Tausend Zeilen

Ein Vorwort

Michael „Bully“ Herbig hat sich in der deutschen Medienlandschaft durch seine Comedy einen Namen gemacht und prägte gerade die 2000er Jahre mit Filmen wie Schuh des Manitu oder auch Traumschiff Surprise. Mit Ballon (2018) brachte er seinen ersten ernsten Film heraus, der jedoch gleich ins Schwarze traf. Nun nahm er sich ein relativ aktuelles Thema vor und brachte seinen zweiten ernsten Film heraus. Warum Tausend Zeilen nicht gänzlich funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Lars Bogenius (Jonas Nay) ist ein aufstrebener Journalist bei Die Chronik und bekannt für seine mitreißenden Reportagen, für die er bereits mehrere Preise gewonnen hat. Doch als er bei einer Reportage über die Flüchtlinge Mexikos in die USA zusammen mit seinem Kollegen Juan Romero (Elyas M’Barek) schreiben soll, fallen diesem Unstimmigkeiten auf. Die Chefetage möchte davon jedoch nichts hören, weswegen sich Romero allein auf Nachforschungen begibt.

Meine Meinung

Nach dem Trailer war ich nicht wirklich überzeugt, ob ich den Film sehen wollte, da dieser sehr wirr geschnitten ist und irgendwie merkwürdige Szenen enthielt, die im finalen Film kaum Bewandnis hatten. Aber nach Ballon hatte Bully bei mir einen Vertrauensvorschuss und irgendwie sprach mich das Thema auch an.
Mit dem „Fall Relotius“ oder dem „Fall Spiegel“ hatte ich mich vorher sehr wenig beschäftigt, weswegen die Vorgänge mir im Film sehr neu waren. Dabei geht es ziemlich schnell ins Eingemachte, immerhin hatte der Film mit 93 Minuten einen ziemlich straffen Zeitplan. Dadurch geht dem Film vermutlich das Subtile verloren. Mit der Holzhammer-Methode werden schnell die gängigen Akteure vorgestellt und ziemlich schnell ins Schwarz-Weiß-Schema von Gut und Böse gepresst. Keine Zwischentöne. Die karriereorientierten Chefs, die die Auflage pushen wollen und daher ziemlich eindeutige Botschaften verbreiten. Die Mitarbeitenden, die versuchen dem Druck standzuhalten und eben Lars Bogenius, der sich sehr offensichtlich in seinen Lügengeschichten verstrickt und zu glatt wirkt. Er ist hier ganz eindeutig der Antagonist, keine Hintergrundgeschichte, so dass er irgendwie jeder sein könnte, kein Warum, kein Motiv, nur sein scheinbares Kalkül. Als Gegenspieler haben wir Romero, der den überforderten Protagonisten spielt. Mit ihm bekommt die Geschichte ein Gesicht und gerade seine Entwicklung zur Überforderung wird auch mit einer Familiengeschichte glaubhaft dargestellt.
Die Geschichte wird stringent erzählt und da wahrscheinlich jedem außer mir der Ausgang klar war, wird hier gar nicht versucht das Ende zu verschleiern. Es geht nicht um das Was, sondern nur um das Wie. Dadurch, dass die Charaktere aber sehr überzeichnet sind, schwankt Bully immer wieder hin zur Satire, hält sich dann aber selbst zurück. Zwischendurch gibt es dann wieder kleinere Montagen, die zeigen, was möglich gewesen wäre, wenn man sich hier mehr getraut hätte.
Stattdessen versucht man irgendwie den Journalismus zu verteidigen, während man eigentlich einen großen Journalismus-Skandal erzählt. Dadurch wird sich auch auf die Figur Bogenius als Antagonisten konzentriert, und nur gegen Ende kurz erwähnt, dass hier ein ganzes System falsch ausgerichtet war.
So hat Tausend Zeilen durchaus gute Ansätze und funktioniert in seiner Gesamtheit ganz gut. Doch er wirkt sehr plump und zu Überzeichnet, ohne die Chance der Satire zu nutzen. Dies bleibt als Wermutstropfen zurück. Schauspielerisch birgt der Film wenig herausragendes. Alle Darstellenden spielen ihre Rollen auf gutem Niveau, kommen aber aus den einfach gezeichneten Charakteren nicht heraus.
So verfliegen die 93 Minuten nur so, und der Film ist keinesfalls langweilig. Aber im fehlt der Biss, der ihn auf ein höheres Niveau gehoben hätte.

Das Fazit

Tausend Zeilen ist ein durchaus spannender Film, der jedoch an sehr eindimensionalen Charakteren und dem Holzhammer-Erzählstil scheitert und so nicht über die Mittelmäßigkeit hinaus kommt. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Tausend Zeilen läuft seit dem 29.09.2022 in den deutschen Kinos

Liebesdings

Ein Vorwort

Es wurde mal wieder Zeit für eine deutsche Liebeskomödie. Der Trailer war absolut unterirdisch, einige Witze gingen mir sehr in die falsche Richtung und die Handlung klang einfach nur uninspiriert. Warum ich es hinterher gar nicht so sehr bereut habe, dass ich reingeschleppt wurde, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Marvin Bosch (Elyas M’Barek) ist ein gefeierter Schauspieler. Doch nach einem desaströsen Interview findet er sich im kurz vor dem Bankrott stehenden Theater von Frieda (Lucie Heinze) und ihren Freund*innen wieder. Da er untertauchen muss und Frieda Geld braucht, schließen sie sich zusammen.

Meine Meinung

Bei Trailern zu deutschen Liebeskomödien bin ich tendenziell sehr vorsichtig. Während andere Komödien, wie Der Vorname oder auch zuletzt Eingeschlossene Gesellschaft gezeigt haben, dass nicht alle deutschen Komödien nicht funktionieren, ist der Zusatz der Liebesgeschichte leider noch immer ein Garant dafür, dass der Film nicht funktioniert. Der Trailer zu Liebesdings schien schon alles zu bestätigen, gerade der erste mit langweiligem Voice-over ließ mich alle Vorurteile bestätigen. Dennoch ließ ich mich in den Film ziehen und rechnete mit dem schlimmsten.
Doch dafür wurde ich ziemlich überrascht. Denn die schlimmsten Szenen waren tatsächlich bereits im Trailer verbraten. Dennoch hat der Film zwei große Probleme: Er hat kaum Liebesgeschichte und ist nicht witzig. Für eine Liebeskomödie praktisch der Todesstoß. Die Liebesgeschichte ist zwar irgendwie da, aber wirkt auch eher wie ein Lückenfüller, wenn der Film nicht weiß, was er ansonsten erzählen soll. Plötzlich und unerwartet sind Gefühle da, Streit 1, Streit 2 und immer so weiter. Um die Geschichte auszuerzählen, hätte er sich viel mehr darauf konzentrieren müssen, doch da der Film überladen ist mit Themen, ist dies einfach hinten runter gefallen. So war es absolut nicht nachvollziehbar, woher die Gefühle der beiden kamen und wieso gleich so intensiv. Gleichzeitig versucht der Film sich als Komödie, doch vergreift sich dabei mehr als einmal im Ton. Die Stand-up Auftritte (unter anderem von Simon Pearce) sollen den Film etwas auflockern, schaffen es aber auch nur teilweise witzig zu sein.
Tatsächlich funktioniert der Film an den Stellen, an denen er eher ruhiger wird und ernstere Themen anspricht. Wenn es um die Diversität im Theater geht oder auch wenn es um Marvins Reflexion über das Schauspielersein geht, zeigt der Film, dass er nachgedacht hat und das er Aussagen hat. Wäre dies der Schwerpunkt gewesen, also weg mit Liebesgeschichte und Komödie, hätte es ein echt guter nachdenklicher Film sein können. Schauspielerisch war auf jeden Fall die Grundlage dafür da.
Stattdessen ist es ein Crashkurs Feminismus hier, ein bisschen Kritik am Presserummel da, nebenbei noch schnell trans Rechte und Depressionen einbauen. Versteht mich nicht falsch, ich finde es gut, wenn solche Themen eingebaut werden ohne das große Aushängeschild zu sein, weil es einfach normal ist. Aber Liebesdings ist überladen mit Botschaften, ohne für nur eine genug Zeit zu haben, um sie auszuerzählen. Gleichzeitig muss noch ein witziger One-Liner her, weil dem Drehbuch doch wieder einfiel, dass es sich um eine Komödie handelt.
So ist Liebesdings am Ende kein wirklich schlechter Film, er lässt sich vom Niveau her deutlich besser anschauen als andere Filme des Genres. Aber  er verpasst auch die Chance wirklich gut zu sein. Zu viele Baustellen, zu überladen, zu wenig Zeit für irgendwas. Schade. Denn er hätte wirklich das Gegenbeispiel zu den schlechten deutschen Liebeskomödien werden können.

Das Fazit

Liebesdings versagt als Liebeskomödie an der schwachen Liebesgeschichte und der kaum vorhandenen Komödie. Während er versucht mit ernsten Themen zu punkten, verpasst er die Chance wirklich etwas auszusagen, weil er viel zu vollgepackt ist. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Liebesdings läuft seit dem 07.07.2022 in den deutschen Kinos

Die Geschichte der Menschheit – leicht gekürzt

Ein Vorwort

Geschichte ist schon ein faszinierendes Feld. So faszinierend, dass ich nicht nur ein Abitur mit Schwerpunkt Geschichte, sondern auch ein (abgebrochenes) Geschichtsstudium. Dies als Komödie nicht nur leicht gekürtzt, sondern auch ziemlich frei interpretiert, reizte mich trotzdem. Wie das ganze in diesem Episodenfilm funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

1977 schickt die NASA mit der Raumsonde Voyager die Golden Record ins All. Darauf ist ein Video mit episodenhaften Nacherzählungen der Geschichte der Menschheit.

Meine Meinung

Die Sketch-History vom ZDF habe ich mir einmal kurz angeschaut, für nicht mein Humor befunden und nie wieder eingeschaltet. Der Trailer zu Die Geschichte der Menschheit konnte mich dafür schon eher überzeugen. Glücklicherweise haben beide Formate eine ähnliche Grundidee, aber nicht ganz so viel miteinander zu tun. Den Ansatz dies mit der Voyager und der dort befindlichen goldenen Schallplatte zu verbinden, ist eher das verbindende Element und hat erst gegen Ende wieder eine Bewandtnis.
Das schöne an Episodenfilmen ist, dass wenn einem eine Episode nicht gefällt, die nächste schon umso besser werden kann. Und so hat auch Die Geschichte der Menschheit Episoden, die ich absolut abgefeiert habe, und Episoden, die mir gar nicht gefallen haben. Wobei auch hier meistens trotzdem immer noch ein Element enthalten war, das mich unterhalten konnte. So fand ich die Episode rund um Max Giermanns Jesus gerade aufgrund seiner Performance beinahe unerträglich, aber das Ensemble drum rum hat wieder gut funktioniert. Die Furz-Witz-Orgie im U-Boot war sehr gewöhnungsbedürftig, doch durch die ernste Grundstimmung konnte ich auch dem etwas abgewinnen, obwohl ich Furzwitze normalerweise überhaupt nicht witzig finde.
Schauspielerisch hat sich hier gefühlt halb Deutschland versammelt. Neben diversen Schauspieler*innen und Comedians, taucht dann auch mal ein Bela B auf, der für eine ganz eigene Musicalnummer sorgt. So schwanken die Episoden nicht nur im geschichtlichen Kontext, sondern auch mitunter im Genre.
Vielleicht nicht unbedingt überraschend, aber ich hätte die Entwicklung nicht vorhergesehen, ist das Ende. Hier wird nämlich die Ausgangsprämisse nochmal aufgegriffen und auch gedreht, so dass die Rahmenhandlung auch wieder relevant wird. So wirkt der Film trotz des Episodencharakters am Ende rund und in sich geschlossen.
Falls ihr übrigens wissen wollt, welches meine persönliche Lieblingsepisode war: Firma Konopke beim Bau der chinesischen Mauer.

Das Fazit

Die Geschichte der Menschheit – leicht gekürzt ist im großen und ganzen ein gelungener Episodenfilm, dessen Witze mal besser und mal schlechter funktionieren. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Die Geschichte der Menschheit – leicht gekürzt läuft seit dem 16.06.2022 in den deutschen Kinos

Stasikomödie

Ein Vorwort

Dass die DDR gerade durch die Stasi nicht unbedingt ein schöner Ort zum leben war, haben schon einige Filme gezeigt. Das Ganze jetzt noch einmal als Komödie zu verpacken, war noch einmal ein Ansatz, der mich interessierte. Wie das in Leander Haußmanns verpackt wurde, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Ludger Fuchs (Jörg Schüttauf/David Kross) lässt sich von seiner Familie überreden Einsicht in seine Stasiakte zu nehmen. Dabei erinnert er sich an die 1980er Jahre, wo er von der Stasi in die Künstlerszene des Prenzlauer Bergs eingeschleust wurde und dort zu einem gefragten Dichter aufsteigt.

Meine Meinung

Mit Sonnenalle und NVA – beide von mir ungesehen – hat Leander Haußmann sich bereits zweimal mit der DDR-Geschichte befasst. Stasikomödie soll nun der Abschluss der Trilogie sein. Ich habe keine Ahnung, wie in den anderen Filmen an das Thema herangegangen wurde, aber hier wurde ein bunter Misch aus Ostalgie, dem bunten Treiben der Kunstszene am Prenzlauer Berg, feiner Dialogkomik und groß aufgefahrenen und überladenen Szenen, die die eigentliche Komödie ausmachen sollen. Zusammen gibt das eine ganz eigenwillige Mischung, die durchaus einen Blick wert ist, wer noch einmal einen völlig anderen Film erleben will.
Dennoch hat der Film deutliche Schwächen. Wer das Wort Komödie im Titel einbaut, schührt damit gewisse Erwartungen. Über Humor lässt sich zwar streiten, aber wirklich witzig war der Film nun nicht. Der komödiantische Anteil wird hier entweder zu subtil untergebracht oder eben in viel zu übertriebenen Szenen. Wobei mich gerade die abgeholt haben, auch wenn sie immer sehr fehl am Platz wirkten. Gerade die Abschlussszene wirkte wie aus einem ganz anderen Film.
Auch ist nicht direkt zu erkennen, welche Aussage der Film nun zur Stasi treffen will. Zwar wird sich an vielen Stellen über sie lustig gemacht, eine komplette Abrechnung mit den Methoden ist dann aber auch nicht. So schafft es der Film durch seine einnehmende Atmosphäre einen irgendwie in seinen Bann zu ziehen, lässt einen hinterher aber ziemlich ratlos zurück, was genau der Film nun aussagen wollte.
Schauspielerisch und durch eine Vielzahl an verschiedenen Charakteren ist der Film mit seiner Lauflänge von 115 Minuten nicht langweilig oder langatmig und lässt sich gut weggucken. Vor allem Henry Hübchen als Ludgers Vorgesetzter bringt eine ordentliche Portion Charme mit. Letztlich ist der Film wohl vor allem an die ehemaligen Bewohner der DDR gerichtet, die hier ein wenig in Ostalgie schwelgen können. Denen Schauplätze bekannt vorkommen und die sich einfach nochmal für eine Weile in die Vergangenheit versetzen lassen wollen.

Das Fazit

Stasikomödie ist so ein Film, von dem man nichts erwartet und wenig bekommt,  der in seiner Schlichtheit irgendwie funktioniert und gleichzeitig schnell in Vergessenheit geraten dürfte. Der von allem etwas, aber nichts richtig hat. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Stasikomödie läuft seit dem 19.05.2022 in den deutschen Kinos

Eingeschlossene Gesellschaft

Ein Vorwort

Deutsche Verfilmungen von Kammerspielen, sei es als Neuverfilmung ausländischer Filme oder als Theaterstückadaption, hat in Deutschland an Fahrt gewonnen. Der Vorname, das perfekte Geheimnis, um nur ein paar zu nennen. Nach Frau Müller muss weg, widmet sich Sönke Wortmann diesmal wieder dem Thema Schule. Ob Eingeschlossene Gesellschaft neben Komödie auch Tiefgang kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Freitag Nachmittag sind noch sechs Lehrer*innen im Lehrer*innenzimmer als ein verzweifelter Vater mit einer Schusswaffe eindringt. Seinem Sohn fehlt ein Punkt für die Zulassung zum Abitur. Die Konferenz soll nun vorgezogen werden. Dabei tun sich so einige Abgründe auf.

Meine Meinung

Mit Frau Müller muss weg – von mir bisher ungesehen – widmete sich Regisseur Sönke Wortmann schon einmal dem Thema Schule. Auch dort standen die Lehrer*innen und Eltern in Konflikt miteinander. In Eingeschlossene Gesellschaft eskaliert dieser Konflikt noch einmal gewaltig. Schon im Trailer wurde deutlich, dass sich dafür so ziemlich alle Lehrer*innen Stereotypen herausgesucht wurden, die wohl jeder aus seiner Schulzeit kennt.
Darunter fällt der strenge ältere Lehrer, der beharrlich auf die kleinste Regel besteht und absolut unnachgiebig in der Notenwahl ist. Die ebenso ältere Lehrerin, die nur noch auf die Rente hin arbeitet und eigentlich von jeglichen Schüler*innen genervt ist. Der Lehrer, der immer zwischen allen vermitteln will und gern der coole Lehrer wäre, es aber nicht ist. Der Lehrer, der so sehr in seinem Fach aufgeht, dass es ihm egal ist, ob die Schüler*innen etwas verstehen. Der „coole“ Sportlehrer, der gern mit allen befreundet ist, manchmal vielleicht auch etwas zu eng. Und schließlich die junge Referandarin, die frisch von der Uni viele innovative Ansätze verfolgt, aber von den alt eingesessenen „Wir haben das schon immer so gemacht“ ausgebremst wird. Sie zusammen bilden die Ausgangsbasis für den Film.
Gerade gegen Anfang funktioniert dieser auch noch erstaunlich gut. Die Charaktere positionieren sich und die Diskussionen durch die unterschiedlichen Meinungen bringen einen durchaus zum schmunzeln. Schon hier werden immer wieder Themen angesprochen, die leider unreflektiert beiseite geschoben werden. Schon hier wäre eine gewisse Tiefe möglich gewesen.
Dies verschlimmert sich im Laufe des Films eher, da die Grunddiskussion über die Rolle der Lehrenden und der Eltern immer weiter in den Hintergrund gerät und mehr auf den persönlichen Hintergrundgeschichten der Charaktere herumgeritten wird. Das diese auch immer weiter „eskalieren“ also immer abwegiger werden, nimmt es irgendwann Ausmaße an, die weit ab von der ursprünglichen Diskussion waren, die tatsächlich auch mal interessant gewesen wäre zu führen.
Als reine Komödie funktioniert Eingeschlossene Gesellschaft stellenweise richtig gut, an anderen wird zu sehr auf Extreme gepocht. Als Komödie mit ernster Grunddiskussion bleibt der Film hinter den Erwartungen zurück. Schauspielerisch bietet der Film ein gutes Niveau.

Das Fazit

Eingeschlossene Gesellschaft reiht sich in die aktuell boomenden deutschen Kammerspiele ein und funktioniert dafür gut. Das Komödienlevel eskaliert leider in der zweiten Hälfte und das zu grundeliegende Thema wird eher Stiefmütterlich behandelt. Dennoch als leichte Unterhaltung durchaus geeignet. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Eingeschlossene Gesellschaft läuft seit dem 14.04.2022 in den deutschen Kinos

Wunderschön

Ein Vorwort

Ein weiterer Film, der schon oft weiterverschoben wurde, zuletzt im Dezember 2021 endlich anlaufen sollte, hat es jetzt endlich auf die Kinoleinwand geschafft. Zumal ich mich nach SMS für dich sehr auf einen neuen Film von und mit Karoline Herfurth gefreut habe. Ob meine hohen Erwartungen auch nicht enttäuscht wurden, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Sonja (Karoline Herfurth) ist nach der Geburt ihres zweiten Kindes unzufrieden mit ihrem Leben und ihrem Körper. Ihr Mann Milan (Friedrich Mücke) versucht sie zu unterstützen, hat aber selbst gerade eine Beförderung angenommen und ist damit im Stress. Ihre beste Freundin Vicky (Nora Tschirner) hingegen glaubt nicht die große Liebe und Beziehungen, doch der neue Sportlehrer hat es ihr angetan. Julie (Emilia Schüle) will unbedingt an den Laufsteg, doch ihre Agentin ist der Ansicht, dass sie dafür zu dick und zu konventionell sei. Frauke (Martina Gedeck) hat sich auf die Rente ihres Mannes gefreut. Doch eigentlich ist sie nur gefrustet, weil er sie und ihre Wünsche zu ignorieren scheint. Ein Tangokurs soll Abhilfe schaffen. Dann ist da noch Leyla (Dilara Aylin Ziem), die durch ihr Gewicht in der Schule gemobbt wird. Ausgleich findet sie im Baseball.

Meine Meinung

Auch wenn SMS für dich nicht ganz ohne Klischees auskam und den ein oder anderen schrägen Charakter mit dabei hatte, ist er ein absoluter Herzensfilm von mir geworden. Daher war ich sehr gespannt auf Karoline Herfurths neuen Film.
Mit gleich fünf Protagonistinnen schien er sich ziemlich viel vorgenommen zu haben. Doch der Film wirkt an keiner Stelle überladen. Mit kleineren Überschneidungen bei den Charakteren (Familie, Schule, Freunde), wird sinnvoll von einer zur nächsten geschwenkt, jede bekommt ausreichend Zeit, um die Geschichte zu erzählen und das in allen Facetten. So wirkt der Film zwar immer noch sehr episodenartig, aber das ist in diesem Fall gar nicht schlimm, zumal es keinen harten Cut zwischen den Geschichten gibt, sondern sie nebeneinander herfließen.
Wunderschön ist wohl der ehrlichste und aus dem Leben gegriffendste Film der letzten Zeit. Hier wird der weibliche Körper nach zwei Schwangerschaften nicht beschönigt, vermeintliche Tabuthemen werden angesprochen und alles, womit Frauen zurecht kommen sollen. Die typischen Geschlechterrollen werden hinterfragt und dies stets sehr sachte und mit Denkansätzen, nie aber mit dem Vorschlaghammer, was sehr erfrischend ist. Durch die ehrliche Grundebene lassen sich Argumente viel besser einbauen.
Aber auch abgesehen davon werden die Extreme der Magersucht durch den Traum vom Laufsteg und das Mobbing durch ein Gewicht über der gesellschaftlichen Norm sehr lebensnah angesprochen. Dabei geht es nicht darum die Modebranche an sich zu verteufeln, aber der Film zeigt deutlich die Schwierigkeiten die auftreten können und das Missverständnis, was nach außen getragen wird.
Das Ganze wird wieder mit einer solchen Herzlichkeit verkörpert, dass man sich mittendrin statt nur dabei fühlt. Jede*r kann sich wohl in irgendeine Rolle einfühlen oder fühlt zumindest die eigenen Probleme etwas besser verstanden. Auch die Auflösung des Ganzen kommt nicht mit dem großen Paukenschlag und dann sind alle Probleme weggeräumt, sondern die Charaktere wachsen an ihren Problemen und beseitigen sie aus eigenem Antrieb.
Schauspielerisch hat Herfurth hier wieder gut aufgetragen. Neben Nora Tschirner und Friedrich Mücke, mit denen sie schon in SMS für dich zusammengearbeitet hat, konnte sie diesmal Emilia Schüle und Martina Gedeck mit engagieren. Jede*r trägt seine*ihre Rolle mit Bravour und zeigt einmal mehr, was der deutsche Film abseits des Einheitsklamauks kann. Nämlich wunderschönes, trauriges, und doch starkes Drama.

Das Fazit

Wunderschön überzeugt in allen Bereichen durch Ehrlichkeit und dem unaufgeregtem Drama direkt aus dem Leben gegriffen. Er ist gleichzeitig schön, traurig und setzt starke Pointen. Bitte mehr von Filmen wie diesen. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Wunderschön läuft seit dem 03.02.2022 in den deutschen Kinos

Contra

Ein Vorwort

Sönke Wortmann inszeniert nach der Vorname eine zweite französische Adaption und damit gleich den zweiten Film mit Christopher Maria Herbst innerhalb eines Monats. Diesmal geht es jedoch in eine völlig andere Richtung. Ob der Film auch qualitativ in eine völlig andere Richtung geht, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Richard Pohl (Christoph Maria Herbst) ist Dozent an einer Uni. Doch nach einigen grenzwertigen Äußerungen steht er vor einer Disziplinarsanhörung. Die Lösung: Er soll der Studentin Naima Hamid (Nilam Farooq) helfen, im Rhetorikwettbewerb weiter zu kommen.

Meine Meinung

Contra nimmt sich der leider immer noch aktuellen Diskussion des „Das wird man wohl noch sagen dürfen“ an. Doch dabei trifft er an mehr als nur einer Stelle einen Nerv und dreht das ganze in den rhetorischen Kontext. Bewusst werden hier – bis auf eine eher gewollt geschriebene Szene – keine leeren Phrasen reproduziert, sondern in einer einfühlsamen Geschichte durchleuchtet.
Denn Richard Pohl ist zwar auf dem ersten Blick das Klischee des alten weißen Mannes, der seine gehobene Stellung als Professor ausnutzt, um seine Meinung über die der anderen zu stellen, doch das kippt sehr schnell, wenn er die Rhetorik hinter seinen Aussagen erläutert. Hier wird bewusst kein überzeugter Rassist aufgebaut, mit dem man dann sympathisieren soll, sondern lediglich die alte Garde, die im Laufe des Films lernt, warum political correctness so wichtig ist.
Durch Naima wird dann die Kehrseite der Medaille deutlich. Der Kampf ums Überleben in den ärmeren Randbezirken der Stadt, der Alltagsrassismus, die Erwartungshaltung der Familie und Freunde, die Erwartungshaltung der Gesellschaft, alles prasselt auf sie ein.  Dabei schafft sie es ihre inneren Konflikte in wenigen Sätzen zu äußern. So fühlt man mit ihr mit, ohne, dass sie sich und ihre Gefühle immer wieder erläutern muss. Farooq ist hierfür die ideale Besetzung. Gleichzeitig hat man durch ihre Familie und Freunde auch mehr als einen Anhaltspunkt und sieht so die Situation aus verschiedenen Blickwinkel.
Handlungstechnisch ist natürlich ein gewisser Weg vorgezeichnet, doch an der ein oder anderen Stelle weiß die Handlung durchaus zu überraschen. Dabei schafft sie es sogar bis auf zwei Szenen auf bewusst provokative Dialoge zu verzichten. Klar werden die Rhetorikwettbewerbe nicht vollständig gezeigt und lassen den Fokus sehr einseitig auf der Protagonistin. Doch dies reicht zum Verständnis des Werdegangs und ihrer Entwicklung vollkommen aus. Dabei bleibt der Film auf einem spannenden Niveau und schafft die ernste Thematik trotz lockerer Grundstimmung vernünftig zu vermitteln.

Das Fazit

Contra ist ein Film, der mit einem ernsten Thema in lockerem Tonfall umgeht, gleichzeitig aber spielend viele Situationen schafft, aus denen gelernt werden kann. Die Besetzung aus Farooq und Herbst harmoniert wunderbar. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Contra läuft seit dem 28.10.2021 in den deutschen Kinos

Es ist nur eine Phase, Hase

Ein Vorwort

Deutsche Filme boomen gerade im Kino. Sind nicht nur zeitgleich Es ist nur eine Phase, Hase und Fly gestartet, so erwartet und Christoph Maria Herbst Ende des Monats auch noch in Kontra. Beckenrand Sheriff ist noch nicht lange her, Die Schachnovelle läuft noch und Wunderschön steht auch nach längerer Verschiebung in den Startlöchern. Warum man Es ist nur eine Phase, Hase durchaus aus dieser Aufzählung streichen könnte, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Paul (Christoph Maria Herbst) und Emilia (Christiane Paul) sind verheiratet, haben drei Kinder und werden von ihrem Freundeskreis gerne als das perfekte Paar bezeichnet. Doch beide sind festgefahren und vor allem Emilia ist zunehmend unglücklich. Daher beschließen sie eine Pause einzulegen. Begleitet von ihren Freund*innen diskutieren sie die Alterspubertät und versuchen herauszufinden, was sie vom Leben wollen.

Meine Meinung

Habe ich zuletzt bei Beckenrand Sheriff noch gelobt, dass der deutsche Film sich gebessert hätte und deutsche Komödien auch gut funktionieren können, wird hier wieder jegliches Klischee bedient. Nach dem Trailer hatte ich meine Erwartungen schon stark heruntergeschraubt, doch das war nur die Spitze des Eisberges.
Dabei beginnt der Film gar nicht mal so übel. Wir lernen die Eheleute Paul und Emilia kennen, die auf den ersten Blick eine gute Ehe führen. Doch bald werden die Probleme deutlich. Sie sind gefangen in ihrem Alltag und Beziehungsmustern und sehnen sich nach der Zeit als sie frisch verliebt und spontan waren. Bis hierhin ist der Film und auch die Charaktere absolut nachvollziehbar. Doch bald wird das Niveau des Films deutlich, wenn eine im Poloch steckende Kugel Thema für mehrere komplett ausgespielte Szenen ist. Leider bleibt es auch nicht bei diesem Ausrutscher, den zumindest die Zielgruppe Ü-40 lustig findet, sondern ist lediglich der Auftakt für einen Film voller Fremdschampotential. Seien es die Lack- und Lederversuche, die in einer Absurdität ins Lächerliche gezogen werden, dass es nicht mehr lustig ist, sei es eine minutenlange Szene über eine Prostatauntersuchung, die nach einem kurzen Anfangsgag schon die Messlatte fürs Fremdschämen sehr hoch legte, dann aber noch bis ins unendliche ausgespielt wurde.
Schauspielerisch ist Es ist nur eine Phase, Hase eigentlich gut aufgestellt, passen Christoph Maria Herbst und Christiane Paul doch gut zusammen und bieten für das schlechte Drehbuch ein erstaunlich hohes Niveau. Wobei zwischen den ganzen abstrusen Szenen sich auch ernste und tiefgründige Szenen verstecken. Leider muss man diese zwischen den schnellen Gags und ausgespielten Peinlichkeiten eher suchen.
Es hätte ein Film über das Älterwerden sein können, das sich auf humorvolle Art mit den damit einhergehenden Problemen befasst. Vielleicht hat die Buchvorlage auch genau das – ich hab sie nicht gelesen, kann also die Umsetzung nicht beurteilen. Stattdessen sind alle Klischees übers Älter werden vorhanden und verbreiten nur eine Botschaft: Werdet nicht alt, dann scheitern alle Beziehungen.

Das Fazit

Es ist nur eine Phase, Hase ist seit langem der Film mit dem größten Fremdschäm-Potential. Statt das Thema humorvoll anzugehen, wird auf billige Gags gesetzt, die minutenlang ausgespielt werden. Daran ändern auch die guten Schauspieler*innen nichts. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Es ist nur eine Phase, Hase läuft seit dem 14.10.2021 in den deutschen Kinos

Beckenrand Sheriff

Ein Vorwort

Über die Klischees deutscher Komödien habe ich wohl schon so ziemlich alles gesagt. Dennoch zieht es mich immer wieder rein, da es ja dieses Mal besser sein könnte. Bei Beckenrand Sheriff reizte mich, dass es wohl ausnahmsweise mal keine romantische Komödie sein sollte. Ob ich überrascht oder einmal mehr enttäuscht wurde, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Für Bade… pardon Schwimmeister Karl Kruse (Milan Peschel) gibt es nichts anderes außer seinem Freibad. Mit seiner grantigen und überkorrekten Art hat er sich im Ort leider eher Feinde als Freunde gemacht. Als das Freibad wegen Mängeln am Bau und in der Kasse geschlossen werden soll, muss er sich mit dem örtlichen Wasserballteam zusammentun.

Meine Meinung

Wir brauchen mal eben alle Klischees zur deutschen Überkorrektheit in einer Person. Auftritt Karl Kruse. Jede Liege muss im absolut perfekten Winkel stehen, das Bad wird Punkt 10 Uhr aufgeschlossen und keine Sekunde eher, um nur mal zwei Beispiele zu nennen. Das funktioniert gerade in der Auftaktszene sehr gut, doch kann es einen ganzen Film tragen?
Natürlich nicht und deswegen prallen hier einige verschiedene Themen aufeinander. Wir haben natürlich die Thematik rund um das Freibad, dem die Schließung droht, dann die Wasserballmannschaft, die sich auf ein wichtiges Spiel vorbereitet. Aber damit nicht genug, wir hätten noch die Themen Flüchtlinge, Einwanderung und Schlepper. Desweiteren Profisport und ein angeschlagenes Vater-Tochter-Verhältnis. Und natürlich auch ein bisschen Romantik, aber diesmal tatsächlich ganz dezent und an unerwarteter Stelle.
Aber wie passt das nun alles zusammen in die 114 Minuten Laufzeit? Erstaunlicherweise sogar sehr gut, wenn man darüber hinwegsieht, dass es sehr oberflächlich abgearbeitet wird. Aber manchmal braucht es auch gar nicht mehr, als ein paar nebenbei eingestreute Dialoge, um auf ein Problem aufmerksam zu machen. Vorurteile und Rassismus gegen Flüchtlinge ist schlimm, aber anstatt hier eine Grundsatzdiskussion draus zu machen, wird mit wenigen Szenen und Worten gezeigt, wie es anders geht. Andere Themen warten dafür auch am Ende noch auf eine Aufklärung.
Thematisch funktioniert der Film also schonmal. Doch wie sieht es mit der Komödie aus? Glücklicherweise wurde diesmal viel auf Situationskomik durch die verschiedenen Charaktere gesetzt, statt einen platten Spruch nach dem nächsten rauszuholen. Das funktioniert größtenteils sehr gut, doch so ganz kann der Film nicht aus seiner Haut. So sind einige Szene einfach drüber und gerade am Ende zieht es sich doch ins Lächerliche. Das wäre nicht notwendig gewesen und nimmt den bis dahin humorvollen Film irgendwie den Schwung, da man sich eher daran zurück erinnert.
Letztlich ist Beckenrand Sheriff ein Film, der auf vielen Ebenen vollkommen okay ist, auf einigen wenigen gut und an ein paar Stellen wohl einfach nicht anders konnte. So kommt er nicht über die Mittelmäßigkeit heraus, aber man kann ihn gut mal nebenbei schauen. So ein typischer Film für verregnete Herbsttage, an denen man sich noch einmal in den Sommer und damit ins Freibad zurückträumen möchte. Und jetzt entschuldigt mich, durch den Film habe ich Heißhunger auf Freibadfritten bekommen.

Das Fazit

Beckenrand Sheriff nimmt sich vieler Themen an, die er oberflächlich abarbeitet und dabei trotz der lockeren Atmosphäre auch ein paar gute Statements setzt. Ein paar Klischees über deutsche Komödien sind zu finden, aber im großen und ganzen funktioniert der Film gut. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Beckenrand Sheriff läuft seit dem 09.09.2021 in den deutschen Kinos.

Es ist zu deinem Besten

Ein Vorwort

Während durch die geschlossenen Kinos in den USA und dem asiatischen Markt, Hollywood immer weiter fleißig Filme verschiebt, ist derzeit zumindest auf den deutschen Film verlass. Denn der haut aktuell ein Film nach dem nächsten raus. Nach Into the Beat und Hello Again dürfen nun aber wieder die altbekannten Herren in eine Komödie schlüpfen. Ob der Film letztendlich mehr kann als sein Trailer, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Quelle

Die Handlung

Die drei Schwäger Artur (Heiner Lauterbach), Kalle (Jürgen Vogel) und Yus (Hilmi Sözer) sind unglücklich über die Wahl der Männer ihrer Töchter. Arturs Tochter Antonia (Janina Uhse) hat die Hochzeit mit einem Anwalt aus Arturs Kanzlei platzen lassen, um mit dem linken Weltverbesserer Alex (Jacob Matschenz) durchzubrennen. Kalles Tochter Luna (Lisa-Marie Koroll) hat sich in einen Aktfotografen und ehemaligen Schulkamerad ihres Vaters (Andreas Pietschmann) verliebt und Yus Tochter Sophie (Lara Aylin Winkler) hat durch Andi (Junis Marlon) Kontakt zum Drogenmilieu. In einem sind sich die Väter einig. Die Männer müssen weg.

Meine Meinung

Handlung und Trailer lassen auf eine typische deutsche Komödie schließen, was mich eher abgeschreckt hätte. Wie schon bei Der Vorname und Das perfekte Geheimnis handelt es sich wieder um eine Neuverfilmung, diesmal eines spanischen Films (Es por tu bien). Während das bei Der Vorname erstaunlich gut funktionierte, war Das perfekte Geheimnis zwar durchaus witzig, hatte aber auch einige Stellen, die schwierig waren. Was mich letztlich doch ins Kino zog war Regisseur Marc Rothemund. Denn mit Sophie Scholl, Mein Blind Date mit dem Leben und Dieses bescheuerte Herz lieferte er durchaus gute Filme ab. Hinzu kommt, dass mein guilty pleasure Groupies bleiben nicht zum Frühstück von ihm ist. 
Zunächst wurde ich in meinen Befürchtungen jedoch bestätigt. Die drei Herren Lauterbach, Vogel und Sözer spielen eben jene deutsche Klischees, die man erwartet hat. Die dazugehörigen Töchter wirken allesamt naiv und wollen zu bewusst rebellieren, und die angehenden Schwiegersöhne sind natürlich bewusst die Dornen im Auge der Väter. Soweit so klischeehaft. Nachdem sich die Charaktere ein wenig gesetzt haben und die Geschichte Fahrt aufnimmt, kann der Film jedoch stellenweise durchaus überraschen. Auch gibt es einige sehr intelligent witzig geschriebene Szenen, die gut funktionieren. Das wird zum Beginn der zweiten Hälfte wieder abgelöst von einigen zu lang ausgespielten Szenen, wie der im Trailer angedeutete Drogenkauf, der dann wieder zu gewollt witzig war. Doch auch das ändert sich dann noch einmal, und wird zum Finale hin noch einmal etwas tiefgründiger. Doch auch hier schafft es der Film nicht über die üblichen Klischeeüberwindungen hinauszugehen. Ernstere Momente und wirkliche Auseinandersetzung mit den Themen gibt es nicht, da die Handlung zu sehr auf Konflikt und Konfrontation aus ist, um möglichst viele vermeintlich witzige Szenen rauszukitzeln. 
Letztlich geht Rothemund hier in allen Bereichen auf Nummer sicher. Der Cast an sich dürfte schon Zuschauer ziehen, der Witz ist größtenteils stimmig und auch das Ende ist genau das, was man erwartet. Die Handlung bietet keine Überraschungen, um die Wohlfühlatmosphäre nicht kaputt zu machen und sich mit den angesprochenen Themen nicht wirklich auseinander setzen zu müssen. Hier ist durchaus Potential liegen geblieben, aber um das zu nutzen, hätte man den Zuschauer aus der Komfortzone ziehen müssen und das hätte das durchschnittliche Erfolgsrezept kaputt gemacht.

Das Fazit

Es ist zu deinem Besten arbeitet nach dem üblichen Prinzip einer deutschen Komödie und verpasst dabei den Absprung, um die Themen ernsthaft zu vertiefen. Das führt zu wenig Überraschungen und voraussehbarem Ende. Dennoch kann der Witz und die Handlung durchaus an einigen Stellen punkten und ist damit doch besser als nach dem Trailer zu erwarten war. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Es ist zu deinem Besten läuft seit dem 08.10.2020 in den deutschen Kinos