Sommerlektüren – Ausgabe 2022

Es ist Sommer!
Die Temperaturen lassen da wenig Zweifel aufkommen, die Sommerferien stehen (zumindest hier) bevor. Das heißt es wurde mal wieder Zeit für meine Sommerlektüren. Drei Bücher habe ich mir dieses Jahr herausgesucht und stelle euch die heute vor – natürlich mit Sommerlektürenfaktor!
Die Beiträge der letzten Jahre findet ihr hier: 2021 2020 2019

Apfelkuchen am Meer – Anne Barns

Die Handlung: Merle verbringt ihre Semesterferien auf Juist, wo sie in einem kleinen Café hilft, nachdem sie von einer Freundin hörte, dass dort eine Apfeltorte nach geheimen Familienrezept gebacken wurde. Dabei stößt die frisch getrennte gelernte Konditorin nicht nur auf ein altes Familiengeheimnis, sondern trifft auch auf Jannes und verliebt sich nicht nur in die Insel. 

Meine Meinung: Anne Barns ist ja seit einigen Jahren eine treue Begleiterin durch die Sommerlektüren. Auch mit Apfelkuchen am Meer hat sie wieder einen Volltreffer gelandet. Diesmal zog sie uns nach Juist und dort begegnen wir einigen tollen Frauen, rund um das kleine Café in dem Merle auushilft. Dabei geht es wieder viel ums Backen, was irgendwie auch immer mehr zu den Sommerlektüren gehört, so oft, wie es um Kuchen, Torten und Gebäck geht. Gleichzeitig haben wir wieder eine neue Insel zum erkunden und der Fernwehfaktor ist hier wieder hoch. Natürlich darf das Familiengeheimnis nicht fehlen, um einen vollständigen Anne Barns Roman draus zu machen. Dabei sind es wieder einmal die Charaktere, die ich unfassbar sympathisch fand und die sich schnell in mein Herz geschlichen haben. Der wie üblich lockere und flüssige Schreibstil Barns trägt sein übriges dazu bei, es zu einer  absolut gelungenen Sommerlektüre zu machen.

Sommerlektürenfaktor: *****

Dein Flüstern im Meereswind – Nele Blohm

Die Handlung: Caro hat mit ihrer besten Freundin ihren Traum wahr gemacht und einen Buchladen auf Hiddensee eröffnet. Nur ihre Mutter gönnt ihr das Glück nicht. Als sich diese zu einem Besuch ankündigt, kommt Caro in Erklärungsnot. Denn sie hat angegeben einen Verlobten zu haben und den will ihre Mutter nun sehen. Dabei läuft ihr der Meterologe Hannes über den Weg. 

Meine Meinung: Auch Dein Flüstern im Meereswind hat auf den ersten Blick alles, was eine gute Sommerlektüre ausmacht. Insel Hiddensee dient als Schauplatz, ein kleiner Buch- und Blumenladen, zwei beste Freundinnen, und natürlich die Einheimischen, die das gewisse Etwas mit reinbringen. Dazu gibt es viel Kuchen, eine Liebesgeschichte und natürlich ganz viel Liebe zur Insel. Doch irgendwie fühlte es sich alles zu konstruiert an. Die Entwicklung von Caros Mutter ist so vorhersehbar und die Wendung am Ende zu plötzlich. Es werden praktisch die richtigen Zutaten in den Topf geworfen, aber es fehlte das gewisse Etwas. Wäre es mein erstes Buch in die Richtung gewesen, hätte ich es vielleicht sogar gemocht, aber so fehlte das letzte Fünckchen Liebe. Auch ist Hannes als möglicher Parnter und Charakter sehr flach geblieben. Auch seine Entwicklung geht entweder zu schnell oder er wird am Anfang komplett falsch dargestellt. Letztendlich ist es kein schlechtes Buch, möchte ich gar nicht behaupten, aber mich hat es nicht überzeugen können.

Sommerlektüren: ***

Café Meerblick – Christin-Marie Below

Die Handlung: Ein Jahr nach dem Tod ihrer besten Freundin reist Mona nach Norderney. Dort sucht sie Zerstreuung und findet zunächst eine neue Freundin und dann ein Café, dass eine neue Besitzerin sucht. Doch ist sie bereit für die Veränderung?

Meine Meinung: Café Meerblick hat da für mich wieder wesentlich besser funktioniert. Natürlich ist die Ausgangsprämisse sehr traurig, doch die Stimmung zieht sich nicht durch das Buch, sondern es geht um das nach Vorne schauen, um das Abschließen und das Eröffnen neuer Perspektiven. Norderney konnte mich absolut überzeugen und das war wohl das Buch, wo ich das meiste Fernweh dieses Jahr hatte. Die Liebesgeschichte mit Tjark wirkte zwar stellenweise auch etwas erzwungen, aber da die Freundschaft hier im Vordergrund steht, ist das zu verschmerzen. Obwohl es dieses Jahr das dünnste Buch ist, konnten sich die Charaktere gut entfalten und entwickeln. Man sollte das Buch nicht mit leerem Magen lesen, denn die Liebe zum Essen ist hier regelmäßig spürbar und gerade die Restaurants und Imbisse der Insel sind mit viel Liebe beschrieben. Mehr als einmal war ich kurz davor meine Sachen zu packen, auf die Insel zu reisen und in einem der Cafés vor Ort zu arbeiten. Vielleicht mach ich das wirklich irgendwann noch, aber erst einmal blieb es bei den Tagträumen während des Lesens.

Sommerkektüren: ****

Heute Abend in der Eisdiele am Meer

Ein Vorwort

Es ist Sommer. Anhand der Temperaturen und des täglichen strahlenden Sonnenscheins – zumindest hier – ist es nicht mehr zu leugnen. Mit durchschnittlich 28° im Arbeitszimmer ist es einfach nur warm. Also war es Zeit für zwei meiner liebsten Dinge im Sommer: Eis und Sommerlektüren. Es wird auch in diesem Jahr wieder einen Beitrag zu den Sommerlektüren geben, aber das hier wollte ich euch schon vorab einmal vorstellen.

Die Handlung

Gina lebt in London als Projektmanagerin. Doch als sich ihr Großvater den Fuß bricht, lässt sie alles stehen und liegen und reist nach Cornwall in den verschlafenen Ort Polwhipple, um in der Eisdiele ihrer Großeltern mitzuhelfen. Als sie den heruntergekommenen Zustand des örtlichen Kinos sieht, kann sie gar nicht anders, als es als Projekt anzugehen. Hilfe bekommt sie von ihrem Jugendfreund Ben, sehr zum Missfallen ihres Freundes Max, der in London geblieben ist.

Meine Meinung

Als ich das Buch bestellt habe, habe ich nicht auf die Seitenzahl geschaut. Als es dann bei mir ankam, war ich ziemlich überrascht. 540 Seiten für eine leichte lockere Sommerlektüre? Ich befürchtete das schlimmste, nämlich, dass sich die Geschichte ziemlich ziehen würde und einfach nicht auf den Punkt käme. Aber ein Großteil meiner Befürchtung war völlig unnötig.
Denn das Buch gliedert sich in vier Unterabschnitte, jede einer anderen Eissorte gewidmet. In jedem Abschnitt steht ein anderes Event im Mittelpunkt, was aber immer im Zusammenhang mit Eisdiele und Kino steht und so auch die Gesamthandlung vorantreibt. Aber dadurch, dass man sich an diesen Zwischenschritten abarbeitet, bleibt es spannend und die Handlung fühlt sich eben nicht künstlich gestreckt an. Stattdessen fliegt man nur so durch die Seiten, zumindest nachdem man sich an Protagonistin Gina gewöhnt hat. Denn gerade am Anfang wirkt sie etwas unnahbar und auch ein wenig zu sehr von sich überzeugt. Doch das legt sich schnell und dann fühlt man mit ihr mit.
Dabei sind es gerade die Nebencharaktere, die man wahnsinnig schnell ins Herz schließt. Die Großeltern, die einem zeigen, wie Liebe auch nach vielen Jahren aussehen kann, die Boutiquebesitzerin mit den passenden Sprüchen und so viele mehr. Dabei ist die Handlung selbst erst einmal nichts außergewöhnliches. Kleinstadt mit liebevollen Charakteren, die obligatorische Zicke darf nicht fehlen und natürlich taucht der Jugendfreund wieder auf und entfacht alte Gefühle. Aber die Verpackung des ganzen passt einfach. Man fühlt sich sofort in den Sommer versetzt, spürt beinahe die salzige Gischt des Meeres im Gesicht und wünscht sich nach Cornwall. Etwas problematischer für die Hüften wird die Sehnsucht nach Eis, denn die Liebe dazu wird hier großgeschrieben. Auch wenn man an manchen Stellen merkt, wie die Handlung bewusst in eine Richtung gedrängt wird, damit das Ende passt, stimmt dennoch das Gesamtbild.
Lediglich das Ende hinterlässt einen Wermutstropfen. Auch wenn es genau das ist, was ich erhofft hatte, war es mir zu schnell abgearbeitet. Die Probleme, die noch offen waren, waren auf wenigen Seiten abgearbeitet. Dafür, dass man echt lange mit der Geschichte mitgefiebert hat, wirkt es so unbefriedigend. Hier hätten ein paar mehr Seiten nicht geschadet.

Das Fazit

Die kleine Eisdiele am Meer ist eine wunderbare Sommerlektüre und verbindet Lust auf Eis und Meer mit Fernweh. Lediglich kleinere Schönheitsfehler sind vorhanden, die den Lesefluss jedoch nicht stören. Wer sich also an die Küste Cornwalls träumen will, sollte in dieses Buch mal reinschauen.

Heute Abend in der Eisdiele am Meer wurde mir vom Penguin Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Sommerlektüren – Ausgabe 2

Ein Vorwort

Im letzten Jahr präsentierte ich euch meine liebsten Sommerlektüren der letzten drei Jahre. Dieses Jahr soll das Format etwas anders aussehen. Denn durch mangelnden richtigen Sommerurlaub – ich muss das über uns schwebende Stichwort bestimmt nicht erwähnen – habe ich mir den Urlaub versucht ins heimische Wohnzimmer zu holen. Herausgekommen sind sechs Bücher, die mich mal mehr und mal weniger in Sommerstimmung versetzt haben. Daher gibt es diesmal auch ein Ranking und ansonsten die gewohnten Buchkurzrezensionen. Vielleicht ist ja für den ein oder anderen noch die passende Lektüre dabei 🙂

Sommerlektüren

Platz 6: Das Café der guten Wünsche – Marie Adams

Die Handlung: Die Freundinnen Julia, Bernadette und Laura führen ein kleines Café im Herzen einer großen Stadt. Gerade Julia ist eine große Träumerin und alle drei glauben an die Macht der gedachten Wünsche. Und so wünschen sie jedem Gast stets etwas Gutes. Julia trifft auf den Pessimisten Robert, der ihr Leben ganz schön durcheinander wirbelt.

Meine Meinung: Das Buch war dieses Jahr mein erster Versuch einer leichten Sommerlektüre, auch wenn noch kein Sommer war. Das war dann wohl auch das sichere Zeichen dafür, dass das Buch nicht in die Kategorie passt. Denn Das Café der guten Wünsche ist einfach nur nervig. Zunächst muss man sich schon an die fehlenden Kapitel gewöhnen. Stattdessen wird mit Absätzen gearbeitet. Dadurch hat man aber irgendwie keinen Anhaltspunkt, wo gedanklich etwas neues beginnt. Die Autorin wollte dies wohl auch gar nicht ordnen, denn sie hat nicht den einen Erzähler und sei es ein allwissender, sondern sie lässt einfach alle Charaktere mal gedanklich zu Wort kommen. Dadurch kann man zwar die Handlungen dieser nachvollziehen, aber man muss auch damit klar kommen, dass auf einer Doppelseite gerne dreimal die Erzählperspektive gewechselt wird. Mir hat das nicht gefallen. Aber selbst, wenn man damit gut klar kommt, ist da dann noch die Geschichte an sich und ihre schrecklichen Charaktere. Alle handeln mit einer Naivität, die absolut unsympathisch wirkt. Es gab keinen Charaktere, den ich auch nur ansatzweise mochte, stattdessen wollte ich permanent alle schütteln und ins Gesicht schreien, dass sie bitte nicht so bescheuert sein sollen. Zusätzlich dreht sich die Geschichte auch immer wieder im Kreis und will einfach nicht vorkommen, nur um dann mit dem absolut offensichtlichen Ende aufzuwarten, dass dann komplett überstürzt und hastend auf einen zugerast kommt. Keine Empfehlung für dieses Buch.

Sommerlektürenfaktor: *

Platz 5: Die kleine Traumküche in Cornwall – Jane Linfoot

Die Handlung: Clemmie ist eine Weltenbummlerin. Lieber nimmt sie immer kleine Jobs für Zwischendurch an und zieht dann regelmäßig weiter, als sich an einen Ort zu binden. Durch eine Erbangelegenheit muss sie dann doch in das kleine Küstenstädtchen St. Aiden, wo sie aufwuchs, zurückkehren. Ihre besten Freundinnen aus Kindheitstagen sind begeistert sie wieder da zu haben. Doch für Clemmie steht fest: Sie wird die geerbte Wohnung verkaufen und dann wieder nach Paris zurückkehren. Doch als sie Wohnung mit der charmanten Einrichtung und dem traumhaften Ausblick sieht, gerät ihr Entschluss ins Wanken. Doch eine große Renovierung des Hauses steht bevor, an dem sich alle Besitzer zu beteiligen haben.

Meine Meinung: Die kleine Traumküche in Cornwall ist wohl genau das. Eine süße kleine Wohnung, in der man wunderbar mit Gebäck und abends einem Sommerdrink da sitzen kann und dem Wellenrauschen lauscht. Doch diesem Glück stehen noch ein paar schwere Entscheidungen im Weg. Dabei hat die Handlung und auch die mal mehr, mal weniger unterschwellige Liebesgeschichte genau die richtige Dosis von allem für die perfekte Sommerlektüre. Also was ist passiert, das es nur für einen fünften Platz gereicht hat?
Tatsächlich ist es der Schreibstil Jane Linfoots. Ich fand das Buch mit dem Hinweis „Für Fans von Manuela Inusa und Jenny Colgan“. Während Inusa mich bereits zweiten Mal überzeugen konnte, gefiel mir das einzige Werk von Colgan, das ich gelesen habe, überhaupt nicht. Trotzdem habe ich diesem Buch eine Chance geben wollen. Leider ist Linfoots Schreibstil eine Katastrophe. Zum einen wird die Handlung unnötig gestreckt, zum anderen, und das ist der weit schlimmere Teil, schreibt sie so wirr, dass ich ihre Sätze teilweise einfach nicht nachvollziehen konnte. Es war mit mitunter nicht klar, welcher Charakter welchen Satz gesagt hat, gerade in Dialogen. Denn teilweise würden die Sätze nur Sinn ergeben, wenn jemand anderes sie sagen würde, aber in einem abwechselndem Dialog geht das einfach nicht auf. Ich habe teilweise ganze Seiten mehrfach gelesen, weil mir ganze Szenen nicht klar wurden. Als würden zwischendurch Gedankensprünge gemacht werden, die dem Leser nicht erklärt werden. Dadurch bekommt man aber auch die Charaktere nicht zu fassen, weil die ebenso wirr und sprunghaft wirken. Teilweise sind mir die Charaktere regelrecht unsympathisch geworden, weil ich ihre Handlungen nicht logisch nachvollziehen konnte und ihre Dialoge dann sehr fehl am Platz wirkten. Das ist sehr schade, denn eigentlich hätte es ein richtig schönes Buch werden können.

Sommerlektürenfaktor: ***

Platz 4: Jane Austen bleibt zum Frühstück – Manuela Inusa

Die Handlung: Penny Lane hat Liebeskummer seit mit Trevor Schluss ist. Warum ist das wahre Leben auch nicht so einfach, wie in ihren geliebten Büchern? Zumal sie sogar in Bath in einer WG lebt, in deren Wohnung früher sogar einmal Jane Austen lebte. Kurzerhand wünscht sich Penny Jane Austen her, damit sie ihr mit ihrem Kummer helfen kann. Und findet tatsächlich am nächsten Morgen die berühmte Autorin in ihrem Bett vor. Direkt aus dem Jahr 1802. Nun muss sie Jane die moderne Welt erklären und bekommt dafür Ratschläge in Sachen Liebe.

Meine Meinung: Jane Austen bleibt zum Frühstück ist nicht Inusas aktuellstes Werk, allerdings reizte mich der Titel und die Beschreibung. Und wie bereits bei Auch Donnerstags geschehen Wunder konnte mich das Buch sogleich in den Bann ziehen. Die Geschichte ist wunderbar lockerleicht und lässt sich schnell weg lesen. Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Charaktere größtenteils sympathisch und die Idee bietet einfach viele Ansatzstellen, die mal mehr und mal weniger ausführlich behandelt werden. Man merkt Inusa auch an, dass sie viel zum Thema Jane Austen recherchiert hat und die Begebenheiten – meiner Laienmeinung nach – chronologisch richtig eingeordnet hat. Warum hat das Buch es also nicht viel weiter vorne ins Ranking geschafft? Nun das hat zwei Gründe. Der eine ist der, dass es sich um ein Sommerlektürenranking handelt und obgleich die Handlung im Sommer angesiedelt ist, eben dies nicht größer als Thema hat. Und dies ist zumindest für mich ein wichtiges Kriterium bei meinen Sommerlektüren. Der andere Grund ist der, dass mir die Darstellung Jane Austens nicht immer gefallen hat. Wie bereits erwähnt, hat Inusa ordentlich recherchiert. Dennoch schafft sie es nicht, Austen als sympathischen Charakter zu etablieren. Denn der Zeitreisenkonflikt ist allgegenwärtig und Austen ist mit der modernen Welt nicht vertraut. Sie dadurch zu einem „Dummdummchen“ verkommen zu lassen, erscheint mir dennoch nicht gerecht. Auch möchte Inusa ihre Jane natürlich weiterhin altmodisch sprechen lassen, wie es in ihrer Zeit nun einmal üblich war. Dabei werden gewissen Formeln jedoch einfach in Endlosschleife wiederholt („Es ziemt sich nicht“), anstatt den Sprachanteil wirklich auszubauen. Nun mag man böse sagen, dass es für diese kleine Geschichte durchaus ausreicht, dennoch machen solche Kleinigkeiten den Unterschied zwischen gut und großartig aus. Der eigentlichen Geschichte schadet es aber nur wenig, weswegen ich das Buch gerne außerhalb des Sommerlektürenfaktors deutlicher bewerben möchte.

Sommerlektürenfaktor: ***

Platz 3: Der Duft von Sommerregen – Tania Schiele

Die Handlung: Lena ist begeisterte Assistentin eines Kunsthändlers. Sie lebt praktisch für ihre Arbeit und genießt nebenbei das Singleleben. Mit 40 wird das jedoch im Familien- und Freundeskreis immer mitleidiger wahr genommen. Als sie auf der Hochzeit einer Freundin dann den charmanten Jonas kennenlernt, überlegt sie ihren Vorsatz noch einmal. Doch wieso überkommt sie dann immer die Sehnsucht, wenn sie das Klavierspiel eines Nachbarn hört?

Meine Meinung: Wer mit 40 noch nicht den passenden Deckel gefunden hat, hat es schwer mit dem Mitgefühl der Mitmenschen. Dies muss Lena merken. Damit ist Der Duft von Sommerregen erst einmal eine sehr erwachsene Liebesgeschichte, denn es geht um Charaktere, die bereits mit beiden Beinen fest im Leben stehen und ihre eigenen Angewohnheiten und Abläufe haben. Dennoch wird Lena nicht verbittert oder schrullig dargestellt, sondern einfach als unabhängige Frau, die sich bisher einfach nicht binden wollte. Die Geschichte nimmt einen beschwingten Verlauf und kreiert eine Dreiecksgeschichte, die hinten raus vielleicht ein paar Stellen zu kurz kommt. Hier hätte man durchaus die sehr leidenschaftlichen Beschreibungen der beruflichen Tätigkeiten etwas herunterfahren können, da die für den Laien dann doch einfach überflüssig sind, da sie die Handlung nur sehr bedingt vorwärts treiben. Zumal man nach der ersten Beschreibung bereits Lenas Begeisterung für ihren Job nachvollziehen kann und dies zur Charakterisierung durchaus ausreicht und keiner weiteren ausschweifenden Szenen bedurfte. Mit der Szenerie Hamburgs im Sommer bekommt der Name dann auch gleich eine doppelte Bedeutung, da ich Hamburg gerne verregnet kennengelernt habe. Und obwohl es sich grundsätzlich um eine schöne Geschichte handelt, fehlte mir der letzte Funken, sowohl beim Sommergefühl, als auch in der Geschichte an sich. Ein letztes Aufleuchten. Dennoch ein verdienter Platz 3.

Sommerlektürenfaktor: ***

Platz 2: Schmetterlinge im Bauch – Daniela Böhle

Die Handlung: Mitten in der Hauptstadt, Berlin, lebt Nina. Frisch geschieden, erstmals alleinerziehend. Als Chefsekretärin in einem großen Krankenhaus fühlt sie sich ziemlich aufgehoben. Doch der neue Chefarzt integriert gegen sie und dann steht sie auf einmal vor einer traumhaften kleinen Konditorei mit dem Schild „Praktikantin gesucht“. Spontan nimmt sie unbezahlten Urlaub und stellt sich mit über 40 nochmal einem ganz neuen beruflichen Abenteuer.

Meine Meinung: Darf man mit über 40 noch von einem vollständigen Neuanfang träumen? Wenn man in seiner beruflichen Laufbahn eigentlich längst in einem Job angekommen ist, darf man dann noch eine neue Richtung einschlagen? Dieser Frage geht Daniela Böhle in ihrem ersten Roman, das sich an eine erwachsene Zielgruppe richtet, auf den Grund. Dabei nimmt sie uns aber auch auf eine Reise ins sommerliche Berlin, inklusive Baden im See, Picknick im Park oder einfachen Radtouren. Neben der beruflichen Veränderung, soll es aber auch um das Finden einer neuen Liebe gehen, bzw. erst einmal um die Suche dieser. Dabei stehen neben mehren Online Dates auch die ein oder andere reale Katastrophe bevor. Letztlich schafft Böhle es einen lockeren Sommerroman zu schreiben, der zwischendurch vielleicht eine Baustelle zu viel behandelt, so dass es am Ende etwas gehetzt aufgelöst wurde. Ein Rückschlag, alles wird hingeschmissen, nur um sich dann doch noch einmal zu drehen. Ich sage das nicht oft, aber hier wären entweder ein Handlungsstrang weniger oder vielmehr ein paar Seiten mehr doch eine gute Lösung gewesen, damit sich nach einem tollen Buch nicht alles in einem übereilten Ende auflöst. Aber letztlich bleibt das Jammern auf hohem Niveau. Sommerfeeling ist hier auf jeden Fall ausreichend vorhanden und das trotz dem Setting der Großstadt.

Sommerlektürenfaktor: ****

Platz 1: Kirschkuchen am Meer – Anne Barns

Die Handlung: Marie reist zusammen mit ihrer Mutter und Oma zur Beerdigung ihres Vaters, zu dem sie seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr hatte, was vor allem an der garstigen Stiefmutter lag. Doch bei der Seebestattung taucht eine geheimnisvolle Frau auf, die ihr ein paar Unterlagen zusteckt und dann verschwindet. Anscheinend war sie vor dem Tod mit Maries Vater zusammen. Auf der Suche nach der Frau und Antworten reist das Dreiergespann weiter nach Norderney. Mit dabei ein großer Eimer Kirschen, der schnell für neue Bekanntschaften sorgt.

Meine Meinung: Anne Barns habe ich im letzten Jahr erstmals kennengelernt. Mit Honigduft und Meeresbrise hatte ich meinen Sommerroman gefunden – der allerdings auch auf hoher See gelesen wurde, was vielleicht das Gefühl auch etwas beeinflusst hat. Nun musste die Autorin in ihre eigenen Fußstapfen treten. Dies gelingt ihr auch stellenweise sehr gut, auch wenn sich beide Geschichten in einigen Punkten vielleicht zu sehr ähneln. Beide Geschichten führen nach einem Trauerfall an die See. Beide Geschichten werden mit Familienmitgliedern mehrerer Generationen bestritten. In beiden Geschichten verweben sich die Abenteuer an der See mit Backerlebnissen und neuen Bekanntschaften. So steht Kirschkuchen am Meer zwar im Schatten des vorherigen Sommerromans, und schafft es auch nicht aus diesem auszubrechen, erzeugt aber dennoch erneut wieder Sommergefühle und versetzt einen selbst weit ab vom Meer in diese ganz besondere Stimmung, die nur Wellenrauschen sonst erzeugen kann.

Sommerlektürenfaktor: *****