Mufasa

Ein Vorwort

Disney verfolgt die Strategie der zumindest finanziell erfolgreichen Realverfilmungen weiter. Mit Mufasa gibt es als Prequel zu Der König der Löwen zumindest mal eine neue Geschichte, statt die gleiche erneut zu erzählen. Allerdings kennen wir die Hauptcharaktere auch bereits und wissen um ihr Schicksal. Kann der Film einen neuen Blick liefern und mit der Handlung überzeugen?

Filmtitel und Kinoticket auf Filmklappe mit Zazu-Plüsh

Die Handlung

Mufasa wird als junger Löwe von seinen Eltern getrennt. Der Löwenprinz Taka rettet ihn und will ihn in sein Rudel aufnehmen, was sein Vater sehr kritisch sieht. Während Mufasa also bei den Löwinnen aufwächst, sehen sich die beiden Jungen wie Brüder. Doch als ein Rudel gefährlicher weißer Löwen auftaucht, müssen sie fliehen und über sich hinauswachsen.

Meine Meinung

Der König der Löwen ist für viele noch immer der Film der Kindheit. Darüber hinaus habe ich das Gefühl, dass der zweite Teil eher unbekannt ist. Ich hingegen habe auch den zweiten geliebt und kenne daher auch die Geschichte von Simbas Tochter Kiara. Diese wird hier auch als Ausrede genutzt, um die Geschichte von Mufasa zu erzählen. Denn waren im Trailer bereits Timon und Pumbaa zu sehen, die ja aber gar nicht in Mufasas Geschichte vorkommen konnten, da ja erst Simba sie im ersten Teil kennenlernte, erklärt sich hier ihre Anwesenheit. Allerdings verkommen sie hier auch zu simplen Stichwortgebern und können bei weitem nicht an ihre Gagdichte von einst heranreichen, auch wenn hier mit aller Mühe ein Gag nach dem anderen rausgepresst wurde, die aber einfach nicht mehr zünden – auch nicht bei den anwesenden Kindern im Kino.
Aber fangen wir doch nochmal ganz am Anfang an. Wie erwähnt treffen wir zuerst auf Kiara. Die soll beim Königsfelsen bleiben, während Daddy Simba zu Mummy Nala geht, die wohl ein weiteres Baby erwartet. Hierzu hätte ich dann noch Fragen, denn dieses Geschwisterchen kommt im Sequel nicht vor und dort verfolgen wir Kiara bis ins Erwachsenenalter. Ist es also verstorben? Verstoßen? Weggelaufen? Wie Boris Blocksberg ins Internat geschickt und dann die Existenz vergessen worden? Okay, ich schweife ab, aber wenn wir einen Logikloch-Counter hätten, wäre er hier bereits ein paarmal angesprungen. Okay, also weiter in der Geschichte. Timon und Pumbaa wollen Kiara also ablenken und erzählen eine wirre Geschichte, in der sie die Protagonisten sind – wir erinnern uns an den Versuch eines dritten Teils, in dem sie genau das mit der Geschichte des ersten Films versucht haben, was nur mäßig funktionierte. Zum Glück taucht Rafiki auf und übernimmt die Rolle des Erzählens.
Wir lernen nun also Mufasa als jungen Löwen kennen und nun ja, es ist ein Disney-Film, aber ist das Kindheitstrauma nicht weit. Mufasa wird also von seinen Eltern getrennt und trifft auf Taka. Wer es noch nicht verstanden hat: Taka ist übrigens Scar. Wir wissen also wie die Geschichte der beiden ausgeht. Und während uns damals erklärt wurde, dass Mufasa halt der Zweitgeborene war und aus irgendeinem Grund trotzdem den Thron bekommen hat, was der Grund für Scars Verbitterung sein sollte, wird hier einfach eine komplett neue Geschichte aufgemacht. Okay, akzeptieren wir also die Tatsache, dass die beiden lediglich Brüder im Geiste sind. Denn wie Taka immer wieder betonte, wollte er immer einen „Brudaaa“ – okay, ich weiß, dass Disney eigentlich die Auswahl ihrer Synchronsprecher sehr ernst nimmt und wir in Deutschland auch echt gute haben, die eine tolle Arbeit leisten. Aber wer zur Hölle hat den Taka Sprecher genehmigt, der gefühlt tausendmal Bruder sagen muss und es einfach immer anstregendend Brudaaa nennt?
Während im folgenden eine interessante Spannung zwischen den beiden aufgemacht wird, da Mufasa als „Strafe“ mit den Löwinnen leben muss und dort allerlei hilfreiche Dinge fürs Leben lernt, „darf“ Taka bei den Löwen bleiben, lediglich, weil er der Prinz ist. Dadurch lernt aber auch nicht wirklich was, was ihm später zum Verhängnis wird. Allein dieses Ungleichgewicht richtig ausgebaut und richtig geschrieben, hätte sehr viel erklären können und wäre eine gute Geschichte geworden. Aber bei Disney wollte man keine tiefenpsychologische Geschichte, sondern lieber die gleiche Formel, die seit Ewigkeiten ausgelutscht ist.
Also bekommen wir unseren Oberbösewicht in Form des Rudels der weißen Löwen, die einfach nur böse sind und alle anderen Löwen töten wollen. Okay, sie bekommen einen Nebensatz zur Charakterisierung und sie sind übrigens alle Verstoßene, was Mufasa auch hätte drohen können. Naja, anstatt sich als found family zu verstehen, gehen sie halt lieber auf Rachezug. Also müssen Mufasa und Taka fliehen. Dabei treffen sie auf Sarabi und Zazu. Nun was passiert natürlich? Genau Taka verliebt sich in Sarabi, diese aber in Mufasa und während der noch versucht sie trotzdem mit seinem Bruder zu verkuppeln, gibt er sich schließlich geschlagen. Taka hasst also von jetzt auf gleich Mufasa, der sich vorher schon immer durch seine Erfahrungen bei den Löwinnen hervortun konnte. (Okay er wird hier schon als ein wenig Überklug dargestellt und macht seinen Charakter dadurch auch ein wenig Unglaubhaft, hier hätte ein bisschen mehr Teamwork nichts an der Aussage geändert.)
Naja ab hier werde ich den Film auch mal nicht weiter zusammenfassen, damit noch ein paar „Überraschungen“. bleiben. Aber sagen wir es bleibt so plakativ, also ein „everything wrong with Mufasa“ Video hätte einen sehr hohen Counter. Ich hatte sehr oft Fragezeichen über dem Kopf, einfach weil es mir nicht logisch war, dass die Charaktere so reagiert haben. Während das Potential für eine wesentlich logischere Entwicklung gegeben war. Das verwundert vor allem, da Regisseur Barry Jenkins eigentlich mit Filmen wie Moonlight und If Beale Street could talk bewiesen hat, dass er die Feinheiten herauszuarbeiten weiß. Für das Drehbuch war hier Jeff Nathanson verantwortlich, der einst mit Terminal und Catch me if you can, gute Bücher geschrieben hat, ehe er irgendwie dazu genutzt wurde, Filmreihen, die eigentlich ihren Zenit überschritten haben, weiterzuführen. Sei es Indiana Jones 4, Men in Black 3 oder Fluch der Karibik 5. Auch bei Mufasa konnte er nichts mehr retten.
Aber gut kommen wir mal zu etwas positivem: Der Optik. Während die Realverfilmung von Der König der Löwen vor allem für ihre zu realisitische Darstellung kritisiert wurde, da so sämtliche Emotionen der Charaktere verloren gingen, wurde sich dies hier zu Herzen genommen und die Löwen und anderen Tiere haben wenigstens ein bisschen Mimik bekommen, es wird sich dennoch viel an der realistischen Darstellung orientiert.
Über ein Problem müssen wir leider noch reden: die Lieder. Während die Hintergrundmusik gut funktioniert – was vor allem wohl daran liegt, dass sich hier hauptsächlich am Originalscore orientiert wurde und dadurch berechtigterweise immer wieder für Gänsehautmomente sorgte – sind es die neu geschriebene Lieder, die so gar nicht passen wollen. Sie wirken wie leblose Popsongs von der Stange und das obwohl sie von niemandem geringeren als Lin-Manuel Miranda (Hamilton, In the Heights) geschrieben wurden. Entweder bekam er hier keinerlei Freiheiten oder es wurden die immer gleichen Popsongs verlangt. Anders kann ich mir diesen Komplettreinfall nicht erklären. Denn ausnahmslos jedes Lied klingt gleich. Gleicher Beat, gleiche Geschwindigkeit, gleicher seelenloser Text. Schade, sind doch die Originallieder bis heute unvergessene Klassiker.
Im großen und ganzen ist Mufasa kein schlechter Film. Immerhin hat sich Disney getraut mal eine neue Geschichte zu erzählen. Aber er ist leider auch nicht gut.

Das Fazit

Mufasa versucht eine neue Geschichte mit größtenteils bekannten Charakteren zu erzählen und scheitert an dem vorhersehbarem Ausgang, traut sich aber auch nicht von der altbekannten (aber inzwischen überholten) Formel abzuweichen. Mit einer Menge Logiklöchern  und seelenlosen Liedern, können auch die Optik und der alte Soundtrack nicht viel retten. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Mufasa läuft seit dem 18.12.2024 in den deutschen Kinos

Agatha all along

Ein Vorwort

Marvel hat gemerkt, dass sie es übertrieben haben und versuchen nun die Bremse zu ziehen. Gerade auch im Serienbereich haben sie die neuen Charaktere zurückgefahren und versuchen sich eher in Fortsetzungen (aktuell What if…) und bereits eingeführten Charakteren. Denn der Plottwitst mit Agatha Harkness in Wandavision war durchaus spannend und ich war gespannt, wie der Charakter weiter ausgebaut werden sollte. Wie das funktioniert hat und ob es mich überzeugen konnte, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Agatha Harkness war lange Zeit unter dem Zauber dre Scarlet Witch gefangen, bis ein Teenager sie befreit. Er möchte unbedingt den geheimnisvollen Hexenweg beschreiten, um Antworten zu finden. Agatha ist zwar alles andere als begeistert, stimmt aber zu. Dafür brauchen sie jedoch einen Zirkel.

Meine Meinung

Agatha all along war kaum raus, da kamen schon die ersten Lobeshymnen in meine Timeline. Da ich bei sowas grundsätzlich skeptisch bin, habe ich versucht nicht zu große Erwartungen zu haben, denn die bisherige Ausbeute der Disney+ Serien ist eher mau gewesen. Dennoch war WandaVision als Auftakt noch eine der besten Vertreter gewesen und Agatha Harkness bot als Protagonistin genug Ansatzpunkte. Die Frage blieb aber wie bei vielen Serien, ob der Stoff nicht auch in einem Film auserzählt wäre und nicht zwangsläufig in eine Serie gepresst werden musste.
Gleich mit der ersten Folge wurde die Erwartungshaltung, ob wir es hier wieder mit Episoden zu tun bekommen, die auf verschiedene Formate anspielen, wie noch WandaVision mit den verschiedenen Sitcoms im Laufe der Jahrzehnte. Das Konzept wurde leider bereits in der zweiten Folge verworfen. Mit dem Teenie wird zwar eine weitere spannende Komponente hinzugefügt und wir bekommen noch eine Handvoll weiterer spannender Charaktere, aus denen man einiges hätte machen können. Doch Marvel wäre nicht Marvel, wenn sie sich nicht lediglich auf das Uninteressante stürzen würden.
Die Etappen des Hexenwegs sind umfangreich gestaltet und hier könnte man auch einiges über die Charaktere erfahren, aber weil gerade um Agatha und den Teenie weiterhin ein großes Geheimnis gemacht wurde, bleibt vieles unerzählt und es wird sich mehr auf möglichst viel Action gestürzt als den Charakteren Tiefgang zu geben. Dafür bekamen wir zumindest optisch einiges geboten.
Letztlich wird zwar gegen Ende noch einiges erklärt, aber viele Andeutungen, die zuvor gemacht wurden, laufen weiterhin ins Leere. Die Figur Agatha ist weiterhin eher schwammig, viele Fragen bleiben offen. Zwar gibt es eine komplette Rückblendenfolge, aber teilweise wurde in WandaVision mehr erzählt, so dass es letztlich doch nicht ohne Vorwissen geht. Schade.
Dennoch ist Agatha all along keine schlechte Serie. Auch wenn hier vieles negativ klang, so war es doch spannender und interessanter als 80% der bisherigen Serien aus dem MCU. Es war ein durchdachtes Konzept, hat über die Lauflänger der Serienfolgen funktioniert und ich hab sie gern weitergeschaut und nicht nur, um in anderen Serien und Filmen die Andeutungen zu verstehen. Aber die große Erlösung der Serienflaute von Marvel, wie sie oft bezeichnet wurde. ist sie dann doch nicht.

Das Fazit

Agatha all along hat eine interessante Grundidee und spannende Charaktere, aus denen aber letztlich zu wenig herausgeholt wird und lieber auf viel Action gesetzt wurde. Funktioniert als Serie in seiner Gesamtheit, bleibt aber weit hinter dem Potential zurück.

Agatha all along ist auf im Disney+ Abo enthalten

Vaiana 2

Ein Vorwort

2016 hatte Disney gerade durch den Erfolg von Frozen wieder ordentlich Aufwind bekommen und wagte sich an neue Konzepte. So durfte mit Vaiana eine Häuptlingstochter aus Polynesien die Weltmeere erobern. Da sich der Mäusekonzern aktuell eher an der gefühlt hundersten uninnovativen Realverfilmung versucht und die letzten Animationsfilme auch eher mies liefen, wurde nun kurzerhand die Vaiana Serie gekippt und zu einem zweiten Teil umgebaut. Ob das funktioniert hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Vaiana kehrt nach einer Expeditionstour zurück auf ihre Heimatinsel. Dort bekommt sie einen neuen Titel verliehen, doch bei der Zeremonie kommt es zu einem Zwischenfall und sie erhält eine Vision, die sie dazu animiert einen verschollenen Knotenpunkt zwischen den anderen Inseln zu suchen. Dafür braucht sie eine Crew. Gleichzeitig gerät Maui in Gefangenschaft.

Meine Meinung

Inzwischen freut man sich ja eher, wenn Disney ein Sequel im Animationsbereich ankündigt, anstatt den neusten sinnlosen Realfilm – auch wenn eben dieser für Vaiana wohl in der Planung ist. Und zumindest mit Frozen 2 und Chaos im Netz konnte Disney gut unterhalten. Dass hier aus der Not heraus eine Serie umgewandelt wurde, ließ hingegen das schlimmste befürchten. Aber hey, immerhin gab es diesmal keine lächerliche deutsche Tagline, wie „Das Paradies hat einen Haken“.
Zunächst treffen wir wieder auf Vaiana und erfahren, was sie in der Zwischenzeit so erlebt hat. Es gibt ein Wiedersehen mit alten Bekannten, wir treffen aber auch auf neue Gesichter. Motonui hat sich seit der Rettung von Te Fiti gut entwickelt und hier bekommen wir eine grobe Übersicht. Nachdem dann auch Maui wieder eingeführt wurde, wenn auch noch getrennt vom Rest, geht es auch wieder auf große Fahrt.
Und diesmal durfte gleich eine ganze Crew mit. Die Einführung dieser ging flott voran und auch wenn ich zunächst Bedenken hatte, funktionierte gerade die Vielfalt der Charaktere sehr gut. Ab hier schreitet die Handlung flott voran und bringt einige spannende Momente mit sich, lässt aber auch immer Pausen, damit die Zuschauenden auch wieder durchatmen können. Aber vor allem bietet der Film eine ganze Menge Spaß.
Die Witze zünden gut und konnten Groß und Klein im Kino gleichermaßen abholen. Die Charaktere harmonieren gut miteinander und bringen ganz neue Ebenen rein. Da wirkt Maui zunächst wie ein unwichtiger Nebencharakter, der nur der Nostalgie wegen reaktiviert wurde. Aber auch das bessert sich im Laufe des Films, spätestens wenn die Handlungsstränge zusammenlaufen.
So ganz kommt der Film nicht über den Seriencharakter hinweg, der aber eher auffällt, wenn man den Hintergrund kennt. Aber ganz können sie nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte mal in Episoden aufgeteilt war. Die neuen Lieder brauchen ebenfalls ihre Zeit, um richtig zu zünden und sind keine instant Ohrwürmer, wie noch im ersten Teil. Dennoch sind sie melodisch und verbinden alte Rhythmen mit neuen und bringen den Film stets voran.
Im großen und ganzen kommt der zweite Teil zwar nicht an den Vorgänger heran, macht seine Sache als Sequel aber gut und weiß zu unterhalten. Auch wird er bestimmt noch mehrfach konsumiert.

Das Fazit

Vaiana 2 bringt eine neue spannende Handlung und bietet wieder viel Witz und eine schön gestaltete Welt. Dabei steht der Film aber im Schatten seines Vorgängers, gerade, was die Lieder angeht. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Vaiana 2 läuft seit dem 28.11.2024 in den deutschen Kinos

Alles steht Kopf 2

Ein Vorwort

Pixar war irgendwie nie das Studio, was meine Lieblingsfilme produzierte. Mit Toy Story, dem Steckenpferd, konnte ich nie etwas anfangen und nach ein paar ganz süßen Filmen, wie Findet Nemo, kamen auch nicht so die Filme, die mich unbedingt interessierten oder begeistern konnten. Bis 2015 Alles steht Kopf heraus kam. Der Film konnte mich nachhältig begeistern und hat einen ewigen Platz in meinem Herzen bekommen. Umso aufgeregter war ich, dass nun nach fast 10 Jahren doch noch ein zweiter Teil herauskam. Gleichzeitig war die Angst groß. Was, wenn er mit meinen Erwartungen nicht mehr mithalten konnte? Ob diese Befürchtung berechtigt ist oder nicht, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Riley ist inzwischen 13 Jahre alt und plant mit ihren Freundinnen an einem Eishockey-Camp teilzunehmen. Doch dort eröffnen ihre Freundinnen ihr, dass sie im nächsten Jahr nicht auf die gleiche Highschool gehen werden. Gleichzeitig herrscht in Rileys Kopf helle Aufregung, denn nicht nur wurde die Kontrollkonsole der Emotionen angepasst, es ziehen auch vier neue Emotionen ein. Und gerade Zweifel versucht das beste aus Rileys Situation rauszuholen, sieht in Freude aber eine Bedrohung. Kann das gut gehen?

Meine Meinung

Während wir im ersten Teil die Emotionen Freude, Ekel, Wut, Angst und Kummer kennenlernten und die Probleme nach einem Umzug in eine neue Stadt durchlebten, steht nun die Pubertät vor der Tür. Riley durfte also auch in der Zeit zwischen den Filmen wachsen und sich weiter entwickeln.
Und wie es so in der Pubertät üblich ist, treten die Emotionen wesentlich stärker auf, die Stimmungsschwankungen sind größer und ganz neue Probleme treten auf. Dies wird im Film verdeutlicht durch das Auftauchen von vier neuen Emotionen. Während Peinlich, Neid und Ennui (französisch für Langweile und wird als Emotionen mit der typischen Kein Bock Einstellung von Pubertierenden gleichgesetzt) vergleichsweise kleine Auftritte haben, ist es vor allem Zweifel, die hier voll in ihrem Element ist.
Und auch, wenn sie zwischendurch beinahe als Antagonistin genutzt wird, ist der Beweggrund die Geschichte so zu erzählen, durchaus nachvollziehbar. Denn Entscheidungen, die man früher ganz anders getroffen hätte, bekommen nun auf einmal eine ganz neue Wichtigkeit. Das Bedürfnis dazuzugehören und die Angst vor der Zukunft (die hier auch Zweifel zugesprochen wird) sind vermutlich jedem noch gut bekannt.
So werden die Themen der Pubertät gut angesprochen und die Entwicklung zur Akzeptanz der eigenen Zweifel wird gut aufgezeigt. Manko an der Geschichte ist allerdings, dass dieser komplette Pubertätsentwicklungsschritt an einem einzigen Wochenende erzählt wird. Dass das natürlich länger Zeit braucht und teilweise auch im Erwachsenenalter noch nicht geschafft ist, kommt leider etwas zu kurz. Aber so ist das nun mit einem Film, der eine begrenzte Länge hat.
Auch wird hier vieles aus dem ersten Film wieder verwertet, so dass das Entdecken des Kopfes und wie sich alles vorgestellt wird, etwas kürzer kommt. Zeitgleich ist es natürlich auch verständlich, weil es nicht logisch wäre, hier alles abzuändern, und die ein oder andere Neuerung wurde auch versucht einzuführen, wie beispielsweise das Ich-Gefühl. Dennoch fehlt ein bisschen das Neu-Gefühl und insgesamt kann der Film durch weniger Innovativität punkten. Das ist aber auch einfach das Schicksal einer Fortsetzung.
Dennoch hat der Film wieder seine deutlichen Stärken und beweist wieder einmal das Feingefühl, sowohl Jung als auch Alt abzuholen und einen Film zu schaffen, den man auch gut mit Kindern schauen kann, um einige Dinge zu erklären und besprechen zu können. Gerade in Vorbereitung auf die Pubertät ist der Film gut geeignet, schafft es aber auch darüber hinaus zu unterhalten.
Mit ein paar weniger zitierfähigen Onelinern, dafür aber nochmal mehr Tiefgang als der erste Film, schafft er es seine positive Grundhaltung aufrecht zu halten und zeigt wieder einmal, was Animationsfilme noch alles können. Der Kinobesuch lohnt sich dafür auf jeden Fall!

Das Fazit

Alles steht Kopf 2 bleibt zwar im Schatten seines herausragenden ersten Teils zurück, schafft es aber wieder, mit kleineren Abstrichen, eine tolle Geschichte zu erzählen, mit ordentlich Tiefgang und doch kindergerecht zum verstehen. Ein Spaß für Jung und Alt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Alles steht Kopf 2 läuft seit dem 13.06.2024 in den deutschen Kinos

Dreierlei Marvel Serien

Ein Vorwort

Eigentlich hatten die Marvel Serien bisher immer einen eigenen Beitrag. Nachdem nun aber wieder in kürzester Zeit gleich drei Serien erschienen sind, wobei es sich bei What if und Loki um die zweiten Staffeln handelt und bei Echo um den Auftakt der Spotlight-Reihe, wurde es einfach zu viel. Daher nun hier alles nochmal im Schnelldurchlauf.

Loki – Staffel 2

Die Handlung: Nachdem Sylvie Jenem, der bleibt, getötet hat, bricht Chaos in der TVA aus, da zu viele neue Abzweigungen entstehen. Loki springt zeitgleich unkontrolliert in der Zeit, was sich als „Zeitzerrung“ herausstellt. Zusammen mit Mobius, dem Techniker Ouroboros und Hunter B-15 versuchen sie das Zusammenbrechen des Webstuhls der Zeit zu verhindern. Dafür müssen sie Sylvie finden, die jedoch gar nicht daran denkt, etwas zu ändern. Doch das Ende der Zeit steht bevor.

Meine Meinung: Die erste Staffel von Loki war als dritte Serie noch erstaunlich erfrischend und kam noch vor der völligen Übersättigung raus. So gehört sie wohl auch mit zum besten, was Disney serientechnisch im MCU rausbrachte. Die zweite Staffel war damit irgendwie die Hoffnung auf nochmal ein bisschen guten Content. Aber sie hatte das gleiche Problem, wie viele Serien im MCU: Sie hatte nicht genügend Handlung für eine ganze Staffel. Und so kommt Loki in der zweiten Staffel eigentlich mit einer spannenden Geschichte, tollen Einfällen und vor allem einer faszinierenden Optik da, verennt sich aber gleichzeitig in Wiederholungen und irgendwie endet jede Folge so im Nichts. Das ändert sich erst im Staffelfinale, dass erzählerisch nochmal alle Register zieht und im wohl epischsten Finale der MCU Serien endet. Da wird man durchaus nochmal positiv auf die Serie gestimmt, der Weg ist aber lang und steinig. Nicht nur mit dem Auftauchen von Ke Huy Quan als Ouroboros, auch mit den allgemeinen Wirrungen der Zeit-Geschichte wird wohl versucht den Hype um Everything, Everywhere all at once anzuknüpfen, schafft es aber nicht die Zeit-Geschichten logisch zu halten bzw. so abgedreht zu werden, dass die Logik auch wieder egal ist. So bleibe ich bei der zweiten Staffel deutlich unentschlossen, ob sie mir gefallen hat oder nicht, obwohl sie wohl die stärkste Staffel war, die Marvel seit Hawkeye hervorgebracht hat.

What if… – Staffel 2

Die Handlung: Eine weitere Reihe von alternativen Geschichten aus dem MCU. Was wäre zum Beispiel, wenn Nebula für das Nova Corps rekrutiert worden wäre? Oder wenn Iron Man auf den Grandmaster treffen würde?

Meine Meinung: Eine weitere zweite Staffel, die wohl zu erwarten war, hat die erste zwar nicht überzeugt, aber bietet sie gefühlt unendliche Möglichkeiten, was passieren könnte. Leider funktionieren die einzelnen Folgen auch hier nur bedingt, da die Geschichten meist wenig innovativ sind. Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber meist sind es normale Geschichten, die wir bereits kennen, nur dass ein Charakter ausgetauscht wurde. So war Iron Man beim Grandmaster doch einfach nur Thor 3, nur eben mit Iron Man und in Kürzer – was die Geschichte aber auch nicht besser gemacht hat. Abgesehen von einer neuen Originalgeschichte, die irgendwie für Echo eine Bedeutung zu haben schien, aber irgendwie dort auch wieder nicht aufgegriffen wurde, bleiben wir auch bei den altbekannten Charakteren. Selbst das Finale ist irgendwie wieder eine Art des Finales der ersten Staffel und kommt daher sehr unspannend daher. Wirklich gefallen hat mir nur eine Folge, in der Hera auf Shang-Chi traf, alle andere hat man halt irgendwie gesehen, ohne sie richtig wahrzunehmen.

Echo – Staffel 1

Die Handlung: Maya Lopez hat Kingpin erschossen. Nun versucht sie seine Institution, der sie selbst einmal anhörte, zu destabilisieren. Dabei macht sie sich jedoch eine Menge Feinde. Für Unterstützung muss sie in ihre Heimatstadt zurückkehren. Doch nicht alle dort, nehmen sie mit offenen Armen wieder auf.

Meine Meinung: Hawkeye gehört bisher noch immer zu meiner liebsten MCU Serie, drehte sie sich doch um meinen Lieblingsavenger und hatte eine funktionierende Handlung. So richtig die Notwendigkeit aus der Figur Mara Lopez eine eigene Serie zu machen, hat sich mir nicht erschlossen, war sie doch eher blass geblieben, nachdem feststand, dass sie nicht die Hauptantagonistin in Hawkeye war. Dennoch hatte sie eigentlich spannende Aspekte, die man bestimmt gut ausarbeiten konnte. Aber nicht so, wie es passiert ist. Denn auch Echo hat das gleiche Problem, wie viele Serien des MCU. Sie erzählt zeitgleich zu viel und zu wenig. Also sie macht viele Handlungsstränge auf, beendet aber kaum einen. Stattdessen hält sie sich viel zu lange mit wenig sinnvollen Szenen auf und dreht sich permanent im Kreis. Und auch wenn Vincent D’Onofrio als Kingpin bisher super funktioniert hat, war die Wiederbelebung nach Hawkeye leider nicht gut durchdacht, wird die Figur des Kingpin doch immer blasser. Sie lebt mehr von ihrem Mythos, aufgebaut in der vor MCU Zeit in Daredevil, als dass sie hier noch erschrecken kann. Leider ist die Geschichte in Echo auch voller Logiklöcher und widerspricht sich im zeitlichen Ablauf immer wieder selbst. So gern ich auch die Repräsentation der indigenen Bevölkerung und der Gehörlosen hier hervorhoben möchte, so wurden doch beide Themen entweder kaum angesprochen oder es wurde sich sehr leicht gemacht. Wenn die eine Gehörlose Person seit Jahrzehnten nicht mehr im Dorf ist und trotzdem noch alle perfekt Gebärde können, klingt das leider nicht sehr logisch. Vielleicht hätte Echo als Fernsehfilm gut funktioniert, weil sie sich dann auf das wichtigste hätte beschränken müssen und sie wäre nicht so lang gezogen worden, oder vielleicht hätten mehr Folgen geholfen, dass alles angedeutete auch richtig umgesetzt worden wäre. Aber so wie es abgeliefert wurde, ist es einfach nur eine weitere Enttäuschung aus dem Hause Marvel.

Habt ihr eine oder mehrere davon gesehen? Wie fandet ihr sie?

Geistervilla

Ein Vorwort

Während Captain Jack Sparrow erstmalig in See stach und damit eine Attraktion aus den Disneylands als Film ungesetzt wurde, gab es im gleichen Jahr noch eine weitere Attraktion, die verfilmt wurde. Die Rede ist von Die Geistervilla mit Eddie Murphy in der Hauptrolle, der eher negative Kritiken einstecken musste. Dass es 20 Jahre für ein Remake gebraucht hat, ist im weiter andauernden Remake und Reboot fast noch verwunderlich. Warum Geistervilla in seiner Gesamtheit gut funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Gabbie und ihr Sohn Travis ziehen für einen Neuanfang in eine große Villa, die Gabbie zu einem Bed & Breakfast umbauen will. Nur leider ist die Villa voller Geister, die gar nicht erfreut sind über die neuen Bewohnenden. In ihrer Not wendet sich Gabbie unter anderem an den Geistlichen Ken und an den Fotografen für Übernatürliches Ben. Kurz darauf sitzen diese ebenfalls in der Villa fest. Zusammen versuchen sie den Fluch zu brechen.

Meine Meinung

Ich habe den Originalfilm von 2003 nicht gesehen. Hatte mich nie interessiert und nicht angesprochen. Und selbst, nachdem ich eine ganze Dokureihe rund um die Disneyland-Attraktionen gesehen habe, hatte ich kein Bedürfnis das zu ändern. Als ich jedoch den Trailer zum 2023er Film gesehen habe, hab ich mich sofort angesprochen gefühlt. Trotz sehr gemischer Kritiken, wollte ich mir meine eigene Meinung bilden und bin nicht enttäuscht worden.
Das liegt zum einen daran, dass die Charaktere sehr gut miteinander harmonieren, obwohl sie so unterschiedlich sind. Wir haben die Mutter mit ihrem Sohn, die die Villa gekauft haben und dort nicht mehr wegkommen. Wir haben den trauernden Fotografen fürs Übernatürliche, den Pfarrer, das Medium und den Historiker. Alle sind auf ihre Art einzigartig und bieten gerade dadurch genug Platz, um gut pointierte Lacher auszulösen. Es bedarf kaum eines billigen Wortwitzes oder eines Oneliners, um die Witze auszulösen.
Aber Geistervilla ist keine reine Komödie. Denn das Grundsetting der Haunted Mansion bietet schon viele Ansatzpunkte, für einen sehr atmosphärischen Film. Und wer die Attraktion im Disneyland schonmal besucht hat – oder wie ich eine Doku darüber gesehen hat – findet viele Anspielungen dazu. So ist es ein stetes Entdecken und Wiedererkennen, was den Charme noch erhöht.
Natürlich kommen auch die Grusel- und Spannungsmomente nicht zu kurz. Auch hier wird viel über die Atmosphäre übertragen und bietet einen guten Kontrast zum Komödienanteil. Lediglich der große Böse am Ende ist zwar direkt aus der Attraktion entsprungen, aber wirkt nach den übrigen Effekten seltsam billig. Jared Leto scheint einfach keinen Glück mehr bei seiner Rollenwahl zu haben.
Besonders hervorzuheben ist auch, dass trotz der überschaubaren Lauflänge sich genug Zeit genommen wurde, um den Charakteren auch Tiefe zu geben – zumindest zur Hälfte. Gerade Ben hat eine sehr ausführliche Hintergrundgeschichte bekommen, die aber nicht nur charakterisieren soll, sondern auch im weiteren Verlauf eine Bedeutung hat. Das ist angenehm erfrischend, denn meist sind es gerade die traurigen Geschichten, die schnell herangezogen werden, um zu charaktersieren, danach aber keine Bedeutung mehr haben und daher einem weiß gemacht wird, dass die Trauer einen Charakter allein ausmacht.

Das Fazit

Geistervilla umschifft die meisten Stolpersteine und schafft es eine wunderbar beschwingte Kombination aus Komödie, Horror und spooky Elemente zu kreieren, mit faszinierenden Charakteren und trifft die Disneyland-Attraktion auf den Kopf. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Geistervilla läuft seit dem 27.07.2023 in den deutschen Kinos

Elemental

Ein Vorwort

Nachdem Pixar sich mit Alles steht Kopf und Soul den Emotionen und der Seele gewidmet hat, wird es diesmal elementar. Wie daraus eine Analogie zu Fremdenfeindlichkeit werden kann, zeigt uns Elemental. Warum mir der Film gut gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

In Elemental City leben die vier Elemente harmonisch zusammen. Lediglich Feuer wird immer wieder ausgegrenzt, da es angeblich eine zu hohe Zerstörungsgewalt hätte. Ember Lumen träumt seit ihrer Kindheit davon den Laden ihres Vaters zu übernehmen. Bei einem Wasserschaden trifft sie durch Zufall auf den Wasserelementaren Wade Ripple, der als Inpektor für die Stadt arbeitet, findet leider bauliche Verstöße und will diese melden. Ember versucht alles, um den Laden ihres Vaters zu retten und kommt Wade dabei immer näher. Doch Feuer und Wasser, dass kann doch nicht funktionieren.

Meine Meinung

Auch wenn mir nur ungefähr die Hälfte der Pixar-Filme wirklich zusagt, bin ich doch bei jedem neuen Film gespannt. Und mit Alles steht Kopf konnte Pixar absolut mein Herz erobern. Ich liebe die Idee, die Umsetzung, die Botschaft, die Liebe zum Details und wie gut einfach das Gehirn und Emotionen erklärt werden konnten. Als mit Soul ein Film angekündigt wurde, der erneut in diese Richtung gehen sollte, aber sich statt mit den Emotionen mit der Seele befassen sollte, war ich sofort wieder dabei. Leider hat mich der Film entgegen der allgemeinen Meinung eher enttäuscht. Nun also Elemente.
Sah der Trailer noch nach einer klassischen Liebesgeschichte zwischen den Elementen aus, wo das einzige Problem ist, dass sich Elemente nicht vermischen, geht der fertige Film deutlich tiefer. Denn hier sind es nicht nur die Vorurteile der einzelnen Elemente gegeneinander, sondern Feuer wird deutlich ausgegrenzt. Als letztes Element, dass nach Elemental City zugewandert ist, ist die Stadt nicht auf ihre Bedürfnisse angepasst und potentiell lebensgefährlich. So haben sie sich ihr eigenes Viertel gebaut und werden komisch beäugt, wenn sie dieses  verlassen. Die Analogie zur Fremdenfeindlichkeit ist sehr gut gelungen und bricht die Probleme auf eine kindliche Erklärweise herunter, die aber auch für Erwachsene sehr gut funktioniert. Wie man sich in einem fremden Land zwischen Integration und Traditioneinhaltungen versucht einzufinden und was für eine Gemeinschaft dadurch entstehen kann.
Durch die Geschichte zwischen Ember und Wade wird deutlich, wie tief die Vorurteile auf beiden Seiten sind und was es braucht, um diese aufbrechen zu können. Dabei sehen wir zwar wesentlich weniger von der Stadt als in einem Zoomania, aber die wenigen Szenen beweisen wieder eine Liebe zum Detail, die auf jeden Fall mehrere Sichtungen braucht, um sie alle erfassen zu können. Die Reaktionen der Familien spiegeln Möglichkeiten wieder und zeigen, dass es ein Spektrum gibt.
Die Handlung ist sehr rund erzählt und an den verschiedenen Charakteren angepasst. Dabei ist kein Charakter zu klischeemäßig dargestellt, auch wenn gewisse Verallgemeinerungen durchaus gezeigt werden sollten. Einziger Kritikpunkt für mich war die Vorhersehbarkeit von Embers beruflichem Wunsch. Hier wurde leider wieder der übliche Weg eingeschlagen, statt es mal weniger offensichtlich zu machen.
Letztendlich wurde ich über die gesamte Spielzeit gut unterhalten, hatte ständig etwas neues zu entdecken, habe mit den Charakteren mitgefiebert und mich über eine Menge Ungerechtigkeiten aufgeregt. Aber genau deswegen ist der Film auch so wichtig. Weil uns dadurch noch einmal die Augen geöffnet werden kann und wir dadurch bestimmte Denkmuster vielleicht auch überdenken.

Das Fazit

Elemental zeigt in einer liebevoll gestalteten Analogie wie Fremdenfeindlichkeit in Form von Elementen aussehen kann. In einer runden Liebesgeschichte werden viele wichtige Themen angesprochen und bespaßt gleichzeitig Groß und Klein. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Elemental läuft seit dem 22.06.2023 in den deutschen Kinos

Arielle

Ein Vorwort

Im unendlichen Rebootwahn ist Disney mit ihren Realverfilmungen ein stetiger Begleiter. Nur selten kam dabei ein wirklicher Mehrwert raus, gerade die regelmäßigen 1:1 Verfilmungen sorgen bei mir eher für ein müdes Gähnen. Nun stand Arielle also auf der Agenda. Während einige Realverfilmungen ja direkt bei Disney+ landen (und das meist aus gutem Grund), durfte Arielle zunächst auf die Kinoleinwand. Ob diese Realverfilmung die Neuverfilmungen attraktiver macht, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Tief unten im Meer lebt Arielle (Halle Bailey) als Tochter des Meereskönigs Triton (Javier Bardem). Unglücklich mit ihrem Leben, träumt sie davon an die Oberfläche zu schwimmen, doch dass hat ihr Vater streng verboten. Bei einem Sturm kommt es jedoch zu einem Schiffsunglück, bei dem Arielle trotz des Verbotes eingreift und Prinz Eric vorm Ertrinken rettet. Um ihm näher zu sein, geht sie auf einen Handel mit der Meerhexe Ursula (Melissa McCarthy) ein. Doch diese verfolgt ganz eigene Pläne.

Meine Meinung

Unten im Meer, da gibt es eine farbenfrohe Welt. So wurde uns 1989 Arielle präsentiert, die die Rennaisance Disney einläutete, also die 1990er Ära, die uns einige der beliebtesten Disneyfilme, wie König der Löwen oder eben auch Arielle brachte. So war es nur eine Frage der Zeit, bis auch dieser eine Realverfilmung kriegen durfte. Zwar ist die Bezeichnung auch hier wieder fraglich, da vieles wieder digital entstanden ist, aber immerhin gab es diesmal wieder auch reale Schauspielende (nicht wie bei Der König der Löwen). Nach den letzten Realverfilmungen ist die Vorfreude bei mir meist gering, da mir die wenigsten einen Mehrwert boten. Als ich dann sah, dass der ursprünglich ca. 90 minütige Film auf 136 Minuten gestreckt werden sollte, befürchtete ich schon das schlimmste. Und tatsächlich war der Film ein ziemliches Auf und Ab.
Aber beginnen wir am Anfang. Wir lernen zunächst die Unterwasserwelt kennen. Dafür werden bekannte Szenen nach verfilmt, was mitunter einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Das früher Haie das große Böse waren, ist bekannt. Das heute auch noch immer so weiterzugeben, während andere potentiell gefährliche Wasserlebewesen als harmlos darzustellen, kann man machen, ist aber ein Indiz dafür, dass beim Drehbuch wenig nachgedacht wurde. Auch taucht hier bereits das zweite große Problem des Films auf. Wie schon in König der Löwen, wurde auch hier viel Wert auf eine möglichst realistische Darstellung der Tiere wert gelegt. Dadurch fehlen aber Charakteren, wie Sebastian oder Fabius einfach jegliche Emotionen und Charme.
Allgemein sehen die Unterwasseraufnahmen schon gut aus, auch wenn man stellenweise deutlich das CGI sieht. Den Darstellenden fielen die Aufnahmen wohl auch sichtlich schwer, gerade Javier Bardem als König Triton sieht man seine Überforderung an. Während er eigentlich als starker Charakterschauspieler bekannt ist, der gern mit viel Gesten arbeitet, steht (schwimmt?) er hier lediglich in der Gegend rum, die Arme stets an den Körper gepresst und sagt sturr seinen Text auf. Also entweder hatte er sehr wenig Lust auf den Film oder kam mit dem Greenscreen/Motion Capture nicht zurecht. Ähnliche Probleme sind auch bei den anderen Darstellenden zu beobachten. Melissa McCarthy als Ursula haucht der Rolle zwar ihren ganz eigenen Charme (ausnahmsweise positiv gemeint) ein, aber holt dann doch sehr wenig aus der Rolle raus. Wirklich positiv sticht hier eigentlich nur Hauptdarstellerin Halle Bailey raus, die sichtlich Spaß an ihrer Rolle hatte.
Die längere Laufzeit wird dann auch gerade in der ersten Hälfte deutlich, solange wir uns noch Unterwasser befinden. Einzelne kleinere Szenen, die neu zur Geschichte hinzugefügt wurden, sollen dem ganzen dann noch eine ernstere Thematik näher bringen, doch der kurze Dialog über die Verschmutzung der Meere durch die Menschen wirkt so aus der Luft gegriffen und hat später auch keine Bewandnis mehr, dass man sich diesen Kommentar auch hätte sparen können. Eigentlich fand ich den Aspekt sehr interessant, aber er war so lieblos eingebunden, dass er ohne großen Nutzen für den Film blieb.
Erst wenn wir uns an Land bewegen, kommt der Film etwas in Fahrt. Zumindest scheint er sich nicht mehr ewig wie Kaugummi hinzuziehen. Auch hier gibt es lediglich kleinere Änderungen, die aber einiges ausmachen. Prinz Erik bekommt endlich einen Charakter, in dem er über seine Träume und Wünsche philosophieren darf. Auch werden Land und Wasser voller Vorurteile betrachtet, die im Laufe des Films aufbrechen und so eigentlich ein schönes Beispiel zum Abbau von Vorurteilen ist. Durch weitere zusätzliche Szenen zwischen Arielle und Eric wird auch ein bisschen besser deutlich, warum sie sich zueinander hingezogen fühlen. Es ist zwar immer noch ein bisschen die Liebe auf dem ersten Blick Geschichte, aber doch irgendwie in Nachvollziehbarer ohne den Märchenaspekt zu vernachlässigen. So ist der Mittelteil an sich ganz schön geworden, wird dann aber von einem völlig übereiltem Ende überschattet. Dies ähnelt dem früheren Ende auch wieder sehr, wirkt aber durch die unnötige Aufbauschung der Handlung zuvor, einfach nur unüberlegt, zu schnell, zu hastig, zu einfach.
Ein wichtiger Punkt bei Disneyfilmen sind die Lieder. Und gerade Arielle hat sehr ikonische, die gern zum Ohrwurm mutierten und die ich aus meiner Kindheit noch komplett auswendig mitsingen kann (also die Originalsynchro, nicht die schlechte Nachsynchro). Blöderweise wurden diese hier (auch wenn sonst vieles einfach übernommen wurde) noch einmal umgetextet. Ich kann mir vorstellen, dass es daran lag, dass es diesmal auf die Lippenbewegungen der englisch singenden Bailey passen musste, aber dennoch störte es mich massiv. Schlimmer als die Umtextung der alten Lieder, waren eigentlich nur die neu hinzugefügten. Diese waren einfach hingeklatsche 08/15 Popsongs, ohne jede Seele. Umso verwunderter war ich, als ich herausfand, dass Lin-Manuel Miranda (also Mr. ich habe Hamilton und In the Heights geschrieben) dafür verantwortlich war. Also entweder hatte er keine Zeit oder einfach keine Lust sich hier irgendetwas kreatives auszudenken.
So war der Film in seiner Gesamtheit jetzt nicht wirklich schlecht. Abgesehen von den Längen am Anfang, habe ich eine lockere Unterhaltung bekommen. Aber es waren dann doch viele störende Kleinigkeiten, die zusammenkamen und sich einfach zusammen addierten. Einige hätten einfach gelöst werden können, andere sind leider strukturelle, die fast alle Relaverfilmungen einen. So ist Arielle zwar kein richtiger Reinfall, aber eben leider auch nicht wirklich gut.

Das Fazit

Arielle lockt mit einer hübschen Unterwasserwelt, scheitert aber daran, dass es wenig Neues bietet und sich viele Kleinigkeiten häufen, die den Filmgenuss stören. Damit reiht er sich leider in die Reihe der Realverfilmungen bei Disney ein, die nur mit bekanntem Namen locken, aber wenig bieten. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Arielle läuft seit dem 25.05.2023 in den deutschen Kinos

She-Hulk

Ein Vorwort

Marvel setzt seine Serienreihe auf Disney+ fort und das Internet schreit auf. Nach noch nicht mal einer erschienen Folge soll die Serie gecancelt werden. Die Gründe soweit nicht nachvollziehbar. So wollte ich mir meine eigene Meinung bilden und muss leider sagen: Wirklich gut ist die Serie nicht. Warum ich eher enttäuscht war, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

Welche Filme man vorab aus dem MCU gesehen haben sollte: –
Welche Filme/Serien aus dem MCU gut wären vorab gesehen zu haben: Doctor Strange, Doctor Strange in the Multiverse of Madness, Der unglaubliche Hulk, Thor: Ragnarök, Avengers: Endgame, Daredevil (die Netflix Serie) und Shang-Chi and the legend of the ten rings – hierfür verweise ich auf meine Zusammenfassungen (sofern bereits vorhanden, für die Links einfach die Titel anklicken).

Die Handlung

Jennifer Walters (Tatiana Maslany) ist Anwältin und ganz zufrieden mit ihrem Leben. Doch bei einem Unfall kommt sie mit dem Blut ihres Cousins Bruce Banner (Mark Ruffalo) in Berührung. Problem dabei ist, dass sie dadurch auch seine Hulk-Kräfte abbekommt. Schnell lernt sie diese zwar zu kontrollieren, dennoch ändert sich alles in ihrem Leben. Sie bekommt den Titel She-Hulk und muss nun versuchen sich selbst neu zu erfinden.

Meine Meinung

Da ich sowieso die ganzen Marvelserien sehe, schon allein, weil man sie alle braucht, um die kommenden Filme wahrscheinlich zu verstehen, habe ich mich gar nicht groß mit dem Trailer beschäftigt. Dabei war dieser eine erste Warnung. Dass es nach dem schrecklichen Der unglaubliche Hulk keinen weiteren Hulk Solofilm gab, hatte wohl auch seine Gründe. Dennoch war die Figur Bruce Banner gut ausgearbeitet, hatte eine Entwicklung im Laufe des MCU und vor allem eine gute CGI Optik.
Vor allem letztes fehlt bei She-Hulk vollständig. Ich verstehe durchaus, dass die kompletten CGI Studios überlastet sind, überarbeitet und von den großen Konzernen so unter Druck gesetzt, dass sie gerade bei Marvel nicht ablehnen können. Der Zeitdruck, unter den sie She-Hulk animieren sollten, war laut Insideraussagen enorm. Dennoch lässt sich eins nicht abstreiten: Das CGI sah ziemlich billig aus. Während eine Tatiana Maslany sich seit Orphan Black einen Namen für ihre einzigartigen Schauspielkünste gemacht hat und sehr viel von ihrem Charme und ihrem Witz über Mimik transportiert, geht dies, sobald sie groß und grün wird, einfach komplett unter. Das CGI lässt keinerlei Mimik zu, alles ist weichgespült wirkt dabei so künstlich, dass es keinerlei Nähe zum Charakter zulässt.
Das ist sehr schade, denn die Grundidee von She-Hulk ist gar nicht mal so schlecht. Eine Superheldin, die keine sein möchte, sondern einfach nur ihr Leben als Anwältin weiterführen möchte, weiter daten möchte und mit ihrer Freundin abhängen. Stattdessen kommen ganz neue Probleme hinzu, sie muss ihr Alter Ego lernen zu akzeptieren. Das Ganze verpackt als Komödie, mit durchbrechen der vierten Wand und teilweise auch dem Aufbrechen typischer Genreklischees. Gerade im Finale wird hier einiges ausprobiert, was dort zwar gut funktioniert, aber nicht in der Gesamtheit der Serie.
Die Serie versucht sich ein bisschen über mehr oder weniger Einzelfolgen aufzubauen, die allerdings vor allem durch die Cameos wirken. Ein Abomination (Tim Roth) oder ein Wong (Benedict Wong) lockern die Stimmung immer wieder auf und bringen auch Witz rein. Solange Jennifer Walters auch einfach sie selbst ist, versprüht Tatiana Maslany unglaublich viel  Witz und Charme. Das funktioniert solange, bis sie She-Hulk wird. Ab da ist nicht nur die Mimik durch das CGI weichgespült, sondern auch der Charakter an sich. Sobald die Verwandlung erfolgt, wollte ich jedes Mal wegschalten. Das ist sehr schade, denn wenn sie einfach Anwältin im MCU gewesen wäre, hätte die Serie echt Spaß machen können. Aber durch die Einschübe als She-Hulk hat für mich die Serie einfach nicht funktioniert.
Auch die Nebencharaktere funktionieren teilweise sehr gut, gerade die, die Bezug zum MCU haben. Andere leider eher weniger, wie Titania und Todd Phelps. Allgemein hatte die Serie zu viele nervige Charaktere, so dass das Gleichgewicht leider ins Negative ging. So konnte man sich zwar ab und an einen guten Moment herauspicken, aber über die Dauer der Staffel gab es zu viele Rückschläge, dass ich mehr als einmal überlegte sie einfach abzubrechen.

Das Fazit

She-Hulk hat zwar ein erfrischendes Konzept, kann dies aber nur bedingt einsetzen, da schlechtes CGI, die dadurch zu stereotypisch geratetene Protagonistin, und zu viele nervige Nebencharaktere jeden guten Moment negativ überschatten. Leider wieder eher eine Enttäuschung aus dem Hause Marvel.

She-Hulk ist seit dem 13.10.2022 vollständig auf Disney+ zum Streamen verfügbar

Disney+ Original: Pinocchio

Ein Vorwort

Nachdem uns Disney 2019 gleich mit 5 Realverfilmungen und Sequels dieser bombardierte, wurde es durch die Pandemie ein wenig ruhiger. Nach Susi und Strolch war nun Pinocchio der zweite Film, der direkt für die hauseigene Streamingplattform entwickelt wurde (Mulan wurde wegen der Pandemie nicht im Kino veröffentlicht). Das dafür Namen wie Robert Zemeckis auf dem Regiestuhl und Tom Hanks vor der Kamera verpflichtet wurden, überrascht dabei. Warum die Neuverfilmung wieder einmal absolut überflüssig ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Geppetto (Tom Hanks) ist ein Handwerker und Uhrmacher in einem kleinen italienischen Städtchen. Eines Abends wünscht er sich etwas vom Abendstern. Daraufhin erscheint die blaue Fee (Cynthia Erivo) und erweckt die frisch fertig gestellte Holzpuppe Pinocchio. Um ein richtiger Junge zu werden, muss er beweisen, dass er Recht von Unrecht unterscheiden kann. Dafür bekommt er die Grille Jiminy (Joseph Gordon-Levitt) an die Seite gestellt.

Meine Meinung

1940 kam der zweite abendfüllende Film aus dem Hause Disney raus und verfilmte die Geschichte von Carlo Collodi. In 83 Minuten wurde die gesamte Geschichte erzählt und mit dem ein oder anderen Ohrwurm untermalt.
Nun wurde eine Neuverfilmung mit einer Lauflänge von 105 Minuten. 20 Minuten mehr scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich viel mehr, zumal der Film ja auch die Chance hatte vom ursprünglichen Drehbuch abzuweichen und eine ganz andere Geschichte zu erzählen. Tut er nur leider nicht. Stattdessen durchlaufen wir die bekannten Stationen nur alles eben schon bekannt und mit weniger Liebe und Herzlichkeit bei den Charakteren.
Bis auf wenige Szenen orientiert sich die Neuverfilmung an Setting, Handlung, Charakteren und Dialogen an die  Version von 1940. Damit reiht sich Pinocchio in die Reihe der Filme, wie König der Löwen oder auch Die Schöne und das Biest, ein, deren Neuverfilmung wenig bis kein Mehrwert bieten. Nicht einmal die Animationen sehen hier besonders aus, womit König der Löwen noch versuchte zu punkten.
Stattdessen wirkt allen voran Jiminy Grille so, als ob man sich nicht entscheiden konnte, ob man wieder eine Zeichentrickversion oder eine realistischere Version machen wollte und so trifft es keins von beidem und sieht nur merkwürdig aus. Pinocchio selbst könnte dem Zeichentrick entsprungen sein, nur mit noch weniger Emotionen. Schauspielerisch setzt Disney auf Namen, wie Tom Hanks, Luke Evans oder auch ein Joseph Gordon-Levitt, der Jiminy die Stimme verleiht. Doch alle wirken merkwürdig fehl am Platz, gerade Tom Hanks scheint überfordert, wenn er mit den animierten Charakteren interagieren soll.
Wirklich schöne Einfälle, wie die Einführung von Fabiana und ihre Marionette, kommen viel zu kurz und wirken damit künstlich dazugeschrieben, obwohl der Handlungsstrang ausgebaut und dafür andere gekürzt oder weggelassen, den Film vielleicht besser gemacht hätte.
Letztlich fehlt dem Film aber vor allem eins: Leben. Es wird keinerlei Verbindung zu den Charakteren aufgebaut. Alles wirkt nur sturr nach Strichliste abgearbeitet. Dadurch zieht sich der Film auch ziemlich und ist gar einfach langweilig. Und das ist dann selbst für eine Streamingveröffentlichung einfach zu wenig. Die nächsten Verfilmungen dürfen dann also gern wieder was neues bieten. Das dies funktioniert haben Maleficent, Cruella oder auch Alice im Wunderland bewiesen.

Das Fazit

Pinocchio reiht sich leider in die Reihe der überflüssigen Neuverfilmungen ein. Altes Material in neuem Gewand, aber ohne Nähe und sehr leblos. Ein Robert Zemeckis und Tom Hanks wirken hier sehr verschwendet. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Pinocchio ist seit dem 08.09.2022 auf Disney+ verfügbar