Neulich in der Sneak: Bad Spies

Ein Vorwort

Mila Kunis hatte in den letzten Jahren mit ihren Bad Moms eindeutig einen guten Riecher für gelungene Komödien, die Spaß und gute Handlung miteinander kombinieren konnten. Nun hat sie die Mädels an ihrer Seite durch Kate McKinnon ausgetauscht, die zuletzt in Ghostbusters als Holtzman begeistern konnte, während ihre Rolle in Girls Night Out eher als das Blond-Blondchen angelegt war. Wird Bad Spies ein Erfolg wie die Bad Moms, oder wird es eine Blödelkomödie, wie der Trailer schon erahnen ließ?

Die Handlung

Audrey (Mila Kunis) wurde vor kurzem von ihrem Freund Drew (Justin Theroux) verlassen. Als sie androht seine Sachen zu verbrennen, taucht er wieder auf, wird aber kurz darauf erschossen. Sie muss feststellen, dass er verdeckt bei der CIA tätig war und einen USB-Stick mit wichtigen Daten gestohlen hat. Hinter dem sind jetzt nicht nur MI6 und CIA her, sondern auch die Russen. Und Audrey und ihre beste Freundin Morgan (Kate McKinnon) sind auf einmal auf der Flucht und müssen nach Wien reisen.

Meine Meinung

Mitunter scheint Bad Spies eine Unterrichtseinheit über europäische Hauptstädte zu sein. Denn während des Abenteuers werden viele verschiedene Städte besucht, von Berlin über Wien, Amsterdam, Paris, Budapest und viele mehr. Und natürlich nur die Hauptstädte der Länder und brav mit Landbezeichnung dazu. Schon allein daran lässt sich ein bisschen die Zielgruppe ableiten. Auch ansonsten ist Bad Spies ein Film, der ganz leichten Kost, der versucht die Massen zu unterhalten. Dabei darf natürlich der typische Witz unter der Gürtellinie nicht fehlen.
So tröpfelt der Film dann auch vor sich hin. Eigentlich rennen die beiden Damen – natürlich vollkommen überfordert mit der Welt – immer nur Kreischend von einem Ort zum anderen. Nur unterbrochen von Actioneinlagen, die mitunter wirklich gut choreographiert und gefilmt wurden. Diese sind dann aber auch meistens so überdimensional dargestellt, dass sich keine Spannungskurve aufbauen kann. Stattdessen verfolgt man Kunis und McKinnon von einer Stadt in die nächste, wobei Zeit auch sehr relativ ist – ich sag nur in unter 24 Stunden von Los Angeles nach Wien, mit mind. 13 Stunden Flugzeit und Zeitverschiebung… – und hat schon bald jegliches Interesse an der Handlung verloren. Trotzdem muss man dem Film zugutehalten, dass es tatsächlich 2-3 wirklich geistreiche Humoreinlagen gab, die den Film dann doch etwas aufgewertet haben.
Das große Finale war dann eine Mischung aus sehr konstruiert und absolut übertrieben. Allerdings doch wieder mit einem gewissen Charme, was man auch über den Rest des Films sagen kann, weswegen Bad Spies doch nicht der große Reinfall ist, auf den er hingesteuert hat.

Das Fazit

Bad Spies ist Popcornkino von der ganz einfachen Art und dabei leider auch nicht wirklich einfallsreich. Mitunter gibt es ein paar geistreiche Witze, die dann auch wirklich Spaß machen. Alles in allem aber eher ein schwächerer Film. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Bad Spies erscheint am 30.08.2018 in den deutschen Kinos.

Deine Juliet

Ein Vorwort

Mitten zwischen Frankreich und Großbritannien, da liegen sie: die Kanalinseln. Größtenteils vergessen und von der Menschheit wenig beachtet und doch, wenn man einen genaueren Blick auf sie wirft, wunderschön. Auch zur Zeit des zweiten Weltkrieges hatten es die Inselbewohner nicht leicht. Unterjocht von den Deutschen, ignoriert von den Briten. So ist nach Ende des Krieges der Hass auf beide Nationen groß auf den Inseln. Doch genau hier spielt Deine Juliet, der im Original den unnatürlich langen Titel „The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society“ trägt.

Die Handlung

1946. Juliet Ashton ist eine Autorin aus London und nicht so richtig begeistert von ihren Werken und quält sich eher durch ihre Lesereise. Eines Tages erreicht sie durch Zufall ein Brief von einem Dorsey Adams von der Insel Guernsey, der sie bittet ein Buch für seinen Buchclub zu finden. Juliet ist begeistert von dem Brief und die beiden schreiben sich mehrfach, ehe Juliet beschließt nach Guernsey zu reisen. Dort besucht sie den Buchclub und merkt schnell, dass alle ein großes Geheimnis verbergen. Begeistert von Land und Leute beschließt Juliet länger zu bleiben und dem Geheimnis auf den Grund zu gehen.

Meine Meinung

Deine Juliet schafft es mehrere Sachen gekonnt zu kombinieren. An vorderster Stelle steht die wunderschöne Landschaft Guernseys, die bei mehreren Inselrundgängen zur Geltung kommt. Auch wenn hier natürlich auch immer Hinweise auf die kürzlich vergangene Besatzungszeit gegeben werden, beispielsweise wurden viele Teile des Strandes vermint. Trotzdem kann man in der Landschaft versinken und wünscht sich gleich für den nächsten Urlaub dorthin.
Zum anderen ist da die geschichtliche Einbettung. Rückblenden werden aus der Zeit der deutschen Besatzung erzählt und wie das für die Bewohner war. Hier wird aber nicht verzweifelt versucht die Deutschen schlecht darzustellen, sondern es wird möglichst realistisch wiedergegeben. Auch der Kontext, dass die Inselbewohner auch auf die Briten nicht sonderlich gut zu sprechen waren, wird gut eingebunden.
Und zum Schluss ist da einfach nur noch die liebevolle Handlung. Sie ist absolut stimmig, auch wenn ein paar Stellen mitunter etwas konstruiert wirken und einige Wendungen vorhersehbare waren. Aber es gab auch einige Entwicklungen, die man so nicht vorhersehen konnte. Und genau dieser Teil macht Deine Juliet nicht nur sehenswert, sondern auch spannend. Durch geschickte Einbindung von Rückblenden, bleibt das große Geheimnis durchgehend präsent und der Zuschauer geht mit Juliet auf eine Schnitzeljagd, die einem ans Herz geht.
Am meisten lebt Deine Juliet aber von liebenswerten Charakteren und der dazu sehr gut gewählten Besetzung. So war Lily James eindeutig die passende Wahl für die Rolle der Juliet Ashton. Sie schafft es gekonnt den inneren Zwiespalt des Charakters zum Ausdruck zu bringen, ihre Suche nach einem Platz zum Ankommen, nachdem sie in London ausgebombt wurde. Auch stimmt die Chemie zwischen ihr und den anderen Darstellern, allen voran Michiel Huisman als Dorsey Adams.

Das Fazit

Deine Juliet ist ein Film, der optisch wunderschön ist, geschichtlich gut recherchiert und mit liebevollen Charakteren eine runde Handlung bietet. Kleinere Vorhersehbarkeiten oder konstruierte Szenen sind Jammern auf hohem Niveau. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Deine Juliet läuft seit dem 09.08.2018 in den deutschen Kinos.

Skyscraper

Ein Vorwort

Die Marke Dwayne „The Rock“ Johnson hat in den letzten Jahren verstärkt neue Filme ins Kino gebracht. Während San Andreas recht ordentlich war und Jumanji – Welcome to the Jungle ein absoluter Kracher, konnten Baywatch und zuletzt Rampage – big meets bigger eher weniger überzeugen. Nun kommt das nächste Actionabenteuer in die  Kinos. Auf dem ersten Blick sieht es aus wie die Dwayne Johnson Variante von High Rise. Hier erfahrt ihr, was der Film wirklich kann.

Die Handlung

Will Sawyer (Dwayne Johnson) bekommt ein Jobangebot als Sicherheitschef des größten und modernsten Gebäudes der Welt. Seine Familie darf dort auch gleichzeitig leben. Doch kurz darauf gibt es einen Terrorangriff auf das Gebäude. Die Terroristen haben es auf den Gründer des Gebäudes Zhao Long Ji (Chin Han) abgesehen, schließen aber Sawyers Familie mit im Gebäude ein. Dieser sucht nun einen Weg hinein zur Rettung seiner Familie.

Meine Meinung

Die Grundprämisse von Skyscraper klang zumindest ganz interessant. Leider hat Mr. Johnson nun endgültig der Glaubhaften Hintergrundgeschichte abgeschworen und diese einfach mal in 10 Minuten abgearbeitet. Direkt danach geht es mit der geballten Actionladung los. Die hält genau das, was der Trailer versprach. Viele halsbrecherischen Aktionen sollen dafür sorgen, dass das Publikum durchgehend angespannt den Film verfolgt und ständig um seinen Protagonisten bangen soll. Der spektakulärste Stunt ist dabei nicht einmal der im Trailer dargestellte Sprung vom Baukran in das Gebäude – welcher inzwischen schon von allen Wissenschaftlern als unmöglich bewiesen wurde. Aber allein dieser Stunt kostet viel von den 103 Minuten – mindestens 15 Minuten verfolgen wir Mr. Johnson beim raufklettern und beim abschließenden Sprung. Man merkt also schon an diesem Beispiel, dass die Action viel zu übertrieben und abgedreht ist. Als Mr. Johnson kurz darauf auch noch Mr. Cruise und seiner Kletteraktion am Burj Khalifa nacheifert – und das ohne dessen Spezialausrüstung – ist der Frustrationsgrad im Kinosaal leider bereits sehr hoch. Statt an der Leinwand zu kleben vor Spannung, sitzt man dezent gelangweilt mit fast minütlichem Blick auf die Uhr da.
Dabei hätte man das Ganze mit einer glaubhafteren und auserzählten Hintergrundgeschichte entspannen können. Dann hätte man die Action glaubhafter und weniger abgedreht darstellen können. Denn optisch bietet Skyscraper einiges. Das Hightechgebäude hat einiges zu bieten und auch Hongkong als Kulisse hätte man deutlich mehr einbauen können.
Schauspieltechnisch ist leider auch nicht mehr als Durchschnitt drin. Dwayne Johnson liefert seine übliche Performance ab und die anderen Darsteller liefern genau das ab, was für den Film nötig ist, aber auch kein bisschen mehr.

Das Fazit

Skyscraper hat eine schöne Grundprämisse und könnte Mission Impossible mit High-Rise kombinieren. Leider bleibt am Ende nur die schöne Optik des Gebäudes und eine Vielzahl an abgedrehten Actionsequenzen. Den Zuschauer lässt der Film dadurch leider kalt. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Skyscraper läuft seit dem 12.07.2018 in den deutschen Kinos.

Catch me!

Ein Vorwort

Wer hat es in seiner Kindheit nicht gespielt? Wir sprechen von dem einfachen Spiel Fangen. Jemanden zu berühren und „du bist!“ zu rufen, hat vielen von uns wohl Spaß gemacht. Nicht aber denjenigen, die zu langsam waren, um effektiv jemanden zu fangen – zu der auch meine Wenigkeit gehörte… Doch es gibt eine Gruppe Männer, die tatsächlich seit 30 Jahren Fangen spielen, jedes Jahr im Mai. Von dieser Geschichte inspiriert, befasst sich der Film Catch me! mit genau diesen Männern.

Die Handlung

Die Freunde Jerry (Jeremy Renner), Hoagie (Ed Helms), Bob (John Hamm), Chillie (Jake Johnson) und Kevin (Hannibal Buress) spielen jedes Jahr im Monat Mai Fangen. Dabei ist Jerry ungeschlagen. Doch dieses Jahr im Mai heiratet er und seine Freunde haben nur ein Ziel. Jerry endlich zu fangen.

Meine Meinung

Catch me! ist einer dieser Komödien, die immer haarscharf an einer Blödelkomödie vorbeischrammen. Wobei er das immer mit einem ironischen Augenzwinkern tut. Das dürfte vor allem in der Diversität der Darsteller liegen. Während Jeremy Renner sich bisher neben großen Franchises, wie dem MCU, den Mission Impossible-Teilen und auch der Bourne-Reihe, eher durch starkes Schauspiel, wie zuletzt in Arrival und Kill the Messenger, hervor tat und John Hamm zuletzt in Baby Driver ebenfalls eine starke Rolle spielte, sind Ed Helms, vor allem bekannt durch die Hangover-Teile und Hannibal Buress, mit Blödelkomödien, wie Bad Neighbours im Repertoire, eher keine Charakterdarsteller. Und nicht zuletzt ist da noch Jake Johnson, der neben seinen Verpflichtungen in der Sitcom New Girl, eher durch Filme, wie Let’s be Cops – Die Partybullen auf sich aufmerksam machte. Aber was beim Cast am wichtigsten ist. Ausnahmslos alle scheinen unglaublich viel Spaß am Film zu haben, was man ihnen auch anmerkt. Und das obwohl sich Mr. Renner bereits am Anfang beide Arme brach und den Film mit grünen Verbänden (für den Green-Screen) spielte.
Handlungstechnisch fängt Catch me! mit der Vorstellung der einzelnen Charaktere an. Es ist Mai und demnach ist die Fang-Saison eröffnet. So fängt Hoagie an, nach und nach alle Freunde einzusammeln. Dabei an seiner Seite seine Frau Anna (Isla Fisher). Als er Bob abholt, der mit seiner Firma ein erfolgreicher Geschäftsmann geworden ist, beschließt Rebecca Crosby (Annabelle Wallis) vom Wall Street Journal, die eigentlich einen Artikel über Bob als Geschäftsmann schreiben sollte, mit zugehen, um in ihrem Artikel über die Freunde zu schreiben, die seit 30 Jahren Fangen spielen. So richtig los geht es dann aber erst, wenn sie bei Jerry eintreffen.
Das beachtlichste an Catch me! ist wohl, dass er spielend leicht zwischen Stimmungen, Schauplätzen und mitunter auch Genres hin und her springt. So gibt es neben den Dialogen, auch Szenen, die aus einem Thriller entsprungen sein könnten, es gibt genug Drama und auch bedrückende Szenen, die im Look eines Horrorfilms daher kommen. Aber alles ist, wie bereits oben erwähnt, immer mit einem ironischen Augenzwinkern versehen, so dass man nicht vergisst, dass alles im Stile einer Komödie ist. Man könnte hier anmerken, dass Catch me! mitunter vergisst, was er eigentlich erzählen will und die Szenen mitunter sehr gestellt wirken. Aber letztendlich machen auch die einfach Spaß.

Das Fazit

Catch me! bleibt eine Komödie, aber eine, die experimentiert, was teilweise merkwürdig erscheint, am Ende aber doch irgendwie zusammen passt. Letztendlich macht der Film einfach Spaß, trotz geringer Gagdichte für eine Komödie. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Catch me! läuft seit dem 26.07.2018 in den deutschen Kinos.

Cinemathek: The Secret Man

Ein Vorwort

Wenn man das Wort Whistleblower hört, dann denkt man im ersten Moment wohl an Edward Snowden, der in den letzten Jahren nicht nur für Schlagzeilen sorgte, sondern bekam mit Cititen Four und Snowden auch einen eigenen Dokumentains- sowie Kinofilm. Aber wem genau sagt der Name Mark Felt etwas? Der Mann, der Watergate in Gang brachte und viele Jahre weit oben beim FBI arbeitete und insgeheim einer der größten Whisteblower der Geschichte ist? Genau um ihn geht es in the Secret Man, der den Originaltitel „Mark Felt, the man who brought down the white house“.

Die Handlung

Mark Felt (Liam Neeson) bereitet sich nach dem Tod von J. Edgar Hoover auf die Übernahme dessen Postens beim FBI vor. Der Präsident setzt jedoch Patrick Gray (Marton Csokas) an den Posten. Als die Ermittlungen zu Watergate auch noch sehr schnell abgehandelt werden sollen, bekommt Felt Zweifel am System und gibt gezielt Informationen an die Washington Post weiter.

Meine Meinung

The Secret Man wartet mit einer tollen Optik und einem gut gewählten Cast auf. Allen voran Liam Neeson als Mark Felt kann nach seiner Karriere als Action Star endlich wieder beweisen, dass er auch abseits davon ein toller Charakterschauspieler ist. Zudem scheint ihm die Rolle des Vize-Präsidenten des FBI auf den Leib geschnitten zu sein. Er muss nur den Raum betreten und schon strahlt er eine Bedeutsamkeit aus, die der Rolle sehr gut bekommt. Doch auch der restliche Cast muss sich nicht verstecken. Bei Ike Barinholtz ist das doch sehr überraschend, hat der Comedian bisher doch eher in Blödelkomödien, wie Bad Neighbours, Beilight oder Der Sex-Pakt mitgespielt. Hier beweist er das erste Mal, dass er auch ernste Rollen spielen kann, wenn er möchte.
Die Handlung ist stringent aufgebaut und die Geschehnisse werden erzählt, kurz nachdem Hoover gestorben ist und Watergate aufgedeckt wurde. Auch hier tritt The Secret Man mit einem starken Drehbuch auf und überzeugt vor allem durch stark geschriebene Dialoge. Doch leider liegt hier in der größten Stärke des Films auch die größte Schwäche. Zumindest für den durchschnittlichen Zuschauer, der keinen Abschluss in amerikanischer Politik hat. Denn die Gespräche fanden größtenteils hinter verschlossenen Türen statt. Diese werden zwar im Film „geöffnet“, aber selbst dahinter konnten immer nur Andeutungen gemacht werden. Und wenn einem nicht gerade geläufig ist, wie genau das amerikanische System funktioniert und wie viel Einfluss beispielsweise das Justizministerium hat, dann fällt es einem sehr schwer den Dialogen und ihrer Bedeutung zu folgen. Dennoch versteht sich The Secret Man darin, die Geschichte weitestgehend spannend zu erzählen und die wichtigsten Entwicklungen deutlich zu machen.

Das Fazit

The Secret Man triumphiert mit starkem Drehbuch und starkem Cast, verliert sich aber in seiner eigenen Stärke und hätte vielleicht ab und an mal einen Hinweis an die Zuschauer senden können, wie groß die Wichtigkeit gewisser Männer oder Institutionen war, damit der Film für den Laien besser verständlich wäre. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

The Secret Man lief ursprünglich ab dem 02.11.2017 in den deutschen Kinos.

Die Farbe des Horizonts

Ein Vorwort

1983 wurden Tami Oldham und Richard Sharpe gebeten von Tahiti nach Kalifornien zu segeln. 2002 schafft es Tami in ihrem Buch Red Sky in Mourning ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Nun 2018 nimmt sich Regisseur Baltasar Kormakur der Sache an und verfilmt das Buch. Dabei lässt er die Darsteller alles geben und filmt nicht im Titanic-Filmbecken, sondern auf offener See. Lohnt sich der Aufwand?

Die Handlung

Tami Oldham (Shailene Woodley) reist kreuz und quer durch die Welt und nimmt überall Übergangsjobs an. Auf Tahiti lernt sie schließlich den Segler Richard Sharpe (Sam Claflin) kennen. Sie verlieben sich ineinander. Eines Abends trifft Richard befreundete Segler, die ihn bitten ihre Yacht von Tahiti nach Kalifornien zu segeln. Tami und Richard brechen auf, geraten aber 1.500 Seemeilen vor Hawaii in einen heftigen Sturm. 27 Stunden später wacht Tami auf und findet sich auf der inzwischen halb zerstörten Yacht. Ein Überlebenskampf beginnt.

Meine Meinung

Die Vermarktung von Die Farbe des Horizonts erwies sich ein wenig schwer. Noch vor Beginn des Films war unklar, ob es sich nun um eine Liebesgeschichte handelt, die mit ein bisschen Survival Drama gespickt wurde, oder es sich um ein Survival Drama handelt, das auch eine Liebesgeschichte beinhaltet. Das Problem ist in diesem Fall: Weder noch. Denn Liebesgeschichte und Survival Drama werden hier absolut gleichwertig behandelt. So sieht der Zuschauer zwar gleich zum Anfang, dass etwas Schlimmes passiert sein muss, lernt die beiden Protagonisten aber erst einmal kennen, wenn sie sich beide selbst kennenlernen. Von da an wechselt der Film in gleichmäßigen Abständen zwischen der Liebesgeschichte der Beiden und dem Stand nach dem Sturm, der das Boot teilweise zerstört hat. Der Wechsel ist gekonnt in Szene gesetzt und beide Geschichten bekommen einen ähnlich großen Anteil am Film.
Problematisch wird es jedoch schon ziemlich zu Beginn. Eine durchaus talentierte Shailene Woodley wird auf einem kaputten Boot von A nach B geschickt, um überall mal herumzutaumeln. Schnitt zu ihrer Ankunft auf Tahiti. Sie bekommt dort einen Job, Schnitt zurück zum kaputten Boot. Sie versucht das Boot zu reparieren, Schnitt zurück zu Tahiti, wo nun Sam Claflin seinen ersten Auftritt hat. Ihr merkt, es wird teilweise sehr schnell und sehr wahllos hin und hergeschnitten. Man kommt in keiner der beiden Handlungen richtig an. Beide erzählen ihre Vorgeschichten nur sehr kryptisch, so dass man zu beiden Charakteren immer eine Distanz bewahrt. Es dauert eine ganze Weile, bis man sich an den ständigen Wechsel gewöhnt hat und auch realisiert hat, dass der Part der Vorgeschichte sich über gut zwei Jahre streckt.
Schauspieltechnisch geben Woodley und Claflin alles. Was sie aber trotzdem nicht schaffen, ist eine Chemie zwischen ihren Charakteren aufzubauen. Selbst am Ende nimmt man ihnen die Liebesbeziehung nicht wirklich ab.
Hinzukommt, dass sich Regisseur Kormakur mit der Wahl des offenen Meeres statt eines Studios nicht gerade geholfen hat. Die gleichen sehr einfachen Kameraeinstellungen wiederholen sich immer wieder, da nicht wirklich mehr Spielraum gewesen sein dürfte. Von der Optik her ist die Farbe des Horizonts jedoch absolut herausragend. Gerade Unterwasseraufnahmen sind liebevoll und mitunter teilweise kunstvoll inszeniert.

Das Fazit

Die Farbe des Horizonts erzählt eine interessante und wahre Geschichte und kann mitunter durch tolle Aufnahmen bestechen. Leider wird zwischen zwei Erzählabschnitten sehr schnell hin und her geschnitten, was den Charakteren viel Tiefe nimmt und sich auch auf die Chemie zwischen den beiden Darstellern auswirkt. Hinzu kommen viele sehr einfache Kameraeinstellungen, so dass man nicht wirklich überzeugt den Kinosaal verlässt. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Die Farbe des Horizonts läuft seit dem 12.07.2018 in den deutschen Kinos.

Ant-Man & the Wasp

Ein Vorwort

Marvel hat mit Avengers: Infinity War dieses Jahr eigentlich bereits ihren Megakracher losgelassen, von dem sich einige Marvel-Fans – inklusive mir – noch nicht so richtig erholt haben. Nun muss Ant-Man & the Wasp nicht nur das Sommerloch stopfen, sondern auch noch mit der Konkurrenz aus eigenem Haus mithalten. Startete doch schon der erste Teil direkt nach Avengers: Age of Ultron und rundete damit Phase 2 ab. Was kann Ant-Man & the Wasp nun schlussendlich eigentlich?

Was bisher geschah 

Hier werden ich kurz zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

In Ant-Man lernten wir Scott Lang kennen, der gerade eine Haftstrafe abgesessen hat und nun auf legalen Weg versucht Fuß zu fassen. Da dies aber nicht so einfach ist, beschließt er mit seinem besten Freund Luis noch ein letztes Ding abzuziehen. Dabei bricht er in die Villa des Geschäftsmannes Hank Pym ein und klaut dabei einen Anzug, der ihn auf Ameisengröße schrumpfen lässt. Pym, der gerade sein Unternehmen an den ehrgeizigen Darren Cross verliert, versucht nun Lang anzuwerben, um Cross aufzuhalten, ehe er hinter die Formel für den Anzug kommt. Mit dabei sind Pyms Tochter Hope und natürlich Luis. Doch Cross hat bereits seinen Yellowjacketanzug entwickelt. Lang muss ihm im großen Endkampf entgegen treten.
In Captain America – Civil War eilt Scott Lang Captain America zur Hilfe und hält am Leipziger Flughafen in Caps Team die Mitglieder von Team Iron Man auf. Dort wird er letztendlich gefangen und mit den anderen Mitgliedern von Caps Team eingesperrt.

Die Handlung

Zwei Jahre nach den Geschehnissen auf dem Leipziger Flughafen (Civil War), steht Scott Lang (Paul Rudd) noch immer unter Hausarrest. Seine Freunde Hank Pym (Michael Douglas) und Hope van Dyke (Evangeline Lilly) sind auf der Flucht. Von zu Hause aus versucht Scott die Sicherheitsfirma, die er zusammen mit seinen Freunden, unter anderem Luis (Michael Pena) gegründet hat, zu führen. Bis Hank und Hope vor seiner Tür auftauchen. Denn seit Scott im ersten Teil den Sprung in die Quantenebene und zurück geschafft hat, versuchen die beiden, Hopes Mutter Janet ebenfalls aus der Quantenebene zu befreien. Unterwegs müssen sie nicht nur mit Technologiehändler Sonny Birch (Walton Goggins) klarkommen, sondern auch mit der durch Materie gehenden Ghost (Hannah John-Kamen).

Meine Meinung

Während der erste Teil eine Art Heist-Movie mit Superheldencharme war, muss sich der zweite Teil nun behaupten. Die Figuren sind bekannt und müssen nun weiterentwickelt werden. Gleichzeitig muss aber auch eine neue Bedrohung geschaffen werden. Ersteres gelingt Regisseur Peyton Reed sehr gut, der zweite Aspekt eher semioptimal. Denn während mit der Rettungsaktion für Janet van Dyke aus der knallharten Hope nun endlich ein fühlendes Wesen wird und auch Hanks Taten damals bei S.H.I.E.L.D. kritisch hinterfragt werden, ist Walton Goggins Birch eher ein Running-Gag, denn eine wirkliche Bedrohung. Lediglich die mysteriöse Ghost bringt ein bisschen Schwung in die Geschichte.
Was Ant-Man aber wieder einmal zu einem sehenswerten Film macht, ist die sehr gute Choreographie der Kampfszenen. Mit dem stetigen Wechsel zwischen Ameisengröße und Menschengröße – oder gerne auch einmal Riesengröße – entsteht im Kampf eine ganz eigene Dynamik, die nur noch einmal von Ghosts Angewohnheiten durch feste Körper gehen zu können, getoppt wird und im Zusammenspiel erst recht Spaß macht. Hier muss sich Reed an keiner Stelle hinter seinem Vorgänger Wright verstecken.
Handlungstechnisch ist Ant-Man & the Wasp relativ einfach gehalten. Es ist eine ständige Flucht, obwohl Lang eigentlich an sein Haus gebunden ist. Als roter Faden dient Janets Rettung aus der Quantenebene. Aber eigentlich macht der Film einfach wieder nur Spaß. Denn ernstere Szenen werden gerne gleich wieder mit einem flotten Spruch aufgewertet und auch die Gagdichte ist wieder hoch. Und natürlich dürfen Luis ausufernde Geschichten nicht fehlen, die aber auch hier wieder gut in die Handlung eingebettet wurden.

Das Fazit

Ant-Man & the Wasp kann vielleicht vom Gesamteindruck nicht mit einem Avengers: Infinity War konkurrieren und hat seine Handlung relativ einfach gehalten, schafft es aber durch die gute Kampfchoreographie und dem ständigen Größenwechsel gepaart mit dem typischen Marvelhumor, ein eigenes Statement zu setzen und beweist, dass nicht in jedem Superheldenfilm die Welt untergehen muss, um einen spannenden Film zu kreieren. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Ant-Man & the Wasp läuft seit dem 26.07.2018 in den deutschen Kinos.

P.S. Es handelt sich um einen Marvelfilm! Also nicht gleich zum Beginn der Credits aufspringen und den Saal verlassen 😉

Cinemathek: The Square

Ein Vorwort

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: The Square.
Was hat The Square mit The Insult, Körper und Seele und Loveless gemeinsamen? Genau sie alle unterlagen Eine fantastische Frau aus Chile im Rennen um den besten fremdsprachigen Oscar 2018. The Square erhielt ebenfalls eine Nominierung als bester fremdsprachiger Film bei den Golden Globe Awards und gewann in Cannes die goldene Palme. Doch was kann der Film eigentlich, der die Kritiker begeisterte?

Die Handlung

Christian (Claes Bang), der Kurator eines schwedischen Kunstmuseums, wird auf der Straße Opfer eines Trickbetrugs. Da er aber sein gestohlenes Handy orten kann, stellt er alle Mieter unter Generalverdacht, um seine Sachen wiederzuerlangen. Gleichzeitig gibt es in seinem Museum ein neues Kunstprojekt namens the Square, welches es zu vermarkten gilt. Den Kopf voller privater Dinge, lässt Christian zu, dass das Marketingunternehmen freie Hand bekommt, um einen viralen Hit zu erzeugen.

Meine Meinung

The Square ist einer dieser Filme, die hochtrabend künstlerisch sein wollen und dabei vergessen ihre eigentliche Geschichte zu erzählen. So trieft der Film nur so vor Metaphern, die ihren belehrenden Zweck aber mit der Zeit verlieren, da eine Metapher noch nicht ganz fertig erzählt ist und schon die nächste anfängt.
Zunächst startet The Square ganz ambitioniert. Das neue Kunstprojekt wird aufgebaut und mit einer Inschrift versehen, die bei jedem Leser erst einmal Fragen aufwirft. Doch statt diese zu klären, baut der Film erst einmal eine ganz neue Handlung auf rund um den Kurator Christian. Dabei entgeht ihm wohl, dass er sein namensgebendes Kunstprojekt immer noch nicht erklärt hat. Erst viele Minuten später fällt ihm das wieder ein und es wird eine Szene mit Marketingexperten eingespielt, die The Square vermarkten sollen. Leider hält er sich auch in dieser Szene mit so vielen Kleinigkeiten und Nebenerzählungen auf, dass man am Ende noch genau so schlau wie vorher ist. Und so geht es leider immer weiter. Nach 2,5 Stunden, hat der Film eine Handlung gezeigt, die auch in 90 Minuten fertig erzählt wäre und dann immer noch genug Zeit hätte, um sich seinem eigentlichen Kunstprojekt zu widmen. Stattdessen wird der Film durch langgestreckte künstlerische Einlagen so sehr gezerrt, dass man zwischendurch die Handlung komplett vergisst und der ein oder andere Zuschauer mag auch weggenickt sein.
Darstelltechnisch mag es teilweise auch etwas plump rübergekommen sein, weil die deutsche Synchronisation nicht so recht zu passen schien. Da will ich mich nicht festlegen, ohne den Film mal im OmU gesehen zu haben, allerdings hat Hauptdarsteller Claes Bang seine Rolle im deutschen selbst synchronisiert.

Das Fazit

The Square hat viel gewollt und es dann aber mit den künstlerischen Ambitionen so übertrieben, dass sie vom eigentlichen Ziel abgekommen sind. Man weiß zwar, was der Film einem sagen will, aber die Umsetzung lässt trotzdem stark zu wünschen übrig. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

The Square lief ursprünglich ab dem 19.10.2017 in den deutschen Kinos.

Mamma Mia 2 – Here we go again

Ein Vorwort

Im Jahr 2008 lief das ursprünglich als Broadway Musical konzipierte Stück Mamma Mia erstmals im Kino. Mit einer großartigen Handlung konnte der Film weniger punkten, als vielmehr mit viel Herz und guter Laune und natürlich den großen ABBA-Klassikern. Unter dem Motto „Here we go again“ kam nun der nächste Teil in die Kinos. Und es wird wieder Musik, Spaß und viel Herz versprochen. Kann der zweite Teil dieses Versprechen halten?

Die Handlung

Sophie (Amanda Seyfried) hat das halb verfallene Hotel ihrer Mutter Donna komplett renoviert und wartet nun auf die große Eröffnung. Mit an ihrer Seite ist einer ihrer drei Väter Sam (Pierce Brosnan). Ihr Verlobter Sky (Dominic Cooper) und ihre beiden anderen Väter Bill (Stellan Skarsgard) und Harry (Colin Firth) sind leider verhindert. Dafür reisen die beiden besten Freundinnen ihrer Mutter an Tanya (Christine Baranski) und Rosie (Julie Walters). In Rückblenden wird gezeigt wie die junge Donna (Lily James) das Hotel damals fand und sich in drei Männer verliebte, woraus letztendlich Sophie entstand.

Meine Meinung

Here we go again wird in zwei Zeitebenen erzählt. Zum einen die Geschichte rund um Sophie und die Hoteleröffnung, zum anderen die Geschichte wie die junge Donna in die Welt zog und die kleine griechische Insel Kalokairi fand. Die Geschichten sind beide ausgeglichen und werden durch gekonnte Übergänge verbunden. An sich ist die Handlung, wie schon im ersten Teil, sehr einfach gehalten. Trotzdem fährt sie wieder mit Witz und Charme auf, so dass einen der Film schon so durchgehend zum Lächeln bringt. Und dann kommen wieder die ABBA-Lieder hinzu. Natürlich darf der namensgebende Klassiker nicht fehlen. Ansonsten sah sich der zweite Teil gezwungen andere Lieder als im ersten zu verwenden. Während dort noch die fröhlichen Partylieder dominierten, sind nun eindeutig die traurigeren Lieder auf dem Vormarsch. Das mindert den Spaß aber nur geringfügig, weil doch immer ein Partylied wieder dazwischen geschoben wurde. Aber auch die melancholischen Lieder ändern nichts daran, dass ABBA einfach immer wieder Spaß macht. Allerdings merkt man der Handlung an einigen Stellen doch deutlich an, dass sie stark verbogen werden musste, damit wieder ein Lied auch passt.
Aber auch darüber kann man großzügig hinwegsehen, wenn man wieder das ehrliche Lachen in den Gesichtern der Darsteller sieht und merkt, wie viel Spaß sie schon bei den Dreharbeiten gehabt haben müssen. Und genau dieses Gefühl überträgt sich auch auf den Zuschauer. So ist es egal, wie viele Schwächen die Handlung aufweist, wie sehr sie verbogen werden musste, um das nächste Lied wieder einbringen zu können, Mamma Mia 2 kann mit dem ersten Teil deutlich mithalten und eignet sich perfekt für einen Fernsehabend mit Freunden, bei dem man dann auch endlich bei den Liedern laut mitsingen und mittanzen kann, was im Kino leider nicht so gut angekommen wäre. Er hat Witz und Charme und kann trotzdem auch traurige Momente gut rüberbringen.

Das Fazit

Wer den ersten Teil mochte, wird auch den zweiten Teil gut finden. Wer Lust auf ein spaßiges Spektakel mit ABBA-Lieder hat, findet sich trotz einiger Schwachstellen hier gut aufgehoben. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Mamma Mia – Here we go again läuft seit dem 19.07.2018 in den deutschen Kinos.

Sense 8

Ein Vorwort

Seit mein Lebensgefährte und ich uns entschieden haben, uns einen Netflix-Account zuzulegen, lag eine Serie auf meiner Merkliste: Sense 8. Sie lag da, weil sie gut klang. Allerdings staubte sie nun auch seit beinahe drei Jahren zu, weil immer andere Serien den Vortritt bekamen. Als dann jedoch die Singende Lehrerin ihre Passion in der Serie fand, wagte ich mich doch endlich heran, zumal die Wachowski-Schwestern die Serie gestaltet haben und seinerzeit mit Matrix einen echt guten Job gemacht haben. Ich empfehle beim Lesen dieser Kritik „What’s up“ von den 4 Non Blondes zu hören, da dieser Song in der Serie eine größere Rolle spielt.

Die Handlung

Acht Personen in sieben verschiedenen Ländern über vier Kontinente verteilt, bekommen gleichzeitig eine Verbindung zueinander. Auf einmal können Sie mental zu den anderen reisen, mit ihnen reden oder sich insofern mit ihnen verbinden, dass sie die Fähigkeiten der anderen zu ihrem Vorteil nutzen können. Will, Riley, Sun, Capheus, Lito, Kala, Wolfgang und Nomi müssen die Entdeckungen erst einmal verdauen. Doch viel Zeit haben sie dafür nicht, denn eine geheime Organisation macht Jagd auf sie.

Meine Meinung

Unterschiedlicher könnten die Charaktere nicht sein. Einmal um den ganzen Erdball verstreut lernen wir in den ersten Folgen ihr Leben genauer kennen. Da wäre Will Gorski (Brian J. Smith), ein aufstrebender Chicagoer Polizist, der immer wieder mit den Drogengangs seiner Stadt zusammenstößt und mit seiner sanftmütigen Art eigentlich nur helfen will, aber nicht wirklich viel ausrichten kann. Dann Riley „Blue“ Gunnarsdóttir (Tuppence Middleton) eine Isländerin, die es nach London gezogen hat, um dort eine Karriere als D-Jane zu starten. Ihr größter Wunsch ist es nach Island zurückzukehren, aber sie hat dort ein großes Trauma erlitten und wagt sich daher nicht zurück. Wir lernen Capheus „Van Damme“ Onyango (Aml Ameen/Toby Onwumere) kennen, der in Nairobi einen Bus fährt, der mit Bildern von Jean-Claude Van Damme beklebt ist – daher sein Spitzname. Er versucht durch die Busfahrten genug Geld zusammenzubekommen, um sich und seine Aids-kranke Mutter zu versorgen. Da wäre Sun Bak (Bae Doona) aus Seoul, Südkorea, die in der Firma ihres Vaters arbeitet und dort die Veruntreuung ihres Bruders aufdeckt. Damit die Schande der Familie möglichst gering bleibt, gesteht sie die Veruntreuung und geht für ihren Bruder ins Gefängnis. Doch das hat Konsequenzen. Wir springen nach Mexiko-Stadt zu Lito Rodriguez (Miguel Angel Silvestre), einem aufstrebenden Schauspieler. Dafür muss er seine Sexualität verstecken, denn einen schwulen Schauspielstar gibt es in Mexiko nicht. Dafür sorgt seine Alibifreundin Daniela Velasquez. Wir reisen wieder einmal um die Welt und lernen Kala Dandekar (Tena Desae) in Indien kennen. Sie lebt in Mumbai und steht kurz vor einer arrangierten Ehe mit ihrem Chef. Hilfe sucht sie bei ihren Göttern. Auch Deutschland bekommt seine Rolle. So treffen wir auf Wolfgang Bogdanow (Max Riemelt), der russische Wurzeln hat und sich als Dieb über Wasser hält. Er wird nach einem großen Coup in Familienstreitigkeiten hineingezogen, so dass er eine folgenschwere Entscheidung treffen muss. Als letzte im Bunde ist da noch Nomi Marks (Jamie Clayton), eine Bloggerin und Hackerin. Nach ihrer Geschlechtsumwandlung wurde sie von Michael zu Nomi und verliebte sich in die Lesbe Amanita, mit der sie eine Beziehung führt. Nach einem Unfall wird sie ins Krankenhaus eingeliefert, wo eine Gehirnfehlfunktion festgestellt wird. Genau hier gibt es auch den ersten Berührungspunkt mit der BPO.

Sense 8 war ursprünglich auf fünf Staffeln angelegt. Nach der zweiten setzte Netflix diese leider aus Quotengründen ab, obwohl die Serie weltweit eine große Fangemeinde entwickelt hat. Nach vielen Kämpfen der Fans hat Netflix nun im Juni dieses Jahres ein Special in Spielfilmlänge veröffentlicht, um den großen Cliffhanger am Ende der zweiten Staffel zu lösen und die Serie laut Aussage Netflix zum Ende zu bringen. Für die wirklichen Sense 8 Fans ist der Kampf natürlich noch lange nicht zu Ende!
Allerdings merkt man dem Aufbau der Serie deutlich an, dass da noch mehr kommen sollte. So nimmt sich die Serie zunächst ausführlich Zeit wirklich alle Charaktere und ihre einzelnen Handlungen vorzustellen, ehe sie immer mehr zu einer Handlung verschmelzen. So hat – wie oben vorgestellt – jeder seine eigenen Probleme und Sorgen und muss gleichzeitig auch noch feststellen, dass er/sie mit seinen/ihren Gedanken nicht mehr alleine ist. So helfen Sie sich durch ihre unterschiedlichen Fähigkeiten in verschiedenen Situationen. Erst ganz langsam nach und nach wird stückweise offenbart, dass alle Acht in Gefahr sind und von einer geheimen Gruppe gesucht werden. Durch die sehr langsame Einführung fiel es mir anfangs sehr schwer in der Serie anzukommen. Während mir versichert wurde, dass der Süchtigkeitseffekt ab der vierten Folge der ersten Staffel eintritt, trat er bei mir tatsächlich erst in der zehnten Folge auf. Danach gab es aber auch kein Halten mehr und den Rest der Serie verschlang ich wesentlich schneller.
Die zweite Staffel beginnt auch mit einer Folge in Spielfilmlänge und kann durchaus ebenfalls als Special gesehen werden. Danach hält sich die Serie weiter an das Schema der einstündigen Folgen. In der zweiten Staffel kommt dann auch noch einmal eine größere Dynamik durch. Da der Schauspieler des Capheus ausstieg, wurde dieser neu besetzt und bekam dadurch auch noch einmal eine etwas neuere Handlung, was sich aber gut in das Gesamtkonzept eingefügt hat. In der zweiten Staffel wird sich auch nochmal deutlich mehr auf die große Gesamthandlung konzentriert, die Einzelhandlungen werden aber nie vernachlässigt.
Meine persönliche Lieblingsfolge ist aber tatsächlich das Finale Special! Die Folge trägt den Namen Amor Vincit Omnia, die sehr passend die Folge beschreibt. Hier treffen erstmals alle Charaktere aufeinander. Auch alle, die bisher nur in den Einzelhandlungen eine größere Rolle spielten. Ich möchte eigentlich auch gar nicht viel mehr verraten…

Sense 8 überzeugt neben Handlung, Dramaturgie, Spannungsaufbau und Darstellern vor allem noch durch eine weitere Sache. Ihre Weltoffenheit. Die Serie wurde nicht nur in vielen verschiedenen Ländern gedreht und verbindet damit verschiedene Kulturen und Religionen, sie verbindet auch verschiedene sexuelle Orientierungen. Ob heterosexuell, homosexuell oder Transgender, hier ist alles vertreten. Und jede Liebe hat seine eigenen Probleme, egal bei welcher Orientierung. Und genau das macht Sense 8 zu einer so besonderen Serie.

Das Fazit

Trotz schwerem Einstieg ist mir Sense 8 ans Herz gewachsen und ich kann die Serie nur weiterempfehlen. Die Weltoffenheit, die hier gezeigt wird, wünscht man sich auch für viele andere Serien.