Der Nussknacker und die vier Reiche

Ein Vorwort

Kurz vor der nahenden Adventszeit bringt uns Disney nun eine der ersten weihnachtlichen Filme der Saison. Bei den bis vor kurzem noch relativ warmen Temperaturen vielleicht etwas ungewohnt. Dabei bedient sich Disney sowohl E.T.A. Hoffmanns literarische Vorlage, als auch Tschaikowskis Ballett, dennoch wird eine neue Geschichte erzählt. Ob dies gelingt, erfahrt ihr hier.

Die Handlung

Clara Stahlbaum (Mackenzie Foy) leidet zusammen mit dem Rest ihrer Familie unter dem Tod ihrer Mutter. Am Weihnachtsabend ist sie daher gar nicht begeistert auf die Feier ihres Onkels Drosselbart (Morgan Freeman) zu gehen und Konversation zu betreiben. Doch bei dem alljährlichen Geschenkeauspacken folgt sie den Spuren des letzten Geschenks ihrer Mutter und landet in einem verborgenen Reich. Dort wartet ein großes Abenteuer auf sie.

Meine Meinung

Nach dem ersten Trailer war nicht so ganz klar, in welche Richtung sich Der Nussknacker und die vier Reiche entwickeln wird. Das es eine magische Geschichte wird, war klar, jedoch nicht, inwieweit sich der Film an die Vorlagen hält oder ob er eine gänzlich neue Geschichte erzählen wird. Die Antwort ist: Beides. Denn in einigen Grundzügen hält sich der Film an die Vorlagen. So tauchen altbekannte Figuren auf, wie Clara Stahlbaum, Onkel Drosselbart, der Nussknacker und auch der Mäusekönig. Jedoch ist die eigentlich erzählte Geschichte eine völlig andere. So wird das Fantasiereich in vier Bereiche unterteilt, wobei das Vergnügungsland verstoßen wurde. Die größte Änderung dürfte jedoch die Motivation der Charaktere sein. Während im klassischen Stück der Nussknacker verflucht wurde und Clara ihn rettet, indem sie sich in ihn verliebt, wird hier die gesamte Liebesgeschichte weggelassen. Der Nussknacker ist lediglich der beste Freund Claras. Es geht hier vielmehr um Vertrauen, Verrat, den Abbau von Vorurteilen und an erster Stelle auch die Verarbeitung des Todes eines geliebten Menschen. 
Das größte Augenmerk des Films ist jedoch nicht die Geschichte. Diese, wenn auch größtenteils neu, orientiert sich im Ablauf sehr stark an altbekanntem. So ist selbst die Wendung am Ende ab einem gewissen Punkt keine große Überraschung mehr. Stattdessen schafft es Disney hier einmal mehr einen Augenschmaus zu schaffen. Die gesamte Optik des Films schlägt einen in den Bann und gerade im Fantasiereich ist hinter jeder Ecke etwas neues zu entdecken. Dabei wird eine Welt, so bekannt und doch so neu, geschaffen, die Groß und Klein begeistert. Dazu schafft es Komponist James Newton Howard die bekannten Kompositionen Tschaikowskis zu adaptieren und weiterzuspinnen, sodass der Soundtrack durchgehend wie das Ballett klingt, obwohl viele Stücke komplett neu sind. Diese fügen sich damit perfekt in die Szenen ein und vermitteln im neuen Stoff ein Stück Nostalgie. 
Schauspielerisch braucht sich Mackenzie Foy nicht hinter Schauspielgrößen wie Keira Knightley und Helen Mirren zu verstecken. Im Gegenteil übertrumpft sie hier doch durch ihr zurückhaltendes Spiel Knightley sogar. Denn während Mirren altbekannt auf hohem Niveau spielt, gerät Knightley immer wieder an die Grenze zum Übertriebenen. Ist ihre Rolle zwar genau darauf ausgelegt, so legt sie noch eine Schippe drauf, sodass es mit Fortschreiten des Films immer anstrengender wird, ihr zuzusehen. 
Am Ende gibt es dann nur noch eine Sache wirklich zu kritisieren. Nämlich die nicht vorhandene Altersbeschränkung. Denn Clara trifft im Fantasiereich nicht nur auf schöne Dinge und gerade einzelne Szenen im Vergnügungsreich bedienen sich Horrorfilmelemente inklusive Horrorclowns und vom Boden verschluckte Soldaten. Dies dürfte gerade jüngere Kinder doch noch ängstigen. 

Das Fazit

Der Nussknacker und die vier Reiche erfindet das Rad nicht neu und die Geschichte erinnert an viele ähnliche Filme, dennoch gelingt es gerade durch die unglaubliche Optik und dem gelungenen Soundtrack doch einen schönen Film zu schaffen. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Der Nussknacker und die vier Reiche läuft seit dem 01.11.2018 in den deutschen Kinos.

Aufbruch zum Mond

Ein Vorwort

Mit Whiplash und La la Land hat sich Damien Chazelle nicht nur unter Musikfreunden bereits einen Namen gemacht. Doch während seine vorherigen Filme zwar beide Oscarnominierungen bekamen, waren sie nur in ausgewählten Kinos zu sehen. Sein neuster Streich Aufbruch zum Mond dagegen schaffte es nun sogar bis in die Provinzkinos. Diesmal widmet sich Chazelle Neil Armstrong, dem ersten Mann auf dem Mond, und seiner Geschichte vom Piloten und Techniker zur Legende.

Die Handlung

1961 ist Neil Armstrong (Ryan Gosling) noch Testpilot. Nach einem Schicksalsschlag in der Familie zieht er mit seiner Familie nach Florida, um dort am Gemini Projekt teilzunehmen. Damit ist er sehr früh und bei allen Vorphasen zur Apollomission dabei. Dabei verlangt ihm der Job viel ab, so dass er selten genug Zeit für seine Frau (Claire Foy) und seine Söhne hat.

Meine Meinung

Aufbruch zum Mond ist ein Film, der vieles richtig macht und daher auch zu Recht von den Kritikern in den höchsten Tönen gelobt wird. So schafft es Chazelle in seinen 142 Minuten Laufzeit 8 Jahre Raumfahrtgeschichte unterzubringen und trotzdem Zeit zu haben, um auch den persönlichen Bereich Armstrongs zu erforschen. Dabei stützt sich das Drehbuch auf das Buch First Man von James R. Hansen. Der Historiker hat selbst für die NASA gearbeitet und stützt sich auf viele persönliche Quellen und private Dokumente. Dadurch ist Aufbruch zum Mond unglaublich authentisch geraten. Dennoch werden die komplizierten Vorexperimente auch für den Laien ohne Raumfahrtstudium verständlich erklärt. Gleichzeitig schafft der Film den Drahtseilakt, um die ganzen Opfer der Vorexperimente zu erwähnen, zu würdigen und Platz für Trauer zu schaffen und dennoch das Thema nicht zu überdramatisieren. Dennoch hätte man zwischendurch einzelne Experimente abkürzend zeigen können, um so die Gesamtlänge zu kürzen.
Ebenfalls positiv zu erwähnen ist Claire Foy, die als Janet Armstrong immer im Schatten ihres berühmten Mannes stand. Hier bekommt sie zwar nicht unbedingt viel, aber doch ausreichend Spielraum, um die andere Seite zu zeigen. Denn während Neil viel Zeit in das Gemini Projekt steckt, muss Janet die Kinder fast alleine aufziehen. Dabei  ist sie auch mit den Frauen der verstorbenen Männer konfrontiert und wird zunehmend zum psychischen Wrack, da sie eigentlich nur ein normales Leben möchte und doch ständig Angst um ihren Mann haben muss. Genau diesen Zwiespalt setzt Foy gekonnt um, auch wenn sie hinter ihren gewohnten Fähigkeiten bleibt.
Ryan Gosling hingegen schafft es zwar Neil Armstrong zu porträtieren, doch gerade bei den Szenen, die eine gewisse Finesse benötigen, schwächelt er. So schafft er es nicht, wie bereits bei La la Land, seinem Charakter Tiefe zu geben.
Das größte Manko ist jedoch die Kameraarbeit. Während die Wackelkameraoptik bei den Start- und Landungsszenen noch authentisch wirkt und positiv hervorgehoben werden kann, wird dies leider auch während normaler Dialogszenen angewandt. Das führr dazu, dass sich der permanente Wackeleffekt leider auch auf die Mägen der Zuschauer auswirken kann. Zumindest ich vertrage so viel starkes Gewackel nicht und hatte am Ende mit Übelkeit zu kämpfen (auch wenn es nicht ganz so schlimm war, wie bei Hardcore…). Das führt natürlich dazu, dass ich persönlich den Film schlechter fand, als meine Begleiter, die davon nicht betroffen waren. Aber gerade in einfachen Dialogszenen hätte man die Kamera auch einfach mal stillhalten können.

Das Fazit

Aufbruch zum Mond ist in seinen Grundzügen ein gut erzählter Film mit kleineren Schwachstellen und leider einer stärkeren Schauspielerin als Nebencharakter (Foy) als der Schauspieler des Protagonisten (Gosling). Ebenfalls gibt es einen persönlichen Minuspunkt, weil mir von der Kameraführung schlecht geworden ist. Daher gibt es 07-01 von 10 Punkten.

Aufbruch zum Mond läuft seit dem 08.11.2018 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: Nur ein kleiner Gefallen

Ein Vorwort

„Kannst du mir einen Gefallen tun?“ Wie oft hört man dieses Satz? Ich höre ihn bereits auf Arbeit mindestens einmal am Tag. Meistens sind es wirklich nur kleine Gefallen, die das Leben nicht weitreichend beeinflussen. Doch was, wenn durch einen kleinen Gefallen plötzlich das eigene Leben aus den Fugen gerät? Genau das wird in „Nur ein kleiner Gefallen“ thematisiert.

Die Handlung

Die beiden Mütter Stephanie (Anna Kendrick) und Emily (Blake Lively) könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Stephanie Vollzeit Mama ist, ist Emily eher auf ihre Karriere als auf die Erziehung fixiert. Trotzdem freunden sich beide an. Bis Emily eines Tages Stephanie um einen kleinen Gefallen bittet. Sie solle bitte ihren Sohn Nick nach der Schule mit abholen. Doch aus diesem kleinen Gefallen entwickelt sich bald mehr, denn Emily taucht nicht wieder auf.

Meine Meinung

Nur ein kleiner Gefallen fängt zunächst als typische Mutterstudie an. Während die „perfekten“ Eltern, die es schaffen sowohl Geld zu verdienen, als auch sich ausreichend um ihre Kinder zu kümmern, über Stephanie und Emily immer nur lästern können, sind es vor allem diese beiden Charaktere, die als abschreckende Beispiele genutzt werden. Stephanie ist verwitwet und lebt von der Lebensversicherung ihres Mannes. Dadurch kann sie Vollzeitmutter sein und verschreibt sich dieser Aufgabe auch mit Haut und Haaren. Für die anderen Eltern ist sie dadurch viel zu überengagiert. Allerdings reicht das Geld aus der Lebensversicherung auch nicht ewig. Aber statt sich einen Job zu suchen, investiert sie viel Freizeit in einen Vlog, auf dem sie Rezepte und Haushaltstipps teilt. An ihren Sohn ist sie immer mit einer Kamera dran und wenn es um Schulfeste geht, würde sie am liebsten alle Organisationspunkte selbst in die Hand nehmen. Im starken Kontrast dazu steht Emily. Sie ist erfolgreiche PR-Beraterin eines angesagten Designers. Dementsprechend ist sie auch immer von oben bis unten durchgestylt. Sie führt ein pompöses Leben in einem Designerhaus, zusammen mit ihrem Mann Sean, der ein erfolgloser Schriftsteller ist und sein Geld an der Universität verdient. Mutter zu werden, gehörte wohl nicht zu ihrem Plan und so ist die Erziehung des Kindes nur Nebensache und wird auch nur halbherzig vorgenommen.
Nachdem die Mutter- und Charakterstudie beendet ist, fängt der Krimi/Thriller-Part an. Emily bittet Stephanie um den titelgebenden kleinen Gefallen und verschwindet. Stephanie versucht nun ihre Freundin wiederzufinden und nutzt dafür auch ihren Vlog. Dabei wird sie immer wieder gewarnt, nicht zu weit in Emilys Vergangenheit zu schnüffeln. Hier kippt zwar die fröhlich lockere Stimmung, die noch zu Anfang herrschte, aber der Film schafft es den Umschwung zu nutzen und einen hohen Spannungsgrad zu erzeugen. Im weiteren Verlauf des Films wird dann noch einmal das Genre gewechselt. Hier spinnen nun einzelne Charaktere verschiedene Intrigen. Allianzen werden gebildet und gleich wieder zerstört. Leider ist es das Ende, das einen starken Film dann doch ein wenig runterzieht. Zwar werden die einzelnen Fäden zusammengeführt und das Ende logisch erklärt, trotzdem sorgt die ein oder andere Szene für ein bisschen Slapstick, was nicht zum vorherigen Film passt.
Castingtechnisch wurden mit Anna Kendrick und Blake Lively genau passende Darsteller gefunden. Während Lively den nötigen Glamour versprüht, passt Kendrick zu der Vorstadtmutter. Wobei man gerade von Kendrick schauspieltechnisch doch mehr gewöhnt ist. Hier stellt sich die Frage ob die etwas schwächere Schauspielleistung gewollt ist.

Das Fazit

Nur ein kleiner Gefallen ist ein Film aus drei Genres, die nacheinander abgespielt werden und doch wunderbar zusammenpassen. Die Geschichte ist spannend erzählt und hat immer wieder interessante Wendungen. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Nur ein kleiner Gefallen läuft ab dem 15.11.2018 in den deutschen Kinos.

Bohemian Rhapsody

Ein Vorwort

Eine Band, die noch heute weder aus dem Radio noch aus dem CD-Regal wegzudenken ist, ist Queen. Während meine Mama wahrscheinlich die Alben aus dem Stehgreif in die korrekte chronologische Reihenfolge bringen kann, laufen bei mir zumindest ab und an die Greatest Hits hoch und runter. Nun bekommt die Band mit einiger Verzögerung doch noch ihren Film. Nachdem das Projekt bereits 2010 angekündigt wurde und zunächst noch Sacha Baron Cohen als Freddy Mercury im Gespräch war, hat sich zum Glück nochmal einiges geändert.

Die Handlung

1985. Bob Geldof organisiert seine legendären Live-aid Konzerte. Queen ist einer der Gäste. Doch der Weg dorthin war lang, steinig und gerade Liedsänger Freddy Mercury (Rami Malek) hat ein Leben voller Höhen und Tiefen hinter sich. Dies ist die Geschichte der Band.

Meine Meinung

Nach der Sichtung des ersten Trailers war man sich einig. Die Wissenschaft ist soweit fortgeschritten, dass Freddy Mercury, 1991 verstorben, aus seinem Grab wiederbelebt wurde, um noch einen Film über sein Leben zu drehen. Kurz darauf folgte die Ernüchterung. Es war nicht Mercury posthum himself, sondern Rami Malek, der mit Kieferprothese sich dem typischen Erscheinungsbild Mercurys genähert hat und nach wochenlangen Trainings mit Bewegungscoaches auch den typischen Bewegungsstil sicher beherrscht. Doch nicht nur mit Malek, der in dieser Rolle voll aufgeht und über sich noch einmal hinauswächst – obwohl für seine Rolle in Mr. Robot bereits mehrfach für Preise nominiert und teilweise auch gewonnen – ist hervorragend gecastet, sondern auch der Rest der Band. Ob nun Ben Hardy als Roger Taylor, Gwilym Lee als Brian May oder Joseph Mazzello als John Deacon, alle sind ihrem Vorbild wie aus dem Gesicht geschnitten. Während des Abspanns war dann ein Liveausschnitt der realen Band zu sehen. Dass man kaum Unterschiede zu den Filmversionen gesehen hat, dürfte so ziemlich alles über den Cast aussagen. Abgerundet wird er mit Aiden Gillen als Manager, Tom Hollander als Anwalt und Allen Leech als Paul Prenter.
Handlungstechnisch bildet das Live-aid Konzert den Auftakt und das krönende Finale. Zwischendurch wird chronologisch die Bandgeschichte von der Gründung, zum ersten Plattenvertrag, zu den einzelnen Hitsingles und Alben bis zu Mercurys Soloversuch erzählt. Das ein paar kleinere zeitliche Patzer drin sind, dürfte wohl nur dem Hardcore Queen Fan auffallen. Und dramaturgisch war es eine gute Entscheidung alle 11 Nummer 1 Hits der Band in den Film zu packen und auch Mercurys AIDS Diagnose zu erwähnen, wenn auch nicht zu dramatisieren.
Ferner geht es neben der reinen Bandgeschichte auch um die zwischenmenschlichen Töne. Hier ist Mercury deutlich im Mittelpunkt. Denn seine Geschichte mit Partyexzessen, Drogen und wechselnden Liebhabern ist nun einmal am buntesten zu inszenieren. Dennoch hält sich der Film ziemlich zurück, was die Darstellungen angeht.
Letztendlich ist Bohemian Rhapsody mit seinen 135 Minuten eine mitreißende und spannende Hommage an Queen, die nicht nur Fans begeistert.

Das Fazit

Bohemian Rhapsody wirbt mit den bekannten Liedern Queens, überzeugt jedoch mit einem exzellenten Cast und einem guten Riecher für eine gute Dosis Drama und Humor. Dafür gibt es 08 von 10 Punkten.

Bohemian Rhapsody läuft seit dem 31.10.2018 in den deutschen Kinos.

Rückblick auf den Oktober

Im Gruselmonat Oktober habe ich mich selbst zwar relativ wenig gegruselt. Bei Ma-Go ging es dann schon wesentlicher Horrormäßiger zu, mit seiner Reihe „31 Blogger’s Gruselstories“. Zu dieser Reihe schrieb ich auch einen Beitrag. Wer also wissen will, wieso ich meinen ersten Horrorfilm mit meiner ersten Achterbahnfahrt verglichen habe, kann es hier nachlesen. Ansonsten ging es in diesem Monat auf Dienstreise – Lanzarote und Fuerteventura wurden erkundet. Was medientechnisch bei mir los war, erfahrt ihr nun in meinem Monatsrückblick:

Sneak Preview

Der Vorname: Ein Gruppe Freunde trifft sich zum Abendessen. Dabei wird der Vorname des noch ungeborenes Nachwuchs eines Paares preisgegeben. Doch dieser sorgt für allerlei Diskussionsbedarf. Regisseur Sönke Wortmann weiß zu überzeugen und erschafft ein gelungenes Kammerspiel mit starken Darstellern und interessanten Charakteren.

25 km/h: Zwei Brüder treffen sich nach 30 Jahren wieder. Beide haben sich sehr unterschiedlich entwickelt, beschließen aber den Roadtrip, den sie als Kinder geplant haben, endlich nachzuholen. Dabei vereint der Film Roadmovie mit Feel good und einer gesunden Portion Drama. Regisseur Goller weiß, wann er nachbohren muss und wann er ein Thema ruhen lassen sollte.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

A Star is born: Er ist ein in die Jahre gekommener Musiker, der sein Leben in Alkohol ertränkt, sie schafft es durch ihn entdeckt zu werden. Eine Liebesgeschichte mit allen Höhen und Tiefen. Der Film ist mehr als eine Liebesgeschichte und mehr als ein Musikfilm. Er kombiniert so viele Themen und erzählt eine Geschichte mit allen Facetten, mit allen Höhen und Tiefen. Dabei beleben die beiden Hauptdarsteller Cooper und Gaga den Film.

Venom: Journalist Eddie Brock, untersucht einen Fall bei der Life Foundation. Zurück kommt er mit einem Symbionten namens Venom, der sich in ihm eingenistet hat. Venom hat zwar einige Schwachstellen, die jedoch während des Sehens nur bedingt stören und erst im Nachhinein wirklich ins Gewicht fallen. Dennoch ist es schade, dass die ständigen Regisseurwechsel das Potential des Films so klein gehalten haben.

Johnny English – man lebt nur dreimal: Ein Hackerangriff legt die Identitäten aller von Großbritannien im Einsatz befindlichen Agenten offen. Nun muss der MI7 sich Alternativen überlegen. Zum Glück hat Johnny English gerade Zeit. Johnny English 3 ist genau das, was man erwartet. Ob es einen dritten Teil noch gebraucht hätte, dürfen die Fans entscheiden.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Im Zuge meiner Reihe „Filme, die musst du gesehen haben“, sichtete ich noch Zwielicht und Alice im Wunderland. Details sind hier zu finden.

Jumanji 2: Im letzten Monat sah ich das erste Mal das Original und ließ nun den zweiten Teil folgen. Mich konnte noch immer die Handlung und vor allem die Besetzung begeistern!

Mary Poppins: In Vorbereitung auf den zweiten Teil, den Disney uns demnächst im Kino zeigt, ließ ich mich noch einmal von Julie Andrews bezaubern.

Das Belko-Experiment: Die Angestellten einer Firma werden ohne Vorwarnung in ihr Bürogebäude eingesperrt. Dann bekommen sie die Anweisung eine gewissen Anzahl ihrer Kollegen zu töten. Das Belko-Experiment beleuchtet zum einen wie sich verschiedene Menschen verhalten, wenn sie in so einer Situation stecken. Töten oder möglicherweise selbst getötet zu werden. Zum anderen erfreut sich der Film aber auch einfach an großen Abschlachtszenen.

The Tale – Die Erinnerung: Eine Frau findet Briefe aus ihrer Kindheit und merkt, dass sie große Teile ihrer Kindheit verdräng hat. Schnell merkt sie auch, warum. Sie wurde als Kind sexuell missbraucht. The Tale erzählt die Geschichte in einzelnen Schnipseln. Dabei ist das erzählte schon sehr krass und wird von Hauptdarstellerin Laura Dern gut rübergebracht.

The Avengers – Infinity War: Nach dem DVD Release des dritten Avengers Abenteuer musste ich den Film unbedingt noch einmal sehen, um meine Meinung zu überprüfen. Ja, immer noch sehr guter Film!

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Bad times at the El Royal: Sieben Fremde treffen in einem Hotel zusammen. Jeder hat eine andere Geschichte und andere Geheimnisse. Der Trailer sah schon sehr interessant aus und auch der Cast lässt einiges erhoffen.

Hunter Killer: Von Filmen mit Gerard Butler lass ich eigentlich gerne die Finger, nachdem seine letzten Filme allesamt floppten. Gary Oldman hingegen ist ein Schauspieler, den ich sehr gerne sehe. Was auch Hunter Killer interessant macht.

Filme, die es ganz knapp nicht in die Liste geschafft haben: Werk ohne Autor, Gänsehaut 2, Abgeschnitten

Serien – ein  kurzer Überblick

Im Oktober habe ich drei Serien beendet. Zum einen Elementary mit der vierten und fünften Staffel. Bis zum Ende hohes Niveau und interessante Fälle. Ich erwarte nun sehnsüchtig die sechste Staffel. Zum anderen Rick & Morty mit der dritten Staffel. Die Serie ist zwar vollkommen verrückt, aber hat trotzdem Suchtpotential. Auch hier erwarte ich nun die nächste Staffel. Und zu guter Letzte The A-Team. Die fünfte Staffel war zwar vom Konzept her ganz anders als die ersten vier, aber trotzdem noch spannend. Ich hätte gerne mehr gesehen, aber die Serie ist damit endgültig beendet. Neu gesehen habe ich die erste Staffel von Glow. Die Serie über weibliche Wrestler ist zwar irgendwo interessant und gut gemacht, aber so der letzte Funke ist nicht wirklich übergesprungen. Auf Empfehlung meines Freundes habe ich Rick & Morty mit Adventure Time ersetzt. Auch diese Serie ist einfach nur abgedreht, aber mit ihren gerade mal 10 minütigen Folgen super zum durchsuchten. Und zu guter Letzt habe ich noch Netflix neue Serie All about the Washingtons gesehen. Leider war die Serie nicht so lustig wie ich erwartet hätte.

Mein Lesemonat:

Bücher insgesamt: 2
Seiten insgesamt: 1104
Seiten pro Tag: ca. 35 pro Tag
Taschenbücher: 1
Manga: 1

Death Note – Band 4: Die Geschichte rund um Light und seinen Todesgott ist zwar immer noch interessant, aber ich merke, dass ich vielleicht zwischen den Bänden etwas Zeit verstreichen lassen sollte.

Christine: Mein inzwischen vierter Stephen King Roman hielt mich den gesamten Oktober über in Atem. So habe ich wohl doch Gruseloktober „gefeiert“. King schafft es wieder ein völlig normales Szenario – ein Autokauf – in eine Horrorgeschichte zu verwandeln und dabei die typischen Entwicklungen eines Mannes am Ende seiner Highschool-Zeit mit einzubeziehen.

Venom

Ein Vorwort

Nachdem Sony und Marvel mit den beiden Deadpoolteilen bereits große Erfolge einheimsen konnten, war die Comicfilmwelt wohl für einen weiteren Antihelden bereit. Und zunächst schien ja auch alles gut zu laufen. Der erste Trailer sah technisch gut gemacht aus und Tom Hardy dürfte wohl auch die Idealbesetzung sein. Doch dann kamen die ersten Pressestimmen und berichteten von einem Totalausfall. Das konnte ich nicht glauben und musste mir sogleich ein eigenes Bild machen. Wie schlecht ist Venom also wirklich?

Die Handlung

Der Journalist Eddie Brock (Tom Hardy) ist nach einem misslungenem Interview in Ungnade gefallen und hat Job und Verlobte verloren. Als nun eine Mitarbeiterin von der Life Foundation zu Brock kommt, eben jener Firma wegen der sein Leben eine drastische Wendung nahm, und ihm erzählt, dass die Anschuldigungen wahr sind und der CEO Dr. Carlton Drake (Riz Ahmed) Experimente an Menschen durchführt, muss sich das Brock genauer ansehen. Von seinem Ausflug kommt er mit einem Parasiten wieder. Der Symbiont Venom hat sich in Brock eingenistet. Nun versuchen beide miteinander klar zu kommen und gleichzeitig Drake davon abzuhalten, das Ende der Welt einzuläuten.

Meine Meinung

Als die Nachricht eintraf, dass sich Sony an einem Venomfilm versucht, war die Verwirrung zunächst groß. Denn Disney, genauer Marvel, hatte sich die Rechte für ihren Spider-Man zurück gesichert und mit Spider-Man Homecoming ihren eigenen Teil verfilmt. Venom als Hauptgegner Spider-Mans gehöre doch eigentlich dazu, so nahm der treue Comicleser an. Immerhin gibt es auch kein Batman ohne seinen Joker. Doch Marvel hatte sich nicht die Rechte an allen Spider-Man Gegnern gesichert. So konnte in Homecoming the Vulture auftauchen, aber Sony nun einen Venom Solofilm herausbringen. Spätestens ab hier sind die ersten Comicleser vom Projekt abgesprungen. Ein Venom Film ohne Spider-Man wäre nicht möglich. Doch Sony ließ sich nicht unterkriegen und versucht sich gegen die Konkurrenz aus dem Hause Marvel zu wehren.
Zunächst wurde Tom Hardy als Venom/Eddie Brock verpflichtet. Das stimmte viele schon wieder milde, immerhin ist Hardy als sehr guter Schauspieler bekannt. Verzückt von der Aussicht an Hardys Seite zu spielen, ließ sich auch Michelle Williams verpflichten, die ihr hohes schauspielerisches Niveau spätestens in den oscarnominierten Filmen Manchester by the Sea und Alles Geld der Welt bewies. Das war dann aber auch schon das Ende der ruhmreichen Entstehungsgeschichte. Es folgten Regisseurwechsel, Drehbuchumschreibungen, Nachdrehs. Bei dem treuen Kinogänger schrillten die Alarmglocken. Denn ähnliches ist vor allem aus dem DC Extended Universe bekannt und auch die Filme fielen fast alle bei Zuschauer und Kritikern durch. Doch wie wirkte sich das nun auf den Film aus?
Man merkt schon deutlich, dass einige Regisseure sich am Film versucht haben. So gibt es mehrere Teile des Films, die deutlich eine andere Handschrift tragen. Am Ende ergibt sich zwar ein schlüssiger Film, aber die unterschiedlich ausgeprägten Teile, mal actionlastiger, mal dialoglastiger, hätten durchaus dynamischer gestaltet werden können. Bei der Charakterisierung merkt man dann, warum zu viele Köche den Brei einfach verderben. Denn zunächst ist Eddie Brock ein willensstarker Journalist, der sich nichts sagen lässt und überall die Oberhand behält. Und dann verliert er Job und Verlobte und schon hängt er nicht einfach nur durch, sondern gibt das Bild eines typischen Versagers, der sich leicht beeinflussen lässt. Gleiche nicht nachvollziehbare Sprünge gibt es auch bei dem Symbionten Venom, der von einer Szene auf die andere erst die Welt vernichten und dann auch einmal retten will. Hier fehlt die konsequente Linie.
Handlungstechnisch ist Venom sehr einfach aufgebaut und folgt dem typischen Schema eines Superheldenfilms. Gerade hier hätte Venom mutiger sein dürfen. Wir haben einen markanten Antihelden verkörpert von einem sehr guten Schauspieler. Daraus hätte man mehr machen können. Stattdessen wird sich auf altbekanntes verlassen. Frei nach dem Motto, eine Prise Drama, ein Löffel Humor und ein Liter Action. Vielleicht hätte man das Rezept gerade, was den Humor angeht, ändern sollen. Denn wirklich witzig sind nur die Dialoge zwischen Brock und seinem „Parasiten“. Hier hätte man sich entweder darauf einigen sollen, den knallharten Actionfilm zu drehen, den man angekündigt hat, oder man hätte sich in Deadpoolmanier darauf einigen sollen, den Film auch wirklich witzig zu machen. Aber so sieht Venom wie schon die Filme des DC Extended Universe allesamt so aus, als würden sie dem großen Konkurrenten Marvel hinterherlaufen, aber einfach nicht an ihn heranreichen können. Blöd natürlich, dass Venom der Auftakt von Sonys neuem „Sony’s Universe of Marvel Charakters“ werden sollte. Ob die Idee auch direkt wieder eingestampft wird, wie Universals Versuch seines Dark Universe, nachdem der Startfilm „Die Mumie“ absolut gefloppt ist?
Was Venom ebenfalls fehlt sind die intelligenten Dialoge, gerade am Anfang. Wer auch immer diese Dialoge geschrieben hat, kann froh sein, dass Hardy und Williams es schaffen diese nur halbwegs lächerlich klingen zu lassen, was schon wieder ein großes Lob an die Darsteller ist. Denn gerade in einer romantischen Restaurantszene am Anfang zwischen den beiden, sind die Dialoge einfach nur unterirdisch.
Womit wir wieder einmal auf Michelle Williams zu sprechen kommen. Denn ihre Rolle verdient eindeutig mehr Aufmerksamkeit, als sie bekommt. Denn sie ist tatsächlich ein Love interest, der mehr als nur schreiend wegrennen kann. Sie arbeitet hart an ihre Karriere und verlässt Brock, sobald er ihr nicht mehr guttut. Dennoch ist sie besorgt und hilft ihm, nachdem er sich den „Parasiten“ eingefangen hat. Sie wird in den Kampf mit reingezogen, ohne spezielle Kräfte zu haben. Trotzdem gewinnt sie den Endkampf sogar mehr oder weniger, weil sie als einzige den Kopf und nicht die Muskeln eingesetzt hat. Klar wird sie gerne zurückgelassen, um eben nicht in Gefahr zu geraten, doch sie lässt sich vom Machogehabe der Männerriege nicht unterkriegen. Wie gesagt, ich hätte mir gerne mehr Szenen mit ihr gewünscht!
Zu guter Letzt sollten wir noch über den großen Endkampf reden. Denn dieser ist visuell zwar sehr schön anzusehen, wenn zwei Symbionten gegeneinander kämpfen, doch leider sind die beiden Symbionten farblich sehr ähnlich gestaltet, so dass man schnell den Überblick verloren hat, welches Körperteil nun zu wem gehört. Dadurch verliert man leider auch ein wenig das Interesse am Kampf, weil man ihn nicht nachvollziehen kann.

Das Fazit

Venom ist definitiv nicht der Totalausfall, wie die ersten Kritiken befürchten ließen. Er hat zwar einige Schwachstellen, die jedoch während des Sehens nur bedingt stören und erst im Nachhinein wirklich ins Gewicht fallen. Dennoch ist es schade, dass die ständigen Regisseurwechsel das Potential des Films so klein gehalten haben. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Venom läuft seit dem 03.10.2018 in den deutschen Kinos.

Johnny English – Man lebt nur dreimal

Ein Vorwort

Die Rolle seines Lebens hatte Rowan Atkinson wohl als Mr. Bean. Zumindest muss ich jedes Mal an diese Figur denken, wenn ich Atkinson sehe. Da ich mit Mr.. Bean überhaupt nichts anfangen kann und dem Humor überhaupt nichts abgewinnen kann, mache ich normalerweise einen großen Bogen um alle Werke Atkinsons. So habe ich auch noch nie die Johnny English Teile gesehen. Bis ich aus irgendeinem Grund im Kino saß, um mir den dritten Teil anzugucken.

Die Handlung

Ein großer Hackerangriff deckt die gesamten Decknamen der aktiven britischen Spione auf. In ihrer Verzweiflung sucht das MI7 nach inaktiven Spionen und nach einem Zwischenfall bleibt nur noch einer übrig: English, Johnny English (Rowan Atkinson). Zusammen mit seinem treuen Freund Bough (Ben Miller) versucht er den Hacker zu identifizieren. Zunächst ist er aber mit der neusten Technik etwas überfordert.

Meine Meinung

Im Ganzen Dschungel der Prequels und Sequels, die jedes Jahr über den Kinohimmel hineinbrechen, ist es mitunter schon schwierig herauszufiltern, welche Sequels sind sinnvoll und welche nicht. Bei Johnny English ist das schwierig zu sagen (vor allem wenn man die ersten Teile nicht kennt). Letztendlich ist es eine Parodie auf James Bond, wenn dieser nicht mit der Technik mitgewachsen wäre. Also praktisch ein Sean Connery James Bond, dem man ein Smartphone vor die Nase hält und ihn mit virtuell Reality konfrontiert. Dies birgt durchaus ein großes Humorpotential, zumal English die neue Technik konsequent ablehnt und versucht mit den alten Methoden zurecht zu kommen. Aber wie bei vielen Parodien wird es ab einem gewissen Punkt einfach nur noch übertrieben und zieht damit alles ins Lächerliche. Die Handlung an sich ist dabei sehr simpel gehalten und leider auch sehr vorhersehbar. Ein Hackerangriff auf Großbritannien. Und wer zusätzlich zu English zur Hilfe gerufen? Ein Großunternehmer, wie Steve Jobs, dessen Angebote alle darauf ausgelegt sind, möglichst viele Daten von seinen Nutzern zu sammeln, um seine Algorithmen zu füttern. Na, wer sieht das Ende noch nicht vor sich?
Letztendlich liefert Johnny English 3 genau das, was die Vorgänger und der Trailer versprechen. Vielleicht sogar ein bisschen mehr, weil einige Szenen wirklich witzig sind und nicht dieses gewollte übertriebene Witzig. Einfache Handlung, Rowan Atkinson mit seiner typischen Art und ein Bondgirl, äh ich meine English-Girl, runden den Film in seiner Einfachheit ab. Dazu kommt noch eine Emma Thompson, die man einfach in jeder Rolle lieben muss, auch als leicht naive Premierministerin.
Was jedoch wirklich schade ist, ist, dass in Johnny English 3 die Idee für einen viel besseren Film schlummert. Denn ähnlich wie im deutschen Kundschafter des Friedens, werden zusätzlich zu English auch drei Agenten, die wegen ihres Alters im Ruhestand sind, einberufen. Diese werden leider sehr schnell auch wieder entlassen, doch mit Michael Gambon (Dumbledore in den Harry Potter Filmen), Charles Dance (Tywin Lannister in Game of Thrones) und Edward Fox (Taboo) wurde schon ein interessanter Cast geschaffen. Wenn man diese nun statt English mit der neuen Technik vertraut gemacht hätte, wäre es wohl durchaus noch eine Komödie geworden, aber mit weniger Slapstick. Also praktisch ein britisches Kundschafter des Friedens (der leider nicht wirklich ausgereift ist, aber mit dem typischen britischen Humor und dem Cast, hätte ich ihn mir auf jeden Fall angesehen!).

Das Fazit

Johnny English 3 ist genau das, was man erwartet. Ob es diesen dritten Teil noch gebraucht hätte, dürfen die Fans entscheiden. Von mir gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Johnny English – man lebt nur dreimal läuft seit dem 18.10.2018 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: 25 km/h

Ein Vorwort

Mit 25 km/h erschien nun bereits der dritte deutsche Film in der Sneak (nach Schneeflöckchen und Der Vorname). Bei bisher 7 Sneaks in meinem Heimatkino ist das eine sehr hohe Quote. Und Schneeflöckchen und Der Vorname konnte mich bisher beide überzeugen. Schließt 25 km/h nun dort an? Der Trailer sah ja schon einmal vielversprechend aus. Gab es vorher eigentlich schon mal einen deutschen Roadmovie?

Die Handlung

Die Brüder Christian (Lard Eidinger) und Georg (Bjarne Mädel) treffen sich auf der Beerdigung ihres Vaters nach vielen Jahren wieder. Doch das Wiedersehen steht unter einem schlechten Stern, haben sich die Brüder doch in ganz unterschiedliche Richtungen entwickelt. Etwas betrunken finden sie auf dem Dachboden eine alte Karte wieder, die sie als Kinder gezeichnet haben. Der Plan: Mit den Mofas ihrer Kindheit vom Schwarzwald an die Ostsee fahren, um dort hinein zu pinkeln. Dabei müssen allerhand Aufgaben gelöst werden. Spontan beschließen sie den Plan ihrer Kindheit umzusetzen.

Meine Meinung

25 km/h kommt zunächst mit einer sehr einfachen Idee daher. Zwei Brüder haben als Kinder einen großen Traum und wollen mit ihren Mofas quer durch Deutschland fahren. Viele Jahre später treffen sie wieder aufeinander und ziehen den Plan durch. Der Beginn eines jeden Roadmovie. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn dieser  Film kann durchaus mehr.
Es beginnt schon damit, dass sich die Brüder erst zur Beerdigung ihres Vaters nach 30 Jahren wiedersehen. Beide haben ganz unterschiedliche Wege eingeschlagen. Während Georg im Heimatstädtchen blieb, dort eine Tischlerei betreibt und in den letzten Jahren den kranken Vater pflegte, ist Christian quer um die Welt gereist und ist dort ein erfolgreicher Manager. Beide scheinen auf den ersten Blick ihr Leben zu leben, doch erst nach und nach bröckeln beide Kartenhäuser. So baut Regisseur Markus Goller zunächst seine Charaktere auf, die sich dann nicht nur immer weiter in den Norden wagen, sondern auch schrittweise mit ihrem Leben aufräumen müssen.
An erster Stelle steht jedoch der Feel good-Faktor. Denn auf Mofas durch die ganze Republik zu fahren, ist sehr anstrengend. Doch gleichzeitig treffen die Brüder die unterschiedlichsten Leute unterwegs. Dafür wurde gleich ein ganzer Sack an bekannten deutschen Schauspielern ausgeschüttet: Sandra Hüller, Wotan Wilke Möhring, Franka Potente, Alexandra Maria Lara und Jella Haase.  Dabei kommt es zu allerhand skurrilen Situationen, die aber nie aus dem Ruder laufen.
Neben dem typischen Roadmovie Charakter und dem Feel-Good-Faktor hat 25 km/h auch noch einen gewissen Dramaanteil. Dieser wird aber bewusst klein gehalten. So reden die Brüder ab und an über ihre Vergangenheit und warum sie gewissen Entscheidungen getroffen haben. Diese Szenen werden aber nie künstlich in die Länge gezogen oder führen zu rührseligen und tränenreichen Erklärungen. Und genau hier meistert der Film den schmalen Grad zwischen Charakterentwicklung und Übertreibung. Letztendlich wird also dem ganzen Trip einen Sinn gegeben.
Getragen wird der ganze Film auf den starken Schultern von den beiden Hauptdarstellern. Lars Eidinger und Bjarne Mädel nehmen kein Blatt vor den Mund und schaffen es sowohl in emotionaleren Szenen als auch in den lustigen Szenen stets ein gutes Niveau zu halten. So ruhig erzählt und doch so tiefgründig war wohl bisher selten ein Roadmovie.

Das Fazit

25 km/h vereint Roadmovie mit Feel good und einer gesunden Portion Drama. Dabei weiß Regisseur Goller, wann er nachbohren muss und wann er ein Thema ruhen lassen muss. Dabei ist der Film ruhig erzählt und doch unglaublich mitreißend. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

25 km/h läuft ab dem 31.10.2018 in den deutschen Kinos.

Ballon

Ein Vorwort

Wenn man über den deutschen Film spricht, kommt man um einen Namen kaum herum. Michael Bully Herbig. Sein Schuh des Manitu ist an den Kinokassen noch immer einer der erfolgreichsten deutschen Filme. Doch nach vielen Jahren im Komödienbereich – erst letztes Jahr kam ein Kinofilm zu seiner Bullyparade – wendet er sich mit Ballon nun erstmals einem ernsten Thema zu: der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Dazu nimmt er sich eine wahnsinnige Geschichte, die auch noch wahr ist und inszeniert diese nun mit einem ganz neuen Stil.

Die Handlung

Familie Strelzyk (Friedrich Mücke und Karolin Schuch) leben in Pößneck in Thüringen. 1979 ertragen sie es nicht länger unter dem DDR Regime. Also versuchen sie einen Fluchtversuch mit einem selbstgebauten Heißluftballon über die Grenze zu kommen. Doch der Versuch scheitert. Nun beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn die Stasi versucht die Vaterlandsverräter zu finden.

Meine Meinung

Basierend auf einer wahren Geschichte mit historischem Bezug. Diese Prämisse hat meistens das Problem, dass der geschichtlich interessierte Zuschauer den Ausgang der Geschichte bereits kennt. So auch hier, denn die bekanntesten Fluchtversuche aus der DDR sind nun einmal erfolgreich gewesen. Umso wichtiger ist es, die Geschichte an sich spannend zu erzählen und mit verschiedenen Facetten. Und genau das ist es, was Bully hier schafft.
Denn während man am Anfang etwas überrascht ist, weil die Ballonflucht gleich am Anfang thematisiert wird, kommt dann die Einsicht, dass es nicht 125 Minuten Flucht gibt, sondern am Anfang die erste Flucht scheitert. Nun wird aber nicht voller Tatendrang der nächste gebaut, sondern Bully schafft es geschickt verschiedene Charakterentwicklungsphasen zu kreieren und diese aufeinander aufbauend zu erzählen. So ist Familie Strelzyk zunächst total verängstigt. Nicht nur, dass sie bei dem Versuch hätten sterben können, die Gefahr gefasst zu werden, kommt ihnen im Nachhinein noch einmal viel realer vor. So überlegen sie doch zunächst in der DDR zu bleiben, bis der erste Schock so weit gesunken ist, dass man sich über andere Fluchtmöglichkeiten informiert. Natürlich kommt es irgendwann unweigerlich zum Bau des zweiten Ballons, doch der Weg dahin ist spannend inszeniert.
Denn während die Familie sich von dem Schock erholt und verschiedene Möglichkeiten durchgeht, hat man als zweiten Handlungsstrang die Ermittlungen der Stasi eingefügt. Denn diese jagt nicht nur einfach Vaterlandsflüchtige, sondern eine Familie, die das Ansehen der DDR im Westen weiter ins Lächerliche ziehen könnte. Durch diese duale Erzählweise schafft es Herbig einen hohen Spannungsgrad aufzubauen, der letztendlich in einen Wettlauf mit der Zeit mündet. Untermalt wird dies vom dem großartigen Score von Ralf Wengenmayr, der sich permanent steigert und so die Anspannung beim Zuschauer permanent erhöht.
Ballon ist intelligent geschrieben, hochgradig spannend, aber doch ruhig und bodenständig erzählt. Es wird sich genügend Zeit genommen, damit sich die Charaktere entwickeln können, und doch gibt es den permanenten „Wettlauf gegen die Zeit“-Faktor. Hinzu kommen die Bilder, die das kleine Städtchen Pößneck wieder in die Zeit der DDR versetzt. Und schließlich der Bau des zweiten Ballons und die zweite Flucht. Und obwohl man sich denken kann, wie der Film ausgeht, schafft es Bully uns noch einmal bis zur letzten Minute zittern zu lassen.

Das Fazit

Ballon ist einer der Filme, die ein altbekanntes Thema aufgreifen, aber mit einem guten Cast, einem grandiosen Score und gut in Szene gesetzte Bilder aufwatet und gerade mit dem spannenden und intelligenten Drehbuch punkten kann und so ein Kinogenuss für alle Sinne baut. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Ballon läuft seit dem 27.09.2018 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: Der Vorname

Ein Vorwort

Vorlagen aus anderen Ländern zu nehmen und daraus eigene Produktionen zu machen, ist eigentlich typisch Hollywood. Immerhin wird dort angeblich gerade ein Remake von Honig im Kopf gedreht. Ab und an versucht sich auch der deutsche Film an diesem Vorgehen. Während das deutsche Remake vom französischen Papa ou Maman (Mama gegen Papa) mit Carolin Kebekus bei den Kritikern floppt, scheint das Remake vom französischen Le Prenom (Der Vorname) eine wesentlich bessere Figur zu machen.

Die Handlung

Stephan (Christopher Maria Herbst) und Elisabeth (Caroline Peters) organisieren für Elisabeth Bruder Thomas (Florian David Fitz), dessen Freundin Anna (Janina Uhse) und dem Freund der Familie René (Justus von Dohnányi) ein Abendessen. Doch als Thomas erzählt, dass er und Anna das gemeinsame Kind Adolf nennen wollen, entwickelt sich darüber eine Diskussion, die noch ganz andere Geheimnisse an die Luft bringt.

Meine Meinung

Nachdem Till Schweiger seinen neusten Film Klassenfahrt 1.0 in die deutschen Kinos brachte, sahen sich die Kritiker des deutschen Films wieder einmal bestätigt. Deutschland könne keine guten Filme hervorbringen, sondern orientiere sich immer nur an den immer alten Sachen mit einem Humor, der bei Schweiger zuletzt sehr grenzwertig wurde. Nun versucht sich Sönke Wortmann (Der bewegte Mann, Das Wunder von Bern, Frau Müller muss weg) an einem französischen Theaterstück.
Die erste Hürde dabei ist, dass es sich um ein Kammerspiel handelt, das beinahe komplett in Stefans und Elisabeths Wohnung spielt. Lediglich die Einführungsphase, in der die beiden Bewohner vorgestellt werden, wurde teilweise außerhalb gedreht. Hier dienen auch erstmals nicht die großen Drei, Berlin, München, Köln, als Kulisse, sondern es wurde in Bonn gedreht. Leider bekommt man nur sehr wenig von der Stadt zu sehen. Dafür setzt Wortmann die Wohnung gekonnt in Szene und wechselt zwischen Wohnzimmer, Küche und Esszimmer hin und her, so dass die Darsteller auch Bewegung in das Ganze bringen können.
In erster Linie zeichnet sich der Film jedoch durch seine Dialoge aus. Und genau hier schaffen es Regisseur Wortmann und Drehbuchautor Claudius Pläging perfekt zu harmonieren. Denn die Dialoge sind intelligent, durchdacht und doch witzig. Sie sind voller Spitzen, Überdramatisierung und treffen doch genau die richtigen Stellen beim Zuschauer. So verfolgt man gleichzeitig die Diskussionen der Charaktere, die mit dem namensgebenden Vornamen beginnen, sich später aber immer weiter entwickeln, und auch geben die Charaktere immer mehr von sich Preis und man hat gleichzeitig auch noch Charakterentwicklungen.
An den anfänglichen Diskussionen ist es vor allem interessant, dass es tatsächlich Argumente für den Namen Adolf gefunden wurden. Denn während man wohl grundsätzlich im Trailer saß und Stefans „Bist du bescheuert?“, so gut nachvollziehen konnte, wird es hier jetzt wirklich spannend, denn es wird eine ebenbürtige Diskussion geschaffen. Nachdem es von dieser Diskussion weiter geht zu anderen Diskussionsthemen, nimmt der Erzählwind ein bisschen ab und wird gerade in der zweiten Hälfte immer schwächer. Das berühmte „Noch einen oben drauf setzen“ wird absolut ausgereizt, behält aber immer ein gewisses Niveau bei. Dadurch bleibt Der Vorname ein gelungener Film mit interessanten Charakteren, die gekonnt von den Darstellern verkörpert werden, hat aber eine deutlich stärkere erste Hälfte.

Das Fazit

Mit einer sehr starken ersten Hälfte weiß Der Vorname zu überzeugen. Wortmann erschafft hier ein gelungenes Kammerspiel mit starken Darstellern und interessanten Charakteren. Die zweite Hälfte schwächelt neben der starken ersten ein wenig, macht aber immer noch eine gute Figur. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Der Vorname läuft seit dem 18.10.2018 in den deutschen Kinos.