Disney+ Original: Soul

Ein Vorwort

Willkommen im zweiten Lockdown mit weiterhin geschlossenen Kinos. Disney hat jedoch im letzten Jahr seinen Streamingdienst veröffentlicht und haut da einfach seine gestrichenen Kinofilme raus. Nachdem Mulan für drei Monate nur mit VIP-Zugang möglich war und nun im Standardabo enthalten ist, hat Disney gelernt und hat Soul gleich ohne VIP Zugang verfügbar gemacht. Wie ich den neusten Pixarfilm finde, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Joe Gardner ist eigentlich leidenschaftlicher Jazzpianist, versauert aber in einem Lehrerjob. Bis er eine einmalige Chance bekommt – und kurz darauf einen schweren Unfall hat. Seine Seele ist bereits auf dem Weg ins Jenseits, doch Joe will das nicht akzeptieren und landet im Davorseins. Hier sammeln sich alle Seelen zur Vorbereitung auf die Erde. Joe sieht seine Chance in seinen Körper zurückzukommen und landet im Mentorenprogramm für neue Seelen. Doch Seele 22 hat keine Ambition auf die Erde zu kommen.

Meine Meinung

Wenn ein neuer Pixarfilm rauskommt, bin ich meistens etwas zwiegespalten. Wird es ein neuer Alles steht Kopf/Coco/Findet Nemo Film – also einen den ich richtig gerne mag – oder eher Cars/Merida/Die Unglaublichen – also einen, mit dem ich einfach nichts anfangen kann. Auf dem ersten Blick hat Soul bereits Ähnlichkeiten mit Alles steht Kopf und tatsächlich bleiben die Ähnlichkeiten auch erhalten.
Während Alles steht Kopf sich vorgenommen hat, das Innere der Menschen mit Gedanken und Gefühlen und Erinnerungen irgendwie kindergerecht vorstellbar zu machen, versucht Soul nun das namensgebende Konstrukt der Seele umzusetzen. Und zumindest optisch haut das schon einmal hin. Auch ist die ganze Grundidee wirklich gut durchdacht und gerade die ganzen Kleinigkeiten sind wieder unfassbar gut ausgearbeitet. Es werden die Fragen gestellt, was Begabungen sind, wofür man sich begeistert und wann eine Seele bereit für einen Körper ist. Das Ganze wird wieder umrahmt von einer Geschichte. Und letztlich ist es die Geschichte, die den Unterschied macht. Denn während Alles steht Kopf einfach durchgehend eine durchdachte Geschichte hat und durch immer wieder witzige Einschübe. Soul hat zwar auch eine durchdachte Geschichte, aber die wirkt an einigen Stellen einfach ein bisschen gestreckt. Letztlich waren die Ideen wohl ein bisschen zu wenig für die 100 Minuten Laufzeit. Gerade die Witze kommen die meiste Zeit etwas zu kurz.
Versteht mich nicht falsch, ich habe schon immer mal wieder gelacht. Aber es waren eher vereinzelte Momente, als dass ich wirklich sagen würde, der Film sei witzig.
Grundsätzlich waren Joe Gardner und Seele 22 auch interessante Charaktere und ihre Gegensätze guter Nährstoff für den Film. Aber irgendwo hat mich die Geschichte nicht final abgeholt und ich kann einfach nicht sagen, woran es lag. Vielleicht sind meine Erwartungen zu hoch gewesen, als ich die Ähnlichkeit zu Alles steht Kopf bemerkt habe. Ich weiß es einfach nicht. Denn objektiv ist der Film durchaus gut.

Das Fazit

Soul ist ein Film, der mit seiner Idee und vielen Teilen seiner Umsetzung vieles richtig macht. Lediglich einige Witze kommen zu kurz, der Film hat gerade am Anfang ein paar Längen und leider holt mich der Film nicht final ab. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Soul ist seit dem 25.12.2020 auf Disney+ verfügbar

Tabaluga

Ein Vorwort

Tabaluga, der kleine grüne Drache, dürfte vielen spätestens seit der gleichnamigen Kinderserie ein Begriff sein. Geschaffen unter anderem von Peter Maffay und Rolf Zuckowski, diente er zunächst lediglich als Figur eines Rockmärchens. Doch Tabaluga ist inzwischen längst darüber hinausgewachsen und kann nun auch einen eigenen Kinofilm vorweisen. Was dieser kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Tabaluga (Wincent Weiss) wächst in Grünland auf, großgezogen vom Raben Kolk (Rufus Beck). Doch als letzter Drache kann er weder fliegen noch Feuer speien. Zusammen mit seinem besten Freund, dem Glückskäfer Bully (Michael Herbig), reist er nach Eisland, um dort sein Feuer zu finden. Dort trifft er auf Lilly (Yvonne Catterfeld) und den Eisbär Limbo (Rick Kavanian), die ihn zu Arktos (Heinz Hoenig) führen. Doch dieser führt Böse im Schilde.

Meine Meinung

Deutsche Filme haben es ja immer wieder schwer sich gegen die Konkurrenz aus Hollywood durchzusetzen. Und manchmal versuchen sie es leider auch nicht einmal. So ist Tabaluga leider nicht der süße Kinderfilm mit dem kleinen grünen Drachen, die er hätte werden können. Denn wirklich Mühe hat sich bei diesem Film niemand gegeben.
Fangen wir damit an, dass er auf billigstem Niveau animiert wurde. Hier reicht die Qualität nicht über eine stinknormale Fernsehproduktion hinaus. Dafür hätte ich zu Hause lediglich den Fernseher anmachen müssen und mir irgendeine Kika-Sendung ansehen können. Im Kino erwarte ich schon ein bisschen mehr Liebe zum Detail und zumindest den Ansatz von Emotionen in Gesichtsausdrücken.
Weiter geht es mit den beiden Hauptsynchronsprecher. Wer auch immer auf die Idee kam Wincent Weiss und Yvonne Catterfeld Tabaluga und Lilly sprechen zu lassen, hätte vielleicht nur mal einen Blick auf die Synchronsprecherkartei werfen sollen. Denn da sind ausgebildete Sprecher zu finden, die selbst ohne sich großartig anzustrengen bessere Ergebnisse erzielt hätten. Denn beide haben so wenig Emotionen in der Stimme, dass ihre Dialoge leider sehr einschläfernd wirken und man mit keinen von beiden Charakteren noch mitfiebern kann. Herbig, Kavanian und Beck hingegen merkt man an, dass es sich um Schauspieler handelt und sie daher ihre Rollen souverän meistern.
Kommen wir zum größten Manko: die Handlung. Denn Tabaluga ist nicht nur billig animiert, auch die Handlung strotzt vor Einfalllosigkeit. Basieren dürfte sie wohl größtenteils auf dem Musical Tabaluga und Lilly. Während sich Regisseur Sven Unterwaldt am Anfang noch an einer Disneywürdigen Szene versucht – Spoiler! Die Eltern sterben – und diese schon so emotionslos umsetzt, dass es einen einfach kalt lässt, während man bei so manchen Disneyszenen Rotz und Wasser geheult hat – na, wer kommt bis heute nicht über Mufasas Tod hinweg? – zieht sich dies symptomatisch durch den restlichen Film. Jeder Konflikt der aufgegriffen wird, wird mit wenigen Sätzen abgehandelt. So entstehen keine Emotionen und keine Spannung und erst Recht keine Bindung an den Film. Schon am Ende hat man den Anfang bereits wieder verdrängt.
Bleibt nur noch zu sagen, dass Tabaluga leider nicht einmal witzig ist. Die versuchten Witze sind leider so platt und emotionslos rübergebracht, dass selbst die Zielgruppe – Kinder – nicht lachen konnten. Zwischendurch wurde immer mal wieder ein Lied angestimmt, was dann wohl auch Weiss und Catterfeld rechtfertigen sollte, leider wurden auch diese einfach nur unpassend eingesetzt.

Das Fazit

Tabaluga hätte ein süßer Kinderfilm werden können. Aber dafür hätte man sich Mühe geben müssen. So wirkt der komplette Film leider schnell hingeschludert und mit möglichst wenig Aufwand lieblos gestaltet. Es scheint so, als ob jemand dringend aus dem Namen Profit schlagen wollte, ohne dafür wirklich einen Finger krumm zu machen. Leider wieder ein Hinweis darauf, dass gerade im Bereich Animationsfilm Deutschland weit hinter dem großen Vorbild Hollywood hinterher hängt. Dafür gibt es 02 von 10 möglichen Punkten.

Tabaluga läuft seit dem 06.12.2018 in den deutschen Kinos.