Cinemathek: 7 Minuten nach Mitternacht

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: 7 Minuten nach Mitternacht. Der Film lief ursprünglich ab dem 04.05.2017 in den deutschen Kinos.

Conor lebt bei seiner schwer kranken Mutter. Doch da diese sich kaum noch um ihn kümmern kann, tritt seine strenge Großmutter auf den Plan. In der Schule ärgern ihn die größeren Schüler. Eines Nachts erwacht die große Eibe vor seinem Fenster zum Leben und erzählt ihm drei Geschichten.

Als Kind gibt es wohl nicht schwierigeres und kein einschneidenderes Erlebnis als der Tod eines Elternteils. Noch schlimmer ist es wohl, wenn man ein Elternteil schon mehr oder weniger verloren hat und der andere nicht durch einen Unfall einen schnellen Tod hat, sondern man mit ansieht, wie das verbleibende Elternteil jeden Tag schwächer wird und man erkennen muss, dass der Tod nicht weit sein kann.
Genau bei dieser Überlegung, der wohl schwierigsten Kindheit – außerhalb der Krimihandlungen und Gewalttaten – setzt 7 Minuten nach Mitternacht an. Conor kämpft nicht nur mit alltäglichen Problemen eines Kindes, nicht nur mit den Prügeleien der größeren Mitschüler, nicht nur mit der Angst vor der strengen Großmutter und nicht nur mit der großen Entfernung zu seinem Vater. Conor kämpft jeden Tag mit der Angst seine Mutter zu verlieren und versucht sie am Leben zu halten und dabei noch den Haushalt zu führen. Dabei quält ihn jede Nacht der gleiche Alptraum. Eines Abend erwacht die alte Eibe vor seinem Fenster zum leben. Im ersten Moment wirkt sie furchteinflößend, doch sie will nur drei Geschichten erzählen.
Die Geschichten sind alle sehr schön gezeichnet und wirken wie Wasserfarbengemälde, so dass sie sich bildlich gut von der Haupthandlung abgrenzen. Die Geschichten sind vielfältig und zunächst versteht man nicht so Recht, was sie mit der Haupthandlung zu tun haben, bis sie sich durch Parallelen einfügen. Und die Geschichten sind eine gute Abwachslung zu der knallharten Haupthandlung. Hier wird nichts beschönigt, aber auch nichts ins übertriebene dramatische gezogen. Stattdessen wird sehr nüchtern der Leidensweg einer sterbenskranken Frau und ihres Kindes erzählt. Und genau diese schockierende Realitätsnähe ist es, was den Zuschauer ganz tief drinnen berührt und kaum ein Auge trocken lässt. Die Animation des Monsters ist ebenfalls sehr gut gelungen.
Die Charaktere des Film sind alle – bis auf das Monster – direkt aus dem Leben gegriffen. Neben der kranken Mutter, gibt es den Vater, der sich bereit vor der Krankheit von der Mutter trennte und nun im weit entfernten Los Angeles lebt und nur sporadisch zu Besuch kommt. Hier wird neben der eigentlichen Handlung auch noch die Klänge der Folgen einer Scheidung deutlich.
Die Darsteller sind gut gewählt. Felicity Jones ist wieder auf alter Höhe, wie bei „die Entdeckung der Unendlichkeit“. Lewis MacDougall macht im allgemeinen als Conor eine gute Figur, schwächelt aber in einigen Szenen doch an der Bandbreite der möglichen Emotionen.

Alles in allem überzeugt Sieben Minuten nach Mitternacht auf eine schmerzhafte Weise und lässt wohl kein Auge trocken. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: The Salesman

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: The Salesman. Der Film erschien urspünglich ab dem 02.02.2017 in den deutschen Kinos.

Emad und Rana brauchen eine neue Wohnung und bekommen eine von einem Bekannten aus ihrer Theatergruppe vermittelt. Alles scheint friedlich, bis Rana eines Abends überfallen wird. Emad findet heraus, dass die Vormieterin oft Herrenbesuch hatte und sich ein Freier wahrscheinlich bei den Frauen vertan hat. Während Rana mit den psychischen Nachfolgen beschäftigt ist, versucht Emad Selbstjustiz zu üben.

Der iranische Film The Salesman war 2017 für den besten fremdsprachigen Oscar nominiert, dem Regisseur Asghar Farhadi wurde aber durch Präsident Trumps Dekret die Einreise verwährt. Nach vielen Protesten wurde eine Ausnahme gemacht, doch Farhadi wollte nun nicht mehr zur Verleihung erscheinen. Dabei gewann sein Film sogar die Kategorie.
In The Salesman spielen die beiden Protagonisten Emad und Rana mit ihrer Theatergruppe das Stück „Tod eines Handlungsreisenden“ – im Original „Death of a Salesman“ – von Arthur Miller. Emad ist ein beliebter Lehrer und lebt in einer sehr harmonischen Beziehung mit Rana. Durch Aushöhlungsarbeiten auf dem Nachbargrundstück, müssen beide ihre Wohnung aufgeben, da das Haus als Einsturzgefährdet gilt. Da sie nun schnell eine neue Wohnung brauchen, kommt ihnen das Angebot von einem Theaterkollegen ganz recht, der von einer frisch freigewordenen Wohnung weiß. So ziehen Emad und Rana dort ein, auch wenn sie sich ärgern, dass noch der Hausrat der Vormieterin ein Zimmer versperrt. Alles verläuft harmonisch, bis Rana eines Abends alleine in der Wohnung ist. Als es klingelt, glaubt sie, dass es sich um Emad handelt und öffnet die Tür. Als Emad schließlich wirklich nach Hause kommt, findet er zerbrochenes Glas und viel Blut im Badezimmer Rana trifft er schließlich mit einer Kopfwunde im Bad an. Die Nachbarn, die Ranas Schreie gehört hatten, hatten sie ins Krankenhaus gebracht und erzählten Emad nun zum ersten Mal von der Vormiterin. Diese scheint nämlich sehr viel „Herrenbesuch“ gehabt zu haben. Während Rana darauf besteht, die Polizei nicht anzurufen, möchte Emad Gerechtigkeit für seine Frau. So verrennt er sich in Selbstjustiz, während Rana ihn eher bräuchte, um die psychischen Nachfolgen zu verarbeiten.
Asghar Farhadi kreiert mit The Salesman einen sehr langsam und ruhig erzählten Film. Er gibt dem Zuschauer am Anfang genügend Zeit, um sich aus seiner eigenen Sichtweise zu lösen und im Iran des 21. Jahrhunderts anzukommen. Auch gewährt er Zeit, um sich von den Vorurteilen zu lösen und sich auf die eigentliche Geschichte einzulassen. Durch die Theaterproben wird immer wieder ein roter Faden gezogen. Erst nachdem man mit allen Figuren bekannt gemacht wurde, wird Rana angegriffen. Dabei wird die Vergewaltigung angedeutet, aber niemals ausgesprochen. Ebenso wird bei der Vormieterin angedeutet, dass es sich um eine Prostituierte handele, aber das Wort selbst fällt nie.  So bleibt die Interpretation der Handlung und Reaktionen dem Zuschauer vorbehalten. Rana entscheidet sich bewusst, nicht zur Polizei zu gehen, weil sie dort nicht über das Geschehene sprechen mag. Dies ist gut nachvollziehbar, auch ihre darausfolgende Angst vor dem Alleine in der Wohnung bleibens. Emads Verhalten ist daraufhin weniger nachzuvollziehen. Denn anstatt sich richtig um Rana zu kümmern und ihre Ängste und Sorgen nachzuvollziehen, verrennt er sich in seiner Selbstjustiz.
The Salesman punktet durch seine vielschichtige herangehensweise an das Thema einer möglichen – da immer nur angedeuteten – Vergewaltigung. Er befasst sich zum einen mit den Folgen für Rana als auch mit dem Umgang im direkten Umfeld. Emad als Mann wird beleuchtet, ebenso wie die Schauspielkollegen und die Nachbarn. Hier hebt er sich stark von vergleichbaren Filmen ab, wie beispielsweise der im gleichen Jahr erschienene französische Film „Elle“. Auch wird hier auf plakative Szenen, wie die offene Vergewaltigung verzichtet. Rana wird nicht direkt in die Opferrolle gedrängt, indem sie heulend und schluchzend sich unter einem Vergewaltiger windet, sondern nur passiv, da sie sich immer wieder für ihre Entscheidung nicht zur Polizei zu gehen rechtfertigen muss.
Andererseits kämpft The Salesman an vielen Stellen mit seiner ruhigen Erzählweise. So kann dem Zuschauer die Bedeutung einiger Szenen abhanden kommen, da sie im gleichen Ton erzählt werden, wie die unwichtigeren Einleitungsszenen. Auch hat die Synchronisation den Haken, dass viele Dialoge im O-Ton wahrscheinlich Sinn ergaben, in der deutschen Synchronisation aber sehr witzig herüberkamen, da solche Formulierungen für uns sehr untypisch sind.

Alles in allem ist The Salesman ein ruhiger Film mit einem schwierigen Thema, der die Balance nicht immer halten kann. Nach Sichtung des diesjährigen Oscargewinners als bester fremdsprachiger Film, halte ich Unter dem Sand immer noch für den besseren Kandidaten. The Salesman erhält 06 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Den Sternen so nah

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Den Sternen so nah. Der Film lief ursprünglich ab dem 07.02.2017 in den deutschen Kinos.

Gardner Elliott ist der erste auf dem Mars geborene Mensch. Seine Mutter starb bei seiner Geburt und hätte eigentlich schwanger gar nicht an der Marsmission teilnehmen dürfen. Gardner kann jedoch durch seine Geburtsumstände nicht auf die Erde, weil sein Herz das nicht schaffen dürfte. Aber leider hat er sich bereits in den Planeten Erde verliebt und in das rebellische Mädchen Tulsa.

Was passiert, wenn wir irgendwann nicht mehr genug Ressourcen auf der Erde haben? Ist der Mars dann wirklich eine Alternative? Mit diesen Fragen befasst sich im Film “Den Sternen so nah” das Unternehmen Genesis, gegründet und geleitet von Nathaniel Shepherd. Erste Teams sollen immer für ein paar Jahre den Mars besiedeln und auf die Lebensfähigkeit testen. Unter dem ersten Team ist Sarah Elliott. Erst an Bord wird bemerkt, dass sie schwanger ist. Da keiner die Mission abbrechen will, bekommt Sarah schließlich ihren Sohn Gardner auf dem Mars. Das hat zwei Konsequenzen. Zum einen überlebt Sarah die Geburt nicht, zum anderen kann unterscheidet sich Gardners Muskel- und Körperauffbau von den anderen Menschen, so dass es für ihn sehr gefährlich bis unmöglich sein wird auf die Erde zu kommen. Also beschließen die Verantwortlichen eine Vertuschungsaktion zu starten. Offiziell starb Sarah an einem kaputten Raumanzug und Gardner existiert offiziell nicht.
Jahre später ist Gardner inzwischen zum Teenager herangewachsen. Noch immer ahnt niemand auf der Erde von seiner Existenz. Über das Internet hat er Kontakt zu einem auf der Erde lebenden Mädchen namens Tulsa. Die Wahrheit darf er ihr nicht sagen, also lügt er ihr eine Krankheit vor und das er deswegen nicht das Haus verlassen darf. Bis er eines Tages die Chance bekommen soll und auf die Erde darf. Dort entkommt er Genesis und sucht zunächst Tulsa auf, um mit ihrer Hilfe nach seinem Vater zu suchen.
Den Sternen so nah ist eine wilde Mischung aus verschiedenen Genres. Zum einen ist es eine klassische Geschichte über die erste große Liebe zwischen Gardner und Tulsa, die mit unterschiedlichen Problemen bestückt ist. Zum anderen ein Coming-of-Age Film über das heranwachsen in fast vollkommener Isolation. Gardner hat auf dem Mars keine Gleichaltrigen, mit denen er sich über seine Gefühle und Gedanken austauschen könnte. Auch lernt er viel über die Gepflogenheiten der Erdbewohner aus Filmen, da ihm die Astronauten immer nur alles wichtige über den Mars beibringen. Als drittes großes Thema geht es im Science-Fiction Bereich über die Möglichkeiten den Mars wirklich dauerhaft zu besiedeln und welche Chancen und Risiken dies bildet. Obwohl alle Themen in ihrer Komplexität auf das wichtigste reduziert werden, wirkt der Film weder überladen, noch aussagelos. Gerade die Mischung der verschiedenen Genres lässt den Film aus der grauen Masse hervorheben. So hat man in großen Teilen ein Road-Movie, wenn Gardner und Tulsa auf der Suche nach Gardners Vater sind. Hier ist die Stimmung sehr locker und leicht, wodurch man trotz schwieriger Themen am Ende beschwingt den Kinosaal verlässt. Leider ist dieser Teil wesentlich länger als die restlichen Themengebiete, weswegen oft Fragen offen bleiben oder sich Ungereimtheiten einschleichen.
Der Spannungsfaktor schwankt immer mal wieder während der Laufzeit und weist gerade in der Mitte einen Abfall vor, da sich der Film an dieser Stelle etwas verliert. Dies wird aber wieder gut gemacht durch Gardners ganz neuen Blick auf die Welt, die sie voller Herz ist und einem erst einmal wieder vor Augen führt, wie schön doch unsere Erde ist, wenn man sie nicht jeden Tag vor Augen hat.
Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg gut. Asa Butterfield scheint als Teenagerrolle immer eine gute Wahl zu sein und zeigte nun nach Enders Game und Die Insel der besonderen Kinder erneut sein Können. Diesmal hatte er niemand geringeres als Gary Oldman an seiner Seite, der seine Rolle gut spielt, aber doch hinter seinen Möglichkeiten bleibt.

Alles in allem ist Den Sternen so nah ein solider Film, der die Balance aus verschiedenen Genres nicht immer hält, aber mit viel Herz doch einen schönen Film kreiert. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Florence Foster Jenkins

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Florence Foster Jenkins. Der Film lief ursprünglich ab dem 24.11.2016 in den deutschen Kinos.

Madame Florence Foster Jenkins ist sehr wohlhabend, aber auch sehr krank. Ihr einziger Lebensinhalt ist die Musik. Da ihr das Klavierspiel durch eine Nervenschädigung verwehrt bleibt, singt sie für ihr Leben gerne Arien. Das einzige Problem an der Sache: Sie kann absolut nicht singen. Doch ihr Mann St. Clair Bayfield setzt alles daran, dass sie ihren Traum leben kann und niemals erfährt, wie schlecht sie singt.

Jahr für Jahr treten bei den verschiedensten Castingshows im deutschen Fernsehen Leute an, die unbedingt wollen, dass ihr Talent entdeckt wird. Gerade offene Gesangscastings zeigen aber schnell, dass nicht jeder das Talent hat, was er in sich selbst zu schlummern glaubt. Aber was, wenn man gar nicht auf die Castingshows angewiesen wär, sondern gleich das nötige Geld hätte, um Konzerte geben zu können oder gar Platten aufzunehmen?
Florence Foster Jenkins lebt praktisch nur für die Musik. Durch ein großes Erbe ist es ihr vergönnt, ihr ganzes Leben nach der Musik auszurichten. Bereits als Kind spielte sie begeistert Klavier und feierte Erfolge damit, doch nach einer Erkrankung, die unter anderem ihre Nerven schädigte, kann sie nicht mehr spielen. Also widmet sie ihr Leben nun auf andere Weise der Musik. Zum einen spendet sie immer wieder großzügig an verschiedene musikalische Einrichtungen, zum anderen singt sie für ihr Leben gern. Dafür engagiert sie extra einen Gesangslehrer von der Metropolitan Opera und den Klavierspieler Cosme McMoon. Dieser ist sehr überrascht, als er sie zum ersten Mal singen hört. Denn Madame Jenkins Gesang besteht aus einer Aneinanderreihung schiefer Töne und der Nichtachtung des Takts. Doch ihr Mann und ihr Gesangslehrer loben ihren Gesang in den höchsten Tönen. St Clair Bayfield, ihr Mann, setzt eine Menge Geld ein, damit immer nur ausgewählte Menschen ihren Gesang hören und sie hinterher loben können. Denn eine echte Kritik, so befürchtet er, könnte ihren Gesundheitszustand verschlechtern.
Florence Foster Jenkins ist ein etwas gespaltener Film. Denn zum einen thematisiert er eine unglaubliche Leidenschaft zur Musik und die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe und einer tiefen Freundschaft. Andererseits spielt er 1944, also noch mitten im zweiten Weltkrieg und thematisiert nebenbei die schrecklichen Folgen einer Krankheit. Die Grundstimmung ist jedoch während des ganzen Films sehr positiv. Die “negativen” Aspekte, wie Krieg und Krankheit werden dabei dem Zuschauer etwas untergeschoben. So kann man Florence Foster Jenkins mit einer Leichtigkeit gucken und sich an Madame Jenkins Auftritten erfreuen, ohne genauer über die ganzen Umstände nachzudenken. Trotzdem trifft einen gleichzeitig ihre Geschichte, denn sie singt sich – trotz schiefer Töne – in die Herzen der Zuschauer.
Das liegt vor allem an Meryl Streeps Schauspielkünsten. Diese schwanken bekanntlich von Film zu Film, aber als Florence Foster Jenkins ist sie wieder in Höchstform. In einem Interview sagte sie, dass für sie die größte Hürde der Rolle war, wirklich schief zu singen. Bereits in Mamma Mia zeigte sie, dass sie eigentlich singen kann und auch für Florence Foster Jenkins arbeitete sie mit einem Lehrer für Arien zusammen. Erst kurz vor Drehbeginn musste sie lernen diese Lieder schief zu singen. Vor allem die Überwindung zu haben Lieder bewusst schief zu singen, im Bewusstsein, dass jeder der dies hört unweigerlich anfangen wird zu lachen. Chapeau Mrs Streep!
Die übrigen Schauspielleistungen siedeln sich souveränen Bereich an und stechen nicht heraus. Lediglich Simon Helbergs Synchronstimme scheint nicht so richtig zu seiner Rolle zu passen. Sie spricht sehr hoch und piepsig und schafft die Betonungen der Mimik nicht widerzuspiegeln.
Der Film erzählt die Geschichte sehr geradlinig, ohne Schnörkel oder überflüssige Dialoge. Dabei überzeugt vor allem das Gute Herz von Madame Jenkins, was den Film so sehenswert macht. Ein richtiger Spannungsfaktor kommt nur bedingt auf, ist bei diesem Film aber auch überflüssig.

Alles in allem ein Film, der die Herzen berührt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Morris aus Amerika

Willkommen in der Cinemathek, heute mit Morris aus Amerika. Der Film lief ursprünglich ab dem 03.11.2016 in den deutschen Kinos.

Morris ist aus Amerika, musste aber nach dem Tod seiner Mutter zu seinem Vater nach Heidelberg ziehen, weil dieser hier einen Trainerjob hat. Er tut sich schwer die Sprache zu lernen und möchte eigentlich gerne Rapper werden. Doch Freunde findet er auch keine, bis er auf Katrin trifft.

Man stelle sich vor, man wird mit 13 Jahren aus seinem normalen Leben gerissen und muss in ein fremdes Land ziehen, in dem man die Sprache nicht spricht und niemanden kennt, außer den eigenen Vater, der aber wiederum den ganzen Tag arbeiten ist. So ist man größtenteils auf sich allein gestellt. Nun die Situation ist vielleicht kein Einzelfall, wird aber in Morris aus Amerika aufgegriffen.
Wir lernen zunächst Morris und seinen Vater beim Musik hören kennen. Schon hier merkt man, dass sie beiden eigentlich ein sehr kumpelhaftes Verhältnis haben und es Morris teilweise schwer fällt, seinen Vater als Respektperson ernst zu nehmen. Beide kommen ursprünglich aus Amerika, genauer gesagt aus New York. Jetzt wohnen sie in Heidelberg, Deutschland, weil sein Vater Curtis hier einen Job als Fußballtrainer angenommen hat. Morris Mutter ist erst vor kurzem verstorben und gerade Curtis hat den Tod noch nicht überwunden und fragt sich immer wieder, wie er ohne sie Morris groß ziehen soll. Morris spricht bisher nur gebrochenes Deutsch und besucht daher eine Deutschlehrerin, die ihn gleichzeitig ermuntert in den Sommerferien ein Jugendzentrum aufzusuchen und dort Freunde zu finden. Widerwillig geht Morris tatsächlich zu diesem Jugendzentrum. Doch dort trifft er nur auf Vorurteile. Die anderen Kinder hänseln ihn, weil er etwas dicker ist und nennen ihn abwertend „Big Mac“. Die einzige, die ein bisschen Interesse an ihm zu haben scheint ist die 15-jährige Katrin. Allerdings bringt sie Morris auch immer wieder in Schwierigkeiten.
Morris aus Amerika ist ein Film, der sich nicht so ganz sicher zu sein scheint, was er aussagen möchte. Zum einen nimmt er sich dem Thema Integration an und wie schwer es einem dabei gemacht werden kann. Gleichzeitig auch die Entfremdung der eigenen Kultur, wenn man auf eine neue trifft. Andererseits aber auch die Rebellion von Teenagern und der schwierigen Erziehung dieser. Da sich der Film nicht entscheiden kann, bezieht er alle Themen mit ein und sagt einfach gar nichts aus. Die 91 Minuten Laufzeit tröpfeln so vor sich hin, ohne das wirklich etwas passiert. Ständig wartet man darauf, dass wenigstens ein Thema genauer beleuchtet wird, doch nichts passiert. Stattdessen gibt der Film leere Phrasen wieder – wenn überhaupt mal ein richtiger Dialog geführt wird, was selbst schon relativ selten vorkommt – und versteckt sich hinter Vorurteilen.
Auch die Charaktere sind sehr eindimensional. Morris ist der dicke schwarze Junge aus Amerika. Deswegen mag er unweigerlich Rap und will natürlich Rapper werden. Weil seine Rap-Vorbilder natürlich nur über Nutten, Sex, Alkohol und Beleidigungen schreiben, können auch seine Texte nur davon handeln. Naiv lässt er sich von Katrin immer wieder in Schwierigkeiten bringen, obwohl er natürlich irgendwo weiß, dass sein Handeln falsch ist. Damit ist er aber auch noch der am besten charakterisierte Charakter des Films. Denn Katrin ist einfach nur diejenige, die komplett gegen ihre Eltern rebelliert, ohne das man weiß, wieso sie das tut, oder was ihre Eltern ihr getan haben. Deswegen raucht sie, nimmt Drogen, geht immer wieder heimlich auf Partys und hat natürlich einen Studenten als Freund, der sie auch schon zum Sex verführen will. Während dies alles in das Klitschee ihrer Rolle passt, hat sie doch irgendwo ein Interesse an Morris. Man weiß nicht wieso, denn es scheint über das allgemeine „Lass uns über Morris lustig machen, weil er dick ist“ hinaus zu gehen. Sie schleppt Morris mit auf Partys und will ihn zum Rauchen und zum Drogen nehmen verführen, scheint ihm damit aber nicht schaden zu wollen. Hier verliert sich der Film dann gänzlich und erzählt praktisch nichts mehr.
Curtis ist der typische frisch gebackene alleinerziehende Vater. Er ist mit der Erziehung überfordert, trauert noch immer und muss gleichzeitig versuchen den Lebensunterhalt für sich und Morris zu verdienen. Daher arbeitet er viel und lange und hat wenig Zeit für Morris. Trotzdem versucht er alles, um ein guter, aber auch ein cooler Vater zu sein.
So verliert Morris aus Amerika sich in Vorurteilen, nichtssagenden Dialogen und hat auch nach 91 Minuten noch keine Aussage getroffen. Das einzig wirklich positive am Film ist die wunderschöne Kulisse der Stadt Heidelberg (und ja ich bin voreingenommen, denn ich halte Heidelberg für die schönste Stadt Deutschlands!).

Ein Film, der sich besser aus ein Thema konzentrieren und seinen Charakteren sinnvolle Handlungen geben sollte. Für diese doch sehr schwache Leistung gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Ostfriesisch für Anfänger

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Ostfriesisch für Anfänger. Der Film lief ursprünglich ab dem 27.10.2016 in den deutschen Kinos.

Uwe Hinrichs lebt in Ostfriesland und schnackt nur platt. Hoch verschuldet, wurde sein Haus zwangsversteigert und soll nun eine Integrationsstätte für Fachkräfte aus dem Ausland werden. Doch Uwe lebt heimlich weiter in seinem Haus, da er nicht weiß, wohin er sonst soll. Dort wird er eines Tages von den Fachkräften überrascht. Und soll ihnen von nun an Deutsch beibringen. Doch Uwe spricht nur platt und unterrichtet dann auch dies.

Die Flüchtlingskrise ist noch immer in aller Munde. Über die Gründe warum geflüchtet wird, muss man wahrscheinlich nicht einmal mehr sprechen, die Bilder aus den Nachrichten sind zu eindeutig. Doch damit befasst sich Ostfriesisch für Anfänger gar nicht. Hier geht es um eine Gruppe Ausländer, die sich bewusst in Deutschland beworben haben, um hier als Fachkräfte zu arbeiten. Und Deutschland braucht diese Fachkräfte und unterstützt sie daher in ihrem Vorhaben. Und genau darum geht es in diesem Film.
Die Stadt Niederhörn hat sich für das Integrationsprogramm von ausländischen Fachkräften beworben. Doch als diese ankommen, finden die Betreuer eine große Einöde vor und das Schulgebäude, in dem die Sprachkurse stattfinden sollen ist eine Bruchbude. Diese Bruchbude war bis vor kurzem noch das Haus von Uwe Hinrichs. Hier lebte er mit seiner Frau Elfriede, ehe diese vor ein paar Jahren verstarb. Weil die Werft, in der Uwe jahrelang arbeitete Pleite ging, konnte er seinen Kredit nicht rechtzeitig zahlen und so ist er nun an sich Obdachlos, da sein Haus zwangsversteigert wurde und somit der Gemeinde in die Hände fiel. Eigentlich ist er Rentner, arbeitet aber noch in einer Tankstelle. Da diese, die er als Franchisenehmer betreibt, auch kaum schwarze Zahlen schreibt, steht er mit seinem vorgesetzten Franchisegeber ebenfalls auf Kriegsfuß. In sein relativ trostloses Leben passt am allerwenigsten noch eine Horde Ausländer, die zwar allesamt englisch sprechen, was aber Uwe nicht spricht, die in seinem Haus leben. Als er dann auch noch zwangsverpflichtet wird, den Fachkräften Deutsch beizubringen, wird es ihm erst recht zu bunt. Kurzerhand bringt er den Fachkräften Plattdeutsch bei. Chaos ist hier vorprogrammiert.
Man sollte meinen, dass die deutsche Filmwelt nur Schema F kann bei Filmen. Denn auch hier wird 1:1 der typische Dramenaufbau nachgebaut. Grundsituation schaffen, Problem taucht auf, Problem wird eher schlecht als recht versucht zu lösen, Problem und Protagonist freunden sich an, der große Knall und das anschließende Scherben aufsammeln. Während es bei manchen Filmen mit frischen Ideen oder interessanten Problemen noch sehenswert ist, fehlt hier jeglicher Identifizierungspunkt. Irgendwo werden die Themen Heimatliebe und warum man sie verlassen würde angesprochen, aber auch nicht näher vertieft. Damit handelt der Film die Thematik und auch die Handlung sehr oberflächlich ab, verstrickt sich in nichtssagenden Dialogen und lässt den Zuschauer etwas gelangweilt im Kinosaal zurück. Lediglich Dieter Hallervorden als Uwe Hinrichs bringt überhaupt etwas Spaß auf die Leinwand. Seine unvergleichliche Art schafft es dem Film wenigstens etwas besonderes zu geben.
Aber was möchte Ostfriesisch für Anfänger denn eigentlich? Für eine Komödie ist der Film nicht lustig genug, für ein Drama hat er nicht genug Tiefe. Im Endeffekt bringt er den Ostfriesen noch einmal ein wenig Heimatgefühl mit. So viel Platt wurde wohl selten auf der großen Leinwand gesprochen. Es werden viele Vorurteile aufgegriffen, dann aber leider auch so stehen lassen. Letztendlich wurde wohl eher der Dialekt verteidigt. Und zwischendurch gab es schon ein paar ganz lustige Momente.

Alles in allem weiß Ostfriesisch für Anfänger nicht, was sie erzählen wollen, nicht welche Zielgruppe sie ansprechen wollen und auch nicht, was für ein Genre sie eigentlich sein wollen. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Café Society

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Café Society. Der Film lief ursprünglich ab dem 10.11.2016 in den deutschen Kinos.

In den 1930er Jahren versucht der junge Bobby zunächst in Hollywood und später in New York seinen Weg zu finden. Doch auf seinem Weg trifft ihn die Liebe.

Hollywood in den 1930er Jahren, das goldene Zeitalter. Filmpläne werden auf rauschenden Partys besprochen und es ist ein reines Sehen und Gesehen werden. Genau in diese Zeit entführt uns Woody Allen mit seinem neuen Film.
Bobby will nicht in das Geschäft seines Vaters einsteigen und verlässt daher New York und zieht nach Los Angeles. Auf Bitte seiner Mutter nimmt sein Onkel Phil ihn ein bisschen unter seine Fittiche. Phil führt eine erfolgreiche Casting-Agentur in Hollywood und hat wenig Zeit für Bobby. Dieser verliebt sich in Phils Sekretärin Vonnie, die ihm die Stadt zeigt. Nach anfänglichem Zögern erwidert sie seine Gefühle. Doch es gibt kein Happy-End für die beiden und nach einer Entscheidung Vonnies kehrt Bobby dem Leben in Los Angeles den Rücken zu und kehrt nach New York zurück. Dort eröffnet er mit Hilfe seines Bruders Ben, der viel Geld durch kriminelle Machenschaften verdiente, einen Club, der sehr schnell sehr bekannt wird. Doch Vonnie kann er nicht vergessen.
Café Society ist ein Film, der praktisch ohne große Aussage bleibt. Auch ist es schwierig eine Handlungszusammenfassung zu schreiben, weil der Film gemütlich vor sich hin plätschert und eher ein Gefühl als eine Handlung vermittelt. Grundsätzlich wird der Kontrast zwischen Los Angeles bzw. der schillernden Welt von Hollywood und New York und deren Gangsterszene dargestellt, obwohl beide Seiten gleichwertig und urteilsfrei dargestellt werden. Hollywood wird immer sonnig und in eher goldenen Farbtönen dargestellt. Hier werden viele Partys gefeiert, auf der sich alles was Rang und Namen in der Filmbranche hat, trifft. Es lockt das große Geld mit scheinbar wenig Aufwand. New York wird im starken Kontrast dazu eher grau dargestellt. Hier gibt es weniger Gartenpartys, hier leben eher die echten Arbeitstiere. Die Grundeinstellung ist hier: Wer sich anstrengt, kann es ganz nach oben schaffen. Unser Protagonist Bobby stolpert im Laufe des Films in beide Leben einmal hinein. Während sein Onkel Phil in Hollywood voll und ganz aufgeblüht ist, findet er seinen Weg eher in New York.
So plätschert die Handlung vor sich hin, beschäftigt sich mit Phil und seinen Geschäften in Los Angeles, beschäftigt sich mit Ben, Bobbys Bruder, und seine kriminellen Machenschaften in New York und vor allem mit unserem Protagonisten Bobby und seiner großen Liebe Vonnie, zeigt uns von allen Seiten das Leben zu der Zeit. Der Film möchte auch gar nichts groß aussagen. Er möchte einfach nur einen Querschnitt durch die Zeit machen. Und mit seiner gemütlichen Art und dem Witz an angebrachten Stellen schafft er es auch den Zuschauer irgendwo abzuholen und 96 Minuten zu unterhalten. Ein Film für Kinogänger, die einmal wenig Action und trotzdem nicht viel nachdenken wollen, sondern sich einfach nur an eine ganz andere Zeit zurückdenken wollen.
Mit einem guten Cast u.a. mit Steve Carell und Jesse Eisenberg lässt sich der Film gut angucken. Lediglich Kristen Stewart sticht einmal mehr negativ hervor, da ein Gesichtsausdruck auch für diesen Film nicht ausreicht.

Alles in allem ein sehr ruhiger Film, der lediglich von der Zielgruppe der ruhesuchenden Kinogänger angesehen werden sollte. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Whiskey Tango Foxtrott

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Whiskey Tango Foxtrott. Der Film lief ursprünglich ab dem 02.06.2016 in den deutschen Kinos.
Die Jounalistin Kim Barker wird als Auslandsreporterin in Afghanistan eingeteilt. Hier schafft sie es nicht nur ihrer Karriere auf die Sprünge zu helfen, sondern lernt auch eine ganz andere Kultur näher kennen.
Zunächst einmal einen verwirrten Blick auf den Filmtitel. Was haben diese drei Wörter denn mit der Handlung zu tun. Sie stehen im NATO Alphabet für die Buchstaben WTF, was eine vielbenutzte Abkürzung für What the F*** ist. Und genau das denkt man sich mehrfach während des Films über: What the F***!
Zunächst lernen wir die Journalistin Kim Barker kennen. Sie arbeitet bei einem Kabelsender in New York und tippt da die meiste Zeit die Beitragstexte für die Sendungen. Ihr Alltag gleicht sich jeden Tag aufs Neue und ihren Freund sieht sie auch kaum, weil dieser ständig auf Geschäftsreise ist. Diese Umstände frustrieren Barker zunehmend. Doch eines Tages werden alle unverheirateten und kinderlosen Mitarbeiter des Senders zusammengerufen. Es wird jemand benötigt, der nach Kabul reist und in Afghanistan als Auslandsreporterin fungiert und das zu einer Zeit, in der der Krieg zwar vorüber scheint, das Land aber trotzdem einfach nicht zur Ruhe kommt. Nach kurzem Zögern meldet sich Barker freiwillig und sieht sich schneller in einem Flugzeug nach Kabul als ihr Lieb war. Dort machen sich zunächst ein paar Startschwierigkeiten bemerkbar, denn Kabul ist ein ganz anderes Pflaster als New York. Doch zusammen mit Sicherheitsmann Nic, Kameramann Brian, Dolmetscher Fahim und Kollegin Tanya Vanderpoel versucht sie dies zu meistern. Dabei begibt sie sich für eine gute Story in größere Gefahr, als sie müsste.
Whiskey Tango Foxtrott vereint mehrere Themen in einem Film. Zum einen den Ausbruch aus dem Alltag. Wenn man einfach merkt, dass man in seinem Alltag festgehfahren ist und es privat und beruflich kein Vorwärtskommen mehr gibt.
Viele Filme behandeln dieses Thema dann immer mit einer großen Reise (Eat Pray Love), einer großen Wandertour (Picknick mit Bären, Wild – der große Trip) oder einen anderen Weg zur Selbstfindung. Diesmal geht es zwar auch um eine räumliche Veränderung, aber wie soll man an einem Ort, an dem man ständig Schüsse hört, die Chance besteht, dass eine Bombe in der Nähe gezündet wird und man als Frau wenig Rechte hat, sich selbst finden können? Ein weiteres großes Thema ist der Afghanistan-Krieg und die journalistische Berichterstattung. Die Handlung des Films beginnt 2003. Zu diesem Zeitpunkt gab es zwar noch vermehrt Berichte über den Krieg, aber er wird praktisch schon als beendet angesehen, da im Nachbarland der Irak-Krieg wütet und dieser aktuell viel mehr Aufmerksamkeit in den Medien bekommt. Es geht darum, dass viele Journalisten trotzdem in Kabul lebten, obwohl sie kaum noch Zeit dafür in den Nachrichtensendungen bekamen und sich daher für eine gute Story in immer größere Gefahr begaben. Auch als drittes großes Thema geht es darum, wie sehr man sich menschlich verändert, wenn man aus seinem alltäglichen Leben ausbricht und nun einen Alltag in einem Land hat, in dem man ständig in höherer Gefahr schwebt, aber gleichzeitig sexuell
begehrter ist. Das vielgenannte „4 – 10 – 4“-Prinzip, wird als Auslöser für Charakterveränderungen genannt. Dieses Prinzip sagt aus, dass man im Heimatland von der sexuellen Attraktivität auf der Wertungsskala eine 4 war, in Kabul nun automatisch zu einer 10 aufsteigt und später im Heimatland wieder zu einer 4 absteigt. Auch seien die sexuellen Spannungen unter den Journalisten viel stärker, und auch die ausschweifenden Partys im Journalistenlager sind eine Folge davon.
Diese drei großen Themen balanciert Whiskey Tango Foxtrott perfekt aus, so dass alle Themen genügend Spielraum haben und eine gute Koexistenz bilden. Man verfolgt Barkers Leben und Arbeit in Kabul und muss vielleicht nicht alles gut finden, was sie macht. Der Film lässt genügend Freiraum für Gegenmeinungen, um so eine Diskussion innerhalb des Films zu erlauben. Als Zuschauer kann man sich dadurch aussuchen, welche Meinung man vertritt, weil man über die meisten Themen genügend Informationen erhält. Lediglich über den Einfluss der Taliban, die zu dem Zeitpunkt schon wieder auf dem Vormarsch waren, gibt es relativ wenig Informationen. Der Film hält sich politisch gesehen sehr zurück. Zwar verfolgen wir hauptsächlich die Berichterstattung der Amerikanerin Barker, aber im Journalisten-Camp in Kabul lernen wir auch die Britin Tanya Vanderpoel, den Schotten Iain MacKelpie und viele weitere Nationalitäten kennen, wodurch es sich nicht auf die amerikanische Sicht konzentriert. Zudem wird auch die Sicht des Militärs vor Ort wiedergegeben, die Barker immer mal wieder begleitet.
Whiskey Tango Foxtrott startet den Film mit einer sehr rasant steigenden Spannungskurve, die sich lange hoch hält. Leider zieht sich der Film ab dem letzten Drittel etwas, da er wenig neues erzählt und die Handlung nur noch künstlich versucht in die Länge zu ziehen. Erst zum Finale hin, nimmt die Spannung wieder zu. Leider ist zu diesem Zeitpunkt beim Publikum schon sodie Luft raus, dass es einem schwer fällt, noch einmal richtig mit zu fiebern. Das Ende selbst ist rund und schafft einen gelungenen Abschluss.
Tina Fey übernimmt die Rolle der Kim Barker. Bisher kannte man Fey hauptsächlich aus dem Komödienbereich, weswegen es sehr erfrischend war, ihr komplettes Talent ausgeschöpft zu sehen. Sie gibt der Figur Barker Selbstzweifel, Resignation und dazu das gewisse Etwas, das eine große Nähe zum Zuschauer mit sich bringt.
Auch die übrigen schauspielerischen Leistungen sind allesamt gut.
Alles in allem eine schöne filmische Darstellung des Journalismu-Lebens in Kabul. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Toni Erdmann

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Toni Erdmann. Der Film lief ursprünglich ab dem 14.07.2016 in den deutschen Kinos.

 Winfried Conradi ist pensioniert und hat ein Faible für Scherze. Als sein Hund stirbt, beschließt er endlich eine bessere Beziehung zu seiner Tochter zu bekommen. Diese arbeitet derzeit als Unternehmensberaterin in Rumänien und versucht dort als Frau in einer Männerdomäne Fuß zu fassen. Als ihr Vater eines Tages einfach so vor ihrer Tür steht, passt ihr das gar nicht.

Toni Erdmann ist ein Film über eine Vater-Tochter-Beziehung, die zum Anfang des Films eigentlich gar keine Beziehung mehr ist. Winfried Conradi lebt in Deutschland und ist inzwischen in Pension gegangen. Freude im Leben findet er eigentlich nur noch an seinen Scherzen, denn er ist getrennt, seine Tochter arbeitet in fernen Ländern und selbst sein letzter Klavierschüler ist der Ansicht ihn nicht mehr zu brauchen. Als dann auch noch sein Hund stirbt, hält ihn gar nichts mehr in Deutschland. Also versucht er die praktisch nicht existente Beziehung zu seiner Tochter aufzubessern, in dem er sie in Rumänien besucht. Ines Conradi arbeitet aktuell in Bukarest als Unternehmensberaterin und muss sich nicht nur in einer Männerdomäne behaupten, sondern versucht auch verzweifelt einen wichtigen Kunden an Land zu ziehen. Daher schläft sie kaum und ist praktisch den ganzen Tag am arbeiten. Darunter leidet ihr Privatleben und wirklich glücklich ist sie mit allem auch nicht. Aber als auf einmal ihr Vater in der Lobby ihrer Firma steht, scheint dies ihr größtes Problem zu sein. Trotzdem nimmt sie ihn zu diversen Terminen mit, ist aber ziemlich pikiert über die Äußerungen ihres Vaters über ihre viele Arbeit vor wichtigen Kunden. Es kommt zu mehreren Auseinandersetzungen, weil ihr Winfried ihren Lebensstil einfach nicht begreifen will. Als er endlich abreist, scheint wieder Normalität bei Ines einzutreten. Bis ein ominöser Toni Erdmann immer wieder in ihrer Nähe auftaucht und sich immer wieder als jemand anderer ausgibt, mal als Coach von ihrem Klienten, dann wieder als deutscher Botschafter. Natürlich erkennt sie ihren Vater unter der Maskerade, spielt aber doch immer wieder mit. Auch Ines und Toni Erdmann geraten immer wieder aneinander, trotzdem scheint die Beziehung zwischen Vater und Tochter sich zu bessern.
Toni Erdmann ist ein Film, der trotz einer Lauflänge von 162 Minuten beinahe ohne aussagekräftige Dialoge auskommt. Es wird immer nur „um den heißen Brei“ herumgeredet, weil keine Partei sich eine Schwäche eingestehen möchte. Dadurch ist ein sehr realistischer Film entstanden, denn wie oft im Leben wollte oder konnte man einfach nicht das sagen, was einem auf den Lippen lag und versteckte sich daher hinter Floskeln? Allerdings bringt dies den Film gleichzeitig auf eine Ebene, in der man Aussagen und Handlung interpretieren muss, um sie zu verstehen. Doch auch wenn die Interpretation nicht gelingt, schafft Toni Erdmann es, eine lockere Erzählweise an den Tag zu legen und durch sehr punktuierten Witz zu überzeugen. Die Gagdichte ist zwar sehr gering, dafür haben die Witze es aber in sich und schafft es das alle Generationen, ob jung ob alt, beinahe auf dem Boden lagen vor Lachen. Die 162 Minuten Spielzeit sind kaum zu merken.
Toni Erdmann geht als Oscarkandidat für Deutschland ins Rennen. Ob es zu einer Nominierung kommt, wird im Januar 2017 bekannt gegeben. Für seine Leistung gibt es hier 07 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Mängelexemplar

Willkommen in der Cinemathek, heute mit „Mängelexemplar“. Der Film lief am 12.05.2016 in den deutschen Kinos an.

Karo verliert erst ihren Job, dann ihren Freund und verliert sich dann in einer Depression. Ihre beste Freundin möchte nichts mehr mit ihr zu tun haben und auch ihre Familie ist nicht gerade intakt. Aber wie kommt man aus diesem Kreislauf wieder heraus?

Depressionen sind eine psychische Störung, über die noch immer sehr wenig bekannt ist und deren Symptome meist sehr spät erkannt werden. Studien nach ist die Verbreitung nicht klar einzugrenzen, da sie weltweit auftritt, in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern. Der Film Mängelexemplar befasst sich mit Karo. Karo ist ein Beispiel von vielen und zeigt mögliche Ursachen und mögliche Lösungswege. Karo war noch nie ein sehr fröhlicher Mensch und leidet unter der Scheidung ihrer Eltern, die ihre Mutter in eine Depression stürzte. Daher ist sie zum großen Teil bei ihren Großeltern aufgewachsen, doch inzwischen ist ihr Großvater verstorben. Durch ihre negative Art verliert sie am Anfang des Films erst ihren Job, vergrault durch die daraus resultierende schlechte Laune erst ihre beste Freundin und dann ihren Freund. Dadurch stürzt sie immer mehr in ein Tief und sucht Hilfe bei einer Therapeutin. Die rät ihr nicht an sich selbst herumzudoktoren, sondern allem Zeit zu lassen. Leider hält sich Karo da nicht dran und stürzt sich damit selbst in eine Depression. Nun braucht sie wirklich Hilfe.
Mängelexemplar ist ein Film, der versucht Depressionen ein bisschen zu erklären und das jeder versuchen kann aus dem Kreislauf wieder heraus zu kommen. Leider gibt es mit der von grundauf sehr unsympathischen Protagonistin keinerlei Identifizierungspunkt. Dadurch ist immer eine große Kluft zwischen Film und Publikum und kann dadurch auch keine Botschaft herüberbringen. Durch innere Monologe versucht der Film die Gedankenwelt der Protagonistin darzustellen, um ihre Handlungen besser nachvollziehbar zu machen. Leider sind die Gedanken zu kreuz und quer, dass auch dies den Zuschauer nicht näher einbezieht. Die Ursachen der Depression werden zwar gezeigt, aber auch nicht näher erklärt. Beispielsweise gibt es die Möglichkeit der Vererbung eines bestimmten Gens, das Depressionen auslösen kann. Da die Mutter bereits Depressionen hatte, wäre das eine Möglichkeit. Aber auf Details wird im Film an keiner Stelle eingegangen, was besonders schade ist. So wirkt der Film sehr überflüssig und auch die Thematik selbst hat keine Bedeutung. Da die Identifizierung mit der Protagonistin fehlt, kann auch keine Spannung im Film aufgebaut werden. Es ist dem Zuschauer einfach egal, ob Karo geheilt wird und ob sie ihr Leben auf die Reihe bekommt.

Alles in allem ist Mängelexemplar ein Film, der die richtige Intention hat, diese aber nicht umsetzen kann. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.