Power Rangers

Am 23.03.2017 erschien ein Film, der die Serie über die Power Rangers wieder aufgriff, in den deutschen Kinos.

Die Schüler Jason, Kim und Billy lernen sich beim Nachsitzen kennen. Zusammen mit Trini und Zack, die sie zufällig bei einer Goldmiene kennenlernen, finden sie besondere Steine, die sie mit neuen Fähigkeiten ausstatten. Bei ihrer Suche nach Antworten finden sie ein versunkenes Raumschiff und erfahren von ihrer Bestimmung Power Rangers zu sein. Zeitgleich taucht die böse Rita Repulsa auf.

Das Theme „Go go Power Rangers“ dürfte jedem auf die ein oder andere Art etwas sagen, auch wenn man die Serie selbst nie gesehen hat. Diese hat seit 1993 24 Staffeln und zuvor schon zwei Filme hervorgebracht. Dies ist nun der dritte und am größten inzinierte und dient als kompletter Reboot des Franchise. Gleichzeitig kündigte Serienschöpfer Saban insgesamt sechs Films an. Ob dies nach der Leistung des ersten Films wirklich vom Produktionsstudio genehmigt wird, bleibt fraglich.
Aber fangen wir ganz am Anfang an. Jason war einst einer der beliebtesten Schüler und sehr guter Footballspieler. Doch dann geriet er mit dem Gesetz in Konflikt und muss seitdem nachsitzen. Dort lernt er Kim, einst eine beliebte Cheerleaderin, nun von ihren Freundinnen ausgegrenzt, und Billy kennen, einen Autisten. Zunächst scheint sie nicht viel zu verbinden. Doch Billy überredet Jason ihn zu einer Goldmine zu fahren, an der Billy immer mit seinem inzwischen verstorbenen Vater gegraben hatte. Jason stimmt nach einigem Zögern zu. Während Billy einen Sprengsatz anbringt, trifft er durch Zufall auf Kim. Angelockt von Billys Explosion treffen sie auch noch auf Trini und Zack, die sich ebenfalls im Umfeld der Mine herumgetrieben haben. Billys Explosion hat jedoch merkwürdig schimmernde Steine zum Vorschein gebracht. In der Hoffnung damit reich zu werden, nimmt jeder der fünf einen der Steine mit. Doch am nächsten Tag wachen sie zu Hause auf, ohne zu wissen, wie sie nach Hause kamen und haben alle verstärkte Kräfte. Sie beschließen die Mine noch einmal aufzusuchen und zu untersuchen. Dabei finden sie ein verstecktes Raumschiff und erfahren, dass sie auserwählt wurden die neuen Power Rangers zu sein. Doch die Ruhe bleibt nicht lange erhalten, denn zeitgleich mit ihren Steinen ist auch die böse Rita Repulsor wieder erwacht. Und ihr Ziel die Rangers zu töten und die Erde zu vernichten ist noch immer in der Umsetzung.
Man könnte bei Power Rangers lobend erwähnen, dass der Film sich genug Zeit nimmt, um alle Charaktere vorzustellen und um ihnen Tiefe zu geben. Allerdings nimmt der Film sich nicht nur genug, sondern eher viel zu viel Zeit. Über zwei Drittel des Films befasst sich lediglich damit, dass die fünf Rangers Freunde werden müssen, um ihre Panzerung zu bekommen. Nun gut, könnte man denken, immerhin sollen sie noch fünf weitere Filme zusammen kämpfen, da ist es dann doch wichtig die Charaktere gut vorzustellen. Grundsätzlich ja, doch leider tut Power Rangers genau dies nicht. Denn ein Drittel lang, hört man von jedem Charakter ein “Ihr kennt mich gar nicht und ihr wisst nichts über mich”. Erst im zweiten Drittel des Films wird überhaupt versucht dies zu ändern. Leider sagen die Dialoge, in denen den Charakteren Tiefe gegeben werden soll, beinahe überhaupt nichts aus, so dass man sich hinterher immer noch fragte, wieso wer warum so gehandelt hat. So zieht sich der Film am Anfang doch stellenweise stark, weil man nun unbedingt die großen Geheimnisse wissen will, aber praktisch nichts ausgesagt wird.
Auch Rita Repulsor als Gegnerin der Rangers wird sehr eindimensional dargestellt. Sie ist einfach nur Böse. Keinen Hintergrund, weswegen sie so geworden ist. Auch wurden ihr sehr holprige Textpassagen zugesprochen, die ohne das schauspielerische Talent von Elizabeth Banks, die schon in den Tributen von Panem-Verfilmungen bewies, dass sie außergewöhnliche Rollen spielen kann, wohl eine einzige Lachnummer gewesen wäre. Doch Banks ist es wohl auch zu verdanken, dass Rita Repulsor immer als ernstzunehmende Verrückte wahrgenommen wird. Selbst als sie ein übergroßes Monster erschafft, wo sie gerade mal so groß wie dessen Fuß ist, bleibt sie Selbstsicher und wirkt so auch immer noch bedrohlich. Hier Chapeau vor der Schauspielerin, die einen schlecht geschriebenen Charakter doch noch vor der Lachnummer bewahren konnte.
Die Power Rangers selbst wurden mit jungen Nachwuchsschauspielern besetzt, die bisher eher wenig Erfahrung vor der Kamera hatten. Trotzdem spielen sie ihre Rollen sehr souverän, auch wenn ihnen noch die ein oder andere Feinheit in der Mimik fehlt.
Letztendlich bleibt zu Power Rangers nur zu sagen, dass das Drehbuch deutliche Schwächen aufweist, die Dialoge mitunter etwas holprig sind, durch die lange Einführungsphase der Film mit Längen kämpft und auch die gut gestaltete Endschlacht keine Spannung mehr mit sich brachte. So fehlt im Großteil des Films die Action, stattdessen entwickelte es sich mitunter zu einem Teenagerdrama. Trotzdem schafft der Film es einen ganz eigenen trashigen Humor zu entwickeln, der gerade im Zusammenspiel mit den Schwächen des Films funktioniert. Gerade weil Power Rangers sich stellenweise selbst nicht so ganz ernst nimmt, funktioniert er auf dieser Ebene sehr gut, so dass man sich über die Schwächen hinwegsehend doch gut amüsieren kann.

Alles in allem sollte man den Film nicht zu ernst nehmen. Durch die deutlichen Schwächen ist es aber unwahrscheinlich, dass er den erwünschten Erfolg bringt, um wirklich noch fünf Fortsetzungen zu drehen. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Rammstein – Live aus Paris

Am 23.03.2017 brachten über 1000 Kinos Weltweit den neuen Rammstein-Livefilm auf die große Leinwand. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen.

2012 war Rammstein auf Tournee und spielte auch mehrere Konzerte in Paris. Jonas Åkerlund hat bei zwei dieser Konzerte über 40 Kameras installiert und das ganze Spektakel gefilmt. Nun fünf Jahre später ist der Film endlich fertig geschnitten und konnte auf die große Leinwand gebracht werden.

Rammstein ist für drei Dinge bekannt. Zum einen für ihren sehr eigenen Musikstil, den sie selbst als “neue deutsche Härte” bezeichnen. Zum anderen für ihre umstrittenen Texte, bei denen sie Themen ansprechen, diese aber in ihren Texten immer unkommentiert lassen, so dass sie jeder für sich selbst interpretieren kann. Und zu guter Letzt für ihre spektakulären Bühnenshows. Schon seit ihren ersten Konzerten versuchten Rammstein immer eine gute Show zu liefern, egal, wie viele Menschen im Publikum stehen. Inzwischen ist jedes ihrer Konzerte innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Mit ihren stolzen Ticketpreisen – eine große Pyroshow muss auch finanziert werden – schaffen sie es ihre Show jedes Mal noch etwas aufregender zu gestalten, auch wenn sie viele Grundelemente regelmäßig übernehmen.
Doch wie schafft man es nun diese Show, die auch zum großen Teil von den Emotionen des Liveschauens lebt, auf die Leinwand zu bannen. Und wo liegt der Mehrwert für den Zuschauer – außer das der Eintrittspreis im Kino deutlich geringer ist? Jonas Åkerlund, der bereits für mehrere Musikvideos mit Rammstein zusammen arbeitete, stellte sich nun dieser Herausforderung. So vereinte er die Bühnenshow mit Elementen des Musikvideos und versuchte durch seine über 40 Kameras, die er vor der Show installierte, alles einzufangen und durch verschiedene Winkel, Weit- und Nahaufnahmen eine abwechslungsreiche Sicht auf die Dinge zu geben. Dies gelingt ihm sehr gut, so dass man sich immer wie mittendrin statt nur dabei fühlt. Zudem schafft er es durch gelungene Überblendungen das Kunstwerk Rammstein noch mehr in den Vordergrund zu stellen.
Und was ist nun der Vorteil für den Zuschauer das ganze Spektakel im Kino zu sehen? Nun für mich mit meinen 1,55m ist es wohl an erster Stelle, dass ich alles sehen konnte. Denn in der Menge beim Konzert wäre ich komplett untergegangen und hätte daher wenig von der Show gehabt. Zum anderen natürlich der Preis. Und zu guter Letzt ist die Sicht uneingeschränkt, heißt man ist nicht vom Blickfeld seines Standpunktes abhängig, sondern sieht alles von der Show, mit den zusätzlichen Elementen, die Akerlund einbaute. Der Vorteil den Film im Kino und nicht später zu Hause auf DVD zu sehen, ist natürlich die Größe der Leinwand und die gute Soundanlage eines jeden guten Kinos.
Während ich zum Kinoevent “Rammstein in Amerika” einige Kritikpunkte am Publikum losließ, muss ich bei diesem zweiten Event einiges loben. Da ich bekanntermaßen nicht mehr in Leipzig wohne, habe ich bei diesem zweiten Event auch nicht mehr im Cinestar Leipzig gesessen. Mein neues Kino hielt es zum Glück für überflüssig eine zweite Securitykontrolle einzuführen und beließ es beim einfachen Karten einscannen, was das Hineingehen viel entspannter gestaltete. Während in Leipzig größtenteils ein sehr junges Publikum bei Rammstein in Amerika zu finden war, bevölkerte nun die “ältere” Generation das Kino. Das brachte den Vorteil mit sich, dass alle viel mehr Lust auf das Konzert hatten. Dies spürte man auch während der einzelnen Lieder. Es stand zwar auch diesmal keiner auf, aber trotzdem wurden diesmal die Köpfe geschwenkt, applaudiert und Jubelpfiffe ertönten. So kam zumindest leichte Konzertatmosphäre auf.

Logan

Am 02.03.2017 kam der finale Teil der Wolverine-Trilogie in die deutschen Kinos.

Viele Jahre nach seinem letzten Abenteuer ist Wolverine gealtert und seine Heilungsmutantenkräfte funktionieren nicht mehr richtig. Mutanten gibt es kaum noch. Nur Charles Xavier vegetiert in einem alten Tank vor sich hin, seine Mutantenkräfte hat er auch nicht mehr richtig unter Kontrolle. Bis eines Tages eine junge Frau in aufsucht und um Hilfe bittet. Widerwillig wird Wolverine der Beschützer der kleinen Laura, die seltsamerweise ähnliche Kräfte, wie er zu haben scheint.

Bei den X-Men Filmen ist es immer ein bisschen schwierig die Zeitlinie zu verstehen, da es sich inzwischen um drei verschiedene Trilogien handelt, die sich auch noch teilweise überschneiden. Logan gehört zur Wolverine-Trilogie und bildet den Abschluss. Der erste Teil “X-Men Origins: Wolverine” kam 2009 in die Kinos und erzählte die Geschichte vom Mutanten Wolverine ehe er zu den X-Men stieß. Hier wurde vor allem stark kritisiert, dass der Film sehr verweichlicht sei, da er unbedingt zur Zielgruppe passen wollte und daher eine “Ab 12 Jahren”-Freigabe brauchte. 2013 folgte der zweite Teil “Wolverine: Wege des Kriegers” und spielte in Japan. Damit unterschied er sich stark von allen vorherigen X-Men Filmen und brachte das Thema der Sterblichkeit zum ersten Mal zur Sprache. Nun haben wir das Jahr 2017 und der letzte Teil trägt den passenden Namen Logan und schlägt zum ersten Mal im Superhelden-Genre einen ganz anderen Ton an und traut sich als zweiter Teil nach Deadpool an eine “Ab 16 Jahren”-Freigabe

Gleich zu Anfang des Films merken wir, dass einige Zeit zwischen dem zweiten und dem dritten Teil vergangen sein muss. Denn wir treffen auf einen Wolverine, der stark gealtert ist und sich mitunter kaum noch auf den Beinen halten kann – was allerdings auch an seinem starken Alkoholkonsum liegen kann. Gleichzeitig ist der erste Kampf sehr viel brutaler, als wir es bisher sahen. Logan ist inzwischen Chauffeur und versucht mit seinem Gehalt auf ein Boot zu sparen. Er pendelt regelmäßig zwischen seinem Arbeitsplatz und einer alten verlassenen heruntergekommenen Schmelzanlage. Hier versteckt er Prof. Charles Xavier, einst der brillianteste Kopf der X-Men und deren Anführer. Doch eine neurodegenerative Erkrankung macht aus dem einst brillanten Kopf eine unkontrollierbare Gefahr. Mutanten wurden schon seit Jahren keine mehr geboren und die beiden ehemaligen X-Men müssen einsehen, dass sie vielleicht doch nicht die nächste Evolutionsstufe waren, sondern nur eine Laune der Natur. Doch eines Tages sucht eine Frau Logan auf und bittet ihn um Hilfe. Er soll sie und ihre Tochter Laura an einen sicheren Ort nach North Dakota bringen. Obwohl er sich strikt weigert, wird Logan doch mit hineingezogen und muss mit Charles und Laura fliehen.
Filme aus dem Superhelden-Genre sind meist sehr bunt, sehr actionlastig und voller Humor. Die Humorschiene trifft vor allem das Marvel Cinematic Universe regelmäßig. Das DC Cinematic Universe hat bereits mehrfach versucht einen düsteren Ton anzustimmen, ist aber meistens über ihre eigenen Bemühungen gestolpert – wie zuletzt bei Suicide Squad. Die X-Men Filme standen meist im Schatten des großen Vorbildes Marvel, bedienten aber auch die gängigen Klischees. Logan jedoch ist in gelb und brauntönen gehalten und hat nur wenig Farbanteile, hat auch einige gute Actionszenen, aber bei weitem weniger als noch die Vorgängerfilme und auch der Humor wurde stark gedrosselt. So bricht Logan mit allen Erwartungen und schafft eine neue Art des Superhelden, nämlich der Gealterte.
Kann man noch ein Superheld sein, wenn man langsam gebrechlich wird? Wie soll man die rasanten Kämpfe ausfechten, wenn einem die eigenen Kräfte, sowohl Mutantenkräfte, als auch die ganz normale Kraft eines jeden Menschen, die mit dem Alter immer geringer wird, verlassen? Kann man dann noch immer ein Held sein? Genau dies ist das Hauptthema in Logan. Wir erleben von der ersten Sekunde an einen geschwächten Wolverine. Seine Klingen fahren nicht mehr ganz korrekt aus, seine Heilungskräfte versagen und auch seine restliche Muskulatur ist geschwächt. Er wehrt sich dagegen, doch muss immer mehr feststellen, dass er teilweise auch auf Hilfsmittel angewiesen ist. Die ganze Situation, gepaart mit der Tatsache, dass die Mutanten so gut wie ausgestorben sind, lässt Logan immer mehr Alkohol konsumieren. So spiegelt er irgendwo auch den resignierten Held wieder. Trotzdem handelt es sich bei Logan um einen Superheldenfilm, denn Wolverine wird, obwohl er alles versucht, um es zu vermeiden, in einen Auftrag hineingezogen. Jetzt muss er beweisen, was noch in ihm steckt und wie viel er noch immer aushalten kann.
Das zweite große Thema ist das Familienleben. Wolverine versuchte bereits häufiger häuslich zu werden, doch gelang es ihm nicht. Das Leben als richtige Familie hat er nicht kennengelernt. Umso bizarrer ist es, als er auf der Flucht immer wieder Laura als seine Tochter und Xavier als seinen Vater ausgeben muss. Wie stellt man eine Familie da, wenn man eigentlich keine ist? Und können trotzdem familiäre Gefühle auftreten? Das sind weitere Fragen, die Logan versucht zu beantworten.
Natürlich muss es auch in Logan wieder einen Bösewicht geben, der die drei verfolgt. Hier wurde wieder einmal auf das Klitschee des bösen Wissenschaftler zurückgegriffen, womit sich auch der Kreis seit dem ersten Wolverine-Solofilm schließt. Dort erhielt Wolverine nämlich durch Experimente seine Alamantium-Klingen. Zeitgleich bringt Logan noch neue Ideen mit ein, was das Klitschee des Bösewichts zwar verstärkt, sich aber von den anderen X-Men Filmen wieder abhebt.
Trotz der düsteren Grundstimmung schafft es Logan auch immer wieder hoffnungsvolle Momente einzubringen und durch einen exzellent ausgewählten Soundtrack, der überwiegend auf ruhigere Klänge setzt, immer die passende Stimmung zu vermitteln. Durch die Anpassung der Freigabe auf “Ab 16-Jahren” wurden die einzelnen Kämpfe zwar brutaler als die Vorgängerfilme und es wurde bei weit weniger Szenen weggeblendet. Trotzdem trifftet Logan nicht ins Übertriebene ab, sondern zeigt eher die brutale Wahrheit bei Kämpfen mit Alamantium-Klingen. Die Schauspielleistungen bleiben auf dem bekannten Niveau, vor allem vom Hugh Jackman und Patrick Stewart. Die neuen Darsteller reihen sich mit ein und treffen in der Darstellung genau den richtigen Ton.
So schafft es Logan eine gute Leistung abzuliefern, nebenbei das Superheldengenre auf ein ganz neues Niveau zu bringen und trotzdem Spannung zu schaffen. Trotzdem hängt der Film an manchen Stellen. Ich fühlte mich nicht richtig abgeholt und an manchen Stellen nimmt der Film sich auch einfach zu ernst bzw. wird zur schweren Kost. Vielleicht lastete auf mir auch einfach nur die Tatsache, dass ein lange existierender Held, immerhin erschien der erste X-Men Film bereits 2000, nun alt ist und ebnet den Weg für das Unausweichliche. Irgendwann werden auch meine anderen Helden alt sein.

Alles in allem ein gelungener und runder Abschluss der dritten X-Men-Reihe. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Mr. Robot

Nachdem Mr. Robot im letzten Jahr regelmäßig Nominierungen bei den Emmys, den Golden Globes und ähnlichem erhielt und dabei auch den ein oder anderen Preis abräumte, wagte ich mich endlich auch einmal an die Serie. Diese Kritik bezieht sich auf die erste Staffel.

Elliot Anderson arbeitet am Tag bei einem IT-Sicherheitsunternehmen, in der Nacht hackt er die Daten seiner Mitmenschen. Gleichzeitig leidet er unter Persönlichkeitsstörungen und Angstzuständen. Eines Tages erfährt er von dem ominösen Mr. Robot und der Hackergemeinde f-society. Er beschließt sich ihnen anzuschließen und gegen den Multikonzern E Corp vorzugehen und damit das globale Finanzsystem zum Einsturz zu bringen.

Mr. Robot befasst sich mit mehreren großen Themen und schnürt diese zu einem einzigen. Zum einen ist da die Verantwortung der Unternehmen. E Corp – von Elliot immer nur Evil Corp genannt – ist ein großer Multikonzern, der sich jedoch mehr um seine Finanzen als um seine Mitarbeiter kümmert. So kam es, dass Mitarbeiter Giftmüll ausgesetzt waren und dadurch an Leukämie erkrankten und starben. So auch Elliots Vater und die Mutter von Angela Moss, Elliots Kollegin und eine gute Freundin. Das zweite große Thema der Serie ist die Hackerszene. Die f-society um Mr. Robot, der Elliot beitritt, ist nur ein ganz kleines Licht. Im Laufe der Staffel haben sie aber immer wieder Kontakt zu anderen Hackergemeinschaften. Das dritte Thema ist Drogenkonsum und -vertrieb. Elliot selbst nimmt regelmäßig Morphium, versucht aber nicht abhängig zu werden. Seine Freundin Shayla ist seine Dealerin, steht aber im Abhängigkeitsverhältnis zu größeren Dealern. Beim vierten und letzten großes Thema geht es um Elliots Persönlichkeitsstörung und seinen Angstzuständen, mit denen er tagtäglich zu kämpfen hat. Woher rühren diese und wie kann er seinen Alltag mit Ihnen bewältigen? Durch diese vier großen Themen ist die Serie mehr als überfüllt. Sie springt wild hin und her, behandelt jedes Thema am Rand, aber nie gründlich.
Zeitgleich hat Mr. Robot sehr viele Figuren, die nur gelegentlich einmal auftreten oder die etwas häufiger auftreten, aber niemals richtig vorgestellt wurden. So wird selbst in der f-society auf Elliot, Mr Robot und Darlene der Fokus gelegt und die anderen Mitglieder immer mal wieder nebenbei erwähnt, wenn sie gerade einmal nützlich für die Serie wurden. Auch bei Allsafe Cybersecurity, der IT-Sicherheitsfirma, bei der Elliot arbeitet, werden einzelne Charaktere vorgestellt, teilweise charakterisiert und dann wieder abgelegt, weil sie nicht mehr wichtig genug sind. So lernt der Zuschauer im Laufe der Serie viel zu viele Charaktere kennen, um sie dann doch wieder zu vergessen. Hier wäre, wie auch schon bei den Handlungsthemen, weniger eindeutig mehr gewesen.
Aber wieso hat Mr. Robot dann so viele Nominierungen bekommen? Das liegt zum einen an der sehr guten Erzählstruktur, die einem durch das Wirrwarr der Handlung verhilft. So erzählt Elliot seine Gedanken, Weltanschauung und Beweggründe einem unsichtbaren Freund. Es wird immer als off-Stimme eingeblendet und dient so als Erzähler, um die teilweise doch verwirrenden Handlungen oder die technischen Begriffe besser nachvollziehbar zu machen. Gleichzeitig ist dies ein weiteres Indiz für Elliots Persönlichkeitsstörung, da er sich im Laufe der Staffel mehrfach fragt, wem er das denn alles erzählt, da sein Freund doch nur eingebildet ist.
Als zweiter Grund für die vielen Nominierungen ist zu sehen, dass die Serie trotz verworrener und überquellender Handlung immer noch einen großen Spannungsbogen schafft. Gebannt sieht man Folge für Folge, wie Elliot mit all seinen Problemen zu kämpfen hat und trotzdem irgendwie den Alltag meistert.
Ein weiterer großer Erfolgsfaktor ist Rami Malek, der Elliot Anderson spielt. Er schafft es perfekt den schmalen Grad zwischen Genie und Wahnsinn bei Elliot zu verkörpern. Dabei spielt er ganz nuanciert und bezieht immer wieder mit ein, dass Elliot größtenteils unter Drogeneinfluss steht. So kann man sich stets in den Protagonisten hineinversetzen, auch wenn man seine Handlungen nicht immer nachvollziehen kann.

Alles in allem ist Mr. Robot eine Serie mit Stärken und Schwächen. Schon nach den ersten Folgen sollte für den Zuschauer feststehen, ob sie mit den Schwächen klar kommt, oder nicht. Mich persönlich hat die Serie nicht richtig abholen können, weswegen ich noch nicht sicher bin, ob ich mir auch die zweite Staffel ansehen werde.

Cinemathek: My first Lady

Willkommen in der Cinemathek, heute mit My first Lady. Der Film lief ursprünglich ab dem 15.09.2016 in den deutschen Kinos.

Der junge Barack Obama arbeitet während seines Studium zeitweise in einer Anwaltskanzlei. Dort lernt er die Rechtsanwältin Michelle Robinson kennen, die er versucht für sich zu gewinnen. Sie gibt sich aber zurückhaltend, lässt sich aber letztendlich doch auf ein Date ein.

Nachdem nun Donald Trump die Präsidentenwahl gewann, denken viele sehnsüchtig an die Regierungszeit Obamas zurück. Besonders beliebtes Motiv in den sozialen Netzwerken ist der Vergleich zwischen der Liebe von Barack und Michelle Obama und Donald und Melania Trump, bei denen letztere selten gut wegkommen. Im letzten Jahr, noch vor der US-Wahl wurde das Motiv der Liebe zwischen den Obamas auch für den Film My first Lady genutzt. Viele Kritiker spotteten, dass dies lediglich der Versuch sei das Image der Obamas noch einmal anzuheben, da sie keinen Einfluss auf die Geschichtsbücher mehr nehmen können. Doch nehmen wir erst einmal den Film genauer unter die Lupe.
Es ist das Jahr 1989. Michelle Robinson arbeitet in einer Anwaltskanzlei und muss trotz der modernen Zeit als Schwarze und als Frau mehr arbeiten als ihre männlichen weißen Kollegen, um akzeptiert zu werden. Während seines Studiums absolviert der junge Jurastudent Barack Obama ein Praktikum in genau dieser Kanzlei. Er wirbt um Michelle, die ihn jedoch zunächst gänzlich zurückweist. Schließlich überredet er sie doch auf ein “Nicht-Date” und versucht sie an diesem einen Tag von sich zu überzeugen. Doch Michelle hat Angst auf Arbeit noch weniger Ernst genommen zu werden, wenn sie eine Beziehung zu einem Kollegen anfängt.
My first Lady ist keine Ausschweifende Erzählung über die gesamte Liebesbeziehung der Obamas und erzählt auch keine Grundsteine auf ihrem Weg ins weiße Haus. Der Film widmet sich nur einem einzigen Tag. Dem Tag des erstes Dates von Barack Obama und Michelle Robinson, bzw des ersten “Nicht-Dates”. Sie besuchen Ausstellungen, Debatten und das Kino und während Barack immer wieder versucht im guten Licht zu stehen, um Michelle zu beeindrucken, versucht diese verzweifelt nicht beeindruckt zu sein. Herausgekommen ist ein Film, der einfach nur die Schönheit der Liebe an vorderster Stelle steht. Beim Sehen des Films vergisst man, dass es sich um das spätere Präsidentenpaar der USA handelt. Man vergisst, dass sich beide später einmal politisch engagieren und lässt sich einfach nur auf die wahre unverfälschte Liebe ein. Die Geschichte selbst hätte auch von zwei absolut fiktiven Personen handeln können. Das hätte dem Film vielleicht auch ganz gut getan, denn so geht man doch mit einem gewissen Grundgefühl an den Film.
Im Prinzip zeigt My first Lady eine ganz simple und aufregende Liebesgeschichte. Ohne große Dramatik, aber auch ohne großen Spannungsbogen – immerhin weiß man ja bereits, dass sich die Beiden am Ende finden und heiraten. Dafür mit so viel Herz und Magie schon in den einfachsten Sätzen. Viele Liebesfilme kommen ja immer mit großem Drama und vielen Tränen daher. Beides fehlt in My first Lady vollkommen und lässt ihn damit schön aus der Masse herausstechen.

Alles in allem ein schöner unaufgeregter Liebesfilm, der auch über jedes andere Pärchen hätte sein können. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Kong – Skull Island

Am 09.03.2017 erschien ein neuer Film über King Kong in den deutschen Kinos.

Ein Forschungsteam bricht zusammen mit einer Militäreskorte zu einer bisher unentdeckten Insel auf. Doch dort finden sie nicht nur einen rießigen Affen vor, der ihre Hubschrauber vom Himmel holt, sondern noch ganz andere Geschöpfe. Werden sie es von der Insel lebend wieder herunterschaffen?

Über King Kong wurden bereits unzählige Filme gedreht. Immer wieder drehte es sich um seine Vorliebe für die eine Frau, die er auf das Empire State Buildung entführte. Doch mit Kong wurde nicht die gleiche Geschichte wieder erzählt, sie wurde aber auch nicht komplett neu eingefangen. Aber immerhin blieb diesmal das Empire State Building verschont. Bereits 2014 wurde mit Godzilla ein altes Monster neu belebt. In diesem neu geschaffenem „Universum“, soll nun auch Kong spielen, damit es in ein paar Jahren dann den Zweikampf der Giganten geben kann: King Kong vs. Godzilla.
Aber zunächst zu Skull Island. Im Jahr 1972 ist der Vietnam-Krieg so gut wie beendet und die Erfahrung ist noch schmerzlich im Kopf der amerikanischen Bevölkerung. Diesen Moment nutzen Bill Randa und sein Assistent Houston Brooks von der Regierungsorganisation Monarch, um finanzielle Hilfen und eine Militäreskorte zu einer erst durch Zufall entdeckten Insel zu erhalten, die sie erforschen wollen. Lieutenant Colonel Packard und seine Truppe werden aus dem Vietnam direkt zu diesem Einsatz abberufen. Gleichzeitig verpflichten Randa und Brooks den Pfärtenleser und Söldner Captain James Conrad für eine großzügige Summe für ihre Mission. Um den Trupp zu vervollständigen schließt sich selbstständig noch die Kriegsfotografin Mason Weaver an. Alle zusammen durchfliegen den Sturm, der dauerhaft um die Insel kreist, nur um zu merken, dass sie dir Insel besser nicht betreten hätten. Denn der rießige Affe Kong, der sie begrüßt und alle Hubschrauber vom Himmel holt, ist nur der Anfang der Schrecken der Insel.
Zu viele Namen in der Filmbeschreibung? Das könnte daran liegen, dass Kong – Skull Island mit viel zu vielen Haupt/Nebencharakteren auffährt. Dabei wird keiner richtig charakterisiert, aber bei jedem wird es versucht. Das für diese halbherzigen Charaktere aber viele durchaus bekannte und erfolgreiche Schauspieler gecastet wurden, beweist eher das Geschick der Marketingabteilung als der Castingabteilung. Denn Namen wie Tom Hiddleston, Brie Larson, Samuel L. Jackson, John Goodman und John C. Reilly lassen eigentlich auf ein sehr gute schauspielerische Qualität im Film schließen. Ihre Rollen hat auch keiner schlecht gespielt, allerdings waren die Aufgaben sehr eingeschränkt und klar verteilt. Larson war lediglich dafür da, um eine Frau im Team zu haben und ständig die Kamera vor das Gesicht zu halten, Hiddleston war als sympathischer Schönling engagiert, der regelmäßig ein paar Personen rettet und den Gegenpol zu Samuel L. Jackson gab, der wiederum nur dafür da war böse zu gucken und die Dynamik des Teams zu brechen. Hier wurden gute Schauspielnamen eindeutig verschleudert, da die Charaktere auch einfach von unbekannteren Darstellern hätte übernommen werden können.
Auch die Handlung ist sehr einfach gestrickt. Lasst uns die Insel erforschen, wir hätten nie herkommen sollen, wie kommen wir jetzt wieder runter von der Insel. Damit ist alles zusammengefasst. Was allerdings nicht heißen soll, dass es sich bei Kong – Skull Island um einen schlechten Film handelt. Denn bildgewaltige Action, Kämpfe mir riesigen „Monstern“ und einer Menge netter Oneliner, die einen zum schmunzeln brachten, waren in Hülle und Fülle vorhanden. Und genau dies war nach Beschreibung und Trailer zu erwarten. So erfüllt er letztendlich die Erwartungen, durch einige „Schönheitsfehler“, wie beispielsweise die Schnittweise wechselnde Tageszeit, und teilweise sehr klitscheehafte Entwicklungen, schafft er aber nicht den Sprung zu einem wirklich herausragenden Film. Trotz einiger schöner Klitscheebrecher und unvorhersehbaren Wendungen, hält sich Kong ein bisschen zu sehr an dem bereits Bekannten.

Alles in allem erfüllt Kong – Skull Island die Erwartungen, schafft aber nicht den Sprung darüber hinaus. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Eine Million Minuten

Neulich wanderte nach Empfehlung wieder ein neues Buch in mein Regal, bei dessen Titel ich immer wieder überlegen muss, wie viele Nullen nun diese gewaltige Zahl hat.

Wolf Küper ist Tropenforscher und Gutachter bei den vereinten Nationen. Er jettet regelmäßig rund um die Welt und verpasst dabei das Leben zu Hause in Bonn, wo Frau Vera, Baby Simon und seine Tochter Nina auf ihn warten. Bis Nina sich eines Abends wünscht, dass sie eine Million Minuten zur Verfügung hätten, nur für die schönen Dinge im Leben. Daraus resultierte eine Reise, die die ganze Familie veränderte.

Natürlich weiß ich, dass eine Million sechs Nullen hat. Aber trotzdem ist es eine Zahl, die man nur schwer fassen kann. Als ich das Buch anfing zu lesen, dachte ich, dass eine Million Minuten eine gar nicht soo lange Zeit sein kann, immerhin geht eine Minute relativ schnell vorüber. Bis ich zum Taschenrechner griff. Eine Million Minuten sind fast 2 Jahre, also doch eine ziemlich lange Zeit. Was kann man alles machen, wenn man eine Million Minuten nur für die schönen Dinge im Leben Zeit hätte? Und was sind die schönen Dinge? Und wie verläuft die Erziehung, wenn das eigene Kind eine Behinderung hat? Genau diesen Fragen stellt sich das Buch bzw. Wolf Küper als Autor und Protagonist. Denn dies ist eine zu 100% wahre Geschichte.
Wolf Küper hat viele Jahre studiert, überall auf der Welt Praktika absolviert und jede Menge geforscht, um seinen Traum als Tropenforscher wahr zu machen. Endlich ist er auf der Karriereleiter so weit, dass er als Berater für die vereinten Nationen arbeiten kann. Er verdient ein Haufen Geld, kann sich die teuersten und schönsten Sachen leisten und arbeitet an immer anderen Stellen auf der Welt. Klingt nach einem spannenden und erstrebenswerten Leben? Das dachte Wolf auch, bedachte dabei aber nicht, dass seine Familie damit weniger glücklich ist. Denn seine Frau Vera ist oft wochenlang mit den beiden Kindern alleine zu Hause. Simon, noch ein Baby, ist dabei das kleinere Problem, denn die vierjährige Nina ist sehr grobmotorisch veranlagt und auch geistig ein bisschen zurückgeblieben. Das würden die Ärzte allerdings nie so ausdrücken, sondern verstecken sich lieber hinter einem großen Haufen Fachvokabular. So beschließt Wolf zunächst seine große Beförderung aufzugeben und zurück zu der Familie nach Bonn zu ziehen. Aber selbst da ist das Leben von Hektik und Terminen bestimmt, was mit einem Kind, das fünf Minuten zum Anziehen einer Socke braucht, nicht unbedingt erleichtert wird. Eines Abends erzählt Tochter Nina Wolf, dass sie sich eine Million Minuten wünscht, nur für die schönen Dinge im Leben. Die schönen Dinge im Leben sind für Wolf erst ein Rätsel, doch letztendlich lassen er und seine Frau Vera sich auf das Experiment ein. Und verlassen Deutschland für eine Million Minuten. Dabei lassen sie zunächst nur das alte Leben hinter sich, bald aber auch ihre alten Denkmuster und lernen das Leben noch einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel kennen.
Wolf Küper hat eine ganz eigene Art seine Geschichte zu erzählen. Denn statt vieler lustiger Anekdoten von ihrer Reise oder einem ganz genauen Bericht, wann sie wo waren, beschränkt er sich eher auf die Ereignisse, die sein Denken verändert haben. So lernt man zunächst den zielstrebigen Businessmann kennen und erlebt ganz langsam, wie sich seine Denkweise ändert und ganz unterschwellig ändert sich auch die eigene Sicht auf bestimmte Themen. Ganz nebenbei lernt man verschiedene Personen kennen, die einem immer wieder schöne Lektionen mit auf den Weg geben. Auch wenn man das Buch aus den Händen legt, trägt man irgendwo noch einen Gedanken mit sich herum, der aus dem Buch entsprang. Als zweites großes Thema, neben dem Freimachen vom Alltag, ist die Erziehung von Nina. Denn auch sie hat viele Träume, beispielsweise wäre sie später gerne Feuerwehrfrau. Aber mit ihrer Behinderung wird ihr Traum wohl kaum in Erfüllung gehen. Aber wie bringt man dies einem Kind bei? Zerstört man sofort all ihre Träume und sieht zu, wie sie immer sofort aufgibt, wenn etwas nicht beim ersten Versuch funktioniert? Oder sieht man zu, wie sie sich für den Versuch quält? Auch hier findet Küper genau den richtigen Ton, um mögliche Erziehungswege abzuwiegen und gerade hieraus resultieren die schönsten Gedankenwege.
Eine Million Minuten ist mit ca. 250 Seiten sehr kompakt erzählt und hat so keine Längen, ist aber auch nicht zu kurz geraten. Ein richtiger Spannungsbogen kommt hier nicht auf, ist für die Art des Buches aber auch nicht nötig. Wer sich von der Grundhandlung nicht angesprochen fühlt, sollte die Finger vom Buch lassen, denn mehr hat es nicht zu bieten. Aber wer sich gerne einmal andere Denkmuster anhören will oder sich einfach nur von Nina verzaubern lassen möchte, dem lege ich das Buch nah. Mein Herz hat es berührt.

“Eine Million Minuten” wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

Aus dem Tagebuch einer Kranken #1

Hallo ihr Lieben,
gerne würde ich euch hier Kritiken aus dem aktuellen Kinogeschehen präsentieren, aber leider hatte mich eine garstige Erkältung ans Bett gefesselt. Damit ihr aber nicht komplett auf Kritiken von mir verzichten müsst, will ich euch nun in Kurzform meine Krankenbett Unterhaltung präsentieren. Also was DVD-Regal, Netflix und Co. zu bieten hatten.

Die Filme:

Das brandneue Testament:

Eine relative Neuerwerbung in meinem DVD-Regal, nachdem ich den Film damals im Kino verpasst hatte. Gott existiert. Er lebt in Brüssel und ist ein tyrannisches Arschloch, der Spaß daran hat, die Menschheit ins Unglück zu stürzen. Bis eines Tages seine Tochter die Todesdaten an die Menschheit schickt, seinen Computer lahm legt und auf die Erde kommt, um sich sechs neue Apostel zu suchen.
So wirklich die Komödie, die ich erwartet hatte, habe ich leider nicht bekommen (verflucht seist du unrealistischer Trailer). Aber glücklicherweise gab es trotz der Suche nach Aposteln wenig Geschwafel über Glauben und Religion. Stattdessen werden eher sehr seltsame Menschen vorgestellt, die den Film aber einen gewissen Charme geben.

Der kleine Prinz:

Die Verfilmung des Bestsellers. Jedoch wird hier eine neue Geschichte gesponnen, um dann immer episodenartig aus dem Buch zu erzählen. Eine Kurzkritik habe ich bereits hier geschrieben.

Die Hexe und der Zauberer:

Einer meiner liebsten Disneyklassiker hat endlich seinen Weg in mein DVD-Regal gefunden (und das ganz ohne Hokedipokedi 😉 ). Die Disney Variante der Artussage, zumindest wie Arthur als Knappe auf Merlin trifft und schließlich das Schwert im Stein findet. Das ganze ein bisschen ausgeschmückt mit neuen Charakteren und wichtigen Lektionen (Hin und her, leicht und schwer, ja so ist der Lauf der Welt *sing*) macht einen absolut herrlichen, charmanten und lustigen Film, den ich mir seit meiner Kindheit immer wieder ansehen kann.

DUFF – Hast du keine bist du eine

Ein Film über das Schubladendenken an Highschools. Kein absolut neues Material, aber doch brachte er etwas neuen Wind ins Genre. Auch hier schrieb ich bereits eine etwas ausführlichere Kritik.

The Expendables

Vorsichtig wagte ich mich auch an einen der Filme, die mein Freund mit in die Beziehung brachte. So kam es, dass ich mir den Film ansah, von dem ich nur wusste, dass die ganzen „alten“ Actionhelden zusammengetrommelt wurden. Da ich aber von den „guten alten Actionfilmen mit den guten alten Actionshelden“ á la Rambo und co. aber nichts gesehen habe, konnte ich auch mit den Gesichtern nur wenig anfangen. Vielleicht fehlte mir dadurch der Nostalgiefaktor, denn ich bekam einen sehr durchschnittlichen Actionfilm geliefert. Schön gefilmte Actionszenen, aber wenig Handlung und irgendwo doch zu viele Charaktere, um komplett durchblicken zu können.

xXx – The next Level

Nachdem ich neulich den dritten Teil im Kino sah,beschloss ich, dass es Zeit wurde endlich auch einmal den zweiten Teil der Triple-X Reihe mit Ice Cube statt Vin Diesel in der Hauptrolle anzusehen. Hier merkt man deutlich, dass Diesel doch irgendwo den Charme der Reihe ausmachte und er mit Cube nicht so Recht funktionieren will. Das liegt allerdings weniger am Schauspiel, als vielmehr an der etwas plumpen Handlung, der Witz und Originalität fehlt. Selbst Schauspielnamen wie Samuel L. Jackson, Scott Speedman und Willem Dafoe konnten hier nichts retten. Dafür waren die Actionsequenzen auch wieder gut choreographiert und gefilmt.

Wild Things

Auf Empfehlung landete dieser Film übergangsweise in meinem DVD-Regal und wartete nun darauf gesehen zu werden. Zwei Schülerinnen werfen aus heiterem Himmel einem allseits beliebten Lehrer Vergewaltigung vor. Die Polizei ermittelt und die Meinung scheint schnell überall festzustehen. Doch was ist wirklich passiert? Über den Film kann man nicht viel sagen, ohne nicht gleich zu spoilern. Zunächst scheint der Film sehr einfach gestrickt zu sein und auch beim Zuschauer steht schnell eine Meinung fest. Doch dann dreht sich der Film um 180° und alles, was man vorher zu wissen glaubte, wird auf den Kopf gestellt. Dadurch wird der Film aber weder wirklich spannend, noch wirklich Originell.

Die Serien:

Lucifer
Staffel 1

Lange Zeit war ich großer Fan von Crimeserien. Sei es Lie to me, Bones, CSI New York, ich habe sie verschlungen. Doch irgendwann fehlte mir das gewisse Etwas und ich habe mich aus dem Genre Crime verabschiedet. Doch nun lächelte mich eine neue Serie an. Ihr Name Luzifer. Benannt nach ihrem Protagonisten dem Fürst der Hölle höchstpersönlich. Doch dieser hat die Nase von der ewigen Folterei voll und hängt seine Aufgabe an den Nagel gehängt. Während er sich eine Bar aufgebaut hat, lernt er durch Zufall Detective Chloe Decker kennen. Sie scheint die einzige zu sein, die nicht auf seine teuflischen Beeinflussungen reagiert. Um diesem Phänomen genauer nachzugehen, hängt sich Lucifer immer wieder an ihre Fersen und geht ihr damit gewaltig auf die Nerven.
Lucifer bewegt sich irgendwo zwischen Humor und Crime und bietet damit endlich neuen Stoff im Crimebereich. Die Charaktere sind alle interessant und vielschichtig gezeichnet. Gerade Chloe Decker ist eine schöne Bereicherung im Feld der starken Serienfrauen. Denn sie packt ihren stressigen Beruf, ist alleinerziehende Mutter und kriegt irgendwie noch ihre komplizierte Familie unter einen Hut. Aber sie ist trotzdem nicht allmächtig oder perfekt. Sie hat ihre Ecken und Kanten, ihre Stärken und auch einige Schwächen, macht Fehler wie jeder andere, hadert mit den Erziehungsmethoden und hält trotzdem immer die Ohren steif.
Der größte Pluspunkt ist jedoch Lucifers großes Ego und seine oftmals schwarzhumorigen Sprüche. Ich wurde in der ersten Staffel definitiv gut unterhalten und warte nun begierig auf mehr.

Castle
Staffel 1&2

Die Serie wurde mir bereits vor Jahren empfohlen, aber Amazon hat sie erst jetzt in ihr Primeangebot aufgenommen. Zudem war ich nach Lucifer ganz begierig auf noch mehr Crime und das ganze bitte mit schön viel Humor gesalzen. Und genau das bekam ich geboten, so dass ich diese Serie noch schneller verschlang als Lucifer. Denn Rick Castle ist eigentlich erfolgreicher Autor mehrer Krimibestseller. Doch nach vielen Erfolgen gingen ihm letztendlich die Ideen aus und er brauchte neue Inspiration. Als er auf Detective Kate Beckett trifft, inspiriert diese ihn eher unfreiwillig für eine neue Romanfigur namens “Nikki Heat”. Durch seine Beziehungen zum Bürgermeister schafft Castle es, Beckett dauerhaft bei den Ermittlungen folgen zu dürfen. Dadurch entsteht ein etwas ungleiches Gespann, was umso mehr Witz mit sich bringt. Genauso wie bei Lucifer sind es hauptsächlich der Witz und die guten Dialoge, die den Reiz der Serie ausmachen und den Unterschied zur durchschnittlichen Crimeserie, auch wenn sich hier kaum schwarzer Humor wiederfindet. Definitiv eine Serie, die ich noch lange weiter suchten werde.

Black Mirror
Staffel 1

Viel zu lange lag diese Serie auf meiner Netflix Watchlist und wartete darauf, dass ich sie mir endlich ansah. Krankheiten haben eben doch etwas Gutes, nämlich dass man genau das aufarbeiten kann. So wagte ich mich letztendlich an diese Serie von der ich bisher nur wusste, dass es im Allgemeinen um Dystopien geht. Genauer kann man die Serie auch nicht wirklich beschreiben, da jede Folge mit ca. 60 Minuten ein eigener kleiner Minifilm ist. Neue Handlung, neues Setting, neue Darsteller. Die einzige Verbindung ist, dass man schnell merkt, dass irgendetwas faul ist und es sich daher immer um Dystopien handelt. Dabei sind die Erfindungen oder der Handlungsrahmen zwar immer stark überspitzt, aber trotzdem irgendwo doch denkbar und hat immer genug realitätsbezug um beängstigend zu sein. Black Mirror muss man mögen, um es zu sehen. Wer mit dieser Art der Geschichtenerzählung nichts anfangen kann, oder immer etwas braucht, um mit den Charakteren warm zu werden, dem ist diese Serie nicht zu empfehlen. Andererseits wenn einem eine Folge nicht gefällt, gibt es vielleicht eine andere Folge, die einem besser gefällt. Mir hat die Serie gefallen und die nächsten Staffeln warten nun wieder um gesehen zu werden.

Die Bücher:

Bei dir ist mein Herz

Entdeckt bei der lieben Mel und schon seit ein paar Monaten auf meinem E-Reader, wobei ich immer wieder ein bisschen weitergelesen habe, aber nie genug Zeit fand. Doch die Wartezeit beim Arzt habe ich genutzt, um nun doch endlich das große Finale zu lesen. Grundsätzlich gibt es drei Handlungsstränge. Einer spielt in den 1930er und 1940er Jahren und befasst sich mit Clara Chester, die durch finanzielle Schwierigkeiten nach dem Tod ihres Vaters das Gut ihrer Familie verliert und mit ihrer Schwester nach London zu ihrer gut situierten Tante ziehen muss. Der zweite Handlungsstrang befasst sich mit Leo Anfang der 2000er, der aus beruflichen Gründen von Deutschland nach New York ziehen musste und nun seine Freundin in Deutschland schmerzlich vermisst. Der dritte Handlungsstrang befasst sich mit den Freundinnen Martha und Cecilia. Martha hat ein kleines Haus an der englischen Küste geerbt und überredet ihre Freundin Cecilia, die nach dem Tod ihres Freundes vor über einem Jahr immer noch trauert, sie zu begleiten, um sie endlich einmal aus ihren vier Wänden zu kriegen. Nach und nach setzen sich die Puzzleteile zusammen und man erfährt, warum genau diese drei Geschichten erzählt werden. June Adams schreibt ihre Geschichte bittersüß mit Höhen und Tiefen, aber leider auch immer wieder mit erheblichen Längen. Stellenweise scheint es als würden alle Charaktere auf der Stelle treten und die Beschreibungen von vergangenen Ereignissen nehmen immer wieder überhand. Aber abgesehen von diesem kleinen Makel liest sich das Buch sehr flüssig und berührt das Herz. Gerade am Anfang des Buches kommen die Wechsel zwischen den Charakteren etwas abrupt, dies bessert sich aber im Laufe des Buches. Für alle, die lachen, weinen und das gleichzeitig wollen.

Black Rabbit Hall

Um dieses Buch bin ich immer wieder herumgeschlichen, konnte mich aber nicht durchringen es wirklich zu kaufen. Umso gelegener kam es mir, als mich der Verlag anschrieb und es mir als kostenloses Testexemplar anbot (Vielen Dank dafür und an Jellybooks als Kooperationspartner!). Black Rabbit Hall heißt eigentlich Pembroke Hall, aber keiner der Familie Alton nennt es so. Hier verbringen sie ihre Sommer und entkommen so der staubigen Luft Londons. Bis zu jenem schicksalshaften Sommer. Viele Jahre später sucht das junge Paar John und Lorna eine gute Location für ihre Hochzeit an der Küste Cornwalls und treffen auch auf Black Rabbit Hall. Von der ersten Sekunde an fühlt sich Lorna merkwürdig verbunden mit diesem Haus. Ein großes Familiengeheimnis und das junge Hochzeitspaar. Gegenwart und Vergangenheit wechseln sich hier gleichmäßig ab, aber natürlich immer genau dann, wenn man unbedingt in der anderen Zeit wissen will, wie es weitergeht. Auch eine Methode die Leser am Weglegen zu hindern. Aber genau das musste ich mehrfach tun, denn die endlosen Beschreibungen von Umfeld oder irgendwelchen Kleinigkeiten ging mir schnell auf die Nerven. Das Buch wurde künstlich verlängert und das obwohl der Ausgang der Handlung schon im ersten Drittel eindeutig wurde. Es gab wenig originelle Ideen, stattdessen wurde sich stark an Stereotype gehalten. Da es aber wirklich starke Vertreter in diesem Genre gibt (ich empfehle gerne immer wieder die Bücher von Kate Morton), fällt Black Rabbit Hall leider eher negativ auf. Zumal es auch keinen Charakter gibt, der wirklich sympathisch rüberkommt und mit dem man mitfiebern wollte. Eigentlich wollte ich am liebsten alle ständig eine gepfefferte Ohrfeige geben, damit sie alle mal wieder zu Vernunft kommen. Selbst für Genrefans ist dieses Buch leider keine Empfehlung.

Weltgeschichte to Go

Für längere Autofahrten bevorzugen mein Freund und ich oftmals ein gutes Hörbuch als Alternative zum Radio. Nachdem wir die Regale des ortsansäßigen Buchladens durchstöberten, fanden wir schließlich dieses Hörbuch und Christoph Maria Herbst als Sprecher war ein nicht ganz unentscheidener Faktor.

Wo liegt der Anfang der Menschheitsgeschichte? Was waren die wichtigsten Entwicklungen, die größten Schurken und die wahren Helden der Weltgeschichte? Auf nur 280 Seiten bzw. in unter sechs Stunden schafft Weltgeschichte to Go die wichtigsten Stationen aufzugreifen und pointiert wiederzugeben.

Bei „to Go“ denkt bestimmt jeder erst einmal an einen Kaffee, den man sich unterwegs schnell kauft und damit weiterhetzt. Doch klappt das auch mit der Weltgeschichte – also per Definition die gesamte Geschichte seit dem Urknall? Die Geschichte, die grundsätzlich in mehreren Tausende von Seiten dicken Buchbänden beschrieben wird? Und selbst in diesen werden meist nur die Hochkulturen bzw später die westliche Welt berücksichtigt. Doch Alexander von Schönburg hat sich davon nicht beeindrucken lassen und auf nur 280 Seiten das wichtigste zusammengefasst und somit die Weltgeschicht zum mitnehmen erschaffen. Schon im Vorwort hat macht er deutlich, dass sein Buch sich nur wenig mit Jahreszahlen beschäftigt und schon gar nicht als vollständiger Überblick genutzt werden kann. Stattdessen erzählt er Episodenartig zu verschiedenen Themen. So befasst er sich mit den ersten Hochkulturen, mit den größten Schurken, den wahren Helden, räumt mit Geschichtsirrtümern auf und schafft es sogar die Kunstgeschichte miteinzubeziehen. Dabei betont er immer wieder, dass es sich um seine sehr subjektive Auffassung der Geschichte handelt. Am Ende jedes Kapitels hat er immer noch zu einem neuen Thema eine Top 10 Liste, zu einem immer passenden Thema zum Vorgängerkapitel.
Weltgeschichte to Go ist kein Buch für jemanden, der sich effektiv mit Geschichte auseinander setzen möchte, denn die beschriebenen Fakten sind sehr wenige. Auch dient es keinesfalls als Lehrbuch. Aber wer sich pointiert mit einzelnen „Events“ aus der Geschichte befassen möchte, der sich auf eine sehr subjektive Aufassung von der Weltgeschichte einlassen kann und wer durchaus gewillt ist auch einmal etwas über die Geschichte zu schmunzeln, der ist mit Weltgeschichte to Go gut bedient. Denn der Reiz des Buches liegt gerade in seiner Kürze. So taucht man als Leser/Hörer für eine Weile in vergangene Zeiten ein, ohne sich gleich darin zu verlieren.
Christoph Maria Herbst als Sprecher ist grundsätzlich eine gute Idee, schließlich hat erst seine Stimme „Er ist wieder da“ zu einem unverwechselbaren Hörerlebnis gemacht. Doch diesmal hat er so seine Probleme bei der Betonung. Die Konsonanten stößt er praktisch heraus, so dass man beim Hören regelmäßig aufschreckt. So gut er eigentlich vorlesen kann, hier stört seine Art definitiv das Hörvergnügen.

Alles in allem ein kurzes humorvolles Werk, das die Geschichte einmal aus einem ganz anderen Winkel zeigt, wobei das Hörbuch selbst nicht zu empfehlen ist.

A Cure for Wellness

Am 23.02.2017 erschien eine neue deutsch-amerikanische Koproduktion in den deutschen Kinos.

Mr Lockhart wird von seiner Firma beauftragt das Vorstandsmitglied Mr Pembroke aus einem Wellness-Resort in den Schweizer Alpen abzuholen. Doch sobald Lockhart in der Schweiz ankommt, scheint Mr Pembroke verschwunden zu sein und er findet sich nach einem Autounfall selbst in dem Resort wieder. Dort geht er den merkwürdigen Vorkommnissen auf den Grund.

Viele denken bei Urlaub an Sonne Strand und Meer. Auch bei Urlaub in der Schweiz gehen die Gedanken schnell einen genauen Weg. Lange Wanderungen durch die Alpen, Skiurlaub und ähnliches. Das Wellness-Resort in A Cure for Wellness passt auf dem ersten Blick nicht in unser Bild von einem schönen Urlaub. Denn zum einen liegt das luxuriöse Resort sehr abgeschieden und die Dorfbewohner am Rande des Berges, scheinen einen regelrechten Groll gegen die Besucher zu haben. Zum anderen wirkt das Resort nicht sehr einladend. Diesen Eindruck erweckt das Resort auch auf den Protagonisten des Films Mr. Lockhart. Jung, ehrgeizig und hart arbeitend, versucht er in seinem Unternehmen schnell aufzusteigen. Als eine Fusion bevorsteht, wird das Vorstandsmitglied Mr Pembroke benötigt. Dieser befindet sich jedoch in einem Wellness-Resort in der Schweiz. Auf den Rückruf für die Fusion antwortet Pembroke mit einem sehr undurchsichtigen Brief, dem nur zu entnehmen ist, dass er wohl nicht mehr zurückkehren wird. So wird Mr Lockhart losgeschickt, um Mr Pembroke zurück zu holen. Dies gestaltet sich jedoch als schwieriger als zunächst angenommen, zumal Mr Pembroke kurz nach Lockharts Ankunft scheinbar spurlos verschwindet. Auf der Rückreise ins Dorf wird Lockhart jedoch in einen Autounfall verwickelt und wacht am nächsten Tag mit eingegipsten Bein wieder im Resort auf. Dort lernt er den Leiter des Resorts Dr. Volmer kennen, der sich zuvorkommend und verständnisvoll gibt. Doch sobald Lockhart anfängt etwas zu graben, stößt er auf Ungereimtheiten und merkt schnell, dass hier irgendetwas nicht stimmt.
A Cure for Wellness baut sehr schnell eine starke Atmosphäre auf, bei der ein leichtes Gruseln einen immer begleitet. Dafür sind kein gruseliger Soundtrack oder andere beliebte Horrorelemente nötig, sondern es ist eher dieses Gruseln, weil man sofort merkt, dass dort etwas nicht stimmt.
Die Handlung ist verstrickt, so dass man das Ende nicht gleich vorhersehen kann. Auch am Anfang vermutete Parallelen zu ähnlichen Filmen bewahrheiten sich nicht, was dem Film einen eigenen Stellenwert gibt. Nach jeder scheinbaren Lösung bzw. Nach jedem Hinweis, verstrickt sich die Handlung weiter und man weiß erst am Ende, wie genau jetzt alles zusammenhängt. Das Ende selbst ist zwar ein wenig abgedreht, bleibt aber im Bereich des Akzeptablen. Grundsätzlich unterscheidet es sich aber von der im Vorhinein aufgebauten Stimmung her stark.
Neben der Atmosphäre wird der Film vor allem von den guten schauspielerischen Leistungen getragen. Während man bei Hauptdarsteller Dane deHaan als Mr Lockhart immer wieder zwischen Sympathisch und Arschloch (vor allem am Anfang) schwankt, ist es vor allem Jason Isaacs als Dr. Volmer, der mit seiner ganz eigenen Art überzeugen kann. Wer ihn in Harry Potter als Lucius Malfoy erlebt hat, weiß, wie leicht Isaacs mit ein bisschen Mimik und wohl gewählten Worten eine ganz eigene Stimmung verbreiten kann. Mia Goth als Hannah hingegen merkt man an, dass sie noch Schauspielerfahrung sammelt. Sie spielt ihre Rolle durchaus souverän, aber es fehlt ihr etwas an Mimik und erinnert stellenweise leider sehr an Kristen Stewarts ausdrucksloses Spiel.
Die Spannung im Film wird sehr schnell durch die Atmosphäre im Wellness-Resort aufgebaut. Obwohl der Film mitunter etwas ruhig erzählt wird, hält sich die Spannung durch die offenen Fragen auf einem guten Niveau und steigert sich immer wenn Mr Lockhart kurz davor ist, wieder ein neues Geheimnis aufzudecken oder eine vorher im Raum stehende Frage beantworten will. So bleibt man trotz der relativ langen Spielzeit von 150 Minuten permanent an den Kinostuhl gefesselt und merkt gar nicht, wie die Zeit vergeht.

Alles in allem ein spannender und sehr atmosphärischer Film. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.