The Batman

Ein Vorwort

Einer der meistverfilmten Superhelden dürfte wohl Batman sein. Im Laufe der Zeit gab es immer wieder verschiedene Einschläge und Genremischungen. Während Christopher Nolans Dark Knight Reihe bis heute als die ikonischste Verfilmung angesehen wird, ist sie wohl auch die mit der guten düsteren Grundstimmung und gleichzeitig einem hohen Actionanteil. Nun stand wieder eine Neuverfilmung an. Nach dem ersten Aufschrei beim Casting von Robert Pattinson als dunklen Rächer, vor allem aus der Reihe derjenigen, die ihn noch immer mit seiner Rolle in Twilight verbinden, gab es immer wieder Gerüchte über die neue Richtung, die der Film einschlagen sollte. Wie er letztendlich funktioniert und ob der neue Stil etwas taugt, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Bruce Wayne (Robert Pattinson) zieht seit zwei Jahren als Batman durch Gotham und verbreitet Angst bei den Kriminellen. Die Polizei bittet ihn regelmäßig um Hilfe. Als der Bürgermeister (Rupert Penry-Jones) ermordet wird, schaltet Lietenant Gordon (Jeffrey Wright) Batman ein, der einer Spur voller Rätsel folgt, die auch in seine Vergangenheit führt.

Meine Meinung

Wenn der Name Batman fällt, tauchen meist gleich Bilder im Kopf auf von Kämpfen in dunklen Gassen, turbulenten Autofahrten und vor allem ikonischen Sätzen („Ich bin Batman“). Dabei findet sich Batman regelmäßig klassisch im Action- und Superheldenbereich. Nach Ben Afflecks Interpretation in den Flops Dawn of Justice und Justice League, waren viele wohl fertig mit DC und ihrem DCEU. Was keiner wollte, war noch ein Batman-Film. Was wir bekamen ist jedoch ein Batman-Film, der anders ist, der sich mehr auf die Comics besinnt und sich weniger an immer größer werdender Action orientiert, als vielmehr an Charakteren und an einer spannenden Kriminalgeschichte.
So fällt der Einstieg in The Batman durchaus schwer, da zwar dankenswerterweise auf eine Entstehungsgeschichte verzichtet wurde und lieber immer mal wieder ein paar Informationen eingestreut wurde, für die wenigen Zuschauenden, die Batmans Origingeschichte noch nicht kennen, sich gleichzeitig aber am Anfang eher auf eine düstere Grundstimmung konzentriert wurde, statt gleich in die Handlung einzusteigen. Sobald man sich jedoch an die Dynamik des Films gewöhnt hat, kommt die Handlung langsam ins Rollen. Der erste Mord passiert und wir erleben gleichzeitig die Ermittlungen rund um Comissioner Gordon und die parallelen Ermittlungen seitens Batman. Von hier aus entspinnt sich nach und nach der Kriminalfall immer mit bekannten Charakteren aus dem Batmanuniversum. So treffen wir auf den Pinguin, Catwoman und auch auf den Riddler. Dabei sind diese Charaktere auch eher unauffällig in die Gesamthandlung eingewebt und es wird nicht immer wieder groß mit ihren Namen herumjongliert. Selbst Batman wirkt hier eher kleiner.
So ist der Film wesentlich handlungsorientierter als Charakterbezogen. Natürlich darf zumindest eine action- und bildgewaltige Verfolgungsjagd nicht fehlen, aber ansonsten geht es eher darum Brotkrumen zu sammeln und das Puzzle zusammenzusetzen. Genau das ist auch der Grund warum der Film selbst nach den vielen Batmanvarianten, die es bereits gab, immer noch gut funktioniert. Er bringt eine ganz neue Dynamik hervor und birgt sowohl Potential für die Superhelden- als auch für die Krimifans. Die 177 Minuten Lauflänge fliegen nur so dahin, da es immer wieder eine neue Wendung gibt oder ein neues Rätsel auftaucht. Lediglich der Anfang ist wie oben erwähnt ein bisschen zäher.
Dennoch ist der Film nicht ganz rund. Zum einen gibt es gerade im großen Finale das ein oder andere Logikloch bzw. sind einzelne Handlungen da nicht mehr so richtig nachvollziehbar. Hier wurde lieber noch einmal auf den großen Wumms gesetzt, als darauf, dass die gut durchdachte Handlung bis zum Ende durchgesetzt wird. Dies ist aber in der Gänze des Films durchaus verzeihbar. Zum anderen wirkt die Rolle der Catwoman etwas lieblos eingebunden. Zwar taucht sie immer wieder auf, meist aber nur als kurze Stichwortgeberin, um dann wieder in der Versenkung zu verschwinden, bis sie wieder gebraucht wird. Hier ist es fraglich, ob es dafür einen bekannten Charakter, wie Catwoman wirklich gebraucht hätte, da man sich für sie mehr Spielraum gewünscht hätte. Gleichzeitig spielt Zoe Kravitz die Catwoman sehr minimalistisch, so dass auch der Zugang zum Charakter komplett fehlt. Abgesehen davon funktioniert der Film als Ganzes sehr gut.
Auch Robert Pattinson beweist hier einmal mehr, dass er sich von seinem Vampirdasein schon lange verabschiedet hat, auch wenn er nur selten ohne Maske zu sehen war. An das graue und verregnete Gotham muss man sich auch erst gewöhnen, funktioniert aber für die Atmosphäre wunderbar. So sind die Bilder trotz der vielen Nachtszenen gut erkennbar, auch wenn vieles über die Schatten erzählt wird.
The Batman ist anders als die Vorgängerfilme, setzt sich aber auch weit genug von der Dark Knight Reihe ab, um nicht im Schatten dieser Verfilmungen zu stehen. Hier dürfen wir durchaus gespannt sein, was eine Fortsetzung bringen könnte.

Das Fazit

The Batman trifft vom Genre her bestimmt nicht den Geschmack von jedem Batman-Fan, aber wenn man sich damit anfreunden kann, funktioniert der Film größtenteils gut. Vor allem die Atmosphäre lässt einen über die kleinen Mankos hinwegblicken. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

The Batman läuft seit dem 03.03.2022 in den deutschen Kinos

Eine Handvoll Bücher – 2/22

Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe der buchigen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: Liebe für einen Stripper, einer Welt im Schatten, Mord in Mecklenburg-Vorpommern, der lange Weg zum trojanischen Krieg und einer Weltausstellung in der Zukunft.

Strip this heart

Die Handlung: Brooke lernt auf dem Junggesellinnenabschied ihrer besten Freundin den Stripper Nate kennen. Doch trotz dieser Umstände kommen sich beide näher. Doch beide kämpfen mit zerbrochenen Träumen. Können sie die Scherben aufsammeln und nach vorne sehen?

Meine Meinung: Als Justine Pusts Debüt herauskam, war ich durchaus neugierig. Doch so richtig konnte ich mich für die Geschichte rund um den Stripper Nate nicht erwärmen. Hatte ich doch Angst, dass zu viel Gewicht darauf gelegt wird und alle Klischees durchgekaut werden. Doch genau das schafft die Autorin geschickt zu umgehen, so dass natürlich mit den Vorurteilen gespielt wird, diese aber nicht die Grundlage für das Drama bilden. Stattdessen geht es vielmehr um die zerbrochenen Träume der beiden und wie sie damit umgehen. Zwischenzeitlich fand ich die Gewichtung der Themen etwas merkwürdig, da gerade gegen Ende es viel mehr um die Hochzeit ihrer besten Freundin geht, als darum, dass die beiden an sich und ihrer Beziehung arbeiten. Es wirkte für mich wie ein Abschweifen von der Geschichte, was aber dennoch funktioniert hat. Der Schreibstil war flüssig und der Dramaanteil auf einem guten Niveau. Die Botschaft des Buches ist sehr herzerwärmend, zumal sie klar in die New Adult Kerbe schlägt, aber doch wesentlich geerdeter als bei anderen Vertretern des Genres wirkt.

Vergissmeinnicht – Was man bei Licht nicht sehen kann

Die Handlung: Quinn wird bei der Flucht vor einem magischen Wesen schwer verletzt. Während er sich davon erholt, nähert er sich Matilda an, die ihn als einzige zu verstehen scheint. Dabei gehört sie zu den verhassten Nachbarn. 

Meine Meinung: Kerstin Gier hat eine große Fangemeinschaft, so dass sich ihre Bücher gefühlt immer von alleine verkaufen. Bisher hatte ich von ihr nur die Silberreihe gelesen und fand diese durchaus okay, aber auch nicht unbedingt herausragend. Dennoch war ich beim Auftakt der Vergissmeinnicht Reihe wieder neugierig. Und mir hat das Buch durchaus gut gefallen. Auch hier ist der Fokus auch wieder auf jüngeren Lesenden, so dass auch die Protagonist*innen wieder jünger sind. Doch mit Quinn und Mathilda bin ich nach einer kurzen Aufwärmphase gut warm geworden. Auch hat es mich gefreut, dass mit Quinn mal ein Protagonist im Rollstuhl im Fokus ist. Für mich als Außenstehende hat dies im Lesefluss auch gut funktioniert, allerdings habe ich inzwischen mehrere Berichte von Rollstuhlfahrer*innen gelesen, die die Darstellung sehr problematisch sehen. Und die Argumente sind durchaus nachvollziehbar und so haftet der spannenden Unterhaltung ein schlechter Nachgeschmack an. Schade, dass hier das Sensitivity Reading anscheinend übersprungen wurde, denn die Geschichte ist spannend, bietet eine tolle Welt und eigentlich auch sympathische Charaktere, vor allem Mathilda mochte ich sehr.

Erntedank in Vertikow

Die Handlung: Peer sitzt seit neustem im Rollstuhl und kommt damit nicht wirklich zurecht. Als in Vertikow, einem kleinen Ort in Mecklenburg-Vorpommer, ein Unfall geschieht, ist sich Peer sicher: Es war Mord. Da ihm niemand glauben will, fängt er selbstständig an zu ermitteln.

Meine Meinung: Eigentlich lese ich kaum noch Krimis, weil mich die vielen Klischees nur noch nerven. Lediglich bei Cozy Crime werde ich noch schwach. Und so schlich ich schon länger um die Vertikow Reihe herum. Nachdem Band 1 auf der Buch Berlin vergriffen war, habe ich es als Schicksal abgestempelt, bis ich es zum Geburtstag bekam. Nun stand meinem Eintauchen in das kleine Dorf in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr im Weg. Und das war ein Glücksfall, denn auch wenn mir Peer als Protagonist an einigen Stellen nicht unbedingt sympathisch war, so war es mir das Dorf und die verschiedenen Charaktere umso mehr. Auch mochte ich, dass Peer als Ermittler im Rollstuhl sitzt und so auf viele Probleme und Schwierigkeiten aufmerksam macht – übrigens ohne in problematische Formulierungen zu verfallen. Der Fall selbst war da eher nebensächlich, auch wenn die Aufklärung natürlich im Vordergrund stand. Aber eigentlich hat man eher das Dorf kennen und lieben gelernt. Ich freu mich schon auf ein Wiedersehen in Vertikow, wenn ich es irgendwann mal schaffe den zweiten Band zu lesen.

Die Götter müssen sterben

Die Handlung: Im Schatten des Trojanischen Krieges prophezeit die Göttin Artemis den Fall Trojas und dem Tod der Götter. Dafür reist sie zu den Amazonen und segnet dort aber ausgerechnet Areto, die keine Kriegerin ist. Dennoch machen sich die Amazonen auf die lange Reise, um Troja im Krieg zu unterstützen.

Meine Meinung: Historische Fantasy ist nicht mein Genre. Gleichzeitig wollte ich dieses Buch unbedingt lesen, denn die Verarbeitung einer Vielzahl von Themen in diesem Kontext hatte mich sehr interessiert. Tatsächlich beschreibt das mein Dilemma mit diesem Buch sehr gut. Denn dadurch, dass mich die Geschichte sehr wenig interessiert hat und der für das Genre sehr gute Schreibstil für mich absolut nichts war, habe ich mich eher durch das Buch gequält und konnte nur eine sehr begrenzte Zahl an Seiten pro Tag lesen. Gleichzeitig habe ich aber immer wieder Sachen gefunden, die ich sehr gut umgesetzt fand, weswegen ich das Buch auch einfach immer weiter lesen wollte. So lebt das Buch von einer faszinierenden Vielfalt, die zeigt, wie einfach es ist diese wie nebensächlich einzubauen. So gibt es Charaktere verschiedener Ethnien und Hautfarben, LGBTQIAP+ Themen sind vorhanden und selbst psychische Erkrankungen wie Depressionen haben Platz gefunden, ohne das dominierende Thema zu sein. Das alles zeigt, wie gut dieses Buch von der Themenkonzipierung einfach ist. Dennoch hatte ich auch Probleme mit der Handlung, in dem Sinne, dass sie sich gefühlt für alles sehr viel Zeit genommen hat, nur um den Krieg selbst sehr kurz abzuarbeiten. Hier fehlte mir der ausbalancierte Spannungsbogen.

Yelena Gans und die Weltausstellung

Die Handlung: Im Jahr 2115 ist die pensionierte Privatdetektivin Yelena Gans mit ihrem Enkel auf der Weltausstellung unterwegs. Dieser freut sich darauf seinen Lieblingsstreamer Katerstrophisch zu sehen. Doch dieser schwebt in Gefahr und Yelena versucht dies zu verhindern. Doch eine mysteriöse Maschine durchkreuzt mehr als nur einen Plan.

Meine Meinung: So sehr ich auch lange Romane mag, so sehr freue ich mich über die ein oder andere Novelle für zwischendurch. Hier ist mir wichtig, dass die Geschichten selbst in der Kürze ausgefaltet ist und die Charaktere genug Platz bekommen. Aber mir ist es manchmal lieber eine Novelle zu lesen, als dass ein Buch künstlich gestreckt wird. Bei Yelena Gans und die Weltausstellung bin ich mir nicht ganz sicher, in welche Richtung ich tendieren würde. Grundsätzlich glaube ich, dass die Geschichte durchaus noch Potential hatte, um auch im größeren Stil erzählt zu werden. Vor allem die Weltaustellung kommt mir ein bisschen zu kurz. Gleichzeitig hätte eine Streckung doch wenig an der grundsätzlichen Handlung geändert – auch wenn mir gerade die Auflösung ein bisschen zu schnell kam. Dennoch ist dies alles ein Jammern auf hohem „Was wäre, wenn“-Niveau. Denn die Geschichte ist rund und erzählt sich ganz ungehetzt. Vielleicht hätten hier nur so 20-30 Seiten mehr geholfen den Mittelteil ein bisschen auszubauen und so auch die Verwirrung des durch die Maschine ausgelösten Effekts ein bisschen zu schmälern. Wer Lust auf ein bisschen kurzweilige Sci-Fi mit Krimianteil hat, sollte hier aber auf jeden Fall einen Blick drauf werfen.

Habt ihr eins davon gelesen? Wie fandet ihr es?

 

Licorice Pizza

Ein Vorwort

Regisseur Paul Thomas Anderson hat seit 2017 (Der seidene Faden) wohl eine Schaffenspause eingelegt. Nun meldet er sich mit Licorice Pizza zurück und konnte gleich drei Oscarnominierungen einheimsen, unter anderem als bester Film. Ob der Film Chancen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Gary Valentine (Cooper Hoffman) trifft auf die zehn Jahre ältere Alana Kane (Alana Haim) und ist sich sicher, dass er sie einmal heiraten wird. Davor liegen einige teilweise auch geschäftliche Erfahrungen, die die beiden zusammen durchleben. Epsiodenartig erzählt der Film aus ihrer Freundschaft.

Meine Meinung

Schon mit Der seidene Faden bin ich nicht richtig warm geworden. Der Stil von Regisseur Paul Thomas Anderson war einfach nichts meins und mir fehlte einfach eine Handlung, die über die Laufzeit überzeugen konnte. Mit einem ähnlichen Problem schlägt sich jetzt auch Licorice Pizza rum.
Denn die Handlung des Films ist selbst am Ende nicht wirklich benennbar. Man kann es jetzt herausreden durch den episodenartigen Aufbau des Films, aber selbst die einzelnen Episoden wirken eher wirr erzählt und kommen einfach nicht auf den Punkt. Auch ist der Übergang sehr willkürlich gewählt und einen wirklichen zeitlichen Kontext gibt es auch nicht. Letztlich saß ich gefühlt nur mit einer Frage im Kopf im ganzen Film: Was will uns der Regisseur damit sagen?
Und selbst, wenn man sich damit abfindet, dass es irgendwo nur kleine Ausschnitte aus dem Leben der beiden Protagonist*innen sind, die irgendwie immer wieder umeinander schleichen und sich dann wieder entfernen, wirken die Episoden irgendwie befremdlich. Vor allem aber, wenn man sich vor Augen führt, dass Gary Valentine zu Beginn des Films 15 Jahre ist und in die Schule geht, aber gleichzeitig Schauspieler ist, in der Firma seiner Mutter arbeitet und ein neues Projekt nach dem nächsten beginnt, was die meisten Erwachsenen überfordern würde. Mir fehlte dadurch immer mehr der Bezug und ich bin immer weiter vom Film weggedriftet. Dadurch, dass nie genau gesagt wird ob und wenn ja, wie viel Zeit immer vergangen ist, bleibt auch die Endauflösung des Films fraglich, durch den großen Altersunterschied der beiden Protagonist*innen. 
Auch schauspielerisch konnte der Film wenig überzeugen. Es wirkt zwar wie zwei Charaktere aus dem Leben mit der größtenteils unbeholfenen Art, es wurde nichts weichgespült oder durch große Dialoge überzeichnet. Aber dadurch fehlt auch der Filmcharakter. Stellenweise wirkt es so, als wäre die Kamera irgendwie aufgestellt worden und hätte zufällig ein paar Gespräche eingefangen. Dazu stehen im großen Kontrast dann wieder die Szenen, die so überdreht und großspurig geschrieben sind, dass der Unterschied so extrem ist, dass beides völlig fehl am Platz wirkt.
Letztlich ist Licorice Pizza ein Film, der irgendwo vor sich hin plätschert und zwischenzeitlich ein bisschen unterhält. Wer sich vom Trailer angesprochen fühlt, bekommt hier genau das geboten und ist dann wahrscheinlich im richtigen Film. Ich konnte leider mit ihm überhaupt nichts anfangen und war eher gelangweilt oder abgestoßen. Im Gegensatz zu anderen Filmen schaffte er es auch überhaupt nicht mich von der Atmosphäre her einzunehmen, so dass die anderen Schwierigkeiten mit dem Film leider präsent bleiben.

Das Fazit

Licorice Pizza ist ein Film, der einen entweder durch die Schlichtheit der einzelnen Episoden überzeugt, oder einen eher abschreckt. So leider bei mir, da mir nie klar wurde, was der Regisseur mir damit sagen wollte. Wirre Handlung, nicht überzeugendes Schauspiel und wenig Atmosphäre. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Licorice Pizza läuft seit dem 27.01.2022 in den deutschen Kinos

Belfast

Ein Vorwort

Nachdem Kenneth Branagh im Februar endlich mit Tod auf dem Nil im Kino war, lief auch noch ein zweiter Film von ihm an. Diesmal geht es mit autobiografischen Einschlägen ins Belfast seiner Kindheit. Warum der Film gleichzeitig leicht und doch schwer ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Der neunjährige Buddy (Jude Hill) lebt Ende der 1960er Jahre mit seiner Familie in Belfast. Während er mit Freunden auf der Straße spielt, kommt es zu Ausschreitungen von Protestanten gegen die in der Straße lebenden Katholiken. Aus den Trümmern wird eine Mauer gebaut. Buddy versucht trotzdem sein Leben normal weiterzuleben.

Meine Meinung

Dass es zwischen dem katholisch geprägten Süden und dem evangelisch geprägten Norden Irlands immer mal wieder Spannungen gab und diese auch in blutigen Auseinandersetzungen endeten, ist einem irgendwie am Rande noch bewusst. Inwiefern dies den Alltag der dort lebenden Menschen beeinflusste eher wenig. Kenneth Branagh nimmt uns mit nach Belfast in Nordirland. Eine ganz normale Straße voller spielender Kinder. Beide Religionen sind vertreten, leben zumindest in dieser Straße in Frieden miteinander. Dann kommt es zu gewaltsamen Ausschreitungen, bei der die Häuser der Katholiken angegriffen werden. Auf einmal wird aus den Trümmern eine Barrikade gebaut, bewacht von den Anwohnern, ein trügerischer Frieden.
Dies ist die Ausgangssituation des Films, die wir in den ersten Minuten erleben. Ein beklemmendes Gefühl entwickelt sich. Mittendrin treffen wir auf Buddy, der nicht versteht, was vor sich geht. Mit der typischen Unschuld eines Kindes fragt er seine Mutter, was passiert ist und warum die anderen Familien angegriffen wurden. Mühsam versucht die Mutter Worte zu finden, ist aber gleichzeitig noch geschockt. Der Vater arbeitet in England, weil er in Nordirland nicht genügend verdient.
Der Film verfolgt im weiteren den Alltag der Familie mit ihren ganz eigenen Problemen und die gleichzeitg beklemmende Atmosphäre durch die Trümmerbarrikade. Die verschiedenen Parteien, die alle versuchen Einfluss auf Buddy zu nehmen. So ist Belfast über viele Strecken gar nicht großartig aufregend, zieht einen dennoch in den Bann, durch die mitfühlende Familiengeschichte. Erst gegen Ende wird es noch einmal tragischer, wobei der Film es auch hier schafft einen zwischendurch ein kleines Lachen zu entlocken und damit die Situation aufzulockern, da man ansonsten lieber die Augen vor den Geschehnissen verschließen will.
Der Film funktioniert vor allem durch die leichte und doch ernste Spielweise der Akteur*innen. Mit Jude Hill wurde ein sehr guter Jungdarsteller gefunden, der die innere Zerissenheit Buddys wunderbar rüberbringt. Caitriona Balfe als seine Mutter kann ebenso überzeugen, wie Jamie Dornan als Buddys Vater, der sich hier von seinem Shades of Grey Image wegspielt.
Mit 99 Minuten Lauflänge hat Belfast genau die richtige Länge, um Handlung und Charaktere Zeit zum entwickeln zu geben und sich gleichzeitig an keiner Stelle zu ziehen. Die Endaussage ist gleichzeitig niederschmetternd und hoffnungsvoll und das fasst den Film sehr gut zusammen.

Das Fazit

Belfast ist ein sehr ruhig erzähler Film über tragische Ereignisse, wunderbar duchleuchtet durch die Augen eines Kindes. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Belfast läuft seit dem 24.02.2022 in den deutschen Kinos

His Dark Materials

Ein Vorwort

Sowohl Buch als auch die Verfilmung von Der Goldene Kompass sind irgendwie an mir vorbei gegangen. Nachdem viele Buchfans über die Verfilmung aber auch sehr enttäuscht waren, habe ich da wohl wenig verpasst. Dennoch stolperte ich vor ein paar Wochen über die Serienverfilmung His Dark Materials. Nachdem ich der Pilotfolge eine Chance gegeben hatte, zog mich die Serie unweigerlich in ihren Bann und entließ mich erst am Ende der zweiten Staffel wieder mit einem dringenden Bedürfnis den Produzierenden zu schreiben, dass ich die dritte Staffel zeitnah brauche. Warum das so war, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Staffel 1

Die Handlung

Lyra Belaqua wächst zusammen mit ihrem Dæmon Pan im Jordan College in Oxford auf. Durch ihren Onkel Lord Asrael erfährt sie von Staub und seinen Forschungen dazu. Da er sie jedoch nicht mitnehmen will, nimmt sie kurzentschlossen das Angebot von Mrs. Coulter an, dieser zu assistieren. Dabei erfährt sie jedoch, dass diese für das Magisterium arbeitet und Kinder entführt werden. Zusammen mit einem mystischen Gegenstand entflieht sie und begibt sich auf eine abenteuerliche Reise.

Meine Meinung

Filme oder Serien mit jungen Protagonist*innen sind immer ein Glücksspiel, da sie sehr schnell nervig wirken können. Und Lyra mit ihrem sehr eigensinnigen Charakter ist eigentlich prädestiniert um genau so eine nervige Protagonistin zu werden. Doch ein intelligent geschriebenes Drehbuch und das starke Spiel von Dafne Keen verhindert genau das. Am Anfang nimmt sich die Serie die nötige Zeit, um die wichtigsten Charaktere vorzustellen und einzuführen, bevor es los geht ins Abenteuer. Ab hier hält einen die Serie in Atem. Bis auf wenige Verschnaufpausen geht es immer weiter vorwärts. Dennoch bekommen die Charaktere Zeit, um sich anständig zu entfalten.
Besonders beeindruckend ist der Weltenbau der Serie (bzw. dann wohl des Buches). Nicht nur sind die einzelnen Elemente mit liebevollen Details umgesetzt, so dass die Bilder in jeder Szene beeindruckend sind, sondern auch die Welt an sich bietet hinter jeder Ecke etwas neues zum entdecken. So wird man durchgehend in Atem gehalten und kommt zeitgleich aus dem staunen kaum heraus. Darüber hinaus bietet die Serie eines der eindrucksvollsten Infos, das ich in letzter Zeit gesehen habe.

Staffel 2

Die Handlung

Achtung enthält Spoiler zu Staffel 1! Lyra ist Lord Asrael durch den Spalt in der Welt in eine andere gefolgt. Dort findet sie eine ausgestorben scheinende Stadt vor. Nur Will, der aus einer dritten Welt kommt, scheint dort zu sein. Sie schließen sich zusammen, um die Geheimnisse ihrer Welten und Staub zu erkunden.

Meine Meinung

Die zweite Staffel schließt fast nahtlos an die erste an. Es empfiehlt sich grundsätzlich nicht zu viel Zeit zwischen beiden Staffeln verstreichen zu lassen, da die Charaktere nicht neu erklärt werden. Trotzdem fällt der Übergang sehr leicht. Die zweite Staffel nimmt sich am Anfang wieder Zeit die neuen Gegebenheiten wirken zu lassen und das neue Setting vorzustellen, ehe es an die neuen Erkundungen und Abenteuer geht. Hier funktioniert vor allem Will gespielt von Amir Wilson als Gegenpart zu Lyra sehr gut, da er ihr als Ruhepol entgegensteht und dennoch durch seine eigene Geschichte überzeugen kann. 
Auch wenn hier die Geschichte um zwei Welten erweitert wird, bekommen auch die anderen Charaktere wieder genügend Raum. So wird zwischen den Charakteren hin und her gesprungen und somit auch zwischen den Welten. Dadurch bekommt die Geschichte weiterhin genügend Abwechslung. Auch kommen neue spannende Aspekte hinzu und einige Aspekte werden aufgeklärt oder erweitert.
Nun bleibt es spannend, wie die Geschichte in einer (voraussichtlich) finalen dritten Staffel ihren Höhepunkt findet. Genügend offene Fragen sind noch vorhanden.

Assassins Wood – Bürokratie kann möglich sein

Ein Vorwort

Wenn Herzensprojekte von Autor*innen zu Herzensbüchern der Lesenden werden, dann passiert wohl so etwas wie bei Assassins Wood. Nachdem Autorin Ann-Kathrin Karschnick schon lange dieses Projekt in der Schublade hatte, weihte sie vor einiger Zeit ihre Twitch-Community ein und was soll ich sagen: Wir waren Feuer und Flamme. So entstand die Idee und die Chance das Projekt über StartNext zu finanzieren, was tatsächlich auch geklappt hat. Und so kann ich euch heute erzählen, warum dieses Buch den Hype absolut wert ist. Mehr dazu in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Penta ist ein Todesreiter, also der Bürokrat in der Verwaltung der Assassinen-Gilde. Durch einen Unfall ist er jedoch gezwungen ein paar Regeln zu dehnen. Dadurch kreuzt sein Weg den der Feuerlackfabrik-Erbin Tonia Fill, die sich sicher ist, dass Assassinen existieren. Aus der Not heraus schließen sie eine Allianz. Immer mit dabei ist Pentas Dunkelnetzschnüffler Wurzel, der Bonsai.

Meine Meinung

Wenn man auf ein Buch sehr lange wartet, ist die Erwartungshaltung entsprechend hoch. Dennoch habe ich versucht sie zurückzuhalten und mich ganz unvoreingenommen auf das Buch einzulassen. Doch das war absolut nicht nötig. Allein das erste Kapitel, das uns in die nicht enden wollende Bürokratie der Assassinen-Gilde einführt, hat mich mehrfach herzlich zum lachen gebracht. Dabei war das i-Tüpfelchen jeweils Wurzel, der durch seine Sprüche einfach einen Spaßfaktor sondergleichen kreiiert hat.
Doch natürlich gibt es auch darüber hinaus einiges zu entdecken. So war der Weltenbau in Assassins Wood sehr liebevoll gestaltet und bot immer wieder neue Ecken zum erkunden. Dies erleben wir an der Seite von Penta und Tonia, die unterschiedlicher nicht sein könnten und gerade deswegen absolut gut als Protagonist*innen miteinander harmonieren. Penta, der Bürokrat durch und durch ist und sich mit einer Situation konfrontiert sieht, die ihn absolut überfordert. Und dann Tonia, die leidenschaftlich und tatkräftig ans Werk geht und zu ihren Überzeugungen steht.
Das Hauptgenre ist Funtasy und hier ist der Name Programm. Denn wir bekommen zum einen gut durchdachte Phantastik in einer ganz eigenen Welt, die aber auch immer wieder den Humor widerspiegelt, den der Fun steht hier auch groß im Vordergrund. So verschlingt man Seite um Seite, weil die Handlung nach der kurzen Charakter- und Welteneinführung sehr schnell sehr spannend wird und liegt gleichzeitig Tränen lachend auf dem Boden. Ich wiederhole: Wurzel und seine Sprüche sind einfach absolut gut gelungen und immer passend.
Gepaart wird das ganze mit dem wunderbar locker leichten Schreibstil von Ann-Kathrin Karschnick. In jeder Zeile merkt man ihr das Herzensprojekt an.
Beim Crowdfunding auf Startnext war auch die zweite Finanzierungsstufe erfolgreich, so dass hier bereits ein Hörbuch mit den wunderbaren Stimmen von Fanny Bechert und Sven Matthias in der Mache ist. Ich freue mich sehr darauf dieses Abenteuer auch als Hörbuch noch einmal zu erleben!

Das Fazit

Assassins Wood – Bürokratie kann tödlich sein ist spannend und dabei zum totlachen, voller Spannung mit einem tollen Weltenbau. Wer also auf gute Funtasy steht, ist hier genau richtig!

King Richard

Ein Vorwort

Biopics über berühmte Menschen gibt es immer wieder. Die beiden berühmten Persönlichkeiten aber fast in den Hintergrund zu stellen und die Hintergrundperson in den Vordergrund zu stellen, ist durchaus mutig. Wie das bei King Richard funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Richard Williams (Will Smith) ist sich sicher: Er hat die nächsten beiden Tennisstars unter seinen Töchtern. Venus (Saniyya Sidney) und Serena (Demi Singleton) wachsen unter dem strengen Traningsplan auf und werden stetig voran getrieben. Dabei trifft ihr Vater einige unkonventionelle Entscheidungen.

Meine Meinung

Biopics gibt es immer wieder. Manche funktionieren gut, manche eher nicht. Tatsächlich ist King Richard einer der Vertreter, bei denen die Antwort sowohl als auch ist. Er funktioniert als Film, funktioniert aber nur bedingt als Biopic. Dies hängt aber vielleicht auch mit meiner Erwartungshaltung zusammen. Der Film und die Trailer machen von Anfang an keinen Hehl aus der Tatsache, dass es zwar irgendwo um Venus und Serena Williams geht, aber eben auch in großen Teilen um ihren Vater. Tatsächlich funktioniert der Film jedoch immer dann am besten, wenn Richard Williams nicht im Mittelpunkt steht. Wenn wir sehen, wie die beiden Schwestern kämpfen, wie ihre drei weiteren Schwestern und ihre Mutter mit der Situation umgehen oder wenn es um wichtige Tennismatches geht.
Das hängt wohl vor allem damit zusammen, dass Richard Williams ein sehr umstrittener Vater sein dürfte, der eine teilweise gute und nachvollziehbare Moral verfolgt, dieser aber durch seine Taten immer wieder selbst widerspricht. Er prangert gleichzeitig den Druck der Branche an und wie andere Tenniseltern mit ihren Kindern umgehen und ist zeitgleich herrisch, riskiert die Karrieren seiner Töchter für ein Machtspiel und setzt sie mehr unter Druck als jede*r andere. So entfaltet sich eine Aussage aus dem Film, die nicht richtig greifbar wird, weil die folgenden Szenen ihr schon wieder widersprechen können.
Das nächste Problem des Films ist seine zeitliche Gewichtung. Während gerade der Anfang noch stark inszeniert wurde und der Weg der Schwestern aus dem ärmeren Teil Comptons und die nötige Finanzierung ihrer Karrieren nachvollziehbar bleibt, wird der zweite Abschnitt, nachdem sie ihren ersten Vertrag haben bis zu den ersten wirklich wichtigen spielen im Schnelldurchlauf durchgehetzt. Zeit wird sich zwar immer wieder für Tennismatches genommen, die auch mit einer sehr guten Atmosphäre und Spannung ausgespielt werden, doch ansonsten gibt es Zeitsprünge, die nur bedingt nachvollziehbar sind.
Zumindest das Ende stimmt einen mit dem Film dann wieder versöhnlich, da hier wieder eine stärkere Fokussierung auf den Schwestern liegt. Trotz allem ist der Film auch gut spannend inszeniert, es kommt keine Langeweile auf und auch der Ausgang bleibt teilweise offen, auch wenn man natürlich weiß, dass es beide Schwestern geschafft haben.
Schauspielerisch ist der Film gut ausgestattet, wobei es nicht Will Smith als Richard Williams ist, der hier heraussticht. Eher wirkt sein Spiel stellenweise etwas überzogen, vor allem in seiner „Oscarszene“. Da ist das wesentlich dezentere Spiel von Aunjanue Ellis als Mutter wesentlich angebrachter.

Das Fazit

King Richard funktioniert an vielen Stellen sehr gut und scheitert an der Fokussierung auf Richard Williams statt seiner Töchter oder der Familie als Ganzes. Dennoch spannend und gut inszeniert. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

King Richard läuft seit dem 24.02.2022 in den deutschen Kinos

Cinemathek: Respect

Ein Vorwort

Es gibt schon einige Verfilmungen über Musiker*innen und Bands. Dabei sind die Damen bisher eher vernachlässigt worden. Nun zieht Liesl Tommy nach und gibt niemandem geringeren als Aretha Franklin eine Bühne. Wir mir die Verfilmung des Lebens der „First Lady/Queen of Soul“ gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

1952 singt Aretha Franklin (Jennifer Hudson) noch auf den Samstagabendpartys ihres Vaters dem Baptistenprediger C. L. Franklin (Forest Whitaker). 1960 erschien ihre erste Popschallplatte. Der Film verfolgt ihren Aufstieg und ihre Dämonen bis ins Jahr 1972.

Meine Meinung

Filmische Biographien über Musiker*innen und Bands hat es in den letzten Jahren wieder vermehrt gegeben. Beflügelt von Erfolgen, wie Bohemian Rhapsody oder auch Rocketman wurden gleich mehrere zusätzliche angekündigt. Dabei haben die beiden Filme schon einen sehr unterschiedlichen Weg eingeschlagen und beide auf ihre Art und Weise gut funktioniert. Liesl Thommy schlägt hier den eher konservativen Weg ein und erzählt chronologisch die wichtigsten Ereignisse in Franklins Karriere.
Dabei beginnt sie in der Kindheit, die prägend für Franklins weiteren Weg ist. Der Familienzusammenhalt, der herrscht, aber auch gleichzeitig ihr herrischer Vater, der alles für sie bestimmt. Anstatt hier die prägenden Ereignisse in Rückblenden zu packen, wenn sie später als Erwachsene von ihren „Dämonen“ heimgesucht wird, um sie im Kontext zu zeigen, bleibt es hier bei der chronologischen Aufzählung. So bekommt man zwar ein Gefühl, warum Franklin in bestimmten Situationen reagiert, wie sie reagiert, aber es entsteht keine richtige Dynamik im Film. Gleichzeitig entsteht so auch eine gewisse Distanz zum Film und den Charakteren. Irgendwo kann ich Arethas Handlungen und Verhaltensweisen nachvollziehen, weil ich gezeigt bekomme, was sie alles durchmachen musste, andererseits aber auch nicht, weil keine Sympathie oder Berührungspunkte entstehen. Das ist sehr schade, denn diese Frau hat einiges durchgemacht.
Durch gelegentliche Jahreszahleneinblendungen kann man sich grob orientieren, wie weit die Geschichte fortgeschritten ist, dennoch gibt es zwischenzeitlich immer wieder Zeitsprünge, die man eher aus dem Kontext begreift, als aus dem Gezeigten. Das ist ein wenig verwirrend und erhöht nur die Distanz zu dem Film.
Trotz der schwierigen Erzählstruktur und einer Lauflänge von 145 Minuten, die durch die mangelnde Nähe eben auch an Spannung einbüßt, funktioniert Respect im Ganzen gesehen dennoch relativ gut. Das liegt vor allem an Jennifer Hudson und ihrer guten Porträtierung Arethas. Die Liebe zur Musik ist in allen Poren spürbar. Teilweise werden ganze Szenen genutzt, um die Entstehung eines Songs zu zeigen. Also keine Montageszene, sondern wirklich der Prozess. Auch die anderen Darsteller*innen machen ihren Job gut. Leider reicht das nicht, um die Distanz zu überbrücken.

Das Fazit

Respect ist ein interessanter Film über das Leben einer beeindruckenden Frau. Trotz gutem Schauspiel und der beeindruckenden Stimme von Jennifer Hudson schafft der Film es nicht die Distanz zu den Zuschauenden zu überbrücken. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Moonfall

Ein Vorwort

Regisseur Roland Emmerich dürfte einigen ein Begriff sein, hat er zeitlose Klassiker, wie Independence Day auf die Kinoleinwand gebracht und sich einen Namen als Katastrophen-Regisseur gemacht – also dem Genre. Doch für seine neue Idee wollte ihm kein großes Studio Geld geben, weswegen er sich von einigen Leuten eine Menge Geld lieh, um Moonfall dennoch zu realisieren. Warum das leider gar nicht funktioniert hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Jahre nachdem Astronaut Brian Harper (Patrick Wilson) durch ein mysteriöses Erlebnis im All aus der NASA ausstieg, löst etwas den Mond aus seiner Umlaufbahn. Während der Verschwörungstheoretiker K.C. Houseman (John Bradley-West) dies zuerst entdeckt und sich Harper anvertraut, bekommt auch die NASA rund um Harpers ehemaliger Kollegin Jocinda Fowler (Halle Berry) davon Wind. Nun versuchen sie in einer verzweifelten Mission den Grund herauszufinden, da der Mond so innerhalb von drei Wochen auf die Erde zu fallen droht. Diese scheitert und so sucht Fowler Hilfe bei Harper. Eine finale Mission beginnt.

Meine Meinung

Es gibt Namen für Regisseur*innen, bei denen weiß man, dass die Filme nichts werden. Dann gibt es die, deren Filme stets irgendwie okay sind oder bei denen man mal einen großartigen Film und mal einen Reinfall bekommt. Und dann gibt es die Regisseure, die immer abliefern. Bei denen man weiß, was man bekommt und wenn man sich mit der Handschrift anfreunden kann, so bekommt man viele schöne Filmstunden. Bisher war Roland Emmerich eher in der letzten Kategorie zu finden. Doch mit Moonfall zeigt er, dass sein Schema nicht grundsätzlich funktioniert, sondern, dass er es bisher gut umgesetzt hatte.
Denn in Moonfall will einfach nichts wirklich funktionieren. Das beginnt bereits am Anfang als ein Szenario im Weltraum geschaffen wurde, nur um aus den Geschehnissen die tragische Hintergrundgeschichte des Protagonisten zu machen. Jahre später ist er der übliche gescheiterte Held. Geschieden, sein Sohn spricht nicht mehr mit ihm, ständig Pleite und hält trotzdem an seinen glorreichen Zeiten fest. Patrick Wilson spielt den Charakter genauso langweilig, wie sich die Charakterisierung anhört. Jede Szene wird stoisch abgespielt, ohne eine Möglichkeit Nähe oder ihn an Bezugsperson aufzubauen. Seine Kollegin Jocinda Fowler hat es natürlich auch nicht unbedingt besser getroffen. Im Schatten ihres inkompetenten Vorgesetzten, ist sie ebenfalls geschieden und unglücklich mit ihrer Situation.
Dann bricht der Mond auch schon aus seiner Umlaufbahn. Fowler wird natürlich mit der Situation betraut, da ihr Vorgesetzter einfach abhaut und sie mit der Verantwortung zurücklässt. Im Schnelldurchlauf muss sie hinter eine große Verschwörung der NASA kommen, für circa drei Sätze wurde ein Donald Sutherland engagiert, der aber auch nichts zu tun bekommt. Stattdessen haben wir K.C. Houseman, ein Verschwörungstheoretiker, der aus irgendeinem Grund als erstes von der Abweichung des Mondes wusste. Dennoch darf er die ganze Zeit rumlaufen und seine Theorien verkünden, wird von Harper zwar müde belächelt, aber darf immer weiter mitkommen, bis er sogar mit zur finalen Rettungsmission aufbricht.
Wir haben noch nicht einmal die Hälfte des Films geschafft und haben eigentlich schon alles drin gehabt. Die Verschwörung, das Katastrophenszenario, die tragische Hintergrundgeschichte unseres Protagonisten, der jetzt natürlich wieder zurückgeholt wird. Kurzum Moonfall haut einem einfach alles um die Ohren was geht, vergisst dabei aber, auch nur ansatzweise ein Stück Logik in die Handlung zu bringen, stattdessen vollgepackt mit vermeintlichem Heldentum. Und falls irgendjemand im Zuschauerraum zu diesem Zeitpunkt noch nicht völlig auf Durchzug geschaltet hat, so bietet die zweite Hälfte jede Menge Grund dazu – aus Spoilergründen gehe ich hierauf nicht näher ein.
Hatte man bei der Grundidee darauf gehofft ein gut durchdachtes und strukturiertes Gedankenexperiment zu bekommen, was passiert, wenn der Mond nicht mehr an seiner Stelle wäre, mit dem Einfluss auf die Gezeiten und ähnlichem, so wird man auf voller Linie enttäuscht. Gleichzeitig sind die Charaktere absolut platt und austauschbar, was wohl auch die Schauspieler*innen gemerkt haben, die so platt spielen, wie ihre Charaktere. Spannung kommt absolut nicht auf, da einem die Handlung und die Charaktere komplett egal sind. Die Effekte wirken allesamt wie aus anderen Filmen zusammengeklaut und bieten keinerlei Mehrwert.

Das Fazit

Moonfall ist ein Film, bei dem einfach nichts passt. Unlogische vor schlechten Klischees tropfende Handlung trifft auf platte Charaktere, unmotivierte Schauspieler*innen und schlechte Effekte. Es hatte schon Gründe, warum kein großes Studio den Film finanzieren wollte. Dafür gibt es 02 von 10 möglichen Punkten.

Moonfall läuft seit dem 10.02.2022 in den deutschen Kinos

Tod auf dem Nil

Ein Vorwort

2017 wagte sich Kenneth Branagh an den berühmten Stoff auf der Feder von Agatha Christie und brachte uns eine wunderbare Neuverfilmung von Mord im Orient-Express. Im Gepäck hatte er die Creme de la Creme aus Hollywood. Bereits 2018 gab es dann Dreharbeiten zur Fortsetzung „Tod auf dem Nil“. Mehrere Faktoren unter anderem natürlich die Pandemie, sorgten dafür, dass der Film immer wieder verschoben wurde. Nun durfte er endlich auf der großen Leinwand einziehen. Konnte Branagh als Regisseur und Hauptdarsteller ein weiteres Mal überzeugen? Das erzählte ich euch in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Frisch verheiratet verbringen Linnet Ridgeway-Doyle (Gal Gadot) und Simon Doyle (Armie Hammer) ihre Flitterwochen in Ägypten. Mit dabei sind Familie, Freunde und Bekannte, die das reiche Paar eingeladen hat. Durch Zufall ist auch Hercule Poirot (Kenneth Branagh) mit dabei. Da die eifersüchtige Ex-Freundin Simons Jacqueline de Bellefort (Emma Mackey) sie auf Schritt und Tritt verfolgt, flüchten sie schließlich an Bord eines Nilschiffes. Doch nach einigen merkwürdigen Begebenheiten kommt es zu einem Mord. Ein neuer Fall für Hercule Poirot.

Meine Meinung

Ich bin ein großer Fan von der Poirot-Reihe Agatha Christies, habe es aber noch nicht geschafft die beiden wohl bekanntesten Fälle Mord im Orient Express und Tod auf dem Nil zu lesen. So wa ich jeweils auf die Verfilmungen gespannt und wusste vorher tatsächlich auch noch nicht, wer der*die Mörder*in war. Bereits der Trailer von Tod auf dem Nil konnte mich wieder vollständig mitreißen, wollte ich meine Erwartungen dennoch nicht zu hoch schrauben, da mir diese bei Mord im Orient-Express zum Verhängnis wurden.
Als der Film mitten im ersten Weltkrieg begann, dachte ich mir kurzzeitig im falschen Film, passte die Einordnung doch zeitlich nicht. Schnell wurde ich aufgeklärt, dass es sich um die Vorgeschichte Poirots handelt, um einige Äußerungen und Entscheidungen später besser nachvollziehen zu können. Ein Zeitsprung später lernen wir die ersten Charaktere kennen und bekommen praktisch noch einmal eine Art Vorgeschichte. Einen weiteren – wenn auch wesentlich kleineren – Zeitsprung später sind wir dann in Ägypten angekommen. Bis wir das Schiff erreichen, dauert es zwar immer noch etwas, aber hier erfolgt dann die Charaktervorstellung.
Diesmal bleibt auch erstaunlich lange offen, wer denn überhaupt ermordet wird. Das whodunnit setzt sehr spät ein und geht auch nicht über ein paar Gespräche hinaus. Das macht in diesem Fall aber auch gar nicht, weil allein die Charakterentwicklung vorab interessant ist und die Spannung hoch hält. Ständig hat man jemand Neues im Verdacht, um doch wieder auf eine neue Spur gebracht zu werden. Zwar hat sich letztlich mein Verdacht bestätigt – eventuell bin ich da ein bisschen stolz drauf, ich bin sonst echt schlecht im Mörder*innen erraten – aber das Wie war für mich wieder einmal absolut überraschend.
Schauspielerisch waren auch diesmal wieder einige bekannte Namen aus Hollywood dabei. Und dabei werden alle ihrem Ruf gerecht und liefern ab. Im großen und ganzen also wieder ein Film, der hält, was der Trailer verspricht und dabei besonders mit tollen Bildern verzaubert. Und auch wenn es hier um einen Mordfall ging, hat mir der Film einmal mehr Lust auf eine Nilkreuzfahrt gemacht.

Das Fazit

Tod auf dem Nil überzeugt trotz oder gerade wegem dem spätem whodunnit, mit gutem Schauspiel und eindrucksvollen Bildern. Branagh überzeugt einmal mehr als Poirot. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Tod auf dem Nil läuft seit dem 10.02.2022 in den deutschen Kinos