Thunderbolts*

Ein Vorwort

Das MCU war eigentlich abgeschrieben. Nach der grandiosen Phase Drei, kam der tiefe Fall in Phase Vier, wo es kein richtiges Highlight mehr gab und ein enttäuschender Film folgte auf den anderen. Die fünfte Phase sollte nun alles wieder richten, dafür wurden auf frühere Steckenpferde gesetzt, wie Guardians oft he Galaxy oder Deadpool. Selbst ein Urgestein – Captain America – konnte einfach nur noch enttäuschen. Das es dann ausgerechnet die Charakter-Resterampe Thunderbolts nun richten könnte, konnte keiner ahnen. Warum auch mich der Film aber überzeugen konnte, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Der Filmtitel als Fanart arrangiert auf einer Filmklappe mit der Kinokarte

Die Handlung

Yelena ist eigentlich tief in einer Depression und ringt mit der Einsamkeit. Um sich damit nicht auseinander zu setzen, nimmt sie immer mehr Aufträge der zwielichtigen CIA-Direktorin Valentina Allegra de Fontaine. Doch bei einem Auftrag trifft sie auf Ghost, Taskmaster, John Walker und Bob. Während die Ersteren jeweils auf einen der anderen angesetzt wurde, ist es vorallem die Anwesenheit von Bob, die alle irritiert. Sie finden heraus, dass sie alle auf irgendeine Art von Valentina belogen und in eine Falle gelockt wurden. Widerwillig müssen sie zusammen arbeiten.

Meine Meinung

Irgendwie habe ich die Marvel Filme nur noch aus Gewohnheit geschaut. Schon lange freue ich mich nicht mehr darauf und Erwartungen habe ich auch keine mehr. So war es auch bei den Thunderbolts. Schon der Trailer zeigte die Auswahl an Charakteren und es wirkte stark nach dem Motto „Wen haben wir noch nicht komplett verbraten?“ Während Yelena aus Black Widow und Hawkeye zumindest noch mit einem halbwegs etablierten Charakter aufwarten konnte, hatten wir dann auch Ghost aus Ant-Man and the WASP, an die sich kaum noch jemand erinnert hat, den Red Guardian, der auch irgendwie in Black Widow nur der lustige Sidekick war und dann auch noch John Walker aus Falcon and the Winter Soldier, also ein Charakter, der schon der Serie super nervig war und ich mich sehr freute, ihn nicht nochmal sehen zu müssen. Aber zu früh gefreut. Achja, vergessen wir nicht Bucky, der zwar im halben MCU anwesend war, aber irgendwie immer noch keinen richtigen Platz hat und gern immer wieder eingesetzt wird. Jetzt halt als Senator und nicht mehr als Winter Soldier. Oh und Bob. Aber zu Bob kann ich nicht so viel sagen, außer: ich bin ein großer Fan von Bob.
Mit den schlechtesten Grundvoraussetzungen, ging ich also in den Film und war schon von der Anfangssequenz um Yelena sehr begeistert. Hier wurde kein großes Actionbattle aufgemacht, sondern herrliche selbstironische Kämpfe, die auch gleich den Grundton des Films zeigen. Denn statt eines weiteren patriotischen „Wir müssen die Welt retten“ Film, bekommen wir hier sehr verletzliche Held*innen. Charaktere mit Tiefgang, die sich alle mit sich selbst auseinandersetzen müssen. Wir bekommen Themen, wie Depression, Einsamkeit und allgemein mentale Gesundheit. Unterbrochen werden die ernsten Themen von gut choreographierten Kämpfen und dem typischen Marvelhumor, der solange fehlte. Keine platten Gags, sondern Witze, die aus den Schlagabtauschen der Charaktere basieren.
Während die Story am Anfang ziemlich nach Schema F konstruiert wirkt, zeigt sich gerade im großen Finale, dass hier eine Menge an Einfallsreichtum genutzt wurde, um eben mal nicht die große Endschlacht im eigentlichen Sinne zu führen. Auch hier zeigte sich wieder, dass gut geschriebene Charaktere deutlich mehr Wert sind, als viele Effekte übereinander zu legen. Und so kann dieser kleine Film, der eigentlich im Schatten vom groß angekündigten Captain America 4 stehen sollte, überzeugen und macht doch wieder Lust auf mehr aus dem Hause Marvel. Zumindest wenn weiter den neueren Ideen Platz gegeben wird.

Das Fazit

Thunderbolts* ist endlich mal wieder ein gut funktionierender Film aus dem Hause Marvel, der sich traut vom bekannten Schema abzuweichen und auch einfach mal nachdenklicher zu sein, statt reiner Actionpathos. Damit allein rettet es vielleicht nicht das MCU, macht aber Hoffnung auf die Zukunft. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Thunderbolts* läuft seit dem 01.05.2025 in den deutschen Kinos

Jurassic World 4 – Die Wiedergeburt

Ein Vorwort

Nach dem enttäuschenden dritten Teil der Jurassic World Reihe 2022 hatte ich eigentlich mit dem Franchise abgeschlossen. Habe mich lieber dem Original – sprich dem Buch von Michael Crichton – zugewandt. Doch dann kam der Trailer zu Die Wiedergeburt und allein der Cast hatte mich komplett überzeugt. Doch auch die Geschichte klang neuartig genug und die gezeigten Szenen sagten mir auch sehr zu. So gab ich dem Ganzen noch eine Chance. Warum hier nicht alles gut, aber bei weitem besser ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Der Titel als Fanart vor einer Filmklappe umgeben von Dinosaurier-Plüschtieren und einer Velociraptorkralle

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

Kurz zusammenfassen werde ich nur die Filme der Jurassic World Reihe. Die Filme der Jurassic Park Reihe sind eine gute Ergänzung dazu und hilfreich vorher gesehen zu haben.

In Jurassic World erlebten wir den neu gebauten Freizeitpark Jurassic World. Alles ein bisschen neuer und ein bisschen moderner als der frühere Jurassic Park. Wie schon früher gab es einige freilaufende Dinos und die fleischfressenden waren natürlich gut weggesperrt. Als von Leiterin Claire die Neffen Gray und Zach den Park besuchen, hat sie leider nicht so viel Zeit, wie sie gerne hätte. Denn soeben haben sie einen ganz neuen Dino gezüchtet, den Indominus Rex. Gepaart mit einigen verschiedenen Lebensformen und einer hohen Portion an Intelligenz, hält der Indominus Rex leider so gar nichts von Käfigen. Nun muss Claire nicht nur ihre Neffen retten, sondern auch den Park evakuieren. Ihr zur Seite steht Owen.
Drei Jahre nach Schließung von Jurassic World droht der Vulkan auf der Isla Nubla auszubrechen und alle noch dort lebenden Dinos unter einer Lavaschicht zu begraben. Während der Kongress noch über das Für und Wider diskutiert, bekommt Claire ein Angebot von Eli Mills. Dieser verwaltet Sir Benjamin Lockwoods Vermächtnis und bietet Claire eine neue Zufluchtsstelle für die Dinos. Doch einmal auf der Insel angekommen, arbeiten Mills Einsatztruppen gegen Claire und Owen. Die Dinos werden auf Lockwood Manor gebracht, wo (wieder einmal) ein Überdino gezüchtet wird. Claire und Owen müssen erkennen, dass die Dinos für eine private Auktion vorbereitet werden. Zeitgleich lernen sie Masie kennen, um deren Existenz ebenfalls ein großes Geheimnis gemacht wird. Es stellt sich heraus, dass Masie ebenfalls wie die Dinos aus einem Stück DNA geschaffen wurde. Am Ende drohen alle Dinos durch Cyanwasserstoff zu ersticken und Claire entscheidet sich schweren Herzens dafür. Doch Masie bringt es nicht übers Herz und lässt die Dinos frei. Fortan leben diese in freier Wildbahn.
Vier Jahre später wird Maisie entführt und Owen und Claire machen sich auf die Verfolgung. Dabei landen sie in einem Biosyn Reservat, das eigentlich für den Schutz der freilebenden Dinos steht. Doch auch die frühere Gruppe (Jurassic Park) um Ian Malcolm, Ellie Sattler und Alan Grant hat sich hier eingefunden, da sie genveränderten Heuschrecken gefolgt sind. Zusammen finden sie heraus, dass Biosyn die Landwirtschaft kontrollieren wollte, dabei einen Fehler begangen hat. Durch Maisie wollen sie diesen rückgängig machen. Doch die fünf Erwachsenen bringen sie unter ihre Fittiche und versuchen zu fliehen, wobei sie sich mehreren Begegnungen mit den Dinos stellen müssen. Letztlich können sie entkommen und Owen, Claire und Maisie leben wieder friedlich in ihrer Abgeschiedenheit und die Heuschreckenplage kann eingeschränkt werden.

Die Handlung

Die letzten überlebenden Dinosaurier haben sich in ein Gebiet rund um den Äquator zurückgezogen, für die fortan ein Reiseverbot herrscht. Martin Krebs engagiert eine Gruppe von Söldner*innen und den Wissenschaftler Dr. Henry Loomis, um von den drei größten Spezies zu Wasser, Land und Luft Proben zu entnehmen. Damit will er ein Medikament gegen Krebs entwickeln lassen. Auf der Reise begegnene sie einer Schiffsbrüchigen Familie und jeder Menge unvorhergesehener Gefahren.

Meine Meinung

Eigentlich bin ich sehr leicht glücklich zu machen. Ein Film mit Dinosauriern? Ich bin sofort dabei und im Kino anzutreffen. Doch die immer schlechter werdenden Handlungen der Reihe, hat mich dann doch so sehr abgeschreckt, dass ich mit dem Franchise abgeschlossen hatte. Ich meine, im ersten Jurassic Park gab es irgendwo noch diesen Wow-Effekt, auch wenn „nur“ ein Langhals zu sehen war, der mit dem Kopf zu den in den Baumkronen ausharrenden Charakteren kam. Von diesem Effekt sind wir leider schon lange weg, weswegen sich immer mehr auf die Fleischfresser und die Jagd konzentriert wurde. Doch eine Scarlet Johansson, ein Mahershala Ali und obendrauf noch einen Jonathan Bailey? Ich war wirklich wieder angetan und gespannt, was die Wiedergeburt mit dem Franchise anstellt. Und dann sah die Handlung auch noch halbwegs spannend aus.
Aber zurück auf Anfang. Zunächst bekommen wir eine kurze Vorgeschichte, um die Existenz einer neuen Insel einzubringen, mit – ihr ahnt es schon – neuen und nochmal gefährlicheren Dinos. Zeitsprung in die Gegenwart. Die Dinos, die im dritten Teil entkommen sind, kamen mit dem heutigen Klima nicht zurecht und sind am Aussterben. Durchaus logisch und nachvollziehbar, aber auch ein guter Trick, um die Auswirkungen der bisherigen Filme einfach einzudämmen. Aber die ein oder andere Konstante gibt es dann doch, denn mal wieder gibt es ein Biotech-Unternehmen, das die Dinos nutzen will. Diesmal wenigstens für ein Medikament gegen Krebs – und keine Angst, im Laufe des Films gibt es noch Platz für Diskussionen über die Pharmaindustrie. Dafür brauchen sie aber die DNA von drei ganz bestimmten Dinos. Diese leben noch in einem Gebiet rund um den Äquator. Und ganz praktisch ist mindestens eins davon mit einem Tracker ausgestattet. Schnell noch einen Wissenschaftler und ein Söldner-Team angeheuert und schon geht es los. 
Aber die großen und weiterentwickelten Dinos reichen nicht so richtig für eine vollständige Handlung und die abgebrühten Söldner*innen bieten zwar auch Platz für tolle Charaktere, witzige Dialoge und ausgeklügelte Actionszenen. Aber aus irgendeinem Grund mussten noch ein paar Leute mit in den Film, die wirklich schreiend vor den Dinos wegrennen. Also kommt schnell noch eine schiffsbrüchige Familie dazu, die auf das andere Team trifft und dann irgendwie mittendrin ist in ihrem ganz persönlichen Albtraum. 
Und so haben wir zwei Geschichten, die teilweise parallel erzählt werden und teilweise zusammen treffen. Ob wir diesen zweiten Handlungsstrang wirklich gebraucht hätten, sei mal da hingestellt, aber zumindest bekommen wir mit Familie Delgado und einem T-Rex eine ikonische Szene aus dem Buch, die bisher so noch nicht umgesetzt wurde. 
Aber grundsätzlich bleibt zu sagen: Die Wiedergeburt ist wirklich spannend. Hier wurde zwar auch klar mehr auf die Actionszenen als auf die Wow-Szenen gesetzt, aber ich war die komplette Laufzeit von 134 Minuten im Film drin und wollte immer wissen, was als nächstes passierte. Auch als am Ende … nun nicht wirklich hübsche Dinos aufgetaucht sind. Wer auch immer den D-Rex entworfen hat und einfach T-Rex mit Elementen aus Alien und Star Wars gekreuzt hat, hat eigentlich gute Franchises aufgegriffen dafür, aber das Ergebnis ist leider einfach nur hässlich. Und damit halt auch irgendwie gar nicht mehr beeindruckend. Aber ein T-Rex reicht dem Publikum wohl nicht mehr – womit sich schon eine Theorie aus dem ersten Jurassic World Film bewahrheitet hat. 
Darüber hinaus bietet der Film aber neben der Action und den Dinos auch genau die richtige Mischung zwischen Ernst und Humor, sodass der Einfluss der Pharmaindustrie oder Verluste im Team auch gut dargestellt werden, der Tonfall des Films ist aber generell eher locker, was gerade mit Scarlett Johanssons Charakter wunderbar funktioniert. 
So ist die Wiedergeburt bestimmt kein perfekter Film, aber er macht Spaß, und lohnt sich definitiv im Kino zu erleben. Ob das Franchise nun zwangläufig weiterlaufen muss, sei mal dahingestellt, aber wenn noch ein Film mit einer etwas erfrischerenden Idee, wie hier, erscheint, wäre ich nicht mehr komplett abgeneigt.

Das Fazit

Jurassic World – die Wiedergeburt erfindet das Franchise nicht neu, bringt aber einen erfrischenden Wind rein, mit einer durchdachten Handlung, tollen Charakteren, einer guten Portion Witz und gut gemachter Action. Lediglich an der Optik einiger Dinos sollte nochmal gefeilt werden. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Jurassic World – die Wiedergeburt läuft seit dem 03.07.2025 in den deutschen Kinos

Eine Handvoll Bücher (oder mehr) – 03/25 – Pride Month Special

Es ist Juni und damit Pride Month.
Bedeutet, dass jedes Jahr im Juni die LGBTQIAP+ Gemeinde zu verschiedenen Veranstaltungen, inkl. dem Christopher Street Day, aufruft und so für ihren Kampf auf Gleichberechtigung aufmerksam macht. Beginnend waren die Stonewall Unruhen von 1969, die als Beginn des Kampfes für Rechte und Gleichberechtigung angesehen wird. Wir haben seitdem einen wunderbaren Wandel in vielen Ländern erlebt, aber noch immer sind wir weit von realer Gleichberechtigung entfernt und entfernen uns Tag für Tag mehr davon. Der Rechtsruck lässt Schutzräume kleiner werden und stärkt den Hass.
In diesem Beitrag soll es um ein paar Lesetipps gehen, die sich mit LGBTQIAP+ befassen. Es handelt sich lediglich um eine kleine Auswahl, gerne könnt ihr mit eure liebsten Bücher zu diesem Thema nennen.

Die im Beitrag erwähnten Bücher arrangiert vor einem Bücherregal mit einem Herz darüber in Regenbogenfarben

Sturmflirren

Die Handlung: Rea hat eigentlich alles, was sie braucht. Bis ihr Vater eine Stelle als Diplomat in Qatar bekommt. Den Umzug nach Doha steckt sie überhaupt nicht gut weg und kann sich weder an das Wüstenklima noch die andere Kultur gewöhnen. Bis sie ein geheimnisvolles Phantom trifft und mit einer neuen Freundin bei illegalen Autorennen in der Wüste dabei ist.

Warum das Buch so wichtig ist: Ich habe dieses Buch bewusst an erste Stelle gesetzt, auch wenn ich jedes Einzelne unfassbar gut und wichtig finde, so wollte ich dies doch noch einmal hervorheben. Denn hier haben wir nicht nur einfach eine queere Romance (die auch alle super wichtig sind, versteht mich nicht falsch!), sondern eine queere Romance in einem Land, wo drakonische Strafen auf queere Handlungen stehen. Das fängt an mit dem Crossdressing, also wenn die Kleidung des anderen Geschlechts angezogen wird und steigert sich immer weiter hoch. Hier lernen wir eine Gemeinschaft kennen, die diese Gefahren kennt, die aber deutlich zeigt, dass sie nicht anders sein können. Wie viel Einfluss der Status und das Geld haben und wie grundsätzlich ein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet, aber von oben klein gehalten wird. Das Gleiche Problem ist auch bei den Rechten der Frauen, was hier ebenfalls mit thematisiert wird, ohne, dass eins von beidem zu kurz kommt. Verpackt in einer mitreißenden Geschichte, die einem trotzdem ein faszinierendes Land näherbringt und ganz andere Aspekte zeigt, aber die Schattenseiten nicht nur nicht verschweigt, sondern stark hervorhebt. So ist es gute Unterhaltung und gleichzeitig unfassbar lehrreich und daher meine größte Empfehlung.

Saved Dreams

Die Handlung: Auch wenn Assistenzärztin Jane alles versucht hat, sie kommt um die Gynäkologie nicht herum. Und auch, wenn Oberärztin Abby ihr Herz zum schnellerschlagen bringt, so muss sie sich doch einem Trauma stellen, das sie trotz Therapie nie überwunden hat. 

Warum das Buch so wichtig ist: Auch, wenn es immer gängiger wird, zumindest queere Nebencharaktere einzubauen, sind die großen New Adult Reihen noch sehr stark heteronormativ geprägt. Doch Ava Reed hat hier damit gebrochen und sich bewusst auch für eine women loves women Geschichte entschieden. Dass diese noch bevor auch nur ein Wort geschrieben war, bereits Ein-Sterne-Rezension wegen es queeren Anteils bekam, zeigt nur, wie wichtig es ist, dass wir weiterhin mehr Sichtbarkeit aufbauen. Zeitgleich haben wir hier aber auch weitere feministische Themen, die durch das Setting in der Gynäkolgie sehr gut eingebunden werden konnten. 

You are my moon

Die Handlung: James und Takumi sind seit Jahren ein Paar. Doch nach einem Unfall kann sich James an nichts mehr erinnern, was nach seinem 18. Geburtstag passiert ist. Er erinnert sich nicht an die Phase, in der er seine Bisexualität erkannt hat. Und noch schlimmer: Er erinnert sich nicht mehr an Takumis Transition. 

Warum das Buch so wichtig ist: James ist mit starken Überzeugungen, was männlich ist, aufgewachsen und hat sich unfassbar schwer mit seinem Coming-Out getan. Nun hat er dies alles vergessen. Cornelia Franke baut hier Schicht für Schicht eine Geschichte auf, die mehr ist, als sie am Anfang scheint. Dabei sind die queeren Inhalte sehr sorgfältig herausgearbeitet, aber es geht auch um Familie, Vertrauen, ADHS und Ängste in Beziehungen. Und wie alles noch einmal stärker geprägt ist, wenn das eigene Coming-Out mit der früheren Weltsicht im Widerspruch steht. 

Yadriel & Julian

Die Handlung: Yadriel entstammt einer Dynastie an Brujx, die dafür zuständig sind Geister in die Totenwelt zu geleiten. Doch Yadriel wird die Zeremonie verweigert, da er trans ist. Und bei seiner ersten Beschwörung erwischt er gleich noch den falschen Geist. Und Julian denkt gar nicht daran sich erlösen zu lassen.

Warum das Buch so wichtig ist: Hallo Fantasy mit queeren Protagonisten. Während es im Romancebereich bereits schon häufiger queere Geschichten geht, so geht es im Fantasybereich oft noch unter. Dabei zeigt dieses Buch, wie gut beides miteinander verbunden werden kann. Gleichzeitig haben wir hier auch noch die mexikanische Kultur rund um den Diaz de Muertes, den ich bisher auch noch in keinem Buch besser aufgearbeitet gesehen habe. Und rund um diese Mythologie/diesem Glauben wird die Transidentität von Yadriel aufgebaut. Denn in seiner Familie gibt es  eine klare Trennung, wer welche Fähigkeiten erbt. Aber wie ist es bei einem Trans-Mann? Es geht hier um Identität, um Familie, und ganz nebenbei haben wir noch ne coole Geistergeschichte. 

Wie lange bis irgendwann

Die Handlung: Emelie und Sophie haben sich 10 Jahre nicht mehr gesehen, nachdem Sophie von einem Tag auf den anderen Stockholm verlassen hat. Doch bei einem offenen WG-Casting stehen sie sich wieder gegenüber. Und dann sperrt ein Schneesturm sie auch noch zusammen ein. Wie können da nicht die alten Gefühle wieder hervorkommen?

Warum das Buch so wichtig ist: Das queere Spektrum ist sehr weit und während manche Aspekte bereits mehr thematisiert werden, sind andere noch schwierig zu finden. Daher war ich gespannt auf dieses Buch, das ich zufällig auf der Buch Berlin gefunden habe. Denn auch wenn es zunächst eher nach einer lesbischen Romance klang, so geht es hier doch auch um Polyamorie. Und zum Glück auch ohne allzugroßes Drama, sondern mit einer guten Auseinandersetzung mit dem Thema. Klein, charmant und gut für zwischendurch und damit auch hier eine Empfehlung (wie eigentlich bei allen Büchern heute).

When you come back to me

Die Handlung: Holden hat bei einer Konversionstherapie in Alaska die Hölle erlebt. Selbst ein ganzes Jahr in einem Sanatorium kann ihn nicht heilen. Er zieht zu seiner Tante und seinem Onkel und geht dort zur Schule. Dort trifft er auf River, der Starquarterback der Schule. Beide empfinden sofort etwas, doch während Holden zwar zu seiner Sexualität steht, aber unter seinen Dämonen aus Alaska leidet, muss River erst einmal über sich selbst klar werden. Denn die Träume seines Vaters erdrücken ihn und da passt Homosexualität nicht rein.

Warum dieses Buch so wichtig ist: Emma Scott ist mir als Autorin inzwischen ein bisschen zu viel, da sie immer sehr viel Drama in ihre Bücher einbaut. Dennoch hat When you come back to me einen Platz auf dieser Liste verdient, denn auch hier haben wir eine queere Geschichte im New Adult Bereich, in einer Reihe, die ansonsten wieder Heteropärchen beinhaltet. Und zeitgleich spricht sie noch zwei wichtige Themen an: Der Umgang mit Homosexualität im Sport, auch wenn dieser Aspekt ganz schön kurz kommt, und noch wichtiger: Konversionstherapie und deren Auswirkungen auf die Psyche der therapierten. Ich will hier gar nicht zu viel vorweg nehmen, aber Holden leidet ordentlich und das wird in dieser Geschichte auch deutlich.

Die Göttinen von Otera

Die Handlung: Sechs Monate nachdem Deka die Göttinen befreit hat, soll sie nun weitere befreien. Doch dabei fallen ihr immer mehr Ungereimtheiten auf. Und ihre Feinde sind ihnen weiterhin dicht auf. Deka muss erneut alles hinterfragen, was sie zu wissen glaubte. 

Warum dieses Buch so wichtig ist: Final noch ein Buch, deren Protagonistin nicht queer ist. Aber diese Fantasywelt, die stark an die westafrikanischen Länder angelehnt ist, hat neben vielen feministischen Themen auch viele queere Charaktere und zeigt den Umgang dazu. Auch hier, wie schon in Sturmflirren, zeigt sich, dass feministische Themen und queere Themen oft Hand in Hand gehen, da beides von Unterdrückung geprägt ist. 

Was sind eure liebsten queeren Bücher? 

Song of Silver & Dark Star Burning

Ein Vorwort

In letzter Zeit habe ich immer wieder Bücher gelesen, die sich mit der japanischen oder koreanischen Mythologie befassten. Doch als mein Buchclub eine Reihe mit Einflüssen aus der chinesischen Mythologie vorschlug, war ich auch direkt begeistert, war es doch nochmal eine neue Richtung. Wie mir die Reihe gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Beide Bücher arrangiert vor einem Bücherregal. Im Vordergrund ist eine Plastik eines schlafenden Drachen mit Drachenbaby im Ei.

Song of Silver

Die Handlung: Lans Heimat ist vor einigen Jahren erobert worden und hat ihrer Familie das Leben gekostet. Nun versucht sie sich als Singmädchen über Wasser zu halten. Doch in einer schicksalshaften Nacht verliert sie alles, was sie bis dahin kannte. Dabei trifft sie auf den geheimnisvollen Zen, der sie jenseits der Stadt bringt und eine Welt zeigt, die Lan für verloren gehalten hat.

Meine Meinung: Wie häufig bei Fantasy-Stories brauchte ich eine Weile, um in die Welt reinzukommen. Es gab am Anfang einiges an Infos zu verdauen, da alles rund um die Eroberung erzählt wurde. Zeitgleich ging es aber auch direkt in die Vollen und wir bekommen die direkten Konsequenzen eines eroberten Landes. Hier fehlen mir die Kenntnisse über die chinesische Geschichte, um nachvollziehen zu können, inwiefern dies hier Bezug darauf nimmt, aber allein der Unterschied zwischen den Küstengebieten und den ländlichen Gebieten wurde gut als Fantasywelt umgesetzt. Lan als Protagonistin fand ich direkt nahbar. An ihr bleiben wir auch dran und erleben direkt ein ziemliches Abenteuer. Im Mittelteil wird dies um einiges ruhiger, wenn sie mit Zen durchs Land reist und schließlich im Tempel einiges über sich lernt. Dabei war es vorallem das Erlernen des Magiesystems mit dem Chi und den Varianten Yin und Yang, die gut umgesetzt, wenn auch stellenweise sehr kompliziert erklärt wurden. Hinter jeder Ecke gab es etwas zu erkunden und im Nachgang bin ich sehr neugierig, wie viel davon auf der chinesischen Mythologie basiert und wie viel für die Geschichte dazugedichtet wurde. Durch den Cliffhanger am Ende empfiehlt es sich direkt den zweiten Band parat liegen zu haben.

Dark Star Burning

Die Handlung: Nach der Zerstörung des Tempels, der für Lan kurzzeitig ein Zuhause war und dem Verlust von Zen, sucht sie verzweifelt nach einem Weg die elantinische Besatzung doch noch zu beenden. Dafür reist sie in die Wüste und sucht nach einem Ort, der nicht mehr existieren soll. Wird sie ihre Welt retten können?

Meine Meinung: Der zweite Band schließt direkt an den ersten an, dennoch habe ich eine Weile gebraucht, um wieder in die Geschichte rein zu kommen. Dadurch, dass Lan und Zen getrennt sind und wir daher auch vermehrt abwechselnde Perspektiven haben, kommt nicht so richtig der Lesefluss auf, wie noch im ersten Teil. Vor allem der Teil rund um Zen scheint eine Weile still zu stehen. Das ändert sich zum Glück wieder und dann hat die Geschichte auch noch einiges zu bieten. Hier gehen einige Entwicklungen ganz schön schnell und wirken teilweise gehetzt. Im Gegensatz zu anderen aus meinem Buchclub, glaube ich nicht, dass hier noch ein kompletter dritter Band hilfreich gewesen wäre, aber den doch sehr kurzen zweiten Band ein wenig ausgearbeiteter zu lesen, wäre schön gewesen. Vom Ende kann man halten, was man will, aber es ist zumindest rund erzählt. Ich war kein Fan und nach der allgemein doch sehr gewaltreichen Dilogie brauchte ich erstmal wieder einen cosy Roman.

Das Fazit

Die Dilogie rund um Lan und Zen bietet eine atemraubende und actionreiche Handlung mit einem gelungenen Weltenbau, der stark von der chinesischen Mythologie beeinflusst ist und tolle Protagonist*innen bietet. Abgesehen davon, dass ich bei beiden Bänden am Anfang ein paar Probleme hatte reinzukommen und der zweite Band stellenweise etwas gehetzt wirkt, so ist die Reihe doch empfehlenswert. 

Flow

Ein Vorwort

Eigentlich gibt es bei den alljährlichen Oscars zumindest in der Kategorie Bester Animationsfilm kaum Überraschungen. Disney reicht ein Film ein und mit hoher Wahrscheinlichkeit gewinnt dieser. Während im letzten Jahr Studio Ghibli mit „Der Junge und der Reiher“ den Preis nach Japan holen konnte, ist es diesmal ausgerechnet ein kleiner lettischer Animationsfilm mit niedrigem Budget, der den Mäusekonzern übertrumpfen konnte. Warum Flow auch abgesehen von dieser Tatsache ein absolutes Erlebnis ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Der Titel des Films als Fanart mit Kinoticket auf Filmklappe arrangiert

Die Handlung

In einer von Menschen verlassenen Welt hat eine kleine Katze sich ein sicheres Plätzchen zum Überleben gesucht. Doch eine Flut sucht die Welt heim und egal, wie hoch sie klettert, die Wassermassen holen sie direkt ein. In letzter Sekunde kann sie auf ein kleines Boot fliehen, was bisher nur von einem Capybara bewohnt ist. Zusammen versuchen sie zu überleben und treffen unterwegs noch andere Weggefährten.

Meine Meinung

Abgesehen von seinem Erfolg bei der Oscarverleihung hatte ich zuvor bewusst wenig über den Film gehört. Ich habe den Trailer nicht gesehen und von meinem besten Freund bekam ich nur den Hinweis, dass er sehr ruhig sei und dennoch eine unglaubliche Atmosphäre aufbaue. Nachdem er eigentlich bereits nicht mehr im Kino lief, gab mein heimisches Kino doch noch eine Vorstellung, die ich dann auch gleich nutzte. Und ich kann der Aussage nur zustimmen.
Doch beginnen wir am Anfang. Wir lernen zunächst die kleine schwarze Katze kennen, die wir den ganzen Film über begleiten. Mit ihr erkunden wir die Umgebung und treffen auch das erste Mal auf eine Gruppe Hunde, die im späteren Verlauf noch eine Rolle spielen wird. Zwar sieht die Welt so aus, als hätten hier mal Menschen gelebt, doch wir begegnen keinen mehr. Relativ schnell kommt die namensgebende Flut und wir müssen um unsere Protagonistin bangen. Auf der Reise im Boot mit dem Capybara und immer mehr weiteren Weggefährten, entwickelt sich auch die besondere Dynamik des Films.
Denn die hier dargestellten Tiere werden nicht vermenschlicht. Das heißt, dass sie nicht sprechen, sondern nur ihre tiereigenen Laute von sich geben. Auch im Verhalten sind sie größtenteils rein auf ihre Instinkte reduziert. Lediglich beim Steuern des Bootes fehlt irgendwie die Lernkurve, denn hier wissen irgendwie alle Tiere wie das Ruder funktioniert. Davon abgesehen liegt aber gerade hier die große Stärke des Films, denn wer wollte nicht schon einmal sehen, wie eine Katze mit dem Schwänzchen eines Lemurs spielt, einfach weil es so verführerisch herunterhing?
Zeitgleich schafft Flow es auch Konflikte zwischen den Tieren zu schaffen und doch auch das Thema Freundschaft und Verbundenheit über Krisensituationen hinaus zu erzählen und das ganz ohne Worte. Untermalt wird das Ganze von einer absolut einnehmenden Optik. Während die vordergründigen Animationen z.B. der Tiere doch teilweise sehr einfach wirken, wurde für den Hintergrund alles aus dem Budget herausgeholt. Dies wirkt besonders beeindruckend, da der gesamte Film mit Blender, also einer freien 3D-Grafiksoftware, erstellt wurde.
Der Grundton des Films ist an sich sehr langsam im Aufbau. Dennoch wird er an keiner Stelle langatmig. Das liegt zum einen daran, dass hinter jeder Welle eine neue Entdeckung zu machen ist und sich die Tierclique schnell in die Herzen der Zuschauenden schleicht. Andererseits sind es aber auch die allgegenwärtigen Gefahren und gerade für Tierliebhabende sind manche Szenen auch sehr schwer, denn hier muss mehr als einmal um die Clique gebangt werden.
Botschaften werden sehr subtil eingebaut, dennoch ist es gerade die Freundschaft, die im Vordergrund steht, die sehr deutlich durchkommt. Und diese wird mehr als einmal auf die Probe gestellt. Die Flutkatastrophe ist zwar durchgehend präsent, aber auch die verschiedenen Konsequenzen dieser werden immer wieder gezeigt, so dass sie nicht als zu „normal“ hingenommen werden kann. Insgesamt ist der Film sehr stark erzählt und bietet sehr viel Raum für Diskussion und viele kleine Details, die einem nicht unbedingt beim ersten Sehen auffallen.

Das Fazit

Flow ist optisch und erzählerisch ein Highlight, das es schafft einfache Voraussetzungen so zu gestalten, dass sie absolut beeindruckend sind. Die erzählten Themen sind gut aufgearbeitet und trotz des ruhigen Grundtons kommt keine Langeweile auf. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Flow läuft seit dem 06.03.2025 in den deutschen Kinos

Eine Handvoll Bücher – 02/25

Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe der buchigen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: Sturm in Schottland, Magie in Hongkong, Tattoos auf der Haut, einer düsteren Heldenreise und einem modernen Orakel.

Zusammenstellung der genannten Bücher

Dunkles Wasser

Die Handlung: Kate Linvilles Fall wird ihr entzogen, obwohl sie alles richtig gemacht hat. Genau zu der Zeit trifft ihr Ex-Kollege Caleb Hale in Frankreich auf eine junge Frau, deren Roadtrip-Freundin verschwunden ist. Vor vielen Jahren hat sie ein entsetzliches Massaker an ihrer Familie als Einzige überlebt. Holt sie die Vergangenheit ein? 

Meine Meinung: War ich von Charlotte Links Wechsel zu Krimis zunächst wenig begeistert – und die ersten Kate Linville Teile mag ich noch immer nicht – so hat sie doch inzwischen ihren eigenen Stil in dem Genre entdeckt und kann diesen gut zur Geltung bringen. Auch hier bringt sie uns zunächst ein Szenario, das auch aus ihren früheren psychologischen Spannungsromane stammen kann, um dann wieder zu den inzwischen vertrauten Charakteren zu wechseln. Auch schafft sie es Caleb Hale irgendwie wieder sinnvoll einzubringen, hat sie ihn doch zuvor ziemlich ins Aus befördert. Sie schafft es wieder geschickt eine Menge falscher Fährten zu legen und selbst, wenn man ihre Werke kennt, und versucht um die Ecke zu denken, so ist die Auflösung dennoch wieder absolut überraschend und unvorhersehbar. Dabei bleibt es aber in der Auflösung dennoch logisch. Auch hier haben wir wieder zusätzlich die Sichtweise des Täters, die gleichzeitig genug Anhaltspunkte liefert, um zu wissen, was passiert und dennoch die entscheidenden Details verschweigt, so dass das Ende nicht vorweg genommen werden kann. Kurzum wieder ein tolles Werk aus der linkschen Feder.

Magic so pure & evil

Die Handlung: In Magnolia Bay regiert der Skarabäusclan und die Brennende Lilie. Zumindest inoffiziell. Kari wurde als Kind an den Anführer der Skarabäen verkauft und arbeitet dort nun als rücksichtlose Schutzgeldeintreiberin. Doch als ihr Vater nach vielen Jahren um ihr Leben fleht, gescheiht etwas unbegreifbares. Auf einmal kann sich niemand mehr an Kari erinnern. Auf ihrer Flucht trifft sie auf Nael, der sie in die Geheimnisse der Walled City einführt.

Meine Meinung: Manche Bücher haben die richtige Prämisse, die richtigen Charaktere, die richtigen Ideen fürs Wordlbuilding und schaffen es dennoch nicht zu einem runden Werk zu werden. Genau das ist hier passiert. Wir haben Klans, wir haben einen geheimnisvollen Nebel, wir haben eine Welt, die sich an Hongkong orientieren will und eine Autorin, die hier auch eigentlich genug Erfahrungen aus ihrem Leben hat, um die Stadt einfangen zu können. Aber das Grundproblem ist, dass sich hier eben nicht entschieden wurde, ob wir eine Fantasy-Welt haben oder eine Welt in unserer Welt. Weil es gibt irgendwo Menschen mit Fähigkeiten, Blutzauber, Fantasy-Elemente und gleichzeitig ist es aber unsere moderne Welt mit Handys und allem. Und genau das führt zu Widersprüchen. Denn die modernen Geräte werden immer dann genutzt, wenn sie die Charaktere gerade benötigen. Danach wird wieder komplett vergessen, dass sie existieren. Und auch die Welt wird immer dann gut beschrieben, wenn es gebraucht wird. Danach wird das ganze Setting einfach umgeworfen, weil es nicht mehr hilfreich ist. So passt irgendwie alles vorne und hinten nicht zusammen. Das Gleich gilt bei den Charakteren. Statt einer Entwicklung haben wir nur Extreme, die von jetzt auf gleich wechseln, je nachdem, ob die erzwungene Liebesgeschichte gerade forciert werden soll. Leider waren es dann doch eher absolute Nebencharaktere, die wirklich interessant waren, da die Protagonisten zu sehr versucht wurden in die Geschichte zu zwängen, statt sich zu entfalten. Insgesamt war ich auch von allem zu enttäuscht, um den zweiten Band zu lesen.

Ink Arcanum

Die Handlung: William Bray hat endlich sein eigenes Tattoostudio eröffnet und findet ein geheimnisvolles Buch, das ihm bei der Weiterentwicklung helfen soll. Doch die Tattoos entwickeln ein Eigenleben und plötzlich findet sich Will auf der Flucht vor mehr als nur der Polizei wieder. 

Meine Meinung: Autor Andreas Hagemann schafft es einen in kürzester Zeit ins Buch zu ziehen und mit der Geschichte zu verankern. Die Entdeckungen Williams und seine Faszination für die Tattookunst entwickeln direkt einen Sog und zusammen mit ihm will man herausfinden, was es mit den Tattoos auf sich hat. Und die Eskalation des Ganzen lässt auch nicht lange auf sich warten. Mit seinen Worten malt Hagemann immer wieder Bilder, wie ein Tattookünstler auf die Haut, und die Welt umhüllt einen praktisch. Die darauf auftauchenden Wesen (aus Spoilergründen nicht genauer benannt, aber ich habe freudig aufgequiekt) bringen direkt nochmal eine ganz neue Ebene mit rein. Hier habe ich dann aber auch etwas gehadert mit der Geschichte. Es wird ein Rat aufgebaut, den alle ehren und fürchten, doch dieser streitet sich dann wie ein altes Ehepaar? Hatte mir vom Gefühl nicht so zu dem, was beschrieben wurde, gepasst. Gegen Ende wurde es dann alles etwas wirr, da konnte ich nicht immer folgen. Dennoch ist es in seiner Gesamtheit ein tolles Buch, das mal eine ganz andere Schiene fährt.

Remoire

Die Handlung: Seraphine wurde als Kleinkind ihrer Familie entrissen und hat es irgendwie geschafft zu überleben. Doch als das Dunkel sich erneut erhebt, erfährt sie, dass sie eine viel größere Rolle darin spielt als sie je zu denken gewagt hatte. Ihr steht eine beschwerliche Reise bevor, bei der sie viel über sich und die Welt lernt, die in großer Gefahr schwebt.

Meine Meinung: Wisst ihr, was ich in Fantasybüchern, gerade der High-Fantasy, nicht mag? Die klassische Heldenreise. Gar nicht als stilistisches Mittel, sondern wortwörtlich. Die Heldin muss von Ort A zu Stadt B und wandert kapitellang durch die Gegend. Genau dieser Part nimmt einen Großteil in Remoire ein, weswegen ich beim Lesen sehr langsam voran gekommen bin. Aber wisst ihr noch was? Ich wollte das Buch auf gar keinen Fall abbrechen. Denn die Ausgangslage, die Welt, die Charaktere, die Twists, die Geheimnisse … Ich wollte es alles! Alles erfahren, alles herausfinden, mit allen leiden, mit allen mitfühlen. Autorin Lumen Milites schafft es einen immer mit genug Informationen zu füttern, dass man dran bleiben muss. Es ist keine Frage, ob man will, man kommt nicht los. Auch, wenn die Welt einer ziemlich typischen Fantasywelt entspricht, so sind es doch genau die Feinheiten, der detailreiche Ausbau, und die kleinen Details bei den Bewohnenden, die hier einen großen Unterschied machen. Remoire hatte eine unglaublich lange Vorlaufzeit, ehe es erschien, aber diese Zeit, diese absolute Liebe und Hingabe zu Welt und Charakteren, machen das Buch zu einer kleinen Perle am überfüllten Buchmarkt. Und das Durchhalten der Heldenreise hat sich für mich absolut ausgezahlt, denn im hinteren Drittel (oder Viertel?) macht die Handlung nochmal einen Turn und wandelt sich in Dark Fantasy vom feinsten. Folter, Intrigen, oder wie die Autorin zu sagen pflegt „Tod und Verderben“ sind hier an der Tagesordnung und dabei doch immer im logischen Bereich. Keine Gewalt, der Gewalt wegen, sondern um die Handlung voran zu bringen, die Charaktere zu schleifen, zu entwickeln und … ihr habt schon verstanden, dass ich es euch ans Herz lege, oder? Für alle Fans von ausgefeilter Fantasy. Für Fans, von Charakteren, die sich entwickeln und die Geheimnisse erkunden wollen. Für Fans von sich langsam aufbauenden Geschichten, wo jede Seite Teil des Weges ist.

Oracle

Die Handlung: Julian kann seit Kindheitstagen seltsame Marker an Menschen sehen. Jahrelange Therapie half dagegen und dämmte auch die Panikattacken ein. Doch bei seinem versuchten Neustart an der Uni ist er sich sicher, seine Medikamente nicht mehr zu brauchen. Kurzerhand setzt er diese ab und sieht kurz darauf wieder die Marker, die jedoch drohendes Unheil ankündigen. Kann er diese verhindern und wie geht er damit um praktisch ein wandelndes Orakel zu sein?

Meine Meinung: Ursula Poznanski ist aus der Jugendliteratur nicht mehr wegzudenken. Dennoch war Oracle mein erstes Buch von ihr. Und ich war direkt begeistert. Die Grundidee, was wäre, wenn ein normaler Junge ein Orakel in der heutigen Zeit wäre, konnte mich bereits abholen. Aber die Umsetzung war dann so ein Sog, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Denn zunächst wird hier eine Geschichte aufgebaut, die sich zwar merkwürdig anhört, aber dennoch so auch irgendwie geschehen könnte. Doch zusammen mit Protagonist Julian erkennen wir nach und nach, dass es eine Komponente gibt, die es von einer behandelbaren psychischen Störung zu der übernatürlichen Ursache übergehen lässt. Hier folgen Tests seinerseits, um mehr Informationen zu sammeln. Das alles aber in einem Setting, wo Julian auch versucht sein Leben neu zu gestalten und unabhängiger zu werden. So ist es irgendwo ein Jugendroman über das Ausbrechen aus bisherigen Strukturen, aber immer mit dem Hintergrund der Grundidee. Und genau das  ist unfassbar faszinierend, weil Poznanski genau weiß, wann sie welche Stellschraube drehen muss, um die Geschichte absolut faszinierend zu machen. Ich habe jede Seite genossen und bin bereits am überlegen, welches ihrer Bücher ich als nächstes lesen möchte.

Habt ihr eins der Bücher gelesen? Wie fandet ihr es?

Captain America 4 – Brave new World

Ein Vorwort

Während die Thunderbolts* bereits überall im Gespräch sind als die Rettung des MCU, hänge ich ein wenig hinterher und habe noch meine Meinung zum vierten Captain America Abenteuer, diesmal mit dem ehemaligen Falcon als Captain. Warum dieser Film sich eher zu den schlechteren des Franchises einordnet, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Der Name des Films als Fanart mit Kinoticket auf einer Filmklappe

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

Welche Filme/Serien man aus dem MCU vorab gesehen haben sollte: Falcon and the Winter Soldier – Diese stelle ich hier kurz vor.
Welche Filme/Serien aus dem MCU gut wären vorab gesehen zu haben: Der unglaubliche Hulk, Captain America – Winter Soldier, Captain America – Civil War, Avengers – Endgame und The Eternals– hierfür verweise ich auf meine Zusammenfassungen (sofern sie bereits existieren, für die Links einfach die Titel anklicken).

In The Falcon and the Winter Soldier treffen wir auf Sam Wilson aka Falcon, der sich gegen das Erbe des Captain Americas entschieden hat, das Steve Rogers ihm am Ende vom Endgame angeboten hatte. Stattdessen arbeitet er für die Air Force. Bucky Barnes aka The Winter Soldier befindet sich in der Therapie, um seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Da tritt die Gruppierung Flag Smashers auf den Plan, die sich gegen geplante Maßnahmen der Regierung zur Umsiedlung ganzer Gebiete ausspricht, da der Blip, also das Verschwinden der Hälfte der Menschenheit für fünf Jahre in Endgame, hier einiges durcheinander gebracht hat. Als Reaktion stellt die US Regierung einen neuen Captain America namens John Walker vor. Bucky sucht Sam auf und begleitet ihn auf eine Mission nach Deutschland, da er das Erbe seines verstorbenen besten Freundes beschmutzt sieht, durch Walker und Falcon überreden will, doch als Captain America aufzutreten. Walker grätscht ihnen hier auch in die Informationsbeschaffung. Zurück in den USA sucht Sam Isaiah Bradley auf, der im Koreakrieg als Super-Soldat eingesetzt wurde. Seine Errungenschaften wurden jedoch aufgrund seiner Hautfarbe komplett aus der Geschichte gestrichen. Sam hinterfragt damit weiterhin, ob er als BPoC ein Captain America sein kann.
Sam und Bucky schlagen einen anderen Weg gegen die Super-Soldaten der Flag Smashers ein und befreien Baron Zemo aus dem Gefängnis. In Madripoor suchen sie mit seiner Hilfe nach dem Power Broker, der das Serum für die Super-Soldaten reproduziert und verkauft hat. Sharon Carter, nach Civil War geflohen, schreitet ein und hilft ihnen zu fliehen. In Riga wollen die drei Karli, die Anführerin der Flag Smashers, stellen. Doch Walker unterbricht sie wieder und so hindert er Sam daran mit Worten zu Karli durchzudringen. Bis auf eine werden dabei alle Dosen des Serums zerstört. Diese nimmt Walker an sich, um endlich mehr wie ein Captain America kämpfen zu können.
Zemo wird von den Dora Milaje aus Wakanda gefangen genommen. Sam sucht Isaiah Bradley auf und diesmal erzählt er ihm auch die ganze Geschichte. Nach einem Rückzug von Sam zu seiner Schwester, sprechen sich Bucky und er aus und Sam entschließt sich endlich sein Erbe anzunehmen. Im Finale können sie Sharon Carter als Power Broker entlarven, die Flag Smashers zerschlagen und die Regierung von ihren Umsiedlungsplänen abhalten. Isaiah bekommt endlich seine Anerkennung und schließt Freundschaft mit Sam und Bucky.

Die Handlung

Sam Wilson ist noch dabei sich in seine Rolle als neuer Captain America einzufinden, als er zum Präsidenten ins weiße Haus eingeladen wurde. Doch sein Freund Isaiah wird beeinflusst und versucht ein Attentat. Um seine Unschuld zu beweisen, gräbt Sam einige Geheimnisse des Präsidenten aus. Und dann droht den USA auch noch ein Krieg mit Japan.

Meine Meinung

Das strauchelnde MCU (=Marvel Cinematic Universe) brauchte dringend mal wieder einen Erfolg. Aber nach einer stark abgefallenen vierten Phase, war Phase 5 auch nur bedingt die Rettung. Deadpool war zwar ins MCU eingeführt worden, konnte sich aber auch nur mit unzähligen Anspielungen und der unfassbaren Dynamik zwischen Reynolds und Jackman über Wasser halten. Die Guardians haben in ihrem dritten Abenteuer noch am besten abgeschnitten und The Marvels hatte zwar Frauenpower, aber von Anfang an schon einen schlechten Stand, da Captain Marvel und Miss Marvel nicht unbedingt die Reißer im MCU waren. Vor allem mangelte es irgendwie an einer runden Geschichte. Nun inzwischen wird dies zumindest den Thunderbolts* und damit dem Finale der fünften Phase nachgesagt. Aber zuvor sollten es ein paar alte Bekannte retten. Der Haken: Bereits die Serie Falcon & the Winter Soldier hat vorne und hinten nicht funktioniert. Leider sollte sich genau darauf gestützt werden.
Aber ich versuche mal am Anfang anzufangen. Thaddeus Ross, der bisher bereits verschiedene Auftritte hatte, und dabei selten gut wegkam, wurde zum Präsidenten gewählt. Also eben jener Mann, der im unglaublichen Hulk den Freund seiner Tochter gejagt und versucht hat zu vernichten, und der Mann, der den Civil War mit den Sokovia Abkommen auslöste. Er lädt Sam Wilson, ehemals Falcon, inzwischen Captain America ins weiße Haus ein und will dort eine Zusammenarbeit besprechen. Natürlich scheitert diese direkt, da es zu einem Zwischenfall kommt. Leider ist hier Sams Freund Isaiah involviert.
Dass bei Sams Nachforschungen, um Isaiahs Unschuld zu beweisen, eine Menge Geheimnisse ans Licht kommen und der neue Präsident natürlich eine Menge Dreck am Stecken hat, dürfte hier wohl niemanden überraschen. Leider scheitert der Film aber auch genau daran wieder: An seiner Vorhersehbarkeit. Kaum eine Entwicklung ist wirklich überraschend, unterbrochen werden sie von einigen Kämpfen, die mal mehr, mal weniger spannend sind. Die Charakterentwicklung ist auch eingeschränkt, weil das meiste bereits in der vorausgehenden Serie geklärt wurde und Ross‘ Rückkehr auch keine Überraschung in der Rolle zuließ.
Wir bekommen noch ein paar interessante Nebencharaktere, aber das große Problem des MCU bleibt bestehen: Die guten Gegner. Abgesehen von einem Thanos oder einem Loki hat das MCU wenige Antagonisten mit durchdachten Motiven, die auch ausgespielt werden dürfen, und genug Screentime, um eine Entwicklung zu durchleben. Dabei hatte der Antagonist diesmal Potential, da er mehr auf die psychische Ebene, denn auf die physische ging. Aber daraus lassen sich halt keine großen Kämpfe generieren. Und so kam dieser Aspekt viel zu kurz und wir lassen den Präsidenten mal eben Teile Washingtons zerstören – inklusive eines ganzen Parks voller Kirschblüten, sehr zum Leidwesen meiner Begleitung.
So ist Captain America – Brave New World in seiner Gesamtheit nicht völlig schlecht, aber eben auch nicht wirklich gut. Er spielt die generische Marvel Formel aus, kommt damit aber nicht an den Charme früherer Filme heran, schafft es aber auch nicht aus dem Alltagstrott des Franchises auszubrechen.
Letztlich bleibt wirklich nur zu hoffen, dass Marvel endlich gelernt hat und lieber wieder eine richtige Geschichte erzählen, als nur auf viele Kämpfe zu setzen.

Das Fazit

Captain America 4 – Brave new World spielt das gewohnte Schema des MCU ab, vergisst aber erneut ihren Antagonisten richtig zu nutzen und setzt zu sehr auf Kämpfe und CGI. Rangiert daher als Mittelmaß ohne großen Rückerinnerungswert, ist aber beim Sehen auch keine Vollkatastrophe. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Captain America 4 – Brave New World läuft seit dem 13.02.2025 in den deutschen Kinos

Wunderschöner

Ein Vorwort

Dass Karoline Herfurths Regiedebüt SMS für dich einer meiner absoluten Lieblingsfilme ist, habe ich bestimmt schon mehrfach erwähnt. Während mich Einfach mal was schönes nicht ganz überzeugen konnte, waren es doch gerade die verschiedenen Perspektiven in Wunderschön und die gut aufgearbeiteten feminsitischen Themen, die mich überzeugen konnten. Doch war ich bei der Fortsetzung doch skeptisch, ob die Geschichte erneut so gut funktionieren könnte. Wie es letztendlich ausging, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Der Name des Films als Fanart mit Kinoticket auf einer Filmklappe

Die Handlung

Sonja und Milan haben sich getrennt und versuchen für die Kinder ein Nestmodell, doch auch das bringt Probleme mit sich. Ihre beste Freundin Vicky organisiert ein Schulprojekt, das nicht bei allen auf Begeisterung stößt. Milans Schwester Julie hat ihre Modelkarriere an den Nagel gehängt und versucht einen Neuanfang beim Fernsehen, bekommt es da aber mit Übergriffigkeiten zu tun. Nadine arbeitet ebenfalls beim Fernsehen und gehört dort zur Elite. Doch als sie erfährt, dass ihr Mann mit einer Prostituierten geschlafen hat, bricht für sie eine Welt zusammen.

Meine Meinung

Dass feministische Themen auch im Kino funktionieren können, bewies der erste Teil „Wunderschön“, da er mit Platz 1 der deutschen Kinocharts und dem besten Start eines deutschen Films nach der Pandemie aufwarten konnte. Die Fortsetzung hatte nun nochmal mehr Budget und auch mehr Themen im Gepäck. Und hier hatte sich Regisseurin Herfurth wieder einiges vorgenommen.
Aber fangen wir am Anfang an. Wir haben wieder verschiedene kleinere Geschichten, die sich in ihrer Gesamtheit zu einer großen zusammenfügen. Durch Überschneidungen bei Charakteren und Handlungsorten, greifen alle Episoden ineinander und werden gekonnt parallel erzählt. Zum einen haben wir da Sonja und Milan, die wir bereits aus dem ersten Teil kennen. Haben sie da zusammen als Paar versucht mit zwei Kindern zurecht zu kommen und vor allem Sonja mit den Veränderungen, die ihr Körper und ihr Leben als Mutter durchgemacht haben, zurecht zu kommen, so gab es hier erst einmal die Ernüchterung. Denn die beiden haben sich getrennt. Dabei hatten wir doch nicht die perfekte, aber die lebensnahe Liebesgeschichte der beiden miterlebt. Dennoch versuchen sie sich durch Therapie und dem sogenannten Nestmodell für die Kinder zusammenzureißen. Doch dann trifft Milan sich mit einer neuen Frau und Sonja erlebt das typische „Was hat sie, was ich nicht habe“ Drama inklusive wieder der Frage nach dem eigenen Körperbild.
Als zweiten Handlungsstrang haben wir Milans Schwester Julie. Nachdem sie im ersten Film eine Modellkarriere anstrebte und dadurch in die Magersucht geriet, hat sie diese hier therapiert – wenn auch nicht final überwunden, solche Erkrankungen bleiben oft lange heften und das wird hier gut aufgearbeitet – und versucht nun eine Karriere beim Fernsehen, aber im Hintergrund und nicht direkt vor der Kamera. Dort macht sie die Erfahrung eines Übergriffes durch einen Kollegen. Überwältigt von den Gefühlen des Ekels und der Fassungslosigkeit, bekommt sie jedoch keinerlei Verständnis oder Unterstützung, stattdessen muss sie sehen, wie ihr Kollege permanent verteidigt wird.
Dass alles hätte wohl schon für einen ganzen Film gereicht, aber Herfurth hat noch einen Handlungsstrang im Ärmel. Denn wir haben beim Fernsehen auch neue Charaktere. Allen voran Nadine. Sie gehört zur Elite beim Sender und brüstet sich mit ihrem makellosen Aussehen. Botox gehört zu ihrem Alltag und mit ihren Freundinnen lästert sie gerne über die nicht ganz so perfekte Kollegin aus dem Politikbereich. Doch als bekannt wird, dass ihr Mann eine Affäre mit einer Prostituierten hatte, gerät ihr perfektes Leben ins Wanken. Doch hier wird sich nicht nur auf die verletzte Frau gestürzt, nein hier geht es auch explizit um das Thema Prostitution und was viele Frauen durchmachen. Wie sie mit Versprechungen in unser Land gelockt werden, um dann unter rücksichtlosen Umständen ihren Körper verkaufen müssen. Hier wird sich mit dem Thema auch nicht zurückgehalten und Gegenstimmen auch gekonnt entkräftet.
In den ganzen großen Geschichten kommt die von Sonjas bester Freundin Vicky fast etwas kurz. Die organisiert eine Projektwoche an der Schule und will dort über feministische Themen sprechen. Hier trifft sie auf Nadines verwöhnte Tochter, die das alles für Mist hält. Bis sie sich selbst mit dem Thema auseinander setzen muss.
Ganz schön viel los in den 138 Minuten Film. Dennoch schafft Herfurth es erneut die Balance zu halten und alle Geschichten gleichberechtigt anzusprechen. Und auch, wenn bei manchen größere Schicksale dahinter stehen, so haben sie doch alle ihre Daseinsberechtigung und gehören angesprochen. Durch die gut ausgearbeiteten Charaktere und den (teilweise leider) sehr lebensnahen Geschichten, berührt und schockiert der Film gleichermaßen.
Manch einem könnte ein wenig der Feelgood Charme des ersten Teils fehlen, aber das hat der Film auch nie versprochen. Und in seiner Gesamtheit weiß Wunderschöner, wann er knallhart draufhalten muss und wann er uns wieder die „leichteren“ Geschichten präsentieren muss. Hier wird gelungen die Waage gehalten. Dennoch bleibt der Film leicht hinter seinem Vorgänger zurück, was bei mir aber auch mehr ein Gefühl ist und ich nicht so direkt mit Argumenten begründen kann.

Das Fazit

Wunderschöner wagt den Schritt die Themen zu vergrößern und macht sich damit bestimmt nicht nur Freunde. Dennoch weiß er die Waage zu halten und präsentiert gut ausgearbeitete feministische Themen mit tollen und nachvollziehbaren Charakteren. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Wunderschöner läuft seit dem 13.02.2025 in den deutschen Kinos

Der kleine Laden des Herrn Takarada

Ein Vorwort

Als ich das Cover das erste Mal sah, habe ich mich direkt angesprochen gefühlt. Eine Katze, es geht um Schreibwaren und die Schlichtheit hatte was. Der Titel hat mich zwar im ersten Moment an einige meiner Sommerlektüren erinnert, aber der Klappentext zeigte schnell, dass es sich hierbei nicht um die klassische Strandlektüre handelt. Aber allein der Teaser „Eine Oase der Stille im Herzen Tokios“ ließ mich wissen, dass ich das Buch lesen musste. Wie es mir gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Das Buch arrangiert vor einem Bücherregal mit einem Kugelschreiber in japanischer Optik und einem abgenutzten Füller

Die Handlung

Herr Takarada führt das traditionsreiche Schreibwarengeschäft Shihodo in Tokios Stadtteil Ginza. Hier weiß er stets die richtige Empfehlung zu geben, was qualitative Schreibwaren angeht. Doch auch darüber hinaus hat er ein offenes Ohr für Lebensgeschichten und weiß subtile – oder manchmal auch weniger subtile – Hinweise zu geben.

Meine Meinung

Der kleine Laden des Herrn Takarada ist eine dieser kleinen Perlen, die im Buchladen gern übersehen werden. Unscheinbares Cover in einer unauffälligen Farbe. Doch genau diese Perlen sind es, die einen innehalten lassen und zum nachdenken anregen. Die mit einfachen Worten tiefer gehen und die Geschichten erzählen, die sonst so nicht erzählt werden würden.
Doch beginnen wir am Anfang. Das Buch enthält fünf Kapitel, die alle eine eigene Geschichte umfassen. Dabei ist das Grundgerüst in jeder Geschichte gleich. Die erzählende Person findet aus diversen Gründen den Weg in den Schreibwarenladen, trifft auf Herrn Takarada und fängt an die eigene Geschichte zu erzählen. Dabei ist es beispielsweise ein Füller oder Postkarten, die Erinnerungen heraufbeschwören und dazu führen, dass über Entscheidungen aus der Vergangenheit nachgedacht wird. Irgendwann landen alle im oberen Stockwerk des Geschäfts, wo sie Ruhe haben, um sich mit ihren Errungenschaften auseinander zu setzen. Im Hintergrund versucht Herr Takarada irgendwie zu helfen, um eine Lösung für angesprochene Probleme zu finden. Auf jeden Fall verlassen alle Erzähler*innen am Ende mit neuem Lebensmut den Laden.
Dabei sind die Geschichten so verschieden, wie Menschen nur sein können. Vom hart arbeitenden Geschäftsmann, über den trauernden Ex-Mann bis zur träumenden Oberschülerin. Und die Lebensbeichten sind einfach schonungslos ehrlich. Hier wird nicht wert darauf gelegt, die Protagonist*innen besonders gut darstehen zu lassen, sondern einmal alles rauszulassen, was im Leben so verzapft wurde.
Jede Geschichte für sich war trotz des gleichen Schemas irgendwo einzigartig und haben mich zum nachdenken gebracht. Ob ich nun gegen Anfang der Erzählungen in Klischees gedacht habe und eines besseren belehrt wurde, oder ob mich die angesprochene Thematik an sich ins Grübeln brachte, war je nach Geschichte unterschiedlich. Aber aus jeder Zeile spricht die Liebe zu Schreibwaren, die ich in vielen Teilen nachvollziehen konnte.
Der Erzählstil hier ist sehr nüchtern und ruhig, was man mögen muss. Auch kommt das Buch ohne direkte Spannungskurve daher. Es ist also wirklich zum abschalten und nachdenken gedacht. Mein größter Kritikpunkt ist allerdings, dass die Katze vom Cover gar nicht existiert. Aber das ist dann vielleicht doch zu verkraften.

Das Fazit

Der kleine Laden des Herrn Takarada ist eine kleine Perle, die wirklich eine Oase der Stille im hektischen Alltag sein kann. Ruhig erzählt und mit tollen abwechslungsreichen Lebensberichten gepaart mit der Liebe zu Schreibwaren, hat sie bei mir genau den richtigen Punkt getroffen.

Der kleine Laden des Herrn Takarada wurde mir von Goldmann als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Mickey 17

Ein Vorwort

Spätestens seit Bong Joon-ho 2020 für seinen Film Parasite den Oscar gewonnen hat, dürfte er nicht nur den Filmfans ein Begriff sein. Diesmal geht er wieder direkt nach Hollywood und greift in seiner Buchverfilmung leider sehr reale Entwicklungen auf. Wie das funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Der Name des Films als Fanart mit Kinoticket auf einer Filmklappe

Die Handlung

Mickey wollte nur einem Kredithai entfliehen und meldet sich daher als Expendable für eine Raummission. Als dieser wird er immer vor geschickt, um Impfstoffe oder ähnliches zu testen. Und wenn er stirbt, wird er neu ausgedruckt und bekommt sein Bewusstsein wieder. Doch bei einer Mission wird er für tot gehalten, ohne zu sterben. Und so wird die 18. Variante von ihm gedruckt und er existiert auf einmal doppelt. Und das ist verboten.

Meine Meinung

Von Bong Joon-ho habe ich bisher nur Snowpiercer und Parasite gesehen und fand zwar beide irgendwie gut, aber nicht so sehr, wie ihr Hype, gerade bei Parasite, suggerierte. Dennoch fand ich die Prämisse von Mickey 17 spannend genug, um ihm eine Chance zu geben. Leider wurde gerade aus der am Ende nur wenig gemacht.
Aber fangen wir am Anfang an. Zunächst lernen wir Mickey an einem ziemlichen Tiefpunkt in seinem Leben kennen, als seine 17. Variante in eine Felsspalte auf einem eisigen Planeten stürzt. Hier kommt direkt Bongs Humor durch, in Form des Nebencharakters Timo, der irgendwie immer ein Stichwortgeber für bevorstehende Verschlimmerungen war. Kurz darauf erfahren wir Mickeys Geschichte und wie er genau an diesem Punkt gelandet ist. Obwohl es sich wie ein ziemlicher Schnelldurchlauf anfühlt, ist es eigentlich der witzigste und spannendste Teil der Geschichte. Allerdings funktioniert es auch nur für die gute halbe Stunde, die sich Zeit genommen wurde. Wir erfahren genug über Mickeys Leben, die Raummission und seine vorherigen Kopien bzw. den Sinn und die Technik dahinter.
Zurück am Ausgangspunkt der Geschichte, überlebt Mickey und trifft dann auf die 18. Variante von ihm. Hier wird ganz kurz das ethische Dilemma der Multiplen aufgemacht und gute philosophische Fragen in den Raum geworfen. Also genau der Teil, für den ich ins Kino gegangen bin. Leider war es wohl nie der Gedanke des Regisseurs sich auf diesen Teil zu konzentrieren – oder es war bereits im Buch anders, das kann ich nicht sagen.
Auf jeden Fall haben wir hier praktisch eine Trump und Musk Variante bzw. wird auch gern der Vergleich zu Hitler gezogen, die leider nichtmal wie eine Parodie wirkt, da die Realität die Absurdität der Fiktion bereits übertroffen hat. Leider war gerade dieser Part, der, den ich nicht gebraucht hätte. Denn er ist absolut vorhersehbar und vermittelt genau das, was der durchschnittliche Zuschauende bereits weiß. Es werden keine Fragen oder Diskussionen aufgemacht, sondern lediglich eine Antwort präsentiert. Denn dieser Part bietet auch keine Angriffsfläche, da er nur eine Aussage am Ende zulässt.
Damit wird am Ende zwar ordentlich aus Hollywood gegen die aktuelle Regierung geschossen, was interessant ist, da sie zum Entstehungszeitpunkt 2021 noch nicht in dieser Extremität vorhersehbar war. Gleichzeitig wird sich aber wenig getraut, mit den Folgen von Klonen und Multiplen wird sich am Ende gar nicht auseinander gesetzt, was den Film aber ernst spannend gemacht hätte. So ziehen sich am Ende die 137 Minuten leider doch ein bisschen.

Das Fazit

Mickey 17 hat eine sehr spannende Prämisse, die leider nicht konsequent genutzt wird und hintenraus sehr generisch wirkt. Trotz starkem Schauspiel zieht sich die Geschichte leider etwas und somit bekommt der Film 06 von 10 möglichen Punkten.