A Spark of Time

Ein Vorwort

Geschichten über Zeitreisen sind immer wieder faszinierend. Aber sie bergen auch das Risiko, sich in Logiklöcher oder zu hohen Ambitionen zu verstricken. Dennoch sprach mich Kira Lichts neuste Reihe direkt an, beinhalteten sie doch die magischen Worte „Titanic“ und „Mr. Darcy“. Wie sie mir gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Rendevous auf der Titanic

Die Handlung: Lilly deGray und ihr Vater sind nicht nur Antiquitätenhändler, sondern können auch in der Zeit reisen, wodurch sie auch verloren geglaubte Stücke wiederfinden können. Doch durch Geldsorgen muss Lilly zu ihrem nächsten Auftrag alleine aufbrechen, der sie auf die Titanic führt. Dort trifft sie auf Ray, einem Passagier, der bei ihr sofort Gefühle auslöst. Was sie nicht weiß, ist, dass Ray eigentlich Damien ist, ebenfalls ein Zeitreisender. Und sein Ziel ist Lilly.

Meine Meinung: Klappentexte sind ein tückisches Werkzeug. Während sie einem das Buch schmackhaft machen sollen, kann es bereits zu Spoilern kommen. Oder sie lenken einen in eine völlig falsche Richtung. So ging es mir mit Rendevouz auf der Titanic. Denn während der Klappentext lediglich den Teil mit Ray und Lillys Gewissensbissen, weil sie ihn zurücklassen muss, erzählte, merkte ich bereits im zweiten Kapitel, dass dies nicht die richtige Handlung ist. Stattdessen treffen wir auf Damien, der ebenfalls Zeitreisender ist und seinen echt bösen Vater. Leider war das genau ein Handlungsstrang, von dem ich so gar kein Fan bin und den ich eigentlich hoffte, nicht dabei zu haben. Meine Stimmung zu dem Buch war also schon sehr früh getrübt. Die Vorfreude sehr rasch verpufft. Dennoch haben A Spark of Time und ich uns zusammengerauft und gerade als es endlich auf die Titanic ging, konnte mich die Geschichte auch mehr abholen. Kira Licht hat hier sehr viel Recherche reingesteckt, was man durchaus merkt. Leider sich dann doch in inzwischen widerlegten Behauptungen verstrickt (Funfact: Auch mehr Rettungsboote hätten nicht mehr Menschen gerettet, denn die Zeit bis zum Untergang reichte nicht einmal, um alle vorhandenen Boote zu besetzen und zu Wasser zu lassen.) Auch war der Anhang zu den realen Personen und Orte ganz nett, beinhaltete aber keine neuen Informationen, die nicht bereits in der Geschichte enthalten waren. Hier wären bewusste Änderungen oder zusätzliche Details wesentlich spannender gewesen. Letztlich konnte mich das Buch abholen und ich habe die Geschichte sehr schnell inhaliert. Die leichte Schreibweise hat dabei sehr geholfen.

Ein Date mit Mr. Darcy

Die Handlung: Lilly hat Damiens Identität aufgedeckt. Und während sie nichts mehr mit ihm zu tun haben möchte, verfolgt Damiens Vater weiter seine bösen Machenschaften. Letztlich nimmt er Lillys Vater als Geisel und zwingt beide Kinder dazu in die Regency Zeit zu reisen, um ein letztes Zahnrad  aufzuspüren. Dabei treffen sie auf Lillys großes Vorbild Jane Austen und deren Familie.

Meine Meinung: Nach dem ersten Band war ich mir nicht sicher, ob ich die Reihe wirklich weiter verfolgen wollte, war sie doch so ganz anders als in meinen Erwartungen (wofür die Autorin übrigens nichts kann, nur der Klappentext war irreführend!). Doch dann habe ich den Untertitel des zweiten Bands gesehen und bei Jane Austen und Mr. Darcy konnte ich einfach nicht widerstehen. Durch die weiterhin sehr leichte Schreibweise, habe ich auch den zweiten Band regelrecht inhaliert. Auch hier war wieder sehr deutlich, wie gut die Autorin recherchiert hat und wie sie dadurch gute Twists einbauen konnte. Leider gibt es auch hier ein paar Abers, weswegen ich nicht völlig überzeugt bin. Zum einen ist es der etwas zähere Mittelteil. Hier wurde viel Augenmerk auf die Liebesgeschichte gesetzt und dabei fehlte ein wenig das Tempo. Dadurch fehlten dann hintenraus die Seiten. Denn die Zeit bei Familie Austen nimmt hier nicht, wie die Titanic im ersten Band, das ganze Buch ein, sondern wir haben im dritten Abschnitt nochmal einen kompletten Zeit-  und Locationswechsel. Dabei wurde man mit vielen neuen Namen und Fakten überschüttet, die leider nur wenig ausgearbeitet wurden, denn das spannende Finale musst her. Dabei ging alles irgendwie zu leicht. Das große Böse war schnell gebannt, das Damoklesschwert über dem Liebespaar war auf einmal weg und dann gab es nur noch ein schnelles Happy-end im Epilog. Das war sehr ernüchternd für die Geschichte, die über die zwei Bände aufgebaut wurde. Ich sage das zwar selten, aber eine Trilogie wäre hier durchaus angebrachter gewesen. Genügend Handlung dafür wäre da gewesen und das große Überböse wäre nicht auf einmal sehr leicht zu überwältigen gewesen.

Das Fazit

A Spark of Time ist eine Reihe mit einer faszinierenden Grundidee, die ein wenig besser ausgebaut auch funktioniert hätte. Leider sammeln sich in beiden Bände einige Schwachstellen – und wir reden hier nichtmal über den nicht gelungenen Buchsatz oder die überproportional vielen Schreib- und Druckfehler für ein teueres Verlagsbuch – die den Gesamteindruck leider schmälern. Die Autorin hat sehr viel Zeit und Energie in die Recherche gesteckt, das spürt man deutlich, aber dadurch hakte es leider an der finalen Handlung. Ein Spin-off ist bereits in Arbeit, aber ich kann aktuell nicht sagen, ob ich nach dem Ende nochmal Lust darauf habe.

Joker – Folie á deux

Ein Vorwort

2019 brachte Todd Phillips seine Version des wohl bekanntesten Bösewichts aus dem Batman Universum auf die große Leinwand. Dabei handelte es sich um ein erstaunlich gut funktionierendes Drama mit einer großen Portion Gesellschaftskritik. Gerade Hauptdarsteller Joaquin Phoenix gab hier alles und so wurde es ein Film, der im Gedächtnis blieb. Nun sollte es eine Fortsetzung geben und zuvor gab es jede Menge Gerüchte rund um ein Musical, wofür auch Lady Gaga gecastet wurde. Die ersten Kritiken waren vernichtend und nun war für mich die Frage: Wird es wieder nur eine enttäuschende Fortsetzung? Die Antwort findet ihr in meinem heutigen Beitrag.

Filmtitel und Kinokarte arrangiert auf einer Filmklappe. Im Hintergrund liegt ein Manga über den Joker.

Die Handlung

Arthur Fleck ist im Gefängnis und erwartet seine Verhandlung. Der Umgangston ist rau, einziger Lichtblick sind die Gesangsstunden, bei denen er Harleen „Len“ Quinzel trifft, die ganz fasziniert vom Joker ist. Doch während des Prozesses hadert er immer mehr mit sich. Ist er der Joker oder doch einfach nur Arthur?

Meine Meinung

Wenn ein Regisseur sagt, dass er keine Lust hat ein Sequel zu drehen, und sich der Hauptdarsteller dieser Meinung anschließt, dann ist das eigentlich ein sicheres Zeichen, dass man den Stoff liegen lassen sollte. Aber wenn ein Film nun einmal gute Zahlen schreibt, dann wollen die Studios auf der Erfolgswelle weiter surfen. Und so konnten Phillips und Phoenix doch noch überredet werden und setzten sich an den zweiten Teil zu Joker. Doch wo ansetzten und worauf soll es hinauslaufen?
Diese Frage hat uns Regisseur Todd Phillips zwar erst ganz zum Schluss beantwortet, aber vorher bietet er uns 138 Minuten voller Gefängnisdrama, Gerichtsdrama, Liebesgeschichte und Musical. Und gleichzeitig bietet er uns … Nichts. Denn was dem Film fehlt, ist irgendwie der rote Faden. Grundsätzlich ist er erstmal viel zu lang, die Aufmerksamkeit im Publikum nahm merklich ab und mit jeder weiteren Gesangsnummer wurde das Geseufze lauter. Denn diese tragen nicht, wie angenommen, das Geschehen und bringen die Handlung voran, sondern werden immer dann eingesetzt, wenn die Zuschauenden im Unklaren gelassen werden sollen, wie viel Joker in Arthur Fleck steckt. Wenn durch einzelne Zeugenaussagen Trigger ausgelöst werden und er sich in eine Traumwelt flüchtet, wo er noch immer der starke Joker ist. Leider werden die einzelnen Songs dann auch noch komplett ausgespielt und auch wenn sie in der Regel gut geschrieben, und gerade von Lady Gaga auch gut vertont sind, eine bunte und aufregende Performance bieten, so tragen sie doch nicht weiter zur Geschichte bei. Das hätte auch wesentlich reduzierter stattfinden können.
Auch das Gefängnisdrama und der Part im Gericht wirkt sehr künstlich gestreckt und kommt erst ganz am Schluss mit einer Aussage daher. Wir bekommen zwar wieder viel von Joaquin Phoenix unfassbar gutem Schauspiel geboten und es wird auch wieder gezeigt, welche Abgründe die Menschheit bietet, diesmal vorrangig in Form der Gefängniswärter. Doch all das reicht nicht, um eine spannende oder zumindest interessante Handlung zu bieten. Stattdessen glaubt man überall kleine Anzeichen einer Botschaft von Phillips zu spüren, doch bei genauerem Nachdenken bleibt nicht viel Übrig.
So haben wir einen Film, der eigentlich ständig nur sagt: Sehr her, ich bin nicht das, was ihr erwartet habt oder was ihr euch gar erhofft habt. Damit ist er in seiner Gesamtheit nicht unbedingt schlecht, nur sehr gewöhnungsbedürftig und wie bereits erwähnt auch einfach zu lang. Und vielleicht lernt Hollywood ja daraus und lässt Sequels liegen, wenn Regisseure und Hauptdarstellende von Anfang an sagen, dass sie keine Lust darauf haben.

Das Fazit

Joker 2 – Folie á deux kommt nicht so richtig in Schwung, macht einige Ebenen auf, kann aber keine wirklich zufriedenstellend abschließen. Immer wieder künstlich gestreckt ist der Film auch einfach zu lang und schafft es erst in den letzten Minuten auf den Punkt zu kommen. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Joker 2 – Folie á deux läuft seit dem 03.10.2024 in den deutschen Kinos

Der Buchspazierer

Ein Vorwort

Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich diesen Trailer gesehen habe, unzählige Male habe ich die immer gleiche Geschichte angeteasert bekommen. Und ich hatte so Lust auf diesen Film. Es klang nach einer schönen kleinen Perle eines deutschen Studios, das sich von der Masse der Komödien abheben könnte. Gleichzeitig war die Angst groß, dass der Film die Handlung nicht tragen könnte. Warum diese Befürchtung ungerechtfertigt war, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Filmtitel und Kinokarte arrangiert auf einer Filmklappe. Daneben sind drei Reclam Ausgaben von Klassikern der Literatur arrangiert.

Die Handlung

Carl Kollhoff spaziert für eine kleine Buchhandlung jeden Tag durch die Stadt und liefert Buchbestellungen aus. Die Stammkundschaft hat von ihm inzwischen Namen aus Büchern bekommen, so schaut er regelmäßig bei Mr. Darcy oder Frau Langstrumpf vorbei. Dabei wahrt er stets eine höfliche Distanz. Bis er auf die neunjährige Schascha trifft, die ihn gern begleiten möchte und durch ihre quirlige Art seinen Alltag ordentlich auf den Kopf stellt.

Meine Meinung

Ein Film über Bücher? Da war ich doch direkt dabei. Gut, es geht vielleicht nicht direkt um Bücher, aber es geht um die Menschen, die Bücher und Geschichten lieben und wie diese die Menschen beeinflussen können. Es ist eine Hommage an die ganzen Klassiker und an die kleinen Inhabergeführten Buchhandlungen, die nicht auf reine Massenabfertigung setzen. Aber beginnen wir am Anfang.
Eine Erzählstimme erklärt uns zunächst den Alltag von Carl Kollhoff. Wir lernen ihn als den Buchspazierer kennen, und als Mann, der Bücher ganz im allgemeinen liebt. Gleichzeitig ist er verschlossen und kurz angebunden, wenn auch sehr höflich dabei. Dann lernen wir Schascha kennen, die ebenfalls eher verschlossen ist, da sie in ihrer neuen Klasse noch keinen Anschluss gefunden hat. Auch ihre Liebe zu Büchern ist sofort erkennbar, was an der Erziehung der inzwischen verstorbenen Mutter liegt.
Hier kommt also früh das Thema Trauer und Trauerbewältigung ins Spiel. Während Schascha sich eher verschließt und die Nähe von einem anderen Buchliebhaber sucht, in diesem Fall dem Buchspazierer, trotz des gewaltigen Altersunterschieds, blockt ihr Vater alle Gespräche zu dem Thema ab. In seinen Augen sollte seine Tochter einfach weitermachen und wieder lachen und lebensfroh sein. Dass dies nicht so einfach ist und wie man besser mit Trauer umgehen kann, wird hier nach und nach entschlüsselt und kommt so neben einer sehr süßen Geschichte auch mit einer tollen Botschaft daher.
Aber auch darüber hinaus lernen wir die Lesenden nach und nach besser kennen und erfahren ihre Hintergrundgeschichten. Dabei wird der ein oder andere Konflikt vielleicht etwas leicht gelöst, was aber zur beschwingten Grundstimmung passt. Denn wir haben hier teilweise heftige Themen, dennoch ist es in großen Teilen ein Feelgood-Film. Auch, wenn man für das Ende besser eine große Packung Taschentücher bereit halten sollte.
Umrahmt wird das Ganze von der großen Liebe zu den Büchern, auch wenn über ihre Inhalte nicht so viel erzählt wird und man einige Andeutungen vermutlich besser versteht, wenn man bereits einige Klassiker der Weltliteratur gelesen hat. Zeitgleich geht es auch um die Kommerzialisierung von Buchhandlungen, was soweit geht, dass es in der vorher gut sortierten Stadtbuchhandlung auf einmal alles gibt, außer Bücher.
Insgesamt ist der Buchspazierer ein Film über Freundschaft, Trauerbewältigung und Bücher. Das Ganze wird sehr locker erzählt, nimmt seine Themen aber durchaus ernst. Es gibt verschiedene Betrachtungsweisen, die gehört werden, und dabei keinen direkten erhobenen Zeigefinger. Stattdessen sind es die Charaktere, die einen spielend leicht ans Herz wachsen und das emotionale Finale, das diesen Film zu etwas ganz besonderem macht und einfach eine schöne Geschichte erzählt. Ich habe jede Minute genossen.

Das Fazit

Der Buchspazierer ist einer dieser kleinen Filmperlen, die einfach so viel Liebe und Herzlichkeit in sich bergen, dass sie einen sehr berühren. Mit einer guten Portion Fröhlichkeit und dem Gegenpart der schweren Themen schafft der Film die Balance und findet einen Weg direkt ins Herz. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Der Buchspazierer läuft seit dem 10.10.2024 in den deutschen Kinos

Die Ironie des Lebens

Ein Vorwort

Ein alterner Schauspieler, der es sich nicht eingestehen mag, flache Witze und ein bisschen Familiendramatik. Eigentlich hatte Die Ironie des Lebens alles für eine schlechte deutsche Komödie. Herausgekommen ist ein Film, der irgendwie nicht ins Klischee passt, aber auch nur bedingt darüber hinauswächst. Was der Film letztlich alles kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Der Filmtitel als Fanart vor Filmklappe.

Die Handlung

Edgar tourt mit Ende 60 noch immer durch Deutschland und macht seinem Ruf als erfolgreicher Comedian alle Ehre. Doch abseits der Bühne ist er in sich gekehrt und einsam. Bis er nach 25 Jahren wieder auf seine Ex-Frau trifft, die unheilbar an Krebs erkrankt ist. In ihren letzten Tagen kommen sie sich wieder näher und Eva beschließt spontan ihn auf seiner Tour zu begleiten.

Meine Meinung

Nach dem Trailer war für mich eigentlich klar, dass wir wieder eine typische deutsche Komödie bekommen würden, diesmal mit einem Uwe Ochsenknecht, dem man sein Alter inzwischen halt auch ansieht. Zum Kinofest für einen günstigen Preis habe ich mir dann doch ein Ticket gekauft und war auf das Schlimmste gefasst. Nur, dass das Schlimmste gar nicht eingetreten ist. Stattdessen präsentiert sich der Film erstaunlich nachdenklich und reklektiert die Handlungen der einzelnen Charaktere.
Aber von Anfang an. Zunächst lernen wir Edgar kennen. Er ist Comedian, aber inzwischen ein bisschen in die Jahre gekommen. Das will er jedoch nicht einsehen, ebenso wenig, wie die Einsamkeit in seinem Leben. Lieber lenkt er sich auf der Tour durch die Aufmerksamkeit ab, die ihm zuteil wird. Bis auf einmal seine Ex-Frau wieder in sein Leben tritt. Sie teilt ihm mit, dass sie erkrankt ist und sich aber gegen die Behandlung entschieden hat. Das kann Edgar aber nicht zulassen und versucht sie nun umzustimmen. Dabei muss er sich mit seinen Kindern auseinander setzen, die sich von ihm entfremdet haben, da er sie noch in ihrer Kindheit verlassen hat.
Gerade dadurch wird auch das gesamte Drama deutlich. Während seine Tochter alles eher locker nimmt und mit einer schrittweisen wieder Annäherung keine Probleme hat, blockt der Sohn alles ab, da er sich noch genauer an die vielen gebrochenen Versprechungen erinnern kann und gerade die Verwertung seiner Mutter in Edgars Bühnenprogrammen als problematisch ansieht. Dabei ist es aber gerade Eva, die Ex-Frau und Mutter, die sehr still bleibt und vieles über sich erzählen lässt, aber dennoch wird deutlich, dass sie mit ihrer Entscheidung zufrieden ist. Sie lebt ihre letzten Tage so, wie sie ihr vorheriges Leben gelebt hat, und scheint keine verpassten Chancen zu bereuen.
Dabei ist es gerade Corinna Harfouch und ihr sehr bedachtes Spiel, was dem Film die nötige Tiefe gibt. Uwe Ochsenknecht wird seiner Rolle als Edgar durchaus gerecht. Dabei verkörpert er gut die Grobheit des Charakters, der seine narzistischen Charakterzüge zwar hinterfragt, aber nicht eingedämmt bekommt. Dadurch bekommt der Film auch noch die Ebene der Angehörigen, die alle unterschiedlich reagieren.
So richtig schafft Die Ironie des Lebens es leider nicht eine Aussage zu treffen und über die Grundaussage hinwegzukommen. Aber trotz des schweren Themas, ist der Film sehr lebensbejahend. Und statt sich von Witz zu Witz zu hangeln, bleibt der Humor rein auf der Bühne von Edgars Shows. Darüber hinaus ist der Film sehr nachdenklich, hätte aber an einigen Stellen nochmal entschiedener auftreten können.

Das Fazit

Die Ironie des Lebens nimmt sich dem schweren Thema an, setzt dieses auch aus verschiedenen Blickwinkeln um. Dabei ist es der nachdenkliche Ton, der gut funktioniert, aber es fehlt ein wenig die Entschlossenheit wirklich von der üblichen deutschen Komödie abzulassen. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Die Ironie des Lebens läuft seit dem 05.09.2024 in den deutschen Kinos

Monsterwochen Reloaded – Der Untergang des Hauses Usher I & II

Nachdem ich die Monsterwochen im letzten Jahr pausiert habe, geht es dieses Jahr weiter. Zwar nicht direkt mit Monstern, aber dafür wieder mit einem Klassiker aus dem Bereich Horror bzw. Schauerroman, den ich lese und mir dann verschiedene filmische Interpretationen dazu anschaue.
So waren es in den Jahren zuvor bereits Dracula, Frankenstein, Das Phantom der Oper und Das Bildnis des Dorian Gray.
Eine weitere Änderung in diesem Jahr ist, dass ich die vier Versionen aus zeitlichen Gründen lediglich in zwei Beiträgen erläutern werde.

Und damit Vorhang auf für „Der Untergang des Hauses Usher“

Ein aufgeschlagenes Buch mit Illustrationen zum Untergang des Hauses Usher, so wie ein Tablet mit Standbild zum Kurzfilm. Umring von einer lila Fledermaus und einem dekorativen Glas.

Die Buchvorlage

Die Handlung: Der namenlose Erzähler reist zum Anwesen der Familie Usher, die sein Jugendfreund Roderick Usher und seine Zwillingschwester Madeline bewohnen. Ein Brief von Roderick hatte ihn hergebeten, doch er muss erkennen, dass die letzten lebenden Ushers sehr krank sind. Ein Sturm zieht auf und der Erzähler muss den Untergang des Hauses hautnah miterleben.

„Was war das nur – ich hielt inne, um darüber nachzugrübeln -, was mochte es sein, das mich Anblick des Hauses Usher so bedrückte?“*

Meine Meinung: Poe gilt nicht nur als Begründer des Kurzromans, er hat eben diese auch perfektioniert. In meiner Ausgabe ist der Untergang des Hauses Usher gerade einmal 25 Seiten lang und schafft es doch ab der ersten Seite eine Beklemmung auszulösen, ohne, dass Poe diese genauer beschreiben muss. Im Gegenteil es ist gerade seine zugegebene Unfähigkeit dieses genauer zu erläutern, die es noch realer wirken lässt. Auch weiß er mit der Grundangst der Menschen vor Krankheit und Tod zu spielen. Dabei muss er die Krankheit, die die Familie Usher heimsucht, gar nicht benennen. Allein der stetige Gedanke, dass es gesundheitlich zu Ende geht und damit auch die Erblinie komplett ausgelöscht wird, schafft es die Charaktere an den Rande des Wahnsinns zu treiben. Und nachdem man sich darauf eingelassen hat, schafft er es dann doch noch in einer stürmischen Nacht den wahren Horror herauszuholen, der mehr ist als nur die Metaebene der Geschichte.

„Ich musste mich endlich mit der unbefriedigenden Folgerung begnügen, dass völlig simple und unnatürliche Dinge in bestimmter Anordnung zweifellos die Macht haben, in solcher Art auf uns zu wirken; dass aber ein Ergründen dieser Macht jenseits unserer Fähigkeiten liegt.“*

Funfact zu Edgar Allen Poe: Er ist berühmt geworden für seine Schauerkurzgeschichten und gilt als Meister der Metaebene. Doch auch das Krimigenre hätte es ohne seine Ideen so vielleicht nie gegeben. Sei es Doyles Sherlock Holmes oder Christies Hercule Poirot, sie alle basieren in irgendeiner Weise auf Poes Arthur Gordon Pym.

Funfact zu Untergang des Hauses Usher: Viele Motive der Geschichte sind biographisch entstanden und daher nicht rein als Effektsteigerung zu verstehen. DIe Liebe unter nahen Verwandten basiert zum Beispiel auf seiner Ehe mit seiner jüngeren Cousine und auch Opiumrausch ist dem Autor nicht fremd gewesen.

Die erste Verfilmung

Die Handlung: Familie Usher bestehend aus Roderick und Madeline Usher sitzen entspannt beim Abendessen. Dabei befallen Madeline ungewöhnliche Bilder, die sie in den Wahnsinn und schließlich in den Tod treiben. Roderick befürchtet nun das gleiche Schicksal. Der Reisende besucht ihn und versucht zu helfen.

„Zweifellos war ich mir der abergläubischen Furcht – weshalb sollte ich sie nicht bei diesem Namen nennen? – bewusst, die in mir aufstieg, und zweifellos begünstigte gerade dieses Wissen ihre beklemmende Zunahme.“*

Meine Meinung: Bei der gesehenen Version handelt es sich um die erste amerikanische Verfilmung von 1928. Die französische Verfilmung aus dem gleichen Jahr konnte ich nicht auftreiben. In 13 Minuten wurde die Geschichte nachempfunden, was bei einer Kurzgeschichte durchaus ausreichend sein kann. Durch den Stummfilm gab es keine erklärenden Dialoge und es wurden auch keine Dialogtafeln eingeblendet, wodurch die Handlung ein bisschen schwierig zu entwirren war. Denn um den aufkommenden Wahnsinn der beiden Geschwister darzustellen wurden oft einzelne Bilder übereinander gelegt und ineinander verwoben, wodurch aber die Kulissen schwerer auszumachen waren. Wirklich folgen konnte ich der Handlung nur, weil ich die Buchvorlage vorher gelesen hatte. Da es nur Innenaufnahmen gab, war die Ankunft des Reisenden nicht nachvollziehbar, auch fehlt dadurch die bedrückende Stimmung durch das einschüchternde Haus an sich. Der Film zählt zu den ersten avantgardistischen US-Filmen und das merkt man auch. So fasst die Verfilmung zwar die Grundzüge der Kurzgeschichte zusammen, aber nicht auf wirklich verständliche oder nachvollziehbare Weise.

„Bei meinem Eintreten erhob sich Usher von einem Ruhebett, auf dem er ausgestreckt gelegen hatte, und begrüßte mich mit lebhafter Wärme, die, wie mir anfangs schien, viel von übertriebener Herzlichkeit an sich hatte – von dem gekünstelten Bemühen des blasierten Weltmannes.“*

Funfact zu Edgar Allen Poe: Poe hatte ein Glückspielproblem. Seine Schulden versuchte er mit dem Geld für die Universität zu begleichen, doch sein Ziehvater merkte dies, nachdem Poe immer mehr Geld forderte und drehte ihm schließlich den Geldhahn zu. Dadurch verlor er sein Studium.

Funfact zu Untergang des Hauses Usher: Der Ich-Erzähler wird als Außenstehender eingeführt und erzählt die Geschichte sehr rational, weswegen es den Lesenden so erscheint, als ob noch mehr Geheimnisse zu erkunden sind, die aber offen bleiben.

Kennt ihr die Werke?

Beetlejuice Beetlejuice

Ein Vorwort

Da die ganzen Remakes und Reboots im Kino nicht mehr so richtig zogen, wurde es nun Zeit für Filme, die im 20. Jahrhundert gut funktionierten, aber damals dann noch nicht ausgeschlachtet wurden, nun ihre zweiten Teile bekommen. Eines der Werke ist nun Beetlejuice geworden. Immerhin mit Originalregisseur Tim Burton mit an Bord. Warum den Film wohl keiner gebraucht hat, er aber doch gut funktioniert hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Der Filmtitel als Fanart des Kinoposters vor Filmklappe

Die Handlung

Zur Beerdigung ihres Vaters reist Lydia Deetz zurück in das Haus ihrer Kindheit. Mit dabei sind ihre Stiefmutter und ihre rebellische Tochter Astrid. Vor Ort gibt es dann auch allerlei Drama, was Astrid zur Flucht bringt. Doch kurz darauf gerät sie in ernsthafte Gefahr und ihrer Mutter bleibt nichts anderes übrig als Beetlejuice zu rufen. Dieser erträumt sich noch immer eine Hochzeit mit ihr und sieht seine Chance gekommen.

Meine Meinung

Beetlejuice war einer der Tim Burton Filme, die ich erst ziemlich spät entdeckt hatte. So fehlte mir wohl die gewisse nostalgische Note, weswegen ich dem Film weit weniger abgewinnen konnte, als anderen Filmen des Kultregisseurs. In Vorbereitung auf den zweiten Teil habe ich ihn auch noch ein weiteres Mal geschaut und habe zwar die vielen Anspielungen verstanden, konnte mich aber dennoch nicht richtig mit der Handlung anfreunden. Dennoch war ich gespannt auf den zweiten Teil.
Dieser spielt viele Jahre nach dem ersten, so dass bekannte Gesichter, deren Schauspielenden durchaus gealtert sind, auch wieder gut eingebunden werden konnten. Zunächst mussten also alle alten und neue Akteure vorgestellt werden. Hier wurde sich zwar Mühe gegeben auch neue Zuschauenden mit abzuholen, dennoch ist das Vorwissen aus dem ersten Film durchaus angebracht, um die genaue Konstellation zu verstehen. Sobald wird es zurück an den Schauplatz aus dem ersten Teil schaffen, kommt dann auch die Handlung so langsam in Schwung. Zwar durchaus chaotisch und so richtig ist erstmal nicht zu erkennen, worauf es hinauswill. Zumindest Michael Keaton hat durch den Kultstatus um seine Figur durchaus profitiert, denn er hat diesmal deutlich mehr Leinwandzeit bekommen und durfte bereits vor seiner ersten Rufung agieren.
Und im Grunde hat der zweite Teil auch eine überschaubare Grundhandlung, die relativ gut funktioniert. Nur, dass sie nicht für einen kompletten Film gereicht hat und so noch unzähllige Nebenhandlungen aufgemacht werden, die den Film auf eine noch immer überschaubare Länge von 105 Minuten gebracht hat. Aber abgesehen von einer sehr gut inszenierten Auftaktserie, war die ganze Handlung rund um Beetlejuice Ex-Frau sehr ins Leere laufend. Zumal das Finale dann auch sehr schnell geklärt war, wofür aber alles etwas zu stark aufgebaut wurde.
Ich könnte hier noch allerhand Kleinigkeiten aufzählen, die in der Gesamtheit deutliche Einbußen bei Logik und Handlungsfokus hatten. Aber – und das ist ein großes Aber – ich hatte während des Schauens auch einfach Spaß! Die Witze haben funktioniert, waren gut aufgebaut, es war spannend, und wusste auch stets zu überraschen. Die Charaktere waren zwar wieder alle überzeichnet, aber auf eine so herrliche Art, dass es gut funktioniert hat.
So war Beetlejuice Beetlejuice vielleicht nicht der beste Film aller Zeiten und hat auch mit deutlichen Logiklöchern und losen Handlungssträngen zu kämpfen, kann aber durch seine Skurilität überzeugen und schafft es einfach einen unterhaltsamen Film auf die Kinoleinwand zu bringen. Das ganze System rund um die Bürokratie im Jenseits wurde nochmal deutlich ausgebaut und funktioniert durch die Nähe zur Realität einfach zu gut.

Das Fazit

Beetlejuice Beetlejuice ist ein Sequel, das nach all den Jahren zwar keiner brauchte, aber durch ausreichend lustige Einfälle durchaus zu unterhalten weiß, solange man über diverse Logiklöcher hinwegschauen kann. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Beetlejuice Beetlejuice läuft seit dem 12.09.2024 in den deutschen Kinos

Beyond Paradise

Ein Vorwort

Eine absolute Überraschung dieses Jahr war für mich die Serie Death in Paradise. Eine Krimiserie in der Karibik mit britischem Einfluss. Die Serie war herrlichster cosy crime und in jeder Folge ein schönes Whodunnit. Als zweiter Ermittler durfte Kris Marshall als Humphrey Goodman ran. Und nachdem er die Serie verlassen hat, um mit seiner Freundin zurück nach London zu reisen, blieb die Frage: Was wurde aus ihm? Genau, diese Frage wird nun beantwortet, denn es gibt ein Wiedersehen mit Humphrey. Ob Beyond Paradise mich ebenso wie Death in Paradise begeistern konnte, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Der Titel abgezeichnet zusammen mit einer Wasserpistole und einer Fernbedienung

Die Handlung

Das Team in ihrem Büro posieren für die Kamera

DI Humphrey Goodman hat seine Stelle in der Karibik aufgegeben, um seiner großen Liebe Martha zurück nach London zu folgen. Inzwischen sind die beide ins beschauliche Shipton Abbott gezogen, wo Martha herkommt. Sie will dort ein eigenes Restaurant eröffnen, während Humphrey eine Stelle im  kleinen Polizeirevier des Ortes annimmt. Dort müssen sich seine neuen Kolleg*innen erst einmal an seine Eigenheiten gewöhnen.

Meine Meinung

DI Humphrey Goodman sitzt auf einem Felsen an der Küste und sieht nachdenklich aus

Wie eingangs erwähnt bin ich in kürzester Zeit ein großer Death in Paradise Fan geworden. Auch, wenn ich nach dem Abschied von Richard ein paar Folgen gebraucht habe, um mich an Humphrey zu gewöhnen, so war es doch seine Tollpatschigkeit und seine Verwirrtheit, die ihn so sympathisch gemacht haben. Als er dann mitten im Paradies von seiner Frau abserviert wurde, war ich ehrlich geknickt. Umso schöner war es, dass er mit Martha neue Liebe gefunden hatte. Auch, wenn es das Ende von seiner Zeit in der Karibik einläutete. Umso freudiger war ich, als er seine eigene neue Serie bekam und wir nun neue Folgen bewundern konnten. Und keine Angst, es wird für Beyond Paradies kein Vorwissen benötigt. Alles wichtige erzählt Humphrey auch seinen neuen Kolleg*innen, wodurch es auch Neueinsteiger der Serie erfahren.
Gleichzeitig wurde sich auch Gedanken darüber gemacht, wie man die Serie aufziehen kann, ohne, dass sie wie eine billige Kopie wirkt. Zwar bleibt es bei einem kleinen Ermittlungsteam, die kaum Ausrüstung zur Verfügung haben, und der Verdächtigenkreis bleibt auch klein, dennoch wurde der Vibe und das Erzähltempo durchaus angepasst. Gleichzeitig bleibt es seinen Ursprüngen treu, so dass sowohl Neulinge als auch Fans auf ihre Kosten kommen.
Auch das neue Team kann sich sehen lassen und baut sich in kürzester Zeit auf. Mit Esther haben wir die Ermittlerin an Humphreys Seite, die zunächst seine Methoden in Frage stellt, aber schnell merkt, dass er ein System hat und im Chaos die Lösung findet. Dann haben wir Kelby, einen Nachwuchsofficer, der für die meisten Gags zuständig ist, einfach weil er einen guten Dackelblick drauf hat und die Kombination daraus und seine Unerfahrenheit einfach Comedypotential hat. Das Team wirrd abgerundet von Margo, die mit ihrem Sarkasmus und trockenem Humor ein wunderbares Gegenstück zu Humphrey ist.
Neben den Ermittlungsarbeiten geht es auch immer wieder um Humphreys Beziehung zu Martha, die einfach herrlich wholesome ist, auch wenn sie einige schwere Schicksalsschläge durchmachen. Es wird also nicht langweilig und Beyond Paradies entwickelt sich schnell zu einer Komfortserie im Krimibereich, wie es sonst nur ein Death in Paradies vermochte.
Die erste Staffel umfasst sechs Folgen, die jedoch vom Aufbau so unterschiedlich sind, dass sich kein Muster erkennen lässt und die Ausgänge der Ermittlungsarbeiten immer wieder spannend sind. Also Krimifans vereint euch und schaut fleißig die Serie, damit wir hoffentlich noch viele Staffeln bekommen!

Das Fazit

DI Esther Williams und Martha Floyd schauen kritisch bzw. amüsiert zu etwas außerhalb des Bildes

Beyond Paradies ist ein würdiges Spin-off, das sich keinesfalls hinter dem großen Vorbild Death in Paradies verstecken muss. Mit einem sympathischem Team und gut durchdachten Fällen spielt sich Shippton Abbott ebenso schnell in die Herzen, wie die Karibik. Cozy Crime vom Feinsten.

 

Beyond Paradies – Staffel 1 wurde mir von Glücksstern-PR als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Meisterdetektiv Ron Kamonohashi

Ein Vorwort

Es begab sich, dass ich mit dem Pärchengatten in einem Mangaladen landete. Noch unerfahren in dem Genre, holte ich mir die Beratung eines Mitarbeiters und hatte kurz darauf einen ganzen Stapel in den Armen. Nicht jede Reihe habe ich akribisch weiter verfolgt, aber eine hatte es mir ganz besonders angetan: Meisterdetektiv Ron Kamonohashi. Nach elf Bänden geht nun der erste große Handlungsstrang zu Ende und so will ich ein Zwischenresumé ziehen.

Alle Mangabände verstreut um ein Tablett mit dem Titel aus dem Anime

Die Handlung

Toto ist zwar stets bemüht, ist aber eher unscheinbar und untalentiert in der Polizeiarbeit, was seine Vorgesetzte ihn auch spüren lässt. Dann bekommt er von einem Kollegen einen Tipp und sucht den zurückgezogen lebenden Ron Kamonohasi auf, der zwar ein Meisterdetektiv ist, aber seine Berufung aufgeben musste. Dieser hilft ihm zwar, darf offiziell aber nicht ermitteln, weswegen Toto die Lorbeeren bekommt. Doch, was hat es mit Rons seltsamen Tattoo auf sich? Und was ist damals beim Praktikantenblutbad wirklich passiert?

Meine Meinung

Natürlich gibt es bereits unzählige Sherlock Holmes Adaptionen da draußen. Der Meisterdetektiv, der aus kleinsten Details unzählige Schlüsse ziehen kann und dem kein Rätsel zu schwer ist. Immer mit dabei, den mal mehr, mal weniger, tollpatschigen Assistenten. Das Konzept geht schon allein auf, weil man als Leserschaft natürlich lieber alle Hinweise selbst finden möchte, um mit dem Genie mitzuhalten, aber eigentlich immer ein bisschen im Dunkeln stochert, wie ein Dr. Watson.
Auch hier sind wir irgendwo in diesem Adaptionengewimmel und die Namen Holmes und Moriarty fallen auch gern. Dennoch hat die Mangareihe ihren ganz eigenen Charme. Ron ist sehr eigen in seinem Verhalten und treibt den korrekten Toto, der eigentlich nur versucht bei der Polizei nicht komplett unterzugehen, regelmäßig an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Allein seine Angewohnheit sich neben die gefundenen Leichen zu legen und mit ihnen Zwiesprache zu halten, ist ein gutes Beispiel dafür. Oder seine Angewohnheit braunen Zuckersirup auf alles ansatzweise essbares zu träufeln.
Dennoch sind es seine Geistesblitze, die dafür sorgen, dass er eigentlich unersetzbar ist. Blöderweise hat er ein Handicap, das ihn daran hindert, weiter als Detektiv tätig zu sein. So ist die Geschichte rund um das Praktikantenblutbad der rote Faden, der sich durch die ersten elf Bände zieht und in einem epischen Finale endet. Danach hätte die Reihe tatsächlich auch enden können und wäre rund fertig erzählt gewesen.
Zwischendurch gibt es aber noch eine Menge anderer Fälle, die mal kürzer und mal länger sind. Wir treffen auf viele Charaktere, gerade die Dozenten von der Blue Akademie, wo Ron zuvor gelernt hatte, die mal kleinere und mal größere Rollen übernehmen. Da wir sie auch gern mal wiedertreffen, ist es hilfreich sie sich auch zu merken. Dabei ist jeder Fall neu und anders faszinierend und ich bin ehrlich: Ich kam so gut wie nie auf die richtige Lösung.
So blicke ich nun fasziniert auf die neue Ära und die neue Überhandlung, freue mich aber gerade auf die kleineren Zwischenfälle zum miträtseln.

Ein paar Worte zum Anime

Wie jede gute (und erfolgreiche) Mangareihe, hat auch Meisterdetektiv Ron Kamonohashi eine Animeverfilmung bekommen. In Deutschland ist inzwischen die erste Staffel in OmU und mit deutscher Synchro veröffentlicht. Sie hält sich wunderbar eng an die Mangas und schafft es diese würdig zu adaptieren. Dabei kommen die Charaktere noch einmal besser zur Geltung, da sie lebhafter agieren können. Beide Medien erzählen aber die gleiche Geschichte, also kann man sich sein Lieblingsformat – Manga oder Anime – aussuchen, oder man inhaliert einfach beides.

Das Fazit

Meisterdetektiv Ron Kamonohashi ist eine gelungene Sherlock Holmes Adaption, die eigene Stoffe und Fälle hat, sich aber am Grundkonstrukt orientiert. Durch seine unkonventionelle Ermittlungsarbeit bringt Ron viel Witz mit und die Fälle sind stets spannend und warten mit überraschenden Lösungen auf.

Nur noch ein einziges Mal

Ein Vorwort

Bereits 2018 war „Nur noch ein einziges Mal“ mein Jahreshighlight in der Kategorie Bücher. Das Buch, das eine Liebesgeschichte wie eine sanfte Umarmung aufbaute, nur, um sich dann mit einem sehr schwierigem Thema zu widmen. CN: Häusliche Gewalt. Nach einigen eher fehlgeleiteten Marketingversuchen – Stichwort Malbuch – gab es nun die Verfilmung. Warum diese aber den Ton des Buchs nur bedingt einfangen kann und teilweise geradezu problematisch umgesetzt ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Lilly Bloom will in der Großstadt neu anfangen. Sie eröffnet einen Blumenladen und lernt dabei ihre neue beste Freundin kennen. Und Ryle, deren Bruder. Sie verlieben sich und kommen sich langsam näher. Doch als Atlas, Lillys Jugendliebe, auftaucht, zeigt sich Ryles gewalttätige Seite.

Meine Meinung

Okay Leute, ich weiß zur Zeit habe ich nicht unbedingt die besten gute Laune Filme im Repertoire. Aber es wird auch wieder anders versprochen! Heute befassen wir uns also mit der Umsetzung der Thematik von häuslicher Gewalt in der Buchverfilmung des Bestsellers von Colleen Hoover. Ich habe den Roman 2018 gelesen und kann sagen, dass mit dem Thema dort gut umgegangen wurde – wenn man mal von einer fehlenden Triggerwarnung absah und einfach einen weiteren Hoover Liebesroman erwartet hat. Dies kann man von der Verfilmung nicht unbedingt sagen. Daher wird es diesmal auch relativ viele Vergleiche mit dem Buch geben, auch wenn ich sonst versuche beide Medien getrennt voneinander zu betrachten.
Aber beginnen wir am Anfang. Wir lernen zunächst Lilly kennen, die auf der Beerdigung ihres Vaters keine Worte findet. Die Gründe sind uns noch unbekannt. Dann lernt sie Ryle kennen, der sie mit seiner Art sofort in den Bann zieht. Es beginnt eine süße Liebesgeschichte, die wohl alle Romance Fans begeistern konnte. Doch nach und nach zeigt sich Ryles toxische und gewalttätige Seite. Gleichzeitig lernen wir auch etwas über Lillys Vergangenheit, denn auch ihr Vater schlug gern zu. Soweit so wichtig, denn oft hören von häuslicher Gewalt betroffene Frauen, dass sie doch selbst Schuld seien, da sie ja von Anfang an gewusst hätten, wie der Partner drauf sei. Ich hoffe, ich muss nicht erklären, warum das sehr problematisch ist und den Diskurs verschiebt. Aber zumindest hier wird es deutlich, dass gewisse Seiten eben auch erst später zum Vorschein kommen können.
Machen wir auch mit den positiven Seiten weiter. Während im Buch viel mit innerem Monolog gespielt wurde, um so die Zerrissenheit von Lilly zu zeigen, die nach dem ersten Vorfall nicht genau einordnen konnte, was passiert ist, wird hier ein anderes Stilmittel genutzt. Denn es wird aus einem ganz bestimmten Blickwinkel gefilmt und dann sofort abgeblendet. So wissen die Zuschauenden (ohne Buchvorkenntnisse) eben auch nicht, was gerade genau passiert ist und ob es nicht doch ein Unfall gewesen sein könnte. Denn das ist die große Frage danach. War es ein Unfall? EIn Ausrutscher? Ein Einzelfall? Und ab dem wievielten Mal sollte man gehen? Nur noch ein einziges Mal, dann gehe ich wirklich. Doch was, wenn der Mann mein Ankerpunkt im Leben ist? Von der Familie entfremdet, in einer neuen Stadt ein neues Leben begonnen, meine einzige Freundin ist die Schwester meines gewalttätigen Mannes. Und er liebt mich doch, das sagt er doch immer wieder. Vielleicht bewerte ich die Situation auch nur über. Soweit so stark.
Kommen wir nun leider zu den Schwachstellen des Films. Und Hauptkritikpunkt bezieht sich auf den zuvor genannten positiven Punkt. Denn es gibt eine Stelle im Film, wo Lilly final realisiert, dass es eben nicht nur noch ein einziges Mal gibt, sondern, dass sie in einer gewalttätigen Beziehung ist und zwingend weg muss. Dabei laufen die vorher genannten Szenen noch einmal aus ihrer Perspektive vor ihr ab. So weit so gut. Aber das ganze passiert so schnell, dass sie überhaupt keine Wirkung haben. Die Erkenntnis, die daraus gewonnen wird, wird nicht gezeigt.
Problem Nummer Zwei: Es geht viel zu einfach. Sie entscheidet zu gehen, und hat sofort Unterstützung durch ihre Jugendliebe Atlas, die sie wieder getroffen hat, ihre Beziehung zu ihrer Mutter ist auf einmal wieder da und ihre beste Freundin – wir erinnern uns, die Schwester ihres Partners – hat sofort Verständnis. Doch es gibt so viele Faktoren, die dazu führen, dass Frauen eben nicht einfach gehen können. Und auch im Buch wird dies nicht als so einfach dargestellt. Denn dort gibt es zuvor noch eine wichtige Schlüsselszene, in der ihre beste Freundin sie bewusst nochmal zu Ryle drängt und sie anfleht, ihrem Bruder doch noch eine Chance zu geben. Wo also bewusst dieser Rückhalt fehlt.
Daraus resultiert dann auch das nächste Problem: Die Geschichte rund um ihren gewalttätigen Vater wurde nur in wenigen Szenen gezeigt und das Kernproblem wird nicht deutlich. Denn ihr Vater ist eine einflussreiche Persönlichkeit in der Kleinstadt, wo Lilly herkommt. Er hatte Mittel und Wege ihre Mutter als Lügnerin hinzustellen und sie hätte im schlimmstenfall sogar ihre Tochter zurücklassen müssen. Also hat sie sich entschieden, zu bleiben. Hier ist nämlich das nächste Beispiel von Abhängigkeit, das man gut als Gegenstück hätte nutzen können.
Auf das ganze Drama hinter den Kulissen verzichte ich mal einzugehen. Aber es gab die Möglichkeit ein wichtiges Werk über ein viel zu totgeschwiegenes Thema zu verfilmen und die Chance wurde leider nicht ausreichend genutzt. Dass die ersten Verbände den Film stark kritisieren, kann ich leider nachvollziehen. Also hier mein Appell zum Ende: Lest lieber das Buch, da die Thematik dort besser aufgearbeitet wurde.

Das Fazit

Nur noch ein einziges Mal verfehlt leider die sensible Thematik gut umzusetzen und setzt falsche Signale, die Aufklärungsarbeiten leider eher erschweren. Trotz guter Ansätze leider in der Gesamtheit eher schwierig. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Nur noch ein einziges Mal läuft seit dem 15.08.2024 in den deutschen Kinos

Cinemathek: One Life

Ein Vorwort

Die Cinemathek ist ein Format, in dem kleinere Filme, die es vorher nicht ins Kinoprogramm geschafft haben, an einem Abend nachgeholt werden. Heute mit: One Life

Nachdem wir uns am Freitag in Zwei zu Eins mit dem Ende der DDR befasst haben, müssen wir jetzt leider noch einmal in ein weitaus düsteres Kapitel der Geschichte eintauchen. One Life befasst sich mit dem Thema Kinderdeportation aus der Tschechoslowakei vor Hitlers Einmarsch nach England. Und eine zentrale Figur in dem Unterfangen. Warum ich den Film jeden ans Herz lege, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Nicholas „Nicky“ Winton ist Börsenmarkler und reist 1938 nach Prag, um Geflüchteten Familien zu helfen, die vor Hitlers Mobilmachung flohen. Dabei ist er bestürzt über die Zustände und versucht alles, um zumindest die Kinder nach Großbritannien zu evakuieren. Dabei steht ihm vor allem die Bürokratie im Weg. Fünfzig Jahre später räumt Nicky sein Büro auf und findet das Album über die evakuierten Kinder. Er begibt sich auf die Suche nach einer Zeitung, die darüber berichten will.

Meine Meinung

In Zeiten, in denen rechte Parteien wieder stark gewählt werden, ist es gut, dass der düstere Teil der deutschen Geschichte noch einmal filmisch aufgearbeitet wird, damit nichts davon in Vergessenheit gerät. Mit One Life wird nochmal ein neues Kapitel beleuchtet, das sonst meist unterschlagen wird.
Aber fangen wir am Anfang an. Zunächst lernen wir Nicky Winton in den 1980er Jahren kennen. Ein älterer Mann, der seine Frau damit in den Wahnsinn treibt, dass er ständig neue Sachen anschleppt, die er wohltätigen Organisation spenden kann. Nur, dass er sie nicht so schnell los wird und daher die Wohnung langsam voll ist. Also soll er ausmisten. Dabei fällt ihm die Mappe mit all den Erinnerungen an die Kinder-Evakuierungen in die Hand. Wir reisen also mit ihm in die Vergangenheit und treffen sein jüngeres Ich 1938 auf dem Weg nach Prag. Hitler ist zuvor ins Sudetenland einmarschiert und die Flüchtlinge sind in Lagern unter unhygienischsten Bedingungen untergebracht. Die Möglichkeiten etwas dagegen zu tun, sind begrenzt. Die wenigen Freiwilligen sind überlastet und Nickys Vorschlag zumindest die Kinder nach Großbritannien zu evakuieren, scheint ein Ding der Unmöglichkeit.
Im Laufe des Films wird zwischen beiden Perspektiven gewechselt, wodurch deutlich wird, wie sehr Nicky auch viele Jahre später noch leidet. Denn er konnte nicht alle retten. Es war ein Wettlauf gegen die Zeit und letztlich gegen die Bürokratie. Denn das ist ein Aspekt, der im Film deutlich gezeigt wurde. Auch, wenn er sich über die Zeit immer mehr Unterstützende gesucht hat und auch mit Spenden ausgeholfen wurde, so musste er doch die britische Bürokratie einhalten. Und die sah nicht vor, ihm entgegenzukommen. Und auch, wenn es so viele Erfolge gab, sind es doch die Fehlschläge, die dem Film diesen bitteren Beigeschmack geben und gerade am Ende zu Tränen zu rühren vermag.
Dennoch schaffen er und sein Team es unheimlich viele Kinder zu retten. Das ist wohl auch die große Botschaft des Films: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Und Menschlichkeit in unmenschlichsten Zeiten kann Leben retten.

Das Fazit

One Life ist ein stark erzählter Film mit pointierter Botschaft, der neben dem emotionalen Part auch viele Fakten zu vermitteln weiß. Und die Menschlichkeit in den Vordergrund stellt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

One Life lief ursprünglich ab dem 28.03.2024 in den deutschen Kinos