Anaconda

Ein Vorwort

In den letzten zwei Jahren habe ich meine Vorliebe für trashige Horrorfilme gefunden. Bisher waren die meisten „Kreaturen“ aber doch die klassischen Haie, so dass der Orginal Anaconda an mir komplett vorbeiging (inklusive aller Fortsetzungen). Dass hier jetzt eine relativ hochwertig aussehende Hollywoodproduktion den Film aufgreift, um ihn selbst zu parodieren und als Komödie herauszubringen, war ein Ansatz, der mich sofort ins Kino rennen lies. Warum er mich leider doch nicht, wie angenommen, begeistern konnte, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Der Filmtitel als Fanart mit Kinotiket auf einer Filmklappe

Die Handlung

Die besten Freunde Doug und Griff stecken mitten in ihrer Midlife-Crisis, einer als gescheiterter Regisseur, der andere unerfolgreicher Schauspieler. Bei der Geburtstagsfeier von Doug schlägt Griff ihm und zwei weiteren Freund*innen vor, zu dem Film Anaconda ein Reboot zu drehen. Doch im Amazonas kommt alles ganz anders als geplant.

Meine Meinung

Reboots bietet uns Hollywood weiterhin am laufenden Band. Erst im letzten Jahr hat Warner mit James Gunns Superman ihr komplettes DC Universe gerebootet. Doch ein Film, der davon handelt, dass ein realer Film ein Reboot bekommen soll? Das klang nach einem Konzept, das neu genug klang, um für mich interessant zu werden. Und dann harmonierten Paul Rudd und Jack Black im Trailer bereits bestens, was regelrecht Vorfreude auf den Film schürte. Leider kann das Endergebnis nicht mithalten, aber fangen wir am Anfang an.
Wir lernen Doug und Griff kennen, die jeder auf ihre Weise mitten in einer Midlife-Crisis aus vernachlässigten Träumen steckt. Zwar haben beide ihre Passion zum Beruf gemacht, sind Regisseur und Schauspieler, aber eben nicht erfolgreich und nicht dort, wo sie gern wären. Es kommt zu jenem verhängnisvollen Geburtstag, wo die Idee zum Reboot Dreh kommt. Thandiwe Newton, die ich generell gern auf der Leinwand sehe, kommt noch als Love Interest dazu und Steve Zahn für den Slapstick. Die Darstellenden harmonieren in ihren Rollen gut miteinander, auch wenn Newton mehr zur Stichwortgeberin verkommt, als ihr Talent ausüben zu dürfen. Nach dieser Exposition geht es endlich nach Südamerika, wo die Dreharbeiten beginnen sollen. Hier kommt eine zweite Ebene des Films dazu, in Form von Daniela Melchior als Ana Almeida, die vor bewaffneten Männern auf der Flucht ist und durch Zufall das Boot entführt, mit dem die Truppe drehen will.
Was fehlt für einen Film, der Anaconda heißt noch? Genau, eine Schlange. Leider ist das der Faktor, der in diesem Film viel zu kurz kommt. Zumindest zu Beginn. Zwar wird für den Dreh eine engagiert, für die jedoch nach kurzer Zeit Ersatz besorgt werden muss. Hier ist bereits circa die Hälfte des Films vorbei und wir haben erstmals die eigentliche Anaconda im Bild. Die ist zwar beeindruckend und bekommt gerade am Ende noch ordentlich Bildschirmzeit, aber da war die Erwartung beim Titel einfach größer.
Zumal hier auch nicht auf die unsichtbare Gefahr gesetzt wurde, die durch Atmosphäre durchaus spannend sein kann, sondern eben die relativ plumpe Handlung durchgezogen wird und irgendwann fällt ihnen halt ein, dass vielleicht auch mal eine Anaconda im Bild sein sollte. Die Handlung und die vermeintlichen Witze sind dann leider auch eine weitere Schwäche des Films. Denn so gut gemacht der Anfang ist, und wir die Charaktere irgendwo verstehen, wird dann viel Zeit mit sinnlosen Diskussionen verschwendet. Auch die Witze kommen eher zu kurz und wenn sie komplett ausgespielt werden, dann gern wieder im Fäkalbereich, was leider nicht für das Niveau des Films spricht. Auch die ganze Nebengeschichte rund um Schmuggel ist so vorhersehbar und unnötig, das hier viel Potential für mehr Interaktion mit der Anaconda gewesen wäre.
So hatte Anaconda wesentlich mehr Potential, steckt die Energie aber an die falschen Stellen und hätte mit Cast, Grundidee und Umgebung wesentlich mehr rausholen können. Wirklich Spaß hatte ich eher im letzten Viertel, so dass ich zwar final gut unterhalten aus dem Film kam, aber der Weg dahin war einfach zu lang.

Das Fazit

Anaconda ist von der Grundidee als Reboot/Sequel und mit starkem Cast eigentlich bestens ausgestattet, nutzt das Potential aber nicht und verrennt sich in Dialogen und Nebenhandlungen. Die namensgebende Schlange hat viel zu wenig Screentime und auch die Witze zünden nur stellenweise. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Anaconda läuft seit dem 25.12.2025 in den deutschen Kinos

Was ist schon normal?

Ein Vorwort

Französische Komödien sind in letzter Zeit auch so eine Sache für sich. Seit dem riesen Erfolg von Monsieur Claude und seinen tausend Fortsetzungen bin ich eher skeptisch. Doch ein Film, der sich mit Menschen mit Behinderungen auseinander setzt? Das kann ordentlich in die Hosen gehen, oder wir hätten endlich mal eine gute Repräsentation. Und was soll ich sagen: Es ist tatsächlich zweiteres geworden. Alles weitere dazu findet ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Pablo und Lucien haben frisch ein Juweliergeschäft ausgeraubt. Um vor der Polizei zu fliehen geraten sie in den Bus einer Gruppe Menschen mit Behinderung, die auf dem Weg ins Sommercamp ist. Während Pablo sich ebenfalls als behindert ausgibt, mimt Lucien dessen Sonderpädagoge. Dabei werden sie mit ihrer eigenen Weltsicht konfrontiert und erleben ein unvergessliches Abenteuer.

Meine Meinung

Ableismus ist überall. In unserer Sprache („Ey bist du behindert?“ als Beleidigung) und Barrierefreiheit ist in den wenigsten Fällen gegeben. Videos ohne Untertitel, Leitstreifen, die ins Nichts führen oder gar von Pfeilern unterbrochen werden oder der Arzt, dessen Praxis nur über Stufen zu erreichen ist. Diese Aufzählung könnte ich noch ewig weiterführen und das sind nur die Dinge, die mir als Nicht-behinderte Person auffallen. Jedes Jahr versuche ich im Juli zum Disability Pride Month Repräsentative Darstellungen in Medien zu finden und habe jedes Jahr das Problem etwas zu finden. Sichtbarkeit ist einfach nicht gegeben. Umso schöner ist es, wenn Filme gedreht werden, die sich bewusst auf die Präsenz von Charakteren mit Behinderung stürzen und dabei nicht außer Acht lassen, dass jede Behinderung anders ist.
Ähnlich wie beim deutschen Film „Die Goldfische“ landen wir diesmal wieder in einer Reisegruppe von Menschen mit Behinderungen. Etwas andere Prämisse und etwas mehr Respekt den Charakteren gebenüber werden uns verschiedene Krankheitsbilder vorgestellt und auch die verschiedenen Arten von Betreuung. Dabei wird deutlich gemacht, dass eine Überbetreuung auch nicht richtig ist, sondern ein gesundes Maß gefunden werden muss.
Natürlich ist das ganze eine Komödie, aber hier konnte man auch einfach ganz befreit lachen, weil der Film es sehr gut schafft, sich eher über die Vorurteile und Klischees lustig zu machen als über die Charaktere mit Behinderung. Über den übereifrigen Betreuer, der dadurch aber auch nicht auf die Bedürfnisse der Mitreisenden eingeht, oder auch über andere Menschen im Supermarkt, die sich am „Anders“ sein unserer Gruppe zu stören scheinen. Über ihre Engstirnigkeit, die aufs Korn genommen wird, kann man sehr gut lachen und der Film dreht es immer wieder so, dass man über Handlungen und nicht über Behinderungen lacht. Damit schafft er den feinen Spagat, wie es nur wenige Filme mit ähnlicher Prämisse schaffen.
Es wäre keine französische Komödie, wenn er es nicht an der ein oder anderen Stelle überspitzt. So wird für Pablo ein anderer Reisender „vergessen“, der kurzerhand mit einer Reisegruppe in Ballermann-Manier mitreist. Hier hatte ich zunächst Bedenken, aber er wird auch in die Reisegruppe gut integriert und hat den Spaß seines Lebens.
So schafft Was ist schon normal? der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, für mehr Inklusion zu werben und trotzdem gut zu unterhalten. Einen Blick ist diese kleine Perle auf jeden Fall wert!

Das Fazit

Was ist schon normal? ist eine runde Komödie, die sich gegen Ableismus ausspricht und für mehr Inklusion wirbt, einfach, in dem sie eine gut gestrickte Handlung schafft, die den Witz auf die Außenstehenden schiebt und die Gruppe einfach eine gute Zeit haben lässt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Was ist schon normal? läuft seit dem 05.09.2024 in den deutschen Kinos

Zwei zu eins

Ein Vorwort

Über die DDR wurden schon viele Filme gedreht und unzählige Geschichten erzählt. Über die Zeit kurz vor der Wiedervereinigung und wie chaotisch es zu den Zeiten im Osten war, nach und nach immer mehr Leute ihren Job verloren und nicht so richtig wussten, wie es weitergehen soll, wurde bisher meist geschwiegen. Warum die Geschichte nicht mit einem gewissen Augenzwinkern und dann auch noch nach wahren Begebenheiten? Was Zwei zu Eins so kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

1990 ist das Ende der DDR besiegelt. Die Arbeitslosigkeit steigt und die Frist zum Umtauschen des Geldes in Westmark steht bevor. Doch die Bewohner eines Hochhauses finden durch Zufall in einem bewachten Schacht die eingelagerten Millionen der bald wertlosen Ostmark. Sie entwickeln ein ausgeklügeltes System, um das Geld umzutauschen.

Meine Meinung

Der deutsche Film ist ja immer so eine Sache. Durch die (leider meist schlechten) großen Komödien, ist der Ruf sehr schlecht, da auch immer wieder der gleiche Mist gefördert wird. Dazwischen finden sich dann noch die Geschichtsdramen, die auch meist eher nicht begeistern können. Doch, wenn man ganz genau hinschaut, dann findet man sie. Die kleinen Perlen, die nicht versuchen super lustig zu sein, sondern wirklich mal eine Geschichte erzählen wollen. Die nicht den ganz großen Cast aus den immer gleichen Gesichtern haben. Okay, in diesem Jahr war zumindest Sandra Hüller ein gutes Indiz für einen gelungenen deutschen Film, konnte doch bereits The Zone of Interest überzeugen.
Die nächste kleine Perle ist Zwei zu Eins. Und zwar, weil er sich eben nicht auf die billigen Witze anderer Genrevertreter verlässt, sondern diese aus der Situation heraus aufbaut. Aber von Anfang an: Wir treffen auf Maren und Robert, die in ihrer Plattenbausiedlung die Tage zwischen Ende der DDR und Wiedervereinigung ganz in Ruhe angehen. In ihrem Umfeld verlieren immer mehr Bekannte ihren Job und allgemein ist die Stimmung irgendwo zwischen Feiern und Trauer. Mit dem Auftauchen von Volker bekommen wir dann die erste Diskussion über die Themen, die wohl viele damals beschäftigt haben. Denn Volker ist in die BRD geflohen und kehrt nun durch die offenen  Grenzen zurück. Nach dem Fund des Geldes geht es dann auch locker weiter mit einer gelungenen Mischung aus Situationskomik und ernsten Themen. Wie die  „Wessis“ noch schnell versucht haben ihre Produkte an den Osten zu verkaufen, während dort immer mehr (auch gut laufende) Betriebe dicht gemacht werden. Und wie eben diese zum Spottpreis verkauft wurden. 
So ist die Grundstimmung des Films durchaus gut und die Geschichte entwickelt sich, ohne, dass zu bewusst Drama geschührt oder zu bewusst Witze eingebaut wurden. Dies entwickelt sich alles schon aus der Absurdität der Situation heraus. Regisseurin Natja Brunckhorst mag noch relativ neu auf dem Regieposten sein, doch landet mit Zwei zu Eins schon einen Volltreffer. Die kleinen Töne dazwischen zu treffen, gelingt ihr wunderbar und auch wenn die Dreiecksgeschichte zwischen Maren, Robert und Volker ein wenig zu viel ist, bleibt sie doch stehts bei der Haupthandlung.
Wer eine typisch deutsche Komödie erwartet und von einem billigen Gag zum nächsten hetzen will, der ist hier falsch. Wer einen hochkorrekten und ernsten Historienfilm erwartet, ebenfalls. Wer von beidem etwas, aber vor allem ein sinniges Drehbuch erwartet, herzlichen Glückwunsch, das ist genau das passende Film. Und davon doch gern mehr!

Das Fazit

Zwei zu Eins ist eine intelligent geschriebene Komödie, die ihre Witze natürlich wachsen lässt und das Drama an die historischen Gegebenheiten anpasst und genau damit ins Schwarze trifft. Eine kleine Perle am deutschen Filmhimmel. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Zwei zu Eins läuft seit dem 25.07.2024 in den deutschen Kinos

Natürlich Blond

Ein Vorwort

Nachdem ich mit meiner besten Freundin regelmäßig Film- und Serienquizze mache, ist uns aufgefallen, dass man Natürlich Blond meist relativ gut erkennt. Allerdings hatte ich den Film noch nie gesehen. Als Prime mir dann anzeigte, dass sie dabei waren die Filme aus dem Programm zu nehmen, habe ich das als Anlass genommen und mir gleich die ersten beiden Teile an einem Filmabend reingezogen. Wie ich sie fand, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Natürlich Blond

Die Handlung: Elle Woods studiert Mode und lebt auch für diese. Als ihr Freund ihr nicht den erwarteten Antrag macht, sondern sie abserviert, um in Harvard Jura zu studieren, schreibt sie sich ebenfalls ein und wird trotz eines unkonventionellem Bewerbungsvideo genommen. Doch ihr Freund ist inzwischen verlobt und glaubt auch nicht, dass sie ihr Studium schaffen könnte. Sie beschließt es allen zu zeigen, auch wenn ihr Weg, manchmal merkwürdig ist. 

Meine Meinung: Wir haben Anfang der 2000 Jahre und seichte Komödien sind voll im Trend. Neben einem Plötzlich Prinzessin und wie die ganzen Vertreter heißen, erblickt auch die Natürlich Blond Reihe das Licht der Kinos. Und für das angesprochene Genre macht der Film eigentlich eine ganz gute Figur. Zumindest, wenn man über eine ganze Reihe von fragwürdigen Handlungsentscheidungen hinwegsieht.
Das fängt schon am Anfang an, wo Elles einzige Motivation für das Jura-Studium in Harvard ist, dass sie ihren Ex-Freund zurückgewinnen will. Also ist – wie leider sehr oft – die Motivation der Frau die Liebe eines Mannes. Haben wir diesen Fakt einmal verdaut, macht der Film eine ganze Weile auch Spaß. Denn Elles ungewöhnliche Herangehensweise ist irgendwie gleichzeitig charmant und doch sehr lustig. Auch hier muss man wieder damit klar kommen, dass einer der begehrten Plätze in Harvard an jemandem mit sehr experimentellem Bewerbungsvideo vergeben wurde. bei dem sie größtenteils im Bikini und im Pool zu sehen war. Hat auch wieder eine fragwürdige Aussage, aber gut, sehen wir auch hier nochmal drüber hinweg. Dann haben wir natürlich noch den obligatorischen Zickenkrieg, weil natürlich die Verlobte von Elles Ex keineswegs begeistert über die Konkurrenz ist.
Aber genau hier schafft der Film dann seine Stärken zu zeigen. Denn die beiden freunden sich an und beweisen, dass Frauen mehr sind als nur das Drama um einen Mann. Die eigentliche Liebesgeschichte baut sich auch wunderbar dezent im Hintergrund auf und ist sehr süß geworden. Denn hier werden die eigentlichen Stärken von Elle auch erkannt. Auch die sexuelle Nötigung, die zwischendurch versucht wird, wird stark ausgespielt und auch hier ist die Message, dass Frauen alles schaffen können und nicht auf die Machtspiele der Männer angewiesen sind. So zeigt der Film gerade gegen Ende seine eigentliche Stärke, man darf halt vorher nicht abgeschalten haben.

Natürlich Blond 2 – Red, White & Blonde

Die Handlung: Im zweiten Teil plant Elle Woods, inzwischen als Anwältin praktizierend, ihre Hochzeit. Dafür will sie auch die leibliche Mutter ihres Hundes einladen. Dieser ist jedoch eingesperrt für Tierversuche. Ihre einzige Chance ist es, ein Gesetz gegen Tierversuche auf den Weg zu bringen. Also beschließt Elle kurzerhand ihre Kontakte in Washington aufzusuchen und dort eben dies zu versuchen. Dabei rennt ihr allerdings die Zeit weg, denn ihre Hochzeit steht bereits kurz bevor.

Meine Meinung: Nach dem ersten Film war ich irgendwie motiviert genug, um zu sehen, was der zweite Teil so kann. Und zunächst war ich positiv überrascht. Denn wir haben hier zwar auch den typischen Zeitsprung, aber es ist eben nicht alles wieder bei Null. Wir kriegen nicht wieder eine neue Liebesgeschichte präsentiert, weil die große Liebe plötzlich und unerwartet diese eben doch nicht war, sondern die Beziehung der beiden hat gehalten und sie stehen sogar kurz davor zu heiraten. Dann wurde ein Anlass gesucht, um Elle aus Uni und Anwaltskanzlei gleich ganz groß nach Washington zu kriegen. Das Thema Tierversuche wird dabei leider sehr einseitig behandelt und nicht größer diskutiert, sondern nur als Anlass genommen, um Elle das politische System ordentlich durchwirbeln zu lassen.
Und hier muss man auch einfach wieder über eine ganze Menge Logiklöcher hinwegsehen, denn so einfach, wie es dargestellt ist, ist das System natürlich nicht. Und auch Elle kommt nur durch eine ganze Menge Zufälle ans Ziel, weil gefühlt jede zweite Person bei ihrer Studentinnenverbindung dabei war oder ebenfalls Tiere besitzt. Aber wenn man darüber hinwegsehen kann, macht der Film wieder gute Laune. Reese Witherspoon lebt auch einfach ihre Rolle als Elle Woods.
Leider wurde das ein wenig zu sehr ausgereizt und irgendwann ist ihr sonniges Gemüt durchaus ein wenig angestrengend. Hat der Zusammenhalt der Frauen im ersten Teil am Ende noch gut funktioniert, wirkt hier alles ein wenig zuviel. Es musste einfach überall noch eine Schippe drauf gelegt werden und das bekommt dem Film nicht. Damit kann der zweite Teil zwar durchaus noch unterhalten, wenn man über die sehr konstruierte und unlogische Handlung hinwegsieht, aber kommt nicht mehr mit einer starken Botschaft am Ende daher. Lediglich die Liebesgeschichte, die sich weiter durch den Film zieht, ist mal ein schönes Beispiel.

Das Fazit

Die Natürlich Blond Reihe reiht sich in die typischen 2000er seichten Komödien ein, macht dabei keine allzu schlechte Figur für die Verhältnisse, kann in seiner Gesamtheit aber nicht wirklich überzeugen. Für ein paar kleine Lacher an einem verregneten Sonntag kann man sich aber gerade den ersten Teil doch einmal geben.

No hard feeling

Ein Vorwort

Seit ihrem großen Durchbruch mit dem Tribute von Panem Franchise war Jennifer Lawrence durchaus eine Konstante in Hollywood, bei deren Filmen sich meist zumindest ein Blick lohnte. Nachdem es in letzter Zeit eher ruhiger wurde – was wohl zum einen Pandemie bedingt war und auch an ihrer Schwangerschaft gelegen haben dürfte – war ich doch interessiert, was ihre Rückkehr auf die große Leinwand so bereit hielt. Warum ich meinen Kinobesuch diesmal tendenziell eher bereute, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Maddie hat Geldprobleme. Als dann auch noch ihr Auto beschlagnahmt wird, hat sie als Uber-Fahrerin keine Einnahmequelle mehr. Da kommt ihr die Anzeige für einen alten Buick gerade recht. Die einzige Bedingung ist, dass sie mit dem Sohn der Besitzenden ausgehen soll. Doch daraus entsteht eine ganz eigene Dynamik.

Meine Meinung

Gut Bereuen ist vielleicht ein hartes Wort. Aber No hard feelings hat viele Baustellen, die er nicht umschifft bekommt. Das beginnt leider schon mit der Grundprämisse, wobei diese auch gut nutzbar gewesen wäre, um bestehende Klischees abzubauen und der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Leider nutzt der Film diese Chance nicht, sondern tritt in ein Fettnäpfchen nach dem nächsten.
Doch beginnen wir am Anfang. Hier lernen wir Maddie kennen, die gerade ihr Auto und damit irgendwie auch ihren Job verliert, da sie als Uber Fahrerin arbeitet. In Montauk ist sie auch gerade auf die Sommergäste angewiesen, da hier die reichere Bevölkerung in ihre Sommerhäuser zieht. Was nun stellenweise als Systemkritik beginnt, geht sanft in eine Identitätskrise über. Soweit so unproblematisch, denn hier liegen etwas unausgebaut die eigentliche Aussage des Films. Doch damit dann wohl leider auch genug der lobenden Worte.
Denn statt hier wirklich auf die Probleme einzugehen, bekommen wir Maddie einfach als typische Versagerin präsentiert. Kann man es zunächst noch mit dem eben genannten erklären, so macht ihr Verhalten schnell deutlich, dass sie auch ansonsten einfach nicht sehr sympathisch ist. Was auch erstmal kein Problem wäre, nicht immer müssen die Protagonist*innen sympathisch sein.
Kommen wir zum großen Aber. Der Film hat am Ende nur eine große Aussage: Habe Sex, sonst bist du ein Nichts in der Gesellschaft. Und anstatt damit die Übersexualisierung mit der wir täglich leben zu kritisieren, wird diese Aussage einfach als gesetzt gesehen. Percy, eben jene Jungfrau, die „bekehrt“ werden muss, hat soziale Probleme. Anstatt jedoch auf seine Introvertiertheit und seine Abgeschottenheit von anderen Gleichaltrigen einzugehen, ist natürlich sein Problem, dass er noch keinen Sex hatte. Sind die Motive seiner Eltern und Maddie also schon fragwürdig, macht es der Film mit seiner Laufzeit nur immer schlimmer. Es gibt einige übergriffige Szenen, in denen Percys Wille versucht wird zu untergraben und auf ihn einzuwirken, dass er doch nicht so „verklemmt“ sein solle. Wäre die Rollenverteilung umgekehrt, hätte es hier schon längst einen Aufschrei gegeben. Aber auch hier ist das absolut nicht in Ordnung!
So plätschert der Film von einem schlechten Witz zum nächsten, bringt gefühlt alle Vorurteile mit rein, die es zu dem Thema gibt und zieht jegliche kritischen Stimmen an Maddies Verhalten so sehr ins Lächerliche, dass auch ja niemand glaubt, dass sie nicht die „Heldin“ des Films sei. Das ist allerdings an mehr als einer Stelle problematisch, weswegen einem des öfteren mal das Lachen im Hals stecken bleibt.
Letztendlich hält der Film bis zum Ende an seiner problematischen Prämisse fest, jeglicher Versuch dem Zuschauenden etwas anderes zu vermitteln, wird ad absurdum geführt. Es gibt das übliche vorhersehbare Drama, schlechte Witze, eine nackte Jennifer Lawrence (warum auch immer das nötig war) und leider nur wenig wirkliche Charakterentwicklung. Damit ist er leider ein Reinfall.

Das Fazit

No hard feelings bietet eine problematische Prämisse und hält leider an dieser durchgängig fest, statt sie zu drehen und der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Hinzu kommt eine vorhersehbare klischeehafte Handlung, schlechte Witze und eine sehr unsympathische Protagonistin. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

No hard feelings läuft seit dem 22.06.2023 in den deutschen Kinos

Renfield

Ein Vorwort

Der Dracula-Stoff ist ja schon mehrfach in verschiedenster Form umgesetzt worden. Dennoch bin ich bei Neuverfilmungen immer wieder gespannt, ob nicht doch noch ein neuer Ansatz gefunden werden kann, der neuen Schwung in das Material bringt. Und was soll ich sagen ein overactenden Nicholas Cage als der Graf, war schon Grund genug für den Film. Warum mich Renfield auch darüber hinaus nur begeistern konnte, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Robert Montague Renfield (Nicholas Hoult) sucht sich eine Selbsthilfegruppe für toxische Beziehungen. Dort fühlt er mit den anderen mit, verschließt sich aber selbst. Denn seine Abhängigkeit ist anders. Er ist der Diener von niemand geringerem als Graf Dracula (Nicolas Cage). Doch als er bei der Beschaffung von Blut für seinen Meister auf die Polizistin Rebecca (Awkwafina) trifft, nimmt er sich wirklich vor sein Leben zu ändern. Doch das ist gar nicht so einfach.

Meine Meinung

Wie viel Splatter darf es sein? Das beantwortet Renfield mit einem sehr lautem Ja! Die Mengen an Kunstblut, die hier fließen sind wirklich beeindruckend und man sollte vorab auf jeden Fall wissen, worauf man sich einlässt. Aber Renfield ist deutlich mehr als das!
Denn zunächst lernen wir Renfield kennen, seine Geschichte, was aus den Büchern bekannt ist (auch wenn hier ein paar Personen miteinander verschwimmen, wenn ich mich an Bram Stokers Buch richtig erinnere), und die Weiterentwicklung in die heutige Zeit. Und hier kommt die Genialität des Films und warum ich ihn unbedingt sehen wollte: Er schafft eine Analogie zu einer toxischen Beziehung, in dem er Renfield immer wieder zu einer Selbsthilfegruppe gehen lässt. Dabei schafft er es auch, dass die Geschichten der anderen Teilnehmenden in keiner Weise runtergespielt werden oder als lose Lacher genutzt werden. Stattdessen wird mit dem Thema toxische Beziehung sehr respektvoll umgegangen, es wird auf die Stadien eingegangen und warum es so schwer ist, aus ihnen auszubrechen. Und um das Ganze aufzulockern, wird dies eben auf Renfiel und Dracula übertragen.
So versucht sich Renfield aus eben dieser zu befreien und kämpft doch mit sich und seinem Gewissen. Er liebt die Stärke, die Dracula ihm gibt, aber er sucht ein unabhängiges Leben. Neben dieser schon sehr starken Geschichte, haben wir dann noch die Geschichte von Rebecca, die versucht einer kriminellen Bande dem Tod ihres Vaters nachzuweisen. Dabei trifft sie auf Renfield, der sich ungewollt mit eben dieser Gang angelegt hat. Sie tun sich zusammen, was nebenbei noch eine sehr coole Liebesgeschichte einfließen lässt. Keine Angst, sie ist sehr dezent und nimmt nicht so viel Platz ein, harmoniert aber gut mit der restlichen Geschichte.
So ist Renfield in erster Hinsicht eine Horrorkomödie. Das Actionlevel ist sehr hoch und sorgt für viele Splattereinlagen, die zusätzlich nochmal für eine gute Portion Humor sorgen. Ich hatte sehr viel Spaß beim Sehen und es waren gerade die kleinen Details, die mir den Film nachhaltig versüßt haben.
Das liegt auch an dem sehr gegenteiligen Spiel der beiden Nicholase. Während Nicholas Cage seinen Dracula im absoluten overacting widergibt, was hier aber erstaunlich gut passt und ein weitere Grund ist, warum ich den Film so unbedingt sehen wollte, ist es gerade Nicholas Hoult mit seinem dazu sehr dezentem Schauspiel. Hier beweist er wieder einmal, wie viel er allein über kleine Änderungen der Mimik zu vermitteln weiß. Irgendwo dazwischen ordnet sich Awkwafina ein, die  ihren typischen Schauspielstil teilt, der hier allerdings erstaunlich gut passt. Und sie ist mal mehr als nur der lustige Sidekick, was sie bisher leider viel zu selten zeigen durfte.
So ist Renfield mit seinen gerademal 94 Minuten ein absolut runder und stimmiger Film. Es wird alles erzählt, ohne gehetzt zu wirken und vor allem gab es keine unnötige Handlung, um die Länge auf die sonst meist angepeilten 120 Minuten zu strecken. So ist der Film gleichzeitig kurzweilig und tiefgründig und bietet für viele Geschmäcker etwas.

Das Fazit

Renfield vereint gekonnt Horror, Action, Splatter, Komödie und eine erstaunlich gute Darstellung einer toxischen Beziehung und spricht damit zeitgleich ein wichtiges Thema an und schafft es doch für kurzweilige Unterhaltung zu sorgen. Mit vielen kleinen schönen Details geschmückt, ist Renfield einer dieser Filme, die es inzwischen viel zu selten im Kino gibt. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Renfield läuft seit dem 25.05.2023 in den deutschen Kinos

Caveman

Ein Vorwort

Niemand:
Absolut Niemand:
Deutsches Kino: Hier ein Film über Geschlechterklischees, die längst überholt sind, mit Erklärungsversuchen, die wissenschaftlich längst widerlegt sind
Warum Caveman ein reiner Film zum Fremdschämen ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag

Die Handlung

Bobby (Moritz Bleibtreu) erzählt nach einem Streit mit seiner Freundin bei einem Stand-up Event, wie es dazu kommen konnte. Dabei durchleuchtet er die Probleme, die in der Kommunikation zwischen Männer und Frauen entstehen können. Er trifft auf seinen inneren Höhlenmenschen, der ihn auf die Evolution und den Unterschied zwischen Jäger und Sammlerinnen aufmerksam macht.

Meine Meinung

Es muss so 2018 gewesen sein, als ich mit meinem Mann in das Bühnenstück Caveman ging. Auch damals war die Geschichte schon längst überholt und die geäußerten Theorien längst widerlegt. Aber die Ein-Mann-Show war sympathisch gestaltet, kreativ rübergebracht und es war einfach was zum Schmunzeln. In manchen Sachen hat man sich doch irgendwie wiedergefunden, in anderen gar nicht. Dass das Stück erstmals bereits in den 1990er Jahren aufgeführt wurde, merkte man, störte an diesem Abend aber nicht. Warum im Jahr 2023 (bzw. ist der Film schon länger abgedreht, aber immer wieder verschoben worden) noch jemand auf die Idee kam, daraus müsste man unbedingt einen Film machen, erschließt sich mir nicht.
Doch es wird leider nur schlimmer. Nachdem die Trailer schon eher peinlich aussahen, hatte ich doch das Bühnenstück noch in guter Erinnerung und ging daher doch in den Film. Keine Minute nach Beginn schlug ich mir schon das erste Mal gegen den Kopf. Das hätte der Hinweis sein sollen, schnellstmöglich das Kino wieder zu verlassen. Doch ich blieb und erhielt 100 Minuten voller Peinlichkeiten, Klischees, und einfach einen so unsympathischen Typen als Protagonist, dem man einfach nur das Scheitern der Beziehung wünscht, damit seine Freundin endlich was Besseres finden kann.
Aufgebaut wird das Ganze als Stand-up Show und arbeitet von da an mit Rückblenden. Die Ausgangsfrage ist, wer den Protagonisten für einen Arsch hält. Hier gibt es wohl niemanden, der sich nicht meldet. Leider ist dies auch am Ende des Films noch so, weswegen hier wohl alles schief läuft, was in Sachen Charakterentwicklung schief laufen kann. Protagonist ist ein Mann, der unaufmerksam seiner Frau gegenüber ist, grundsätzlich mit seinem Leben unzufrieden und dies an ihr auslässt. Das versucht er mit gestellten Witzen und pseudowissenschaftlichen Erklärungen zu rechtfertigen. Dem Film ist hier nichts zu schade, inklusive der namensgebenden Reise in die Vergangenheit zu den Höhlenmenschen („Cavemen“), wo die Ursache für all sein Verhalten liegen soll. Das dies wissenschaftlich schon lange widerlegt ist, ist dem Film hier sehr egal. Mit dem Nachbarn, gespielt von Wotan Wilke Möhring, soll wohl ein Gegenpol geschaffen werden, aber dafür bleibt die Rolle zu blass und bekommt zu wenig Screentime, als dass man hier irgendeine richtige Aussage draus ableiten könnte.
Auch schauspielerisch ist der Film leider durchgefallen. Moritz Bleibtreu bringt absolut null Emotionen rüber, was seinem unsympathischen Charakter leider nur noch mehr Minuspunkte einbringt. Laura Tonke als Freundin, spielt zwar in Ordnung, kommt aber auch nicht gegen das grottige Drehbuch an. Martina Hill als Nachbarin und beste Freundin bleibt leider auch sehr blass im Spiel. Hier merkt man, dass ihr die kurzen Comedy-Sketche viel eher liegen, als großes Schauspiel. Auch Gastauftritte von Thomas Hermanns und Guido Maria Kretschmer helfen dem Film nicht mehr in der Sympathie zu steigen.
Für eine Komödie ist es wohl ein schlechtes Zeichen, wenn der komplette Kinosaal nicht ein einziges Mal lacht. Das zeigt aber auch nur wieder, dass das Bühnenstück einfach nicht in Filmform hätte gepresst werden dürfen. Der Film ist langatmig, voller Fremdschammomente, überhaupt nicht lustig und funktioniert vorne und hinten nicht.

Das Fazit

Caveman ist eine Aneinanderreihung von Fremdschammomenten, erzählt eine langweilige Geschichte über einen unsympathischen Protagonisten voller Klischees, die so nicht mal mehr zutreffend sind und garniert das Ganze mit schlechtem oder halbherzigem Schauspiel. Dafür gibt es 02 von 10 möglichen Punkten.

Caveman läuft seit dem 26.01.2023 in den deutschen Kinos

Massive Talent

Ein Vorwort

Mit Blackpink als Trailermusik hatte mich der Film direkt. Auch der Rest sah spannend aus, aber auch so, dass es nach hinten losgehen könnte. Warum Massive Talent fast ein Geheimtipp ist, erfahrt ihr in dem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Nic Cage (Nicolas Cage) scheint mit seiner Schauspielkarriere am Ende zu sein. Da bekommt er von einem reichen Fan das Angebot von einer Million Dollar, wenn er zu dessen Geburtstagsfeier auf Mallorca erscheint. Unterwegs schaltet sich die CIA ein, denn Javi (Pedro Pascal) soll der Kopf eines Kartells sein. Nic wird ungewollt zum Agent.

Meine Meinung

Nicolas Cage Karriere ist ein absolutes auf und ab. Während ich die meisten Filme gar nicht gesehen habe, ist mir wohl eher noch die Community Folge, wo Filmfan Abed eine Analyse darüber abgibt, in Erinnerung geblieben. Dennoch reizte mich allein der Trailer, um den Film eine Chance zu geben, rechnete allerdings mit dem Schlimmsten. Bekommen habe ich eine absolut faszinierende Hommage an den Film, ans Schauspielersein und das ganze verpackt in einer gelungenen Komödie.
Doch fangen wir vorne an. Zunächst wirkt der Film abgedreht und fernab einer Komödie. Hier schienen sich meine Befürchtungen zu bestätigen. Doch schon kurz darauf, sobald Cage Richtung Mallorca reist, um Javi zu treffen, wendet sich der Film komplett. Die Handlung rund um die CIA wirkt auf einmal nur wie ein Lückenfüller für die Geschichte einer ganz besonderen Freundschaft und der Liebe zum Film. Okay, das ist vielleicht doch etwas übertrieben, schließlich gibt sie dem Film den nötigen Rahmen. Aber mitunter verliert sich der Film in seinen einzelnen Szenen und nimmt Elemente und Klischees aus Filmen gleichzeitig aufs Korn und spielt sie doch ganz wunderbar aus. So vereint der Film Action, Komödie und erzählt doch vordergründig die Geschichte einer ganz besonderen Freundschaft.
Denn gerade die Chemie zwischen Cage und Pedro Pascal ist es, was diesen Film so faszinieirend macht. Wie sie es schaffen Szenen komplett auszuspielen, ohne dabei aus der Rolle zu fallen, ist faszinierend. Aber auch ihre Charaktere entwickeln sich gut. Gerade bei Javi hatte ich die große Befürchtung, dass er sich als ein absoluter Stereotyp herausstellt. Doch meine Gebete wurden erhört und er bekommt als Charakter eine tolle Wendung und kann so bis zum Ende überzeugen. Fast ist es ein wenig schade, dass sich hier nicht getraut wurde eine queere Liebesgeschichte einzubauen, sondern es bei der Bromance und eine aus dem Hut gezauberten straighten Liebesgeschichte zu lassen. Die Vorlage dafür war da und es hätte wunderbar funktioniert.
Aber davon mal abgesehen, läuft der Film bis auf ein paar kleinere Stolperer rund und unterhält (nicht ganz) ab der ersten Minute und bis zum Ende. Gern mehr solcher mutiger Filme, aber bitte bitte keine Fortsetzung. Der Film funktioniert gerade als Einzelfilm.

Das Fazit

Massive Talent ist einer dieser kleinen Filme, bei der einfach die Kombi aus Genres wunderbar funktioniert und der durch seine beiden Protagonisten auflebt. Kleinere Stolperer und ein etwas holpriger Anfang sind da schnell vergessen und folgt eine unterhaltsame Zeit im Kino. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Massive Talent läuft seit dem 16.06.2022 in den deutschen Kinos

Stasikomödie

Ein Vorwort

Dass die DDR gerade durch die Stasi nicht unbedingt ein schöner Ort zum leben war, haben schon einige Filme gezeigt. Das Ganze jetzt noch einmal als Komödie zu verpacken, war noch einmal ein Ansatz, der mich interessierte. Wie das in Leander Haußmanns verpackt wurde, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Ludger Fuchs (Jörg Schüttauf/David Kross) lässt sich von seiner Familie überreden Einsicht in seine Stasiakte zu nehmen. Dabei erinnert er sich an die 1980er Jahre, wo er von der Stasi in die Künstlerszene des Prenzlauer Bergs eingeschleust wurde und dort zu einem gefragten Dichter aufsteigt.

Meine Meinung

Mit Sonnenalle und NVA – beide von mir ungesehen – hat Leander Haußmann sich bereits zweimal mit der DDR-Geschichte befasst. Stasikomödie soll nun der Abschluss der Trilogie sein. Ich habe keine Ahnung, wie in den anderen Filmen an das Thema herangegangen wurde, aber hier wurde ein bunter Misch aus Ostalgie, dem bunten Treiben der Kunstszene am Prenzlauer Berg, feiner Dialogkomik und groß aufgefahrenen und überladenen Szenen, die die eigentliche Komödie ausmachen sollen. Zusammen gibt das eine ganz eigenwillige Mischung, die durchaus einen Blick wert ist, wer noch einmal einen völlig anderen Film erleben will.
Dennoch hat der Film deutliche Schwächen. Wer das Wort Komödie im Titel einbaut, schührt damit gewisse Erwartungen. Über Humor lässt sich zwar streiten, aber wirklich witzig war der Film nun nicht. Der komödiantische Anteil wird hier entweder zu subtil untergebracht oder eben in viel zu übertriebenen Szenen. Wobei mich gerade die abgeholt haben, auch wenn sie immer sehr fehl am Platz wirkten. Gerade die Abschlussszene wirkte wie aus einem ganz anderen Film.
Auch ist nicht direkt zu erkennen, welche Aussage der Film nun zur Stasi treffen will. Zwar wird sich an vielen Stellen über sie lustig gemacht, eine komplette Abrechnung mit den Methoden ist dann aber auch nicht. So schafft es der Film durch seine einnehmende Atmosphäre einen irgendwie in seinen Bann zu ziehen, lässt einen hinterher aber ziemlich ratlos zurück, was genau der Film nun aussagen wollte.
Schauspielerisch und durch eine Vielzahl an verschiedenen Charakteren ist der Film mit seiner Lauflänge von 115 Minuten nicht langweilig oder langatmig und lässt sich gut weggucken. Vor allem Henry Hübchen als Ludgers Vorgesetzter bringt eine ordentliche Portion Charme mit. Letztlich ist der Film wohl vor allem an die ehemaligen Bewohner der DDR gerichtet, die hier ein wenig in Ostalgie schwelgen können. Denen Schauplätze bekannt vorkommen und die sich einfach nochmal für eine Weile in die Vergangenheit versetzen lassen wollen.

Das Fazit

Stasikomödie ist so ein Film, von dem man nichts erwartet und wenig bekommt,  der in seiner Schlichtheit irgendwie funktioniert und gleichzeitig schnell in Vergessenheit geraten dürfte. Der von allem etwas, aber nichts richtig hat. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Stasikomödie läuft seit dem 19.05.2022 in den deutschen Kinos

Lost City

Ein Vorwort

Es gibt Trailer, die sieht man und weiß, man will den Film sehen oder eben nicht. Dann gibt es die, die einem eigentlich schon den ganzen Film verraten oder wo man schon weiß, dass die besten Szenen im Trailer verbraten wurden. Und dann gibt es den Trailer zu Lost City. Hier waren so ziemlich alle Varianten möglich. Welche davon jetzt zutreffend ist und ob Lost City auch als Film in voller Länger funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Die Bestsellerautorin Loretta Sage (Sandra Bullock) kommt seit dem Tod ihres Mannes nicht mehr wirklich aus dem Haus raus. Doch ihre Managerin (Da’Vine Joy Randolph) hat eine Tour zu ihrem neuen Buch arrangiert. Beim ersten Termin wird Loretta jedoch vom exzentrischen Milliardär Abigail Fairfax (Daniel Radcliffe) entführt, da sie im Buch eine sehr exakte Übersetzung einer alten Sprache verwendet hat. Ihr Covermodel Alan (Channing Tatum) will ihr zur Hilfe eilen, scheint aber nicht gerade der geeignetste Kandidat zu sein.

Meine Meinung

Komödien gibt es in Hollywood wie Sand am Meer. Wirklich gute sind indess in der Masse schwer zu finden. Lost City hatte nach dem Trailer die Möglichkeit in beide Richtungen zu gehen. Denn da gab es ein paar Szenen, über die ich jedes Mal wieder lachen konnte und gleichzeitig Szenen, die mir zu viel waren. Also welche, die in die niveaulose Richtung gingen.
Letztlich ist die Tendenz des Films doch eher in die erste Richtung, auch wenn viele gute Szenen bereits im Trailer verarbeitet wurde.
So ist die Handlung an vielen Stellen vorhersehbar und auch die Grundentwicklung dürfte wohl niemand überraschen. Doch dann gibt es immer wieder kleinere Einschübe, die habe ich nicht kommen sehen. So ist beispielsweise Brad Pitts Rolle doch ganz anders, als ich erwartet hatte.
Grob zusammengefasst war wohl die Grundidee einen Abenteuerfilm in Indiana Jones Manier, aber mit einer entführten Autorin und einem Covermodel als Protagonisten. Das Ganze dann verpackt als Komödie. Im großen und ganzen funktioniert das, denn Lost City schafft es durch die Charaktere viel Situationskomik einzubringen, die zumindest mich voll abgeholt hat. Das die Handlung eher einfach gestrickt ist und sich den üblichen Klischees bedient, ist daher erst einmal zu vernachlässigen, da sie eher den Rahmen vorgibt.
In seiner Gesamtheit mit der relativ bekannten Handlung, der vielen Situationskomik und den harmonierenden Charakteren funktioniert Lost City ziemlich gut. Es ist jetzt kein Film, der einen total überrascht und vom Hocker haut, reiht sich aber eher in die guten Komödien ein, da mehr auf aufgebaute Witze gesetzt wird, als stoische One-Liner. Mit Sandra Bullock und Channing Tatum wurden auch die richtigen Schauspielenden gecastet, um die Rollen glaubhaft rüberzubringen. Daniel Radcliffe ist in seiner Rolle irgendwo zwischen Overacting und so drüber, dass es schon wieder witzig und passend ist und sorgt damit für die letzte Rundung, die den Film und ein unterhaltsames Level hebt.

Das Fazit

Lost City mag eine einfache und relativ vorhersebare Handlung haben, doch durch die Charaktere und die Situationskomik funktioniert der Film als Komödie in seiner Gesamtheit. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Lost City läuft seit dem 21.04.2022 in den deutschen Kinos