Mary Poppins‘ Rückkehr

Ein Vorwort

1928 schrieb Pamela L. Travers ihren ersten Roman über das wohl berühmteste Kindermädchen der Welt. Mary Poppins bekam noch drei Folgebände. 1964 brachte Walt Disney dann nach langem Rechtekampf den Film ins Kino, der lose auf den Büchern basiert. So lernte das breite Publikum Familie Banks kennen und wusste, mit einem Löffelchen voll Zucker klappt alles gleich nochmal so gut. Bereits 20… nahm sich Regisseur … dem Stoff noch einmal an und erzählte die Hintergrundgeschichte zur Verfilmung, hochkarätig besetzt mit Emma Thompson als P. L. Travers, Tom Hanks als Walt Disney und Colin Farrell als Travers Vater. Hier wurde die Hintergrundgeschichte zur Mary Poppins erzählt, aber vor allem die schwierige Entstehungsgeschichte des Films. Wie viel Wahrheit wirklich enthalten ist, sei einmal dahingestellt. Nun sollte 54 Jahre nach dem ersten Film, der zweite Teil in die Kinos kommen. Schon nach dem ersten Trailer wurden die ersten zweifelnden Stimmen laut. Kann Mary Poppins‘ Rückkehr mit dem Erfolg und vor allem der Nostalgiebrille mithalten?

Die Handlung

Michael Banks (Ben Wishaw) ist inzwischen erwachsen und alleinerziehender Vater dreier Kinder. Da ihn finanzielle Sorgen plagen, soll er ein Wertpapier der Bank finden, um sein Haus behalten zu können. Seine Schwester Jane (Emily Mortimer) steht ihm dabei zur Seite. In dieser schweren Zeit kehrt Mary Poppins (Emily Blunt) zurück und sorgt für die Kinder. Immer mit dabei ist Straßenlampenanzünder Jack (Lin-Manuel Miranda).

Meine Meinung

Ich bin ein sehr großer Mary Poppins Fan. Die Lieder laufen bei mir bis heute regelmäßig rauf und runter. Inzwischen habe ich auch die ersten beiden Bände der Bücher von P. L. Travers nachgeholt. Als ich hörte, dass es eine Fortsetzung geben sollte, war ich also alles andere als Begeistert. In Zeiten von Prequels, Sequels, Remakes und Reboots war also nun einer meiner absoluten Lieblingsfilme betroffen. Ein bisschen beruhigter war ich dann, als Emily Blunt als Mary Poppins bekannt gegeben wurde. An eine Julie Andrews würde für mich zwar sowieso niemand herankommen, aber Blunt schien eine würdige Nachfolgerin.
Ich habe wirklich versucht sehr neutral an den Film zu gehen, aber natürlich war da die große Nostalgiebrille. Dennoch hat mich der Film am Ende mitgerissen. Während ich am Anfang sehr lange brauchte, um in die Geschichte reinzukommen und mich auch einige Dinge gestört haben, konnte ich am Ende doch mit einem halbwegs guten Gefühl aus dem Film gehen.
Das dürfte vor allem daran liegen, dass ich doch einige Elemente aus den Büchern wiedererkannt habe. Während die Bücher episodenartig erzählt werden, haben beide Filme eine übergeordnete Handlung. Und da im Film nur wenige Monate vergangen sind, im Film aber viele Jahre, war klar, dass einiges angepasst werden musste.
Grundsätzlich ist zu sagen, dass Mary Poppins erneut ein Film ist, der zu verzaubern weiß. Mit den verschiedensten Charakteren bringt der Film größtenteils ein Lächeln auf die Lippen der Zuschauer. Mary Poppins zeigt den Kindern verschiedene „Welten“, die optisch einfach herrlich anzusehen sind. Dennoch gibt es ein paar Abstriche, die einfach nicht richtig funktioniert haben.
Zum einen wäre da die übergeordnete Handlung an sich. Die Suche nach dem Wertpapier der Bank ist zum einen in ihrem Ausgang sehr vorhersehbar, was nicht weiter tragisch wäre, wenn wir nicht Colin Firth in der Rolle des Bänkers hätten. Was weniger an Firth liegt, als vielmehr am Charakter seiner Rolle. Denn hier haben wir tatsächlich eine Art Bösewicht. Das passt leider so gar nicht in die bunte supercalifragilisticexpialigetische Welt und wirkt bis zum Ende sehr stereotypisch angelegt.
Zum anderen liegt es leider an den Liedern. Im ersten Teil noch ein wichtiger Bestandteil für den Erfolg des Filmes, sind die neuen Lieder leider sehr uninspiriert, klingen sehr ähnlich und sind leider überhaupt nicht eingängig. Sobald ein Lied endet, hat man es schon wieder vergessen. Als ich diesen Kritikpunkt gegenüber meines besten Freundes äußerte (der den ersten Teil noch nicht kennt), meinte er, dass er das Grundtheme schon sehr eingängig fand. Ich musste ihm zustimmen, jedoch beruht das Grundtheme auf den Song „Ein Löffelchen voll Zucker“ aus dem ersten Film. Wirklich schön fand ich nur das Lied der Straßenlaternenanzünder, welches sich aber auch stark am Lied der Schornsteinfeger – in Gesang und Tanz – orientiert.
Emily Blunt als neue Mary Poppins funktioniert sehr gut und die wesentlichsten Züge des Charakters hat sie sehr verinnerlicht. Dennoch hat sie ein bisschen zu viel Spaß beim Dreh gehabt, was ihr die Strenge der Mary Poppins nimmt. Dennoch ist sie eine würdige Erbin von Julie Andrews – die im Gegensatz zu Dick van Dyke leider keinen Gastauftritt hatte.

Das Fazit

Mary Poppins‘ Rückkehr ist leider eine der Sequels, die nicht notwendig gewesen wären. Obwohl einige Stellen großen Spaß machen, bleibt der Gesamtfilm uninspiriert in Handlung und Liedern. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Mary Poppins‘ Rückkehr läuft seit dem 20.12.2018 in den deutschen Kinos.

A quiet place

Ein Vorwort

Filme über Alieninvasionen gibt es bereits in mehreren verschiedenen Versionen. Von Independence Day über Cloverfield bis zu Arrival. Nun kam mit a quiet place noch einmal eine neue Version des Szenarios in die deutschen Kinos. Diesmal sind die Aliens beinahe blind, hören aber sehr gut. Allein der Trailer ließ wenig zur eigentlichen Handlung erahnen, sondern verriet nur so viel über den Film: Die Familie sollte bloß kein Geräusch machen!

Die Handlung

Zurückgezogen auf eine Farm lebt Familie Abott und hat nur ein Ziel: Zu überleben, ohne ein Geräusch zu machen. Denn überall lauern Aliens, die zwar sehr schlecht sehen, dafür aber sehr gut hören und sich auf jedes laute Geräusch stürzen. Vater Lee (John Krasinski) versucht die Familie aus das Überleben zu schulen, während Mutter Evelyn (Emily Blunt) versucht die Familie weiterhin zu ernähren. Doch es stehen neue Probleme bevor, die es zu lösen gilt.

Meine Meinung

A quiet place ist einer der wenigen Horrorfilme der letzten Jahre, der wirklich auf Atmosphäre setzt. Und allein das ist schon ein unglaubliches Kompliment an den Film. Denn während viele Filme sich über Ihre gut geschriebenen Dialoge und Geräuscheffekte definieren, legt a quiet place ganz andere Prioritäten. Denn wenn in einem Film sich nur mit Zeichensprache verständigt wird, fehlen schon die ausschweifenden Dialoge. Auch ist die Grundprämisse des Films ja die, dass die Familie keine Geräusche machen sollte, um zu überleben. Doch wer denkt, dass es dadurch den ganzen Film über sehr still ist, liegt falsch. Denn für die Atmosphäre wird hier viel auf die Musik gesetzt, die es schafft genau an den richtigen Stellen schüchtern und zurückhaltend zu sein oder richtig auszuholen und die Spannung damit noch zu erweitern.
Spannung ist dann auch das richtige Stichwort, denn die hält a quiet place mühelos die gesamte Filmdauer über einem sehr hohen Niveau. Die ständige Anspannung der Familie, bloß kein Geräusch zu machen, ist ansteckend und man stellt fest, dass man mehr als einmal den Atem anhält. Diese Anspannung lässt einen auch beim Abspann noch nicht so schnell los, denn das Herz schlug auch dann noch viel zu schnell. Erst nach und nach kann man sich vom Film lösen.
Die Handlung selbst ist in sich schlüssig und erklärt sehr viel über die Bilder. So wird der Zuschauer in ein unbekanntes Szenario geworfen und hat aber den Spaß, nach und nach selbst die Hinweise zu einer Lösung zusammenzuziehen. A quiet place nimmt die Zuschauer also nicht wie kleine Kinder an die Hand und erklärt am Anfang erst einmal, was denn alles passiert ist und wieso sich die Familie so still verhält. Stattdessen tastet sich der Zuschauer selbst ganz langsam vor und wird durch Zeitungsartikel, die der Vater sammelt, immer wieder auf die richtige Spur gebracht.
Auch schauspielerisch hat der Film einiges drauf. Während Blunt und Krasinski auch im realen Leben ein Paar sind und dementsprechend eine gute Chemie zwischen beiden herrscht, bringen gerade die Jungdarsteller Millicent Simmonds und Noah Jupe (bekannt aus Wunder) frischen Wind rein und können die verschiedenen Charaktere überzeugen.

Das Fazit

A Quiet Place ist einer dieser Filme, die einem im Trailer erst einmal wenig zusagen und dann hinten raus doch unglaublich gut funktionieren. Die unzähligen Ideen der Familie, um leise zu bleiben, sind wunderbar anzusehen, und die Gruselatmosphäre ist durchgehend hoch, selbst wenn keine Bedrohung zu sehen ist. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

A quiet place läuft seit dem 12.04.2018 in den deutschen Kinos.

Sicario

Am 01.10.2015 erschien ein Film der das Krisengebiet Grenze Mexiko-USA genauer unter die Lupe nimmt in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Kate Macer ist beim FBI auf Entführungsfälle spezialisiert. Bei einem ihrer Fälle findet sie ein Haus, voller Leichen in den Wänden. Durch ihre starke Art wird ihr ein Job angeboten in einem Spezialteam, dass ein Kartell ausheben möchte. Zögernd nimmt sie an und wird sofort mit der Situation an der mexikanisch-amerikanischen Grenze konfrontiert. Da sie von ihrem Team über die Missionsziele im Unklaren gelassen wird, versucht sie herauszufinden, welches Spiel gespielt wird und wie viel sie mit ihrem Gewissen vereinbaren kann.

Sicario bedeutet Auftragskiller. Wer für wen den Auftrag hat jemanden zu töten, bleibt jedoch bis zum Ende ungeklärt. Vorher lernt man die sympathische aber knallharte Kate Macer kennen, die versucht ihren Job mit einer möglichst geringen Opferzahl auszuüben. Doch als sie in einem Haus, wo ein Entführungsopfer vermutet wurde, unzählige Leichen in den Wänden findet, gerät ihre Welt ins Wanken. Schnell ist klar, dass ein Drogenkartell dahinter steckt. Auftritt des undurchsichtigen Geheimagenten Matt Graver, der ein neues Team für spezielle Missionen zusammenstellen möchte und ein Teammitglied des FBIs braucht. Kate ist unschlüssig, willigt aber ein, weil ihr versichert wurde, dass es gegen die Männer, die für das Leichenhaus verantwortlich seien, sei. Dort lernt sie auch Söldner Alejandro kennen. Doch schnell merkt sie, dass ihr entweder falsche Informationen oder gar keine gegeben werden und sie lange im Dunkeln tappt, was gespielt wird. Schneller als ihr lieb ist, ist sie Zeugin eines Gefangenentransportes über die Grenze mit einer nervenaufreibenden Schießerei. Doch Kate spielt mit, immer in dem Glauben das richtige zu tun.
Sicario schafft es gekonnt und beinahe spielerisch eine Spannung aufzubauen, die den Zuschauer an den Kinositz fesselt. Zusammen mit Kate wird man mit der Situation im Grenzgebiet und die dramatischen Umstände konfrontiert und kann ihnen so schnell nicht entfliehen. Während man die Szenerie noch klein zu reden versucht, schwebt die Kamera über die Szenerie und demonstriert einem die Ausmaße des Elends, vor dem man am liebsten die Augen verschließen möchte. Der Film nimmt kein Blatt vor den Mund und beschönigt nichts. Gleichzeitig spielt er mit den Erwartungen und Vorurteilen der Zuschauer. Der nette tanzende Mann muss der Gute sein, während der tätowierte, der immerzu schläft, wenn sein Sohn mit ihm Fußball spielen möchte, automatisch der Böse sein muss. Aber der Film kennt nicht nur schwarz und weiß, sondern eine ganze Palette an Grauabstufungen, dass man häufig seine eigene Moral und Ideale in Frage stellt.
Andererseits verpasst der Film es den Zuschauer genügen aufzuklären. Hintergründe werden gar nicht benannt, so dass der Laie doch nur schwer mit den Szenerien umgehen kann. Der gesamte Film wird aus Kates Sicht erzählt, die mit Absicht die meiste Zeit im Dunkeln tappt, dadurch tappt aber auch der Zuschauer im Dunkeln, was genau gespielt wird, was teilweise zu einer Frustration führt.
Emily Blunt übernimmt die Rolle der Kate Macer und hat mit Josh Brolin und Benicio del Toro zwei starke männliche Gegenspieler. Doch sie bringt uns die Kate glaubhaft als starke Frau herüber. Sie kann kämpfen, ist zäh und verkraftet einiges, darf aber auch weinen und in bestimmten Momenten schwach sein und sich retten lassen, ohne das wir sie gleich als „typische Frau“ abstempeln.

Alles in allem ist Sicario mitreißend, spannend und bringt frischen Wind ins Genre. Nur die dauerhafte Unaufgeklärtheit nervt und daher gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.