Disney+ Original: Rot

Ein Vorwort

Seit dem Launch von Disney+ bringen Disney und Pixar nicht nur regelmäßig Kinofilme gleichzeitig auf der Plattform raus, sondern eben auch Originals. Nachdem im letzten Sommer Luca für Wellen sorgte, befasst sich Pixar diesmal in Rot mit der Pubertät. Was dies mit einem roten Panda zu tun hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Meilin Lee ist 13 und während sie in der Schule ein klassischer Teenager ist und mit ihren Freundinnen für eine angesagte Boyband schwärmt, ist sie zu Hause die absolute Vorzeigetochter. Doch bei einem starken Emotionsausbruch verwandelt sie sich auf einmal in einen roten Panda. Laut ihrer Mutter ist das ein Familienfluch und sie kann das bei einer Zeremonie beim nächsten roten Mond beseitigen. Solange soll sie sich isolieren. Doch als Meilin merkt, dass ihre Freundinnen sie beruhigen können, versucht sie ihren Alltag zu normalisieren. Vor allem, weil ein Konzert der Boyband ansteht.

Meine Meinung

Pixar und ich sind so eine Sache. Gesehen habe ich die meisten Filme (außer die Toy Story Reihe, da mich die nie interessiert hat), wirklich gemocht die wenigsten. Außer Findet Nemo, Alles steht Kopf und Coco konnte mich kein Pixarfilm wirklich begeistern und doch versuche ich es immer wieder. Versteht mich nicht falsch. Ich mag einige Pixarfilme (okay, einige auch wirklich gar nicht), aber die meisten kommen für mich nicht über die „Ganz nett einmal gesehen zu haben“ Schiene hinaus. So leider auch wieder bei Rot passiert.
Aber fangen wir vorne an. Sich grundsätzlich mal mit Teenagern und den Problemen auseinander zu setzen, fand ich schon längst an der Zeit. Gerade die Parallele zwischen körperlichen Veränderungen, wie der Menstruation, und der Heimsuchung durch den roten Panda fand ich gut gewählt. Auch die Abgrenzung zwischen Freundeskreis und Elternhaus war gut nachvollziehbar, auch wenn Meilins Mutter schon eine sehr überzeichnete Helikoptermutter war. Und genau hier setzt bei mir das erste Problem an. Denn gerade durch diese Überzeichnung und den sehr krassen Unterschied zwischen der Meilin in der Schule und bei ihren Freundinnen und der Meilin zu Hause fehlte mir von Anfang an die Wärme, um in die Handlung richtig hineingesogen zu werden. Stattdessen blieb ich eher auf Abstand.
Das ändert sich auch im folgenden leider nicht, auch wenn hier die Handlung zumindest durch ein paar witzige Einfälle aufgelockert wird. Leider war auch die Handlung bis auf wenige Ausnahmen sehr vorhersehbar, vor allem das Desaster, was einen gegen Ende erwartet, war irgendwo abzusehen. Und grundsätzlich ist es auch nicht schlimm, wenn eine Handlung vorhersehbar ist, sofern sie es mit einem ganz eigenen Charme tut oder man trotzdem in dem Film versinken kann. Aber genau das fehlt hier alles.
Unnahebare Charaktere treffen auf vorhersehbare Handlung. Und so schön die Metaphern doch ausfallen und so positiv die Botschaft am Ende ist, so zäh ist der Weg dahin.

Das Fazit

Rot bietet eine gute Grundidee, die leider lieblos und vorhersehbar abgehandelt wird, ohne Nähe zum Publikum aufzubauen. Ein zäher Weg bis zur positiven Botschaft am Ende. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Rot ist seit dem 11.03.2022 auf Disney + verfügbar

Sing 2 – Die Show Deines Lebens

Ein Vorwort

Neben ihrem Dauerbrenner rund um die Minions versuchte Illuminations den Niedlichkeits- und Witzfaktor auch in anderen Filmen mit vielen Tieren einzubringen. Während Pets und das dazugehörige Sequel eher im Trailer als im Ganzen funktioniert hatte, war der erste Teil von Sing ein ganz netter Musikfilm rund um ein heruntergekommenes Theater, das es zu retten galt. Da das Einspielergebnis zufriedenstellend war, war es nur eine Frage der Zeit, bis es auch dazu ein Sequel gab. Das wir nun 6 Jahre warten mussten, dürfte wohl auch mit an der Pandemie liegen. Wie Sing – die Show Deines Lebens funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Die Show „Alice im Wunderland“ im Moon-Theater ist fast jeden Abend ausgebucht. Nun erhofft sich Buster Moon von der Casterin Suki ausgesucht zu werden, um in Redshore City im Crystal Tower Theater aufzutreten. Doch diese erteilt dem Ensemble eine Absage. Als sich die Truppe dennoch in das Casting schleicht, sind es die abgedrehten Ideen von Gunther, die Musikmogul Jimmy Crystal überzeugen. Doch dafür muss Buster Moon die Rocklegende Clay Calloway auftreiben, der seit dem Tod seiner Frau komplett zurückgezogen lebt. Für das und für die komplett neue Show „Nicht von dieser Welt“ haben sie nur drei Wochen Zeit. Und einen Jimmy Crystal enttäuscht man besser nicht.

Meine Meinung

Nach dem ersten Trailer war ich eher abgeschreckt von dem Film. So richtig konnte ich mir unter der Handlung nichts vorstellen, außer, dass die Show in allen Bereichen größer und aufregender werden sollte, als die im ersten Teil. Zumal mir die große „Überraschung“ für das Finale bereits im Trailer weggenommen wurde. Doch dann häuften sich die sehr positiven Meinungen anderer Blogger*innen. 8-9 von 10 möglichen Punkten war keine Seltenheit. So beschloss ich dem Film doch eine Chance zu geben.
Sing 2 beginnt mehr oder weniger dort, wo der erste endete. Im Moon-Theater wird mit den üblichen Verdächtigen aus dem ersten Teil eine Show aufgeführt. Doch die Träume sind nach dem Erfolg der Show größer geworden. Es soll nach Redshore City gehen, einer Las Vegas nachempfundenen Stadt. Mit viel Witz und mehr Glück als Verstand bekommt die Gruppe eine Möglichkeit eine sehr große Show auf die Beine zu stellen. Ab dort wird die Handlung etwas wirr und unzusammenhängend, da immer wieder neue Probleme auftauchen. Da diese aber nicht zu dem großen Endproblem passen, werden sie praktisch wie nebenbei aufgeklärt.
Letztlich ist es vor allem eine Kritik an großen Musikmorgulen, die glauben mit ihrer Macht alles durchsetzen zu können. Während vorher noch gute Nebenhandlungen irgendwo zu erkennen waren, läuft es im großen Finale nur noch darauf hinaus. Das ist etwas schade, da mehr möglich gewesen wäre, aber dennoch bekommt der Film ein rundes und befriedigendes Ende. 
Am enttäuschendsten sind wohl die eher raren Musikeinlagen. Außer des Anfangs, dem obligatorischen Casting und nem großen Finale wird kaum gesungen, auch nur selten in Proben. Vielleicht habe ich es auch falsch in Erinnerung, aber ich würde sagen, im ersten Teil gab es da mehr.
Ansonsten ist auch der zweite Teil von Sing ein farbenfrohes und an vielen Stellen sehr witziges Abenteuer, springt aber letztlich nicht über seinen Schatten und bietet zu viel Vorhersehbares. So ist es schön ihn gesehen zu haben, aber der Lobeshymne kann ich mich nicht ganz anschließen.

Das Fazit

Eine würdige Fortsetzung, die viel Witz einbringt. Leider eine zu vorhersehbare und teilweise sehr durcheinander erzählte Handlung mit zu wenig Musikeinlagen, um über die magische Grenze von Gut zu springen. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Sing 2 – Die Show Deines Lebens läuft seit dem 20.01.2022 in den deutschen Kinos

Addams Family 2

Ein Vorwort

In einer Zeit, in der gefühlt alles ein Remake oder Reboot bekommt, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch diese kultige Familie neu verarbeitet wurde. 2019 kam bereits ein erster Teil in die Kinos und konnte die Fans nur wenig abholen, versuchte sich aber durch ein paar gute Witze und eine nette Grundstimmung zu retten. Nun gibt es eine Fortsetzung dazu. Wie diese funktioniert erfahrt  ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Wednesday Addams nimmt an einem Naturwissenschaftswettbewerb an ihrer Schule teil, die vom Wissenschaftler Dr. Cyrus Strange gesponsort wird. Dieser ist schwer beeindruckt von ihrer Leistung, doch sie lehnt eine weitere Zusammenarbeit ab. Kurz darauf steht ein Anwalt vor der Tür, der beweisen will, dass Wednesday gar keine richtige Addams ist. Kurzentschlossen beschließen die Eltern Gomez und Morticia eine Reise quer durch die USA zu starten. Ein Roadtrip der anderen Art beginnt.

Meine Meinung

Dadurch, dass der erste Teil bereits nicht richtig funktioniert hatte, gab es gar nicht erst die Frage, ob es einen zweiten Teil gebraucht hätte, denn das hätte es eindeutig nicht. Doch so funktioniert die Filmwelt leider nicht. Also wurde ein Sequel gedreht. Nach dem Trailer war ich zumindest angefixt durch die Roadtrip Idee, die doch einiges an Potential bot. So stellte ich mich auf leichte Unterhaltung ein und erwartete nicht allzuviel, außer an ein paar Stellen unterhalten zu werden.
Leider bin ich anscheinend mit zu hohen Erwartungen an den Film herangegangen. Denn auch wenn es ab und an kleine Lichtblicke von guten Ideen gab, wurden diese meist von groß angelegten Gags übertüncht, die wohl für das kleinste Publikum ausgelegt wurden und nicht einmal bei diesen fruchteten. So war die Stimmung im Kinosaal eher gelangweilt, denn erheitert.
Der Film funktioniert genau dann, wenn er es nicht darauf anlegt. Wenn er nicht versucht besonders witzig zu sein oder die Handlung voranzutreiben. Sondern, wenn er einfach mal seine Charaktere einsetzt. So ist die Tanzsequenz zu I will survive die Szene im ganzen Film, die ich am meisten gefeiert habe – und sie hat nicht gerade viel zur Handlung beigetragen. Genau das waren die kleinen Lichtblicke in einem Film, der viel wollte und wenig konnte.
Das liegt wohl auch daran, dass die Charaktere zu sehr an die ikonischen Vorbilder angepasst wurden und überhaupt kein Handlungsspielraum bekommen. Es gibt keine Weiterentwicklung, die Konstellation ist am Ende die gleiche, wie am Anfang. Dadurch werden Dialoge fast vollständig wiederholt und die nervigsten Eigenschaften werden nie überwunden.
Da hilft es auch wenig, wenn offensichtlich andere Filme als Vorbild für Szenen mit eingebunden werden. So gibt es nicht nur die Addams Family Variante eines Godzilla vs. Kongs, sondern auch so ziemlich alle Witze aus dem Marvel Franchise zum Namen Dr. Strange. Mag es ganz nett zu entdecken sein, so zeugt es doch nur einmal mehr von der Unfähigkeit des Films wirklich etwas eigenes aufregendes zu kreieren.
Die 93 Minuten Laufzeit ziehen sich dadurch gefühlt ins Unendliche, der Film kommt bis zum Schluss nicht wirklich auf den Punkt und auch der ganze Witz rund um den Roadtrip, der so gut hätte werden können, verfehlt seine Wirkung völlig.

Das Fazit

Addams Family 2 ist ein liebloser Abklatsch einer Kultserie und schafft es in den wenigsten Momenten dem Zuschauer ein müdes Lächeln abzuringen. Stattdessen verrennt er sich in nicht zündende, aber groß angelegte Gags. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Addams Family 2 läuft seit dem 18.11.2021 in den deutschen Kinos

Willkommen in Gravity Falls

Ein Vorwort

Was passiert, wenn man seine ebenfalls Film- und Serienverrückte beste Freundin besuchen fährt? Man wird vor den Fernseher gezwungen, weil einem muss ja so viel Neuentdecktes gezeigt werden. So zum Beispiel die Serie Willkommen in Gravity Falls. Und während ich nie gedacht hätte, dass mir die Serie gefallen könnte, aber auf die Frage „Und was machen wir jetzt?“, immer nur ein „Noch ne Folge Gravity Falls!“ kam, sind nun beide Staffeln gesehen und hier gibt es nun meine Meinung dazu.

Die Handlung

Dipper und Mabel, beide 12 Jahre alt, werden während der Sommerferien zu ihrem Großonkel Stan Pines geschickt. Dieser wohnt in Gravity Falls und betreibt dort die Mystery Shack, ein Kuriositätenmuseum, mit mehr oder weniger echten Kuriositäten. Während Mabel zunächst nur daran denken kann, dass sie eine große Sommerromanze braucht, findet Dipper ein Tagebuch des mysteriösen Autors, in dem allerlei Wesen beschrieben werden, die sich in und um Gravity Falls tummeln sollen. Und schon bald finden beide Geschwister raus, dass an den Mythen so einiges Wahres dran ist. Ein Sommer voller Spaß und Abenteuer steht bevor.

Meine Meinung

Willkommen in Gravity Falls ist wohl keine Serie, die man von Anfang an liebt. Denn gerade am Anfang müssen sich die Charaktere erst noch entwickeln und man weiß noch nicht so recht, in welche Richtung sich die Serie entwickeln wird.
Dipper ist der ruhigere Zwilling und setzt sich gerne mit dem Tagebuch des Autors auseinander. Außerdem schwärmt er total für die 15-jährige Wendy, die als Aushilfe in der Mystery Shack arbeitet. Seine Bemühungen cool und älter zu wirken, machen einen Großteil seines Charmes aus und seine Feindschaft zu Robbie, einem weiteren Verehrer Wendys, wird zum running gag. Seine Schwester Mabel hingegen ist ständig aufgedreht und einfach ein absoluter Sonnenschein. An ihren Charakter musste ich mich am längsten gewöhnen, aber danach habe ich sie auch am meisten ins Herz geschlossen. Ihr running gag ist die Bessenheit eine Sommerromanze heraufzubeschwören, was einfach nicht so richtig gelingen will.
Ebenfalls stets präsente Figuren sind Großonkel „Gronkel“ Stan, der verzweifelt versucht leichtgläubigen Touristen  auch noch den letzten Dollar für Merchandise aus dem Leib zu leiern, und seine Angestellten Soos, ein übergewichtiger 22-jähriger von leichtem Gemüt und Wendy, die oben bereits erwähnte Angebetete von Dipper, die einer Holzfällerfamilie entstammt und eben typisch Teenager ist.
Aber auch darüber hinaus hat Gravity Falls viele wiederkehrende Charaktere zu bieten, die alle ihre Eigenheiten haben und damit das Gesamtbild einer verträumten Kleinstadt unterstreichen. Viel spannender sind jedoch die „Monster“ und anderen Gestalten, die in den einzelnen Folgen auftauchen. Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei und manches scheint ganz anders zu sein als es hinterher wirklich ist.
Willkommen in Gravity Falls hat zwei Staffeln mit insgesamt 41 Folgen. Da die Serie von Anfang an auf die zwei Staffeln ausgelegt war, ist die Serie abgeschlossen und das mit einem runden Ende, in dem fast alles aufgelöst wird. Doch trotz dieser vergleichsweise kurzen Zeit ist der Abschied am Ende traurig. Aber auch wenn man sich mehr Abenteuer wünscht, ist es schön, dass die Serie nicht auf Gedeih und Verderb gestreckt wurde oder irgendwann eine ganz neue Richtung eingeschlagen werden musste (looking at you Supernatural). So hat man seinen Zwischendurchdauerantagonisten und den Endgegner und gipfelt das ganze in ein vier Episoden Serienfinale. Die Serie ist ab 6 Jahren freigegeben, was in manchen Episoden schon sehr fraglich ist. Meine Kinder dürften die Serie wohl mit 6 Jahren noch nicht sehen, gerade das Serienfinale ist streckenweise brutal – andererseits sind die Kinder heutzutage wahrscheinlich ganz andere Sachen gewöhnt. Trotzdem ist der Grundton durchaus an ein jüngeres Publikum gerichtet, auch wenn es auch gut für die Erwachsenen funktioniert.
Grundsätzlich hat mir die erste Staffel besser gefallen, weil hier die Konzentration auf die Einzelabenteuer größer war. In der zweiten Staffel wurde mit Dippers Suche nach dem Autor und einigen weiteren Verstrickungen stark auf das große Finale hingearbeitet. Dennoch wäre die erste Staffel sehr sinnfrei ohne die logische Fortführung der zweiten.

Das Fazit

Willkommen in Gravity Falls ist ein Spaß für die ganze Familie voller Mysterien und Abenteuer mit unglaublich lebensfrohen und realistischen Charakteren.

Willkommen in Gravity Falls ist auf Disney+ im Stream abrufbar

Die Addams Family

Ein Vorwort

1964-1966 als Fernsehserie, 1991 als Spielfilm, mit zwei Fortsetzungen 1993 und 1998. Was fehlte noch? Genau eine Musicalversion (2009), die in den USA in Chicago uraufgeführt wurde. Aber was wirklich noch fehlte war wohl die animierte Version. Und die durfte dieses Jahr im Kino bewundert werden. Dabei handelt es sich um ein Reboot, das die Geschichte der Addams noch einmal ganz neu erzählt.

Die Handlung

Morticia und Gomez Addams sind frisch verheiratet, als sie von den Dorfbewohnern mit Fackeln und Mistgabeln vertrieben werden. Auf der Suche nach einem Platz, an dem sie endlich bleiben können finden sie eine ehemalige Irrenanstalt in New Jersey. Der letzte verbliebene Insasse Lurch wird gleich als Butler verpflichtet. Dort ziehen sie ihre Kinder Wednesday und Pugsley groß, zusammen mit dem eiskalten Händchen und Onkel Fester. Doch nach vielen Jahren in Abgeschiedenheit und Frieden, zieht die TV-Architektin Margeaux eine ganze Stadt nach ihrem Vorbild auf. Leider ist das Anwesen der Addams für sie absolut fehl am Platz.

Meine Meinung

Zum Zeitpunkt der Sichtung des Films war ich noch ein absolut unbeschriebenes Blatt, was die Addams Family anging. Erst im Nachgang habe ich mir den Film von 1991 einmal angesehen. So ließ ich mich also ganz unvoreingenommen auf den Film ein.
Dabei ist die Handlung zwar schon irgendwo neu, in groben Zügen spielt sie aber mit Altbekanntem. Auch die Mitglieder der Familie waren mir zuvor unbekannt. Aber gerade die stets gelangweilt wirkende Wednesday hatte es mir bereits im Trailer angetan. Tatsächlich sind es letztendlich auch ihre One-Liner, die eine gesunde Portion Humor mit reinbringen.
Darüber hinaus ist Die Addams Family vor allem das, was sie auf keinen Fall sein wollen: Durchschnitt. Die Handlung ist zwar geprägt von interessanten und auch neuen Charakteren und so einige Anspielungen auf die alten Filme mag es wohl auch geben, schafft es aber nicht sich wirklich von der Konkurrenz abzuheben. Der Konflikt zwischen unheimlicher Familie und Dorfbewohner wird hier zwar durch die Architektenstadt ein wenig modernisiert, bleibt aber trotzdem vorhersehbar. Auch verkörpert die Architektin Margeaux so ziemlich jedes Klischee einer nach vorne hin übertrieben freundlich wirkenden Bösewichtin. Manch einer mag in ihrer Frisur, ihren Wahn gegen alles Fremdartige und ihrer Verbreitung von Gerüchten (Fake News) glatt eine Anspielung auf Trump sehen. Wirklich politisch ist der Film jedoch nicht.
Die Mitglieder der Addams Family sind ihren Vorbildern nachempfunden, auch wenn ein paar Abweichungen vorgenommen wurden. So orientiert sich Wednesday eher an den Originalzeichnungen des Schöpfers (1938). Die Charakterentwicklungen sind hier eher auf die der beiden Kinder ausgelegt, gerade Wedneyday macht mehrere Phasen durch, da sie endlich die Freiheit hat auch in die Schule zu gehen.
Selbst die Animation kann sich nicht wirklich hervortun. Die 3D Animation von Universal erinnert als vergleichbare Filme, wie zuletzt die Hotel Transsilvanien Reihe. Während die gesamte Atmosphäre deutlich entgruselt wurde und so wohl auch versucht ein jüngeres Publikum anzusprechen, wurde versucht mehr auf die Kontraste der Familie und der restlichen Welt einzugehen und gerade auch durch das Zusammentreffen der Familie auf Smartphones und Social Media ein gewisses Gagpotential zu generieren. Leider wird hier vieles auf der Strecke gelassen, auch wenn sich der Film bemüht lustig zu sein. Allerdings sind dann die besten Gags doch wieder im Trailer verbraten worden.
So hangelt sich der Film von Klischee zu Vorhersebarem zu Gezwungenem. Letztendlich ist ihm das nicht einmal schlecht gelungen und beim ersten Ansehen hat man durchaus auch seinen Spaß. Allerdings bleibt er damit weit hinter dem Bekannten Niveau vergleichbarer Filme und ist dem Durchschnittszuschauer bereits nach kurzer Zeit nicht mehr geläufig.

Das Fazit

Die Addams Family bleibt in allem Belangen beim Durchschnitt, versucht sich zwar durch ein paar gelungene Gags zu retten, kann sich aber nicht hervortun. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Die Addams Family läuft seit dem 24.10.2019 in den deutschen Kinos

Der Grinch

Ein Vorwort

Illumination hatte es nach ihrem Erfolg mit Ich – einfach Unverbesserlich nicht leicht. Es mussten zwei Fortsetzungen, sowie ein Spin-off zu den Minions herhalten, um sich überhaupt am Markt zu etablieren. Weitere Eigenproduktionen wie Sing liefen noch relativ gut, während Pets überhaupt nicht überzeugen konnte – und dennoch eine Fortsetzung erhält. Nun versucht sich Illumination an ein einem Remake vom Grinch mit Jim Carrey. Zumindest der Trailer sah schon einmal witzig aus. Was der Film nun wirklich kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Der Grinch (Otto Waalkes) lebt außerhalb von Whoville. Während die ganze Stadt im Weihnachtsfieber ist, hasst der Grinch Weihnachten. Nach Ankündigung der Whos, dass Weihnachten dieses Jahr dreimal so groß werden soll, beschließt der Grinch ihnen das Weihnachtsfest zu ruinieren.

Meine Meinung

Der Grinch, ursprünglich basierend auf dem Kinderbuch von Theodor Seuss Geisel, ist aus der Weihnachtszeit nicht mehr wegzudenken. Jedes Jahr wieder erscheint Jim Carrey als grünes Wesen im Fernsehprogramm. In Zeiten voller Remakes und Reboots war es auch nur eine Frage der Zeit, bis dieser Stoff wieder aufgegriffen wurde. Das sich Illumination ran wagte, war dann doch überraschender. Da ich weder das Buch noch den ersten Film kenne, kann ich wenig zu den Parallelen sagen, oder inwiefern die Geschichte sich weiterentwickelt hat.
Illuminations Grinch ist auf jeden Fall der Griesgram, als der der Grinch immer beschrieben wird. Er hasst Weihnachten und nach und nach erfährt man auch die Hintergründe. Diese sind zwar etwas einfach und offensichtlich gehalten, aber stimmen doch leicht traurig. Während des Films macht er verschiedenen Stadien durch. Diese werden unterschiedlich ausführlich erzählt und die eine oder andere Wendung wird auch wieder aus sehr einfachen Gründen heraus herbeigeführt, aber letztendlich ist die Zielgruppe wirklich die jüngeren Kinder.
Und genau diese werden vor allem mit dem sehr gelungenen Humor angesprochen. Denn während die Erwachsenen noch über den ein oder anderen niveauvollen Witz lachen, den man erst als Erwachsener versteht, haben die Kinder vor allem durch einige Slapstickeinheiten Spaß. So ist der Spaß für alle Generationen garantiert.
Ein weiterer Garantiefaktor ist Otto als Synchronstimme des Grinches. Denn während man sich bei vielen Animationsproduktionen vor Laien (Sänger, YouTuber…) kaum noch retten kann, schafft Otto es immer genau die richtige Stimmung mit der Stimme einzufangen und erhöht so den Spaßfaktor noch einmal deutlich.
Aber der Grinch hat natürlich mehr zu bieten, als nur den einen Handlungsstrang. So begleiten wir als Zuschauer auch noch die kleine Cindy-Lou Who, ein Whomädchen, dessen alleinerziehende Mutter deutlich überfordert ist. Also versucht sie den Weihnachtsmann zu treffen, um ihm ihren sehnlichsten Wunsch mitzuteilen. Durch diesen Nebenstrang der Handlung bekommt der Grinch noch einmal eine neue Nuance.

Das Fazit

Der Grinch ist ein großer Spaß für die ganze Familie. Die sehr einfache Handlung mit den offensichtlichen Wendungen wird mit einer guten Menge an Humor gekonnt überspielt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Der Grinch läuft seit dem 29.11.2018 in den deutschen Kinos.

Vaiana – Das Paradies hat einen Haken

Am 22.12.2016 erschien der neue Animationsfilm aus dem Hause Disney in den deutschen Kinos.

Vaiana ist die Tochter des Chiefs der paradiesischen Insel Motunui. Schon immer zog es sie in Richtung des Meeres, doch ihr Volk hat Angst vor dem Wasser und gerade ihr Vater verbietet ihr das schützende Riff zu verlassen. Doch eines Tages legt sich ein Schatten auf die Insel und verdirbt die Ernte. Vaianas Großmutter vermutet, dass es mit dem Diebstahl des Halbgottes Maui zusammenhängt, der das Herz der Mutterinsel Te Fiki gestohlen hat. So zieht Vaiana los, um Maui zu finden und das Herz zurückzubringen.

Disney hat uns schon früher auch andere Kulturen näher gebracht. So lernten wir ein bisschen der Geschichte Chinas durch Mulan kennen und empörten uns über die weißen Männer, die die Indianer vertreiben wollten, in Pocahontas. Während Disney sich in letzter Zeit ganz von den klassischen Märchengeschichten weg wagte und uns zeigte, wie es in unserem Kopf aussehen könnte (Alles steht Kopf), uns zeigte wie wichtig Freundschaft ist (Arlo und Spot) und uns auch das Thema Rassismus ein wenig näher brachte (Zoomania), bekamen wir mit Vaiana wieder eine ganz neue Richtung. Diesmal entführt uns Disney nach Polynesien und zeigt uns deren Kultur. Zeitlich ist das ganze vor ca. 2000 Jahren angesiedelt, kurz nach der Zeit als das polynesische Volk als Entdecker viele Inseln besiedelten. Disney zeigt dabei einige Sagen, unter anderem die Legende des Halbgottes Maui. Natürlich wurden hier wieder nur Bruchstücke der Legenden und der Kultur deutlich, trotzdem ist dies auch mal wieder ein neuer Ansatz.
Vaiana ist 16 Jahre alt und die Tochter des Chiefs ihres Dorfes auf der fiktiven Insel Motunui. Schon seit ihrer frühesten Kindheit fühlt sie sich vom Ozean magisch angezogen und scheint auch eine besondere Verbindung zum Wasser zu haben. Doch ihr Volk und allen voran ihr Vater scheuen das Meer und verlassen selbst zum fischen nicht das umgebende Riff. Nur ihre Großmutter scheint ihre Verbindung zum Ozean zu verstehen und erzählt ihr alle wichtigen Legenden des Volkes. So auch vom Halbgott Maui, der vor 1000 Jahren das Herz der Mutterinsel Te Fiki gestohlen haben soll, weswegen sich düstere Wesen erhoben haben sollen, um ihm das Herz abzunehmen. Dabei wurde er seines magischen Angelhakens beraubt, der ihm seine Halbgottfähigkeiten verlieh und sitzt nun auf einer einsamen Insel fest, während das Herz ins Meer stürzte. Doch als Schatten auf der Insel um sich greifen und die Ernte verdirbt und keine Fische mehr zu fangen sind, muss Vaiana ihre Bestimmung erkennen und zu einem großen Abenteuer aufbrechen.
Eins muss man Disney lassen, sie haben es geschafft eine Geschichte in einer für uns fremdartigen Kultur zu schaffen, mit einer starken Frauenfigur, die nicht darum kämpft den Mann ihrer Träume zu kriegen, sondern ihr Volk retten will. Im Groben ähnelt die Handlung sehr einem früheren Disney-Klassiker, nämlich Mulan. Ein Mädchen, dass nicht so Recht in die Vorstellungen ihrer Eltern passen will und von zu Hause fortläuft, um ihren Vater zu beschützen bzw. ihr Volk zu retten. Begleitet wird sie von mehr oder weniger sprechenden Tieren und einem starken Helden. Nun gut Chang und Maui kann man nicht miteinander vergleichen. Grundsätzlich macht Vaiana vieles richtig und hat dafür viele positive Kritiken bekommen. Sie schaffen eine Protagonistin, die schon grundsätzlich einen starken Willen hatte, aber trotzdem auch an ihre Grenzen stößt und über sich hinauswachsen muss. Zusammen mit der neuen Kultur, einem Halbgott mit einem zu großen Ego, lustigen und süßen Tieren und einer Menge Liedern wird eine witzige und neue Mischung gefunden. Auch gibt es diesmal kein reines Gut und Böse denken, sondern der Hauptbösewicht und auch Maui haben sowohl positive als auch negative Eigenschaften.
Leider ist die Handlung doch zu Disney typisch geworden, wodurch praktisch alles vorhersehbar wurde. Natürlich musste wieder ein Familienmitglied sterben für die Dramatik und natürlich gab es wieder einen dramatischen Höhepunkt, nach dem sich die Charaktere erst einmal wieder sammeln mussten. Auch wenn die Lieder teilweise stark ins Ohr gehen und gerade der tollpatschige Hahn Heihei für viele Lacher sorgte, fehlte doch irgendwo das I-Tüpfelchen am Film, das ganz besondere Etwas, das sich von allen anderen Disney Filmen abhebt.

Alles in allem macht Vaiana vieles richtig und bringt Spaß für Groß und Klein, hält sich aber doch wieder zu sehr an die eigenen Vorbilder und verpasst es dem Film das gewisse Etwas zu geben. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.