Ms. Marvel

Ein Vorwort

Marvel produziert derzeit nicht nur Filme, sondern auch Serien am laufenden Band, so dass man kaum noch hinterherkommt. Neben Captain Marvel als Film rund um Carol Danvers, gibt es nun in Serienform auch Miss Marvel. Wie das funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Kamala Khan (Iman Vellani) ist 16 und lebt in Jersey City. Ihre Familie stammt aus Pakistan und kann daher ihre Faszination für ihr großes Vorbild Captain Marvel nicht nachvollziehen. Als sie für eine Comic Convention ihr Cosplay etwas aufpeppen will und einen alten Armreif aus ihrer Familie umlegt, hat sie auf einmal Superkräfte. Doch diese wollen kontrolliert werden.

Meine Meinung

Direkt nach Veröffentlichung der ersten Episode kam der große Aufschrei. Eine Muslimin sollte eine Superheldin im MCU werden? Rassistische Propaganda rief dazu auf, die Serie schlecht zu bewerten. Dabei ist es doch genau diese Vielfalt, die das MCU so lebendig macht. Denn die Auseinandersetzung mit dem Thema der indisch-pakistanischen Teilung und wie Familien dadurch getrennt wurden, hatte ich so auch noch nicht und fand es gut eingearbeitet.
Das die Serie an ganz anderer Stelle krankt, ist hier erstmal zweitrangig. Denn die Aufarbeitung des Themas, dass Muslime angeblich keine Superheld*innen sein können, erfolgt bereits im Laufe der Serie und eine kleine Geschichtsstunde inklusive der noch immer spürbaren Folgen der Trennung werden gut eingearbeitet.
Mit Kamala Khan haben wir zwar eine sehr junge, aber dafür auch eine sehr nahbare und nachvollziehbare Protagonistin bekommen. Ihre Begeisterung zu Captain Marvel und die langsame Entwicklung mit dem Entdecken ihrer Kräfte ist gut umgesetzt und hat eigentlich Neugier auf mehr geweckt.
Leider funktioniert die Serie über die Dauer der sechs Episoden so gar nicht. Vielleicht wäre ein schöner Film draus geworden, aber hier merkt man, wie wieder alles und nichts in die Serie gequetscht wurde. Denn so wirklich einen roten Faden gibt es nicht. Funktionieren die ersten beiden Folgen erstaunlich gut, geht es danach immer weiter bergab. Antagonisten werden geheimnisvoll eingeführt, nur um sie zugleich als Überbedrohung zu zeigen. Dann gibt es ein schnelles Hin und Her, Verbündete kommen und gehen, ein schneller Abstecher nach Pakistan, wieder zurück in die USA, neuer Antagonist wird geschaffen, eben noch schnell eine völlig überflüssige Regierungsorganisation mit reingeschoben, die zwar für den Endkampf sorgt, deren Motive aber so banal und einfach nur dumm und unnachvollziehbar sind, dass man sich zwischenzeitlich nur an den Kopf greifen kann, was hier für ein Blödsinn verzapft wurde. Statt sich auf eine Sache zu konzentrieren und diese auszuerzählen (was wohl in einem Film passiert wäre, da dort für mehr kein Platz gewesen wäre), werden tausend Sachen angefasst, oberflächlich abgearbeitet und unbefriedigend weggeschoben.
Dadurch platzt die Serie vor Logiklöchern, die Charaktere bleiben platt und eindimensional. Es gibt nach dem Anfang keinerlei Entwicklung mehr, es scheint fast, als wollte Marvel einfach nur den Charakter eingeführt haben und  weil sie für Disney+ nur Serien produzieren, musste es partout eine Serie werden. Schade, bietet die Grundidee doch genug Anreiz, um die Thematik auszuspielen.
Bleibt nur zu hoffen, dass das MCU noch die Kurve kriegt, denn nach einem auf und ab im letzten Jahr, gab es bisher nur Enttäuschungen. Es bleibt abzuwarten, was die weiteren angekündigten Serien und Filme bringen, aber Phase 4 ist aktuell vollkommen überladen mit lustlos produzierten Filmen und Serien.

Das Fazit

Ms. Marvel kommt über eine gute Grundidee zur Inklusion nicht hinaus und scheitert an tausend losen Handlungsfäden, die nirgendwo hinführen. Trotz sympathischer Protagonistin ist die Serie wohl eher ein Reinfall.

S(e)oul Duett

Ein Vorwort

Ich greif ja gern mal zu einem guten New Adult Buch. Als ich hörte, dass dieses auch noch in Korea spielt und keinen K-Pop Bezug hat, wusste ich, ich musste es haben. Warum ich die Reihe bedingungslos weiterempfehlen kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Blue S(e)oul Nights

Die Handlung: Nach dem Tod ihres Vater sucht Jade nach einem Neuanfang. Sie bekommt ein Jobangebot als Englischlehrerin in Korea und lässt ihr altes Leben hinter sich. In Seoul findet sie nicht nur neue Freunde, sondern lernt auch Hyun-Joon kennen. Und auch, wenn beide nur wenig Zeit haben, kommen sie sich langsam näher.

Meine Meinung: Sehnsuchtsziel Korea aus der Perspektive der Protagonistin Jade kennenzulernen, die sich dort langsam aber sicher einlebt, war eine schöne Abwechslung zum Setting in den USA und auch war es mal keine Universität, sondern verschiedene Stellen. Die Liebe zur Kunst und zur Fotografie werden hier vereint und zusammen mit den wunderbaren Protagonist*innen Jade und Hyun-Joon erleben wir eine zauberhafte Geschichte. Allerdings auch eine Geschichte mit ernsten Themen, die Triggerwarnung ist ernstzunehmen. Denn Autorin Kara Atkin schafft es die Balance zwischen ernsten Themen und leichter Liebesgeschichte zu schaffen und holt einen von der ersten Seite an ab. Die Geschichte baut sich relativ langsam auf, so dass wir viel Zeit haben die beiden kennenzulernen. Auch wenn es im Bereich New Adult angesiedelt ist, wirken die Protagonist*innen wesentlich reifer, da sie einige schmerzliche Erfahrungen schon machen mussten, die sie prägten. Der leichte Schreibstil lässt einen nur so durch die Seiten fliegen. Das Ende ließ mich dann doch sehr unzufrieden zurück, weswegen ich den zweiten Band kaum erwarten konnte.

Achtung, die Inhaltsangabe von Band 2 spoilert das Ende von Band 1!

Golden S(e)oul Days

Die Handlung: Nach drei Jahren in Singapur reist Jade zurück nach Korea. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen trifft sie wieder auf Hyun-Joon und ihre Gefühle kehren heftiger zurück als zuvor. Doch nach seiner Zeit beim Militär hat er sich geändert. Gibt es für beide eine gemeinsame Zukunft?

Meine Meinung: Das Ende von Band 1 hat mich ziemlich unbefriedigt zurückgelassen, wusste man doch nicht, wie die finale Entscheidung der beiden ausfiel. In Band 2 werden wir dann direkt in die Zeit drei Jahre später katapultiert und erfahren nach und nach, was zwischen den Bänden passiert ist. Der zweite Band ist wesentlich schwerer, da auch hier die ernsten Themen (auch hier unbedingt auf die Triggerwarnung achten!) nochmal deutlich zunehmen. Und auch, wenn die Lockerheit der Liebesgeschichte aus dem ersten Band fehlt, habe ich jede Seite aufgezogen, habe mitgefiebert und war mir doch uneinig, was ich von den Veränderungen gerade bei Hyun-Joon halten sollte. Doch nach und nach klärt sich alles auf und sein Verhalten wird immer nachvollziehbarer. Auch hier trägt der leichte Schreibstil durch die Geschichte und die Hoffnung auf ein Happy-End hält einen am Ball. Die Geschichte findet einen runden Abschluss, doch auch danach bleibt die Sehnsucht nach dem Land und eine kleine Traurigkeit, da ich mich von den Charakteren verabschieden musste.

Das Fazit

Das S(e)oul Duett überzeugt durch einen leichten Schreibstil, das Sehnsuchtsziel Korea und tolle Charaktere. Eine schöne Liebesgeschichte vor allem in Band eins geht in eine Auseinandersetzung mit wichtigen Themen in Band 2 über. Eine schöne New Adult Reihe, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Bullettrain

Ein Vorwort

Von den Machern von Deadpool 2 ist vielleicht nur bedingt ein Qualitätsmerkmal, aber allein der Trailer für die Buchverfilmung sah aus wie eine gesunde Mischung aus Action, Dialogen und Humor. Ich war angefixt, aber skeptisch, ob das Niveau über einen ganzen Film gehalten werden konnte. Wie spielerisch Bullettrain dies umsetzt, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Ladybug (Brad Pitt) bekommt den Auftrag in einem Shinkansen einen Aktenkoffer voll Geld zu stehlen. Doch in diesem Zug sind noch einige andere Personen aus verschiedenen Motiven, die alle unterschiedliche Ziele haben. Doch eins ist gewiss: Der weiße Tod wartet in Kyoto.

Meine Meinung

Filme in Zügen haben bekanntlich ein Problem. Es geht nur nach vorne oder nach hinten, aber der Platz ist begrenzt und ein Zug endet auch irgendwann. Filme wie Train to Busan oder auch ein Snowpiercer (der an ganz anderen Stellen gescheitert ist) haben jedoch bewiesen, dass dies nicht unbedingt ein Nachteil sein muss. So zieht uns Bullettrain direkt nach Fernost und in einen hochmodernen Shinkansen. Das Setting in Japan ist hier allerdings relativ egal, da die Gäste international sind und es wohl lediglich darum ging einen Zug zu haben, der sehr schnell und sehr pünktlich fährt (also fiel Deutschland als Setting schonmal raus).
Wir begegnen zunächst Ladybug, der uns wie aus dem Trailer bekannt von seiner neuen Einstellung erzählt und dann feststellt, dass er wieder einen Auftrag hat, bei dem er auf eine Waffe nicht verzichten sollte. Kaum im Zug angekommen, häufen sich die ersten Probleme. Nach und nach lernen wir auch die anderen Akteure kennen, erfahren ein wenig von ihrer Geschichte (ob vollständig oder nicht) und lernen ihre Motive kennen. Was wir nach der fröhlichen Vorstellungsrunde zu wissen glauben, wird im Laufe des Films mehrfach auf die Probe gestellt. Kleinere Rückblenden oder das Einführen weiterer Charaktere steigert den Spannungsgrad.
Die wunderbare Kombination aus Spannung, Action, Humor und Dialogen sorgt dafür, dass Bullettrain ein Spaß auf ganzer Linie wird. Zwischen den gut choreographierten Kämpfen – hier merkt man, dass Regisseur David Leitch am ersten John Wick mitgewirkt hat – gibt es immer diese Atempausen, die aber durch die Dialoge stets gut gefüllt sind.
Bis zum Ende bleibt es ein Katz und Maus Spiel und auch wenn man glaubt, das meiste durchschaut zu haben, gibt es immer wieder Wendungen und neue Informationen, mit denen vorher keiner gerechnet hat. Der ausgezeichnet ausgewählte Cast tut sein übriges zu diesem Film, der 127 Minuten Sehvergnügen bietet.
Wem John Wick gefallen hat, wird die Action hier lieben. Wer den Humor aus Deadpool mochte, wird sich hier wiederfinden, auch wenn die Dialoge hier noch mal ein ganz anderes Niveau erreichen. Wer ein gut gecastetet Schauspieler*innenensemble sucht, ist hier genau richtig. Kurzum: Bullettrain ist auf dem besten Weg zum Jahreshighlight.

Das Fazit

Bullettrain bietet gut choreographierte Action, ein tolles Setting, einen gut ausgesuchten Cast, ist spannend, humorvoll und einfach komplett rund. Ein Actionfilm mit spannendem whodunnit und humorvollen Dialogen. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Bullettrain läuft seit dem 04.08.2022 in den deutschen Kinos

Sandman

Ein Vorwort

Neil Gaiman ist in der Regel ein Garant für gute Stories, stammen doch Werke wie Good Omens, American Gods oder auch Coraline aus seiner Feder. Als Netflix dann die Verfilmung seiner DC Comics ankündigte, war ich mehr als gehyped. Und nun war es soweit und die erste Staffel wurde veröffentlicht und ich konnte es mir nicht nehmen sie innerhalb von zwei Tagen durchzubingen. Warum die Serie absolut grandios ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Dream (Tom Sturridge), einer der Ewigen und zuständig für die Traumlande, wird von einem Zauberer (Charles Dance) gefangen genommen. Hundert Jahre später kann er sich befreien und steht vor den Trümmern seines Reiches, dass er nun wieder aufbauen muss.

Meine Meinung

Es gibt wenige Serien, die mich von Minute eins an absolut fesseln können. Meistens braucht es doch zumindest eine Folge, damit ich in die Handlung reinkomme oder mich mit den Charakteren anfreunden kann. Nicht so bei Sandman. Allein die ersten Szenen sind optisch schon ein absoluter Traum (Wortspiel beabsichtigt), dass ich mich komplett verloren habe. Selbst wenn alles danach mich nicht überzeugt hätte, stand schon fest, dass Netflix hier zusammen mit Warner Brothers keine Mühen und Kosten gescheut hat und optisch einiges aufgetragen hat.
Glücklicherweise passte aber auch der Rest wunderbar gut zusammen. Mir fehlt der Vergleich, inwieweit die Handlung den einzelnen Bänden der Comic Vorlage entspricht, doch es wirkt wie zwei Bände in einer Staffel, haben die erste und die zweite Hälfte andere thematische Schwerpunkte in der Handlung. Dennoch geht es im Groben um Dreams Abwesenheit und wie er das Traumreich nach seiner Rückkehr wieder aufbaut. Unterwegs tauchen verschiedene Charaktere auf, die teilweise später noch einmal Relevanz haben, teilweise aber auch nicht, so dass es sich anfühlt wie ein großer Handlungsbogen und doch wirken die Einzelfolgen mehr oder weniger in sich geschlossen. So bleibt es durchgehend spannend ohne sich von einem Cliffhanger zum nächsten zu hangeln.
Die Grundstimmung ist vergleichsweise ruhig, aber nicht einschläfernd, was bei American Gods irgendwann zu einem Problem wurde. Szenen werden ausgespielt, dennoch gibt es genug Tempo, um das Spannungsniveau zu halten. Neben den sehr ernst aufgezogenen Themen gibt es aber auch immer wieder kleine Schmunzeleinheiten, wie der Rabe Matthew oder der Disput zwischen Kain und Abel.
Sandman vereinigt auf herrliche Weise ein neu gebautes Universum, aber auch bekannte Elemente aus Religion und Mythologie und bietet immer wieder Feinheiten zum Entdecken. Auch wenn viele Nebencharaktere vorhanden sind, werden diese so gut vorgestellt, dass man sich die wichtigsten gut merken kann (wenn auch nicht unbedingt alle Namen).
Auch schauspielerisch hat die Serie einiges zu bieten. Patton Oswalt, Charles Dance, Jenna Coleman, David Thewlis und viele mehr reihen sich hier aneinander. Während mir Hauptdarsteller Tom Sturridge bisher eher unbekannt war, liefert er hier eine sehr solide Leistung ab und passt einfach perfekt in die Rolle des Sandman, nur ausgestochen von Boyd Holbrook als der Korinther. Eher enttäuschend ist diesmal Gwendoline Christie, deren Luzifer absolut blass bleibt und sehr uninspiriert wirkt. Gerade von ihr hätte ich in der Rolle wesentlich mehr erwartet und so war auch die Folge mit ihr am enttäuschendsten, wenn auch noch immer auf einem sehr guten und hohen Niveau. Dies bleibt aber auch der einzige kleine Kritikpunkt, den ich an der ganzen Serie hatte.
Zum Schluss bleibt nur noch eine wichtige Frage: Wann kommt Staffel 2?

Das Fazit

Sandman dürfte das Serienhighlight des Jahres sein. Allein optisch schon ein absoluter Traum, Handlung und Charaktere können komplett überzeugen und es bietet einfach von allem etwas: Spannung, Humor, Fantasy, guter Weltenbau. Was soll ich sagen: Schaut euch diese Serie an.

Anime Special: Sing a bit of harmony (OmU)

Ein Vorwort

Mit Belle erreichte uns dieses Jahr bereits ein musikalischer Anime in einem Special. Während dies eine moderne Social Media Interpretation von die Schöne und das Biest war, befasst sich Sing a bit of harmony mit der Frage nach künstlicher Intelligenz. Wie das funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Satomi lebt in einer Modellstadt, wo künstliche Intelligenz getestet wird. Roboter sind in ihrem Alltag fest integriert. Ihre Mutter steht kurz vor dem Abschluss eines wichtigen Projekts und hat daher wenig Zeit. Als mit Shion eine neue Mitschülerin auftaucht, die auf Satomis Glück aus ist, steht die Welt Kopf. Doch dann findet Satomi mit ihrem Freundeskreis heraus, dass Shion das neue Projekt der Mutter ist.

Meine Meinung

Die Frage, welche Auswirkungen künstliche Intelligenz auf unser Leben hätte, wurde bereits in vielen Filmen aufgegriffen. Auch, ob wir ab einem gewissen Punkt noch KI von realen Menschen unterscheiden könnten, war oftmals Thema. Meist jedoch in einer düsteren Dystopie oder zumindest mit dem erhobenen Finger. Sing a bit of harmony schlägt hier einen neuen Weg ein. Denn auch, wenn die Ausgangsfrage eine ähnliche ist, unterscheidet sich doch die Herangehensweise.
Zunächst lernen wir Satomi kennen, die mit ihrer Mutter zusammenlebt und offensichtlich mit viel Technik im Haus ausgestattet ist. In der Schule eher isoliert und von ihren Mitschüler*innen abschätzig gemustert, taucht eine neue Mitschülerin auf. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei Shion um eine KI handelt. Es entwickelt sich darum ein Freundeskreis und die Frage nach dem Glück steht im Mittelpunkt. Eher am Rand geht es um die KI. Dies ändert sich im Laufe des Films, denn Shion wird immer übermütiger bei ihrem Versuch Satomi glücklich zu machen.
Der Film nähert sich dem eigentlich Thema sehr langsam und greift vorher noch die Bereiche Freundschaft, Glück und Liebe ab. Dennoch bleibt irgendwann die Frage: Wie weit kann eine KI gehen, bevor es gefährlich wird. Das Ganze allerdings verpackt in eine feuchtfröhliche Komödie mit herzerwärmenden Charakteren und tollen Gesangseinlagen. Auch im großen Finale geht es noch mehr um die Freundschaft als um tiefgreifende KI Themen, was herrlich erfrischend ist. So fehlt dem Film zwar ein wenig die Tiefe des Themas, was aber auch gar nicht schlimm ist, weil der Film es gar nicht darauf anlegt. Stattdessen ist es einfach ein schöner Film, der gerade gegen Ende ziemlich spannend wird.
So konnte mich der Film auch als Nicht-Anime-Fan (wobei ich den Titel wohl langsam abgeben muss, näher ich mich dem Genre doch immer näher an) überzeugen. Ein paar kleinere Ruckler, die aber das Sehvergnügen keinesfalls einschränken, waren vorhanden, aber im Großteil ein schöner runder Film.

Das Fazit

Sing a bit of harmony ist ein kleiner, aber feiner, Anime mit einigen Musikeinlagen, einer tollen Geschichte über Freundschaft und Glück und liebevollen Charakteren. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Sing a bit of harmony lief am 26.07.2022 in den deutschen Kinos

When we Dream – Fall – Hope

Ein Vorwort

Als ich den ersten Band auf meine 21 für 2021 Liste packte, ahnte ich nicht, dass ich etwas über ein Jahr später durch diverse K-Dramen wesentlich intensiver in der koreanischen Kultur und auch das Phänomen K-Pop wesentlich besser verstehen konnte. So konnte ich die beiden Folgebände in diesem Jahr noch wesentlich mehr genießen. Wie mir die Reihe darüber hinaus gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

When we Dream

Die Handlung: Ella lebt seit dem Tod ihrer Eltern mit ihren beiden Schwestern zusammen in Chicago. Sie liest viel und zieht sich aus der Außenwelt zurück. Dann lernt sie Jae-Yong kennen. Beide haben sofort einen Draht zueinander. Doch Jae-Yong ist ein weltweit berühmer K-Pop-Star. Und sein Vertrag verbietet ihm eine Freundin zu haben.

Meine Meinung: Den ersten Band habe ich Ende letzten Jahres gelesen und hatte ihn mir nur wegen der ganzen positiven Rezensionen zugelegt. Mit K-Pop konnte ich wenig anfangen, aber das ist bei dem Werk  auch gar nicht schlimm, denn im Prinzip könnte es auch ein Rockmusiker oder ähnliches sein, es geht primär um die verschiedenen Welten, Paparazzi und die Vorteile und Bürden des berühmten Lebens. Aber dennoch eben anders und neu und mit einer schönen Portion koreanischer Kultur (auch wenn die in den Folgebänden noch stärker wird). Der Schreibstil ist sehr leicht und flüssig zu lesen und so bin ich schnell in dem Buch versunken und konnte es fast nicht mehr aus den Händen legen. Da es diesmal in allen drei Bänden um das gleiche Paar geht, war mir klar, dass es mir etwas dramatischem enden musste, aber hier hat es mich nicht gestört. Normalerweise mag es nicht, wenn Liebesgeschichten sich zu lange ziehen und zu viele Wendepunkte haben, aber hier war es gut ausgearbeitet und das Kennenlernen ist langsam von statten gegangen und auch die Gefühle haben sich langsam aufgebaut, was mir gut gefallen hat. Die Charaktere waren sehr sympathisch, auch wenn man bei der ein oder anderen Sache ein Auge zudrücken musste (Ihre kleine Schwester ist ein riesen NXT Fan und Ella kennt nicht einen der Mitglieder?).
Da die Folgebände auf diesem aufbauen sind kleine Spoiler gerade in der Inhaltsangabe nicht zu vermeiden. Wer also gar nicht mehr wissen möchte, sollte hier aufhören zu lesen.

When we Fall

Die Handlung: Ella und Jae-Yong sind nach dem Skandal in New York getrennt. Doch beide kommen damit nicht gut klar. Zaghaft bauen sie ihren Kontakt wieder auf, doch die Probleme bleiben die gleichen. Schaffen sie es diese zu überwinden? 

Meine Meinung: When we fall ist zwar im großen und ganzen ein typischer Mittelband, der den Bogen zwischen Aufbau in Band eins und Finale in Band 3 schließen muss, aber trotzdem hat es sich nicht wie ein reiner Füllband angefühlt. Er hatte genug eigene Handlung, um eine Daseinsberechtigung zu haben und baut die Beziehung zwischen Ella und Jae-Yomg langsam und realistisch wieder auf. Den zweiten Band habe ich im Mai diesen Jahres gesehen, als ich bereits mitten im K-Drama Fieber war und daher auch vermehrt K-Pop gehört habe. War es für mich vorher in Band 1 nicht störend, war die Thematik jetzt ein großer Pluspunkt für mich. Man merkt, dass sich die Autorin mit der Branche befasst hat und neben den positiven Seiten, eben auch die Schattenseiten aufzeigt. Die Geschichte konnte mich noch immer mitreißen und so flog ich nur die Seiten.

When we Hope

Die Handlung: Ella und Jae-Yong sind sich in den letzten Wochen wieder näher gekommen. Doch noch immer trennen sie tausende von Kilometern und auch sein Management ist noch strikt gegen die Beziehung. Können sie alle Hindernisse überwinden und ihr gemeinsames Glück finden?

Meine Meinung: Auch im dritten Teil wurde es noch einmal spannend. Wir lernen endlich Jae-Yongs Leben in Korea kennen, es wird noch einmal dramatisch mit dem Management und einige andere Hindernisse gilt es zu überwinden. Als Abschluss der Reihe funktioniert der Band sehr gut und auch wenn die Geschichte schon zwei Bände dauert, sind keine Längen vorhanden, es gibt genug Handlung und die Geschichte ist einfach nur toll. Vor allem merkt man auch die Entwicklungen nicht nur in der Beziehung, sondern auch der Charaktere allgemein. Ich mochte die Schwesterndynamik, die Dynamiken innerhalb von NXT und konnte auch Band 3 nicht mehr aus der Hand legen. Ein schöner Abschluss einer unvergesslichen Reihe, die einen großen Platz in meinen Herzen bekommt.

Das Fazit

Ob K-Pop Fan oder nicht, die Geschichte ist einfach nur zuckersüß, tolle Charaktere, der Aufbau hat gut über drei Bände funktioniert und der Schreibstil war super flüssig. Ich habe die Bände nur inhaliert.

 

Death Note – Anime

Ein Vorwort

Nachdem ich neulich (okay, ich hab nachgeschaut, es war schon im April) über die Mangas zu Death Note gesprochen habe, habe ich im Nachgang die Anime-Serie dazu gesehen. Ob die Adaption gelungen ist und wie mir die Serie gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Light Yagami findet das Death Note des Todesgott Ryuk. Dieser hat sich in der Welt der Todesgötter gelangweilt und sucht nun Zerstreuung. Light hingegen ist von den Möglichkeiten des Death Note fasziniert. So fängt er fortan an damit gezielt Morde an Verbrechern auszuüben. Das ruft die Polizei weltweit auf den Plan. Auch Lights Vater, der bei der japanischen Polizei arbeitet, wird auf den Fall angesetzt. Doch erst als der mysteriöse L auftaucht, scheint er Light auf die Spur zu kommen.

Meine Meinung

Da Death Note meine erste Managreihe war, die ich vollständig gelesen habe, ist auch die Serie die erste, die ich nachdem ich die Mangas gelesen habe, gesehen habe, aber nicht meine erste Anime-Serie allgemein. Nachdem ich zuvor Attack on Titan durchgesuchtet hatte, war Death Note deutlich ruhiger erzählt. Aber beginnen wir am Anfang.
Wie auch im Manga lernen wir zunächst Ryuk und die Welt der Totengötter kurz kennen. Dann treffen wir direkt auf Light, der das Death Note findet. Nach und nach erlernt er die Funktionsweise und macht einige Tests. Nach und nach baut sich die Serie auf und bleibt dabei sehr stark an der Mangavorlage. Ganz gemächlich wird alles aufgebaut und ausgespielt. Doch während das in der Vorlage noch gut funktionierte, da die meiste Handlung über Dialoge wiedergegeben wird, fehlt es dem Anime schnell an Spannung, bietet er durch die vielen Dialoge doch kaum Mehrwert. Während bei anderen Animes die Action, die in den Mangas nicht so rüberkommt – gerade Attack on Titan gewinnt dadurch einiges an Dynamik – besser in Szene gesetzt werden kann, gibt es hier kaum Unterschiede. Das bedeutet nicht, dass der Anime per se schlecht ist, eher, dass man nicht beides lesen/schauen muss.
Die Folgen sind auf zwei Boxen mit je drei Blurays aufgeteilt. Doch am Ende der ersten musste ich etwas stutzen, den die Handlung war noch nicht bei der Hälfte angekommen. Auch danach ließ sie sich weiter viel Zeit, wurde es doch immer enger noch alles unter zu kriegen. Das wird dem Finale dann auch zum Verhängnis, musste hier alles wesentlich schneller durchgespielt werden, um noch alle wichtigen Schritte unterzubekommen. Dadurch wirkt es eher gehetzt, wo es vorher vielleicht zu ruhig war. Klar sind viele mit dem Wendepunkt nach ca der Hälfte der Mangas nicht zufrieden, dies jedoch dann so schnell abzuarbeiten, fand ich schwierig.
Auch das Ende selbst wurde dann leicht abgewandelt, was irgendwie die finale Wendung ein bisschen abmildert, auch wenn es hinten ran nochmal umgesetzt wurde. Kann man runder finden, mir hat es ein bisschen die finale Spannung genommen.
Grundsätzlich der Animationsstil war aber gut umgesetzt, auch wenn ich Lights Charakter ein wenig zu stark in Szene gesetzt fand. Gar nicht  gefallen, haben mir die Intros, aber das ist wohl Geschmackssache.

Das Fazit

Death Note funktioniert als Anime nicht so gut wie als Manga, da die Geschichte stark dialoglastig ist und dies im Anime keinen Mehrwert bietet. Ansonsten ist es fast eine 1:1 Umsetzung, außer das die zweite Hälfte ein bisschen zu gehetzt erzählt wurde.

Elvis

Ein Vorwort

Nach Bohemian Rhapsody, Rocketman und Respect wurde es wieder Zeit für ein neues Musiker*innen Biopic. Diesmal ging es noch ein Stück weiter in die Vergangenheit zu niemand geringerem als dem King of Rock’n’Rolle Elvis Presley. Wie das funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Colonel Tom Parker (Tom Hanks) ist eigentlich ein Rummelplatz-Manager, doch als er den jungen Elvis Presley (Austin Butler) entdeckt, beginnt eine ganz andere Karriere. Zusammen erobern sie die Musikcharts. Doch im Laufe der Zusammenarbeit tauchen immer mehr Differenzen auf.

Meine Meinung

Zu Beginn des Trailers sieht man einen jungen mit einem umgehangenen Blitz. Nicht wenige Kinobesuchende  erwarteten damit den nächsten Shazam Film und waren umso überraschter, wenn es danach um Elvis Presley ging. Da Elvis dann doch ein ganzes Stück vor meiner Zeit war, waren es nicht unbedingt die Lieder oder Erinnerungen, die mich in den Film zogen. Aber Tom Hanks, einer meiner liebsten Schauspieler, mal in einer völlig anderen Rolle zu sehen, nämlich als Elvis Managers Colonel Tom Parker, das faszinierte mich. Spielte Hanks doch sonst eher den Protagonisten ist er hier mehr oder weniger der Antagonist.
Hinzu kam, dass Baz Luhrmann Regie führte, also eben jener Regisseur, der für Moulin Rouge verantwortlich ist, einer meiner liebsten Musikfilme. Seinem großen Gatsby konnte ich weniger  abgewinnen, aber nachdem ich die Buchvorlage gelesen habe, lag es wohl eher daran. Nun war ich gespannt, wie er die Geschichte rund um Elvis aufziehen würde.
Überrascht und gleichzeitig fasziniert war ich von der Tatsache, dass der Film keinesfalls aus der Sicht von Elvis erzählt wird, sondern aus der Sicht von Colonel Tom Parker. Ein Biopic aus der Sicht des „Antagonisten“ also des gierigen Managers war auf jeden Fall mal eine ganz andere Herangehensweise. Dennoch funktioniert diese erstaunlich gut, denn auch wenn wir einen sehr unzuverlässigen  Erzähler haben, werden doch einige Sachen verdreht, wird durch die Handlung und die Dialoge deutlich, wie es wohl wirklich war. Aber die Geschichte bekommt dadurch eine ganz neue Ebene.
Viel Geschichte in wenig Zeit unterzubringen ist ja immer ein Balanceakt. Wie viel kann man streichen, was muss wirklich auserzählt werden, was sind nur Lückenfüller. So ganz gelingt es Buhrmann nicht, denn während sich Bohemian Rhapsody auf gute Livestücke, Rocketman die Musik sehr kunstvoll in die Szenen einbaute und Respect die Komponierung im Fokus hatte, gehen gerade die Lieder bei Elvis ziemlich unter. Hier mal eins angespielt, dort mal eins im Hintergrund laufen gelassen, aber wirklich eingebunden waren sie nicht, bzw. wurden auch meist ziemlich schnell abgebrochen. Das ist dann doch etwas enttäuschend.
Dafür wartet er mit einigen großartigen Schauspieler*innenleistungen auf. Neben einem stets großartig spielenden Tom Hanks, der hier in seiner Rolle voll auf geht und zeigt, dass er auch abseits der „guten“ Rollen einiges zu bieten, ist es vor allem Austin Butler als Elvis, der den Film ordentlich aufmischt.
Durch das Zusammenspiel aus diesen Faktoren ist ein in sich runder Film herausgekommen, der durchaus mitreißen kann, der eben zu wenig Musikelemente drin hat und sich gegen Ende ein bisschen zieht (auch wenn das jammern auf sehr hohem Niveau ist). Aber einen Blick hinter die Fassaden bietet der Film auf jeden Fall und das in einer sehr schönen Optik.

Das Fazit

Elvis bietet vorangig eine auserzählte Geschichte mit einer interessanten Erzählperspektive, tolle Schauspielleistungen und eine schöne Optik. Kleinere Kritikpunkte, wie die wenige Nutzung der Musik, hindern nicht an einem tollen Kinoerlebnis. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Elvis läuft seit dem 23.06.2022 in den deutschen Kinos

Eine Handvoll Filme/Serien/Bücher – Disability Pride Month

Juli ist der Disability Pride Month.
Nachdem im Juni die Sichtbarkeit der queeren Gemeinschaft gefeiert wurde, geht es im Juli darum auf Behinderungen aufmerksam zu machen, Menschen mit Behinderung sichtbar zu machen und Klischees und Vorurteile abzubauen.
Im Vorfeld hatte ich auf Twitter nach Filmempfehlungen gefragt, in denen Menschen mit Behinderungen gezeigt werden und die eben nicht die gängigen Klischees und Vorurteile widerspiegeln. Es mag auch an meiner geringen Reichweite liegen, oder es gibt einfach keine Empfehlungen, auf jeden Fall lief die Anfrage leider ins Leere.
Dennoch will ich versuchen euch heute eine kleine Auswahl zusammenzustellen. Da ich nicht auf eine Handvoll in einem Medium gekommen bin, habe ich diesmal alle zusammengefasst. Gerade bei den Büchern ist die Art der Disability teilweise ein Spoiler, also Spoilerwarnung!

Motherless Brooklyn

Die Handlung: In den 1950er Jahren arbeitet Lionel Essrog für das Detektiv-Büro von Frank Minna. Durch sein fotografisches Gedächtnis ist er ein unverzichtbares Teammitglied. Als Minna bei einem Auftrag getötet wird, nimmt sich Lionel dem Auftrag an, merkt aber schnell, dass da mehr dran ist, als auf dem ersten Blick schien.

Warum der Film so wichtig ist: Protagonist Lionel hat das Tourette-Syndrom. Dies äußert sich bei ihm u.a. , dass er Worte immer wieder verdreht, bestimmte Gestiken wiederholt und Dinge und Menschen mehrfach berührt. Auch wenn ihn das zum Außenseiter macht, hat er doch seinen Freundeskreis, der ihn so nimmt, wie er ist. Gerade sein Mentor Frank Minna unterstützt  ihn. Auch trifft er im späteren Verlauf immer wieder auf Charaktere, die sich daran wenig stören und ihn ermutigen seinen Weg weiter zu gehen. Grundsätzlich gibt es keinen Charakter, der ihn direkt diskriminiert, eher welche, die sich mehr an seinem Tourette stören. Verpackt in das Setting der 1950er Jahre erzeugt der Film eine gute Stimmung und erzählt eine spannende Kriminalgeschichte. Natürlich ist die Disability allgegenwärtig und wird auch nicht klein geredet, sie wird aber als gegeben akzeptiert und zeigt, dass Protagonisten auch so gezeichnet sein dürfen, ohne schwach zu wirken, auch wenn die Gesellschaft sie gerne schwach machen möchte.

The Peanut Butter Falcon

Die Handlung: Zak hat Down-Syndrom und wurde von seiner Familie verstoßen, weswegen er in einem Altenheim untergebracht wurde. Die Pflegerin Eleanor versucht ihm das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Zak hat jedoch nur einen Traum. Er will in die Wrestlingschule in Ayden von „Salt Water Redneck“, deren Werbung er auf einer alten Videokassette immer und immer wieder angesehen hat. Als ihm eines Nachts die Flucht gelingt, trifft er auf Tyler. Der ehemalige Krabbenfischer und inzwischen Kleinkriminelle ist auf der Flucht vor den Konsequenzen seines Handelns und irgendwo auch vor der Vergangenheit. Zunächst ist er wenig begeistert, als Zak sich an seine Fersen heftet, doch schon bald entsteht eine außergewöhnliche Freundschaft.

Warum der Film so wichtig ist: Dieser Film behandelt nicht nur das Down-Syndrom, sondern hat in der Hauptrolle auch Zack Gottsagen, der eben dieses hat. So beginnt der Film mit dem klassischen Drama, dass Zak trotz seiner 22 Jahre bereits in ein Altenheim von seinen Eltern abgeschoben wurde. Doch ihm gelingt die Flucht und mit dem Zusammentreffen auf Tyler entsteht ein absolut warmherziger Film, der Zak nimmt, wie er ist, und sich eher auf den Roadtrip bzw. um Tylers schwierige Vergangenheit konzentriert. Es gibt hier keine übertriebenen Kitschszenen, in denen Zak „über sich und seine Behinderung hinauswächst“, sondern tolle Naturszenen und das Leben mal aus einem ganz anderen Blickwinkel. Besonders schön ist aber, dass es sich um eine Tragikkomödie handelt, der Film also durchaus witzige Szenen hat, Zak aber nicht als die Witzfigur dastehen lässt, sondern den Humor aus der Situation als solches zieht.

Superstore – Staffel 1-7

Die Handlung: Cloud 9 ist ein sogenannter Superstore. Gefühlt so groß wie eine Kleinstadt gibt es hier absolut alles zu kaufen. Dabei haben die Mitarbeiter*innen alle Hände voll zu tun, um das Chaos einzudämmen. Dabei ist jedoch stets Zeit für allerlei Drama. 

Warum die Serie so wichtig ist: Das Cloud 9 Team ist grundsätzlich schon sehr divers und hat die verschiedensten Charaktere. Mit dabei ist auch Garrett McNeill, der im Rollstuhl sitzt. Das schöne hierbei ist, dass es kaum zum Hauptthema gemacht wird. Er sorgt im Team ebenfalls wie die anderen für die Situationskomik, aber nicht weil er der Rollstuhlfahrer ist, sondern wegen seines trockenen Humors. Dennoch schafft die Serie es immer wieder Thematiken wie nebenbei einzuschieben, z. B. wenn Garrett eben an etwas nicht dran kommt, weil er nicht einfach aufstehen kann. Dann ist auch eine Folge dabei, die mit den typischen Klischee des „Wieso sitzt er im Rollstuhl“ aufräumt, in dem die Aussage der Folge ist, dass es egal ist, warum er darin sitzt und ob es seine Schuld ist oder nicht, er muss damit leben und will, dass die anderen ihn auch ganz „normal“ behandeln und nicht mit Samthandschuhen anfassen.

Deeply – Ava Reed

Die Handlung: Zoey zieht nach Seattle in die WG ihres großen Bruders Cooper, bereit sich nicht mehr von einem Erlebnis ihrer Vergangenheit vom Leben abhalten zu lassen. Dort trifft sie auf ihren neuen Mitbewohner Dylan. Zwischen beiden besteht sofort eine Anziehung, doch Zoey ist zögerlich und auch Dylan hat ein Geheimnis.

Warum das Buch so wichtig ist: Wie Eingangs bereits erwähnt, kann ich über dieses Buch im Zuge des Disability Pride Month nicht reden, ohne einen großen Spoiler. Denn tatsächlich ist Dylans Geheimnis seine Behinderung. Er hat nach einem Unfall ein Teil seines Beines verloren und trägt daher eine Protese. Da er selbst keinen Wind um das Thema machen wollte, hat er seinen WG-Freunden dies beim Einzug nicht erzählt und dann irgendwie den Zeitpunkt verpasst. Hierbei schafft Ava Reed es nicht nur erneut eine unfassbar schöne Liebesgeschichte zu erzählen, sondern auch auf Zoey und ihre Vergangenheit einzugehen, dabei aber  Dylan nicht außer Acht zu lassen. So geht es um seine Art des Umgangs mit seiner Behinderung, man lernt aber auch viel über Protesen, wie sie einen einschränken oder eben dies nicht tun.

Maybe Someday – Colleen Hoover

Die Handlung: Nach der Trennung von ihrem Freund steht Sydney wortwörtlich im Regen. Ridge nimmt sie auf. Der Ridge, dem sie immer beim Gitarre spielen zugesehen hat, den sie von Anfang an faszinierend fand. Doch sie will sich nicht erneut verlieben und er ist in einer glücklichen Beziehung.

Warum das Buch so wichtig ist: Auch hier hat mich die Art der Behinderung sehr überrascht, bin ich doch über meine eigenen Vorurteile gestolpert. Denn wir lernen Ridge als den Gitarrenspieler vom Balkon gegenüber kennen. Erst als Sydney das erste Mal bei ihm ist, stellen wir fest, dass er gehörlos ist. Da Sydney keine Gebärden kann, wird hier viel über Chats kommuniziert. Dabei geht es um die Liebe zur Musik und die Liebesgeschichte, die sich langsam aufbaut. Das ganze mit für Colleen Hoover typische liebevolle Charaktere, Witz und auch einiges an Herzschmerz, wird Ridge doch nicht durch seine Behinderung definiert, sondern die Handlung wird mit ihr aufgezogen. Barrieren werden abgebaut und auch einige Vorurteile.

Welche Bücher/Serien/Filme fallen euch zum Thema Disability Pride ein? Gerne her mit euren Empfehlungen!

 

Moonknight

Ein Vorwort

Nicht nur filmisch, auch serientechnisch legt das MCU weiterhin ein Tempo vor, bei dem man kaum hinterher kommt. Nachdem bisher eher bekannte Geschichten weitergesponnen wurden, darf mit Moonknight ein neuer Held das Licht erblicken. Warum das nur bedingt funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Für Moonknight wird kein Vorwissen aus dem MCU benötigt.

Die Handlung

Steven Grant (Oscar Isaac) leidet an Schlafstörungen und hat immer wieder Träume oder Visionen, die aus einem anderen Leben zu scheinen stammen. Dabei wacht er immer wieder an Orten auf und weiß nicht, wie er dort hin gekommen ist. Während seiner Schicht im Museum erkennt er, dass der ägyptische Mondgott Konshu ihn auserwählt hat. Und eine große Mission steht bevor, denn Arthur Harrow (Ethan Hawke) will niemand geringeren als die Göttin Ammit wiederbeleben.

Meine Meinung

Moonknight hatte eigentlich alles, was ich mir von einer neuen Serie gewünscht habe. Oscar Isaacs, der gänzlich in seinem Element ist, Ethan Hawke als Bösewicht und eine Marvelgeschichte mit Einflüssen aus der ägyptischen Mythologie. Was konnte da schon schiefgehen?
Ihr merkt wahrscheinlich anhand der Fragestellung, dass einiges schief gelaufen ist. Beginnen wir am Anfang. Zunächst bekommen wir einen Protagonisten vorgesetzt, von dem wir im weiteren Verlauf erfahren, dass er eine dissoziative Identitätsstörung hat. Das Problem ist, dass dies erst relativ spät klar wird und vorher vieles darauf hindeutet, dass genau diese Krankheit hier mit Füßen getreten wird. Denn eigentlich macht Steve mehrere Folgen nichts anderes als wirr durch die Gegend zu laufen, pausenlos verwirrt zu sein und zwischendurch erstaunliche Kampffähigkeiten an den Tag zu legen. Das Problem hieran ist nicht nur, dass auch die Zuschauenden eine komplett wirre Handlung vorgesetzt bekommen, sondern eben auch, dass dieser Zustand laut Handlung schon seit Jahren andauert, Steve sich aber benimmt, als wäre das alles neu für ihn. Abgesehen davon, dass hinterher noch ein paar Logiklöcher dazukommen, ist der Einstieg damit schon einmal sichtlich misslungen.
Nach und nach kristallisiert sich dann auch genauer heraus, worauf die Handlung zu läuft. Dabei zeigt sich aber auch, dass die ägyptische Mythologie sehr oberflächlich recherchiert wurde bzw. sehr stark gedehnt wurde, um in die Handlung zu passen. Sehr schade, denn darauf hatte ich mich doch gefreut.
Das Hauptproblem dürfte hier einfach sein, dass die Handlung partout eine ganze Staffel ausfüllen musste. In einem Film hätte Moonknight vielleicht sogar gut werden können, aber so ziehen sich die Folgen, die Handlung kommt doch nicht voran und der große Plottwist gegen Ende, dürfte dann auch niemanden mehr überrascht haben.
Oscar Isaacs ist wohl der große Gewinn der Serie, denn er spielt die verschiedenen Persönlichkeiten durchaus souverän und schafft es teilweise durch Nuancen deutlich zu machen, welche Identität gerade am Steuer ist. Und auch wenn er schauspielerisch alles gibt, schafft er es doch nicht über die langatmige, teilweise unlogische und gerade am Anfang halt auch schwierige Handlung hinwegzutrösten.
Letztlich kann ich mir den Antihelden Moonknight, so wie er am Ende aufgebaut ist, durchaus in einem Crossover innerhalb des MCU durchaus vorstellen, der Weg dahin war jedoch einfach nur schwierig.  Eine zweite Staffel brauche ich jedenfalls nicht.

Das Fazit

Moonknight ist mit seiner langatmigen und zu Anfang schwierigen Handlung wohl eine der schwächsten Serien des MCU. Auch ein großartiger Oscar Isaac kann hier nur bedingt drüber hinwegtrösten. Die ägyptische Mythologie wird hier leider ungenügend eingesetzt.

Moonknight ist als Original bei Disney+ im Abo enthalten