Horroroctober #3: Die Frau in Schwarz

Die Frau in Schwarz 2 war mein persönlicher Flop des Jahres 2015 mit gerade einmal 01 von 10 möglichen Punkten. Trotzdem wurde mir immer wieder geraten den ersten Teil zu sehen, da der zweite nur lose auf diesem basieren und der erste ohne unnötige Jumpscares auskomme. Also kam der Film auf meine Liste für den Horroroctober.

Arthur Kipps ist Anwalt und Witwer. Er soll für seine Kanzlei das Vermächtnis einer Frau klären und reist dafür in den abgeschiedenen Ort Crythin Gifford. Die Ortsansässige wollen ihn jedoch scheinbar schnell loswerden. Trotzdem begibt er sich auf das abgeschiedene Anwesen, um dort die Briefe zu durchsuchen. Doch das Haus scheint ein Eigenleben zu führen und auf einmal sterben Kinder im Dorf. Was geht wirklich vor sich?

Die Frau in Schwarz schafft es sehr schnell ein sehr düsteres Grundsetting zu schaffen und damit auch eine gruselige Grundatmosphäre. In Crythin Gifford scheint es nur schlechtes, regnerisches Wetter zu geben, was zwar zur Stimmung passt, aber doch etwas zu drastisch ist. Die abgeschiedene Lage des zu untersuchenden Hauses ist gut, damit sich Protagonist und Zuschauer wie am Ende der Welt führt, zumal man das Haus nur bei Ebbe erreichen und auch wieder verlassen kann. Hinzu kommt das der Film beinahe gänzlich auf Jumpscares verzichtet, sondern schafft es durch langsame Kamerafahrten, Nebel und dem langsamen Auftauchen von übernatürlichen Gestalten den Gruselfaktor hoch zu halten. Dadurch wirkt der Film sehr atmosphärisch und kreiert ein Vorbild für Filme des gleichen Genres. Selbst Daniel Radcliffe schafft es in diesem Film nicht mit Harry Potter verglichen zu werden und gibt dem Film dadurch noch einen Zusatzpunkt. Der einzige Kontrapunkt des Film ist, dass die erzählte Geschichte sehr oberflächlich behandelt wird. Kipps findet zwar immer wieder Briefe, die eine Hintergrundgeschichte zur Frau in Schwarz stricken, aber die Bruchstücke die man erfährt sind so wenige, dass man selbst nach Ende des Films das Gefühl hat, nicht alle Puzzlestücke gefunden zu haben.

Gruselfaktor: 4/5
Handlung: 4/5
Umsetzung: 4/5
Gesamt: 4/5

Nerve

Am 08.09.2016 erschien ein Film über ein potenzielles Internet-Phänomen in den deutschen Kinos.

Vee ist eigentlich eher schüchtern und zurückhaltend. Doch um aus dem Schatten ihrer besten Freundin zu kommen, meldet sie sich bei dem illegalen Online-Spiel Nerve als Player an. Die sogenannten Watcher geben den Playern immer neue Aufgaben, die sie für Geld umsetzen sollen. Doch Vee gelant in einen Strudel, den sie nicht aufhalten kann.

Bist du Watcher oder Player? So kündigt sich das Online Game „Nerve“ im gleichnamigen Film an. Die Nutzer werden somit in zwei Gruppen geteilt. Die Wagemutigen Player, die sich zu immer neuen Challenges herausfordern lassen. Bei Bestehen der Challenge gibt es Geld, das direkt auf das eigene Konto überwiesen wird. Finanziert wird das von den Watchern, die um die Challenges ansehen zu können, regelmäßig einen Betrag zahlen müssen. Ziel ist es möglichst viele Challenges zu gewinnen und dabei viele Watcher zu generieren bis am Ende nur noch ein Spieler als Gewinner übrig bleibt, da alle anderen Spieler durch nicht Bestehen einer Challenge ausgeschieden sind. In Zeiten in denen viele ihre Persönlichkeit über ihre Online-Profile auf Facebook, Instagram und ähnliches definieren, ist die Idee hinter diesem Spiel nur eine Steigerung des bereits vorhandenen Wahnsinns.
Im Film will die eher etwas schüchterne und zurückhaltende Vee es allen zeigen und meldet sich für sie untypisch als Player bei Nerve an. Ein weiterer Anreiz für sie ist, dass sie Geld braucht für eine teure Kunst-Akademie. Das Spiel muss sie vor ihrer Mutter geheim halten, die jedoch sowieso den ganzen Tag arbeitet. Schon bei ihrer ersten Challenge lernt sie den sympathischen Ian kennen, mit dem sie ab da ein Team bildet. Doch kann sie ihm wirklich trauen? Und wie viel ist am dem Gerücht dran, dass bereits ein Spieler bei einer Challenge gestorben ist?
Nerve kommt mit einer neuen Idee daher, die in der heutigen Zeit gar nicht so weit hergeholt ist. Die Spannung kommt sehr schnell auf und auch Vees Beweggründe werden gut dargestellt. Die Handlung ist gut in die aktuelle Tendenz und aktuellem Online-Verhalten eingebunden, geht aber einen Schritt weiter. Zunächst ist die Handlung dadurch auch sehr authentisch, verliert diese jedoch ein bisschen gegen Ende, denn der Showdown wirkt dann doch ein bisschen zu übertrieben. Den überwiegenden Teil schaffen es aber die reale Handlung und der hohe Spannungsfaktor eine rasante Geschichte zu erzählen, die mitreißt und begeistert. Hinzu kommt eine gelungene Mischung aus sympathischen, unsympathischen und undurchsichtigen Charakteren mit denen man mitfieber kann, die einen abstoßen und die man versucht zu knacken. Dadurch ist der Zuschauer dauerhaft in die Handlung mit eingebunden und es gibt genug Identifikationspotenzial. Das Ende ist zwar übertrieben, aber dennoch rund und eine vernünftige Aufklärung der Handlung.

Alles in allem ist Nerve ein halbwegs realistischer Film, der durchgängig spannend ist und nur am Ende durch ein zu übertriebendes Finale etwas schwächelt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Studierst du noch oder lebst du schon?

Meine Tage als Studentin waren kurz und sind auch schon wieder ein paar Jährchen her. Trotzdem fühlte ich mich von dem Buch „Studierst du noch oder lebst du schon?“ direkt angesprochen.

Jeanne möchte ihr Sabbatjahr nutzen, um eine Doktorarbeit zu schreiben. So ist sie außer sich vor Freude, als ihr dieses genehmigt wird. Allerdings erhält sie kein Stipendium. Kein Problem, denkt Jeanne, dann arbeite ich halt nebenbei an der Uni. Doch der Alltag als Doktorantin ist ganz anders, als man ihn sich vorstellt.

Tiphaine Rivière war einst selbst Doktorantin, gab dieses jedoch zu Gunsten einer Karriere als Comic-Zeichnerin auf und berichtet nun von ihren Erfahrungen, die sie während ihres dreijährigen Versuches gemacht hat eine Doktorarbeit zu schreiben.
Jeanne ist von ihren Beruf als Lehrerin total genervt, denn ihre Schüler haben keinen Respekt und sind überhaupt nicht zu bändigen. Also beschließt sie ein dreijähriges Sabbatjahr einzulegen (in Frankreich laut Buch ohne Probleme möglich) und in diesen drei Jahren ihre Doktorarbeit zu schreiben. Schnell wird sie auch als Doktorantin angenommen, leider ohne Stipendium. Also will sie nebenbei an der Uni dozieren. Doch das Schreiben einer Doktorarbeit ist trotzdem kein Zuckerschlecken. Die verschiedensten Probleme werden in dieser Graphic Novel ausführlich dargestellt. Durch viele innere Monologe wird die Nähe zur Protagonistin sehr stark, man fühlt durchgängig mit ihr. Durch viele Schilderungen von Alltagssituationen findet man sein eigenes Studentenleben in einigen wieder, was die Nähe noch mehr verstärkt. Gleichzeitig schildert die Graphic Novel jedoch einen Zeitraum von ca. 5 Jahren auf 179 Seiten. Dadurch gibt es viele Zeitsprünge, die nur leider nur selten gekennzeichnet werden, wodurch man zwischendurch doch den Überblick verliert. Doch der Leser kann den Faden schnell wiederfinden, so dass man das Buch gut in ein paar Stunden durchgelesen hat. Die Bilder sind im ganz eigenen Stil gezeichnet und haben dadurch einen ganz persönlichen Charme. Die Handlungen und Emotionen sind alle passend dargestellt, so dass man zu den Denk- und Sprechblasen gleich die richtige Betonung erkennt. Das Bild/Text-Verhältnis ist passend. Der Text ist gut lesbar und überdeckt das Bild dabei nicht. Wenn einmal mehr Text nötig ist, so wurde das Bildmaterial verringert, aber trotzdem passend um den Text drapiert.
Der einzige Haken am Buch ist der Titel. Denn dieser gibt dem Leser das Gefühl, es handele sich um eine Graphic Novel, die wirklich das Leben eines Studenten unter die Lupe nimmt. Denn zwischen Student und Doktorant ist noch einmal ein himmelweiter Unterschied. Aber vielleicht überrascht uns Autorin Rivière mit einer Fortsetzung.

Alles in allem ist „Studierst du noch oder lebst du schon?“ ein kurzweiliges, aber realistisches Abenteuer in die Abgründe eines Doktorantenlebens.

„Studierst du noch oder lebst du schon?“ wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

Streiflichter aus Amerika

Neulich grübelte ich vor meinem DVD-Regal über eine passende Abendunterhaltung und stieß auf Picknick mit Bären, eine Verfilmung eines Buches von Bill Bryson, und wieder war ich fasziniert von der Geschichte. Ein paar Tage später fiel mein Blick auf meinen SuB (Stapel ungelesener Bücher) in dem sich doch tatsächlich zwei Bücher des Herrn Bryson versteckten. Meine Wahl fiel auf Streiflichter aus Amerika.

Bill Bryson und seine Familie kehren nach einigen Jahren in England in Brysons Heimat die USA zurück. Kurz darauf bittet ein Freund von ihm für seine Zeitung eine Kolummne über die USA zu schreiben. Obwohl Bryson dafür eigentlich keine Zeit hat, schreibt er doch über alles, was ihm in seiner neuenalten Heimat auffällt.

Streiflichter aus Amerika kommt mit dem Untertitel „Die USA für Anfänger und Fortgeschrittene“ daher, was die Erwartung schürt einen humorvollen Guide durch die Eigenheiten der USA zu bekommen gepaart mit nützlichen Tipps für Touristen. Hier wird der Leser jedoch durch Titel und Klappentext in die Irre geführt. Denn die einzelnen Kapitel waren ursprünglich Kolummnen in der Mail on Sunday, eine britische Zeitung. Dies wird jedoch in einem sehr lustigen Vorwort schnell erklärt und so ist man auf die neue Situation von Anfang an eingestellt.
In den Kolummnen schreibt Bryson über praktisch alles. Von der Post, Kino, Motels, Strand, Steuererklärung, die Wunderwelt der Technik, Flughäfen, Bürokratie, Automietung, Sommer, Winter, Universitäten, Drogen, Friseur und Lesereisen, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. In 78 Kapiteln, die je einer Kolummne entsprechen, erzählt Bryson über seinen Alltag, seine Beobachtungen und über alles, was ihn gerade ausregt. Dabei sind manche Kapitel interessanter und spannender als andere, aber im großen und ganzen ist eine so große Mischung an Themen vorhanden, dass für jeden etwas dabei sein dürfte. Leider überwiegt bei vielen Kapiteln das Meckern. Bryson lässt an seinen Landsleuten kaum etwas Gutes. Würde man die Amerikaner nur nach diesem Buch bewerten, dann bewegen sie sich praktisch gar nicht und die Hellsten sind sie auch nicht. Das ist etwas schade, denn gekauft habe ich das Buch bei der Reiseliteratur, aber vorbereitet auf eine Reise in die USA ist man nach diesem Buch nicht. Aber wenn man sich von diesen Erwartungen löst und sich vor Augen führt, dass die Kolummne 1996 geschrieben wurde, dann macht das Lesen Spaß. Ein gutes Buch für zwischendurch mit abgeschlossenen Kapiteln.

Alles in allem schüren Titel und Klappentext falsche Erwartungen und leider überwiegt das Meckern, aber trotzdem macht das Lesen Spaß.

Bad Moms

Am 22.09.2016 erschien ein Film, der endlich einmal den Müttern gewidmet wurde, in den deutschen Kinos.

Amy hat Ehemann, zwei Kinder, Haus, Hund und Karriere. Doch dies alles unter einen Hut zu bringen, bringt sie beinahe täglich zur Verzweiflung. Eines Tages hat sie die Nase voll und gründet mit zwei weiteren überforderten Müttern die Bad Moms und hören auf zu versuchen perfekt zu sein. Das passt den perfekten Müttern jedoch gar nicht in den Kram.

Jeder, der nicht selbst Mutter ist, dürfte kaum verstehen, wie schwer es ist Kinder und Job unter einen Hut zu kriegen und dabei auch noch das eigene Leben zu genießen. Man möchte den Kindern alles bieten und rund um die Uhr für sie da sein, aber gleichzeitig auch noch das Geld für alles zu verdienen. Zu allem Überdruss wird einem aber auch noch von allen Seiten zugetragen, dass sie perfekt sein müssen, um eine gute Mutter zu sein. Sei es in der Werbung, in Filmen und Serien oder von den perfekten Müttern in Kindergarten und Schule. Mit Bad Moms startet nun endlich ein Film in den Kinos, der die Sorgen und Ängste der Mütter ernst nimmt und diese auf humorvolle Weise beleuchtet.
Wenn man an die Zukunft denkt, dann gehört meistens ein Haus, ein Mann, Kinder und natürlich der Hund dazu. Meistens wird dies auch gerne gegen eine Karriere ausgetauscht, manchmal soll auch beides verbunden werden. Genauso ist es bei Amy. Sie hat ein Haus, ist verheiratet, hat zwei Kinder, einen Hund und auch eine Karriere. Und um alles zu kombinieren eine Menge Stress und nie Zeit für sich. So eilt sie permanent vom Job zu Schule, um ihre Kinder immer rechtzeitig zu ihren Freizeitaktivitäten zu bringen. Doch als sie bemerkt, dass ihr Mann sie online betrügt, ändert sich ihre Einstellung gewaltig. Sie wirft ihren Mann raus und gründet zusammen mit zwei anderen überforderten Müttern die Bad Moms. Was zunächst eine totale Erleichterung des Alltags zu sein scheint, dreht sich langsam zu einer Katastrophe, als die perfekten Mütter davon Wind bekommen und dagegen angehen.
Wie weit geht die Verantwortung einer Mutter perfekt sein zu müssen? Mit dieser Frage geht Bad Moms respektvoll um und schafft es dennoch mit gekonntem Witz eine Komödie zu erschaffen. Die einzelnen Aspekte im Leben einer Mutter werden realitätsnah aufgegriffen und auch die verschiedenen Muttertypen werden vorgestellt. Von der reichen Gattin mit den perfekten Kindern, zur überforderten alleinerziehenden Mutter, die viel zu wenig Zeit mit ihrem Kind verbringt sind alle Stereotypen dabei. Alle diese Typen werden mit positiven und negativen Eigenschaften dargestellt, so dass hier keine Mutter als Idealtyp, aber auch keine als abschreckendes Beispiel fungieren muss.
Bereits im Trailer wurde mit „Von den Machern der Hangover Reihe“ geworben. Hier könnte man denken, dass Bad Moms mit ebenso derben Humor daher kommt, doch das ist nicht der Fall. Denn der Humor in Bad Moms ist wohldosiert, gut durchdacht und verzichtet, bis auf ein paar Ausnahmen, gänzlich auf Witze unter der Gürtellinie. Dadurch wird es zu einem Spaß für mehrere Altersgruppen. Die Schauspieler sind passend ausgewählt und spielen ihre Sache sehr souverän. Spannung wird während des Films erzeugt und auch bis zum Ende ausrecht erhalten, ist aber nicht der Kernpunkt des Films.

Alles in allem endlich ein gelungener Film für die Mütter. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Captain Fanstastic – Einmal Wildnis und zurück

Am 18.08.2016 erschien ein Film über eine Familie, die in der Wildnis lebt, in den deutschen Kinos.

Ben lebt mit seinen sechs Kindern in der Wildnis, fernab der Zivilisation. Die Mutter ist derzeit aufgrund einer bipolaren Störung in einer Klinik. Die Kinder wachsen mit Jagen, Überlebenstraining, strengem Privatunterricht und Musik auf. Doch nachdem die Mutter sich das Leben nahm, wollen sie zur Beerdigung fahren. Dafür müssen sie wieder in die Zivilisation.

Captain Fantastic ist kein Film über einen großen Superhelden, wie der Titel vielleicht vermuten lässt. Es ist ein Film, in dem irgendwo versteckte Systemkritik schlummert, die aber nicht primär im Vordergrund steht. Stattdessen ist das Grundszenario zwar ein Entkommen der digitalen Welt, aber der Film kommt trotzdem zunächst als einfacher Road-Movie daher.
Der Zuschauer lernt zunächst Ben und seine sechs Kinder kennen. Sie haben sich nahezu komplett von jeder Zivilisation zurückgezogen und leben in tiefster Wildnis. Hier lehrt Ben seinen Kindern jagen und Überleben in der Wildnis, dazu gehören auch viele Sporteinheiten, aber er lehrt ist auch ihr Lehrer für alle schulischen Sachen. Die Kinder sind größtenteils glücklich mit ihrem Leben, nur Rellian, einer der Söhne, wünscht sich ein normaleres Leben. Ihr Leben wird aus dem Gleichgewicht gebracht, als die Mutter Selbstmord begeht. Diese ist bereits zu Beginn des Films in einer psychiatrischen Klinik, um ihre bipolare Störung zu behandeln. Die Mutter war strenge Buddhistin und hat daher verfügt, dass sie verbrannt und die Asche in einer öffentlichen Toilette heruntergespült wird. Nur hat ihr Vater als strenger Christ beschlossen, dies zu ignorieren und eine normale Beerdigung zu organisieren. Um dies zu verhindern, beschließen Ben und seine Kinder zurück in die Zivilisation zu fahren, um die Beerdigung zu verhindern. Dort müssen gerade die Kinder feststellen, dass sie sich sehr stark von allen anderen unterscheiden und Ben muss überdenken, ob seine Erziehungsmethoden wirklich in allen Bereichen gut ist.
Captain Fantastic zeigt zwei verschiedene Welten auf und zeigt beide in ihren absoluten Extremen. Es gibt einmal die Welt der „normalen“ Zivilisation, in diesem Film repräsentiert durch Bens Schwester Harper und ihre Familie. Sie leben in einem schönen Haus und die Kinder haben technisch gesehen eine große Ausstattung. Diese nutzen sie jedoch auch die meiste Zeit über und konzentrieren sich wenig auf soziale Kontakte und ihre Bildung. Die Eltern lassen den Kindern viel durchgehen und nehmen wenig Anteil am Tun der Kinder. Als Gegenbeispiel werden Ben und seine Kinder gezeigt. Die Kinder werden unter strengen Hand erzogen, leben ohne jeglichen technischen Fortschritt und lernen schon in jüngstem Alter mehr als an jeder Schule. Abgesehen von der eigenen Familie haben sie keine sozialen Kontakte, können aber jagen und die Bill of Rights auswendig aufsagen. Durch die Gegenüberstellung werden beide Extreme dargestellt und die Nachteile herausgearbeitet. Dadurch kommt eine gewisse Systemkritik auf, die aber nicht konsequent genutzt wurde. Stattdessen wurde ein Road Movie konzipiert, der daran krankt lediglich Andeutungen statt Aussagen zu machen. Durch Bens sehr abstruse Vorstellungen eines guten Lebens für seine Kinder ist keinerlei Identifikation mit den Charakteren möglich. Dadurch geht jedoch auch die Spannung verloren, denn der Ausgang der Geschichte ist keine Überraschung. Der Film soll einem gute Laune vermitteln durch das befreite Lebensgefühl von Ben und seinen Kindern. Doch gibt es viele Spannungen innerhalb der Familie, dass auch dies nicht aufkommen kann. So setzt der Film an vielen Stellen an und kann doch keine der Versuche erfüllen.

Alles in allem versucht der Film mehr zu sein, als er ist und selbst was er ist, setzt er nicht gut um. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Mängelexemplar

Willkommen in der Cinemathek, heute mit „Mängelexemplar“. Der Film lief am 12.05.2016 in den deutschen Kinos an.

Karo verliert erst ihren Job, dann ihren Freund und verliert sich dann in einer Depression. Ihre beste Freundin möchte nichts mehr mit ihr zu tun haben und auch ihre Familie ist nicht gerade intakt. Aber wie kommt man aus diesem Kreislauf wieder heraus?

Depressionen sind eine psychische Störung, über die noch immer sehr wenig bekannt ist und deren Symptome meist sehr spät erkannt werden. Studien nach ist die Verbreitung nicht klar einzugrenzen, da sie weltweit auftritt, in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern. Der Film Mängelexemplar befasst sich mit Karo. Karo ist ein Beispiel von vielen und zeigt mögliche Ursachen und mögliche Lösungswege. Karo war noch nie ein sehr fröhlicher Mensch und leidet unter der Scheidung ihrer Eltern, die ihre Mutter in eine Depression stürzte. Daher ist sie zum großen Teil bei ihren Großeltern aufgewachsen, doch inzwischen ist ihr Großvater verstorben. Durch ihre negative Art verliert sie am Anfang des Films erst ihren Job, vergrault durch die daraus resultierende schlechte Laune erst ihre beste Freundin und dann ihren Freund. Dadurch stürzt sie immer mehr in ein Tief und sucht Hilfe bei einer Therapeutin. Die rät ihr nicht an sich selbst herumzudoktoren, sondern allem Zeit zu lassen. Leider hält sich Karo da nicht dran und stürzt sich damit selbst in eine Depression. Nun braucht sie wirklich Hilfe.
Mängelexemplar ist ein Film, der versucht Depressionen ein bisschen zu erklären und das jeder versuchen kann aus dem Kreislauf wieder heraus zu kommen. Leider gibt es mit der von grundauf sehr unsympathischen Protagonistin keinerlei Identifizierungspunkt. Dadurch ist immer eine große Kluft zwischen Film und Publikum und kann dadurch auch keine Botschaft herüberbringen. Durch innere Monologe versucht der Film die Gedankenwelt der Protagonistin darzustellen, um ihre Handlungen besser nachvollziehbar zu machen. Leider sind die Gedanken zu kreuz und quer, dass auch dies den Zuschauer nicht näher einbezieht. Die Ursachen der Depression werden zwar gezeigt, aber auch nicht näher erklärt. Beispielsweise gibt es die Möglichkeit der Vererbung eines bestimmten Gens, das Depressionen auslösen kann. Da die Mutter bereits Depressionen hatte, wäre das eine Möglichkeit. Aber auf Details wird im Film an keiner Stelle eingegangen, was besonders schade ist. So wirkt der Film sehr überflüssig und auch die Thematik selbst hat keine Bedeutung. Da die Identifizierung mit der Protagonistin fehlt, kann auch keine Spannung im Film aufgebaut werden. Es ist dem Zuschauer einfach egal, ob Karo geheilt wird und ob sie ihr Leben auf die Reihe bekommt.

Alles in allem ist Mängelexemplar ein Film, der die richtige Intention hat, diese aber nicht umsetzen kann. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

SMS für dich

Am 15.09.2016 erschien eine traurig schöne deutsche Romanze in den deutschen Kinos.

Vor zwei Jahren verlor Clara ihren Verlobten Ben bei einem Verkehrsunfall. Noch immer ist sie nicht über diesen Verlust hinweg und schreibt in ihrer Einsamkeit SMS an Bens alte Handynummer. Nur leider ist diese inzwischen neu vergeben und landet bei Sportjournalist Mark. Die sehnsüchtigen SMS berühren Mark so sehr, dass er Clara unbedingt kennenlernen muss.

Caroline Herfurth dürfte den meisten spätestens seit Fack ju Göhte ein Begriff sein. Nun versuchte sie sich das erste Mal auch als Regisseurin und übernimmt auch gleich noch die Hauptrolle der Clara. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Sofie Cramer.
Clara Sommerfeld ist Zeichnerin und brachte mehrere Bildbände des Kinderbuches „Die kleine Raupe Rieke“ heraus. Doch als ihr Verlobter Ben vor ihren Augen bei einem Verkehrsunfall stirbt, bricht ihre ganze Welt zusammen. Zunächst versuch sie sich vor der ganzen Welt zu verstecken und zieht zu ihren Eltern und versucht dort ihre Trauer zu überwinden und einen weiteren Bildband zu zeichnen. Doch auch nach zwei Jahren schafft sie es immer noch nicht eine glückliche Raupe zu zeichnen. Trotzdem beschließt sie aus der Abgeschiedenheit des Elternhauses auszubrechen und sich wieder mit der Großstadt Berlin auseinander zu setzen. Sie zieht wieder in eine WG mit ihrer guten Freundin Katja, die nun versucht Clara aus ihrem Kokon zu holen. Ihr Allheilmittel sind neue Dates. Doch Clara tut sich schwer mit der Idee. Beim Auspacken ihrer Sachen entdeckt sie ihr altes Handy und versucht ihren Kummer zu vertreiben, in dem sie SMS an Bens alte Nummer schreibt. Nicht ahnend, dass die Nummer bereits neu vergeben wurde. Mark, der neue Besitzer, kann sich nicht so richtig in der Beziehung mit seiner Freundin Fiona finden. Doch die SMS von Clara verändern etwas in ihm und er möchte unbedingt den Absender kennenlernen.
SMS für dich hat keine Handlung mit besonders vielen Überraschungen. Nachdem das Anfangsszenario geklärt war, war relativ schnell klar, wie der Film weitergehen und enden würde. SMS für dich hat aber dafür mehr Gefühl, romantische und tieftraurige Momente als jede vergleichbare Romanze. Der Film berührt den Zuschauer gerade durch die einfach gehaltene Handlung und sorgt für schöne Dialoge. Hier wird der Zuschauer gleichzeitig romantisch verzaubert und zu Tränen gerührt. Alle Charaktere sind mit verschiedenen positiven und negativen Eigenschaften gekennzeichnet und können so direkt aus dem realen Leben entspringen. Gleichzeitig sind sie auch alle sehr verschieden, so dass für jeden ein Charakter zum identifizieren da ist.
Die Idee jemanden durch SMS an den verstorbenen Verlobten kennenzulernen ist auch einmal Neu und so noch nicht gesehen. Dadurch reduziert sich der Film nicht nur auf die Liebesgeschichte, sondern zeigt auch den Umgang mit Trauer und deren Bewältigung. Auch wird der Weg Claras zurück ins Leben gezeigt, zurück zu ihren Freunden, zurück in ihren Beruf und wie man wieder Lebensfreude empfinden kann. Der einzige etwas unpassende Faktor im Film ist Katja Riemanns Rolle als Schlagerstar Henriette Boot. Zwar hat ihre Rolle ihre Daseins Berechtigung für die Handlung, doch ist sie etwas zu schrill und bunt geraten und stört so die Dynamik des Films.

Alles in allem ein runder Film, der sowohl berühren als auch zu Tränen rühren kann. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Die Entscheidung

Ich bin ein großer Fan von Charlotte Link und habe so ziemlich jedes Buch von ihr im Regal stehen (ausgenommen ihre Pferdekinderbücher). So konnte ich auch nicht wiederstehen ihr neustes Buch direkt zu verschlingen.

Simon wollte eigentlich über Weihnachten mit seinen Kindern im Ferienhaus seines Vaters in Südfrankreich Urlaub machen. Doch seine Kinder sagen ihm ab, seine neue Freundin trennt sich von ihm und dazu regnet es pausenlos. Trotzdem schlendert er am Strand entlang und trifft dort auf Nathalie, die offensichtlich in Schwierigkeiten steckt. Die Entscheidung ihr zu helfen, soll Simon schnell bereuen, denn Nathalie ist irgendwie in Verstrickungen, die bis nach Bulgarien reichen verwickelt.

Das Charlotte Link sehr wandelbar ist, hat sie bereits mehrfach bewiesen. Zunächst gestartet mit Gesellschaftsromanen, wie ihrer gefeierten „Sturmzeit“-Trilogie, entdeckte sie schnell die psychologischen Spannungsromane für sich. Hier bekam der fleißige Leser mehrere Charaktere bzw. ganze Familien präsentiert, die in irgendeiner verstrickten Geschichte steckten, die der Leser entschlüsseln musste. Gerne wurde hier auch ein Ausflug in die entfernte Vergangenheit verschiedener Figuren entführt. Diese Ausflüge kamen danach immer weniger vor, aber das tat der Spannung keinen Abbruch und Link entdeckte sich erneut neu. Mit ihrem letzten Werk „Die Betrogene“ versuchte sich Link nun zum ersten Mal in Richtung Kriminalroman. Aber auch hier entstand eine enge Verbindung zu den Figuren, wir lernten viel über sie, ihre Stärken, ihre Schwächen, ihre Ecken und Kanten. Doch irgendwo fehlte der Geschichte so ein bisschen das typische Linkkalkül. Dies sollte sich jedoch am Ende doch noch zeigen und so lässt sich „die Betrogene“ als Versuch Richtung Krimi abstempeln, kommt jedoch nicht mehr an die früheren Werke heran. Nun präsentiert uns Charlotte Link ihr neustes Werk und auch diesmal handelt es sich wieder um einen Kriminalroman.
Simon ist der typische Versager. Geschieden und doch lässt er sich von seiner Ex-Frau auf der Nase rumtanzen, was die Kinder betrifft. Sein Vater sagt ihm offen ins Gesicht, dass er ihn für einen Versager hält und trotzdem versucht Simon noch immer die Anerkennung des Vaters zu bekommen. Doch aus dem geplanten Weihnachtsurlaub mit seinen Kindern im Ferienhaus des Vaters in Südfrankreich wird nichts, denn seine Ex-Frau und deren neuer Freund beschließen, dass die Kinder lieber bei ihnen in Deutschland bleiben sollen. Und so fährt Simon alleine, denn seine neue Freundin hat er damit verschreckt, dass er sie vor den Kindern verheimlicht und daher nicht mit nach Frankreich nehmen wollte. In dieser trostlosen Ausgangslage trifft er am Strand auf die verzweifelte und heruntergekommende Nathalie. Eigentlich hätte er einfach weitergehen müssen, aber ausgerechnet diesmal trifft Simon eine Entscheidung, die seine nahe Zukunft stark beeinflussen sollte. Denn Nathalie ist auf der Flucht. Vor wem, dass weiß sie selbst nicht. Sie hat lediglich eine Warnung ihres Freundes Jérôme bekommen. Beide sollen erst später erfahren, dass sie irgendwie in das Visier eines Menschenhändlerrings gekommen sind, die keine Skrupel haben. Die Geschichte führt bis nach Bulgarien und erzählt neben Simons und Nathalies Geschichte auch die zweiter verzweifelter Familien, die glauben ihre schönen Töchter könnten im Westen ein gutes Leben bekommen.
Die Thematik von Menschenhändlern ist bereits in mehreren Büchern und Filmen behandelt worden. Link schafft es trotzdem der ganzen Geschichte eine eigene Richtung zu geben. Denn hier sind es keine Helden, die auf eigene Faust den Ring bekämpfen wollen. Hier sind es die Alltagshelden, die für sich oder für ihre Familien kämpfen. Dabei treten eine Vielzahl von Charakteren auf, deren Verbindung wieder einmal erst gesucht werden muss. Wie für einen Krimi üblich hat auch hier die Polizei eine große Rolle, jedoch nicht so groß, wie in anderen Krimis üblich. Dadurch behalten die Charaktere noch ihre Handlungsfreiheit und können dieses Buch weitgehend selbst gestalten. Doch während Links ältere Bücher sich durch sorgfältig charakterisierte Figuren auszeichnen, hinter denen mehr steckt, als man auf dem ersten Blick denken mag, spiegeln die Figuren diesmal die klassischen Schwarz/Weiß-Klitschees wieder. Jeder Charakter bekommt praktisch nur 1-2 Eigenschaften und handelt nur nach diesen. Kein Variieren, keine ausgeprägten Charakterzüge, keine Überraschungen. Daher wird aber leider auch die komplette Handlung vollständig vorhersehbar. Bis auf 1-2 Wendungen in Bulgarien, kann der Leser bereits am Anfang das Ende vorhersagen. Hier fehlt einfach eine überraschende Handlung der Charaktere.
Trotzdem muss man sagen, dass Link es durch ihren sehr flüssigen Schreibstil trotzdem schafft, einen für 2-3 Tage an das Buch zu fesseln, ehe man die knapp 600 Seiten verschlungen hat. Das ist wieder eine gewaltige Verbesserung zu „die Betrogene“, in der man sich durch viele Seiten durchquälen muss, ehe das Buch in Fahrt kommt. „Die Entscheidung“ hat keine einzige Länge, jede Handlung und Figur hat irgendwo seine Berechtigung, um auf das große Finale zuzusteuern. Wobei hier jedoch noch ein großer Kritikpunkt liegt: das sehr knappe und kurz gehaltene große Finale. Ein brutaler Menschenhändlerring, die nichts zu verlieren haben, und doch ist die Lösung am Ende zu einfach. Hier fühlt man sich am Ende um die Mühe eines Showdown betrogen.

Liebe Frau Link, als ein großer Fan ihrer Werke, verstehe ich, dass sie einmal etwas neues ausprobieren wollten und sich nun den Krimis zuwenden. Aber bitte geben sie ihren Charakteren trotzdem genug Tiefe, bitte bauen sie wieder Überraschungen in die Handlung ein und bitte bleiben sie sich selbst dabei treu. Beim Lesen von „Die Entscheidung“ wäre ich nicht darauf gekommen, dass sie dieses Buch schrieben. Ihre unverkennbare Handschrift hat einfach gefehlt! Ich freue mich trotzdem schon jetzt auf ihr nächstes Werk!

„Die Entscheidung“ wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

The Purge – Election Year

Am 15.09.2016 erschien der inzwischen dritte Teil der Purge-Reihe in den deutschen Kinos.

In den USA stehen die Präsidentschaftswahlen kurz bevor. Die Senatorin Charlie Roan tritt gegen den Kandidaten der neuen Gründungsväter an und will die Purge abschaffen. Leider steht eben diese Nacht im Jahr, in der für 12 Stunden alle Verbrechen, inklusive Mord, erlaubt sind, kurz bevor. Die Senatorin muss nun versuchen diese Nacht zu überleben.

Im Jahr 2013 machte uns Regisseur James DeMonaco zum ersten Mal mit der Purge bekannt. Die amtierende Partei „Die neuen Gründungsväter“ hatten diese eingeführt, um die Kriminalitätsrate und Arbeitslosigkeit gering zu halten. Die Purge ist eine Nacht im Jahr, in der für 12 Stunden alle Verbrechen, inklusive Mord, erlaubt sind. Im ersten Teil wurde eine Familie vorgestellt, die von der Purge ziemlich profitierte. Durch den Verkauf von teuren Sicherheitssystemen wurden sie sehr reich. Doch auch das beste Sicherheitssystem ist kein garant diese Nacht zu überleben. Im Jahr 2014 folgte mit Anarchy der zweite Purge-Teil. Hier wurde nun das Gegenstück der Medaille gezeigt. Die arme Bevölkerung, die sich keine Sicherheitssysteme leisten kann, und trotzdem irgendwie versucht zu überleben. Hier wird nun zum einen die große Kluft zwischen reichen Purgern und ihren armen Opfern gezeigt. Hier zeigen sich nun auch zum ersten Mal politische Einflüsse, denn die Regierung soll die Purge dafür nutzen, die arme Bevölkerung aus ihren Häusern zu entführen und massenweise zu töten, um die Sozialausgaben zu senken. In Election Year dem inzwischen dritten Teil der Reihe, wird diese Thema noch einmal verstärkt angesprochen.
Die Senatorin Charlie Roan war einst selbst Opfer in einer Purge-Nacht und überlebte diese nur knapp, während sie zusehen musste, wie ihre Familie brutal abgeschlachtet wurde. Nun kandidiert sie als neue Präsidentin, um die Purge entgültig abzuschaffen. Damit ist sie ein Dorn im Auge der neuen Gründungsväter. Also wird kurz vor der alljährlichen Purge die Immunität von hohen Politikern abgeschafft und somit das Feld für einen Attentat auf die Senatorin frei geräumt. Diese versucht jedoch nicht klein beizugeben und bleibt in ihrem Haus in der Stadt, anstatt den Rat ihres Sicherheitschefs zu befolgen und in ein Safehouse umzuziehen. Der Sicherheitschef ist inzwischen auch schon bekannt, nachdem er eine der Hauptfiguren in Anarchy verkörperte. Am Abend der Purge wird trotz aller Vorsichtsmaßnahmen das Sicherheitssystem überlistet und die Jagd auf die Senatorin mit professionellen Söldnern eröffnete. Diese muss sich nun durch die purgende Stadt kämpfen. Parallel dazu lernen wir den Ladenbesitzer Joe Dixon kennen. Er hat das Jahr über für seinen Laden extra eine Purge-Versicherung abgeschlossen. Doch ein Tag vor jener Nacht wird die Police auf einmal stark erhöht und Joe steht doch wieder ohne Versicherungsschutz da, denn die Erhöhung kann er sich nicht leisten. Also nimmt er mit seinem Freund Marcos auf dem Dach Stellung, um von dort aus den Laden zu beschützen. Dabei gabelt er zufällig auch die fliehende Senatorin auf.
The Purge – Election Year lässt keine Zweifel aufkommen, dass sich hier der Gipfel des Wahnsinns befindet. Die Purger in den Staaten lassen nicht einfach nur ihre Agressionen raus, sie metzeln einfach nur noch ab. Dabei kommen kreative Gedanken bei herum, wie das Aufstellen einer Guillotine. Auch weltweit hat das Ereignis eine so hohe Aufmerksamkeit, dass tausende von „Mordtouristen“ anreisen, nur um mitpurgen zu können. Die Purge wurde also noch nie größer gefeiert. Auch ist der dritte Teil der bisher politischste. Das Prinzip wird sehr einfach gehalten. Es gibt zwei Präsidentschaftskandidaten: Der Kandidat der neuen Gründungsväter ist für den Erhalt der Purge, die Senatorin Roan möchte die Purge am liebsten sofort abschaffen. Andere politische Ziele scheint es in diesem Wahlkampf nicht zu geben. Natürlich werden die Sympathien schnell auf Seite der Senatorin gezogen, in dem sie sehr menschenfreundlich auftritt und der Gegenkandidat eine gewissen Distanz bewahrt. Da die Senatorin tatsächlich im Wahlkampf gewinnen könnte, versuchen die neuen Gründungsväter sie in der nächsten Purge verschwinden zu lassen, während die Senatorin rein an das Prinzip der Demokratie glaubt. So werden also beide schnell in die typischen Gut und Böse Klitschees gesteckt. Natürlich darf auch die Rebellengruppe nicht fehlen, die ebenfalls gegen die Purge ist, dies aber mit drastischeren Mitteln durchsetzen will.
The Purge – Election Year schafft es ebenfalls wie seine Vorgänger ein rasantes Tempo aufzubauen und den Zuschauer komplett zu bannen. Es gibt eine gute Balance zwischen Thematik und Action und auch an neuen Ideen mangelt es dem Film nicht. Doch auch der bestgemachteste Thriller steht und fällt am Ende mit der Handlung. Und Election Year baut leider ein sehr starkes Gut/Böse-Bild auf und kann dies aber nur mit einigen Klitschees und Logiklöchern halten. Darüber kann man in diesem Fall aber großzügig hinwegsehen, denn der Film bleibt auf einem hohen Level. Allerdings lässt er auch sehr viel Spielraum für Diskussionen übrig.
Der größe Kritikpunkt dürfte aber die übertriebene Darstellung der neuen Gründungsväter sein. Grundsätzlich stellen sie eine politische Partei dar, aber wenn man von den neuen Gründungsvätern spricht, meint man immer die Köpfe in der Regierung. Diese regieren die USA nun schon seit vielen Jahren und müssen daher ja ein größeres politisches Interesse haben, als nur die Purge. Trotzdem werden sie im Film mitunter als fanatische Irren dargestellt, deren ganzer Lebensinhalt nur die Purge sein soll. Das wirkt nun so stilisiert und übertrieben, dass es dem Film einiges an Überzeugung nimmt.
Das Ende des Films ist wieder stimmig, passt ins Bild und rundet die Trilogie gut ab. Aber natürlich konnten die Macher es nicht lassen, ein Hintertürchen einzubauen für eine erneute Fortsetzung.

Alles in allem ist The Purge – Election Year der brutalste und inhaltsvollste Film der Reihe, muss aber dadurch mit einigen Logikfehlern auskommen. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.