Meg 2

Ein Vorwort

Trotz vernichtender Kritiken konnte Meg 2018 anscheinend ein befriedigendes Einspielergebnis vorweisen, so dass es wohl nicht verwunderlich ist, wieso noch ein zweiter Teil produziert wurde. Die Erwartungen waren niedrig, war doch schon der Erste ein ziemlich trashiges Spektakel, das sich viel zu ernst nahm. Warum der zweite Teil gleichzeitig besser und doch schlechter war, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

Bei einer privaten Unterwassermission reist ein Forschungsteam tiefer als der Marianengraben. Dabei treffen sie auf ein Wesen, das sie direkt angegreift. Dort unten gestrandet, scheint es nur einen Mann zu geben, der sie retten kann. Doch Jonas Taylor hat dem Meer den Rücken gekehrt, nachdem er bei einer Mission beschuldigt wurde unrechtmäßig Leute dem Tod überlassen zu haben. Da an Bord jedoch auch seine Ex-Frau festsitzt, gibt er dem Drängen seines alten Freundes Mac nach. Er kann das Boot evakuieren, doch muss wieder ein Besatzungsmitglied zurücklassen. Bei der Mission konnte aber nicht nur das Boot, sondern auch ein riesengroßer Hai entkommen, der sich als ein Megalodon entpuppt. Diese Ur-Haie galten eigentlich als ausgestorben.
Die Crew versucht nun diesen zu töten, stößt dabei aber schnell an ihre Grenzen. Schließlich scheint es ihnen doch gelungen zu sein. Kurz darauf müssen sie feststellen, dass sie jedoch lediglich einen großen Hai, nicht jedoch den Meg erlegt haben. Dieser rächt sich kurz darauf und bringt das Boot zum kentern, wobei drei Besatzungsmitglieder sterben. Während sie nun den Behörden alles melden wollen, damit der Meg keine Unschuldigen töten kann, versucht der Besitzer der Forschungsstation die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und alles weiterhin zu vertuschen. Dabei stirbt dieser.
Der Meg nimmt nun Kurs auf Hainan, wo er Strandbesuchende angreift. Jonas und Suyin versuchen mit Tauchbooten den Meg abzulenken und schließlich zu erledigen, während die restliche Crew versucht die Urlauber zu evakuieren. Am Ende kann Jonas den Meg schwer verletzten. Haie werden vom Blut angelockt und erledigen den Rest.

Die Handlung

Nach den Ereignissen mit dem Megalodon ist die Forschungsstation deutlich gewachsen. Das Team besteht aus einigen Überlebenden und neuen Mitgliedern. Doch bei einem erneuten Tauchgang stellen sie fest, dass eine illegale Unterwasserstation wertvolle Ressourcen abbaut. Jonas (Jason Statham) und sein Team müssen nicht nur mit den Megs klarkommen, sondern auch das Rätsel um die Station lösen.

Meine Meinung

Ich hatte absolut keine Erwartungen an Meg 2, wie auch schon beim Ersten. Obwohl die Handlung selbst sehr trashig war, hat er sich sehr ernst genommen, weswegen er die meisten Witze verschenkt hatte. Nun war die Überlegung, ob ich mir den zweiten Teil überhaupt anschauen wollte. Aber die Auswahl im Kino war nicht groß und so fragte ich meinen besten Freund mit dem Hintergedanken, dass wir uns im Zweifelsfalls einfach über den Film lustig machen könnten.
Und zunächst schien es auch so, als ob wir einen sehr düsteren und ernsten Unterwasserthriller kriegen, der leider wieder mit den Schwächen des ersten Teils zu kämpfen hatte, aber dann drehte sich die Stimmung völlig und wir bekamen endlich das trashige Creature Feature, das wir verdient haben. Aber von vorne.
Zunächst reisen wir weit in die Vergangenheit. Und mit weit, meine ich sehr weit. So ungefähr 65 Millionen Jahre. Die erste Szene erschließt sich im späteren Verlauf, wirkt zunächst aber seltsam fehl am Platz. Dann lernen wir die neue Ausgangssituation kennen. Die Firma wurde erneuert, wir lernen neue Charaktere kennen, treffen auf altbekannte und müssen feststellen, dass es auch ein paar nicht in den zweiten Teil geschafft haben. Inzwischen gibt es regelmäßige Unterwassererkundungen, wobei neue Ariale kartografiert werden. Außerdem gibt es inzwischen ein Meg-Baby, das in Gefangenschaft aufwächst. Während man hier noch vermutet, dass es vielleicht im späteren Verlauf einen Sinn hat, sollte es eigentlich besser wissen.
Die erste Hälfte fand nach der Exposition größtenteils unter Wasser statt. Hier ist der Vergleich mit dem 2020 erschienenden Underwater naheliegend. Allerdings schafft es The Meg an keiner Stelle die Atmosphäre aufzubauen. Während eine ganze Forschungsstation dafür notwendig ist, dass zwei U-Boote die neuen Areale erkunden können, sollen wir glauben, dass eine Handvoll Leute heimlich eine ganze Unterwasserstation gebaut haben, um nach seltenen Mineralien zu graben, ohne, dass es jemand mitbekommen hätte? Aber auf Logik darf man bei diesem Film sowieso nicht achten. Während hier wie gesagt noch versucht wurde ein Unterwasser-Thriller mit leichten Horrorelemente zu schaffen, was kaum funktioniert, da sich wieder zu sehr auf Jason Statham als großen Retter konzentriert wurde und wir ganz nebenbei noch ein stures Kind mit dabei haben, wendet sich die Stimmung, sobald wir wieder an die Oberfläche kommen.
Ab hier versucht sich der Film zunächst an einem typischen Actionfilm mit begrenztem Raum und nebenbei der ständig präsenten Gefahr durch gleich drei Megs. Hier gab es bereits erste gut eingesetzte Gags, neben der sehr wirren Handlung. Völlig ins Chaos stürzt der Film, sobald wir uns vom offenen Meer wegbewegen und näher an die Küste kommen. Hier bekommt dann auch die erste Szene wieder einen Sinn, auch wenn ab hier gar nichts sinnvoll mehr ist. Dafür bekam ich endlich das, was ich von Anfang an erwartet habe: Trashiges Creature Feature.
Die Charaktere rennen alle wild durch die Gegend, machen die gleichen Fehler wieder und wieder, dazwischen laufen ein paar blutrünstige Kreaturen herum, Jason Statham macht seine Solonummer, aber wisst ihr was? Ich hatte unglaublich viel Spaß dabei! Ich habe sehr viel gelacht, habe mich über die Fehler der Charaktere amüsiert, vielleicht auch manchmal die Kreaturen angefeuert und kam einfach unglaublich unterhalten aus dem Kino.
So war der Film nicht wirklich gut, es fühlt sich an, als hätte man zwei verschiedene Ideen in einen Film gepresst, aber wenn man den über die erste Hälfte hinwegsieht, kann er wenigstens unterhalten.

Das Fazit

Meg 2 presst zwei Ideen in einen Film, versucht zunächst atmosphärisch zu sein, was misslingt, und gibt sich am Ende selbst auf. Allerdings ist gerade das der Teil, der wunderbar unterhalten kann. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Meg 2 läuft seit dem 03.08.2023 in den deutschen Kinos

Eine Handvoll Bücher – 03/23

Herzlich Willkommen zur dritten Ausgabe  der buchigen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: Runen der Macht, einem toten Anrufer, einem Haus voller Schatten, einem Rockstar in einer Kleinstadt und eine Cellistin in Seoul.

Talus 3

Die Handlung: Während Jessica nach einem Weg sucht, um die Höhlen der Hexendengemeinschaft zu vergrößern, taucht eine neue Gruppierung auf und bieten ihr an, was unmöglich scheint: Die letzte Rune, die Talus vollendet und die Negativwirkung nimmt. Sie könnte ihre verlorene Liebe zurückholen, doch etwas lässt sie zögern. Warum wurde der Tarotleger Maxwell, den ihre Mitbewohnerin Emily beschatten sollte, ebenfalls entführt?

Meine Meinung: Eigentlich war die Talus Reihe abgeschlossen. Die Handlung aus Band 1 und 2 war genau für diese beiden konzipiert und ging auch genau auf. Als der dritte Band angekündigt wurde, war ich sehr überrascht, sehr skeptisch, habe mich aber auch sehr gefreut. Doch wie sollte das funktionieren? Nun, zum einen haben wir zwar auch die ein oder andere bekannte Figur mit dabei, aber eben auch neue Charaktere, andere altbekannte haben nur Gastauftritte und im Prinzip ist es eine neue Geschichte, die einfach in dieser Welt von Talus spielt. Und genau das mochte ich. Einfach noch einmal Eintauchen in die bekannte Welt und doch Neues entdecken. Dabei macht auch der dritte Band von Talus vieles richtig, kämpft ein wenig mit den altbekannten Schwächen, verliert sich zwischendrin ein wenig im Fokus, gipfelt am Ende aber in einem spannenden Finale und funktioniert einfach wieder als magisches Fantasyabenteuer in Edinburgh. Die sehr kurzen Kapitel von Liza Grimm sind etwas gewöhnungsbedürftig, aber da ich kurze den langen vorziehen, war das für mich vollkommen in Ordnung.

Bleib bei mir, Sam

Die Handlung: Julie und Sam haben klare Pläne, was sie nach ihrem Abschluss machen wollen. Zusammen an die Uni und der Kleinstadt entfliehen. Doch dann stirbt Sam und lässt Julie zurück. Diese kann sich auf nichts mehr konzentrieren und versucht ihre Trauer zu verarbeiten. Dabei wählt sie Sams alte Handynummer, um seine Stimme nochmal zu hören. Doch statt der Mailbox geht Sam ran. 

Meine Meinung: Nachdem das Buch eine zeitlang aus Bookstagram nicht mehr wegzudenken war, musste ich auch meine Neugier befriedigen. Zumal mich allein das Cover schon sehr ansprach. Natürlich war mir klar, dass es ein schwieriges Thema sein wird, aber ich wollte auch wissen, wie die Trauerbewältigung hier umgesetzt wurde. Und gerade zum Anfang war ich sehr begeistert. Ich habe mit Julie mitgeweint, Sam vermisst, obwohl ich ihn kaum kannte und fand einfach alles ungerecht. So richtig konnte sich das Niveau aber nicht halten. Der Mittelteil hatte einen kleinen Durchhänger, da sich hier vieles wiederholt hat bzw die Handlung sich ein wenig im Kreis drehte, was aber auch aus der Situation heraus geschuldet war. Das Ende war dann deutlich anders, als ich erwartet hätte. Es lässt ein paar Klischees aus, nimmt andere bewusst mit rein und ist dann doch rund und bringt das Buch zu einem Ende, auch wenn ich mir einiges anders gewünscht hätte. Der Schreibstil war sehr flüssig und trotz der kleinen Längen in der Handlung, wollte ich das Buch kaum aus der Hand legen.

Gallant

Die Handlung: Olivia Prior ist in einem Waisenhaus aufgewachsen. Da sie nicht sprechen kann, wurde ihr gern das Leben schwer gemacht. Nur die Worte ihrer Mutter in einem alten Tagebuch konnten ihr Trost spenden. Dort wird sie vor einem Ort namens Gallant gewarnt. Doch als ein Brief von ihrem Onkel eintrifft, lädt er sie genau dorthin ein. Olivia folgt dem Ruf, in der Hoffnung ihre Familie wiederzufinden, doch vor Ort ist alles ganz anders. Ein Geheimnis liegt auf Gallant, das Olivia lösen will.

Meine Meinung: Bisher hatte ich wenig Erfahrung mit dem Gothic Genre. Das hatte keinen wirklichen Grund, außer, dass ich mich damit bisher einfach noch nicht auseinander gesetzt hatte. Als ich jetzt vor Gallant stand, fielen mir die durchwachsenden Rezensionen auf Bookstagram ein und ich war zeitgleich fasziniert und abgeschreckt. Letztlich gewann die Neugier und ich gab dem Buch und dem Genre eine Chance. Ich kann daher nicht beurteilen, wie Gallant im Gothic Genre funktioniert, aber die Geschichte hat eine seltsame Faszination bei mir ausgelöst. Olivia ist eine Protagonistin, mit der ich komplett mitgelitten habe. Ich war fasziniert von Gallant, dem Herrenhaus, die Geschichte rund um Schatten und eine geheimnisvolle Mauer, hat mich komplett in den Bann gezogen. Es war alles irgendwie neu, es war kein Horror, kein Thriller, und dennoch irgendwie düster und mystisch und das fand ich sehr faszinierend. Autorin V. E. Schwab hat mit wenigen Worten eine Welt geschaffen, die ich sehr gern erkundet habe und doch war die Geschichte nach relativ wenig Seiten auch einfach auserzählt. Kein künstliches Strecken, einfach kurz und knackig und dennoch war die Welt aufgebaut und die Geschichte rund erzählt. Ich verstehe, warum manche mit dem Erzählstil nicht klargekommen sind, aber ich mochte alles an dem Buch und kann es nur empfehlen.

Sweeter than fame

Die Handlung: Ani Bennett hat sich bewusst in die beschauliche Kleinstadt Wildwood zurückgezogen. Doch dann zieht der Rockstar Garrett Hayes ins Haus nebenan ein und mit der Ruhe scheint es vorbei zu sein. Dabei scheint auch er genau diese nach dem Tod seiner Frau zu suchen. Garretts bester Freund scheint jedoch der Ansicht zu sein, dass er wieder daten sollte und überredet Ani zu einem Nicht-Date mit dem Rockstar. Doch welche Chancen hat sie mit ihrer Angststörung bei einem berühmten Rockstar? 

Meine Meinung: Nach langer Zeit hatte ich mal wieder Lust auf Rockstar-Romance und dann auch noch von Kylie Scott, die mit ihrer Reihe rund um Stage Dive, mich sehr faszinierend konnte. Diesmal handelt es sich (bisher) um einen Einzelband und sind erstaunlich weit weg vom Rockstar-Leben. Dennoch ist es wieder ein Buch, dass mich am Anfang hatte und dass ich fast in einem Stück weggelesen habe. Ich mochte Ani sofort und auch die Kleinstadt ist einfach nur Zucker. Die Liebesgeschichte war so ein bisschen eine Parodie auf sich selbst, aber deswegen nicht weniger schlecht. Eher im Gegenteil! Ich mochte die Anziehung der beiden, ihre Hintergrundgeschichte und wie sie damit umgegangen sind. Leider ist Anis Angststörung am Ende nur noch eine Erwähnung, auch wenn sie vorher gut eingearbeitet wurde. Generell war es das Ende, was mich am meisten gestört hat. Hier wurde einfach das gesamte Konzept über den Haufen geworfen und die Autorin wollte zu viel in kurzer Zeit. Macht das Buch nicht kaputt, ist aber auch etwas schade, weil es das Niveau das restlichen Buches nicht widerspiegelt.

XOXO

Die Handlung: Jenny ist angehende Cellistin und legt all ihre Anstrengungen darauf, an einer guten Musikschule angenommen zu werden. Eines Abends trifft sie auf den geheimnisvollen Jaewoo, der ihr Herz berührt. Doch dann zieht ihre Mutter für ein halbes Jahr nach Korea, um ihre Großmutter zu unterstützen. Jenny beschließt mitzukommen und besucht dort eine gute Musikschule. Nicht ahnen, dass Jaewoo ebenfalls diese Schule besucht. Doch es gibt ein Problem: Er ist ein K-Pop Idol und eine Freundin ist daher streng untersagt. 

Meine Meinung: Was habe ich auf dieses Buch gewartet. Lange wurde es nicht ins Deutsche übersetzt und nach so vielen begeisterten Rezensionen und weil es thematisch genau ins Schwarze bei mir traf, war ich kurz davor das Buch sogar auf Englisch zu lesen. Aber dann wurde sich endlich meiner erbarmt und ich konnte es auf Deutsch lesen. Und die vielen positiven Rückmeldungen sind durchaus gerechtfertigt. Es ist ja immer so ein bisschen die Schwierigkeit glaubhaft rüberzubringen, wie man ein K-Pop Idol durch Zufall trifft und wie man das Setting nach Korea kriegt, wenn man eine ausländische Person als Protagonistin und damit als Reflexion der Zielgruppe haben möchte. Mit Jenny ist das wunderbar gelungen, war es doch glaubwürdig, wieso sie als amerikanische Koreanerin die Sprache beherrschte, aber dennoch nicht zu 100% in der Kultur drin war. So konnten Erklärungen gegeben werden, damit auch Laien die Geschichte verstehen können. Auch ist der Idol Aspekt zwar sehr präsent, kommt aber auch mit weniger Klischees daher, die man aus so mancher Fanfiction kennt. Da war es gerade die Mischung, die es ausgemacht hat. Hinzu kommt ein wunderbarer Schreibstil, der einen geradeso durch die Seiten hat fliegen lassen. Einfach nur eine große Empfehlung.

Habt ihr eins davon gelesen? Wie fandet ihr es?

Geistervilla

Ein Vorwort

Während Captain Jack Sparrow erstmalig in See stach und damit eine Attraktion aus den Disneylands als Film ungesetzt wurde, gab es im gleichen Jahr noch eine weitere Attraktion, die verfilmt wurde. Die Rede ist von Die Geistervilla mit Eddie Murphy in der Hauptrolle, der eher negative Kritiken einstecken musste. Dass es 20 Jahre für ein Remake gebraucht hat, ist im weiter andauernden Remake und Reboot fast noch verwunderlich. Warum Geistervilla in seiner Gesamtheit gut funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Gabbie und ihr Sohn Travis ziehen für einen Neuanfang in eine große Villa, die Gabbie zu einem Bed & Breakfast umbauen will. Nur leider ist die Villa voller Geister, die gar nicht erfreut sind über die neuen Bewohnenden. In ihrer Not wendet sich Gabbie unter anderem an den Geistlichen Ken und an den Fotografen für Übernatürliches Ben. Kurz darauf sitzen diese ebenfalls in der Villa fest. Zusammen versuchen sie den Fluch zu brechen.

Meine Meinung

Ich habe den Originalfilm von 2003 nicht gesehen. Hatte mich nie interessiert und nicht angesprochen. Und selbst, nachdem ich eine ganze Dokureihe rund um die Disneyland-Attraktionen gesehen habe, hatte ich kein Bedürfnis das zu ändern. Als ich jedoch den Trailer zum 2023er Film gesehen habe, hab ich mich sofort angesprochen gefühlt. Trotz sehr gemischer Kritiken, wollte ich mir meine eigene Meinung bilden und bin nicht enttäuscht worden.
Das liegt zum einen daran, dass die Charaktere sehr gut miteinander harmonieren, obwohl sie so unterschiedlich sind. Wir haben die Mutter mit ihrem Sohn, die die Villa gekauft haben und dort nicht mehr wegkommen. Wir haben den trauernden Fotografen fürs Übernatürliche, den Pfarrer, das Medium und den Historiker. Alle sind auf ihre Art einzigartig und bieten gerade dadurch genug Platz, um gut pointierte Lacher auszulösen. Es bedarf kaum eines billigen Wortwitzes oder eines Oneliners, um die Witze auszulösen.
Aber Geistervilla ist keine reine Komödie. Denn das Grundsetting der Haunted Mansion bietet schon viele Ansatzpunkte, für einen sehr atmosphärischen Film. Und wer die Attraktion im Disneyland schonmal besucht hat – oder wie ich eine Doku darüber gesehen hat – findet viele Anspielungen dazu. So ist es ein stetes Entdecken und Wiedererkennen, was den Charme noch erhöht.
Natürlich kommen auch die Grusel- und Spannungsmomente nicht zu kurz. Auch hier wird viel über die Atmosphäre übertragen und bietet einen guten Kontrast zum Komödienanteil. Lediglich der große Böse am Ende ist zwar direkt aus der Attraktion entsprungen, aber wirkt nach den übrigen Effekten seltsam billig. Jared Leto scheint einfach keinen Glück mehr bei seiner Rollenwahl zu haben.
Besonders hervorzuheben ist auch, dass trotz der überschaubaren Lauflänge sich genug Zeit genommen wurde, um den Charakteren auch Tiefe zu geben – zumindest zur Hälfte. Gerade Ben hat eine sehr ausführliche Hintergrundgeschichte bekommen, die aber nicht nur charakterisieren soll, sondern auch im weiteren Verlauf eine Bedeutung hat. Das ist angenehm erfrischend, denn meist sind es gerade die traurigen Geschichten, die schnell herangezogen werden, um zu charaktersieren, danach aber keine Bedeutung mehr haben und daher einem weiß gemacht wird, dass die Trauer einen Charakter allein ausmacht.

Das Fazit

Geistervilla umschifft die meisten Stolpersteine und schafft es eine wunderbar beschwingte Kombination aus Komödie, Horror und spooky Elemente zu kreieren, mit faszinierenden Charakteren und trifft die Disneyland-Attraktion auf den Kopf. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Geistervilla läuft seit dem 27.07.2023 in den deutschen Kinos

Eine Handvoll Serien – 05/23 – Sportanime Special

Herzlich Willkommen zur fünften Handvoll Serien in diesem Jahr. Und dem ersten Anime Special in diesem Jahr! Und weil das noch nicht special genug war, gibt es sogar ein Sportanime Special. Heute mit: Volleyball, Basketball, Fußball, Wasserball und Schwimmen.

Haikyu – Staffel 1-4 – Volleyball

Die Handlung: Nach einem weniger erfolgreichen Volleyballturnier in der Mittelschule kommt Hinata in die Oberschule und freut sich auf das Volleyball-Team. Leider ist sein Kontrahent aus eben jenem ersten und letzten Turnier auch dabei und Kageyama ist ebenso wenig begeistert. Doch sie werden nur zusammen ins Team aufgenommen. Gezwungenermaßen müssen sie zusammenarbeiten.

Meine Meinung: Fangen wir diesmal direkt mit meinem Highlight an. Während ich in der Schule Volleyball absolut gehasst habe (und gefühlt jedes Jahr wieder spielen musste), war ich dementsprechend kritisch, ob mir eine Serie über diese Sportart gefallen könnte. Aber der Pärchengatte war sehr penetrant und schwärmte immer wieder und was soll ich sagen: Er hatte Recht. Nach einer leichten Eingewöhnungsphase, in der sich das Team finden musste, ist es gerade der Teamgeist, der trotz der verschiedenen Charaktere, die aufeinanderprallen funktioniert, der die Serie so lebendig macht. Und von dort geht es Schlag auf Schlag. Turniere, Training, Trainingcamps, Freundschaftsspiele und nebenbei schafft die Serie es ausreichend Platz für Charakterentwicklungen zu lassen. Dabei liegt der Fokus zwar schon stark auf Hinata und Kageyama, aber auch die anderen Teammitglieder kommen mal mehr mal weniger stark zur Geltung. Auch aus anderen Teams lernt man einige Spieler kennen und freut sich bei einigen immer wieder über ein Wiedersehen – bei anderen dann doch eher nicht so. Die vier Staffeln vergehen wie im Flug, gerade Staffel 3 habe ich fast in einem Rutsch durchgesehen, weil ich einfach nicht wegschalten konnte – möglicherweise habe ich dafür fast Termine verschoben, so gefesselt war ich. Auf jeden Fall kann ich die Serie nur jeden empfehlen, der Anime und/oder Sport mag.

Blue Lock – Staffel 1 – Fußball

Die Handlung: Nachdem die japanische Nationalmannschaft weiterhin im Fußball kaum Erfolge vorzuweisen hat, wurde das Blue Lock Programm ins Leben gerufen. Nachwuchskicker aus dem ganzen Land wurden eingeladen, nicht ahnend, dass es die schwerste Prüfung wird, die sie je hatten.

Meine Meinung: Auch wenn ich mit Fußball nicht viel anfangen kann, war es hier gerade die Prämisse, die mich neugierig gemacht hat. Normalerweise schrecken mich Hypes vorab ab, aber diesmal war die Vorfreude in den Magazinen regelrecht spürbar, weswegen ich mir die Serie direkt zum Erscheinen der ersten Staffel ansah. Allerdings hatte ich dann doch große Probleme in die Serie reinzufinden. Nicht, weil die einzelnen Folgen langweilig waren oder es keine interessanten Charaktere gab, aber irgendwie hatte ich immer wenig Lust die nächste Folge zu sehen. Es war einfach zu sehr das Gleiche jede Folge und gerade am Anfang bekam nur der Protagonist eine Hintergrundgeschichte. Nach der ersten Hälfte bessert sich das deutlich und ab da war ich auch wesentlich mehr in der Geschichte drin. Wir kommen einzelnen Charakteren näher und dadurch sind wir auch mit dem Ausgang der einzelnen Stationen näher involviert. So bin ich doch angefixt und bin sehr gespannt auf die nächste Staffel.

Free – Staffel 1-3 – Schwimmen

Die Handlung: Nachdem sie bereits früher zusammen in einer Staffel schwammen gründen Haruka Nanase, Makoto Tachibana und Nagisa Hazuki einen Schwimmclub in der Oberschule, aber dafür brauchen sie noch einen vierten Schwimmer. Außerdem taucht Rin Matsuoka wieder auf, allerdings an der Konkurrenzschule. Die vier verbindet eine Vergangenheit, die sie auseinander gerissen hat. 

Meine Meinung: Funfact zu mir: Ich war acht Jahre lang Leistungsschwimmerin. Dementsprechend war ich sehr begeistert als ich diesen Sportanime über das Schwimmen fand. Nach Fußball und Volleyball, was so gar nicht meine Sportarten sind, war ich hier zumindest direkt in der Thematik drin und auch ab und an ein wenig nostalgisch. Da Schwimmen meist ein Einzelsport ist, war es hier etwas schwieriger das Team zu bilden, aber mit dem Staffelschwimmen haben sie eine gute Lösung gefunden. Am Anfang habe ich ein wenig gebraucht, um mit den Charakteren warm zu werden (und ich habe das Gefühl, dass ich das hier bei jeder Kritik schreiben werde), gerade mit Haruka, da er doch einen sehr eigenwilligen Charakter hat. Aber danach sind mir die Charaktere nur noch mehr ans Herz gewachsen und ich habe sehr mit ihnen mitgefiebert. Das Problem an der Serie ist eher, dass pro Staffel immer mehr Charaktere hinzukommen, die auf einmal alle irgendwie mit der Vergangenheit der Vier zusammenhängen oder mit ihnen verwandt sind. Das wurde irgendwann doch sehr unglaubwürdig. Zudem habe ich gerade in der dritten Staffel auch einfach den Überblick verloren. Hier gab es dann auch die zusätzliche Schwierigkeit, dass die Hälfte des Teams die Oberschule abgeschlossen hat und an der Uni angefangen hat. Das konnte zumindest gut gelöst werden. Auch sind die Probleme und Streitigkeiten teilweise etwas stark überspitzt, aber durch die sympathische Erzählweise, ist das zu verkraften. So konnte ich fast nicht aufhören zu schauen und habe die drei Staffeln in kürzester Zeit durchgebinged.

Kurokos Basketball – Staffel 1-3 – Basketball

Die Handlung: Die Teko Mittelschule hat unzählige Preise im Basketball gewonnen, was vor allem an fünf Spielern lag, die als die Wundergeneration bekannt sind. Kuroko wurde als geheimes sechstes Mitglied geführt. An der Oberschule gehen sie auf getrennte Schulen. Da die Wundergeneration vor allem durch ihre Egos bekannt wurde, will Kuroko mit seinem neuem Team zeigen, dass Teamgeist über alles steht.

Meine Meinung: Wenn es um Ballsportarten geht, war mir Basketball doch noch immer die Liebste – auch wenn ich mit meiner Körpergröße nie sonderlich erfolgreich war. Daher habe ich mich, nachdem ich einmal mit den Sportanimes angefangen habe, nach einer Basketballserie umgesehen und mich schließlich für Kurokos Basketball entschieden. Nach meiner Begeisterung für Haikyu war ich zunächst etwas ernüchtert und überlegte, die Serie nicht weiterzuschauen. Denn statt zunächst die Mannschaft und Charaktere genauer vorzustellen, ging es direkt mit den ersten Spielen ans Eingemachte. Das ging mir zu schnell und ich hatte keine Möglichkeit den Spielern näher zu kommen. Aber ich habe der Serie eine Chance gegeben und was soll ich sagen (ihr ahnt es bestimmt): Die Serie hat nach der Eingewöhnungsphase einen echt starken Sog entwickelt. Eigentlich geht sie erst ab der zweiten Staffel richtig los und hält einen bis zum Ende der dritten Staffel in Atem. Da fiel am Ende das Abschiednehmen regelrecht schwer. Zum Glück gab es noch einen Abschlussfilm, so dass es noch ein Wiedersehen mit den Charakteren gibt. Die Serie hatte zwar ein rundes und zufriedenstellendes Ende, aber der Film stellt noch einmal ein paar Weichen richtig.

Re-Main – Staffel 1 – Wasserball

Die Handlung: Minato ist erfolgreich im Wasserball, bis er nach einem Turnier einen Autounfall hat. Als er auf dem Koma erwacht, ist ein Jahr vergangen und er hat keine Erinnerung an die letzten drei Jahre. Da er in seinem Team nicht mehr mithalten kann, muss er die Schule wechseln. Dort versucht Jo gerade ein Wasserball-Team zu gründen.

Meine Meinung: Nach den ganzen Ballsportserien in der Halle, habe ich schlussendlich noch eine Serie, die Bälle und meine Leidenschaft fürs Schwimmen vereinen konnte. Und es war tatsächlich die erste Serie, bei der ich direkt mit den Charakteren warm geworden bin. Ich mochte das Team und ihren Willen, auch wenn sie direkt sehr hohe Ziele hatten. Da alles Anfänger sind, wird man selbst in die Regeln eingeführt und lernt mit ihnen die einzelnen Spielzüge. Dadurch gab es auch nicht direkt so viele Turniere, sondern es ging eher um die Teamfindung und das Training, was mir gut gefiel für die erste Staffel. Leider hätte mich die Serie im letzten Drittel fast verloren, da ich den Plottwist überhaupt nicht mochte. Dadurch wurde die ganze Dynamik der Gruppe und der Serie zerstört und es hat bis zur letzten Folge gedauert, um mich wieder mit der Serie zu versöhnen. Da war es diesmal Glück, dass ich mich bereits am Anfang in den Anime verguckt hatte und daher durchgehalten habe. Jetzt freue ich mich allerdings, sollte es eine weitere Staffel geben.

Was sind eure liebsten Animes? Besonders eure liebsten Sportanimes?

Barbie

Ein Vorwort

Okay, ich gestehe: Ich hatte als Kind sehr viele Barbies. Und natürlich auch sehr viel Zubehör und habe sehr gern damit gespielt. Warum es sich wie ein Geständnis anfühlt? Nun, inzwischen ist das Thema doch sehr kritisch hinterfragt mit der „klaren“ Einteilung in Geschlechter. Als ich jedoch hörte, dass ausgerechnet Greta Gerwig, die für ihre feministischen und kritischen Filme, wie Lady Bird bekannt ist, sich diesem Thema annahm, war ich sehr gehyped. Und der Trailer sah auch schon sehr witzig aus. Warum der Film ein Anwärter für den Film des Jahres bei mir wurde, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

In Barbieland kannst du als Barbie alles sein. Vor allem aber, bist du glücklich und lebst in Harmonie. Doch eines Tages hat Stereotyp-Barbie merkwürdige Gedanken und darauf folgen einige Pannen, inklusive, dass ihre Ferse den Boden berührt. Dies soll an einem Riss zwischen Barbieland und der realen Welt liegen. Sie bricht also auf, um diesen zu kitten. Ken folgt ihr, da er nur mit Barbie glücklich sein kann. Doch in der realen Welt ist alles ganz anders als erwartet.

Meine Meinung

Die Trailer versprachen es und der Film hielt es: Der Film wurde pink. Doch während der Trailer uns nur zeigte, wie mit der perfekten Welt der Barbies umgegangen wird, wenn etwas nicht mehr so perfekt ist, zeigte es noch nicht, wie feministisch der Film wirklich wird. Dass hier dann einige Zuschauenden doch arg schockiert sind, dass es kein reiner Feelgood Film ist, dessen einziges Ziel es war in Nostalgie zu schwelgen, zeigte die sehr zwiegespaltene Reaktion zum Ende des Films. Ich wurde wunderbar unterhalten und habe mich dennoch an den sehr feministischen Aussagen erfreut.
Denn Greta Gerwig schafft es die Balance zwischen beidem zu halten. Sie zelebriert die von Mattel geschaffene Welt in allen Variationen von Pink, erschafft Charaktere und nimmt sich dann dem Kontrast zur realen Welt an. Dabei kann es sein, dass einigen die gezeigten Thematiken zu offensichtlich gezeigt werden. Dabei kratzt der Film gerademal an der Oberfläche der Probleme unserer Gesellschaft.
Die Analogien, die aufgemacht werden, verdeutlichen strukturelle Probleme und beziehen diese wieder aufs Barbieland. Dabei kann man sicherlich über einzelne Darstellungen diskutieren, aber die Grundaussagen werden klar. Aber vor allem werden sie so gut in die Handlung verpackt, dass der Humorfaktor des Films sehr hoch ist. Auf jede niederschmetternde Erkenntnis folgte entweder Nostalgie oder Humor. Und genauso vergehen die 114 Minuten Lauflänge im Flug.
Natürlich gibt es auch kleinere Unstimmigkeiten. Die Rolle von Mattel im Film ist mir bis zum Ende etwas unklar. Während sie im Laufe des Films als Symbol für den übermäßigen Konsum und dessen Vertreibung steht, taucht sie bis zum Ende immer noch auf, ohne da noch eine großartige Bedeutung für die Handlung zu haben. Aber diese Unstimmigkeiten fügen sich trotzdem irgendwie in das große Ganze ein und stören nicht.
Dazu werden sie zu sehr von ikonischen Szenen, Filmanspielungen, gut pointierten Witzen und eben der eigentlichen Botschaft des Films übertönt. So ist Greta Gerwigs Films einer derjenigen, die man wohl ein paar Mal sehen muss, ehe man alle Anspielungen auch versteht und der doch der breiten Masse wichtige Themen vermittelt.
Und bitte Hollywood, um mich hier Randall Park anzuschließen: Der Erfolg des Films heißt nicht, dass wir mehr Filme über Spielzeug wollen, wie einen UNO Film, sondern mehr Filme von Frauen über Frauen. Mic Drop.

Das Fazit

Barbie triumphiert durch Nostalgie, Witz, ikonische Szene und das alles mit einer guten Portion Feminismus und zeigt, dass diese Themen duchaus für die breite Masse funktionieren. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Barbie läuft seit dem 20.07.2023 in den deutschen Kinos

Mission Impossible – Dead Reckoning 7.1

Ein Vorwort

Viel hat sich getan seit 1996 der erste Mission Impossible Film basierend auf den Fernsehserien Kobra übernehmen sie und In geheimer Mission auf der Kinoleinwand erschien. Das Franchise ist gewachsen und spätestens seit dem viertel Teil (Phantom Protokoll) verbesserten sich auch die Kritiken. Nun soll mit Dead Reckoning ein Film in zwei Teile aufgeteilt werden, was nur einem aktuellen Hollywoodtrend folgt. Doch geht die Rechnung auf?

Die Handlung

Der Test einer neuen Tarnkappentechnik an Bord eines russischen U-Bootes geht schief. Doch an Bord soll auch eine neue Superintelligenz gewesen sein. Um an diese zu kommen, benötigt es zwei Schlüssel, die nur zusammen funktionieren. Ethan Hunt (Tom Cruise) bekommt den Auftrag diese zu beschaffen, merkt aber schnell, dass es diesmal keinen klaren Gegner gibt. Als dann auch noch ein Phantom aus seiner Vergangenheit auftaucht, will er am liebsten sein Team abziehen und außer Gefahr bringen.

Meine Meinung

Bisher war die Mentalität der Mission Impossible Filme stets: Höher, größer weiter. Auf jeden atemraubenden Stunt von Tom Cruise musste noch ein weiterer folgen, der noch spektakulärer war. Das dieses Konzept irgendwann nicht mehr aufging, hat man an den Kritiken kaum gemerkt, denn gerade die Authentizität der Actionszenen war ein Merkmal des Franchises, die trotz mangelhafter Handlung stets begeistern konnte. Doch abseits davon gingen die Ideen aus. Im sechsten Teil musste schon der Antagonist wiederverwertet werden, da es an neuen Ideen mangelte. Stattdessen wurde die Maskentechnik einfach inflationär benutzt. Jeder bekam eine. Manchmal wurde auch eine Maske über der Maske getragen.
Nun sollte es nicht nur einen neuen Film geben, sondern mit Dead Reckoning wurde gleich angekündigt, dass es sich lediglich um den ersten Teil eines Zweiteilers handeln soll. Die Skepsis gerade meinerseits war groß. Würden sie genug Handlung haben, denn auch der Auftakt ist mit einer Laufzeit von 168 Minuten nicht gerade kurz geraten. Es passte alles in Schema des Größer, Höher, Weiter. Doch Dead Reckoning ist wohl die Überraschung des Sommers. Denn obwohl die Handlung für zwei Filme geschrieben wurde, ist er vor allem eins: Reduzierter. Alles, was in den letzten Teilen absolut überhandnahm, wurde zurückgeschraubt und herauskam ein solider Actionfilm, der sich des Erbes der Ursprungsserie würdig erweist und gleichzeitig wieder feinste handgemachte Action bietet.
Das beginnt damit, dass ein klares Ziel und ein nicht ganz so klarer Gegner geschaffen wurden, Die beiden Schlüssel finden und herausfinden, wer genau gegen einen spielt. Dabei ist die Enthüllung des Antagonisten nach der  Auftaktszene zwar nicht überraschend, aber doch erstaunlich erfrischend, zumal die logischen Schlüsse daraus gezogen wurden und gleichzeitig ist die Thematik erstaunlich aktuell, auch wenn dies durch die lange Produktionsphase des Films wohl nicht vorhersehbar war. Aber dadurch entstehen ganz neue Möglichkeiten und neue Schwierigkeiten.
Weiter geht es mit der Tatsache, dass die zwei größten Aktionszenen eine klassische Autoverfolgungsjagd und ein außer Kontrolle geratener Zug sind. Auch wenn es hier nicht ganz back to the roots heißt, sind doch viele altbekannte Motive eingebaut, die eigentlich völlig überholt wirken, aber doch wieder eine herrliche Anziehungskraft entwickelt haben. Das liegt daran, dass mit Hayley Atwells Charakter Grace eine neue Komponente eingeführt wurde, die wieder mehr an einen Jeremy Renner aus Phantom Protokoll erinnert und daher im guten Kontrast zu Rebecca Fergusons Ilsa Faust oder Vanessa Kirbys Alanna Mitsopolis steht, ohne dabei die Handlung zu sabotieren.
So entstanden Szenen, bei denen ich im Kino saß und mir dachte „Na klar, das machen die eh nicht, das wäre völlig vorhersehbar. Oh, sie haben es doch gemacht. Ja, aber das wird doch nicht darauf hinauslaufen … okay, doch“. Und genau das war das Faszinierende an dem Film. Er spielt mit Klischees und altbekannten Motiven, verpackt sie aber in eine moderne Handlung und schafft es so die Zuschauenden, die mit so etwas nicht mehr rechnen, zu überraschen und zu begeistern. Damit ist Dead Reckoning Part 1 wohl die Überraschung des Sommers, denn dass das Franchise nochmal so die Kurve bekommt, hätte ich nicht erwartet.

Das Fazit

Mission Impossible – Dead Reckoning 7.1 ist wohl die Überraschung des Sommers. Reduzierter, altbekannte Motive und doch durch den Kontrast zum sehr modernen Thema spannend, atemraubend und nimmt sich aber auch Zeit für Emotionen und auflockernde Witze. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Mission Impossible – Dead Reckoning 7.1 läuft seit dem 13.07.2023 in den deutschen Kinos

Elemental

Ein Vorwort

Nachdem Pixar sich mit Alles steht Kopf und Soul den Emotionen und der Seele gewidmet hat, wird es diesmal elementar. Wie daraus eine Analogie zu Fremdenfeindlichkeit werden kann, zeigt uns Elemental. Warum mir der Film gut gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

In Elemental City leben die vier Elemente harmonisch zusammen. Lediglich Feuer wird immer wieder ausgegrenzt, da es angeblich eine zu hohe Zerstörungsgewalt hätte. Ember Lumen träumt seit ihrer Kindheit davon den Laden ihres Vaters zu übernehmen. Bei einem Wasserschaden trifft sie durch Zufall auf den Wasserelementaren Wade Ripple, der als Inpektor für die Stadt arbeitet, findet leider bauliche Verstöße und will diese melden. Ember versucht alles, um den Laden ihres Vaters zu retten und kommt Wade dabei immer näher. Doch Feuer und Wasser, dass kann doch nicht funktionieren.

Meine Meinung

Auch wenn mir nur ungefähr die Hälfte der Pixar-Filme wirklich zusagt, bin ich doch bei jedem neuen Film gespannt. Und mit Alles steht Kopf konnte Pixar absolut mein Herz erobern. Ich liebe die Idee, die Umsetzung, die Botschaft, die Liebe zum Details und wie gut einfach das Gehirn und Emotionen erklärt werden konnten. Als mit Soul ein Film angekündigt wurde, der erneut in diese Richtung gehen sollte, aber sich statt mit den Emotionen mit der Seele befassen sollte, war ich sofort wieder dabei. Leider hat mich der Film entgegen der allgemeinen Meinung eher enttäuscht. Nun also Elemente.
Sah der Trailer noch nach einer klassischen Liebesgeschichte zwischen den Elementen aus, wo das einzige Problem ist, dass sich Elemente nicht vermischen, geht der fertige Film deutlich tiefer. Denn hier sind es nicht nur die Vorurteile der einzelnen Elemente gegeneinander, sondern Feuer wird deutlich ausgegrenzt. Als letztes Element, dass nach Elemental City zugewandert ist, ist die Stadt nicht auf ihre Bedürfnisse angepasst und potentiell lebensgefährlich. So haben sie sich ihr eigenes Viertel gebaut und werden komisch beäugt, wenn sie dieses  verlassen. Die Analogie zur Fremdenfeindlichkeit ist sehr gut gelungen und bricht die Probleme auf eine kindliche Erklärweise herunter, die aber auch für Erwachsene sehr gut funktioniert. Wie man sich in einem fremden Land zwischen Integration und Traditioneinhaltungen versucht einzufinden und was für eine Gemeinschaft dadurch entstehen kann.
Durch die Geschichte zwischen Ember und Wade wird deutlich, wie tief die Vorurteile auf beiden Seiten sind und was es braucht, um diese aufbrechen zu können. Dabei sehen wir zwar wesentlich weniger von der Stadt als in einem Zoomania, aber die wenigen Szenen beweisen wieder eine Liebe zum Detail, die auf jeden Fall mehrere Sichtungen braucht, um sie alle erfassen zu können. Die Reaktionen der Familien spiegeln Möglichkeiten wieder und zeigen, dass es ein Spektrum gibt.
Die Handlung ist sehr rund erzählt und an den verschiedenen Charakteren angepasst. Dabei ist kein Charakter zu klischeemäßig dargestellt, auch wenn gewisse Verallgemeinerungen durchaus gezeigt werden sollten. Einziger Kritikpunkt für mich war die Vorhersehbarkeit von Embers beruflichem Wunsch. Hier wurde leider wieder der übliche Weg eingeschlagen, statt es mal weniger offensichtlich zu machen.
Letztendlich wurde ich über die gesamte Spielzeit gut unterhalten, hatte ständig etwas neues zu entdecken, habe mit den Charakteren mitgefiebert und mich über eine Menge Ungerechtigkeiten aufgeregt. Aber genau deswegen ist der Film auch so wichtig. Weil uns dadurch noch einmal die Augen geöffnet werden kann und wir dadurch bestimmte Denkmuster vielleicht auch überdenken.

Das Fazit

Elemental zeigt in einer liebevoll gestalteten Analogie wie Fremdenfeindlichkeit in Form von Elementen aussehen kann. In einer runden Liebesgeschichte werden viele wichtige Themen angesprochen und bespaßt gleichzeitig Groß und Klein. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Elemental läuft seit dem 22.06.2023 in den deutschen Kinos

Oppenheimer

Ein Vorwort

Christopher Nolan ist eigentlich immer ein Garant für große Kinounterhaltung. An vielerlei Genres hat er sich schon ausprobiert, wobei Zeit ein sehr übergeordnetes Thema ist. Nun sollte also sein erstes Biopic starten. Und der Hype war bereits im Vorfeld riesig, zumal mit dem gemeinsamen Kinostart mit Barbie. Warum mich auch Nolans neustes Werk begeistern konnte, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Robert Oppenheimer, der Vater der Atombombe, wird nach dem Krieg in einem Ausschuss zu seiner Sicherheitsfreigabe mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Dabei geht es um seine Studienjahre, seinen Einsatz für das Manhattan-Projekt und der damit verbundenen Entwicklung der Atombombe.

Meine Meinung

Oppenheimer ist irgendwo ein typisches Biopic, weswegen es mir sehr schwer fiel eine Handlungszusammenfassung zu schreiben, die Lust macht, den Film zu sehen. Dabei gibt es wohl zwei ausschlaggebende Punkte. Zum einen ist die Figur Oppenheimer schon sehr kontrovers, seinen Einsatz für die Atombombe und die Entwicklung danach. Zum anderen ist Christopher Nolan eigentlich immer einen Blick wert. Ein Biopic über 180 Minuten war dann aber auch wieder eine Nachricht, die ich erstmal verdauen musste. Doch Nolan zeigt: Jede Minute war notwendig.
So beginnt der Film mit den Studienjahren Oppenheimers. Hier rast der Film einmal quer durch Europa, verschiedene Unis, verschiedene Städte, allerlei Bekanntschaften. Dachte man noch, dass die Hektik gar nicht notwendig war, denn es waren ja 180 Minuten Laufzeit, beweist Nolan, dass tatsächlich hinten raus jede Minute benötigt wird. Nach der Einführung des Charakters, wechseln wir schnell in den Kriegszustand und von da aus, dann zügig zum Manhattan-Projekt. Dies nimmt einen Großteil des Films ein und ab hier scheint alles auf den finalen Test hinauszulaufen. Nur, dass hinterher noch eine gute Stunde Laufzeit übrig war. Doch auch dies weiß Nolan zu nutzen und dreht die Stimmung des Films zu einem Gerichtsdrama, nur ohne Gericht. Und hier zeigte sich dann auch, warum es so wichtig war, sehr bekannte und vor allem markante Gesichter für die einzelnen Rollen zu nehmen. Denn bei der Fülle an Personen, die teilweise auch nur sehr kurze Auftritte hatten, konnte sich wohl keiner die ganzen Namen merken. Aber wenn beispielsweise ein Rami Malek zunächst nur eine Randfigur ist, dann erkennt man ihn später doch nochmal wieder.
Nach dem sehr übereilten Auftakt, nimmt sich der Film dann auch die benötigte Zeit, um die Geschichte zu erzählen. Und hier wird es wichtig, dass man von der aufgebauten Atmosphäre komplett eingesaugt wird. Denn dann entwickelt der Film einen Sog, dem man kaum widerstehen kann. Weiter und immer weiter, Entwicklung über Entwicklung, Fortschritt, Rückschlag, alles prasselt auf einen ein. Und trotz des bildgewaltigem Wettlauf mit der Zeit, kommen am Rand immer wieder die Zweifel durch. Warum wurde das Projekt durchgezogen, wie viele bewusste Fehlinformationen gab es?
Hierauf wird im letzten Drittel noch einmal genauer eingegangen. Denn wenn die Zuschauendenden anfangen sich zurückzulehnen, weil das „Schauspiel“ vorbei ist, bombardiert Nolan einem mit genau dem. Dem Gewissen. Dem, was haben wir getan und was werden wir vielleicht noch tun. Oppenheimers Perspektive, aber auch die seiner Mitarbeitenden. Und dann artet es aus irgendeinem Grund in einen Politthriller aus, was aber, wenn man in der Atmosphäre des Films gefangen ist, weiterhin erstaunlich gut funktioniert.
Einziger Kritikpunkt meinerseits an den Film ist, dass Nolan wieder einmal darauf verzichetet Jahreszahlen einzublenden. Zwar versucht er durch bestimmte Erwähnungen von historischen Ereignissen einem eine ungefähre Richtung zu geben, dennoch war es teilweise schwer zu folgen, gerade, wenn in der Zeit gesprungen wurde.
Über die Optik muss ich glaub ich gar nicht viel erzählen, die Trailer boten einen guten Einblick in die tollen Bilder, die Nolan zaubert. Seine Entscheidung kaum CGI zu nutzen und viele praktische Effekte umzusetzen, zeigt wieder einmal wie weit seine Liebe zum Film geht und wie viel heuzutage auch ohne den Computer möglich ist.
Mit Cillian Murphy als Hauptdarsteller hat Nolan castingtechnisch alles richtig gemacht. Er trägt den Film vollumfänglich auf seinen – für den Film doch sehr schmal gewordenen – Schultern. Doch auch der übrige Cast kann sich sehen lassen. Nolan versammelt einmal mehr ein Who is Who in Hollywood und schafft es auch namenhafte Schauspielende für kurze Auftritte zu gewinnen, so dass das Erkennen auch noch im fortgeschrittenen Film Spaß macht.

Das Fazit

Oppenheimer ist Nolans neustes Meisterwerk und bietet alles, was ein Biopic braucht und darüber hinaus. Atemraubende Atmosphäre, fantastische Bilder, namenhafter Cast und keine Minute der drei Stunden Lauflänge war zu viel. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Oppenheimer läuft seit dem 20.07.2023 in den deutschen Kinos

Eine Handvoll Serien – 04/23 – K-Drama Special

Herzlich Willkommen zur vierten Handvoll Serien in diesem Jahr. Und dem zweiten K-Drama Special in diesem Jahr! Heute mit: einem sexy Mathelehrer, Intrigen im Krankenhaus, einer Gewichthebenden Fee, einer Welt voller Magie und ein Katz und Maus Spiel mit CEO.

Crash Course in Romance

Die Handlung: Choi Chi-Yeol ist ein berühmter Mathelehrer und seine Privatkurse sind heiß umkämpft. Nam Haeng-Seon hat einen Banchan-Laden und versucht für ihre Nichte die beste Schulbildung rauszuholen. Doch als sie für sie einen Platz bei Chi-Yeol erkämpft, hat sie keine Ahnung, dass dieser kurz darauf ihr Herz erobert. 

Meine Meinung: Nach der Beschreibung hatte ich eigentlich wenig Lust auf die Serie, zumal ich mir nicht vorstellen konnte, dass Mathelehrer attraktiv sein konnten. Außer natürlich sie werden von Jung Kyun-Ho gespielt, was für mich auch den Ausschlag gab, der Serie eine Chance zu geben. Und spätestens nach der ersten Folge, in der ein Werbespot für die Mathekurse an eine berühmte Szene aus Kingsman aber mit mathematischen Gleichungen angelegt wurde, war ich der Serie verfallen. Sie war wunderbar witzig, charmant, hatte eine tolle Liebesgeschichte und schafft es dennoch viele kritische Töne am Privatschulensystem Koreas durchsickern zu lassen. Die Kriminalgeschichte im Hintergrund hätte es gar nicht benötigt, aber sie gab der Serie noch einmal einen spannenden Kick, so dass es schwierig war nach den Folgen aufzuhören. Zwischendurch war es mir fast ein bisschen zu viel Drama, aber danach gab es das wieder in guten Dosen. Vor allem mochte ich aber Haeng-Seons unerschüttliches gutes Gemüt. Ihre Positivität, wie sie die Familie durch alle Krisen führt und trotzdem freundlich zu allen ist und das Leben genießt.

Doctor Stranger

Die Handlung: Park Hun (Lee Jong-Suk) und sein Vater werden nach einem politischen Komplott in Nordkorea eingeschleust und hinterher nicht wieder rausgelassen. Jahre später und nach einer spektakulären Flucht durch Budapest, wo er seine Verlobte gestorben glaubte, betreibt er eine kleine Klinik, die sich auf Banden und ähnliches spezialisiert hat. Da bekommt er das Angebot an einer renommierten Klinik zu arbeiten und gerät in einen Wettstreit mit einem Chirurgen darum, wer den erkrankten Ministerpräsidenten operieren darf. Noch ahnt Hun nicht, dass eben jeder vor all den Jahren dafür sorgte, dass er Nordkorea nie wieder verlassen sollte.

Meine Meinung: Nach W und Pinocchio, welche ich beide sehr mochte, versuchte ich mich an einer dritten Serie mit Lee Jong-Suk. Leider war diese ein ziemlicher Reinfall. Eigentlich klang sie sehr spannend. Ein bisschen Krankenhausdrama, ein bisschen mehr Einsicht in das angespannte Verhältnis mit Nordkorea und darüber hinaus noch eine Liebesgeschichte. Leider braucht die Serie schon sehr lang, um sich überhaupt in Position zu bringen, hat am Anfang schon so viel Drama, dass die Charaktere schon absolut gebrochen sein müssten. Doch irgendwie schaffen die Handlungsstränge es sich im Krankenhaus zu treffen. Dort ufert die Handlung dann aber vollends aus und dreht sich immer wieder im Kreis, um den Wettstreit, wer den Ministerpräsidenten operieren darf. Während sich die Handlung einfach nur komplett zieht und ich irgendwann aufgehört habe, wie oft Park Hun das Krankenhaus verlassen hat, nur um dann doch weiter zu arbeiten, wirkt das Ende seltsam gehetzt. Große Handlungsstränge, die ewig aufgebaut wurden, fallen innerhalb weniger Minuten in sich zusammen. Leider eine große Enttäuschung.

Weightlifting Fairy Kim Bok-Joo

Die Handlung: Kim Bok-Joo (Lee Song-Kyung) studiert an einer Sportuniversität mit Schwerpunkt Gewichtheben. Dabei trifft sie auf Jung Joon-Hyung (Nam Joo-Hyuk), einem Schwimmer, den sie aus der Grundschule kennt. Doch Bok-Joo schwärmt für dessen Cousin, dem sie jedoch nur durch seinen Job näher zu kommen glaubt. Allerdings ist Jae-I (Lee Jae-Yoon) Arzt, spezialisiert auf Diäten.

Meine Meinung: Ein K-Drama, bei dem ich die Endwertung sehr schwierig finde. Denn ich glaube kaum eins hat mich so zwiegespalten zurückgelassen. Fangen wir mit den positiven Seiten an. Zum einen finde ich es absolut großartig, dass die Protagonistin Gewichtheberin ist. Also eigentlich eine Sportart ausübt, die als absolut unfeminin angesehen wird. Diese Aspekte werden auch regelmäßig besprochen, so zum Beispiel im Zuge der Besuche in der Diätklinik, dass Bok-Joo eigentlich gar kein Fett hat, sondern viele Muskeln, diese aber dennoch schwer aussehen. Und auch die Schwierigkeiten beim Verlieben, wenn man ein schwieriges Selbstbild hat. Das habe ich alles sehr an der Serie geliebt, weil es von vielen Klischees Abstand nimmt und andere widerum bewusst einsetzt. Schwierig fand ich hingegen den Love interest. Seine Geschichte wird erst groß aufgebaut und am Ende eher vergessen als wirklich aufgelöst. Allerdings wird er halt auch immer wieder wie der nette Typ dargestellt, damit sich unsere Prota in ihn verlieben kann, dabei geht er aber sehr übergriffig vor. Bis zum Ende nennt er sie Moppi, obwohl sie ihn mehrfach gebeten hat, es zu lassen. Immer wieder dringt er ungefragt in ihre Privatssphäre ein, ganz nach dem Motto, wenn ich nur beharrlich genug  dran bleibe, mag sie mich vielleicht irgendwann. Dadurch fiel es mir schwer, die Liebesgeschichte der beiden zu mögen, auch wenn der Rest drumrum wirklich gut war. Wichtige Themen, tolle Charaktere (mit Ausnahmen) und dazu auch noch witzig. Wie gesagt, ich bin zwiegespalten bei der Serie.

Business Proposal

Die Handlung: Shin Ha-Ri mag ihren Job als Food Specialist bei einer großen Firma für Tiefkühlgerichte. Doch als ihre beste Freundin sie bittet für sie zum Blind Date zu gehen und den Typen zu vergraulen, den ihr Vater für sie ausgesucht hat, ahnt Ha-Ri nicht, dass es sich dabei um den CEO der Firma handelt, für die sie arbeitet. Und dass er sie trotz des desaströsen ersten Dates direkt heiraten will.

Meine Meinung: Wüsste ich nicht inzwischen, dass man manchen K-Dramen mehr als eine Folge lang eine Chance geben müsste, ich hätte nie weitergeschaut. Die erste Folge war sehr cringe und voller Fremdschämpotential. Aber hätte ich da abgebrochen, wäre mir ein wahnsinnig witziges Drama entgangen. Das Katz und Maus Spiel zieht sich in manchmal geänderter Besetzung durch die ganze Serie und schafft immer wieder Situationen, in denen ich einfach nur am Boden lag vor Lachen. Es waren aber auch tolle Charaktere, bei denen ich vielleicht ein paar Folgen brauchte, um sie lieben zu lernen, aber im Großen und Ganzen waren sie alle irgendwie liebeswert. Das Ende hat dem ganzen dann einen kleinen Dämpfer verpasst, dass hätte es so nicht gebraucht, aber das ist eigentlich Jammern auf hohem Niveau. Auf jeden Fall eine Empfehlung und bitte lasst euch nicht von der ersten Folge abschrecken!

Alchemy of Souls

Die Handlung: Die mächtige Magierin Naksu (Jung So-Min) führt, um zu überleben, die verbotene Magie der Seelen durch. Dabei gelangt ihre Seele in den Körper des blinden Mädchens Mu-Deok. In dieser Form trifft sie auf einen mächtigen Erben einer Magierlinie Jang Uk (Lee Jae-Wook). Dieser ist aufgrund eines Geheimnisses um seine Geburt von den Lehren ausgeschlossen, auch wenn er enge Beziehungen zu den Anführern hegt. Mu-Deok wird zunächst seine Dienerin, doch bald stellt er fest, dass sie seine größte Chance ist, um sein verschlossenes Energieportal öffnen zu lassen.

Meine Meinung: Ein Drama, bei dem ich überlegt habe, ob es einen eigenen Beitrag braucht, um alles richtig zu verarbeiten. Aber ich versuche einfach mich kurzzufassen. Der Hype um die Serie war groß, so dass sie sogar in zwei Teile unterteilt und mit Pause ausgestrahlt wurde. Unterschied Nummer eins zu den Dramen, die ich sonst schaue, dürfte die Fantasywelt sein. Also ist es diesmal nicht urban mit Fantasyelementen, sondern wir lernen eine komplett neue Welt kennen. Der Weltenbau funktioniert gut und es gibt ein spannendes Magiesystem, über das man immer mehr lernt. Dadurch entstehen aber auch eine Vielzahl an Charakteren, die man sich erstmal merken muss, was nach einer Weile aber auch gut funktioniert (auch wenn ich mir nicht unbedingt alle Namen merken konnte).
Teil 1 der Serie beginnt sehr spannend und hält das Niveau auch ziemlich gut. Viel Weltenbau, aber immer in Dosen, so dass es nie zu viel wird. Die Geschichte von Jang Uk und Mu-Deok ist herrlich witzig am Anfang, wird immer dramatischer und schafft es den Umschwung zur Liebesgeschichte und dennoch die anderen Elemente nicht zu vernachlässigen. Auf jede neue Folge habe ich mich gefreut und einfach mit allen mitgelitten, gebangt, mich gefreut, gelacht und einfach alle Emotionen im Wechselbad der Gefühle durchlebt. Gegen Ende der zwanzig Folgen, die zu Teil 1 gehörten, merkte man schon, dass sie theoretisch genug Zeit hatten, um die Geschichte zu einem guten Ende zu bringen, sich dann aber dagegen entschieden haben und lieber alle mit nem riesigen Cliffhanger zurückgelassen haben.
In Teil 2 mit noch einmal zehn Folgen bin ich bis zum Schluss nicht wirklich reingekommen. Die Geschichte spielt ein paar Jahre später und zunächst lernen wir erst einmal, was mit allen Charakteren in der Zwischenzeit passiert ist und das war schon sehr deprimierend. Allgemein ist der zweite Teil sehr düster und niederschlagend. Es fehlen die witzigen Momente, die alles etwas auflockern, auch wenn zwischendurch versucht wurde, welche einzubringen. Aber die Chemie zwischen den beiden Protagonist*innen besteht einfach nicht mehr, zumal hier auch die Schauspielerin gewechselt wurde. Letztlich war der zweite Teil eher enttäuschend. Es hätte alles schon im ersten Teil gelöst werden können, es war einfach nur künstlich gestreckt.

Habt ihr eins davon gesehen? Wie haben sie euch gefallen?

Heimwärts

Ein Vorwort

Ich liebe die Bücher von Kate Morton, seit ich durch Zufall über „Die fernen Stunden“ gestolpert bin. Ein ums andere Mal konnte sie mich verzaubern, in den Bann ziehen und aus der Realität entfernen. Mit Heimwärts ist der Name Programm, denn Morton holt uns in ihre eigene Heimat Australien. Wie mir die Reise nach Down Under gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

1959 findet ein Reisender die Familie Turner nach einem Picknick am Fluss tot auf. Das Geschehene erschüttert den beschaulichen Ort Tambilla. 2018 kehrt Jess von London nach Sydney zurück, da ihre Großmutter Nora gestürzt ist. Im Krankenhaus scheint Nora verwirrt zu sein und Angst zu haben, dass man ihr ihr Baby wegnähme. Jess versucht die Ursache herauszufinden und stößt auf ein altes Familiengeheimnis.

Meine Meinung

Die Verbindung zu Kate Mortons Heimat Australien war auch bereits in früheren Werken mal Thema, dennoch spielten ihre Bücher bisher eher in Großbritannien, Mortons Wahlheimat. Doch durch die Corona Pandemie zog sie mit ihrer Familie zurück nach Australien. Diesen Aufbruch zu den Wurzeln hat sie in ihrem neuen Werk verarbeitet. Und das dieser Roman in schweren Zeiten geschrieben wurde, merkt man ihm durchaus an, schwingt doch überall eine gewisse Schwere mit.
Das Problem mit Werken von Lieblingsautor*innen ist, dass die Erwartungen unglaublich groß sind. Und auch wenn im Nachhinein betrachtet mir auch nicht jedes vorherige Werk so gut gefallen hat, wie „Die fernen Stunden“, so hatte ich dennoch mit Heimwärts zunächst größere Probleme. Ich bin einfach nicht in die Geschichte reingekommen. Das liegt allerdings nicht an unserer Protagonistin, denn mit Jess bin ich sehr schnell warm geworden. Noch in Großbritannien fand ich sie mit der gescheiterten Beziehung etwas klischeebeladen, aber sobald sie in Australien agiert, mochte ich sie sehr.
Mein Problem an der Geschichte liegt wohl eher am Buch im Buch. Denn die Geschehnisse aus dem Jahr 1959 wurden hier nicht lebendig als Rückblenden erzählt, sondern in Form eines eigenen Buches von einem fiktiven Journalisten geschrieben. Ich verstehe, warum dies genutzt wurde, aber die Distanz, die dadurch geschaffen wurde, ist beim Lesen sehr kontraproduktiv. Ich habe mich ertappt, wie ich am Beginn eines solchen Kapitels nachgeschaut habe, wann es wieder ein „normales“ Kapitel gibt. Dadurch, dass es aus Sicht eines Außenstehenden erzählt wurde, hatten wir natürlich einen sehr unzuverlässigen Erzähler, wobei die Wendungen und Enthüllungen am Ende des Buches (für mich) unvorhersehbar waren, aber der Preis dafür war, dass es mich kaum noch interessiert hat.
In Heimwärts befasst sich Kate Morton viel mit dem Thema Familie und Identität und was die beiden miteinander zu tun haben. Das fand ich sehr interessant umgesetzt, zumal sich das Motiv über drei Generationen hinweggezogen hat. Dennoch schien Morton hier immer wieder abzuschweifen und trotz einer Dicke von fast 700 Seiten, wurden nicht alle Fäden final dem Roten hinzugefügt.
Was Heimwärts auf jeden Fall bietet ist Mortons toller Schreibstil, den ich immer wieder bewundere, eine Handlung mit spannenden Enthüllungen am Ende und vor allem eine wunderbare Beschreibung von Australien im Sommer. Vor allem South Australia wurde hier gut eingefangen und der für uns merkwürdige Kontrast von heißem Sommer und Weihnachten zeigte deutlich die andere Realität in Down Under. Dabei fühlte man sich stets in der Ferne, ohne die gängigen Klischees über Australien einbauen zu müssen.
So war Heimwärts in seiner Gesamtheit auf jeden Fall ein starkes Buch und ohne Vorwissen zu Mortons anderen Werken hätte es mir wohl wesentlich besser gefallen. Nur im Vergleich zu ihren anderen Werken kann es einfach nicht final mithalten.

Das Fazit

Heimwärts bietet eine fantastische Reise ins sommerliche Australien, mit den Morton typischen Wendungen, einer tollen Protagonistin, alles durchzogen von einer gewissen Melancholie. Durch das Buch im Buch wird der Erzählfluss regelmäßig gestoppt, was ein wenig störend ist. Trotz kleinerer Stolperer war es wieder ein sehr starkes Buch, das lediglich im Schatten der bisherigen Werke der Autorin steht.

Heimwärts wurde mir von Heyne als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.