Everest

Ein Vorwort

Nein hier soll es nicht um den 2015 erschienen Film gehen, der sich mit einem Bergsteigerteam beschäftigt, die den höchsten Berg der Welt erklimmen will, sondern diesmal geht es um den Animationsfilm, der den deutschen Beititel „Ein Yeti will hoch hinaus“ trägt. Nachdem Disney sich derzeit wohl eher auf ihre „Realfilm“-Remakes konzentriert und im Animationsbereich auch mit Chaos im Netz und Frozen 2 eher auf Fortsetzungen setzt, nutzt Universal mit Dream Works die Lücke und bringt uns neues Material auf die Leinwand. Was der Film nun kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Ein Forschungsteam hat einen Yeti aus dem Himalaya entführt und in ein Labor gesperrt. Dieser kann jedoch flüchten und versteckt sich auf dem Dach eines Wohnhauses in Shanghai. In diesem Haus lebt Yi, die sich nach dem Tod ihres Vaters von ihrer Mutter und Großmutter entfernt hat. Als sie sich ebenfalls auf das Dach zurückzieht, wo sie sich ihr eigenes kleines Reich gebaut hat, trifft sie auf Everest. Nach anfänglichen Schwierigkeiten freunden sich beide schnell an und Yi beschließt Everest nach Hause zu bringen. Auf ihrem abenteuerlichen Weg in den Himalaya bekommt sie Unterstützung von den Brüdern Jin und Peng. Doch das Forscherteam ist ihnen dicht auf den Fersen.

Meine Meinung

In letzter Zeit waren Animationsfilme, die die ganze Familie ansprechen sollten und nicht nur die Kinder eher selten. Umso skeptischer bin ich an den Film herangegangen, da einzelne Szenen im Trailer auch wieder eindeutig einzig auf den Humor der Kinder angelegt war. Dennoch zeigt Everest sehr schnell, dass er beides kann. Er schafft es geschickt in einzelne Szenen gut durchdachte Dialoge zu verbauen, die die Erwachsenen zum Lachen bringt und gleichzeitig leichten Slapstick einzubauen, der die Kinder in Begeisterungsstürme versetzte.
Doch Everest ist nicht einfach nur ein lustiger Kinderfilm. Seine Handlung und seine Charaktere gehen weit über den normalen Abenteuerfilm hinaus. An erster Stelle stehen nämlich die Themen Familie, Freundschaft, aber auch Trauerverarbeitung. So lernen wir zunächst die Protagonistin Yi kennen, die in Shanghai lebt und gerade Ferien hat. Früher war sie eng mit  den Brüdern Jin und Peng befreundet. Doch Jin hat nur noch Augen für sein eigenes Erscheinungsbild, mit der er Mädchen aus der ganzen Stadt anzieht und Yi kaum noch eines Blickes würdigt. Peng ist ein paar Jahre jünger als Yi und Jin und träumt davon Basketballprofi zu werden. Früher spielten die anderen beide gerne mit ihm, aber inzwischen ist er oft allein, versucht aber immer wieder jemandem zum mitspielen anzuregen. Yi hingegen scheint auf dem ersten Blick ein normales Mädchen zu sein, dass durch eine Überzahl an Ferienjobs versucht Geld zu verdienen. Erst nach und nach erfährt man, dass ihr Vater gestorben ist und sie sich seitdem von allen zurückzieht und das Geld spart, um eine große Chinareise zu machen, so wie sie ihr Vater einmal für sie geplant hatte. In diese Konstellation dringt dann der Yeti ein, der sich in Yis Dachrückzugsort versteckt hat. Nach ersten Anfangsschwierigkeiten vertrauen sich die beiden und sind bereit für das Abenteuer, um Everest, wie der Yeti von Yi genannt wird, zum Everest zurückzubringen. Dabei stolpern Jin und Peng eher ungewollt mit hinein. Vor allem Jin tut sich sehr schwer auf seinem bisherigen Leben auszubrechen. Für ihn bedeutet der fehlende Handyempfang beinah das Ende der Welt. Peng hingegen freut sich eher, dass er endlich wieder etwas mit seinen Freunden unternehmen kann.
So müssen sich alle drei Freunde mit ihren eigenen Problemen auseinander setzen und erkennen, dass ihr Verhalten nicht immer richtig war. Das schöne an Everest ist, dass die Lebenslektionen zwar sehr präsent sind und immer wieder aufgegriffen werden, aber so gut in die Charakterbögen verwoben wurde, dass es keine Holzhammermethode ist. Stattdessen haben die Kinder sichtlich Spaß an der Abenteuergeschichte und lernen eben ganz nebenbei, was Freundschaft und Familie bedeutet. Und dafür sind auch keine hochdramatischen Szenen notwendig, auch wenn bei Everest kaum ein Auge trocken bleiben dürfte.
Was man ebenfalls sehr lobenswert erwähnen muss, ist, dass Everest sehr mit dem Begriff „Der Böse“ spielt. Denn die Linie, wer wirklich die treibende Kraft beim Fangen des Yetis ist, verwischt während des Films immer wieder und man selbst muss mit Vorurteilen aufräumen und sich selbst schalten, dass man sich vorschnell eine Meinung gebildet hat.
Die liebevollen Animationen unterstreichen noch einmal die vielen Details der Geschichte und zeigen China noch einmal von allen Seiten. Von der Großstadt Shanghai, über die vielen Naturwunder und kleinen Dörfer im Landesinneren.

Das Fazit

Everest – Ein Yeti will hoch hinaus ist liebevoll gestaltet, voller kleiner Geschichten für Groß und Klein, die beide Seiten zum Lachen und Weinen bringt und dabei die Schwerpunkt auf Freundschaft, Familie und Trauerbewältigung legt. Dabei wärmt einen der Film einfach nur das Herz. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Everest läuft seit dem 26.09.2019 in den deutschen Kinos.

Dem Horizont so nah

Ein Vorwort

Dem Thema HIV hat man sich in der Filmwelt schon auf mehreren Weisen genähert und ich muss wohl nicht auf brilliante Werke, wie Philadelphia oder auch Bohemian Rhapsody verweisen, um zu verdeutlichen, dass das Thema auch erfolgreiche Filme hervorgebracht hat. Diesmal geht es um eine auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte, die den Aspekt einmal aus jugendlicher Sicht in ein Liebesdrama verpackt. Was Dem Horizont so nah so alles kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Jessica (Luna Wedler) ist frisch 18 geworden, als sie Danny (Jannik Schümann) kennenlernt. Beide verlieben sich ineinander, doch Danny blockt die Annäherungsversuche zunächst immer ab. Bald schon lernt Jessica den Grund kennen: Hinter der perfekten Modelfassade schlummert ein tieftraumatisierter Junge, der bereits in seiner Jugend mit HIV infiziert wurde. Beide versuchen einen Weg zu finden, um trotzdem zusammen sein zu können.

Meine Meinung

Dem Horizont so nah ist eine dieser überraschend hochwertigen deutschen Produktionen, die ohne den deutschen „Stammcast“ auskommt und mit ihrer auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte zu einem wichtigen Thema sensibilisieren will. Nun mag der ein oder andere die Augen verdrehen, weil es gefühlt in zahllosen deutschen Produktionen um eine schwierige Krankheit geht. Hier wird es nichts als Drama oder Roadmovie verpackt, sondern als Liebesgeschichte. Und die ist erstaunlich ernst erzählt, behält sich aber trotzdem eine gewisse jugendliche Naivität.
So lernen wir zunächst die beiden Protagonisten kennen, die sich auf einem Jahrmarkt begegnen und bei denen gleich eine gewisse Anziehung auftritt. Wir verfolgen die typischen Stadien des Wiedersehens an ungewöhnlichen Orten. Der Unterschied? Sowohl von Danny als auch von dessen Mitbewohnerin Tina kommen ständig kryptische Warnungen, dass Danny ein großes Geheimnis hat, das die Beziehung zum Scheitern bringen kann, ehe sie anfing. Und dann kommt die große Enthüllung: Danny ist HIV Positiv. Dabei wird mit dem Thema zwar ernst umgegangen, aber es geht irgendwo doch in den Verflechtungen de Liebesgeschichte unter. Und das ist das große Manko des Films. Er will eigentlich ein großes Thema aufbauen und spricht genau über das viel zu wenig. Es wird beispielsweise in einem einzigen kurzen Dialog erklärt, dass die beiden Protagonisten geschützten Sex miteinander haben können, und wenn das Kondom reißen würde, dann gäbe es ein Medikament, das eine Ansteckung verhindern würde. Warum wird so etwas nur am Rand behandelt? Auch andere Themen, wie Missbrauch und Drogensucht werden zwar mal erwähnt, hätten aber ein deutlich größeren Stellenplatz einnehmen müssen, um sie wirklich für die Geschichte relevant zu machen. Damit meine ich keine große Aufbauschung des Themas, sondern einfach nur ein paar tiefsinnigere Dialoge. Statt der x-ten Happy Dating Szene, einfach auch einmal ein richtiges Gespräch zwischen den beiden Protagonisten. Aber hier kommt die oben bereits erwähnte jugendliche Naivität durch. Ganz nach dem Motto, wenn man nicht darüber spricht, dann ist die Krankheit auch nicht da. Dann gibt es auch keine Gespenster aus der Vergangenheit. Versteht mich nicht falsch, ich finde es grundsätzlich gut, dass hier nicht die Botschaft vermittelt wird, dass es keine glücklichen Beziehungen geben kann, nur weil einer HIV Positiv ist. Trotzdem verschenkt der Film hier einfach Potential.
Gerade zum Ende hin überlagern sich dann jedoch die dramatischen Ereignisse und irgendwo findet der Film den geeigneten Schluss nicht. Stattdessen wird das Ende immer weiter mit noch einer und noch einer Szene herausgezögert. Und auch, wenn im Zuschauerraum nicht nur einmal schluchzend in ein Taschentuch gepustet wird, hat gerade dieses herausgezögerte Ende bei mir den komplett gegenteiligen Effekt. Anstatt von einem dramatischen Ende zu Tränen gerührt zu sein, was der Film auch an mindestens einer Stelle hätte schaffen können, wurde ich durch das mehrmalige Erleben eines möglichen Endes immer wieder aus dieser Emotionalität herausgerissen und vergoss so am Ende nicht eine Träne.

Das Fazit

Dem Horizont so nah erzählt seine Geschichte mit einer gewissen jugendlichen Naivität, die den Ton sehr auflockert, ihm aber auch die Tiefe nimmt. Das Augenmerk liegt hier deutlich auf der Liebesgeschichte. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Dem Horizont so nah läuft seit dem 10.10.2019 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: Ronny und Klaid

Ein Vorwort

Während für viele der Oktober unter dem Motto des Gruselns steht, scheint für das Kino der deutsche Film im Oktober überepräsentiert zu sein. Wobei diesmal allerdings auch einige ansprechende Filme dabei sind, wie dem Horizont so nah, Ich war noch niemals in New York oder auch Das perfekte Geheimnis. Ein deutscher Film, um den ich jedoch einen großen Bogen gemacht hätte, ist Ronny und Klaid. Aber dafür ist die Sneak bekanntlich gut, dass man genau solche Filme doch vorgesetzt bekommt und manchmal auch überrascht wird. Ob dies auch vergangenen Montag der Fall war, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Ronny (Franz Dinda) und Klaid (Sahin Eryilmaz) haben ihren eigenen Späti in Berlin eröffnet. Da ihre Kasse jedoch leer ist, haben sie noch kein großes Sortiment und versuchen sich durch Tricks über Wasser zu halten. Während sich Ronny in eine der ersten Kundinnen verliebt und beide ihr in einen Club folgen, verliert Klaid bei einem Roulette Spiel 80.000 Euro an den örtlichen Mafiaboss. Dieser fordert sein Geld innerhalb von einer Woche wieder. Doch Ronny und Klaid haben einen Plan. In einem Artikel habe sie gelesen, dass jeder 10. Deutsche Millionär sei. Daher beschließen sie einfach 10 Kunden aus ihrem Späti zu entführen und einer davon wird schon ein Millionär sein.

Meine Meinung

Ronny und Klaid ist so ein Film, bei dem man sich in den ersten 15 Minuten ganz weit wegwünscht und sich fragt, warum man sich immer wieder auf so eine Sneakvorstellung einlässt, um einen danach komplett zu überraschen und am Ende vielleicht auch ein bisschen begeistern zu können. Dabei ist es vor allem bemerkenswert bei so einem absoluten Klamaukfilm, dass  er sich doch die ganze Zeit über ein gutes Grundniveau behält und die Komik eher aus anderen Aspekten bezieht.
Aber fangen wir noch einmal von vorne an. Zunächst lernen wir die beiden Protagonisten Ronny und Klaid kennen, die in den ersten 15 Minuten von ihrem neueröffneten Späti erzählen, eine Disco besuchen, bei einem illegalen Roulettespiel 80.000 Euro verlieren und dann den Plan haben in ihrem Späti 10 Kunden zu entführen, die potentielle Millionäre sein könnten, denn statistisch sei ja jeder 10. Deutsche ein Millionär. Hier wird eine Handlung auf einem absolut abstrusen Grundgerüst aufgebaut, das vorne und hinten nicht zu funktionieren scheint. Damit ist der durchschnittliche Zuschauer bereits gelangweilt und genervt von den schlechten Witzen. Doch dann wandelt sich der ganze Film. Denn sobald die einzelnen Entführungen losgehen, die tatsächlich alle gänzlich anders geschehen und mit einer Menge Kostümen zusammenhängen und erstaunlicherweise irgendwie funktionieren, obwohl sich die beiden Protagonisten nicht sonderlich geschickt anstellen, kommt man aus dem Lachen bereits nicht mehr raus. Hier beginnt tatsächlich das zuvor sehr holprige Drehbuch sich zu einem stimmigen Gesamtwerk zu entwickeln. So sind die beiden Protagonisten noch immer nicht die schlausten und haben teilweise mehr Glück als Verstand, aber dennoch funktionieren die einzelnen Witze, die running Gags bleiben bis zum Ende witzig und die einzelnen Charaktere sind so stereotypisch, aber gleichzeitig auch gut gezeichnet, dass sie mit der Zeit den besonderen Charme des Films ausmachen.
Der ganze Film gipfelt dann in einer der besten Familienessensszenen, die ich je gesehen habe. Hier kommt eine Menge Abstrusität zusammen, die aber einfach funktioniert, weil die Charaktere über 90 Minuten lang aufgebaut wurden und man sich an das ganze Zusammenspiel gewöhnt hat. So geht man am Ende aus einem Film, der einen absolut gut unterhalten hat und das trotz der Grundvoraussetzung auf einem relativ hohem Niveau ohne auch nur einen einzigen Witz unter der Gürtellinie gerissen zu haben, den man eigentlich am Anfang fluchtartig verlassen wollte. Aber den sehr erzwungen wirkenden Anfang, hat man am Ende zum Glück größtenteils wieder vergessen.

Das Fazit

Ronny und Klaid ist eine dieser deutschen Überraschungskomödien, die am Anfang so gar nicht funktioniert und sich dann stückweise immer mehr steigert und am Ende durch seinen ganz eigenen Charme einfach überzeugen kann. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Ronny und Klaid läuft seit dem 10.10.2019 in den deutschen Kinos.

Ad Astra

Ein Vorwort

Wie oft entführten uns die Filme schon ins Weltall? Wie weit sind wir vorgedrungen? Nur bis zur dunklen Seite des Mondes oder doch bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter? Aber waren wir jemals schon auf dem Neptun? Hierhin entführt uns James Gray neustes Werk. Mit dabei ein hochmotivierter Brad Pitt. Ob der Flug durchs Weltall ein Erfolg, zumindest auf filmischer Seite, ist, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Roy McBride (Brad Pitt) verunglückt bei Arbeiten an einer Weltraumantenne, während ein elektromagnetische Stürme aus dem Weltraum die Erde erschüttert. Geprägt vom frühen Verlust seines Vaters Clifford (Tommy Lee Jones) bei einer Weltraummission und der Trennung von seiner Frau (Liv Tyler) stimmt er zu eine Mission zu übernehmen, die ihm zum einem zum Neptun führt, die aber auch dazu führt, dass er sich mit sich selbst und seiner Vergangenheit auseinander setzen muss.

Meine Meinung

Ad Astra ist ein Film, der konsequent falsch vermarktet wurde. Denn auch, wenn der Trailer nicht sonderlich aufregend geschnitten war, so erwartet man doch eher eine spannende Weltraummission mit einem Brad Pitt, der auf den Spuren seines Vaters so einige Geheimnisse aufdeckt. So war es nicht verwunderlich, dass der Großteil der Zuschauer schon nach kurzer Zeit ziemlich enttäuscht und einige anscheinend sogar zu Tode gelangweilt waren. Die 123 Minuten fühlen sich für manche demnach eher wie fünf Stunden an.
Aber fangen wir noch einmal ganz vorne an. Die Ausgangssituation ist noch völlig normal und wird im angemessenen Tempo erzählt. So lernen wir Roy McBride kennen, der seiner Arbeit an der Weltraumantenne mit einer Routine nachgeht, die erahnen lässt, dass er sie schon sehr lange ausübt und dabei sehr eigenbrötlerisch vorgeht. Der nachfolgende ausschlaggebende Unfall ist zwar ruhig inszeniert, aber dennoch durchaus spannend. Kurz darauf erfahren wir, dass sein Vater Clifford bei einer Weltraummission mit dem Namen „Lima“ beteiligt war, die ihm zum nationalen Helden werden ließ, aber auch dazu führte, dass Clifford nie zurückkehrte. Roy wird gebeten zum Mars zu reisen, um dort Nachrichten an seinen möglicherweise doch noch lebenden Vater auf dem Neptun zu senden, der angeblich Schuld an den elektromagnetischen Stürmen hat. Roy muss sich einigen Tests unterziehen, unter anderem einer psychologischen Einschätzung, bei der man erstmals wirklich feststellt, wie leer die Rolle ist. Denn Roy scheint beinahe während des ganzen Films keine Emotionen zu zeigen. Auch die Stimme aus dem Off, die von Pitt gesprochen wird und Roys Gedanken wiedergeben soll, monotoniert sich zu einer einschläfernden Erzählerstimme, die einem zwar oftmals auch notwendige Informationen gibt, die über die Dialoge und das Spiel nicht übertragen worden wären, aber eben auch überflüssige Informationen, die der durchschnittliche Zuschauer durchaus selbst entdeckt hätte.
Anstatt also die wichtigsten Informationen gekonnt in die großartigen Bilder Hoyte van Hoytemas einzupflegen, wird der Zuschauer durch die Off-Stimme an die Hand genommen und durch den Film geführt. Dieser verliert sobald Roy in das Shuttle zum Mond steigt auch weiter an Geschwindigkeit. So wirkt, verstärkt durch einen sehr zurückgenommenen Soundtrack, der Weltraum wie eine große Blase, in die man eindringen kann, der man aber auch nicht entkommen kann. Grundsätzlich als Stilmittel gut eingesetzt, leider wird hier über kurz oder lang auch noch der letzte Zuschauer verloren, der sich noch nicht von der Off-Stimme in den Schlaf hat wiegen lassen.
Das liegt aber nicht nur am Tempo, sondern auch an der Oberflächlichkeit mit der die nächsten Geschehnisse abgearbeitet werden. Die Landestation auf dem Mond wirkt mit großen Fastfood-Läden wie ein Abbild gefühlt jeder Innenstadt/Bahnhof/Flughafen, schnell das Bild wechseln. Auf dem Weg von der Mond-Landestation zur Startstation für den Mars werden Roy und ein paar anderen von Mondpiraten angegriffen? Ist in der nächsten Szene schon fast wieder vergessen. Unterwegs zum Mars wird ein Shuttle gefunden mit mutierten Tieren an Bord? Lasst uns lieber ohne Kommentar schnell weiterfliegen. Der Pilot des Shuttles hätte fast alle umgebracht, weil er eine Panikattacke hatte? Ich sag’s keinem, wenn ihr es keinem erzählt. Man versteht, was Regisseur Gray einem sagen will. Aber man will einfach auch mehr Informationen dazu. Wie kam es dazu, was passiert nun, und warum ist es Roy so egal? Um diese Fragen zu beantworten, wäre der Film wahrscheinlich nicht nur gefühlt fünf Stunden lang, sondern auch wirklich. Aber warum sich dann nicht auf ein Phänomen beschränken und etwas genauer erklären, statt alle anzuschneiden und dann lustlos abzuhaken. Doch leider verfährt der Film auch genauso weiter, denn auf dem Mars geht es dann weiter mit der großen Verschwörung der Vorgesetzten McBrides. Auch hier gibt es keine Informationen, keine großen Dialoge, sondern nur McBrides ungebrochenen Willen seinen Vater wiederzusehen und ihm die Frage zu stellen, um die sich der ganze Film zu drehen scheint. Denn unter den ganzen Bildern, der ganzen angedeuteten Gesellschaftskritik und der großen Verschwörung auf dem Mars, bleibt die Vater-Sohn-Beziehung der McBrides das zentrale Thema. Der Vater, der seine Mission wichtiger fand und der Sohn, der mit dem Verlust nicht klar kam und sich so in sich selbst zurückgezogen hat. So wird zumindest am Ende versucht Roys Emotionslosigkeit zu erklären, die dem Film zuvor leider die Identifikationsfigur genommen hat. Denn auch ein Brad Pitt konnte dem Charakter kein Leben einhauchen. So scheint der Zuschauer selbst während des ganzen Films ziellos im Weltall zu schweben, ohne von einem Charakter an die Hand genommen zu werden, mit dem man die unendlichen Weiten erkunden kann.

Das Fazit

Ad Astra ist ein sehr langatmiger Film ohne Identifikationsfigur, die den Zuschauer mit gesellschaftskritischen Bildern überschwemmt, sie durch eine monotone Off-Stimme noch übermäßig erklärt und letztendlich nicht auf den Punkt kommt. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Ad Astra läuft seit dem 19.09.2019 in den deutschen Kinos.

Rückblick auf den September

Und schon ist es vorbei mit dem warmen Wetter. Der September ist rum und der Oktober droht mit20190324_1235482 den ersten Minustemperaturen nachts. Im September ist eigentlich erst einmal so gar nichts passiert, bis sich Ende des Monats die Ereignisse überhäuften. Arbeitstechnisch haben wir aktuell allerhand mit der Thomas Cook Insolvenz zu tun, die leider auch einige unserer Kunden getroffen hat. Zur Ablenkung davon stand wieder einmal die German Comic Con in Berlin an. Es wurden wieder allerhand Geekzeug eingekauft, Eroberungen von den Verlagständen mitgenommen und natürlich durften auch diesmal20191006_123838 nicht die Starfotos fehlen. Dieses Jahr gönnte ich mir gleich zwei und ließ mich mit Jason Isaacs (Harry Potter-Reihe & Star Trek: Discovery) und Manu Bennett (Hobbit-Trilogie & Arrow) ablichten.
Und dann kam Anfang Oktober (jaja, gehört eigentlich erst in den nächsten Monatsrückblick, aber ich muss es einfach erzählen) der Moment, in dem wir ein neues Familienmitglied begrüßen durften. Unsere kleine Nermal Alice zog bei uns ein und muss nun versuchen sich mit ihrer großen Schwester anzufreunden. Aber nun wollen wir endlich zum medialen Monatsrückblick kommen 🙂

Sneak Preview

The Kitchen: Während ihre Männer nach einem Raubüberfall festgenommen werden, versuchen drei Frauen ihr Leben innerhalb der irischen Mafia in New York neu zu ordnen. Leider verpasst der Film es eine nachvollziehbare Handlung aufzubauen und scheitert am Großaufgebot an sinnlosen Charakteren und Handlungswendungen.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Doublefeature Es + Es 2: Ich hasse Clowns. Ich hasse Horrrorfilme. Am allermeisten hasse ich Horrorclowns. Auch ich: Oh hey, ein Es Doublefeature. Da muss ich reingehen! Es 2 ist ein würdiger Nachfolger, der mit dem Problem zu kämpfen hatte, den langweiligeren Teil des Buches zu verfilmen. Auch fand ich die humorvollen Einlagen im großen Endkampf eher entspannend und daher wohl auch deutlich besser als die Anhänger des Horrorgenres.

Gut gegen Nordwind: Eine Liebesgeschichte, die praktisch nur über E-Mailverkehr läuft. Ein schwierig zu verfilmender Ansatz, die aber mit guten Schauspielern und vielen kreativen Ideen gefüllt wird und somit überzeugen konnte.

Downton Abbey: Für mich als großer Fan der Serie, war das Wiedersehen mit der Familie Grantham ein absoluter Filmschmaus. Aber auch für Nichtkenner der vorausgehenden sechs Staffeln wurde für witzige Dialoge und allerhand Handlung gesorgt.

Ad Astra: Brad Pitt auf großer Weltraummission. Leider ist Ad Astra ist ein sehr langatmiger Film ohne Identifikationsfigur, die den Zuschauer mit gesellschaftskritischen Bildern überschwemmt, sie durch eine monotone Off-Stimme noch übermäßig erklärt und letztendlich nicht auf den Punkt kommt.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Harry Potter und der Stein der Weisen: Nachdem mein Lebensgefährte endlich einmal das Hörbuch zum ersten Buch angehört hat, folgte nun die erneute Sichtung des ersten Films.

Bernhard & Bianca im Känguruland: Die Fortsetzung zu meinem liebsten Disneyfilm lief durch Zufall im Fernsehen und wir sind gleich hängen geblieben. So ein bisschen Magie und Charme im Vergleich zum ersten Teil ging schon verloren, aber die beiden Mäuse liefern trotzdem wieder ein großes Abenteuer ab.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Everest: Mit dem putzigen Untertitel „Ein Yeti will hoch hinaus“, wäre dies wieder ein Animationsfilm geworden, außerhalb Disneys, der mich interessiert. Leider lief er hier im Kino nicht.

Serien – ein kurzer Überblick

Weitergeführt habe ich Fresh Prince of Bel Air mit der zweiten Staffel und Comedians in Cars getting coffee mit der inzwischen fünften Staffel. Als Wiederholungstäter hab ich mir die erste Staffel (2005) von Doctor Who angesehen. Christopher Eccleston war zwar ein super Doctor, aber als nächstes kam David Tennant und dem kann er nun einmal nicht das Wasser reichen. Neu entdeckt habe ich im Almost Human, eine Serie über die Polizeiarbeit in naher Zukunft, bei der ein menschlicher Cop mit einem fühlenden und denkenden Androiden zusammenarbeitet. Große Empfehlung für alle, die etwas Neues im Crimegenre suchen! Leider wurde die Serie nach nur einer Staffel eingestellt, weswegen die große Verschwörung aus der ersten Folge nie aufgeklärt wird. Ebenfalls kein Glück hatte ich mit der ebenfalls neu entdeckten Serie Forever. Während ich mich sehr schnell in die Serie verliebte, die von einem unsterblichen Pathologen handelt, der der Polizeit in New York bei ihren Ermittlungen hilft, wurde leider auch diese großartige Serie nach nur einer Staffel eingestellt. Immerhin konnte sie noch zu einem halbwegs befriedigendem Ende gebracht werden.

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 3
Seiten gesamt: 1.819
Seiten pro Tag: 61 im Durchschnitt
Taschenbuch: 2
E-Book: 1

Die Mitternachtsrose: Nach Monaten (könnten inzwischen auch Jahre gewesen sein) auf meinem Sub (Stapel ungelesener Bücher) habe ich mich endlich an mein erstes Werk von Lucinda Riley herangewagt. Leider konnte mich weder die Geschichte, noch die Charaktere überzeugen. Es war irgendwie alles zu vorhersehbar, da die Charaktere sehr platt und stereotypisch waren.

Hope again: Der vierte Teil der Again-Reihe von Mona Karsten war wieder eine willkommende Zwischendurchlektüre. Lockere Liebesgeschichte mit der angemessenen Portion Drama.

Harry Potter und der Feuerkelch: Diesen Monat hat sich ein Wiederholungstäter eingeschlichen. Nachdem ich vorletztes Weihnachten alle Bücher wieder geschenkt bekam (vorher hatte ich sie mir regelmäßig von meiner Mutter ausgeliehen), wollte ich eigentlich alle hintereinander weglesen. Bis zum dritten Buch kam ich, nun war doch eine längere Pause dazwischen, in die sich andere Bücher geschmuggelt haben. Aber vielleicht schaffe ich es diesmal etwas schneller – auch wenn ich den fünften Band am wenigsten mag.

 

 

Once upon a time in Hollywood

Ein Vorwort

An den Filmen von Quentin Tarantino kommt man ja nur sehr selten vorbei – glaubt mir, ich habe es sehr lange versucht. Da die Begeisterung in meinem Umfeld bei jeder Neuerscheinung groß ist, war auch ich gezwungen mich mal ein wenig mit seinen Werken auseinander zu setzen. Während ich Inglorius Basterds und Django – Unchained größtenteils gelangweilt geguckt habe, weil mich die Filme einfach nicht abgeholt haben, konnte es gerade der letzte Film The Hateful Eight dann doch schaffen, mich zum einen dazu zu bewegen ins Kino zu gehen und mich dort durchaus überzeugen konnte. Nun präsentiert Tarantino seinen nun neunten Film. Was Once upon a time in Hollywood kann und was nicht, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

1969. Rick Dalton (Leonardo diCaprio) war in den 1950er Jahren mit der Westernserie Bounty Law sehr erfolgreich, bekommt aber kaum noch vernünftige Rollenangebote und fürchtet daher um seine Karriere. Sein Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt) ist als bester Freund stets an seiner Seite und verrichtet für ihn auch außerhalb des Sets viele Arbeiten. Zeitgleich ziehen gegenüber von Dalton Roman Polanski und Sharon Tate (Margot Robbie) ein. Während Dalton einen Tag am Set verbringt und Tate sich ihren eigenen Film im Kino ansieht, begegnet Booth der Manson-Familie.

Meine Meinung

Once upon a time in Hollywood hat das große Problem, dass er komplett falsch vermarktet wurde. Denn sein großer Aufhänger war, dass es im Film um die Manson-Morde unter anderem an Sharon Tate gehen soll. Das der Trailer auf diesen Handlungsstrang nur in einer Andeutung drauf hinwieß, wurde dann beurteilt mit, dass so die Spannung über diesen Abschnitt nicht verloren gehe. So wurden am Ende viele Zuschauer enttäuscht, denn um die Manson Morde geht es wirklich nur ganz minimal.
Wenn man also diesen Aspekt mal außen vorlässt und sich den Titel und den Trailer einmal etwas genauer ansieht, merkt man, worauf der Film eigentlich hinauswill. Denn ein Großteil der 160 Minuten Laufzeit bildet exakt einen Tag im Leben dreier Männer in Hollywood wieder. Wir haben also den ehemaligen großen Star, der langsam zu einem verblühenden Sternchen wird und den ganzen Tag am Set verbringt, wo er mehrere Szenen dreht. Dabei geht es in diesem Handlungsteil vor allem um seine Ängste, die Qualität von Schauspielern und um ganz übliche Abläufe an einem Filmset. Hier haben wir einen Leonardo diCaprio, der selbst seit er 2016 seinen Oscar für The Revenannt erhielt, eher durch Abwesenheit auf der Kinoleinwand glänzte, und uns hier noch einmal demonstrierte, was für ein guter Schauspieler in ihm steckt. Dabei schafft er es ebenso überzeugend zu versagen, wie zu brillieren und das sagt schon einiges aus. Mr. DiCaprio kann es also durchaus noch. Dann haben wir den in Ungnade gefallenenen Cliff Booth, der angeblich seine Frau umgebracht haben soll, weswegen er kaum noch Jobs bekommt. Dalton bezahlt ihn, da er aber selten noch als sein Stuntdouble auftreten kann, erledigt er auch allerhand Botengänge und andere Aufgaben für Dalton. Auf dem Weg, um Dalton vom Set abzuholen, lernt er das Hippie-Mädchen Pussycat kennen. Als er feststellt, dass sie mit anderen Hippies auf der Spahn-Ranch lebt, macht er sich Sorgen um den Besitzer der Ranch, den er persönlich kennt. Dabei zieht er den Zorn der Hippies auf sich, die sich später als die Manson-Familie rausstellen.
Fernab von der ganzen Geschichte um Cliff und Booth gibt es dann noch Sharon Tate. Da sie das bekannteste Opfer der Manson-Morde ist, erwartete man spätestens hier den Übergang zum spannenden Teil des Films. Doch Tarantino belehrt uns auch hier eines besseren. Denn wir erleben hier eine Schauspielerin in einem absolut ehrlichen Moment und dieser ist so gekonnt eingefangen, dass er mein Herz berührt hat, auch wenn diese Szene so absolut nichts zum eigentlichen Film beiträgt. Denn Tate, hier gespielt von Margot Robbie, beschließt, als sie bei einem Shoppingausflug an einem Kino vorbeiläuft, den aktuellen Film zu sehen, in dem sie selbst mitspielt. Da sie an der Kasse nicht erkannt wird, macht sie die missmutige Verkäuferin darauf aufmersam, dass sie im Film ist. Diese kann es erst nicht glauben und holt ihren Chef dazu. Dieser ist auch erst skeptisch, bietet ihr dann aber einen Freifilm an. Und im Kinosaal merkt man, wie unsicher Tate zunächst ist und wie gerührt sie von den Reaktionen der Zuschauer ist. So kann sie nach kurzer Zeit schon ganz ungehemmt über ihre eigenen Szenen mitlachen.
So vergeht ein einzelner Tag in Hollywood nach gut zwei Stunden Lauflänge des Films. Aber natürlich bleibt es nicht dabei, denn Tarantino hat noch eine Szene für das Ende aufgespart. Hier will ich nicht zu viel verraten, aber ein jeder Tarantino Fan kommt hier noch einmal gut auf seine Kosten, da das Ende voller abstruser Kleinigkeiten steckt, spannend, abgedreht und mit einer Menge Gewalt zu tun hat. Sagen wir mal, hier steckt der eigentliche Bezug zu den Mason-Morden.
Die häufigst genannte Kritik am Film, also nach der Kritik, dass es nicht wie angekündigt um die Manson Morde gehe, ist dass der Film eigentlich keine Handlung hat. Und die Kritiker haben damit durchaus recht, denn wirklich Handlung hat nur die letzte Szene. Alles davor liegende ist wirklich eine reine Momentaufnahme des Hollywoods von 1969. Aber warum ist der Film dann trotzdem so spannend? Nun zum einen, weil die Charaktere einfach echt wirken. Es wird sich Zeit genommen, einmal genauer in sie hineinzuhorchen, und dafür waren weder tiefgreifende Dialoge, noch große Handlungsbögen nötig. Tarantino versteht sein Handwerk, wie kaum ein anderer und lässt die Charaktere mit wenigen gezielten Sätzen und ausdrucksstarker Mimik so viel mehr erzählen. Hinzu kommt, dass die einzelnen Szenen auch gerne einmal mit kleinen Gastauftritten gespickt sind, die alle zu erkennen, eine große Freude machen. Und wir reden hier von Schauspielern, wie Damian Lewis, Luke Perry, Al Pacino oder Kurt Russell.

Das Fazit

Once upon a time in Hollywood ist eine gelungene Momentaufnahme des Lebens in Hollywood, mit wenig Handlung und wenig Bezug zu den Manson-Morden. Wer sich damit anfreunden kann, bekommt einen gewohnt hochwertigen Tarantinofilm, der einmal mehr beweist, dass Tarantino sein Handwerk versteht. Da ich jedoch großer Fan von richtiger Handlung bin, gibt es dafür 07 von 10 möglichen Punkten.

Once upon a time in Hollywood läuft seit dem 15.08.2019 in den deutschen Kinos.

Downton Abbey

Ein Vorwort

Von 2010 bis 2015 erschienen die insgesamt sechs Staffeln der Serie Downton Abbey. Dabei ging es um eine adlige Familie im Herrenhaus Downton Abbey, das nicht nur dem ersten Weltkrieg trotzdem musste, sondern auch so manche Veränderungen in den Gesellschaftsschichten. Der Fokus lag dabei nicht nur auf der Familie Grantham, sondern auch auf deren Dienerschaft. Downton Abbey begeisterte durch eine gesunde Mischung aus Historie, Drama und unglaublich geschickten Dialogen. Ich erwähne wohl nicht das erste Mal, dass ich großer Fan der Serie bin. Nun soll die Geschichte, die an sich abgeschlossen ist, mit einem Kinofilm weitergehen. Dass Serien auf Kinoleinwand weiterzuführen, nicht immer gut ausgeht, hat man leider schon erlebt. Ob dies bei Downton Abbey der Fall ist, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Hoher Besuch wird auf Downton Abbey erwartet. Der König und die Königin haben ihren Aufenthalt für eine Nacht angekündigt. Nicht nur die Familie ist völlig aus dem Häuschen, auch die Dienerschaft kann ihr Glück kaum fassen. Doch die anfängliche Euphorie legt sich schnell, als die Dienerschaft seiner Majestät eintrifft und komplett übernimmt. Doch keiner auf Downton Abbey wird sich so leicht unterkriegen lassen.

Meine Meinung

Da die Serie mit einem wohl für alle Seiten befriedigendem Finale endete, standen die Macher nun vor der Herausforderung dort anzuknüpfen, doch etwas neues zu erzählen und das Ganze dann auch wieder zu einem runden Ende zu führen. Es musste also eine Idee her, bei der genug Raum war, um alle Charaktere wieder miteinzubinden, die genug und gleichzeitig wenig Drama bot, damit alle Handlungsstränge am Ende auch wieder auserzählt waren und die doch dem Zuschauer irgendwo einen gewissen Mehrwert bot. Tatsächlich war die Grundhandlung mit einer Übernachtung der königlichen Familie dafür bestens geeignet.
Denn so bekam jeder Charakter noch einmal die Chance einen mehr oder weniger großen Handlungsstrand zugeteilt zu bekommen. Während die Dienerschaft der Granthams sich mit der mitreisenden Dienerschaft der königlichen Familie anlegt, damit sie nicht wie überflüssiges Gesindel einfach beiseite geschoben werden können, hat Tom Branson Bedenken wegen seiner irischen Gesinnung. Mary ist mit der Planung vollkommen überfordert und überlegt mehr als einmal Downton endgültig aufzugeben, zumal ihr Mann bei einer Auto-Ausstellung in Chicago ist. Natürlich gibt es noch viel mehr kleine Handlungsstränge, aber ich  will natürlich nicht alle vorweg nehmen.
Wem jetzt jedoch schon der Kopf schwirrt vor Namen, der ist in dem Film definitiv falsch. Denn der Film nimmt sich keine Zeit die Charaktere erneut vorzustellen, die der treue Serienzuschauer bereits seit sechs Staffeln in und auswendig kennen gelernt hat. So wendet sich der Film tatsächlich auch genau nur an diese Zielgruppe, die wohl den größten Spaß ma Film haben dürften. Also ist der Film nur etwas für Fans? Jein. Denn natürlich gibt es sehr viele Charaktere und deren genaue Verstrickungen wird man in einem einzelnen Film wohl nicht nachvollziehen können. Dennoch haben sich die Drehbuchautoren große Mühe gegeben keine tausend Insider einzubauen, sondern die Dialoge zwar mit dem gewohnten Biss gestaltet, aber eben auch so, dass ein Downton Abbey Neuling den kompletten Handlungsverlauf nachvollziehen kann.
Wir haben, wenn man mal die Tatsache außer Acht lässt, dass der Film die Serie weitererzählt, einen Film, der mit witzigen und gleichzeitig bissigen Dialogen daher kommt, wir haben mit Highclere Castle, das als Downton Abbey dient, eine atemberaubende Kulisse, wir haben wunderschöne Kleider, gerade in der finalen Ballszene, mit einem tollen Blick für Details. Wir haben Darsteller, die ihre Figur exakt verkörpern und mit einer Inbrunst spielen, die ihresgleichen sucht. Somit an sich einen echt guten Film. Wie gesagt, einziges Manko für Nicht-Serien-Seher ist, dass die Charaktere in ihrer Konstellation nicht vorgestellt werden.

Das Fazit

Downton Abbey ist für Fans die lang ernsehnte Wiedervereinigung aller geliebten und teilweise gehasster Charaktere. Für Neulinge ist es ein Historienfilm, der seinesgleichen sucht, was Detailliebe angeht. Vor allem mit den witzigen und bissigen Dialogen können wohl beide Parteien etwas anfangen. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Downton Abbey läuft seit dem 19.09.2019 in den deutschen Kinos.

Gut gegen Nordwind

Ein Vorwort

Mit Hilfe von E-Mails die große Liebe finden? Erinnert in den Grundzügen sehr an E-Mail für dich, ein Film mit Meg Ryan und Tom Hanks aus den 1990er Jahren. Doch in der modernen Welt scheint diese Kommunikationsform doch nur noch für geschäftlichen Schriftverkehr genutzt zu werden. Dennoch spielt genau dieses Grundprinzip in Vanessa Jopps neustem Film eine wichtige Rolle. Wie Gut gegen Nordwind es schafft sich von Filmen mit ähnlichem Grundprinzip abzuheben, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Leo (Alexander Fehling) ist Linguist und führt eine On/Off-Beziehung mit Marlene (Claudia Eisinger). Als es wieder einmal zu einer Trennung kam, kommt eine E-Mail von Emma (Nora Tschirner). Diese wollte ein Abonnement kündigen, hatte aber einen Tippfehler drin. Es folgt ein erster Schriftverkehr, der immer privater wird. Doch Emma ist verheiratet.

Meine Meinung

Ich kann gut verstehen, warum einige Gut gegen Nordwind nicht mögen werden. Gerade die Fans von großen Romanzen werden hier ihr Glück nicht finden. Denn Gut gegen Nordwind erzählt eine sehr subtile Geschichte, die von ihren großartigen Hauptcharakteren lebt. Es gibt aber keine tränenreichen Dialoge darüber, wie sehr die beiden sich lieben, es gibt kein großes Kennenlernen über die E-Mails hinaus, es gibt kurzum nicht die typischen Handlungsverläufe.
Die größte Schwierigkeit des Films dürfte sein, dass viele der Dialoge nur schriftlich erfolgen. Dennoch mussten diese spannend und immer wieder neu eingearbeitet werden. Hierbei war es wichtig zwei gute Schauspieler zu casten, die durch ihre Mimik den Zuschauer auch dann fesseln können, wenn sie eigentlich gerade nur in ihrem Laptop gucken.
Mit Alexander Fehling und Nora Tschirner ist ihnen genau das gelungen. Beide schaffen es ohne große Gesten oder überbordener Mimik die Zuschauer sofort in ihren Bann zu ziehen. Der erste Teil des Films konzentriert sich größtenteils auf Leo, der an seiner on/off-Beziehung mit Marlene scheitert und sich immer mehr an den E-Mails mit Emma festklammert, um seinen Liebeskummer zu überwinden. Er wird schnell so süchtig nach den Mails, dass er selbst bei einem realen Date flüchtet, um antworten zu können. Der Film ist schon ein ganzes Stück fortgeschritten, als wir das erste Mal Emma wirklich sehen und nicht nur über ihre Mails. Wir lernen ihren Alltag kennen und auch ihren Ehemann. Dieser Fakt überrascht Leo dann wohl ebenso wie den Zuschauer, vor allen da Emma betont, glücklich verheiratet zu sein. Die Realität lässt dann an der Aussage doch etwas zweifeln, denn sie ist die zweite Frau ihres Mannes und damit Stiefmutter zweier Kinder. Während sie mit den Kindern durchaus gut umgeht, ist ihr Mann deutlich älter und ein erfolgreicher Dirigent, der kaum Zeit für seine Familie hat.
Diese beiden Menschen, die irgendwo mitten im Leben und irgendwo doch an einem Scheideweg stehen, finden sich gerade zur rechten Zeit und fangen an sich auch privatere Dinge zu erzählen. So ist der Film herrlich unaufgeregt, versteht es aber trotzdem den Zuschauer in jeder Szene abzuholen und eine gewisse Spannung aufzubauen.

Das Fazit

Gut gegen Nordwind ist eine gelungene Verfilmung eines E-Mailromans mit hochmotivierten Darstellern und einer unaufgeregten Handlung. Fans klassicher Liebesfilme dürften hier weniger auf ihre Kosten kommen, doch wenn man ihm eine Chance gibt, entfaltet er seinen ganzen Charme. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Gut gegen Nordwind läuft seit dem 12.09.2019 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: The Kitchen

Ein Vorwort

Im letzten Jahr gab es einen Film mit dem Namen Widows, in der die Frauen von kriminellen Männern in deren Fußstapfen treten, um selbst zu überleben. Mit einem ähnlichen Prinzip wird auch in The Kitchen gearbeitet, nur das es diesmal um die irische Mafia geht. Warum der Film jedoch einfach nicht funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Bei einem gescheiterten Raubüberfall werden die Ehemänner von Kathy (Melissa McCarthy), Ruby (Tiffany Haddish) und Clair (Elisabeth Moss) verhaftet und für mehrere Jahre ins Gefängnis gesteckt. Finanziell sind sie von der irischen Mafia abhängig, doch das Geld reicht nicht einmal für die Miete, geschweige denn um Kinder zu ernähren. Also beschließen sie die Geschäfte selbst in die Hand zu nehmen. Doch der ein oder andere Gegner muss auch aus dem Weg geschafft werden. Wie passend, dass Gabriel (Domnhall Gleeson) gerade wieder in der Stadt ist.

Meine Meinung

Nachdem das letzte Mal in der Sneak die Agentin lief und ich bereits da fragte, was mir der Regisseur mit dem Film sagen will, muss ich diese Frage leider erneut stellen. Denn The Kitchen scheint eine Geschichte über Frauen zu schreiben, die sich auf dem Schatten ihrer Männer erheben und sich emanzipieren, um für ihren Lebensinhalt selbst aufzukommen. Doch gleichzeitig ist der Film in den Fangstricken der irischen Mafia, dessen Grundstrukturen und Regeln mir vorher nicht bekannt waren, auf die im Film aber auch immer nur am Rande Bezug genommen wird. Ein klärender Dialog nach dem Motto „Bei uns läuft das so, weil“, wäre sehr hilfreich gewesen. Gleichzeitig baut er aber relativ viele Charaktere auf, wo von aber einige kaum mehr als einen Satz haben, die aber dazu dienen sollen, möglichst viele Wendungen einbauen zu können. Jedoch ist der Zuschauer bei dem Film sehr schnell ausgestiegen, wegen zu vieler Charaktere und Handlungsstränge und Intrigen, so dass man die große Auflösung am Ende gar nicht mehr richtig wahrnimmt.
Melissa McCathy, als eine der Hauptrollen, ist besetzungstechnisch ja eine schwierige Entscheidung, hat sie sich in den letzten Jahren doch eher mit unterirdischen Komödien einen Namen gemacht. Jedoch hat sie zwischendurch immer wieder bewiesen, dass sie auch ernst Rollen spielen kann und erhielt zuletzt für Can you ever forgive me eine Oscarnomineriung. In The Kitchen spielt sie auf ähnliche Art, mit einer durchgehenden Leidensmiene, die zwar größtenteils passend ist, dennoch kommt sie schauspielerisch nicht darüber hinaus. Auch Elisabeth Moss scheint ihre Rolle als graues Mäuschen, die regelmäßig von ihrem Mann geschlagen wurde, so sehr verinnerlich zu haben, dass sie selbst als ihr Charakter darüber hinaus gewachsen ist, ihre Mimik nicht darüber hinausgewachsen ist. Tiffany Haddishs Rolle ist dann auch der undurchsichtigste Charakter, was durchaus seine Berechtigung für den Verlauf des Filmes hat, jedoch scheint Haddish daher gleich jegliche Bemühung einer schauspielerischen Leistung abgelegt zu haben.
Am Ende weiß man nicht, was am enttäuschendsten war. Die nichtssagende langsam vor sich hin plätschernde Handlung, die unmotivierten Darsteller, das verwirrende Drehbuch ohne Aussage, oder das der Film endet ohne irgendetwas wirklich erzählt zu haben. Abgesehen von ein paar wenigen Szenen, die einem zum schmunzeln gebracht haben, ist The Kitchen ein vollkommen vergessenbarer Film.

Das Fazit

The Kitchen hat es leider verpasst eine nachvollziehbare Handlung aufzubauen und scheitert am Großaufgebot an sinnlosen Charakteren und Handlungswendungen. Dafür gibt es 03 von 10 Punkten.

The Kitchen – Queens of Crime läuft ab dem 19.09.2019 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: Die Agentin

Ein Vorwort

Vom 07.-17.02.2019 fanden die Internationalen Filmfestspiele Berlin, kurz Berlinale, statt. Diesmal mit dabei war die deutsch-französisch-israelische Produktion über eine in Deutschland ausgebildete Mossad-Agentin. Gezeigt wurde der Film außer Konkurrenz. Mit einer Diane Kruger als Spionin und Martin Freeman an ihrer Seite, konnte von der Besetzung her schon wenig schiefgehen. Was der Film darüber hinaus kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Rachel (Diane Kruger) wird vom Mossad angeworben und in Deutschland zur Spionin ausgebildet. Doch auf der Beerdigung ihres Vaters taucht sie unter. Kurz darauf erhält ihr ehemaliger Kontaktmann in Deutschland (Martin Freeman) einen mysteriösen Anruf von ihr. Vor einem Sonderkommando muss er nun die Geschichte noch einmal erzählen.

Meine Meinung

Regisseur Yuval Adler hatte bei seiner Grundidee drei Möglichkeiten der Inszenierung. Er hätte einen Film über die politischen Verstrickungen in der Spionage machen können. Oder Adler hätte einen hochspannenden Spionage-Thriller inszenieren können. Oder aber er hätte aus dem ganzen eine Charakterstudie machen können, was Spionage und die ständige Verstellung aus einem Menschen macht.
Vermutlich hat Adler auf letzteres abgezielt. Scheitert aber in allen Belangen in der Umsetzung. Denn Die Agentin ist leider einfach nur ein nichtssagender Film geworden. Keine Aussage, keine Tiefe, keine verständliche Handlung.
Aber fangen wir mit den positiven Sachen an. Die Dreharbeiten fanden in Deutschland, Israel und Bulgarien statt, da man einen Film über eine Mossad-Spionin im Iran, schlecht im Iran drehen konnte. Dennoch sind die Aufnahmen sehr authentisch und gerade für mich als Ex-Leipzigerin war es sehr schön einzelne Schauplätze in Leipzig zu haben. Die Agentin hat mit Diane Kruger und Martin Freeman durchaus zwei sehr talentierte Schauspieler gewonnen. Leider wurde gerade Freeman eher wegen seines bekannten Namens gecastet, denn an keiner Stelle im Film darf er zeigen, was wirklich in ihm steckt. Man merkt, dass er das beste aus seiner Rolle rauszuholen versucht, nur ist da wenig Potential. Kruger wird da schon mehr gefordert und ist damit auch die engagierteste Darstellerin im ganzen Film. Denn die anderen wussten wohl schon beim Lesen, wie der Film wird: Total langweilig.
Und somit kommen wir auch schon zum großen Problem des Films. Er hat kein Konzept. Während am Anfang noch beschrieben wird, wieso Rachel so geeignet als Kandidatin für den Mossad war, wird ihre eigentliche Tätigkeit dann sehr lasch angerissen. Letztendlich kommt eigentlich nur heraus, dass sie trotz allem immer noch versucht ihren eigenen Kopf durchzusetzen, was ihr Ende für die Mission bedeutet. Trotzdem soll sie wahllos noch einzelne Menschen beschatten oder mal eben Bomben in den Iran schmuggeln. Diese Schmuggelszene ist letztendlich auch die einzige, die wirklich unter die Haut geht und den Zuschauer zumindest für fünf Minuten den Atem anhalten lässt. Aber auch hier wird das ganze wieder mit einer Fast-Vergewaltigung übertrieben. Ansonsten erfährt man weder Rachels Beweggründe, noch etwas über ihre Gedanken, weswegen der Film als Charakterstudie durchfällt. Man erfährt nicht, warum ihre Vorgesetzten Entscheidungen treffen und was der Hintergrund des ganzen ist. Es ist also kein Film über politische Verstrickungen in der Spionage. Und als hochspannender Spionage-Thriller fällt er komplett durch, weil er in einem gemächlichen Tempo erzählt wird, dass er mit einem Thriller erst recht nichts gemein hat.
So verlässt man am Ende das Kino und weiß nicht, was der Film einem nun sagen wollte, ist absolut gelangweilt und über das plötzliche Ende völlig irritiert. Denn nachdem gefühlt der gesamte Film die Vorgeschichte der aktuellen Ereignisse erzählt, bricht Adler genau dort mitten während einer Verfolgungsjagd ab. Im Nachhinein ein mutiger Schritt, aber auch der richtige. Denn der Film wäre durch eine Verfolgungsjagd am Ende kein bisschen spannender oder tiefgründiger geworden. Er wäre einfach nur länger und hatte mit 117 Minuten schon lange seinen Zenit überschritten.

Das Fazit

Die Agentin ist einer der langweiligsten Spionage-Filme, die ich kenne. Er hat kein Konzept, keine Tiefe und keine Handlung. Eine engagiert spielende Diane Kruger konnte daran auch nichts ändern. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Die Agentin läuft seit dem 29.08.2019 in den deutschen Kinos.