Cinemathek: Den Sternen so nah

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Den Sternen so nah. Der Film lief ursprünglich ab dem 07.02.2017 in den deutschen Kinos.

Gardner Elliott ist der erste auf dem Mars geborene Mensch. Seine Mutter starb bei seiner Geburt und hätte eigentlich schwanger gar nicht an der Marsmission teilnehmen dürfen. Gardner kann jedoch durch seine Geburtsumstände nicht auf die Erde, weil sein Herz das nicht schaffen dürfte. Aber leider hat er sich bereits in den Planeten Erde verliebt und in das rebellische Mädchen Tulsa.

Was passiert, wenn wir irgendwann nicht mehr genug Ressourcen auf der Erde haben? Ist der Mars dann wirklich eine Alternative? Mit diesen Fragen befasst sich im Film “Den Sternen so nah” das Unternehmen Genesis, gegründet und geleitet von Nathaniel Shepherd. Erste Teams sollen immer für ein paar Jahre den Mars besiedeln und auf die Lebensfähigkeit testen. Unter dem ersten Team ist Sarah Elliott. Erst an Bord wird bemerkt, dass sie schwanger ist. Da keiner die Mission abbrechen will, bekommt Sarah schließlich ihren Sohn Gardner auf dem Mars. Das hat zwei Konsequenzen. Zum einen überlebt Sarah die Geburt nicht, zum anderen kann unterscheidet sich Gardners Muskel- und Körperauffbau von den anderen Menschen, so dass es für ihn sehr gefährlich bis unmöglich sein wird auf die Erde zu kommen. Also beschließen die Verantwortlichen eine Vertuschungsaktion zu starten. Offiziell starb Sarah an einem kaputten Raumanzug und Gardner existiert offiziell nicht.
Jahre später ist Gardner inzwischen zum Teenager herangewachsen. Noch immer ahnt niemand auf der Erde von seiner Existenz. Über das Internet hat er Kontakt zu einem auf der Erde lebenden Mädchen namens Tulsa. Die Wahrheit darf er ihr nicht sagen, also lügt er ihr eine Krankheit vor und das er deswegen nicht das Haus verlassen darf. Bis er eines Tages die Chance bekommen soll und auf die Erde darf. Dort entkommt er Genesis und sucht zunächst Tulsa auf, um mit ihrer Hilfe nach seinem Vater zu suchen.
Den Sternen so nah ist eine wilde Mischung aus verschiedenen Genres. Zum einen ist es eine klassische Geschichte über die erste große Liebe zwischen Gardner und Tulsa, die mit unterschiedlichen Problemen bestückt ist. Zum anderen ein Coming-of-Age Film über das heranwachsen in fast vollkommener Isolation. Gardner hat auf dem Mars keine Gleichaltrigen, mit denen er sich über seine Gefühle und Gedanken austauschen könnte. Auch lernt er viel über die Gepflogenheiten der Erdbewohner aus Filmen, da ihm die Astronauten immer nur alles wichtige über den Mars beibringen. Als drittes großes Thema geht es im Science-Fiction Bereich über die Möglichkeiten den Mars wirklich dauerhaft zu besiedeln und welche Chancen und Risiken dies bildet. Obwohl alle Themen in ihrer Komplexität auf das wichtigste reduziert werden, wirkt der Film weder überladen, noch aussagelos. Gerade die Mischung der verschiedenen Genres lässt den Film aus der grauen Masse hervorheben. So hat man in großen Teilen ein Road-Movie, wenn Gardner und Tulsa auf der Suche nach Gardners Vater sind. Hier ist die Stimmung sehr locker und leicht, wodurch man trotz schwieriger Themen am Ende beschwingt den Kinosaal verlässt. Leider ist dieser Teil wesentlich länger als die restlichen Themengebiete, weswegen oft Fragen offen bleiben oder sich Ungereimtheiten einschleichen.
Der Spannungsfaktor schwankt immer mal wieder während der Laufzeit und weist gerade in der Mitte einen Abfall vor, da sich der Film an dieser Stelle etwas verliert. Dies wird aber wieder gut gemacht durch Gardners ganz neuen Blick auf die Welt, die sie voller Herz ist und einem erst einmal wieder vor Augen führt, wie schön doch unsere Erde ist, wenn man sie nicht jeden Tag vor Augen hat.
Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg gut. Asa Butterfield scheint als Teenagerrolle immer eine gute Wahl zu sein und zeigte nun nach Enders Game und Die Insel der besonderen Kinder erneut sein Können. Diesmal hatte er niemand geringeres als Gary Oldman an seiner Seite, der seine Rolle gut spielt, aber doch hinter seinen Möglichkeiten bleibt.

Alles in allem ist Den Sternen so nah ein solider Film, der die Balance aus verschiedenen Genres nicht immer hält, aber mit viel Herz doch einen schönen Film kreiert. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Wär mein Leben ein Film, würde ich eine andere Rolle verlangen

Im letzten Jahr besuchte ich die German Comic Con in Berlin und wurde gleich am Anfang am Stand des Wölfchen Verlages in Beschlag genommen. Dort erzählte mir eine junge Autorin von den tollen Büchern, die sie aktuell im Angebot hatten und überhäufte mich mit Empfehlungen. Leider konnte ich mich zu diesem Zeitpunkt nicht richtig entscheiden, forschte aber um einiges später nach, wer denn die junge Autorin war. Ich fand heraus, dass ihr Name Cornelia Franke ist und mit ihrem Mann zusammen schreibt. Auf ihrer Website fand ich dann auch einiges von ihren anderen Werken und verguckte mich in einen der längsten Titel, den ich je auf einem Buchdeckel gesehen hatte: Wäre mein Leben, ein Film, würd ich eine andere Rolle verlangen.

Jess geht für ihr Leben gerne ins Kinos und liebt Filme über alles. Für ein Schulprojekt soll sie nun einen Blog über ihre Lieblingsbeschäftigung schreiben. Das dies doch gar nicht so einfach ist, erfährt sie aber schon bald. Denn ganz nebenbei mischt sich da noch der ganz normale Alltagswahnsinn ein, der ihr Gefühlschaos beschert und sie immer weiter von ihrem Vater wegdriften lässt. Lässt sich auch hier, wie im Film, alles regeln?

Cornelia Franke schrieb hier ihren ersten Jugendroman, den man auf ihrer Website sogar mit persönlicher Widmung bestellen kann! Schon auf den ersten Seiten geht Filmfans das Herz auf, da Franke es genau versteht die Atmosphäre des Kinosaals einzufangen und die Liebe zum Film im genau richtigen Maß zu zelebrieren. Ihre Protagonistin Jess ist von Anfang an das ganz normale Mädchen von nebenan, beladen mit ihren ganz eigenen Problemen, die aber an jeder Stelle nachvollziehbar sind und auch sehr realistisch. Es wird keine „Überprotagonistin“ geschaffen, die mit mehr umgehen muss, als sie verkraften kann, sondern eine, mit der man sich sehr schnell anfreunden und in die man sich hineinversetzen kann. Der Grundstein für eine gute Geschichte scheint gelegt. So könnte die Geschichte absolut bei jemandem im Alltag so passieren. Leider kommen dann neben den gut herausgearbeiteten Charakteren auch wieder Stereotype hervor, die nicht so richtig zu den anderen passen wollen. So ist die Oberzicke, zickiger und bissiger als dem Charakter gut getan hätte und hat natürlich auch wieder ihren Schatten, der ihr bei allem zustimmt. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Einfallsreichtum gewünscht und eine bessere Antagonistin gewünscht.
Die zentralen Themen in Frankes Werk sind zum einen der Alltag in einer Schule mit Freundschaft und der ersten Liebe. Da dies aber wahrscheinlich nur die Hälfte des Buches gefüllt hätte, gibt es noch ein zweites großes Thema. Jess hat nämlich als kleines Mädchen ihre Mutter bei einem Autounfall verloren und wird nun von ihrem Vater erzogen. Dieser arbeitet aber viel und wenn er dann einmal da ist, scheint er viel zu überfürsorglich zu sein und macht sich viel zu viele Sorgen. Und genau dieser Zweig der Geschichte macht das Besondere an Frankes Buch aus, was sich von anderen vergleichbaren Werken abgrenzt. Hier wird die Suche nach der eigenen Identität nämlich nicht in der Schule oder in der Liebe gesucht, sondern zu Hause. Die Frage „Wäre ich ein anderer Charakter, wenn mich meine Mutter und nicht mein Vater großgezogen hätte?“ ist allgegenwärtig und zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Dabei treten viele interessante Gedankengänge und Identitätssuchvorgänge zu Tage, die aber trotzdem immer in einem relativ heiteren Ton geschrieben wurden, so dass der Roman zu keiner Zeit wirklich traurig oder niederschlagend wirkt.
Der Schreibstil der Autorin ist locker leicht und lässt sich gut weglesen. Durch viele Andeutungen auf bekannte Filmuniversen – die auch gerne einmal zu „neuen“ Filmen gemacht wurden, um keine offensichtlichen Titel zu nennen – ist das Buch eine Empfehlung für die Filmfans unter euch. So wurde aus dem Vampirhype vor ein paar Jahren ein Mumienhype – mit der sexy Mumie Ankh – und aus Marvels Ant-Man wurde der Kakerlakenmann (vielleicht soll es auch Spider-Man darstellen, ich bin mir da noch nicht ganz sicher).

Alles in allem ist „Wäre mein Leben ein Film, würde ich eine andere Rolle verlangen“ ein viel zu langer Titel, der zu einem herrlich kurzweiligen Buch führt, dass für Filmfans und für Fans bodenständiger Handlungen genau das richtige sein dürfte.

Fluch der Karibik 5 – Salazars Rache

Am 25.05.2017 erschien der fünfte Teil der Fluch der Karibik Reihe rund um den Piraten Captain Jack Sparrow, in den deutschen Kinos.

Der Dreizack des Poseidon ist eine mächtige Waffe, die alle Flüche des Meeres aufheben kann. Henry Turner, Sohn von Will Turner, will mit dieser Waffe seinen Vater befreien. Um sie zu finden, muss er sich mit der Wissenschaftlerin Carina Smyth zusammen tun. Unterwegs begegnen sie alten Gesichtern, wie Captain Jack Sparrow und Captain Barbossa, und neuen Feinden, wie dem rachelüstigen Captain Armando Salazar.

Alles begann vor vielen Jahren mit dem Bau einer neuen Attraktion im DisneyWorld. Eine Themenfahrt mit dem Namen “Pirates of the Caribbean”. Regisseur Gore Verbinski und Produzent Jerry Bruckheimer namen diese Themenfahrt als Vorbild und brachten sie 2003 erstmal auf die große Leinwand. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten und Johnny Depps Performance als Captain Jack Sparrow wurde schnell Kult. Sein Standardsatz “Klar Soweit” war wochenlang in aller Munde. 2006 und 2007 kamen dann der zweite und dritte Teil der Reihe in die Kinos, die thematisch aufeinander aufbauen. Hier wäre am Ende ein bisschen weniger Handlung und Intrigen vielleicht besser gewesen, aber trotzdem konnten die Filme sehr viel Erfolg verbuchen. Die Trilogie war damit abgeschlossen, ein würdiges Ende war gefunden. Leider endet hier die Geschichte über den Fluch der Karibik nicht. Denn 2011 brachte Regisseur Rob Marshall noch einen vierten Teil in die Kinos. Gore Verbinski hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits komplett von der Reihe abgewandt, was man dem Film auch ansah. Die Hälfte des Casts hat gefehlt und die neuen Charaktere konnten irgendwo einfach nicht mehr überzeugen. Auch schien Depps Rolle inzwischen sehr ausgelutscht, dass selbst der berüchtigte Jack Sparrow den Erfolg nicht mehr rausreißen konnte. Man sollte meinen Produzenten und Regisseure hätten ihre Lektion gelernt. Leider ist das ja immer nur selten der Fall, denn noch war nicht alles Geld aus dem Fluch der Karibik Universum herausgeholt worden. Und so können wir nun den inzwischen fünften Teil der Reihe im Kino bewundern.
Schon vorab ließ der fünfte Teil wieder ein bisschen zu hoffen übrig. Denn als Bösewicht wurde diesmal Javier Bardem gecastet, der bereits in James Bonds Skyfall bewiesen hat, dass er mit einfachen Gesten eine bedrohliche Situation herstellen kann. Auch wurde groß die Rückkehr von Orlando Bloom und Keira Knightley angekündigt, die wieder ihre Rollen aus den ersten drei Filmen als Will Turner und Elizabeth Swann übernehmen sollten. Das diese im Film nur für kleine Szenen wieder auftauchten, verriet uns die Marketingabteilung aus dem Hause Disney natürlich nicht. Auch wieder mit von der Partie waren natürlich Johnny Depp und Geoffrey Rush als Captain Barbossa und noch ein paar andere bekannte Gesichter. Neu dazu kamen Brenton Thwaites als Henry Turner und Kaya Scodelario als Carina Smyth. Scodelario durfte hier nicht nur die Frauenquote aufwerten, sondern wurde auch gleich der klügste Kopf der Piratenbande. Aber eine Frau als Wissenschaftlerin? Sie muss einfach eine Hexe sein. Immerhin darf Frau hier auch einmal sagen, wo es lang geht und wortwörtlich das Steuer in die Hand nehmen.
Eines kann auch der fünfte Teil der Reihe noch so gut wie der erste. Sagenhafte Bilder und Schlachten auf See inszenieren. Hier lohnt die Optik auf jeden Fall einen Besuch im Kino.
Der Rest des Films dagegen klammert sich viel zu sehr an die guten alten Zeiten. Klaus Badelts legendärer Theme “He’s a Pirate” mag ja noch immer Laune machen und passt sich auch noch immer den einzelnen Szenen an. Der restliche Soundtrack ging im Geschehen einfach nur noch unter.
Auch die alten Charaktere haben ihre Entwicklung schon vor langer Zeit abgeschlossen. Johnny Depps Captain Jack Sparrow ist nur noch ein Abbild des coolen Piraten, den wir 2003 kennenlernen durften. Noch betrunkener in jeder Szene – wo unweigerlich die Frage aufkommt, ob das an Depps eigenen Drogen- und Alkoholexzessen liegt – fehlt ihm einfach der flotte Spruch auf den Lippen, den er früher immer hatte. Einzig Rushs Captain Barbossa konnte wieder komplett überzeugen und durfte gegen Ende auch noch einmal eine neue Charaktereigenschaft an sich entdecken. Die neuen Charaktere wurden gut eingeführt und ihre Beweggründe erläutert. Eine richtige Charaktertiefe wurde aber auch hier nicht erlangt.
Die Handlung des Films dürfte das größte Manko sein. Wieder einmal gab es zu viele Interessenparteien, angefangen bei Sparrows Mannschaft, bis zum britischen Militär. Dabei versucht jeder nach seinem Willen zu agieren, muss sich mit anderen zusammenschließen, um denen dann aber wieder in den Rücken zu fallen. Das ging schon beim dritten Teil nicht mehr gut, wobei im fünften Teil die Beweggründe sehr einfach gestrickt sind. Trotzdem wäre hier weniger mehr gewesen. Das Weniger hätte man schon hinbekommen können, indem man einfach auf Captain Jack Sparrow verzichtet hätte. Ja den absoluten Star der Reihe hätte man hier einfach weglassen können, da er für die eigentliche Handlung nur sehr wenig von Belangen war.

Alles in allem kommt beim fünften Abenteuer der Piratenbande einfach nicht mehr das richtige Gefühl auf und abgesehen von sehr sehenswerten Bildern hat der Film wenig zu bieten. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten. In diesem Sinne: Trinkt aus Piraten, joho!

Rat der Neun – gezeichnet

Autorin Veronica Roth hatte mit ihren Debütromanen rund um Tris Prior und Four ihren internationalen Durchbruch. “Divergent” “Insurgent” “Allegiant” und “Four” eroberten die Bestsellerlisten und teilweise auch die Kinoleinwände. Ich habe die Bücher verschlungen und liebe sie einfach, zumal sie mir in einer ganz bestimmten Zeit in meinem Leben beigestanden haben. Nun präsentierte uns Veronica Roth ihr nächstes Werk und ich hab mich natürlich auch hier gleich wieder darauf gestürzt.

Akos und seine Familie leben auf ihrem Heimatplaneten Thuve und hegen ein sehr friedliches Miteinander. Doch eines Tages werden Akos und sein Bruder Eijeh entführt, von Shotet-Kriegern, die auf dem gleichen Planeten leben, aber ein sehr kriegerisches Volk sind. In seiner neuen Heimat trifft er auf Cyra, die Schwester des tyrannischen Herrschers Ryzek. Akos und Cyra haben nun die Wahl sich zusammen zu tun oder sich gegenseitig zu zerstören.

Rat der Neun – gezeichnet ist der erste Band einer zweiteiligen Fantasy-Saga. Eine knappe Inhaltsangabe zu geben ist sehr schwierig, denn Roth schuf hier nicht nur eine komplett neue Welt, sondern gleich eine kleine Galaxie. So besteht die Welt hier aus vielen größeren kleinen und großen Planeten. Regiert wird die Galaxie vom Rat der Neun, da es neun größere Planeten gibt. Während jeder Planet mit einer Rasse, die sich immer in irgendeiner Hinsicht von den anderen unterscheidet, besiedelt ist, gibt es einen Planet mit zwei verfeindeten Rassen, den Thuvesier, die in Thuve leben, und den Shotet, die in Shotet leben. Das besondere an der Galaxie ist auch, dass die Menschen unterschiedliche Lebensgaben haben. Das heißt eine ganz besondere Eigenschaft, die sie von anderen unterscheidet. Und ganz besondere Menschen haben auch noch Schicksale, die eine Zukunft voraussagen, von der keiner weiß wann und unter welchen Umständen sie eintreten werden. Das erst einmal als Grundinformation zu der Welt. Das Buch konzentriert sich aber auf den geteilten Planeten und erzählt hier die Geschichte von Akos und Cyra (wie oben beschrieben).
Rat der Neun lässt sich zu Anfang viel Zeit, um die Welt und die Charaktere ausführlich vorzustellen Dabei werden einzelne Kapitel aus der Sicht von Akos und andere aus der Sicht von Cyra erzählt. Leider lässt sich das Buch ein bisschen zu viel Zeit für die Erklärungen, so dass sich die ersten zwei Drittel des Buches ziemlich zäh ziehen. Da hilft es auch nicht mehr, dass das letzte Drittel erheblich an Tempo und Spannung gewinnt. “Rat der Neun” soll eine zweiteilige Fantasyreihe werden. Ein paar Erklärungen weniger, wären dabei völlig ausreichend gewesen. Auch gab es immer wieder innere Monologe, die auch immer wieder das gleiche ausgesagt haben. Die Gedanken zu den einzelnen Lebensgaben und Schicksalen mochte man irgendwann einfach nicht mehr lesen.
Die Charaktere sind sehr vielschichtig gezeichnet, auch wenn teilweise sehr viele Klischees eingesetzt wurden. Zum Beispiel ist Ryzek der tyrannische Herrscher über Shotet und behandelt sein Volk natürlich nicht gut, sondern interessiert sich nur für seine eigene Elite. Und natürlich ist das nicht sein eigenes Wesen, sondern sein Vater hat ihn zu diesem Monster gemacht. Von dieser Prämisse wird an keiner Stelle abgelassen, daher gibt es keine Charakterentwicklung. Das ist mitunter sehr schade. Lediglich die beiden Protagonisten Akos und Cyra entwickeln sich ständig weiter. Aber auch hier wurden einige Vorurteile eingebaut. An die Charaktertiefe aus Roth erster Reihe (Divergent und Co) von Tris und Four kommen Cyra und Akos nicht heran.
Was das Buch dennoch einen eigenen Reiz verleiht, ist Roth Schreibstil, der auch an sehr zähen Stellen noch mitreißend geschrieben ist. Ohne diesen hätte ich das Buch zwischenzeitlich wahrscheinlich längst aus der Hand gelegt.

Alles in allem bleibt Veronica Roth bei ihrem neuen Werk leider weit hinter ihrem vorher gezeigten Talent bezogen auf Charaktere und Handlung zurück. Ihr Talent neue Welten zu erschaffen bleibt bestehen. Wer sich durch die ersten zwei Drittel des etwas langatmigen Buches kämpfen konnte, wird mit einem sehr spannenden dritten Drittel belohnt.

Happy Burnout

Am 27.04.2017 erschien eine neue deutsche Komödie, die sich mit dem Thema Burnout befasst, in den deutschen Kinos.

Fussel ist Punker und lebt von Hartz 4. Dass er dafür eigentlich Auflagen erfüllen müsste, ignoriert er, immerhin hat er seine Betreuerin mit allerhand mitfühlender Geschichten gefüttert, so dass sie ihm stets den Rücken freigehalten hat. Doch durch eine interne Untersuchung ist nun Schluss damit. Eine Diagnose muss her und zwar schnell. Burnout wird als Lösung gefunden, aber für die Glaubwürdigkeit muss Fussel noch in eine Klinik. Doch dort trifft er auf Menschen, die wirklich Hilfe brauchen.

Der Begriff Burnout existiert in der heutigen Form erst seit den 1960er/1970er Jahren. Heute ist er in aller Munde und wird gerne als “Modekrankheit” abgetan. Während die eine Seite versucht durch die Diagnose an Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen heran zu kommen, kritisiert die andere Seite, dass die Diagnose Burnout oftmals die Diagnose Depression verhindere. Und dazwischen gibt es die Menschen, die es betrifft, die, die Burnout ernst nehmen, und die, die den Patienten auch wirklich helfen wollen. Vor diesem Kontext spielt Happy Burnout – oder versucht es zumindest.
Gleich zu Anfang wird der Protagonist Fussel vorgestellt. Sein richtiger Name ist Andreas Poschka, ein Punk, der vollkommen sorglos in den Tag hinein lebt. Sein größtes Talent liegt im Erfinden von Geschichten. Dies stellt er auch sofort unter Beweis. Im Anschluss besucht er Frau Linde, seine Bearbeiterin beim Arbeitsamt. Auch ihr hatte Fussel immer wieder rührende Geschichten erzählt, die sie bereitwillig geschluckt hat und ihm sein Hartz 4 genehmigt, ohne dass er die dafür erforderlichen Auflagen erfüllt hat. Doch nun gibt es eine interne Prüfung und Fussel droht sein Hartz 4 und Frau Linde ihren Job zu verlieren. Um dies zu verhindern hat Frau Linde einen Notfallplan. Fussel wird als an Burnout erkrankt eingestuft und zur Bestätigung muss er an einer Therapie in einem Sanatorium teilnehmen. Doch dort trifft er auf Menschen, die wirklich Burnout haben und Hilfe brauchen. Mit seiner ganz eigenen Sicht auf die Welt versteht er nicht so genau, was denn deren Probleme sind, trifft aber manchmal auch gerade deswegen den richtigen Ton.
Schon nach dem ersten Trailer war klar, dass der Film sich nicht mit dem Thema Burnout auseinander setzen wird. Dafür ist er zu sehr auf die Sparte Komödie fixiert. Und so kam es auch. Burnout ist hier nur der Mittel zum Zweck, um eine Kulisse für die Handlung zu schaffen. Die Einzelschicksale der Patienten, werden nur teilweise und dann auch nur sehr grob erzählt. So wirklich weiß man danach immer noch nicht, wie es denn genau zu dem Burnout kam.
Viel zu sehr hängt die Handlung an Fussel, der auch während der Therapie das Leben sehr locker nimmt, was aber bei manchen Patienten Anklang findet. Und gerade dadurch provoziert er immer wieder Szenen, die einfach nur lustig sind. Dabei achtet der Film sehr stark darauf, über wen man lacht. So lacht man beispielsweise meist über Fussel und seine Sprüche oder die Abstrusität der Situation, aber niemals über die Patienten oder die Krankheit selbst. Und das ist einem Film mit dem Titel “Happy Burnout” hoch anzurechnen.
Ansonsten plätschert die Handlung so vor sich hin und nimmt keinen richtigen Spannungsbogen auf. Da sich der Film an das deutsche Komödienschema hält, gibt es selbst beim Showdown am Ende wenig Überraschungen. Alles verläuft so, wie man es sich von Anfang an denken konnte. Wenn man dies aber nicht schlimm findet, hat Happy Burnout durchaus seine Momente, in dem man laut loslachen muss. So gesehen funktioniert der Film als leichte Komödie, wenn man weder Thema näher beleuchtet haben muss, noch eine neue Handlung erwartet. Die Charaktere sind alle sehr unterschiedlich, was im Zusammenspiel den komödischen Reiz ausmacht. Die schauspielerischen Leistungen liegen alle auf einem guten Niveau.

Alles in allem kann Happy Burnout durchaus Spaß machen, hat aber leider nicht zu übersehende Schwachstellen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

King Arthur: Legend of the Sword

Am 11.05.2017 erschien eine Neuinterpretation der Arthus-Sage von Guy Ritchie in den deutschen Kinos.

Arthur wächst als Waisenkind in einem Bordell auf. Auf königliche Weisung wird er zusammen mit anderen Männern seines Alters zum Schwert im Stein gebracht. Zur Überraschung aller zieht er diesen heraus und präsentiert sich damit als rechtmäßiger König von England. Für den derzeitigen Tyrannen auf dem König ist er jedoch ein Dorn im Auge. Und so muss Arthur plötzlich um sein Leben und für sein Volk kämpfen.

Die Arthussage dürfte vielen ein Begriff sein, zumal bereits die Kinder in der Disney-Variante “Die Hexe und der Zauberer” an die Thematik herangeführt wurden – die sich zudem auch mehr an die eigentliche Sage hält. Guy Ritchie, der zuletzt mit “Codename UNCLE” erfolg feierte, nimmt die Sage nämlich nur als grobes Vorbild für seinen Film und verwischt dabei ziemlich viel. Im Endeffekt bietet er uns seine ganz eigene Interpretation der Sage, die bei finanziellem Erfolg in fünf Fortsetzungen gipfeln soll. Die Mehrheit konnte der Film bisher nicht überzeugen. Doch woran liegt das?
Zunächst natürlich an der stiefmütterlichen Behandlung des Themas. Während in der ursprünglichen Sage Mordred der Neffe Arthurs ist, der ihn letztendlich verrät und die beiden in einen Zweikampf ziehen, so ist in Ritchies Variante Mordred ein Zauberer, der sich der schwarzen Magie verschrieben hat und bereits gegen Arthurs Vater in den Krieg zieht. Dies soll nur als Beispiel dienen, wie Ritchie immer wieder Handlungen und Namen aus der Sage aufnimmt und doch seine ganz eigene Geschichte herum spinnt. Lediglich die Schlüsselmomente bleiben gleich. So wächst Arthur in einem Bordell auf, großgezogen von drei Prostituierten, die er während er heranwächst, immer wieder vor brutalen Freiern rettet. Als er schließlich ein Mann ist, werden alle Männer seines Alters zu einem Schwert gebracht, das in einem Stein steckt. Jeder dieser Männer soll versuchen das Schwert aus dem stein zu ziehen. Jeder scheitert. Bis Arthur es schafft. Überwältigt von der Macht des Schwertes, wird er außer Kraft gesetzt und von den Soldaten des Königs gefangen genommen. Sein Leben und seine Identität sind komplett auf dem Kopf gestellt. Um zu überleben, stößt er auf eine Rebellengruppe, die den derzeitigen König Vortigern stürzen und Arthur auf den Thron helfen wollen.
Der zweite Grund, weswegen Ritchies Variante bisher die Allgemeinheit nicht überzeugen konnte, ist die sehr verwirrende Erzählweise. Durch schnelle Schnitte und überlagerne Erzählungen, die zeitgleich in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft spielen – wobei man nicht einmal genau bestimmten könnte, welche Zeitebene jetzt welche Szene verkörpert – und den Zuschauer dabei des öfteren verwirrt zurücklassen. Durch die Schnitte verschwimmen auch des öfteren ganze Szenen und man verliert zeitweise den Überblick, was denn jetzt gerade genau vor sich geht. Auch scheint der Film an manchen Stellen nicht so genau zu wissen, worauf er denn jetzt eigentlich hinaus will und wann das große Finale starten soll.
Dennoch hat King Arthur: Legend of the Sword einige Argumente, die den Film zu gutem Popcornkino machen. Wenn man nämlich die Handlung nicht ganz so schwer wichtet und einem die Vorlage relativ egal ist, dann kann Ritchies Werk durchaus Spaß machen.
Der erste Grund dafür sind die vielen Dialoge, die zwar sehr verworren erzählt werden, aber dabei eine ganz eigene Dynamik entwickeln, die den besonderen Charme des Films ausmachen. So überzeugen selbst längere Dialoge, ohne langweilig oder ausufernd zu wirken.
Der zweite Grund ist die absolut grandiose Musik von Daniel Pemberton, die einen in eine andere Zeit zurückzieht, den Zuschauer im Kinosaal einhüllt und sich an jede Szene im Film schmiegt und einfach immer passt. Ohne nur eine Szene zu sehen, erkennt man den Film spielend an seinem Soundtrack, der einen hohen Wiedererkennungswert hat.
Der dritte und größte Grund dürfte die Optik des Films sein. Beeindruckende Bauwerke, atemraubende Landschaftsaufnahmen – Wales und Schottland sind an Schönheit eben kaum zu überbieten – und gut getroffene Fantasy-Gestalten reihen sich aneinander und machen King Arthur zu einem Film, für den das Kino geschaffen wurde. Ein kleiner Fernseher kann die Bildgewaltig nicht einfangen. Auch lohnt es sich dieses Mal den Aufpreis für 3D zu bezahlen, denn der Film versteht es den Effekt gekonnt auszunutzen und mehr als einmal etwas in Richtung Zuschauer fliegen zu lassen. Trotzdem wird der Effekt nicht übertrieben genutzt, so dass er einem langweilig werden könnte, sondern auch immer nur an passenden Stellen.
Charlie Hunnam als King Arthur spielt seine Rolle souverän und kann den Zwiespalt zwischen seiner Vergangenheit und seiner neuen Identität gut darstellen. Als Gegendarsteller wurde ihm niemand geringeres als Jude Law an die Seite gestellt, der schon mit  wenigen Blicken Ehrfurcht herstellen kann. Ohne Law wäre seine Rolle des Vortigern wohl auch nicht immer ernst zu nehmen gewesen, da er doch immer wieder die eifersüchtiger jüngerer Bruder-Karte spielen muss. Doch Law überzeugt und auch Hunnam schafft es sich mit der Schauspielgröße zu messen ohne dabei unterzugehen. Auch beim übrigen Cast war es eine gute Entscheidung der Produzenten auf Gesichter zu setzen, die man zwar bereits mal gesehen hat, aber nicht die ganz großen Namen zu nehmen. So konnte man die Rollen sehr unvoreingenommen ansehen, auch wenn in Aiden Gillans Lächeln für jeden Game of Thrones Fan immer das hinterlistige von Kleinfinger liegen wird.

Alles in allem ist King Arthur: Legend of the Sword gutes Popcornkino, bei dem man nicht zu genau auf die Handlung achten sollte, da der Film viele anderen Vorteile birgt. Wer einfach nur etwas für Augen und Ohren braucht und nicht zu viel nachdenken will, ist der Film genau das richtige. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

13 Reasons Why

Auf die neueste Serie aus dem Hause Netflix, die den deutschen Titel „Tote Mädchen lügen nicht“ trägt, wäre ich wohl nicht aufmerksam geworden, wenn sie nicht für viele Diskussionen gesorgt hätte, ob man Kinder und Teenager diese Serie sehen lassen sollte. Nach so vielen Spekulationen und Meinungen musste ich mir dann doch selbst ein Bild von der Serie machen.

Hannah Baker war eigentlich ein normaler Teenager auf einer normalen Highschool. Bis sie eines Abends Selbstmord beging. Ihre Eltern sind fassungslos, sie wussten nicht einmal, dass es ihr so schlecht geht. Auch Clay Jensen, der insgeheim auf Hannah stand, steht vor der Frage, des Warums. Bis er eines Abends eine Schachtel mit Kassetten vor seiner Haustür findet. Auf diesen zählt Hannah Baker 13 Gründe bzw. 13 Personen auf, die in einem Zusammenhang mit ihrem Selbstmord stehen.

Während die eine Seite die Serie hoch lobt und sogar zum Pflichtprogramm an Schulen machen will, sieht die andere Seiten eine Gefahr in der Serie. Ärzte und Psychologen befürchten, dass es Trittbrettfahrer geben könnte und sich nun mehr anstatt weniger Jugendliche mit Problemen das Leben nehmen. In Neuseeland dürfen Jugendliche die Serie inzwischen nur noch unter elterlicher Aufsicht sehen. Gerade dieser Zwiespalt zwischen Lob und Kritik machte mich neugierig auf die Serie.
Die Serie wird in zwei parallelen Handlungssträngen erzählt. Der Vergangenheit und der Gegenwart. In der Gegenwart hört Clay Jensen die Kassetten von Hannah und erfährt nach und nach, was genau alles passiert ist. Nebenbei versucht er die behandelten Personen zur Rede zustellen und ein bisschen Gerechtigkeit für Hannah wieder herzustellen Parallel dazu wird immer wieder die Vergangenheit gezeigt, in der wir Hannah Baker sehen und ihre Erzählungen auf der Kassette auch visualisiert bekommen. Die ersten Personen auf den Kassetten scheinen relativ harmlos zu sein und bis zur Hälfte der Serie denkt man sich eigentlich nur, dass Hannah maßlos übertreibt. Erst nach und nach setzt sich ein Gesamtbild zusammen. Wobei selbst am Ende der Selbstmord noch immer nicht die richtige Lösung scheint.
Die Hauptcharaktere Clay und Hannah werden von allen Seiten beleuchtet und haben eine gute Tiefe bekommen. Die übrigen Charaktere werden oft nur sehr eindimensional dargestellt, da auch immer nur eine Folge wirklich von ihnen handelt. In den weiteren Folgen spielen sie meistens noch mit, aber ihre Charaktere werden nicht weiterentwickelt, bzw angedeuteten Entwicklungen wird nicht genug Raum gegeben. Auch erscheinen ihre Handlungen und Denkweisen nach dem Suizid von Hannah sehr verworren und sehr undurchsichtig. Es scheint fast mehr dahinter zu stecken als nur der Versuch die Schuld von sich zu weisen. Zeitlich gesehen wäre in der Serie für mehr Erläuterungen in dieser Hinsicht eindeutig Platz gewesen. Denn in den einzelnen Folgen reihen sich leider viele aussagelose Szenen aneinander, die weder die Handlung vorwärts bringen, noch Erläuterungen geben. Stattdessen radelt Clay immer wieder von einem Punkt zum nächsten und hat dabei kein richtiges Ziel. So zieht sich die Serie mit ihren 13 Folgen á ca. 60 Minuten. Am Anfang kam die Serie gut in Fahrt. Interessiert lernt man die ersten Charaktere kennen und die ersten sechs Folgen vergehen wie im Flug. Doch danach scheint die Serie zu stagnieren. Zwar wird weiterhin in jeder Folge ein neuer Charakter vorgestellt oder sich einem bereits bekannten Charakter gewidmet, aber es läuft immer wieder nach dem gleichen Schema ab, was auf Dauer etwas eintönig wirkt. Auch scheint Hannah aus ihren Fehlern partout nicht lernen zu wollen. So quält man sich nach der ersten Hälfte praktisch durch die immer mehr an Spannung verlierenden Folgen, ehe es in Folge 12 zum Höhepunkt kommt.

Nachdem ich alle dreizehn Folgen der ersten Staffel gesehen habe, bleibe ich etwas zwiegespalten über die Serie zurück. Denn so richtig das ausgedrückt, was sie wohl ausdrücken wollte, hat sie einfach nicht. Sie hat nicht richtig erklären können, wieso ein eigentlich starkes und stabil wirkendes Mädchen am Ende keinen anderen Ausweg in ihrem Leben mehr sah, als sich umzubringen. Zur Klarheit habe ich nach der Serie noch eine 30-minütige Dokumentation über die Hintergründe angesehen, die ebenfalls auf Netflix verfügbar ist. Erst nach dieser Doku sind mir einige Sachen klar geworden, die ich in der Serie so nicht gesehen habe.
Das größte Problem an der Serie, was eben sehr viel Kritiker auch bemängeln, ist die exakte Darstellung des Suizidvorgangs, der aber die wahren Schmerzen, die man dabei fühlt, nicht auffangen kann. So wird es eben nicht als schmerzhaft dargestellt, sondern sieht sogar sehr leicht aus. Hier werden Teenager nicht abgeschreckt, sondern fast noch ermuntert.

Alles in allem sollte die Serie auf keinen Fall Pflichtprogramm an Schulen werden, weil sie das Thema nicht so gut aufgearbeitet hat, wie sie selbst vorgibt. Hier kann am Ende der falsche Schluss gezogen werden. Ein allgemeines Verbot der Serie halte ich dennoch auch für keine Lösung. Ich wünsche mir, dass die Serie Regisseure und Produzenten inspiriert, sie sich dabei die Kritik an der Serie zu Herzen nehmen und noch einmal eine ähnliche Serie produzieren, die mehr Aussage, mehr Inhalt und mehr Ehrlichkeit birgt. Also eine Serie, die zeigt, wie viel in einem Menschen durch Mobbing absterben kann, aber auch Auswege zeigt.

The Founder

Am 20.04.2017 erschien ein Film über die wahre Geschichte hinter dem McDonalds Franchise in den deutschen Kinos.

Ray Kroc hat immer wieder tolle Ideen, was er alles verkaufen könnte und entwickelt immer wieder neue Produkte. Diese kommen aber bei den Käufern immer nur mäßig gut an. Eines Tages trifft er auf die Brüder Mac und Dick McDonald, die in Ihrem Burgerladen das Bestell- und Zubereitungssystem revolutioniert haben. Ray Kroc sieht eine einmalige Chance und möchte das Restaurant zu einem Franchise ausbauen.

Jeder kennt die Fast-Food Kette McDonalds. Weltweit erfolgreich, ernährt sie jeden Tag ca. 1% der Weltbevölkerung. Bekannt daran ist vor allem die Schnelligkeit des Systems. Doch wie vielen ist die Geschichte hinter diesem weltweiten Franchise bekannt? Wer weiß, dass die Brüder Mac und Dick McDonald die Idee der schnellen Bestellung entwickelten, dann aber systematisch aus ihrem eigenen Geschäft gedrängt wurden und heute keinen Cent an dem Unternehmen, das ihren Namen trägt, verdienen? Wie kann so etwas passieren. Die Antwort hat einen Namen: Ray Kroc.
Dieser hatte schon sein ganzes Leben lang immer wieder neue Geschäftsideen. Zum Anfang des Films ist es gerade ein Milchshake-Mixer mit fünf statt nur einem Arm, um fünf Milchshakes gleichzeitig zuzubereiten. Die Nachfrage für das Produkt ist allerdings sehr gering, obwohl Kroc eigentlich ein gutes Verkaufstalent hat. Nur ein einziges Geschäft hat Interesse an gleich mehreren seiner Produkte. Die Brüder McDonald brauchen genau so einen Mixer für ihr neues Restaurant. Interessiert, was das für ein Restaurant sein muss, fährt Kroc direkt hin. Verwirrt, dass vor der Burgerbude eine lange Schlange ist und keine Bedienung sichtbar ist, steigt er aus und stellt sich an. Doch trotz der langen Schlange kriegt er nach wenigen Minuten bereits sein Essen. Völlig begeistert von dem neuen System sucht er das Gespräch mit den beiden Besitzern. Und versucht sie dazu zu überreden ein Franchise zu gründen. Beide sind wenig begeistert, schließen nach langem Zögern jedoch einen Vertrag mit ihm ab. Er soll sich um das Wachstum des Franchises kümmern, muss aber bei allen Entscheidungen mit den Brüdern Rücksprache halten. Die erste Zeit scheint das System aufzugehen, doch Kroc will mehr und will es vor allem schneller, während die Brüder immer heftiger auf die Bremse treten.
Wer die Geschichte der McDonald Brüder kennt, kennt auch den Ausgang des Films. Daher macht der Film auch keinen langen Hehl daraus, was letztendlich passiert und wie der Film enden wird. Stattdessen konzentriert er sich auf das Wie der Geschichte. Wie konnte ein einziger Mann das Imperium McDonalds aufbauen und dabei auch noch die Erfinder und Gründer komplett verdrängen. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Ray Kroc. Trotzdem erfährt der Zuschauer immer nur so viel, wie Kroc auch erzählen will. Seine wahren Beweggründe, die er schon von Anfang an zu haben scheint, verheimlicht er sehr lange. Stattdessen lernt man zunächst wirklich einen Mann kennen, der trotz Verkaufstalent einfach nicht so richtig das wahre Glück in seinem Job findet und es trotzdem immer weiter versucht und dafür sogar seine Ehe komplett vernachlässigt. Man sieht, wie er zunächst zufällig auf das System der McDonalds Brüder stößt und eigentlich zunächst nur sein Stück vom Kuchen haben möchte. Doch nach und nach entwickelt er sich zu einem immer rücksichtloseren Menschen. Doch war das Rücksichtslose schon immer in ihm oder hat der vermeintliche Erfolg ihn zu dem gemacht? Letztendlich befasst sich der Film mit dieser Frage nur ganz sachlich. Die Geschichte wird erzählt, ohne dabei eine Wertung vorzunehmen. Krocs Weg wird nicht verurteilt, aber auch nicht positiv dargestellt. Es ist eine vollkommen nüchterne Darstellung der damaligen Ereignisse. Es ist dem Zuschauer selbst überlassen, ob er sich auf die Seite des Geschäftsmannes Kroc stellt, da es sonst niemals zu der weltweiten Expansion gekommen wäre, oder ob man sich auf die Seite der Brüder McDonald stellt, die ihrer Idee und ihrer Läden beraubt worden sind und keinen Cent an diesem Imperium verdienen.
Am Ende des Films bleibt eine Frage offen, die die Brüder an Kroc stellen. Wieso hat er nicht einfach ein eigenes Restaurant nach dem gleichen System eröffnet, statt die Brüder aus ihrem zu verdrängen? Die Antwort, die Kroc gibt, lässt Platz für Spekulationen, ob dies wirklich der richtige Grund ist. Schauspielerisch gesehen spielen alle Beteiligten auf einem guten Niveau, aber stechen nicht heraus. Vom Spannungsniveau her meistert The Founder den schmalen Grad, der entsteht, wenn einigen Zuschauern das Ende durch die wahren Ereignisse bereits bekannt ist, gut und durch die Konzentration auf das Wie bleibt der Film auf einem guten spannenden Niveau.

Alles in allem ein guter Film, interessant für alle, die an der Geschichte hinter McDonalds interessiert sind. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Abgang mit Stil

Am 13.04.2017 erschien ein neuer Film von Zach Braff in den deutschen Kinos.

Den Rentnern Willie, Joe und Albert wird die betriebliche Rente gestrichen. Nun sind sie pleite und kurz davor ihre Häuser zu verlieren. Nachdem Joe Zeuge eines Banküberfalls wurde, beschließen die drei ihre eigene Bank zu überfallen, die mit Schuld an ihrer Rentenstreichung trägt. Doch ein Banküberfall braucht Planung und Training.

Abgang mit Stil ist nach Wish I was here das nächste Kinoprojekt von Zach Braff, der den meisten besser bekannt als JD aus der Comedyserie Scrubs sein dürfte. Im Gegensatz zu Wish I was here, übernahm Braff aber keine Rolle in diesem Film, sondern überließ das Zepter de Hollywoodgrößen  Michael Caine, Morgan Freeman und Alan Arkin.
An erster Stelle als zentrales Thema in Abgang mit Stil steht der Generationskonflikt. Alle drei Hauptcharaktere sind inzwischen Rentner und haben daher auch die üblichen Gebrechen. Sie können nicht mehr schnell laufen, haben so ihre Schrulligkeiten entwickelt und wollten eigentlich nur noch ihre letzten Lebtage in Ruhe verbringen. Wenn man sie sich so ansieht, glaubt man kaum, dass die drei Männer für einen Banküberfall geeignet sind.
An zweiter Stelle, und etwas in den Hintergrund geraten, ist der Film auch eine kleine Kritik am Rentenwesen in den USA. Alle drei haben über viele Jahre in der gleichen Firma geschuftet und da diese nun den Standort ändert (und noch irgendetwas mit der Bank am Laufen hatte) ist auf einmal die Rentenkasse leer. Fängt man nun also im Rentenalter wieder an zu arbeiten? Hat man Familie bei der man unterkommen kann? Der bezeichnendste Satz aus dem Film dürfte wohl sein, als Joe zu den anderen sagte: “Was soll uns im schlimmsten Fall passieren? Die Polizei schnappt uns und wir landen im Gefängnis. Dann haben wir alle ein Dach über dem Kopf und feste Mahlzeiten jeden Tag” (Wortlaut aus dem Gedächtnis, daher ungenau).
Beide Themen werden in Abgang mit Stil zu einem Paket geschnürt und mit einer liebevollen Handlung umrahmt. Dazu kommt noch der Humor, der leider – im Gegensatz zur Erwartung – etwas mau ausfällt. Dafür gibt es keinen überstrapazierten und unangebrachten Humor, aber er wurde doch etwas sehr gut dosiert. Hier wäre ein wenig mehr, besser gewesen.
Gleichzeitig wurden auch beide Themen leider nur mäßig ausgearbeitet und so fehlte an allen Ecken und Enden der Bezug zur
Rahmenhandlung. Trotz der relativ kurzen Spiellänge von 97 Minuten scheinen zu viele Szenen einfach überflüssig. Sie haben kaum Aussage, bringen die Handlung nur bedingt voran und machen den Film stellenweise dröge, was eigentlich nicht sein müsste, weil die Grundhandlung genug zu bieten hätte.
Trotz aller Kritik schafft es Abgang mit Stil doch zu unterhalten, aber in reduzierterem Maße als die Erwartungen durch Beschreibung und Trailer zu hoffen ließen.

Alles in allem bleibt Abgang mit Stil hinter den Erwartungen und schafft es nicht die behandelten Themen richtig auszuarbeiten. Trotzdem wird man als Zuschauer unterhalten. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Nächstes Jahr am selben Tag

Mrs Hoover wir müssen reden. Ich habe Freitag Nacht ihr Buch “Nächstes Jahr am selben Tag” beendet. Es war eigentlich schon viel zu spät. Mein Freund schnarchte bereits friedlich neben mir und ich hätte auch längst schlafen müssen, da ich am folgenden Tag die Samstagsschicht hatte. Aber ich konnte ihr Buch einfach nicht aus der Hand legen. Ich musste nun endlich wissen, was genau passiert ist. Mrs Hoover dieses Buch war mein erstes Werk von Ihnen, dass ich gelesen habe. Sind Liebesgeschichten nicht immer das gleiche? Männlein und Weiblein finden sich, verlieben sich, trennen sich, weinen, und finden doch wieder zusammen? Ich wollte keine Liebesromane mehr lesen. Aber Mrs Hoover sie haben eine sehr große Fangemeinde. So las ich auf verschiedenen Blogs, denen ich folge immer wieder gute Bewertungen über Ihr neustes Werk. Und ich wollte der Geschichte eine Chance geben. Der Geschichte von Ben und Fallon.

Ben und Fallon lernen sich an einem ganz normalen Tag in Los Angeles kennen. Sie empfinden gleich eine starke Zuneigung zueinander. Der Haken an der Sache ist, dass Fallon noch am gleichen Abend nach New York zieht. Da sie beide nicht nach einem schönen Tag ihre Zukunft aufgeben wollen, schmieden sie einen Plan. Sie treffen sich jedes Jahr am gleichen Tag im gleichen Diner und verbringen diesen Tag miteinander. Zwischendurch haben sie das ganze Jahr über keinen Kontakt. Doch spielt das Schicksal ihr Spiel für fünf Jahre mit?

Mrs Hoover, Sie haben mich schon nach dem ersten Kapitel in einen Bann gezogen, den seit langem kein Buch mehr so ausgelöst hat. Ich bin in Ihrem Buch versunken, habe Zeit und Raum um mich herum vergessen (das ein oder andere Mal auch fast meine Bushaltestelle oder das Ende meiner Mittagspause). Ich fand die Geschichte von Ben und Fallon so zuckersüß und konnte bei der ein oder anderen Stelle ein aufgeregtes Quicken nicht unterdrücken. Ich habe über Ihr Buch gelächelt und schon nach dem ersten Kapitel es fast aus dem Fenster geworfen, als Fallon nach New York zog. Auch wenn ich es unfassbar fand, was Sie Fallon schon vor Anfang des Buches angetan haben, war es doch einmal etwas Neues. Und wie Ben dann ihr Selbstvertrauen stärkte, schien ihn zu dem perfekten Mann zu machen. Ich fand Ihre Idee, das Buch immer nur am 9. November spielen zu lassen und das Jahr der beiden zwischen ihren Treffen unerzählt zu lassen, sehr gelungen. Die paar Hinweise und Erinnerungen, die Sie eingestreut haben, waren vollkommen ausreichend. So spürte ich jedes Mal die Aufregung beim Wartenden, ob der jeweils andere denn auch wirklich auftauchen würde. Mir ist jedes Mal das Herz fast stehen geblieben, ob bei dem anderen in diesem Jahr irgendetwas passiert ist, was das Buch hätte beenden können. Da war auch egal, wie viele Seiten das Buch noch hatte und ich objektiv wusste, dass die Geschichte noch nicht zu Ende sein konnte, ich habe trotzdem gebangt.
Mrs Hoover ich habe Ihr Buch bis zur Hälfte absolut geliebt. Es war eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich seit langem gelesen hatte. Aber Mrs Hoover, was ist dann passiert? Wie konnten Sie diese Wendungen einbauen? Wie konnten Sie meine Gefühle nur so durcheinander bringen? Sie haben mich ab der Hälfte des Buches auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle geschickt. Ich wusste nicht mehr, was ich denken sollte. Ab hier konnte ich Ihr Buch noch weniger aus der Hand legen. Es musste doch eine gute Erklärung für alles geben! Mrs Hoover Sie haben Ihr Buch noch einmal ganz schön spannend gemacht. Natürlich war am Anfang alles zu schön, um wahr zu sein. Aber wieso musste der obligatorische Abfall der Stimmung so drastisch sein? Mrs Hoover ich habe das erste Mal seit langem wieder wegen eines Buches geweint. Und es war so befreiend. Endlich hat es eine Autorin wieder geschafft Charaktere zu schaffen, die so vielschichtig sind, deren Charakter so viel tiefer geht, als man es am Anfang dachte. Die man erst erforschen musste, die man nicht gleich von Anfang an durchschauen konnte. Ich bin Ihnen so dankbar, dass Sie diese Geschichte der Welt zugänglich gemacht haben. Sie haben genau den richtigen Ton zwischen Witz, Liebe und Trauer getroffen. Mit Ihren Worten haben Sie es geschafft, dass Sich jedes Mädchen auf dieser Welt wieder schön fühlen kann.
Mrs Hoover Ihr Buch ist leider nicht perfekt. Aber hätten Sie es perfekt geschrieben, die perfekte Liebesgeschichte, dann wäre es nicht so authentisch geworden. Ich wollte Ihr Buch an mehr als einer Stelle aus dem Fenster werfen. Aber hätte ich das nicht gewollt, dann hätte es sich nur in einer Reihe mit Möchtegern Geschichten wiedergefunden, die einfach zu perfekt für die Wirklichkeit waren. Mrs Hoover Sie haben mich zum Träumen gebracht. Und Sie haben meine Träume platzen lassen und mich auf den Boden der Tatsachen geholt. Auch wenn ich Freitag Nacht kurz vorm Ende des Buches Ihnen dieses am liebsten um die Ohren gehauen hätte, so bin ich jetzt doch mit Ihrer Geschichte versöhnt. Weil sich Ihre Geschichte einfach echt anfühlt!
Mrs Hoover ich vergebe bei meinen Buchkritiken keine Punkte, weil ich es viel schwieriger finde, Bücher miteinander im Punktesystem zu vergleichen als Filme. Aber wenn ich Punkte geben würde, hätten Sie alle Punkte eingesammelt.
Mrs Hoover. Sie werden wahrscheinlich diese Kritik nie selbst lesen. Aber trotzdem möchte ich Sie noch um etwas bitten. Sie haben in mir einen neuen Fan gefunden. Wahrscheinlich werde ich irgendwann auch noch andere Werke von Ihnen lesen, in der Hoffnung das gleiche Gefühlschaos zu durchleben. Aber bitte, Mrs Hoover, schreiben sie keine Fortsetzung. Das Buch steht für sich alleine und das Ende ist rund. Ich möchte nicht, dass meine Träume und Hoffnungen für die beiden, vielleicht doch noch zerplatzen. Lassen Sie “Nächstes Jahr am selben Tag” ein richtig gelungenes Einzelwerk sein.

Ihre ergebene Leserin
Shalima