besser organisiert werden könnte der Empfang vorweg, in dem man die zweite Kollegin früher als 10 Minuten vor Beginn dazu bestellt, und vielleicht die Kinofilme so legt, dass Empfang und Kinostart im zweiten Saal nicht auf die gleiche Zeit fällt.
Alles in allem war es aber ein schöner Abend und eine schöne Oper.

Sing

Am 08.12.2016 erscheint ein neuer Animationsfilm aus dem Hause Illuminations in den deutschen Kinos.

Der Koala Buster Moon hat sich einen Traum erfüllt und sein eigenes Theater eröffnet. Leider steht er finanziell kurz vor dem Ruin. Um das Ruder doch noch rum zu reißen, möchte er eine Castingshow inzenieren. Als Anreiz soll es eine kleine Prämie für den Gewinner geben. Schnell finden sich Kandidaten, die alle mit anderen Problemen zu kämpfen haben.

  Illuminations Studios sind vorallem dafür bekannt, dass sie uns die wohl putzigsten kleinen Wesen brachten, die in den letzten Jahren über die Leinwand huschten: die Minions. Zunächst als Sidekicks in Ich – einfach unverbesserlich und Ich – einfach unverbesserlich 2, schafften sie es im letzten Jahr auch in einem eigenen Kinofilm die Leinwand zu erobern. Mit viel Witz, Charme und sympathischen Charakteren eroberten die Filme die Herzen vieler Zuschauer. Nun versucht Illuminations in diesem Jahr mit gleich zwei neuen Animationsfilmen zu zeigen, dass sie auch ohne Minions gute Filme machen können. Zunächst erschien Pets, der das Leben unserer Haustiere genauer unter die Lupe nahm. Leider war die Handlung sehr einfach und vorhersehbar und der ganze Film letztendlich so uninspiriert, dass er eine große Enttäuschung darstellte. Nun versucht es Illuminations mit ihrem zweiten Film ohne die Minions. Die Trailer sahen wieder sehr schön aus und eine große Vorfreude schien sich aufzubauen. Aber nach Pets fiel die Vorfreude dann doch etwas geringer aus. Gleich zu Beginn des Filmes stand eine große Frage im Raum.Würde Sing es schaffen an den Erfolg von Ich – einfach unverbesserlich anzuknüpfen, oder würde es wieder ein uninspirierter Film wie Pets werden?
Zunächst lernt der Zuschauer die wichtigsten Charaktere kennen. Da wäre zum einen der Koala Buster Moon, der sich seinen größten Traum erfüllt hat und ein Theater gekauft hat. Leider steht dieses nun kurz vor dem Ruin, weil Moons Shows die Leute einfach nicht anlocken. Aber Buster Moon ist ein unumwerflicher Optimist und so versucht er sein Theater nun mit einer Casting-Show zu retten. Unterstützt wird er dabei von der Chamäleon Dame Miss Crawly. Weiterhin lernen wir Rosita kennen, eine Schweinchen-Mama mit 25 Kindern. Mit so vielen Kindern ist der Alltag natürlich nicht immer leicht und ihr Mann arbeitet praktisch den ganzen Tag, weswegen sie in ihm keine große Hilfe findet. Weiter geht es zu den Stachelschweinen Lance und Ash, die zusammen in einer Band spielen und versuchen immer größere Auftritte an Land zu ziehen. Dabei gibt Lance gerne den Ton an und Ash unterwirft sich aus Liebe seinen Launen. Der Gorilla Johnny hingegen träumt gerne beim Singen vor sich, währen er Schmiere steht für seinen Dad. Dieser hat nämlich eine Gang und überfällt gerne verschiedene Einrichtungen. Sein Dad erhofft sich für Johnny eine größere Rolle in der Gang, während dieser eigentlich gerne ein normaleres Leben führen möchte. Zu guter Letzt lernen wir Meena kennen, ein Elefantenmädchen mit guter Singstimme, die aber verflucht schüchtern ist. Egal wie gut ihre Eltern und vor allem ihr Großvater auf sie einreden, Meena versteckt sich gerne hinter ihren großen Ohren. Sie und noch viele mehr erfahren von der Castingshow und sehen darin ihre große Chance aus dem Alltag auszubrechen. Das große Casting startet, aber ab da jagt ein Problem das nächste und Buster Moon hat alle Hände voll zu tun, um jedes einzelne zu lösen.
Auch Sing hat eine sehr einfach Handlung, die vom Anfang bis zum Schluss vorhersehbar ist. Im Gegensatz zu Pets stört das hier aber nur sehr wenig, denn Sing braucht gar keine herausragende Handlung. Dafür hat Sing herausragende Charaktere, die alle sehr unterschiedlich sind aber praktisch für jeden Zuschauer eine Identifikationsmöglichkeit bieten. Ob man nun im Alltag immer gestresst und überfordert ist wie Rosita, oder einfach nicht über seinen Schatten springen kann, wie Meena, oder nicht begeistert ist von den Zukunftsplänen der Eltern, wie Johnny oder gerade in einer schwierigen Beziehung steckt, wie Ash, oder vielleicht auch einfach immer wieder in finanziellen Schwierigkeiten steckt, wie Buster Moon, in Sing ist für jeden etwas dabei. Gepaart wird das ganze mit vielen schönen Gesangseinlagen, die den Film aber auch nicht dominieren. Es wird ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Gesangseinlagen und Handlung geschaffen, und die Gesangseinlagen treten meistens auch gebündelt auf. So kann man sich zeitweise den Liedern hingeben und innerlich heimlich mitsingen, ohne die anderen Zuschauer zu stören, kann sich aber dann auch wieder voll auf die Handlung konzentrieren. Die Lieder selbst sind alle gut gewählt, gehen zwar meist in eine ähnliche Richtung, was das Genre betrifft, haben aber auch immer wieder ein paar Ausreißer mit drinnen, die dann doch für eine kleine Vielfalt sorgen. Am Ende des Films hat bestimmt jeder so seine Favoriten und es wurde ein Ende geschaffen, mit dem auch jeder zufrieden sein dürfte, zumal das Ende auch wieder eine große Botschaft an die Kinder bringt. So ist doch eine kleine Moral am Ende zu spüren, die in vergleichbaren Disney-Filmen zwar meist größer ausfällt, aber trotzdem wirksam ist.

Alles in allem ein süßer Film mit tollen Charakteren, aber ein wahrlich besonderer Film wurde nicht geschaffen. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Whiskey Tango Foxtrott

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Whiskey Tango Foxtrott. Der Film lief ursprünglich ab dem 02.06.2016 in den deutschen Kinos.
Die Jounalistin Kim Barker wird als Auslandsreporterin in Afghanistan eingeteilt. Hier schafft sie es nicht nur ihrer Karriere auf die Sprünge zu helfen, sondern lernt auch eine ganz andere Kultur näher kennen.
Zunächst einmal einen verwirrten Blick auf den Filmtitel. Was haben diese drei Wörter denn mit der Handlung zu tun. Sie stehen im NATO Alphabet für die Buchstaben WTF, was eine vielbenutzte Abkürzung für What the F*** ist. Und genau das denkt man sich mehrfach während des Films über: What the F***!
Zunächst lernen wir die Journalistin Kim Barker kennen. Sie arbeitet bei einem Kabelsender in New York und tippt da die meiste Zeit die Beitragstexte für die Sendungen. Ihr Alltag gleicht sich jeden Tag aufs Neue und ihren Freund sieht sie auch kaum, weil dieser ständig auf Geschäftsreise ist. Diese Umstände frustrieren Barker zunehmend. Doch eines Tages werden alle unverheirateten und kinderlosen Mitarbeiter des Senders zusammengerufen. Es wird jemand benötigt, der nach Kabul reist und in Afghanistan als Auslandsreporterin fungiert und das zu einer Zeit, in der der Krieg zwar vorüber scheint, das Land aber trotzdem einfach nicht zur Ruhe kommt. Nach kurzem Zögern meldet sich Barker freiwillig und sieht sich schneller in einem Flugzeug nach Kabul als ihr Lieb war. Dort machen sich zunächst ein paar Startschwierigkeiten bemerkbar, denn Kabul ist ein ganz anderes Pflaster als New York. Doch zusammen mit Sicherheitsmann Nic, Kameramann Brian, Dolmetscher Fahim und Kollegin Tanya Vanderpoel versucht sie dies zu meistern. Dabei begibt sie sich für eine gute Story in größere Gefahr, als sie müsste.
Whiskey Tango Foxtrott vereint mehrere Themen in einem Film. Zum einen den Ausbruch aus dem Alltag. Wenn man einfach merkt, dass man in seinem Alltag festgehfahren ist und es privat und beruflich kein Vorwärtskommen mehr gibt.
Viele Filme behandeln dieses Thema dann immer mit einer großen Reise (Eat Pray Love), einer großen Wandertour (Picknick mit Bären, Wild – der große Trip) oder einen anderen Weg zur Selbstfindung. Diesmal geht es zwar auch um eine räumliche Veränderung, aber wie soll man an einem Ort, an dem man ständig Schüsse hört, die Chance besteht, dass eine Bombe in der Nähe gezündet wird und man als Frau wenig Rechte hat, sich selbst finden können? Ein weiteres großes Thema ist der Afghanistan-Krieg und die journalistische Berichterstattung. Die Handlung des Films beginnt 2003. Zu diesem Zeitpunkt gab es zwar noch vermehrt Berichte über den Krieg, aber er wird praktisch schon als beendet angesehen, da im Nachbarland der Irak-Krieg wütet und dieser aktuell viel mehr Aufmerksamkeit in den Medien bekommt. Es geht darum, dass viele Journalisten trotzdem in Kabul lebten, obwohl sie kaum noch Zeit dafür in den Nachrichtensendungen bekamen und sich daher für eine gute Story in immer größere Gefahr begaben. Auch als drittes großes Thema geht es darum, wie sehr man sich menschlich verändert, wenn man aus seinem alltäglichen Leben ausbricht und nun einen Alltag in einem Land hat, in dem man ständig in höherer Gefahr schwebt, aber gleichzeitig sexuell
begehrter ist. Das vielgenannte „4 – 10 – 4“-Prinzip, wird als Auslöser für Charakterveränderungen genannt. Dieses Prinzip sagt aus, dass man im Heimatland von der sexuellen Attraktivität auf der Wertungsskala eine 4 war, in Kabul nun automatisch zu einer 10 aufsteigt und später im Heimatland wieder zu einer 4 absteigt. Auch seien die sexuellen Spannungen unter den Journalisten viel stärker, und auch die ausschweifenden Partys im Journalistenlager sind eine Folge davon.
Diese drei großen Themen balanciert Whiskey Tango Foxtrott perfekt aus, so dass alle Themen genügend Spielraum haben und eine gute Koexistenz bilden. Man verfolgt Barkers Leben und Arbeit in Kabul und muss vielleicht nicht alles gut finden, was sie macht. Der Film lässt genügend Freiraum für Gegenmeinungen, um so eine Diskussion innerhalb des Films zu erlauben. Als Zuschauer kann man sich dadurch aussuchen, welche Meinung man vertritt, weil man über die meisten Themen genügend Informationen erhält. Lediglich über den Einfluss der Taliban, die zu dem Zeitpunkt schon wieder auf dem Vormarsch waren, gibt es relativ wenig Informationen. Der Film hält sich politisch gesehen sehr zurück. Zwar verfolgen wir hauptsächlich die Berichterstattung der Amerikanerin Barker, aber im Journalisten-Camp in Kabul lernen wir auch die Britin Tanya Vanderpoel, den Schotten Iain MacKelpie und viele weitere Nationalitäten kennen, wodurch es sich nicht auf die amerikanische Sicht konzentriert. Zudem wird auch die Sicht des Militärs vor Ort wiedergegeben, die Barker immer mal wieder begleitet.
Whiskey Tango Foxtrott startet den Film mit einer sehr rasant steigenden Spannungskurve, die sich lange hoch hält. Leider zieht sich der Film ab dem letzten Drittel etwas, da er wenig neues erzählt und die Handlung nur noch künstlich versucht in die Länge zu ziehen. Erst zum Finale hin, nimmt die Spannung wieder zu. Leider ist zu diesem Zeitpunkt beim Publikum schon sodie Luft raus, dass es einem schwer fällt, noch einmal richtig mit zu fiebern. Das Ende selbst ist rund und schafft einen gelungenen Abschluss.
Tina Fey übernimmt die Rolle der Kim Barker. Bisher kannte man Fey hauptsächlich aus dem Komödienbereich, weswegen es sehr erfrischend war, ihr komplettes Talent ausgeschöpft zu sehen. Sie gibt der Figur Barker Selbstzweifel, Resignation und dazu das gewisse Etwas, das eine große Nähe zum Zuschauer mit sich bringt.
Auch die übrigen schauspielerischen Leistungen sind allesamt gut.
Alles in allem eine schöne filmische Darstellung des Journalismu-Lebens in Kabul. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Jack Reacher – Kein Weg zurück

Am 10.11.2016 erschien die Fortsetzung der Action-Reihe, mit Tom Cruise in der Hauptrolle, in den deutschen Kinos.
Jack Reacher ist zurück. In Washington erfährt er, dass Susan Turner, die Reachers ehemalige Einheit leitet, wegen Verrats inhaftiert wurde. Er startet eine Befreiungsaktion und findet sich wenig später mit Turner auf der Flucht wieder.
Bereits 2013 erschien die erste Verfilmung der auf den Jack Reacher-Büchern basierende neue Filmreihe. Tom Cruise übernahm bereits dort die Hauptrolle und schaffte es eine strikte Trennung zwischen seiner Rolle als Ethan Hunt in den Mission Impossible Filmen und seiner neuen Rolle als Jack Reacher zu ziehen. Trotzdem war der erste Teil nichts weiter, als ein Actionfilm voller Klischees. Der einsame Wolf, ehemals in der Army, rettet die Blondine, die sich zwar als Anwältin taff gibt, aber in Gefahrensituationen doch nur schreiend daneben stehen kann. Da konnte auch eine Rosamunde Pike nichts mehr dran retten. Und das, obwohl die Jack Reacher Romane sehr gefeiert werden.
Dann erschien der erste Trailer zum zweiten Film und schnell wurde klar, dass es sich diesmal um ein paar Klischees weniger handeln würde. Denn in diesem Film wird die Figur Susan Turner aufgegriffen. Turner ist noch aktiv in der Army und steht in drei Bänden Reacher immer wieder telefonisch zur Verfügung. Erst im vierten Band, auf das sich nun der zweite Film bezieht, tritt sie selbst in Erscheinung. Turner ist eine starke Frauenfigur, die sich zwar von Reacher helfen lässt, aber
das bestimmt auch sonst ganz gut gemeistert hätte. Jack Reacher beteuert auch im zweiten Film immer wieder, dass er komplett aus der Army ausgestiegen ist. Trotzdem kommt er immer wieder in Situationen, in denen seine Kampfkünste doch von Vorteil sind. Von unterwegs hält er immer wieder telefonischen Kontakt zu  Susan Turner, die ihn immer mit gutem Rat zur Seite steht. Am Telefon flirten die beiden auch immer ein bisschen miteinander. Schließlich beschließt Reacher Turner in Washington zu überraschen und sie zu einem Konzert mitzunehmen. Doch kaum im Hauptquartier angekommen, muss er feststellen, dass Turner in Untersuchungshaft steckt und keinen Kontakt zu ihm wünscht. Doch das hält ihn nicht auf und er nimmt Kontakt zu ihrem Anwalt auf. Dieser hat jedoch eine ganz andere Schreckensbotschaft für Reacher. Kurz darauf wird er Anwalt ermordet aufgefunden und Reacher ist der Hauptverdächtige. Doch er findet einen Weg seiner eigenen Verhaftung zu entkommen und Turner zu befreien. Zusammen fliehen sie vor ihren eigenen Leuten auf der Suche nach Antworten. Wer hat Turners Männer in Afghanistan getötet und wer wollte Turner und Reacher von der Bildfläche verschwinden lassen?
Jack Reacher – kein Weg zurück schafft es schon sehr schnell sich vom schwachen ersten Teil zu lösen und praktisch einen Neuanfang zu starten. Die ersten drei Bücher, in denen Turner vorkam, werden im Schnelldurchlauf durchgespielt, um die telefonische Verbindung zwischen Turner und Reacher zu verdeutlichen. Der wirklich spannende Teil beginnt jedoch erst mit Reachers Eintreffen in Washington. Ab dort beginnt eine wilde Verfolgungsjagd, die sehr spannend gestaltet ist und einen bis zur Aufklärung am Ende packt und nicht mehr loslässt. Dabei ist es sehr entspannend, dass sich zwischen Reacher und Turner keine nervige Liebesgeschichte entwickelt, sondern sie sich als Kollegen respektieren, auch wenn Reacher seinen Beschützerinstinkt einfach nicht abstellen kann. Tom Cruise verkörpert trotz seines Alters und seiner Größe den Jack Reacher souverän, lässt ihn den einsamen Alphawolf sein, gibt ihm aber auch keine zusätzlichen Facetten. Dadurch wirkt sein Reacher durch und durch kalt. Lediglich der zweite Handlungsstrang um eine dritte Person, die größtenteils mit Reacher und Turner auf der Flucht ist, gibt ihm überhaupt eine Persönlichkeit. Cobie Smulders als Susan Turner spielt gekonnt die Powerfrau, die aber auch in passenden Momenten ihre Härte fallen lassen kann und dadurch eine sehr authentische und starke Identifikationsfigur darstellt. Smulders zeigt allen Frauen da draußen, dass man sehr wohl eine Armeeuniform tragen und dabei sehr feminin wirken kann, ohne tiefen Ausschnitt und ohne viel Make-up.
Als Kritikpunkt ist zu nennen, dass die Bösewichte ein wenig blass bleiben über den Film. Der Hauptdrahtzieher ist bis auf das Ende kaum zu sehen und der Hauptverfolger bekommt auch einfach zu wenig Screentime, um seiner Figur nur ansatzweise etwas mehr Tiefe, als das übliche Klischee, zu geben. Dadurch das der Film sich hauptsächlich mit der Flucht Reachers und Turners befasst, gibt es für einen Action-Film vergleichsweise wenige Kämpfe, aber wenn die Fäuste erhoben werden, dann richtig.
Alles in allem macht Jack Reacher als Action-Film Spaß, bleibt aber simples Popcornkino. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Arrival

Am 24.11.2016 erschien ein Film, über Kommunikation mit Aliens, in den deutschen Kinos.

12 Raumschiffe landen gleichzeitig auf der Erde. Während die Welt kurz vor einer Panik steht, versuchen Teams weltweit mit den Aliens Kontakt aufzunehmen. In den USA werden die Linguistin Louise Banks und der Physiker Ian Donnelly dazugeholt. Banks soll versuchen die Sprache der Aliens zu entschlüsseln und mit ihnen zu kommunizieren. Doch dabei sind viele sprachliche Fallen zu beachten.

Was jemand sagt und was jemand versteht, sind zwei verschiedene Dinge. In der Sprache gibt es viele versteckte Fallen, so dass sich schon zwei Menschen, die die gleiche Sprache sprechen, sehr schnell missverstehen müssen. Das Potenzial des Missverständnisses erhöht sich, wenn sich zwei Menschen mit unterschiedlicher Muttersprache unterhalten. Doch wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit etwas misszuverstehen, wenn man sogar in verschiedenen Welten lebt und keiner vorher je die Sprache des anderen gehört hat?
In vergleichbaren Filmen, wenn Aliens auf die Erde kommen, wird immer von einer Invasion ausgegangen. In den meisten Fällen stimmt das auch und während die Alien die halbe Welt in Asche legen, versuchen die Menschen immer einen finalen Gegenschlag zu planen. Doch Regisseur Denis Villeneuve hat eine ganz andere Herangehensweise. Als die zwölf „Muscheln“, Raumschiffe mit Aliens, in verschiedenen Teilen der Welt landen, wird zwar auch sofort das Militär zur Sicherung des Gebietes einberufen, aber es wird auch nach Linguisten und Physikern gerufen, damit diese die Sprache der Aliens und die Beschaffenheit des Raumschiffes untersuchen. Dabei scheinen die Aliens niemandem etwas zu tun und auch keine Invasion zu planen. Doch warum sind sie auf die Erde gekommen? Was sind ihre Absichten? Um das herauszufinden, muss Linguistin Banks erst einmal versuchen ihre Sprache zu erkunden. Und das geht eben ncht von jetzt auf gleich, sondern braucht etwas Zeit. Doch während sie ihre Arbeit verrichtet, fängt die Welt an Kopf zu stehen. Die permanente Angst und das Bedrohungsgefühl durch das Raumschiff sorgt in der Bevölkerung zu Hamsterkäufen, Demonstrationen und Ausnahmezustand. Gleichzeitig versuchen die Regierungen zusammenzuarbeiten, aber gerade China ist immer mehr versucht einen Angriff durchzuführen. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr Konflikte entstehen bei der anfangs noch gut funktionierenden weltweiten Kommunikation. Doch Banks versucht unentwegt weiter die Sprache zu analysieren und geht dabei sogar an ihre körperlichen Grenzen.
Villeneuve schafft es mit Arrival einen neuen Dankansatz in ein bekanntes Genre zu pressen und doch einen interessanten und neuen Ton zu treffen. Hier wird kein Wert darauf gelegt möglichst viel Action oder möglichst große Weltraumschlachten zu inzenieren, sondern einen Blick auf die Kommunikation zu legen. Dies gelingt ihm sehr gut und trotz des ruhigen Erzähltempos wird eine sehr spannende Atmosphäre geschaffen. Durch eine große Nähe zur Protagonistin fühlt man sich in den Film hineinversetzt. Man verlässt als Zuschauer praktisch den Kinosessel und folgt Banks auf Schritt und Tritt zum Raumschiff, verfolgt gespannt ihre Strategie zur Erlernung der Sprache und bemerkt besorgt die Anzeichen einer Überarbeitung. Amy Adams spielt die Rolle der Louise Banks sehr souverän, verpasst es aber mitunter mimisch ein paar Feinheiten passend herüberzubringen, weswegen die Auflösung am Ende sehr überraschend kommt. Besser spielt Jeremy Renner als Ian Donnelly, dessen Rolle aber wieder nicht genug Raum bekommt, um sich richtig zu entfalten.
Von den 116 Minuten Laufzeit ist wenig zu spüren, sie verfliegen beinahe. Lediglich das Ende wird um ein paar Minuten zu lange gezogen, aber trifft trotzdem einen interessanten Ton. Setdesign, Kameraarbeit, Ton und Musik sind allesamt sehr gut gewählt und unterstützen die Botschaft des Films.

Alles in allem ein sehr interessanter Denkansatz im Film, der auch gut umgesetzt wurde. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Inferno

Am 13.10.2016 erschien die inzwischen dritte Verfilmung eines Dan Brown Romans in den deutschen Kinos. Diesmal hatte ich das Buch bereits im Vorfeld gelesen und war nun auf die filmische Umsetzung gespannt. Daher gibt es hier wieder sowohl die Buch- als auch die Filmkritik in einem Beitrag zusammen gefasst.

Der Symbologe Robert Langdon erwacht mit einer Kopfverletzung und damit einhergehendem Gedächtnisverlust, was die letzten Tage betrifft, in einem Krankenhaus in Florenz. Er hat keine Ahnung, wie er dahin gekommen ist. Kurz darauf sucht ihn eine Attentäterin auf und er muss zusammen mit der Ärztin Sienna Brooks fliehen. Dabei entdecken sie einen kleinen Projektor in Langdons Jackett, der Dantes Kreise der Hölle zeigt, zusammen mit einem Rätsel. Und schon befinden sie sich auf einer Jagd durch die Stadt auf der Suche nach weiteren Hinweisen und Rätseln. Was hat das Ganze mit Bertrand Zobrist zu tun, der das Ende der Menschheit durch Überbevölkerung vorhergesagt hat?

Das Buch:

Bereits 2013 erschien der inzwischen vierte Band über den Symbologen Robert Langdon aus der Feder von Dan Brown. Während er mit Illuminati und Sakrileg den Zorn der katholischen Kirche auf sich zog, war sein drittes Werk, das verlorene Symbol, sehr schwach geraten. Nun hat Brown sein viertes Langdon-Buch keiner Verschwörung innerhalb der katholischen Kirche gewidmet, sondern einem Meisterwerk der Literatur. Dante Alighieris „Göttliche Komödie“, bzw. zumindest dem ersten Drittel davon, nämlich dem „Inferno“-Teil. Hier beschrieb Dante seinen Weg durch die 10 Kreise der Hölle, jeden Kreis schrieb er einer anderen Art Sünde zu. Da Brown in diesem Film selbst keine Verschwörung finden oder hineininterpretieren konnt, nutzt er Inferno nur als Mittel für die Rätsel und Hinweise und nimmt sich im gleichen Atemzug noch einem ganz anderen Thema an: der Überbevölkerung. Dafür erfindet er die Figur des Bertrand Zobrist. Dieser hält nun die Pest und andere große Naturkatastrophen für einen Schutzmechanismus der Natur, um die Überbevölkerung aufzuhalten, und will selbst durch eine Seuche der Natur helfen. Davon ahnt unser Protagonist Robert Langdon zunächst aber noch nichts. Er hat nämlich mit einem Gedächtnisverlust zu kämpfen und der Tatsache, dass er sich nicht nur statt in Harvard in Florenz befindet, wo er auch noch beinahe einer Attentäterin zum Opfer fällt. Zusammen mit der Ärztin Sienna Brooks versucht er die letzten Tage zu rekonstruieren und stößt dabei vermehrt auf Hinweise, die allesamt mit Dantes Inferno in Verbindung stehen, und muss gleichzeitig feststellen, dass er von gut ausgebildeten Männern verfolgt wird.
Brown gibt seinem erfolgreichen Helden Langdon mal wieder viel zu tun und viel zu enträtseln. Dabei geht er diesmal aber anders vor, da Langdon nicht von vornherein bewusst in die Sache gezogen wird, weil seine Fähigkeiten als Symbologe gefragt sind, sondern Brown lässt Langdon und die Leser sehr lange im Dunkeln tappen und einzelne Hinweise aufspüren. Abgesehen von dieser Haupthandlung gibt Brown dem Leser immer wieder Einblicke in das Handeln anderer Charaktere, deren Rolle man lange Zeit nicht einordnen kann. Dadurch baut Brown zunächst sehr viel Spannung auf. Leider lässt er die Leser ein bisschen zu lange im Dunkeln tappen, so dass einem mitunter das Interesse die Rätsel zu lösen verloren geht. Auch merkt man, dass Brown in Vorbereitung auf das Buch einen ausgiebigen Urlaub in Florenz unternommen hat. Denn eine gewisse Liebe zur Stadt ist mehr als deutlich zu spüren. So lässt er Langdon immer wieder von der Stadt und seiner Geschichte schwärmen und dies teilweise ausschweifend während einer Verfolgungsjagd. Dadurch kommen Szenen, wie „Langdon und Sienna fliehen, können gerade noch durch Gang X entwischen, oh Gang X, hier hat der und der, das und das gemacht, und dann hat der dieses Gemälde gekauft und das ist so besonders, weil“, drei Seiten später, „Langdon und Sienna erreichen das Ende des Ganges“. Gerade im Mittelteil nimmt das Auswüchse an, die den Mittelteil nur sehr schwer ertragbar machen. Mitunter wurde eine Aufklärung zu einer bestimmten Inferno-Stelle so lange gerausgezögert, dass ein Gang zum Bücherregal unvermeidbar war, um die entsprechende Stelle einfach selbst in der Göttlichen Komödie nachzulesen. Während der Leser nun das Buch fast aufgegeben hat und kaum noch die Lust verspürte weiterzulesen, bringt Brown einen dazu im letzten Viertel des Buches dieses gar nicht mehr aus der Hand legen zu wollen. In einem einzigen Kapitel führt er eine so unvorhersehbare Wendung herbei, die alles bisher geglaubte auf den Kopf stellte. Und damit nicht genug. Brown schafft es von nun an die anfängliche Spannung wiederherzustellen und sogar zu erhöhen, in dem er neue Rätsel aufgibt, die aber nun wesentlich schneller gelöst werden und schafft es ein so packenden Showdown zu inzenieren, dass es unmöglich zu sein scheint den Leser an dieser Stelle aus der Welt des Buches zu reißen. Auch das Ende ist wieder absolut unvorhersehbar und stellt eine drastische Wendung der Ereignisse da. Dabei schafft es Brown gleich noch einen neuen Denkansatz in die Köpfe der Leser zu setzen und wirft gleichzeitig alle Regeln für ein Ende eines Buches über den Haufen. So wird der treue Leser doch noch für ein sehr langatmigen Mittelteil belohnt.

Der Film:

Nach Sakrileg und Illuminati war sehr schnell klar, dass auch weitere Bücher von Dan Brown verfilmt werden. Doch dann sprang Regisseur Ron Howard für das Folgeprojekt „das verlorene Symbol“ ab, da er im Buch keinen Reiz für eine Verfilmung fand. So lag das Projekt brach, bis Inferno erschien und Ron Howard sich sofort wieder begeistern konnte. Also wurde filmisch „das verlorene Symbol“ einfach übersprungen, und es wurde sich „Inferno“ gewidmet. Tom Hanks wurde wieder als Robert Langdon besetzt, den er wieder mit seiner bekannten souveränen Art spielt. An seine Seite wurde Felicity Jones als Sienna Brooks gestellt. Das Problem an Jones ist, dass sie zwischen sehr guten Perfomances, wie in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“, und sehr schlechten, wie in „Collide“, hin und her springt. Auch Inferno zählt gemessen an den Möglichkeiten nicht gerade zu ihrer Glanzleistung. Star Wars-Fans können daher nur hoffen, dass sie sich im bald erscheinden „Rogue One“ wieder ein bisschen mehr anstrengt.
Die Verfilmung an sich betrachtet ist ein souveräner Film, mit vielen Rätseln, Verfolgungsjagden und Spannung. Doch das kann man nur genießen, wenn man das Buch nicht gelesen hat. Denn der Film überspringt zwar die vielen Liebesbekundungen an die Stadt Florenz, schafft es aber die großen unvorhersehbaren Wendungen im Buch und das brilliante Ende komplett zu zerstören. Denn die erste 180° Wendung des Buches wurde nach nur fünf Minuten durch die Einblendung eines Untertitels zerstört. Der Showdown selbst ist zwar auch im Film sehr spannend und man hängt gebannt an der Leinwand, aber die Auflösung am Ende des Showdown wurde im Drehbuch komplett umgeschrieben, so dass ein ganz anderes Ende dabei herauskommt. Für Buchleser ein sehr unbefriedigendes, für Filmgucker ein sehr vorhersehbares. Und durch das Umschreiben des Endes, bleibt auch die letzte unerwartete Wendung des Buches aus, gerade das diskuttiertwürdige Ende, das Ende das Inferno als Buch zu etwas besonderem macht. Zwar wurde der Grundgedanke des Buches, irgendwo in der Mitte des Films mal in einem Nebensatz erwähnt, aber hat bei Weitem nicht die Gewichtung, wie im Buch.
Hat man das Buch vorher nicht gelesen, dann ist der Film und auch das Ende wohl für einen rund und auch trotzdem spannend, aber trotzdem bleibt der Film weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Hier wollten die Macher wohl längere Erklärdialoge am Ende vermeiden.

Alles in allem sollte man als perfekte Kombination, zunächst anfangen das Buch zu lesen, den Mittelteil dann mit dem deutlich spannenderen Mittelteil des Films abkürzen und den großen Showdown und das Ende dann wieder lesen. Für den Film gibt es aber trotzdem nur 05 von 10 möglichen Punkten.

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Am 17.11.2016 erschien ein neuer Film aus dem Harry Potter Universum in den deutschen Kinos.

Newt Scamander reist 1926 in die USA ein. Mit dabei ein Koffer voller magischer Tierwesen. Durch eine Kofferverwechselung können ein paar dieser Tierwesen entkommen und streifen durch die Stadt. Gleichzeitig scheint noch etwas anderes sein Unwesen in der Stadt zu treiben. Dies könnte die Magierwelt enttarnen und den No-Majs offenbaren.

1997 erschien „Harry Potter und der Stein der Weisen“ erstmals in den Regalen der Buchläden. Es folgten sechs Folgebände, die allesamt weltweit mit Rekordzahlen verkauft wurden. Damals entführte uns J. K. Rowling in eine abenteuerliche Welt voller Magie, in der ein Junge namens Harry Potter nicht nur entdeckt, dass er ein Zauberer ist und fortan auf die Hogwarts Schule für Zauberei gehen wird, sondern auch, dass er eine ganz besondere Rolle in dieser Welt spielt. Nach sieben Büchern, die in acht Filmen verfilmt wurden, entließ uns Rowling wieder in die normale „Muggle“-Welt ohne Zauberei. Doch in diesem Jahr erschien nicht nur ein achtes Buch, das viele Jahre nach dem siebten spielt, nein Rowling hat wieder ordentlich in die Tasten gehauen. Das Ergebnis ist diesmal kein neues Buch, sondern ein Drehbuch, das nun verfilmt wurde. Hintergrund ist das Lehrbuch „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“, welches Harry Potter in seinem ersten Lehrjahr in Hogwarts brauchte. Geschrieben wurde es von der fiktiven Figur Newt Scamander – und ist inzwischen auch in unseren Buchläden zu finden – um die es nun in den neuen Filmen geht. Das ganze spielt diesmal aber nicht in den 1990er Jahren in Großbritannien, sondern 1926 in New York.
Die Fans der Harry Potter-Filme dürften schon in den ersten Minuten Gänsehaut bekommen, wenn das altbekannte Harry Potter-Theme durch die Boxen des Kinosaals hallt. Dann fallen über den Zuschauer erst einmal viele verschiedene Zeitungsartikel über Gellert Grindelwald herein. Und dann lernen die Zuschauer auch schon den Hauptcharakter Newt Scamander kennen. Dieser verlässt gerade die Fähre, die ihn nach New York brachte und muss sich nun durch die Muggle-Einreiseformalitäten kämpfen. Mit dabei hat er einen Koffer voller phantastischer magischer Tierwesen. In New York lernt er zunächst die Muggle kennen, die vor Zauberei warnen, und vor genau denen sich die Zaubererwelt versteckt. In Folge einiger unglücklicher Umstände vertauschen sich die Koffer von Scamander und dem Muggle Jacob Kowalski. Dieser Irrtum fällt leider erst im MACUSA – dem magischen Kongress der USA – auf, zu dem Scamander von Tina Goldstein, einer ehemaligen Aurorin geschleift wurde. Da das MACUSA gerade größere Sorgen hat, versuchen Scamander und Goldstein Kowalski nun auf eigene Faust zu finden. Dem sind wiederum inzwischen ein paar Tierwesen abhanden gekommen. Zusammen mit Goldsteins Schwester Queenie Goldstein versuchen sie diese nun fangen. Gleichzeitig gibt es mehrere Zerstörungen in der Stadt, die von einem unbekannten Wesen herrühren. Aus Angst die Magierwelt könnte auffliegen, wurde der Auror Percival Graves darauf angesetzt.
Phntastische Tierwesen und wo sie zu finden sind ist als Auftakt für eine fünfteilige Reihe geplant. Das merkt man dem Film bisher wenig an. Zunächst nimmt er sich alle Zeit der Welt, um die neuen Charaktere vorzustellen und eine sehr humorvolle Suche nach den entlaufenden Tierwesen zu inzenieren. Das ist zwar sehr schön anzusehen und sorgt auch für viele humorvolle Momente, scheint aber im Nachhinein nicht so recht in ein größeres Ganzes zu passen. Dafür nimmt die zweite Hälfte umso mehr Fahrt auf und baut die Spannung groß auf und gipfelt in einem spannenden Showdown. Gerade das Ende lässt Spekulationen offen, wie es weitergehen kann.
Rowling schafft es auch hier wieder die verschiedensten Charaktere zu kreieren. Dafür hat sie zwar diesmal weniger Zeit, denn in einem Film wollen die Charaktere schneller vorgestellt werden als in einem Buch, aber trotzdem gibt sie allen die nötige Tiefe. Dadurch hat man am Ende des Films das Gefühl auch diese Charaktere schon sehr lange zu kennen. Für die einzelnen Rollen wurden sehr passende Darsteller gecastet, die allesamt gute schauspielerische Leistungen abgeben.
Abgesehen von der zeitlichen Komponente versucht Rowling auch durch Kleinigkeiten den Unterschied zwischen der Welt Harry Potters in Großbritannien und der Scamanders in den Staaten. So werden die Muggle nun No-Majs genannt (was für Fans sehr gewöhnungsbedürftig sein dürfte) und statt des Zaubereiministeriums gibt es den MACUSA. So fühlt man sich zwar wieder in die magische Welt versetzt, was mitunter nostalgische Gefühle hervorruft, aber trotzdem gibt es eine klare Abgrenzung zwischen den Welten.
Die Musik unterstützt den Film an allen Stellen und teilweise trägt sie ihn sogar. Mindestens 50% des Spannungsaufbaus wurde durch die sehr dominante Musik geprägt.
Die Namensgebende Tierwesen spielen im Film mitunter eine etwas untergeordnete Rolle, aber wenn sie einen Auftritt haben, sind sie der eindeutige Star. Hier sind wieder einmal die Weiten von Rowlings Fantasie zu bewundern, die wirklich grenzenlos zu sein scheint. Vom Publikumsliebling den Niffler bis zur paarungswilligen Erumpent die Tierwesen sind trotz größerer Hintergrundhandlung doch noch immer die Stars des Films.

Alles in allem ist Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind trotz holprigem Einstieg ein schöner Auftakt mit spannendem Ausblick auf die kommenden Teile. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Doctor Strange

Am 27.10.2016 erschien ein neuer Held des Marvel Universums in den deutschen Kinos.

Dr. Stephen Strange ist ein brillianter Arzt, das er gerne durch protziges und arrogantes Auftreten heraushängen lässt. Als ein schwerer Unfall seine Hände sehr schwer schädigt und kein Arzt ihn heilen kann, erleidet er einer Krise und sucht Hilfe in Kathmandu zu dem geheimnisvollen Ort Kamar-Taj. Dort lernt er jedoch noch viel mehr als sich zu heilen.

Das Marvel Cinematic Universe wird nicht nur jährlich um ein paar Fortsetzungen erweitert, sondern mitunter werden auch neue Helden in eigenen Filmen vorgestellt. Während im letzten Jahr Ant-Man in einem eigenen Film vorgestellt wurde und später in Civil War erneut auftrat, wurde dieses Jahr ein Film mit Doctor Strange auf die große Leinwand gebracht. Strange tauchte das erste Mal im Juli 1963 in einem Marvel-Comic auf und ist seitdem fester Bestandteil des Marvel Universums.
Doctor Stephen Strange ist ein brillianter Neurochirurg. Durch seinen Erfolg verdiente er nicht nur viel Geld, welches er durch einen extravaganaten Lebenstil zur Schau stellte, sondern entwickelte auch eine gewisse Arroganz. Die verwickelte ihn letztendlich auch in den verhängnisvollen Unfall bei dem seine Hände irreparabel geschädigt wurden. Da er in seinem Job seine Erfüllung sieht und diesen nun nicht mehr ausführen kann, dreht er praktisch durch und steckt all sein Geld in mögliche Heilmethoden, die alle ohne Erfolg bleiben. In seiner Verzweiflung steigert er sich immer mehr in die Sache hinein, bis er auch noch die letzte Verbündete verschreckt. Doch dann erzählt ihm sein Physiotherapeut von einem Patienten, der querschnittgelähmt und an den Rollstuhl gefesselt war und dann eines Tages wieder laufen konnte. Der Name des Mannes ist Pangborn und dieser erzählt Strange von einem ganz besonderen Ort in Kathmandu, dem Kamar-Taj. Von seinem letzten Geld kauft sich Strange daraufhin ein Flugticket und sicht in Nepal das Kamar-Taj. Dabei wird er von Mordo entdeckt, der ihn in diese geheime Welt führt. Dort lernt er die Älteste kennen, die ihm erklärt, dass es verschiedene Dimensionen und Magie gibt. Nach kurzen Startschwierigkeiten wird Strange als Schüler akzeptiert und lernt nun eine ganz neue Welt kennen. Doch das Lernen ist nicht von langer Dauer, denn ein abtrünniger ehemaliger Schüler namens Kaecilius hat Pläne.
Doctor Strange scheint auf dem ersten Blick wie eine Mischung aus Iron Man und Inception. Doch schon auf dem zweiten Blick erkennt man, dass Doctor Strange mehr kann. Benedict Cumberbatch ist für Rolle des Strange die ideale Besetzung. Er verkörpert sowohl die arrogante Seite, als auch die verletzliche sehr gut. Gleichzeitig bringt er Witz und Spannung in die Rolle, die kaum einer so gut hätte herüberbringen können. Dafür hat es sich gelohnt den Drehzeitraum zu verschieben. Auch der restlliche Cast ist gut gewählt, vorallem Tilda Swinton als die Älteste kann in ihrer Rolle überzeugen. Nachdem es durch ihre Besetzung einen großen Aufschrei gab – „the ancient one“ ist eigentlich ein alter Tibetaner – und Hollywood wieder einmal „whitewashing“ vorgewurfen wurde, zeigte Swinton, dass Änderungen nicht immer schlecht sein müssen und hat gleichzeitig die ansonsten sehr mickrig ausfallende Frauenquote erhöht. Mads Mikkelsen, der vielen als Hannibal Lector aus der gleichnamigen Serie bekannt sein dürfte, übernimmt die Rolle des „Bösewichten“ Kaecilius. Trotz einiger plumper Dialoge spielt Mikkelsen souverän und schafft es allein durch seine Mimik Ehrfurcht zu gebieten. Leider hat Marvel es wieder verpasst seinem Bösewicht mehr Entfaltungsraum zu geben und war stattdessen der Ansicht noch einen zweiten „Überbösewicht“ dazunehmen zu müssen, der am Ende erscheint, dann aber doch erstaunlich einfach besiegt werden konnte. Immerhin war dieser „Endkampf“ mit reichlich Humor bestückt und so doch irgendwo rund.
Der Humor nimmt Marvel-typisch eine relativ große Rolle ein und konnte wieder gut unterhalten, lenkte aber nicht von der eigentlichen Handlung ab und minderte die Spannung an keiner Stelle. Die zweite große Rolle bilden die Spezialeffekte vorallem die durch Magie veränderten Dimensionen, die zwar an Inception erinnern, aber weit über das dort gezeigte hinausgeht.
Da es sich bei Doctor Strange um eine neue Figur im Marvel Cinematic Universe handelt, wurde am Anfang des Films Platz eingeräumt, um die Figur anständig einzuführen und vorzustellen. Dabei wurde genau die richtige Zeitspanne gewählt und rechtzeitig in den Spannungsaufbau umgestellt, so dass die zweite Hälfte mitunter eine Zerreisprobe für die Nerven darstellt.

Alles in allem ähnelt Doctor Strange zwar den anderen Filmen des Marvel Cinematic Universe, bringt aber trotzdem durch die Magie einen zwischen Wind hinein. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Die Insel der besonderen Kinder

Am 06.10.2016 erschien eine Buchverfilmung mit Tim Burton als Regisseur in den deutschen Kinos. Nach Betrachtung des Films konnte ich es mir nicht nehmen lassen, auch das Buch in kürzester Zeit zu verschlingen. Beide Kritiken teilen sich diesmal diesen Beitrag.

Jakes Großvater hat ihm immer wieder die tollsten Geschichten über ganz besondere Kinder auf einer Insel vor Wales erzählt. Später glaubte Jake diesen Geschichten aber nicht mehr. Erst als sein Großvater getötet wird und Jake sich auf die Suche nach Antworten macht, entdeckt er, dass es eine ganz eigene Welt auf der besagten Insel gibt.

Der Film:

Tim Burton ist zurück und zeigt wieder einmal, dass er auch eine düstere Grundstimmung trotz farbenfrohes Setting schaffen kann. So wirft er uns zunächst in das ganz alltägliche und absolut durchschnittliche Leben von Jake in einem kleinen Ort in Florida. Nach und nach erfährt man von den Geschichten, die sein Großvater ihm immer erzählte. Von Kindern mit ganz besonderen Fähigkeiten, von einem ganz besonderen Ort, aber auch von ganz schrecklichen Monstern. Als Jake eines Tages seinen Großvater tot auffindet und feststellt, dass es kein natürlicher Tod war, hinterfragt er alles. Ist vielleicht doch mehr an den Geschichten seines Großvaters dran? Die Suche nach Antworten führt ihn bis nach Wales, auf eine kleine vorgelagerte Insel. Dort findet er seine Antworten, und eine ganz eigene Welt.
Die Besonderheiten der Kinder in „die Insel der besonderen Kinder“ sind vielleicht nicht ganz so besonders, vor allem, wenn man sich öfter im Fantasy-Bereich aufhält, dafür sind die Charaktere selbst breit gefächert und interessant gezeichnet. Das Erzähltempo ist relativ langsam und schafft es doch an den richtigen Stellen Neugierde und Spannung zu erzeugen. In erster Linie geht es darum mit Jake eine neue und ungeahnte Welt zu entdecken, als eine von vorne bis hinten spannende Geschichte zu erzählen. Im letzten Drittel zieht das Tempo jedoch stark an und schafft es einen starken Endkampf hinzulegen, in dem sich die Begabungen der Kinder erst richtig zum Vorteil entfalten. Einige leicht trashig wirkende Szenen sorgen dabei noch für eine Extra-Portion Humor.
Die Weltenzeichnung von Tim Burton ist altbekannt und doch wieder sehr wirksam. Während die „reale“ Welt sehr grau und wenig attraktiv erscheint, ist die Welt der besonderen Kinder umso bunter gestaltet. Dabei wirkt sie aber keinesfalls übertrieben, sondern kommt in der typischen Burton-Optik daher. Hauptdarsteller Asa Butterfield spielt auf gewohntem guten Niveau. Herausstechend ist aber Eva Greens Darstellung der Madame Peregrine, die ihrer Rolle eine ganz besondere Note gibt. Samuel L. Jackson funktioniert als Bösewicht sehr gut und man merkt ihm an, dass er hier wieder einmal richtig Spaß am Spiel hatte.

Alles in allem ein gelungener Auftakt, nachdem man zu hoffen wagt, dass auch die Folgeromane verfilmt werden. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Das Buch:

Direkt nach dem Film war ich so in die Welt der besonderen Kinder versunken, dass ich es mir nicht nehmen lassen konnte auch das Buch zu lesen (woher das Verlangen kommt Film und Buch gesehen/gelesen zu haben, weiß ich nicht).

Das Buch selbst schafft es den Leser durch einen sehr flüssigen Lesestil schnell zu bannen und bis zum Ende nicht mehr loszulassen. Obwohl ich die Handlung durch den Film bereits kannte, wurde ich noch einmal neu verzaubert. Das Buch ist gespickt mit alten Fotos, die die Kinder und andere Charaktere zeigen. Diese sind jedoch als und in schwarz-weiß und bilden daher einen stark düsteren Kontrast zum sehr bunten Film, was aber grundlegend nicht störend ist. Über die Verwendung von Bildern der Charaktere in einem Buch kann man sich streiten, da viele Leser sich dadurch in ihrer Fantasie eingeschränkt fühlen. Letztendlich kann man die Bilder aber auch gut überblättern und ignorieren, um die eigene Fantasie zu nutzen. Für die anderen sind sie ein schönes Feature.
Während sind die ersten zwei Drittel des Films fast wörtlich an das Buch halten, ist das Ende stark umgeschrieben worden. So konnte ich trotz des Films am Ende des Buches noch einmal stark mitfiebern. Trotzdem sind beide Enden rund und stehen in keinem Widerspruch. Etwas irritierender war eher, dass der Film zwei Charaktere in ihren Besonderheiten vertauschte. Aber trotzdem ist dies kein Kritikpunkt.

Die Insel der besonderen Kinder ist ein flüssig zu lesendes Buch, das den Leser in eine andere Welt entführt und zum Träumen anregt. Für Filmmuffel eine absolute Empfehlung.

Abschließend ist zu sagen, dass man den Film gut sehen kann, ohne das Buch zu kennen, das Buch aber natürlich mehr über Jake und sein Innerstes verrät. Film und Buch stehen also in Ergänzung zueinander da, bei dem man nicht sagen könnte, ob Film oder Buch besser ist. Wer gerne liest, sollte sich das Buch vornehmen, wer lieber Filme sieht, kann in Burtons Werk versinken.