Cinemathek: Ostfriesisch für Anfänger

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Ostfriesisch für Anfänger. Der Film lief ursprünglich ab dem 27.10.2016 in den deutschen Kinos.

Uwe Hinrichs lebt in Ostfriesland und schnackt nur platt. Hoch verschuldet, wurde sein Haus zwangsversteigert und soll nun eine Integrationsstätte für Fachkräfte aus dem Ausland werden. Doch Uwe lebt heimlich weiter in seinem Haus, da er nicht weiß, wohin er sonst soll. Dort wird er eines Tages von den Fachkräften überrascht. Und soll ihnen von nun an Deutsch beibringen. Doch Uwe spricht nur platt und unterrichtet dann auch dies.

Die Flüchtlingskrise ist noch immer in aller Munde. Über die Gründe warum geflüchtet wird, muss man wahrscheinlich nicht einmal mehr sprechen, die Bilder aus den Nachrichten sind zu eindeutig. Doch damit befasst sich Ostfriesisch für Anfänger gar nicht. Hier geht es um eine Gruppe Ausländer, die sich bewusst in Deutschland beworben haben, um hier als Fachkräfte zu arbeiten. Und Deutschland braucht diese Fachkräfte und unterstützt sie daher in ihrem Vorhaben. Und genau darum geht es in diesem Film.
Die Stadt Niederhörn hat sich für das Integrationsprogramm von ausländischen Fachkräften beworben. Doch als diese ankommen, finden die Betreuer eine große Einöde vor und das Schulgebäude, in dem die Sprachkurse stattfinden sollen ist eine Bruchbude. Diese Bruchbude war bis vor kurzem noch das Haus von Uwe Hinrichs. Hier lebte er mit seiner Frau Elfriede, ehe diese vor ein paar Jahren verstarb. Weil die Werft, in der Uwe jahrelang arbeitete Pleite ging, konnte er seinen Kredit nicht rechtzeitig zahlen und so ist er nun an sich Obdachlos, da sein Haus zwangsversteigert wurde und somit der Gemeinde in die Hände fiel. Eigentlich ist er Rentner, arbeitet aber noch in einer Tankstelle. Da diese, die er als Franchisenehmer betreibt, auch kaum schwarze Zahlen schreibt, steht er mit seinem vorgesetzten Franchisegeber ebenfalls auf Kriegsfuß. In sein relativ trostloses Leben passt am allerwenigsten noch eine Horde Ausländer, die zwar allesamt englisch sprechen, was aber Uwe nicht spricht, die in seinem Haus leben. Als er dann auch noch zwangsverpflichtet wird, den Fachkräften Deutsch beizubringen, wird es ihm erst recht zu bunt. Kurzerhand bringt er den Fachkräften Plattdeutsch bei. Chaos ist hier vorprogrammiert.
Man sollte meinen, dass die deutsche Filmwelt nur Schema F kann bei Filmen. Denn auch hier wird 1:1 der typische Dramenaufbau nachgebaut. Grundsituation schaffen, Problem taucht auf, Problem wird eher schlecht als recht versucht zu lösen, Problem und Protagonist freunden sich an, der große Knall und das anschließende Scherben aufsammeln. Während es bei manchen Filmen mit frischen Ideen oder interessanten Problemen noch sehenswert ist, fehlt hier jeglicher Identifizierungspunkt. Irgendwo werden die Themen Heimatliebe und warum man sie verlassen würde angesprochen, aber auch nicht näher vertieft. Damit handelt der Film die Thematik und auch die Handlung sehr oberflächlich ab, verstrickt sich in nichtssagenden Dialogen und lässt den Zuschauer etwas gelangweilt im Kinosaal zurück. Lediglich Dieter Hallervorden als Uwe Hinrichs bringt überhaupt etwas Spaß auf die Leinwand. Seine unvergleichliche Art schafft es dem Film wenigstens etwas besonderes zu geben.
Aber was möchte Ostfriesisch für Anfänger denn eigentlich? Für eine Komödie ist der Film nicht lustig genug, für ein Drama hat er nicht genug Tiefe. Im Endeffekt bringt er den Ostfriesen noch einmal ein wenig Heimatgefühl mit. So viel Platt wurde wohl selten auf der großen Leinwand gesprochen. Es werden viele Vorurteile aufgegriffen, dann aber leider auch so stehen lassen. Letztendlich wurde wohl eher der Dialekt verteidigt. Und zwischendurch gab es schon ein paar ganz lustige Momente.

Alles in allem weiß Ostfriesisch für Anfänger nicht, was sie erzählen wollen, nicht welche Zielgruppe sie ansprechen wollen und auch nicht, was für ein Genre sie eigentlich sein wollen. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

xXx – die Rückkehr des Xander Cage

Am 19.01.2017 erschien der dritte Teil der Triple-X Reihe in den deutschen Kinos.

Mit der sogenannten “Büchse der Pandora” konnte jemand einen Satelliten, der zur Überwachung eingesetzt wurde, abstürzen lassen und tötete damit mehrere Menschen. Als die CIA die “Büchse” sicher stellte, wird diese gestohlen. Nun braucht die CIA Hilfe von dem tot geglaubten ehemaligen Triple-X Agenten Xander Cage. Dieser willigt ein und stellt sich ein neues Team zusammen, um die “Büchse” zu finden.

2002 erschien der erste Teil der xXx-Reihe in den Kinos. Dort lernten wir den Extremsportler Xander Cage kennen, der in das Agentenprogramm Triple-X berufen und dann in eine russische Untergrundorganisation eingeschleust wurde. Im Jahr 2005 erschien eine Fortsetzung, in der Ice Cube Vin Diesel beerbte. 12 Jahre später schien es wohl jemand für eine gute Idee zu halten noch eine Fortsetzung zu der Reihe zu inszenieren. So wurde Vin Diesel wieder verpflichtet seine Rolle als Xander Cage zu spielen. An die Seite gestellt wurde ihm ein neues Team, das wohl neuen Wind in die Reihe bringen sollte.
Xander Cage war über viele Jahre für tot geglaubt. Auf einer abgeschiedenen Insel lebte er in den Tag hinein und frönte seiner Leidenschaft für Extremsport und Frauen. Doch sein “Ruhestand” findet ein jähes Ende, als ihn die CIA wieder aufspürt. Hintergrund ist, dass eine Hackervorrichtung genannt die “Büchse der Pandora” gestohlen wurde. Vorab wurde damit bereits ein Satellit zum Absturz gebracht. Das Team aus Soldaten, dass Cage zur Verfügung gestellt wird, ist ihm jedoch zu angepasst, weswegen er sein eigenes Team zusammenstellt aus den “Extremen” und den “Auffälligen”.
Bereits der Trailer zu xXx – die Rückkehr des Xander Cage ließ vermuten, dass es sich hier um ein Actionspektakel der abgedrehten Art handelt. Auch hier ist die eigentliche Handlung zweitrangig, lieber wird sich fokussiert auf abgefahrene Stunts, coole Sprüche und viel Geballere. Die sind natürlich gut choreographiert und daher im Kino sehr schön anzusehen, aber auch etwas sehr abgedreht. Irgendwo überzeugt das Abgedrehte nicht mehr.
Die Handlung selbst ist mehr oder weniger Mittel zum Zweck, um die Action zu rechtfertigen, bzw. einen roten Faden zwischen den einzelnen Sequenzen einzubauen. Leider wurde dafür dann doch noch eine Mini-Diskussion über Abhörtechniken der CIA und NSA eingeführt und ob diese gerechtfertigt sind, oder ob man sie bekämpfen sollte. Das hätte der Film nun wahrlich nicht gebraucht, zumal er es ziemlich schnell abhandelt. Da doch lieber nur eine einfache Grundhandlung einbauen. Der Spannungsfaktor selbst ist auf einem guten Niveau für einen Actionfilm, er schoss aber auch nicht durch irgendwelche unvorhersehbaren Handlungsstränge durch die Decke.
Was dem Film wirklich fehlt, ist die Atmosphäre, die der erste Teil 2002 noch rüberbringen konnte. xXx lebte von der Mischung der kalten russischen Atmosphäre und einem guten Soundtrack – immerhin spielte Rammstein in einer Szene live auf der Bühne! Der dritte Teil hat sich von dieser Atmosphäre fast vollständig verabschiedet. Nicht nur fehlt Rammstein im Soundtrack, auch ist Vin Diesel praktisch der einzige Hinweis, dass man sich einen Triple X Film im Kino ansieht und nicht irgendeinen anderen Actionfilm. Und auch Diesel schafft es 15 Jahre später nicht mehr die gleiche Anziehungskraft auf die Damenwelt auszuüben, wie noch im ersten Teil. Das Zusammenspiel zwischen dem Cast ist einwandfrei und jeder spielt seine Rolle gut. Hätte man das xXx im Namen weggelassen und Vin Diesel aus dem Cast geworfen, hätte vielleicht sogar eine schöne neue Filmreihe aufgebaut werden können. Aber so hat man die anderen Filme immer im Hinterkopf und vergleicht demnach, was dem Film nicht gut bekommt.
Letztendlich kann man sagen, dass xXx – die Rückkehr des Xander Cage genau das geliefert hat, was er wollte. Schnelle, krasse Action. Dazu noch ein paar Gastauftritte, die zum Schmunzeln anregen und die Erinnerung an die alten Filme wiederbeleben. Ob hier eine weitere Fortsetzung nötig gewesen wäre oder ob man mit dem Cast nicht einfach eine neue Reihe (oder vielleicht auch mal einen Einzelfilm) hätte aufbauen können, ist eine zweitrangige Diskussion.

Alles in allem hat der Film gute Bilder und schöne Actionszenen geliefert. Durch Mängel in Handlung und Überzeugung bekommt er 06 von 10 möglichen Punkten.

Verpasst im Januar 2017

Hallo ihr Lieben,
2017 ist gestartet und auch hier ist schon wieder ein ganzer Monat vorbei. Auch diesmal hab ich es wieder nicht geschafft alle Filme zu sehen, die mich interessieren und daher hier wieder die altbekannte Übersicht meiner verpassten Filme:

1) Hell or high water: Angekündigt als ein moderner Western (was grundsätzlich nicht mein Lieblingsgenre ist), aber dann mit vielen positiven Kritiken überschüttet und Oscaranwärter.

2) Why him?: James Franco ist in den letzten Jahren zusammen mit Seth Rogen eher dafür bekannt geworden, unlustige und übertriebe Komödien zu machen. Nun ist Franco wieder in einer zu sehen, allerdings diesmal mit Bryan Cranston an seiner Seite. Was dabei herauskam, möchte ich gerne noch wissen.

3) Manchester by the Sea: Bei den Golden Globes bereits gut ausgezeichnet und auch Oscaranwärter. Bei mir steht der Film noch vor der Verleihung auf dem Plan.

4) Hacksaw Ridge – Die Entscheidung: Ein junger Mann wird an die Front gerufen, doch er weigert sich jemanden zu töten. Stattdessen rettet er seinen verwundeten Kameraden das Leben. Oscaranwärter und auch noch auf meiner Liste.

5) Jackie: Die Geschichte von Jackie Kennedy, die mit ansehen muss, wie ihr Mann erschossen wird und dann so im Medienrummel steht, dass sie keine Zeit hat richtig zu trauern. Natalie Portmann ist für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert.

6) Kundschafter des Friedens: Eine Reihe ehemaliger DDR-Spione werden vom BND um Hilfe gebeten. Der Trailer hat mich bereits gut zum Schmunzeln gebracht und ich bin gespannt, ob der Film noch mehr schafft.

Cinemathek: Café Society

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Café Society. Der Film lief ursprünglich ab dem 10.11.2016 in den deutschen Kinos.

In den 1930er Jahren versucht der junge Bobby zunächst in Hollywood und später in New York seinen Weg zu finden. Doch auf seinem Weg trifft ihn die Liebe.

Hollywood in den 1930er Jahren, das goldene Zeitalter. Filmpläne werden auf rauschenden Partys besprochen und es ist ein reines Sehen und Gesehen werden. Genau in diese Zeit entführt uns Woody Allen mit seinem neuen Film.
Bobby will nicht in das Geschäft seines Vaters einsteigen und verlässt daher New York und zieht nach Los Angeles. Auf Bitte seiner Mutter nimmt sein Onkel Phil ihn ein bisschen unter seine Fittiche. Phil führt eine erfolgreiche Casting-Agentur in Hollywood und hat wenig Zeit für Bobby. Dieser verliebt sich in Phils Sekretärin Vonnie, die ihm die Stadt zeigt. Nach anfänglichem Zögern erwidert sie seine Gefühle. Doch es gibt kein Happy-End für die beiden und nach einer Entscheidung Vonnies kehrt Bobby dem Leben in Los Angeles den Rücken zu und kehrt nach New York zurück. Dort eröffnet er mit Hilfe seines Bruders Ben, der viel Geld durch kriminelle Machenschaften verdiente, einen Club, der sehr schnell sehr bekannt wird. Doch Vonnie kann er nicht vergessen.
Café Society ist ein Film, der praktisch ohne große Aussage bleibt. Auch ist es schwierig eine Handlungszusammenfassung zu schreiben, weil der Film gemütlich vor sich hin plätschert und eher ein Gefühl als eine Handlung vermittelt. Grundsätzlich wird der Kontrast zwischen Los Angeles bzw. der schillernden Welt von Hollywood und New York und deren Gangsterszene dargestellt, obwohl beide Seiten gleichwertig und urteilsfrei dargestellt werden. Hollywood wird immer sonnig und in eher goldenen Farbtönen dargestellt. Hier werden viele Partys gefeiert, auf der sich alles was Rang und Namen in der Filmbranche hat, trifft. Es lockt das große Geld mit scheinbar wenig Aufwand. New York wird im starken Kontrast dazu eher grau dargestellt. Hier gibt es weniger Gartenpartys, hier leben eher die echten Arbeitstiere. Die Grundeinstellung ist hier: Wer sich anstrengt, kann es ganz nach oben schaffen. Unser Protagonist Bobby stolpert im Laufe des Films in beide Leben einmal hinein. Während sein Onkel Phil in Hollywood voll und ganz aufgeblüht ist, findet er seinen Weg eher in New York.
So plätschert die Handlung vor sich hin, beschäftigt sich mit Phil und seinen Geschäften in Los Angeles, beschäftigt sich mit Ben, Bobbys Bruder, und seine kriminellen Machenschaften in New York und vor allem mit unserem Protagonisten Bobby und seiner großen Liebe Vonnie, zeigt uns von allen Seiten das Leben zu der Zeit. Der Film möchte auch gar nichts groß aussagen. Er möchte einfach nur einen Querschnitt durch die Zeit machen. Und mit seiner gemütlichen Art und dem Witz an angebrachten Stellen schafft er es auch den Zuschauer irgendwo abzuholen und 96 Minuten zu unterhalten. Ein Film für Kinogänger, die einmal wenig Action und trotzdem nicht viel nachdenken wollen, sondern sich einfach nur an eine ganz andere Zeit zurückdenken wollen.
Mit einem guten Cast u.a. mit Steve Carell und Jesse Eisenberg lässt sich der Film gut angucken. Lediglich Kristen Stewart sticht einmal mehr negativ hervor, da ein Gesichtsausdruck auch für diesen Film nicht ausreicht.

Alles in allem ein sehr ruhiger Film, der lediglich von der Zielgruppe der ruhesuchenden Kinogänger angesehen werden sollte. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Split

Am 26.01.2017 erschien ein Thriller über DIS in den deutschen Kinos.

Kevin hat eine dissoziative Identitätsstörung (DIS). Das bedeutet, dass 23 verschiedene Persönlichkeiten in seinem Körper wohnen und ans Licht treten können. Eines Tages entführt eine dieser Persönlichkeiten drei Mädchen und sperrt sie ein. Sie sollen vorbereitet werden auf die Ankunft “der Bestie”. Schnell erkennen Sie, dass sie nicht immer mit der gleichen Persönlichkeit sprechen und versuchen dies für ihren Fluchtversuch zu nutzen.

Schizophrenie ist vielen ein Begriff, DIS dagegen eher nicht. Ursachen können traumatische Erlebnisse in der Kindheit sein. Wie geht man mit diesen verschiedenen Persönlichkeiten um? Und was passiert, wenn mindestens eine ein Eigenleben entwickelt und damit eine Gefahr für Andere wird?
Kevin war einst ein ganz normaler Junge, der unter seiner zu strengen Mutter litt. Diese traumatischen Erlebnisse sorgten dafür, dass er immer mehr verschiedene Persönlichkeiten entwickelte, die nun versuchen Kevin in seinem Körper zu beschützen. Verfolgt wird das Phänomen von seiner Psychiaterin Dr. Fletcher, die ihn inzwischen so gut kennt, dass sie anhand seines Auftretens weiß, mit welcher Persönlichkeit sie gerade spricht. Meistens wird sie besucht von Kevin in Form von Barry, einem Modedesigner. Doch eines Tages entführt die Persönlichkeit Dennis drei Mädchen und sperrt sie ein seiner Wohnung ein. Während Claire und Marcia hysterisch versuchen irgendeinen Fluchtplan zu finden, ist Casey merkwürdig ruhig. Durch Einblicke in ihre Vergangenheit versteht man auch schnell wieso. Doch warum entführte Dennis die Mädchen? Und kann Hedwig, die Persönlichkeit eines 9-jährigen Jungen, ihnen bei der Flucht helfen?
In Split werden natürlich nicht alle 23 verschiedenen Persönlichkeiten, die in Kevins Körper wohnen, gezeigt. Das hätte auch den Rahmen gesprengt. Länger gezeigt werden Barry, der Modedesigner, Kevin, der einen Ordnungstick hat, Hedwig, ein 9-jähriges Kind und Patricia, die gute Seele des Hauses. Weitere drei Persönlichkeiten werden kurz aufgezeigt. Hier zeigt James McAvoy sein ganzes schauspielerisches Talent. Er schafft es seine Gestik und Mimik für jede Persönlichkeit zu ändern, so dass man als Zuschauer auch schnell erkennt, wen man gerade vor sich hat, ohne dabei ins Overacting zu verfallen. Visuell unterstützt wird der Wechsel der Persönlichkeit meistens durch den Wechsel der Kleidung. Doch auch wenn dies in einer Szene nicht möglich ist, oder bewusst ein anderes Outfit zur Verwirrung genutzt wird, erkennt man an McAvoys Schauspiel sofort welche Persönlichkeit er gerade darstellt. Und genau von diesem Talent profitiert der Film. Denn ohne überzeugendes Schauspiel des Protagonisten wäre Split wohl kaum ein so überzeugender Film geworden.
Split bringt das Spannungslevel schnell auf ein hohes Niveau. Dennis entführt die Mädchen und keiner weiß, wieso er das tat und welches Ziel er verfolgt. Durch die Fluchtversuche der Mädchen gibt es immer wieder Spannungsnachschub, ebenso entdeckt der Zuschauer nach und nach die verschiedenen Persönlichkeiten in Kevins Körper. Das Ende wird dann noch einmal zu einer Zerreißprobe für die Nerven, geht aber leider auch einen Schritt zu weit und zerstört die vorher aufgebaute Atmosphäre. Denn vorher wurde der Film sehr ernst und wissenschaftlich gehalten, als könnte das alles so wirklich passieren. Aber das Ende ist dann doch einen Schritt zu abgefahren, um noch in die Erklärungen zu passen.
Während Kevin als Protagonist ausführlich vorgestellt und analysiert wird, bleiben die meisten anderen Charaktere sehr blass. Casey wird noch ein bisschen näher beleuchtet und ihre Vergangenheit erklärt und wieso sie sich verhält, wie sie sich verhält. Dennoch wird auch hier einiges offen und Raum für Interpretationen gelassen. C und Marcia stellen die typischen beliebteren Mädchen vor, die sich gerne modisch kleiden und in so einer Situation kaum mehr als Jammern, Kreischen und Heulen können. Daher werden ihre Rollen auch nicht näher analysiert. Als vierte größere Rolle ist Betty Buckley als Dr. Fletcher zu sehen, Kevins Psychiaterin. Auch ihre Beweggründe werden erwähnt, aber nicht groß ausgeführt. Split konzentriert sich wirklich hauptsächlich auf Kevin.

Alles in allem ist Split eine interessante Charakterstudie in Form eines Thrillers. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Mein Blind Date mit dem Leben

Am 26.01.2017 erschien ein deutscher Film über das Erfüllen von Träumen auch mit Behinderung in den deutschen Kinos.

Saliya Kahawatte steht kurz vor seinem Abitur, als er durch eine Netzhautabtrennung 95% seines Sehvermögens verliert. Trotzdem lässt er sich nicht unterkriegen, schafft sein Abitur und möchte nun seinen Traum erfüllen und Hotelfachmann werden. Doch aufgrund seiner Behinderung nimmt ihn kein Hotel. Also bewirbt er sich beim Bayrischen Hof, einem 5-Sterne-Luxus-Hotel, und verschweigt seine Behinderung einfach. Doch wie schafft man es zu verheimlichen, dass man nur 5% seiner Umgebung sehen kann?

Dass Menschen mit Behinderungen großartiges leisten können, ist inzwischen sehr bekannt. Sei es auf sportlicher Ebene, wie regelmäßig die Paralympics zeigen, oder auf geistlicher Ebene, wie beispielsweise Stephen Hawking zeigt. Doch wie schafft man es den ganz normalen Alltag mit einer Behinderung zu meistern? Und muss man automatisch auf alle seine Träume verzichten?
Saliya Kahawatte hat nur einen Traum: Er möchte nach seinem Abitur unbedingt in einem Hotel lernen. Doch mitten im Abitur bemerkt er plötzlich immer mehr verschwommene Flecken in seinem Blickfeld. Eine Untersuchung ergibt, dass Saliya einen angeborenen Sehfehler hat, der nun dazu beigetragen hat, dass sich die Netzhaut abgetrennt hat. Eine Notoperation soll zumindest noch einen gewissen Prozentsatz seines Sehvermögens retten. Am Ende bleibt ihm eine Sehkraft von 5%. Damit kann er sehr stark verschwommen gerade einmal Umrisse seiner Umgebung erkennen. Doch Saliya ist ein Kämpfer und lässt sich davon nicht unterkriegen. Mit Hilfe seiner Schwester und der Toleranz seiner Lehrer schafft er sein Abitur. Doch nun steht er vor dem nächsten großen Problem. Wie soll er mit 5% Sehvermögen seinen Traum in einem Hotel zu lernen wahr machen? Und so flattern eine Absage nach der nächsten ins Haus, egal wie viele Bewerbungen Saliya auch schreibt. So beschließt er das unmögliche zu versuchen. Er bewirbt sich in München am Bayrischen Hof und lässt seine Behinderung unerwähnt. Und schon bekommt er ein Vorstellungsgespräch. Mit viel Vorbereitung besteht er auch dieses und ist von nun an auf sich alleine gestellt. Eigene Wohnung, die Ausbildung und keiner darf merken, dass er nichts sehen kann. Schnell findet er einen guten Freund in der Ausbildung, der ihm von nun an mit Tat und Rat zur Seite steht. Doch die Ausbildung ist schon für Leute mit vollständigem Sehvermögen sehr schwer durchzuhalten.
Mein Blind Date mit dem Leben basiert auf den wahren Ereignissen und dem Leben von Saliya Kahawatte. Die Möglichkeiten, die er ausschöpft, um sich durch die Ausbildung zu mogeln sind faszinierend. Trotzdem verläuft die Handlung selbst sehr nach dem altbekannten Schema ab. Ein Problem taucht auf, dass wird mit aller Macht versucht zu bekämpfen oder es wird zumindest versucht damit zu leben, doch dann nehmen die Hindernisse immer mehr Überhand, bis alles eskaliert und hinterher die Scherben wieder aufgesammelt werden müssen. Dieser Ablauf ist altbekannt, aber der Film konzentriert sich auch viel mehr auf Menschsein. Wie gehen Menschen mit einer Behinderung um, wie gehen sie damit um, wenn sie erfahren, dass jemand den sie kennen eine Behinderung hat. Bekommt man ewig eine Sonderbehandlung und wenn nicht mit welchen Mitteln muss man sich dann durchbeißen? Das faszinierende am Film ist hier, wie Saliya immer wieder neue Methoden findet, um Sachen durch Fühlen, Riechen und Tasten zu erlernen. Wie er Schritte zählt, um Abstände herauszufinden, und dabei so souverän geht, wie manch einer mit normalem Sehvermögen nicht.
Kostja Ullmann schlüpft ja gerne einmal auch in Rollen, die einen Migrationshintergrund haben, wie zuletzt auch in Drei Türken und ein Baby, in dem er einen Türken spielte. Er selbst ist in Deutschland geboren, aber seine Mutter ist ursprünglich Inderin. So war er die passende Besetzung für die Rolle des Saliya Kahawatte, dessen Vater Singhalese ist. Auch spielt Ullmann seine Rolle sehr souverän und bringt so das Leid und den Traum Saliyas dem Zuschauer nahe.
Der Film schafft es die Thematik Leben mit einer Behinderung respektvoll aufzugreifen und trotzdem einige humorvolle Momente einzubauen. So wird dem Zuschauer vermittelt, dass das Leben oder auch eine normale Ausbildung zu machen erschwert wird, eine Behinderung aber kein Grund ist das Leben nicht mehr in vollen Zügen zu genießen und seine Träume zu leben. So geht man am Ende des Films mit einem positiven Gefühl aus dem Kinosaal.

Alles in allem ist Mein Blind Date mit dem Leben eine gefühlvolle Komödie zu schaffen, die aber durch das typische Schema etwas zu vorhersehbar wurde. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Verborgene Schönheit

Am 19.01.2017 erschien ein neuer Film, der sich mit Trauerbewältigung befasst in den deutschen Kinos.

Howard hat vor zwei Jahren seine Tochter verloren. Noch immer kommt er mit seiner Trauer nicht zurecht und läuft durch das Leben wie ein Zombie. In seiner Trauer schreibt er Briefe an die Grundpfeiler des Universums: Liebe, Zeit und Tod. Doch auf einmal stehen genau diese mit seinen Briefen vor ihm und konfrontieren ihn mit seinen Anschuldigungen.

Der Tod seines eigenen Kindes dürfte so ziemlich das schlimmste sein, was Eltern passieren kann. Keiner kann daraufhin jemals wieder in das gewohnte Leben zurückkehren. Es wird immer eine Leere zurückbleiben. Doch wie findet man trotzdem wieder in den Alltag zurück? Wo setzt man in seinem Leben an? Und wie gehen die Freunde damit um, die einen nicht leiden sehen wollen?
Howard hat eine wunderbare Frau, ein süßes Kind und seine eigene Firma, die er mit viel Engagement und Spaß und guten Freunden leitet. Die Grundpfeiler in seinem Leben und das Motto seiner Firma sind Liebe, Zeit und Tod. Er steht mit beiden Beinen fest im Leben. Doch dann erkrankt seine Tochter und stirbt. Den Tod der Tochter überlebt Howards Ehe nicht und auch im Büro ist er nur noch ein Schatten seiner selbst. Seine Freunde Whit, Claire und Simon machen sich immer mehr Sorgen um ihn, da er auch zwei Jahre nach dem Tod seiner Tochter noch immer nicht ansprechbar ist und wie ein Zombie durch die Büroflure wandelt. Irgendwann beginnt Howard Briefe zu schreiben. Aber nicht an jemanden, sondern an etwas, an Liebe, Zeit und Tod. Allen drei macht er heftige Vorwürfe. Doch auf einmal besuchen ihn der Tod, die Zeit und die Liebe und lassen die Vorwürfe nicht auf sich sitzen.
Nachdem uns Demolition im letzten Jahr bereits eine interessante Art der Trauerbewältigung zeigte, setzt Verborgene Schönheit noch einmal an einem ganz anderen Punkt an. Howard ist vom Universum enttäuscht, da er niemand anderem den Vorwurf für den Tod seiner Tochter geben kann. Es war kein Unfall, an dem jemand Schuld war, sondern eine Erkrankung, die zum Tod führte. Das zweite große Thema des Films ist Freundschaft. Denn Howards Freunde Whit Claire und Simon kämpfen darum, ihn wieder unter die Lebenden zu bekommen und haben selbst einiges aufgegeben bzw. selbst etwas/jemanden verloren. So konzentriert sich der Film nicht nur auf einen Charakter, sondern zeigt, dass das Leben der Freunde trotz allem weitergeht und wie diese mit der Situation umgehen.
Als Warnung vor dem Ansehen des Films sollte gesagt werde, dass er sehr emotional ist. Die Dialoge sind überladen mit Gedanken und Gefühlen, was zum einen den Ton des Films widerspiegelt, was zum anderen aber für Fans von mehr tiefgründigen und weniger emotionalen Dialogen nur schwer zu ertragen sein dürfte. Man sollte also bewusst in den Film gehen. Denn erst wenn man sich wirklich auf den Film einlässt, entfaltet er seine Magie und kann uns zu Tränen rühren, ob es nun Freuden-, Lach- oder Traurigkeitstränen sind.
Verborgene Schönheit lebt vor allem von seinem großartigen Cast. Hier reiht sich namhafter Schauspieler an namhafter Schauspieler. Will Smith, Edward Norton, Kate Winslet, Michael Pena, Keira Knightley, Helen Mirren und Naomie Harris geben sich hier die Ehre. Am überzeugendsten ist hier die Performance von Helen Mirren, die ihre Rolle mit einer Begeisterung spielt, die ihresgleichen sucht. Michael Pena, der den meisten wohl erst seit seiner Rolle in Ant-Man bekannt sein dürfte und eher lustige Rollen spielt, schafft es hier den Ton aufzugreifen und beweist, dass er auch ernste und tiefgründige Rollen spielen kann. Will Smith selbst spielt seine Rolle als Howard sehr souverän, gerät jedoch von Zeit zu Zeit ins Overacting. Edward Norton bleibt in seiner Rolle weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, spielt aber auch seine Rolle sehr souverän. Der restliche Cast liefert zusammenfassend auch eine sehr souveräne Leistung ab.
Die Spannungskurve des Film ist durchgehend auf einem normalen Niveau, wie man es von einem Film dieses Genres erwarten kann. Zwischendurch gibt es vereinzelte Anstiege, wenn unerwartete Wendungen auftreten. Die Handlung selbst verläuft sehr geradlinig und hält genau das, was man sich vom Film verspricht.

Alles in allem ist Verborgene Schönheit ein berührender Film mit einem schönen Ansatz in der Trauerbewältigung. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

La la Land

Am 12.01.2017 erschien ein neues Musical aus der Traumfabrik Hollywood in den deutschen Kinos.

Mia möchte unbedingt Schauspielerin werden, arbeitet aber stattdessen in einem Café. Sebastian möchte unbedingt Jazzpianist in seinem eigenen Club werden, stattdessen muss er in einem anderen Club langweilige Lieder ohne Seele spielen. Beide treffen sich und versuchen ihre Träume wahr werden zu lassen.

Wie viele junge Menschen reisen Jahr für Jahr nach Los Angeles, um bei der Traumfabrik Hollywood mitzuwirken? Und von wie wenigen wird der Traum letztendlich wahr? Und doch kämpfen sich immer wieder genug Leute durch unzählige Castings und versuchen die oder der eine zu werden, der herausgestochen hat. Und wie viele Musiker wollen irgendwann einmal mit ihrer Musik Erfolg haben und davon Leben können? Wie viele Garagenbands gibt es, die nie aus ihrer Garage heraus kamen? Hier ist ein Film für all diese Träumer, die nie aufgeben und glauben, dass Träume irgendwann Wirklichkeit werden können.
Wir lernen zunächst Los Angeles im Berufsverkehr kennen. Dort treffen wir auf Mia, die im Stau versucht ihren Text für das nächste Vorsprechen zu lernen. Ihr Traum ist es Schauspielerin zu werden, doch stattdessen arbeitet sie in einem Café mit Sicht auf Hollywood. Immer etwas verpeilt versucht sie ihre Schichtzeiten und die Vorsprechen unter Kontrolle zu bekommen. Dann wird man auch schon mit der düsteren Wahrheit konfrontiert: Viele Mädchen, die genau gleich aussehen und sich auf die gleiche Rolle bewerben, Castingleiter, die nur auf ihrem Handy herumtippen und einen gar nicht so genau beachten und dann wird man in wenigen Minuten abgehandelt, obwohl man sich viele Stunden auf die Rolle vorbereitet hat. Frustriert geht Mia an diesem Abend mit ihren Mitbewohnerinnen aus und trifft durch Zufall auf Sebastian. Dieser hat eine große Leidenschaft für Jazz und möchte gerne in seinem eigenen Club Jazzpianist sein. Stattdessen lebt er in einer Wohnung, in der nichts ausgepackt wird, weil das meiste später in seinen Club soll und versucht sich mit dem Piano spielen in einem anderen Club über Wasser zu halten. Doch der Besitzer hat eine ganz eigene Auffassung von den Liedern, die Sebastian spielen sollte. Doch an diesem Abend trifft Sebastian durch Zufall auf Mia.
La la Land ist ein Film für Träumer. Und genau das wird durch viele lange Plansequenzen, stimmungsvolle Musik und bunte Kostüme unterstrichen. Man möchte während des Films selbst aufspringen und durch die Leinwand mitten ins Geschehen tanzen. Für ein Musical wird vergleichsweise wenig gesungen, aber dafür ist die Musik trotzdem ein ständiger Begleiter und wenn gesungen wird, dann mit so einer Inbrunst und Überzeugung und mit so eingängigen Liedern, dass man möchte, dass sie nie wieder aufhören.
Die Handlung selbst ist relativ einfach gehalten, wird dabei aber so gut unterstützt von der Musik und den Traumsequenzen, dass sie einem trotzdem komplett neu vorkommt. Emma Stone und Ryan Gosling wirken auf dem ersten Blick ebenfalls nicht wie die ideale Besetzung, da man ihnen ansieht, dass sie vorher wohl eher selten gesungen und getanzt haben. Aber auf dem zweiten sieht man die Leidenschaft in ihrem Spiel und der Wille dahinter und ist so fasziniert, dass man alles verzeiht.
Der Soundtrack ist wohl das, was den Film so besonders macht. Selten konnte Jazz so leidenschaftlich in einem Film gespielt werden und dabei so ein großes Publikum anziehen. Er lädt zum tanzen und zum träumen ein und fügt sich perfekt in das Leinwandbild. Am gelungensten ist wohl die Endszene von La la Land mit dem “Was wäre wenn-Ende”. Es kam so überraschend und hat noch einmal den Ton des gesamten Films geändert.

Alles in allem ist der Hype um den Film nicht ganz nachvollziehbar, aber hier wurde auf jeden Fall ein Meisterwerk geschaffen, das noch viele Jahre die Herzen der Zuschauer erwärmt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

The Great Wall

Am 12.01.2016 erschien ein Film über eine Legende der chinesischen Mauer in den deutschen Kinos.

Die Söldner William Garin und Pero Tovar sind in Asien auf der Suche nach Schwarzpulver, als sie auf die chinesische Mauer treffen. Diese wird alle 60 Jahren von Tao Ties, reptilienartigen Monstern, angegriffen und bereitet sich gerade auf einen neuen Angriff vor. Beim ersten Angriff beweisen sich William und Pero im Kampf, so dass sie von nun an strategisch mit einbezogen werden.

China zur Zeit der Song-Dynastie. Die chinesische Mauer, das bis heute beeindruckende Bauwerk, ist bereits gebaut. Doch wieso musste sie gebaut werden? Was war so mächtig, dass China sich mit so eine Mauer schützen musste? Es ranken sich viele verschiedene Legenden um das Bauwerk, eine der Legenden soll in The Great Wall erzählt werden.
Gleich zu Beginn lernt der Zuschauer die Söldner um William Garin kennen, die mitten in der Mongolei zunächst auf der Suche nach Schwarzpulver waren, dann jedoch vor den Mongolen flüchten müssen. In einer Nacht suchen die 5 Söldner Schutz in einer Höhle, werden dort aber von einem Monster angegriffen, wobei nur William und Pero Tovar überleben. Als Beweis nehmen sie die abgeschlagene Klaue des getöteten Monsters mit und setzen ihren Weg fort. Dabei werden sie weiter von den Mongolen verfolgt, bis ihre Verfolgung ein jähes Ende findet. William und Pero finden sich vor einer riesigen Mauer wieder, die mit einer Armee voll besetzt ist. Da ihnen der Rückweg durch die Mongolen versperrt ist, lassen sie sich von den Chinesen auf der Mauer gefangen nehmen. Dort werden sie zur Klaue befragt und dann auf der Mauer gefangen gehalten. Doch genau dann findet der erste Angriff der Tao Tei, der Monster, die bereits William und Pero angriffen, statt. Im Kampf können sich William und Pero befreien, doch anstatt zu fliehen, beschließen sie zu helfen. Sie überleben die Schlacht. Doch nun müssen sie sich überlegen, wer sie sind: Wollen sie bleiben oder wollen sie weiterhin nach dem Schwarzpulver suchen, weswegen sie den weitern Weg gekommen sind?
The Great Wall ist vor allem eins: Ein Schmaus für die Augen. Obwohl man dem Film ansieht, dass er zu viel mit CGI gearbeitet hat, können die Bilder trotzdem faszinieren. Auch die verschiedenen bunten Rüstungen der chinesischen Armee sind sehr schön anzusehen, eine brutale Schlacht ist wohl noch nie so bunt inszeniert worden. Dadurch sind die verschiedenen Truppen immer gut zu unterscheiden und der Zuschauer muss nie lange überlegen, wer genau welche Funktion zu übernehmen hat. Die Tao Tei haben dann ebenfalls nochmal eine andere Farbe verpasst bekommen, so dass man sie ebenfalls immer als den Feind identifizieren kann.
Wer sich eine tiefgründige Handlung erwartet, sollte den Film meiden, denn die geschaffene Handlung dient nur dem Zweck die groß inszenierte Schlacht irgendwo zu rechtfertigen. Wer sich allerdings auf Schlachtgetümmel vom feinsten freut, mit immer wieder neuen Kampftechniken und Erfindungen, der wird hier seine Begeisterung finden. Denn hier sind gut durch choreographierte und phantasievolle Schlachtmomente dabei. Unterbrochen werden sie immer durch Kampfpausen, die dann genutzt werden, um die Handlung zu erzählen. So entsteht eine gute Mischung aus Schlacht und Schlachtpause. Die Handlung ist bewusst einfach gehalten und führt doch wie ein roter Faden durch den Film und erklärt ganz genau, warum was während der Schlacht gemacht wird und welche Motive William und … für ihre Handlungen haben. Zwischendrin werden kurz die Themen Habsucht und Treue angesprochen, jedoch nicht so sehr, dass sie alle Dialoge bestimmen.
Während es im ersten Trailer noch bedenken gab, wieso Matt Damon als Amerikaner die Hauptrolle in einem in China spielenden Film bekam, wird dies schnell aufgeklärt, da er ein westlicher Söldner ist, der in China Schwarzpulver sucht. Neben Pedro Pascal ist als dritter westlicher noch Willem Dafoe zu sehen. Ansonsten wird mit einer rein asiatischen Besetzung gearbeitet. Hier sticht vor allem Tian Jing als Kommander Lin heraus.

Alles in allem ist The Great Wall ein Film für alle, die gut inszenierte Schlachten sehen wollen und nichts für jemanden, der eine tiefgründige Handlung braucht. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Passengers

Am 05.01.2017 erschien ein neuer Science Fiction Film in den deutschen Kinos.

Die Avalon ist auf einer 120 Jahre dauernden Reise zu einer neuen Kolonie der Erde. An Bord 500 Passagiere, die ein neues Leben beginnen wollen. Doch nach 30 Jahren kommt es zu einem Zwischenfall, in dessen Folge der Passagier Jim Preston aufwacht, und sich nun ganz alleine zurechtfinden muss. Später erwacht auch Aurora Lane viel zu früh. Beide versuchen nun die Ursache und eine Lösung zu finden.

Der Traum andere Planeten zu besiedeln dürfte bei einigen Menschen groß sein. So wäre dann auch die Entscheidung sich vom Leben auf der Erde abzuwenden und ein neues auf einem weit entfernten neuen Planeten zu beginnen, für diese Menschen sehr einfach. Doch was ist, wenn die Reise zu diesem Planeten 120 Jahre dauert? Wenn man weiß, dass man durch besondere Schlafkammern die Reise zwar mit gleichem Alter überlebt, man nach dem Erwachen aber alle geliebten Menschen spätestens an Altersschwäche verloren hätte? Der Film Passengers befasst sich nicht direkt mit den 5000 Menschen an Bord der Avalon, die genau diese Entscheidung gewählt haben. Aber dafür mit denen, deren Traum platze, da sie nicht einmal auf der Hälfte der Strecke aufwachten.
Jim Preston hat sich für den Schritt entschieden sein alten Leben hinter sích zu lassen und 120 Jahre später ein neues auf einem fremden Planeten zu beginnen. Doch nach 30 Jahren der Reise kommt es zu einem technischen Defekt und er erwacht, 90 Jahre zu früh. Nach einer anfänglichen Desorientierung, fällt ihm schnell auf, dass abgesehen von ihm keiner wach ist. In seiner Verzweiflung versucht er die Besatzung wach zu kriegen, die Tür zu deren Schlafkammern ist aber nicht aufbrechbar. Als einzigen Ansprechpartner hat er Arthur, ein Androide, der als Barkeeper angestellt ist. In den ersten Wochen erkundet Preston noch nach und nach das Schiff und findet gerade im Bereich der ersten Klasse viele Annehmlichkeiten. Doch die Monate vergehen und die Einsamkeit und die Gewissheit, dass er alleine auf diesem Schiff sterben wird, setzen ihm immer mehr zu. Bis eines Tages die Schönheit Aurora Lane ebenfalls erwacht und er eine Gefährtin in seinem Leiden bekommt. Doch mit dem Schiff stimmt etwas nicht, es kommt immer wieder zu technischen Störungen und Ausfällen.
Passengers befasst sich mit dem Thema, wie man mit der Aussicht auf den sicheren Tod in Einsamkeit umgeht. An Bord der Avalon gibt es keine Hilfe, der Notruf zur Zentrale auf der Erde braucht 55 Jahre, ehe mit einer Antwort gerechnet werden kann. Der einzige Ansprechpartner ist ein Androide ohne Gefühle. Man gab sein ganzes Leben für einen Traum auf und nun ist dieser geplatzt. Wie sieht nun der Alltag aus? Fällt man in Depression oder würde man den unvermeidlichen Tod um Jahre vorziehen? Das erste Drittel des Films befasst sich mit genau dieser Frage. Dann ändert sich die Stimmung des Films, nachdem auch Aurora Lane erwachte und beide nun in ihrer Verzweiflung vereint sind. Ab hier wirkt der Film eher wie ein Liebesfilm und die Grundthematik gerät ein wenig sehr in den Hintergrund. Erst gegen Ende ändert sich die Stimmung des Films wieder, nachdem die Fehlermeldungen der Avalon überhand nehmen. Hier entdeckt man die meisten Szenen, die im Trailer verwendet wurden. Das der Trailer daher wieder einmal falsche Erwartungen an den Film schürten, ist damit wohl nicht weiter erwähnenswert. Wenn man sich dafür entscheidet Passengers zu sehen, dann sollte man lieber mit einem Liebesdrama als mit einem spannenden Science Fiction Abenteuer rechnen. Aber wenn man sich auf die Stimmung des Films einlässt, dann kann der Film sehr gut unterhalten und macht Spaß beim Sehen.
Das liegt vorallem daran, dass Chris Pratt als Jim Preston und Jennifer Lawrence als Aurora Lane im miteinander sehr gut harmonieren und ihre Rollen überzeugend darstellen. Michael Sheen als Androide Arthur sorgt für die nötigen Lacher, um die Stimmung etwas aufzuhellen. Lediglich der Auftritt von Laurence Fishbourne ist ziemlich überflüssig und hätte ohne namenhaften Schauspieler gelöst werden können bzw. die Rolle hätte komplett weggelassen werden können.
Trotz großer Liebesgeschichte, die mit seinem Drama den Großteil des Films einnimmt, ist der Film spannend, auch wenn er bis zum Abspann vorhersehbar bleibt. Lediglich mit einer Wendung rechnete man nicht von Anfang an, aber Passengers sieht eher den Weg als das Ziel an.
Die einzige große Enttäuschung des Films ist, dass man aus der Grundthematik etwas wesentlich interessanteres und philosophischeres hätte erschaffen können, statt einer normalen Liebesgeschichte. Beispielsweise hätte man sich mit den Gründen und Gedanken von 5000 Menschen befassen können, die ihr Leben aufgegeben haben für diese Reise. Dies hätte sogar gut in den vorhandenen Film eingebaut werden können.

Alles in allem gerät die Ausgangsthematik durch die Liebesgeschichte ziemlich schnell in den Hintergrund, aber mit der anderen Stimmung schafft Passengers es trotzdem einen sehenswerten Film zu kreieren. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.