Mein Blind Date mit dem Leben

Am 26.01.2017 erschien ein deutscher Film über das Erfüllen von Träumen auch mit Behinderung in den deutschen Kinos.

Saliya Kahawatte steht kurz vor seinem Abitur, als er durch eine Netzhautabtrennung 95% seines Sehvermögens verliert. Trotzdem lässt er sich nicht unterkriegen, schafft sein Abitur und möchte nun seinen Traum erfüllen und Hotelfachmann werden. Doch aufgrund seiner Behinderung nimmt ihn kein Hotel. Also bewirbt er sich beim Bayrischen Hof, einem 5-Sterne-Luxus-Hotel, und verschweigt seine Behinderung einfach. Doch wie schafft man es zu verheimlichen, dass man nur 5% seiner Umgebung sehen kann?

Dass Menschen mit Behinderungen großartiges leisten können, ist inzwischen sehr bekannt. Sei es auf sportlicher Ebene, wie regelmäßig die Paralympics zeigen, oder auf geistlicher Ebene, wie beispielsweise Stephen Hawking zeigt. Doch wie schafft man es den ganz normalen Alltag mit einer Behinderung zu meistern? Und muss man automatisch auf alle seine Träume verzichten?
Saliya Kahawatte hat nur einen Traum: Er möchte nach seinem Abitur unbedingt in einem Hotel lernen. Doch mitten im Abitur bemerkt er plötzlich immer mehr verschwommene Flecken in seinem Blickfeld. Eine Untersuchung ergibt, dass Saliya einen angeborenen Sehfehler hat, der nun dazu beigetragen hat, dass sich die Netzhaut abgetrennt hat. Eine Notoperation soll zumindest noch einen gewissen Prozentsatz seines Sehvermögens retten. Am Ende bleibt ihm eine Sehkraft von 5%. Damit kann er sehr stark verschwommen gerade einmal Umrisse seiner Umgebung erkennen. Doch Saliya ist ein Kämpfer und lässt sich davon nicht unterkriegen. Mit Hilfe seiner Schwester und der Toleranz seiner Lehrer schafft er sein Abitur. Doch nun steht er vor dem nächsten großen Problem. Wie soll er mit 5% Sehvermögen seinen Traum in einem Hotel zu lernen wahr machen? Und so flattern eine Absage nach der nächsten ins Haus, egal wie viele Bewerbungen Saliya auch schreibt. So beschließt er das unmögliche zu versuchen. Er bewirbt sich in München am Bayrischen Hof und lässt seine Behinderung unerwähnt. Und schon bekommt er ein Vorstellungsgespräch. Mit viel Vorbereitung besteht er auch dieses und ist von nun an auf sich alleine gestellt. Eigene Wohnung, die Ausbildung und keiner darf merken, dass er nichts sehen kann. Schnell findet er einen guten Freund in der Ausbildung, der ihm von nun an mit Tat und Rat zur Seite steht. Doch die Ausbildung ist schon für Leute mit vollständigem Sehvermögen sehr schwer durchzuhalten.
Mein Blind Date mit dem Leben basiert auf den wahren Ereignissen und dem Leben von Saliya Kahawatte. Die Möglichkeiten, die er ausschöpft, um sich durch die Ausbildung zu mogeln sind faszinierend. Trotzdem verläuft die Handlung selbst sehr nach dem altbekannten Schema ab. Ein Problem taucht auf, dass wird mit aller Macht versucht zu bekämpfen oder es wird zumindest versucht damit zu leben, doch dann nehmen die Hindernisse immer mehr Überhand, bis alles eskaliert und hinterher die Scherben wieder aufgesammelt werden müssen. Dieser Ablauf ist altbekannt, aber der Film konzentriert sich auch viel mehr auf Menschsein. Wie gehen Menschen mit einer Behinderung um, wie gehen sie damit um, wenn sie erfahren, dass jemand den sie kennen eine Behinderung hat. Bekommt man ewig eine Sonderbehandlung und wenn nicht mit welchen Mitteln muss man sich dann durchbeißen? Das faszinierende am Film ist hier, wie Saliya immer wieder neue Methoden findet, um Sachen durch Fühlen, Riechen und Tasten zu erlernen. Wie er Schritte zählt, um Abstände herauszufinden, und dabei so souverän geht, wie manch einer mit normalem Sehvermögen nicht.
Kostja Ullmann schlüpft ja gerne einmal auch in Rollen, die einen Migrationshintergrund haben, wie zuletzt auch in Drei Türken und ein Baby, in dem er einen Türken spielte. Er selbst ist in Deutschland geboren, aber seine Mutter ist ursprünglich Inderin. So war er die passende Besetzung für die Rolle des Saliya Kahawatte, dessen Vater Singhalese ist. Auch spielt Ullmann seine Rolle sehr souverän und bringt so das Leid und den Traum Saliyas dem Zuschauer nahe.
Der Film schafft es die Thematik Leben mit einer Behinderung respektvoll aufzugreifen und trotzdem einige humorvolle Momente einzubauen. So wird dem Zuschauer vermittelt, dass das Leben oder auch eine normale Ausbildung zu machen erschwert wird, eine Behinderung aber kein Grund ist das Leben nicht mehr in vollen Zügen zu genießen und seine Träume zu leben. So geht man am Ende des Films mit einem positiven Gefühl aus dem Kinosaal.

Alles in allem ist Mein Blind Date mit dem Leben eine gefühlvolle Komödie zu schaffen, die aber durch das typische Schema etwas zu vorhersehbar wurde. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Verborgene Schönheit

Am 19.01.2017 erschien ein neuer Film, der sich mit Trauerbewältigung befasst in den deutschen Kinos.

Howard hat vor zwei Jahren seine Tochter verloren. Noch immer kommt er mit seiner Trauer nicht zurecht und läuft durch das Leben wie ein Zombie. In seiner Trauer schreibt er Briefe an die Grundpfeiler des Universums: Liebe, Zeit und Tod. Doch auf einmal stehen genau diese mit seinen Briefen vor ihm und konfrontieren ihn mit seinen Anschuldigungen.

Der Tod seines eigenen Kindes dürfte so ziemlich das schlimmste sein, was Eltern passieren kann. Keiner kann daraufhin jemals wieder in das gewohnte Leben zurückkehren. Es wird immer eine Leere zurückbleiben. Doch wie findet man trotzdem wieder in den Alltag zurück? Wo setzt man in seinem Leben an? Und wie gehen die Freunde damit um, die einen nicht leiden sehen wollen?
Howard hat eine wunderbare Frau, ein süßes Kind und seine eigene Firma, die er mit viel Engagement und Spaß und guten Freunden leitet. Die Grundpfeiler in seinem Leben und das Motto seiner Firma sind Liebe, Zeit und Tod. Er steht mit beiden Beinen fest im Leben. Doch dann erkrankt seine Tochter und stirbt. Den Tod der Tochter überlebt Howards Ehe nicht und auch im Büro ist er nur noch ein Schatten seiner selbst. Seine Freunde Whit, Claire und Simon machen sich immer mehr Sorgen um ihn, da er auch zwei Jahre nach dem Tod seiner Tochter noch immer nicht ansprechbar ist und wie ein Zombie durch die Büroflure wandelt. Irgendwann beginnt Howard Briefe zu schreiben. Aber nicht an jemanden, sondern an etwas, an Liebe, Zeit und Tod. Allen drei macht er heftige Vorwürfe. Doch auf einmal besuchen ihn der Tod, die Zeit und die Liebe und lassen die Vorwürfe nicht auf sich sitzen.
Nachdem uns Demolition im letzten Jahr bereits eine interessante Art der Trauerbewältigung zeigte, setzt Verborgene Schönheit noch einmal an einem ganz anderen Punkt an. Howard ist vom Universum enttäuscht, da er niemand anderem den Vorwurf für den Tod seiner Tochter geben kann. Es war kein Unfall, an dem jemand Schuld war, sondern eine Erkrankung, die zum Tod führte. Das zweite große Thema des Films ist Freundschaft. Denn Howards Freunde Whit Claire und Simon kämpfen darum, ihn wieder unter die Lebenden zu bekommen und haben selbst einiges aufgegeben bzw. selbst etwas/jemanden verloren. So konzentriert sich der Film nicht nur auf einen Charakter, sondern zeigt, dass das Leben der Freunde trotz allem weitergeht und wie diese mit der Situation umgehen.
Als Warnung vor dem Ansehen des Films sollte gesagt werde, dass er sehr emotional ist. Die Dialoge sind überladen mit Gedanken und Gefühlen, was zum einen den Ton des Films widerspiegelt, was zum anderen aber für Fans von mehr tiefgründigen und weniger emotionalen Dialogen nur schwer zu ertragen sein dürfte. Man sollte also bewusst in den Film gehen. Denn erst wenn man sich wirklich auf den Film einlässt, entfaltet er seine Magie und kann uns zu Tränen rühren, ob es nun Freuden-, Lach- oder Traurigkeitstränen sind.
Verborgene Schönheit lebt vor allem von seinem großartigen Cast. Hier reiht sich namhafter Schauspieler an namhafter Schauspieler. Will Smith, Edward Norton, Kate Winslet, Michael Pena, Keira Knightley, Helen Mirren und Naomie Harris geben sich hier die Ehre. Am überzeugendsten ist hier die Performance von Helen Mirren, die ihre Rolle mit einer Begeisterung spielt, die ihresgleichen sucht. Michael Pena, der den meisten wohl erst seit seiner Rolle in Ant-Man bekannt sein dürfte und eher lustige Rollen spielt, schafft es hier den Ton aufzugreifen und beweist, dass er auch ernste und tiefgründige Rollen spielen kann. Will Smith selbst spielt seine Rolle als Howard sehr souverän, gerät jedoch von Zeit zu Zeit ins Overacting. Edward Norton bleibt in seiner Rolle weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, spielt aber auch seine Rolle sehr souverän. Der restliche Cast liefert zusammenfassend auch eine sehr souveräne Leistung ab.
Die Spannungskurve des Film ist durchgehend auf einem normalen Niveau, wie man es von einem Film dieses Genres erwarten kann. Zwischendurch gibt es vereinzelte Anstiege, wenn unerwartete Wendungen auftreten. Die Handlung selbst verläuft sehr geradlinig und hält genau das, was man sich vom Film verspricht.

Alles in allem ist Verborgene Schönheit ein berührender Film mit einem schönen Ansatz in der Trauerbewältigung. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

The Crown

Netflix ist bekannt immer wieder selbst teure und aufwändige Serien zu produzieren. Nach Downton Abbey wollte ich wieder vom englischen Adel verzaubert werden. Und so entführte mich The Crown in die Zeit der Regentschaft von Königin Elisabeth II., der noch immer amtierenden Königin von England.

Prinzessin Elisabeth muss nicht nur mit dem unerwarteten Tod ihres Vaters des Königs zurecht kommen, sondern wird auf einmal überflutet mit den Verantwortungen einer Königin. Gleichzeitig wird ihr Ehemann Philipp immer wieder in seine Schranken verwiesen und seine Freiheit auf ein Minimum eingeschränkt und ihre Schwester Marguerite versucht eine unmögliche Hochzeit durchzusetzen. Dies und viele Sorgen mehr lasten auf der jungen Königin.

The Crown begleitet in der ersten Staffel Elisabeth von ihrer Hochzeit mit Philipp über ihre Krönung bis zur Abdankung Churchills. Dabei wird das Leben der Königin sowohl in ihrer Form als Königin als auch in ihren privaten Entscheidungen dargestellt. Dabei hat man von Elisabeth bald einen ganz anderen Eindruck, als man ihn vor der Serie hatte. Bisher kannte man sie nur aus dem Fernsehen bei Paraden oder ähnlichem. Aber die Seite, die immer hinter der schützenden Mauer des Buckingham Palace zum Vorschein trat, ist vor den Medien immer gut abgeschirmt geblieben. Man lernt ihre rebellische und ihre verletzliche Seite kennen. Gleichzeitig erfährt man aber auch einiges über ihre Wegbegleiter, über Winston Churchill, über ihre Schwester Marguerite und über den Mann an ihrer Seite Philipp.
Mit einem Budget von ca. 80 Millionen US-Dollar ist The Crown bis dato das teuerste Projekt von Netflix. Und das sieht man der Serie auch an. In jeder Kulisse und in jedem Kostüm stecken viel  Arbeit und eine Liebe zum Detail, die ihresgleichen sucht. Gleichzeitig wurden sehr passende Darsteller gefunden. Hier sticht vor allem Claire Foy als Königin Elisabeth II. heraus. Ihre Mimik spiegel immer pointiert ihre Gedanken wieder, ohne das sie dabei auf altbekannte Muster zurückgreifen muss. Meist reicht schon eine kleine Variation in ihrem Blick aus, um dem Zuschauer verständlich zu machen, dass sie gerade dabei ist ihre Meinung den Umständen anzupassen. Etwas gewöhnungsbedürftiger dürfte da Matt Smith als Philipp sein, vor allem für alle, die ihn als elften Doktor aus der beliebten Serie Doctor Who kennen. Er spielt den Philipp sehr gewählt, aber doch schleicht sich bei mir immer wieder das Bild von ihm mit Fliege und Fez ein, was etwas hinderlich ist. Den restlichen Cast konnte ich jedoch ohne Vorurteile genießen und jeder spielte seine Rolle auf seine ganz eigene Art faszinierend und passend.
Die Handlung selbst ist ein ewiges auf und ab mit Highlights und Erschütterungen. So ist die Krönung natürlich ein absolutes Highlight, gleichzeitig aber der Tod des früheren Königs eine Erschütterung. Nebenbei erfährt man auch noch einiges über die Geschichte und Politik Englands nach dem zweiten Weltkrieg, beispielsweise die große Smogwelle, die London in einen Nebel packte und tagelang festhielt. Gleichzeitig bekommt man einen Einblick, inwieweit die Krone Einfluss auf die aktuelle Politik hat, bzw. Inwieweit die Politik versucht Dinge vor der Krone geheim zu halten. Da die britische Monarchie eigentlich nur noch Repräsentationszwecken dient, zumindest laut Schulunterricht, so ist es doch interessant zu sehen, dass die Monarchie doch irgendwo ihre Hand in der Politik hat.
Trotz mitunter längerer Dialoge und einigen längeren Szenen ohne Aussage, bleibt die Serie durchgehend sehr spannend. Trotzdem ist die Serie nur zu empfehlen, wenn man sich zumindest ein bisschen für die Thematik interessiert. Das Intro ist schön gestaltet und führt mit stimmungsvoller Musik entlang der Krone. Zu den inspirierendsten Intros zählt es aber nicht.

Eine sehr empfehlenswerte Serie, die eine große Vorfreude auf die zweite Staffel schürt.

La la Land

Am 12.01.2017 erschien ein neues Musical aus der Traumfabrik Hollywood in den deutschen Kinos.

Mia möchte unbedingt Schauspielerin werden, arbeitet aber stattdessen in einem Café. Sebastian möchte unbedingt Jazzpianist in seinem eigenen Club werden, stattdessen muss er in einem anderen Club langweilige Lieder ohne Seele spielen. Beide treffen sich und versuchen ihre Träume wahr werden zu lassen.

Wie viele junge Menschen reisen Jahr für Jahr nach Los Angeles, um bei der Traumfabrik Hollywood mitzuwirken? Und von wie wenigen wird der Traum letztendlich wahr? Und doch kämpfen sich immer wieder genug Leute durch unzählige Castings und versuchen die oder der eine zu werden, der herausgestochen hat. Und wie viele Musiker wollen irgendwann einmal mit ihrer Musik Erfolg haben und davon Leben können? Wie viele Garagenbands gibt es, die nie aus ihrer Garage heraus kamen? Hier ist ein Film für all diese Träumer, die nie aufgeben und glauben, dass Träume irgendwann Wirklichkeit werden können.
Wir lernen zunächst Los Angeles im Berufsverkehr kennen. Dort treffen wir auf Mia, die im Stau versucht ihren Text für das nächste Vorsprechen zu lernen. Ihr Traum ist es Schauspielerin zu werden, doch stattdessen arbeitet sie in einem Café mit Sicht auf Hollywood. Immer etwas verpeilt versucht sie ihre Schichtzeiten und die Vorsprechen unter Kontrolle zu bekommen. Dann wird man auch schon mit der düsteren Wahrheit konfrontiert: Viele Mädchen, die genau gleich aussehen und sich auf die gleiche Rolle bewerben, Castingleiter, die nur auf ihrem Handy herumtippen und einen gar nicht so genau beachten und dann wird man in wenigen Minuten abgehandelt, obwohl man sich viele Stunden auf die Rolle vorbereitet hat. Frustriert geht Mia an diesem Abend mit ihren Mitbewohnerinnen aus und trifft durch Zufall auf Sebastian. Dieser hat eine große Leidenschaft für Jazz und möchte gerne in seinem eigenen Club Jazzpianist sein. Stattdessen lebt er in einer Wohnung, in der nichts ausgepackt wird, weil das meiste später in seinen Club soll und versucht sich mit dem Piano spielen in einem anderen Club über Wasser zu halten. Doch der Besitzer hat eine ganz eigene Auffassung von den Liedern, die Sebastian spielen sollte. Doch an diesem Abend trifft Sebastian durch Zufall auf Mia.
La la Land ist ein Film für Träumer. Und genau das wird durch viele lange Plansequenzen, stimmungsvolle Musik und bunte Kostüme unterstrichen. Man möchte während des Films selbst aufspringen und durch die Leinwand mitten ins Geschehen tanzen. Für ein Musical wird vergleichsweise wenig gesungen, aber dafür ist die Musik trotzdem ein ständiger Begleiter und wenn gesungen wird, dann mit so einer Inbrunst und Überzeugung und mit so eingängigen Liedern, dass man möchte, dass sie nie wieder aufhören.
Die Handlung selbst ist relativ einfach gehalten, wird dabei aber so gut unterstützt von der Musik und den Traumsequenzen, dass sie einem trotzdem komplett neu vorkommt. Emma Stone und Ryan Gosling wirken auf dem ersten Blick ebenfalls nicht wie die ideale Besetzung, da man ihnen ansieht, dass sie vorher wohl eher selten gesungen und getanzt haben. Aber auf dem zweiten sieht man die Leidenschaft in ihrem Spiel und der Wille dahinter und ist so fasziniert, dass man alles verzeiht.
Der Soundtrack ist wohl das, was den Film so besonders macht. Selten konnte Jazz so leidenschaftlich in einem Film gespielt werden und dabei so ein großes Publikum anziehen. Er lädt zum tanzen und zum träumen ein und fügt sich perfekt in das Leinwandbild. Am gelungensten ist wohl die Endszene von La la Land mit dem “Was wäre wenn-Ende”. Es kam so überraschend und hat noch einmal den Ton des gesamten Films geändert.

Alles in allem ist der Hype um den Film nicht ganz nachvollziehbar, aber hier wurde auf jeden Fall ein Meisterwerk geschaffen, das noch viele Jahre die Herzen der Zuschauer erwärmt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

The Great Wall

Am 12.01.2016 erschien ein Film über eine Legende der chinesischen Mauer in den deutschen Kinos.

Die Söldner William Garin und Pero Tovar sind in Asien auf der Suche nach Schwarzpulver, als sie auf die chinesische Mauer treffen. Diese wird alle 60 Jahren von Tao Ties, reptilienartigen Monstern, angegriffen und bereitet sich gerade auf einen neuen Angriff vor. Beim ersten Angriff beweisen sich William und Pero im Kampf, so dass sie von nun an strategisch mit einbezogen werden.

China zur Zeit der Song-Dynastie. Die chinesische Mauer, das bis heute beeindruckende Bauwerk, ist bereits gebaut. Doch wieso musste sie gebaut werden? Was war so mächtig, dass China sich mit so eine Mauer schützen musste? Es ranken sich viele verschiedene Legenden um das Bauwerk, eine der Legenden soll in The Great Wall erzählt werden.
Gleich zu Beginn lernt der Zuschauer die Söldner um William Garin kennen, die mitten in der Mongolei zunächst auf der Suche nach Schwarzpulver waren, dann jedoch vor den Mongolen flüchten müssen. In einer Nacht suchen die 5 Söldner Schutz in einer Höhle, werden dort aber von einem Monster angegriffen, wobei nur William und Pero Tovar überleben. Als Beweis nehmen sie die abgeschlagene Klaue des getöteten Monsters mit und setzen ihren Weg fort. Dabei werden sie weiter von den Mongolen verfolgt, bis ihre Verfolgung ein jähes Ende findet. William und Pero finden sich vor einer riesigen Mauer wieder, die mit einer Armee voll besetzt ist. Da ihnen der Rückweg durch die Mongolen versperrt ist, lassen sie sich von den Chinesen auf der Mauer gefangen nehmen. Dort werden sie zur Klaue befragt und dann auf der Mauer gefangen gehalten. Doch genau dann findet der erste Angriff der Tao Tei, der Monster, die bereits William und Pero angriffen, statt. Im Kampf können sich William und Pero befreien, doch anstatt zu fliehen, beschließen sie zu helfen. Sie überleben die Schlacht. Doch nun müssen sie sich überlegen, wer sie sind: Wollen sie bleiben oder wollen sie weiterhin nach dem Schwarzpulver suchen, weswegen sie den weitern Weg gekommen sind?
The Great Wall ist vor allem eins: Ein Schmaus für die Augen. Obwohl man dem Film ansieht, dass er zu viel mit CGI gearbeitet hat, können die Bilder trotzdem faszinieren. Auch die verschiedenen bunten Rüstungen der chinesischen Armee sind sehr schön anzusehen, eine brutale Schlacht ist wohl noch nie so bunt inszeniert worden. Dadurch sind die verschiedenen Truppen immer gut zu unterscheiden und der Zuschauer muss nie lange überlegen, wer genau welche Funktion zu übernehmen hat. Die Tao Tei haben dann ebenfalls nochmal eine andere Farbe verpasst bekommen, so dass man sie ebenfalls immer als den Feind identifizieren kann.
Wer sich eine tiefgründige Handlung erwartet, sollte den Film meiden, denn die geschaffene Handlung dient nur dem Zweck die groß inszenierte Schlacht irgendwo zu rechtfertigen. Wer sich allerdings auf Schlachtgetümmel vom feinsten freut, mit immer wieder neuen Kampftechniken und Erfindungen, der wird hier seine Begeisterung finden. Denn hier sind gut durch choreographierte und phantasievolle Schlachtmomente dabei. Unterbrochen werden sie immer durch Kampfpausen, die dann genutzt werden, um die Handlung zu erzählen. So entsteht eine gute Mischung aus Schlacht und Schlachtpause. Die Handlung ist bewusst einfach gehalten und führt doch wie ein roter Faden durch den Film und erklärt ganz genau, warum was während der Schlacht gemacht wird und welche Motive William und … für ihre Handlungen haben. Zwischendrin werden kurz die Themen Habsucht und Treue angesprochen, jedoch nicht so sehr, dass sie alle Dialoge bestimmen.
Während es im ersten Trailer noch bedenken gab, wieso Matt Damon als Amerikaner die Hauptrolle in einem in China spielenden Film bekam, wird dies schnell aufgeklärt, da er ein westlicher Söldner ist, der in China Schwarzpulver sucht. Neben Pedro Pascal ist als dritter westlicher noch Willem Dafoe zu sehen. Ansonsten wird mit einer rein asiatischen Besetzung gearbeitet. Hier sticht vor allem Tian Jing als Kommander Lin heraus.

Alles in allem ist The Great Wall ein Film für alle, die gut inszenierte Schlachten sehen wollen und nichts für jemanden, der eine tiefgründige Handlung braucht. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Helix – Sie werden uns ersetzen

Durch eine plötzliche Laune, wollte ich unbedingt mal wieder ein Hörbuch hören. Und da mich die Auswahl meines Freundes zwar reizte, aber irgendwie nicht genug, versuchte ich es mit einem Hörbuch, welches mir mehrfach durch Werbung auffiel. Doch erst nach der Lieferung entdeckte ich, dass die Dauer des Hörbuches zu „Helix – Sie werden uns ersetzen“ mit 13 Stunden angesetzt ist und mir zu dem Zeitpunkt keine längere Reise bevorstand…

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Helen und Greg möchten unbedingt ein Kind haben. Nachdem es auf natürliche Weise einfach nicht klappen wollte, beschließen sie eine künstliche Befruchtung durchführen zu lassen. Dabei bekommen sie das Angebot, dass sie ein Kind nach ihren Vorstellungen schaffen können. Es könnte besonders schlau sein, besonders sportlich oder besonders talentiert. Gleichzeitig stirbt der US-Außenminister bei einem Staatsbesuch. Wie hängen diese Ereignisse zusammen?

Helix – Sie werden uns ersetzen befasst sich mit dem Wunsch nach dem perfekten Kind. Das man an einem Computer auswählen kann, was das Kind können soll oder wie das Kind aussehen soll, damit es im späteren Leben aufgrund des ursprünglichen Genmaterial keine Nachteile hat. Was im ersten Moment wie ein Traum klingt, kann auch Zweifel hervorrufen. Was passiert, wenn alle Kinder auf einmal hochbegabt sind und bereits mit 12 Jahren studieren können? Züchten wir dann eine ganze Generation von athletischen hübschen Sheldon Coopers?
Marc Elsberg setzt sich mit diesem Thema allerdings nur im Ansatz auseinander. Denn er schrieb Helix als Thriller und nicht als philosophisches Werk. Er betrachtet die Thematik eher mit einer handvoll „besonderer“ Kinder, die von der Intelligenz ein sehr hohen Niveau haben, sozial aber noch immer Kind sind. Was, wenn sie alles entwickeln könnten, aber die Folgen nicht abschätzen können? Nebenbei erzählt er vom Pärchen Helen und Greg, die als Beispiel für Eltern dienen, die sich mit der Idee anfreunden ihr Kind perfekt gebären zu können. Und als dritter Handlungstrang wird der Tod des US-Außenministers erzählt. Dabei stellt sich heraus, dass ein Virus ihn getötet hat, das genau auf seine DNA abgestimmt wurde, so dass niemand anderes vom gleichen Virus befallen werden konnte. Seine Mitarbeiterin Jessica Roberts wird damit beauftragt die Ursache zu holen.
Die Ausgangssituation klang sehr spannend und auch gerade der Anfang des Buches kann gut begeistern und fesselt einen an das Buch. Doch zu den einzelnen Charakteren wird einfach keine Nähe aufgebaut, so dass sie einem beinahe durchgehend egal sind. Demnach fiebert man auch nicht mit ihnen mit und durch die Länge des Buches entstehen dadurch unweigerlich Längen. Die erste Hälfte des Buches hat irgendwo noch seine Spannungsmomente, da man genau wissen möchte, was hinter allem steckt. Aber das Tempo wird in der zweiten Hälfte stark gedrosselt und es entsteht eine 6 Stunden lange Verfolgungsjagd. Zwar gibt es auch hier immer neue Wendungen, aber so richtig können sie einen nicht mehr überraschen und gerade die Charaktere handeln immer nach dem gleichen Schema. Auch ansonsten haben die Charaktere nur eine bestimmte Anzahl an Charaktereigenschaften bekommen, weswegen sie alle sehr eindimensional und berechenbar sind. Auch werden einfach zu viele Charaktere vorgestellt. Gerade eine Handvoll von Namen kann man sich merken.
Simon Jäger liest das Hörbuch. Die deutsche Synchronstimme von Matt Damon ist geübt im lesen (er ist die Stimme von vielen Hörbüchern) und schafft es den einzelnen Charakteren verschiedene Stimmlagen zu geben, so dass man immer ungefär hören kann, wer gerade spricht.

Alles in allem ein interessanter Thriller, der aber an Neutralität und Langatmigkeit krankt.

„Helix – Sie werden uns ersetzen“ wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

Passengers

Am 05.01.2017 erschien ein neuer Science Fiction Film in den deutschen Kinos.

Die Avalon ist auf einer 120 Jahre dauernden Reise zu einer neuen Kolonie der Erde. An Bord 500 Passagiere, die ein neues Leben beginnen wollen. Doch nach 30 Jahren kommt es zu einem Zwischenfall, in dessen Folge der Passagier Jim Preston aufwacht, und sich nun ganz alleine zurechtfinden muss. Später erwacht auch Aurora Lane viel zu früh. Beide versuchen nun die Ursache und eine Lösung zu finden.

Der Traum andere Planeten zu besiedeln dürfte bei einigen Menschen groß sein. So wäre dann auch die Entscheidung sich vom Leben auf der Erde abzuwenden und ein neues auf einem weit entfernten neuen Planeten zu beginnen, für diese Menschen sehr einfach. Doch was ist, wenn die Reise zu diesem Planeten 120 Jahre dauert? Wenn man weiß, dass man durch besondere Schlafkammern die Reise zwar mit gleichem Alter überlebt, man nach dem Erwachen aber alle geliebten Menschen spätestens an Altersschwäche verloren hätte? Der Film Passengers befasst sich nicht direkt mit den 5000 Menschen an Bord der Avalon, die genau diese Entscheidung gewählt haben. Aber dafür mit denen, deren Traum platze, da sie nicht einmal auf der Hälfte der Strecke aufwachten.
Jim Preston hat sich für den Schritt entschieden sein alten Leben hinter sích zu lassen und 120 Jahre später ein neues auf einem fremden Planeten zu beginnen. Doch nach 30 Jahren der Reise kommt es zu einem technischen Defekt und er erwacht, 90 Jahre zu früh. Nach einer anfänglichen Desorientierung, fällt ihm schnell auf, dass abgesehen von ihm keiner wach ist. In seiner Verzweiflung versucht er die Besatzung wach zu kriegen, die Tür zu deren Schlafkammern ist aber nicht aufbrechbar. Als einzigen Ansprechpartner hat er Arthur, ein Androide, der als Barkeeper angestellt ist. In den ersten Wochen erkundet Preston noch nach und nach das Schiff und findet gerade im Bereich der ersten Klasse viele Annehmlichkeiten. Doch die Monate vergehen und die Einsamkeit und die Gewissheit, dass er alleine auf diesem Schiff sterben wird, setzen ihm immer mehr zu. Bis eines Tages die Schönheit Aurora Lane ebenfalls erwacht und er eine Gefährtin in seinem Leiden bekommt. Doch mit dem Schiff stimmt etwas nicht, es kommt immer wieder zu technischen Störungen und Ausfällen.
Passengers befasst sich mit dem Thema, wie man mit der Aussicht auf den sicheren Tod in Einsamkeit umgeht. An Bord der Avalon gibt es keine Hilfe, der Notruf zur Zentrale auf der Erde braucht 55 Jahre, ehe mit einer Antwort gerechnet werden kann. Der einzige Ansprechpartner ist ein Androide ohne Gefühle. Man gab sein ganzes Leben für einen Traum auf und nun ist dieser geplatzt. Wie sieht nun der Alltag aus? Fällt man in Depression oder würde man den unvermeidlichen Tod um Jahre vorziehen? Das erste Drittel des Films befasst sich mit genau dieser Frage. Dann ändert sich die Stimmung des Films, nachdem auch Aurora Lane erwachte und beide nun in ihrer Verzweiflung vereint sind. Ab hier wirkt der Film eher wie ein Liebesfilm und die Grundthematik gerät ein wenig sehr in den Hintergrund. Erst gegen Ende ändert sich die Stimmung des Films wieder, nachdem die Fehlermeldungen der Avalon überhand nehmen. Hier entdeckt man die meisten Szenen, die im Trailer verwendet wurden. Das der Trailer daher wieder einmal falsche Erwartungen an den Film schürten, ist damit wohl nicht weiter erwähnenswert. Wenn man sich dafür entscheidet Passengers zu sehen, dann sollte man lieber mit einem Liebesdrama als mit einem spannenden Science Fiction Abenteuer rechnen. Aber wenn man sich auf die Stimmung des Films einlässt, dann kann der Film sehr gut unterhalten und macht Spaß beim Sehen.
Das liegt vorallem daran, dass Chris Pratt als Jim Preston und Jennifer Lawrence als Aurora Lane im miteinander sehr gut harmonieren und ihre Rollen überzeugend darstellen. Michael Sheen als Androide Arthur sorgt für die nötigen Lacher, um die Stimmung etwas aufzuhellen. Lediglich der Auftritt von Laurence Fishbourne ist ziemlich überflüssig und hätte ohne namenhaften Schauspieler gelöst werden können bzw. die Rolle hätte komplett weggelassen werden können.
Trotz großer Liebesgeschichte, die mit seinem Drama den Großteil des Films einnimmt, ist der Film spannend, auch wenn er bis zum Abspann vorhersehbar bleibt. Lediglich mit einer Wendung rechnete man nicht von Anfang an, aber Passengers sieht eher den Weg als das Ziel an.
Die einzige große Enttäuschung des Films ist, dass man aus der Grundthematik etwas wesentlich interessanteres und philosophischeres hätte erschaffen können, statt einer normalen Liebesgeschichte. Beispielsweise hätte man sich mit den Gründen und Gedanken von 5000 Menschen befassen können, die ihr Leben aufgegeben haben für diese Reise. Dies hätte sogar gut in den vorhandenen Film eingebaut werden können.

Alles in allem gerät die Ausgangsthematik durch die Liebesgeschichte ziemlich schnell in den Hintergrund, aber mit der anderen Stimmung schafft Passengers es trotzdem einen sehenswerten Film zu kreieren. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Assassin’s Creed

Am 27.12.2016 erschien eine neue Videospielverfilmung in den deutschen Kinos.

Callum Lynch ist des Mordes für Schuldig befunden und wird mit der Todesspritze hingerichtet. Doch anstatt zu sterben, wird er in eine geheime Forschungseinrichtung gebracht, denn er ist ein direkter Nachfahre des Assassinen Aguilar de Nerha. Mit Hilfe einer neuen Technologie, dem sogenannten Animus, kann Cal in die Erinnerungen seines Vorfahren eintauchen. Dadurch soll er der Organisation den Aufenthaltsort des sagenumwobenen Edenapfels zeigen.

Spieleverfilmungen haben es nicht leicht, denn die Gamer hängen an ihren Spielen und sehen es nicht gerne, wenn sie „missbraucht“ werden. So scheiterte bisher eine Spieleverfilmung nach der nächsten, da sie es nicht schafften sowohl Handlung als auch Actionelemente richtig zusammen zu basteln. Filme, wie Silent Hill oder Resident Evil waren da noch etwas erfolgreicher, hatten aber nicht mehr viel mit den ursprünglichen Spielen zu tun. Nun hat sich Ubisoft an der Verfilmung ihrer beliebten Spielereihe Assassin’s Creed versucht.
Der Film lässt den Zuschauer direkt in eine alte vergessene Welt eintauchen, nach Spanien zur Zeit der Inquisition. Dort lernen wir das Kredo der Assassinen (Assassin’s Creed) kennen, die gerade beraten, wie sie den Edenapfel am besten beschützen können. Dann gibt es einen Zeitsprung in die 1980er Jahre und wir lernen Cal Lynch als Junge kennen, der gerade miterleben musste, wie sein Vater seine Mutter ermordet hat. Dort bekommt man schon den ersten Hinweis auf Cals Blutlinie. Es folgt ein weiterer Zeitsprung in das Jahr 2016, in den Todestrakt eines Gefängnisses. Dort lernen wir Callum Lynch als erwachsenen Mann kennen, der kurz vor der Todesstrafe steht und Besuch von einem Pater bekommt. Kurz darauf bekommt er die Todesspritze, erwacht aber doch wieder. Dr. Sophia Rikkin erklärt ihm, dass er hingerichtet wurde und daher für die Welt außerhalb ihrer Institution nicht mehr existent ist. Während Lynch noch versucht die ganzen Informationen zu verdauen, wird er an den Animus angeschlossen, eine Maschine, die ihn mit den Erinnerungen seines Vorfahren Aguilar de Nerha verbindet. Dieser hat im Spanien des 15. Jahrhunderts zusammen mit dem Kredo der Assassinen den sagenumwobenen Edenapfel vor der Kirche versteckt. Nun will Rikkin zusammen mit ihrem Vater Alan Rikkin, beide Mitglieder eines Templerordens, den Aufenthaltsort durch Lynch herausfinden. Doch nicht nur im Animus muss sich Lynch allerhand Gefahren stellen, denn in der Einrichtung selbst befinden sich andere Nachfahren, die das Geheimnis um den Edenapfel um jeden Preis beschützen wollen.
Assassin’s Creed versucht die Fehler früherer Spieleverfilmungen zu umschiffen und schreibt eine umfangreiche Handlung und baut lange Actionsequenzen und Verfolgungsjagden im Animus mit ein, leider machen sie dabei ihre eigenen Fehler. Denn die Handlung selbst spielt praktisch nur in der Gegenwart in der Forschungseinrichtung und die Action findet beinahe ausschließlich in der Vergangenheit statt. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht, weil die Handlung immer wieder für die Actionsequenzen unterbrochen wird und nicht stringent erzählt wird. Auch ist die Handlung durch viele Charaktere, die nicht richtig vorgestellt werden, mitunter chaotisch und unübersichtlich. Es bleibt lange Zeit unbegreiflich, welche Charaktere nun genau welche Ziele verfolgen und warum sie handeln, wie sie handeln. Das ganze kann auch nicht als stilistisches Mittel gewertet werden, denn das Wissen, um die Charaktere stellt einen Grundpfeiler des Verstehens der Handlung dar. Auch widerspricht diese strikte Trennung dem Spielprinzip von Assassin’s Creed, in der es grundsätzlich immer eine Rahmenhandlung außerhalb des Animus gab, aber die meiste Zeit im Animus stattfand. So fehlt im Film einfach das richtige Feeling.
Was man Assassin’s Creed lassen muss, ist die Optik. Denn gerade die Szenen in der Vergangenheit im Spanien des 15. Jahrhunderts sind ein Augenschmaus auf der Leinwand und heben sich vom Alltagsbrei ab. Auch die Kämpfe im Animus sind sehr gut choreographiert. Auf den langen Verfolgungsjagden über die Dächer der Stadt bleibt die Kamera fast durchgehend an den Darstellern und baut nur wenige Schnitts ein, was ein sehr hohes Niveau widerspiegelt.  So ist zumindest für das Auge etwas positives im Film zu finden.

Alles in allem kann Assassin’s Creed Nicht-Kenner der Spiele maximal optisch noch begeistern, Kenner der Spiele dürften auch davon nicht zu überzeugen sein. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Maresi – Das Lied der Insel

Durch Zufall sprang mir neulich dieses Buch ins Blickfeld und das Cover sprach sofort meine verträumte Seite an. Auch der Klappentext klang nach einer schönen Fantasy-Lektüre, womit feststand, dass ich das Buch lesen möchte.

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Maresi lebt in einer Welt, in der Frauen nichts wert sind und die Männer den Ton angeben. Doch es gibt einen Ort, der sich diesen Regeln nicht beugt. Das rote Kloster auf der Insel Menos nimmt nur Mädchen auf und lehrt sie, gibt ihnen Hoffnung und Essen. Die Insel lebt in Frieden, bis eines Tages Jai Zuflucht sucht.

Maresi – Das Lied der Insel ist geschrieben von der Finnin Maria Turtschaninoff wurde in Finnland und Schweden mehrfach preislich gekürt und war auch für den Astrid Lindgren Memorial Award nominiert. Trotz der finnischen Herkunft der Autorin schreibt sie ihre Bücher auf schwedisch. Wahrscheinlich ist der Schreibstil im schwedischen Original auch durchaus lesenswert, in der deutschen Übersetzung wirkt er aber etwas sehr einfach. Ähnliche Phänomene sind mir bereits bei anderen Büchern aufgefallen, die aus dem schwedischen übersetzt wurden. Der Schreibstil ist schnörkellos und orientiert sich sehr an dem Satzstellungsgrundprinzip, keine Schachtelsätze, aber auch kaum Nebensätze. Ein Beispiel:

Wir sind hier im Kloster zum großen Teil Selbstversorgerinnen. Das Meer und die Berge liefern uns Muscheln und Vogeleier, Beeren und Früchte. Wir haben unsere Ziegen für Milch und Käse und Fleisch, und in einem der Täler zwischen dem Kloster und dem Einsamem Tempel bauen wir Gemüse an.

Maria Turtschaninoff: Maresi – das Lied der Insel, München 2016, S. 51

Dadurch fehlt Nähe und Empathie zum Geschehen und den Figuren. Aber das dürfte grundsätzlich ein Problem der Übersetzung sein.
Andererseits zeigt sich durch das Zitat auch, dass Hauptproblem des Buches: Die unendlich scheinende Einleitung. Auf ca. 150 von 231 Seiten wird die Insel, das Kloster, die Charaktere und vor allem in aller Ausführlichkeit das Klosterleben vorgestellt. Erst danach beginnt die eigentliche Handlung. Diese wird sehr einfach auf ca. 50 Seiten abgehandelt, und es bleiben noch ca. 30 Seiten für das abschließende Nachgeplänkel. So liest man Seite um Seite über das Klosterleben, was nach den ersten Seiten sehr eintönig wird und wenig Abwechslung und praktisch keine Spannung bietet. Auch hat man 150 Seiten Einleitung und erfährt über die von Turtschaninoff erschaffene Welt doch praktisch nichts. Durch einzelne Dialoge erfährt man grob, wie das Frauenbild in der Welt ist und was es für verschiedene Ethnien gibt. Politische, wirtschaftliche und religiöse Ansichten außerhalb des Klosters werden gar nicht angesprochen. Dadurch wirkt die Welt sehr belanglos und beliebig austauschbar. Sie hat keinerlei Relevanz für die Geschichte. Und so plätschert die nicht vorhande Handlung über die Hälfte des Buches hin, ehe das erste Mal etwas relevantes oder handlungsähnliches passiert. Auf ca. 50 Seiten wird die Insel angegriffen. Hier werden Freundschaft, Zusammenhalt und auch die Thematik des Ehrenmordes aufgegriffen, aber auch nicht näher und vor allem nicht kritisch behandelt. Denn dafür bleibt nicht der Platz, den die Themen benötigen würden.
Leider bleiben alle Figuren das ganze Buch über sehr eindimensional. Sie alle wurden nur für eine Aufgabe erschaffen und handeln genau danach. So fehlt dem Leser auch für praktisch alle Charaktere Empathie, Zuneigung und vor allem fiebert man mit keinem mit. Es ist einem egal, ob jemandem etwas passiert oder nicht, was dem Todesstoß eines jeden Buches gleich kommt.
Wirkliche Fantasyelemente bleiben auch aus. Einzig die Welt scheint neu geschaffen zu sein und auch die Religion des roten Klosters. Doch da beides wenig Raum einnimmt und daher beliebig austauschbar ist, wirkt es nicht wie ein Fantasybuch. Wer also nach dem Klappentext eine interessante Fantasyhandlung erwartet, wird stark enttäuscht.

Alles in allem hat mich das Buch sehr enttäuscht, da ich zum einen etwas ganz anderes erwartet hatte, und zum anderen, da das Buch einfach nicht überzeugen konnte.

„Maresi – das Lied der Insel“ wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

Westworld

Meine Twitter und Facebooktimeline ist bereits seit ein paar Wochen voll mit Jubelausrufen über die neue HBO-Serie „Westworld“, die nicht selten als das neue „Game of Thrones“ bezeichnet wurde. Als Sky zu Weihnachten die Serie endlich auch mit deutschem Untertitel herausbrachte, nutze ich die paar freien Tage und überzeugte mich selbst von der Qualität.

Dolores Abernathy scheint auf dem ersten Blick ein ganz normales Leben in den USA zur Zeit des Wilden Westens zu leben. Doch ihr Leben ist voller Leid und Tod. Denn Dolores ist Teil des großen Freizeitparks „Westworld“, in dem die Reichen für gutes Geld in die Vergangenheit eintauchen können, um den „realen“ Wilden Westen zu erleben. Dolores Erinnerung wird jeden Tag zurückgedreht, so dass sie jeden Tag das gleiche erleben kann, ohne sich an den vorherigen Tag zu erinnern. Doch merkt sie wirklich nicht, was mit ihr geschieht?

Da Game of Thrones sich doch langsam aber sicher dem Ende zuneigt, hat HBO nun ein neues Großprojekt, das ordentlich Geld einspielen soll. Aber zunächst hat HBO ordentlich Geld in die Serie gesteckt – und das sieht man ihr auch an. Denn zunächst wurde eine Reihe namenhafter Schauspieler ausgewählt, allen voran Anthony Hopkins. Nachdem Hopkins in letzter Zeit sein Können an eher schwache Filme verschenkte, kehrt er nun als Schöpfer des „Westworld“-Parks Dr. Robert Ford zurück und schafft es, wie seinerseits als Hannibal Lector, einen Charakter zu schaffen, bei dem wir nie genau wissen, was er denkt, fühlt oder plant. Aber auch Namen, wie Ed Harris, Jeffrey Wright, James Marsden und Thandie Newton zeigten den guten Schauspielcast der Serie. Andere Namen, wie beispielweise Evan Rachel Wood, die die Protagonistin Dolores spielt, waren mir vorher komplett unbekannt, konnten aber auch allesamt überzeugen.
Westworld beginnt sehr langsam und führt den Zuschauer ruhig in die Welt ein. Der Zuschauer lernt zunächst „Westworld“ selbst kennen und erst als man selbst merkt, dass etwas nicht stimmen kann, wird dem Zuschauer auch die Welt um Westworld herum vorgestellt. Zumindest die Produktionseinrichtung, denn das Gebäude wird nie verlassen. So weiß der Zuschauer zwar, dass die Serie in der Zukunft spielt, sieht aber die grundlegenden Veränderungen außerhalb nicht (das wäre mal ein interessanter Ansatz für die zweite Staffel). Nach circa der Hälfte der Staffel wechselt Westworld das Tempo. Während sich vorher hauptsächlich auf die Vorstellung der Möglichkeiten des Parks und der guten Einführung der Charaktere konzentriert wurde, wird nun der Haupttwist der Serie eingeführt. Damit einhergehend steigt die Spannung um ein vielfaches auf ein sehr hohes Niveau. Da sich im Laufe der Serie mehrere Handlungsstränge ergeben, die erst im großen Showdown wieder zusammengeführt werden, ist für jeden ein passendes Thema dabei. Auch führt dies dazu, dass man gerade mit einem Handlungsstrang mitfiebert, dann zu einem anderen geschaltet wird, und man vorm Fernseher sitzt und diesen anmault, dass man aber wissen will, wie es mit dem anderen weitergeht. Grundsätzlich sind aber alle Handlungen so spannend gestaltet, dass man sowieso bei allen wissen will, wie sie weitergehen.
Die Drehorte in den USA sind gut ausgewählt und führen zu einem optischen Augenschmaus vom Feinsten. Denn allein eine Kamerafahrt über Westworld bzw. über einen Nationalpark in den USA lohnt sich anzusehen. Auch die scheinbare Endlosigkeit des Parks begeistert beim Sehen der Serie. Auch die Requisiten im Park und die Maschinen zur Schaffung der Hosts leben von einer Liebe zum Detail und sorgen dafür, dass sich die Serie qualitativ vom Alltagsbrei abhebt.

Alles in allem kann Westworld begeistern und ist eine Serie, die süchtig macht. An Game of Thrones kommt sie jedoch nicht heran.