Abgang mit Stil

Am 13.04.2017 erschien ein neuer Film von Zach Braff in den deutschen Kinos.

Den Rentnern Willie, Joe und Albert wird die betriebliche Rente gestrichen. Nun sind sie pleite und kurz davor ihre Häuser zu verlieren. Nachdem Joe Zeuge eines Banküberfalls wurde, beschließen die drei ihre eigene Bank zu überfallen, die mit Schuld an ihrer Rentenstreichung trägt. Doch ein Banküberfall braucht Planung und Training.

Abgang mit Stil ist nach Wish I was here das nächste Kinoprojekt von Zach Braff, der den meisten besser bekannt als JD aus der Comedyserie Scrubs sein dürfte. Im Gegensatz zu Wish I was here, übernahm Braff aber keine Rolle in diesem Film, sondern überließ das Zepter de Hollywoodgrößen  Michael Caine, Morgan Freeman und Alan Arkin.
An erster Stelle als zentrales Thema in Abgang mit Stil steht der Generationskonflikt. Alle drei Hauptcharaktere sind inzwischen Rentner und haben daher auch die üblichen Gebrechen. Sie können nicht mehr schnell laufen, haben so ihre Schrulligkeiten entwickelt und wollten eigentlich nur noch ihre letzten Lebtage in Ruhe verbringen. Wenn man sie sich so ansieht, glaubt man kaum, dass die drei Männer für einen Banküberfall geeignet sind.
An zweiter Stelle, und etwas in den Hintergrund geraten, ist der Film auch eine kleine Kritik am Rentenwesen in den USA. Alle drei haben über viele Jahre in der gleichen Firma geschuftet und da diese nun den Standort ändert (und noch irgendetwas mit der Bank am Laufen hatte) ist auf einmal die Rentenkasse leer. Fängt man nun also im Rentenalter wieder an zu arbeiten? Hat man Familie bei der man unterkommen kann? Der bezeichnendste Satz aus dem Film dürfte wohl sein, als Joe zu den anderen sagte: “Was soll uns im schlimmsten Fall passieren? Die Polizei schnappt uns und wir landen im Gefängnis. Dann haben wir alle ein Dach über dem Kopf und feste Mahlzeiten jeden Tag” (Wortlaut aus dem Gedächtnis, daher ungenau).
Beide Themen werden in Abgang mit Stil zu einem Paket geschnürt und mit einer liebevollen Handlung umrahmt. Dazu kommt noch der Humor, der leider – im Gegensatz zur Erwartung – etwas mau ausfällt. Dafür gibt es keinen überstrapazierten und unangebrachten Humor, aber er wurde doch etwas sehr gut dosiert. Hier wäre ein wenig mehr, besser gewesen.
Gleichzeitig wurden auch beide Themen leider nur mäßig ausgearbeitet und so fehlte an allen Ecken und Enden der Bezug zur
Rahmenhandlung. Trotz der relativ kurzen Spiellänge von 97 Minuten scheinen zu viele Szenen einfach überflüssig. Sie haben kaum Aussage, bringen die Handlung nur bedingt voran und machen den Film stellenweise dröge, was eigentlich nicht sein müsste, weil die Grundhandlung genug zu bieten hätte.
Trotz aller Kritik schafft es Abgang mit Stil doch zu unterhalten, aber in reduzierterem Maße als die Erwartungen durch Beschreibung und Trailer zu hoffen ließen.

Alles in allem bleibt Abgang mit Stil hinter den Erwartungen und schafft es nicht die behandelten Themen richtig auszuarbeiten. Trotzdem wird man als Zuschauer unterhalten. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Florida – Eindrücke aus dem Sunshine State

Hallo ihr Lieben,
ja es war in letzter Zeit ein wenig ruhig hier, was daran liegt, dass ich – wie angekündigt 😉 – letzte Woche verreist war. Ich habe den Sunshine State der USA besucht: Florida. Das beste an der Sache: Ich habe nicht einen Cent für die Reise bezahlt. Wie kann das sein? Nun, ich bin zwar ausgebildete Tourismuskauffrau, versuche mich aber stetig weiter zu bilden, gerade was das Destinationswissen angeht. So stieß ich durch Zufall auf eine Online-Schulung über Florida. Was ich zu dem Zeitpunkt nicht ahnte: Die Schulung war in Zusammenarbeit mit Visit Florida und Turkish Airlines, die nach einem gewissen Zeitraum 10 Plätze für eine Inforeise verlost haben. Ich war eine der 10 glücklichen. Doch zunächst war noch einiges zu klären. Ich musste innerhalb von zwei Wochen meinen Chef überzeugen mir Urlaub zu geben, einen Reisepass beantragen und dann auch noch ESTA (elektronische Einreiseerlaubnis für die USA) beantragen. Doch es klappte alles und so flog ich am 05.05.2017 zunächst von Berlin nach Istanbul, um mich dort mit den anderen Teilnehmern zu treffen und nach Miami weiterzufliegen. Die größte Überraschung folgte dort in Istanbul, als wir von Turkish Airlines auch noch ein Upgrade auf die Business Class bekommen!

So ließen sich 12 Stunden Flug sehr gut aushalten! Durch die Zeitverschiebung hieß es auch noch am gleichen Abend: Welcome to Miami!

Mehr als einmal Strand und einmal Nachtleben war in Miami aber zeitlich leider nicht möglich, da wir bereits am nächsten Tag weiter nach Orlando gefahren sind. Dort standen SeaWorld, Aquatica, Discovery Cove, Premium Outlets, I Drive 360° und Mangos Tropical Café auf dem Plan.

  

Und: ICH HABE EINEN PINGUIN GESTREICHELT *-* Einen Lebenstraum erfüllt. Den kleinen Hai auf dem vierten Bild habe ich übrigens auch gestreichelt 😉 Nach drei Tagen in Orlando ging es auch schon wieder weiter nach Sarasota. Visit Sarasota hat dann auch noch einmal alles aus dem verfügbaren Budget herausgeholt und uns sogar im Ritz-Carlton einquartiert! Auf dem Plan hier standen eine Kayak Tour im Lido Key, eine Airboat Tour im Myakka River State Park, kurze Stepvisite am Siesta Key (offiziell der schönste Strand der USA, wird jährlich wiedergewählt) und Besuch im Ringling Museum.

    

Nach leider nur einer Nacht ging es weiter zu unserer letzten Station: St. Petersburg/Clearwater. Hier standen auf dem Plan die StarLite Sapphire Dinner Cruise, Besuch im Clearwater Marine Aquarium (Zuhause des berühmten Delfins Winter, der keine Flosse mehr hat. Seine Geschichte wurde bereits zweimal verfilmt), Delfin Exkursion, Chihuly Glass Collection und das Dali Museum.

Natürlich haben wir nebenbei auch „gearbeitet“ und eine Menge Hotels besichtigt. Aber um ehrlich zu sein, die meiste Zeit waren wir mit Essen beschäftigt. Wir bekamen dreimal täglich Mahlzeiten und dann auch häufig mehrere Gänge. Ich bin noch wohlgenährter und gesättigt für den ganzen nächsten Monat zurückgekommen. Und obwohl ich in den USA war, gab es kaum bis gar kein Fastfood. Stattdessen überzeugte die Küche in Florida mit Steak, verschiedenstem Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten.

Abschließend möchte ich noch einmal allen danken, die diese Reise möglich gemacht haben inklusive der Glücksfee, die mich aus dem Lostopf gezogen hat! Es war eine einmalige und absolut wunderbare Erfahrung!

Verpasst im April 2017

Hallo ihr Lieben,
wenn ihr das hier lest, sitze ich schon wieder im Flieger, diesmal auf dem Weg nach Florida! Daher wird es in der nächsten Woche auch keine Beiträge geben. Als letzte Amtshandlung vor meinem Urlaub möchte ich euch aber noch mitteilen, welche Filme ich im Mai leider nicht sehen konnte.

1) Abgang mit Stil: Dem Cast um Michael Caine und Morgan Freeman wird die Rente gestrichen und nun wollen sie – trotz ihres Alters – eine Bank ausrauben. Komödie mit vorprogrammiertem Generationskonflikt. Wird schnellstmöglich nachgeholt.

2) Verleugnung: Wie beweist man den Holocaust und wie kann es sein, dass dies überhaupt nötig ist? Eine spannende Ausgangsfrage und leider basierend auf wahen Ereignissen. Auch dieses Gerichtsdrama steht noch auf meiner Liste.

3) The Founder: Die wahre Geschichte hinter McDonalds, die nur wenige kennen mit Michael Keaton in der Hauptrolle.

4) Happy Burnout: Fussel bezieht schon lange Hartz 4 und möchte das auch nicht ändern. Doch nun muss er sich Burn-Out attestieren lassen, um weiter sein Geld zu bekommen.

 

Nächstes Jahr am selben Tag

Mrs Hoover wir müssen reden. Ich habe Freitag Nacht ihr Buch “Nächstes Jahr am selben Tag” beendet. Es war eigentlich schon viel zu spät. Mein Freund schnarchte bereits friedlich neben mir und ich hätte auch längst schlafen müssen, da ich am folgenden Tag die Samstagsschicht hatte. Aber ich konnte ihr Buch einfach nicht aus der Hand legen. Ich musste nun endlich wissen, was genau passiert ist. Mrs Hoover dieses Buch war mein erstes Werk von Ihnen, dass ich gelesen habe. Sind Liebesgeschichten nicht immer das gleiche? Männlein und Weiblein finden sich, verlieben sich, trennen sich, weinen, und finden doch wieder zusammen? Ich wollte keine Liebesromane mehr lesen. Aber Mrs Hoover sie haben eine sehr große Fangemeinde. So las ich auf verschiedenen Blogs, denen ich folge immer wieder gute Bewertungen über Ihr neustes Werk. Und ich wollte der Geschichte eine Chance geben. Der Geschichte von Ben und Fallon.

Ben und Fallon lernen sich an einem ganz normalen Tag in Los Angeles kennen. Sie empfinden gleich eine starke Zuneigung zueinander. Der Haken an der Sache ist, dass Fallon noch am gleichen Abend nach New York zieht. Da sie beide nicht nach einem schönen Tag ihre Zukunft aufgeben wollen, schmieden sie einen Plan. Sie treffen sich jedes Jahr am gleichen Tag im gleichen Diner und verbringen diesen Tag miteinander. Zwischendurch haben sie das ganze Jahr über keinen Kontakt. Doch spielt das Schicksal ihr Spiel für fünf Jahre mit?

Mrs Hoover, Sie haben mich schon nach dem ersten Kapitel in einen Bann gezogen, den seit langem kein Buch mehr so ausgelöst hat. Ich bin in Ihrem Buch versunken, habe Zeit und Raum um mich herum vergessen (das ein oder andere Mal auch fast meine Bushaltestelle oder das Ende meiner Mittagspause). Ich fand die Geschichte von Ben und Fallon so zuckersüß und konnte bei der ein oder anderen Stelle ein aufgeregtes Quicken nicht unterdrücken. Ich habe über Ihr Buch gelächelt und schon nach dem ersten Kapitel es fast aus dem Fenster geworfen, als Fallon nach New York zog. Auch wenn ich es unfassbar fand, was Sie Fallon schon vor Anfang des Buches angetan haben, war es doch einmal etwas Neues. Und wie Ben dann ihr Selbstvertrauen stärkte, schien ihn zu dem perfekten Mann zu machen. Ich fand Ihre Idee, das Buch immer nur am 9. November spielen zu lassen und das Jahr der beiden zwischen ihren Treffen unerzählt zu lassen, sehr gelungen. Die paar Hinweise und Erinnerungen, die Sie eingestreut haben, waren vollkommen ausreichend. So spürte ich jedes Mal die Aufregung beim Wartenden, ob der jeweils andere denn auch wirklich auftauchen würde. Mir ist jedes Mal das Herz fast stehen geblieben, ob bei dem anderen in diesem Jahr irgendetwas passiert ist, was das Buch hätte beenden können. Da war auch egal, wie viele Seiten das Buch noch hatte und ich objektiv wusste, dass die Geschichte noch nicht zu Ende sein konnte, ich habe trotzdem gebangt.
Mrs Hoover ich habe Ihr Buch bis zur Hälfte absolut geliebt. Es war eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich seit langem gelesen hatte. Aber Mrs Hoover, was ist dann passiert? Wie konnten Sie diese Wendungen einbauen? Wie konnten Sie meine Gefühle nur so durcheinander bringen? Sie haben mich ab der Hälfte des Buches auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle geschickt. Ich wusste nicht mehr, was ich denken sollte. Ab hier konnte ich Ihr Buch noch weniger aus der Hand legen. Es musste doch eine gute Erklärung für alles geben! Mrs Hoover Sie haben Ihr Buch noch einmal ganz schön spannend gemacht. Natürlich war am Anfang alles zu schön, um wahr zu sein. Aber wieso musste der obligatorische Abfall der Stimmung so drastisch sein? Mrs Hoover ich habe das erste Mal seit langem wieder wegen eines Buches geweint. Und es war so befreiend. Endlich hat es eine Autorin wieder geschafft Charaktere zu schaffen, die so vielschichtig sind, deren Charakter so viel tiefer geht, als man es am Anfang dachte. Die man erst erforschen musste, die man nicht gleich von Anfang an durchschauen konnte. Ich bin Ihnen so dankbar, dass Sie diese Geschichte der Welt zugänglich gemacht haben. Sie haben genau den richtigen Ton zwischen Witz, Liebe und Trauer getroffen. Mit Ihren Worten haben Sie es geschafft, dass Sich jedes Mädchen auf dieser Welt wieder schön fühlen kann.
Mrs Hoover Ihr Buch ist leider nicht perfekt. Aber hätten Sie es perfekt geschrieben, die perfekte Liebesgeschichte, dann wäre es nicht so authentisch geworden. Ich wollte Ihr Buch an mehr als einer Stelle aus dem Fenster werfen. Aber hätte ich das nicht gewollt, dann hätte es sich nur in einer Reihe mit Möchtegern Geschichten wiedergefunden, die einfach zu perfekt für die Wirklichkeit waren. Mrs Hoover Sie haben mich zum Träumen gebracht. Und Sie haben meine Träume platzen lassen und mich auf den Boden der Tatsachen geholt. Auch wenn ich Freitag Nacht kurz vorm Ende des Buches Ihnen dieses am liebsten um die Ohren gehauen hätte, so bin ich jetzt doch mit Ihrer Geschichte versöhnt. Weil sich Ihre Geschichte einfach echt anfühlt!
Mrs Hoover ich vergebe bei meinen Buchkritiken keine Punkte, weil ich es viel schwieriger finde, Bücher miteinander im Punktesystem zu vergleichen als Filme. Aber wenn ich Punkte geben würde, hätten Sie alle Punkte eingesammelt.
Mrs Hoover. Sie werden wahrscheinlich diese Kritik nie selbst lesen. Aber trotzdem möchte ich Sie noch um etwas bitten. Sie haben in mir einen neuen Fan gefunden. Wahrscheinlich werde ich irgendwann auch noch andere Werke von Ihnen lesen, in der Hoffnung das gleiche Gefühlschaos zu durchleben. Aber bitte, Mrs Hoover, schreiben sie keine Fortsetzung. Das Buch steht für sich alleine und das Ende ist rund. Ich möchte nicht, dass meine Träume und Hoffnungen für die beiden, vielleicht doch noch zerplatzen. Lassen Sie “Nächstes Jahr am selben Tag” ein richtig gelungenes Einzelwerk sein.

Ihre ergebene Leserin
Shalima

Guardians of the Galaxy – Volume 2

Am 27.04.2017 erschien die Fortsetzung des Überraschunghits aus 2014 in den deutschen Kinos.

Die Guardians of the Galaxy Star-Lord, Gamora, Drax, Rocket und Baby-Groot haben keine Zeit sich auf ihren Erfolg auszuruhen, sondern müssen es gleich wieder tun. Gleichzeitig stehen noch immer ein paar ungeklärte Sachen zwischen ihnen und dann ist da noch die liebe Familie, die auch gerne mal Probleme macht. Also wird der ‚Awesome Mix Volume 2‘ eingeworfen und mal wieder die Galaxy gerettet.

 Im Jahr 2014 trafen wir das erste Mal auf die Guardians of the Galaxy, zumindest auf der Leinwand. In den Comics sind die dem fleißigen Marvel-Leser bereits seit 1969 bekannt. Die Comicserie war jedoch nur mäßig erfolgreich und stand immer im Schatten der anderen Marvel Comichelden. 2008 wurde die Reihe erneuert und die uns bekannte Besetzung traf zusammen: Star-Lord, Gamora, Drax, Rocket und Groot. Auf dieser Basis drehte Regisseur James Gunn den ersten Kinofilm, der 2014 in die deutschen Kinos kam. Und obwohl die Comicreihe wenig bekannt war und uns nur kurze Zeit vorher „Captain America – The Winter Soldier“ begeistern konnte, traf Guardians of the Galaxy genau den richtigen Punkt bei den Zuschauern und konnte die Menge im vorher nicht geahnten Ausmaß begeistern.
James Gunn stand nun vor der Aufgabe mit einer Fortsetzung an den Erfolg des Vorgängers anzuknüpfen. Von der Herangehensweise dürfte er auf Nummer Sicher gegangen sein. Denn die Handlung hat keinen Bezug mehr zu den anderen Filmen des Marvel Cinematic Universe (im ersten Teil war die übergeordnete Handlung um Thanos und die Inifity-Steine die Überleitung zum MCU). Damit schafft Gunn es aber das, was Joss Whedon mit Avengers – Age of Ultron nicht gelungen ist. Eine spannende, lustige und mit genau der richtigen Dosis Marvel gespickte Fortsetzung eines Teams. Denn sowohl in Guardians of the Galaxy als auch in The Avengers ging es vor allem darum, dass sich Lebewesen zu einem Team zusammen schließen mussten, die vom Charakter her nur wenig zusammen passten. Beide Filme – Guardians und Avengers – waren einmalig und sehr gut umgesetzt. Während Whedon jedoch im 2015 erschienenden Age of Ultron versucht hat viel zu viel aus dem Team zu machen und neben der Haupthandlung zu viele Nebenhandlungen einbaute, was dem Film am Ende mehr schadete, als half, zieht Gunn einen klaren Cut zwischen ersten und zweiten Teil. Die Spannungen zwischen dem Team wurden wieder eingebaut, es gibt ein Wiedersehen mit anderen bekannten Charakteren, aber es wurden auch neue vorgestellt. Daneben wurde eine sehr reduzierte Handlung geboten, die sich pointiert mit dem Thema Familie und Freundschaft auseinander setzt. Daneben baut der Film stark auf die Charaktere auf, entwickelt diese weiter und erzählt uns neues über unsere Helden. Das sorgt wieder für Zündstoff zwischen den Charakteren, aber auch für unvergleichlich lustige Momente, die den Kinosaal vor Gelächter dröhnen ließ. Natürlich durften die spannenden Weltraumschlachten und ein einmaliger Soundtrack, der uns wieder zurück in die 1980er Jahre schickte, nicht fehlen.
So kombiniert Gunn Witz, Spannung, Tragik, Drama und Tiefgründiges in einem Film, der damit eine weite Zielgruppe abdeckt. Und obwohl der Film vieles richtig macht, merkt man bei genauem Hinschauen und beim rückblickenden Nachdenken über den Film ein paar kleinere Mängel. So verlässt sich der Humor sehr stark auf die bereits im ersten Teil genutzten Techniken, wie beispielsweise Drax‘ fehlendes Verständnis für Taktgefühl und reizt dies vielleicht ein bisschen sehr aus. Es fehlen also ein paar neue Humorstrukturen, die noch mehr frischen Wind in den Film gebracht hätten. Auch ist die Handlung vielleicht etwas zu sehr reduziert. Gerade im Haupthandlungsstrang gab es doch ganze Szenen, die wenig ausgesagt haben. Diese hätte man kürzen können und dafür die beiden Nebenhandlungsstränge etwas mehr ausdehnen können. Aber im Endeffekt ist dies Meckern auf hohem Niveau und fällt beim Sehen des Films nicht auf.

Alles in allem eine sehr gelungen Fortsetzung, die noch mehr vom dritten Teil erwarten lässt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Life

Am 23.03.2017 erschien ein Film über Leben vom Mars in den deutschen Kinos.

Die ISS bei der Mars Pilgrim 7 Mission. Sechs Wissenschaftler befinden sich an Bord und untersuchen Proben einer Sonde, die gerade vom Mars kam. Dabei entdecken Sie einen winzigen außerirdischen Organismus, der jedoch schnell wächst. Die anfängliche Freude über das erste Leben im Weltraum, schlägt bald in einen Überlebenskampf um.

Während uns Denis Villeneuve im letzten Jahr mit Arrival einen friedlichen Film über Außerirdische brachte, schlägt Life wieder einen ganz anderen Ton an. In der Umsetzung wird er gerne als eine Mischung aus Alien und Gravity bezeichnet. Er spiegelt die anfängliche Euphorie der ganzen Welt wieder, als der außerirdische Organismus gefunden wurde und das der erste Beweis für Leben außerhalb der Erde ist. Diese Euphorie schlägt jedoch bald um als “Calvin”, wie der Organismus genannt wird, bösartig wird und sich gegen die Besatzung der ISS richtet.
Die Mars Pilgrim 7 Mission. An Bord der ISS befinden sich am Anfang des Films Dr. David Jordan, der Bordarzt, Miranda North, Quarantänenbeauftragte, Sho Murakami, der Systemingenieur, Dr. Hugh Derry, der leitende Wissenschaftler, Roy Adams, der Flugingenieur und Ekaterina Golovkina, ebenfalls Wissenschaftlerin. Ihr größter Wunsch: Leben außerhalb der Erde zu finden. Aber wie heißt es so schön: Man sollte aufpassen, was man sich wünscht. Zunächst sieht alles nach einer üblichen Mission aus. Die ISS empfängt Proben von einer Sonde, die diese vom Mars aufgesammelt hat. Ganz nach Vorschrift untersucht Dr. Derry die Proben und findet zunächst nichts ungewöhnliches. Bis er auf einen winzig kleinen Organismus stößt. Die Euphorie ist unbeschreiblich. Zum ersten Mal wurde Leben außerhalb der Erde nachgewiesen. Auch auf der Erde wird gefeiert. Schnell wird ein Name für den Organismus gefunden: Calvin. Doch Calvin scheint intelligenter zu sein, als zunächst angenommen. Schnell entdecken die Astronauten, dass Leben außerhalb der Erde nicht unbedingt etwas positives sein muss.
Life startet zunächst mit einer lockeren und entspannten Atmosphäre. Vorallem die Sprüche von Ryan Reynolds Charakter Roy Adams lockern die Stimmung ungemein auf. Sobald Calvin jedoch stärker wird, kippt die Stimmung und der Film befeuert von nun an eine spannungsgeladene Atmosphäre. Gerade ab hier erinnern viele Szenen an Alien. Man weiß, dass Calvin irgendwo auf der ISS sein muss. Nur wo? Die immer neuen Versteckspiele der Crew und die möglichen Lösungsansätze sind spannend und halten einen den ganzen Film über in Atem. Gerade das Ende ist noch einmal so spannend gestaltet, dass man gar nicht von der Leinwand wegsehen kann. Mit 104 Minuten Spiellänge trifft Life genau die richtige Länge, ehe der Überlebenskampf an Bord nicht mehr so spannend werden kann.
Die Einflüsse von Alien sind während des ganzen Films spürbar, so dass nun kein gänzlich neues Werk über die Leinwand flimmert. Dennoch sind viele neue Ideen dabei und gerade die guten schauspielerischen Leistungen machen Life sehenswert. Gerade das Zusammenspiel zwischen Ryan Reynolds und Jake Gyllenhaal trifft einen guten Ton. Diese Kombination aus Schauspielern wäre schon ein Film wert.
Letztendlich fühlt man sich während des Filmes gut unterhalten und bekommt genau den Film vorgesetzt, den man nach dem Trailer erwartet hat mit ein bis zwei positiven Überraschungen und Wendungen. Dennoch wird Life im Gegensatz zu Alien wohl kein zeitloser Klassiker werden. Dafür fehlte ihm irgendwo doch die gesunde Portion neuer Ansatz.

Alles in allem ein gelungener Film, der aber nicht aus dem Schatten seines Vorbildes springen kann. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Beauty and the Beast & Meine Londonreise

Wenn eine filmliebende Bloggerin mit einer ebenfalls filmlliebenden Freundin nach London reist, ist es wohl unausweichlich, dass man sich an irgendeiner Stelle in einem Kinosaal wiederfindet. Und so kam es auch. Am letzten Montag flog ich mit meiner besten Freundin Alice nach London (erinnert ihr euch an ihre Gastkritik zu Jurassic World?). Da wir bereits sehr früh flogen, mussten wir um 2Uhr Nachts aufstehen. Dementsprechend müde waren wir dann in London. So beschlossen wir unsere Sightseeing Tour erst am Dienstag zu starten und gingen in die Nachmittagsvorstellung von Beauty and the Beast im Curzon Victoria.

Das Kino:

Wir wählten das Curzon in Victoria, weil es am nähsten zu unserem Hotel lag. Bekommen haben wir ein sehr kleines Kino. Unser Kinosaal hatte vielleicht 30-40 Sitzplätze, die aber gut gefüllt waren. Sitze und Leinwand waren mit einem deutschen kleinen Kino vergleichbar. Auch die Werbung vorab und die Trailer waren aus Deutschland bekannt. Allerdings gab es keine Eispause, die sich ewig hinziehen konnte (kann natürlich auch an der Größe des Kinos liegen). Dafür gab es statt einem Foyer eine schöne Lounge, in der man sich niederlassen konnte mit einer kleinen Bar, die wenig Wünsche offen lässt. Das Curzon gehört zur gleichnamigen Kinokette, die überall in London verstreut liegen und bewahrt sich dabei seinen Charme, bei dem die großen Ketten in Deutschland (CineStar, Cinemaxx, Cineplex, etc.) nicht mithalten können.

Der Film:

Ursprünglich hatte ich die neuste Realverfilmung eines alten Disneyklassikers bestreikt, weil ich Disney für diesen sehr unkreativen Weg Geld zu verdienen, nicht auch noch belohnen wollte. Während bei den ersten drei Realverfilmungen (Maleficent, Cinderella und The Jungle Book) wenigstens immer irgendwo eine neue Stimmung, ein neues Gefühl oder ein neuer Ansatz gezeigt wurden, wurde Beauty and the Beast beinahe wörtlich adaptiert. Dadurch, dass ich den film jedoch im englischen Original sah, fiel mir dies jedoch weniger negativ auf.
Der Film ist vorallem mit guten Schauspielern besetzt, die den größten Charme des Films ausmachen. Hinzu kommt das liebevolle Szenenbild und die altbekannte, aber noch immer herzberührende, Musik des Films. Hingegen konnte das sprechende Mobiliar von der Gestaltung nicht mit der Disneyvariante mithalten. Ich hatte lange Probleme sie als sympathisch wahrzunehmen.
Die einzigen Abweichungen zum Drehbbuch von 1991 sind ein paar Hintergrundinformationen über die Eltern von Belle und dem Biest. Hier wurde anscheinend versucht etwas Tiefe zu vermitteln und den Charakteren eine Hintergrundgeschichte zu geben. Allerdings wird dies so schnell und so lieblos abgehandelt, dass man den Versuch der Tiefe als gescheitert ansehen darf.

Alles in allem konnte mich Beauty and the Beast irgendwo doch überzeugen, vorallem durch das schöne Szenenbild und die guten Schauspieler. Meine Grundkritik, dass es für Disney lediglich schnelles Geld war, besteht aber weiterhin. Dafür bekommt der Film 06 von 10 möglichen Punkten.

Meine Reise nach London:

Dies soll nun kein ausführlicher Reisebericht werden, denn dafür hat dieser Blog denke ich mal die falsche Zielgruppe. Trotzdem möchte ich ein paar Worte verlieren und euch das ein oder andere Bild zeigen.
Zunächst sollte gesagt sein, dass dies mein erster Trip nach London war. Demnach war ich also noch sehr überrascht über die saubere Großstadt und die freundlichen Menschen. Wir waren für 5 Tage in London und dachten, dass die Zeit gut reichen würde, um alles wichtige zu sehen. Diese Fehleinschätzung mussten wir bereits am zweiten Tag feststellen. Denn die Sehenswürdigkeiten haben im Schnitt von 10Uhr bis 17Uhr geöffnet. Aber gerade im Tower of London oder im Westminster Abbey verbringt man gerne mal ein paar Stunden und wenn man dann noch die Entfernungen zwischen den Sehenswürdigkeiten mit einrechnet, schafft man im Eiltempo maximal drei Sehenswürdigkeiten an einem Tag. So kam es, dass ich zwar für mich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gesehen habe, aber bei weitem nicht alles, was ich mir vorgenommen hatte.

Ein kleiner Blick auf die Themse.

Wie könnte es einen Bericht über London ohne ein Bild des Glockenturm mit der gewaltigen Big Ben geben?

St. Pauls Cathedral. Man beachte den strahlend blauen Himmel, während es in Deutschland teilweise geschneit hat 😉

Ein Besuch im Sherlock Holmes Museum durfte natürlich auch nicht fehlen!

Ich möchte noch einmal das wunderschöne Wetter betonen. Oh und das Bild zeigt das London Eye 😉

Mein ganz persönlicher Towerrabe führte uns durch den Tower of London und fand den Weg bis zu mir nach Hause 🙂

Zum Abschluss kann ich nur sagen: London, ich komme wieder. Und dann zeigst du mir all deine anderen Schätze!

The Boss Baby

Am 30.03.2017 erschien ein neuer Animationsfilm aus dem Hause DreamWorks in den deutschen Kinos.

Er kam mit einem Taxi an, trägt einen Anzug, hat eine tiefe Stimme und verhält sich irgendwie merkwürdig. So beschreibt Tim seinen neuen kleinen Bruder. Während die Eltern nur noch für das Baby da zu sein scheinen, versucht der 7-jährige Tim herauszufinden, was genau mit seinem Bruder nicht stimmt.

Jeder, der das ältere Geschwisterchen ist, kennt den Moment, wenn einem die Eltern mitteilen, dass man bald kein Einzelkind mehr sein wird. Jeder geht mit dieser Nachricht anders um. Und dann irgendwann ist der große Moment da und der Storch kommt vorbei und bringt ein kleines schreiendes Baby vorbei. Die Babys kommen doch vom Storch, oder?
Nicht in The Boss Baby. Hier kommen die Babys vom Fließband und werden nach einem Test entweder zu den Familien gebracht oder ins Management von Baby Corp. Hier sorgen die Mitarbeiter, die bereits denken und sprechen wie Erwachsene, dass die Liebe der Menschen sich zum größten Teil auf Babys verteilt und nicht auf Hunde und ähnliches. Eines Tages wird das Boss Baby (im Film wird nie ein anderer Name genannt) zur Familie Templeton geschickt, um undercover Nachforschungen anzustellen. Während die Eltern Ted und Janice komplett in ihrer Elternrolle aufgehen und sich auch keineswegs wundern, wieso das Baby einen Anzug trägt oder im Taxi zur Familie kam, ist der 7-jährige Tim alles andere als begeistert, die Liebe seiner Eltern auf einmal teilen zu müssen. Gleichzeitig fallen ihm die eigenartigen Verhaltensweisen des Babys auf. Er ist sich sicher das Ganze auch beweisen zu können.
In The Boss Baby geht es primär um die Akzeptanz eines neuen Familienmitglieds und inwiefern sich dann das Familienleben ändert und wie man als Erstgeborenes damit umgeht. Dabei wird das Thema extrem überzogen dargestellt in Form eines sehr dominanten Babys.
Während Disney und Pixar Jahr für Jahr Filme produzieren, die sowohl viele lustige Szenen für die Kinder einbauen, als auch genug Thematik und Andeutungen haben, um auch bei den Erwachsenen gut anzukommen, tut sich DreamWorks mit The Boss Baby in der genauen Zielgruppe etwas schwer. Zu 75% ist der Film sehr stark auf die Zielgruppe der Kinder angelegt und daher auch sehr zuckersüß gestaltet, so dass Erwachsene eher wenig Gefallen an dem Film finden dürften. Dann aber gibt es noch die restlichen 25% in der die Dialoge sich sehr stark auf Dinge beziehen, die Kinder einfach noch nicht kennen, wie beispielsweise der Satz aus dem Trailer “Du hast eindeutig nicht BWL studiert”. Woher soll ein Kind wissen, was BWL ist? So ist es schwierig eine Empfehlung für den Film auszusprechen, weil man ihn keiner Zielgruppe zu 100% empfehlen kann.
Die Handlung selbst ist sehr vorhersehbar- abgesehen von einer Wendung zwischendurch, die doch überraschen konnte – und nach dem altbekannten Schema konstruiert. Die Charaktere waren allesamt sehr weichgespült und hatten wenig Tiefe. Auch die Gagdichte ließ zu wünschen übrig. Wenn das Publikum – also auch die Kinder – gerade einmal alle ca. 20 Minuten ein bisschen schmunzeln können, dann ist die Humorschiene definitiv verfehlt, andererseits legt der Film es aber genau darauf an. So nehmen die Schwächen des Films leider überhand und lassen die eigentlich süße Idee hinter dem Film in der Versenkung verschwinden. Im Endeffekt geht man aus dem Kino und hat den Film nach ein paar Minuten wieder komplett vergessen.

Die Idee bot Potenzial, aber die Umsetzung weist zu viele Mängel auf. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Smoke

Werbung in den sozialen Medien kann sehr wirkungsvoll sein. Und als mir Smoke praktisch ständig irgendwo als Werbung entgegen sprang und dann die Idee auch noch interessant klang, wusste ich, ich wollte Smoke lesen.

Im London des 19. Jahrhunderts gibt es ein Phänomen, das alle betrifft. Rauch, der nach jeder Lüge, jedem schlechten Gedanken, jedem unanständigem Wunsch aus den Hautporen der Menschen dringt. In dieser Zeit leben die Schuljungen Charlie und Thomas, beide aus adligem Haus. Durch Zufälle werden sie in einen Strudel aus Intrigen, Manipulation und Verschwörungen mit hineingezogen, um hinter den wahren Grund des Rauchs zu kommen.

Was, wenn jeder böse Gedanke direkt sichtbar werden würde. Wenn man einem direkt ansehen würde, wenn er schlechte Absichten hat? Wie weit würden wir unser Denken einschränken und kontrollieren können? Genau mit diesen Fragen beschäftigt sich Autor Dan Vyletta in seinem Roman Smoke. Hier ist der Rauch allgegenwärtig und entströmt jedem, ungeachtet seiner Herkunft. Dabei wird der Rauch beinahe als denkendes Wesen beschrieben, das kleine Notlügen nicht beachtet, aber ansonsten bei jedem “Vergehen” oder falschen Gedanken aus allen Poren strömt. Leider versteckt sich Vyletta immer wieder hinter vagen Andeutungen über die genaue Funktionsweise des Rauchs, obwohl praktisch jeder Charaktere nur pausenlos daran denkt oder darüber redet. Trotzdem ist einem selbst nach den über 600 Seiten des Buches noch immer nicht so genau klar, was es denn mit dem Rauch auf sich hat, außer, dass er sehr schwer wieder von der Haut zu bekommen ist.
Gleichzeitig wird durch den Rauch die Gesellschaft noch deutlicher in Arm und Reich gespalten. Denn die Reichen werden schon von der Schulzeit an darauf getrimmt, möglichst wenig zu rauchen und auf Internaten immer wieder für Rauch bestraft. Gleichzeitig kommen teure “Hilfsmittel” dazu, die sich auch nur der adlige Teil der Bevölkerung leisten kann. So rauchen die Armen relativ unkontrolliert und nach all den Jahren auch ohne Scham.
Das Ganze spielt im London des 19. Jahrhunderts, zu einer Zeit, in der England sich praktisch vom Rest der Welt abwendet. Keine Importe, keine Exporte, keine Reisen. Der Rauch kontrolliert praktisch das Denken. England steht in seiner Entwicklung still, weil auch keine Erfindungen des Kontinents auf die Insel kommen dürfen. Doch vereinzelt kommen Revolutionsgedanken auf. In eine dieser Gedankenspiele stolpern die Schuljungen Charlie und Thomas, beide adliger Abstammung. Sie verlassen den Schutz ihres Internats und untersuchen selbstständig die Hintergründe und Intrigen, die der Rauch hervorruft.
Smoke kommt mit 624 Seiten und einer neuen und interessanten Idee daher. Zunächst fing ich auch sehr begierig an zu lesen, bis die Probleme des Buches immer deutlicher wurden.
Das wohl größte Problem ist die Länge des Buches bei der wenigen Handlung, die erzählt wird. Vyletta verliert sich in unwichtigen Schritten und erzählt die Handlung sehr detailreich. Dabei verliert er aber das Wesentliche aus den Augen und selbst nach der Hälfte des Buches hatte man noch keine Ahnung, worauf es hinauslaufen soll. Ebenso werden die Kapitel aus der Sicht eines allwissenden Erzähler geschrieben. Allerdings ist es vielleicht ein Nachteil, dass dieser alle Gedanken der Charaktere kennt, denn leider beschreibt er uns diese auch immer wieder ausführlich. Leider doppeln sich die Gedanken sehr stark und zu 50% denken die Charaktere auch nur über den Rauch nach. Hier hätte man deutlich sparen können oder wirklich wichtige Gedanken aufschreiben können. Denn obwohl jeder Charakter viel Platz auf den Seiten bekommt, weiß man trotzdem nur wenig über ihre Beweggründe und Handlungsabsichten. Auch schiebt Vyletta nach jedem Kapitel ein Zwischenkapitel ein, das immer aus der Sicht eines Charakters geschrieben ist. Allerdings werden nur selten die Hauptcharaktere benutzt und vielmehr unwichtige Nebencharaktere, wie der Butler oder der Leibdiener. Diese haben weder einen Einfluss auf die Handlung, noch erzählen sie etwas wichtiges zur Handlung. Damit sind sie praktisch überflüssig. Erst gegen Ende des Buches wiederholen die Zwischenkapitel auch nicht mehr das im vorangehenden Kapitel beschriebene, sondern enthalten ein bisschen eigene Handlung.
Der zweite große Schwachpunkt des Buches sind seine Charaktere. Da keine besonders liebevoll charakterisiert wurde und man bei jedem über die Beweggründe im Dunkeln gelassen wird und sie praktisch nur über den Rauch nachdenken, erfährt man einfach nichts über sie. Dadurch sind sie so austauschbar, dass selbst Verletzungen und Todesfälle einen beim Lesen kalt lassen. Man fiebert nicht mit ihnen und dadurch zieht sich das Buch noch mehr, als es sich ohnehin schon durch die überflüssigen Kapitel zieht.
Insgesamt gesehen könnte man das Buch von 600 Seiten auf ca. 200 zusammenkürzen und hat immer noch alles wichtige erhalten. Dann könnte man konkretere Aussagen über den Rauch einfügen und die Charaktere richtig vorstellen. Selbst damit kommt man aber nicht auf über 400 Seiten. Aber dann könnte die Grundidee vielleicht interessant und spannend rübergebracht werden.

Alles in allem wurde die gute Grundidee sehr mühselig und wenig spannend umgesetzt. Hier wäre eindeutig mehr Potenzial vorhanden gewesen.

“Smoke” wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

Ghost in the Shell

Am 30.03.2017 erschien ein Film, der auf einem Manga basiert, in den deutschen Kinos.

Major ist selbst in ihrer futuristischen Welt noch einzigartig, denn zum ersten Mal wurde ein menschliches Gehirn in einem androiden Körper verpflanzt. Nun arbeitet sie als Agentin für die Eliteeinheit Sektion 9. Bei einem Einsatz treffen sie auf eine terroristische Verschwörung, die es auf die Köpfe hinter Hanka Robotics, der führenden Firma für androide Ersatzteile, abgesehen haben und Major muss feststellen, dass das, was sie zu wissen glaubt, vielleicht nicht ganz die Wahrheit ist.

Ghost in the Shell basiert relativ lose auf dem gleichnamigen Manga und orientiert sich eher an dem 1995 erschienenen Anime. Allerdings wurden auch hier nur die wenigsten Elemente übernommen und stattdessen eine neue Handlung erdacht. Geblieben ist das Grundszenario und der Handlungsort. Eine kurze Zusammenfassung zu dem Film zu geben, wie oben versucht, ist sehr schwierig, weil man entweder zu wenig sagt, um es verständlich auszudrücken, oder gleich wieder zu viel sagt und daher spoilert.
Fangen wir also ganz am Anfang an und entschlüsseln erst einmal den Namen des Films. Ghost in the Shell spielt in einer undefinierten Zukunft, in der die Menschen sich durch androide Ersatzteile “verbessern” können. Führend in dieser Branche ist Hanka Robotics. Doch die Forscher sind damit nicht zufrieden und versuchen daher ein menschliches Gehirn den “Ghost” in einen kompletten androiden Körper den “Shell” zu verpflanzen. Also ist der “Ghost in the Shell” ein Androide mit menschlichem Gehirn. Hanka Robotics gelingt auch dieser Versuch bei Major. Hinterher kann sie sich an nichts mehr erinnern, aber ihre Ärztin und Vertraute Dr. Ouelet erzählt ihr, dass sie und ihre Familie auf einem Flüchtlingsboot waren und von Terroristen angegriffen wurden. Ihre Familie wurde dabei getötet und auch ihr menschlicher Körper zerstört. Soweit zu den ersten fünf Minuten des Films. In der nächsten Szene sehen wir eine futuristische asiatische Stadt, die nicht genauer benannt wird. Überall flimmern Hologramme mit Werbungen über die Stadt. Major ist inzwischen der Eliteeinheit Sektion 9 beigetreten, die Jagd auf Terroristen macht. Beim folgenden Einsatz wird einer der führenden Köpfe von Hanka Robotics zuerst gehackt und dann getötet. Bei der Verfolgung des Mordes stoßen die Mitglieder auf Kuze, der hinter den Attentaten steckt. Er hat es noch auf weitere Mitglieder von Hanka Robotics abgesehen. Auf der Jagd nach ihm, erfährt Major immer mehr von seinen Beweggründen und muss ihre wieder neu hinterfragen. Denn die Nachforschungen bringen Geheimnisse ans Licht, die gut verborgen waren.
Ghost in the Shell ist mit 107 Minuten ein relativ kurzer Actionfilm, zumal er uns in eine neue Welt entführt, die auch erst erklärt werden müsste. Aber genau diesen Teil versucht der Film zu überspringen und stellt den Zuschauer vor vollendete Tatsachen. Die Stadt ist einfach da, die Figuren auch. Was hinter Hanka Robotics und Sektion 9 steckt und in wie weit alles zusammengehört, bleibt bis zum Ende des Films offen. Stattdessen wird sich rein auf viele bildgewaltige Actionsequenzen konzentriert. Auch am Dialog wird stark gespart. Gesprochen wird nur, wenn es absolut notwendig ist. So ist am Ende des Films alles und doch irgendwie nichts gesagt. Bedeutet: Alles, was im Film wirklich thematisiert wurde, also alles rund um Kuze und seinen Attentaten, wurde aufgeklärt. Aber alles andere, Hintergründe, Geschichten, ähnliches, wird nicht mal erwähnt. Einziger Vorteil ist, dass die langatmige Diskussion, ob es schlau ist sich mit androiden Ersatzteilen “verbessern” zu lassen oder welche Gefahren das birgt. Abgesehen von einem kurzen Dialog von Majors Kollegen, wird das Thema nicht angeschnitten. Keine halb verborgene Moral über die Macht, die Androiden irgendwann über uns haben könnten und keine Diskussion über die Möglichkeit des Missbrauchs durch Hacker. Danke an die Macher des Films, dass sie uns das erlassen haben. Allerdings haben sie uns auch praktisch alles andere erlassen. Beispielsweise Charaktertiefe. Gerade einmal eine Handvoll von Charakteren hat genügend Screentime, um überhaupt einen Charakterzug zu bekommen. Doch selbst dann sind sie sehr platt oder am Ende des Films noch immer undefiniert. Nehmen wir beispielsweise Majors Kollegen Batou. Während des Films merkt man, dass er nicht nur der große Schlägertyp ist, sondern auch irgendwo die gute Seele der Sektion 9. Der große Bruder für alle anderen, so dass man ihm vertrauen kann und er sich immer um das Wohlergehen der Anderen sorgt. Das sind genau zwei Charaktereigenschaften, und damit ist er für die Maße des Films gut charakterisiert.
Wirklich sehenswert ist Ghost in the Shell lediglich, wenn man überhaupt keine Ansprüche an die Handlung stellt, sondern sich lediglich ein paar spektakuläre Actionszenen in einer futuristischen Welt ansehen möchte. Denn genau dann birgt Ghost in the Shell großes Potenzial und hat jede Menge Energie in das Leinwandbild gesteckt. So kann man durchaus zufrieden aus dem Film hinaus kommen. Doch sobald man anfängt ein bisschen mehr über den Film nachzudenken, fallen die Mängel unweigerlich auf.

Alles in allem hatte Ghost in the Shell großes Potenzial, das leider nicht genutzt wurde. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.