Eine Handvoll Serien – 05/23 – Sportanime Special

Herzlich Willkommen zur fünften Handvoll Serien in diesem Jahr. Und dem ersten Anime Special in diesem Jahr! Und weil das noch nicht special genug war, gibt es sogar ein Sportanime Special. Heute mit: Volleyball, Basketball, Fußball, Wasserball und Schwimmen.

Haikyu – Staffel 1-4 – Volleyball

Die Handlung: Nach einem weniger erfolgreichen Volleyballturnier in der Mittelschule kommt Hinata in die Oberschule und freut sich auf das Volleyball-Team. Leider ist sein Kontrahent aus eben jenem ersten und letzten Turnier auch dabei und Kageyama ist ebenso wenig begeistert. Doch sie werden nur zusammen ins Team aufgenommen. Gezwungenermaßen müssen sie zusammenarbeiten.

Meine Meinung: Fangen wir diesmal direkt mit meinem Highlight an. Während ich in der Schule Volleyball absolut gehasst habe (und gefühlt jedes Jahr wieder spielen musste), war ich dementsprechend kritisch, ob mir eine Serie über diese Sportart gefallen könnte. Aber der Pärchengatte war sehr penetrant und schwärmte immer wieder und was soll ich sagen: Er hatte Recht. Nach einer leichten Eingewöhnungsphase, in der sich das Team finden musste, ist es gerade der Teamgeist, der trotz der verschiedenen Charaktere, die aufeinanderprallen funktioniert, der die Serie so lebendig macht. Und von dort geht es Schlag auf Schlag. Turniere, Training, Trainingcamps, Freundschaftsspiele und nebenbei schafft die Serie es ausreichend Platz für Charakterentwicklungen zu lassen. Dabei liegt der Fokus zwar schon stark auf Hinata und Kageyama, aber auch die anderen Teammitglieder kommen mal mehr mal weniger stark zur Geltung. Auch aus anderen Teams lernt man einige Spieler kennen und freut sich bei einigen immer wieder über ein Wiedersehen – bei anderen dann doch eher nicht so. Die vier Staffeln vergehen wie im Flug, gerade Staffel 3 habe ich fast in einem Rutsch durchgesehen, weil ich einfach nicht wegschalten konnte – möglicherweise habe ich dafür fast Termine verschoben, so gefesselt war ich. Auf jeden Fall kann ich die Serie nur jeden empfehlen, der Anime und/oder Sport mag.

Blue Lock – Staffel 1 – Fußball

Die Handlung: Nachdem die japanische Nationalmannschaft weiterhin im Fußball kaum Erfolge vorzuweisen hat, wurde das Blue Lock Programm ins Leben gerufen. Nachwuchskicker aus dem ganzen Land wurden eingeladen, nicht ahnend, dass es die schwerste Prüfung wird, die sie je hatten.

Meine Meinung: Auch wenn ich mit Fußball nicht viel anfangen kann, war es hier gerade die Prämisse, die mich neugierig gemacht hat. Normalerweise schrecken mich Hypes vorab ab, aber diesmal war die Vorfreude in den Magazinen regelrecht spürbar, weswegen ich mir die Serie direkt zum Erscheinen der ersten Staffel ansah. Allerdings hatte ich dann doch große Probleme in die Serie reinzufinden. Nicht, weil die einzelnen Folgen langweilig waren oder es keine interessanten Charaktere gab, aber irgendwie hatte ich immer wenig Lust die nächste Folge zu sehen. Es war einfach zu sehr das Gleiche jede Folge und gerade am Anfang bekam nur der Protagonist eine Hintergrundgeschichte. Nach der ersten Hälfte bessert sich das deutlich und ab da war ich auch wesentlich mehr in der Geschichte drin. Wir kommen einzelnen Charakteren näher und dadurch sind wir auch mit dem Ausgang der einzelnen Stationen näher involviert. So bin ich doch angefixt und bin sehr gespannt auf die nächste Staffel.

Free – Staffel 1-3 – Schwimmen

Die Handlung: Nachdem sie bereits früher zusammen in einer Staffel schwammen gründen Haruka Nanase, Makoto Tachibana und Nagisa Hazuki einen Schwimmclub in der Oberschule, aber dafür brauchen sie noch einen vierten Schwimmer. Außerdem taucht Rin Matsuoka wieder auf, allerdings an der Konkurrenzschule. Die vier verbindet eine Vergangenheit, die sie auseinander gerissen hat. 

Meine Meinung: Funfact zu mir: Ich war acht Jahre lang Leistungsschwimmerin. Dementsprechend war ich sehr begeistert als ich diesen Sportanime über das Schwimmen fand. Nach Fußball und Volleyball, was so gar nicht meine Sportarten sind, war ich hier zumindest direkt in der Thematik drin und auch ab und an ein wenig nostalgisch. Da Schwimmen meist ein Einzelsport ist, war es hier etwas schwieriger das Team zu bilden, aber mit dem Staffelschwimmen haben sie eine gute Lösung gefunden. Am Anfang habe ich ein wenig gebraucht, um mit den Charakteren warm zu werden (und ich habe das Gefühl, dass ich das hier bei jeder Kritik schreiben werde), gerade mit Haruka, da er doch einen sehr eigenwilligen Charakter hat. Aber danach sind mir die Charaktere nur noch mehr ans Herz gewachsen und ich habe sehr mit ihnen mitgefiebert. Das Problem an der Serie ist eher, dass pro Staffel immer mehr Charaktere hinzukommen, die auf einmal alle irgendwie mit der Vergangenheit der Vier zusammenhängen oder mit ihnen verwandt sind. Das wurde irgendwann doch sehr unglaubwürdig. Zudem habe ich gerade in der dritten Staffel auch einfach den Überblick verloren. Hier gab es dann auch die zusätzliche Schwierigkeit, dass die Hälfte des Teams die Oberschule abgeschlossen hat und an der Uni angefangen hat. Das konnte zumindest gut gelöst werden. Auch sind die Probleme und Streitigkeiten teilweise etwas stark überspitzt, aber durch die sympathische Erzählweise, ist das zu verkraften. So konnte ich fast nicht aufhören zu schauen und habe die drei Staffeln in kürzester Zeit durchgebinged.

Kurokos Basketball – Staffel 1-3 – Basketball

Die Handlung: Die Teko Mittelschule hat unzählige Preise im Basketball gewonnen, was vor allem an fünf Spielern lag, die als die Wundergeneration bekannt sind. Kuroko wurde als geheimes sechstes Mitglied geführt. An der Oberschule gehen sie auf getrennte Schulen. Da die Wundergeneration vor allem durch ihre Egos bekannt wurde, will Kuroko mit seinem neuem Team zeigen, dass Teamgeist über alles steht.

Meine Meinung: Wenn es um Ballsportarten geht, war mir Basketball doch noch immer die Liebste – auch wenn ich mit meiner Körpergröße nie sonderlich erfolgreich war. Daher habe ich mich, nachdem ich einmal mit den Sportanimes angefangen habe, nach einer Basketballserie umgesehen und mich schließlich für Kurokos Basketball entschieden. Nach meiner Begeisterung für Haikyu war ich zunächst etwas ernüchtert und überlegte, die Serie nicht weiterzuschauen. Denn statt zunächst die Mannschaft und Charaktere genauer vorzustellen, ging es direkt mit den ersten Spielen ans Eingemachte. Das ging mir zu schnell und ich hatte keine Möglichkeit den Spielern näher zu kommen. Aber ich habe der Serie eine Chance gegeben und was soll ich sagen (ihr ahnt es bestimmt): Die Serie hat nach der Eingewöhnungsphase einen echt starken Sog entwickelt. Eigentlich geht sie erst ab der zweiten Staffel richtig los und hält einen bis zum Ende der dritten Staffel in Atem. Da fiel am Ende das Abschiednehmen regelrecht schwer. Zum Glück gab es noch einen Abschlussfilm, so dass es noch ein Wiedersehen mit den Charakteren gibt. Die Serie hatte zwar ein rundes und zufriedenstellendes Ende, aber der Film stellt noch einmal ein paar Weichen richtig.

Re-Main – Staffel 1 – Wasserball

Die Handlung: Minato ist erfolgreich im Wasserball, bis er nach einem Turnier einen Autounfall hat. Als er auf dem Koma erwacht, ist ein Jahr vergangen und er hat keine Erinnerung an die letzten drei Jahre. Da er in seinem Team nicht mehr mithalten kann, muss er die Schule wechseln. Dort versucht Jo gerade ein Wasserball-Team zu gründen.

Meine Meinung: Nach den ganzen Ballsportserien in der Halle, habe ich schlussendlich noch eine Serie, die Bälle und meine Leidenschaft fürs Schwimmen vereinen konnte. Und es war tatsächlich die erste Serie, bei der ich direkt mit den Charakteren warm geworden bin. Ich mochte das Team und ihren Willen, auch wenn sie direkt sehr hohe Ziele hatten. Da alles Anfänger sind, wird man selbst in die Regeln eingeführt und lernt mit ihnen die einzelnen Spielzüge. Dadurch gab es auch nicht direkt so viele Turniere, sondern es ging eher um die Teamfindung und das Training, was mir gut gefiel für die erste Staffel. Leider hätte mich die Serie im letzten Drittel fast verloren, da ich den Plottwist überhaupt nicht mochte. Dadurch wurde die ganze Dynamik der Gruppe und der Serie zerstört und es hat bis zur letzten Folge gedauert, um mich wieder mit der Serie zu versöhnen. Da war es diesmal Glück, dass ich mich bereits am Anfang in den Anime verguckt hatte und daher durchgehalten habe. Jetzt freue ich mich allerdings, sollte es eine weitere Staffel geben.

Was sind eure liebsten Animes? Besonders eure liebsten Sportanimes?

Barbie

Ein Vorwort

Okay, ich gestehe: Ich hatte als Kind sehr viele Barbies. Und natürlich auch sehr viel Zubehör und habe sehr gern damit gespielt. Warum es sich wie ein Geständnis anfühlt? Nun, inzwischen ist das Thema doch sehr kritisch hinterfragt mit der „klaren“ Einteilung in Geschlechter. Als ich jedoch hörte, dass ausgerechnet Greta Gerwig, die für ihre feministischen und kritischen Filme, wie Lady Bird bekannt ist, sich diesem Thema annahm, war ich sehr gehyped. Und der Trailer sah auch schon sehr witzig aus. Warum der Film ein Anwärter für den Film des Jahres bei mir wurde, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

In Barbieland kannst du als Barbie alles sein. Vor allem aber, bist du glücklich und lebst in Harmonie. Doch eines Tages hat Stereotyp-Barbie merkwürdige Gedanken und darauf folgen einige Pannen, inklusive, dass ihre Ferse den Boden berührt. Dies soll an einem Riss zwischen Barbieland und der realen Welt liegen. Sie bricht also auf, um diesen zu kitten. Ken folgt ihr, da er nur mit Barbie glücklich sein kann. Doch in der realen Welt ist alles ganz anders als erwartet.

Meine Meinung

Die Trailer versprachen es und der Film hielt es: Der Film wurde pink. Doch während der Trailer uns nur zeigte, wie mit der perfekten Welt der Barbies umgegangen wird, wenn etwas nicht mehr so perfekt ist, zeigte es noch nicht, wie feministisch der Film wirklich wird. Dass hier dann einige Zuschauenden doch arg schockiert sind, dass es kein reiner Feelgood Film ist, dessen einziges Ziel es war in Nostalgie zu schwelgen, zeigte die sehr zwiegespaltene Reaktion zum Ende des Films. Ich wurde wunderbar unterhalten und habe mich dennoch an den sehr feministischen Aussagen erfreut.
Denn Greta Gerwig schafft es die Balance zwischen beidem zu halten. Sie zelebriert die von Mattel geschaffene Welt in allen Variationen von Pink, erschafft Charaktere und nimmt sich dann dem Kontrast zur realen Welt an. Dabei kann es sein, dass einigen die gezeigten Thematiken zu offensichtlich gezeigt werden. Dabei kratzt der Film gerademal an der Oberfläche der Probleme unserer Gesellschaft.
Die Analogien, die aufgemacht werden, verdeutlichen strukturelle Probleme und beziehen diese wieder aufs Barbieland. Dabei kann man sicherlich über einzelne Darstellungen diskutieren, aber die Grundaussagen werden klar. Aber vor allem werden sie so gut in die Handlung verpackt, dass der Humorfaktor des Films sehr hoch ist. Auf jede niederschmetternde Erkenntnis folgte entweder Nostalgie oder Humor. Und genauso vergehen die 114 Minuten Lauflänge im Flug.
Natürlich gibt es auch kleinere Unstimmigkeiten. Die Rolle von Mattel im Film ist mir bis zum Ende etwas unklar. Während sie im Laufe des Films als Symbol für den übermäßigen Konsum und dessen Vertreibung steht, taucht sie bis zum Ende immer noch auf, ohne da noch eine großartige Bedeutung für die Handlung zu haben. Aber diese Unstimmigkeiten fügen sich trotzdem irgendwie in das große Ganze ein und stören nicht.
Dazu werden sie zu sehr von ikonischen Szenen, Filmanspielungen, gut pointierten Witzen und eben der eigentlichen Botschaft des Films übertönt. So ist Greta Gerwigs Films einer derjenigen, die man wohl ein paar Mal sehen muss, ehe man alle Anspielungen auch versteht und der doch der breiten Masse wichtige Themen vermittelt.
Und bitte Hollywood, um mich hier Randall Park anzuschließen: Der Erfolg des Films heißt nicht, dass wir mehr Filme über Spielzeug wollen, wie einen UNO Film, sondern mehr Filme von Frauen über Frauen. Mic Drop.

Das Fazit

Barbie triumphiert durch Nostalgie, Witz, ikonische Szene und das alles mit einer guten Portion Feminismus und zeigt, dass diese Themen duchaus für die breite Masse funktionieren. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Barbie läuft seit dem 20.07.2023 in den deutschen Kinos

Mission Impossible – Dead Reckoning 7.1

Ein Vorwort

Viel hat sich getan seit 1996 der erste Mission Impossible Film basierend auf den Fernsehserien Kobra übernehmen sie und In geheimer Mission auf der Kinoleinwand erschien. Das Franchise ist gewachsen und spätestens seit dem viertel Teil (Phantom Protokoll) verbesserten sich auch die Kritiken. Nun soll mit Dead Reckoning ein Film in zwei Teile aufgeteilt werden, was nur einem aktuellen Hollywoodtrend folgt. Doch geht die Rechnung auf?

Die Handlung

Der Test einer neuen Tarnkappentechnik an Bord eines russischen U-Bootes geht schief. Doch an Bord soll auch eine neue Superintelligenz gewesen sein. Um an diese zu kommen, benötigt es zwei Schlüssel, die nur zusammen funktionieren. Ethan Hunt (Tom Cruise) bekommt den Auftrag diese zu beschaffen, merkt aber schnell, dass es diesmal keinen klaren Gegner gibt. Als dann auch noch ein Phantom aus seiner Vergangenheit auftaucht, will er am liebsten sein Team abziehen und außer Gefahr bringen.

Meine Meinung

Bisher war die Mentalität der Mission Impossible Filme stets: Höher, größer weiter. Auf jeden atemraubenden Stunt von Tom Cruise musste noch ein weiterer folgen, der noch spektakulärer war. Das dieses Konzept irgendwann nicht mehr aufging, hat man an den Kritiken kaum gemerkt, denn gerade die Authentizität der Actionszenen war ein Merkmal des Franchises, die trotz mangelhafter Handlung stets begeistern konnte. Doch abseits davon gingen die Ideen aus. Im sechsten Teil musste schon der Antagonist wiederverwertet werden, da es an neuen Ideen mangelte. Stattdessen wurde die Maskentechnik einfach inflationär benutzt. Jeder bekam eine. Manchmal wurde auch eine Maske über der Maske getragen.
Nun sollte es nicht nur einen neuen Film geben, sondern mit Dead Reckoning wurde gleich angekündigt, dass es sich lediglich um den ersten Teil eines Zweiteilers handeln soll. Die Skepsis gerade meinerseits war groß. Würden sie genug Handlung haben, denn auch der Auftakt ist mit einer Laufzeit von 168 Minuten nicht gerade kurz geraten. Es passte alles in Schema des Größer, Höher, Weiter. Doch Dead Reckoning ist wohl die Überraschung des Sommers. Denn obwohl die Handlung für zwei Filme geschrieben wurde, ist er vor allem eins: Reduzierter. Alles, was in den letzten Teilen absolut überhandnahm, wurde zurückgeschraubt und herauskam ein solider Actionfilm, der sich des Erbes der Ursprungsserie würdig erweist und gleichzeitig wieder feinste handgemachte Action bietet.
Das beginnt damit, dass ein klares Ziel und ein nicht ganz so klarer Gegner geschaffen wurden, Die beiden Schlüssel finden und herausfinden, wer genau gegen einen spielt. Dabei ist die Enthüllung des Antagonisten nach der  Auftaktszene zwar nicht überraschend, aber doch erstaunlich erfrischend, zumal die logischen Schlüsse daraus gezogen wurden und gleichzeitig ist die Thematik erstaunlich aktuell, auch wenn dies durch die lange Produktionsphase des Films wohl nicht vorhersehbar war. Aber dadurch entstehen ganz neue Möglichkeiten und neue Schwierigkeiten.
Weiter geht es mit der Tatsache, dass die zwei größten Aktionszenen eine klassische Autoverfolgungsjagd und ein außer Kontrolle geratener Zug sind. Auch wenn es hier nicht ganz back to the roots heißt, sind doch viele altbekannte Motive eingebaut, die eigentlich völlig überholt wirken, aber doch wieder eine herrliche Anziehungskraft entwickelt haben. Das liegt daran, dass mit Hayley Atwells Charakter Grace eine neue Komponente eingeführt wurde, die wieder mehr an einen Jeremy Renner aus Phantom Protokoll erinnert und daher im guten Kontrast zu Rebecca Fergusons Ilsa Faust oder Vanessa Kirbys Alanna Mitsopolis steht, ohne dabei die Handlung zu sabotieren.
So entstanden Szenen, bei denen ich im Kino saß und mir dachte „Na klar, das machen die eh nicht, das wäre völlig vorhersehbar. Oh, sie haben es doch gemacht. Ja, aber das wird doch nicht darauf hinauslaufen … okay, doch“. Und genau das war das Faszinierende an dem Film. Er spielt mit Klischees und altbekannten Motiven, verpackt sie aber in eine moderne Handlung und schafft es so die Zuschauenden, die mit so etwas nicht mehr rechnen, zu überraschen und zu begeistern. Damit ist Dead Reckoning Part 1 wohl die Überraschung des Sommers, denn dass das Franchise nochmal so die Kurve bekommt, hätte ich nicht erwartet.

Das Fazit

Mission Impossible – Dead Reckoning 7.1 ist wohl die Überraschung des Sommers. Reduzierter, altbekannte Motive und doch durch den Kontrast zum sehr modernen Thema spannend, atemraubend und nimmt sich aber auch Zeit für Emotionen und auflockernde Witze. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Mission Impossible – Dead Reckoning 7.1 läuft seit dem 13.07.2023 in den deutschen Kinos

Elemental

Ein Vorwort

Nachdem Pixar sich mit Alles steht Kopf und Soul den Emotionen und der Seele gewidmet hat, wird es diesmal elementar. Wie daraus eine Analogie zu Fremdenfeindlichkeit werden kann, zeigt uns Elemental. Warum mir der Film gut gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

In Elemental City leben die vier Elemente harmonisch zusammen. Lediglich Feuer wird immer wieder ausgegrenzt, da es angeblich eine zu hohe Zerstörungsgewalt hätte. Ember Lumen träumt seit ihrer Kindheit davon den Laden ihres Vaters zu übernehmen. Bei einem Wasserschaden trifft sie durch Zufall auf den Wasserelementaren Wade Ripple, der als Inpektor für die Stadt arbeitet, findet leider bauliche Verstöße und will diese melden. Ember versucht alles, um den Laden ihres Vaters zu retten und kommt Wade dabei immer näher. Doch Feuer und Wasser, dass kann doch nicht funktionieren.

Meine Meinung

Auch wenn mir nur ungefähr die Hälfte der Pixar-Filme wirklich zusagt, bin ich doch bei jedem neuen Film gespannt. Und mit Alles steht Kopf konnte Pixar absolut mein Herz erobern. Ich liebe die Idee, die Umsetzung, die Botschaft, die Liebe zum Details und wie gut einfach das Gehirn und Emotionen erklärt werden konnten. Als mit Soul ein Film angekündigt wurde, der erneut in diese Richtung gehen sollte, aber sich statt mit den Emotionen mit der Seele befassen sollte, war ich sofort wieder dabei. Leider hat mich der Film entgegen der allgemeinen Meinung eher enttäuscht. Nun also Elemente.
Sah der Trailer noch nach einer klassischen Liebesgeschichte zwischen den Elementen aus, wo das einzige Problem ist, dass sich Elemente nicht vermischen, geht der fertige Film deutlich tiefer. Denn hier sind es nicht nur die Vorurteile der einzelnen Elemente gegeneinander, sondern Feuer wird deutlich ausgegrenzt. Als letztes Element, dass nach Elemental City zugewandert ist, ist die Stadt nicht auf ihre Bedürfnisse angepasst und potentiell lebensgefährlich. So haben sie sich ihr eigenes Viertel gebaut und werden komisch beäugt, wenn sie dieses  verlassen. Die Analogie zur Fremdenfeindlichkeit ist sehr gut gelungen und bricht die Probleme auf eine kindliche Erklärweise herunter, die aber auch für Erwachsene sehr gut funktioniert. Wie man sich in einem fremden Land zwischen Integration und Traditioneinhaltungen versucht einzufinden und was für eine Gemeinschaft dadurch entstehen kann.
Durch die Geschichte zwischen Ember und Wade wird deutlich, wie tief die Vorurteile auf beiden Seiten sind und was es braucht, um diese aufbrechen zu können. Dabei sehen wir zwar wesentlich weniger von der Stadt als in einem Zoomania, aber die wenigen Szenen beweisen wieder eine Liebe zum Detail, die auf jeden Fall mehrere Sichtungen braucht, um sie alle erfassen zu können. Die Reaktionen der Familien spiegeln Möglichkeiten wieder und zeigen, dass es ein Spektrum gibt.
Die Handlung ist sehr rund erzählt und an den verschiedenen Charakteren angepasst. Dabei ist kein Charakter zu klischeemäßig dargestellt, auch wenn gewisse Verallgemeinerungen durchaus gezeigt werden sollten. Einziger Kritikpunkt für mich war die Vorhersehbarkeit von Embers beruflichem Wunsch. Hier wurde leider wieder der übliche Weg eingeschlagen, statt es mal weniger offensichtlich zu machen.
Letztendlich wurde ich über die gesamte Spielzeit gut unterhalten, hatte ständig etwas neues zu entdecken, habe mit den Charakteren mitgefiebert und mich über eine Menge Ungerechtigkeiten aufgeregt. Aber genau deswegen ist der Film auch so wichtig. Weil uns dadurch noch einmal die Augen geöffnet werden kann und wir dadurch bestimmte Denkmuster vielleicht auch überdenken.

Das Fazit

Elemental zeigt in einer liebevoll gestalteten Analogie wie Fremdenfeindlichkeit in Form von Elementen aussehen kann. In einer runden Liebesgeschichte werden viele wichtige Themen angesprochen und bespaßt gleichzeitig Groß und Klein. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Elemental läuft seit dem 22.06.2023 in den deutschen Kinos

Oppenheimer

Ein Vorwort

Christopher Nolan ist eigentlich immer ein Garant für große Kinounterhaltung. An vielerlei Genres hat er sich schon ausprobiert, wobei Zeit ein sehr übergeordnetes Thema ist. Nun sollte also sein erstes Biopic starten. Und der Hype war bereits im Vorfeld riesig, zumal mit dem gemeinsamen Kinostart mit Barbie. Warum mich auch Nolans neustes Werk begeistern konnte, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Robert Oppenheimer, der Vater der Atombombe, wird nach dem Krieg in einem Ausschuss zu seiner Sicherheitsfreigabe mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Dabei geht es um seine Studienjahre, seinen Einsatz für das Manhattan-Projekt und der damit verbundenen Entwicklung der Atombombe.

Meine Meinung

Oppenheimer ist irgendwo ein typisches Biopic, weswegen es mir sehr schwer fiel eine Handlungszusammenfassung zu schreiben, die Lust macht, den Film zu sehen. Dabei gibt es wohl zwei ausschlaggebende Punkte. Zum einen ist die Figur Oppenheimer schon sehr kontrovers, seinen Einsatz für die Atombombe und die Entwicklung danach. Zum anderen ist Christopher Nolan eigentlich immer einen Blick wert. Ein Biopic über 180 Minuten war dann aber auch wieder eine Nachricht, die ich erstmal verdauen musste. Doch Nolan zeigt: Jede Minute war notwendig.
So beginnt der Film mit den Studienjahren Oppenheimers. Hier rast der Film einmal quer durch Europa, verschiedene Unis, verschiedene Städte, allerlei Bekanntschaften. Dachte man noch, dass die Hektik gar nicht notwendig war, denn es waren ja 180 Minuten Laufzeit, beweist Nolan, dass tatsächlich hinten raus jede Minute benötigt wird. Nach der Einführung des Charakters, wechseln wir schnell in den Kriegszustand und von da aus, dann zügig zum Manhattan-Projekt. Dies nimmt einen Großteil des Films ein und ab hier scheint alles auf den finalen Test hinauszulaufen. Nur, dass hinterher noch eine gute Stunde Laufzeit übrig war. Doch auch dies weiß Nolan zu nutzen und dreht die Stimmung des Films zu einem Gerichtsdrama, nur ohne Gericht. Und hier zeigte sich dann auch, warum es so wichtig war, sehr bekannte und vor allem markante Gesichter für die einzelnen Rollen zu nehmen. Denn bei der Fülle an Personen, die teilweise auch nur sehr kurze Auftritte hatten, konnte sich wohl keiner die ganzen Namen merken. Aber wenn beispielsweise ein Rami Malek zunächst nur eine Randfigur ist, dann erkennt man ihn später doch nochmal wieder.
Nach dem sehr übereilten Auftakt, nimmt sich der Film dann auch die benötigte Zeit, um die Geschichte zu erzählen. Und hier wird es wichtig, dass man von der aufgebauten Atmosphäre komplett eingesaugt wird. Denn dann entwickelt der Film einen Sog, dem man kaum widerstehen kann. Weiter und immer weiter, Entwicklung über Entwicklung, Fortschritt, Rückschlag, alles prasselt auf einen ein. Und trotz des bildgewaltigem Wettlauf mit der Zeit, kommen am Rand immer wieder die Zweifel durch. Warum wurde das Projekt durchgezogen, wie viele bewusste Fehlinformationen gab es?
Hierauf wird im letzten Drittel noch einmal genauer eingegangen. Denn wenn die Zuschauendenden anfangen sich zurückzulehnen, weil das „Schauspiel“ vorbei ist, bombardiert Nolan einem mit genau dem. Dem Gewissen. Dem, was haben wir getan und was werden wir vielleicht noch tun. Oppenheimers Perspektive, aber auch die seiner Mitarbeitenden. Und dann artet es aus irgendeinem Grund in einen Politthriller aus, was aber, wenn man in der Atmosphäre des Films gefangen ist, weiterhin erstaunlich gut funktioniert.
Einziger Kritikpunkt meinerseits an den Film ist, dass Nolan wieder einmal darauf verzichetet Jahreszahlen einzublenden. Zwar versucht er durch bestimmte Erwähnungen von historischen Ereignissen einem eine ungefähre Richtung zu geben, dennoch war es teilweise schwer zu folgen, gerade, wenn in der Zeit gesprungen wurde.
Über die Optik muss ich glaub ich gar nicht viel erzählen, die Trailer boten einen guten Einblick in die tollen Bilder, die Nolan zaubert. Seine Entscheidung kaum CGI zu nutzen und viele praktische Effekte umzusetzen, zeigt wieder einmal wie weit seine Liebe zum Film geht und wie viel heuzutage auch ohne den Computer möglich ist.
Mit Cillian Murphy als Hauptdarsteller hat Nolan castingtechnisch alles richtig gemacht. Er trägt den Film vollumfänglich auf seinen – für den Film doch sehr schmal gewordenen – Schultern. Doch auch der übrige Cast kann sich sehen lassen. Nolan versammelt einmal mehr ein Who is Who in Hollywood und schafft es auch namenhafte Schauspielende für kurze Auftritte zu gewinnen, so dass das Erkennen auch noch im fortgeschrittenen Film Spaß macht.

Das Fazit

Oppenheimer ist Nolans neustes Meisterwerk und bietet alles, was ein Biopic braucht und darüber hinaus. Atemraubende Atmosphäre, fantastische Bilder, namenhafter Cast und keine Minute der drei Stunden Lauflänge war zu viel. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Oppenheimer läuft seit dem 20.07.2023 in den deutschen Kinos

Eine Handvoll Serien – 04/23 – K-Drama Special

Herzlich Willkommen zur vierten Handvoll Serien in diesem Jahr. Und dem zweiten K-Drama Special in diesem Jahr! Heute mit: einem sexy Mathelehrer, Intrigen im Krankenhaus, einer Gewichthebenden Fee, einer Welt voller Magie und ein Katz und Maus Spiel mit CEO.

Crash Course in Romance

Die Handlung: Choi Chi-Yeol ist ein berühmter Mathelehrer und seine Privatkurse sind heiß umkämpft. Nam Haeng-Seon hat einen Banchan-Laden und versucht für ihre Nichte die beste Schulbildung rauszuholen. Doch als sie für sie einen Platz bei Chi-Yeol erkämpft, hat sie keine Ahnung, dass dieser kurz darauf ihr Herz erobert. 

Meine Meinung: Nach der Beschreibung hatte ich eigentlich wenig Lust auf die Serie, zumal ich mir nicht vorstellen konnte, dass Mathelehrer attraktiv sein konnten. Außer natürlich sie werden von Jung Kyun-Ho gespielt, was für mich auch den Ausschlag gab, der Serie eine Chance zu geben. Und spätestens nach der ersten Folge, in der ein Werbespot für die Mathekurse an eine berühmte Szene aus Kingsman aber mit mathematischen Gleichungen angelegt wurde, war ich der Serie verfallen. Sie war wunderbar witzig, charmant, hatte eine tolle Liebesgeschichte und schafft es dennoch viele kritische Töne am Privatschulensystem Koreas durchsickern zu lassen. Die Kriminalgeschichte im Hintergrund hätte es gar nicht benötigt, aber sie gab der Serie noch einmal einen spannenden Kick, so dass es schwierig war nach den Folgen aufzuhören. Zwischendurch war es mir fast ein bisschen zu viel Drama, aber danach gab es das wieder in guten Dosen. Vor allem mochte ich aber Haeng-Seons unerschüttliches gutes Gemüt. Ihre Positivität, wie sie die Familie durch alle Krisen führt und trotzdem freundlich zu allen ist und das Leben genießt.

Doctor Stranger

Die Handlung: Park Hun (Lee Jong-Suk) und sein Vater werden nach einem politischen Komplott in Nordkorea eingeschleust und hinterher nicht wieder rausgelassen. Jahre später und nach einer spektakulären Flucht durch Budapest, wo er seine Verlobte gestorben glaubte, betreibt er eine kleine Klinik, die sich auf Banden und ähnliches spezialisiert hat. Da bekommt er das Angebot an einer renommierten Klinik zu arbeiten und gerät in einen Wettstreit mit einem Chirurgen darum, wer den erkrankten Ministerpräsidenten operieren darf. Noch ahnt Hun nicht, dass eben jeder vor all den Jahren dafür sorgte, dass er Nordkorea nie wieder verlassen sollte.

Meine Meinung: Nach W und Pinocchio, welche ich beide sehr mochte, versuchte ich mich an einer dritten Serie mit Lee Jong-Suk. Leider war diese ein ziemlicher Reinfall. Eigentlich klang sie sehr spannend. Ein bisschen Krankenhausdrama, ein bisschen mehr Einsicht in das angespannte Verhältnis mit Nordkorea und darüber hinaus noch eine Liebesgeschichte. Leider braucht die Serie schon sehr lang, um sich überhaupt in Position zu bringen, hat am Anfang schon so viel Drama, dass die Charaktere schon absolut gebrochen sein müssten. Doch irgendwie schaffen die Handlungsstränge es sich im Krankenhaus zu treffen. Dort ufert die Handlung dann aber vollends aus und dreht sich immer wieder im Kreis, um den Wettstreit, wer den Ministerpräsidenten operieren darf. Während sich die Handlung einfach nur komplett zieht und ich irgendwann aufgehört habe, wie oft Park Hun das Krankenhaus verlassen hat, nur um dann doch weiter zu arbeiten, wirkt das Ende seltsam gehetzt. Große Handlungsstränge, die ewig aufgebaut wurden, fallen innerhalb weniger Minuten in sich zusammen. Leider eine große Enttäuschung.

Weightlifting Fairy Kim Bok-Joo

Die Handlung: Kim Bok-Joo (Lee Song-Kyung) studiert an einer Sportuniversität mit Schwerpunkt Gewichtheben. Dabei trifft sie auf Jung Joon-Hyung (Nam Joo-Hyuk), einem Schwimmer, den sie aus der Grundschule kennt. Doch Bok-Joo schwärmt für dessen Cousin, dem sie jedoch nur durch seinen Job näher zu kommen glaubt. Allerdings ist Jae-I (Lee Jae-Yoon) Arzt, spezialisiert auf Diäten.

Meine Meinung: Ein K-Drama, bei dem ich die Endwertung sehr schwierig finde. Denn ich glaube kaum eins hat mich so zwiegespalten zurückgelassen. Fangen wir mit den positiven Seiten an. Zum einen finde ich es absolut großartig, dass die Protagonistin Gewichtheberin ist. Also eigentlich eine Sportart ausübt, die als absolut unfeminin angesehen wird. Diese Aspekte werden auch regelmäßig besprochen, so zum Beispiel im Zuge der Besuche in der Diätklinik, dass Bok-Joo eigentlich gar kein Fett hat, sondern viele Muskeln, diese aber dennoch schwer aussehen. Und auch die Schwierigkeiten beim Verlieben, wenn man ein schwieriges Selbstbild hat. Das habe ich alles sehr an der Serie geliebt, weil es von vielen Klischees Abstand nimmt und andere widerum bewusst einsetzt. Schwierig fand ich hingegen den Love interest. Seine Geschichte wird erst groß aufgebaut und am Ende eher vergessen als wirklich aufgelöst. Allerdings wird er halt auch immer wieder wie der nette Typ dargestellt, damit sich unsere Prota in ihn verlieben kann, dabei geht er aber sehr übergriffig vor. Bis zum Ende nennt er sie Moppi, obwohl sie ihn mehrfach gebeten hat, es zu lassen. Immer wieder dringt er ungefragt in ihre Privatssphäre ein, ganz nach dem Motto, wenn ich nur beharrlich genug  dran bleibe, mag sie mich vielleicht irgendwann. Dadurch fiel es mir schwer, die Liebesgeschichte der beiden zu mögen, auch wenn der Rest drumrum wirklich gut war. Wichtige Themen, tolle Charaktere (mit Ausnahmen) und dazu auch noch witzig. Wie gesagt, ich bin zwiegespalten bei der Serie.

Business Proposal

Die Handlung: Shin Ha-Ri mag ihren Job als Food Specialist bei einer großen Firma für Tiefkühlgerichte. Doch als ihre beste Freundin sie bittet für sie zum Blind Date zu gehen und den Typen zu vergraulen, den ihr Vater für sie ausgesucht hat, ahnt Ha-Ri nicht, dass es sich dabei um den CEO der Firma handelt, für die sie arbeitet. Und dass er sie trotz des desaströsen ersten Dates direkt heiraten will.

Meine Meinung: Wüsste ich nicht inzwischen, dass man manchen K-Dramen mehr als eine Folge lang eine Chance geben müsste, ich hätte nie weitergeschaut. Die erste Folge war sehr cringe und voller Fremdschämpotential. Aber hätte ich da abgebrochen, wäre mir ein wahnsinnig witziges Drama entgangen. Das Katz und Maus Spiel zieht sich in manchmal geänderter Besetzung durch die ganze Serie und schafft immer wieder Situationen, in denen ich einfach nur am Boden lag vor Lachen. Es waren aber auch tolle Charaktere, bei denen ich vielleicht ein paar Folgen brauchte, um sie lieben zu lernen, aber im Großen und Ganzen waren sie alle irgendwie liebeswert. Das Ende hat dem ganzen dann einen kleinen Dämpfer verpasst, dass hätte es so nicht gebraucht, aber das ist eigentlich Jammern auf hohem Niveau. Auf jeden Fall eine Empfehlung und bitte lasst euch nicht von der ersten Folge abschrecken!

Alchemy of Souls

Die Handlung: Die mächtige Magierin Naksu (Jung So-Min) führt, um zu überleben, die verbotene Magie der Seelen durch. Dabei gelangt ihre Seele in den Körper des blinden Mädchens Mu-Deok. In dieser Form trifft sie auf einen mächtigen Erben einer Magierlinie Jang Uk (Lee Jae-Wook). Dieser ist aufgrund eines Geheimnisses um seine Geburt von den Lehren ausgeschlossen, auch wenn er enge Beziehungen zu den Anführern hegt. Mu-Deok wird zunächst seine Dienerin, doch bald stellt er fest, dass sie seine größte Chance ist, um sein verschlossenes Energieportal öffnen zu lassen.

Meine Meinung: Ein Drama, bei dem ich überlegt habe, ob es einen eigenen Beitrag braucht, um alles richtig zu verarbeiten. Aber ich versuche einfach mich kurzzufassen. Der Hype um die Serie war groß, so dass sie sogar in zwei Teile unterteilt und mit Pause ausgestrahlt wurde. Unterschied Nummer eins zu den Dramen, die ich sonst schaue, dürfte die Fantasywelt sein. Also ist es diesmal nicht urban mit Fantasyelementen, sondern wir lernen eine komplett neue Welt kennen. Der Weltenbau funktioniert gut und es gibt ein spannendes Magiesystem, über das man immer mehr lernt. Dadurch entstehen aber auch eine Vielzahl an Charakteren, die man sich erstmal merken muss, was nach einer Weile aber auch gut funktioniert (auch wenn ich mir nicht unbedingt alle Namen merken konnte).
Teil 1 der Serie beginnt sehr spannend und hält das Niveau auch ziemlich gut. Viel Weltenbau, aber immer in Dosen, so dass es nie zu viel wird. Die Geschichte von Jang Uk und Mu-Deok ist herrlich witzig am Anfang, wird immer dramatischer und schafft es den Umschwung zur Liebesgeschichte und dennoch die anderen Elemente nicht zu vernachlässigen. Auf jede neue Folge habe ich mich gefreut und einfach mit allen mitgelitten, gebangt, mich gefreut, gelacht und einfach alle Emotionen im Wechselbad der Gefühle durchlebt. Gegen Ende der zwanzig Folgen, die zu Teil 1 gehörten, merkte man schon, dass sie theoretisch genug Zeit hatten, um die Geschichte zu einem guten Ende zu bringen, sich dann aber dagegen entschieden haben und lieber alle mit nem riesigen Cliffhanger zurückgelassen haben.
In Teil 2 mit noch einmal zehn Folgen bin ich bis zum Schluss nicht wirklich reingekommen. Die Geschichte spielt ein paar Jahre später und zunächst lernen wir erst einmal, was mit allen Charakteren in der Zwischenzeit passiert ist und das war schon sehr deprimierend. Allgemein ist der zweite Teil sehr düster und niederschlagend. Es fehlen die witzigen Momente, die alles etwas auflockern, auch wenn zwischendurch versucht wurde, welche einzubringen. Aber die Chemie zwischen den beiden Protagonist*innen besteht einfach nicht mehr, zumal hier auch die Schauspielerin gewechselt wurde. Letztlich war der zweite Teil eher enttäuschend. Es hätte alles schon im ersten Teil gelöst werden können, es war einfach nur künstlich gestreckt.

Habt ihr eins davon gesehen? Wie haben sie euch gefallen?

Heimwärts

Ein Vorwort

Ich liebe die Bücher von Kate Morton, seit ich durch Zufall über „Die fernen Stunden“ gestolpert bin. Ein ums andere Mal konnte sie mich verzaubern, in den Bann ziehen und aus der Realität entfernen. Mit Heimwärts ist der Name Programm, denn Morton holt uns in ihre eigene Heimat Australien. Wie mir die Reise nach Down Under gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

1959 findet ein Reisender die Familie Turner nach einem Picknick am Fluss tot auf. Das Geschehene erschüttert den beschaulichen Ort Tambilla. 2018 kehrt Jess von London nach Sydney zurück, da ihre Großmutter Nora gestürzt ist. Im Krankenhaus scheint Nora verwirrt zu sein und Angst zu haben, dass man ihr ihr Baby wegnähme. Jess versucht die Ursache herauszufinden und stößt auf ein altes Familiengeheimnis.

Meine Meinung

Die Verbindung zu Kate Mortons Heimat Australien war auch bereits in früheren Werken mal Thema, dennoch spielten ihre Bücher bisher eher in Großbritannien, Mortons Wahlheimat. Doch durch die Corona Pandemie zog sie mit ihrer Familie zurück nach Australien. Diesen Aufbruch zu den Wurzeln hat sie in ihrem neuen Werk verarbeitet. Und das dieser Roman in schweren Zeiten geschrieben wurde, merkt man ihm durchaus an, schwingt doch überall eine gewisse Schwere mit.
Das Problem mit Werken von Lieblingsautor*innen ist, dass die Erwartungen unglaublich groß sind. Und auch wenn im Nachhinein betrachtet mir auch nicht jedes vorherige Werk so gut gefallen hat, wie „Die fernen Stunden“, so hatte ich dennoch mit Heimwärts zunächst größere Probleme. Ich bin einfach nicht in die Geschichte reingekommen. Das liegt allerdings nicht an unserer Protagonistin, denn mit Jess bin ich sehr schnell warm geworden. Noch in Großbritannien fand ich sie mit der gescheiterten Beziehung etwas klischeebeladen, aber sobald sie in Australien agiert, mochte ich sie sehr.
Mein Problem an der Geschichte liegt wohl eher am Buch im Buch. Denn die Geschehnisse aus dem Jahr 1959 wurden hier nicht lebendig als Rückblenden erzählt, sondern in Form eines eigenen Buches von einem fiktiven Journalisten geschrieben. Ich verstehe, warum dies genutzt wurde, aber die Distanz, die dadurch geschaffen wurde, ist beim Lesen sehr kontraproduktiv. Ich habe mich ertappt, wie ich am Beginn eines solchen Kapitels nachgeschaut habe, wann es wieder ein „normales“ Kapitel gibt. Dadurch, dass es aus Sicht eines Außenstehenden erzählt wurde, hatten wir natürlich einen sehr unzuverlässigen Erzähler, wobei die Wendungen und Enthüllungen am Ende des Buches (für mich) unvorhersehbar waren, aber der Preis dafür war, dass es mich kaum noch interessiert hat.
In Heimwärts befasst sich Kate Morton viel mit dem Thema Familie und Identität und was die beiden miteinander zu tun haben. Das fand ich sehr interessant umgesetzt, zumal sich das Motiv über drei Generationen hinweggezogen hat. Dennoch schien Morton hier immer wieder abzuschweifen und trotz einer Dicke von fast 700 Seiten, wurden nicht alle Fäden final dem Roten hinzugefügt.
Was Heimwärts auf jeden Fall bietet ist Mortons toller Schreibstil, den ich immer wieder bewundere, eine Handlung mit spannenden Enthüllungen am Ende und vor allem eine wunderbare Beschreibung von Australien im Sommer. Vor allem South Australia wurde hier gut eingefangen und der für uns merkwürdige Kontrast von heißem Sommer und Weihnachten zeigte deutlich die andere Realität in Down Under. Dabei fühlte man sich stets in der Ferne, ohne die gängigen Klischees über Australien einbauen zu müssen.
So war Heimwärts in seiner Gesamtheit auf jeden Fall ein starkes Buch und ohne Vorwissen zu Mortons anderen Werken hätte es mir wohl wesentlich besser gefallen. Nur im Vergleich zu ihren anderen Werken kann es einfach nicht final mithalten.

Das Fazit

Heimwärts bietet eine fantastische Reise ins sommerliche Australien, mit den Morton typischen Wendungen, einer tollen Protagonistin, alles durchzogen von einer gewissen Melancholie. Durch das Buch im Buch wird der Erzählfluss regelmäßig gestoppt, was ein wenig störend ist. Trotz kleinerer Stolperer war es wieder ein sehr starkes Buch, das lediglich im Schatten der bisherigen Werke der Autorin steht.

Heimwärts wurde mir von Heyne als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Eine Handvoll (oder mehr) Serien/Bücher – Disability Pride Month Special 2023

Juli ist der Disability Pride Month.
Nachdem im Juni die Sichtbarkeit der queeren Gemeinschaft gefeiert wurde, geht es im Juli darum auf Behinderungen aufmerksam zu machen, Menschen mit Behinderung sichtbar zu machen und Klischees und Vorurteile abzubauen.
Wie schon im letzten Jahr, will ich euch auch diesmal eine Auswahl an diversen Repräsentationen in Serien und Büchern geben – Filme habe ich leider keine im vergangenen Jahr gesehen.

Der Weihnachtosaurus

Die Handlung: William Trudel wünscht sich nichts mehr als einen echten Dinosaurier vom Weihnachtsmann. Und wie es der Zufall so will schlüpft genau zur Weihnachtszeit am Nordpol ein Dino. Der Weihnachtsmann nimmt diesen bei sich auf und gibt ihm den Namen Weihnachtosaurus. Doch am Weihnachtsabend kommt alles ganz anders und William und der Weihnachtosaurus erleben ein gemeinsames Abenteuer.

Warum das Buch so wichtig ist: Bereits im Kindesalter werden wir durch Klischees und Vorurteile geprägt. Umso wichtiger ist es bereits in Kinderbüchern Diversität zu repräsentieren. Und damit sind eben auch Behinderungen und Menschen mit Behinderungen gemeint. Der Weihnachtosaurus bietet uns mit William Trudel nicht nur eine Jungen, dessen Traum eines echten Dinos ins Erfüllung geht und eine bunte Abenteuergeschichte erlebt. Sondern eben auch die Realität eines Kindes im Rollstuhl. Dabei geht es um alltägliche Schwierigkeiten, Mobbing in der Schule und der Verzweiflung, weil William doch nichts für seine Behinderung kann. Dabei werden diese Schattenseiten zwar angesprochen, dominieren aber nicht die Handlung. Soll heißen, sie sind da, sie werden nicht ignoriert und doch zeigt das Buch, dass trotz – oder gerade wegen – des Rollstuhls William ein wunderbares Abenteuer erleben kann.

Extraordinary Attorney Who

Die Handlung: Woo Young-woo hat ihre Anwaltsprüfung mit Auszeichnung bestanden, bekommt aber nirgends einen Job, da ihre autistische Spektrums-Störung alle Kanzleien abschreckt. Doch dann nimmt eine sie doch noch nachträglich auf und sie darf fortan das Team von Jung Myeong-seok unterstützen. Dabei fällt sie durch ihre kreative Herangehensweise auf, allerdings auch durch ihre Probleme im sozialen Kontakt. Dabei sind ihr nicht alle wohlgesonnen.

Warum die Serie so wichtig ist: Zunächst war ich bei der Serie skeptisch, da Autist*innen gern als sozial auffällig, aber super intelligent dargestellt werden. Das dies der Realität entsprechen kann, aber nicht die Regel ist, wie uns gern suggeriert wird, wird meist unterschlagen. Nicht in Extraordinary Attorney Who. Hier wird ganz gezielt auf das Spektrum aufmerksam gemacht und doch viele Probleme genannt, die bei vielen auf dem Spektrum auftreten. Dabei führt ihre Art zeitgleich zu Problemen und Lösungen und nicht jeder in ihrem Umfeld reagiert positiv auf sie. Dennoch ist es eine sehr herzliche Serie, voller Witz (niemals über die Behinderung!), spannender Fälle und toller Charaktere.

Hawkeye

Die Handlung: Kate Bishop ist seit den Ereignissen in New York 2012 (siehe The Avengers) großer Fan von ihrem persönlichen Helden Hawkeye alias Clint Barton. Als bei einer Schwarzmarkt-Auktion auf einer Charity-Veranstaltung der Firma ihrer Mutter das Kostüm des Ronin versteigert wird, landet dies nach einem Anschlag in ihrem Besitz. Damit macht sie zwei Parteien auf sich aufmerksam. Zum einen Hawkeye, der eigentlich wegen eines Musicalbesuchs mit seinen Kindern in der Stadt war, und der Jogging-Anzug Gang, deren Anzahl der Ronin einst stark verkleinerte.

Warum die Serie so wichtig ist: Superhelden sind für uns die Verkörperung von allem Positiven. Sie sind Vorbilder, retten die Welt und haben natürlich kaum Schwächen. Und auch, wenn Hawkeye selbst „nur“ eine Hörschädigung hat, die nach den vielen Ereignissen auch sehr realistisch ist, so haben wir gerade mit Maya Lopez aka Echo als eine der Gegenspielerinnen eine Frau, die nicht nur mit Beinprotese kämpft, sondern auch vollständig gehörlos ist. Gebärdensprache wird in einigen Szenen benutzt, bzw. geht es auch um die Schwierigkeit sich verständlich zu machen, wenn andere diese eben nicht beherrschen. Dabei ist auch diese Thematik wieder wunderbar in die Handlung eingepflegt, ohne unterzugehen, aber auch ohne zu großen Wert darauf zu legen.

Erntedank in Vertikow

Die Handlung: Peer sitzt seit neustem im Rollstuhl und kommt damit nicht wirklich zurecht. Als in Vertikow, einem kleinen Ort in Mecklenburg-Vorpommer, ein Unfall geschieht, ist sich Peer sicher: Es war Mord. Da ihm niemand glauben will, fängt er selbstständig an zu ermitteln.

Warum das Buch so wichtig ist: Was macht ein Organist, der seinem Beruf nicht mehr nachgehen kann, weil er nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt und nicht mehr die Treppen zur Orgel hochkommt? Genau Detektiv spielen und einen Mord aufklären. Dabei haben wir diesmal wirklich eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Thematik. Unser Protagonist sitzt ganz neu im Rollstuhl und kommt mit den Einschränkungen nicht so gut zurecht. Sein kleines Dorf ist nicht wirklich barrierefrei und auch wenn ihm die Bewohnenden viel versuchen zu helfen, so kämpft er doch mit der Frustration, hadert mit sich und seinem Körper und hinterfragt selbst seine Beziehung. Wir bekommen hier also eine schonungslose Erfahrung hautnah und bekommen als Bonus noch eine spannende Cozy Crime Geschichte.

Gallant

Die Handlung: Olivia Prior ist in einem Waisenhaus aufgewachsen. Da sie nicht sprechen kann, wurde ihr gern das Leben schwer gemacht. Nur die Worte ihrer Mutter in einem alten Tagebuch konnten ihr Trost spenden. Dort wird sie vor einem Ort namens Gallant gewarnt. Doch als ein Brief von ihrem Onkel eintrifft, lädt er sie genau dorthin ein. Olivia folgt dem Ruf, in der Hoffnung ihre Familie wiederzufinden, doch vor Ort ist alles ganz anders. Ein Geheimnis liegt auf Gallant, das Olivia lösen will. 

Warum das Buch so wichtig ist: Olivia kann nicht sprechen (laut Google-Suche hat sie wahrscheinlich Anarthrie, im Buch selbst wird keine Diagnose genannt). Das scheint für andere Mädchen im Waisenhaus Grund genug zu sein, sie auszuschließen und zu mobben. Dabei hat sie verzweifelt nach einer Erklärung gesucht, doch konnte nicht herausfinden, warum sie nicht sprechen kann. Das wird im Verlauf der Handlung mehrmals nochmal wichtig, wenn sie sich über gemalte Bilder auszudrücken versucht und eben im Zweifelsfall auch nicht um Hilfe rufen kann bzw. auch keine Schmerzlaute von sich geben kann. Mit Gothic Novel haben wir hier auch nochmal ein anderes Genre, da ich stets versuche hier auch eine Vielfalt miteinzubringen.

Komi can’t communicate

Die Handlung: Komi ist eine der beliebtesten Schülerinnen. Dabei ist sie sehr schweigsam. Tadano ist der typische Außenseiter. Doch er freundet sich mit Komi an und erfährt von ihren sozialen Ängsten, weswegen es ihr schwer fällt zu reden. Dabei hat sie einen großen Wunsch, bei dem Tadano ihr helfen soll: Sie will 100 Freund*innen finden. 

Warum der Manga/der Anime so wichtig ist: Bei sozialen Ängsten ist nun natürlich die Frage, in wiefern dies unter Disability fällt. Da in diesem Manga/Anime Komi dadurch beinahe gar nicht spricht, in vielen Situationen Hilfe braucht, die sie aber nicht erbitten kann und auch sonst mit einigen Einschränkungen zurecht kommen muss, habe ich für mich entschieden die Geschichte hier mit aufzunehmen. Denn zum einen werden hier einige Vorurteile abgebaut, es wird der tägliche Kampf beschrieben und der Umgang mit den Menschen um sie herum. Dabei fand ich es besonders schön zu lesen, dass Komi eben nicht die typische Außenseiterin ist, sondern das beliebteste Mädchen an der Schule, was die Situationen für sie nicht unbedingt einfacher macht.

Welche Filme/Serien/Bücher mit gut repräsentierten Figuren mit Behinderung kennt ihr?

No hard feeling

Ein Vorwort

Seit ihrem großen Durchbruch mit dem Tribute von Panem Franchise war Jennifer Lawrence durchaus eine Konstante in Hollywood, bei deren Filmen sich meist zumindest ein Blick lohnte. Nachdem es in letzter Zeit eher ruhiger wurde – was wohl zum einen Pandemie bedingt war und auch an ihrer Schwangerschaft gelegen haben dürfte – war ich doch interessiert, was ihre Rückkehr auf die große Leinwand so bereit hielt. Warum ich meinen Kinobesuch diesmal tendenziell eher bereute, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Maddie hat Geldprobleme. Als dann auch noch ihr Auto beschlagnahmt wird, hat sie als Uber-Fahrerin keine Einnahmequelle mehr. Da kommt ihr die Anzeige für einen alten Buick gerade recht. Die einzige Bedingung ist, dass sie mit dem Sohn der Besitzenden ausgehen soll. Doch daraus entsteht eine ganz eigene Dynamik.

Meine Meinung

Gut Bereuen ist vielleicht ein hartes Wort. Aber No hard feelings hat viele Baustellen, die er nicht umschifft bekommt. Das beginnt leider schon mit der Grundprämisse, wobei diese auch gut nutzbar gewesen wäre, um bestehende Klischees abzubauen und der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Leider nutzt der Film diese Chance nicht, sondern tritt in ein Fettnäpfchen nach dem nächsten.
Doch beginnen wir am Anfang. Hier lernen wir Maddie kennen, die gerade ihr Auto und damit irgendwie auch ihren Job verliert, da sie als Uber Fahrerin arbeitet. In Montauk ist sie auch gerade auf die Sommergäste angewiesen, da hier die reichere Bevölkerung in ihre Sommerhäuser zieht. Was nun stellenweise als Systemkritik beginnt, geht sanft in eine Identitätskrise über. Soweit so unproblematisch, denn hier liegen etwas unausgebaut die eigentliche Aussage des Films. Doch damit dann wohl leider auch genug der lobenden Worte.
Denn statt hier wirklich auf die Probleme einzugehen, bekommen wir Maddie einfach als typische Versagerin präsentiert. Kann man es zunächst noch mit dem eben genannten erklären, so macht ihr Verhalten schnell deutlich, dass sie auch ansonsten einfach nicht sehr sympathisch ist. Was auch erstmal kein Problem wäre, nicht immer müssen die Protagonist*innen sympathisch sein.
Kommen wir zum großen Aber. Der Film hat am Ende nur eine große Aussage: Habe Sex, sonst bist du ein Nichts in der Gesellschaft. Und anstatt damit die Übersexualisierung mit der wir täglich leben zu kritisieren, wird diese Aussage einfach als gesetzt gesehen. Percy, eben jene Jungfrau, die „bekehrt“ werden muss, hat soziale Probleme. Anstatt jedoch auf seine Introvertiertheit und seine Abgeschottenheit von anderen Gleichaltrigen einzugehen, ist natürlich sein Problem, dass er noch keinen Sex hatte. Sind die Motive seiner Eltern und Maddie also schon fragwürdig, macht es der Film mit seiner Laufzeit nur immer schlimmer. Es gibt einige übergriffige Szenen, in denen Percys Wille versucht wird zu untergraben und auf ihn einzuwirken, dass er doch nicht so „verklemmt“ sein solle. Wäre die Rollenverteilung umgekehrt, hätte es hier schon längst einen Aufschrei gegeben. Aber auch hier ist das absolut nicht in Ordnung!
So plätschert der Film von einem schlechten Witz zum nächsten, bringt gefühlt alle Vorurteile mit rein, die es zu dem Thema gibt und zieht jegliche kritischen Stimmen an Maddies Verhalten so sehr ins Lächerliche, dass auch ja niemand glaubt, dass sie nicht die „Heldin“ des Films sei. Das ist allerdings an mehr als einer Stelle problematisch, weswegen einem des öfteren mal das Lachen im Hals stecken bleibt.
Letztendlich hält der Film bis zum Ende an seiner problematischen Prämisse fest, jeglicher Versuch dem Zuschauenden etwas anderes zu vermitteln, wird ad absurdum geführt. Es gibt das übliche vorhersehbare Drama, schlechte Witze, eine nackte Jennifer Lawrence (warum auch immer das nötig war) und leider nur wenig wirkliche Charakterentwicklung. Damit ist er leider ein Reinfall.

Das Fazit

No hard feelings bietet eine problematische Prämisse und hält leider an dieser durchgängig fest, statt sie zu drehen und der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Hinzu kommt eine vorhersehbare klischeehafte Handlung, schlechte Witze und eine sehr unsympathische Protagonistin. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

No hard feelings läuft seit dem 22.06.2023 in den deutschen Kinos

Sommerlektüren – Ausgabe 2023

Es ist Sommer!
Die Temperaturen lassen da wenig Zweifel aufkommen, die Sommerferien stehen (zumindest hier) bevor. Das heißt es wurde mal wieder Zeit für meine Sommerlektüren. Drei Bücher habe ich mir dieses Jahr herausgesucht und stelle euch die heute vor – natürlich mit Sommerlektürenfaktor!
Die Beiträge der letzten Jahre findet ihr hier: 2022 2021 2020 2019

5 Tage am Meer

Die Handlung: Hanne ist Hochzeitsfotografin, doch ein Großauftrag auf der Insel Vesbö wird kurzfristig abgesagt. Da sie das Zimmer nicht mehr storniert kriegt, beschließt sie die Reise trotzdem anzutreten. Nur, um dem Bruder der Braut bereits am Hafen in die Arme zu laufen.

Meine Meinung: 5 Tage am Meer war eigentlich ein Zufallsgriff in der Buchhandlung meines Vertrauens, die irgendwie nicht so richtig einen Sommerlektürentisch diesmal stehen hatten, aber dann fiel mir dieses noch in die Hände und durfte mit. Und war genau das, was ich gesucht habe. Sommer, Sonne, Strand, lockere leichte Handlung, süße Liebesgeschichte, nicht zu viel Drama, aber eine schöne Portion Meerweh. Es gibt eine kleine Vorgeschichte, aber dann geht es auch schon ganz bald ans Meer, wir lernen die ersten Einwohner kennen und natürlich wird auch hier viel gebacken. Natürlich war die Handlung an einigen Stellen vorhersehbar, aber sie hatte trotzdem Charme und ihre eigene Form von Magie. Man lacht, leidet, freut sich, rauft sich die Haare und das alles in überschaubaren 368 Seiten. Damit ist die Geschichte auch komplett auserzählt und der Abschied von der Insel fällt wie immer etwas schwer. Die perfekte Lektüre für den Strandkorb oder für Daheimgebliebene zum Träumen.

Sommerlektürenfaktor: *****

Ein Apfelbaum am Meer

Die Handlung: Julie wollte eigentlich eine neue Karriere in einer Patisserie in Florenz beginnen, und ihren italienischen Wurzeln treu bleiben. Doch eine Einladung zum Geburtstag und Notstand in der Bäckerei einer alten Freundin bringt sie nach Juist, wo sie auf eine Geschichte rund um ihre Großmutter stößt, die sie noch nicht kannte. 

Meine Meinung: Letztes Jahr habe ich euch Ein Apfelkuchen am Meer von Anne Barns vorgestellt. Der Apfelbaum am Meer ist mehr oder weniger ein Spin-off oder eine Fortsetzung, je nach Definition. Wir haben eine neue Protagonistin, die über Umwege doch die Bekanntschaft mit Merle und Enna bereits gemacht hat und sich nun wieder daran erinnert. Es geht wieder nach Juist, wo wir auf weitere bekannte Einwohner treffen. Der berühmte Apfelkuchen aus dem vorherigen Band hat auch wieder einen Auftritt, aber diesmal wird das Ganze gewürzt mit einer ordentlichen Prise italienischem Einfluss. Denn Julies Familie kommt aus Italien und natürlich gibt es auch eine Geschichte rund um ihre Großmutter, die ebenfalls eine Geschichte mit Juist verbindet. Während Anne Barns in den letzten Jahren eine treue Begleiterin bei den Sommerlektüren war, hat diese Geschichte ganz schön geschwächelt für mich. Wir kommen erst sehr spät in Juist an, da ist bereits ca. die Hälfte der nur ca. 250 Seiten starken Geschichte bereits vorbei. Der Rest zu den 320 Seiten, die das Buch insgesamt hat, sind eine Menge Rezepte und eine Leseprobe zum vorherigen Band. Ich mochte eigentlich das Wiedersehen mit den bekannten Charakteren und auch die Liebesgeschichte war sehr süß, aber es war nach der eher langatmigen Einführung eher alles etwas gehetzt. Dadurch ist viel von dem Sommergefühl verloren gegangen. Gerade das Ende wirkte dann auch sehr konstruiert. Ein paar Seiten weniger Rezepte und ein paar Seiten mehr Geschichte wären eine gute Entscheidung gewesen. Schade. Vielleicht haben Frau Barns und ich nächstes Jahr wieder mehr Glück.

Sommerlektürenfaktor: ***

Where summer stays

Die Handlung: Charlie wird im Zuge ihres Praktikums bei einem Klassikradio auf ein großes Rockfestival geschickt. Leider hat sie soziale Ängste und die Menschenmassen auf dem Festival sind ihr persönlicher Horror. Dann trifft sie Levy, der sie durch seinen ganz eigenen Charme mutig macht. Doch Levy verhält sich immer mal wieder seltsam, doch auch nach dem Festival schlägt Charlies Herz noch für ihn. 

Meine Meinung: Das Buch passte eigentlich so gar nicht in meine bisherige Sommerlektürenauswahl. Aber als Festivalgängerin gehört die Saison irgendwo für mich auch zum Sommer. So habe ich dem Strand den Rücken gekehrt und versuchte mein Glück auf dem Musikfestival und der Geschichte von Charlie und Levy. Wie in New Adult Büchern so üblich, gibt es hier eine Menge Drama und die Charaktere haben einige Päckchen zu tragen. Vom Genre wusste ich schon, worauf ich mich einlasse, und es waren auch wieder einige sehr schwierige Themen, die teilweise gut (Levy), teilweise etwas blass (Charlie) behandelt wurden. Leider war es gerade das Festival, was mich sehr enttäuscht hatte. Denn es kam überhaupt keine Festivalstimmung auf. Gefühlt bewegen wir uns immer nur am Rand dessen, die einzelnen Szenen könnten zu 80% auch einfach auf einem normalen Zeltplatz passieren. Das Besondere, das Feeling, die Stimmung eines Festivals kam hier gar nicht durch. Da es für mich der entscheidende Kaufgrund war, leider eine starke Enttäuschung, zumal ich mich lange auf das Buch gefreut habe. Auch insgesamt als New Adult war das Buch eher schwächer. Die Charaktere waren etwas sprunghaft, ebenso wie die Handlung. Mal schauen, ob der Rest der Reihe hier mehr bietet.

Sommerlektürenfaktor: *

Habt ihr eins davon gelesen? Wie hat es euch gefallen?