Französische Komödien sind in letzter Zeit auch so eine Sache für sich. Seit dem riesen Erfolg von Monsieur Claude und seinen tausend Fortsetzungen bin ich eher skeptisch. Doch ein Film, der sich mit Menschen mit Behinderungen auseinander setzt? Das kann ordentlich in die Hosen gehen, oder wir hätten endlich mal eine gute Repräsentation. Und was soll ich sagen: Es ist tatsächlich zweiteres geworden. Alles weitere dazu findet ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Pablo und Lucien haben frisch ein Juweliergeschäft ausgeraubt. Um vor der Polizei zu fliehen geraten sie in den Bus einer Gruppe Menschen mit Behinderung, die auf dem Weg ins Sommercamp ist. Während Pablo sich ebenfalls als behindert ausgibt, mimt Lucien dessen Sonderpädagoge. Dabei werden sie mit ihrer eigenen Weltsicht konfrontiert und erleben ein unvergessliches Abenteuer.
Meine Meinung
Ableismus ist überall. In unserer Sprache („Ey bist du behindert?“ als Beleidigung) und Barrierefreiheit ist in den wenigsten Fällen gegeben. Videos ohne Untertitel, Leitstreifen, die ins Nichts führen oder gar von Pfeilern unterbrochen werden oder der Arzt, dessen Praxis nur über Stufen zu erreichen ist. Diese Aufzählung könnte ich noch ewig weiterführen und das sind nur die Dinge, die mir als Nicht-behinderte Person auffallen. Jedes Jahr versuche ich im Juli zum Disability Pride Month Repräsentative Darstellungen in Medien zu finden und habe jedes Jahr das Problem etwas zu finden. Sichtbarkeit ist einfach nicht gegeben. Umso schöner ist es, wenn Filme gedreht werden, die sich bewusst auf die Präsenz von Charakteren mit Behinderung stürzen und dabei nicht außer Acht lassen, dass jede Behinderung anders ist. Ähnlich wie beim deutschen Film „Die Goldfische“ landen wir diesmal wieder in einer Reisegruppe von Menschen mit Behinderungen. Etwas andere Prämisse und etwas mehr Respekt den Charakteren gebenüber werden uns verschiedene Krankheitsbilder vorgestellt und auch die verschiedenen Arten von Betreuung. Dabei wird deutlich gemacht, dass eine Überbetreuung auch nicht richtig ist, sondern ein gesundes Maß gefunden werden muss. Natürlich ist das ganze eine Komödie, aber hier konnte man auch einfach ganz befreit lachen, weil der Film es sehr gut schafft, sich eher über die Vorurteile und Klischees lustig zu machen als über die Charaktere mit Behinderung. Über den übereifrigen Betreuer, der dadurch aber auch nicht auf die Bedürfnisse der Mitreisenden eingeht, oder auch über andere Menschen im Supermarkt, die sich am „Anders“ sein unserer Gruppe zu stören scheinen. Über ihre Engstirnigkeit, die aufs Korn genommen wird, kann man sehr gut lachen und der Film dreht es immer wieder so, dass man über Handlungen und nicht über Behinderungen lacht. Damit schafft er den feinen Spagat, wie es nur wenige Filme mit ähnlicher Prämisse schaffen. Es wäre keine französische Komödie, wenn er es nicht an der ein oder anderen Stelle überspitzt. So wird für Pablo ein anderer Reisender „vergessen“, der kurzerhand mit einer Reisegruppe in Ballermann-Manier mitreist. Hier hatte ich zunächst Bedenken, aber er wird auch in die Reisegruppe gut integriert und hat den Spaß seines Lebens. So schafft Was ist schon normal? der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, für mehr Inklusion zu werben und trotzdem gut zu unterhalten. Einen Blick ist diese kleine Perle auf jeden Fall wert!
Das Fazit
Was ist schon normal? ist eine runde Komödie, die sich gegen Ableismus ausspricht und für mehr Inklusion wirbt, einfach, in dem sie eine gut gestrickte Handlung schafft, die den Witz auf die Außenstehenden schiebt und die Gruppe einfach eine gute Zeit haben lässt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.
Was ist schon normal? läuft seit dem 05.09.2024 in den deutschen Kinos
Das Drama mit den Videospielverfilmungen geht in die nächste Runde. Als jemand, der kaum zockt, geht die Diskussion wie spielnah ein Film ist, meist an mir vorüber. Bei mir ist dann eher die Frage, funktioniert es als Verfilmung, also aus filminszenatorischen Gesichtspunkten. Bei Borderlands kann man jedoch nur von einem Reinfall auf ganzer Strecke sprechen. Warum, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Die kopfgeldjägerin Lilith muss auf ihren Heimatplaneten Pandora zurückkehren, der eine Hochburg von kriminellen Banden ist. Sie soll die Tochter eines einflussreichen Bösewichts zurückbringen. Vor Ort muss sie jedoch feststellen, dass der Auftrag nicht so leicht zu erledigen ist, wie erhofft.
Meine Meinung
Eli Roth dürfte dem ein oder anderen vielleicht etwas sagen als der Regisseur der Hostel Filme, oder anderer Slasher Filme, wie zuletzt Thanksgiving. Sein letzter Film im Fantasy Bereich war 2018 „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“, der mit Jack Black und Cate Blanchett lockte, letztlich aber keine gute Geschichte erzählte, obwohl allerlei Ansätze da waren. Eben dieser lockte nun die Gamer ins Kino mit einer Verfilmung einer beliebten Spielereihe. Mich lockte er trotz eines bereits sehr durchwachsenen Trailers vorallem mit Cate Blanchett. Weil die Granddame Hollywoods würde sich ja wohl kaum für einen kompletten Reinfall hergeben. Aber wie bereits 2018 wurde ich enttäuscht, wenn auch diesmal deutlich schlimmer. Und wieder waren die Ansätze eindeutig vorhanden, nur wurden sie zu gunsten billiger Gags und sinnloser Schlachten nicht genutzt. Aber fangen wir am Anfang an. Wir bekommen die Geschichte des Planets Pandora im Schnelldurchlauf erzählt, damit alle auch auf dem gleichen Stand sind. Dann lernen wir auch schon Lilith kennen, die sich gut durchchoreographiert durch eine reine CGI Welt schießt. Die eigentlich sehr toughe Frau wird natürlich innerhalb eines kleines Gesprächs „überredet“ auf ihren Heimatplaneten zurückzukehren. Die ganze Mission gerät in kürzester Zeit außer Kontrolle und die meisten Missverständnisse hätten hier in einem guten Dialog geklärt werden können. Stattdessen wird sich weiter untereinander bekämpft, wobei ein Charakter unsympathischer ist als der Nächste. Wir haben absolut keine Identifikationsfigur und der Ausgang wurde mir von Minute zu Minute egaler. Jeder Ansatz eines Gesprächs wird durch das plötzliche Auftauchen irgendwelche Gegner gestört, damit es auch ja keine vorzeitige Lösung gibt. Aber wer glaubt, dass es damit getan ist: Nein! Weil der ganze Film noch nicht langweilig, unorganisiert und viel zu gestreckt ist, bekommen wir noch ein Finale, das so abgedreht ist, dass man darüber nur noch den Kopf schütteln kann. Keine Ahnung, wie viel Gage Cate Blanchett hierfür bekommen hat, aber es war eindeutig zu wenig. Am Ende bleibt einem nicht einmal eine gute Optik oder irgendetwas, was man positiv herausstellen könnte. Also bleibt mir nur eins zu sagen: Spart euch das Geld!
Das Fazit
Borderlands verliert auf ganzer Ebene, schlechtes CGI, unsympathische und langweilige Charaktere, eine unorganisierte Handlung und das auch noch sehr gestreckt. Lasst einfach die Finger von dem Streifen. Dafür gibt es 02 von 10 möglichen Punkten.
Borderlands läuft seit dem 22.08.2024 in den deutschen Kinos
Nachdem Vorreiter Disney selbst mit Pixar in letzter Zeit überwiegend hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, trauen sich nun die anderen Studios mit ihren Geschichten in die Kinos und schaffen es neue originelle Geschichten anzubieten. So nun Dreamworks, die sich endlich von ihren immergleichen Charakteren gelöst haben und mit der wilde Roboter einen Volltreffer gelandet haben. Warum das so ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Nach einem Schiffsunglück landet der Roboter Rozzum 7134 auf einer einsamen Insel. Diese ist fernab von Menschen, aber dafür voller Tiere. Da der einzige Existenzgrund für einen Rozzum das Erledigen von Aufgaben ist, versucht sie diese in der Tierwelt zu finden, was zu einigen Missverständnissen führt. Bis sie auf ein Gänseei trifft und die Aufgabe bekommt sich um das Küken zu kümmern.
Meine Meinung
Seit 1998 versucht sich Dreamworks als Konkurrent zu Disney und Pixar und stieg sehr schnell auf computeranimierte Filme um. Dabei waren es eher ihre großen Franchises und Reihen, die funktionierten, dafür aber bis zum bitteren Ende ausgeschlachtet wurden. Shrek, Madagascar, Kung Fu Panda oder auch Drachenzähmen leicht gemacht, sind da sehr prominente Namen. Doch zwischendurch sind es die kleineren Filme, die überraschen können. So zuletzt geschehen mit Der wilde Roboter. Hier wurde sich ein Buch als Vorlage genommen und mit Chris Sanders einem alten Disney-Veteranen, der mit dem Konzern aber inzwischen eher auf Kriegsfuß steht und bei Dreamworks auf mehr künstlerische Freiheit hoffte. Und das konnte er hier auch ausleben. Mit Einflüssen von niemand geringerem als Ghibli-Legende Hayao Miyazaki und auch des Malers Claude Monet wird hier eine wunderbare Optik geschaffen. Zusammen mit der supersüßen Geschichte des Kinderbuchautors Peter Brown kam ein Animationsfilm, der mit ziemlicher Sicherheit Kandidat für den nächsten Oscar ist. Aber fangen wir noch einmal von vorne an. Zunächst erfahren wir über Ort und Zeit des Films nicht viel, aber wir lernen mit Rozzum 7134 eine künstliche Intelligenz kennen, die darauf programiert ist, alle möglichen Probleme zu lösen. Die Tierwelt ist ihr unbekannt und so tappt sie zunächst in allerlei Fettnäpfchen. Erst später lernt sie mit den Tieren zu kommunizieren, was aber nur bedingt hilft, da ihre Lebensweise sich noch immer stark von den Tieren unterscheidet. Ihr einziger Daseinsgrund ist es Aufgaben zu erledigen, aber die Tiere haben eher Angst vor ihr. So ist es eine Geschichte über das Anders sein, über das Ausgeschlossen werden und wie man sich dennoch annähert. Es geht um Freundschaft, um Hilfsbereitschaft, um die Evolution, um Familie und das ganze in einer menschenfreien Insel. Dabei ist alles sehr liebevoll verpackt, auch wenn einige Dialoge doch etwas schwarzhumorig geraten sind, was aber wohl eher den erwachsenen Zuschauenden auffallen dürfte. Denn trotz der Vielzahl der Themen ist der Film an keiner Stelle überladen, sondern baut sich Stück für Stück auf. Manche Themen werden auch erst später noch mit eingeworfen und bringen den Film noch einmal auf eine weitere Ebene. Und auch, wenn er größtenteils auf einer guten Humorebene läuft, sollte man die Taschentücher nicht vergessen.
Das Fazit
Der wilde Roboter vereint Humor, eine gute Aufarbeitung von Themen, wie Familie, Freundschaft und Evolution, und eine gute Portion Drama und ist so einer der innovativsten und intensivsten Animationsfilme der letzten Jahre. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.
Der wilde Roboter läuft seit dem 03.10.2024 in den deutschen Kinos
Und da ist der spooky Monat schon wieder vorbei, der Herbst wandelt sich langsam von golden zu kahl und ich hab zumindest ein paar spooky Sachen geschaut bzw. gelesen – Hauptsächlich für die Horrorwochen, aber wir wollen mal nicht kleinlich sein. Allgemein bin ich wieder mehr zum lesen als zum schauen gekommen, aber das ist ja auch nichts ungewöhnliches mehr.
Filme – auf großer Leinwand gesehen
Joker 2 – Folie á deux: Arthur Fleck ist im Gefängnis und erwartet seine Verhandlung. Der Umgangston ist rau, einziger Lichtblick sind die Gesangsstunden, bei denen er Harleen „Len“ Quinzel trifft, die ganz fasziniert vom Joker ist. Doch während des Prozesses hadert er immer mehr mit sich. Ist er der Joker oder doch einfach nur Arthur? – Leider sehr langatmig und mit sehr später Pointe, kann nicht an den ersten Teil ranreichen.
Der Buchspazierer: Carl Kollhoff spaziert für eine kleine Buchhandlung jeden Tag durch die Stadt und liefert Buchbestellungen aus. Die Stammkundschaft hat von ihm inzwischen Namen aus Büchern bekommen, so schaut er regelmäßig bei Mr. Darcy oder Frau Langstrumpf vorbei. Dabei wahrt er stets eine höfliche Distanz. Bis er auf die neunjährige Schascha trifft, die ihn gern begleiten möchte und durch ihre quirlige Art seinen Alltag ordentlich auf den Kopf stellt. – Sehr schöner und emotionaler Film mit tollen Aussagen und viel Liebe zum Buch.
Der wilde Roboter: Nach einem Schiffsunglück landet der Roboter Rozzum 7134 auf einer einsamen Insel. Diese ist fernab von Menschen, aber dafür voller Tiere. Da der einzige Existenzgrund für einen Rozzum das Erledigen von Aufgaben ist, versucht sie diese in der Tierwelt zu finden, was zu einigen Missverständnissen führt. Bis sie auf ein Gänseei trifft und die Aufgabe bekommt sich um das Kücken zu kümmern. – Das zweite Highlight diesen Monat, supersüßer Animationsfilm, bei dem wohl kein Auge trocken bleiben dürfte.
Filme – auf großem Fernseher gesehen
Der Untergang des Hauses Usher (1928): Familie Usher bestehend aus Roderick und Madeline Usher sitzen entspannt beim Abendessen. Dabei befallen Madeline ungewöhnliche Bilder, die sie in den Wahnsinn und schließlich in den Tod treiben. Roderick befürchtet nun das gleiche Schicksal. Der Reisende besucht ihn und versucht zu helfen. – Etwas wirre Darstellung der Geschichte, aber in der Kürze alles drin.
Die Verfluchten: Philip Winthrop hat sich mit Madeleine Usher verlobt und reist zu dem Landsitz der Familie, um sie abzuholen. Doch vor Ort verhalten sich der Butler und vorallem Madeleines Bruder Roderick sehr merkwürdig und erzählen etwas von einer seltsamen Krankheit. Philip will es nicht glauben und versucht alles, um seine Verlobte zu retten. – Gute Verfilmung der Kurzgeschichte von Poe.
Serien – ein etwas ausführlicherer Überblick
Erneut gesehen habe ich: Modern Family – Staffel 9 (Noch immer ne gute Sitcom für nebenbei) und Alexa & Katie – Staffel 1 (Tolle Sitcom mit schwierigem Thema)
Black Butler – Staffel 1 (Die Grundidee mochte ich, aber die Umsetzung war mir zu langatmig. Auch die einzelnen Folgen ziehen sich leider zwischendurch sehr)
Criminal Minds – Staffel 9 (Hält das Niveau der Serie gut und schafft es weiterhin interessante neue Fälle zu bieten)
Are you sure – Staffel 1 (Viel Essen, wenig Handlung, und doch funktioniert das Konzept durch die Herzlichkeit der Hosts)
Geschichte mal anders – Staffel 1 (Interessanter Ansatz und gute Themenauswahl. Allerdings mehr zur Unterhaltung als zur wirklichen Wissensvermittlung)
Untergang des Hauses Usher – Miniserie (Spannende Umsetzung diverser Werke von Edgar Allen Poe mit interessanter Übertragung in die heutige Zeit)
Erneut gelesen habe ich Das Eche der Schuld (Solider Charlotte Link Roman, der viel über Melancholie und die Schuldfrage zu sagen weiß)
Yadriel & Julian: Yadriel entstammt einer Dynastie an Brujx, die dafür zuständig sind Geister in die Totenwelt zu geleiten. Doch Yadriel wird die Zeremonie verweigert, da er trans ist. Und bei seiner ersten Beschwörung erwischt er gleich noch den falschen Geist. Und Julian denkt gar nicht daran sich erlösen zu lassen. – Am Anfang habe ich ein bisschen gebraucht, um reinzukommen, aber die Geschichte entwickelt sich schnell zu einem tollen Buch mit wichtigen Aussagen zu trans Personen.
Mermaid Melody 1 – Pitchi Pitchi Pitch: Luchia hat den Menschenjungen Kaito bei einem Schiffsunglück gerettet. Dafür musste sie ihm ihre Perle geben, die für Meerjungfrauen eine wichtige Bedeutung hat. Jahre später wird sie in die Menschenwelt geschickt, um eben jede wiederzufinden. Dabei trifft sie auch wieder auf Kaito. – Das war damals mein erster Manga, daher aus Nostalgie nochmal geholt. Hat mich leider doch abgeschreckt, da die Handlung sehr wirr ist und gefühlt alle Charaktere gleich aussehen.
A Spark of Time 2 – Ein Date mit Mr. Darcy: Lilly hat Damiens Identität aufgedeckt. Und während sie nichts mehr mit ihm zu tun haben möchte, verfolgt Damiens Vater weiter seine bösen Machenschaften. Letztlich nimmt er Lillys Vater als Geisel und zwingt beide Kinder dazu in die Regency Zeit zu reisen, um ein letztes Zahnrad aufzuspüren. Dabei treffen sie auf Lillys großes Vorbild Jane Austen und deren Familie. – Wieder gute Grundidee, aber die Umsetzung hat deutliche Mängel. Wird durch den guten Schreibstil etwas gerettet.
Haikyu! 6: Nach dem Spiel gegen die Dateko hat die Karasuno Oberschule sehr gute Laune. Doch ihr nächster Gegner ist nicht zu unterschätzen. Schließlich handelt es sich dabei um die Aoba-Josei und gerade Tobio hat eine persönliche Fehde gegen die Schule. – Obwohl ich den Ausgang kannte, schafft der Manga es einen in Atem zu halten.
Mord im Pfarrhaus: Colonel Protheroe, ein nicht unbedingt geschätzter Zeitgenosse mit einer Menge Einfluss in St. Mary Mead, wird ermordet im Pfarrhaus aufgefunden. Der Pfarrer mit einem unschlagbarem Alibi begleitet daraufhin die Polizei bei den Ermittlungen. Dabei fischen sie ziemlich im Trüben. Zum Glück wohnt Miss Marple nicht weit und weiß immer wieder kluge Hinweise zu geben. – Auch, wenn Miss Marple hier noch eine ziemliche Nebenrolle spielt, war es ein interessanter Krimi mit überraschender Auflösung.
Die Morde in der Rue Morgue: Der Detektiv Auguste Dupin liest in der Zeitung von einem unlösbarem Doppelmord. Durch Kontakte bekommt er die Möglichkeit selbst vor Ort zu ermitteln und stößt auf einige Ungereimtheiten. – Poes Krimi kam zunächst sehr gewöhnlich daher, hatte aber wohl die überraschendste Auflösung aller Zeiten.
Night of Shadows and Flames 1-2 – Der wilde Wald & Die ewige Nacht: Billie ist eine Hexe. Diese werden von den Vampiren als Sklavinnen gehalten. So landet sie bei einer Auktion bei dem gut aussehendem und einflussreichem Vampir Tian. Doch nicht nur er, sondern auch sein bester Freund Jamie löst Gefühle in Billie aus. Doch sie hat geschworen alle Vampire zu vernichten. – So richtig warm bin ich mit Laura Labas neuster Reihe nicht geworden. Das könnte an der High Fantasy Welt liegen, denn ich kann nicht sagen, dass die Bücher wirklich schlecht sind.
Die Gesetze der Magie: Willow will nichts weiter als ihren Doktor am Trinity College machen. Doch trotz der Zusage hat ihr Professor sie nicht aufgerufen. Kurz darauf landet sie an einem geheimen College, wo die Gesetze der Magie mithilfe der verschiedenen Naturwissenschaften erforscht werden. Doch ein plötzlicher Todesfall lässt das Institut unruhig werden. – Leider eine ziemliche Enttäuschung. Ich mochte die Idee und es hatte gute Ansätze, aber die Umsetzung war sehr emotionslos und das hat mich nicht überzeugt.
My Home Hero 3: Tetsuo wird von der Yakuza weiterhin bewacht und bedroht. Doch für das Wohl seiner Familie treibt er seinen Plan immer weiter. – Diesmal kam die Handlung nicht so richtig in Schwung, ich hoffe auf den nächsten Band.
Fangirl 3: Nach Levys Betrug zieht sich Cath noch mehr zurück. Dann bekommt sie einen Notruf ihren Vater betreffend und stellt alle Lebensentscheidungen in Frage. Können ihre neuen Freunde sie auffangen? – Wieder ein sehr intensiver Band mit einer tollen Geschichte und einer sehr nachvollziehbaren Protagonistin.
Haunted Reign: Zoey versucht verzweifelt zu vergessen, dass ausgerechnet ihre beste Freundin hinter den Intrigen steckte. Auch zu Dylan geht sie auf Distanz. Doch als ein Turnier an der Everfall Academie ansteht, sieht sie ihre Chance fehlende Punkte für ihr Zeugnis nachzuholen. Doch schon bei der ersten Prüfung kommt es zu Problemen, die nicht nur sie in Lebensgefahr bringen. – Leider eine ziemliche Enttäuschung. Die Geschichte ist vollkommen überladen, daher wirkt nichts richtig ausgearbeitet. Hier fehlen locker 200 Seiten, wenn nicht sogar ein eigenständiger dritter Band.
Ich warte auf dich, Haru: Eric versinkt gern in Tagträumen. Nach einem Verlust, der ihn den Boden unter den Füßen wegreißt, denkt er immer wieder an Haru, einem jungen Mann, den er vor Jahren in Tokyo über den Weg gelaufen ist. Bis dieser wirklich vor ihm steht. Nur, kann ihn kein anderer sehen. – Nach Bleib bei mir Sam, wieder eine sehr traurige Geschichte, die so viel unterschwellig sagt. Haltet die Taschentücher bereit!
Stellen Sie die Sirenen aus, mein Kind macht Mittagsschlaf!: Wer kennt sie nicht, die Helikoptereltern. Das Autorinnenduo hat wieder allerlei Anekdoten gesammelt und in diesem Buch aufbereitet. – Leider eher nichtssagend und unreflektiert. Aber zum nebenbei hören und ab und an schmunzeln doch ganz okay.
Nachdem ich die Monsterwochen im letzten Jahr pausiert habe, geht es dieses Jahr weiter. Zwar nicht direkt mit Monstern, aber dafür wieder mit einem Klassiker aus dem Bereich Horror bzw. Schauerroman, den ich lese und mir dann verschiedene filmische Interpretationen dazu anschaue. So waren es in den Jahren zuvor bereits Dracula, Frankenstein, Das Phantom der Oper und Das Bildnis des Dorian Gray. Eine weitere Änderung in diesem Jahr ist, dass ich die vier Versionen aus zeitlichen Gründen lediglich in zwei Beiträgen erläutern werde.
Und damit Vorhang auf für den zweiten Part zu „Der Untergang des Hauses Usher“
Die populärste Verfilmung
Die Handlung: Philip Winthrop hat sich mit Madeleine Usher verlobt und reist zu dem Landsitz der Familie, um sie abzuholen. Doch vor Ort verhalten sich der Butler und vorallem Madeleines Bruder Roderick sehr merkwürdig und erzählen etwas von einer seltsamen Krankheit. Philip will es nicht glauben und versucht alles, um seine Verlobte zu retten.
„Unsicherheit, wie nur das Erlöschen aller lebendigen Impulse sie hervorruft, zu jener Art entschlossener Knappheit, jener abgehackten, gewichtigen, schleppenden und hohlen Aussprache, jenem bleiernden, schwerfälligen und moduliert-gaumigem Tonfall,den man sonst nur bei haltlosen Trinkern oder unverbesserlich Opiumsüchtigen im Zustand höchster Erregung beobachten kann.“*
Meine Meinung: Wenn man nach Verfilmung zur Kurzgeschichte sucht, kommt „Die Verfluchten“ als eines der meisten Suchergebnisse. In 76 Minuten verfilmte Roger Corman – der übrigens eine beeindruckende Geschichte hat und Hollywood nachhaltig veränderte – die 25 Seiten Geschichte und schafft es dabei den Fokus genau richtig zu legen. Denn die Änderung den eigentlich namenlosen Erzähler, der ein alter Freund von Roderick ist, umzuändern in Philip Winthrop, den Verlobten von Madeleine, lässt mehr Spielraum, um die Geschichte zu erzählen. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern, die beide auf ihre Weise versuchen Madeleine zu schützen – wir erinnern uns, dass der Film von 1960 ist – funktioniert hervoragend und gibt der Geschichte weit mehr Tiefe als die Buchvorlage bot. So haben wir trotz der Kammerspielartigen Kulisse, da das Haus kaum verlassen wird, immer wieder erschreckende Momente, denn die Charaktere können einfach aus dem Nichts auftauchen und verschwinden. Und gerade weil Roderick und Philip eher im Streit sind, ergibt sich auch Konflikt und Dialog. So bleibt der Kern der Geschichte erhalten und wird soweit ausgeschmückt, um einen kompletten Film zu erzählen.
„Seine erregte und zerrüttete Vorstellungsweise verlieh allen Dingen einen schwefligen Schimmer; seine langen, improvisierten Sterbegesänge werden mir immer in den Ohren klingen.“*
Funfact zu Edgar Allen Poe: Poes Tod ist so mysteriös wie seine Geschichte. Er war zuvor tagelang verschwunden, trug die Kleidung eines Anderen und wurde als sehr verwirrt beschrieben. Da das Krankenhaus seine Unterlagen verlor, ist die genaue Ursache bis heute unbekannt.
Funfact zu Untergang des Hauses Usher: Es wird gemutmaßt, dass Poe sich bei der Geschichte stark an „Das Raubschloss“ des deutschen Autors Heinrich Clauren orientiert hat, da es im Aufbau sehr ähnlich ist und die Geschichte auch ins englische übersetzt wurde.
Die Serienverfilmung
Die Handlung: Roderick Usher ist CEO von Fortunato Pharmaceuticals, einem milliademschweren Unternehmen, das sich gerade in einem Gerichtsverfahren wiederfindet. Auch hat er frisch den Tod seiner sechs Kinder zu betrauen. In einer regnerischen Nacht legt er vor dem ermittelndem Staatsanwalt eine umfangreiche Beichte ab und erzählt dabei auch, wie seine Kinder ums Leben kamen.
„“Ob ich es höre? – Oh doch, ich höre es und habe es gehört. Lange schon – lange – viele Minuten, viele Stunden, viele Tage höre ich es schon – doch ich wagte nicht – so habt doch Mitleid mit dem Elenden, der ich bin! – Ich wagte nicht zu sprechen!“*
Meine Meinung: Netflix Werbekampagne hat Früchte getragen, denn mir fiel noch vor der Recherche zu verschiedenen Verfilmungen sofort diese Serienumsetzung ein. Dabei fand ich es von Anfang an befremdlich, dass eine Kurzgeschichte in acht Folgen umgesetzt werden sollte. Und auch der Beginn sah so aus, als würde sich gerade einmal das Grundgerüst an die Vorlage halten. Tatsächlich ist es aber auch genauso gewollt. Netflix wählte zwar den Titel „Untergang des Hauses Usher“, aber eigentlich ist es eine Verfilmung von acht verschiedenen Kurzgeschichten inklusive des wohl bekanntesten Gedichts Poes „Der Rabe“. So begab ich mich auf weitere Recherche und las vor den Folgen jeweils die dazugehörigen Geschichten. Und den Machern der Serie ist es wirklich gut gelungen durch die familiären Strukturen und der Rahmenhandlung die verschiedenen Motive gekonnt einzusetzen. Da die Handlung in die Gegenwart geholt wurde, konnte viel mit den Motiven und die Übertragung dieser in die heutige Zeit gespielt werden, was die Serie auch gekonnt umzusetzen weiß. Unterschwellig ist auch viel Gesellschaftskritik vorhanden, die den finalen Schliff gibt.
„Als läge ein Zauber im Schrei seiner Worte, öffnete im gleichen Moment die schwere alte Tür, auf die er deutete, langsam ihre mächtigen Ebenholzkiefer.“*
Funfact zu Edgar Allen Poe: Obwohl Poe zum Release von Der Rabe bereits seit zwanzig Jahren veröffentlichte, bekam er lediglich 9 Dollar für sein Werk.
Funfact zu Untergang des Hauses Usher: Alle in der Serie vorkommenden Charaktere tragen Namen, die Anspielungen auf Poes Leben oder seine Werke sind.
Kennt ihr die Werke?
*Zitate aus: „Der Untergang des Hauses Usher und andere fantastische Geschichten“ von Edgar Allen Poe in der Ausgabe des Coppenrath Verlags 2024.
2019 brachte Todd Phillips seine Version des wohl bekanntesten Bösewichts aus dem Batman Universum auf die große Leinwand. Dabei handelte es sich um ein erstaunlich gut funktionierendes Drama mit einer großen Portion Gesellschaftskritik. Gerade Hauptdarsteller Joaquin Phoenix gab hier alles und so wurde es ein Film, der im Gedächtnis blieb. Nun sollte es eine Fortsetzung geben und zuvor gab es jede Menge Gerüchte rund um ein Musical, wofür auch Lady Gaga gecastet wurde. Die ersten Kritiken waren vernichtend und nun war für mich die Frage: Wird es wieder nur eine enttäuschende Fortsetzung? Die Antwort findet ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Arthur Fleck ist im Gefängnis und erwartet seine Verhandlung. Der Umgangston ist rau, einziger Lichtblick sind die Gesangsstunden, bei denen er Harleen „Len“ Quinzel trifft, die ganz fasziniert vom Joker ist. Doch während des Prozesses hadert er immer mehr mit sich. Ist er der Joker oder doch einfach nur Arthur?
Meine Meinung
Wenn ein Regisseur sagt, dass er keine Lust hat ein Sequel zu drehen, und sich der Hauptdarsteller dieser Meinung anschließt, dann ist das eigentlich ein sicheres Zeichen, dass man den Stoff liegen lassen sollte. Aber wenn ein Film nun einmal gute Zahlen schreibt, dann wollen die Studios auf der Erfolgswelle weiter surfen. Und so konnten Phillips und Phoenix doch noch überredet werden und setzten sich an den zweiten Teil zu Joker. Doch wo ansetzten und worauf soll es hinauslaufen? Diese Frage hat uns Regisseur Todd Phillips zwar erst ganz zum Schluss beantwortet, aber vorher bietet er uns 138 Minuten voller Gefängnisdrama, Gerichtsdrama, Liebesgeschichte und Musical. Und gleichzeitig bietet er uns … Nichts. Denn was dem Film fehlt, ist irgendwie der rote Faden. Grundsätzlich ist er erstmal viel zu lang, die Aufmerksamkeit im Publikum nahm merklich ab und mit jeder weiteren Gesangsnummer wurde das Geseufze lauter. Denn diese tragen nicht, wie angenommen, das Geschehen und bringen die Handlung voran, sondern werden immer dann eingesetzt, wenn die Zuschauenden im Unklaren gelassen werden sollen, wie viel Joker in Arthur Fleck steckt. Wenn durch einzelne Zeugenaussagen Trigger ausgelöst werden und er sich in eine Traumwelt flüchtet, wo er noch immer der starke Joker ist. Leider werden die einzelnen Songs dann auch noch komplett ausgespielt und auch wenn sie in der Regel gut geschrieben, und gerade von Lady Gaga auch gut vertont sind, eine bunte und aufregende Performance bieten, so tragen sie doch nicht weiter zur Geschichte bei. Das hätte auch wesentlich reduzierter stattfinden können. Auch das Gefängnisdrama und der Part im Gericht wirkt sehr künstlich gestreckt und kommt erst ganz am Schluss mit einer Aussage daher. Wir bekommen zwar wieder viel von Joaquin Phoenix unfassbar gutem Schauspiel geboten und es wird auch wieder gezeigt, welche Abgründe die Menschheit bietet, diesmal vorrangig in Form der Gefängniswärter. Doch all das reicht nicht, um eine spannende oder zumindest interessante Handlung zu bieten. Stattdessen glaubt man überall kleine Anzeichen einer Botschaft von Phillips zu spüren, doch bei genauerem Nachdenken bleibt nicht viel Übrig. So haben wir einen Film, der eigentlich ständig nur sagt: Sehr her, ich bin nicht das, was ihr erwartet habt oder was ihr euch gar erhofft habt. Damit ist er in seiner Gesamtheit nicht unbedingt schlecht, nur sehr gewöhnungsbedürftig und wie bereits erwähnt auch einfach zu lang. Und vielleicht lernt Hollywood ja daraus und lässt Sequels liegen, wenn Regisseure und Hauptdarstellende von Anfang an sagen, dass sie keine Lust darauf haben.
Das Fazit
Joker 2 – Folie á deux kommt nicht so richtig in Schwung, macht einige Ebenen auf, kann aber keine wirklich zufriedenstellend abschließen. Immer wieder künstlich gestreckt ist der Film auch einfach zu lang und schafft es erst in den letzten Minuten auf den Punkt zu kommen. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.
Joker 2 – Folie á deux läuft seit dem 03.10.2024 in den deutschen Kinos
Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich diesen Trailer gesehen habe, unzählige Male habe ich die immer gleiche Geschichte angeteasert bekommen. Und ich hatte so Lust auf diesen Film. Es klang nach einer schönen kleinen Perle eines deutschen Studios, das sich von der Masse der Komödien abheben könnte. Gleichzeitig war die Angst groß, dass der Film die Handlung nicht tragen könnte. Warum diese Befürchtung ungerechtfertigt war, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Carl Kollhoff spaziert für eine kleine Buchhandlung jeden Tag durch die Stadt und liefert Buchbestellungen aus. Die Stammkundschaft hat von ihm inzwischen Namen aus Büchern bekommen, so schaut er regelmäßig bei Mr. Darcy oder Frau Langstrumpf vorbei. Dabei wahrt er stets eine höfliche Distanz. Bis er auf die neunjährige Schascha trifft, die ihn gern begleiten möchte und durch ihre quirlige Art seinen Alltag ordentlich auf den Kopf stellt.
Meine Meinung
Ein Film über Bücher? Da war ich doch direkt dabei. Gut, es geht vielleicht nicht direkt um Bücher, aber es geht um die Menschen, die Bücher und Geschichten lieben und wie diese die Menschen beeinflussen können. Es ist eine Hommage an die ganzen Klassiker und an die kleinen Inhabergeführten Buchhandlungen, die nicht auf reine Massenabfertigung setzen. Aber beginnen wir am Anfang. Eine Erzählstimme erklärt uns zunächst den Alltag von Carl Kollhoff. Wir lernen ihn als den Buchspazierer kennen, und als Mann, der Bücher ganz im allgemeinen liebt. Gleichzeitig ist er verschlossen und kurz angebunden, wenn auch sehr höflich dabei. Dann lernen wir Schascha kennen, die ebenfalls eher verschlossen ist, da sie in ihrer neuen Klasse noch keinen Anschluss gefunden hat. Auch ihre Liebe zu Büchern ist sofort erkennbar, was an der Erziehung der inzwischen verstorbenen Mutter liegt. Hier kommt also früh das Thema Trauer und Trauerbewältigung ins Spiel. Während Schascha sich eher verschließt und die Nähe von einem anderen Buchliebhaber sucht, in diesem Fall dem Buchspazierer, trotz des gewaltigen Altersunterschieds, blockt ihr Vater alle Gespräche zu dem Thema ab. In seinen Augen sollte seine Tochter einfach weitermachen und wieder lachen und lebensfroh sein. Dass dies nicht so einfach ist und wie man besser mit Trauer umgehen kann, wird hier nach und nach entschlüsselt und kommt so neben einer sehr süßen Geschichte auch mit einer tollen Botschaft daher. Aber auch darüber hinaus lernen wir die Lesenden nach und nach besser kennen und erfahren ihre Hintergrundgeschichten. Dabei wird der ein oder andere Konflikt vielleicht etwas leicht gelöst, was aber zur beschwingten Grundstimmung passt. Denn wir haben hier teilweise heftige Themen, dennoch ist es in großen Teilen ein Feelgood-Film. Auch, wenn man für das Ende besser eine große Packung Taschentücher bereit halten sollte. Umrahmt wird das Ganze von der großen Liebe zu den Büchern, auch wenn über ihre Inhalte nicht so viel erzählt wird und man einige Andeutungen vermutlich besser versteht, wenn man bereits einige Klassiker der Weltliteratur gelesen hat. Zeitgleich geht es auch um die Kommerzialisierung von Buchhandlungen, was soweit geht, dass es in der vorher gut sortierten Stadtbuchhandlung auf einmal alles gibt, außer Bücher. Insgesamt ist der Buchspazierer ein Film über Freundschaft, Trauerbewältigung und Bücher. Das Ganze wird sehr locker erzählt, nimmt seine Themen aber durchaus ernst. Es gibt verschiedene Betrachtungsweisen, die gehört werden, und dabei keinen direkten erhobenen Zeigefinger. Stattdessen sind es die Charaktere, die einen spielend leicht ans Herz wachsen und das emotionale Finale, das diesen Film zu etwas ganz besonderem macht und einfach eine schöne Geschichte erzählt. Ich habe jede Minute genossen.
Das Fazit
Der Buchspazierer ist einer dieser kleinen Filmperlen, die einfach so viel Liebe und Herzlichkeit in sich bergen, dass sie einen sehr berühren. Mit einer guten Portion Fröhlichkeit und dem Gegenpart der schweren Themen schafft der Film die Balance und findet einen Weg direkt ins Herz. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.
Der Buchspazierer läuft seit dem 10.10.2024 in den deutschen Kinos
Ein alterner Schauspieler, der es sich nicht eingestehen mag, flache Witze und ein bisschen Familiendramatik. Eigentlich hatte Die Ironie des Lebens alles für eine schlechte deutsche Komödie. Herausgekommen ist ein Film, der irgendwie nicht ins Klischee passt, aber auch nur bedingt darüber hinauswächst. Was der Film letztlich alles kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Edgar tourt mit Ende 60 noch immer durch Deutschland und macht seinem Ruf als erfolgreicher Comedian alle Ehre. Doch abseits der Bühne ist er in sich gekehrt und einsam. Bis er nach 25 Jahren wieder auf seine Ex-Frau trifft, die unheilbar an Krebs erkrankt ist. In ihren letzten Tagen kommen sie sich wieder näher und Eva beschließt spontan ihn auf seiner Tour zu begleiten.
Meine Meinung
Nach dem Trailer war für mich eigentlich klar, dass wir wieder eine typische deutsche Komödie bekommen würden, diesmal mit einem Uwe Ochsenknecht, dem man sein Alter inzwischen halt auch ansieht. Zum Kinofest für einen günstigen Preis habe ich mir dann doch ein Ticket gekauft und war auf das Schlimmste gefasst. Nur, dass das Schlimmste gar nicht eingetreten ist. Stattdessen präsentiert sich der Film erstaunlich nachdenklich und reklektiert die Handlungen der einzelnen Charaktere. Aber von Anfang an. Zunächst lernen wir Edgar kennen. Er ist Comedian, aber inzwischen ein bisschen in die Jahre gekommen. Das will er jedoch nicht einsehen, ebenso wenig, wie die Einsamkeit in seinem Leben. Lieber lenkt er sich auf der Tour durch die Aufmerksamkeit ab, die ihm zuteil wird. Bis auf einmal seine Ex-Frau wieder in sein Leben tritt. Sie teilt ihm mit, dass sie erkrankt ist und sich aber gegen die Behandlung entschieden hat. Das kann Edgar aber nicht zulassen und versucht sie nun umzustimmen. Dabei muss er sich mit seinen Kindern auseinander setzen, die sich von ihm entfremdet haben, da er sie noch in ihrer Kindheit verlassen hat. Gerade dadurch wird auch das gesamte Drama deutlich. Während seine Tochter alles eher locker nimmt und mit einer schrittweisen wieder Annäherung keine Probleme hat, blockt der Sohn alles ab, da er sich noch genauer an die vielen gebrochenen Versprechungen erinnern kann und gerade die Verwertung seiner Mutter in Edgars Bühnenprogrammen als problematisch ansieht. Dabei ist es aber gerade Eva, die Ex-Frau und Mutter, die sehr still bleibt und vieles über sich erzählen lässt, aber dennoch wird deutlich, dass sie mit ihrer Entscheidung zufrieden ist. Sie lebt ihre letzten Tage so, wie sie ihr vorheriges Leben gelebt hat, und scheint keine verpassten Chancen zu bereuen. Dabei ist es gerade Corinna Harfouch und ihr sehr bedachtes Spiel, was dem Film die nötige Tiefe gibt. Uwe Ochsenknecht wird seiner Rolle als Edgar durchaus gerecht. Dabei verkörpert er gut die Grobheit des Charakters, der seine narzistischen Charakterzüge zwar hinterfragt, aber nicht eingedämmt bekommt. Dadurch bekommt der Film auch noch die Ebene der Angehörigen, die alle unterschiedlich reagieren. So richtig schafft Die Ironie des Lebens es leider nicht eine Aussage zu treffen und über die Grundaussage hinwegzukommen. Aber trotz des schweren Themas, ist der Film sehr lebensbejahend. Und statt sich von Witz zu Witz zu hangeln, bleibt der Humor rein auf der Bühne von Edgars Shows. Darüber hinaus ist der Film sehr nachdenklich, hätte aber an einigen Stellen nochmal entschiedener auftreten können.
Das Fazit
Die Ironie des Lebens nimmt sich dem schweren Thema an, setzt dieses auch aus verschiedenen Blickwinkeln um. Dabei ist es der nachdenkliche Ton, der gut funktioniert, aber es fehlt ein wenig die Entschlossenheit wirklich von der üblichen deutschen Komödie abzulassen. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.
Die Ironie des Lebens läuft seit dem 05.09.2024 in den deutschen Kinos
Nachdem ich die Monsterwochen im letzten Jahr pausiert habe, geht es dieses Jahr weiter. Zwar nicht direkt mit Monstern, aber dafür wieder mit einem Klassiker aus dem Bereich Horror bzw. Schauerroman, den ich lese und mir dann verschiedene filmische Interpretationen dazu anschaue. So waren es in den Jahren zuvor bereits Dracula, Frankenstein, Das Phantom der Oper und Das Bildnis des Dorian Gray. Eine weitere Änderung in diesem Jahr ist, dass ich die vier Versionen aus zeitlichen Gründen lediglich in zwei Beiträgen erläutern werde.
Und damit Vorhang auf für „Der Untergang des Hauses Usher“
Die Buchvorlage
Die Handlung: Der namenlose Erzähler reist zum Anwesen der Familie Usher, die sein Jugendfreund Roderick Usher und seine Zwillingschwester Madeline bewohnen. Ein Brief von Roderick hatte ihn hergebeten, doch er muss erkennen, dass die letzten lebenden Ushers sehr krank sind. Ein Sturm zieht auf und der Erzähler muss den Untergang des Hauses hautnah miterleben.
„Was war das nur – ich hielt inne, um darüber nachzugrübeln -, was mochte es sein, das mich Anblick des Hauses Usher so bedrückte?“*
Meine Meinung: Poe gilt nicht nur als Begründer des Kurzromans, er hat eben diese auch perfektioniert. In meiner Ausgabe ist der Untergang des Hauses Usher gerade einmal 25 Seiten lang und schafft es doch ab der ersten Seite eine Beklemmung auszulösen, ohne, dass Poe diese genauer beschreiben muss. Im Gegenteil es ist gerade seine zugegebene Unfähigkeit dieses genauer zu erläutern, die es noch realer wirken lässt. Auch weiß er mit der Grundangst der Menschen vor Krankheit und Tod zu spielen. Dabei muss er die Krankheit, die die Familie Usher heimsucht, gar nicht benennen. Allein der stetige Gedanke, dass es gesundheitlich zu Ende geht und damit auch die Erblinie komplett ausgelöscht wird, schafft es die Charaktere an den Rande des Wahnsinns zu treiben. Und nachdem man sich darauf eingelassen hat, schafft er es dann doch noch in einer stürmischen Nacht den wahren Horror herauszuholen, der mehr ist als nur die Metaebene der Geschichte.
„Ich musste mich endlich mit der unbefriedigenden Folgerung begnügen, dass völlig simple und unnatürliche Dinge in bestimmter Anordnung zweifellos die Macht haben, in solcher Art auf uns zu wirken; dass aber ein Ergründen dieser Macht jenseits unserer Fähigkeiten liegt.“*
Funfact zu Edgar Allen Poe: Er ist berühmt geworden für seine Schauerkurzgeschichten und gilt als Meister der Metaebene. Doch auch das Krimigenre hätte es ohne seine Ideen so vielleicht nie gegeben. Sei es Doyles Sherlock Holmes oder Christies Hercule Poirot, sie alle basieren in irgendeiner Weise auf Poes Arthur Gordon Pym.
Funfact zu Untergang des Hauses Usher: Viele Motive der Geschichte sind biographisch entstanden und daher nicht rein als Effektsteigerung zu verstehen. DIe Liebe unter nahen Verwandten basiert zum Beispiel auf seiner Ehe mit seiner jüngeren Cousine und auch Opiumrausch ist dem Autor nicht fremd gewesen.
Die erste Verfilmung
Die Handlung: Familie Usher bestehend aus Roderick und Madeline Usher sitzen entspannt beim Abendessen. Dabei befallen Madeline ungewöhnliche Bilder, die sie in den Wahnsinn und schließlich in den Tod treiben. Roderick befürchtet nun das gleiche Schicksal. Der Reisende besucht ihn und versucht zu helfen.
„Zweifellos war ich mir der abergläubischen Furcht – weshalb sollte ich sie nicht bei diesem Namen nennen? – bewusst, die in mir aufstieg, und zweifellos begünstigte gerade dieses Wissen ihre beklemmende Zunahme.“*
Meine Meinung: Bei der gesehenen Version handelt es sich um die erste amerikanische Verfilmung von 1928. Die französische Verfilmung aus dem gleichen Jahr konnte ich nicht auftreiben. In 13 Minuten wurde die Geschichte nachempfunden, was bei einer Kurzgeschichte durchaus ausreichend sein kann. Durch den Stummfilm gab es keine erklärenden Dialoge und es wurden auch keine Dialogtafeln eingeblendet, wodurch die Handlung ein bisschen schwierig zu entwirren war. Denn um den aufkommenden Wahnsinn der beiden Geschwister darzustellen wurden oft einzelne Bilder übereinander gelegt und ineinander verwoben, wodurch aber die Kulissen schwerer auszumachen waren. Wirklich folgen konnte ich der Handlung nur, weil ich die Buchvorlage vorher gelesen hatte. Da es nur Innenaufnahmen gab, war die Ankunft des Reisenden nicht nachvollziehbar, auch fehlt dadurch die bedrückende Stimmung durch das einschüchternde Haus an sich. Der Film zählt zu den ersten avantgardistischen US-Filmen und das merkt man auch. So fasst die Verfilmung zwar die Grundzüge der Kurzgeschichte zusammen, aber nicht auf wirklich verständliche oder nachvollziehbare Weise.
„Bei meinem Eintreten erhob sich Usher von einem Ruhebett, auf dem er ausgestreckt gelegen hatte, und begrüßte mich mit lebhafter Wärme, die, wie mir anfangs schien, viel von übertriebener Herzlichkeit an sich hatte – von dem gekünstelten Bemühen des blasierten Weltmannes.“*
Funfact zu Edgar Allen Poe: Poe hatte ein Glückspielproblem. Seine Schulden versuchte er mit dem Geld für die Universität zu begleichen, doch sein Ziehvater merkte dies, nachdem Poe immer mehr Geld forderte und drehte ihm schließlich den Geldhahn zu. Dadurch verlor er sein Studium.
Funfact zu Untergang des Hauses Usher: Der Ich-Erzähler wird als Außenstehender eingeführt und erzählt die Geschichte sehr rational, weswegen es den Lesenden so erscheint, als ob noch mehr Geheimnisse zu erkunden sind, die aber offen bleiben.
Da die ganzen Remakes und Reboots im Kino nicht mehr so richtig zogen, wurde es nun Zeit für Filme, die im 20. Jahrhundert gut funktionierten, aber damals dann noch nicht ausgeschlachtet wurden, nun ihre zweiten Teile bekommen. Eines der Werke ist nun Beetlejuice geworden. Immerhin mit Originalregisseur Tim Burton mit an Bord. Warum den Film wohl keiner gebraucht hat, er aber doch gut funktioniert hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Zur Beerdigung ihres Vaters reist Lydia Deetz zurück in das Haus ihrer Kindheit. Mit dabei sind ihre Stiefmutter und ihre rebellische Tochter Astrid. Vor Ort gibt es dann auch allerlei Drama, was Astrid zur Flucht bringt. Doch kurz darauf gerät sie in ernsthafte Gefahr und ihrer Mutter bleibt nichts anderes übrig als Beetlejuice zu rufen. Dieser erträumt sich noch immer eine Hochzeit mit ihr und sieht seine Chance gekommen.
Meine Meinung
Beetlejuice war einer der Tim Burton Filme, die ich erst ziemlich spät entdeckt hatte. So fehlte mir wohl die gewisse nostalgische Note, weswegen ich dem Film weit weniger abgewinnen konnte, als anderen Filmen des Kultregisseurs. In Vorbereitung auf den zweiten Teil habe ich ihn auch noch ein weiteres Mal geschaut und habe zwar die vielen Anspielungen verstanden, konnte mich aber dennoch nicht richtig mit der Handlung anfreunden. Dennoch war ich gespannt auf den zweiten Teil. Dieser spielt viele Jahre nach dem ersten, so dass bekannte Gesichter, deren Schauspielenden durchaus gealtert sind, auch wieder gut eingebunden werden konnten. Zunächst mussten also alle alten und neue Akteure vorgestellt werden. Hier wurde sich zwar Mühe gegeben auch neue Zuschauenden mit abzuholen, dennoch ist das Vorwissen aus dem ersten Film durchaus angebracht, um die genaue Konstellation zu verstehen. Sobald wird es zurück an den Schauplatz aus dem ersten Teil schaffen, kommt dann auch die Handlung so langsam in Schwung. Zwar durchaus chaotisch und so richtig ist erstmal nicht zu erkennen, worauf es hinauswill. Zumindest Michael Keaton hat durch den Kultstatus um seine Figur durchaus profitiert, denn er hat diesmal deutlich mehr Leinwandzeit bekommen und durfte bereits vor seiner ersten Rufung agieren. Und im Grunde hat der zweite Teil auch eine überschaubare Grundhandlung, die relativ gut funktioniert. Nur, dass sie nicht für einen kompletten Film gereicht hat und so noch unzähllige Nebenhandlungen aufgemacht werden, die den Film auf eine noch immer überschaubare Länge von 105 Minuten gebracht hat. Aber abgesehen von einer sehr gut inszenierten Auftaktserie, war die ganze Handlung rund um Beetlejuice Ex-Frau sehr ins Leere laufend. Zumal das Finale dann auch sehr schnell geklärt war, wofür aber alles etwas zu stark aufgebaut wurde. Ich könnte hier noch allerhand Kleinigkeiten aufzählen, die in der Gesamtheit deutliche Einbußen bei Logik und Handlungsfokus hatten. Aber – und das ist ein großes Aber – ich hatte während des Schauens auch einfach Spaß! Die Witze haben funktioniert, waren gut aufgebaut, es war spannend, und wusste auch stets zu überraschen. Die Charaktere waren zwar wieder alle überzeichnet, aber auf eine so herrliche Art, dass es gut funktioniert hat. So war Beetlejuice Beetlejuice vielleicht nicht der beste Film aller Zeiten und hat auch mit deutlichen Logiklöchern und losen Handlungssträngen zu kämpfen, kann aber durch seine Skurilität überzeugen und schafft es einfach einen unterhaltsamen Film auf die Kinoleinwand zu bringen. Das ganze System rund um die Bürokratie im Jenseits wurde nochmal deutlich ausgebaut und funktioniert durch die Nähe zur Realität einfach zu gut.
Das Fazit
Beetlejuice Beetlejuice ist ein Sequel, das nach all den Jahren zwar keiner brauchte, aber durch ausreichend lustige Einfälle durchaus zu unterhalten weiß, solange man über diverse Logiklöcher hinwegschauen kann. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.
Beetlejuice Beetlejuice läuft seit dem 12.09.2024 in den deutschen Kinos