Studierst du noch oder lebst du schon?

Meine Tage als Studentin waren kurz und sind auch schon wieder ein paar Jährchen her. Trotzdem fühlte ich mich von dem Buch „Studierst du noch oder lebst du schon?“ direkt angesprochen.

Jeanne möchte ihr Sabbatjahr nutzen, um eine Doktorarbeit zu schreiben. So ist sie außer sich vor Freude, als ihr dieses genehmigt wird. Allerdings erhält sie kein Stipendium. Kein Problem, denkt Jeanne, dann arbeite ich halt nebenbei an der Uni. Doch der Alltag als Doktorantin ist ganz anders, als man ihn sich vorstellt.

Tiphaine Rivière war einst selbst Doktorantin, gab dieses jedoch zu Gunsten einer Karriere als Comic-Zeichnerin auf und berichtet nun von ihren Erfahrungen, die sie während ihres dreijährigen Versuches gemacht hat eine Doktorarbeit zu schreiben.
Jeanne ist von ihren Beruf als Lehrerin total genervt, denn ihre Schüler haben keinen Respekt und sind überhaupt nicht zu bändigen. Also beschließt sie ein dreijähriges Sabbatjahr einzulegen (in Frankreich laut Buch ohne Probleme möglich) und in diesen drei Jahren ihre Doktorarbeit zu schreiben. Schnell wird sie auch als Doktorantin angenommen, leider ohne Stipendium. Also will sie nebenbei an der Uni dozieren. Doch das Schreiben einer Doktorarbeit ist trotzdem kein Zuckerschlecken. Die verschiedensten Probleme werden in dieser Graphic Novel ausführlich dargestellt. Durch viele innere Monologe wird die Nähe zur Protagonistin sehr stark, man fühlt durchgängig mit ihr. Durch viele Schilderungen von Alltagssituationen findet man sein eigenes Studentenleben in einigen wieder, was die Nähe noch mehr verstärkt. Gleichzeitig schildert die Graphic Novel jedoch einen Zeitraum von ca. 5 Jahren auf 179 Seiten. Dadurch gibt es viele Zeitsprünge, die nur leider nur selten gekennzeichnet werden, wodurch man zwischendurch doch den Überblick verliert. Doch der Leser kann den Faden schnell wiederfinden, so dass man das Buch gut in ein paar Stunden durchgelesen hat. Die Bilder sind im ganz eigenen Stil gezeichnet und haben dadurch einen ganz persönlichen Charme. Die Handlungen und Emotionen sind alle passend dargestellt, so dass man zu den Denk- und Sprechblasen gleich die richtige Betonung erkennt. Das Bild/Text-Verhältnis ist passend. Der Text ist gut lesbar und überdeckt das Bild dabei nicht. Wenn einmal mehr Text nötig ist, so wurde das Bildmaterial verringert, aber trotzdem passend um den Text drapiert.
Der einzige Haken am Buch ist der Titel. Denn dieser gibt dem Leser das Gefühl, es handele sich um eine Graphic Novel, die wirklich das Leben eines Studenten unter die Lupe nimmt. Denn zwischen Student und Doktorant ist noch einmal ein himmelweiter Unterschied. Aber vielleicht überrascht uns Autorin Rivière mit einer Fortsetzung.

Alles in allem ist „Studierst du noch oder lebst du schon?“ ein kurzweiliges, aber realistisches Abenteuer in die Abgründe eines Doktorantenlebens.

„Studierst du noch oder lebst du schon?“ wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

German Comic Con Berlin 2016 – meine Erlebnisse

Hallo ihr Lieben,
nach meinen schönen Erfahrungen im letzten Jahr auf der German Comic Con in Dortmund, zog es mich dieses Jahr nicht ganz so weit weg, denn dieses Jahr gab es eine zusätzliche Comic Con in Berlin. Extra für diesen Anlass legte ich mir ein neues Cosplay-Kostüm zu und ging dieses Jahr als Daenerys Targaryen. Meinen Freund hatte ich wieder dabei, er zog sich wieder sein Commander Ryker Kostüm an. Dieses Jahr hatten wir dazu gelernt und waren bereits eine Stunde vor Beginn da, ergatterten so einen guten Parkplatz und einen Platz relativ weit vorne in der Schlange. Allerdings hatte ich den Oktober ein wenig unterschätzt und ließ mich so nur von meinem Mantel wärmen (bei dem Wind fast unmöglich) und bibberte so eine Stunde vor mich hin.

Als sich endlich die Toren öffneten ging das erste Gedränge auch schon los. Glücklicherweise drängte sich die Massenbewegung nach rechts in die zweite Halle, während mein Freund und ich uns wieder von der Masse lösten und nach links in die erste Halle traten. Dort waren wir nun fast alleine (es lebe die Massenbewegung!) und konnten zunächst die Stände der verschiedenen Verlage und Zeichner bewundern. Leider war unser Budget aber wieder für Merchandise verplant, auch wenn einige Bücher echt interessant klangen.

Auch dieses Jahr gab es wieder Panels mit Star Gästen. Dieses Jahr sahen wir uns Famke Janssen, James Marsters, Billie Piper und Christopher Lloyd an. Leider steckt hier mein größter Kritikpunkt der diesjährigen Comic Con. Die Panels fanden diesmal nicht in einem abgetrennten Raum statt, sondern mitten in der zweiten Halle, nur mit ein paar Trennwänden abgeschirmt, weswegen die laute Grundakustik schon sehr störend war. Gleichzeitig wurden die Mikros so leise gedreht, dass sie anscheinend den Rest der Halle nicht stören sollte. Leider war dadurch so gut wie gar nichts von den Panels zu verstehen. Obendrein reichten die Sitzplätze nicht einmal ansatzweise aus, um alle Interessenten zu versorgen und da aus Sicherheitsgründen keine Stehplätze erlaubt waren, gab es mitunter lange Schlangen und man konnte seine Stars teilweise nicht einmal sehen. Wobei das Sehen auch relativ war. Denn bereits im dritten Panel des Tages, gab die Kamera oder die Beamer den Geist auf und so gab es keine große Übertragung auf den Leinwänden mehr und von weiter hinten gab es kein Überblicken der vielen Köpfe. So kann ich nun zwar behaupten bei den oben genannten Panels gewesen zu sein, aber ich kann weder sagen, was dort erzählt wurde, noch habe ich die Stars wirklich gesehen. Das ist sehr sehr schade!

Auch in diesem Jahr gab es wieder eine breite Palette an Cosplayern, auch wenn die Zahl im Gegensatz zu Dortmund stark gesunken ist. Hierzu folgende Beobachtungen:
– die Anzahl an stark aufwändigen Kostümen ist sehr stark gesunken, die meisten wurden eher einfacher gehalten
– nach der Feier von Zurück in die Zukunft im letzten Jahr gab es vermehrt Marty McFly Cosplayer
– der Hype um Suicide Squad hat wieder einmal viele Harley Quinns hervorgebracht, jedoch weniger als befürchtet, die Anzahl der Joker ist stark gesunken (auch wenn es immer noch mehr als genug waren)
– der Hype um Deadpool ist vorbei, es gab nur noch wenige im Deadpool Kostüm
– durch das Star Trek Jubiläum gab es in diesem Jahr viele Kostümierungen in diese Richtung, allerdings abgesehen von einem Spock, einem Klingonen und meinem Freund als Ryker waren die meisten keine spezifischen Charaktere, sondern trugen lediglich die Uniform

Dieses Jahr hab ich auch die Comic Con zum Networken genutzt und so unsere Königin der Blogparaden die singende Lehrerin trotz kleiner Treffpunktschwierigkeiten (wieso gibt es in diesen blöden Messehallen auch nie Handyempfang?) auch mal in natura kennengelernt.

Die Anzahl an Merchandise Ständen war auch diesmal wieder sehr groß und die Auswahl riesig. Wir haben wieder unser ganzes Budget verbraten, aber sind dafür sehr glücklich, wenn auch mit schmerzenden Gliedmaßen nach Hause gefahren. Vielleicht auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr…

Streiflichter aus Amerika

Neulich grübelte ich vor meinem DVD-Regal über eine passende Abendunterhaltung und stieß auf Picknick mit Bären, eine Verfilmung eines Buches von Bill Bryson, und wieder war ich fasziniert von der Geschichte. Ein paar Tage später fiel mein Blick auf meinen SuB (Stapel ungelesener Bücher) in dem sich doch tatsächlich zwei Bücher des Herrn Bryson versteckten. Meine Wahl fiel auf Streiflichter aus Amerika.

Bill Bryson und seine Familie kehren nach einigen Jahren in England in Brysons Heimat die USA zurück. Kurz darauf bittet ein Freund von ihm für seine Zeitung eine Kolummne über die USA zu schreiben. Obwohl Bryson dafür eigentlich keine Zeit hat, schreibt er doch über alles, was ihm in seiner neuenalten Heimat auffällt.

Streiflichter aus Amerika kommt mit dem Untertitel „Die USA für Anfänger und Fortgeschrittene“ daher, was die Erwartung schürt einen humorvollen Guide durch die Eigenheiten der USA zu bekommen gepaart mit nützlichen Tipps für Touristen. Hier wird der Leser jedoch durch Titel und Klappentext in die Irre geführt. Denn die einzelnen Kapitel waren ursprünglich Kolummnen in der Mail on Sunday, eine britische Zeitung. Dies wird jedoch in einem sehr lustigen Vorwort schnell erklärt und so ist man auf die neue Situation von Anfang an eingestellt.
In den Kolummnen schreibt Bryson über praktisch alles. Von der Post, Kino, Motels, Strand, Steuererklärung, die Wunderwelt der Technik, Flughäfen, Bürokratie, Automietung, Sommer, Winter, Universitäten, Drogen, Friseur und Lesereisen, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. In 78 Kapiteln, die je einer Kolummne entsprechen, erzählt Bryson über seinen Alltag, seine Beobachtungen und über alles, was ihn gerade ausregt. Dabei sind manche Kapitel interessanter und spannender als andere, aber im großen und ganzen ist eine so große Mischung an Themen vorhanden, dass für jeden etwas dabei sein dürfte. Leider überwiegt bei vielen Kapiteln das Meckern. Bryson lässt an seinen Landsleuten kaum etwas Gutes. Würde man die Amerikaner nur nach diesem Buch bewerten, dann bewegen sie sich praktisch gar nicht und die Hellsten sind sie auch nicht. Das ist etwas schade, denn gekauft habe ich das Buch bei der Reiseliteratur, aber vorbereitet auf eine Reise in die USA ist man nach diesem Buch nicht. Aber wenn man sich von diesen Erwartungen löst und sich vor Augen führt, dass die Kolummne 1996 geschrieben wurde, dann macht das Lesen Spaß. Ein gutes Buch für zwischendurch mit abgeschlossenen Kapiteln.

Alles in allem schüren Titel und Klappentext falsche Erwartungen und leider überwiegt das Meckern, aber trotzdem macht das Lesen Spaß.

Horrorctober #2: Insidious

Und weiter geht es mit Gruselspaß im Horrorctober. Nachdem ich im letzten Jahr bereits den dritten Teil der Insidious Reihe im Kino sah, habe ich mich nun an den ersten gewagt.

Familie Lambert ist frisch umgezogen, als sie merkwürdige Dinge in ihrem Haus registrieren, wie komische Laute aus dem Babyfon. Diese Dinge häufen sich, nachdem ihr Sohn Dalton von der Dachbodentreppe fällt und im Koma liegt. Auch ein Umzug hilft nicht, denn die Phänomene häufen sich auch im neuen Haus. Also suchen sie sich professionelle Hilfe beim Medium Elise.

Insidious ist ein Film, der wenig auf Schockmomente setzt, dafür umso mehr auf langsam aufsteigende Angst. Man fühlt mit der Familie, die sich hilflos gegenüber der seltsamen Phänomene in ihrem Haus fühlen und gleichzeitig um ihren Sohn trauern, der einfach nicht aus dem Koma erwachen will und bei dem selbst die Ärzte ratlos sind. Die auftretenden Phänomene sind nicht wirklich neu, sondern sehr typisch für Haunted House Filme. Dafür ist die Idee der Astralreise neu und gut umgesetzt. Die Spannung wird im Film langsam aufgebaut und gipfelt in einem packenden Finale, das aber auch in der etwas langsameren Erzählweise des Films gezeigt wird. Dadurch kommt etwas weniger Spannung auf, als in vergleichbaren Filmen, und auch etwas zu wenig, um den Zuschauer wirklich mitzureißen. Dafür entfernt sich Insidious aber vom Horroreinheitsbrei und erzählt eine etwas neuere Geschichte.

Gruselfaktor: 2/5
Handlung: 4/5
Umsetzung: 3/5
Gesamt: 3/5

Bad Moms

Am 22.09.2016 erschien ein Film, der endlich einmal den Müttern gewidmet wurde, in den deutschen Kinos.

Amy hat Ehemann, zwei Kinder, Haus, Hund und Karriere. Doch dies alles unter einen Hut zu bringen, bringt sie beinahe täglich zur Verzweiflung. Eines Tages hat sie die Nase voll und gründet mit zwei weiteren überforderten Müttern die Bad Moms und hören auf zu versuchen perfekt zu sein. Das passt den perfekten Müttern jedoch gar nicht in den Kram.

Jeder, der nicht selbst Mutter ist, dürfte kaum verstehen, wie schwer es ist Kinder und Job unter einen Hut zu kriegen und dabei auch noch das eigene Leben zu genießen. Man möchte den Kindern alles bieten und rund um die Uhr für sie da sein, aber gleichzeitig auch noch das Geld für alles zu verdienen. Zu allem Überdruss wird einem aber auch noch von allen Seiten zugetragen, dass sie perfekt sein müssen, um eine gute Mutter zu sein. Sei es in der Werbung, in Filmen und Serien oder von den perfekten Müttern in Kindergarten und Schule. Mit Bad Moms startet nun endlich ein Film in den Kinos, der die Sorgen und Ängste der Mütter ernst nimmt und diese auf humorvolle Weise beleuchtet.
Wenn man an die Zukunft denkt, dann gehört meistens ein Haus, ein Mann, Kinder und natürlich der Hund dazu. Meistens wird dies auch gerne gegen eine Karriere ausgetauscht, manchmal soll auch beides verbunden werden. Genauso ist es bei Amy. Sie hat ein Haus, ist verheiratet, hat zwei Kinder, einen Hund und auch eine Karriere. Und um alles zu kombinieren eine Menge Stress und nie Zeit für sich. So eilt sie permanent vom Job zu Schule, um ihre Kinder immer rechtzeitig zu ihren Freizeitaktivitäten zu bringen. Doch als sie bemerkt, dass ihr Mann sie online betrügt, ändert sich ihre Einstellung gewaltig. Sie wirft ihren Mann raus und gründet zusammen mit zwei anderen überforderten Müttern die Bad Moms. Was zunächst eine totale Erleichterung des Alltags zu sein scheint, dreht sich langsam zu einer Katastrophe, als die perfekten Mütter davon Wind bekommen und dagegen angehen.
Wie weit geht die Verantwortung einer Mutter perfekt sein zu müssen? Mit dieser Frage geht Bad Moms respektvoll um und schafft es dennoch mit gekonntem Witz eine Komödie zu erschaffen. Die einzelnen Aspekte im Leben einer Mutter werden realitätsnah aufgegriffen und auch die verschiedenen Muttertypen werden vorgestellt. Von der reichen Gattin mit den perfekten Kindern, zur überforderten alleinerziehenden Mutter, die viel zu wenig Zeit mit ihrem Kind verbringt sind alle Stereotypen dabei. Alle diese Typen werden mit positiven und negativen Eigenschaften dargestellt, so dass hier keine Mutter als Idealtyp, aber auch keine als abschreckendes Beispiel fungieren muss.
Bereits im Trailer wurde mit „Von den Machern der Hangover Reihe“ geworben. Hier könnte man denken, dass Bad Moms mit ebenso derben Humor daher kommt, doch das ist nicht der Fall. Denn der Humor in Bad Moms ist wohldosiert, gut durchdacht und verzichtet, bis auf ein paar Ausnahmen, gänzlich auf Witze unter der Gürtellinie. Dadurch wird es zu einem Spaß für mehrere Altersgruppen. Die Schauspieler sind passend ausgewählt und spielen ihre Sache sehr souverän. Spannung wird während des Films erzeugt und auch bis zum Ende ausrecht erhalten, ist aber nicht der Kernpunkt des Films.

Alles in allem endlich ein gelungener Film für die Mütter. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Captain Fanstastic – Einmal Wildnis und zurück

Am 18.08.2016 erschien ein Film über eine Familie, die in der Wildnis lebt, in den deutschen Kinos.

Ben lebt mit seinen sechs Kindern in der Wildnis, fernab der Zivilisation. Die Mutter ist derzeit aufgrund einer bipolaren Störung in einer Klinik. Die Kinder wachsen mit Jagen, Überlebenstraining, strengem Privatunterricht und Musik auf. Doch nachdem die Mutter sich das Leben nahm, wollen sie zur Beerdigung fahren. Dafür müssen sie wieder in die Zivilisation.

Captain Fantastic ist kein Film über einen großen Superhelden, wie der Titel vielleicht vermuten lässt. Es ist ein Film, in dem irgendwo versteckte Systemkritik schlummert, die aber nicht primär im Vordergrund steht. Stattdessen ist das Grundszenario zwar ein Entkommen der digitalen Welt, aber der Film kommt trotzdem zunächst als einfacher Road-Movie daher.
Der Zuschauer lernt zunächst Ben und seine sechs Kinder kennen. Sie haben sich nahezu komplett von jeder Zivilisation zurückgezogen und leben in tiefster Wildnis. Hier lehrt Ben seinen Kindern jagen und Überleben in der Wildnis, dazu gehören auch viele Sporteinheiten, aber er lehrt ist auch ihr Lehrer für alle schulischen Sachen. Die Kinder sind größtenteils glücklich mit ihrem Leben, nur Rellian, einer der Söhne, wünscht sich ein normaleres Leben. Ihr Leben wird aus dem Gleichgewicht gebracht, als die Mutter Selbstmord begeht. Diese ist bereits zu Beginn des Films in einer psychiatrischen Klinik, um ihre bipolare Störung zu behandeln. Die Mutter war strenge Buddhistin und hat daher verfügt, dass sie verbrannt und die Asche in einer öffentlichen Toilette heruntergespült wird. Nur hat ihr Vater als strenger Christ beschlossen, dies zu ignorieren und eine normale Beerdigung zu organisieren. Um dies zu verhindern, beschließen Ben und seine Kinder zurück in die Zivilisation zu fahren, um die Beerdigung zu verhindern. Dort müssen gerade die Kinder feststellen, dass sie sich sehr stark von allen anderen unterscheiden und Ben muss überdenken, ob seine Erziehungsmethoden wirklich in allen Bereichen gut ist.
Captain Fantastic zeigt zwei verschiedene Welten auf und zeigt beide in ihren absoluten Extremen. Es gibt einmal die Welt der „normalen“ Zivilisation, in diesem Film repräsentiert durch Bens Schwester Harper und ihre Familie. Sie leben in einem schönen Haus und die Kinder haben technisch gesehen eine große Ausstattung. Diese nutzen sie jedoch auch die meiste Zeit über und konzentrieren sich wenig auf soziale Kontakte und ihre Bildung. Die Eltern lassen den Kindern viel durchgehen und nehmen wenig Anteil am Tun der Kinder. Als Gegenbeispiel werden Ben und seine Kinder gezeigt. Die Kinder werden unter strengen Hand erzogen, leben ohne jeglichen technischen Fortschritt und lernen schon in jüngstem Alter mehr als an jeder Schule. Abgesehen von der eigenen Familie haben sie keine sozialen Kontakte, können aber jagen und die Bill of Rights auswendig aufsagen. Durch die Gegenüberstellung werden beide Extreme dargestellt und die Nachteile herausgearbeitet. Dadurch kommt eine gewisse Systemkritik auf, die aber nicht konsequent genutzt wurde. Stattdessen wurde ein Road Movie konzipiert, der daran krankt lediglich Andeutungen statt Aussagen zu machen. Durch Bens sehr abstruse Vorstellungen eines guten Lebens für seine Kinder ist keinerlei Identifikation mit den Charakteren möglich. Dadurch geht jedoch auch die Spannung verloren, denn der Ausgang der Geschichte ist keine Überraschung. Der Film soll einem gute Laune vermitteln durch das befreite Lebensgefühl von Ben und seinen Kindern. Doch gibt es viele Spannungen innerhalb der Familie, dass auch dies nicht aufkommen kann. So setzt der Film an vielen Stellen an und kann doch keine der Versuche erfüllen.

Alles in allem versucht der Film mehr zu sein, als er ist und selbst was er ist, setzt er nicht gut um. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Mängelexemplar

Willkommen in der Cinemathek, heute mit „Mängelexemplar“. Der Film lief am 12.05.2016 in den deutschen Kinos an.

Karo verliert erst ihren Job, dann ihren Freund und verliert sich dann in einer Depression. Ihre beste Freundin möchte nichts mehr mit ihr zu tun haben und auch ihre Familie ist nicht gerade intakt. Aber wie kommt man aus diesem Kreislauf wieder heraus?

Depressionen sind eine psychische Störung, über die noch immer sehr wenig bekannt ist und deren Symptome meist sehr spät erkannt werden. Studien nach ist die Verbreitung nicht klar einzugrenzen, da sie weltweit auftritt, in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern. Der Film Mängelexemplar befasst sich mit Karo. Karo ist ein Beispiel von vielen und zeigt mögliche Ursachen und mögliche Lösungswege. Karo war noch nie ein sehr fröhlicher Mensch und leidet unter der Scheidung ihrer Eltern, die ihre Mutter in eine Depression stürzte. Daher ist sie zum großen Teil bei ihren Großeltern aufgewachsen, doch inzwischen ist ihr Großvater verstorben. Durch ihre negative Art verliert sie am Anfang des Films erst ihren Job, vergrault durch die daraus resultierende schlechte Laune erst ihre beste Freundin und dann ihren Freund. Dadurch stürzt sie immer mehr in ein Tief und sucht Hilfe bei einer Therapeutin. Die rät ihr nicht an sich selbst herumzudoktoren, sondern allem Zeit zu lassen. Leider hält sich Karo da nicht dran und stürzt sich damit selbst in eine Depression. Nun braucht sie wirklich Hilfe.
Mängelexemplar ist ein Film, der versucht Depressionen ein bisschen zu erklären und das jeder versuchen kann aus dem Kreislauf wieder heraus zu kommen. Leider gibt es mit der von grundauf sehr unsympathischen Protagonistin keinerlei Identifizierungspunkt. Dadurch ist immer eine große Kluft zwischen Film und Publikum und kann dadurch auch keine Botschaft herüberbringen. Durch innere Monologe versucht der Film die Gedankenwelt der Protagonistin darzustellen, um ihre Handlungen besser nachvollziehbar zu machen. Leider sind die Gedanken zu kreuz und quer, dass auch dies den Zuschauer nicht näher einbezieht. Die Ursachen der Depression werden zwar gezeigt, aber auch nicht näher erklärt. Beispielsweise gibt es die Möglichkeit der Vererbung eines bestimmten Gens, das Depressionen auslösen kann. Da die Mutter bereits Depressionen hatte, wäre das eine Möglichkeit. Aber auf Details wird im Film an keiner Stelle eingegangen, was besonders schade ist. So wirkt der Film sehr überflüssig und auch die Thematik selbst hat keine Bedeutung. Da die Identifizierung mit der Protagonistin fehlt, kann auch keine Spannung im Film aufgebaut werden. Es ist dem Zuschauer einfach egal, ob Karo geheilt wird und ob sie ihr Leben auf die Reihe bekommt.

Alles in allem ist Mängelexemplar ein Film, der die richtige Intention hat, diese aber nicht umsetzen kann. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

SMS für dich

Am 15.09.2016 erschien eine traurig schöne deutsche Romanze in den deutschen Kinos.

Vor zwei Jahren verlor Clara ihren Verlobten Ben bei einem Verkehrsunfall. Noch immer ist sie nicht über diesen Verlust hinweg und schreibt in ihrer Einsamkeit SMS an Bens alte Handynummer. Nur leider ist diese inzwischen neu vergeben und landet bei Sportjournalist Mark. Die sehnsüchtigen SMS berühren Mark so sehr, dass er Clara unbedingt kennenlernen muss.

Caroline Herfurth dürfte den meisten spätestens seit Fack ju Göhte ein Begriff sein. Nun versuchte sie sich das erste Mal auch als Regisseurin und übernimmt auch gleich noch die Hauptrolle der Clara. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Sofie Cramer.
Clara Sommerfeld ist Zeichnerin und brachte mehrere Bildbände des Kinderbuches „Die kleine Raupe Rieke“ heraus. Doch als ihr Verlobter Ben vor ihren Augen bei einem Verkehrsunfall stirbt, bricht ihre ganze Welt zusammen. Zunächst versuch sie sich vor der ganzen Welt zu verstecken und zieht zu ihren Eltern und versucht dort ihre Trauer zu überwinden und einen weiteren Bildband zu zeichnen. Doch auch nach zwei Jahren schafft sie es immer noch nicht eine glückliche Raupe zu zeichnen. Trotzdem beschließt sie aus der Abgeschiedenheit des Elternhauses auszubrechen und sich wieder mit der Großstadt Berlin auseinander zu setzen. Sie zieht wieder in eine WG mit ihrer guten Freundin Katja, die nun versucht Clara aus ihrem Kokon zu holen. Ihr Allheilmittel sind neue Dates. Doch Clara tut sich schwer mit der Idee. Beim Auspacken ihrer Sachen entdeckt sie ihr altes Handy und versucht ihren Kummer zu vertreiben, in dem sie SMS an Bens alte Nummer schreibt. Nicht ahnend, dass die Nummer bereits neu vergeben wurde. Mark, der neue Besitzer, kann sich nicht so richtig in der Beziehung mit seiner Freundin Fiona finden. Doch die SMS von Clara verändern etwas in ihm und er möchte unbedingt den Absender kennenlernen.
SMS für dich hat keine Handlung mit besonders vielen Überraschungen. Nachdem das Anfangsszenario geklärt war, war relativ schnell klar, wie der Film weitergehen und enden würde. SMS für dich hat aber dafür mehr Gefühl, romantische und tieftraurige Momente als jede vergleichbare Romanze. Der Film berührt den Zuschauer gerade durch die einfach gehaltene Handlung und sorgt für schöne Dialoge. Hier wird der Zuschauer gleichzeitig romantisch verzaubert und zu Tränen gerührt. Alle Charaktere sind mit verschiedenen positiven und negativen Eigenschaften gekennzeichnet und können so direkt aus dem realen Leben entspringen. Gleichzeitig sind sie auch alle sehr verschieden, so dass für jeden ein Charakter zum identifizieren da ist.
Die Idee jemanden durch SMS an den verstorbenen Verlobten kennenzulernen ist auch einmal Neu und so noch nicht gesehen. Dadurch reduziert sich der Film nicht nur auf die Liebesgeschichte, sondern zeigt auch den Umgang mit Trauer und deren Bewältigung. Auch wird der Weg Claras zurück ins Leben gezeigt, zurück zu ihren Freunden, zurück in ihren Beruf und wie man wieder Lebensfreude empfinden kann. Der einzige etwas unpassende Faktor im Film ist Katja Riemanns Rolle als Schlagerstar Henriette Boot. Zwar hat ihre Rolle ihre Daseins Berechtigung für die Handlung, doch ist sie etwas zu schrill und bunt geraten und stört so die Dynamik des Films.

Alles in allem ein runder Film, der sowohl berühren als auch zu Tränen rühren kann. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Horrorctober #1: 22 ways to die

Der Horroroctober ist angelaufen und passend dazu hat sich das Wetter verschlechtert. An so einem grauen verregneten Tag macht es auch viel mehr Spaß sich unter die Decke zu kuscheln und einen Horrorfilm zu gucken, als wenn draußen noch immer die Sonne locken würde.

26 Regisseure bekommen einen Buchstaben des Alphabets und sollten daraus eine kurze Horrorepisode drehen. Die Themen waren frei wählbar und es gibt keinen roten Faden, der die Episoden verbindet. Aber jedes Thema steht für eine andere Art zu sterben.

Ich sehe praktisch die Fragezeichen in euren Gesichtern. Wieso heißt der Film „22 ways to die“, wenn doch das Alphabet 26 Buchstaben hat? Das liegt daran, dass 4 Episoden aus der deutschen Fassung komplett gestrichen wurden, die im Original „The ABCs of Death“ noch aufgeführt waren.
Nach der Beschreibung dachte ich, dass man mit einem Episodenfilm eigentlich nichts falsch machen kann und vielleicht noch ein bisschen Abwechslung in meine Liste bringt. Leider enttäucht der Film auf ganzer Linie, denn jede Episode ist abstruser als die andere. Dabei kamen so viele Trashsequenzen zusammen, die auch noch in keiner Sekunde gruselig oder horrormäßig sind, dass man den Film spätestens ab dem Buchstaben F ausschalten möchte. Die Episodenideen sind zwar mitunter sehr kreativ, aber auch so abgedreht, dass „22 ways to die“ ein Film ist, den ich gerne für immer aus meinem Gedächtnis löschen möchte.

Gruselfaktor: 0/5
Handlung: 1/5
Umsetzung: 0/5
Gesamt: 0/5

Verpasst im September 2016

Hallo ihr Lieben,
der September dieses Jahr war schon etwas seltsam. So oft habe ich meine Sommersachen noch nie aus dem Schrank gekramt, wie in diesem September. Erst war es wieder 30°C, dann auf einmal wieder unter 20°C und dann kam die nächste Hitzewelle. Abgesehen vom Wetter war der September auch voller Filme unterschiedlicher Genres. Das Sommerloch wurde eindeutig wieder aufgeholt. Ich habe 8 reguläre Filme gesehen, plus Montags die Cinemathek, und trotzdem noch einige Filme verpasst.

1) The Light between Oceans: Mit Michael Fassbender und Alicia Vikander ist dieses Drama mit zwei sehr starken Schauspielern besetzt und das allein ist schon Grund genug diesen Film auf meiner Liste zu behalten.

2) My first lady: Die Geschichte, wie sich Barack und Michelle Obama kennenlernten. Mich interessieren weniger die Personen an sich, als das ich vom Film eine schöne Romanze erwarte. Auch diesen Film hol ich noch nach.

3) Findet Dorie: Die Fortsetzung von Findet Nemo brauchte 13 Jahre, aber nun ist sie im Kino angelaufen. Auch der Film wird definitiv noch nachgeholt.

4) Mit dem Herz durch die Wand: Was passiert, wenn man alles hört, was in der Wohnung neben an passiert, aber sich nicht beschweren kann, weil die andere Wohnung nicht einmal im selben Bezirk liegt? Hier soll Romantik entstehen und das werd ich auch noch erfahren!