John Wick 3 – Parabellum

Ein Vorwort

2015 kam der erste Teil der damals noch nicht geplanten Reihe in die Kinos. Actionfans waren begeistert. Der Hintergrund: Keanu Reeves trainierte vorab monatelang, um in den Kampfszenen auch bestehen zu können, weswegen ein sehr gut choreographierter Actionfilm entstand. Regisseur Chad Stahelski trainierte mit Reeves bereits für The Matrix, damals noch als Stuntkoordinator. Und genau das merkte der Zuschauer auch und der Film entwickelte sich zum Erfolg. So kam 2017 der zweite Teil in die Kinos. Während schon im ersten Teil die Handlung einfach gehalten wurde, wurde nun leider ein Szenario geschaffen, dass nur noch dazuführen sollte, dass dieser dritte Teil gedreht werden könnte. Und so hieß es diesmal Parabellum.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

John Wick ist aus dem Auftragskillergeschäft der Liebe wegen ausgestiegen. Nach dem Tod seiner Frau bekommt er ein letztes Geschenk von ihr, einen Welpen. Nachdem dieser nach einem Überfall getötet wurde, schwört Wick Rache. Leider ist der Mörder der Sohn des russischen Kriminalsydikatsanführers Viggo Tarasov. Wick tötet seinen Sohn, weswegen nun Tarasov Hebel in Bewegung setzt, um Wick zu erledigen. Beim finalen Aufeinertreffen der beiden stirbt Viggo und Wick ist verletzt. Er kann seine Wunden in einer Veterinärklinik versorgen, wo er einen neuen Hund findet.
Nur wenige Tage nach diesen Ereignissen sucht Santino D’Antonio, ein italienischer Mafiosi, Wick auf. Dieser hat eine Schuldmedaille, die besagt, dass Wick D’Antonio einen Gefallen schuldet. Er fordert, dass Wick seine Schwester in Rom ermordet. Durch die Schuldmedaille dazu gezwungen Santino ist nun jedoch der Ansicht seine Schwester rächen zu müssen und setzt ein Kopfgeld auf Wick aus. Dieser wehrt sich. Es kommt zum großen Showdown, an dessen Ende Wick Santino innerhalb der Mauern des Continentals tötet, was ein absoluter Regelverstoß ist. Winston, der Geschäftsführer, gibt Wick als letzten Freundschaftsdienst eine Stunde Zeit, ehe er exkommuniziert wird. Am Ende sieht man Wick mit seinem Hund durch den Park laufen, auf der Flucht.

Die Handlung

Nach seinem Verstoß im Continental ist John Wick auf der Flucht. Verzweifelt klappert er ehemalige Verbündete ab, um nach Marokko zu gelangen. Dort erhofft er sich jemanden zu finden, der seine Exkommunion auflösen kann. Doch erst einmal ist die Jagd eröffnet.

Meine Meinung

John Wick 3 war von Anfang an als reines Actionspektakel aufgebaut. Dass das durchaus funktionieren kann, hat in den letzten Jahren Mad Max: Fury Road gezeigt. Während im ersten John Wick Teil die Actionszenen nicht nur erstklassig choreographiert waren, sondern auch sehr realistisch dargestellt wurden, sprich hier durfte unser Held durchaus mal ein wenig stolpern oder auch nachladen, was nicht oft in Actionfilmen passiert, wurde der Realismus im zweiten Teil immer weiter runtergeschraubt. Die Kampfszenen waren weiterhin erstklassig und auch nachgeladen wurde penibel genau, allerdings bekam Wick gerade gegen Ende so viel Gegenwind, dass er theoretisch irgendwann einfach nicht mehr hätte aufstehen können. Und genau so geht es leider auch weiter. Bereits zu Anfang bekommt Wick eine böse Stichwunde an der Schulter. Diese hindert ihn nach kurzer Verarztung jedoch nicht es mit immer neuen Gegnern aufzunehmen – mal ganz nebenbei verschwindet die Wunde während des Films auch von Zauberhand. Dabei erleidet er immer neue Verletzungen und schwankt zwischendurch auch mal, steht aber immer wieder auf und kämpft kurz danach weiter, als wäre nichts gewesen. Dies wirkt sich jedoch nur geringfügig auf die Spannung aus. Zwar fiebert man kaum mit dem Helden mit, weil man sich sehr sicher ist, dass er sich aus jeder Situation befreien kann, andererseits sind die Kampfszenen so gut einstudiert und durchdacht, dass man dort immer wieder etwas Neues entdeckt. So gibt es gerade am Anfang mehrere Kämpfe hintereinander. Diese sind jedoch allesamt anders, mit anderem Setting, anderen Kampfstilen und neuen Ideen, dass auch jeder Kampf wirklich neu wirkt. Man kann über den Film also sagen, was man will. Action kann er, ohne irgendwelche übertriebenen Stunts (looking at you Tom Cruise) einzubauen.
Was John Wick 3 nicht kann, ist eine durchgehende Handlung zu erzählen. So wirken die einzelnen Elemente sehr episodenartig, die Settings wechseln regelmäßig, Freund und Feind geben sich die Klinke in die Hand. Leider ist die Handlung auch sehr sprunghaft. Stränge die mit großem Aufwand aufgebaut wurden, werden einfach fallengelassen, damit ein neuer dann passenderer Strang genommen werden kann, der dann jedoch auch wieder liegen gelassen wird. Wenn die Handlung wirklich nur den Zweck hat die einzelnen Kampfsequenzen aufzubauen, kann man das durchaus tolerieren, dem Film schadet es nur bedingt. Wenn man jedoch auf eine sinnvolle Handlung hofft, ist man im falschen Film.
Schauspielerisch ist auch der dritte Teil wieder top besetzt. Keanu Reeves mimt seinen John Wick weiterhin mit stoischer Miene, Ian McShade versprüht seinen strengen Charme und sorgt zusammen mit Lance Reddick für die wenigen witzigen Momente, die die Atmosphäre durchaus ein wenig auflockern.

Das Fazit

John Wick 3 ist zwar wieder eine deutliche Verbesserung zum zweiten Teil, kann aber noch immer nicht an den ersten heranreichen. Zwar sind die Actionszenen erstklassig und Actionsfans kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten, dennoch ist die Geschichte nun auserzählt. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Rückblick auf den Mai

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Und schon wieder ist einige Zeit vergangen, ohne dass ihr von mir gehört habt. Ihr könnt es euch sicher denken, ja, ich war mal wieder im Urlaub… Diesmal habe ich es aber nicht einmal mehr geschafft vorab eine Urlaubsankündigung zu posten, weil ich natürlich mit allem sehr knapp dran war. Für die neugierigen unter euch: Ich war auf Kreuzfahrt auf der Ostsee. Links seht ihr noch schnell ein Foto vom Katharinenpalast in St. Petersburg, ehe es dann auch schon mit meinem Monatsrückblick weitergeht, der erstaunlich enttäuschend ausfällt. Ich habe keine Ahnung, was genau ich gemacht habe, aber anscheinen tatsächlich kaum Medien konsumiert…

Neulich in der Sneak

Das Ende der Wahrheit: Ein deutscher Film, der sich mit einer fiktiven Intrige beim BND auseinander setzt, erzählt das Thema leider völlig am Zuschauer vorbei und ist so ziemlich langweilig.

Kursk: Ein Film über den Untergang der Kursk, einem russischen U-Boot, im Jahr 2000. Trotz vieler guter Stränge und Darsteller, schafft er es nicht aus dem bekannten vorhersehbarem Schema auszubrechen.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Ich habe es im Mai tatsächlich nur zweimal regulär ins Kino geschafft. Das ist ein neuer Tiefpunkt. Aber ich gelobe Besserung, um euch auch weiterhin mit vielen Filmkritiken zu versorgen 🙂

Detektiv Pikatchu: Eine Kriminalgeschichte in einer Welt, in der Menschen und Pokemon Seite an Seite leben. Der Film lebt ungemein von Ryan Reynolds Synchronstimme in Kombination mit dem süßen Pikatchu, erzählt letztendlich nichts, was das Rad neu erfindet, aber doch auf eine schöne Art, die einem gleichermaßen zum träumen und schmunzeln bringt.

John Wick 3 – Parabellum: Für alle, die von sehr gut einstudierten Kampfchoreographien nicht genug bekommen können und denen die Handlung letztendlich egal ist, ist dieser Film genau richtig. Wobei gerade Ian McShane noch versucht ein bisschen Charme zu versprühen.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Unicorne Store: Brie Larsons Regiedebüt überzeugt mit ihr und ihrem ungestümen Tatendrang als Netflix Original. Zeitgleich holt sie sich Samuel L. Jackson mit ins Boot, um eine etwas außergewöhnliche Geschichte zu erzählen, wo man am Ende noch so ein bisschen den Sinn hinterfragt. Ein Film für alle Träumer da draußen.

Vielmachglas: Jella Haase dürfte den meisten als Chantal aus den Fack ju Göhte Filmen bekannt sein. Um aus diesem Vorurteil auszubrechen, tut Frau Haase echt viel. Unter anderem quer durch Deutschland trampen, in diesem etwas schrägen Roadmovie, der leider nie so richtig in Fahrt kommt und nur vom Charme der Protagonistin lebt.

Lion – der lange Weg nach Hause: Die unglaubliche Geschichte eines Jungen, der in Indien in den falschen Zug stieg, von Australiern adoptiert wurde und nach vielen Jahren durch Google Earth seine Heimat sucht. Eine berührende Geschichte, die zurecht vor ein paar Jahren oscarnominiert war.

Mollys Game: Jessica Chastain als Ausrichterin exclusiver Pokerspiele, ehe sie dies einholt. Dies ist ihre Geschichte über den Aufbau der Pokerspiele bis zum abschließendem Gerichtsverfahren. Ein etwas langatmiger Film, der mit Frau Chastain und einem Idris Elba jedoch top besetzt ist.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Fighting with my family: Auch wenn mich Wrestling herzlich wenig interessiert, sah die Geschichte doch interessant aus.

The sun is also a star: Was wäre, wenn du deinen Traummann findest, aber am nächsten Tag abgeschoben wirst? Genau damit befasst sich dieser laut Trailer sehr süße Film.

Aladdin: Ob man Disneys Realfilmwahnsinn weiterhin mitmachen muss, sei nun mal dahingestellt, jedoch wüsste ich schon gerne, ob Will Smith nun als Genie funktioniert oder nicht.

Serien – ein kurzer Überblick

Im Mai lief bei mir die zweite Staffel Seinfeld, die erneut zwar schon unterhaltsam war, jedoch weiterhin nicht, wie die beste Sitcom jemals. Außerdem waren bei mir wieder Comedians auf Kaffeefahrt in der zweiten Staffel Comedians in Cars getting coffee. Natürlich lief auch bei mir die achte und finale Staffel Game of Thrones, die durchaus zu enttäuschen wusste. Zu guter Letzt habe ich endlich die zweite Staffel von American Gods gesehen, die mich immer noch ein bisschen ratlos zurücklässt.

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 5
Seiten gesamt: 1651
Seiten pro Tag: 53 im Durchschnitt
Reclam: 1
E-Book: 3
Hörbuch: 1

Wer will schon einen Rockstar / Rockstars bleiben nicht für immer / Rockstars küsst man nicht

Nach Kein Rockstar für eine Nacht, habe ich nun auch die drei Folgebände von Autorin Kylie Scott verschlungen. Hier ging es nun um die anderen Bandmitglieder, die natürlich auch ein Anrecht auf ihr Glück hatten. Mir hat die Reihe sehr gut gefallen, weil ich eigentlich fast alle Charaktere sehr mochte, auch wenn manche vielleicht ein bisschen mehr.

Das Bildnis des Dorian Gray: Wieder ein Buch von meiner Schandliste der Klassiker gestrichen. Wobei hier Mr. Wilde bei seinem einzigen Roman eindeutig übertrieben hat, was die Länge angeht, weswegen es ein sehr langwieriges Buch ist, auch wenn zwischendurch durchaus interessante Charakterstudien eingeflochten wurden.

Erhebung: Dieser Kurzroman von Stephen King lies ich mir diesmal in Hörbuchform vorlesen. Eine schöne Geschichte über einen Mann, der immer leichter wird und bis er sich nicht mehr auf der Welt halten kann, zumindest noch eine Sache in Ordnung bringen will. Ein typischer King, nur eben diesmal tatsächlich auf 144 Seiten.

Neulich in der Sneak: Kursk

Ein Vorwort

Im Jahr 2000 verlor Russland eines ihrer Atom-U-Boote, die Kursk. Während sich meine Kollegin sofort an den Namen erinnern konnte, als ich ihr von dem Film erzählte, sagte mir der Name tatsächlich gar nicht – ich war 2000 eben doch noch in einem Alter, wo Nachrichten überhaupt nicht interessierten. Doch auch mein Lebensgefährte, der mit mir im Kino saß, konnte sich schnell an den Namen erinnern. Und leider auch, wie die Geschichte ausging, was er mir sofort erzählen musste. Ob Kursk trotzdem Spannung aufbauen kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Der russische Kapitänleutnant Mikhail Averin (Matthias Schoenaerts) nimmt mit seiner Crew an einem Manöver der Nordflotte teil. Mit dabei haben sie einen neuen Torpedo, den sie stark unter Beobachtung halten müssen. Als dieser jedoch sehr schnell überhitzt, kommt es zu einer großen Explosion, die die Kursk sinken lässt. Nach einer zweiten Explosion warten noch gut zwei Dutzend Überlebende auf die Rettung. Doch Russland hat Probleme ihre Männer selbst zu retten und lehnt internationale Hilfe strikt ab.

Meine Meinung

Mit Matthias Schoenaerts hat Kursk einen charismatischen Schauspieler, der zuletzt in Produktionen, wie The Danish Girl oder Suite Francaise durch seine markanten Gesichtszüge auffiel. Leider hat er sich für mich mit genau diesen Produktionen in die Rolle des tragischen Helden manövriert, so dass er mir auch in Kursk wenig neue Facetten zeigte, bzw. mir von vornherein klar war, worauf die Rolle hinsteuerte. Etwas überraschter war ich einen Matthias Schweighöfer in dieser Produktion vorzufinden, der aber auch mit allgemeinem Gestöhne wahrgenommen wurde – er taugt halt nicht besonders als Charakterschauspieler. Dennoch kann Kursk durchaus mit einem respektablen Cast punkten, geben sich hier doch Schauspielgrößen, wie Colin Firth (The King’s Speech), Peter Simonischek (Toni Erdmann) und Max von Sydow (Minority Report) die Klinke in die Hand.
So sieht das Grundszenario aus, die Männer der Kursk feiern kurz vorm Auslaufen noch Ausgiebig Hochzeit, nach russischer Manier natürlich mit sehr viel Wodka. Doch damit hält sich der Film wenig auf und schon geht es auf große Fahrt. Auch ohne den Hinweis zu meiner rechten über den Ausgang der Tragödie, merkt man schnell, dass die geplante Fahrt nicht gut ausgehen kann. Und genau so kommt es auch. Nun fährt der Film dreigleisig. Zum einen geht es um die Überlebenden Männer auf der Kursk, die verzweifelt versuchen den Sauerstoff zu sichern, den Wasserfluss zu stoppen und gleichzeitig auch noch nicht zu erfrieren. Dann geht es um die Rettungsmaßnahmen. Die werden zum einen aus russischer Sicht präsentiert. Hier sieht man General Gruzinsky verzweifelt mit mangelhaften Mitteln Rettungsmissionen planen. Dem gegenüber steht eine bestens ausgestattete Royal Navy und die norwegische Flotte, die sich schnell zusammengetan haben, um Hilfe anzubieten. Diese Hilfe wird jedoch von russischer Seite abgelehnt. Als dritte Handlungsposition gibt es noch die Frauen und Eltern der Kursk-Besatzung. Diese bekommen lediglich unwichtige Informationen zugespielt und müssen sich mit Hinweisen und Gerüchten zufrieden geben.
Grundsätzlich ist Kursk ein Film, der selbst auf dem beengten Raum eines U-Bootes mit guten Bildern punkten kann. Grundsätzlich ist der Film auch spannend. Man versucht mit den Männern selbst bei bekanntem Ausgang mitzufiebern, man trauert mit den Frauen und man schüttelt den Kopf über die Entscheider an der Oberfläche, die einfach die benötigte Hilfe nicht annehmen. Leider ist der Film verpackt in diesem typischen Tragödienfilm, den man schon einmal zu viel gesehen hat. Er bietet keine neuen Elemente und verliert sich mit einer Spiellänge von 117 Minuten leider einmal zu oft, um wirklich auf den Punkt zu kommen. Da kommen auch keine hochmotivierten Darsteller gegen an. Die Produktion, die ausnahmsweise nicht aus den USA kommt, sondern eine Koproduktion Belgiens, Frankreichs und Norwegens ist, hält sich zu sehr an die typischen Charaktere, der tragische Held tritt hier ebenso auf wie der resignierende General.

Das Fazit

Tragische Geschichte trifft auf viele richtige Ansätze, schafft es aber am Ende nicht sich aus dem bekannten Schema zu befreien und holt so den Zuschauer nicht richtig ab. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Kursk läuft ab dem 11.07.2019 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: Das Ende der Wahrheit

Ein Vorwort

Im Jahr 2013 enthüllte Edward Snowden, dass in den Nachrichtendiensten der USA nicht alles rund läuft und viel vertuscht wird. Nach einem Dokumentationsfilm und einem Spielfilm über das Thema, ist es nun auch in Deutschlands Filmlandschaft angekommen. So entwirft Regisseur Philipp Leinemann ein ähnliches fiktives Szenario aber mit dem Bundesnachrichtendienst. Ob das funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Martin Behrends (Ronald Zehrfeld) ist Zentralasienexperte beim BND. Nachdem kurz hintereinander von ihm gesammelte Informationen durch die USA zum Abschuss eines Terroristen mit Zivilopfern genutzt werden und seine Affäre bei einem Terroranschlag in Deutschland ums Leben kommt, fängt er an zu zweifeln und deckt eine Intrige in den höchsten Rängen des BND auf.

Meine Meinung

Das Ende der Wahrheit ist ein Film, dem man deutlich seine großen Ambitionen und seinen grenzenlosen Willen anmerkt, der aber leider genau daran scheitert. Das beginnt bereits am Anfang. Denn statt uns den Protagonisten und sein Aufgabengebiet genauer zu erklären, wird man zunächst in ein idyllisches Leben im Haus am See gezogen. Das Sinnbild wird schnell klar, doch verpasst der Film dann den Absprung. Denn der krasse Gegensatz, der Alltag beim BND wird dem schnell gegenübergestellt. Doch noch immer weiß man als Zuschauer nicht einmal welcher Name für den Protagonisten nun der richtige ist. Ähnlich bleibt es im weiteren Filmverlauf. Denn Regisseur Leinemann versucht verzweifelt sein großes Mysterium im BND aufzubauen, dass er einfach vergisst, dem Laien überhaupt irgendetwas zu erklären. Und so rennt man von Szene zu Szene und landet schließlich in einer fiktiven Region Afghanistans und ist auf einmal mitten im Kriegsgebiet und weiß eigentlich gar nicht so genau, wieso man dahin wollte.
Das gleiche Problem kristalisiert sich auch bei den Darstellern heraus. Allen merkt man ihren großen Willen und ihre Ambition an aus ihren Charakteren das größtmöglichste herauszukratzen. Aber dabei bleibt es leider auch, denn die Charaktere sind entweder  undurchsichtig und springen mit ihren Sympathien hin und her oder sind so stereotypisch, dass man dem Arschloch sofort ansieht, dass er der „Böse“ sein wird.
Und genau das sind Gründe, weswegen der Film auch einfach nicht spannend wird. Denn der Zuschauer ist von Anfang an raus. Es wird keine Bindung zu einem Charakter aufgebaut und die Handlung selbst kann nicht mitreißen. Relativ kurz vorm Ende soll das noch einmal geändert werden und drei Charaktere werden nach Afghanistan in ein fiktives Randgebiet geflogen, dass sich im Kriegszustand befindet. Natürlich wird der Konvoi sehr schnell angegriffen. Doch auch hier kommt keine Spannung auf, denn zunächst weiß man einfach nicht genau, wieso der Konvoi da lang fahren musste, dann fielen zunächst nur ein paar einzelne Schüsse, wo man sich fragt, wieso die Autos im Kriegsgebiet so schlecht gepanzert sind und schließlich wird es einfach nur noch zu einem unübersichtlichen Geballer, bei dem man sich sowieso sicher ist, wer das überleben wird.
Letztendlich kann nur das Ende an einer einzigen Stelle wirklich überraschen. Das wird aber dann so schnell wieder überspielt, dass es am Ende dann doch keine Bedeutung mehr hat.

Das Fazit

Das Ende der Wahrheit ist zwar hoch ambitioniert, scheitert aber an verwirrender Handlung, stereotypischen Charakteren und langatmiger Erzählweise. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Das Ende der Wahrheit läuft seit dem 09.05.2019 in den deutschen Kinos.

P.S.: Es gab 2015 bereits einen Film von Deniz Villeneuve, der ebenfalls wenig erzählt und man bis zum Ende nicht genau den Sinn hinter den Handlungen versteht, der aber trotzdem funktioniert und mit guten Charakteren und einen hohen Spannungsgrad aufweist. Im Zweifelsfall also einfach „Sicario“ gucken!

Friedhof der Kuscheltiere

Ein Vorwort

Nachdem 2017 der erste Teil der Neuverfilmung von „Es“ in den Kinos wunderbar funktioniert hat, scheint das Stephen King Fieber wieder ausgebrochen zu sein. Zumindest wurde kurz darauf der Dreh von einem ebenfalls sehr erfolgreichem Roman Kings bekanntgegeben. Witzigerweise war Friedhof der Kuscheltiere nach Es auch das zweite Buch, was ich vom Altmeister King gelesen habe. Ob der Film nun auf der Erfolgswelle von Es wirklich mitschwimmen kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Familie Creed zieht aus der Großstadt in den ruhigen Ort Ludlow, wo Vater Louis (Jason Clarke) einen Job im Universitätskrankenhaus erhalten hat. Nach Ankunft stellen sie zwei Sachen fest. Zum einen, dass zu ihrem Grundstück noch ein ziemlich großes Naturarsenal gehört, wo sich unter anderem ein Friedhof für verstorbene Haustiere befindet, und zum anderen, dass die Straße an der das Haus liegt sehr schnell von LKWs befahren wird. Eine große Gefahr für Kater Church.

Meine Meinung

Buchverfilmungen sind immer wieder ein Thema, an dem sich Buchfans und Filmfans zerstreiten. Nun ging es um einen Stephen King Roman, der immerhin gute 750 Seiten umfasst. Das erste Mal stutzig wurde man also bei der Spiellänge von 101 Minuten. Andererseits schreibt King auch sehr ausschweifend und wenn man sich auf das wesentliche konzentriert, könnte durchaus ein spannender Film entstehen. Zunächst bleibt der Film auch nah an der Vorlage und wenn er Änderungen vornimmt – und eine große ist dabei – dann ist das im Interesse des Films und auch die Buchfans können wohl gut damit leben. Allerdings endet die Handlung des Buches nach gut einer Stunde. Alles danach Kommende hat nichts mehr damit zu tun, sondern wird zu einem grotesken Zombiefilm weitergesponnen, der auch für Nicht-Buchvorlagen-Kenner absolut nicht mehr zu begreifen ist. Spätestens das ist auch die Stelle, wo man sich nur noch fragt: „Was ist das und kann das weg?“. Mit einem spannenden Thriller hat das nichts mehr gemeinsam.
Dabei fangen die Probleme schon viel früher an. Zum einen wird hier auf die Charakterisierung verzichtet. Gerade Nachbar Jud, eine große Sympathiefigur im Buch, verkommt zu einer kleinen Nebenrolle, die John Lithgow nicht zum Leben erwecken kann. So schleicht er ab und an ein wenig brummig durchs Bild ohne, dass man den größeren Zweck seiner Rolle erkennt. Auch Mutter Rachel Creed verkommt zu einem nervigen Nebencharakter, bei dem man sich fragt, wieso Louis sie nicht schon längst verlassen hat. Dass ihre Ängste und die Scheu vor dem Tod, mit einer Erfahrung aus ihrer Kindheit zu tun hat, wird zwar erwähnt, aber auch hier dienen gezeigte Rückblenden nur, um einen anderen Charakter wahrlich als Horrorfilm-Monster darzustellen, als wirklich auf die Entwicklung einzugehen, die diese Erfahrungen bewirkt haben.
So schafft es gerade einmal Jason Clarke als Louis Creed überhaupt ein wenig Sympathien auf sich zu ziehen, verliert diese aber auch am Ende wieder völlig, da seine Handlungen nicht sinnvoll erklärt werden. Hier haben sich die Regisseure Kevin Kölsch und Dennis Widmyer eindeutig zu sehr auf die Horrorelemente versucht zu konzentrieren und darüber vergessen sich um die Charaktere zu kümmern. Die wirklich düstere Stimmung kommt jedoch auch nicht auf, weil einzelne Handlungselemente zwar versucht wurden atmosphärisch darzustellen, diese aber zu lose in die Handlung eingebaut wurden, um wirklich im Zusammenhang verstanden zu werden.

Das Fazit

Friedhof der Kuscheltiere ist leider erneut eine Buchverfilmung, die sich zu sehr von der Vorlage wegentwickelt hat und dadurch vergessen hat seine Charaktere vorzustellen und auf ein logisches Ende zuzusteuern. So bleibt einem am Ende ein lachhafter Zombiefilm in Erinnerung, was der Vorlage nicht würdig ist. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Friedhof der Kuscheltiere läuft seit dem 04.04.2019 in den deutschen Kinos.

Der Fall Collini

Ein Vorwort

Elyas M’Barek entwickelt sich immer mehr zum Zugpferd der deutschen Kinolandschaft. Im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen hat er jedoch bewiesen, dass er auch jenseits seiner Klamauk-Erfolgsreihe „Fack ju Göhte“ seine Stärken zeigen kann. So sah man ihn zuletzt in „Dieses bescheuerte Herz“ in einer nachdenklicheren Rolle. Nun versucht er als Junganwalt dies fortzusetzen.

Die Handlung

Der junge Anwalt Leinen (Elyas M’Barek) bekommt eine Pflichtverteidigung, die er zunächst annimmt. Kurz darauf muss er jedoch feststellen, dass er den Mörder seines Ziehvaters verteidigt. Da er das Mandat nicht einfach wieder abgeben kann, versucht er ein schnelles Geständnis zu bekommen. Doch Herr Collini (Franco Nero) schweigt eisern.

Meine Meinung

Der Fall Collini kommt zunächst als einfaches Gerichtsdrama daher. Dabei wird jedoch von Anfang an ein guter Spannungsbogen aufgebaut, da man zwar von vorneherein weiß, dass Collini den Mord begangen hat, aber eben nicht wieso. Hier spielt vor allem auch die Charakterkonstellation eine wichtige Rolle. Denn dem unerfahrenen Junganwalt Leinen steht ein alter Hase im Geschäft gegenüber, der den Fall schon gewonnen sieht und ganz ruhig und routiniert seiner Arbeit nachgeht und über die hibbelige Art des jungen Anwalts nur schmunzeln kann. Dann taucht auch noch der ehemalige Professor Leinens auf, den er in seinen Vorlesungen immer bewundert hat. Dieser vertritt die Familie des Ermordeten, eben jene Familie, mit der Leinen eine unbeschwerte Kindheit verbindet.
Schon allein dieser Umstand macht aus der Fall Collini einen spannenden Film. Jedoch hätte die Spannung wohl nicht über die gesamte Laufzeit von 123 Minuten gehalten werden können. So kommt der große Knall und eine komplette Wendung der Geschehnisse circa in der Mitte des Films. Hier wird der Zuschauer zunächst überrascht, weiß dann nicht genau, was er davon halten soll, bis es schließlich zu einer kompletten Kehrtwende der Sympathien kommt. Hier wird gekonnt mit den Emotionen des Zuschauers gespielt. Unterbrochen wird das ganze Schauspiel eigentlich nur durch eine völlig unnötige Liebesgeschichte, die dann auch sehr schnell im Sand verläuft.
Untermauert wird das Ganze von sehr starken Schauspielleistungen. Allen voran zeigt Elyas M’Barek noch einmal eine neue Seite und dürfte auch den letzten Kritiker nun überzeugt haben, dass er auch ernste Rollen spielen kann. Im Gegenüber steht ein Heiner Lauterbach, der seine Rolle zwischen Härte und Augenzwinkern wunderbar ausbalanciert. Und dann wäre da noch Franco Nero, der als Fabricio Collini noch einmal alle an die Wand spielt. Während des gesamten Films spricht er gerade mal ein paar wenige Sätze und doch schafft er es in seiner eigentlich steifen Miene so viele Gefühle zu zeigen, die sich teilweise nur in Nuancen ausdrücken und doch unfassbar viel aussagen. Im Gegensatz dazu spielt Alexandra Maria Lara ihre Rolle unpointiert, in den falschen Momenten aufbrausend und nichts sagend. Bis zum Ende kennt man ihre Beweggründe nicht, da sie absolut nichts aussagt. Weder durch Dialog noch durch Mimik.
Am Ende hat Der Fall Collini mit einem guten Spannungsbogen gepunktet, auch wenn man nach der großen Wendung in der Mitte des Films so ziemlich erahnen konnte, worauf der Film hinausläuft, und dies mit seinem guten Cast untermauert. Der Film bleibt sich auch hier in seiner Erzählung treu, untermauert seinen Standpunkt und klärt die Frage nach dem Motiv. Danach macht es sich der Film jedoch ein wenig leicht und überspringt einen essentiellen Punkt einer jeden Gerichtsverhandlung. So kann zwar jeder Zuschauer am Ende bei seiner eigenen Meinung bleiben, jedoch fehlt irgendwo die finale Auflösung. Ein kleiner Wehrmutstropfen eines ansonsten starken Films.

Das Fazit

Ein Gerichtsdrama, dass nicht nach dem „Wer“, sondern nach dem „Warum“ fragt und dies spannend erzählt und mit überwiegend guten Darstellern daher kommt. Jedoch fehlt nach der großen Wendung noch einmal das Unvorhergesehene und so gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Der Fall Collini läuft seit dem 18.04.2019 in den deutschen Kinos.

Dumbo

Ein Vorwort

Dass Disney im Realverfilmungs-Remake-Wahnsinn mitten drin steckt, dürfte man spätestens dann gemerkt haben, als für 2019 mit Dumbo, Aladdin und Der König der Löwen gleich drei eben dieser angekündigt wurden. Über die Notwendigkeit mag ich mich nicht erneut auslassen, möchte aber sagen, dass ich die ersten drei Versuche Maleficent, Cinderella und The Jungle Book durchaus noch verteidige, weil sie für mich noch neue Aspekte in die alte Geschichte einbringen konnten. Spätestens bei Die Schöne und das Biest, der bis auf zwei Szenen eine 1:1 Wiedergabe der alten Szenen und Dialoge darstellt, bin auch ich unter die Ablehner dieses Phänomens gegangen. Warum ich Dumbo wieder durchaus positiv fand, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Holt Farrier (Colin Farrell) kommt aus dem zweiten Weltkrieg zurück zum Zirkus der Medici-Brüder, für den er zuvor als Kunstreiter gearbeitet hat. Doch inzwischen ist seine Frau verstorben, die Pferde wurden verkauft und er selbst hat im Krieg einen Arm verloren. Zusammen mit seinen Kindern bekommt er die Aufgabe zugeteilt sich um die Elefanten zu kümmern. Als Elefantendame Mrs. Jumbo ihr Baby gebärt, soll es eigentlich die neuste Attraktion werden, doch sind bei Dumbo die Ohren viel zu groß. Die Kinder Milly und Joe suchen trotzdem nach einem Weg, dass Dumbo für den Zirkus nützlich bleibt.

Meine Meinung

Tim Burton präsentiert sich zurück und zeigt nach seiner Alice im Wunderland Variante erneut, dass er sich mit dem Disneystoff bestens auskennt und diesen auch wunderbar weiterentwickeln kann. Seine Alice im Wunderland gehört noch nicht zur Remake-Reihe, denn er erzählte die Geschichte einer erwachsenen Alice, die Wunderland vergessen hatte. Das misslungene Sequel lassen wir hier mal gekonnt unter den Tisch fallen, war Burton nur noch entfernt damit betraut. Nun durfte er den Dumbostoff bearbeiten.
Die erste große Änderung dürfte gewesen sein, dass in seiner Variante keines der Tiere mehr sprechen kann. Gab es im Animationsfilm noch die Maus Timothy und die Rabenschar, die Dumbo ermuntert haben das Fliegen zu erlernen, sind es hier die Kinder Milly und Joe. So wird der gesamte Fokus auch ein wenig vom Dumbo abgerückt und auch die anderen Zirkusmitglieder bekommen eine Geschichte. Dennoch bleibt der Schwerpunkt auf der Geschichte des kleinen Elefanten mit den großen Ohren.
Die zweite große Änderung Burtons ist der Schwerpunkt der Geschichte. Während der Animationsfilm damit aufhört, dass Dumbo mit Hilfe seiner Feder fliegen lernt, passiert hier das Gleiche bereits nach der Hälfte des Films. Die zweite Hälfte ist demnach komplett neu geschrieben und erzählt die Geschichte weiter. Dabei steht unser kleiner Elefant zwar weiterhin im Mittelpunkt, doch auch die gesamte Geschichte des Zirkus wird weitererzählt und auch auf die Schicksale der Menschen wird eingegangen.
Dabei zeichnet sich vor allem aus, dass die Geschichte bereits spannend war, als man noch ungefähr wusste, was passiert und gleich noch einmal spannender wurde, als man aus dem Bekannten ausstieg. Hier treffen sympathische auf unsympathische Charaktere und Schauspielgrößen, wie Collin Farrell, Dany deVito, Eva Green und Michael Keaton, geben sich die Klinke in die Hand. Das ganze wird mit Burtons unverkennbarer Handschrift überzogen und auch das Animationsteam hat bei Dumbo noch einmal gute Arbeit geleistet.
Die neue Dumbo-Variante ist für mich ein gutes Beispiel, dass bei Disneys Remake-Wahnsinn auch etwas Gutes herauskommen kann. Dennoch fehlt mir letztendlich der zündende Funke, um ihn mehr als einen soliden Film zu sehen. So waren die Charaktere von Eva Green und Michael Keaton doch etwas eindimensional und stereotypisch. Beide sind sehr gut gespielt, aber es fehlt die Entwicklung. Einige Entscheidungen waren zu vorhersehbar und auch das große Finale ist für den zuvor herrschenden  Tenor des Films dann etwas zu gewollt groß geraten.

Das Fazit

Dumbo ist ein positives Beispiel für Disneys Remake-Wahnsinn, denn die Geschichte wird gut weitererzählt und kann mit neuem Blickwinkel und weitergedachter Handlung viel Neues bieten. Leider fehlt der zündende Funke, um aus Dumbo mehr als eine solide Geschichte zu machen. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Dumbo läuft seit dem 28.03.2019 in den deutschen Kinos.

Die Goldfische

Ein Vorwort

Wenn ein deutscher Film ohne die Standartschauspieler in die deutschen Kinos kommt, werde ich ja doch schon mal hellhörig. Der Trailer sah dann zwar nach einer 08/15-Komödie aus, aber mal mit einem neuen Ansatz und eigentlich wollte ich nur ein bisschen was zum Lachen haben. Ob ich das bekommen habe, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Der Portfoliomanager Oliver (Tom Schilling) landet nach einem riskanten Überholungsmanöver und einem daraus resultierenden Unfall mit einer Querschnittslähmung in einer Reha-Klinik. Dort versucht er trotz Rollstuhl sein bisheriges Leben fortzuführen. Auf der Suche nach W-Lan trifft er auf die Behinderten-WG „Die Goldfische“. Nachdem er erfährt, dass sein Schwarzgeld in der Schweiz durch die Finanzbehörde bedroht ist, überredet er die WG zu einer Kamel-Therapie in der Schweiz, damit er auf diesem Weg sein Geld heimlich über die Grenze bringen kann. Doch bei diesem Ausflug geht allerlei schief.

Meine Meinung

Am Anfang eines Films über Behinderte steht meist die Frage, wie realistisch werden die Behinderungen dargestellt und wird damit respektvoll umgegangen. Bei einer Komödie kommt noch die Frage hinzu: Darf man über Behinderte Witze machen? Die Antwort ist für den Film ganz einfach: Ja, darf man, solange respektvoll mit den Behinderungen umgegangen wird.
Und genau das schafft die Goldfische. Denn zunächst wird mit Portfoliomanager Oliver zum einen der Protagonist vorgestellt, aber gleichzeitig auch ein Charakter ohne normale Moralvorstellungen. Für ihn zählt nur Geld und Profit, die Menschen um ihn herum sind ihm scheißegal. Diese Grundeinstellung behält er lange Zeit bei. Doch nach und nach merkt man immer mehr eine Veränderung an ihm. Diese Wendung in der Geschichte ist zwar sehr vorhersehbar, passt aber wunderbar in den Film. Doch gerade am Anfang ist er eben auch ein Charakter, der nicht um Political Correctness bemüht ist. Seine ersten Begegnungen mit der Behinderten-WG sind daher lustig, auch wenn nicht jede Aussage angebracht wäre. Gerade dafür ist ja wieder seine Charakterwendung fast notwendig, um am Ende die Witze auf eine andere Ebene zu heben. Am Anfang ertappt man sich selbst teilweise dabei, wie man bei noch etwas unangebrachteren Witzen lacht, obwohl man sich selbst für toleranter hält. So hält Die Goldfische einem noch einmal geschickt den Spiegel vor.
Gleichzeitig schafft der Film es aber dem Zuschauer das Thema Behinderung und den Umgang damit noch einmal näher zu bringen. Gerade in der Szene, in der die blinde Magda Oliver erklärt, dass sie regelmäßig klauen kann, weil niemand eine Blinde verdächtigt, ertappt man sich selbst dabei, wie man genau das gleiche denkt. Niemand würde es wagen einer Blinden im Supermarkt eine Straftat, wie Diebstahl, zu unterstellen. So hat auch wieder die eigene Toleranz Grenzen.
Über den guten Umgang mit dem Thema Behinderung ist Die Goldfische aber dann doch genau der Klamauk, der im Trailer angekündigt wurde. Und selbst, wenn die Handlung jetzt nicht so bombastisch ist und auch sehr vorhersehbar in der Charakterentwicklung, so macht der Film einfach Spaß. Eine gute Gelegenheit einfach mal das Gehirn abzuschalten und die Gags auch sich wirken zu lassen. Zwar zündet nicht jeder Witz gleich gut, aber der Film weiß eine hohe Gagdichte auf, so dass dies kaum auffällt.

Das Fazit

Die Goldfische ist ein typischer Klamauk-Roadmovie, der gerade dann überzeugt, wenn er sich weit aus dem Fenster lehnt und die Political Correctness ein bisschen außer Acht lässt. Trotzdem wird respektvoll mit dem Thema Behinderung umgegangen. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Die Goldfische läuft seit dem 21.03.2019 in den deutschen Kinos.

Rückblick auf den April

Nach dem vergleichsweise ereignisreichem März, kam der April wesentlich ruhiger daher. So konnte sich mein Medienkosum auch wieder etwas steigern. Hier also nun ohne weitere Ankündigung mein allmonatlicher Rückblick.

Sneak Preview

Greta: Ein Film über eine Stalkerin, die gerne die Mutter der Protagonistin ersetzen würde. Ein Film, der viel Potential hatte und auch gerade im Mittelteil eine bedrohliche Spannung erzeugt, die vor allem von Hupperts Spiel kommt. Dies wird im finalen Teil aber komplett über den Haufen geworfen.

Ein letzter Job: Nach Abgang mit Stil der nächste Heist-Movie mit Michael Caine. Leider sehr langweilig und mit unmotivierten Darstellern und unsympathischen Charakteren. Schon jetzt einer der Flops des Jahres.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Monsieur Claude und seine Töchter 2: Nachdem Monsieur und Madame Claude im ersten Teil ihren Frieden mit ihren Schwiegersöhnen gemacht haben, wollen sie nun mit ihren Töchtern auswandern. Für die Claudes steht fest, dass sie sie von der Schönheit Frankreichs überzeugen müssen. Eine Fortsetzung, die nicht mit dem ersten Teil mithalten kann, viele gute Punkte verfolgt, aber sich doch irgendwo wieder verliert.

Shazam: DC versucht es nach ihren ständigen Misserfolgen nun einmal in einer ganz neuen Richtung. Und es funktioniert. Shazam erzählt eine ausgewogene Geschichte, hat einen nachvollziehbaren Bösewicht, ist spannend und gleichzeitig witzig.

Dumbo: Tim Burton durfte nach seiner Alice im Wunderland Version auch die Realverfilmung von Dumbo übernehmen. Eine gute Entscheidung, denn Burton versucht nicht einen Disneyklassiker stupide nachzuerzählen, sondern erzählt eine altbekannte, aber doch komplett neue Geschichte, in dem er mehr auf den menschlichen Aspekt eingeht und die Geschichte nicht nach dem ersten Flug des Elefants enden lässt. Endlich mal wieder eine sinnvolle Neuverfilmung!

Friedhof der Kuscheltiere: Das man ein Film nicht eins zu eins verfilmen kann, dürfte inzwischen klar sein. Und zunächst wurden hier noch sinnvolle Änderung eingeführt. Wieso man aber ein 600 Seiten Buch in eine Stunde pressen muss, nur um danach noch eine abstruse Weiterdichtung einzufügen, verstehe ich leider nicht. Denn das ganze geht leider auf Kosten der eigentlichen Thematik und der Charaktere.

Der Fall Collini: Ein Gerichtsdrama, das vor allem von einem großartig spielenden Elias M’Barek profitiert. Geschichte und Filmweise lassen dann doch eher Fernsehqualität vermuten, als wirklich für die große Leinwand geschaffen worden zu sein, dennoch schafft es der Film spannend zu bleiben.

The Avengers: Endgame: Der 22. Film des Marvel Cinematic Universe ist die logische Konsequenz aus allen zuvor erschienenden Filmen. In Erzählweise, Charakterentwicklung und Umsetzung gibt es nichts zu bemängeln. Es ist der Film, den die Fans verdient haben.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Bernhard & Bianca: Mein allerliebster Disneyfilm über die beiden Mäuse der Rettungshilfsvereinigung, die ein entführtes Waisenmädchen retten müssen. Nachdem ich erfuhr, dass meine beste Freundin ihn tatsächlich nie gesehen hatte, musste dies schnellstmöglich nachgeholt werden.

Arielle: Und weil ich gerade in Disneylaune war, lief gleich hinterher noch dieser Film.

Prof. Marston and the Wonder Woman: Die Geschichte hinter der Entstehung der Wonder Woman Comics hätte ich mir irgendwie spannender vorgestellt. Aber hier ging es in erster Linie um das komplizierte Beziehungs- und Sexverhältnis von Prof. Marston. Ein ziemlich langatmiger Film.

The 6th Sense: Nachdem ich immer wieder gespoilert wurde und den großen Twist doch immer wieder vergaß, nahm ich mir nun endlich einen weiteren Klassiker der Filmgeschichte vor. Ich bekam eine spannende Geschichte, an der jedoch der Endtwist tatsächlich das bemerkenswerteste ist.

Chihiros Reise ins Zauberland: Und gleich hinten ran, gab es noch einen weiteren Klassiker. Diesen hätte ich mir aus den Erzählungen anderer raus, tatsächlich ganz anders vorgestellt. Dennoch bekam ich eine magische, wenn auch etwas merkwürdige Geschichte.

Amy Schumer – Growing & The Leather Special: Auch in diesem Monat durften zwei Netflix Comedy Specials nicht fehlen. Diesmal mit einer Amy Schumer, die ihren gewohnt deftigen Stil hier gleich zweimal ausleben durfte.

XxX 3 – Die Rückkehr des Xander Cage: Ich habe, glaube ich, schon öfter über mein Guilty Pleasure Triple X Teil 3 erzählt. In diesem Monat kam wieder eine Gelegenheit für einen Rewatch. Handlung ist total stumpfsinnig, Actionscenen zu abgedreht, aber doch mag ich die Charaktere und deren Sprüche. Kurzum ich habe den Film auch jetzt wieder gefeiert.

Hüter des Lichts: Als Revanche für Bernhard und Bianca zeigte mir meine beste Freundin dann einen Animationsfilm, den ich noch nicht gesehen hatte. Die Geschichte über Jack Frost und die anderen Hüter des Lichts fand ich nett erzählt und spannend.

Anna und die Apokalypse: Eigentlich ein Weihnachtsfilm, aber wieso nicht an Ostern gucken? Hier werden die typischen Musicalfilme mit einem Zombiefilm kombiniert. Heraus ist eine lockere Komödie geworden, die mir im Zombiebereich etwas zu konsequent war (aber ich mochte die Charaktere…) und im Musicalbereich etwas zu einfallslos. Denn gefühlt jeder Song klang ähnlich, weil er die gleichen typischen Poprhythmen hatte. Dennoch ein schöner Film.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Hellboy: Ein bisschen hätte mich dieses Reboot gereizt, allerdings zeigen die vernichtenden Kritiken, dass es vielleicht doch keine ganz schlechte Idee war mein Geld zu sparen.

Willkommen im Wunderpark: Ein Animationsfilm eher für die Kleineren und doch konnte mich der Trailer ansprechen.

Tea with the Dames: Eileen Atkins, Judi Dench, Joan Plowright und Maggie Smith geben sich bei einem Teenachmittag die Ehre. Leider nicht in meinem Kino.

Serien – ein kurzer Überblick

Leider hat sich Sky angewöhnt True Detective regelmäßig ins Programm zu nehmen und nach ein paar Tagen wieder rauszunehmen. So habe ich die zweite Staffel zwar sehen können, mir fehlt aber noch immer die zweite Hälfte der letzten Folge. Gerade als sich alles aufklärte… Ansonsten lief bei mir Modern Family mit Staffel 6 und 7 (leider hat Netflix noch nicht mehr im Programm). In Vorbereitung auf die neue Staffel Queer Eye habe ich die zweite noch einmal durchgesuchtet und dann natürlich auch gleich die dritte angehängt. Wie kann eine einzige Serie nur so viel Freude und Hoffnung in ein Leben bringen? Außerdem bin ich mit diversen Comedians und Jerry Seinfeld auf Kaffefahrt gewesen. Denn in „Comedians in Cars getting Coffee“ sucht sich Jerry Seinfeld in jeder Folge einen anderen Oldtimer und Comedian aus, um mit ihm eine Tasse Kaffee (oder mehrere) trinken zu gehen. Eignet sich aktuell gut für Mittagspausen oder Busfahrten zur Arbeit. In diesem Zusammenhang musste ich dann auch prüfen, was hinter der angeblich besten Sitcom steckt und sah mir die erste Staffel Seinfeld an. Nun ja, Beste würde ich nicht unterschreiben, aber sie ist doch ganz amüsant.

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 6
Seiten gesamt: 2744
Seiten pro Tag: 91,5 im Durchschnitt
Gebundene Bücher: 3
Taschenbücher: 1
E-Book: 2

Der Aufstieg und Fall des D.O.D.O.: ist ein Buch, das man selbst erleben muss. Ein solch komplexes, durchdachtes, logisches, gut recherchiertes und doch magisches Buch habe ich noch nie gelesen. Selbst wenn man mit ein paar Wendungen nicht einverstanden ist oder der Schreibstil zwischendurch merkwürdig erscheint, bleibt es im Ganzen doch ein sehr gutes Buch.

Ich bin die Nacht: Nach langer Zeit war mit tatsächlich mal wieder nach einem Thriller. Und hab auch schon wieder die Lust verloren. Denn die Auflösung der ganzen Geschichte war mir schon wieder zu abstrus.

Fee – Schwestern bleiben wir für immer: Ein Buch, das mir kommentarlos von meiner besten Freundin in die Hand gedrückt wurde. Eine Geschichte über Krankheit, Familie, Verlust und Trauer. Eine rührende Geschichte, die mir leider zu auseinandergerissen erzählt wurde.

Dark Wonderlands – Herzkönigin: Im Fantasy-Bereich durfte dieses Buch bereits vor einer ganzen Weile bei mir einziehen. Nun kam ich endlich dazu es zu lesen. Gerade am Anfang mochte ich die Geschichte, die sich mit der dunklen Seite der Alice im Wunderland Geschichte befasst. Doch ab einem gewissen Punkt bin ich aus der Geschichte ausgestiegen und habe einfach nicht mehr reingefunden. Gute Idee, anstrengende Umsetzung, verwirrender Schreibstil.

Feel again: Nach längerem Überlegen habe ich mich doch für den dritten Teil der Again-Reihe von Mona Karsten entschieden. Die Pause war dann auch ganz gut, da mir der negative Teil Sawyers, einem Nebencharakter aus den Büchern zuvor, so nicht mehr so präsent war. So bekam ich zwar eine typische Liebesgeschichte, aber dafür eine schöne. Und der Typ war endlich mal nicht der typische Traumtyp!

Kein Rockstar für eine Nacht: Nach einer durchzechten Nacht in Las Vegas, wacht Evelyn am nächsten Morgen verheiratet mit einem Rockstar auf. Das birgt eine ganze Menge Probleme. Leider hat es mir David Ferris dann auch angetan, weswegen ich diese Liebesgeschichte regelrecht verschlungen habe.

 

 

Neulich in der Sneak: Ein letzter Job

Ein Vorwort

Erst 2017 erschien ein Heist-Movie, der sich mit einem Banküberfall von einer Gruppe Rentnern beschäftigt, in den deutschen Kinos. Auch dort spielte Michael Caine eine Hauptrolle. Abgang mit Stil war noch als Komödie angelegt, scheiterte aber an dieser Prämisse. Erst in der vorletzten Sneak gab sich Robert Redford in seinem letzten Film die Ehre und spielte als Gauner & Gentleman im gleichnamigen Film. Dieser konnte trotz ruhiger Erzählweise überzeugen. Nun versucht Regisseur James Marsh (Die Entdeckung der Unendlichkeit) noch einmal reale Ereignisse über eine Gaunerbande im Rentneralter zu inszenieren, auch hier ist Michael Caine in einer Hauptrolle dabei. Warum dieser Film jedoch floppen wird, verrate ich in meiner Kritik.

Die Handlung

Brian Reader (Michael Caine) hat seiner kranken Frau versprochen keine krummen Dinger mehr zu drehen. Doch nach ihrem Tod findet er keinen Lebenssinn mehr. Da kommt der junge Basil auf ihn zu und erzählt ihm von seinem Plan ein Juweliergeschäft auszurauben. Kurzerhand beschließt Reader aus dem Ruhestand zurückzukehren und die alte Crew zusammen zu trommeln.

Meine Meinung

Regisseur James Marsh fährt mit einem namenhaften Cast auf. Michael Caine (Die Unfassbaren) werden zur Seite gestellt Jim Broadbent (Harry Potter und der Halbblutprinz), Tom Courtenay (Deine Juliet) und Ray Winstone (Departed – unter Feinden). Für die jüngere Generation darf dann noch Charlie Cox (Daredevil) mitspielen. In einer Nebenrolle tritt dann auch noch Sir Michael Gambon auf (Prof. Dumbledore in den Harry Potter Filmen). Bei dieser Kombination dachte man, könne nicht allzu viel schief gehen. Leider ist aber genau das eingetreten.
Das liegt tatsächlich auch in erster Linie an den Darstellern bzw. an den Rollen, die diese spielen müssen. Regelrecht lustlos scheinen die Darsteller hier ans Werk zu gehen und sich um Mimik und Gestik keine Gedanken zu machen. Müsste ich so plumpe und unsympathische Charaktere spielen, wäre meine Motivation jedoch auch nicht höher. Denn während ganz am Anfang noch der Teamgedanke dagewesen war, geht der im Laufe des Films komplett verloren. Es verkommt zu einem zickigen Jeder-gegen-Jeden und jeder fühlt sich durch den anderen betrogen oder hintergangen oder angegriffen. Inwieweit dies auf den „realen Begebenheiten“ beruhen soll, sei mal außen vorgelassen, jedoch ist es dem Film in keiner Weise dienlich. Denn eigentlich hat man schon von Anfang an keine Lust dem Team bei seinem Überfall zuzusehen. Die FBI-Mitarbeiter, die insgesamt vielleicht fünf Minuten Screentime hatten, wurden zu den wirklichen Helden.
In zweiter Linie liegt es an dem Drehbuch. In jedem Heist-Movie ist die Planung ein wichtiger Teil und natürlich der eigentliche Raub. Das beide Teile absolut emotionslos und langweilig dargestellt wurden, so dass der Zuschauer fast einschläft, ist wohl nicht der Plan gewesen. Aber wenn selbst ein Alarm, der losgeht gefühlt minutenlang angestarrt wird, bis mal einer reagiert, dann weiß ich auch nicht, was sich die Macher dabei gedacht haben. Der letzte Teil befasst sich dann mit den Ermittlungen des FBI und dem Verschachern der Beute, bei der ein riesiger Streit zwischen allen Gaunern entfacht. Spätestens hier schaltet auch der letzte Zuschauer ab, den von einem Heist-Movie ist nun gar nichts mehr zu spüren, sondern nur noch von ein paar zickigen alten Männern, deren Streitereien weder in ein Drama, noch in eine Komödie passen, sondern schlichtweg nichts auf einer Kinoleinwand zu suchen haben.
Gibt es denn auch positive Aspekte im Film? Tatsächlich nur einen einzigen. Die Rolle von Sir Michael Gambon ist tatsächlich humorvoll angelegt und wird auch so gespielt. Das hat wenigsten für ein bis zwei erheiternde Momente in einem ansonsten langweiligen Film gesorgt.

Das Fazit

Ein letzter Job ist ein Film, der mit einem langweiligen Drehbuch, unsympathischen Charakteren und unmotivierten Darstellern daherkommt, die alle schon bewiesen haben, es wesentlich besser zu können. Ein Heist-Movie, der so ziemlich alles falsch macht. Dafür gibt es 02 von 10 möglichen Punkten.

Ein letzter Job läuft seit dem 25.04.2019 in den deutschen Kinos.