Eine Handvoll Serien – Weihnachtsspecial

In der heutigen Ausgabe der Handvoll Serien dreht sich alles rund um Weihnachtsserien. Dabei sind keine Weihnachtsfolgen gemeint, die habe ich euch ja im Adventskalender vorgestellt, sondern ganze Serien, die an Weihnachten spielen. Mit dabei ein rotes Buch, ein Musiker auf Heimatbesuch, Mr. Christmas himself, allerlei Leckereien und ein etwas anderes Familientreffen.

Dash & Lily – Staffel 1

Die Handlung: Lily liebt Weihnachten über alles und verbringt sie immer in heimliger Runde mit ihrer Familie. Doch dieses Jahr ist alles anders. Ihre Eltern reisen nach Fiji, ihr Grandpa nach Florida und sie bleibt allein mit ihrem Bruder Langston zurück. Dem kommt zusammen mit seinem Freund Benny die Idee, dass Lily jemanden kennenlernen sollte. Aber damit es auch der richtige ist, soll sie ein rotes Notizbuch in ihrer Lieblingsbuchhandlung verstecken und dort allerlei Hinweise reinschreiben. Und tatsächlich findet Dash das Buch. Dash hasst Weihnachten, und sagt beiden Elternteilen, dass er beim jeweils anderen feiern würde. Da kommen ihm die Herausforderungen aus dem Buch gerade recht.

Meine Meinung: Eine absolut süße Liebesgeschichte mit zwei Charakteren, die sich nur über ein rotes Notizbuch schreiben. Sowohl für Weihnachtsliebhaber, als auch für Weihnachtsmuffel. Schaut sie euch definitiv an! Okay, das war nun wirklich die ganz kurze Version. Ich versuche mal meine Begeisterung für diese Serie etwas weiter auszuführen, ohne in stundenlange Begeisterungsreden zu verfallen. Also Dash & Lily verbindet zwei grundsätzliche Elemente. Die Suche nach Liebe und die Adventszeit. Zweiteres wird von beiden Seiten beleuchtet. Die Weihnachten liebende Lily, die dieses Jahr einfach nur enttäuscht ist, weil ihre Familie nicht in gewohnter Form dabei ist. Und Dash, der so viele deprimierende Weihnachten hinter sich hat, dass er dieses Jahr einfach allen aus dem Weg gehen will. Auch in Sachen Liebe verkörpern beide das absolute Gegenteil. Dash, der von seiner Freundin verlassen wurde und Lily, die noch ungeküsst ist. Und doch verbindet beide absolut viel, die Liebe zum Lesen und die Abenteuerlust bei ihrem gemeinsamen Briefabenteuer. Natürlich legt das Leben allerhand Steine in den Weg, aber genau das erzeugt so viel Spannung. Auch lebt die Serie von allerlei liebenswürdigen Charakteren, und ein paar nicht so sympathischen Zeitgenossen, die die Serie bunt und vielfältig machen. Es sind die kleinen Dinge, die diese Serie absolut großartig machen. Denn es bleibt eine sehr positive Grundstimmung und natürlich darf das ein oder andere Weihnachtswunder nicht fehlen, aber die Serie bleibt dennoch realistisch und setzt sich auch damit auseinander, warum der ein oder andere eben nicht so viel von Weihnachten hält. Und zu guter Letzt muss ich euch noch vom Soundtrack vorschwärmen. Denn natürlich dominieren hier die Weihnachtslieder, aber anstatt die ewig gleichen und bekannten Lieder anzustimmen, dürfen unbekanntere Bands ihren Teil beisteuern. Und das erzeugt noch einmal eine ganz neue Atmosphäre.

Über Weihnachten – Miniserie

Die Handlung: Bastian ist nach Berlin gezogen, um dort als Singer-Songwriter durchzustarten. Das funktioniert allerdings nur so semioptimal, weswegen er nebenbei im Callcenter jobbt. Über Weihnachten reist er zurück in seine beschauliche Heimat in Rheinland-Pfalz. Dort muss er aber mit Entsetzen feststellen, dass seine Ex-Freundin Fine nun mit seinem Bruder Niklas zusammen ist. Und auch seine Eltern scheinen irgendetwas vor ihm zu verheimlichen. Der Versuch ein besinnliches Weihnachten, wie jedes Jahr hinzubekommen, scheint unmöglich, oder doch nicht?

Meine Meinung: Ein Grund, warum ich eher zu #TeamGrinch zähle, ist wohl, dass ich kein Fan der Verlogenheit an Weihnachten bin. Wenn etwas das ganze Jahr über schief läuft, dann wird es auch an Weihnachten nicht besser. Ein Thema, dass in Über Weihnachten vielleicht nicht ganz so extrem thematisiert wird, aber dennoch endlich mal angesprochen wird. Hier wird gezeigt, was passiert, wenn man allzuviel verschweigt, nur um ein besinnliches Weihnachten zu erzwingen. Auch wenn der Trailer einen die Serie als Komödie verkaufen will, gibt es gar nicht so viel zu lachen. Stattdessen stehen ernstere Themen an und einige Dialoge sind nahezu tiefgründig. Luke Mockridge wäre für eine Komödie wahrscheinlich sogar eine gute Besetzung, zumal er auch gesanglich begabt ist und seine Rolle als Singer-Songwriter auch mal die eine oder andere Vorstellung gibt. Leider liegen ihm die tiefgründigeren Abschnitte nicht so ganz. Mit lediglich drei Folgen á ca. 40 Minuten, ist die Serie auch schnell mal nebenbei geschaut. Wer sich also mal mit einer realistischen und nicht künstlich aufgeplusterten Weihnachtsgeschichte befassen möchte, dem sei diese ‚Dramedy‘ Serie ans Herz gelegt.

Weihnachten werden Wohn(t)räume wahr – Staffel 1

Die Handlung: Der Innenarchitekt Benjamin Bradley ist wohl besser bekannt als Mr. Christmas. Zusammen mit seinem Team besucht er verschiedene Familien und hilft ihnen beim weihnachtlichen Dekorieren.

Meine Meinung: Eine ganze Serie darüber, dass jemand die Wohnung anderer dekoriert? Ich war so geplättet allein von der Idee, dass ich da einfach mal reinschalten musste. Und ich bin tatsächlich so sehr am Charme und der Freude, die Mr. Christmas ausstrahlt, hängen geblieben, dass ich die Staffel in einem Rutsch durchgebinged habe. Man merkt, dass es eine amerikanische Serie ist, weil die Art des Schmückens schon sehr groß und ausschweifend ist. Für mich war es auch tatsächlich wenig nachvollziehbar, wie das reine Schmücken des Hauses gewisse Ungereimtheiten in den Familien beheben sollte, aber nun gut, lassen wir der Serie diese Illusion. Grundsätzlich hat sie einfach gute Laune verbreitet und vor allem ganz viel Weihnachtsvorfreude. Die ein oder andere Dekoidee kann man sich auch noch abgucken. Vor allem aber war das Team rund um Mr. Christmas auch wahnsinnig sympathisch, auch wenn er deutlich im Vordergrund steht.

Sugar Rush Christmas – Staffel 1-2

Die Handlung: Vier Teams treten in je drei Runden gegeneinander an und ihre Kreationen müssen die verschiedensten weihnachtlichen Themen treffen. Schonmal einen Oh Tannenbaum-Cupcake gebacken? Oder die ultimative Nordpoltorte?

Meine Meinung: Bei Sugar Rush treten in jeder Folge treten vier Teams gegeneinander an. Innerhalb von drei Stunden müssen sie zunächst einen Cupcake zaubern und ein Konfekt. Nach jeder dieser beiden ersten Runden scheidet ein Team aus. Alle Zeit, die gespart wurde, wird auf die dritte Runde drauf gerechnet, für die die übrigen Teams nochmal drei Stunden bekommen. In dieser Christmasausgabe sind alle Aufgaben immer mit einem weihnachtlichen Thema verbunden. Generell muss man für diese Serie auf Backwettbewerbe stehen. Schön fand ich, dass in jeder Folge andere Teams dabei waren und auch am Ende jeder Folge ein Gewinner feststand. Man musste also nur je eine Folge mit seinem jeweiligen Favoriten mitfiebern. Vor allem waren aber auch immer wieder tolle Kandidaten dabei, mit tollen Geschichten. Die Kreationen sind natürlich immer sehr ausgefeilt, der Großteil der Teilnehmer arbeiten auch professionell als Konditoren, was man definitiv merkt. Die wenigsten Leckereien würde man zu Hause nachbacken. Aber dennoch hat die Serie eine gute Geschwindigkeit, so dass die Zeit nur so dahinrast und man immer wieder neue Folgen guckt und schwupps beide Staffeln durchgebinged hat.

Merry Happy Whatever – Staffel 1

Die Handlung: Wie jedes Jahr kommt Familie Quinn zu Weihnachten zusammen. Emmy bringt zum ersten Mal ihren Freund Matt mit. Doch ihr Vater Don ist davon wenig begeistert. Für ihn ist eben einfach keiner gut genug für seine Kinder. So trifft Matt auf Schwager Todd und Schwägerin Joy, die ihm wichtige Überlebenstipps geben, da sie ebenfalls in die Quinnfamilie eingeheiratet haben. Als Matt Don um den Segen bittet, Emmy heiraten zu dürfen, lehnt dieser jedoch ab. Matt versucht fortan Dons Gunst zu gewinnen.

Meine Meinung: Wer dieses Jahr noch keine gute Komödie gesehen hat, hat hiermit noch die Chance dazu. Denn Merry Happy Whatever schafft es den Humor auf die Spitze zu treiben, ohne je zu übertreiben. Trotz der kurzen Laufzeit von 8 Folgen mit je ca. 26 Minuten schafft die Serie es die Quinn Familie vorzustellen, den einzelnen Charakteren Tiefe zu geben und doch stets im Sitcomcharakter zu bleiben. Die meisten kennen doch irgendwie die üblichen Probleme, wenn die Familie an Weihnachten zusammen kommt und dann auch noch jemand jemand neues mitbringt. Genau das wird hier alles angesprochen, die Themen haben mitunter auch einen ernsteren Ton, dennoch wird es stets mit ein paar guten Witzen erzählt – ohne jedoch je ein Thema damit herabzuwürdigen. Ich wurde sehr gut unterhalten und habe die Serie tatsächlich auch fast in einem Rutsch weggebinged. Wenn ich einen Kritikpunkt an der Serie äußern müsste, dann wäre es wohl die Synchronstimme von Ashley Tisdale, die so gar nicht zum Charakter und zur Schauspielerin gepasst hat.

Was sind eure liebsten Weihnachtsserien?

PS: Ich verabschiede mich hiermit in eine Weihnachts/Silvester/Neujahr-Blogpause. Wir lesen/schreiben uns hoffentlich alle im neuen Jahr wieder. Bleibt schön gesund!

Villainous

Ein Vorwort

Bei meinem letzten Besuch bei meiner besten Freundin haben wir es endlich geschafft dieses Spiel einmal auszuprobieren. Als ich kurz darauf ein Bild in meiner Instagramstory postete – und blöderweise auch noch fragte, ob ein Beitrag darüber gewünscht wird – wurde sich ein Beitrag über das Spiel gewünscht. Ich hatte erst überlegt das in kleiner Form nur auf Instagram zu machen, aber nachdem meine beste Freundin dann noch viel Zeit in die Fotos dafür investierte – zum Vergleich ich hab in der Zeit einen Kuchen gebacken – hab ich überlegt, doch einen ganzen Beitrag zu machen. Wenn ihr gerne mehr Spielerezensionen haben wollt, dann müsst ihr das nur sagen. Ich habe ein großes Arsenal an Spielen zur Auswahl 😉

Die Handlung

Schurken aller Welt vereinigt euch. Die bekanntesten/beliebtesten Disneyschurken versuchen ein ums andere Mal ihre bösen Ziele zu erfüllen. Sei es Ursula, die Triton besiegen und seinen Dreizack besitzen will, oder Captain Hook, der Peter Pan auf der Jolly Roger im finalen Kampf besiegen will. Doch wie immer kommen den Schurken auch diesmal wieder die Helden in den Weg. Wer schafft es trotzdem seinen finsteren Plan auszuführen?

Spielaufbau- und ablauf

Jeder Mitspieler – im Grundpaket sind bis zu sechs Spieler möglich – sucht sich seinen Schurken aus und nimmt die Weltkarte, die in der Regel aus vier Abschnitten besteht, die alle verschiedene Orte präsentieren. Dazu gibt es die Schurken-spielfigur, die Bösewichtkarten und die Schicksalskarten. Erste werden gemischt, links neben das Spieltableau gestellt und die obersten vier Karten werden gezogen. Enthalten sein können Handlanger, nützliche Gegen-stände oder auch Karten, die das Spielgeschehen bei anderen Mitspielern beeinflussen können. In der Regel hat jeder Schurke auch noch eigene Karten, die bei den anderen nicht vorkommen. Diese besonderen Karten werden für jeden Schurken im Beilageheft erklärt. Die Schicksalskarten enthalten die Helden und deren Freunde, sowie Gegenstände für Helden oder andere Dinge, die dem Schurken schaden können.
Die Spielfigur kann nun auf einen beliebigen Ort auf dem Spieltableau gestellt werden, sofern kein Schlosschip dies verbietet. Jeder Ort hat andere Symbole, die für verschiedene Aktionen stehen. Je nach Auswahl auf dem Ort, kriegt man Münzen, kann Handlanger verschieben, Karten ausspielen, Helden verschieben, oder Handkarten abwerfen. Da man immer auf die gleiche Handkartenzahl aufrüstet am Ende der Runde, kann dies taktisch sinnvoll sein. Oder aber man steht auf einem Ort mit dem Symbol Schicksal. Dann kann man sich einen Mitspieler aussuchen, die obersten beiden Karten dessen Schicksalskartenstapels ziehen und sich eine zum Ausspielen aussuchen. So verhagelt man den anderen ganz schön die Strategie, weil auf jeden Fall Aktionssymbole verdeckt werden und der Held auch meist mit einer negativen Eigenschaft daher kommt. Aber dafür hat man seine Handlanger, die gegen die Helden kämpfen. Nur, dass Handlanger und Gegenstände zum Ausspielen meist Münzen kosten, die also wohl gehütet sein wollen.
Gewonnen hat derjenige, der trotz der Versuche der Mitspieler, sein Ziel erreicht hat.

Meine Meinung

Das Spiel klingt zunächst furchtbar kompliziert und wir haben mehrere Anläufe gebraucht, um die Regeln zu verstehen. Aber sobald der Knoten einmal geplatzt ist, macht das Spiel wahnsinnig viel Spaß. Das liegt vor allem daran, dass es absolut liebevoll erstellt wurde und auch für jeden Schurken irgendwo einmalig ist. Denn auch wenn das Grundprinzip bei allen gleich ist, liegt es gerade an den einzelnen Zielen und den individuellen Karten, dass doch keine Partie der anderen gleicht. Klar sind manche Ziele etwas einfach zu verstehen, als bei anderen Schurken, aber irgendwo sind doch alle erreichbar. Auch Schurkentechnisch bietet bereits das Grundspiel eine gute Auswahl. Man hat hier Ursula (Arielle), Malefiz (Dornröschen), Dschafar (Aladdin), Die rote Königin (Alice im Wunderland), Captain Hook (Peter Pan) und Prinz John (Robin Hood) zur Auswahl. Außerdem gibt es bereits zwei Erweiterungspacks mit noch mehr Schurken.
Der Spielverlauf funktioniert eigentlich ganz gut, nur bei manchen Karten gab es dann doch Diskussionsbedarf, weil sie manchmal nicht ganz eindeutig waren. Hier haben es die Macher vielleicht etwas zu gut gemeint. Auch sind die Ziele unterschiedlich schwer zu verstehen – erreichbar sind sie alle irgendwie. Aber zum Beispiel Prinz John muss lediglich eine gewissen Anzahl an Münzen sammeln, während Ursula einen Ort freischalten muss, Triton besiegen, den Dreizack sammeln und das alles an vorgeschriebenen Orten. Wir haben es in einigen Kombinationen gespielt und abgesehen von Dschafar konnte jeder Charakter einmal gewinnen oder ganz knapp verlieren. Natürlich ist auch einfach eine Menge Glück dabei, welche Karten man zieht.

Das Fazit

Villainious überzeugt mit liebevoll gestalteten Karten, Spielfiguren und Welten. Für jeden Disneyfan ist etwas dabei, oder spätestens in den Erweiterungen. Das Spielprinzip macht jede Partie spannend, weil man sie nicht im Voraus planen kann. Wer also auf etwas komplexere Spiele steht, dem sei dieses Spiel empfohlen.

Mulan

Ein Vorwort

Mulan ist einer dieser Filme, der eine lange Odysee hinter sich hat. Kurz vor Kinostart wurden die Kinos geschlossen, dann wurde der Film mehrfach verschoben, dann auf Disney+ mit VIP Zugang angeboten, inzwischen ist er auf Disney+ im normalen Abo enthalten. Nachdem der Animationsfilm in China boykottiert wurde, versuchte das Realfilm-Remake sich nun ein bisschen einzuschmeicheln. Mushu musste weichen, und als Hauptdarstellerin wurde eine systemtreue Chinesin ausgewählt. Und auch, wenn ich immer und immer wieder predige, Disney solle sich mehr von seinen Vorlagen lösen, wenn sie schon alles in ein Remake pressen müssen und dabei immer Maleficent und Dumbo lobend erwähne, war gerade ich entsetzt. Ein Mulanfilm ohne Mushu? Ja, ich verstehe, dass die Darstellung für die Chinesen beleidigend war und es daher grundsätzlich sinnvoll ist, ihn wegzulassen, aber er ist nunmal einer meiner Lieblingscharaktere… Okay, lange Rede, kurzer Sinn: Wie ich die Neuverfilmung von Mulan als Realfilm fand, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Hua Mulan (Liu Yifei) wächst ziemlich unbedarft auf. Ihr Vater lässt ihr viele Freiheite und vergisst dabei, sie so zu erziehen, dass sie erkennt, dass ihre Stellung als Frau sehr gering ist. Als ein Reitervolk in China einfällt, wird auch Mulans Vater als Soldat einberufen. Da dieser aber Verletzungen aus dem vorherigen Krieg hat, ist sich die Familie sicher, dass er einen zweiten Krieg nicht überleben wird. Kurzum stiehlt Mulan seine Rüstung und Einberufungsbefehl, obwohl ihr die Todesstrafe droht, sollte herauskommen, dass sie eine Frau ist.

Meine Meinung

Im Vorfeld habe ich über den Film eigentlich nur Extreme gehört. Leute, die den Film absolut in den Himmel lobten und Leute, die den Film absolut zerrissen. Gefühlt gab es nichts dazwischen. Ich habe versucht meine Erwartungen an den Film daher möglichst gering zu halten und was soll ich sagen: Ich bin wohl die eine Meinung zwischen den Extremen.
Aber ganz von vorne. Mulan greift grundsätzlich die bekannte Geschichte wieder auf, setzt aber bereits in ihrer Kindheit an, um ihren rebellischen Charakter besser verständlich zu machen. Das erklärt auch einige Wendungen im weiteren Film und ist daher sehr sinnvoll. Generell ist der Tonfall der Geschichte aber erwachsener als bei der Animationsvorlage. Auch fallen diesmal nicht die Hunnen ein, und zwar aus dem einzigen Grund, weil der Kaiser die Mauer gebaut hat, sondern diesmal handelt es sich um ein Reitervolk, dass eine wesentlich bessere Hintergrundgeschichte hat. So ist einiges deutlich besser durchdacht und auch einfach realistischer dargestellt.
Dennoch fehlt es dem Film nicht an Magie. Diese ist zwar wesentlich bedachter eingesetzt, aber dennoch vorhanden und auch wichtig. Aber trotz aller Bemühungen bleibt der Film an vielen Stellen blass. Weite Teile des Films plätschert die Geschichte vor sich hin, ohne den Zuschauer wirklich an den Bildschirm bannen zu können. Das kann zum Teil auch daran liegen, dass der Film im Kino noch einmal wesentlich eindrucksvoller gewirkt hat, weil gerade die Landschaftsaufnahmen schon beeindruckend sind. Das kann aber auch daran liegen, dass einige Charaktere zwar da sind, aber doch eher blass im Hintergrund bleiben. Es gibt eigentlich nur ganz wenige Charaktere bei denen wirklich eine Entwicklung sichtbar ist und die auch eine Geschichte bekommen. Das ist schade, war doch das Zusammenspiel mit ihren Kameraden im Animationsfilm noch eine wichtige Komponente.
Das größte Problem des Films, warum es am Ende auch einfach keine runde Sache wird, ist, dass die Handlung an einigen Stellen erzwungen gewendet wird. Soll heißen, dass man von Punkt A zu Punkt B kommen wollte und anstatt das sinnvoll zu erarbeiten, wurde einfach mit dem Finger geschnippt und schon haben sich die Charaktere um entschieden und machen/denken jetzt was völlig anderes. Das ist nicht nur billig gelöst, sondern nimmt auch dem Film viel an Aussagekraft. Vor allem, weil es bereits in der Animationsvorlage besser gelöst war.
Letztlich ist Mulan nicht der Film, der er hätte sein können. Seine Aussagen zur Unterdrückung der Frau sind in diversen Metaphern zwar angedeutet, werden aber nie mit der Tiefe behandelt, die sie hätten haben können. Einige wenige Änderungen und vor allem ein besseres Durchdenken der Handlung hätten einiges retten können, so bleibt der Film blass und unaussagekräftig. Schade!

Das Fazit

Mulan schafft es neue Komponenten einzubinden, vereint einen guten Cast und tolle Landschaftsbilder, schafft es aber nicht die neue Geschichte bis zum Ende logisch zu gestalten. Blasse Handlung, blasse Nebencharaktere und einige zu gewollte Wendungen ziehen den Film wieder ein Stück runter. Dennoch lohnt sich der Blick!

Mulan ist seit dem 04.12.2020 auf Disney+ auch ohne VIP-Zugang verfügbar

Der wunderbare Mr. Rogers

Ein Vorwort

Auf kaum einen Film habe ich mich 2020 so sehr gefreut, wie auf Der wunderbare Mr. Rogers. Lief er in den USA bereits 2019 an, hätte er bei uns in der Nachoscarsaison laufen sollen. Dann kamen die Kinoschließungen. Daraufhin wurde der Film verschoben, bis es nun direkt das DVD-Release gab. Nun konnte ich ihn aber endlich im heimischen Fernsehkino sehen. Warum das ein tolles Erlebnis war, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Der Journalist Lloyd Vogel (Matthew Rhys) ist bekannt dafür, dass er scharfe Kritiken an seinen Interviewpartnern schreibt. Als das Magazin, für das er arbeitet, eine Sonderausgabe über Helden machen will, stimmt einzig der beliebte Kindershow Moderator Fred Rogers (Tom Hanks) einem Interview zu. Das Treffen verläuft allerdings völlig anders, als Lloyd sich das vorgestellt hat. Statt wirklich etwas zu erfahren, bringt Rogers ihn dazu, sich wieder mit sich selbst und seinen familiären Problemen zu beschäftigen.

Meine Meinung

Wir alle haben doch diesen einen Star aus unserer Kindheit, von dem wir einfach nichts Schlechtes denken wollen. Und dann kommt dieser eine Journalist, der unbedingt etwas finden will, weil doch jeder irgendwo Leichen im Keller hat. Genau das Thema verkörpert Der wunderbare Mr. Rogers. Seine Sendung „a beautiful day in the neighborhood“ ist hierzulande wahrscheinlich eher unbekannt. Dennoch zeigen bereits die wenigen Szenen im Film, dass es wohl eine Mischung aus Sendung mit der Maus und Löwenzahn sein dürfte – zumindest wenn man es partout mit irgendetwas aus unserer Kindheit vergleichen muss.
Allein vom Titel her dürfte man darauf schließen, dass es in vorderster Linie um Mr. Rogers geht. Allerdings geht es vielmehr um den Artikel von Lloyd Vogel und wie dieser entstanden ist. Dafür dient der Artikel „Can you say… hero?“ von Tom Junod aus dem Jahr 1998 als Vorbild.
Ich glaube Mr. Rogers ist so ziemlich der netteste Mensch, den ich je auf einer Kinoleinwand getroffen habe. Daher befürchtet man fast, dass einem der Film allerlei Negatives zu erzählen hat. Aber obwohl der Film dramatisch und gerade gegen Ende auch sehr traurig ist, ist er nie negativ. Er bleibt in einer konstant positiven Erzählweise, die einen selbst absolut beruhigt.
Wir lernen in diesem Film nicht Mr. Rogers kennen, in dem er einfach die Fragen des Interviews beantwortet. Aber dennoch lernen wir ihn kennen. Seine Denkweisen und Ansätze im Umgang mit Lloyd erzählen so viel mehr, als jedes normale Interview könnte. Und irgendwo steckt in jedem von uns ein bisschen Lloyd Vogel. Wir alle haben doch bestimmt das eine Ereignis in unserem Leben, das uns prägt und das wir nicht vergeben können. Wenn ihr jetzt an etwas Bestimmtes gedacht habt, dann ist der Film für euch. Dann ist das genau der Film, den ihr braucht. Allerdings auch genau die Art Film, die einen triggern kann, weswegen bei dem ein oder anderen mehr Taschentücher von Nöten sein könnten.
Besetzungstechnisch wurde hier alles richtig gemacht. Tom Hanks war wohl die einzig wahre Wahl für Fred Rogers und verkörpert auch einfach sein gesamtes Wesen. Hier wirkt nichts aufgesetzt oder erzwungen. Auch Matthew Rhys passt perfekt in seine Rolle des Lloyd Vogel. Mit Chris Cooper als Lloyds Vater und Susan Kelechi Watson als seine Frau wird die Sache rund. Schauspielerisch sind wir hier auf hohem Niveau unterwegs. Auch die Optik und vor allem die Kulissen der Show, die auch perfekt genutzt wurden, um die Ortswechsel darzustellen und dem Film eine Struktur zu geben.
Wenn ich den Film mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es schön. Der Film ist einfach nur schön. Und genau solche Filme muss es einfach auch geben. Und jetzt alle: Wourld you be my? Could you be my neighbor?

Das Fazit

Der wunderbare Mr. Rogers überzeugt durch ruhige Erzählweise, gute Darsteller und vor allem ganz viel Herz. Und obwohl er stellenweise sehr traurig ist, bleibt er doch immer Positiv. 

Der wunderbare Mr. Rogers ist seit dem 19.11.2020 auf DVD, BluRay und VOD erhältlich.

Eine Handvoll Filme

Heute mit: Einem aus dem Ruder laufendem Versteckspiel, verschmähten zweitgeborenen, einem Einbrecher mit Moral, einer Reise zum Mond und einer Auserwählten

Ready or not

Die Handlung: Die Familie Le Domas sind berühmt für ihre Brettspiele und damit reich geworden. Am Abend von der Hochzeit von Grace und Alex Le Domas, kommt die Familie zusammen. Grace soll eine Karte ziehen, welches Spiel die Familie spielt. Dies sei eine alte Familientradition. Doch als Grace ‚Verstecken‘ zieht, muss sie feststellen, dass bei der Karte der Spaß aufhört. Denn nun macht die Familie jagt auf sie, um sie bei einem Ritual zu opfern.

Meine Meinung: Ready or not hat im deutschen den Beititel „Auf die Plätze, fertig, tot“, was vielleicht mehr an ein Wettrennen, als an ein Versteckspiel erinnert. Dennoch schafft es die Horrorkomödie ihre Ausgangsgeschichte in wenigen Szenen zu erzählen und dann gleich in die Jagd einzusteigen. Diese ist erfindungsreich, hat zwar einige vorhersehbare Wendungen, aber auch einige Überraschungen zu bieten. Vor allem schafft der Film es eine gute Balance zwischen Horror und Komödie zu halten. So kommen sowohl Horrorfilmfans auf ihre Kosten, als auch kann ich als Angsthase den Film genießen. Einziges Hindernis beim ungestörten Sehen sind die Charaktere. Zwar sind es eigentlich gar nicht so viele, aber da einige am Anfang nur im Nebensatz erwähnt wurden, war es doch manchmal schwer ihre Zugehörigkeit und irgendwann auch ihre Absichten richtig einzuordnen. Letztlich ist es ein Film, den man gut in der Gruppe sehen kann, weil er einfach für unterschiedliche Interessen Material liefert.

Der geheime Club der zweitgeborenen Royals

Die Handlung: Sam ist eine Prinzessin des fiktiven Königreichs Illyrien. Allerdings ist sie die zweitgeborene. Und während sich ihre Schwester auf die Krönung vorbereitet, organisiert Sam lieber Demonstrationen gegen die Monarchie. Nach einigen Fehltritten wird sie von ihrer Mutter in die Sommerschule geschickt. Doch die stellt sich als ein geheimes Camp heraus, in dem zweitgeborene Royals entdecken, dass sie Superkräfte haben. Dies dürfen sie auch schnell unter Beweis stellen, denn ein gefährlicher Häftling ist ausgebrochen.

Meine Meinung: Unter dem Titel hatte ich mir tatsächlich einen ganz anderen Film vorgestellt. Erwartet hatte ich wohl eine Art Breakfast Club mit zweitgeborenen Royals und einigen tiefgründigen Dialogen. Aber das wäre wahrscheinlich einfach zu wenig Disney. Stattdessen versucht man hier die Superheldenbranche für ein noch jüngeres Publikum zugänglich zu machen. Das steckt voller Klischees, vorhersehbarer Handlung und platter Charaktere. Das ist besonders enttäuschend, weil der Film in meinem Kopf bereits gut war, und dann die Realität damit einfach nicht mithalten konnte. Das Problem ist halt auch einfach, dass der Film sich die Ausgangshandlung sehr konstruiert hat, um dann mit den üblichen Handlungsmustern weiterzumachen. Unverstandene Teenager haben auf einmal Kräfte, kommen an eine Akademie, lernen diese im Schnelldurchlauf zu kontrollieren, und sind dann natürlich sofort bereit, um es mit dem großen Bösen aufzunehmen. Nicht nur, dass ich das schon einmal zu oft gesehen habe, die Umsetzung ist eben auch disneytypisch weichgespült. Kein Konflikt darf offen bleiben. Keine tiefgründigen Dialoge. Vielleicht war ich letztlich auch einfach nicht mehr die Zielgruppe, möchte ich gar nicht ausschließen. Aber ein bisschen Einfallsreichtum wird man doch wohl erwarten dürfen.

Bad Samaritan

Die Handlung: Sean hält sich zusammen mit seinem Kumpel Derek mit Einbrüchen über Wasser. Dabei parken sie vermeintlich die Autos von Restaurantgästen, fahren aber stattdessen zu deren Häusern und stehlen ein paar Kleinigkeiten. Das funktioniert eine Zeit lang ganz gut. Bei Cale, der im Maserati vorfährt, sieht alles absolut verlockend aus. Auch wird Sean im Haus mit einer neuen Kreditkarte fündig. Doch leider findet er auch eine gefesselte Frau vor, die ihn verzweifelt um Hilfe anfleht. Was soll er jetzt tun, immerhin begeht er gerade selbst eine Straftat.

Meine Meinung: Bad Samaritan ist so ein Film, den ich allein aufgrund seiner Prämisse wahrscheinlich nicht gucken würde. Aber meine beste Freundin kann sehr überzeugend sein. Mein Problem ist, dass ich es nicht sehen kann, wenn jemand ein Verbrechen sieht und ihm dann einfach nicht geglaubt wird und der Verbrecher es so hindrehen kann, dass der andere verrückt ist und sich das ausdenkt. Da drehe ich beim Schauen fast durch. Nun gab es hier allerdings das Argument, dass einfach David Tennant mitspielt. Aber Freunde des 10. Doktors aufgepasst. Mr. Tennant kann die coolsten Rollen unfassbar sympathisch spielen – siehe Doctor Who und Good Omens – er kann aber auch die schlimmsten Psychopathen mit einer Extraportion Kälte spielen – Vorgeschmack dazu bei Jessica Jones. Robert Sheehan (Umbrella Academy, Misfits, Mortal Engines) ist dafür der perfekte Gegenpart, verkörpert er doch den unsicheren Einbrecher, der mit der ganzen Situation einfach überfordert ist, einfach wunderbar. Das Problem des Films ist also nicht der Cast. Das Problem mit dem Film ist auch nicht die Handlung, die es immer wieder schafft unfassbar viel Spannung zu erzeugen. Nein, das Problem des Films ist das Ende. Denn hier scheint der Film einfach alles, was er vorher aufgebaut hat, über Bord zu werfen und sich zu denken: Slapstick mit einem eiskalten Folterheld, der zu einem lachhaften Psychopathen wird? Das klingt so, als ob wir uns damit den ganzen Film kaputt machen, lass das mal machen! Sehr geehrter Herr Regisseur Dean Devlin, ich liebe ihre unfassbar intelligente Serie Leverage, aber entschuldigen Sie bitte: Dieser Film ist am Ende einfach nur Mist.

Die bunte Seite des Mondes

Die Handlung: Nach dem Tod ihrer Mutter kommt die 14-jährige Fei Fei nicht damit klar, dass ihr Vater sich eine neue Frau sucht, die auch noch einen Sohn mitbringt, den Fei Fei als absolut nervtötend empfindet. Also beschließt sie zusammen mit ihrem Kaninchen zum Mond zu reisen, wo der Legende nach die Mondgöttin Chang’e leben soll, die sich nach ihrer ersten großen Liebe verzehrt. Und tatsächlich schafft sie es eine Rakete zu bauen. Doch auf der bunten Seite des Mondes ist es etwas anders als gedacht.

Meine Meinung: Disney? Is that you? Nein es handelt sich hierbei um ein Netflix Original, das vom Gewand her aber auch gut zu Disney passen würde. Allein die supersüße Vorgeschichte der Familie und dem supersüßen Häschen. Bis die Mutter stirbt. So weit, so Disney. Darauf versuchen sie die Geschichte eines trauerndes Mädchens abzubilden, das versucht, dass trotz des Tods der Mutter alles so bleibt, wie es war. Die drohende Veränderung durch neue Frau mit einem sehr aufgewecktem Sohn wird zielgruppengerecht aufgegriffen und man findet sich irgendwo in Fei Fei wieder, aber auch in ihrer neuen Stiefmutter, die alles versucht, damit Fei Fei sie mag, sie sich aber dennoch treu bleibt und sich nicht zu sehr der verstorbenen Mutter anzupassen. Der Film verliert seiner einen Großteil seiner zuvor starken Handlung, sobald es Fei Fei tatsächlich schafft mit einer selbstgebauten Rakete auf den Mond zu fliegen. Mal so in den Raum gestellt: Was wäre das eigentlich für ein unvorhersehbarer Plottwist gewesen, wenn sie nicht die Mondgöttin auf der bunten Seite des Mondes, sondern die Nazis auf der dunklen Seite des Mondes gefunden hätte? Aber gut, dass hätte wahrscheinlich auch nur ich cool gefunden. Stattdessen erleben wir jetzt die bunteste abgedrehteste Stadt, die je auf dem Mond zu finden war. Dann hätten wir noch eine Lady Gaga mäßige Gesangsnummer und der Kitsch ist perfekt. Erst nach und nach schafft der Film es wieder sich zu sammeln und wieder zu ernsteren Themen zurückzukommen. Die Geschichte der Mondgöttin Chang’e ist wohl eine sehr bekannte Legende in China. Ich wage zu bezweifeln, dass diese bunte Welt dort so gut ankommt. Aber immerhin schafft der Film es am Ende noch ein gut die Kurve zu kriegen und an der vorherigen Handlung mit ein paar guten Lebensweisheiten anzuknüpfen. So jetzt habe ich viel mehr dazu geschrieben, als ich wollte. Also nochmal die Kurzform: Zunächst eine starke Geschichte über den Verlust eines Elternteils und die Angst vor Veränderungen mit der neuen Frau des Vaters im Leben. Dann abgedrehter Kitsch, den keiner gebraucht hätte, am Ende doch noch die Kurve bekommen. Also ein bisschen weniger Popnummern, ein bisschen weniger bunte Seite des Mondes – also sie darf schon bunt bleiben, aber nicht so kitschig bunt – und das ganze wäre ein deutlich stärkerer Film geworden.

Mara und der Feuerbringer

Die Handlung: Mara Lorbeer dachte sie wäre ein ganz normales Mädchen mit einer etwas ungewöhnliches Mutter. Doch dann erzählt ihr ein Ast, dass sie eine Spakona ist, eine Seherin. Nach einigen Tagträumen vom gefesselten Loki, sucht sie verzweifelt Hilfe und sucht daher den Professor für germanische/nordische Mythologie an der Uni auf: Professor Weissinger. Nach einem etwas holprigen Start stecken die beiden schon bald mitten drin im Abenteuer. Denn Mara muss die Götterdämmerung aufhalten.

Meine Meinung: Der Film orientiert sich sehr stark am Buch und erzählt die Handlung nach, was auch relativ gut funktioniert. Der wahre Pluspunkt des Films zum Buch sind dann aber die Darsteller. Vor allem Jan Josef Liefers als Professor Weissinger kann der Rolle noch einmal eine ganz neue Richtung geben und bringt einen mehr als einmal zum schmunzeln. Tommy Krappweis, der Autor der Buchreihe, übernimmt hier Regie und das Drehbuch. Das funktioniert insofern, dass er sich mit seiner Geschichte bestens auskennt, und auch bereits über Erfahrung mit der Regie verfügt. Letztlich gibt es jedoch einige Handlungselemente, die auf dem Papier einfach besser funktionieren als auf der Leinwand. Denn gerade Hauptdarstellerin Lilian Prent scheint stellenweise überfordert, wie sie die sehr komplexe Gedankenwelt Maras richtig rüberbringen soll. Das ist jedoch Jammern auf hohem Niveau, denn an sich bekommen wir hier eine tolle Fantasy-Geschichte, die toll recherchiert ist, absolut fantastische Bilder hat – allein die Landschaftsaufnahmen! – einen tollen Cast aufweist und das ganze aus Deutschland, dem Land, das sonst nur die immer gleichen Komödien rausbringt. Also schaut den Film und wenn er auch gefiel, dann lest noch das gleich das Buch hinterher!

Eine Handvoll Bücher

Diesmal mit: Rotkäppchen im neuen Gewand, dem dritten Jemand, der Suche nach Antworten, einer sehr gefährlichen Onlinechallenge und einem Beitrag zu #metoo.

Wie Blut so rot – Marissa Meyer

Die Handlung: Scarlet lebt mit ihrer Grandmére auf einem Bauernhof in Frankreich. Natürlich hat sie von dem Vorfall im asiatischen Staatenbund mit der Königin von Luna und dem Cyborg Cinder gehört, aber nie gedacht, dass es sie betreffen könnte. Eines Abends trifft sie auf den Widerstandskämpfer Wolf, der ihr helfen will. Denn ihre Grandmére ist verschwunden und Scarlet ist sich sicher, dass sie entführt wurde.

Meine Meinung: Ich war echt gespannt, wie es bei den Luna-Chroniken weitergehen sollte, aber hab doch irgendwie gezögert weiterzulesen. Rotkäppchen war nun nicht gerade das Märchen, was ich gerne gelesen habe. Aber auch hier schafft es Autorin Marissa Meyer die Geschichte spielerisch in ihre steampunkige Welt zu integrieren. Ich mochte die Geschichte von Scarlet sogar am Ende ein bisschen lieber, weil die lange Einführungsphase fehlte und es sehr schnell sehr spannend wurde. Auch wenn die Geschichte von Scarlet im Vordergrund steht, wird dennoch auch Cinders Geschichte weitererzählt. So kann man erahnen, in welche Richtung das ganze gehen kann und doch tappe ich vollends im Dunkeln, wie die Geschichte aufgelöst werden soll. Gerade am Anfang habe ich gemerkt, dass ich vielleicht ein bisschen weniger Zeit zwischen den beiden Bänden hätte lassen sollen, da ich so doch etwas schwer in den zweiten Band reinkam, da die Autorin auf das übliche „Was bisher geschah“ verzichtete. Durch ein paar kurze Erinnerungen, die geschickt eingebaut wurden, konnte ich mich dann aber doch wieder an die wichtigsten Details erinnern und so die neue Geschichte genießen. Vor allem fand ich es gut, dass mich die Geschichte im zweiten Band noch wesentlich mehr überraschen konnte, da der erste, der sich an Aschenputtel orientierte, sich noch sehr am Schema des Märchens orientierte. Man erkennt zwar auch hier, um welches Märchen es sich handelt, aber mit mehr Freiheiten, um sich besser an die Rahmenhandlung anzupassen. Der dritte Teil steht jetzt noch dringender auf meiner Wunschliste.

Someone to stay – Laura Kneidl

Die Handlung: Aliza hat Lucien auf einem Sommerfest kennengelernt und eigentlich fanden sich beide auch gleich sympathisch. Aber sie haben einfach absolut keine Zeit für eine Beziehung. Aliza jongliert mit ihrem Jura-Studium, ihrem erfolgreichem Blog, Zeit mit ihrer Familie und Freunden und dann steht auch noch die Veröffentlichung ihres Buches kurz bevor. Lucien hat sein Studium, seinen Job und das Sorgerecht für seine jüngere Schwester, die ihn ganz schön auf Trab hält. Hat ihre Liebe dennoch eine Zukunft?

Meine Meinung: Was habe ich auf den dritten und letzten Teil der Someone-Reihe hingefiebert. Aliza und Lucien waren mir schon in den beiden vorherigen Bänden (Someone New und Someone Else) so sympathisch und ich freute mich, auf die Geschichte der beiden. Ich liebe die Reihe schon allein deswegen, weil sie wunderbar divers ist, vermeintliche Tabuthemen anspricht und es doch wunderschöne Liebesgeschichten sind. Und auch hier bekam ich genau das wieder geboten. Allerdings, wie das wahrscheinlich immer so ist, waren meine Erwartungen an den dritten Band mit meinen Lieblingscharakteren einfach ein bisschen zu hoch. Denn es ist eine absolut tolle Geschichte, behandelt auch wieder wichtige Themen und Aliza und Lucien sind einfach nur supersüß miteinander. Aber irgendwo fehlte mir das letzte Etwas. Wäre es der erste Teil gewesen, wäre ich wahrscheinlich absolut zufrieden mit allem, aber so waren meine Erwartungen einfach höher. Fassen wir zusammen: Von den Charakteren her, war dies wohl mein liebstes Buch der Reihe. Vom Gesamteindruck fand ich Someone New ein bisschen besser, einfach weil es mich, gerade mit der Auflösung am Ende, mehr geflasht hat.

Hold me tonight – Lana Rotaru

Die Handlung: Amanda ist noch immer auf der Suche nach Antworten zu dem Tod ihres Bruders. Diesmal findet sie sogar welche und kommt dadurch Dante wieder näher, der sie jedoch mit seiner Bad Boy-Attitüde noch immer in den Wahnsinn treibt. Was ist damals wirklich geschehen? Welche Rolle spielte Dante?

Meine Meinung: Den ersten Band habe ich noch ziemlich kritisch betrachtet, weil er mir einfach keine meiner Fragen beantworten konnte. Dies wird nun endlich erfüllt. Dadurch konnte ich die Geschichte zwischen Amanda und Dante auch mehr genießen. Natürlich gab es trotzdem immer noch neue Fragen, die beantwortet werden wollten, aber es gibt ja auch noch zwei Bände. Aber die Antworten, die man erhält, hatten es dann auch direkt in sich. Außerdem war man so einerseits etwas befriedigt, weil es endlich Antworten gab und andererseits konnte man immer noch mit der Geschichte mitfiebern, weil es halt immer noch unbeantwortete bzw. neue Fragen gab. So richtig in die Geschichte habe ich dann aber gegen Ende gefunden. Dann hat es Autorin Lana Rotaru geschafft einen Showdown der besonders spannenden Klasse zu schaffen. Ab da konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Es war so gut und so spannend! Jetzt bin ich schon gespannt, wie es im dritten Band weitergehen wird. Aber bisher ist Band 2 mein Highlight der Reihe.

Zwei Leben in einer Nacht – Carolin Wahl

Die Handlung: Sam und Casper kennen sich nicht. Doch in dieser Nacht treffen sie aufeinander. Denn sie haben beide einer Online-Challenge zugestimmt. Das Ziel: Gemeinsamer Selbstmord. Doch zuvor stehen fünf Aufgaben bevor, die sie auf diesen Schritt vorbereiten sollen.

Meine Meinung: Ich hatte vor diesem Buch ein bisschen Angst. Ich bin immer immer wieder um es herum geschlichen, weil ich es einerseits gut fand, dass so ein Thema angesprochen wurde, aber andererseits feige war, um mich mit so einem Thema und vor allem den Gedanken der Protagonisten auseinanderzusetzen. Ich habe mich schließlich dafür entschieden. Und ich muss sagen, dass Carolin Wahl es schafft eben nicht die typischen Klischees zu verarbeiten, sondern greifbare Charaktere zu schaffen, dessen Gründe man vielleicht nicht bis zur endgültigen Konsequenz nachvollziehen kann, denen man aber auch nicht zuschreibt, dass sie einfach nur überreagieren würden. Wir bleiben auch ganz nah an den beiden Protagonisten, ihren Ängsten, Sorgen und Träumen. Wir befassen uns wirklich mit ihnen. Die Handlung ist linear, nur durchbrochen von kleinen Rückblenden, um die Charaktere noch besser zu verstehen. Sie dürfen ihre Geschichten auch abwechselnd erzählen, so dass man beide auf die eigene Art versteht. Und obwohl die Dialoge und Gedanken der Protagonisten im Vordergrund standen, ist das Buch auch durchgehend spannend. Frau Wahl schafft auf 280 Seiten, was andere auf 500 nicht schaffen. Abschließend möchte ich noch dafür plädieren, das Buch zur Pflichtlektüre an Schulen zu machen.

Meine dunkle Vanessa – Kate Elizabeth Russell

Die Handlung: Vanessa ist Mitte 30 und arbeitet als Concierge. Ihr Leben ist aber das reinste Chaos. Und mitten in der ganzen MeToo-Debatte tauchen Anschuldigungen gegen Jacob Strane, einen ehemaligen Lehrer Vanessas auf, in der er beschuldigt wird, Minderjährige sexuell belästigt zu haben. Vanessa hat mit Strane ihre ganz eigene Geschichte, aber die war doch etwas ganz anderes, oder? Vanessa muss sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinander setzen, und sich dabei fragen, ist sie als Teenager vergewaltigt worden?

Meine Meinung: Meine dunkle Vanessa ist so ein Buch, dass ich unbedingt lesen wollte, dass mir dann aber sehr schwer fiel zu lesen. Und das lag einfach an dem Thema. Denn Mrs. Russell hat einen sehr flüssigen Schreibstil und schafft es das sehr schwierige Thema aus den richtigen Blickwinkeln zu betrachten. Die Handlung wird stets aus der Sicht von Vanessa erzählt und zwar auf zwei Zeitebenen. Einmal 2017 als die Beschuldigungen gegen Strane auftauchen und Vanessa anfängt zu reflektieren und 2000/2001 als sie selbst als 14/15-jährigen auf Strane trifft. Dabei schafft Russell es gekonnt, nicht in die typischen Täter/Opfer-Muster zu verfallen, sondern ganz differenziert an die Sache heranzugehen. So gibt es eine sanfte Aufarbeitung der Geschichte, allerdings stets aus Vanessas Sicht. Am Ende kann ich dennoch nicht sagen, ob ich das Buch gut fand. Ich fand es gut, dass es kein klassisches Täter-Opfer-Klischee gab, ich fand es gut, dass auf alle Konsequenzen bis ins Erwachsenenalter eingegangen wurden, dass sich mit der metoo-Debatte auseinandergesetzt wurde, dass aber auch gewisse Vorgehensweisen hinterfragt wurden. Ich fand es schade, dass die Aufarbeitung von Vanessa wesentlich kürzer ausfiel, als die Rückblenden. Und mir fehlte am Ende irgendwo die Reflexion Vanessas. Aber da wäre es wahrscheinlich auch schwierig geworden, dass ohne den erhobenen Moralfinger zu machen bzw. ohne die vorher aufgebaute Vanessa zu zerstören.

Habt ihr eins davon gelesen? Wie fandet ihr es?

Anime Special: The Dragon Dentist

Ein Vorwort

Die Anime Specials im Kino werden gefühlt von Jahr zu Jahr mehr. Während es aber auch immer mehr Filme zu Serien sind, ist für mich die Auswahl nicht unbedingt größer geworden. Ab und an lohn sich aber doch ein Blick ins Programm, denn manchmal werde auch ich noch überrascht. So fand ich den Titel The Dragon Dentist so witzig, dass ich mir einfach mal den Trailer angesehen habe. Und sagen wir mal, er hat mich nicht völlig abgeschreckt, was bei Animes für mich schon viel aussagt. Da mein Pärchenpartner sowieso für Animes zu begeistern ist, stand also mal wieder ein Kinobesuch an – also zu Zeiten, wo das noch möglich war. Warum mir der Film in seiner Gänze gut gefallen hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

In einem großen Krieg zweier Nationen wird ein großer und kilometerlanger Drache als Waffe eingesetzt. Da er kriegsentscheidend sein kann, versucht die eine Seite ihn irgendwie zu besiegen, während die andere sich um ihn kümmert. So leben im Drachen seine Zahnärzte, da die Zähne seine größte Schwäche sind. Nonoko ist eine noch junge Zahnärztin. Nach einer Schlacht findet sie den jungen Bell in einem Zahn, der ein Soldat der Gegenseite war.

Meine Meinung

Ich mag Drachen. Ich bin fasziniert von ihren vielen verschiedenen Darstellungen und den Charakterzügen, die man ihnen nachsagt und mit denen man dann doch bricht. In The Dragon Dentist bekommen wir es noch einmal mit einer ganz anderen Sorte Drache zu tun. Die Grundzüge der hier genutzten Drachenmythologie werden dem Zuschauer auch zunächst im Schnelldurchlauf durch einige markante Szenen verdeutlicht. Seine Eignung für den Krieg, das Mysterium seiner Zähne und seiner Zahnärzte. Wir lernen Nonoko kennen und mit ihr den Alltag eines Drachenzahnarztes. Kurz darauf darf dann auch schon Bell auf der Bildfläche erscheinen. Durch sein Eintreffen wird der Film zunächst vorangetrieben, weil nun mehrere Details zum Kriegsgeschehen folgen. Kurz darauf scheint der Film aber wieder in sein  gemächliches Tempo zurückgefunden zu haben. So meint man schon, dass der Film gar nicht so viel zu sagen habe, aber dann geht es Schlag auf Schlag.
Besonders faszinierend an der Geschichte ist, dass sie zwar linear erzählt wird, aber durch viel Symbolik im Mund des Drachen so viel mehr erzählt wird, als nur die Geschichte von Nonoko und Bell. Hier könnte man wahrscheinlich ganze Abhandlungen darüber verfassen, wofür bestimmte Erreger an den Zähnen stehen und wie sie das Kriegsgeschehen widerspiegeln. Hinzu kommt eine wunderbare Optik, die an keiner Stelle ins zu übertriebene abdriftet, was bei Animes gerne mal passiert.
Das große Finale mag an ein paar Stellen zu übertrieben wirken, bzw. wird die ‚Moral von der Geschicht‘‘ ein bisschen zu sehr mit der Holzhammermethode rübergebracht. Hier wären die sanfteren Metaphern von davor, wesentlich angebrachter gewesen. Denn grundsätzlich ist es ein Finale, das sich sehen lassen kann. Es ist spannend, mitreißend und man fiebert verzweifelt mit den Charakteren mit.
Was dem Film letztlich fehlt ist eine finale Diskussion. Zwar wird der Krieg symbolisch an mehreren Stellen kritisiert. Die Charaktere werden aber ein wenig zu sehr im Schubladendenken gezeigt. Die ‚bösen‘ von der anderen Seite und natürlich die ‚guten‘ auf der Seite des Drachen. Das der Drache ebenfalls Werkzeug im Krieg ist, wird ein wenig außen vorgelassen. Über die Hintergründe des Krieges und welches Ziel er verfolgt, bleibt auch unklar. Natürlich ist das für den Film auch nicht weiter von Bedeutung, aber gerade dann ist die Einordnung in ‚Wir und die Anderen‘ ein wenig zu einfach.
Dafür das der Film auf einem Kurzfilm basierte, bot die Idee genug Raum um die Laufzeit von 90 Minuten spannend zu füllen. Selbst der ruhigere Einstieg ist durch seine Faszination der neuen Welt, nie langatmig oder gar langweilig.

Das Fazit

The Dragon Dentist überzeugt durch eine wunderbare Optik, eine spannende Geschichte, eine interessante Idee und teilweise sympathischen Charakteren. Während gerade zu Anfang viel über Symbolik vermittelt wurde, bleibt die Enddiskussion ein wenig liegen, was zwar schade ist, dem Film aber im Sehvergnügen nicht schadet.

The Dragon Dentist lief am 27.10.2020 in den deutschen Kinos

Ohne Schuld

Ein Vorwort

Charlotte Link gehört wohl zu den AutorInnen, die sich mit recht zu meinen Lieblingen zählen dürfen. Hat sie mich doch Buch um Buch begeistern können. Bis sie 2015 mit Die Betrogene zum ersten Mal Richtung Krimi ging. Auch konnte mich die Protagonistin Kate Linville einfach nicht überzeugen. Kurz darauf gab es mit Die Entscheidung den nächsten Krimi, ohne Linville, der aber an blassen Figuren krankte und sich zu sehr an Stereotypen orientierte. 2018 sollte es dann mit Die Suche weitergehen, in der wir erneut auf Linville trafen. Das war der Punkt, wo ich dachte, dass ich einfach keine Krimis von Charlotte Link mehr lesen werden. Und nun kam Ohne Schuld. Wieder mit Kate Linville als Protagonistin. Und ich konnte nicht anders und musste es doch lesen. Und was soll ich sagen: Ich wurde positiv überrascht und hätte es bereut, wenn ich es nicht gelesen hätte. Wieso erfahrt ihr in meiner Kritik.

 

Die Handlung

Kate Linville hat ihren Job bei Scotland Yard gekündigt, um im Norden noch einmal völlig neu anzufangen. Und schon ist sie mitten drin im neuen Fall. Denn im Zug rennt ihr eine panische Frau in die Arme. Xenia Paget ist sich sicher, dass sie ermordet werden soll. Und tatsächlich stehen beide Frauen kurz darauf unter Beschuss. Die Ereignisse werden aber noch rätselhafter als ein paar Tage später eine andere Frau mit dem Fahrrad über einen gespannten Draht fährt und sich lebensbedrohlich verletzt. Das erstaunliche ist, dass an beiden Orten Schüsse aus der gleichen Waffe abgefeuert wurde. Wo ist der rote Faden? Wie gehören beide Frauen zusammen?

Meine Meinung

Ohne Schuld beginnt eigentlich ähnlich wie auch Die Betrogene oder Die Suche. Wir haben Kate Linville, die irgendwie in den aktuellen Fall der Polizei von Scarborough reinstolpert. Diesmal aber muss sie danach nicht auf eigene Faust ermitteln, sondern ist direkt in die Ermittlungen eingespannt. Das hat schon einmal den Vorteil, dass sie viel mehr Freiraum bekommt, um ihre Fähigkeiten als Ermittlerin zu demonstrieren, anstatt die halbe Zeit über ihr einsames Leben zu jammern. Das macht sie als Person schon einmal greifbarer. Man fiebert mehr mit ihr mit, statt sich zu freuen, wenn es mal nicht um sie geht. Natürlich ist sie nicht sofort ein neuer Mensch, ihr Charakter bleibt sich noch treu, aber es ist ein besseres Gleichgewicht. Dann haben wir vermehrt wechselnde Perspektiven zwischen anderen Charakteren aus ihrem Team, bzw. den betroffenen Frauen. Unterbrochen wird das ganze durch eine Art Tagebucheintrag einer lange Zeit unbekannten Person, die irgendwo mit allem zu tun zu haben scheint. 
Die Handlung an sich ist sehr linear und lange Zeit wird auch nichts genaueres über die Hintergründe der neuen Charaktere erzählt, sondern immer nur angedeutet. Lediglich die Tagebucheinträge scheinen irgendwo Hinweise zu geben, aber die kann man einfach keinem zuordnen. Die Ermittlungen selbst kommen nur langsam voran, aber das wirkt dafür umso realistischer. Auch schafft Link es immer wieder versteckte Hinweise einzubauen, so dass man als Leser miträtseln kann und selbst zwischendurch fast verzweifelt, weil einfach nichts passen will. Dafür ist man als Leser aber auch durch die wechselnden Perspektiven an allen Charakteren nah dran und verfolgt gespannt ihre Schicksale. 
Die Lösung des Falls ist dann noch einmal völlig überraschen und deckte sich nicht mit meinen Vermutungen, was ein gutes Zeichen ist. Gleichfalls ist es absolut erschreckend, wozu Menschen fähig sind. Link versucht zwar die meisten Taten zu erklären und manche Teile der Auflösung kann man irgendwo noch nachvollziehen, auch wenn es echt erschreckend ist. 
Mit knapp 550 Seiten ist Ohne Schuld schon ein dickes Buch für einen Krimi. Aber der Fall reicht dafür aus, um alle Seiten spannend zu füllen, ohne das er unnötig gestreckt oder aufgeplustert wirkt. Hier zeigt Link einmal mehr, dass sie ihre Geschichten um die Charaktere spannt und diese auch einfach ihre Ecken und Kanten zeigen dürfen – Fun Fact: Genau das habe ich mir in meiner Kritik zu Die Entscheidung gewünscht. Manchmal gehen Wünsche also doch in Erfüllung! 

Das Fazit

Ohne Schuld ist zwar nicht Charlottes Link erster Krimi, aber der erste, der qualitativ an ihre psychologischen Spannungsromane heranreicht. Spannende Handlung, interessante Charaktere, große Geheimnisse und realistische Polizeiarbeit vereinen sich hier zu einem Krimi mit Links ganz besonderer Handschrift. 

Ohne Schuld ist seit dem 02.11.2020 in allen Buchhandlungen erhältlich

Ohne Schuld wurde mir von Blanvalet als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Hexen hexen

Ein Vorwort

Die Kinos sind wieder geschlossen. Ein harter Schlag für alle Filme, die gerade erst im Kino anliefen, ganz zu schweigen von den Kinos selbst. Ich habe es dennoch geschafft einen der kurz vorher angelaufenen Filme zu sehen. Mit Hexen hexen hat sich Robert Zemeckis einem Kinderbuchklassiker von Roald Dahl angenommen, vielleicht einigen bekannt durch seine Bücher Charlie und die Schokoladenfabrik oder Matilda. Bereits 1990 gab es eine Verfilmung des Buches. Ich kannte weder das Buch noch die Version von 1990 und bin daher ganz unvoreingenommen an den Film herangegangen. Wie er mir gefallen hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Der Protagonist, dessen Name nicht genannt wird, (Jahzir Bruno) wird nach einem Unfall zur Waise und lebt fortan bei seiner Grandma (Octavia Spencer). Dort kommt er zum ersten Mal mit einer Hexe in Berührung. Seine Grandma hat bereits schlechte Erfahrungen mit Hexen gemacht und weiß, dass sie Kinder hassen. Um ihren Enkel zu beschützen reisen sie in ein großes Hotel, doch leider findet genau dort ein Hexen treffen statt. Die Oberhexe (Anne Hathaway) hat den Plan alle Kinder durch vergiftete Schokolade in Mäuse zu verwandeln. Nun stehen nur noch der Protagonist und seine Grandma dazwischen. Das Abenteuer beginnt.

Meine Meinung

Ein Hexenzirkel, der Kinder hasst und daher in Mäuse verwandeln will? Das klang ganz nach einem Film nach meinem Geschmack. Während die Verfilmung von 1990 in all den Jahren irgendwo an mir vorbeigegangen sein musste, zog mich der Trailer zum Remake direkt an. Auf dem Regiestuhl nahm Robert Zemeckis Platz, was für mich meistens ein gutes Zeichen ist.
Der Film beginnt mit dem fast schon typischen Autounfall, oder zumindest einem häufigen Motiv in Kinderfilmen, der unseren Protagonisten zur Waise werden lässt. Der Protagonist hat übrigens im Film keinen Namen, was aus dem Buch übernommen worden sein soll. Seine Grandma ist irgendwo zwischen liebevoller Oma, aber auch strenger Erziehungsperson einzuordnen. Es folgt eine kurze Einführung zu den Hexen, ehe es auch schon ins Hotel geht. Dort nimmt die Handlung schnell Fahrt auf und wechselt zwischen mal mehr und mal weniger spannenden Szenen. Generell hat der Film aber ein gutes Grundtempo und schafft es gekonnt die Elemente des Kinderfilms, einer Komödie, eines Dramas und stellenweise auch eines Horrorfilms zu verbinden. Dabei dürften gerade die Hexen in Hexengestalt für Kinder etwas gruselig wirken, darüber hinaus hält sich der Horrorteil aber auf einem guten Niveau bzw. sind diese Elemente einfach dem Kinderfilm angepasst. Zwischendurch wird der Film immer durch komödiantische Elemente aufgelockert, bleibt aber dennoch spannend.
Die Hexen selbst sind noch einmal so ein Thema für sich. Während sie in „Menschengestalt“ unglaublich gut aussehen und doch irgendwo etwas erschreckendes an sich haben, sind sie in „Hexengestalt“ irgendwo zwischen ein bisschen zu billigen Effekten und zu viel CGI einzuordnen. Scheint sich Zemeckis zwar an der Buchvorlage orientiert zu haben, sind beispielsweise die Hände, die als Klauen beschrieben werden, einfach nur Hände mit sehr langen Fingern, von denen zwei fehlen. Das wirkt schon ein bisschen billig, denn Klauen stelle ich mir schon etwas anders vor. Andererseits sieht man gerade der Gestalt von Anne Hathaway an, dass viel CGI eingesetzt wurde, um beispielsweise die Mäuler zu animieren. Das wäre grundsätzlich in Ordnung, wenn man es nicht so deutlich sehen würde.
Schauspielerisch muss man dann die sehr engagierte Anne Hathaway jedoch wieder loben, die zwar stellenweise an der Grenze zum overacting kratzte, aber dadurch ihre Rolle nur umso engagierter und überzeugender rüberbrachte. Auch Octavia Spencer spielt ihre Rolle gut. Lediglich bei Jungdarsteller Jahzir Bruno ist das ganze etwas schwieriger. Er steckt irgendwo zwischen nur ein Gesichtsausdruck und Teilnahmslosigkeit fest, was seiner Rolle am Anfang noch gerecht wurde – immerhin ist er da gerade zur Waise geworden und steckte im Schock fest – aber auch bei spannenderen Szenen schafft er es nicht mehr Emotionen zu zeigen.
Letztlich ist Hexen hexen durchaus ein guter Film, der sich aber mit der Zielgruppe etwas schwer tut. Während einige Elemente für Kinder zu gruselig sein könnten, sind andere für die Erwachsenen vielleicht etwas zu kindlich gehalten. Auch fehlt einfach der entscheidende Funken, um den Film irgendwo magisch zu machen. So ist es ein Film, den man gut einmal sehen kann, es sich aber zweimal überlegt, ob man ihn nochmal sehen möchte.

Das Fazit

Hexen hexen vereint Kinderfilm, Drama, Komödie und leichte Horrorelemente und wirbelt sie geschickt zu einem Film zusammen, scheitert aber an der Definition der Zielgruppe. Trotz guter Witze und spannender Handlung fehlt dem Film der letzte Funken, um wirklich gut zu sein. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Hexen hexen lief seit dem 29.10.2020 in den deutschen Kinos und ist bei Sky zum Abruf verfügbar.

Der geheime Garten

Ein Vorwort

Neben der deutschen Produktion „Jim Knopf und die Wilde 13“ lief nun auch eine britische Kinderbuchverfilmung in den Kinos an. Pünktlich zum Kinostart hatte ich dann auch die Buchvorlage noch einmal gelesen, konnte ich mich doch an die Geschichte, die ich aus meiner Kindheit kannte, nicht mehr so richtig erinnern. Warum mir der Film gefiel und ein paar Anmerkungen zum Buch, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Quelle

Die Handlung

Mary Lennox (Dixie Egerichs) entstammt einer britischen Familie, die in Indien lebt. Nach dem Tod der Eltern reist sie zu ihrem Onkel (Colin Firth) auf ein altes britisches Anwesen. Sie kann sich nur schwer an ihr neues Leben gewöhnen, bis sie den Schlüssel zu einem geheimen Garten findet.

Meine Meinung

Der geheime Garten versprach bereits im Trailer ein magisches Abenteuer zu werden. Und genau das hält der Film auch ein. Während man dem Anwesen ansieht, dass es mal bessere Tage hatte, erkennt man doch im Detail die Schönheit. Und sobald es an den Garten geht, der sich den Gefühlen und Hoffnungen der Kinder anpasst, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Wie Mary möchte man am liebsten von links nach rechts rennen und alles erkunden. Auch der Kontrast zum heißen Indien und verregnetem Großbritannien wird wunderbar in Szene gesetzt. Ein Moor war wohl noch nie so reizvoll wie hier. 
Die Handlung wird relativ linear erzählt mit kleineren Rückblenden auf Marys Kindheit in Indien. Neben Marys Erkundungen im Haus und im Garten, verfolgt man noch das Geheimnis der zwei Schwestern, das Stück für Stück aufgelöst wird und so den Film stets spannend hält. Grundsätzlich gibt es gar nicht so viel Handlung, aber die wird in gesunden Portionen präsentiert, so dass es immer wieder neue Aspekte zu entdecken gibt. 
Mit Dixie Egerichs wurde eine gute Jungdarstellerin gefunden, die den Wandeln Marys von verwöhnter Göre zu lebensfrohem Mädchen wunderbar widerspiegelt. Auch die beiden Jungen an ihrer Seite Amir Wilson und Edan Hayhurst schlüpfen spielerisch in ihre Rollen und bringen einen die Charaktere näher. Sie müssen sich auf keinen Fall hinter den gestandenen Schauspielern Colin Firth und Julie Walters verstecken. 

Ein paar Worte zum Buch

Bei Buchverfilmungen ist es bekanntlich immer schwer den schmalen Grad zwischen spannenden eigenständigen Film und für Buchfans akkurat genug die Handlung zu entwickeln. Bei Der geheime Garten ist klar zu sagen, dass sich der Film eher dafür entschied sich nur an der groben Handlung und den Charakteren zu orientieren und ansonsten viel umzudichten, hinzuzufügen oder wegzulassen. Und auch wenn es im ersten Moment seltsam erscheint, ist doch klar die Filmfassung die magischere. Denn das Buch ist sehr nüchtern erzählt und die Magie findet nur in den Köpfen der Kinder statt. Auch ist der Garten eher klein und unspektakulär. Sich hiervon zu distanzieren und etwas einfach magisches zu schaffen, war schon eine gute Entscheidung. Die Geschichte mit den zwei Schwestern oder das große Ereignis am Ende einzufügen, war zwar schon ganz schön abweichend vom Buch, aber dadurch wird der Film wesentlich eigenständiger und bietet auch für Buchfans einiges Neues.

Das Fazit

Trotz oder gerade wegen des eher losen Bezugs zum Buch schafft es Der Geheime Garten eine durch und durch magische, schöne und spannende Geschichte zu erzählen. Mit vielen Geheimnissen zu erkunden und tollen Schauspielern wird das eher nüchterne Buch viel lebhafter. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Der geheime Garten läuft seit dem 15.10.2020 in den deutschen Kinos