Ballerina

Ein Vorwort

Heutzutage können erfolgreiche Filme keine Einzelfilme mehr bleiben und erfolgreiche Filmreihen, keine Filmreihen. Aus ersterem werden die Filmreihen und aus diesen dann eben Franchises. So nun auch mit einer der erfolgreichsten Actionfilme der letzten Jahre: John Wick. Nachdem der Versuch einer Serie (The Continental) eher gescheitert ist, gab es nun also den ersten Ablegerfilm. Warum Ballerina aber erstaunlich gut funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Eve Macarro ist eine Ballerina der Ruska Roma, das heißt, dass sie nicht nur im Ballett, sondern auch als Auftragskillerin ausgebildet wurde. Als sie ihre Ausbildung beendet hat, wird eben jene Organisation auf sie aufmerksam, die einst ihren Vater ermordet haben. Entgegen der Direktorin nimmt sie die Verfolgung auf und bringt sich in eine aussichtslose Situation.

Meine Meinung

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, für Ballerina wird kein Vorwissen benötigt. Es ist nützlich zu wissen, wer John Wick ist, aber darüber hinaus versteht man den Film komplett, auch ohne die John Wicks Filme gesehen zu haben. Was übrigens ganz gut ist, da ich John Wick 4 bis heute nicht gesehen habe. 
Während der erste Teil für mich ein rundum gelungener Film war, den ich gern auch wiederholt gesehen habe, war Teil Zwei dann eher eine Enttäuschung. Der dritte Teil hat dann wieder einiges richten können, war mir aber in seiner ganzen Erzählung einfach zu groß geworden. Daher habe ich auch den vierten ausgelassen. Nun kam der Trailer für Ballerina in die Kinos und ich war hin- und hergerissen. Denn er schmückt sich zwar mit dem Namen des neuen Franchises, aber konnte er auch darüber hinaus überzeugen. Und die Antwort ist diesmal eindeutig Ja. Er bedient sich beim Weltenbau an der Welt von John Wick, lässt auch bekannte Charaktere wieder auftauchen, aber darüber hinaus erzählt er eine eigenständige Geschichte.
Die Handlung an sich ist dabei nicht unbedingt super innovativ. Es ist eine klassische Rachegeschichte, aber so begann der erste John Wick auch. Was wir aber direkt bekommen ist eine starke weibliche Protagonistin. Der gesagt wird, dass sie eben auch als Frau kämpfen soll, da ihr Männer stärketechnisch immer überlegen sein werden. Und dabei ist ausnahmsweise mal nicht gemeint, dass sie die verführerische Frau sein soll, sondern ihre Kampftechniken anpassen muss. Also wirklich mal eine vernünftige Aussage und damit genau das, was ich mir seit langem auf der Leinwand erhofft habe. 
Darüber hinaus haben wir wie aus dem Franchise bekannt gut choreographierte Kampfszenen, unterbrochen von Szenen, die die Handlung vorantreiben und auch wieder ein ganz bestimmter Humor, der zuvor bereits so gut funktioniert hat. Da gibt es halt Kampfszenen auf Eis oder zu bayerisch/österreichischer Schunkelmusik. Und es funktioniert in seiner Gesamtheit einfach. So könnte ich eine gewisse Zeit nach dem Film nicht mehr unbedingt sagen, wie sich die Handlung zusammensetze, aber ich könnte immer beschwören, dass ich bestens unterhalten war. Und ich möchte tatsächlich mehr sehen. 
Einen großen Teil dazu trägt auch Ana de Armas bei, die als titelgebende Ballerina eine starke Figur macht. Sie trägt den Film sehr sympathisch und kann auch das dürftige Rachekonstrukt gut rüberbringen. Eher fehl am Platz wirkt diesmal tatsächlich Keanu Reeves als John Wick. Gefühlt wird er nur hinzugezogen, um die Verbindung zum Franchise noch deutlicher zu machen – nicht, dass sie vorher zu übersehen war. Leider ist seine Rolle dann auch verhältnismäßig schlecht geschrieben, weswegen sein Handeln sehr unkoordiniert und mit einem ziemlichen Logikloch geschrieben ist. 
So kann Ballerina bis auf kleine Details auf ganzer Linie überzeugen und auch gut unterhalten. Ich bin gespannt, wie das Franchise weiter geführt wird.

Das Fazit

Ballerina überzeugt mit gut geschriebener Protagonistin und kann über eine typische Handlung mit viel Witz und Liebe zum Details hinwegtäuschen, so dass er gut unterhält und Lust auf mehr macht. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Ballerina läuft seit dem 05.06.2025 in den deutschen Kinos

Spy x Family – Code White

Ein Vorwort

Über meine Begeisterung von Spy x Family, sowohl als Manga als auch als Anime, habe ich ja bereits gesprochen – hier nochmal nachzulesen. Als dann ein Mangaunabhängiger Film für die Kinos angekündigt wurde, war ich zwar etwas skeptisch, aber auch sehr hyped und bin natürlich sofort ins Kino gerannt. Warum der Film mit kleineren Abstrichen für sich gut funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Für einen Kochwettbewerb an der elitären Eden-Akademie bringt Familie Forger dazu einen Wochenendtrip zu machen. Vater Loid wird dabei jedoch eingespannt, seine Spiontätigkeit nebenbei auszuführen, was er aber vor vor Mutter Yor und Tochter Anya geheim halten muss. Dabei haben auch die beiden ihre Geheimnisse.

Meine Meinung

Bei der Vermarktung eines Anime-Films, der auf einer bestehenden Reihe basiert, aber dennoch unabhängig ist, gibt es gleich mehrere Probleme. Denn zum einen zieht man damit natürlich hauptsächlich die Fans in die Kinos, die bereits gut in der Materie drin stecken und daher mit wenigen Informationen auskommen. Allerdings gibt es auch die Zuschauenden, die sich vorher nicht mit dem Manga oder Anime auseinander gesetzt haben, sondern einfach gern mal einen Anime im Kino schauen. Die brauchen natürlich ein paar mehr Hintergrundinformationen. Doch wie bringt man beide Parteien unter einem Hut?
Spy x Family versucht diesen Spagat, gerät dadurch aber gerade am Anfang stark in die reine Erklärbärfalle. Dadurch zieht sich dieser ein bisschen für die Fans, die bereits alle wichtigen Informationen kennen. Bevor es dann wirklich in den Urlaub geht, vergeht also eine ganze Weile. Zumal der große Konflikt, der aufgemacht wird, von Anfang an nicht funktioniert, da er zwischen den beiden bereits erschienen Staffeln spielen soll und man daher weiß, wie es weitergeht. Dass mit der Auflösung der Familie Forger gedroht wurde, ist daher kein spannender Aufhänger.
Die Reise an sich hingegen gestaltet sich spannend, bietet Überraschungen, zeigt die Charaktere in gewohnter Manier und kann ihnen doch auch mehr Tiefe geben und so Handlung voran treiben. Hier kommt der Film richtig in Schwung und führt uns auch raus aus Berlint, womit auch die Abweichung zur eigentlichen Story räumlich spürbar ist. Die restliche Geschichte funktioniert auch insgesamt vom Spannungsaufbau besser, auch wenn man irgendwie weiß, dass es ein Happy End geben muss. Aber der Weg dahin ist lang und steinig und bietet Fans und Neueinsteigenden einiges.
Lediglich der große Finalkampf schießt ein wenig über das Ziel heraus. Hier wollte sich der Film der Leinwand würdig erweisen und ein großes Spektakel inszenieren inklusive einiger Anspeilungen aug andere Werke der Filmgeschichte. Nur, dass er dabei die Charaktere ein wenig überstrapaziert und vor allem ihre Blauäugigkeit und das Tatsachen nicht erkennen können, was die Identität des anderen angeht, ist hier fast schon ein Logikloch. Aber es durfte halt auch nicht bekannt werden, weil sich der Film wieder in den Manga einpflegen lassen muss. Alles ein bisschen reduzierter hätte vermutlich genau so gut funktioniert, ohne die Logik außen vor zu lassen.
Das ist allerdings auch alles Jammern auf hohem Niveau, denn die Charaktere gestalten die Geschichte liebevoll, spannend und gerade durch Anyas Gedanken auch sehr witzig. Ich hatte insgesamt gesehen großen Spaß mit dem Film, auch wenn ich ihn bewusst als Bonus zu Manga und Anime sehe.

Das Fazit

Spy x Family funktioniert für Fans und Neueinsteiger gleichermaßen etwas holprig am Anfang, steigert sich dann deutlich, bis der Endkampf etwas übers Ziel hinausschießt. Aber insgesamt wird einem eine spannende Geschichte geboten, die gut zu unterhalten weiß. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Spy x Family – Code White läuft seit dem 23.04.2024 in den deutschen Kinos

Argylle

Ein Vorwort

2014 überraschte Regisseur Matthew Vaughn mit seiner überzeichneten, aber doch zielsicher treffenden Actionkomödie Kingsman und konnte nicht nur mich vollkommen überzeugen. Nach einem schon nicht mehr richtig funktionierendem Sequel und einem richtig schlechten Prequel, schien die Kingsman Reihe beendet zu sein. Nun hat Vaughn mit Argylle einen neuen Film rausgebracht, der dennoch eine Verbindung zum Kingsman-Franchise haben soll. Dafür hat er sogar extra ein Buch herausgebracht, mit gleichem Namen, dass er „verfilmen“ wollte. Kann der Reihenauftakt ebenfalls überraschen, wie zuvor Kingsman?

Die Handlung

Autorin Elly Conway (Bryce Dallas Howard) hängt bei ihrem neuen Argylle-Roman ein bisschen und plant daher ihre Mutter zu besuchen. Unterwegs trifft sie auf Aidan Wilde (Sam Rockwell), der ihr erzählt, dass ihre Bücher real passiert sind und sie nun weiterschreiben muss, um ein Geheimnis zu lüften. Dabei findet sie allerhand über sich und ihren Protagonisten heraus. Immer mit dabei ist ihre Katze Alfie.

Meine Meinung

Nachdem ich den ersten Trailer zu Matthew Vaughns neustem Film sah, war ich zwiegespalten. Er konnte funktionieren, durch die interessante Ausgangsidee, nach einem richtig starken und zwei eher schwachen Kingsman-Filmen, war ich aber trotzdem vorsichtiger. Die Hintergrundgeschichte, dass Matthew Vaughn zunächst den Roman Argylle hat schreiben lassen, den unter dem Namen Elly Conway veröffentlicht hat und dann angekündigte diesen zu verfilmen, ist schon wieder sehr witzig. Zumal es zwischendurch bereits das Gerücht gab, dass Taylor Swift das Buch unter Pseudonym geschrieben hätte. Es kam dann aber heraus, dass es für den Film in Auftrag gegeben wurde und auf der Basis dann das Drehbuch geschrieben wurde.
Nun saß man doch irgendwie wieder mit Erwartungen in dem Film. Und gerade am Anfang hat man auch genau das bekommen, was der Trailer versprach. Eine Protagonistin, die hinter ihrem Schreibtisch hervorgezogen wurde und auf einmal in der realen Welt der Spionage auskommen muss und sich mit einigen Sachen einfach nicht abfinden kann. Ihre eigene Romanwelt ist absolut abgedreht und ähnelt eher James Bond in seinen abgedrehtesten Tagen, als realen Szenarien – ich sag nur Verfolgungsjagd mit Auto über die Dächer Griechenlands. Ich mochte die ganzen Anspielungen auf das reale Leben einer Autorin, mit Recherche und wie der Plot verknüpft worden wäre, damit es einem die Lesenden abkaufen. Die überzeichneten Bücher dann allerdings im Realismus mit einem le Carré zu vergleichen, gleicht dann doch Blasphemie.
Leider hat der Film es nicht dabei belassen. Nach ca. einem Drittel, in dem die wichtigsten Charaktere eingeführt wurden, fängt leider das große Plottwist Karoussel an. Denn es konnte nicht nur bei einem Plottwist bleiben, es musste immer noch einer drauf gesetzt werden. Dadurch zieht sich der Film leider auch ziemlich, hatte zwischendurch bereits einige Szenen, die ein Ende hätten sein können, aber es musste noch mehr sein. Das funktioniert so gar nicht und streckt den Film auf quälend lange 139 Minuten, die nach 60 Minuten schon so langsam nicht mehr funktionieren.
So hat Argylle zwischendrin durchaus noch gute Ideen, versucht sich an dem bekannten Witz aus Kingsman, kann diesen aber nur selten halten. Einige Szenen sind dadurch einfach zu gewollt überzeichnet. Einzelne Witze zu lange ausgespielt. Dadurch ist Argylle am Ende kein schlechter Film geworden, aber enttäuscht gerade gegen Ende eher als zu überzeugen, ermüdet und hätte einfach so viel mehr sein können, wenn die ganzen Plottwists weggelassen worden wären. So hatte ich zeitgleich doch irgendwie eine gute Zeit im Kino, habe den Film aber eher negativ in Erinnerung. Manchmal ist weniger eben doch mehr.
Dann ist da noch die Sache mit der Katze. Wer mich kennt, weiß, dass ich eine große Katzenfreundin bin. Demnach leide ich immer schnell mit den Fellnasen mit. Mal ganz davon abgesehen, dass sich für eine Fold-Katze (Katze mit Klappohren) entschieden wurde, die zwar mega süß sind, allerdings auch Qualzucht und daher in Deutschland inzwischen auch verboten, waren die wenigsten Szenen mit der Katze wirklich sinnvoll. Sie wurde genutzt, um den Charakter der Protagonistin zu verstärken, dennoch sind leider die meisten Szenen unglaublich viel Stress für Katzen. Da wurde sich dann mit sehr schlechtem CGI beholfen, aber dennoch hatte ich fast durchgehend einfach nur Mitleid mit der Katze. Und das ohne wirklichen Mehrwert für den Film. Was im Trailer noch Anreiz für den Film war, entwickelte sich schnell zu einem Faktor, der mir zunehmend Bauchschmerzen verursacht hat.

Das Fazit

Argylle kommt mit einer guten Grundidee daher, die er sich schnell durch einen Haufen unnötiger Plottwist kaputt macht. Zwischendurch gab es zwar noch ein paar witzige Ideen, aber die wurden eigentlich auch immer durch einen Negativaspekt wieder ausgeglichen. So ist der Film am Ende nicht wirklich schlecht, aber halt auch leider nicht gut. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Argylle läuft seit dem 01.02.2024 in den deutschen Kinos

Mission Impossible – Dead Reckoning 7.1

Ein Vorwort

Viel hat sich getan seit 1996 der erste Mission Impossible Film basierend auf den Fernsehserien Kobra übernehmen sie und In geheimer Mission auf der Kinoleinwand erschien. Das Franchise ist gewachsen und spätestens seit dem viertel Teil (Phantom Protokoll) verbesserten sich auch die Kritiken. Nun soll mit Dead Reckoning ein Film in zwei Teile aufgeteilt werden, was nur einem aktuellen Hollywoodtrend folgt. Doch geht die Rechnung auf?

Die Handlung

Der Test einer neuen Tarnkappentechnik an Bord eines russischen U-Bootes geht schief. Doch an Bord soll auch eine neue Superintelligenz gewesen sein. Um an diese zu kommen, benötigt es zwei Schlüssel, die nur zusammen funktionieren. Ethan Hunt (Tom Cruise) bekommt den Auftrag diese zu beschaffen, merkt aber schnell, dass es diesmal keinen klaren Gegner gibt. Als dann auch noch ein Phantom aus seiner Vergangenheit auftaucht, will er am liebsten sein Team abziehen und außer Gefahr bringen.

Meine Meinung

Bisher war die Mentalität der Mission Impossible Filme stets: Höher, größer weiter. Auf jeden atemraubenden Stunt von Tom Cruise musste noch ein weiterer folgen, der noch spektakulärer war. Das dieses Konzept irgendwann nicht mehr aufging, hat man an den Kritiken kaum gemerkt, denn gerade die Authentizität der Actionszenen war ein Merkmal des Franchises, die trotz mangelhafter Handlung stets begeistern konnte. Doch abseits davon gingen die Ideen aus. Im sechsten Teil musste schon der Antagonist wiederverwertet werden, da es an neuen Ideen mangelte. Stattdessen wurde die Maskentechnik einfach inflationär benutzt. Jeder bekam eine. Manchmal wurde auch eine Maske über der Maske getragen.
Nun sollte es nicht nur einen neuen Film geben, sondern mit Dead Reckoning wurde gleich angekündigt, dass es sich lediglich um den ersten Teil eines Zweiteilers handeln soll. Die Skepsis gerade meinerseits war groß. Würden sie genug Handlung haben, denn auch der Auftakt ist mit einer Laufzeit von 168 Minuten nicht gerade kurz geraten. Es passte alles in Schema des Größer, Höher, Weiter. Doch Dead Reckoning ist wohl die Überraschung des Sommers. Denn obwohl die Handlung für zwei Filme geschrieben wurde, ist er vor allem eins: Reduzierter. Alles, was in den letzten Teilen absolut überhandnahm, wurde zurückgeschraubt und herauskam ein solider Actionfilm, der sich des Erbes der Ursprungsserie würdig erweist und gleichzeitig wieder feinste handgemachte Action bietet.
Das beginnt damit, dass ein klares Ziel und ein nicht ganz so klarer Gegner geschaffen wurden, Die beiden Schlüssel finden und herausfinden, wer genau gegen einen spielt. Dabei ist die Enthüllung des Antagonisten nach der  Auftaktszene zwar nicht überraschend, aber doch erstaunlich erfrischend, zumal die logischen Schlüsse daraus gezogen wurden und gleichzeitig ist die Thematik erstaunlich aktuell, auch wenn dies durch die lange Produktionsphase des Films wohl nicht vorhersehbar war. Aber dadurch entstehen ganz neue Möglichkeiten und neue Schwierigkeiten.
Weiter geht es mit der Tatsache, dass die zwei größten Aktionszenen eine klassische Autoverfolgungsjagd und ein außer Kontrolle geratener Zug sind. Auch wenn es hier nicht ganz back to the roots heißt, sind doch viele altbekannte Motive eingebaut, die eigentlich völlig überholt wirken, aber doch wieder eine herrliche Anziehungskraft entwickelt haben. Das liegt daran, dass mit Hayley Atwells Charakter Grace eine neue Komponente eingeführt wurde, die wieder mehr an einen Jeremy Renner aus Phantom Protokoll erinnert und daher im guten Kontrast zu Rebecca Fergusons Ilsa Faust oder Vanessa Kirbys Alanna Mitsopolis steht, ohne dabei die Handlung zu sabotieren.
So entstanden Szenen, bei denen ich im Kino saß und mir dachte „Na klar, das machen die eh nicht, das wäre völlig vorhersehbar. Oh, sie haben es doch gemacht. Ja, aber das wird doch nicht darauf hinauslaufen … okay, doch“. Und genau das war das Faszinierende an dem Film. Er spielt mit Klischees und altbekannten Motiven, verpackt sie aber in eine moderne Handlung und schafft es so die Zuschauenden, die mit so etwas nicht mehr rechnen, zu überraschen und zu begeistern. Damit ist Dead Reckoning Part 1 wohl die Überraschung des Sommers, denn dass das Franchise nochmal so die Kurve bekommt, hätte ich nicht erwartet.

Das Fazit

Mission Impossible – Dead Reckoning 7.1 ist wohl die Überraschung des Sommers. Reduzierter, altbekannte Motive und doch durch den Kontrast zum sehr modernen Thema spannend, atemraubend und nimmt sich aber auch Zeit für Emotionen und auflockernde Witze. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Mission Impossible – Dead Reckoning 7.1 läuft seit dem 13.07.2023 in den deutschen Kinos

The Woman King

Ein Vorwort

Wer nach Marvels Black Panther total begeistert von den Dora Milaje war, hat nun die Chance einen Historienfilm über die Vorbilder eben dieser Kriegerinnen im Kino zu sehen. Warum The Woman King auch darüber hinaus ziemlich gut funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

1823 verteidigt sich das Königreich Dahomey gegen das Oyo-Imperium und sieht sich gleichzeitig mit dem Sklavenhandel konfrontiert. Angeführt von der Generalin Nanisca (Viola  Davis) haben es die Agojie, eine Gruppe speziell ausgebildeter Kriegerinnen, bisher geschafft ihre Unterzahl auszugleichen. Nawi (Thuso Mbedu) wird von ihrem Vater verstoßen und durchläuft daher die Ausbildung zur Agojie. Doch die ist alles andere als einfach.

Meine Meinung

Nach dem Trailer wusste ich noch nicht so recht, was ich von The Woman King halten sollte, war aber durchaus neugierig, was der Film daraus machen würde. Die kurzen Ausschnitte sahen nach einem typischen Gut gegen Böse Kampf aus, wobei sich dabei noch stark auf das Thema Sklaverei konzentriert wurde. Dies ist auch im gesamten Film ein zentrales Motiv und macht auch einen Großteil der westafrikanischen Geschichte dieser Zeit aus, doch The Woman King bietet so viel mehr.
Allein die Auftaktszene zeigt schon, was wir vom Film zu erwarten haben: Bildgewaltige Kampfszenen, bei denen sich die Actionfilme der letzten Jahre durchaus eine Scheibe von abschneiden können. Danach baut sich eine komplexe Geschichte auf, die uns nicht nur die westafrikanische Geschichte rund um das ehemalige Königreich Dahomey (heute Republik Benin) näher bringt, sondern die Geschichte von Kriegerinnen in einer Männerdominanten Welt. In einer Welt, in der sie allein wegen ihrer Hautfarbe als prädestiniert für die Sklaverei angesehen wurden. In der aber auch ein Großteil des Reichtums der Länder durch den Sklavenhandel erwirtschaftet wurde. So stellt sich der Film zeitgleich dem Rassismus und engagiert sich für den Feminismus in nur einem Film.
Das Ganze ist verpackt sowohl in einer typischen Heldinnenreise, mit Nawi als Identifikationsfigur, die uns ihren Weg zur Kriegerin zeigt. Dadurch lernen wir die Kultur näher kennen und durchlaufen die komplette Ausbildung zur Agojie. Mit Nanisca haben wir das Gegenstück. Eine Generalin, die zeitgleich auch Einfluss auf den König hat und das Gegenstück zu seinen Ehefrauen bildet. Dabei lässt sich der Film genug Zeit, um die Charaktere ausführlich vorzustellen und ihnen eine Tiefe zu geben, die kaum ein Film bietet. Wir erleben die guten und schlechten Zeiten, Sorgen, Ängste, Freuden, und alles gleichzeitig.
Und auch, wenn es diese ruhigen Phasen zwischendurch gibt, kommt die Action an keiner Stelle zu kurz. Dabei haben wir gut durchdachte Kämpfe, mit wunderbaren Choreographien und auch ganze Schlachten. Das Ganze findet vor einer beeindruckenden Kulisse statt, die hier mehr ist als nur ein einfacher austauschbarer Hintergrund.
The Woman King mag ein Historienfilm sein, doch er vermag es beinahe spielerisch noch immer brisante Themen zu verbauen. Und auch, wenn er an der ein oder anderen Stelle damit von der Geschichte abweicht, so schafft er es auch die richtigen Botschaften zu vermitteln. Ein Blick lohnt hier definitiv.

Das Fazit

The Woman King schafft es einen Historienfilm voller packender Action und gleichzeitig vielen Geschichten, tiefgehenden Charakteren und die Theman Rassismus und Feminismus zu behandeln. Eingepackt in einer traumhaften Kulisse ist der Film brutal ehrlich. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

The Woman King läuft seit dem 06.10.2022 in den deutschen Kinos

Bullettrain

Ein Vorwort

Von den Machern von Deadpool 2 ist vielleicht nur bedingt ein Qualitätsmerkmal, aber allein der Trailer für die Buchverfilmung sah aus wie eine gesunde Mischung aus Action, Dialogen und Humor. Ich war angefixt, aber skeptisch, ob das Niveau über einen ganzen Film gehalten werden konnte. Wie spielerisch Bullettrain dies umsetzt, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Ladybug (Brad Pitt) bekommt den Auftrag in einem Shinkansen einen Aktenkoffer voll Geld zu stehlen. Doch in diesem Zug sind noch einige andere Personen aus verschiedenen Motiven, die alle unterschiedliche Ziele haben. Doch eins ist gewiss: Der weiße Tod wartet in Kyoto.

Meine Meinung

Filme in Zügen haben bekanntlich ein Problem. Es geht nur nach vorne oder nach hinten, aber der Platz ist begrenzt und ein Zug endet auch irgendwann. Filme wie Train to Busan oder auch ein Snowpiercer (der an ganz anderen Stellen gescheitert ist) haben jedoch bewiesen, dass dies nicht unbedingt ein Nachteil sein muss. So zieht uns Bullettrain direkt nach Fernost und in einen hochmodernen Shinkansen. Das Setting in Japan ist hier allerdings relativ egal, da die Gäste international sind und es wohl lediglich darum ging einen Zug zu haben, der sehr schnell und sehr pünktlich fährt (also fiel Deutschland als Setting schonmal raus).
Wir begegnen zunächst Ladybug, der uns wie aus dem Trailer bekannt von seiner neuen Einstellung erzählt und dann feststellt, dass er wieder einen Auftrag hat, bei dem er auf eine Waffe nicht verzichten sollte. Kaum im Zug angekommen, häufen sich die ersten Probleme. Nach und nach lernen wir auch die anderen Akteure kennen, erfahren ein wenig von ihrer Geschichte (ob vollständig oder nicht) und lernen ihre Motive kennen. Was wir nach der fröhlichen Vorstellungsrunde zu wissen glauben, wird im Laufe des Films mehrfach auf die Probe gestellt. Kleinere Rückblenden oder das Einführen weiterer Charaktere steigert den Spannungsgrad.
Die wunderbare Kombination aus Spannung, Action, Humor und Dialogen sorgt dafür, dass Bullettrain ein Spaß auf ganzer Linie wird. Zwischen den gut choreographierten Kämpfen – hier merkt man, dass Regisseur David Leitch am ersten John Wick mitgewirkt hat – gibt es immer diese Atempausen, die aber durch die Dialoge stets gut gefüllt sind.
Bis zum Ende bleibt es ein Katz und Maus Spiel und auch wenn man glaubt, das meiste durchschaut zu haben, gibt es immer wieder Wendungen und neue Informationen, mit denen vorher keiner gerechnet hat. Der ausgezeichnet ausgewählte Cast tut sein übriges zu diesem Film, der 127 Minuten Sehvergnügen bietet.
Wem John Wick gefallen hat, wird die Action hier lieben. Wer den Humor aus Deadpool mochte, wird sich hier wiederfinden, auch wenn die Dialoge hier noch mal ein ganz anderes Niveau erreichen. Wer ein gut gecastetet Schauspieler*innenensemble sucht, ist hier genau richtig. Kurzum: Bullettrain ist auf dem besten Weg zum Jahreshighlight.

Das Fazit

Bullettrain bietet gut choreographierte Action, ein tolles Setting, einen gut ausgesuchten Cast, ist spannend, humorvoll und einfach komplett rund. Ein Actionfilm mit spannendem whodunnit und humorvollen Dialogen. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Bullettrain läuft seit dem 04.08.2022 in den deutschen Kinos

Massive Talent

Ein Vorwort

Mit Blackpink als Trailermusik hatte mich der Film direkt. Auch der Rest sah spannend aus, aber auch so, dass es nach hinten losgehen könnte. Warum Massive Talent fast ein Geheimtipp ist, erfahrt ihr in dem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Nic Cage (Nicolas Cage) scheint mit seiner Schauspielkarriere am Ende zu sein. Da bekommt er von einem reichen Fan das Angebot von einer Million Dollar, wenn er zu dessen Geburtstagsfeier auf Mallorca erscheint. Unterwegs schaltet sich die CIA ein, denn Javi (Pedro Pascal) soll der Kopf eines Kartells sein. Nic wird ungewollt zum Agent.

Meine Meinung

Nicolas Cage Karriere ist ein absolutes auf und ab. Während ich die meisten Filme gar nicht gesehen habe, ist mir wohl eher noch die Community Folge, wo Filmfan Abed eine Analyse darüber abgibt, in Erinnerung geblieben. Dennoch reizte mich allein der Trailer, um den Film eine Chance zu geben, rechnete allerdings mit dem Schlimmsten. Bekommen habe ich eine absolut faszinierende Hommage an den Film, ans Schauspielersein und das ganze verpackt in einer gelungenen Komödie.
Doch fangen wir vorne an. Zunächst wirkt der Film abgedreht und fernab einer Komödie. Hier schienen sich meine Befürchtungen zu bestätigen. Doch schon kurz darauf, sobald Cage Richtung Mallorca reist, um Javi zu treffen, wendet sich der Film komplett. Die Handlung rund um die CIA wirkt auf einmal nur wie ein Lückenfüller für die Geschichte einer ganz besonderen Freundschaft und der Liebe zum Film. Okay, das ist vielleicht doch etwas übertrieben, schließlich gibt sie dem Film den nötigen Rahmen. Aber mitunter verliert sich der Film in seinen einzelnen Szenen und nimmt Elemente und Klischees aus Filmen gleichzeitig aufs Korn und spielt sie doch ganz wunderbar aus. So vereint der Film Action, Komödie und erzählt doch vordergründig die Geschichte einer ganz besonderen Freundschaft.
Denn gerade die Chemie zwischen Cage und Pedro Pascal ist es, was diesen Film so faszinieirend macht. Wie sie es schaffen Szenen komplett auszuspielen, ohne dabei aus der Rolle zu fallen, ist faszinierend. Aber auch ihre Charaktere entwickeln sich gut. Gerade bei Javi hatte ich die große Befürchtung, dass er sich als ein absoluter Stereotyp herausstellt. Doch meine Gebete wurden erhört und er bekommt als Charakter eine tolle Wendung und kann so bis zum Ende überzeugen. Fast ist es ein wenig schade, dass sich hier nicht getraut wurde eine queere Liebesgeschichte einzubauen, sondern es bei der Bromance und eine aus dem Hut gezauberten straighten Liebesgeschichte zu lassen. Die Vorlage dafür war da und es hätte wunderbar funktioniert.
Aber davon mal abgesehen, läuft der Film bis auf ein paar kleinere Stolperer rund und unterhält (nicht ganz) ab der ersten Minute und bis zum Ende. Gern mehr solcher mutiger Filme, aber bitte bitte keine Fortsetzung. Der Film funktioniert gerade als Einzelfilm.

Das Fazit

Massive Talent ist einer dieser kleinen Filme, bei der einfach die Kombi aus Genres wunderbar funktioniert und der durch seine beiden Protagonisten auflebt. Kleinere Stolperer und ein etwas holpriger Anfang sind da schnell vergessen und folgt eine unterhaltsame Zeit im Kino. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Massive Talent läuft seit dem 16.06.2022 in den deutschen Kinos

The 355

Ein Vorwort

Ich bin immer für Frauen in Hauptrollen zu haben. Besonders freue ich mich, wenn sie Klischees aufbrechen und uns ihre starke Seite zeigen. Nachdem mich neulich Gunpowder Milkshake eher enttäuschte, gab ich nun dem nächsten Ensemble eine Chance.Wie mir The 355 gefiel, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Bei einer Razzia in Kolumbien landet ein gefährliches Computermodul in den Händen eines Soldaten, der diese versucht bei einem Geheimdienst sicher unterzubringen. Den Auftrag bekommen Mace (Jessica Chastain) und Nick (Sebastian Stan) von der CIA. Doch sie scheitern und Nick wird getötet. Daraufhin tut sich Mace außerhalb der Regeln mit weiteren Agentinnen anderer Geheimdienste zusammen.

Meine Meinung

Den Grundgedanken das Action- und Agentengenre ein wenig aufzupolieren und mehr Rollen mit starken Frauen zu besetzen finde ich generell gut. Allerdings nicht, wenn die gleichen Klischees nur neu übertragen werden. Diese Hürde nimmt The 355 schon einmal und kreiert Rollen, die auch direkt auf die verschiedenen Frauen zugeschnitten wurden. Dennoch hat der Film deutliche Schwächen.
Zum einen ist die Handlung sehr konstruiert. Ein Masterkey, der auf alle elektrischen System zugreifen kann und der Hersteller wird direkt am Anfang erschossen, so dass er nicht reproduziert werden kann? Was würde jeder vernünftige Mensch machen? Genau Masterkey zerstören! Der Film wäre nach fünf Minuten zu Ende gewesen. Stattdessen wird er mitgenommen und versucht an einen Geheimdienst zu verkaufen. So, dass er immer wieder zwischen den „Guten“ und den „Bösen“ hin und her geschoben werden kann. Teilweise lag er in Kampfszenen einfach auf den Boden und wurde von einer Ecke in die anderen gekickt. Das war ganz schön nervig und man wollte nur noch die Leinwand anschreien, damit das aufgehoben und endlich zerstört wird.
Zum anderen sind auch die Motive der einzelnen Akteur*innen sehr flach. Mein Kollege und ganz kurzfristig jetzt auch mein Lover ist weg, da muss ich mich gleich mal durch die halbe Stadt schlagen. Ich bin die ITlerin der Gruppe und muss bei dem Wort Masterkey natürlich alle meine Prinzipien über Bord werfen. Ich muss meine Vaterfigur beeindrucken, nachdem ich sie enttäuscht habe. Ich bitte euch! Ein wenig Tiefe für die Figuren ist  doch wohl nicht zu viel verlangt.
Dazu muss man sagen, dass die eigentlichen Handlungen der Geheimdienste durchaus durchdacht sind und die meisten Kampfszenen gut choreographiert. Auch der Schlagabtausch zwischen den Agent*innen macht zwischenzeitlich durchaus Spaß. Aber diese guten Aspekte werden immer wieder überschattet von der billigen Handlung und den flachen Charakteren. Hätte man sich hierfür ein wenig mehr Mühe gegeben, könnte sich das Endergebnis durchaus sehen lassen.

Das Fazit

The 355 scheitert an grundlegenden Dingen, wie Handlung und Charaktere und überschattet so die sonst guten Aspekte, wie glaubhafte Geheimdienstarbeit, Schlagabtäusche und Kampfszenen. Einfach viel Potential verschenkt. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

The 355 läuft seit dem 06.01.2022 in den deutschen Kinos

Cash Truck

Ein Vorwort

Wir brauchen mal wieder einen neuen Actionfilm, irgendwer Ideen? Lasst uns doch einen der älteren Actionstars nehmen und dann… dann machen wir mit dem ein Remake eines französischen Films von 2004. Genial! So oder so ähnlich könnte die Besprechung zu Cash Truck abgelaufen sein. Was der Film darüber hinaus kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

„H“ (Jason Statham) stößt neu zu einer Geldtransportfirma. Trotz seiner schweigsamen Art findet er sich gut ein. Als der Transporter überfallen wird, beweist er erstaunliches Geschick mit der Waffe. Doch er hat ein Geheimnis. Denn sein Sohn starb bei einem ähnlichen Überfall und er setzt alles daran die Mörder zu finden.

Meine Meinung

Guy Ritchie ist einer dieser Regisseure, bei dem der Film richtig gut werden kann – zuletzt gesehen bei The Gentleman – oder eben auch nicht (wir verschweigen am besten King Arthur). Cash Truck zählt zu denen, irgendwo dazwischen. Denn die dreigeteilte Erzählweise passt so herrlich zu Ritchies Erzählstil, dass der Film sich von anderen Genrevertretern abgrenzt – zumal es hier auch wieder schwierig ist dem Film ein eindeutiges Genre zuzuweisen – zum anderen funktioniert er in seiner Gesamtheit nur bedingt. 
Aber von vorne. „H“ stößt zur Geldtransporterfirma. Sein erster Tag ist getränkt voller toxischer Männlichkeit, flachen Sprüchen, so gut wie alle unter der Gürtellinie und Schwanzwitzen. Wer auch immer das lustig findet, mich störte es massiv. Nicht so sehr, dass es vorkam, sondern die Masse. Zwischendurch befürchtete ich, dass es überhaupt nicht mehr aufhört und der Dialog nur noch daraus besteht. Dann geht es gleich ins Eingemachte. Die meisten Szenen dürfte man aus dem Trailer kennen. Nach circa einem Drittel wendet der Film und reist in die Vergangenheit. Hier erfahren wir einiges über „H“ und seine Geschichte. Das ist auch bitter nötig, um dem vorhergehenden ein bisschen Sinn zu verleihen. Damit es sich ein letztes Mal dreht und wir eine Gruppe neuer Charaktere kennenlernen. Hier wird eilig noch ein bisschen Erklärung eingeworfen und dann geht es ans große Finale.
Und das kann sich zwar sehen lassen, wirkt aber auch einfach überladen. Zu viel Gewalt und Tote für den ansonsten besonnen reagierenden Film. Auch das ein oder andere Logikloch tut sich hier auf. Alles in allem nicht so rund, wie man es bei Ritchie erwarten könnte.
Dennoch funktioniert der Film in seiner Gesamtheit. Man muss halt über den Testosteronausfall am Anfang hinwegsehen und das Finale aushalten. Für Actionfans ist auf jeden Fall etwas dabei, gespickt mit ein bisschen Charakterstudie. Mit einer Lauflänge von 119 Minuten hat der Film gerade noch die passende Länge, um alles wichtige zu erzählen, dabei spannend zu bleiben. Noch länger und es hätte sich gezogen. Hier hat Ritchie gerade rechtzeitig den Absprung geschafft.

Das Fazit

Cash Truck ist ein Actionfilm, der nach einer Findungsphase gut funktioniert, dennoch Schwächen aufweist, die er nicht gänzlich mit Stathams störischer Art wett machen kann. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Cash Truck läuft seit dem 29.07.2021 in den deutschen Kinos

Nobody

Ein Vorwort

Es war nur eine Frage der Zeit, bis John Wick die ersten Nachfolger anzieht. Gut gemachte Action und ein noch nicht verbratener Actionstar. Mit Better Call Saul Star Bob Odenkirk wurde genau dieser gefunden. Ob Nobody ein würdiger Nachfolger ist oder sich eher die Actionfilmkatastrophen der letzten Jahre einreiht, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Hutch Mansell (Bob Odenkirk) ist ein liebender Vater, fürsorglicher Ehemann und fleißiger Mitarbeiter. Also ein vorbildlicher Bürger, auch wenn er gerne die Mülltonne zu spät rausstellt. Eines Abends gibt es einen Raubüberfall, bei der er widerstandslos das Risiko klein hält. Dafür erntet er viel Kritik. Als kurz darauf ein paar Betrunkene im Bus randalieren, kann er sich nicht mehr zurückhalten. Denn hinter der Fassade schlummert eine Vergangenheit, die jetzt herausbricht.

Meine Meinung

Der einleitende Vergleich mit John Wick kommt nicht von ungefähr. In beiden Filmen haben wir einen Mann, der nach einem Überfall auf sein Haus seine dunkle Vergangenheit auspackt und beachtliche kämpferische Skills besitz, mit der auf Rachefeldzug geht. In beiden Filmen legt man sich mit dem Sohn/Bruder eines einflussreichen Mafiabosses an, der darauf eine persönliche Racheaktion plant. Vorteil für Hutch Mansell im Vergleich zu John Wick: seine Familie lebt noch.
Spannend ist hier gerade am Anfang, wie Sprüche von Sohn, Ehefrau und Chef das Bild des mustergültigen Mannes kreiert wird, und Hutch praktisch alles davon abgesprochen wird. Er sei „kein richtiger Mann“, nur weil er friedlich vor sich hinlebt und jede Konfrontation meidet. Glücklicherweise wird dieses Bild im folgenden relativiert, auch wenn natürlich der Wandel zum knallharten Schläger erfolgt. Dennoch kann mit ein paar Klischees gebrochen werden.
Leider verrennt sich Nobody im folgenden zu sehr in Altbekanntem, statt wirklich etwas neues zu schaffen. Gerade Alexeis Serebrjakows Charakter als Mafiaboss Yulian Kusnezow wirkt wie ein wandelndes Klischee, zumal man „den bösen Russen“ und den „guten Amerikaner“ auch nicht mehr sehen kann. So mag der Film grundsätzlich ein gutes Drehbuch haben, doch man kann in so ziemlich jeder Szene vorhersagen, was passiert. Hier wird lieber auf Nummer sicher gegangen, anstatt sich mal etwas zu trauen und vom Bekannten abzuweichen.
Das ist besonders schade, weil man gerade im großen Finale und durch das Auftauchen von Christopher Lloyds Charakter David Mansell erkennt, was möglich gewesen wäre. Hier kommt so viel Schwung und Witz dazu, dass man praktisch dafür belohnt wird, bis hier ausgehalten zu haben.
Also ja Nobody ist stellenweise ein guter Film, der richtig Spaß macht und tolle Charaktere etabliert. Aber eben nur stellenweise. Und das ist letzlich zu wenig, um wirklich zu überzeugen. Dennoch möchte ich hier die tollen Kampfchoreographien erwähnen und auch, dass Hutch zwar als starker Kämpfer, aber nicht als Übermensch gezeigt wird. Auch er bekommt Schläge ab, die ihn hart treffen und straucheln lassen. Nur, dass er halt wieder aufsteht, was nicht alle seine Gegner schaffen.

Das Fazit

Nobody ist ein Actionfilm, der ein bisschen zu sehr auf Nummer sicher geht und sich an altbekannten Handlungsstrukturen orientiert. Dabei zeigt er gerade am Ende, dass er mehr drauf hat, dafür muss man aber bis dahin durchhalten. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Nobody läuft seit dem 01.07.2021 in den deutschen Kinos