Juli ist der Disability Pride Month.
Nachdem im Juni die Sichtbarkeit der queeren Gemeinschaft gefeiert wurde, geht es im Juli darum, auf Behinderungen aufmerksam zu machen, Menschen mit Behinderung sichtbar zu machen und Klischees und Vorurteile abzubauen.
Wie schon im letzten Jahr, will ich euch auch diesmal eine Auswahl an diversen Repräsentationen in Filmen und Büchern geben – Serien habe ich leider keine im vergangenen Jahr gesehen.

Schlachtenlärm in Vertikow
Die Handlung: Eigentlich wollte Peer mit seiner Frau Sascha nur einen Ausflug zur Heimatstätte Vertikows machen. Doch dann wird eine Leiche gefunden, die dort wohl schon seit einer großen Schlachtnachstellung liegt. Peer wittert einen neuen Fall, doch der Hauptkommissar macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Bis sich gleich zwei Frauen bei Peer melden, da sie ihre Unschuld beweisen wollen. Und so stürzt sich Peer doch wieder in die Ermittlungen.
Warum das Buch so wichtig ist: Was macht ein Organist, der seinem Beruf nicht mehr nachgehen kann, weil er nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt und nicht mehr die Treppen zur Orgel hochkommt? Genau Detektiv spielen und einen Mord aufklären. Unser Protagonist sitzt jetzt schon ein bisschen länger im Rollstuhl als noch in Band Eins oder Band Zwei, kommt aber mit einigen Einschränkungen noch immer nicht so gut zurecht. Sein kleines Dorf ist nicht wirklich barrierefrei, auch wenn hier versucht wurde ein bisschen Abhilfe zu schaffen und auch wenn ihm die Bewohnenden viel versuchen zu helfen, so kämpft er doch mit der Frustration, hadert mit sich und seinem Körper. Gerade hier im dritten Band wird auch nochmal gezeigt, dass Peer auch nicht das größte Feingefühl hat und daher gern Menschen vor den Kopf stößt.
Die Gesetze der Magie
Die Handlung: Willow will nichts weiter als ihren Doktor am Trinity College machen. Doch trotz der Zusage hat ihr Professor sie nicht aufgerufen. Kurz darauf landet sie an einem geheimen College, wo die Gesetze der Magie mithilfe der verschiedenen Naturwissenschaften erforscht werden. Doch ein plötzlicher Todesfall lässt das Institut unruhig werden.
Warum das Buch so wichtig ist: Im vergangenen Jahr war es irgendwie besonders schwierig Geschichten zu finden, die Menschen mit Behinderung im Vordergrund hatten. Also habe ich mich nach gut geschriebenen Nebencharakteren umgesehen und bin dabei über die Gesetze der Magie gestoßen. Hier haben wir eine Kommilitonin von Willow, die gehörlos ist. Also in einer Welt voller Magie und deren Möglichkeiten, gibt es immer noch Behinderungen und sie lernt damit zu leben. Auch die anderen am Institut akzeptieren es, müssen aber auch damit umgehen lernen. Das wird hier gut aufgezeigt, auch wie einem schnell unangemessene Sprüche rausrutschen oder Barrieren im Alltag schnell übersehen werden.
Ein Mörder auf der Gästeliste
Die Handlung: Lilly verbringt Weihnachten im Hotel der Familie von ihrer besten Freundin Zelda. Um deren Mutter zu überraschen haben sie ihren Großvater eingeladen, damit sie sich mit ihm aussöhnen kann. Doch das geht gehörig schief. Und während ein Schneesturm sie alle einsperrt, kommt es zu einem Mord.
Warum das Buch so wichtig ist: Ebenso wie Die Gesetze der Magie hat Ein Mörder auf der Gästeliste einen blinden Nebencharakter. Da wir uns hier größtenteils innerhalb der Familie aufhalten, sind hier die Vorurteile geringer, da einige schon viele Jahre mit ihr zusammenleben. Doch als sie zu einer der wichtigsten Zeuginnen wird, scheint ihr niemand zu glauben. Denn sie hat ja nichts sehen können und sich den Geruch vielleicht nur eingebildet? Hier findet die Autorin am Ende eine sehr gute Lösung, wie alles erklärt wird und wie die Familie vielleicht von Anfang an auf sie hätte hören sollen.
Was ist schon normal?
Die Handlung: Pablo und Lucien haben frisch ein Juweliergeschäft ausgeraubt. Um vor der Polizei zu fliehen geraten sie in den Bus einer Gruppe Menschen mit Behinderung, die auf dem Weg ins Sommercamp ist. Während Pablo sich ebenfalls als behindert ausgibt, mimt Lucien dessen Sonderpädagoge. Dabei werden sie mit ihrer eigenen Weltsicht konfrontiert und erleben ein unvergessliches Abenteuer.
Warum der Film so wichtig ist: Natürlich ist das ganze eine Komödie, aber hier konnte man auch einfach ganz befreit lachen, weil der Film es sehr gut schafft, sich eher über die Vorurteile und Klischees lustig zu machen als über die Charaktere mit Behinderung. Über den übereifrigen Betreuer, der dadurch aber auch nicht auf die Bedürfnisse der Mitreisenden eingeht, oder auch über andere Menschen im Supermarkt, die sich am „Anders“ sein unserer Gruppe zu stören scheinen. Über ihre Engstirnigkeit, die aufs Korn genommen wird, kann man sehr gut lachen und der Film dreht es immer wieder so, dass man über Handlungen und nicht über Behinderungen lacht. Damit schafft er den feinen Spagat, wie es nur wenige Filme mit ähnlicher Prämisse schaffen.
Habt ihr Empfehlungen für eine gute Repräsentation von Behinderungen in Film/Serien/Büchern? Dann immer her damit!




