Neulich in der Sneak: Halloween Haunt

Ein Vorwort

Pünktlich zum Horroroctober und dem bevorstehenden Halloween war wieder einmal Zeit für die Sneak. Die Entscheider im Kino fanden es anscheinend auch eine super Idee dann doch direkt einmal einen Horrorfilm zu zeigen, der auch noch passend den Namen Halloween Haunt trägt. Dass das Genre bei einem Angsthasen wie mir schon einmal keine gute Idee ist, scheint auf der Hand zu liegen. Warum der Film darüber hinaus aber auch nicht überzeugen kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Harper (Katie Stevens) hat sich frisch von ihrem gewalttägigen Freund getrennt. Ihre Mitbewohnerin Bailey (Lauryn Alisa McClain) überredet sie mit auf eine Halloween-Party zu kommen. Nach dem Zapfenstreich wollen die beiden zusammen mit vier Freunden aber noch nicht nach Hause und finden durch Zufall ein Horrorhaus. Ähnlich einer Geisterbahn müssen die sechs Freunde den Ausgang finden. Doch die Betreiber des Hauses denken gar nicht daran sie wieder gehen zu lassen. Ein Überlebenskampf beginnt.

Meine Meinung

Der Produzent von Hostel als Produzent und die Drehbuchautoren von A Quiet Place als Drehbuchautoren? Die Mischung könnte eigentlich nur etwas Gutes hervorbringen, möchte man meinen. Die Meinung ändert sich jedoch schnell, wenn man Halloween Haunt gesehen hat. Denn hier scheitert der Versuch das Prinzip Geisterbahn und Escape Room zu einem Horrorhaus zu mischen. Man merkt zwar, dass die Macher sich an den einfachsten Horrorelementen bedienen, diese aber auf so plumpe Art vermischen, dass eher eine Klamaukfassung, denn ein Horrorfilm entsteht.
Fangen wir aber auch hier erst einmal mit den positiven Aspekten an. Die liegen ganz eindeutig bei den Maskenbildnern und Kulissengestalter. Denn hier sieht man, dass auch wenig Budget ausreicht, um mit Handarbeit ein gelungenes Horrorhaus zu gestalten, das so realitisch daher kommt, dass man es sich gut an Halloween auch in der eigenen Nachbarschaft vorstellen kann. Bekannte Elemente aus Geisterbahnen, wie hervorspringende Skelette, und aus Escape Rooms, wo ist der Schlüssel zur nächsten Tür?, werden geschickt kombiniert, um von der Grundatmosphäre her, eine gute Ausgangsbasis zu schaffen. Dabei orientieren sich die einzelnen Räume an bekannten Szenarien. So haben wir beispielsweise den Friedhof mit dem Kettensägenmörder oder die Hexe mit dem rauchenden Kochtopf. Oh und damit das Ganze dann noch beängstigender wird, gibt es natürlich hinter Masken verborgene Darsteller.
Kommen wir zu den Gründen, warum der Film aber trotzdem einfach nicht funktioniert. Scheinbar versucht der Film bekannte Klischees aufzugreifen und sie dann ähnlich wie bei Cabin in the Woods zu verdrehen. Allerdings vergisst er das verdrehen und präsentiert uns eigentlich nur die gängigen Klischees. So spiegeln schon die sechs Freunde so viele Stereotypen wider, die dann nur noch von den Ereignissen im Halloweenhaus übertroffen werden. Es erzeugt nicht gerade Stimmung und Spannung, wenn man die meisten Ereignisse sehr früh vorhersehen kann. Und die paar überraschenden Wendungen reichen dann nicht mehr aus, um doch noch Spannung zu erzeugen. Die größten „Horror“momente waren dann ein paar meistens vorhersehbare Jump Scares – die leider trotzdem dazu führten, dass ich mich erschreckte… Allein durch die Erzählweise war von Anfang an auch schon klar, wer überleben würde, und wer wohl eher nicht.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Handlung sehr konstruiert wirkt und durch die vielen Klischees und Stereotypen sehr vorhersehbar ist und nur in seltenen Fällen überraschen kann. Die Überzahl an Jump Scares anstatt Atmosphäre richtig aufzubauen, zeigt die niedrige Qualität im Horrorbereich. Das größte Problem ist aber, dass der Film seine nicht nachvollziehbaren Handlungen auch nicht erklärt. So erfährt man bis zum Schluss nicht den Hintergrund des Hauses und der Gestalter. Man weiß nicht, wieso es das Haus gibt und was die Absicht dahinter war. So verlässt man leider statt gut gegruselt geworden zu sein, den Film eher mit einem genervten Augenrollen.

Das Fazit

Halloween Haunt verfolgt im Ansatz mit der Kombination aus Geisterbahn und Escape Room eine gute Ausgangsbasis, verliert sich jedoch in Klischees und Stereotypen und einer nicht nachvollziehbaren Handlung. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Halloween Haunt läuft ab dem 31.10.2019 in den deutschen Kinos.

Everest

Ein Vorwort

Nein hier soll es nicht um den 2015 erschienen Film gehen, der sich mit einem Bergsteigerteam beschäftigt, die den höchsten Berg der Welt erklimmen will, sondern diesmal geht es um den Animationsfilm, der den deutschen Beititel „Ein Yeti will hoch hinaus“ trägt. Nachdem Disney sich derzeit wohl eher auf ihre „Realfilm“-Remakes konzentriert und im Animationsbereich auch mit Chaos im Netz und Frozen 2 eher auf Fortsetzungen setzt, nutzt Universal mit Dream Works die Lücke und bringt uns neues Material auf die Leinwand. Was der Film nun kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Ein Forschungsteam hat einen Yeti aus dem Himalaya entführt und in ein Labor gesperrt. Dieser kann jedoch flüchten und versteckt sich auf dem Dach eines Wohnhauses in Shanghai. In diesem Haus lebt Yi, die sich nach dem Tod ihres Vaters von ihrer Mutter und Großmutter entfernt hat. Als sie sich ebenfalls auf das Dach zurückzieht, wo sie sich ihr eigenes kleines Reich gebaut hat, trifft sie auf Everest. Nach anfänglichen Schwierigkeiten freunden sich beide schnell an und Yi beschließt Everest nach Hause zu bringen. Auf ihrem abenteuerlichen Weg in den Himalaya bekommt sie Unterstützung von den Brüdern Jin und Peng. Doch das Forscherteam ist ihnen dicht auf den Fersen.

Meine Meinung

In letzter Zeit waren Animationsfilme, die die ganze Familie ansprechen sollten und nicht nur die Kinder eher selten. Umso skeptischer bin ich an den Film herangegangen, da einzelne Szenen im Trailer auch wieder eindeutig einzig auf den Humor der Kinder angelegt war. Dennoch zeigt Everest sehr schnell, dass er beides kann. Er schafft es geschickt in einzelne Szenen gut durchdachte Dialoge zu verbauen, die die Erwachsenen zum Lachen bringt und gleichzeitig leichten Slapstick einzubauen, der die Kinder in Begeisterungsstürme versetzte.
Doch Everest ist nicht einfach nur ein lustiger Kinderfilm. Seine Handlung und seine Charaktere gehen weit über den normalen Abenteuerfilm hinaus. An erster Stelle stehen nämlich die Themen Familie, Freundschaft, aber auch Trauerverarbeitung. So lernen wir zunächst die Protagonistin Yi kennen, die in Shanghai lebt und gerade Ferien hat. Früher war sie eng mit  den Brüdern Jin und Peng befreundet. Doch Jin hat nur noch Augen für sein eigenes Erscheinungsbild, mit der er Mädchen aus der ganzen Stadt anzieht und Yi kaum noch eines Blickes würdigt. Peng ist ein paar Jahre jünger als Yi und Jin und träumt davon Basketballprofi zu werden. Früher spielten die anderen beide gerne mit ihm, aber inzwischen ist er oft allein, versucht aber immer wieder jemandem zum mitspielen anzuregen. Yi hingegen scheint auf dem ersten Blick ein normales Mädchen zu sein, dass durch eine Überzahl an Ferienjobs versucht Geld zu verdienen. Erst nach und nach erfährt man, dass ihr Vater gestorben ist und sie sich seitdem von allen zurückzieht und das Geld spart, um eine große Chinareise zu machen, so wie sie ihr Vater einmal für sie geplant hatte. In diese Konstellation dringt dann der Yeti ein, der sich in Yis Dachrückzugsort versteckt hat. Nach ersten Anfangsschwierigkeiten vertrauen sich die beiden und sind bereit für das Abenteuer, um Everest, wie der Yeti von Yi genannt wird, zum Everest zurückzubringen. Dabei stolpern Jin und Peng eher ungewollt mit hinein. Vor allem Jin tut sich sehr schwer auf seinem bisherigen Leben auszubrechen. Für ihn bedeutet der fehlende Handyempfang beinah das Ende der Welt. Peng hingegen freut sich eher, dass er endlich wieder etwas mit seinen Freunden unternehmen kann.
So müssen sich alle drei Freunde mit ihren eigenen Problemen auseinander setzen und erkennen, dass ihr Verhalten nicht immer richtig war. Das schöne an Everest ist, dass die Lebenslektionen zwar sehr präsent sind und immer wieder aufgegriffen werden, aber so gut in die Charakterbögen verwoben wurde, dass es keine Holzhammermethode ist. Stattdessen haben die Kinder sichtlich Spaß an der Abenteuergeschichte und lernen eben ganz nebenbei, was Freundschaft und Familie bedeutet. Und dafür sind auch keine hochdramatischen Szenen notwendig, auch wenn bei Everest kaum ein Auge trocken bleiben dürfte.
Was man ebenfalls sehr lobenswert erwähnen muss, ist, dass Everest sehr mit dem Begriff „Der Böse“ spielt. Denn die Linie, wer wirklich die treibende Kraft beim Fangen des Yetis ist, verwischt während des Films immer wieder und man selbst muss mit Vorurteilen aufräumen und sich selbst schalten, dass man sich vorschnell eine Meinung gebildet hat.
Die liebevollen Animationen unterstreichen noch einmal die vielen Details der Geschichte und zeigen China noch einmal von allen Seiten. Von der Großstadt Shanghai, über die vielen Naturwunder und kleinen Dörfer im Landesinneren.

Das Fazit

Everest – Ein Yeti will hoch hinaus ist liebevoll gestaltet, voller kleiner Geschichten für Groß und Klein, die beide Seiten zum Lachen und Weinen bringt und dabei die Schwerpunkt auf Freundschaft, Familie und Trauerbewältigung legt. Dabei wärmt einen der Film einfach nur das Herz. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Everest läuft seit dem 26.09.2019 in den deutschen Kinos.

Dem Horizont so nah

Ein Vorwort

Dem Thema HIV hat man sich in der Filmwelt schon auf mehreren Weisen genähert und ich muss wohl nicht auf brilliante Werke, wie Philadelphia oder auch Bohemian Rhapsody verweisen, um zu verdeutlichen, dass das Thema auch erfolgreiche Filme hervorgebracht hat. Diesmal geht es um eine auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte, die den Aspekt einmal aus jugendlicher Sicht in ein Liebesdrama verpackt. Was Dem Horizont so nah so alles kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Jessica (Luna Wedler) ist frisch 18 geworden, als sie Danny (Jannik Schümann) kennenlernt. Beide verlieben sich ineinander, doch Danny blockt die Annäherungsversuche zunächst immer ab. Bald schon lernt Jessica den Grund kennen: Hinter der perfekten Modelfassade schlummert ein tieftraumatisierter Junge, der bereits in seiner Jugend mit HIV infiziert wurde. Beide versuchen einen Weg zu finden, um trotzdem zusammen sein zu können.

Meine Meinung

Dem Horizont so nah ist eine dieser überraschend hochwertigen deutschen Produktionen, die ohne den deutschen „Stammcast“ auskommt und mit ihrer auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte zu einem wichtigen Thema sensibilisieren will. Nun mag der ein oder andere die Augen verdrehen, weil es gefühlt in zahllosen deutschen Produktionen um eine schwierige Krankheit geht. Hier wird es nichts als Drama oder Roadmovie verpackt, sondern als Liebesgeschichte. Und die ist erstaunlich ernst erzählt, behält sich aber trotzdem eine gewisse jugendliche Naivität.
So lernen wir zunächst die beiden Protagonisten kennen, die sich auf einem Jahrmarkt begegnen und bei denen gleich eine gewisse Anziehung auftritt. Wir verfolgen die typischen Stadien des Wiedersehens an ungewöhnlichen Orten. Der Unterschied? Sowohl von Danny als auch von dessen Mitbewohnerin Tina kommen ständig kryptische Warnungen, dass Danny ein großes Geheimnis hat, das die Beziehung zum Scheitern bringen kann, ehe sie anfing. Und dann kommt die große Enthüllung: Danny ist HIV Positiv. Dabei wird mit dem Thema zwar ernst umgegangen, aber es geht irgendwo doch in den Verflechtungen de Liebesgeschichte unter. Und das ist das große Manko des Films. Er will eigentlich ein großes Thema aufbauen und spricht genau über das viel zu wenig. Es wird beispielsweise in einem einzigen kurzen Dialog erklärt, dass die beiden Protagonisten geschützten Sex miteinander haben können, und wenn das Kondom reißen würde, dann gäbe es ein Medikament, das eine Ansteckung verhindern würde. Warum wird so etwas nur am Rand behandelt? Auch andere Themen, wie Missbrauch und Drogensucht werden zwar mal erwähnt, hätten aber ein deutlich größeren Stellenplatz einnehmen müssen, um sie wirklich für die Geschichte relevant zu machen. Damit meine ich keine große Aufbauschung des Themas, sondern einfach nur ein paar tiefsinnigere Dialoge. Statt der x-ten Happy Dating Szene, einfach auch einmal ein richtiges Gespräch zwischen den beiden Protagonisten. Aber hier kommt die oben bereits erwähnte jugendliche Naivität durch. Ganz nach dem Motto, wenn man nicht darüber spricht, dann ist die Krankheit auch nicht da. Dann gibt es auch keine Gespenster aus der Vergangenheit. Versteht mich nicht falsch, ich finde es grundsätzlich gut, dass hier nicht die Botschaft vermittelt wird, dass es keine glücklichen Beziehungen geben kann, nur weil einer HIV Positiv ist. Trotzdem verschenkt der Film hier einfach Potential.
Gerade zum Ende hin überlagern sich dann jedoch die dramatischen Ereignisse und irgendwo findet der Film den geeigneten Schluss nicht. Stattdessen wird das Ende immer weiter mit noch einer und noch einer Szene herausgezögert. Und auch, wenn im Zuschauerraum nicht nur einmal schluchzend in ein Taschentuch gepustet wird, hat gerade dieses herausgezögerte Ende bei mir den komplett gegenteiligen Effekt. Anstatt von einem dramatischen Ende zu Tränen gerührt zu sein, was der Film auch an mindestens einer Stelle hätte schaffen können, wurde ich durch das mehrmalige Erleben eines möglichen Endes immer wieder aus dieser Emotionalität herausgerissen und vergoss so am Ende nicht eine Träne.

Das Fazit

Dem Horizont so nah erzählt seine Geschichte mit einer gewissen jugendlichen Naivität, die den Ton sehr auflockert, ihm aber auch die Tiefe nimmt. Das Augenmerk liegt hier deutlich auf der Liebesgeschichte. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Dem Horizont so nah läuft seit dem 10.10.2019 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: Ronny und Klaid

Ein Vorwort

Während für viele der Oktober unter dem Motto des Gruselns steht, scheint für das Kino der deutsche Film im Oktober überepräsentiert zu sein. Wobei diesmal allerdings auch einige ansprechende Filme dabei sind, wie dem Horizont so nah, Ich war noch niemals in New York oder auch Das perfekte Geheimnis. Ein deutscher Film, um den ich jedoch einen großen Bogen gemacht hätte, ist Ronny und Klaid. Aber dafür ist die Sneak bekanntlich gut, dass man genau solche Filme doch vorgesetzt bekommt und manchmal auch überrascht wird. Ob dies auch vergangenen Montag der Fall war, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Ronny (Franz Dinda) und Klaid (Sahin Eryilmaz) haben ihren eigenen Späti in Berlin eröffnet. Da ihre Kasse jedoch leer ist, haben sie noch kein großes Sortiment und versuchen sich durch Tricks über Wasser zu halten. Während sich Ronny in eine der ersten Kundinnen verliebt und beide ihr in einen Club folgen, verliert Klaid bei einem Roulette Spiel 80.000 Euro an den örtlichen Mafiaboss. Dieser fordert sein Geld innerhalb von einer Woche wieder. Doch Ronny und Klaid haben einen Plan. In einem Artikel habe sie gelesen, dass jeder 10. Deutsche Millionär sei. Daher beschließen sie einfach 10 Kunden aus ihrem Späti zu entführen und einer davon wird schon ein Millionär sein.

Meine Meinung

Ronny und Klaid ist so ein Film, bei dem man sich in den ersten 15 Minuten ganz weit wegwünscht und sich fragt, warum man sich immer wieder auf so eine Sneakvorstellung einlässt, um einen danach komplett zu überraschen und am Ende vielleicht auch ein bisschen begeistern zu können. Dabei ist es vor allem bemerkenswert bei so einem absoluten Klamaukfilm, dass  er sich doch die ganze Zeit über ein gutes Grundniveau behält und die Komik eher aus anderen Aspekten bezieht.
Aber fangen wir noch einmal von vorne an. Zunächst lernen wir die beiden Protagonisten Ronny und Klaid kennen, die in den ersten 15 Minuten von ihrem neueröffneten Späti erzählen, eine Disco besuchen, bei einem illegalen Roulettespiel 80.000 Euro verlieren und dann den Plan haben in ihrem Späti 10 Kunden zu entführen, die potentielle Millionäre sein könnten, denn statistisch sei ja jeder 10. Deutsche ein Millionär. Hier wird eine Handlung auf einem absolut abstrusen Grundgerüst aufgebaut, das vorne und hinten nicht zu funktionieren scheint. Damit ist der durchschnittliche Zuschauer bereits gelangweilt und genervt von den schlechten Witzen. Doch dann wandelt sich der ganze Film. Denn sobald die einzelnen Entführungen losgehen, die tatsächlich alle gänzlich anders geschehen und mit einer Menge Kostümen zusammenhängen und erstaunlicherweise irgendwie funktionieren, obwohl sich die beiden Protagonisten nicht sonderlich geschickt anstellen, kommt man aus dem Lachen bereits nicht mehr raus. Hier beginnt tatsächlich das zuvor sehr holprige Drehbuch sich zu einem stimmigen Gesamtwerk zu entwickeln. So sind die beiden Protagonisten noch immer nicht die schlausten und haben teilweise mehr Glück als Verstand, aber dennoch funktionieren die einzelnen Witze, die running Gags bleiben bis zum Ende witzig und die einzelnen Charaktere sind so stereotypisch, aber gleichzeitig auch gut gezeichnet, dass sie mit der Zeit den besonderen Charme des Films ausmachen.
Der ganze Film gipfelt dann in einer der besten Familienessensszenen, die ich je gesehen habe. Hier kommt eine Menge Abstrusität zusammen, die aber einfach funktioniert, weil die Charaktere über 90 Minuten lang aufgebaut wurden und man sich an das ganze Zusammenspiel gewöhnt hat. So geht man am Ende aus einem Film, der einen absolut gut unterhalten hat und das trotz der Grundvoraussetzung auf einem relativ hohem Niveau ohne auch nur einen einzigen Witz unter der Gürtellinie gerissen zu haben, den man eigentlich am Anfang fluchtartig verlassen wollte. Aber den sehr erzwungen wirkenden Anfang, hat man am Ende zum Glück größtenteils wieder vergessen.

Das Fazit

Ronny und Klaid ist eine dieser deutschen Überraschungskomödien, die am Anfang so gar nicht funktioniert und sich dann stückweise immer mehr steigert und am Ende durch seinen ganz eigenen Charme einfach überzeugen kann. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Ronny und Klaid läuft seit dem 10.10.2019 in den deutschen Kinos.

Ad Astra

Ein Vorwort

Wie oft entführten uns die Filme schon ins Weltall? Wie weit sind wir vorgedrungen? Nur bis zur dunklen Seite des Mondes oder doch bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter? Aber waren wir jemals schon auf dem Neptun? Hierhin entführt uns James Gray neustes Werk. Mit dabei ein hochmotivierter Brad Pitt. Ob der Flug durchs Weltall ein Erfolg, zumindest auf filmischer Seite, ist, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Roy McBride (Brad Pitt) verunglückt bei Arbeiten an einer Weltraumantenne, während ein elektromagnetische Stürme aus dem Weltraum die Erde erschüttert. Geprägt vom frühen Verlust seines Vaters Clifford (Tommy Lee Jones) bei einer Weltraummission und der Trennung von seiner Frau (Liv Tyler) stimmt er zu eine Mission zu übernehmen, die ihm zum einem zum Neptun führt, die aber auch dazu führt, dass er sich mit sich selbst und seiner Vergangenheit auseinander setzen muss.

Meine Meinung

Ad Astra ist ein Film, der konsequent falsch vermarktet wurde. Denn auch, wenn der Trailer nicht sonderlich aufregend geschnitten war, so erwartet man doch eher eine spannende Weltraummission mit einem Brad Pitt, der auf den Spuren seines Vaters so einige Geheimnisse aufdeckt. So war es nicht verwunderlich, dass der Großteil der Zuschauer schon nach kurzer Zeit ziemlich enttäuscht und einige anscheinend sogar zu Tode gelangweilt waren. Die 123 Minuten fühlen sich für manche demnach eher wie fünf Stunden an.
Aber fangen wir noch einmal ganz vorne an. Die Ausgangssituation ist noch völlig normal und wird im angemessenen Tempo erzählt. So lernen wir Roy McBride kennen, der seiner Arbeit an der Weltraumantenne mit einer Routine nachgeht, die erahnen lässt, dass er sie schon sehr lange ausübt und dabei sehr eigenbrötlerisch vorgeht. Der nachfolgende ausschlaggebende Unfall ist zwar ruhig inszeniert, aber dennoch durchaus spannend. Kurz darauf erfahren wir, dass sein Vater Clifford bei einer Weltraummission mit dem Namen „Lima“ beteiligt war, die ihm zum nationalen Helden werden ließ, aber auch dazu führte, dass Clifford nie zurückkehrte. Roy wird gebeten zum Mars zu reisen, um dort Nachrichten an seinen möglicherweise doch noch lebenden Vater auf dem Neptun zu senden, der angeblich Schuld an den elektromagnetischen Stürmen hat. Roy muss sich einigen Tests unterziehen, unter anderem einer psychologischen Einschätzung, bei der man erstmals wirklich feststellt, wie leer die Rolle ist. Denn Roy scheint beinahe während des ganzen Films keine Emotionen zu zeigen. Auch die Stimme aus dem Off, die von Pitt gesprochen wird und Roys Gedanken wiedergeben soll, monotoniert sich zu einer einschläfernden Erzählerstimme, die einem zwar oftmals auch notwendige Informationen gibt, die über die Dialoge und das Spiel nicht übertragen worden wären, aber eben auch überflüssige Informationen, die der durchschnittliche Zuschauer durchaus selbst entdeckt hätte.
Anstatt also die wichtigsten Informationen gekonnt in die großartigen Bilder Hoyte van Hoytemas einzupflegen, wird der Zuschauer durch die Off-Stimme an die Hand genommen und durch den Film geführt. Dieser verliert sobald Roy in das Shuttle zum Mond steigt auch weiter an Geschwindigkeit. So wirkt, verstärkt durch einen sehr zurückgenommenen Soundtrack, der Weltraum wie eine große Blase, in die man eindringen kann, der man aber auch nicht entkommen kann. Grundsätzlich als Stilmittel gut eingesetzt, leider wird hier über kurz oder lang auch noch der letzte Zuschauer verloren, der sich noch nicht von der Off-Stimme in den Schlaf hat wiegen lassen.
Das liegt aber nicht nur am Tempo, sondern auch an der Oberflächlichkeit mit der die nächsten Geschehnisse abgearbeitet werden. Die Landestation auf dem Mond wirkt mit großen Fastfood-Läden wie ein Abbild gefühlt jeder Innenstadt/Bahnhof/Flughafen, schnell das Bild wechseln. Auf dem Weg von der Mond-Landestation zur Startstation für den Mars werden Roy und ein paar anderen von Mondpiraten angegriffen? Ist in der nächsten Szene schon fast wieder vergessen. Unterwegs zum Mars wird ein Shuttle gefunden mit mutierten Tieren an Bord? Lasst uns lieber ohne Kommentar schnell weiterfliegen. Der Pilot des Shuttles hätte fast alle umgebracht, weil er eine Panikattacke hatte? Ich sag’s keinem, wenn ihr es keinem erzählt. Man versteht, was Regisseur Gray einem sagen will. Aber man will einfach auch mehr Informationen dazu. Wie kam es dazu, was passiert nun, und warum ist es Roy so egal? Um diese Fragen zu beantworten, wäre der Film wahrscheinlich nicht nur gefühlt fünf Stunden lang, sondern auch wirklich. Aber warum sich dann nicht auf ein Phänomen beschränken und etwas genauer erklären, statt alle anzuschneiden und dann lustlos abzuhaken. Doch leider verfährt der Film auch genauso weiter, denn auf dem Mars geht es dann weiter mit der großen Verschwörung der Vorgesetzten McBrides. Auch hier gibt es keine Informationen, keine großen Dialoge, sondern nur McBrides ungebrochenen Willen seinen Vater wiederzusehen und ihm die Frage zu stellen, um die sich der ganze Film zu drehen scheint. Denn unter den ganzen Bildern, der ganzen angedeuteten Gesellschaftskritik und der großen Verschwörung auf dem Mars, bleibt die Vater-Sohn-Beziehung der McBrides das zentrale Thema. Der Vater, der seine Mission wichtiger fand und der Sohn, der mit dem Verlust nicht klar kam und sich so in sich selbst zurückgezogen hat. So wird zumindest am Ende versucht Roys Emotionslosigkeit zu erklären, die dem Film zuvor leider die Identifikationsfigur genommen hat. Denn auch ein Brad Pitt konnte dem Charakter kein Leben einhauchen. So scheint der Zuschauer selbst während des ganzen Films ziellos im Weltall zu schweben, ohne von einem Charakter an die Hand genommen zu werden, mit dem man die unendlichen Weiten erkunden kann.

Das Fazit

Ad Astra ist ein sehr langatmiger Film ohne Identifikationsfigur, die den Zuschauer mit gesellschaftskritischen Bildern überschwemmt, sie durch eine monotone Off-Stimme noch übermäßig erklärt und letztendlich nicht auf den Punkt kommt. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Ad Astra läuft seit dem 19.09.2019 in den deutschen Kinos.

Herbstzeit = Crimezeit – eine Serienauswahl

Ein Vorwort

Neulich präsentierte ich euch meine Sommerlektüren der letzten Jahre, die mich in Urlaubsstimmung versetzt haben. Der Erfahrung nach kommt bei mir einmal im Jahr, meistens wenn der Herbst eintrifft, die Sehnsucht nach einer neuen Crime-Serie. Voraussetzung sind erinnerungswürdige Charaktere, intelligente Fälle und sehr gerne der „Mord der Woche“-Prinzip. Also ein Mordfall pro Folge und nicht ein großes Mysterium über eine ganze Staffel. Hier soll es nun also um meine Entdeckungen der letzten drei Herbste werden.

2017: Castle – 8 Staffeln

Die Handlung: Richard Castle (Nathan Fillion) ist ein sehr erfolgreicher Krimiautor. Als in New York zwei Morde nach dem Vorbild seiner Romane verübt werden, wird er zu den Ermittlungen hinzugezogen. Doch nach den Ermittlungen hat er Blut geleckt und schafft es durch seine Kontakte beim Bürgermeister dauerhaft zum Team zu gehören. Das gelernte verarbeitet er in weiteren Werken. Sein Gegenpart ist Kate Beckett (Stana Katic), die Castle immer wieder auf den Boden der Tatsachen ziehen muss. Ebenfalls mit zum Ermittlerteam gehören der Latino Javier Esposito (Jon Huertas) und der Ire Kevin Ryan (Seamus Dever), sowie die Gerichtsmedizinerin Lanie Parish (Tamala Jones).

Meine Meinung: Castle ist eine dahingehend andere Crime-Serie, weil sie die Welten des NYPD und der eines erfolgreichen Krimiautors vermischt, was viele humorvolle Szenen mit sich zieht. Dabei ist Castle keinesfalls nur Anhang bei den Ermittlungen. Durch seine zahllosen Recherchen für seine Bücher kann er oftmals nützliche Hinweise liefern. Die Serie lebt praktisch von den Dialogen zwischen den Charakteren, vorallem der jeweiligen Zweiergespanne Castle&Beckett, sowie Esposito&Ryan.
Sehr gefallen hat mir am Anfang auch, dass Beckett nicht der typische Stereotyp weiblicher Cop war, der praktisch als Model hätte durchgehen können. Dies ändert sich leider im Laufe der Staffeln immer mehr, die Sinnbild der immer schwächer werdenen Staffeln wird. Versteht mich nicht falsch, ich mochte die Serie bis zum Ende, aber die wachsene Klischeefigur Beckett und die obligatorische Liebesgeschichte mit allerhand Drama zwischen unseren beiden Hauptfiguren nahm der Serie immer mehr von ihrem anfänglichen Biss.

2018: Elementary – 6 Staffeln

Die Handlung: Sherlock Holmes (Jonny Lee Miller) ist von London nach New York gezogen. Nach einem Entzug und im weiteren Kampf mit seiner Drogensucht, bekommt er die Suchttherapeutin Joan Watson (Lucy Liu) an die Seite gestellt. Da Sherlock sich durch unglaubliche kombinatorische Fähigkeiten auszeichnet, steht er dem NYPD als unbezahlter Berater zur Verfügung und nimmt auch privat ermittlerische Fälle an. Beim NYPD unterstützt er das Team von Captain Thomas Gregson (Aidan Quinn) und dessen Hauptermittler Marcus Bell (Jon Michael Hill).

Meine Meinung: 2018 konnte ich die bisher erschienene fünf Staffeln hintereinander wegsehen und sie dieses Jahr endlich mit der sechsten Staffel fortsetzen. Die finale siebte Staffel bekommt bald ihre deutsche Erstaustrahlung ist daher hoffentlich auch bald zum Streaming verfügbar. Sie greift hier das Prinzip der Serie Sherlock auf, in dem sie die auf den Bücher von Sir Arthur Conan Doyle basierenden Geschichten aufgreift, aber in die moderne Welt projiziert. Unterschied ist hier, dass sich Sherlock dichter an den Geschichten orientiert und in London bleibt. Elementary bedient sich eher der bekannten Figuren und modifiziert diese nach Gutdünken. So ist John Watson zu einer Joan Watson geworden. Während ich am Anfang befürchtete, dass dies unweigerlich zu der bekannten Liebesgeschichte führen müsste, wurde es bisher nur zu einer engen Freundschaft und Parnterschaft in geschäftlicher Hinsicht. Allein damit sticht Elementary positiv hervor. Darüber hinaus treten immer wieder Charaktere aus den Büchern auf, wie Irene Adler, Moriarty oder auch Lestrade.
Darüber hinaus verfolgt die Serie dem typischen Crime Auffbau und bringt uns das Mordopfer der Woche, allerdings immer mit einer übergreifenden Handlung pro Staffel bzw. zusätzlich auch einen guten Charakterentwicklungsbogen. So spielt das Zwischenmenschliche zwar eine große Rolle, überschattet aber nie den Mordfall an sich.

2019: Almost Human – 1 Staffel

Die Handlung: 2048. Die Verbrechen haben sich durch neuartige Technologie weiterentwickelt. Da die Polizei nicht mehr mithalten konnte, wurden Androiden soweit entwickelt, dass sie fast menschlich wirken und ihre menschlichen Partner unterstützen können. Detective John Kennex (Karl Urban) kehrt nach einer zweijährigen Auszeit in den Dienst zurück. Er hat eine große Abneigung gegen die Androiden, da diese bei einem Zwischenfall seinen Partner sterben zurückließen. Da es aber Vorschrift ist, einen Androiden als Partner zu haben, lässt sich Kennex zähneknirschen darauf ein, zerstört ihn aber schon bei der ersten Gelegenheit. Als Kompromiss wird ihm ein älteres Modell mit Namen Dorian (Michael Ealy) an die Seite gestellt. Diese können auch Emotionen haben, waren aber auch anfällig für mentale Zusammenbrüche. Nun müssen sich beide Zusammenraffen, um miteinander auszukommen.

Meine Meinung: Das schöne an Almost Human ist, dass es zwar auch wie die meisten Crimeserien nach dem „Mordfall der Woche“ Prinzip arbeitet, aber durch die neuen Technologien noch einmal frischen Wind reinbringt. Normalerweise wird ja gerne der Tatort komplett nach Spuren durchsucht. Doch was, wenn eine „Spurenbombe“ ausgelöst wurde und den Tatort mit allerlei DNS und anderen Hinweisen verunreinigt? Vor genau diesen Herausforderungen steht das Team von Captain Maldonado (Lilly Taylor). So sind die Folgen nicht nur alleine deswegen sehr spannend, weil die Mordfälle gut inszeniert sind, sondern auch, weil man immer wieder ein neues Stück der Zukunftsvision unserer Welt entdeckt. Leider wurde die Serie nach der ersten Staffel bereits eingestellt, denn es gibt einige Andeutungen an eine größere Verschwörung, die wahrscheinlich in späteren Staffeln wieder aufgegriffen worden wäre, wenn die Serie so lange durchgehalten hätte. So hat die erste Staffel sich die Mühe gemacht eine Welt aufzubauen und den Charakteren die nötigen Tiefe zu geben, um nun dies gar nicht ausleben zu können.

2019: Forever – 1 Staffel

Die Handlung: Dr. Henry Morgan (Ioan Gruffudd) ist ein exellenter Pathologe, weswegen er sich dem Team von Detectiv Jo Martinez (Alana de la Garza) anschließt. Doch Henry hat ein Geheimnis. Er kann nicht sterben. Also er kann schon umgebracht werden, aber statt zu sterben, taucht er im nächsten größeren Gewässer auf und ist dabei splitternackt. Da das Ganze bereits seit 200 Jahren so geht, hat er eine Menge Erfahrungen bei seiner Arbeit gesammelt und erlebt. Er lebt zusammen mit seinem Ziehsohn Abraham (Judd Hirsch) in einem Antiquariat. Abe wurde von Henry zusammen mit dessen zweiter Ehefrau Abigail als Baby aus einem KZ gerettet. Da er inzwischen wesentlich älter aussieht als der jung bleibende Henry erzählen sie allen, dass sie nur gute Freunde sind. Detectiv Martinez merkt zwar, dass etwas mit Henry nicht zu stimmen scheint, schiebt es aber immer wieder auf andere Gründe.

Meine Meinung: Dieses Jahr hatte ich mit meinen Crime-Serien in sofern kein Glück, dass ich zwar gleich zwei gute gefunden habe, aber beide nach der ersten Staffel abgesetzt wurden. Auch Forever befasst sich mit dem „Mordfall der Woche“ und darüber hinaus eben mit Henrys unsterblichem Leben. So gibt es immer wieder Rückblicke, wenn bestimmte Ereignisse ihn an Ereignisse aus seiner Vergangenheit erinnern. Wiederkehrendes Motiv ist seine zweite Ehefrau Abigail, die seine große Liebe war und mit der er Abe gerettet und aufgezogen hat. Sie verschwand, als der sichtbare Altersunterschied zwischen ihr und Henry immer größer wurde. Abe ist lange Zeit der einzige, der Henrys Geheimnis kennt. Nach der Hälfte der Staffel wurde mit Adam (Burn Gorman) ein zweiter Unsterblicher eingeführt, der fast 2000 Jahre alt ist und dadurch so verbittert wurde, dass der ein oder andere Mord ihn nicht mehr juckt. Damit ist er der Wiederkehrende Gegner Henrys.
Die einzelnen Folgen sind geprägt von einer wirklich starken weiblichen Detective und dem etwas sonderlichen, aber grundsympathischen Henry. Einige Mordfälle scheinen sehr schnell geklärt zu sein, doch Henry lässt selten locker und ermittelt notfalls auch alleine bzw. mit Hilfe von Abe weiter. Dadurch gibt es so manche Wendung, die die Fälle noch einmal in eine ganz andere Richtung lenken.

Once upon a time in Hollywood

Ein Vorwort

An den Filmen von Quentin Tarantino kommt man ja nur sehr selten vorbei – glaubt mir, ich habe es sehr lange versucht. Da die Begeisterung in meinem Umfeld bei jeder Neuerscheinung groß ist, war auch ich gezwungen mich mal ein wenig mit seinen Werken auseinander zu setzen. Während ich Inglorius Basterds und Django – Unchained größtenteils gelangweilt geguckt habe, weil mich die Filme einfach nicht abgeholt haben, konnte es gerade der letzte Film The Hateful Eight dann doch schaffen, mich zum einen dazu zu bewegen ins Kino zu gehen und mich dort durchaus überzeugen konnte. Nun präsentiert Tarantino seinen nun neunten Film. Was Once upon a time in Hollywood kann und was nicht, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

1969. Rick Dalton (Leonardo diCaprio) war in den 1950er Jahren mit der Westernserie Bounty Law sehr erfolgreich, bekommt aber kaum noch vernünftige Rollenangebote und fürchtet daher um seine Karriere. Sein Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt) ist als bester Freund stets an seiner Seite und verrichtet für ihn auch außerhalb des Sets viele Arbeiten. Zeitgleich ziehen gegenüber von Dalton Roman Polanski und Sharon Tate (Margot Robbie) ein. Während Dalton einen Tag am Set verbringt und Tate sich ihren eigenen Film im Kino ansieht, begegnet Booth der Manson-Familie.

Meine Meinung

Once upon a time in Hollywood hat das große Problem, dass er komplett falsch vermarktet wurde. Denn sein großer Aufhänger war, dass es im Film um die Manson-Morde unter anderem an Sharon Tate gehen soll. Das der Trailer auf diesen Handlungsstrang nur in einer Andeutung drauf hinwieß, wurde dann beurteilt mit, dass so die Spannung über diesen Abschnitt nicht verloren gehe. So wurden am Ende viele Zuschauer enttäuscht, denn um die Manson Morde geht es wirklich nur ganz minimal.
Wenn man also diesen Aspekt mal außen vorlässt und sich den Titel und den Trailer einmal etwas genauer ansieht, merkt man, worauf der Film eigentlich hinauswill. Denn ein Großteil der 160 Minuten Laufzeit bildet exakt einen Tag im Leben dreier Männer in Hollywood wieder. Wir haben also den ehemaligen großen Star, der langsam zu einem verblühenden Sternchen wird und den ganzen Tag am Set verbringt, wo er mehrere Szenen dreht. Dabei geht es in diesem Handlungsteil vor allem um seine Ängste, die Qualität von Schauspielern und um ganz übliche Abläufe an einem Filmset. Hier haben wir einen Leonardo diCaprio, der selbst seit er 2016 seinen Oscar für The Revenannt erhielt, eher durch Abwesenheit auf der Kinoleinwand glänzte, und uns hier noch einmal demonstrierte, was für ein guter Schauspieler in ihm steckt. Dabei schafft er es ebenso überzeugend zu versagen, wie zu brillieren und das sagt schon einiges aus. Mr. DiCaprio kann es also durchaus noch. Dann haben wir den in Ungnade gefallenenen Cliff Booth, der angeblich seine Frau umgebracht haben soll, weswegen er kaum noch Jobs bekommt. Dalton bezahlt ihn, da er aber selten noch als sein Stuntdouble auftreten kann, erledigt er auch allerhand Botengänge und andere Aufgaben für Dalton. Auf dem Weg, um Dalton vom Set abzuholen, lernt er das Hippie-Mädchen Pussycat kennen. Als er feststellt, dass sie mit anderen Hippies auf der Spahn-Ranch lebt, macht er sich Sorgen um den Besitzer der Ranch, den er persönlich kennt. Dabei zieht er den Zorn der Hippies auf sich, die sich später als die Manson-Familie rausstellen.
Fernab von der ganzen Geschichte um Cliff und Booth gibt es dann noch Sharon Tate. Da sie das bekannteste Opfer der Manson-Morde ist, erwartete man spätestens hier den Übergang zum spannenden Teil des Films. Doch Tarantino belehrt uns auch hier eines besseren. Denn wir erleben hier eine Schauspielerin in einem absolut ehrlichen Moment und dieser ist so gekonnt eingefangen, dass er mein Herz berührt hat, auch wenn diese Szene so absolut nichts zum eigentlichen Film beiträgt. Denn Tate, hier gespielt von Margot Robbie, beschließt, als sie bei einem Shoppingausflug an einem Kino vorbeiläuft, den aktuellen Film zu sehen, in dem sie selbst mitspielt. Da sie an der Kasse nicht erkannt wird, macht sie die missmutige Verkäuferin darauf aufmersam, dass sie im Film ist. Diese kann es erst nicht glauben und holt ihren Chef dazu. Dieser ist auch erst skeptisch, bietet ihr dann aber einen Freifilm an. Und im Kinosaal merkt man, wie unsicher Tate zunächst ist und wie gerührt sie von den Reaktionen der Zuschauer ist. So kann sie nach kurzer Zeit schon ganz ungehemmt über ihre eigenen Szenen mitlachen.
So vergeht ein einzelner Tag in Hollywood nach gut zwei Stunden Lauflänge des Films. Aber natürlich bleibt es nicht dabei, denn Tarantino hat noch eine Szene für das Ende aufgespart. Hier will ich nicht zu viel verraten, aber ein jeder Tarantino Fan kommt hier noch einmal gut auf seine Kosten, da das Ende voller abstruser Kleinigkeiten steckt, spannend, abgedreht und mit einer Menge Gewalt zu tun hat. Sagen wir mal, hier steckt der eigentliche Bezug zu den Mason-Morden.
Die häufigst genannte Kritik am Film, also nach der Kritik, dass es nicht wie angekündigt um die Manson Morde gehe, ist dass der Film eigentlich keine Handlung hat. Und die Kritiker haben damit durchaus recht, denn wirklich Handlung hat nur die letzte Szene. Alles davor liegende ist wirklich eine reine Momentaufnahme des Hollywoods von 1969. Aber warum ist der Film dann trotzdem so spannend? Nun zum einen, weil die Charaktere einfach echt wirken. Es wird sich Zeit genommen, einmal genauer in sie hineinzuhorchen, und dafür waren weder tiefgreifende Dialoge, noch große Handlungsbögen nötig. Tarantino versteht sein Handwerk, wie kaum ein anderer und lässt die Charaktere mit wenigen gezielten Sätzen und ausdrucksstarker Mimik so viel mehr erzählen. Hinzu kommt, dass die einzelnen Szenen auch gerne einmal mit kleinen Gastauftritten gespickt sind, die alle zu erkennen, eine große Freude machen. Und wir reden hier von Schauspielern, wie Damian Lewis, Luke Perry, Al Pacino oder Kurt Russell.

Das Fazit

Once upon a time in Hollywood ist eine gelungene Momentaufnahme des Lebens in Hollywood, mit wenig Handlung und wenig Bezug zu den Manson-Morden. Wer sich damit anfreunden kann, bekommt einen gewohnt hochwertigen Tarantinofilm, der einmal mehr beweist, dass Tarantino sein Handwerk versteht. Da ich jedoch großer Fan von richtiger Handlung bin, gibt es dafür 07 von 10 möglichen Punkten.

Once upon a time in Hollywood läuft seit dem 15.08.2019 in den deutschen Kinos.

Downton Abbey

Ein Vorwort

Von 2010 bis 2015 erschienen die insgesamt sechs Staffeln der Serie Downton Abbey. Dabei ging es um eine adlige Familie im Herrenhaus Downton Abbey, das nicht nur dem ersten Weltkrieg trotzdem musste, sondern auch so manche Veränderungen in den Gesellschaftsschichten. Der Fokus lag dabei nicht nur auf der Familie Grantham, sondern auch auf deren Dienerschaft. Downton Abbey begeisterte durch eine gesunde Mischung aus Historie, Drama und unglaublich geschickten Dialogen. Ich erwähne wohl nicht das erste Mal, dass ich großer Fan der Serie bin. Nun soll die Geschichte, die an sich abgeschlossen ist, mit einem Kinofilm weitergehen. Dass Serien auf Kinoleinwand weiterzuführen, nicht immer gut ausgeht, hat man leider schon erlebt. Ob dies bei Downton Abbey der Fall ist, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Hoher Besuch wird auf Downton Abbey erwartet. Der König und die Königin haben ihren Aufenthalt für eine Nacht angekündigt. Nicht nur die Familie ist völlig aus dem Häuschen, auch die Dienerschaft kann ihr Glück kaum fassen. Doch die anfängliche Euphorie legt sich schnell, als die Dienerschaft seiner Majestät eintrifft und komplett übernimmt. Doch keiner auf Downton Abbey wird sich so leicht unterkriegen lassen.

Meine Meinung

Da die Serie mit einem wohl für alle Seiten befriedigendem Finale endete, standen die Macher nun vor der Herausforderung dort anzuknüpfen, doch etwas neues zu erzählen und das Ganze dann auch wieder zu einem runden Ende zu führen. Es musste also eine Idee her, bei der genug Raum war, um alle Charaktere wieder miteinzubinden, die genug und gleichzeitig wenig Drama bot, damit alle Handlungsstränge am Ende auch wieder auserzählt waren und die doch dem Zuschauer irgendwo einen gewissen Mehrwert bot. Tatsächlich war die Grundhandlung mit einer Übernachtung der königlichen Familie dafür bestens geeignet.
Denn so bekam jeder Charakter noch einmal die Chance einen mehr oder weniger großen Handlungsstrand zugeteilt zu bekommen. Während die Dienerschaft der Granthams sich mit der mitreisenden Dienerschaft der königlichen Familie anlegt, damit sie nicht wie überflüssiges Gesindel einfach beiseite geschoben werden können, hat Tom Branson Bedenken wegen seiner irischen Gesinnung. Mary ist mit der Planung vollkommen überfordert und überlegt mehr als einmal Downton endgültig aufzugeben, zumal ihr Mann bei einer Auto-Ausstellung in Chicago ist. Natürlich gibt es noch viel mehr kleine Handlungsstränge, aber ich  will natürlich nicht alle vorweg nehmen.
Wem jetzt jedoch schon der Kopf schwirrt vor Namen, der ist in dem Film definitiv falsch. Denn der Film nimmt sich keine Zeit die Charaktere erneut vorzustellen, die der treue Serienzuschauer bereits seit sechs Staffeln in und auswendig kennen gelernt hat. So wendet sich der Film tatsächlich auch genau nur an diese Zielgruppe, die wohl den größten Spaß ma Film haben dürften. Also ist der Film nur etwas für Fans? Jein. Denn natürlich gibt es sehr viele Charaktere und deren genaue Verstrickungen wird man in einem einzelnen Film wohl nicht nachvollziehen können. Dennoch haben sich die Drehbuchautoren große Mühe gegeben keine tausend Insider einzubauen, sondern die Dialoge zwar mit dem gewohnten Biss gestaltet, aber eben auch so, dass ein Downton Abbey Neuling den kompletten Handlungsverlauf nachvollziehen kann.
Wir haben, wenn man mal die Tatsache außer Acht lässt, dass der Film die Serie weitererzählt, einen Film, der mit witzigen und gleichzeitig bissigen Dialogen daher kommt, wir haben mit Highclere Castle, das als Downton Abbey dient, eine atemberaubende Kulisse, wir haben wunderschöne Kleider, gerade in der finalen Ballszene, mit einem tollen Blick für Details. Wir haben Darsteller, die ihre Figur exakt verkörpern und mit einer Inbrunst spielen, die ihresgleichen sucht. Somit an sich einen echt guten Film. Wie gesagt, einziges Manko für Nicht-Serien-Seher ist, dass die Charaktere in ihrer Konstellation nicht vorgestellt werden.

Das Fazit

Downton Abbey ist für Fans die lang ernsehnte Wiedervereinigung aller geliebten und teilweise gehasster Charaktere. Für Neulinge ist es ein Historienfilm, der seinesgleichen sucht, was Detailliebe angeht. Vor allem mit den witzigen und bissigen Dialogen können wohl beide Parteien etwas anfangen. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Downton Abbey läuft seit dem 19.09.2019 in den deutschen Kinos.

Gut gegen Nordwind

Ein Vorwort

Mit Hilfe von E-Mails die große Liebe finden? Erinnert in den Grundzügen sehr an E-Mail für dich, ein Film mit Meg Ryan und Tom Hanks aus den 1990er Jahren. Doch in der modernen Welt scheint diese Kommunikationsform doch nur noch für geschäftlichen Schriftverkehr genutzt zu werden. Dennoch spielt genau dieses Grundprinzip in Vanessa Jopps neustem Film eine wichtige Rolle. Wie Gut gegen Nordwind es schafft sich von Filmen mit ähnlichem Grundprinzip abzuheben, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Leo (Alexander Fehling) ist Linguist und führt eine On/Off-Beziehung mit Marlene (Claudia Eisinger). Als es wieder einmal zu einer Trennung kam, kommt eine E-Mail von Emma (Nora Tschirner). Diese wollte ein Abonnement kündigen, hatte aber einen Tippfehler drin. Es folgt ein erster Schriftverkehr, der immer privater wird. Doch Emma ist verheiratet.

Meine Meinung

Ich kann gut verstehen, warum einige Gut gegen Nordwind nicht mögen werden. Gerade die Fans von großen Romanzen werden hier ihr Glück nicht finden. Denn Gut gegen Nordwind erzählt eine sehr subtile Geschichte, die von ihren großartigen Hauptcharakteren lebt. Es gibt aber keine tränenreichen Dialoge darüber, wie sehr die beiden sich lieben, es gibt kein großes Kennenlernen über die E-Mails hinaus, es gibt kurzum nicht die typischen Handlungsverläufe.
Die größte Schwierigkeit des Films dürfte sein, dass viele der Dialoge nur schriftlich erfolgen. Dennoch mussten diese spannend und immer wieder neu eingearbeitet werden. Hierbei war es wichtig zwei gute Schauspieler zu casten, die durch ihre Mimik den Zuschauer auch dann fesseln können, wenn sie eigentlich gerade nur in ihrem Laptop gucken.
Mit Alexander Fehling und Nora Tschirner ist ihnen genau das gelungen. Beide schaffen es ohne große Gesten oder überbordener Mimik die Zuschauer sofort in ihren Bann zu ziehen. Der erste Teil des Films konzentriert sich größtenteils auf Leo, der an seiner on/off-Beziehung mit Marlene scheitert und sich immer mehr an den E-Mails mit Emma festklammert, um seinen Liebeskummer zu überwinden. Er wird schnell so süchtig nach den Mails, dass er selbst bei einem realen Date flüchtet, um antworten zu können. Der Film ist schon ein ganzes Stück fortgeschritten, als wir das erste Mal Emma wirklich sehen und nicht nur über ihre Mails. Wir lernen ihren Alltag kennen und auch ihren Ehemann. Dieser Fakt überrascht Leo dann wohl ebenso wie den Zuschauer, vor allen da Emma betont, glücklich verheiratet zu sein. Die Realität lässt dann an der Aussage doch etwas zweifeln, denn sie ist die zweite Frau ihres Mannes und damit Stiefmutter zweier Kinder. Während sie mit den Kindern durchaus gut umgeht, ist ihr Mann deutlich älter und ein erfolgreicher Dirigent, der kaum Zeit für seine Familie hat.
Diese beiden Menschen, die irgendwo mitten im Leben und irgendwo doch an einem Scheideweg stehen, finden sich gerade zur rechten Zeit und fangen an sich auch privatere Dinge zu erzählen. So ist der Film herrlich unaufgeregt, versteht es aber trotzdem den Zuschauer in jeder Szene abzuholen und eine gewisse Spannung aufzubauen.

Das Fazit

Gut gegen Nordwind ist eine gelungene Verfilmung eines E-Mailromans mit hochmotivierten Darstellern und einer unaufgeregten Handlung. Fans klassicher Liebesfilme dürften hier weniger auf ihre Kosten kommen, doch wenn man ihm eine Chance gibt, entfaltet er seinen ganzen Charme. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Gut gegen Nordwind läuft seit dem 12.09.2019 in den deutschen Kinos.

Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 9.1

Das letzte Mal, dass ich einen Beitrag dieser Reihe geschrieben habe, ist tatsächlich bereits über zwei Jahre her. Mir kam es tatsächlich gar nicht so lange vor, aber natürlich war ich in der Zwischenzeit nicht faul und habe einige Filme meiner – leider immer größer werdenden – Liste geschaut. Ich versuche in diesem Beitrag nun die Filme von meiner Verpasst-Liste 2014 und 2015 abzuarbeiten und versuche mich dabei auch möglichst kurz zu fassen – teilweise ist es auch schon wieder eine ganze Weile her, dass ich die Filme gesehen habe.

2014

1) The Equalizer

Robert McCall (Denzel Washington) ist ehemaliger CIA-Agent und muss mit dem Tod seiner Frau fertig werden. Dafür arbeitet er nachts, wenn er nicht schlafen kann, die Klassiker der Literatur ab. In einem Café lernt er die Prostituierte Alina (Chloe Grace Moretz) kennen. Nachdem diese übel zugerichtet wurde, rächt er sich für sie an den Zuhältern, nicht ahnend, dass er damit der russischen Mafia ans Bein pinkelt.
The Equalizer spielt mit dem Klischee des friedlichen alten Mannes, der es jedoch aufgrund seiner Vergangenheit faustdick hinter den Ohren hat. Eigentlich ist The Equalizer auch ein interessanter und spannender Film. Aber irgendwo verpasst er den Zuschauer richtig abzuholen, so dass man zwischendurch einfach den Anschluss verliert und nicht mehr bis zum Ende dran bleibt.

2) The Purge – Anarchy

Nachdem im ersten Teil die Purge noch versucht wurde auszuschließen und der Film größtenteils zwischen den vier Wänden einer gut gesicherten Familie spielt, geht es nun im zweiten Teil das erste Mal auf die Straße. Diesmal geht es um die ärmere Bevölkerung, die sich eben nicht die im ersten Teil präsentierte Purge Abwehr leisten kann. Wir verfolgenden einen Vater, der sich am Mörder seiner Tochter rächen will, einen Ladenbesitzer, der sich die Purgeversicherung nicht mehr leisten kann, ein Ehepaar, dass aufgrund einer Autopanne nicht rechtzeitig in Sicherheit ist und eine Mutter, die versucht ihre Tochter vor einem betrunkenen Nachbar zu schützen.
The Purge – Anarchy ist brutaler und überzeugt mit vielen Einfällen, wie eine straffreie Nacht aussehen könnte. Hinter jeder Ecke scheint man etwas Neues zu entdecken. Durch die unterschiedlichen Charakter wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt und schafft es so durchgehend spannend zu sein. Eine sehr interessante Fortsetzung.

3) Der 100-jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Nachdem ich das Buch gelesen hatte, wagte ich mich auch an die Verfilmung des Stoffes von Jonas Jonasson. Wir lernen Allan (Robert Gustafsson) kennen, der gerade seinen 100. Geburtstag feiert. Allerdings hat er auf die Feier überhaupt keine Lust und klettert kurzerhand aus dem Fenster. Kurz darauf ist er mitten drin in einem absonderlichen Abenteuer. Nebenbei erfährt man noch seine Lebensgeschichte, die mit den Begegnungen der verschiedensten Persönlichkeiten einher geht.
Der 100-jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand ist nicht nur ein furchtbar langer Titel, sondern eben eine Geschichte, die nur auf dem Papier funktioniert. Schon bei der Buchvorlage musste man sich zunächst an den schwedischen Schreibstil gewöhnen, bekam dann aber eine abenteuerliche Geschichte geboten. Der Film jedoch kann das Besondere der Geschichte nicht einfangen. Wir bekommen eine ähnliche Präsentation des Stoffes, wie seinerzeit bei Forrest Gump, nur eben ohne dessen Charme. So begab es sich, dass mich der Film tatsächlich immer wieder an den Rand des Einschlafens gebracht hat.

2015

4) Aloha – die Chance auf Glück

Hier musste ich tatsächlich erst einmal wieder nachlesen, worum es in dem Film ging. Das finde ich schon sehr vielsagend. Ich kann mich aber noch erinnern, dass mich der Cast mit Bradley Cooper, Emma Stone, Bill Murray, Rachel McAdams und Alec Baldwin dazu brachte, den Film zu sehen.
Grob gesagt geht es um den Militärberater Brian Gilcrest (Cooper), der nach Hawaii gerufen wird, weil er mit den Einheimischen den Segen für ein Bauprojekt für einen Weltraumflughafen aushandeln soll.
Ich glaube, ich fand den Film totlangweilig und nichtssagend und daran konnten auch die vielen guten Darsteller nichts ändern. Aber genaueres fällt mir beim besten Willen nicht mehr ein.

5) Peanuts

Ein neuer Film mit den altbekannten Figuren sollte her, doch stattdessen wurde eher der altbekannte Stoff recycelt. Fand ich selbst aber gar nicht schlimm, denn mir war die Geschichte rund um das „kleine rothaarige Mädchen“, dass neu in die Klasse kommt, nicht bekannt. Dafür gibt es ein Wiedersehen mit den liebgewonnen Charakteren in einem wunderbar kurzweiligen Film, der mit Witz und Charme nur so um sich wirft. Nebenbei darf Snoopy auch wieder gegen den roten Baron antreten. Ein Film für alle, die in Nostalgie schwelgen wollen oder ihren Kindern ihre Kindheitshelden näher bringen wollen.

6) Mr. Holmes

Ian McKellan als Sherlock Holmes. Dies reichte für mich schon als Grund dem Film eine Chance zu geben.
Sherlock Holmes ist inzwischen 93 Jahre alt und lebt zurückgezogen mit seiner Haushälterin und dessen Sohn, dem er die Imkerei näher bringt. Doch immer mehr merkt er, dass er mit Gedächtnisproblemen zu kämpfen hat. So versucht er verzweifelt sich zu erinnern, was vor 30 Jahren geschah, weswegen der seine Detektivtätigkeiten komplett aufgab.
Der Film wird zweigleisig erzählt. Der Part rund um den alten Holmes ist tiefsinnig, ein wenig schwermütig, aberstark erzählt und gespielt. Leider kann man dies über die Rückblenden zu Holmes letztem Fall nicht sagen. Hier bekommt man eine Geschichte, die bis zum Schluss nicht richtig aufgelöst wird, irgendwie auch belanglos wirkt und dem anderen Teil immer wieder die Fahrt nimmt. Dennoch kann ein in beiden „Altern“ brilliant spielender Ian McKellan einiges retten. Dennoch hätte Mr. Holmes ein noch besserer Film sein können.

7) Joy

Eine zeitlang schien Jennifer Lawrence erst einmal grundsätzlich eine Oscarnominierung bekommen zu haben. So auch hier in dem Film über die rebellische Joy Mangano, die etwas komplizierte familiäre Lebensumstände hat. Als sie einen Mopp entwickelt, der Hausfrauen das Leben erleichtern soll, versucht sie alles, um diesen erfolgreich zu vermarkten. Sie muss jedoch immer wieder Rückschläge einstecken, gibt jedoch nicht auf.
Lawrence spielt hier mit ihrem Talent eine Joy, die verzweifelt versucht aus ihrem Leben das beste zu machen. Trotz eines darüber hinaus eigentlich gut klingenden Castes, unter anderem mit Bradley Cooper und Robert de Niro, schafft der Film es nicht eine eigene Dynamik aufzubauen. Auch sind die Charaktere größtenteils so unsympathisch, dass man auch keine nähere Bindung aufbauen will. So plätschert der Film dahin, ohne das der Zuschauer wirklich Anteil nimmt.

8) Black Mass

Johnny Depp hatte zur Zeit als der Film erschien, bereits einige Flops in Kauf nehmen müssen, wie bspw. Mortdecai oder auch Lone Ranger. Zu sehr hatte man sich an seine Rolle als Captain Jack Sparrow gewöhnt. Umso überraschter wurde Black Mass, in dem er den Gangster James J. Bulger verkörperte. Dieser war im Boston der 1970er und 1980er Jahre bekannt für seine Bande, die sich an Drogenhandel, Erpressung, Glücksspiel, Mord und Kidnapping versuchte. Als das FBI auf ihn aufmerksam wird, schließen sie einen Pakt, um die italienische Mafia zu beseitigen.
Eins muss man dem Film lassen. Die Darsteller brillieren in ihrem Rollen, sei es nun Depp selbst oder auch Joel Edgerton oder Benedict Cumberbatch. Das Problem am Film ist eher, dass die Handlung so langatmig ist, dass man sehr schnell abschaltet. Versteht mich nicht falsch, es gibt einge sehr brutale Szenen, die einen eigentlich packen könnten. Aber das ganze drum herum ist dann doch eher unaufgeregt erzählt.

9) Highway to Hellas

Jörg Geissner (Christoph Maria Herbst) arbeitet für eine deutsche Bank. Die fiktive griechische Insel Paladiki hat bei dieser Bank einen hohen Kredit aufgenommen, um für Touristen interessanter zu werden. Vorm Hintergrund der Finanzkrise in Griechenland soll Geissner nun die Sicherheiten der Insel erkunden. Leider hat die Insel gelogen, was die Sicherheiten angeht und versucht nun Geissner an der Nase herum zu führen.
Wieder einmal ein deutscher Film, der an den richtigen Stellen ansetzt und mit einem motivierten Herbst auch durchaus eine gute Basis hat. Aber nachdem ein paar schöne Anekdoten erzählt wurden, fängt der Film leider an zu schwächeln und kann seine eigene Komik nicht über die Laufzeit halten. Dabei geht der Film gerade einmal 89 Minuten. Auch wird hier das griechische Lebensgefühl vielleicht ein wenig zu deutsch erzählt.

10) The perfect guy

Ich finde Michael Ealy klasse. Leider hat er nicht gerade ein gutes Händchen, was seine Filmauswahl angeht. In Underworld – Awakening war er bereits in einem der schwächeren Teile der Filmreihe und About last night war einfach nur langweilig. In the perfect guy durfte er noch einmal eine ganz neue Seite seiner schauspielerischen Fähigkeiten zeigen. Leider war auch dieser Film nicht sonderlich gut.
Leah Vaugn (Sanaa Lathan) hat sich frisch von ihrem langjährigen Freund getrennt, als sie Carter (Ealy) kennenlernt. Dieser scheint zunächst der perfekte Freund zu sein, bis seine Besitzansprüche auch gewalttätig werden. Als Leah sich von ihm trennt, stalkt er sie fortan.
Das Thema Stalking ist ein schwieriges Thema, weil man wenig gegen Stalker tun kann und sie einem aber das Leben buchstäblich zur Hölle machen können. Hier wird es in eine sehr krasse Geschichte verpackt, denn Carter scheint vor nichts zurückzuschrecken. So spannend die Geschichte auch eigentlich sein könnte, so wenig scheint der richtige Funke überzuspringen. So ist der Film leider auch einer, den man sehr schnell wieder vergessen hat.