Meine Monsterwochen #3: Die filmischen Anfänge

Herzlich Willkommen zum dritten Teil meiner Monsterwochen. Heute soll es um die filmischen Anfänge gehen.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in sechs Beiträgen um Dracula und Frankenstein in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und Dracula und Frankensteins Monster sind wohl prominente Vertreter des Genres! 

Nosferatu – Symphonie des Grauens

Ein Vorwort

1922 erschien die erste heute noch existierende Verfilmung von Bram Stokers Klassiker. Tatsächlich gab es 1921 mit „Draculas Tod“ bereits einen ungarischen Stummfilm, der allerdings als verschollen gilt. Widmen wir uns also der Version von Friedrich Wilhelm Murnau, dessen Stiftung diesen Klassiker aufbereitete und fehlende Zwischensequenzen ersetzte. Es war übrigens gleichzeitig auch mein allererster Stummfilm, weswegen ich noch aufgeregter war. 

Die Handlung

Der Häusermakler Knock (Alexander Granach) erhält einen Auftrag vom Grafen Orlok (Max Schreck) aus den Karpaten. Dafür schickt er seinen Mitarbeiter Thomas Hutter (Gustav von Wagenheim) zum Grafen. Dieser landet nach langer Reise in der Burg und steht dem Grafen gegenüber. Dieser ist sehr an Hutters Blut und seiner Frau Ellen (Greta Schröder) interessiert und unterschreibt den Immobilienvertrag. Dann reist der Graf nach Wisborg und bringt Unheil über die Stadt.

Meine Meinung

Nosferatu ist eine sehr freie Adaption des Stoffes von Stoker. Das merkt man schon daran, dass die Namen und Handlungsorte geändert und angepasst wurden. Trotzdem bleibt das Grundkonstrukt erhalten. Gerade die Reise Harkers/Hutters zum Grafen Dracula/Orlok ist sehr ähnlich. Während sie im Buch jedoch nur einen kleinen Teil einnimmt, dauert sie hier einen Großteil des Films. Umso abweichender ist der restliche Film, schließlich war keine Zeit mehr um die restlichen 400 der 500 Buchseiten zu verfilmen. Hier entfällt die Geschichte rund um Lucy Westera gänzlich. Ebenso werden die Herrschaften Arthur Holmwood und Quincey Morris vollständig gestrichen. Dr. Sewart und Dr. Van Helsing treten in Prof. Bulwer als eine Person auf, mit sehr wenig Screentime. 
Wenn man sich bewusst macht, dass es sich um eine solch freie Adaption handelt, dann funktioniert Nosferatu erstaunlich gut. Er orientiert sich an dem Grundthema des Buches, der Faszination des Grafen für Mina Harker/Ellen Hutter. Nosferatus Aussehen ist abstoßend und so sonderbar, dass er kaum für einen normalen Menschen gehalten werden kann, was die sexuelle Anziehung im Keim erstickt. Stattdessen wird sich mit Bildern und Musik auf den Horroraspekt gestützt. Das funktioniert mit den damaligen Mitteln erstaunlich gut, wohl auch weil Schreck weiß, wie er allein das Aussehen seines Nosferatus auf die Zuschauer wirken lassen muss, ohne große Gesten.

Das Fazit

Die Adaption ist sehr lose, das Grundthema nicht wirklich aufgegriffen, aber wenn man sich davon löst und den Film als frühen Vertreter des Horrorgenres annimmt, dann funktioniert er gut. 

Frankenstein

Ein Vorwort

Die Version von 1931 mit Boris Karloff in der Hauptrolle ist genau genommen nicht ganz die erste Verfilmung des Stoffes von Mary Shelley. Bereits 1910 wurde ein 13-minütiger Kurzfilm gedreht. Mit 71 Minuten ist die Version von 1931 allerdings die erste abendfüllende Verfilmung, daher will ich mich dieser widmen. Im Gegensatz zu Nosferatu befinden wir uns hier inzwischen in der Tonfilmzeit.

Die Handlung

Der junge Wissenschaftler Henry Frankenstein (Colin Clive) experimentiert abgeschieden und nur mit seinem Gehilfen Fritz (Dwight Frye) um aus menschlichen Leichen Leben zu erschaffen. Dafür besorgt Fritz ein Gehirn aus einem Vorlesungssaal. Kurz vor der Vollendung werden die beiden von Henrys Verlobter Elizabeth (Mae Clarke) und Doktor Waldmann (Edward Van Sloan), der die Vorlesung mit den Gehirnen hielt, überrascht. Sie wohnen dem Experiment bei, Waldmann ist aber besorgt, weil Fritz das Gehirn eines Mörders entwendet hat. Das Experiment gelingt und das Monster wird eingesperrt, kann aber weniger später entkommen.

Meine Meinung

Als ich die Vorlage zu Frankenstein las, war ich etwas überrascht, wie weit sie doch von meiner Vorstellung entfernt war. Das große Experiment, der Blitzschlag, alles fehlte und war in wenigen Sätzen abgearbeitet, der Gehilfe – in meiner Vorstellung der bucklige Igor – fehlte und das Monster war weniger Monster, als vielmehr einsam und durch die Abneigung der Menschen grausam geworden. Nach der Sichtung des Films weiß ich, dass dieser einfach viele Dinge abgeändert hat, die wiederum übernommen wurden und so den eigentlichen Mythos um Frankensteins Monster schufen, und nicht das Buch selbst. 
Diese Erkenntnis macht den Film gleich noch spannender, da er es geschafft hat durch seine Abweichungen und Neuinterpretationen dem ganzen eine völlig neue Richtung zu geben. Problematisch wird es allerdings dadurch, dass die grundlegende Frage des Buches wer denn nun das Monster von beiden ist, Wissenschaftler oder Kreatur, gänzlich ausgespart wurde. Stattdessen schafft Boris Karloff es, sein Monster mit einer kindlichen Naivität zu spielen, so dass die Sympathien schnell bei ihm liegen. 
Wir haben hier also eine Verfilmung die gerade wegen und nicht trotz ihrer vielen Änderungen gegenüber des Buches einen Klassiker geschaffen hat. Ob man die „Wer von beiden ist das eigentliche Monster“-Frage wirklich durch ein „Macht ein Mördergehirn einen zum Mörder“ ersetzen musste, möchte ich hier mal offen lassen. 

Das Fazit

Es wurden minimale Stellen aus dem Buch herausgegriffen und neu zusammengesetzt, ausgeweitet und dadurch wurde der heute bekannte Frankensteinmythos geschaffen. Dadurch wurde ein zeitloser Horrorklassiker geschaffen, der bis heute an vielen Stellen inspiriert. 

Talus

Ein Vorwort

Ich will schon seit vielen Jahren einmal nach Schottland. Und dieses Jahr hätte es soweit sein können, die Reise nach Edinburgh war bereits gebucht. Aber wie bei so vielen anderen hat Corona meine Reisepläne gecancelt. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als zumindest durch Buchwelten in die Stadt einzutauchen. Und Talus wollte mich nicht nur nach Edinburgh mitnehmen, sondern auch noch in eine magische Welt unter Edinburgh. Wie mir das Buch in die magische Welt gefallen hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Die Touristenführerin Erin glaubt an Magie, wird dafür aber immer ausgelacht. Als sie dann aber bei einer Führung in den Vaults einem echten Geist begegnet, ist sie gar nicht mehr so begeistert. Und schon steckt sie mitten in einem Wettlauf um den magischen Gegenstand Talus zu finden. Mit dabei ist der Tarotleger Kaito, die Gebräuhexe Lu und der Schattenleser Noah. Doch Talus ist mächtig und sollte nicht in die falschen Hände geraten.

Meine Meinung

Liza Grimm schafft es spielerisch eine völlig neue magische Welt unter Edinburgh zu schaffen. Dabei hat sie sich die richtige Stadt ausgesucht, die bereits voller Mythen und Legenden ist. Gut recherchiert, Legende aufgegriffen und ein steter Glaube an die Magie. Schon haben wir mit Erin auch unsere erste der vier Protagonisten. Sie ist ein Mensch und Touristenführerin. Sie ist mit dem steten Glauben an Magie aufgewachsen, bis ihre Tante Charly erkrankte. Eben jene Frau, die sie immer bestätigte und ihr die Begeisterung für die Magie gab. Umso begeisterte ist sie, als sie nach dem Erlebnis mit dem Geist erfährt, dass es wirklich Magie gibt. Da die anderen Protagonisten alle zur magischen Welt gehören, haben wir mit Erin praktisch unseren Verknüpfungspunkt. Wenn ihr die Grundlagen der magischen Welt erklärt werden, dann werden sie dadurch auch dem Leser erklärt, ohne in ständige Ausschweifungen zu verfallen.
Weitere Protagonisten sind Kaito, ein Tarotleger, der lieber in der Menschenwelt lebt, weil er als Tarotleger automatisch einen niedrigeren Stand in der magischen Welt hat. Noah, ein Schattenleser, der von Geburt an einen hohen Stand hat und verzweifelt versucht den hohen Erwartungen seines Vaters zu erfüllen. Als er die Ermittlungen eines wichtigen Falls übernehmen darf und vom Rat der Hexen direkt dafür ausgewählt wurde, kann er sein Glück kaum fassen. Doch dieser Fall hat es in sich. Und zu guter Letzt hätten wir dann noch Lu, eine Gebräuhexe. Sie lebt gerade für zwei Jahre in der Menschenwelt, da dies zu ihrer Ausbildung gehört. Dabei ist ihr größter Wunsch eine Wasserhexe zu sein. Bis auf Kaito bekommen alle Protagonisten Kapitel, die aus ihrer Sicht erzählt wurde. Ein bisschen schade, da ich Kaito am meisten mochte und mich seine Gedanken schon sehr interessiert hätten.
Alle vier sind vom Charakter und von ihrer Geschichte her sehr unterschiedlich, aber ihre Geschichten überschneiden sich an bestimmten Stellen, so dass man erahnen kann, wo sich sich letztlich treffen werden. Wie das ganze dann aber doch geschieht, ist dann noch einmal eine völlige Überraschung und traf mich auch sehr unvorbereitet.
Über das Ende zu reden, ist nicht leicht, da hier schnell gespoilert werden kann. Sagen wir es einfach mal so: Das Buch baut sich relativ langsam auf und nimmt sich die Zeit die Charaktere, die magische Welt und die Rätsel aufzubauen, die nach und nach gelöst werden wollen. Viele Rätsel werden noch mit in den zweiten Teil genommen, einige Fragezeichen konnten aber auch gelöst werden. Dennoch ließ mich der erste Teil sehr fassungslos zurück. Da war Frau Grimm nicht nur sehr gemein zu ihren Lesern, sondern musste auch noch einen großen Cliffhanger einbauen.
Letztlich ist es eine Geschichte, die mich komplett abholen konnte, obwohl ich sonst solche Aufbaubände eher weniger mag. Aber Liza Grimm weiß es, neben dem Weltenbau und der Charakterisierung eben genug Brotkrumen zu verstreuen, um den Leser bei der Stange zu halten und durch ihren sehr schönen und flüssigen Schreibstil das Buch in einem zu verschlingen. Und nun heißt es warten auf den zweiten Teil.

Das Fazit

Talus zieht den Leser in seinen Bann und wenn man mitten in der wunderbaren magischen Welt in Edinburgh versunken ist und die Charaktere lieb gewonnen hat, ist es auch schon zu Ende – das ist übrigens positiv gemeint und ist ein deutliches Zeichen für Liza Grimms sehr schönen Erzähl- und Schreibstil.

Talus ist seit dem 01.10.2020 in allen Buchhandlungen zu finden

PS: Erinnert mich daran, demnächst nur noch Bücher zu lesen, wo der/die AutorIn die Fortsetzung bereits geschrieben hat und nicht erst noch schreiben muss…

Netflix Original: Enola Holmes

Ein Vorwort

Bevor ich überhaupt irgendetwas von dem Inhalt des Films wusste, sprangen mir bereits die Schlagzeilen über die Klage der Doyle-Erbengemeinschaft entgegen. Was war passiert? Nun vereinfacht gesagt, wird der Sherlock im Film Enola Holmes wohl relativ menschlich dargestellt, er zeige Gefühle und respektiere Frauen, was die literarische Figur wohl nur in den letzten zehn Geschichten von Doyle tat, die der Autor erst nach dem 1. Weltkrieg schrieb. Und genau an diesen hat die Erbengemeinschaft noch Rechte dran. Während andere Adaptionen, wie die BBC Serie Sherlock oder auch Elementary auch ohne es zu müssen, an die Erbengemeinschaft zahle, weigere sich Netflix hier. Wie die Geschichte ausgeht? Ich habe keine Ahnung. Ob mir der Film trotzdem gefallen hat? Oh ja, warum verrate ich euch in meiner Kritik.

Die Handlung

Enola Holmes (Millie Bobby Brown) wächst weitgehend allein bei ihrer Mutter (Helena Bonham Carter) auf, da ihre beiden älteren Brüder Sherlock (Henry Cavill) und Mycroft (Sam Claflin) bereits ausgezogen sind und der Vater früh verstarb. Dadurch wächst sie sehr untypisch für Mädchen ihrer Zeit auf. Sie kann kämpfen, spielt Tennis im Haus und lernt das Entschlüsseln von Anagrammen. Als ihre Mutter an ihrem 16. Geburtstag spurlos verschwindet, will sich Mycroft ihrer Erziehung annehmen und sie in ein Mädcheninternat stecken. Sherlock soll sich unterdessen der Suche nach der Mutter widmen. Doch Enola hat keine Lust auf das Internat und flüchtet. Mit ein wenig Geld, dass ihre Mutter für sie versteckt hatte, schafft sie es nach London und trifft unterwegs auf den ebenfalls flüchtigen Lord Viscount Tewksbury (Louis Partridge).

Meine Meinung

Ich mag Sherlock Holmes und viele seiner Adaptionen. Daher fiel mir die Entscheidung diesen Film zu sehen nicht schwer. Und ich wurde auch nicht enttäuscht. Denn Enola Holmes mag zwar „nur“ die kleine Schwester des berühmten Detektiv zu sein, aber ihre Geschichte hat den typischen Charme der Geschichten, eine schöne Geschichte, eine tolle Protagonistin und spannende Rätsel zum entschlüsseln. Aber fangen wir vorne an.
Wir lernen zunächst Enola und ihre Mutter kennen. Dabei erzählt Enola ihre Geschichte selbst und durchbricht dadurch gerne einmal die vierte Wand, was den Zuschauer von Anfang an mitten in die Geschichte eintauchen lässt. Man erfährt in kürzester Zeit alle wichtigen Informationen und schon geht die Geschichte los mit dem Verschwinden der Mutter. 
Enola ist dabei ein sympathischer kleiner Wildfang, die sich nicht an bestehende Konventionen halten will, und auch ihre Kindheit war alles andere als normal. Millie Bobby Brown schafft es die verschiedenen Stimmungen und Emotionen unserer Protagonistin sehr gut einzufangen und umzusetzen. Egal, ob sie sich als Junge verkleidet, kämpfen muss oder eine Lady spielt. Dabei muss sie sich keinesfalls hinter ihren Schauspielkollegen Cavill, Claflin oder Bonham-Carter verstecken. 
Henry Cavills Sherlock ist dann schon ein wenig seltsamer. Denn er passt nicht in das bekannte Bild des Meisterdetektivs. Das ist an dieser Stelle aber durchaus nichts schlechtes, spielt er ihn doch als eleganten Mann, der sich hinter einer eisernen Fassade versteckt und nur ganz selten Emotionen zeigt. Er ist ein sehr nachdenklicher und grüblerischer Sherlock, was zur Stimmung des Films passt und einen guten Kontrast zu Claflins Mycroft bildet. Dieser ist nämlich eine ebenfalls gewagte Darstellung. Während man vielleicht zu sehr an Mark Gatiss Darstellung aus der BBC Variante gewöhnt ist, haben wir hier zwar noch immer einen eleganten Mycroft, aber eben auch einen sehr eitlen und eingebildeten. Claflin schafft es seine Rolle an die Grenze zum Übertriebenen zu treiben, ohne diese zu überschreiten. 
Kommen wir also zur Handlung. Diese ist in mehrere Rätsel unterteilt, die gelöst werden wollen, laufen aber schließlich zu einer großen Handlung zusammen. Dabei ist sie durchgehend spannend, Enola hat einige gute Ideen zur Entschlüsselung, die auch optisch sehr gut umgesetzt wurden. Vor allem die Optik des Films sticht hervor. Man merkt, dass für den einst als Kinofilm geplanten Film ausreichend Budget zur Verfügung stand, so dass man sich an den Bildern und auch einem realistisch verdrecktem London kaum satt sehen kann. Die Rätsel reichen aus, um einen kompletten Film zu füllen, ohne das man von Schauplatz zu Schauplatz hetzen muss. 
Und zu guter Letzt möchte ich noch erwähnen, dass Burn Gorman mitspielen durfte, den ich immer wieder sehr gerne sehe. Und ja, das mag vielleicht lediglich für mich ein Pluspunkt sein, aber ich wollte es nicht unerwähnt lassen.

Das Fazit

Enola Holmes ist ein intelligent geschriebener Film mit tollen Schauspieler, schöner Optik, spannender Handlung, interessanten Rätseln und vor allem toller Protagonistin. Eine absolut Sehempfehlung! 

Meine Monsterwochen #2: Die Bücher

Herzlich Willkommen zum zweiten Teil meiner Monsterwochen. Heute soll es um die literarischen Vorlagen gehen.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in sechs Beiträgen um Dracula und Frankenstein in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und Dracula und Frankensteins Monster sind wohl prominente Vertreter des Genres! 

 

Dracula

Ein Vorwort

1897 veröffentlichte Bram Stoker sein großes Werk, nicht ahnend, dass er damit den berühmtesten Vampir der Literaturgeschichte erschuf. Seitdem wurde er unzählige Male in Film und Fernsehen adaptiert, erwähnt oder als Referenz herangezogen. Doch mit diesem Werk fing der Hype an.

Die Handlung

Der Rechtsanwalt Jonathan Harker reist von England nach Transsilvanien (Siebenbürgen, Rumänien). Dort soll er einen neuen Klienten treffen. Trotz der Warnungen der ortansässigen Bürger, gelangt er zur Burg. Dort trifft er auf Graf Dracula, einem sonderbaren Zeitgenossen. Nach und nach merkt er, dass er zu einem Gefangenen wurde und der Graf ein Vampir ist. Dieser reist schließlich, Harker zurücklassend, allein nach London und treibt dort sein Unwesen. Dabei trifft er auf die Freundinnen Lucy und Mina, wobei Mina Jonathans Verlobte ist. Als Lucy unbekannte Krankheitssymptome entwickelt, wird der Universalgelehrte Abraham Van Helsing zur Hilfe gerufen. Zusammen mit dem Irrenarzt Dr. Seward, Lucys Verlobtem Arthur Holmwood und Quincey Morris, einem Texaner, versuchen sie Lucy und Mina vor den Fängen des Grafen zu retten.

Meine Meinung

Die weitreichende Handlung Draculas auf die wichtigsten Bestandteile herunterzubrechen, ist schon ein Kunststück. Denn wenn man den anfänglichen Reisebericht Harkers erst einmal hinter sich gebracht hat, wird man schnell von der Handlung gefangen genommen. Erzählt wird sie durch verschiedene Schriftstücke. An vorderster Stelle stehen die Tagebücher von Mina, Jonathan, Dr. Seward und stellenweise Van Helsing. Unterbrochen werden sie von kleineren Berichten aus Zeitungen, Lucys Tagebuch oder dem Logbuch eines Schiffes. Alle zusammen erzählen die Geschichte. Durch die kleinen Wechsel im Schreibstil und die verschiedenen Perspektiven, erhält der Leser einen umfassenden Einblick in die Handlung. Auch die Entwicklung der Figuren kann man hierdurch gut nachvollziehen. So ist Van Helsing zum Anfang nicht der große Vampirjäger, zu dem er in späteren Interpretationen gerne gemacht wurde. Er ist ein Universalgelehrter, der seine Erkenntnisse über Vampire stetig durch die Forschung und dem Lesen anderer Erfahrungsberichte erweitert.
Besonders faszinierend ist hier der Umgang mit den Motiven der Liebe, Lust, Anziehung und Unschuld. Mit Mina Murray, später Harker, wurde zumindest ansatzweise eine starke Frau eingebracht, die zwar die gesellschaftliche Rolle als Frau einnimmt, sich aber an den Unternehmungen der Männer beteiligt, bzw. ebenfalls wichtige Rollen übernimmt. So ist Dracula eine faszinierende Mischung aus Horror- und Abenteuergeschichte, die einen stets aufs Neue überraschen, begeistern, aber auch ängstigen kann. Gerade diese abschreckende Anziehung, die der Graf auf die weiblichen Wesen ausübt, trägt wohl zur großen Faszination des Werkes bei.

Das Fazit

Dracula ist nicht umsonst ein absoluter Klassiker und grundlegende Lektüre im Horrorgenre. Aufgelockert durch die verschiedenen ErzählerInnen wechselt es zwischen Horror und Abenteuer hin und her und erzeugt dadurch eine ganz eigene Spannung, die über die gesamte Dicke gehalten werden kann.

Frankenstein

Ein Vorwort

Bereits einige Jahre vor Dracula schrieb Mary Shelley ihren Roman Frankenstein – oder Der moderne Prometheus. Geschrieben im Jahr ohne Sommer und als einziges einer Reihe von Gruselgeschichten geschrieben in eben jenem Sommer letztlich auch veröffentlicht. Dabei ist Frankensteins Monster kein klassisches Monster, denn es ist von Menschenhand erschaffen. 

Die Handlung

Auf einer Expedition in der Arktis holt die Mannschaft von Robert Walton einen jungen Mann irgendwo gefangen zwischen Tod und Wahnsinn an Bord. Es handelt sich um Victor Frankenstein, der sein eigenes Monster jagt. Nachdem er sich mit dem Kapitän etwas angefreundet hat, erzählt er ihm seine Geschichte. Wie er als junger Student forschte, um Leben zu erschaffen. Wie er sein Monster schuf und es dann sich selbst überließ. Und wie dieses beschloss sich zu rächen.

Meine Meinung

Was im Vergleich zu Dracula als erstes auffällt, ist, dass Frankenstein wesentlich dünner ist. Die Geschichte wird also auf wesentlich weniger Seiten erzählt. Das ist aber auch gut, denn die Geschichte hat wesentlich weniger Zugkraft. Auch wenn die Geschichte gleichfalls spannend ist, hapert es hier an einer spannenden Umsetzung. Während die Einleitung noch gut gelingt und man Frankenstein und seine Forschungen begleitet und hier auch noch logisch erklärt wird, warum Frankenstein in die falsche Richtung der Forschung getrieben wird, entgleitet uns der Protagonist danach zunehmend. Die in Filmen groß gezeigte Schöpfung wird in wenigen Sätzen abgehandelt und einen Igor – oder einen anderen Gehilfen – gibt es überhaupt nicht. Stattdessen haben wir einen heulenden Frankenstein, der sein Monster einfach sich selbst überlässt. 
In späteren Gesprächen mit seinem wiedergekehrten Monster wird es noch einmal spannender und auch tiefgründiger. Denn hier ist die Frage, wer das wahre Monster ist. Der es erschaffen hat und sich selbst überließ, oder das Wesen, dass überall allein wegen des Aussehens verstoßen wurde und sich dadurch immer mehr in seinen Hass verstrickt. Letztlich bleibt der Roman aber in allen Belangen oberflächlich, was schade ist. Wenn er sich aber auf etwas konzentriert, dann sind es die Gedanken und Fragen darüber, was ein Monster wirklich ausmacht. Leider wird auch der Protagonist stetig unausstehlicher in seinen Klagen. 

Das Fazit

Frankenstein oder Der moderne Prometheus ist ein Klassiker des Horrorgenres, doch der größte Horror spielt sich hier hinter den Kulissen ab. Ein unleidiger Protagonist und eine Konzentration auf die falschen Aspekte macht das Werk etwas langatmig, dennoch ist die Grundsatzfrage über das Monstersein wieder gut ausgearbeitet. 

Doctor Sleep – Kritik zu Buch & Film

Ein Vorwort

Eigentlich sollte es in dieser Kategorie ein bisschen mehr Vielfalt geben, als der dritte Beitrag über Stephen King, aber aus Doctor Sleep musste ich einfach eine Doppelkritik machen, weil ich das Buch letztes Jahr eigentlich nur in die Hand genommen habe, um es vor dem Kinostart gelesen zu haben. Dass ich den Film dann im Kino gar nicht sehen konnte, war ärgerlich, aber dafür gab es nun meine Heimkinopremiere. 

Die Handlung

Dan Torrance kennt der treue Leser noch aus Shining. Er hat die Ereignisse im Overlook-Hotel überlebt und erliegt Jahre später, wie einst sein Vater, dem Alkohol. Für einen Neuanfang zieht er in ein kleines Städtchen, wird trocken und bekommt schließlich einen Job als Pfleger in einem Hospiz. Dort macht er sich einen Namen als Doctor Sleep, weil er den Patienten in ihren letzten Minuten beisteht. Das er diese mit Hilfe seines Shinings besonders angenehm gestaltet, weiß außer ihm keiner. Er hat eine besondere Verbindung zu dem Mädchen Abra, das er noch nie gesehen hat. Sie können über ihr Shining kommunizieren. Von ihr erfährt er, dass es eine Gruppe von Wesen gibt, die sich selbst als Wahren Knoten bezeichnen, die sich vom Shining und der Angst von Kindern ernähren, da sie dadurch nicht sterben. Als der Wahre Knoten es nun auf Abra abgesehen hat, versucht Dan alles, um den Knoten entgültig aufzuhalten.

Meine Meinung zum Buch

Stephen King schreibt keine Mehrteiler und keine Fortsetzungen. So hieß es lange Zeit. Tatsächlich ist Doctor Sleep seine erste Fortsetzung. Die Geschichte, was aus dem kleinen Danny wurde, sollte einfach erzählt werden. Dabei stellt er wieder ein paar sehr ernste Beobachtungen an. Zum einen, dass Kinder mit Alkoholikern als Eltern oft ins gleiche Schema verfallen. King selbst kämpfte mit Alkohol und Drogen, weswegen er die Sitzungen der anonymen Alkoholiker im Buch auch sehr ausufernd beschreibt und die Grundsätze an vielen Stellen in die Geschichte einwebt. Zum anderen, dass das Shining bedrohlich sein kann. In diesem Fall durch den Wahren Knoten, die Kinder mit Shining suchen, quälen, töten und dann das Shining aufsaugen. Beide Beobachtungen führen zu einer logischen Schlussfolgerung, nämlich dieser Geschichte. Allerdings lebt sie hauptsächlich von Kings unfassbar gutem Erzählstil. Denn für das erzählte ist die Geschichte zu lang. Vieles hätte man weglassen können, dann wäre das Buch vielleicht ein bisschen spannender gewesen. Versteht mich nicht falsch, nach normalen Maßstäben war das Buch durchaus spannend. Wenn man es aber beispielsweise mit seinem direkten Vorfahren „Shining“ vergleicht, dann merkt man dem Buch die Längen an, da es einfach nicht die gleiche bedrohliche Stimmung schafft. Letztlich würde ich das Buch als Gut, aber nicht als Herausragend bezeichnen. King schafft es wieder auf die Charaktere und ihre Zwiespalte einzugehen und eine Fortsetzung zu schaffen, die sich von ihrem Vorgänger löst und gleichzeitig mit ihm verbunden bleibt. 

Meine Meinung zum Film

Mit Verfilmungen von Stephen King Werken ist es so eine Sache. Gerade seit dem Erfolg von dem Es-Remake sprießen sie wieder aus dem Boden. Friedhof der Kuscheltiere konnte an den Erfolg schon nicht anknüpfen. Doctor Sleep – oder Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen, wie der deutsche Verleih ihn nennt – hatte nun das Problem, das auch noch Stanley Kubricks Shining-Verfilmung irgendwo mit drin steckt. Während für viele dadurch wohl die Messlatte hoch gelegt wurde, war für mich eher das Problem, das Kubrick einige Änderungen vornahm, die nun zwangsläufig wieder mit aufgegriffen wurden. Um es kurz zu machen: Ich mag Kubricks Shining nicht. Ich gehe da ganz mit Stephen King mit, dass die Stimmung und der langsame Spannungsaufbau mit steigendem Wahnsinnslevel im Overlook-Hotel von Kubrick nicht eingefangen wurde, sondern viel zu plakativ dargestellt wurde. Für mich musste Doctor Sleep also eine Hürde mehr nehmen. 
Das vordergründigste Problem, das ich mit der Doctor Sleep Verfilmung habe, ist die Länge von 152 Minuten unter Streichung vieler interessanter Elemente. Das eine Verfilmung immer Elemente und Handlungsstränge aus einer Buchvorlage – gerade einer so umfangreichen, wie Kings – streichen muss, ist mir völlig bewusst. Aber wenn die Entscheidung nun so fiel, dann hätte der Film auch deutlich kürzer sein können. Denn die noch übrigen Elemente werden nun so langatmig erzählt, dass man bereits 90 Minuten sah und sich fragt, wann denn die eigentliche Handlung nun ansetzt. Hier wäre eine kompaktere Erzählung besser gewesen, oder wenn man die Länge hätte halten wollen, dann bitte mit mehr Inhalt. 
Das letztlich auch der finale Kampf stark vom Buch abweicht, ist dann wohl wieder Kubrick geschuldet, der einfach sein eigenes Ende schrieb und im Film daher ganz andere Möglichkeiten geschaffen wurden. Hier versucht der Film auch nochmal alles aus diesen Möglichkeiten auszuschöpfen, letztlich hat er den Zuschauer aber an diesem Punkt schon verloren, so dass der finale Kampf einen auch nicht mehr zurückbringt. 
Schauspielerisch ist der Film auf einem guten Niveau, vor allem Rebecca Ferguson merkt man ihren Spaß und ihren Enthusiasmus an ihrer Rolle deutlich an. Ewan McGregor spielt gewohnt solide, holt aus seiner Rolle aber auch nicht mehr raus. 

Das Fazit

Während das Buch sich wieder voll und ganz auf die Charaktere konzentriert und eine solide Handlung um diese baut und vor allem durch Kings Erzählstil lebt und spannend bleibt, verliert sich der Film in seiner Oberflächlichkeit. Durch die lange Lauflänge bei vergleichsweise wenig adaptiertem Inhalt kann der Film keine Spannung aufbauen.  Während das Buch wohl zu Kings schwächeren Erzählungen gehört, was aber dem ansonsten sehr hohem Niveau geschuldet ist, und trotzdem noch eine solide Leistung abliefert, ist die Verfilmung irgendwo knapp unterm Mittelmaß. 

Herbstzeit = Crimezeit – Ausgabe 2020

Ähnlich wie für mich zum Sommer meine Sommerlektüren gehören, gehören für mich zum Herbst Crimeserien. Diesmal habe ich zwar etwas geschummelt und zwei der drei Serien, die ich heute vorstellen möchte, nicht in diesem Herbst gesehen. Dennoch bleibt das Prinzip das gleiche und außerdem bin ich nebenbei auch schon an der nächsten Serie dran, die ich euch bestimmt im nächsten Jahr vorstellen kann. 
Für mich macht eine gute Crimeserie aus, dass sie erinnerungswürdige Charaktere und  intelligente Fälle hat, sehr gerne nach dem „Mord der Woche“-Prinzip. Wenn ihr Empfehlungen für mich habt, sehr gerne her damit! Ich habe nämlich das Gefühl, dass das Genre langsam ausstirbt und nur noch die angefangenen Serien beendet werden, aber wenige neue erscheinen. 

Bones – 12 Staffeln

Die Handlung: Temperance „Bones“ Brennan (Emily Deschanel) ist forensische Antropologin am Jeffersonian Institute. Sie untersucht Knochen alter Zivilisationen und kann daraus eine Menge Ereignisse rekonstruieren. Dies will sich das FBI zu Nutze machen und schickt Seeley Booth (David Boreanaz), um mit Brennan zu verhandeln. Nach einer etwas schwierigen Eingewöhnung zwischem dem impulsiven Booth und der menschenscheue Brennan, die mit vielen gesellschaftlichen Gepflogenheiten nichts anfangen kann, entwickeln sie sich zu einem guten Team. Fortan werden Leichen von Brennan und ihrem Team untersucht. Bedingungen ist für Brennan allerdings, dass sie bei den Ermittlungen auch im Außeneinsatz mithelfen darf, was Booth gar nicht gefällt. 

Meine Meinung: Die Serie läuft bereits seit 2005 und gerade die Anfänge habe ich noch sehr intensiv im Fernsehen verfolgt. Die Serie funktioniert eigentlich lange Zeit sehr gut, lediglich in den späteren Staffeln wurden die Staffelfinale ein wenig größenwahnsinnig, weswegen ich lange Zeit keinen Anschluss mehr an die Serie fand. Das hat sich Ende letzten Jahres geändert und seit diesem Jahr habe ich alle 12 Staffeln gesehen. 
Die Serie hat vor allem durch das Team des Jeffersonian wunderbar funktioniert. Zwischenzeitlich gab es ein paar Änderungen im Team, aber gerade die Vielfalt durch die Assistenten ab Staffel 4 – glaube ich zumindest – war eine gute Rotation drin, die Platz für verschiedene Witze schufen und doch eine gewissen Kontinuität erlaubten. Dennoch ist das Team irgendwo miteinander gewachsen. Auch an Brennan selbst, musste man sich am Anfang gewöhnen. Doch nach und nach konnte man sie immer besser verstehen und ihr gutes Verhältnis zu Booth haben die Serie so sympathisch gemacht. Leider passierte irgendwann das unausweichliche und die beiden wurden ein Paar, und genau ab da ging es mit der Serie bergab. Das bleibt jedoch jammern auf hohem Niveau, da die Fälle selbst durchgehend spannend bleiben und genug Variation drin ist, so dass es einen immer noch überrascht, wer am Ende der Mörder ist. 

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle – 3 Staffeln

Die Handlung: Phryne Fisher (Essie Davis) ist Aristokratin und kehrt in den 1920er Jahren nach vielen Jahren in Europa in ihre Heimat Melbourne, Australien zurück. Dort hilft sie bei der Aufklärung eines Mordes mit. Fortan mischt sie sich gerne in die laufenden Ermittlungen bei Mordfällen ein. Detective Inspector Jack Robinson (Nathan Page) ist davon wenig begeistert, kann Miss Fishers Enthusiasmus aber auch nicht stoppen.

Meine Meinung: Von der Serie habe ich euch dieses Jahr ja schon mehrfach berichtet, aber auch in diesen Beitrag passt sie wieder perfekt rein. Denn wir haben erinnerungswürdige Charaktere, auch neben der Protagonistin, spannende Fälle und den „Mord der Woche“. Am spannendsten ist hier aber, dass das ganze nicht in der modernen technischen Welt spielt, sondern in den 1920er Jahren. Dadurch mussten viele Fälle auf ganz andere Weise gelöst werden, als durch Analyse der Spuren am Tatort. Hinzu kommt, dass Australien als Handlungsort noch einmal zusätzlichen Charme hat. Es spielen einfach zu viele Crimeserien in New York. 

Stumptown – 1 Staffel

Die Handlung: Dex Parios (Cobie Smulders) war beim Militär und hat in Afghanistan gekämpft. Als sie zurückkam waren ihre Eltern weg und ihr Bruder Ansel (Cole Sibus) in einem Heim. Nun zieht sie ihren Bruder groß, der das Down Syndrom hat. Sie hängt häufig im Bad Alibi ab, der Bar ihres besten Freundes Grey (Jake Johnson). Nachdem sie von der Mutter ihres verstorbenen Ex-Freundes Sue Lynn Blackbird (Tantoo Cardinal) den Auftrag bekommt ein vermisstes Mädchen zu finden, erkennt Dex, dass sie durchaus Talent in dieser Art von Job hat. Sie beantragt eine Privatermittlerlizenz. Dabei hilft ihr Detective Miles Hoffmann (Michael Ealy). 

Meine Meinung: Im letzten Jahr stellte ich euch mit Almost Human bereits eine Crimeserie mit Michael Ealy vor. Die wurde nach einer Staffel abgesetzt. Dieses Jahr habe ich Stumptown entdeckt. Zwar hat ABC im Mai 2020 eine zweite Staffel bestellt, dies aber wohl im September 2020 wieder gecancelt. Aber vielleicht gibt es ja noch mehr Menschen, die diese Serie ebenso lieben wie ich und wir schaffen es die Serie zu retten? 
Denn Stumptown ist auf jeden Fall anders, als die gängigen Crimeserien. Dex stolpert eigentlich eher von einem Fettnäpfchen ins nächste, ist chaotisch und durch ihre posttraumatische Belastungsstörung aus der Zeit in Afghanistan auch dem Alkohol sehr zugeneigt. Nicht gerade die übliche Heldin. Auch haben wir neben Miles kaum Kontakt zum örtlichen Polizeirevier, auch wenn seine Vorgesetzte Bobby Cosgrove beide öfter mal zur Ordnung rufen muss. Wir haben also kein Sammeln von Beweisen, keine Spurensuche am Tatort, vor allem haben wir in der Regel kein Tatort. Denn als Privatermittlerin hat es Dex nicht mit Morden zu tun. Auch sind die zwischenmenschlichen Beziehungen hier kein reines Schmückwerk, sondern bilden das Herz der Serie. Mit all ihren verschiedenen und vor allem auch diversen Charakteren hat Stumptown eine ganz besondere Mischung. Nur ein paar Beispiele: Dex ist bisexuell, Miles ein people of colour, Ansel hat das Downsyndrom und die indigene Bevölkerung spielt eine regelmäßige Rolle. Besonders herausheben möchte ich hier auch noch den genialen Soundtrack. Also schaut euch die Serie an und dann müssen wir ABC bearbeiten, damit sie doch noch eine zweite Staffel produzieren!

Meine Monsterwochen #1: Mythos & Wahrheit

Herzlich Willkommen zu meinen Monsterwochen. Während viele zur Zeit den Horrorctober feiern, ich aber wenig Lust auf 13 Horrorfilme hatte – ich hab schon selten Lust auf einen Horrorfilm – möchte ich mich in diesem Monat in einem sechsteiligen Special mit zwei der bekanntesten „Monster“ der Literatur- und Filmgeschichte beschäftigen. Die Rede ist von Dracula und Frankenstein. Dabei soll es in verschiedenen Beiträgen um die literarische Vorlage gehen und dann die Umsetzung und Interpretation in verschiedenen „Filmzeitaltern“. Das klingt jetzt vielleicht alles ein bisschen großspurig, im Prinzip handelt es sich um meine üblichen Kritiken nur diesmal halt gesammelt zu einem bestimmten Thema 😉

Mythos & Wahrheit

Ein Vorwort

Den Auftakt in dieser Reihe macht ein mehrstimmig vertontes Hörbuch. Warum ich damit anfange? Nun ja, weil genau genommen die ganze Idee der Monsterweeks damit anfing. Denn durch das Hören dieser interessanten Fakten und Nacherzählungen schaffte es Dracula endlich von meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher) und ich widmete mich direkt danach auch noch Frankenstein. Und dann fing das Projekt an sich zu verselbstständigen. 

Die Handlung

Dracula und Frankensteins Monster sind zwei der bekanntesten literarischen Gestalten. Der eine das klassische Monster, der andere ein Opfer seiner Umstände? Diesen und noch vielen anderen Fragen geht das Hörbuch auf den Grund. Hat Dracula wirklich gelebt? Wie kamen Stoker und Shelley zu ihren Ideen? Was ist Mythos und was ist Wahrheit?

Meine Meinung

Mythos & Wahrheit fängt als kleine Nacherzählung der Geschichten an. Doch zwischendurch wird sie immer wieder unterbrochen von interessanten Fakten, Nachforschungen zur Mythologie, Geschichte des Autoren/der Autorin, wie es dazu kam, dass die Geschichte geschrieben wurde – was gerade bei Mary Shelley ziemlich interessant ist. Welche Vorbilder hatten die Autoren. Auf welchen Mythologien stützen sie sich. Bei Dracula folgt noch eine Reise nach Rumänien, wo Draculas Burg stehen soll. 
Die große Stärke des Hörbuchs ist die mehrstimmige Vertonung und die Musik- und Geräuschkulisse, die wunderbar zur erzählten Geschichte passt. Auch die Stimmen sind sehr passend. Sprecher sind u.a. Bodo Primus, Matthias Haase und Fritz Stavenhagen. 
Für meinen Geschmack war es dann aber doch ein bisschen zu viel Nacherzählung der Geschichte, ein wenig zu viel Wahrheit und einfach viel zu wenig wirklich Mythos. Vielleicht waren hier meine Erwartungen auch einfach etwas anders. Dennoch war es eine schöne Lektüre für zwischendurch und hat mich dazu bewogen beide Buchvorlagen endlich einmal zu lesen. So konnte ich meinen SuB und meine Liste der Schande ein bisschen weiter abbauen. 
Die Hörbücher gibt es übrigens im Viererpack zusammen mit Sherlock Holmes und Edgar Allen Poe. 

Das Fazit

Mythos & Wahrheit ist ein schön vertontes Hörbuch, dass sich perfekt als Kurzlektüre zwischendurch eignet und mit einigen interessanten Fakten aufwartet. Für meinen Geschmack etwas zu viel Wahrheit und zu wenig Mythos.

Rückblick auf den September 2020

Der September war schon ein seltsamer Monat. Zunächst schien es, als ob der Sommer nicht enden wollte, obwohl die Tage schon merklich kürzer werden, und schwupps waren wir mitten im Herbst. Auf einmal war es verregnet, kalt und grau. Und kaum hat man sich daran wieder gewöhnt, traut sich die Sonne doch wieder raus. Trotzdem ist mein aktueller Lieblingsplatz wieder die Couch, eingekuschelt in einer Decke, einen warmen Tee in der Hand und entweder mit einem guten Film/Serie oder einem gutem Buch. Was bei mir im September medial los war, erzähle ich euch in meinem Rückblick.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

X-Men – New Mutants: Der finale Film der Reihe weicht deutlich vom üblichen Schema ab. Wir treffen auf eine Gruppe junger Mutanten in einem Krankenhaus, aus dem sie nicht abhauen können. Dort sollen sie lernen ihre Kräfte unter Kontrolle zu halten. Doch als sich die Albträume der Insassen inkarnieren, müssen sie alle über sich hinauswachsen. – Erfrischend anders, kein üblicher Superheldenfilm, aber leider trotzdem nicht fertig durchdacht. Man merkt viel verschenktes Potential, sobald der Film vom Coming of Age Flair abweicht.

Hello Again: Täglich grüßt das Murmeltier als deutsche Komödie. Zazie versucht die Hochzeit ihres ehemals besten Freundes aufzuhalten, ruiniert sie stattdessen aber einfach nur. Und wacht einfach am gleichen Tag wieder auf. Doch was muss sie tun, um die Zeitschleife zu durchbrechen? – Deutsche Komödie, die die Gags leider zu lange ausspielt, weswegen sie weniger wirken, nette Handlung, konnte leider nicht wirklich überzeugen.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

In Vorbereitung auf meine Monsterwochen (mehr dazu ab morgen) habe ich folgende Filme gesehen: Nosferatu, Frankenstein, Dracula Untold und I, Frankenstein. In den nächsten Wochen gibt es mehr Informationen zu den einzelnen Filmen.

Harry Potter und der Orden des Phönix: Mein Partner hat inzwischen den fünften Band durchgehört, weswegen wir nun den fünften Film sehen konnten. In seiner Kürze hat er es geschafft die langwierigen Passagen des Buches gekonnt zu umschiffen und sich auf das wesentliche zu konzentrieren. Und Imelda Stauntons Umbridge muss man einfach hassen, so genial gespielt ist sie. 

Singin‘ in the rain: Ein Musical-Klassiker, der mir bisher entgangen ist. Der Wandel von Stumm- zu Tonfilm wird für das Studio Monumental Pictures zum Schlamassel. Ihre hauseigene Diva hat eine sehr anstrengende Stimme. Also soll sie aus dem Hintergrund synchronisiert werden. Das ganze geht mit einer Menge Drama einher. – Schöne Geschichte, tolle Lieder, teilweise ein paar Szenen zu lang ausgespielt, aber im Grunde ein Herzfilm.

Doctor Sleep: Ich weigere mich den deutschen Titel „Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen“ zu verwenden. Wer hat denn da beim deutschen Verleih wieder getrunken? Danny, bekannt als Junge aus Shining, ist inzwischen erwachsen. Als trockener Alkoholiker lebt er in einer Kleinstadt und arbeitet in einem Hospiz. Als die junge Ava ihm von einer Gruppe erzählt, die Kinder mit Shining quälen und töten, um sich vom Shining zu ernähren, verspricht er ihr zu helfen. – Buchverfilmung der Shiningfortsetzung. Schon das Buch hat die wenige Handlung eigentlich nur durch den guten Schreibstil Kings überspielen können. Daraus einen Film mit einer Lauflänge von 152 Minuten zu machen, war einfach zu viel des Guten.

Metropolis: Die ARD hat zurzeit einige Filme der 1920er Jahre in der Mediathek. Daher konnte ich endlich einen der ersten Monumentalfilme sehen. In Metropolis gibt es eine ausgeprägte Zweiklassengesellschaft. Freder, der Sohn des Stadtoberhaupts, schleicht sich in die Arbeiterschicht, um einem Mädchen nachzulaufen, die den Arbeiter das Warten auf einen Mittler zwischen oben und unten predigt. Doch von ihr wird ein Maschinenebenbild gefertigt, das die Arbeiter zur Revolte anstacheln soll. – Bildgewaltig, vor allem wenn man die damaligen Mittel bedenkt. Eine Geschichte voller Metaphern und Interpretationsspielräume, aber mit 145 Minuten (in der restaurierten Fassung der Murnau Stiftung) einfach zu lang. 

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Jean SebergAgainst all Enemies: Kristen Stewart verkörpert die Schauspielerin und Aktivistin Jean Seberg. Ein Film zwischen Drama und Thriller und bei mir noch auf der Liste. 

David Copperfield: Eine historische Komödie mit einem Cast, der sich liest, als ob man meine Wunschliste zusammengecastet hätte – ich bitte euch Hugh Laurie und Peter Capaldi in einem Film? Ich werde diesen Film auf jeden Fall nachholen!

Serien – ein etwas ausführlicherer Überblick

Community – Staffel 3+4 (Man könnte meinen, dass Dan Harmon irgendwann die Ideen ausgehen müssten, aber nein, die Serie bleibt einfach gut)

The Comedy Line-up – Staffel 2 (Einige gute Kurzauftritte gab es in der zweiten Staffel)

Down to Earth with Zac Efron (Inspirierende Reise um die Erde zu den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz)

Dark – Staffel 2 (Nach der Einführung der wichtigsten Charaktere in Staffel 1, ging es nun richtig zur Sache)

Indian Matchmaking – Staffel 1 (Interessante Heranführung an die indische Tradition der Heiratsvermittlung, hat bei mir einige Vorurteile ausgeräumt, andere hingegen bestätigt)

Julie and the Phantoms – Staffel 1 (Wunderbare Geschichte um eine tote Band, die nach 25 Jahren als Geister zurückkommen. Und sooo tolle Lieder!)

Disney Galerie – The Mandalorian – Staffel 1 (Zur Disney+ Serie gibt es nicht ein einfaches Making off, nein es gibt eine ganze Staffel dazu. Hier kommen Regisseure, Schauspieler, und viele andere Beteiligten zu Wort, was einen sehr tiefen Einblick hinter die Kulissen gibt. Und wenn dann Star Wars Fan/Regisseur/Showrunner Dave Filoni von den verschiedenen Verbindungen erzählt, will man gleich noch einmal die alten Filme gucken)

Stumptown – Staffel 1 (Coole Crimeserie mit tougher Protagonistin, diversen Charakteren, spannenden Fällen und tollen Dialogen)

Rick & Morty – Staffel 4 (Lange haben wir warten müssen, jetzt ist sie da. Leider stellenweise etwas enttäuschend, weil manche Episoden einfach zu überzogen sind, im großen und ganzen aber noch immer starke Erzählungen)

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 10
Seiten gesamt: 4.132
Seiten pro Tag: 137 im Durchschnitt
Gebundenes Buch: 3
Taschenbuch: 5
Comic: 2

Harleen – Band 2 & 3: Der Joker sitzt im Arkum Asylum und Harleen Quinzel ist seine Psychiaterin. Doch sie gerät immer mehr in seinen Bann. – Spannende und bildgewaltige Comicreihe.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Das große Finale der Reihe war ein Wiederholungstäter und irgendwie hatte ich gerade den Anfang weniger zäh in Erinnerung. Und das Ende weniger abrupt. Aber trotzdem noch einige faszinierende Fakten, Ideen und Plottwists. – Hiermit distanziere ich mich von den Aussagen Rowlings. Transfrauen sind Frauen!  

Sturmhöhe: Der junge Lockwood pachtet Trushcross Grange. Bei seinem Antrittsbesuch auf Wuthering Heights trifft er den unsympathischen Heathcliff. Zurück in der Grange bittet er seine Haushälterin ihm die Geschichte der beiden Familien Earnshaw mit ihrem Findelkind Heathcliff und Familie Linton zu erzählen. – Wieder ein Klassiker auf meiner Liste der Schande abgearbeitet. Leider war in diesem Werk kein einziger Charakter wirklich sympathisch und so war es etwas schwer dem Buch bis zum Ende zu folgen.

Rowan & Ash: Rowan ist seit vielen Jahren mit der Prinzessin von Iriann verlobt. Die Hochzeit steht im nächsten Jahr bevor, als Rowan mit seiner Familie in die Hauptstadt reist. Denn das Schattenlabyrinth ist wieder erwacht, was die Wiedererweckung der schwarzen Königin voraussagt. Nun steht das Land vor der Frage, ob das Schattenlabyinth endgültig versiegelt werden soll, was aber auch die Magie in Iriann erlöschen lassen würde. Doch Rowan hat noch ein ganz anderes Problem. Denn er liebt den Königssohn Ash. – Eine spannende Geschichte im High Fantasy-Bereich. Und noch viel besser: Eine queere Liebesgeschichte. Nur das Ende kam mir dann etwas zu schnell und lässt zu viel offen. 

Never Doubt: Willow hat im letzten Sommer ein traumatisches Erlebnis gehabt. Nun zieht sie mit ihren Eltern von New York in das beschauliche Städtchen Harmony. Dort bekommt sie eine Rolle im städtischen Theater und schafft es endlich ihre Geschichte, aber mit den Worten Shakespeares zu erzählen. Dabei trifft sie auf den Stadt-Bad Boy Isaac. – Wieder eine schöne, aber auch traurige Geschichte von Emma Scott, die mit der All in-Reihe dieses Jahr bereits eines meiner Jahreshighlights schaffte.

OMG Diese Aisling – Aisling ist eigentlich sehr glücklich mit John, doch dieser kann sich einfach nicht dazu durchringen ihr einen Antrag zu machen. Also trennt sie sich kurzerhand und zieht endlich von zu Hause aus. Doch mit ihrer Kollegin und jetzt auch Mitbewohnerin Sadhbh gibt es immer etwas zu erleben. – Man muss Aisling mögen und ihre Taten nachvollziehen können, um das Buch zu mögen. Und gerade das klappt bei mir nur bedingt. Grundsätzlich ein tolles Buch mit viel Fernweh nach Irland, aber irgendwo ist die Gesamtgeschichte nicht ganz ausgereift.

Die Tribute von Panem X: Bei den 10. Hungerspielen soll es erstmals Mentoren geben und zwar Schüler aus dem Kapitol. Einer davon ist Coriolanus Snow, der spätere Präsident. Doch ausgerechnet er bekommt das Mädchen aus Distrikt 12 als Tribut. Wie soll er es schaffen ihr das Überleben und sich selbst den Sieg zu sichern? – Hätte es diese Vorgeschichte gebraucht? Vermutlich nicht. Dennoch ist sie größtenteils spannend, bringt interessante Einblicke in das Denken von Snow und den Alltag des Kapitols, sowie die Anfänge der Hungerspiele.

Percy Jackson – Diebe im Olymp: Percy Jackson dachte eigentlich, dass er ein ganz normaler Junge sei mit Legasthenie. Bis sein bester Freund Grover und seine Mutter verzweifelt versuchen ihn ins Camp Half-Blood zu schicken. Dort erfährt er, dass sein Vater der griechische Gott Poseidon ist und das ein Krieg zwischen den Göttern bevorsteht. Ein Krieg, den Percy verhindern soll. – Auch wenn mir die Reihe schon vielfach empfohlen wurde, hatte ich mich bisher nicht herangewagt. Nun war es soweit. Und ja, mein erstes Eintauchen in das Leben der Halbblüter war ganz interessant, aber irgendwie nicht das Wow, das ich erwartet hatte, vielleicht waren meine Erwartungen auch einfach zu hoch.

Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv: Madleine „Max“ Maxwell bekommt nach ihrem Studium der Archäologie einen Job im St. Marys Institut. Doch dort wird nicht einfach nur in der Geschichte geforscht, sondern sie wird erlebt. Mit Hilfe von Zeitreisen erleben die Historiker die Geschichte am eigenen Leib. Doch zuvor muss Max die Aufnahme überleben. – Spannende Geschichte, tolle Ideen, flüssiger Schreibstil, aber ein absolut grauenhafter Erzählstil. So ist die Geschichte viel zu vollgepackt mit hochdramatischen und spannenden Ereignissen, die aber wie kleine Nebensachen erzählt werden. So ist die Geschichte zu voll. Sehr schade, denn das Potential war hier sehr hoch.

Wie war euer September? Wie immer die Frage: Habt ihr Film/Serien/Buchempfehlungen für mich?

Eine Handvoll Serien

Heute mit: einer faszinierenden Familiengeschichte, einer ungewöhnlichen Superheldenfamilie, ein Weckruf der Erde, einen Einblick in die indische Tradition der Heiratsvermittlung und einer Geisterband. 

This is us – Staffel 1

Die Handlung: Familie Pearson ist nicht unbedingt alltäglich. 1980 erwarten die Eltern Jack (Milo Ventimiglia) und Rebecca (Mandy Moore) Drillinge. Kevin (Justin Hartley) und Kate (Chrissy Metz) kommen zur Welt, doch das dritte Baby stirbt bei der Geburt. Wie es der Zufall so will, wurde am gleichen Tag ein Baby vor einer Feuerwache ausgesetzt und ins gleiche Krankenhaus gebracht. Die Pearsons adoptieren Randall (Sterling K. Brown). Die Serie wechselt zwischen der Geschichte der Eltern in den 1980er Jahren und denen der erwachsenen Kinder hin und her.

Meine Meinung: Vielfach bei den Emmys nominiert, vereinzelte auch gewonnen, auf jeden Fall immer hoch gelobt. Schon länger hatte ich die Serie auf dem Schirm, nun habe ich sie endlich auch mal angefangen. Grundsätzlich gefällt sie mir auch richtig gut. Die Probleme und Dramen sind realitätsnah und durch die drei sehr unterschiedlichen Wege der Kinder auch sehr anders und jedes auf seine Art und Weise interessant. Durch den Wechsel zwischen den Geschichten bleibt auch die Spannung stets erhalten. Hinzu kommen die wirklich guten Schauspielleistungen aller Darsteller. Problematischer ist für mich die Menge an Drama. Nie gibt es einen Stillstand oder irgendetwas ist einfach mal gut. Ständig wird nur auf den nächsten großen Knall hingearbeitet. Und da das in den insgesamt 18 Episoden der ersten Staffel einfach so oft vorkam, gibt es dann auch kein richtiges Staffelfinale mehr, da gefühlt schon alles an Drama aufgebraucht war. Bedeutet, dass ich This is us immer nur in kleinen Häppchen sehen kann, damit es mir nicht zu viel wird. Dennoch weicht das Drama oft auch vom Schema ab und Entscheidungen werden nicht stereotypisch, sondern zum Charakter passend getroffen, was wirklich erfrischend ist. 

This is us ist bei Amazon Prime im Abo enthalten

The Umbrella Academy – Staffel 2

Die Handlung: Die sieben Mitglieder der Umbrella Academy konnten dem Weltuntergang, hervorgerufen durch Nummer 7/Vanya (Ellen Page) mit Hilfe von Nummer 5 (Aidan Gallagher) entgehen. Sie landen alle in den 1960er Jahren, aber nicht im gleichen Jahr. Als schließlich auch Nummer 5 ankommt, herrscht erneut Weltuntergang. Nur mit Hilfe schafft es Nummer 5 noch einmal ein paar Tage vor die Apokalpyse zu springen und muss nun seine Geschwister zusammen suchen. Doch die haben sich teilweise schon ein ganz neues Leben aufgebaut.

Meine Meinung: Schon die erste Staffel der Umbrella Academy konnte begeistern. Auch wenn es schwer vorstellbar war, aber die zweite Staffel schafft es spielerisch noch einmal ordentlich einen drauf zu legen. Durch die unterschiedlichen Leben, die sich die Geschwister aufgebaut haben, bleibt genügend Zeit um ihre Charaktereigenschaften noch einmal näher zu betrachten. Dennoch wird es wieder spannend durch die drohende erneute Apokalypse, die sie wieder verhindern wollen. Dabei hat die Serie es inzwischen geschafft eine gute Grunddynamik zwischen den Charakteren aufzubauen, die hier wieder voll ausgeschöpft wird. Hinzu kommen einige altbekannte Gesichter und einige neue in mehr oder weniger wichtigen Nebenrollen. Es kommt zu einigen absurden Situationen, die auch den Humoraspekt der Serie wieder befeuern. So klebt man am Bildschirm vor Spannung und kann zwischendurch auch herzlich lachen. Auch wenn Teilaspekte wie eine Wiederholung der ersten Staffel wirken, kommen immer genügend neue Ideen dazu. Das ganze wird unterstrichen von einem auf den Punkt gebrachten Soundtrack. Wer auch immer in einer großen Schlacht die Backstreet Boys spielen wollte, verdient gefälligst einen Preis. Es war auf jeden Fall wieder ein Wechselbad der Gefühle und das ist absolut positiv gemeint.

The Umbrella Academy ist bei Netflix im Abo enthalten

Down to Earth with Zac Efron – Staffel 1

Die Handlung: Zac Efron hat sich mit Wellness-Experten Darren Olien zusammengetan. Zusammen reisen sie um die Welt, um verschiedene Konzepte zum den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu begutachten und der Erde einfach mal zuzuhören.

Meine Meinung: Down to Earth hat im deutschen den wenig passenden Titel „Um die Welt mit Zac Efron“. Der Titel ist nicht nur unaussagekräftig, sondern verfehlt wohl auch die Zielgruppe. Denn Zac Efron kennt man wohl am ehesten durch seine Schauspieltätigkeit. Von seinen Anfängen mit High School Musical zu seinen gewöhnungsbedürftigen Komödien, wie Bad Neighbors oder Dirty Grandpa. Doch hier erleben wir Efron fern ab von Hollywood und dadurch auch von einer ganz anderen Seite. Denn schon seit längerem befasst er sich selbst mit den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Inspiriert hat ihn das Buch von Darren Olien, woraus eine Freundschaft entstand, die schließlich zu dieser Serie führte. Zusammen bereisen die beiden Orte auf der Welt, die faszinierende Konzepte für gewisse Probleme entwickelt haben. Zum Beispiel bereisen sie Frankreich mit dem öffentlichen Wasserkonzept und einer Heilquelle. Oder sie untersuchen in Sardinien die hohe Lebenserwartung der Einheimischen. Durch die sehr unterschiedlichen Themen bleibt es stets spannend und man kann durchaus für sich etwas mitnehmen. 

Down to Earth ist bei Netflix im Abo enthalten

Indian Matchmaking – Staffel 1

Die Handlung: Sima Taparia ist eine Heiratsvermittlerin. Sie lebt in Mumbai, hat aber Klienten in Indien und den USA. Die Serie verfolgt sie bei ihrer Arbeit und erzählt die Hintergründe der indischen Tradition der Heiratsvermittlung und wie sich die moderne Variante von der früheren unterscheidet.

Meine Meinung: Zu dem Thema Heiratsvermittlung hatte ich eine Menge Vorurteile. Deswegen sprach mich die Serie durchaus an, konnte sie mich doch entweder bestätigen oder widerlegen. Und tatsächlich bestehen meine Vorurteile nicht umsonst, wurde es noch bis vor ein paar Jahren tatsächlich von den Eltern bestimmt, wen die Kinder zu heiraten haben. Inzwischen ist dies aber wesentlich fortschrittlicher. So ist die Heiratsvermittlerin eigentlich nur eine Zwischeninstanz, die verschiedene Profile vergleicht und versucht eine gemeinsame Basis zu finden. Die Dates machen die Vermittelten dann unter sich aus und können dann entscheiden, ob sie sich weiter treffen wollen. Natürlich hat der Familienaspekt noch immer einen großen Stellenwert. In Indien vielleicht auch nochmal etwas intensiver als in den USA. Da aus beiden Länder Kunden gezeigt werden, kann man auch hier noch einmal sehr gut die Unterschiede sehen. Die Kunden selbst sind sehr unterschiedlich. Bei manchen fiebert man mit, ob es zu einem Match kommt, während einem der Ausgang bei anderen relativ egal ist. So ganz ohne fragwürdige Aspekte kommt das ganze dann aber doch noch nicht aus. So wird regelmäßig ein Gesichtsleser und ein Astrologe dazu gerufen, die mithilfe der Gesichter oder der Sterne entscheiden sollen, ob das Match unter einem guten Stern steht. Schade finde ich es auch, dass die Kunden vom Anfang der Serie am Ende gar nicht mehr erwähnt wurden und man teilweise nicht richtig nachvollziehen konnte, ob sie jetzt den passenden Partner gefunden haben. Also wer sich einmal etwas intensiver mit der indischen Tradition auseinander setzen möchte, dem sei die Serie empfohlen.

Indian Matchmaking ist bei Netflix im Abo enthalten

Julie and the Phantoms – Staffel 1

Die Handlung: 1995 steht die Band Sunset Curve kurz vor dem musikalischem Durchbruch. Doch abgelaufene Hotdogs führten zum verfrühten Ableben drei der vier Bandmitglieder. 25 Jahre später, landen sie als Geister in der Garage von Julie (Madison Reyes). Die Highschoolschülerin trauert noch immer um ihre Mutter und hat dadurch ihre Liebe zur Musik verloren. Sie kann als einzige die Jungs sehen und findet dadurch zurück zur Musik. Und sobald sie auf einer Bühne auftritt, können auch die anderen die Jungs sehen. So gründen sie die Band Julie and the Phantoms, wobei alle denken, dass es sich bei den Jungs um Hologramme handelt. Hinzu zu den alltäglichen Probleme kommen noch ein paar Geisterprobleme.

Meine Meinung: 9 Episoden umfasst die erste Staffel und ich habe alle an einem Tag verschlungen. Wenn man sich mit der Grundprämisse der Musical-Comedy anfreunden kann, zieht einen die Serie sehr schnell in den Bann und man will einfach wissen, wie es weitergeht. Während Julie stellenweise noch etwas gewöhnungsbedürftig ist, sind die Jungs von Sunset Curve einfach nur liebenswert. Stellenweise ein bisschen trottelig, manchmal ein bisschen zu Klischee, aber schlussendlich einfach zum knuddeln. Die Geschichte geht zügig voran und bietet mehr als nur Bandproben und Auftritte. Neben Julies Probleme an einer Highschool inklusive Zicke und Crush, steht auch die Frage im Raum, wieso Julie die Jungs sehen kann, wieso sie beim Auftritt sichtbar werden und was ihre Aufgabe ist. Hier stellt die erste Staffel schon erste Vermutungen an, lässt einige Geisterprobleme einfließen, lässt aber auch noch einiges für eine zweite Staffel offen. Einen kleinen miesen Cliffhanger konnte sich die Serie dann am Ende doch nicht verkneifen.

Julie and the Phantoms ist bei Netflix im Abo enthalten

Welche Serien habt ihr schon gesehen? Konnte ich euch von einer neuen Serie überzeugen?

Hello Again

Ein Vorwort

Das Prinzip der Zeitschleife hat sich seit „Und täglich grüßt das Murmeltier“ immer mehr durchgesetzt und ist inzwischen in allen möglichen Varianten ausprobiert worden. Nun hat es auch der deutsche Film entdeckt und gleich in die nächste romantische Komödie gesteckt. Warum die Umsetzung leider nicht so richtig funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Quelle

Die Handlung

Zazie (Alicia von Rittberg) erhält kurzfristig eine Einladung zu der Hochzeit von Philipp (Tim Oliver Schultz) und Franziska (Emilia Schüle). Während Philipp in ihrer Kindheit Zazies bester Freund war, erinnert sie sich an Franziska als Sadistin. Also überredet sie ihren Mitbewohner Anton (Edin Hasanović) sie auf die Hochzeit zu begleiten. Durch sehr viel Alkohol verwandelt Zazie die Hochzeit jedoch in ein Desaster. Zum Glück wacht sie jeden Tag wieder am gleichen Morgen auf. Doch was ist ihre Aufgabe, um aus dieser Zeitschleife zu erwachen?

Meine Meinung

1993 lief „Und täglich grüßt das Murmeltier“ in den Kinos an. Seitdem hat sich am Prinzip der Zeitschleifenfilme wenig geändert. ProtagonistIn erlebt den gleichen Tag immer und immer wieder, bis sie das Geschehen richtig abgeändert hat und endlich am darauffolgenden Tag aufwachen darf. Nachdem das Murmeltier als romantische Komödie gut ankam, wurde das Prinzip auch in anderen Genres versucht. So konnten beispielsweise Edge of Tomorrow im Sci-Fi-Action Bereich und Happy Deathday im Horrorfilmgenre das Prinzip gelungen umsetzen. 
Wenn man schon am Grundprinzip und -ablauf nichts ändert, dann muss wenigstens die Geschichte irgendwo interessant und spannend bleiben. Und genau hier liegt das große Problem an Hello Again. Er verliert den Zuschauer sehr schnell und kann ihn nicht mehr zurückgewinnen. Aber fangen wir am Anfang an. Das Szenario ist schnell klar. Zazie wacht jeden Morgen auf, kommt verspätet auf der Hochzeit an, kann sie also nicht mehr verhindern und verhält sich dann total daneben. Anton wird eigentlich immer nur mit in die Katastrophe reingezogen und kann einfach nicht Nein sagen. Zazie erhält immer mehr Informationen und versucht auf alle möglichen Arten die Hochzeit noch zu verhindern. Doch während die Möglichkeiten, wenn man sie kurz zusammengefasst erzählt, durchaus Potential haben und für viele Lacher hätten sorgen können, verlieren sie leider durch die Länge einzelner Szenen diese Kraft und sorgen nur ab und an für einen müden Lacher. Obwohl der Film mit 92 Minuten kurz und knackig erzählt wirkt, fühlt er sich einfach sehr lange an. 
Das könnte auch daran liegen, dass man zu keinem der Charaktere eine wirkliche Bindung aufbaut. Von Rittbergs Zazie ist ein komplettes Wrack und zeigt das auch in jeder Szene. Ihre Abneigung gegenüber Beziehungen und Hochzeiten wird anhand einer kurzen Einleitung mit ihren immer streitenden Eltern versucht zu erklären, was aber auch nur bedingt funktioniert. Hinzu kommt, dass man sich mitunter bei ihrer dauerhaft brüchigen Stimme, was nicht immer passend ist, leider eine geübte Synchronsprecherin gewünscht hat und das für einen deutschen Film. Dabei hat von Rittberg eigentlich mehrfach bewiesen, dass sie durchaus starke Rollen spielen kann (Ballon, Herz aus Stahl, Verräter wie wir). Auch ihr Gegenpart, die Braut Franziska, wird nur als arrogantes Biest dargestellt, wogegen Emilia Schüle in ihrem Spiel auch wenig versucht anzugehen.
Lediglich die beiden Herren im Spiel Bräutigam Philipp und Mitbewohner Anton versuchen noch die Sympathien der Zuschauer durch ihre „Eigenheiten“ auf sich zu ziehen, sei es der Ordnungstick des Bräutigams oder die Narkolepsie des Mitbewohners. 
Die Auflösung des Ganzen ist dann halt auch genau das, was der geübte Zuschauer von Anfang an vorhergesehen hat. Absolut kein Überraschungseffekt, der das Ende vielleicht doch noch ein bisschen spannender gemacht hätte. 
Kurzum der Film hangelt sich am altbekannten Schema entlang, punktet zwischendurch ein bisschen durch Ideen, schafft es aber nicht die pointiert genug darzustellen, so dass sich der Film ziemlich zieht und verliert die Punkte dann wieder durch ein einfallsloses Ende und nervige Charaktere.

Das Fazit

Hello Again schafft es leider nicht sich vom Altbekanntem zu lösen und setzt die eigenen Ideen langatmig um, so dass er weder wirklich lustig noch wirklich spannend ist. Mit kürzeren Szenen hätte es vielleicht noch funktionieren können. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Hello Again läuft seit dem 17.09.2020 in den deutschen Kinos