Underworld – Blood Wars

Am 01.12.2016 erschien der inzwischen fünfte Teil der Underworld-Reihe in den deutschen Kinos.

Selene hat ihre Tochter Eve zurückgelassen und ihr versprochen nie nach ihr zu suchen, um sie nicht in Gefahr zu bringen. Nun wird sie sowohl von Vampiren als auch von Lykanern gejagt. Schließlich schafft es David sie aufzutreiben und zu überreden den Vampiren zu helfen. Denn die Lykaner haben sich das erste Mal seit Lucian wieder richtig organisiert, um ihren neuen Anführer Marius.

2003 erschien der erste Teil der Underworld-Reihe in den deutschen Kinos. Dort lernten wir zum ersten Mal die Todeshändlerin Selene kennen und erfuhren von einem jahrhundertealten Kampf zwischen Vampiren und Lykanern – einer weitentwickelten Form der Werwölfe, deren Verwandlung nicht mehr vom Mond abhängig ist. 2006 erschien dann die Fortsetzung Evolution, der schon deutlich schwächer war als der erste Teil, aber trotzdem noch ein guter Genre-Film war. 2009 lief dann der dritte Teil Aufstand der Lykaner in den Kinos, der ein Prequel zum ersten Teil darstellte und mit der Leistung des ersten Teils mithalten konnte. Soweit so gut, die Handlung schien abgeschlossen, man hatte noch ein schönes Prequel dazu gebaut und so eine Trilogie erschaffen. Fans waren zufrieden. Dann kam das Jahr 2012 und der nicht erwartete vierte Teil lief in den Kinos an. Unter dem Namen Awakening setzte er 12 Jahre nach der Handlung von Evolution an und warf alles bisher erarbeitete auf einen großen Haufen, schüttete Kerosin drauf und tanzte lachend um das Feuer. Die Handlung war abstrus, bis auf die Protagonistin Selene war niemand mehr vom ursprünglichen Cast vorhanden und trotz einiger guter Castingentscheidungen mit Theo James, Michael Ealy und allen voran Charles Dance konnte der Film nicht mehr gerettet werden. Die in drei Filmen mühsam aufgebaute Geschichte von einem jahrhundertealten Krieg war vergessen und stattdessen hatten auf einmal die Menschen das Ruder in der Hand. Awakening passte einfach nicht ins Schema und wird von Fans bis heute verschmäht.
Umso größer war die Überraschung, als in diesem Jahr ein fünfter Underworld-Teil angekündigt wurde. Aber nach dem ersten Trailer kam die Ernüchterung, sah der Trailer doch schon genauso schlecht aus, wie der damalige von Awakening. Trotzdem trieb es mich als eigentlich sehr großen Underworld-Fan ins Kino. Auf das schlimmste gefasst und mit einer sehr geringen Erwartungshaltung, um auch ja nicht wieder enttäuscht zu werden, saß ich im Kino und muss sagen: ich bin sehr positiv überrascht worden!
Underworld – Blood Wars hat nämlich vor allem eins: aus der schlechten Kritik Awakenings gelernt. So gab es eine komplette Kehrtwende, die Menschen wurden wieder außer Acht gelassen und die Geschichte und Handlungsstränge der ursprünglichen Trilogie wurden wieder aufgegriffen und weitergesponnen. Natürlich konnten sie nicht alle Geschenisse und Charaktere Awakenings ungeschehen machen und bauten daher diese auch teilweise wieder mit ein, entfernten aber die nervigsten Parts. So gibt es nun endlich wieder einen Vampirorden und es wurde sich wieder auf die alte Blutfehde konzentriert. Trotzdem ist der Film nicht ganz rund geworden. Vor allem wurde sich an vielen Stellen wieder des ersten Teils bedient. So gibt es praktisch einen Victor als Ältesten, der die angedrohte Bedrohung nicht ernst nimmt, und es gibt wieder eine neue Intrige innerhalb der Mauern des Ordens, wie seinerzeit Kraven. Auch gibt es wieder einen neuen Anführer der Lykaner, Marius, der damit Lucien beerbt. Durch die neuen Charaktere wird versucht trotzdem neuen Schwung in die Sache zu bringen und mitunter waren auch wirklich gute und erfrischende Ideen dabei.
Der größte Kritikpunkt des Films dürfte aber die sehr schwache Tonmischung sein, bzw die völlig übertriebene Tonmischung. Denn praktisch jeder Schlag wird mit einer Geräuschkulisse begleitet, die einem nicht selten das Lachen ins Gesicht holt, anstatt Spannung zu erzeugen. Das übertriebene Gegenteil dazu sind die Szenen, wenn zwei Charaktere kurz vor einem Zweikampf stehen und auf einmal alle anderen Geräusche ausgeblendet werden und man nur noch ihr Atmen hört. Was das bezwecken soll, außer einen Lachanfall im Publikum auszulösen, ist mir unbegreiflich.
Die schauspielerischen Leistungen sind auch hier weder grundsolide, stechen aber auch nicht weiter heraus. Am überzeugendsten spielte hier noch Charles Dance seine Rolle als Thomas, wobei er eigentlich wieder den Tywin Lennister aus Game of Thrones spielte, nur mit cooleren Klamotten.
Die Spannungskurve wird versucht hoch anzusetzen, sie bleibt aber durch viele vorhersehbare Handlungen – da die meisten Stränge dem ersten Teil gleichen – auf einer überschaubaren Höhe. Trotzdem gab es keinen Punkt an dem sich der Zuschauer vollständig gelangweilt hätte und durch die überschaubare Spielzeit von 91 Minuten konnten keine Längen entstehen.
Als Fan bleibt nun nur die Hoffnung bestehen, dass die Reihen nun endgültig beendet ist, denn nun dürfte wirklich lles erzählt sein.

Alles in allem mach Underworld – Blood Wars wieder vieles richtig und dürfte die Fangemeinde damit besänftigt hben, schafft es aber trotzdem nicht die Reihe zur alten Größe zurük zu helfen. Da die positive Überraschung und trotzdem nicht übersehbare Kritikpunkte hier die Waage halten, gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Kurzkritiken: Nice Guys, Ben Hur und Sausage Party

Hallo ihr Lieben,
bei der Zusammentragung der Filme des Jahres für meinen Jahresrückblick fiel mir doch tatsächlich auf, dass ich über drei Filme gar keine Kritik geschrieben habe. Teilweise weil ich die Kritik schwierig fand und immer weiter vor mir herschob und teilweise weil ich sie einfach auf meiner Liste übersehen habe. Daher möchte ich die Kritiken nun noch in Kurzform nachholen.

The Nice Guys

Am 02.06.2016 erschien die Komödie über den Knochenbrecher Jackson Healy, verkörpert von Russel Crowe, und Privatdetektiv Holland March, verkörpert von Ryan Gosling, in den deutschen Kinos. Diese treffen durch Zufall in einem Fall aufeinander und müssen sich nun trotz sehr unterschiedlicher Charaktere zusammenarbeiten. Leider entstand zwischen Crowe und Gosling überhaupt keine Chemie und auch die Figuren arbeiten eher weiterhin selbstständig als wirklich zusammen. Die Gags belaufen sich fast ausschließlich auf das Ungeschick von March, was ihm immer wieder Verletzungen einbringt. Auch seine Tochter, die ihn als einen Versager sieht und daher immer wieder versucht zu helfen, ist kein Gewinn für den Film. So zünden die meisten Gags beim Publikum einfach nicht, was immer ein schlechtes Zeichen für eine Komödie ist. Da die Charaktere wenig Sympathiepunkte ergattern, ist auch die Spannung sehr gering, da einem der Ausgang für die Charaktere ziemlich egal ist.

Alles in allem leider ein Flop. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Ben-Hur

Am 01.09.2016 erschien ein Film, der in große Fußstapfen trat, in den deutschen Kinos. Die Verfilmung von 1959 gewann als erster Film 11 Oscars und teilt sich den Rang nur mit Titanic und Herr der Ringe 3. Der große Aufschrei kam mit dem ersten Trailer, warum Ben-Hur denn ein Remake brauche. Das auch die Version von 1959 bereits ein Remake war, wurde in den Diskussion nicht erwähnt (das Original lief 1925 in den Kinos). Die Geschichte des Ben-Hur, der von seinem Freund Messala verraten wurde und als Sklave auf einer Galeere endet, und seine Rache in einem Wagerennen sucht, ist wohlbekannt. Sie wurde nicht modernisiert, sondern einfach nur stark verkürzt. Für das jüngere Publikum, dem das Original unbekannt ist, ist der neue Film eine schöne Alternative, aber eben auch nicht mehr.
Ben-Hur liefert eine solide Leistung ab und kann nicht als schlechter Film bezeichnet werden, bereichert aber die Filmlandschaft auch nicht. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Sausage Party

Am 06.10.2016 erschien ein Film, der unser Essen lebendig machte und deren Grauen durch unseren Konsum darstellte, in den deutschen Kinos. Während der Trailer zu Sausage Party sehr lustig aussahen, ergab sich schnell die Frage, wie man aus dem Material einen ganzen Film machen konnte. Spätestens nachdem man sich die Macher um Seth Rogen ansah, usste man, dass die Antwort in schlechten Witzen und vieler perverser Anspielungen lag. Und so startete Sausage Party mit einer interessanten Grundidee und einigen guten Ansätzen, verlief sich aber schnell in der erwarteten Perversität und vielen schlechten Witzen, die im Publikum nicht so richtig zünden wollten. Zwischendurch wurden viele Andeutungen auf verschiedene bekannte Filme der Filmgeschichte gemacht, die wiederum gut waren und wenigstens ein paar Lacher einbrachten. Leider wurde neben der Haupthandlung auch wieder eine Nebenhandlung eingebaut, die wenig Aussage hatte und eher nervtötend war. Abschließend ist zu sagen, dass Sausage Party kein Niveau hat, aber wenn man mit der Einstellung ins Kino geht, enttäuscht der Film nicht und wenn man sich auf das nicht vorhandene Niveau einlässt, dann kann der Film auch Spaß machen. Trotzdem gibt es nur 04 von 10 möglichen Punkten.

Verpasst im November 2016

Hallo ihr Lieben,
jetzt ist der Dezember auch schon fast wieder zur Hälfte vorbei und ich habe ganz vergessen meine Liste verpasster Filme zu erstellen. Na dann änder ich das mal ganz schnell!

) Willkommen bei den Hartmanns: Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Flüchtlingskrise auch im Kino Einzug erhält. Hier wird eher der Weg der Komödie gewählt, was ich für einen interessanten Ansatz halte. Daher hier auf meiner Liste.

2) Soy Nero: Die Geschichte eines Mexikaners, der in den USA der Armee beitritt, um eine Aufenthaltserlaubnis in den USA zu bekommen und der Armut in seinem Land zu entkommen. Auch diese steht noch auf meiner Liste.

3) Florence Foster Jenkins: Darf man an seine Träume glauben, auch wenn man einfach kein Talent dafür hat? Spannender Ansatz mit gutem Cast, auch dieser Film wird nachgeholt.

Und hier noch die Filme, die sehr interessant klingen, es aber ganz knapp nicht auf meine Liste geschafft haben:

Before I wake, Cafe Society, amerikanisches Idyll, Ich, Daniel Blake

Sully

Am 01.12.2016 erschien die Verfilmung über die Notlandung auf dem Hudson River 2009 in den deutschen Kinos.

Captain Sullenberger stieg am 15.01.2009 in sein Cockpit. Doch nach Vogelschlag fallen beide Triebwerke aus und er ist gezwungen eine Notlandung auf dem eisigen Hudson River zu vollbringen. Hinterher wird er von den Medien als Held gefeiert, doch die Untersuchungskommision ist der Ansicht, dass Sullenberger die gefährlichste Variante gewählt hat und damit 155 Menschen an Bord in unnötige Gefahr brachte.

Das Jahr 2016 scheint wieder einmal vollgepackt zu sein mit Verfilmungen realer Ereignisse. Doch ob nun Snowden, Deepwater Horizon oder zuletzt Sully: bei allen Filmen war das Ende bereits durch die Medien sehr genau bekannt. Und so mussten sich die Drehbuchschreiber etwas neues ausdenken. Bei Snowden war es beispielsweise die persönliche Komponente, die bei allen Diskussionen und bei der großen Enthüllungsdokumentation komplett außer Acht gelassen wurde.
Auch Sully versucht neben der Erzählung der Geschehnisse eine menschliche Komponente einzubauen und wird hauptsächlich nach der Notlandung auf dem Hudson River erzählt. Die Erzählung basiert hauptsächlich auf dem Buch von Captain Sullenberger „Man muss kein Held sein“ und bietet daher viel Material aus dem innersten des Captains. Wir lernen zunächst Captain Sullenberger – kurz Sully – kennen, der noch mit den Nachwirkungen der Notlandung zu kämpfen hat. Er träumt schlecht, wird von den Medien umringt und hinterfragt sein Handeln selbst. War es wirklich die richtige Entscheidung die waghalsige Landung auf dem Hudson zu wagen, oder hätte er doch einen naheliegenden Flughafen erreichen können? Kurz darauf lernen wir seinen Co-Piloten Jeff Skiles kennen, der sich mit ähnlichen Fragen befasst, aber ungetrübt aller Gedanken der Ansicht ist, dass Sully ihm das Leben gerettet hat. Nur leider ist der Untersuchungsausschuss anderer Ansicht. Schnell haben die die Vorfälle digital nachgespielt und sind der Ansicht, dass das Erreichen zweier Flughäfen durchaus im möglichen lag. Gleichzeitig wird die Behauptung in die Runde geworfen, dass nur eins von zwei Triebwerken ausfiel und nicht beide, wie Sully und Skiles behaupten. Geschockt von der Aussicht, dass durch die Ergebnisse der Untersuchung beide Karrieren vor dem Aus stehen, obwohl sie ihrer Ansicht nach richtig handeln, müssen beide nun ihr Handeln weiter hinterfragen.
Sully wird nicht chronologisch erzählt, sondern beginnt bereits nach der Notlandung. Erzählt wird von diesem Zeitpunkt bis zum Ende der Untersuchung chronologisch. Unterbrochen wird die Handlung mit drei Rückblenden der Ereignisse. Einmal aus der Sicht der Passagiere und Flugbegleiterinnen, einmal aus der Sicht eines Mitarbeiters des Towers, der versuchte auf allen möglichen Flughäfen freie Landebahnen zu bekommen und ganz am Ende aus Sicht von Sully und Skiles. So waren die Ereignisse zwar bekannt, aber man bekam sie aus allen Sichtweisen einmal erzählt. Der Großteil der Handlung wird aber komplett aus Sullys Sicht erzählt und beschreibt seinen inneren Konflikt und seine Selbstzweifel, ob er wirklich die richtige Entscheidung getroffen hat. Er wird hin- und hergerissen zwischen den Medienberichten und -interviews, die ihn als Helden sehen, was er so nicht unterschreiben möchte, schließlich habe er nur seinen Job gemacht, sowie alle anderen Beteiligten auch, und dem Untersuchungsausschuss, die ihm sehr schnell menschliches Versagen unterstellen wollen. So nimmt sich der Film viel Zeit den Geschehnissen eine menschliche Komponente hinzuzufügen und zu zeigen, dass trotz des Überlebens nicht sofort alles in Wohlgefallen endet. Das Sully trotz seiner Selbstzweifel und Albträume sich auch noch sehr ernstzunehmender Kritik aussetzen muss.
Spannungstechnisch hatte es Sully nicht einfach. Denn der Ausgang der Notlandung selbst ist durch die allgemeinen Medienberichte den meisten Zuschauer bekannt. Für alle, denen es entfallen ist, wird es gleich zu Anfang aufgelöst, womit sich der Film leider ein Eigentor schießt. Daher versucht Sully gar nicht erst, die Notlandung selbst als das Spannungstragende Element zu etablieren, sondern konzentriert sich auf die Handlung nach den Geschenissen. Während die Verhandlungen mit dem Untersuchungsausschuss den Spannungsgrad heben und es durchaus interessant ist Sullys innere Zerissenheit darzustellen, wird hier leider ein zu hoher Wert gelegt, so dass trotz einer kurzen Spielzeit von 96 Minuten, trotzdem mitunter Längen entstehen.
Auch werden zwischendurch Szenen, vermutlich aus Sullys Jugend, eingeblendet, die aber weder eine Aussage über seinen Charakter treffen, noch in irgendeinerweise die Handlung bereichern oder vorantreiben. Daher sind diese komplett überflüssig und strecken den Film unnötig um ein paar Minuten. Außerdem werden mitunter Themen angesprochen, wie beispielsweise, dass Sully familiäre Probleme haben könnte, die weder verneint noch genauer beleuchtet werden und daher auch überflüssig sind.
Sully endet mit der Hauptverhandlung über sein angeblich menschliches Versagen. Hier steigt die Spannungskurve noch einmal an, denn dieser Teil wurde in den Medien nur wenig genannt. Leider werden hier ganz am Ende noch einmal ein paar heroisierende Reden gehalten, die nicht zum Grundton des Films passen. Schön zu sehen ist hingegen, dass im Abspann noch einmal die Überlebenden eingeblendet werden, die ihre Sitznummer nennen. So geht man aus dem Kino und macht sich noch einmal bewusst, dass die Ereignisse des Film wirklich passiert sind und das reale Menschen dahinter stecken.
Tom Hanks übernimmt die Rolle des Captain Sullenbergers und spielt die Rolle mit gewohnter Souveränität. Auch die anderen schauspielerischen Leistungen waren sehr souverän, wobei keine genauer hervorstach.

Alles in allem hat Sully ein paar Schwächen in der Umsetzung und kämpft mit dem Problem, dass das Ende bekannt ist. Trotzdem wurde ein interessanter Ansatz gefunden, der aber mit leichten Mängeln umgesetzt wurde. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Tristan und Isolde – eine Opernübertragung in „exklusiver Atmosphäre“

Am 08.10.2016 startete die Metropolitan Opera ihre Saison mit einem Klassiker von Wagner.
Das Kino mehr kann, als nur die aktuellsten Filme zu zeigen, bewiesen bereits mehrere Konzertvorführungen und Dokumentationen. Seit einiger Zeit zeigt das CineStar aber auch Oper und Ballettübertragungen. Während für das Ballett das Bolshoi-Theater in Russland zuständig ist, finden die Opern-Übertragungen aus den Sälen der Metropolitan Opera in New York statt. Der Saisonauftakt fand diesmal mit Tristan und Isolde statt.Ich überlegte im Vorfeld lange, ob ich die 30€ in eine Karte investieren sollte, entschied mich aber dafür, das Ganzeeinmal auszutesten. Die Vorführung wurde in „exklusiver Atmosphäre“ angekündigt. Davon war aber zunächst nicht viel zu merken. Zwar wurden vor dem Kinosaal an der Snacktheke kleine Stehtische mit Tischdecken und Blumen aufgestellt, aber die Snacktheke selbst war natürlich auch den Zuschauern des gegenüberliegenden Kinosaals geöffnet, die man direkt am legeren Outfit erkannte (und am Verhalten, aber das ist eine ganz andere Geschichte), denn die Gäste der Kino-Oper hatten allesamt schickere Kleidung an (wie es sich auch in der Oper eben gehört). Durch die mitunter etwas lange Schlange, waren die meisten Stehtisch blockiert und eine „exklusive Atmosphäre“ konnte sich nicht einstellen. Obwohl vorweg ein Empfang angekündigt war, gesellte sich erst 10 Minuten vor Beginn eine zweite Kollegin zur Mitarbeiterin am Snack-Tresen und legte das Programm des Abends aus. Immerhin ging sie noch zu den wartenden Gästen und erklärte jedem, dass man gerne Getränkewünsche für die erste Pause vorbestellen könne. Mein Freund und ich taten dies auch und hatten so auch gleich einen sicheren Stehtisch für die Pause. Dann wurden wir in den Kinosaal gebeten und bekamen dort noch einmal kurz das mitgeteilt, was bereits auf dem Programmplan stand.
Die Übertragung selbst begann mit einer Begrüßung auf der Leinwand und der Erklärung des Projekts „Metropolitan Opera“, die die Opern-Vorführungen in viele Länder übertragt. Dann begann der erste von drei Akten. Über die Oper selbst kann ich wenig sagen, da ich zwar die Geschichte um Tristan und Isolde kannte, aber von den Liedern bisher wenig gehört hatte. Obwohl die Oper auf Deutsch war, gab es Untertitel, was aber ein guter Schachzug war, denn wer nicht gerade ein geübter Operngänger ist, konnte mitunter sehr wenig verstehen (typisch Oper, kein Kritikpunkt). Interessant zu sehen war aber, dass die Geschichte, die eigentlich im Mittelalter im Krieg zwischen Irland und England spielt, modernisiert wurde und nun an Bord eines großen Schiffes spielte.
Am Ende des ersten Aktes gab es nun verschiedene Interviews mit den Darstellern und man konnte den Kinosaal verlassen und zu den reservierten Tischen gehen. Dort warteten auch wirklich schon unsere Weine (der Weißwein ist im Kino übrigens nicht zu empfehlen). Man konnte auch jetzt noch Getränke oder kleine Snacks bestellen (Croissants und Häppchen – nicht Popcorn oder Nachos). Nach der Pause ging es mit dem zweiten Akt weiter. Das Prozedere mit Akt und Pause und Akt wiederholte sich bis nach dem dritten Akt. Dann war das Spektakel vorbei. Zum Abschied gab es noch eine Rose für die Damen und eine Praline für die Herren und dann war der Abend nach über fünf Stunden auch wieder vorbei. Der Kartenpreis von 30€ pro Person ist zwar etwas happig dafür, dass man in den gleichen Kinosesseln wie sonst auch sitzt, dafür das man den Kinosaal aber für über fünf Stunden belegt, doch irgendwo wieder gerechtfertigt. Allerdings hätte ich mir zumindest einen kleinen Sekt zum Empfang im Preis inkludiert gewünscht. Besser organisiert werden könnte der Empfang vorweg, in dem man die zweite Kollegin früher als 10 Minuten vor Beginn dazu bestellt, und vielleicht die Kinofilme so legt, dass Empfang und Kinostart im zweiten Saal nicht auf die gleiche Zeit fällt.
Alles in allem war es aber ein schöner Abend und eine schöne Oper.

Sing

Am 08.12.2016 erscheint ein neuer Animationsfilm aus dem Hause Illuminations in den deutschen Kinos.

Der Koala Buster Moon hat sich einen Traum erfüllt und sein eigenes Theater eröffnet. Leider steht er finanziell kurz vor dem Ruin. Um das Ruder doch noch rum zu reißen, möchte er eine Castingshow inzenieren. Als Anreiz soll es eine kleine Prämie für den Gewinner geben. Schnell finden sich Kandidaten, die alle mit anderen Problemen zu kämpfen haben.

  Illuminations Studios sind vorallem dafür bekannt, dass sie uns die wohl putzigsten kleinen Wesen brachten, die in den letzten Jahren über die Leinwand huschten: die Minions. Zunächst als Sidekicks in Ich – einfach unverbesserlich und Ich – einfach unverbesserlich 2, schafften sie es im letzten Jahr auch in einem eigenen Kinofilm die Leinwand zu erobern. Mit viel Witz, Charme und sympathischen Charakteren eroberten die Filme die Herzen vieler Zuschauer. Nun versucht Illuminations in diesem Jahr mit gleich zwei neuen Animationsfilmen zu zeigen, dass sie auch ohne Minions gute Filme machen können. Zunächst erschien Pets, der das Leben unserer Haustiere genauer unter die Lupe nahm. Leider war die Handlung sehr einfach und vorhersehbar und der ganze Film letztendlich so uninspiriert, dass er eine große Enttäuschung darstellte. Nun versucht es Illuminations mit ihrem zweiten Film ohne die Minions. Die Trailer sahen wieder sehr schön aus und eine große Vorfreude schien sich aufzubauen. Aber nach Pets fiel die Vorfreude dann doch etwas geringer aus. Gleich zu Beginn des Filmes stand eine große Frage im Raum.Würde Sing es schaffen an den Erfolg von Ich – einfach unverbesserlich anzuknüpfen, oder würde es wieder ein uninspirierter Film wie Pets werden?
Zunächst lernt der Zuschauer die wichtigsten Charaktere kennen. Da wäre zum einen der Koala Buster Moon, der sich seinen größten Traum erfüllt hat und ein Theater gekauft hat. Leider steht dieses nun kurz vor dem Ruin, weil Moons Shows die Leute einfach nicht anlocken. Aber Buster Moon ist ein unumwerflicher Optimist und so versucht er sein Theater nun mit einer Casting-Show zu retten. Unterstützt wird er dabei von der Chamäleon Dame Miss Crawly. Weiterhin lernen wir Rosita kennen, eine Schweinchen-Mama mit 25 Kindern. Mit so vielen Kindern ist der Alltag natürlich nicht immer leicht und ihr Mann arbeitet praktisch den ganzen Tag, weswegen sie in ihm keine große Hilfe findet. Weiter geht es zu den Stachelschweinen Lance und Ash, die zusammen in einer Band spielen und versuchen immer größere Auftritte an Land zu ziehen. Dabei gibt Lance gerne den Ton an und Ash unterwirft sich aus Liebe seinen Launen. Der Gorilla Johnny hingegen träumt gerne beim Singen vor sich, währen er Schmiere steht für seinen Dad. Dieser hat nämlich eine Gang und überfällt gerne verschiedene Einrichtungen. Sein Dad erhofft sich für Johnny eine größere Rolle in der Gang, während dieser eigentlich gerne ein normaleres Leben führen möchte. Zu guter Letzt lernen wir Meena kennen, ein Elefantenmädchen mit guter Singstimme, die aber verflucht schüchtern ist. Egal wie gut ihre Eltern und vor allem ihr Großvater auf sie einreden, Meena versteckt sich gerne hinter ihren großen Ohren. Sie und noch viele mehr erfahren von der Castingshow und sehen darin ihre große Chance aus dem Alltag auszubrechen. Das große Casting startet, aber ab da jagt ein Problem das nächste und Buster Moon hat alle Hände voll zu tun, um jedes einzelne zu lösen.
Auch Sing hat eine sehr einfach Handlung, die vom Anfang bis zum Schluss vorhersehbar ist. Im Gegensatz zu Pets stört das hier aber nur sehr wenig, denn Sing braucht gar keine herausragende Handlung. Dafür hat Sing herausragende Charaktere, die alle sehr unterschiedlich sind aber praktisch für jeden Zuschauer eine Identifikationsmöglichkeit bieten. Ob man nun im Alltag immer gestresst und überfordert ist wie Rosita, oder einfach nicht über seinen Schatten springen kann, wie Meena, oder nicht begeistert ist von den Zukunftsplänen der Eltern, wie Johnny oder gerade in einer schwierigen Beziehung steckt, wie Ash, oder vielleicht auch einfach immer wieder in finanziellen Schwierigkeiten steckt, wie Buster Moon, in Sing ist für jeden etwas dabei. Gepaart wird das ganze mit vielen schönen Gesangseinlagen, die den Film aber auch nicht dominieren. Es wird ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Gesangseinlagen und Handlung geschaffen, und die Gesangseinlagen treten meistens auch gebündelt auf. So kann man sich zeitweise den Liedern hingeben und innerlich heimlich mitsingen, ohne die anderen Zuschauer zu stören, kann sich aber dann auch wieder voll auf die Handlung konzentrieren. Die Lieder selbst sind alle gut gewählt, gehen zwar meist in eine ähnliche Richtung, was das Genre betrifft, haben aber auch immer wieder ein paar Ausreißer mit drinnen, die dann doch für eine kleine Vielfalt sorgen. Am Ende des Films hat bestimmt jeder so seine Favoriten und es wurde ein Ende geschaffen, mit dem auch jeder zufrieden sein dürfte, zumal das Ende auch wieder eine große Botschaft an die Kinder bringt. So ist doch eine kleine Moral am Ende zu spüren, die in vergleichbaren Disney-Filmen zwar meist größer ausfällt, aber trotzdem wirksam ist.

Alles in allem ein süßer Film mit tollen Charakteren, aber ein wahrlich besonderer Film wurde nicht geschaffen. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Whiskey Tango Foxtrott

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Whiskey Tango Foxtrott. Der Film lief ursprünglich ab dem 02.06.2016 in den deutschen Kinos.
Die Jounalistin Kim Barker wird als Auslandsreporterin in Afghanistan eingeteilt. Hier schafft sie es nicht nur ihrer Karriere auf die Sprünge zu helfen, sondern lernt auch eine ganz andere Kultur näher kennen.
Zunächst einmal einen verwirrten Blick auf den Filmtitel. Was haben diese drei Wörter denn mit der Handlung zu tun. Sie stehen im NATO Alphabet für die Buchstaben WTF, was eine vielbenutzte Abkürzung für What the F*** ist. Und genau das denkt man sich mehrfach während des Films über: What the F***!
Zunächst lernen wir die Journalistin Kim Barker kennen. Sie arbeitet bei einem Kabelsender in New York und tippt da die meiste Zeit die Beitragstexte für die Sendungen. Ihr Alltag gleicht sich jeden Tag aufs Neue und ihren Freund sieht sie auch kaum, weil dieser ständig auf Geschäftsreise ist. Diese Umstände frustrieren Barker zunehmend. Doch eines Tages werden alle unverheirateten und kinderlosen Mitarbeiter des Senders zusammengerufen. Es wird jemand benötigt, der nach Kabul reist und in Afghanistan als Auslandsreporterin fungiert und das zu einer Zeit, in der der Krieg zwar vorüber scheint, das Land aber trotzdem einfach nicht zur Ruhe kommt. Nach kurzem Zögern meldet sich Barker freiwillig und sieht sich schneller in einem Flugzeug nach Kabul als ihr Lieb war. Dort machen sich zunächst ein paar Startschwierigkeiten bemerkbar, denn Kabul ist ein ganz anderes Pflaster als New York. Doch zusammen mit Sicherheitsmann Nic, Kameramann Brian, Dolmetscher Fahim und Kollegin Tanya Vanderpoel versucht sie dies zu meistern. Dabei begibt sie sich für eine gute Story in größere Gefahr, als sie müsste.
Whiskey Tango Foxtrott vereint mehrere Themen in einem Film. Zum einen den Ausbruch aus dem Alltag. Wenn man einfach merkt, dass man in seinem Alltag festgehfahren ist und es privat und beruflich kein Vorwärtskommen mehr gibt.
Viele Filme behandeln dieses Thema dann immer mit einer großen Reise (Eat Pray Love), einer großen Wandertour (Picknick mit Bären, Wild – der große Trip) oder einen anderen Weg zur Selbstfindung. Diesmal geht es zwar auch um eine räumliche Veränderung, aber wie soll man an einem Ort, an dem man ständig Schüsse hört, die Chance besteht, dass eine Bombe in der Nähe gezündet wird und man als Frau wenig Rechte hat, sich selbst finden können? Ein weiteres großes Thema ist der Afghanistan-Krieg und die journalistische Berichterstattung. Die Handlung des Films beginnt 2003. Zu diesem Zeitpunkt gab es zwar noch vermehrt Berichte über den Krieg, aber er wird praktisch schon als beendet angesehen, da im Nachbarland der Irak-Krieg wütet und dieser aktuell viel mehr Aufmerksamkeit in den Medien bekommt. Es geht darum, dass viele Journalisten trotzdem in Kabul lebten, obwohl sie kaum noch Zeit dafür in den Nachrichtensendungen bekamen und sich daher für eine gute Story in immer größere Gefahr begaben. Auch als drittes großes Thema geht es darum, wie sehr man sich menschlich verändert, wenn man aus seinem alltäglichen Leben ausbricht und nun einen Alltag in einem Land hat, in dem man ständig in höherer Gefahr schwebt, aber gleichzeitig sexuell
begehrter ist. Das vielgenannte „4 – 10 – 4“-Prinzip, wird als Auslöser für Charakterveränderungen genannt. Dieses Prinzip sagt aus, dass man im Heimatland von der sexuellen Attraktivität auf der Wertungsskala eine 4 war, in Kabul nun automatisch zu einer 10 aufsteigt und später im Heimatland wieder zu einer 4 absteigt. Auch seien die sexuellen Spannungen unter den Journalisten viel stärker, und auch die ausschweifenden Partys im Journalistenlager sind eine Folge davon.
Diese drei großen Themen balanciert Whiskey Tango Foxtrott perfekt aus, so dass alle Themen genügend Spielraum haben und eine gute Koexistenz bilden. Man verfolgt Barkers Leben und Arbeit in Kabul und muss vielleicht nicht alles gut finden, was sie macht. Der Film lässt genügend Freiraum für Gegenmeinungen, um so eine Diskussion innerhalb des Films zu erlauben. Als Zuschauer kann man sich dadurch aussuchen, welche Meinung man vertritt, weil man über die meisten Themen genügend Informationen erhält. Lediglich über den Einfluss der Taliban, die zu dem Zeitpunkt schon wieder auf dem Vormarsch waren, gibt es relativ wenig Informationen. Der Film hält sich politisch gesehen sehr zurück. Zwar verfolgen wir hauptsächlich die Berichterstattung der Amerikanerin Barker, aber im Journalisten-Camp in Kabul lernen wir auch die Britin Tanya Vanderpoel, den Schotten Iain MacKelpie und viele weitere Nationalitäten kennen, wodurch es sich nicht auf die amerikanische Sicht konzentriert. Zudem wird auch die Sicht des Militärs vor Ort wiedergegeben, die Barker immer mal wieder begleitet.
Whiskey Tango Foxtrott startet den Film mit einer sehr rasant steigenden Spannungskurve, die sich lange hoch hält. Leider zieht sich der Film ab dem letzten Drittel etwas, da er wenig neues erzählt und die Handlung nur noch künstlich versucht in die Länge zu ziehen. Erst zum Finale hin, nimmt die Spannung wieder zu. Leider ist zu diesem Zeitpunkt beim Publikum schon sodie Luft raus, dass es einem schwer fällt, noch einmal richtig mit zu fiebern. Das Ende selbst ist rund und schafft einen gelungenen Abschluss.
Tina Fey übernimmt die Rolle der Kim Barker. Bisher kannte man Fey hauptsächlich aus dem Komödienbereich, weswegen es sehr erfrischend war, ihr komplettes Talent ausgeschöpft zu sehen. Sie gibt der Figur Barker Selbstzweifel, Resignation und dazu das gewisse Etwas, das eine große Nähe zum Zuschauer mit sich bringt.
Auch die übrigen schauspielerischen Leistungen sind allesamt gut.
Alles in allem eine schöne filmische Darstellung des Journalismu-Lebens in Kabul. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Jack Reacher – Kein Weg zurück

Am 10.11.2016 erschien die Fortsetzung der Action-Reihe, mit Tom Cruise in der Hauptrolle, in den deutschen Kinos.
Jack Reacher ist zurück. In Washington erfährt er, dass Susan Turner, die Reachers ehemalige Einheit leitet, wegen Verrats inhaftiert wurde. Er startet eine Befreiungsaktion und findet sich wenig später mit Turner auf der Flucht wieder.
Bereits 2013 erschien die erste Verfilmung der auf den Jack Reacher-Büchern basierende neue Filmreihe. Tom Cruise übernahm bereits dort die Hauptrolle und schaffte es eine strikte Trennung zwischen seiner Rolle als Ethan Hunt in den Mission Impossible Filmen und seiner neuen Rolle als Jack Reacher zu ziehen. Trotzdem war der erste Teil nichts weiter, als ein Actionfilm voller Klischees. Der einsame Wolf, ehemals in der Army, rettet die Blondine, die sich zwar als Anwältin taff gibt, aber in Gefahrensituationen doch nur schreiend daneben stehen kann. Da konnte auch eine Rosamunde Pike nichts mehr dran retten. Und das, obwohl die Jack Reacher Romane sehr gefeiert werden.
Dann erschien der erste Trailer zum zweiten Film und schnell wurde klar, dass es sich diesmal um ein paar Klischees weniger handeln würde. Denn in diesem Film wird die Figur Susan Turner aufgegriffen. Turner ist noch aktiv in der Army und steht in drei Bänden Reacher immer wieder telefonisch zur Verfügung. Erst im vierten Band, auf das sich nun der zweite Film bezieht, tritt sie selbst in Erscheinung. Turner ist eine starke Frauenfigur, die sich zwar von Reacher helfen lässt, aber
das bestimmt auch sonst ganz gut gemeistert hätte. Jack Reacher beteuert auch im zweiten Film immer wieder, dass er komplett aus der Army ausgestiegen ist. Trotzdem kommt er immer wieder in Situationen, in denen seine Kampfkünste doch von Vorteil sind. Von unterwegs hält er immer wieder telefonischen Kontakt zu  Susan Turner, die ihn immer mit gutem Rat zur Seite steht. Am Telefon flirten die beiden auch immer ein bisschen miteinander. Schließlich beschließt Reacher Turner in Washington zu überraschen und sie zu einem Konzert mitzunehmen. Doch kaum im Hauptquartier angekommen, muss er feststellen, dass Turner in Untersuchungshaft steckt und keinen Kontakt zu ihm wünscht. Doch das hält ihn nicht auf und er nimmt Kontakt zu ihrem Anwalt auf. Dieser hat jedoch eine ganz andere Schreckensbotschaft für Reacher. Kurz darauf wird er Anwalt ermordet aufgefunden und Reacher ist der Hauptverdächtige. Doch er findet einen Weg seiner eigenen Verhaftung zu entkommen und Turner zu befreien. Zusammen fliehen sie vor ihren eigenen Leuten auf der Suche nach Antworten. Wer hat Turners Männer in Afghanistan getötet und wer wollte Turner und Reacher von der Bildfläche verschwinden lassen?
Jack Reacher – kein Weg zurück schafft es schon sehr schnell sich vom schwachen ersten Teil zu lösen und praktisch einen Neuanfang zu starten. Die ersten drei Bücher, in denen Turner vorkam, werden im Schnelldurchlauf durchgespielt, um die telefonische Verbindung zwischen Turner und Reacher zu verdeutlichen. Der wirklich spannende Teil beginnt jedoch erst mit Reachers Eintreffen in Washington. Ab dort beginnt eine wilde Verfolgungsjagd, die sehr spannend gestaltet ist und einen bis zur Aufklärung am Ende packt und nicht mehr loslässt. Dabei ist es sehr entspannend, dass sich zwischen Reacher und Turner keine nervige Liebesgeschichte entwickelt, sondern sie sich als Kollegen respektieren, auch wenn Reacher seinen Beschützerinstinkt einfach nicht abstellen kann. Tom Cruise verkörpert trotz seines Alters und seiner Größe den Jack Reacher souverän, lässt ihn den einsamen Alphawolf sein, gibt ihm aber auch keine zusätzlichen Facetten. Dadurch wirkt sein Reacher durch und durch kalt. Lediglich der zweite Handlungsstrang um eine dritte Person, die größtenteils mit Reacher und Turner auf der Flucht ist, gibt ihm überhaupt eine Persönlichkeit. Cobie Smulders als Susan Turner spielt gekonnt die Powerfrau, die aber auch in passenden Momenten ihre Härte fallen lassen kann und dadurch eine sehr authentische und starke Identifikationsfigur darstellt. Smulders zeigt allen Frauen da draußen, dass man sehr wohl eine Armeeuniform tragen und dabei sehr feminin wirken kann, ohne tiefen Ausschnitt und ohne viel Make-up.
Als Kritikpunkt ist zu nennen, dass die Bösewichte ein wenig blass bleiben über den Film. Der Hauptdrahtzieher ist bis auf das Ende kaum zu sehen und der Hauptverfolger bekommt auch einfach zu wenig Screentime, um seiner Figur nur ansatzweise etwas mehr Tiefe, als das übliche Klischee, zu geben. Dadurch das der Film sich hauptsächlich mit der Flucht Reachers und Turners befasst, gibt es für einen Action-Film vergleichsweise wenige Kämpfe, aber wenn die Fäuste erhoben werden, dann richtig.
Alles in allem macht Jack Reacher als Action-Film Spaß, bleibt aber simples Popcornkino. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Arrival

Am 24.11.2016 erschien ein Film, über Kommunikation mit Aliens, in den deutschen Kinos.

12 Raumschiffe landen gleichzeitig auf der Erde. Während die Welt kurz vor einer Panik steht, versuchen Teams weltweit mit den Aliens Kontakt aufzunehmen. In den USA werden die Linguistin Louise Banks und der Physiker Ian Donnelly dazugeholt. Banks soll versuchen die Sprache der Aliens zu entschlüsseln und mit ihnen zu kommunizieren. Doch dabei sind viele sprachliche Fallen zu beachten.

Was jemand sagt und was jemand versteht, sind zwei verschiedene Dinge. In der Sprache gibt es viele versteckte Fallen, so dass sich schon zwei Menschen, die die gleiche Sprache sprechen, sehr schnell missverstehen müssen. Das Potenzial des Missverständnisses erhöht sich, wenn sich zwei Menschen mit unterschiedlicher Muttersprache unterhalten. Doch wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit etwas misszuverstehen, wenn man sogar in verschiedenen Welten lebt und keiner vorher je die Sprache des anderen gehört hat?
In vergleichbaren Filmen, wenn Aliens auf die Erde kommen, wird immer von einer Invasion ausgegangen. In den meisten Fällen stimmt das auch und während die Alien die halbe Welt in Asche legen, versuchen die Menschen immer einen finalen Gegenschlag zu planen. Doch Regisseur Denis Villeneuve hat eine ganz andere Herangehensweise. Als die zwölf „Muscheln“, Raumschiffe mit Aliens, in verschiedenen Teilen der Welt landen, wird zwar auch sofort das Militär zur Sicherung des Gebietes einberufen, aber es wird auch nach Linguisten und Physikern gerufen, damit diese die Sprache der Aliens und die Beschaffenheit des Raumschiffes untersuchen. Dabei scheinen die Aliens niemandem etwas zu tun und auch keine Invasion zu planen. Doch warum sind sie auf die Erde gekommen? Was sind ihre Absichten? Um das herauszufinden, muss Linguistin Banks erst einmal versuchen ihre Sprache zu erkunden. Und das geht eben ncht von jetzt auf gleich, sondern braucht etwas Zeit. Doch während sie ihre Arbeit verrichtet, fängt die Welt an Kopf zu stehen. Die permanente Angst und das Bedrohungsgefühl durch das Raumschiff sorgt in der Bevölkerung zu Hamsterkäufen, Demonstrationen und Ausnahmezustand. Gleichzeitig versuchen die Regierungen zusammenzuarbeiten, aber gerade China ist immer mehr versucht einen Angriff durchzuführen. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr Konflikte entstehen bei der anfangs noch gut funktionierenden weltweiten Kommunikation. Doch Banks versucht unentwegt weiter die Sprache zu analysieren und geht dabei sogar an ihre körperlichen Grenzen.
Villeneuve schafft es mit Arrival einen neuen Dankansatz in ein bekanntes Genre zu pressen und doch einen interessanten und neuen Ton zu treffen. Hier wird kein Wert darauf gelegt möglichst viel Action oder möglichst große Weltraumschlachten zu inzenieren, sondern einen Blick auf die Kommunikation zu legen. Dies gelingt ihm sehr gut und trotz des ruhigen Erzähltempos wird eine sehr spannende Atmosphäre geschaffen. Durch eine große Nähe zur Protagonistin fühlt man sich in den Film hineinversetzt. Man verlässt als Zuschauer praktisch den Kinosessel und folgt Banks auf Schritt und Tritt zum Raumschiff, verfolgt gespannt ihre Strategie zur Erlernung der Sprache und bemerkt besorgt die Anzeichen einer Überarbeitung. Amy Adams spielt die Rolle der Louise Banks sehr souverän, verpasst es aber mitunter mimisch ein paar Feinheiten passend herüberzubringen, weswegen die Auflösung am Ende sehr überraschend kommt. Besser spielt Jeremy Renner als Ian Donnelly, dessen Rolle aber wieder nicht genug Raum bekommt, um sich richtig zu entfalten.
Von den 116 Minuten Laufzeit ist wenig zu spüren, sie verfliegen beinahe. Lediglich das Ende wird um ein paar Minuten zu lange gezogen, aber trifft trotzdem einen interessanten Ton. Setdesign, Kameraarbeit, Ton und Musik sind allesamt sehr gut gewählt und unterstützen die Botschaft des Films.

Alles in allem ein sehr interessanter Denkansatz im Film, der auch gut umgesetzt wurde. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Inferno

Am 13.10.2016 erschien die inzwischen dritte Verfilmung eines Dan Brown Romans in den deutschen Kinos. Diesmal hatte ich das Buch bereits im Vorfeld gelesen und war nun auf die filmische Umsetzung gespannt. Daher gibt es hier wieder sowohl die Buch- als auch die Filmkritik in einem Beitrag zusammen gefasst.

Der Symbologe Robert Langdon erwacht mit einer Kopfverletzung und damit einhergehendem Gedächtnisverlust, was die letzten Tage betrifft, in einem Krankenhaus in Florenz. Er hat keine Ahnung, wie er dahin gekommen ist. Kurz darauf sucht ihn eine Attentäterin auf und er muss zusammen mit der Ärztin Sienna Brooks fliehen. Dabei entdecken sie einen kleinen Projektor in Langdons Jackett, der Dantes Kreise der Hölle zeigt, zusammen mit einem Rätsel. Und schon befinden sie sich auf einer Jagd durch die Stadt auf der Suche nach weiteren Hinweisen und Rätseln. Was hat das Ganze mit Bertrand Zobrist zu tun, der das Ende der Menschheit durch Überbevölkerung vorhergesagt hat?

Das Buch:

Bereits 2013 erschien der inzwischen vierte Band über den Symbologen Robert Langdon aus der Feder von Dan Brown. Während er mit Illuminati und Sakrileg den Zorn der katholischen Kirche auf sich zog, war sein drittes Werk, das verlorene Symbol, sehr schwach geraten. Nun hat Brown sein viertes Langdon-Buch keiner Verschwörung innerhalb der katholischen Kirche gewidmet, sondern einem Meisterwerk der Literatur. Dante Alighieris „Göttliche Komödie“, bzw. zumindest dem ersten Drittel davon, nämlich dem „Inferno“-Teil. Hier beschrieb Dante seinen Weg durch die 10 Kreise der Hölle, jeden Kreis schrieb er einer anderen Art Sünde zu. Da Brown in diesem Film selbst keine Verschwörung finden oder hineininterpretieren konnt, nutzt er Inferno nur als Mittel für die Rätsel und Hinweise und nimmt sich im gleichen Atemzug noch einem ganz anderen Thema an: der Überbevölkerung. Dafür erfindet er die Figur des Bertrand Zobrist. Dieser hält nun die Pest und andere große Naturkatastrophen für einen Schutzmechanismus der Natur, um die Überbevölkerung aufzuhalten, und will selbst durch eine Seuche der Natur helfen. Davon ahnt unser Protagonist Robert Langdon zunächst aber noch nichts. Er hat nämlich mit einem Gedächtnisverlust zu kämpfen und der Tatsache, dass er sich nicht nur statt in Harvard in Florenz befindet, wo er auch noch beinahe einer Attentäterin zum Opfer fällt. Zusammen mit der Ärztin Sienna Brooks versucht er die letzten Tage zu rekonstruieren und stößt dabei vermehrt auf Hinweise, die allesamt mit Dantes Inferno in Verbindung stehen, und muss gleichzeitig feststellen, dass er von gut ausgebildeten Männern verfolgt wird.
Brown gibt seinem erfolgreichen Helden Langdon mal wieder viel zu tun und viel zu enträtseln. Dabei geht er diesmal aber anders vor, da Langdon nicht von vornherein bewusst in die Sache gezogen wird, weil seine Fähigkeiten als Symbologe gefragt sind, sondern Brown lässt Langdon und die Leser sehr lange im Dunkeln tappen und einzelne Hinweise aufspüren. Abgesehen von dieser Haupthandlung gibt Brown dem Leser immer wieder Einblicke in das Handeln anderer Charaktere, deren Rolle man lange Zeit nicht einordnen kann. Dadurch baut Brown zunächst sehr viel Spannung auf. Leider lässt er die Leser ein bisschen zu lange im Dunkeln tappen, so dass einem mitunter das Interesse die Rätsel zu lösen verloren geht. Auch merkt man, dass Brown in Vorbereitung auf das Buch einen ausgiebigen Urlaub in Florenz unternommen hat. Denn eine gewisse Liebe zur Stadt ist mehr als deutlich zu spüren. So lässt er Langdon immer wieder von der Stadt und seiner Geschichte schwärmen und dies teilweise ausschweifend während einer Verfolgungsjagd. Dadurch kommen Szenen, wie „Langdon und Sienna fliehen, können gerade noch durch Gang X entwischen, oh Gang X, hier hat der und der, das und das gemacht, und dann hat der dieses Gemälde gekauft und das ist so besonders, weil“, drei Seiten später, „Langdon und Sienna erreichen das Ende des Ganges“. Gerade im Mittelteil nimmt das Auswüchse an, die den Mittelteil nur sehr schwer ertragbar machen. Mitunter wurde eine Aufklärung zu einer bestimmten Inferno-Stelle so lange gerausgezögert, dass ein Gang zum Bücherregal unvermeidbar war, um die entsprechende Stelle einfach selbst in der Göttlichen Komödie nachzulesen. Während der Leser nun das Buch fast aufgegeben hat und kaum noch die Lust verspürte weiterzulesen, bringt Brown einen dazu im letzten Viertel des Buches dieses gar nicht mehr aus der Hand legen zu wollen. In einem einzigen Kapitel führt er eine so unvorhersehbare Wendung herbei, die alles bisher geglaubte auf den Kopf stellte. Und damit nicht genug. Brown schafft es von nun an die anfängliche Spannung wiederherzustellen und sogar zu erhöhen, in dem er neue Rätsel aufgibt, die aber nun wesentlich schneller gelöst werden und schafft es ein so packenden Showdown zu inzenieren, dass es unmöglich zu sein scheint den Leser an dieser Stelle aus der Welt des Buches zu reißen. Auch das Ende ist wieder absolut unvorhersehbar und stellt eine drastische Wendung der Ereignisse da. Dabei schafft es Brown gleich noch einen neuen Denkansatz in die Köpfe der Leser zu setzen und wirft gleichzeitig alle Regeln für ein Ende eines Buches über den Haufen. So wird der treue Leser doch noch für ein sehr langatmigen Mittelteil belohnt.

Der Film:

Nach Sakrileg und Illuminati war sehr schnell klar, dass auch weitere Bücher von Dan Brown verfilmt werden. Doch dann sprang Regisseur Ron Howard für das Folgeprojekt „das verlorene Symbol“ ab, da er im Buch keinen Reiz für eine Verfilmung fand. So lag das Projekt brach, bis Inferno erschien und Ron Howard sich sofort wieder begeistern konnte. Also wurde filmisch „das verlorene Symbol“ einfach übersprungen, und es wurde sich „Inferno“ gewidmet. Tom Hanks wurde wieder als Robert Langdon besetzt, den er wieder mit seiner bekannten souveränen Art spielt. An seine Seite wurde Felicity Jones als Sienna Brooks gestellt. Das Problem an Jones ist, dass sie zwischen sehr guten Perfomances, wie in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“, und sehr schlechten, wie in „Collide“, hin und her springt. Auch Inferno zählt gemessen an den Möglichkeiten nicht gerade zu ihrer Glanzleistung. Star Wars-Fans können daher nur hoffen, dass sie sich im bald erscheinden „Rogue One“ wieder ein bisschen mehr anstrengt.
Die Verfilmung an sich betrachtet ist ein souveräner Film, mit vielen Rätseln, Verfolgungsjagden und Spannung. Doch das kann man nur genießen, wenn man das Buch nicht gelesen hat. Denn der Film überspringt zwar die vielen Liebesbekundungen an die Stadt Florenz, schafft es aber die großen unvorhersehbaren Wendungen im Buch und das brilliante Ende komplett zu zerstören. Denn die erste 180° Wendung des Buches wurde nach nur fünf Minuten durch die Einblendung eines Untertitels zerstört. Der Showdown selbst ist zwar auch im Film sehr spannend und man hängt gebannt an der Leinwand, aber die Auflösung am Ende des Showdown wurde im Drehbuch komplett umgeschrieben, so dass ein ganz anderes Ende dabei herauskommt. Für Buchleser ein sehr unbefriedigendes, für Filmgucker ein sehr vorhersehbares. Und durch das Umschreiben des Endes, bleibt auch die letzte unerwartete Wendung des Buches aus, gerade das diskuttiertwürdige Ende, das Ende das Inferno als Buch zu etwas besonderem macht. Zwar wurde der Grundgedanke des Buches, irgendwo in der Mitte des Films mal in einem Nebensatz erwähnt, aber hat bei Weitem nicht die Gewichtung, wie im Buch.
Hat man das Buch vorher nicht gelesen, dann ist der Film und auch das Ende wohl für einen rund und auch trotzdem spannend, aber trotzdem bleibt der Film weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Hier wollten die Macher wohl längere Erklärdialoge am Ende vermeiden.

Alles in allem sollte man als perfekte Kombination, zunächst anfangen das Buch zu lesen, den Mittelteil dann mit dem deutlich spannenderen Mittelteil des Films abkürzen und den großen Showdown und das Ende dann wieder lesen. Für den Film gibt es aber trotzdem nur 05 von 10 möglichen Punkten.