Vergiftete Wahrheit

Ein Vorwort

2016 erschien der von Nathaniel Rich verfasste Artikel über den jahrelangen Rechtsstreit zwischen Robert Bilott und dem Großkonzern DuPont in der New York Times. Er wurde bereits für die Dokumentation „The Devil we know“ aufgegriffen. Jetzt hat Regisseur Todd Haynes daraus einen Spielfilm gemacht. Warum Vergiftete Wahrheit gleichzeitig gut und erschreckend ist, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Quelle

Die Handlung

Anwalt Robert Bilott (Mark Ruffalo) will eigentlich nur einem Bekannten seiner Großmutter einen Gefallen tun. Doch das mysteriöse Viehsterben auf der Farm von Wilbur Tennant (Bill Camp) lässt ihn nicht los. Eigentlich will er mit einer kleinen Klage gegen DuPont nur herausfinden, ob diese Giftmüll in Tennants Fluss gekippt haben. Doch dabei stößt er auf ein viel größeres Verbrechen. Sein Kampf für Gerechtigkeit soll 19 Jahre dauern.

Meine Meinung

Vergiftete Wahrheit hat das gleiche Problem wie andere investigative Filme. Er muss eine Geschichte, die aus vielen bürokratischen Schritten besteht, irgendwie spannend verpacken. Hinzu kommt diesmal, dass Robert Bilott auch eher unscheinbar wirkt für einen Anwalt, der ein Unternehmen wie DuPont verklagt. Kein leichtes Spiel für Regisseur Todd Haynes. 
Doch genau dies wird gekonnt umschifft, da es immer wieder neue Verwicklungen gibt. Durch die Aufteilung der Recherche im Büro und vor Ort, ist auch ständig Bewegung drin. Wir lernen verschiedene Betroffene kennen, arbeiten mit mehreren Anwälten zusammen und können doch die Übersicht über alle wichtigen Charaktere behalten. Man wird nicht mit Namen überschüttet, hat aber trotzdem genug Personen, um die Verwicklungen mit Gesichtern verfolgen zu können. Wie viel Zeit vergeht, wird nicht nur durch die übliche Zeitleisteneinblendung deutlich, sondern auch durch die verändernde Optik, beispielsweise von Frisuren und Autos, aber auch durch Bilotts Kinder, die immer größer werden. 
Doch vor allem bleibt der Zuschauer am Ball weil es immer wieder Zwischendurcherfolge gibt, die zwar schnell wieder kippen, anhand derer sich der Film aber wie Etappen entlanghangeln kann. Natürlich ist immer noch vieles dem Laien nicht so ganz klar, manchmal fehlen ein paar Erklärungen, um wirklich nachzuvollziehen, warum der nächste Schritt so gemacht werden muss, wie er gemacht wurde. Aber im großen und ganzen kann man der Handlung gut folgen und fühlt sich nicht durch zu hoch gestochene Dialoge außen vor gelassen.
Auch schauspielerisch kann sich der Film sehen lassen. Allen voran Mark Ruffalo, der mit Robert Bilott als Vorlage zwar die Schwierigkeit hatte den Charakter realitätsnah und doch nahbar darzustellen, was ihm in den wichtigen Szenen aber immer wieder gelingt. Auch der restliche Cast mit unter anderem Anne Hathaway, Bill Pullman und Tim Robbins verleihen dem Film eine gute Basis. 
Auch wenn der Ausgang des Films bekannt sein könnte, ist der Weg dahin doch nicht weniger Erschütternd. Die bewusste Vergiftung der eigenen Mitarbeiter und auch der Bevölkerung durch DuPont und die mangelhafte Regulierung der US-Behörden gehört auf jeden Fall auf die Kinoleinwand, um sie einem größeren Publikum bewusst zu machen.

Das Fazit

Vergiftete Wahrheit ist ein Film, der die üblichen Stolpersteine der investigativen Filme aus dem Weg räumt und eine spannende und erschütternde Geschichte erzählt. Dabei nimmt sie die meiste Zeit auch den Laien mit. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Vergiftete Wahrheit läuft seit dem 08.10.2020 in den deutschen Kinos.

Meine Monsterwochen #4: Coppola & Branagh

Herzlich Willkommen zum vierten Teil meiner Monsterwochen. Heute soll es um die Verfilmungen von Francis Ford Coppola und Kenneth Branagh gehen

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in sechs Beiträgen um Dracula und Frankenstein in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und Dracula und Frankensteins Monster sind wohl prominente Vertreter des Genres! 

Bram Stoker’s Dracula

Ein Vorwort

1992 brachte Francis Ford Coppola seine Interpretation des Stoffes von Bram Stoker in die Kinos. Ursprünglich wollte er den Film lediglich D nennen, um sich von anderen Verfilmungen abzusetzen. Da er aber eine größtenteils buchgetreue Fassung ablieferte, wurde letztlich sogar der Autorenname im Titel genannt. In dieser Reihe taucht er auf, da er ebenfalls zu den bekanntesten Verfilmungen gehört.

Die Handlung

Nach dem Selbstmord seiner Frau wird der transsilvanische Fürst Dracul (Gary Oldman) zu einem Vampir. Viele Jahre später reist der junge Anwalt Jonathan Harker (Keanu Reeves) auf das Anwesen des Grafen, um dort Verträge abzuschließen. Dabei sieht der Graf ein Bild von Harkers Verlobten Mina Murray (Winona Ryder), in der er seine verstorbene Frau entdeckt. Er überlässt Harker drei Vampirfrauen und reist nach London, wo er Mina umgarnt. Gleichzeitig stillt er seine Gier an Minas Freundin Lucy (Sadie Frost). Zur Hilfe eilt Professor Van Helsing (Anthony Hopkins).

Meine Meinung

Während Coppola mit Filmen wie Der Pate und Apocalypse Now sich einen gewissen Ruf erarbeitet hat, waren die Erwartungen an Dracula dementsprechend hoch. Doch mit dieser wilden Mischung aus Horror, Splatter und Liebesgeschichte wird er seinem Ruf wohl nicht gerecht. Fangen wir mit den positiven Aspekten an. Es wurden alle wichtigen Charaktere aus dem Buch übernommen und sie behalten größtenteils ihre Eigenschaften. Auch generelle Abläufe sind übernommen worden. Vor allem sticht wohl die Optik heraus, auch wenn einige Darstellungen stark übertrieben scheinen. Und spannend ist der Film auch, selbst wenn man das Buch und damit den Ausgang des Ganzen kennt. 
Kommen wir auch schon zu den Kritikpunkten. Hier dürften wohl an vorderster Stelle Coppolas übereifrige Darstellungen stehen. Ein bisschen viel Blut wird verspritzt, keine Szene ist einfach nur eine Szene, sondern alle sind dafür da, um Anstoß zu bieten. Während Stokers sexuelle Komponente der Geschichte stets untergründig blieb und nur leicht zu spüren war, wird sie hier mit dem Vorschlaghammer ausgenutzt. Während eigentlich der Akt des Blutsaugens erotisch sein sollte, wird hier ein halber Porno draus gemacht. Ob die dazu gedichtete Vorgeschichte des Grafen und die daraus resultierende Liebesgeschichte wirklich nötig war, sei mal dahin gestellt, im Gegensatz zu vielen anderen Aspekten wirkt sie aber nicht völlig fehl am Platz. Allerdings nimmt sie Mina als Charakter viele ihrer positiven Aspekte, scheint sie hier doch eher das verliebte Naivchen zu sein, statt der starken Frau aus dem Buch. Auch die Besetzung scheint teilweise etwas unglücklich. Sei es ein Anthony Hopkins als Van Helsing, der hier einen stets stark angeheiterten Professor abgibt, einen ausdruckslosen Keanu Reeves oder einen Gary Oldman, der sich auch stets der Grenze zum Overacting gefährlich nähert. Am ungeschicktesten dürfte aber wohl Winona Ryder als Mina Harker sein. Obwohl sie zu dem Zeitpunkt schon in einigen bekannten Produktionen mitgespielt hat, scheint sie hier das Schauspiel komplett verlernt zu haben. Kein Ausdruck, kaum Emotionen und dabei war ihre Rolle laut Drehbuch schon durchaus schwierig. 
Letztlich hatte der Film eigentlich einen namenhaften Cast und einen noch namenhafteren Regisseur. Dennoch weiß der Film vorne und hinten nicht, was er eigentlich sein will und was er schließlich aussagen will. Ja die Geschichte bleibt in den Grundzügen buchnah, aber letztlich wirkt es eher wie eine Parodie auf das Buch. 

Das Fazit

Francis Ford Coppolas Bram Stokers Dracula – man hätte vielleicht bei dem Namen D bleiben sollen – kennt nur zwei Arten: Zu viel und zu wenig. Zu viel Blut, Overacting und deutlich zu viel Pornocharakter. Zu wenig Schauspiel, zu wenig Charme, zu wenig Tiefe. Ein schwieriges Werk.

Mary Shelley’s Frankenstein

Ein Vorwort

Während mir Coppolas Verfilmung von Dracula regelrecht entgegensprang und ich sie unbedingt in meine Monsterwochen einbinden wollte, ging es nun darum ein ebenwürdiges Pendant dazu mit Frankenstein zu finden. Und auch wenn ich Kenneth Branagh nun keinesfalls mit Coppola gleichsetzen will, vereint die beiden doch zumindest die ähnliche Entstehungszeit, die hochkarätige Besetzung und die gleiche Huldigung der Buchvorlage durch Nennung des Autorenamens im Titel.

Die Handlung

Victor Frankenstein kommt über den Verlust der geliebten Mutter nicht hinweg. Als er auszieht, um zu studieren, sucht er noch immer nach Antworten. Er stößt auf ein Experiment eines seiner Professoren, der jedoch verstirbt. Also versucht Frankenstein das Experiment nachzumachen, wobei er aus Totem Leben erschaffen will. Doch seine Kreatur ängstigt ihn und er bereut seine Tat. Doch seine Taten holen ihn ständig wieder ein.

Meine Meinung

Ähnlich wie Coppola bleibt auch Branagh sehr nah an der Buchvorlage, zumindest in vielen Teilen. So tauchen alle wichtigen Figuren auf, auch wenn sie an manchen Stellen etwas umgeschrieben wurden, was aber erst einmal dem Film nicht schadet. Auch ähnlich wie Coppola inszeniert Branagh hier große Teile des Films ein wenig zu intensiv. Alles wird mit großen Gesten gemacht, nichts mit kleinen Worten. Keine Szene ist dezent inszeniert, sondern stets mit großem Trara.
Auch wenn der Aspekt bereits an der Belastbarkeit des Zuschauers zehrt, wird es dabei nicht belassen. Branagh schlüpft, wie in vielen seiner Filme, auch hier in die Hauptrolle und präsentiert uns seinen Victor Frankenstein. Da diese Rolle im Buch nicht unbedingt ein Sympathieträger ist, schreibt Branagh die Rolle ein wenig um. Statt mit einer permanenten naiven Weinerlichkeit umzugehen, hat nun der Zuschauer hier einen unter Strom stehenden Frankenstein, der ständig durch seine zu laute Stimme und zu heftigen Reden auffällt. Freunde und Familie stößt er regelmäßig von sich und wenn die nicht selbst zu ihm zurückkehren, obwohl er so ungehobelt war, läuft er ihnen selbst hinterher, um sich immerzu zu entschuldigen. Was so schon anstrengend wäre, wird noch auf die Spitze getrieben durch Branaghs konsequentes over-acting. Er geht damit so weit, dass er selbst Helena Bonham-Carter, die hier eigentlich noch ruhig und souverän spielt, fast verführt ihn ebendieses abzudriften.
Hat der Zuschauer einmal das erste Drittel überstanden, darf er ein wenig aufatmen. Denn ab hier wird die Inszenierung ein wenig ruhiger und bodenständiger. Vor allem dürfen wir ab jetzt aber auch Robert deNiro als Frankensteins Monster begrüßen. deNiro spielt die Kreatur wirklich auf den Punkt. Die Verwirrung über das plötzliche Leben und wie er von allen, sogar seinem eigenen Schöpfer, als abstoßend empfunden wurde, weswegen ihm permanent Hass und Ablehnung entgegenschlägt. Dabei wurde auch sein Aussehen wohl dem von Shelley erdachten angepasst. Man bekommt einen Einblick in sein Denken und Handeln, auch wenn einige kleinere Szenen weggelassen wurden, die doch eine große Aussage treffen könnten, warum er seine Entwicklung durchmacht. Hier spiele ich vor allem auf die kurze Szenen aus dem Buch an, wo die Kreatur ein Mädchen vor dem Ertrinken rettet und dann von ihrem Vater fast erschossen wird. Letztlich wurde die Grundabsicht Shelleys aber doch deutlich.
Wir kommen also zum letzten Drittel des Films. Hier wird das Drehbuch wieder aufgeregter und Szenen werden wild hin und her geworfen, ähnlich der Wankelmütigkeit von Branaghs Frankenstein. Hier dürften sich dann auch die größten Änderungen zu Shelleys Vorlage finden. Gerade das große Finale wird hier abgewandelt und zeigt einmal mehr, dass verzweifelt versucht wurde, eine eher dialoglastige Geschichte, mit vielen Beschreibungen der Gedanken und des Innenlebens des Protagonisten, eine bildgewaltige Verfilmung zu machen. Dass der Film mit einer wesentlich dezenteren Darstellung vielleicht sogar besser verfahren wäre, wird hier komplett außer Acht gelassen.

Das Fazit

Buchnah und doch so opulent inszeniert, dass man sich nur die Haare raufen kann. Der Film erfasst irgendwo die Grundstimmung und Tiefe des Buches und kann doch die essenziellen Botschaften nur bedingt rüberbringen.

Ein Schotte kommt selten allein

Ein Vorwort

Während ich euch in der letzten Woche die magische Welt unter Edinburgh näher brachte, soll es diese Woche um eine Sache gehen, die ich zusätzlich zur Erkundung Edinburghs vorhatte: Busrundreise. Während es bei mir nur um kurze Tagesausflüge gehen sollte – danke Corona, für nichts – bekommt Karin Müllers Janne gleich das Rundumpaket mit. Aber zum Glück wird es noch abenteuerlich. Wie mir Ein Schotte kommt selten allein gefallen hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Janne ist begeisterter Schottlandfan und liebt die Serie Outlander. Als ihre Freundinnen ihr zu ihrem 40. Geburtstag eine Reise ins Land des Whiskeys und der Highlands schenken, müsste sie eigentlich überglücklich sein. Aber Janne hasst Busreisen. Und genau darum handelt es sich bei der Reise. Und schon ist sie eingequetscht zwischen lauten Outlander-Fans und muss Sightseeing nach einer strengen Stoppuhr machen. Bis sie aus Versehen in den falschen Bus steigt und sich auf einmal neben dem charmanten Schotten Alex wiederfindet, beginnt ihr Abenteuer erst richtig.

Meine Meinung

Ein Schotte kommt selten allein von Karin Müller sprach mir durch den Klappentext genau aus der Seele. Zunächst konnte ich mich auch gut mit der Protagonistin Janne identifizieren, auch wenn uns noch einige Jahre trennen. Zunächst erfahren wir auch nur im Ansatz, dass sie immer wieder Probleme mit ihren Beziehungen hatte, weil sie sich auf die falschen Männer eingelassen hat. Dies wird jedoch noch genauer erschlossen. Und schon nach wenigen Seiten geht es auf große Schottlandreise. Leider erfolgte ab da sehr schnell die Ernüchterung. Denn die Busreise, auf die ich mich schon irgendwie freute, hab ich sie doch dieses Jahr nicht selbst erleben können, entpuppt sich zu einem durchgehenden Janne-Jammer. Alle Mitreisenden sind für sie irgendwie blöd – und ja, einige hätten mich wohl auch genervt – und nervig und sie ist ja in allem besser. Die Mädelstruppe sind große Outlander-Quietsche-Fans und es ist natürlich viel kultivierter, Outlander nur im stillen zu lieben. Und der Reiseleiter hat natürlich auch einen kleinen Klaps, weil er mit einer Funko-Pop Braveheart-Puppe, die er ein bisschen verschönert hat, rumreist. Hier fiel es mir wirklich schwer weiter in die Geschichte reinzukommen und ich distanzierte mich immer mehr von dem Gemecker und Gejammer der Protagonistin. 
Aber damit ist die Geschichte natürlich noch lange nicht vorbei. Und das ist auch gut. Denn sobald Janne in den falschen Bus springt und Alex kennenlernt, wandelt sich die Geschichte deutlich und wird zu einer tollen Liebesgeschichte. Liebe zwischen zwei Menschen und Liebe zu einem wunderbaren Land. Denn auch wenn es größtenteils als Busreise weiter geht, ist hier doch das Gefühl viel besser. Die Mitreisenden sind angenehmer und es gibt weniger reines Outlandergerede. Ab hier wird auch immer deutlich warum Janne so ist, wie sie ist und man kann sie und ihre Handlungen deutlich besser nachvollziehen. 
Ihr neuer Reisepartner Alex ist zwar etwas zu perfekt und natürlich auch immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort, aber für die Geschichte verzeiht man so einiges. Wenn so sympathische Schotten auf einen warten, werde ich wohl auch aus Versehen mal in den falschen Bus springen. 
Karin Müller schafft es mit einem flüssigen Schreibstil den Leser voll und ganz für das Land im hohen Norden der britischen Insel zu gewinnen. Und das ganz ohne die gängigen Klischees zu überstrapazieren. Also wenn man das erste Dritten geschafft hat und alle gängigen Busreisenklischees durch sind. Aber durch diesen Teil muss man sich einfach durchkämpfen, denn es lohnt sich!

Das Fazit

Ein Schotte kommt selten allein hat ein nerviges erstes Drittel, doch danach hat sich die Geschichte eingespielt. Auch wenn es sich die Handlung manchmal etwas leicht macht, ist die Geschichte doch zum träumen. Ob nun von einem etwas verregnetem Land oder einem gepflegtem Mann, darf sich jeder Leser selbst aussuchen. 

Ein Schotte kommt selten allein ist seit dem 11.05.2020 in allen Buchhandlungen erhältlich

Ein Schotte kommt selten allein wurde mir vom Penguin Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Jim Knopf und die Wilde 13

Ein Vorwort

2018 lief bereits der erste Teil der Realverfilmung des Kinderbuchklassikers von Michael Ende in den deutschen Kinos. Obwohl er nicht so erfolgreich war, wie man es sich bei den hohen Produktionskosten wohl gewünscht hätte, kommt nun mit der Wilden 13 auch der zweite Teil ins Kino. Als Grund wird vor allem angeführt, dass die beiden Jungdarsteller Solomon Gordon und Leighanne Esperanzate sonst zu groß und zu alt wären für ihre Rollen und man eine Neubesetzung vermeiden wollte. Mir gefiel der erste Teil grundsätzlich, nur hat mir der besondere Funken und das gewisse Etwas meiner Kindheitserinnerung gefehlt. (Nachzulesen hier) Kann der zweite Teil den ersten nun toppen und die Geschichte der Lummerländer zu einem guten Ende bringen?

Quelle

Die Handlung

Als der Postbote (Volker Michalowski) erneut gegen die Küste von Lummerland stößt, stellt König Alfons (Uwe Ochsenknecht) fest, dass sie dringend einen Leuchtturm brauchen. Doch dafür ist auf der kleinen Insel einfach kein Platz. Also beschließen Lukas (Henning Baum) und Jim Knopf (Solomon Gordon) Herrn Tur Tur (Milan Peschel), den Scheinriesen, zu fragen. Also brechen sie zu einem neuen Abenteuer auf. Doch noch immer beschäftigt Jim die Frage seiner Herkunft. Die Antwort erhofft er sich vom goldenen Drachen der Weisheit, der bald erwachen soll. Dieser schickt ihn aber zu einem weiteren Abenteuer los, denn nur die Wilde 13, eine Bande von Piraten, die ihn einst aussetzte, hat die Antwort für ihn.

Meine Meinung

Es geht wieder los. Auch das zweite Abenteuer der Lummerländer Lukas und Jim Knopf steckt wieder voller neuer Welten, alten Bekannten und vor allem voller Gefahren. Dabei setzt der Film, wie schon der erste Teil wieder sehr stark auf eine herausragende Optik. Ob nun Lummerland, Mandala oder diesmal auch das „Land, das nicht sein darf“. Während man den beiden auftauchenden Drachen das CGI noch ansieht, wirkt der Rest in guter alter Handarbeit hergestellt. Auch schauspielerisch braucht sich der zweite Teil keinesfalls hinter dem ersten zu verstecken. Gerade Rick Kavanian als die Wilde 13 kann in seiner mehrfach Rolle durchaus punkten und verschafft dem Film einen richtigen Mehrwert. 
Handlungstechnisch hält er sich fast noch penibler an die Buchvorlage als schon der erste Teil, was aber auch hier sehr gut funktioniert. Kleinere Änderungen sind auch für eingefleischte Buchfans verzeihbar. Lediglich das Auslassen der Reise durch die Stadt der Meermenschen hinterlässt einen kleinen Wermutstropfen. Da die wichtigsten Charaktere diesmal auch bereits vorgestellt waren, konnte das Abenteuer wesentlich schneller voranschreiten und das Hauptaugenmerk lag diesmal auf dem großen Finale. Hier war der Drahtseilakt zwischen realistischer Darstellung und Kindertauglichkeit gefragt, was sehr gut umgesetzt wurde. Wir kriegen also unseren Piratenkampf und doch mit möglichst geringem Gewaltakt. Die Freigabe ab 0 Jahren ist also durchaus berechtigt.
Ein Problem des ersten Teil war es, dass die Witze nicht so richtig fruchteten. Dies ist beim zweiten Teil ein bisschen umschifft worden, da er wesentlich weniger auf Humor angelegt war, aber die lockeren Passagen durchaus zum lachen ermuntern. So ist eine eher heitere Stimmung angesetzt, durchsetzt von ein paar spannenderen Stellen – wie gesagt: trotzdem sehr kinderfreundlich. Während das durchgehende Theme im ersten Teil noch „Eine Insel mit zwei Bergen“ war, wird dies auch hier weiterentwickelt und dem Lied der Wilden 13 „13 Kerle auf dem Totensarg“ angepasst. Leider lief das Lied nie in voller Länge, nicht einmal im Abspann. Das hat mich dann doch geärgert, weil es durchaus Ohrwurmcharakter hat. 
Jim Knopf und die Wilde 13 kann also nicht nur als Fortsetzung überzeugen, sondern auch in seiner Gesamtheit. Die Stolpersteine des ersten Teils wurden überwunden und die Gesamtstimmung verbessert. Lediglich Nepomuk ist immer noch zu sehr Sprecher Michael Bully Herbig angepasst und weniger dem eigentlichen Charakter. Aber auch damit kann man sich arrangieren. So ist es nun also die bildgewalige Umsetzung, die das Buch Endes verdient hat. Ich konnte mich zumindest in meine Kindheit zurückversetzt fühlen.

Das Fazit

Jim Knopf und die Wilde 13 punktet wieder durch eine bildgewaltige Optik, gute Schauspielleistungen – vor allem Solomon Gordon hat hier zugelegt – und eine gute Grundstimmung. Kleine Stolpersteine werden überspielt und dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Jim Knopf und die Wilde 13 läuft seit dem 01.10.2020 in den deutschen Kinos 

Talus

Ein Vorwort

Ich will schon seit vielen Jahren einmal nach Schottland. Und dieses Jahr hätte es soweit sein können, die Reise nach Edinburgh war bereits gebucht. Aber wie bei so vielen anderen hat Corona meine Reisepläne gecancelt. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als zumindest durch Buchwelten in die Stadt einzutauchen. Und Talus wollte mich nicht nur nach Edinburgh mitnehmen, sondern auch noch in eine magische Welt unter Edinburgh. Wie mir das Buch in die magische Welt gefallen hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Die Touristenführerin Erin glaubt an Magie, wird dafür aber immer ausgelacht. Als sie dann aber bei einer Führung in den Vaults einem echten Geist begegnet, ist sie gar nicht mehr so begeistert. Und schon steckt sie mitten in einem Wettlauf um den magischen Gegenstand Talus zu finden. Mit dabei ist der Tarotleger Kaito, die Gebräuhexe Lu und der Schattenleser Noah. Doch Talus ist mächtig und sollte nicht in die falschen Hände geraten.

Meine Meinung

Liza Grimm schafft es spielerisch eine völlig neue magische Welt unter Edinburgh zu schaffen. Dabei hat sie sich die richtige Stadt ausgesucht, die bereits voller Mythen und Legenden ist. Gut recherchiert, Legende aufgegriffen und ein steter Glaube an die Magie. Schon haben wir mit Erin auch unsere erste der vier Protagonisten. Sie ist ein Mensch und Touristenführerin. Sie ist mit dem steten Glauben an Magie aufgewachsen, bis ihre Tante Charly erkrankte. Eben jene Frau, die sie immer bestätigte und ihr die Begeisterung für die Magie gab. Umso begeisterte ist sie, als sie nach dem Erlebnis mit dem Geist erfährt, dass es wirklich Magie gibt. Da die anderen Protagonisten alle zur magischen Welt gehören, haben wir mit Erin praktisch unseren Verknüpfungspunkt. Wenn ihr die Grundlagen der magischen Welt erklärt werden, dann werden sie dadurch auch dem Leser erklärt, ohne in ständige Ausschweifungen zu verfallen.
Weitere Protagonisten sind Kaito, ein Tarotleger, der lieber in der Menschenwelt lebt, weil er als Tarotleger automatisch einen niedrigeren Stand in der magischen Welt hat. Noah, ein Schattenleser, der von Geburt an einen hohen Stand hat und verzweifelt versucht den hohen Erwartungen seines Vaters zu erfüllen. Als er die Ermittlungen eines wichtigen Falls übernehmen darf und vom Rat der Hexen direkt dafür ausgewählt wurde, kann er sein Glück kaum fassen. Doch dieser Fall hat es in sich. Und zu guter Letzt hätten wir dann noch Lu, eine Gebräuhexe. Sie lebt gerade für zwei Jahre in der Menschenwelt, da dies zu ihrer Ausbildung gehört. Dabei ist ihr größter Wunsch eine Wasserhexe zu sein. Bis auf Kaito bekommen alle Protagonisten Kapitel, die aus ihrer Sicht erzählt wurde. Ein bisschen schade, da ich Kaito am meisten mochte und mich seine Gedanken schon sehr interessiert hätten.
Alle vier sind vom Charakter und von ihrer Geschichte her sehr unterschiedlich, aber ihre Geschichten überschneiden sich an bestimmten Stellen, so dass man erahnen kann, wo sich sich letztlich treffen werden. Wie das ganze dann aber doch geschieht, ist dann noch einmal eine völlige Überraschung und traf mich auch sehr unvorbereitet.
Über das Ende zu reden, ist nicht leicht, da hier schnell gespoilert werden kann. Sagen wir es einfach mal so: Das Buch baut sich relativ langsam auf und nimmt sich die Zeit die Charaktere, die magische Welt und die Rätsel aufzubauen, die nach und nach gelöst werden wollen. Viele Rätsel werden noch mit in den zweiten Teil genommen, einige Fragezeichen konnten aber auch gelöst werden. Dennoch ließ mich der erste Teil sehr fassungslos zurück. Da war Frau Grimm nicht nur sehr gemein zu ihren Lesern, sondern musste auch noch einen großen Cliffhanger einbauen.
Letztlich ist es eine Geschichte, die mich komplett abholen konnte, obwohl ich sonst solche Aufbaubände eher weniger mag. Aber Liza Grimm weiß es, neben dem Weltenbau und der Charakterisierung eben genug Brotkrumen zu verstreuen, um den Leser bei der Stange zu halten und durch ihren sehr schönen und flüssigen Schreibstil das Buch in einem zu verschlingen. Und nun heißt es warten auf den zweiten Teil.

Das Fazit

Talus zieht den Leser in seinen Bann und wenn man mitten in der wunderbaren magischen Welt in Edinburgh versunken ist und die Charaktere lieb gewonnen hat, ist es auch schon zu Ende – das ist übrigens positiv gemeint und ist ein deutliches Zeichen für Liza Grimms sehr schönen Erzähl- und Schreibstil.

Talus ist seit dem 01.10.2020 in allen Buchhandlungen zu finden

PS: Erinnert mich daran, demnächst nur noch Bücher zu lesen, wo der/die AutorIn die Fortsetzung bereits geschrieben hat und nicht erst noch schreiben muss…

Netflix Original: Enola Holmes

Ein Vorwort

Bevor ich überhaupt irgendetwas von dem Inhalt des Films wusste, sprangen mir bereits die Schlagzeilen über die Klage der Doyle-Erbengemeinschaft entgegen. Was war passiert? Nun vereinfacht gesagt, wird der Sherlock im Film Enola Holmes wohl relativ menschlich dargestellt, er zeige Gefühle und respektiere Frauen, was die literarische Figur wohl nur in den letzten zehn Geschichten von Doyle tat, die der Autor erst nach dem 1. Weltkrieg schrieb. Und genau an diesen hat die Erbengemeinschaft noch Rechte dran. Während andere Adaptionen, wie die BBC Serie Sherlock oder auch Elementary auch ohne es zu müssen, an die Erbengemeinschaft zahle, weigere sich Netflix hier. Wie die Geschichte ausgeht? Ich habe keine Ahnung. Ob mir der Film trotzdem gefallen hat? Oh ja, warum verrate ich euch in meiner Kritik.

Die Handlung

Enola Holmes (Millie Bobby Brown) wächst weitgehend allein bei ihrer Mutter (Helena Bonham Carter) auf, da ihre beiden älteren Brüder Sherlock (Henry Cavill) und Mycroft (Sam Claflin) bereits ausgezogen sind und der Vater früh verstarb. Dadurch wächst sie sehr untypisch für Mädchen ihrer Zeit auf. Sie kann kämpfen, spielt Tennis im Haus und lernt das Entschlüsseln von Anagrammen. Als ihre Mutter an ihrem 16. Geburtstag spurlos verschwindet, will sich Mycroft ihrer Erziehung annehmen und sie in ein Mädcheninternat stecken. Sherlock soll sich unterdessen der Suche nach der Mutter widmen. Doch Enola hat keine Lust auf das Internat und flüchtet. Mit ein wenig Geld, dass ihre Mutter für sie versteckt hatte, schafft sie es nach London und trifft unterwegs auf den ebenfalls flüchtigen Lord Viscount Tewksbury (Louis Partridge).

Meine Meinung

Ich mag Sherlock Holmes und viele seiner Adaptionen. Daher fiel mir die Entscheidung diesen Film zu sehen nicht schwer. Und ich wurde auch nicht enttäuscht. Denn Enola Holmes mag zwar „nur“ die kleine Schwester des berühmten Detektiv zu sein, aber ihre Geschichte hat den typischen Charme der Geschichten, eine schöne Geschichte, eine tolle Protagonistin und spannende Rätsel zum entschlüsseln. Aber fangen wir vorne an.
Wir lernen zunächst Enola und ihre Mutter kennen. Dabei erzählt Enola ihre Geschichte selbst und durchbricht dadurch gerne einmal die vierte Wand, was den Zuschauer von Anfang an mitten in die Geschichte eintauchen lässt. Man erfährt in kürzester Zeit alle wichtigen Informationen und schon geht die Geschichte los mit dem Verschwinden der Mutter. 
Enola ist dabei ein sympathischer kleiner Wildfang, die sich nicht an bestehende Konventionen halten will, und auch ihre Kindheit war alles andere als normal. Millie Bobby Brown schafft es die verschiedenen Stimmungen und Emotionen unserer Protagonistin sehr gut einzufangen und umzusetzen. Egal, ob sie sich als Junge verkleidet, kämpfen muss oder eine Lady spielt. Dabei muss sie sich keinesfalls hinter ihren Schauspielkollegen Cavill, Claflin oder Bonham-Carter verstecken. 
Henry Cavills Sherlock ist dann schon ein wenig seltsamer. Denn er passt nicht in das bekannte Bild des Meisterdetektivs. Das ist an dieser Stelle aber durchaus nichts schlechtes, spielt er ihn doch als eleganten Mann, der sich hinter einer eisernen Fassade versteckt und nur ganz selten Emotionen zeigt. Er ist ein sehr nachdenklicher und grüblerischer Sherlock, was zur Stimmung des Films passt und einen guten Kontrast zu Claflins Mycroft bildet. Dieser ist nämlich eine ebenfalls gewagte Darstellung. Während man vielleicht zu sehr an Mark Gatiss Darstellung aus der BBC Variante gewöhnt ist, haben wir hier zwar noch immer einen eleganten Mycroft, aber eben auch einen sehr eitlen und eingebildeten. Claflin schafft es seine Rolle an die Grenze zum Übertriebenen zu treiben, ohne diese zu überschreiten. 
Kommen wir also zur Handlung. Diese ist in mehrere Rätsel unterteilt, die gelöst werden wollen, laufen aber schließlich zu einer großen Handlung zusammen. Dabei ist sie durchgehend spannend, Enola hat einige gute Ideen zur Entschlüsselung, die auch optisch sehr gut umgesetzt wurden. Vor allem die Optik des Films sticht hervor. Man merkt, dass für den einst als Kinofilm geplanten Film ausreichend Budget zur Verfügung stand, so dass man sich an den Bildern und auch einem realistisch verdrecktem London kaum satt sehen kann. Die Rätsel reichen aus, um einen kompletten Film zu füllen, ohne das man von Schauplatz zu Schauplatz hetzen muss. 
Und zu guter Letzt möchte ich noch erwähnen, dass Burn Gorman mitspielen durfte, den ich immer wieder sehr gerne sehe. Und ja, das mag vielleicht lediglich für mich ein Pluspunkt sein, aber ich wollte es nicht unerwähnt lassen.

Das Fazit

Enola Holmes ist ein intelligent geschriebener Film mit tollen Schauspieler, schöner Optik, spannender Handlung, interessanten Rätseln und vor allem toller Protagonistin. Eine absolut Sehempfehlung! 

Doctor Sleep – Kritik zu Buch & Film

Ein Vorwort

Eigentlich sollte es in dieser Kategorie ein bisschen mehr Vielfalt geben, als der dritte Beitrag über Stephen King, aber aus Doctor Sleep musste ich einfach eine Doppelkritik machen, weil ich das Buch letztes Jahr eigentlich nur in die Hand genommen habe, um es vor dem Kinostart gelesen zu haben. Dass ich den Film dann im Kino gar nicht sehen konnte, war ärgerlich, aber dafür gab es nun meine Heimkinopremiere. 

Die Handlung

Dan Torrance kennt der treue Leser noch aus Shining. Er hat die Ereignisse im Overlook-Hotel überlebt und erliegt Jahre später, wie einst sein Vater, dem Alkohol. Für einen Neuanfang zieht er in ein kleines Städtchen, wird trocken und bekommt schließlich einen Job als Pfleger in einem Hospiz. Dort macht er sich einen Namen als Doctor Sleep, weil er den Patienten in ihren letzten Minuten beisteht. Das er diese mit Hilfe seines Shinings besonders angenehm gestaltet, weiß außer ihm keiner. Er hat eine besondere Verbindung zu dem Mädchen Abra, das er noch nie gesehen hat. Sie können über ihr Shining kommunizieren. Von ihr erfährt er, dass es eine Gruppe von Wesen gibt, die sich selbst als Wahren Knoten bezeichnen, die sich vom Shining und der Angst von Kindern ernähren, da sie dadurch nicht sterben. Als der Wahre Knoten es nun auf Abra abgesehen hat, versucht Dan alles, um den Knoten entgültig aufzuhalten.

Meine Meinung zum Buch

Stephen King schreibt keine Mehrteiler und keine Fortsetzungen. So hieß es lange Zeit. Tatsächlich ist Doctor Sleep seine erste Fortsetzung. Die Geschichte, was aus dem kleinen Danny wurde, sollte einfach erzählt werden. Dabei stellt er wieder ein paar sehr ernste Beobachtungen an. Zum einen, dass Kinder mit Alkoholikern als Eltern oft ins gleiche Schema verfallen. King selbst kämpfte mit Alkohol und Drogen, weswegen er die Sitzungen der anonymen Alkoholiker im Buch auch sehr ausufernd beschreibt und die Grundsätze an vielen Stellen in die Geschichte einwebt. Zum anderen, dass das Shining bedrohlich sein kann. In diesem Fall durch den Wahren Knoten, die Kinder mit Shining suchen, quälen, töten und dann das Shining aufsaugen. Beide Beobachtungen führen zu einer logischen Schlussfolgerung, nämlich dieser Geschichte. Allerdings lebt sie hauptsächlich von Kings unfassbar gutem Erzählstil. Denn für das erzählte ist die Geschichte zu lang. Vieles hätte man weglassen können, dann wäre das Buch vielleicht ein bisschen spannender gewesen. Versteht mich nicht falsch, nach normalen Maßstäben war das Buch durchaus spannend. Wenn man es aber beispielsweise mit seinem direkten Vorfahren „Shining“ vergleicht, dann merkt man dem Buch die Längen an, da es einfach nicht die gleiche bedrohliche Stimmung schafft. Letztlich würde ich das Buch als Gut, aber nicht als Herausragend bezeichnen. King schafft es wieder auf die Charaktere und ihre Zwiespalte einzugehen und eine Fortsetzung zu schaffen, die sich von ihrem Vorgänger löst und gleichzeitig mit ihm verbunden bleibt. 

Meine Meinung zum Film

Mit Verfilmungen von Stephen King Werken ist es so eine Sache. Gerade seit dem Erfolg von dem Es-Remake sprießen sie wieder aus dem Boden. Friedhof der Kuscheltiere konnte an den Erfolg schon nicht anknüpfen. Doctor Sleep – oder Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen, wie der deutsche Verleih ihn nennt – hatte nun das Problem, das auch noch Stanley Kubricks Shining-Verfilmung irgendwo mit drin steckt. Während für viele dadurch wohl die Messlatte hoch gelegt wurde, war für mich eher das Problem, das Kubrick einige Änderungen vornahm, die nun zwangsläufig wieder mit aufgegriffen wurden. Um es kurz zu machen: Ich mag Kubricks Shining nicht. Ich gehe da ganz mit Stephen King mit, dass die Stimmung und der langsame Spannungsaufbau mit steigendem Wahnsinnslevel im Overlook-Hotel von Kubrick nicht eingefangen wurde, sondern viel zu plakativ dargestellt wurde. Für mich musste Doctor Sleep also eine Hürde mehr nehmen. 
Das vordergründigste Problem, das ich mit der Doctor Sleep Verfilmung habe, ist die Länge von 152 Minuten unter Streichung vieler interessanter Elemente. Das eine Verfilmung immer Elemente und Handlungsstränge aus einer Buchvorlage – gerade einer so umfangreichen, wie Kings – streichen muss, ist mir völlig bewusst. Aber wenn die Entscheidung nun so fiel, dann hätte der Film auch deutlich kürzer sein können. Denn die noch übrigen Elemente werden nun so langatmig erzählt, dass man bereits 90 Minuten sah und sich fragt, wann denn die eigentliche Handlung nun ansetzt. Hier wäre eine kompaktere Erzählung besser gewesen, oder wenn man die Länge hätte halten wollen, dann bitte mit mehr Inhalt. 
Das letztlich auch der finale Kampf stark vom Buch abweicht, ist dann wohl wieder Kubrick geschuldet, der einfach sein eigenes Ende schrieb und im Film daher ganz andere Möglichkeiten geschaffen wurden. Hier versucht der Film auch nochmal alles aus diesen Möglichkeiten auszuschöpfen, letztlich hat er den Zuschauer aber an diesem Punkt schon verloren, so dass der finale Kampf einen auch nicht mehr zurückbringt. 
Schauspielerisch ist der Film auf einem guten Niveau, vor allem Rebecca Ferguson merkt man ihren Spaß und ihren Enthusiasmus an ihrer Rolle deutlich an. Ewan McGregor spielt gewohnt solide, holt aus seiner Rolle aber auch nicht mehr raus. 

Das Fazit

Während das Buch sich wieder voll und ganz auf die Charaktere konzentriert und eine solide Handlung um diese baut und vor allem durch Kings Erzählstil lebt und spannend bleibt, verliert sich der Film in seiner Oberflächlichkeit. Durch die lange Lauflänge bei vergleichsweise wenig adaptiertem Inhalt kann der Film keine Spannung aufbauen.  Während das Buch wohl zu Kings schwächeren Erzählungen gehört, was aber dem ansonsten sehr hohem Niveau geschuldet ist, und trotzdem noch eine solide Leistung abliefert, ist die Verfilmung irgendwo knapp unterm Mittelmaß. 

Eine Handvoll Serien

Heute mit: einer faszinierenden Familiengeschichte, einer ungewöhnlichen Superheldenfamilie, ein Weckruf der Erde, einen Einblick in die indische Tradition der Heiratsvermittlung und einer Geisterband. 

This is us – Staffel 1

Die Handlung: Familie Pearson ist nicht unbedingt alltäglich. 1980 erwarten die Eltern Jack (Milo Ventimiglia) und Rebecca (Mandy Moore) Drillinge. Kevin (Justin Hartley) und Kate (Chrissy Metz) kommen zur Welt, doch das dritte Baby stirbt bei der Geburt. Wie es der Zufall so will, wurde am gleichen Tag ein Baby vor einer Feuerwache ausgesetzt und ins gleiche Krankenhaus gebracht. Die Pearsons adoptieren Randall (Sterling K. Brown). Die Serie wechselt zwischen der Geschichte der Eltern in den 1980er Jahren und denen der erwachsenen Kinder hin und her.

Meine Meinung: Vielfach bei den Emmys nominiert, vereinzelte auch gewonnen, auf jeden Fall immer hoch gelobt. Schon länger hatte ich die Serie auf dem Schirm, nun habe ich sie endlich auch mal angefangen. Grundsätzlich gefällt sie mir auch richtig gut. Die Probleme und Dramen sind realitätsnah und durch die drei sehr unterschiedlichen Wege der Kinder auch sehr anders und jedes auf seine Art und Weise interessant. Durch den Wechsel zwischen den Geschichten bleibt auch die Spannung stets erhalten. Hinzu kommen die wirklich guten Schauspielleistungen aller Darsteller. Problematischer ist für mich die Menge an Drama. Nie gibt es einen Stillstand oder irgendetwas ist einfach mal gut. Ständig wird nur auf den nächsten großen Knall hingearbeitet. Und da das in den insgesamt 18 Episoden der ersten Staffel einfach so oft vorkam, gibt es dann auch kein richtiges Staffelfinale mehr, da gefühlt schon alles an Drama aufgebraucht war. Bedeutet, dass ich This is us immer nur in kleinen Häppchen sehen kann, damit es mir nicht zu viel wird. Dennoch weicht das Drama oft auch vom Schema ab und Entscheidungen werden nicht stereotypisch, sondern zum Charakter passend getroffen, was wirklich erfrischend ist. 

This is us ist bei Amazon Prime im Abo enthalten

The Umbrella Academy – Staffel 2

Die Handlung: Die sieben Mitglieder der Umbrella Academy konnten dem Weltuntergang, hervorgerufen durch Nummer 7/Vanya (Ellen Page) mit Hilfe von Nummer 5 (Aidan Gallagher) entgehen. Sie landen alle in den 1960er Jahren, aber nicht im gleichen Jahr. Als schließlich auch Nummer 5 ankommt, herrscht erneut Weltuntergang. Nur mit Hilfe schafft es Nummer 5 noch einmal ein paar Tage vor die Apokalpyse zu springen und muss nun seine Geschwister zusammen suchen. Doch die haben sich teilweise schon ein ganz neues Leben aufgebaut.

Meine Meinung: Schon die erste Staffel der Umbrella Academy konnte begeistern. Auch wenn es schwer vorstellbar war, aber die zweite Staffel schafft es spielerisch noch einmal ordentlich einen drauf zu legen. Durch die unterschiedlichen Leben, die sich die Geschwister aufgebaut haben, bleibt genügend Zeit um ihre Charaktereigenschaften noch einmal näher zu betrachten. Dennoch wird es wieder spannend durch die drohende erneute Apokalypse, die sie wieder verhindern wollen. Dabei hat die Serie es inzwischen geschafft eine gute Grunddynamik zwischen den Charakteren aufzubauen, die hier wieder voll ausgeschöpft wird. Hinzu kommen einige altbekannte Gesichter und einige neue in mehr oder weniger wichtigen Nebenrollen. Es kommt zu einigen absurden Situationen, die auch den Humoraspekt der Serie wieder befeuern. So klebt man am Bildschirm vor Spannung und kann zwischendurch auch herzlich lachen. Auch wenn Teilaspekte wie eine Wiederholung der ersten Staffel wirken, kommen immer genügend neue Ideen dazu. Das ganze wird unterstrichen von einem auf den Punkt gebrachten Soundtrack. Wer auch immer in einer großen Schlacht die Backstreet Boys spielen wollte, verdient gefälligst einen Preis. Es war auf jeden Fall wieder ein Wechselbad der Gefühle und das ist absolut positiv gemeint.

The Umbrella Academy ist bei Netflix im Abo enthalten

Down to Earth with Zac Efron – Staffel 1

Die Handlung: Zac Efron hat sich mit Wellness-Experten Darren Olien zusammengetan. Zusammen reisen sie um die Welt, um verschiedene Konzepte zum den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu begutachten und der Erde einfach mal zuzuhören.

Meine Meinung: Down to Earth hat im deutschen den wenig passenden Titel „Um die Welt mit Zac Efron“. Der Titel ist nicht nur unaussagekräftig, sondern verfehlt wohl auch die Zielgruppe. Denn Zac Efron kennt man wohl am ehesten durch seine Schauspieltätigkeit. Von seinen Anfängen mit High School Musical zu seinen gewöhnungsbedürftigen Komödien, wie Bad Neighbors oder Dirty Grandpa. Doch hier erleben wir Efron fern ab von Hollywood und dadurch auch von einer ganz anderen Seite. Denn schon seit längerem befasst er sich selbst mit den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Inspiriert hat ihn das Buch von Darren Olien, woraus eine Freundschaft entstand, die schließlich zu dieser Serie führte. Zusammen bereisen die beiden Orte auf der Welt, die faszinierende Konzepte für gewisse Probleme entwickelt haben. Zum Beispiel bereisen sie Frankreich mit dem öffentlichen Wasserkonzept und einer Heilquelle. Oder sie untersuchen in Sardinien die hohe Lebenserwartung der Einheimischen. Durch die sehr unterschiedlichen Themen bleibt es stets spannend und man kann durchaus für sich etwas mitnehmen. 

Down to Earth ist bei Netflix im Abo enthalten

Indian Matchmaking – Staffel 1

Die Handlung: Sima Taparia ist eine Heiratsvermittlerin. Sie lebt in Mumbai, hat aber Klienten in Indien und den USA. Die Serie verfolgt sie bei ihrer Arbeit und erzählt die Hintergründe der indischen Tradition der Heiratsvermittlung und wie sich die moderne Variante von der früheren unterscheidet.

Meine Meinung: Zu dem Thema Heiratsvermittlung hatte ich eine Menge Vorurteile. Deswegen sprach mich die Serie durchaus an, konnte sie mich doch entweder bestätigen oder widerlegen. Und tatsächlich bestehen meine Vorurteile nicht umsonst, wurde es noch bis vor ein paar Jahren tatsächlich von den Eltern bestimmt, wen die Kinder zu heiraten haben. Inzwischen ist dies aber wesentlich fortschrittlicher. So ist die Heiratsvermittlerin eigentlich nur eine Zwischeninstanz, die verschiedene Profile vergleicht und versucht eine gemeinsame Basis zu finden. Die Dates machen die Vermittelten dann unter sich aus und können dann entscheiden, ob sie sich weiter treffen wollen. Natürlich hat der Familienaspekt noch immer einen großen Stellenwert. In Indien vielleicht auch nochmal etwas intensiver als in den USA. Da aus beiden Länder Kunden gezeigt werden, kann man auch hier noch einmal sehr gut die Unterschiede sehen. Die Kunden selbst sind sehr unterschiedlich. Bei manchen fiebert man mit, ob es zu einem Match kommt, während einem der Ausgang bei anderen relativ egal ist. So ganz ohne fragwürdige Aspekte kommt das ganze dann aber doch noch nicht aus. So wird regelmäßig ein Gesichtsleser und ein Astrologe dazu gerufen, die mithilfe der Gesichter oder der Sterne entscheiden sollen, ob das Match unter einem guten Stern steht. Schade finde ich es auch, dass die Kunden vom Anfang der Serie am Ende gar nicht mehr erwähnt wurden und man teilweise nicht richtig nachvollziehen konnte, ob sie jetzt den passenden Partner gefunden haben. Also wer sich einmal etwas intensiver mit der indischen Tradition auseinander setzen möchte, dem sei die Serie empfohlen.

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Julie and the Phantoms – Staffel 1

Die Handlung: 1995 steht die Band Sunset Curve kurz vor dem musikalischem Durchbruch. Doch abgelaufene Hotdogs führten zum verfrühten Ableben drei der vier Bandmitglieder. 25 Jahre später, landen sie als Geister in der Garage von Julie (Madison Reyes). Die Highschoolschülerin trauert noch immer um ihre Mutter und hat dadurch ihre Liebe zur Musik verloren. Sie kann als einzige die Jungs sehen und findet dadurch zurück zur Musik. Und sobald sie auf einer Bühne auftritt, können auch die anderen die Jungs sehen. So gründen sie die Band Julie and the Phantoms, wobei alle denken, dass es sich bei den Jungs um Hologramme handelt. Hinzu zu den alltäglichen Probleme kommen noch ein paar Geisterprobleme.

Meine Meinung: 9 Episoden umfasst die erste Staffel und ich habe alle an einem Tag verschlungen. Wenn man sich mit der Grundprämisse der Musical-Comedy anfreunden kann, zieht einen die Serie sehr schnell in den Bann und man will einfach wissen, wie es weitergeht. Während Julie stellenweise noch etwas gewöhnungsbedürftig ist, sind die Jungs von Sunset Curve einfach nur liebenswert. Stellenweise ein bisschen trottelig, manchmal ein bisschen zu Klischee, aber schlussendlich einfach zum knuddeln. Die Geschichte geht zügig voran und bietet mehr als nur Bandproben und Auftritte. Neben Julies Probleme an einer Highschool inklusive Zicke und Crush, steht auch die Frage im Raum, wieso Julie die Jungs sehen kann, wieso sie beim Auftritt sichtbar werden und was ihre Aufgabe ist. Hier stellt die erste Staffel schon erste Vermutungen an, lässt einige Geisterprobleme einfließen, lässt aber auch noch einiges für eine zweite Staffel offen. Einen kleinen miesen Cliffhanger konnte sich die Serie dann am Ende doch nicht verkneifen.

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Welche Serien habt ihr schon gesehen? Konnte ich euch von einer neuen Serie überzeugen?

Hello Again

Ein Vorwort

Das Prinzip der Zeitschleife hat sich seit „Und täglich grüßt das Murmeltier“ immer mehr durchgesetzt und ist inzwischen in allen möglichen Varianten ausprobiert worden. Nun hat es auch der deutsche Film entdeckt und gleich in die nächste romantische Komödie gesteckt. Warum die Umsetzung leider nicht so richtig funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Quelle

Die Handlung

Zazie (Alicia von Rittberg) erhält kurzfristig eine Einladung zu der Hochzeit von Philipp (Tim Oliver Schultz) und Franziska (Emilia Schüle). Während Philipp in ihrer Kindheit Zazies bester Freund war, erinnert sie sich an Franziska als Sadistin. Also überredet sie ihren Mitbewohner Anton (Edin Hasanović) sie auf die Hochzeit zu begleiten. Durch sehr viel Alkohol verwandelt Zazie die Hochzeit jedoch in ein Desaster. Zum Glück wacht sie jeden Tag wieder am gleichen Morgen auf. Doch was ist ihre Aufgabe, um aus dieser Zeitschleife zu erwachen?

Meine Meinung

1993 lief „Und täglich grüßt das Murmeltier“ in den Kinos an. Seitdem hat sich am Prinzip der Zeitschleifenfilme wenig geändert. ProtagonistIn erlebt den gleichen Tag immer und immer wieder, bis sie das Geschehen richtig abgeändert hat und endlich am darauffolgenden Tag aufwachen darf. Nachdem das Murmeltier als romantische Komödie gut ankam, wurde das Prinzip auch in anderen Genres versucht. So konnten beispielsweise Edge of Tomorrow im Sci-Fi-Action Bereich und Happy Deathday im Horrorfilmgenre das Prinzip gelungen umsetzen. 
Wenn man schon am Grundprinzip und -ablauf nichts ändert, dann muss wenigstens die Geschichte irgendwo interessant und spannend bleiben. Und genau hier liegt das große Problem an Hello Again. Er verliert den Zuschauer sehr schnell und kann ihn nicht mehr zurückgewinnen. Aber fangen wir am Anfang an. Das Szenario ist schnell klar. Zazie wacht jeden Morgen auf, kommt verspätet auf der Hochzeit an, kann sie also nicht mehr verhindern und verhält sich dann total daneben. Anton wird eigentlich immer nur mit in die Katastrophe reingezogen und kann einfach nicht Nein sagen. Zazie erhält immer mehr Informationen und versucht auf alle möglichen Arten die Hochzeit noch zu verhindern. Doch während die Möglichkeiten, wenn man sie kurz zusammengefasst erzählt, durchaus Potential haben und für viele Lacher hätten sorgen können, verlieren sie leider durch die Länge einzelner Szenen diese Kraft und sorgen nur ab und an für einen müden Lacher. Obwohl der Film mit 92 Minuten kurz und knackig erzählt wirkt, fühlt er sich einfach sehr lange an. 
Das könnte auch daran liegen, dass man zu keinem der Charaktere eine wirkliche Bindung aufbaut. Von Rittbergs Zazie ist ein komplettes Wrack und zeigt das auch in jeder Szene. Ihre Abneigung gegenüber Beziehungen und Hochzeiten wird anhand einer kurzen Einleitung mit ihren immer streitenden Eltern versucht zu erklären, was aber auch nur bedingt funktioniert. Hinzu kommt, dass man sich mitunter bei ihrer dauerhaft brüchigen Stimme, was nicht immer passend ist, leider eine geübte Synchronsprecherin gewünscht hat und das für einen deutschen Film. Dabei hat von Rittberg eigentlich mehrfach bewiesen, dass sie durchaus starke Rollen spielen kann (Ballon, Herz aus Stahl, Verräter wie wir). Auch ihr Gegenpart, die Braut Franziska, wird nur als arrogantes Biest dargestellt, wogegen Emilia Schüle in ihrem Spiel auch wenig versucht anzugehen.
Lediglich die beiden Herren im Spiel Bräutigam Philipp und Mitbewohner Anton versuchen noch die Sympathien der Zuschauer durch ihre „Eigenheiten“ auf sich zu ziehen, sei es der Ordnungstick des Bräutigams oder die Narkolepsie des Mitbewohners. 
Die Auflösung des Ganzen ist dann halt auch genau das, was der geübte Zuschauer von Anfang an vorhergesehen hat. Absolut kein Überraschungseffekt, der das Ende vielleicht doch noch ein bisschen spannender gemacht hätte. 
Kurzum der Film hangelt sich am altbekannten Schema entlang, punktet zwischendurch ein bisschen durch Ideen, schafft es aber nicht die pointiert genug darzustellen, so dass sich der Film ziemlich zieht und verliert die Punkte dann wieder durch ein einfallsloses Ende und nervige Charaktere.

Das Fazit

Hello Again schafft es leider nicht sich vom Altbekanntem zu lösen und setzt die eigenen Ideen langatmig um, so dass er weder wirklich lustig noch wirklich spannend ist. Mit kürzeren Szenen hätte es vielleicht noch funktionieren können. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Hello Again läuft seit dem 17.09.2020 in den deutschen Kinos

Eine Handvoll Bücher

Heute mit: dem Finale des Kampfes zwischen Chimären und Seraphim, einem magischen Constable in London, dem Finale der Again-Reihe, dem Auftakt eines Kampfes mit den sieben Todsünden und einer chaotischen Irin. 

Dreams of Gods and Monsters

Die Handlung: Als die Dominion-Armee der Seraphim unter Führung des brutalen Jael das Tor von Eretz in die Welt der Menschen durchquert, beschließen Seraphim und Chimären ein wackliges Bündnis, das Akive und Karou wieder zusammenführt. Doch wie sollen sie gegen die zahlenmäßig überlegende Armee Jaels bestehen?

Meine Meinung: Der Abschluss der Zwischen den Welten Reihe kommt zunächst ziemlich ernüchternd daher. Nach einem richtig starken Auftakt bei Daughter of Smoke and Bone, einem eher langatmigen Zwischenteil bei Days of Blood and Starlight, sind nun alle Weichen für das große Finale gestellt. Das dieses mit fast 800 Seiten noch einmal deutlich dicker ist als die Vorgängerbände hätte schon ein Warnzeichen sein können. Denn Autorin Laini Taylor hat noch eine ganze Reihe von Ideen, die sie einbringen wollte. Leider verliert sie sich dabei in ewigen Wiederholungen, dreht sich ständig im Kreis, ehe das Buch nach über 500 Seiten doch endlich mal in Schwung kommt, und bringt dann nochmal so viele neue Wendungen gegen Ende ein, dass sie den finalen Kampf ganz einfach vergisst. Das, worauf die ganze Zeit hingearbeitet wurde, gibt es einfach nicht. Was es aber gibt, und was die wenigsten Fantasybücher schaffen: ein richtiges Ende. Es wird nicht einfach nach einer großen Schlacht aufgehört und vielleicht noch ein Epilog eingeführt. Nein, es werden alle Rätsel und Andeutungen aufgelöst, erklärt und zu Ende gebracht. Das macht zwar vieles wett, aber ich habe mich gerade am Anfang echt durch das Buch gequält und nach ca. 200 Seiten eine sehr lange Pause eingelegt, weil ich es einfach nicht mehr weiterlesen wollte.

Die Flüsse von London

Die Handlung: Constable Peter Grant wollte eigentlich eine ganz normale Karriere bei Scotland Yard. Doch als er an einem Tatort auf einen Geist trifft, wird er dem mysteriösen Detective Chief Inspector Nightingale zugeteilt. Dieser eröffnet ihm, dass er ein Zauberer ist und Peter auch magische Fähigkeiten hat. Zusammen fahnden sie nicht nur nach dem Mörder, sondern sollen auch einen Streit zwischen Mutter und Vater Themse schlichten.

Meine Meinung: Ich habe das Hörbuch schon vor einigen Jahren mal gehört, aber ehrlich gesagt, hatte ich das meiste schon wieder vergessen. Das könnte man als schlechtes Omen nehmen, wahrscheinlicher ist, dass ich damals nicht richtig aufgepasst habe, weil ich Hörbücher meistens bei längeren Autofahrten höre. Bevor ich mich jedoch an einen zweiten Band der Reihe wagen wollte, hörte ich also noch einmal den ersten Band, um mich an alle wichtigen Figuren zu erinnern. Und zu meiner Verteidigung: Es gibt hier wirklich eine Menge an Figuren. Grundsätzlich handelt es sich aber um eine fantastische Idee, die spannend und interessant umgesetzt wurde. Gerade die Kombination aus normaler Polizeiarbeit und den fantastischen Elementen, fand ich sehr gut umgesetzt. So wirkt es wie ein „normaler“ Krimi mit starken Charakteren, aber hebt sich eben doch durch das fantastische Element stark ab. Durch eine ordentliche Länge von 480 Seiten im Taschenbuch und knapp 4 Stunden Hörbuch bleibt genug Platz/Zeit um die Charaktere vorzustellen, die Arbeit von Nightingale zu erkunden und trotzdem den Kriminalfall nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Ich bin auf jeden Fall auf die weiteren Teile gespannt!

Dream Again

Die Handlung: Jude hat sich an einer Schauspielkarriere in LA versucht und ist tief gefallen. Nun flieht sie zu ihrem Bruder Ezra nach Woodshill. Doch ihr Ex-Freund Blake ist Ezras Mitbewohner und alles andere als begeistert. Nun versucht Jude nicht nur irgendwie nach vorne zu sehen, sondern auch das Zerwürfnis mit Blake zu regeln. Denn eigentlich hat sie nie aufgehört ihn zu lieben.

Meine Meinung: Der fünfte und voraussichtlich letzte Teil der Again-Reihe zieht noch einmal ein ganz neues Gesicht in die Geschichte. Die Verbindung zu den vorherigen Teilen stellt diesmal Blake dar, der zusammen mit Hope und Everly in Nolans Seminar war. Natürlich dürfen auch einige der bereits bekannten Charaktere wieder auftauchen, wenn auch eher kurz. Die Geschichte selbst verfolgt das bekannte Schema und schafft es nur selten zu überraschen. Irgendwo war Jude auch nicht der greifbarste Charakter der Reihe. Versteht mich nicht falsch, sie war durchaus sympathisch und ihre Handlungen waren auch größtenteils nachvollziehbar. Aber die Geschichte von ihr und Blake hätte auch in ein wesentlich schmaleres Buch gepasst, dabei ist es mit 321 Seiten schon eher schmal. Kurzum: Auch der Abschluss der Again-Reihe hat mir wieder großen Spaß beim Lesen gemacht, ist aber mit der schwächste Band der Reihe, da er etwas zu vorhersehbar verläuft und sich in Wiederholungen verliert.

Seven Sins – hochmütiges Herz

Die Handlung: Avery hatte sich ihren 18. Geburtstag wohl ganz anders vorgestellt. Doch als der gutaussehende Dämon Nox ihr enthüllt, dass ihr Vater ihre Seele verpfändet hat und sie sterben wird, geht sie auf einen folgenschweren Deal ein. Sie kann versuchen die Prüfung der sieben Todsünden zu bestehen, dann wäre ihre Seele frei. Auf einmal muss sie feststellen, dass ihr bester Freund Adam ein Engel ist und sie beschützen soll. Und eigentlich weiß auch keiner so genau, was die Prüfungen beinhalten. Und so gehen die drei auf die Suche, um sich der ersten Prüfung zu stellen.

Meine Meinung: Autorin Lana Rotaru hatte sie Sevens Sins Reihe bereits vor ein paar Jahren angefangen und im Selfpublishing veröffentlicht. Schon damals habe ich sie verfolgt. Nun hat der Impress Verlag sie von der Autorin überarbeiten und auch endlich weiterschreiben lassen. Der erste Band beinhaltet nun den ursprünglich ersten Band und große Teile des zweiten Bands. Damit ist er immer noch ein reiner Einleitungsband. Das eigentlich spannende fängt erst im zweiten Band an. Das muss man allerdings wissen, um Hochmütiges Herz nicht voreilig wieder wegzulegen. Dennoch versteht sich Frau Rotaru darauf die Charaktere vorzustellen, einem näher zu bringen und die Handlung zu ebnen, damit es danach richtig losgehen kann. Durch ihren flüssigen Schreibstil hatte ich beim Lesen trotzdem Spaß. Umso gespannter bin ich auf die nächsten Bände.

OMG – Diese Ashling

Die Handlung: Aisling lebt mit 28 noch bei ihren Eltern im beschaulichen Ballygobbard. Sie pendelt regelmäßig zu ihrem Job in Dublin. Mit ihrem Freund John ist sie seit 7 Jahren zusammen. Doch als John ihr eröffnet, dass er sie noch lange nicht heiraten will und auch nicht mit ihr zusammenziehen will, beschießt Aisling ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie zieht zu ihrer Kollegin Sadhbh in eine hippe WG und probiert neue Dinge aus. Wenn das mal nicht im Chaos endet.

Meine Meinung: Ich bin durch den Youtube Kanal von Anabelle Stehl auf dieses Buch aufmerksam geworden. Dort findet man auch ein hilfreiches Video zur Aussprache der irischen Namen, die nicht ganz ohne sind (Link hier). Zu 100% bin ich aber nicht warm geworden mit dem Buch. Denn gerade zum Anfang konnte ich Aisling und ihre Handlungen noch irgendwo nachvollziehen und dann kam noch ein bisschen Sehnsucht nach Irland dazu, eigentlich eine gute Kombination. Doch mit fortschreitendem Buch wurde mit Aisling immer unsympathischer. Sie wird immer unselbstständiger und gerade wenn sie auf ihre hippere Kollegin Sadhbh trifft, wirkt sie eher wie ein Trampel, als eine starke Frau. Während ich einige Aufreger ihrerseits nachvollziehen konnte und auch wenig Probleme mit ihrer ständigen Weight Watchers Zählerei hatte, steigert sie sich mit fortlaufender Geschichte in immer mehr Belanglosigkeiten rein. Auch die Geschichte an sich, die in mehrere Kurzgeschichten unterteilt scheint, verrennt sich immer mehr. Zwar ergibt sie am Ende eine zusammenhängende Handlung, doch scheint den Autorinnen am Ende ein wenig die Ideen auszugehen.