Die Farbe des Horizonts

Ein Vorwort

1983 wurden Tami Oldham und Richard Sharpe gebeten von Tahiti nach Kalifornien zu segeln. 2002 schafft es Tami in ihrem Buch Red Sky in Mourning ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Nun 2018 nimmt sich Regisseur Baltasar Kormakur der Sache an und verfilmt das Buch. Dabei lässt er die Darsteller alles geben und filmt nicht im Titanic-Filmbecken, sondern auf offener See. Lohnt sich der Aufwand?

Die Handlung

Tami Oldham (Shailene Woodley) reist kreuz und quer durch die Welt und nimmt überall Übergangsjobs an. Auf Tahiti lernt sie schließlich den Segler Richard Sharpe (Sam Claflin) kennen. Sie verlieben sich ineinander. Eines Abends trifft Richard befreundete Segler, die ihn bitten ihre Yacht von Tahiti nach Kalifornien zu segeln. Tami und Richard brechen auf, geraten aber 1.500 Seemeilen vor Hawaii in einen heftigen Sturm. 27 Stunden später wacht Tami auf und findet sich auf der inzwischen halb zerstörten Yacht. Ein Überlebenskampf beginnt.

Meine Meinung

Die Vermarktung von Die Farbe des Horizonts erwies sich ein wenig schwer. Noch vor Beginn des Films war unklar, ob es sich nun um eine Liebesgeschichte handelt, die mit ein bisschen Survival Drama gespickt wurde, oder es sich um ein Survival Drama handelt, das auch eine Liebesgeschichte beinhaltet. Das Problem ist in diesem Fall: Weder noch. Denn Liebesgeschichte und Survival Drama werden hier absolut gleichwertig behandelt. So sieht der Zuschauer zwar gleich zum Anfang, dass etwas Schlimmes passiert sein muss, lernt die beiden Protagonisten aber erst einmal kennen, wenn sie sich beide selbst kennenlernen. Von da an wechselt der Film in gleichmäßigen Abständen zwischen der Liebesgeschichte der Beiden und dem Stand nach dem Sturm, der das Boot teilweise zerstört hat. Der Wechsel ist gekonnt in Szene gesetzt und beide Geschichten bekommen einen ähnlich großen Anteil am Film.
Problematisch wird es jedoch schon ziemlich zu Beginn. Eine durchaus talentierte Shailene Woodley wird auf einem kaputten Boot von A nach B geschickt, um überall mal herumzutaumeln. Schnitt zu ihrer Ankunft auf Tahiti. Sie bekommt dort einen Job, Schnitt zurück zum kaputten Boot. Sie versucht das Boot zu reparieren, Schnitt zurück zu Tahiti, wo nun Sam Claflin seinen ersten Auftritt hat. Ihr merkt, es wird teilweise sehr schnell und sehr wahllos hin und hergeschnitten. Man kommt in keiner der beiden Handlungen richtig an. Beide erzählen ihre Vorgeschichten nur sehr kryptisch, so dass man zu beiden Charakteren immer eine Distanz bewahrt. Es dauert eine ganze Weile, bis man sich an den ständigen Wechsel gewöhnt hat und auch realisiert hat, dass der Part der Vorgeschichte sich über gut zwei Jahre streckt.
Schauspieltechnisch geben Woodley und Claflin alles. Was sie aber trotzdem nicht schaffen, ist eine Chemie zwischen ihren Charakteren aufzubauen. Selbst am Ende nimmt man ihnen die Liebesbeziehung nicht wirklich ab.
Hinzukommt, dass sich Regisseur Kormakur mit der Wahl des offenen Meeres statt eines Studios nicht gerade geholfen hat. Die gleichen sehr einfachen Kameraeinstellungen wiederholen sich immer wieder, da nicht wirklich mehr Spielraum gewesen sein dürfte. Von der Optik her ist die Farbe des Horizonts jedoch absolut herausragend. Gerade Unterwasseraufnahmen sind liebevoll und mitunter teilweise kunstvoll inszeniert.

Das Fazit

Die Farbe des Horizonts erzählt eine interessante und wahre Geschichte und kann mitunter durch tolle Aufnahmen bestechen. Leider wird zwischen zwei Erzählabschnitten sehr schnell hin und her geschnitten, was den Charakteren viel Tiefe nimmt und sich auch auf die Chemie zwischen den beiden Darstellern auswirkt. Hinzu kommen viele sehr einfache Kameraeinstellungen, so dass man nicht wirklich überzeugt den Kinosaal verlässt. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Die Farbe des Horizonts läuft seit dem 12.07.2018 in den deutschen Kinos.

Ant-Man & the Wasp

Ein Vorwort

Marvel hat mit Avengers: Infinity War dieses Jahr eigentlich bereits ihren Megakracher losgelassen, von dem sich einige Marvel-Fans – inklusive mir – noch nicht so richtig erholt haben. Nun muss Ant-Man & the Wasp nicht nur das Sommerloch stopfen, sondern auch noch mit der Konkurrenz aus eigenem Haus mithalten. Startete doch schon der erste Teil direkt nach Avengers: Age of Ultron und rundete damit Phase 2 ab. Was kann Ant-Man & the Wasp nun schlussendlich eigentlich?

Was bisher geschah 

Hier werden ich kurz zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

In Ant-Man lernten wir Scott Lang kennen, der gerade eine Haftstrafe abgesessen hat und nun auf legalen Weg versucht Fuß zu fassen. Da dies aber nicht so einfach ist, beschließt er mit seinem besten Freund Luis noch ein letztes Ding abzuziehen. Dabei bricht er in die Villa des Geschäftsmannes Hank Pym ein und klaut dabei einen Anzug, der ihn auf Ameisengröße schrumpfen lässt. Pym, der gerade sein Unternehmen an den ehrgeizigen Darren Cross verliert, versucht nun Lang anzuwerben, um Cross aufzuhalten, ehe er hinter die Formel für den Anzug kommt. Mit dabei sind Pyms Tochter Hope und natürlich Luis. Doch Cross hat bereits seinen Yellowjacketanzug entwickelt. Lang muss ihm im großen Endkampf entgegen treten.
In Captain America – Civil War eilt Scott Lang Captain America zur Hilfe und hält am Leipziger Flughafen in Caps Team die Mitglieder von Team Iron Man auf. Dort wird er letztendlich gefangen und mit den anderen Mitgliedern von Caps Team eingesperrt.

Die Handlung

Zwei Jahre nach den Geschehnissen auf dem Leipziger Flughafen (Civil War), steht Scott Lang (Paul Rudd) noch immer unter Hausarrest. Seine Freunde Hank Pym (Michael Douglas) und Hope van Dyke (Evangeline Lilly) sind auf der Flucht. Von zu Hause aus versucht Scott die Sicherheitsfirma, die er zusammen mit seinen Freunden, unter anderem Luis (Michael Pena) gegründet hat, zu führen. Bis Hank und Hope vor seiner Tür auftauchen. Denn seit Scott im ersten Teil den Sprung in die Quantenebene und zurück geschafft hat, versuchen die beiden, Hopes Mutter Janet ebenfalls aus der Quantenebene zu befreien. Unterwegs müssen sie nicht nur mit Technologiehändler Sonny Birch (Walton Goggins) klarkommen, sondern auch mit der durch Materie gehenden Ghost (Hannah John-Kamen).

Meine Meinung

Während der erste Teil eine Art Heist-Movie mit Superheldencharme war, muss sich der zweite Teil nun behaupten. Die Figuren sind bekannt und müssen nun weiterentwickelt werden. Gleichzeitig muss aber auch eine neue Bedrohung geschaffen werden. Ersteres gelingt Regisseur Peyton Reed sehr gut, der zweite Aspekt eher semioptimal. Denn während mit der Rettungsaktion für Janet van Dyke aus der knallharten Hope nun endlich ein fühlendes Wesen wird und auch Hanks Taten damals bei S.H.I.E.L.D. kritisch hinterfragt werden, ist Walton Goggins Birch eher ein Running-Gag, denn eine wirkliche Bedrohung. Lediglich die mysteriöse Ghost bringt ein bisschen Schwung in die Geschichte.
Was Ant-Man aber wieder einmal zu einem sehenswerten Film macht, ist die sehr gute Choreographie der Kampfszenen. Mit dem stetigen Wechsel zwischen Ameisengröße und Menschengröße – oder gerne auch einmal Riesengröße – entsteht im Kampf eine ganz eigene Dynamik, die nur noch einmal von Ghosts Angewohnheiten durch feste Körper gehen zu können, getoppt wird und im Zusammenspiel erst recht Spaß macht. Hier muss sich Reed an keiner Stelle hinter seinem Vorgänger Wright verstecken.
Handlungstechnisch ist Ant-Man & the Wasp relativ einfach gehalten. Es ist eine ständige Flucht, obwohl Lang eigentlich an sein Haus gebunden ist. Als roter Faden dient Janets Rettung aus der Quantenebene. Aber eigentlich macht der Film einfach wieder nur Spaß. Denn ernstere Szenen werden gerne gleich wieder mit einem flotten Spruch aufgewertet und auch die Gagdichte ist wieder hoch. Und natürlich dürfen Luis ausufernde Geschichten nicht fehlen, die aber auch hier wieder gut in die Handlung eingebettet wurden.

Das Fazit

Ant-Man & the Wasp kann vielleicht vom Gesamteindruck nicht mit einem Avengers: Infinity War konkurrieren und hat seine Handlung relativ einfach gehalten, schafft es aber durch die gute Kampfchoreographie und dem ständigen Größenwechsel gepaart mit dem typischen Marvelhumor, ein eigenes Statement zu setzen und beweist, dass nicht in jedem Superheldenfilm die Welt untergehen muss, um einen spannenden Film zu kreieren. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Ant-Man & the Wasp läuft seit dem 26.07.2018 in den deutschen Kinos.

P.S. Es handelt sich um einen Marvelfilm! Also nicht gleich zum Beginn der Credits aufspringen und den Saal verlassen 😉

Cinemathek: The Square

Ein Vorwort

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: The Square.
Was hat The Square mit The Insult, Körper und Seele und Loveless gemeinsamen? Genau sie alle unterlagen Eine fantastische Frau aus Chile im Rennen um den besten fremdsprachigen Oscar 2018. The Square erhielt ebenfalls eine Nominierung als bester fremdsprachiger Film bei den Golden Globe Awards und gewann in Cannes die goldene Palme. Doch was kann der Film eigentlich, der die Kritiker begeisterte?

Die Handlung

Christian (Claes Bang), der Kurator eines schwedischen Kunstmuseums, wird auf der Straße Opfer eines Trickbetrugs. Da er aber sein gestohlenes Handy orten kann, stellt er alle Mieter unter Generalverdacht, um seine Sachen wiederzuerlangen. Gleichzeitig gibt es in seinem Museum ein neues Kunstprojekt namens the Square, welches es zu vermarkten gilt. Den Kopf voller privater Dinge, lässt Christian zu, dass das Marketingunternehmen freie Hand bekommt, um einen viralen Hit zu erzeugen.

Meine Meinung

The Square ist einer dieser Filme, die hochtrabend künstlerisch sein wollen und dabei vergessen ihre eigentliche Geschichte zu erzählen. So trieft der Film nur so vor Metaphern, die ihren belehrenden Zweck aber mit der Zeit verlieren, da eine Metapher noch nicht ganz fertig erzählt ist und schon die nächste anfängt.
Zunächst startet The Square ganz ambitioniert. Das neue Kunstprojekt wird aufgebaut und mit einer Inschrift versehen, die bei jedem Leser erst einmal Fragen aufwirft. Doch statt diese zu klären, baut der Film erst einmal eine ganz neue Handlung auf rund um den Kurator Christian. Dabei entgeht ihm wohl, dass er sein namensgebendes Kunstprojekt immer noch nicht erklärt hat. Erst viele Minuten später fällt ihm das wieder ein und es wird eine Szene mit Marketingexperten eingespielt, die The Square vermarkten sollen. Leider hält er sich auch in dieser Szene mit so vielen Kleinigkeiten und Nebenerzählungen auf, dass man am Ende noch genau so schlau wie vorher ist. Und so geht es leider immer weiter. Nach 2,5 Stunden, hat der Film eine Handlung gezeigt, die auch in 90 Minuten fertig erzählt wäre und dann immer noch genug Zeit hätte, um sich seinem eigentlichen Kunstprojekt zu widmen. Stattdessen wird der Film durch langgestreckte künstlerische Einlagen so sehr gezerrt, dass man zwischendurch die Handlung komplett vergisst und der ein oder andere Zuschauer mag auch weggenickt sein.
Darstelltechnisch mag es teilweise auch etwas plump rübergekommen sein, weil die deutsche Synchronisation nicht so recht zu passen schien. Da will ich mich nicht festlegen, ohne den Film mal im OmU gesehen zu haben, allerdings hat Hauptdarsteller Claes Bang seine Rolle im deutschen selbst synchronisiert.

Das Fazit

The Square hat viel gewollt und es dann aber mit den künstlerischen Ambitionen so übertrieben, dass sie vom eigentlichen Ziel abgekommen sind. Man weiß zwar, was der Film einem sagen will, aber die Umsetzung lässt trotzdem stark zu wünschen übrig. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

The Square lief ursprünglich ab dem 19.10.2017 in den deutschen Kinos.

Mamma Mia 2 – Here we go again

Ein Vorwort

Im Jahr 2008 lief das ursprünglich als Broadway Musical konzipierte Stück Mamma Mia erstmals im Kino. Mit einer großartigen Handlung konnte der Film weniger punkten, als vielmehr mit viel Herz und guter Laune und natürlich den großen ABBA-Klassikern. Unter dem Motto „Here we go again“ kam nun der nächste Teil in die Kinos. Und es wird wieder Musik, Spaß und viel Herz versprochen. Kann der zweite Teil dieses Versprechen halten?

Die Handlung

Sophie (Amanda Seyfried) hat das halb verfallene Hotel ihrer Mutter Donna komplett renoviert und wartet nun auf die große Eröffnung. Mit an ihrer Seite ist einer ihrer drei Väter Sam (Pierce Brosnan). Ihr Verlobter Sky (Dominic Cooper) und ihre beiden anderen Väter Bill (Stellan Skarsgard) und Harry (Colin Firth) sind leider verhindert. Dafür reisen die beiden besten Freundinnen ihrer Mutter an Tanya (Christine Baranski) und Rosie (Julie Walters). In Rückblenden wird gezeigt wie die junge Donna (Lily James) das Hotel damals fand und sich in drei Männer verliebte, woraus letztendlich Sophie entstand.

Meine Meinung

Here we go again wird in zwei Zeitebenen erzählt. Zum einen die Geschichte rund um Sophie und die Hoteleröffnung, zum anderen die Geschichte wie die junge Donna in die Welt zog und die kleine griechische Insel Kalokairi fand. Die Geschichten sind beide ausgeglichen und werden durch gekonnte Übergänge verbunden. An sich ist die Handlung, wie schon im ersten Teil, sehr einfach gehalten. Trotzdem fährt sie wieder mit Witz und Charme auf, so dass einen der Film schon so durchgehend zum Lächeln bringt. Und dann kommen wieder die ABBA-Lieder hinzu. Natürlich darf der namensgebende Klassiker nicht fehlen. Ansonsten sah sich der zweite Teil gezwungen andere Lieder als im ersten zu verwenden. Während dort noch die fröhlichen Partylieder dominierten, sind nun eindeutig die traurigeren Lieder auf dem Vormarsch. Das mindert den Spaß aber nur geringfügig, weil doch immer ein Partylied wieder dazwischen geschoben wurde. Aber auch die melancholischen Lieder ändern nichts daran, dass ABBA einfach immer wieder Spaß macht. Allerdings merkt man der Handlung an einigen Stellen doch deutlich an, dass sie stark verbogen werden musste, damit wieder ein Lied auch passt.
Aber auch darüber kann man großzügig hinwegsehen, wenn man wieder das ehrliche Lachen in den Gesichtern der Darsteller sieht und merkt, wie viel Spaß sie schon bei den Dreharbeiten gehabt haben müssen. Und genau dieses Gefühl überträgt sich auch auf den Zuschauer. So ist es egal, wie viele Schwächen die Handlung aufweist, wie sehr sie verbogen werden musste, um das nächste Lied wieder einbringen zu können, Mamma Mia 2 kann mit dem ersten Teil deutlich mithalten und eignet sich perfekt für einen Fernsehabend mit Freunden, bei dem man dann auch endlich bei den Liedern laut mitsingen und mittanzen kann, was im Kino leider nicht so gut angekommen wäre. Er hat Witz und Charme und kann trotzdem auch traurige Momente gut rüberbringen.

Das Fazit

Wer den ersten Teil mochte, wird auch den zweiten Teil gut finden. Wer Lust auf ein spaßiges Spektakel mit ABBA-Lieder hat, findet sich trotz einiger Schwachstellen hier gut aufgehoben. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Mamma Mia – Here we go again läuft seit dem 19.07.2018 in den deutschen Kinos.

Sense 8

Ein Vorwort

Seit mein Lebensgefährte und ich uns entschieden haben, uns einen Netflix-Account zuzulegen, lag eine Serie auf meiner Merkliste: Sense 8. Sie lag da, weil sie gut klang. Allerdings staubte sie nun auch seit beinahe drei Jahren zu, weil immer andere Serien den Vortritt bekamen. Als dann jedoch die Singende Lehrerin ihre Passion in der Serie fand, wagte ich mich doch endlich heran, zumal die Wachowski-Schwestern die Serie gestaltet haben und seinerzeit mit Matrix einen echt guten Job gemacht haben. Ich empfehle beim Lesen dieser Kritik „What’s up“ von den 4 Non Blondes zu hören, da dieser Song in der Serie eine größere Rolle spielt.

Die Handlung

Acht Personen in sieben verschiedenen Ländern über vier Kontinente verteilt, bekommen gleichzeitig eine Verbindung zueinander. Auf einmal können Sie mental zu den anderen reisen, mit ihnen reden oder sich insofern mit ihnen verbinden, dass sie die Fähigkeiten der anderen zu ihrem Vorteil nutzen können. Will, Riley, Sun, Capheus, Lito, Kala, Wolfgang und Nomi müssen die Entdeckungen erst einmal verdauen. Doch viel Zeit haben sie dafür nicht, denn eine geheime Organisation macht Jagd auf sie.

Meine Meinung

Unterschiedlicher könnten die Charaktere nicht sein. Einmal um den ganzen Erdball verstreut lernen wir in den ersten Folgen ihr Leben genauer kennen. Da wäre Will Gorski (Brian J. Smith), ein aufstrebender Chicagoer Polizist, der immer wieder mit den Drogengangs seiner Stadt zusammenstößt und mit seiner sanftmütigen Art eigentlich nur helfen will, aber nicht wirklich viel ausrichten kann. Dann Riley „Blue“ Gunnarsdóttir (Tuppence Middleton) eine Isländerin, die es nach London gezogen hat, um dort eine Karriere als D-Jane zu starten. Ihr größter Wunsch ist es nach Island zurückzukehren, aber sie hat dort ein großes Trauma erlitten und wagt sich daher nicht zurück. Wir lernen Capheus „Van Damme“ Onyango (Aml Ameen/Toby Onwumere) kennen, der in Nairobi einen Bus fährt, der mit Bildern von Jean-Claude Van Damme beklebt ist – daher sein Spitzname. Er versucht durch die Busfahrten genug Geld zusammenzubekommen, um sich und seine Aids-kranke Mutter zu versorgen. Da wäre Sun Bak (Bae Doona) aus Seoul, Südkorea, die in der Firma ihres Vaters arbeitet und dort die Veruntreuung ihres Bruders aufdeckt. Damit die Schande der Familie möglichst gering bleibt, gesteht sie die Veruntreuung und geht für ihren Bruder ins Gefängnis. Doch das hat Konsequenzen. Wir springen nach Mexiko-Stadt zu Lito Rodriguez (Miguel Angel Silvestre), einem aufstrebenden Schauspieler. Dafür muss er seine Sexualität verstecken, denn einen schwulen Schauspielstar gibt es in Mexiko nicht. Dafür sorgt seine Alibifreundin Daniela Velasquez. Wir reisen wieder einmal um die Welt und lernen Kala Dandekar (Tena Desae) in Indien kennen. Sie lebt in Mumbai und steht kurz vor einer arrangierten Ehe mit ihrem Chef. Hilfe sucht sie bei ihren Göttern. Auch Deutschland bekommt seine Rolle. So treffen wir auf Wolfgang Bogdanow (Max Riemelt), der russische Wurzeln hat und sich als Dieb über Wasser hält. Er wird nach einem großen Coup in Familienstreitigkeiten hineingezogen, so dass er eine folgenschwere Entscheidung treffen muss. Als letzte im Bunde ist da noch Nomi Marks (Jamie Clayton), eine Bloggerin und Hackerin. Nach ihrer Geschlechtsumwandlung wurde sie von Michael zu Nomi und verliebte sich in die Lesbe Amanita, mit der sie eine Beziehung führt. Nach einem Unfall wird sie ins Krankenhaus eingeliefert, wo eine Gehirnfehlfunktion festgestellt wird. Genau hier gibt es auch den ersten Berührungspunkt mit der BPO.

Sense 8 war ursprünglich auf fünf Staffeln angelegt. Nach der zweiten setzte Netflix diese leider aus Quotengründen ab, obwohl die Serie weltweit eine große Fangemeinde entwickelt hat. Nach vielen Kämpfen der Fans hat Netflix nun im Juni dieses Jahres ein Special in Spielfilmlänge veröffentlicht, um den großen Cliffhanger am Ende der zweiten Staffel zu lösen und die Serie laut Aussage Netflix zum Ende zu bringen. Für die wirklichen Sense 8 Fans ist der Kampf natürlich noch lange nicht zu Ende!
Allerdings merkt man dem Aufbau der Serie deutlich an, dass da noch mehr kommen sollte. So nimmt sich die Serie zunächst ausführlich Zeit wirklich alle Charaktere und ihre einzelnen Handlungen vorzustellen, ehe sie immer mehr zu einer Handlung verschmelzen. So hat – wie oben vorgestellt – jeder seine eigenen Probleme und Sorgen und muss gleichzeitig auch noch feststellen, dass er/sie mit seinen/ihren Gedanken nicht mehr alleine ist. So helfen Sie sich durch ihre unterschiedlichen Fähigkeiten in verschiedenen Situationen. Erst ganz langsam nach und nach wird stückweise offenbart, dass alle Acht in Gefahr sind und von einer geheimen Gruppe gesucht werden. Durch die sehr langsame Einführung fiel es mir anfangs sehr schwer in der Serie anzukommen. Während mir versichert wurde, dass der Süchtigkeitseffekt ab der vierten Folge der ersten Staffel eintritt, trat er bei mir tatsächlich erst in der zehnten Folge auf. Danach gab es aber auch kein Halten mehr und den Rest der Serie verschlang ich wesentlich schneller.
Die zweite Staffel beginnt auch mit einer Folge in Spielfilmlänge und kann durchaus ebenfalls als Special gesehen werden. Danach hält sich die Serie weiter an das Schema der einstündigen Folgen. In der zweiten Staffel kommt dann auch noch einmal eine größere Dynamik durch. Da der Schauspieler des Capheus ausstieg, wurde dieser neu besetzt und bekam dadurch auch noch einmal eine etwas neuere Handlung, was sich aber gut in das Gesamtkonzept eingefügt hat. In der zweiten Staffel wird sich auch nochmal deutlich mehr auf die große Gesamthandlung konzentriert, die Einzelhandlungen werden aber nie vernachlässigt.
Meine persönliche Lieblingsfolge ist aber tatsächlich das Finale Special! Die Folge trägt den Namen Amor Vincit Omnia, die sehr passend die Folge beschreibt. Hier treffen erstmals alle Charaktere aufeinander. Auch alle, die bisher nur in den Einzelhandlungen eine größere Rolle spielten. Ich möchte eigentlich auch gar nicht viel mehr verraten…

Sense 8 überzeugt neben Handlung, Dramaturgie, Spannungsaufbau und Darstellern vor allem noch durch eine weitere Sache. Ihre Weltoffenheit. Die Serie wurde nicht nur in vielen verschiedenen Ländern gedreht und verbindet damit verschiedene Kulturen und Religionen, sie verbindet auch verschiedene sexuelle Orientierungen. Ob heterosexuell, homosexuell oder Transgender, hier ist alles vertreten. Und jede Liebe hat seine eigenen Probleme, egal bei welcher Orientierung. Und genau das macht Sense 8 zu einer so besonderen Serie.

Das Fazit

Trotz schwerem Einstieg ist mir Sense 8 ans Herz gewachsen und ich kann die Serie nur weiterempfehlen. Die Weltoffenheit, die hier gezeigt wird, wünscht man sich auch für viele andere Serien.

The first Purge

Ein Vorwort

2013 bereicherte uns ein Franchise im Horrorbereich. Mit The Purge kam der erste Teil der Reihe in die Kinos, in der eine Zukunftsvision der neuen Art gesponnen wurde. Durch Anstieg der Kriminalitätsraten wurde durch die neue regierende Partei in den USA, den Neuen Gründungsvätern Amerikas, die alljährliche Säuberung beschlossen. In einer Nacht im Jahr werden die Gesetzte außer Kraft gesetzt und die Notrufe abgeschaltet. Alle Straftaten inklusive Mord sind in dieser Nacht erlaubt. Die Fortsetzungen Anarchy und Election Year kamen 2014 und 2016 in die deutschen Kinos. Nun im vierten Teil soll der Anfang genauer beäugt werden.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

In The Purge lernen wir die Familie Sadin kennen, die durch den Verkauf von Sicherheitssystemen für die Purgenacht reich geworden ist. Auch bei dieser Purge verbarikardieren sie sich wieder. Doch zum einen schleicht sich der Freund der Tochter ins Haus, zum anderen rettet Vater James einen Fremden vor einem wilden Mob. Der Mob droht daraufhin ins Haus einzudringen, wenn die Familie den Fremden nicht ausliefert. In den darauffolgenden Geschehnissen wird James getötet, der Rest der Familie schafft es zu überleben.
In The Purge Anarchy wird die Perspektive umgedreht und der Zuschauer erlebt nun die Geschenisse auf der Straße. Da gibt es zum einen Leo, der sich eigentlich nur am Mörder seines Kindes rächen will, aber schließlich auf Eva und Calie – die vom Militär aus ihrem Haus getrieben wurden – und auf Shane und Liz – die es nicht mehr rechtzeitig zur Purge nach Hause geschafft haben – trifft. Sie finden heraus, dass zum einen das Militär gezielt die Nacht nutzt, um im Auftrag der Regierung die ärmere Bevölkerung zu reduzieren, und zum anderen Reiche Leute Purger engagieren, um Opfer für sie zu fangen.
In The Purge – Election Year kommen wir im Wahljahr an. Senatorin Charlie Roan hat 18 Jahre früher mit ansehen müssen, wie ihre komplette Familie bei einer Purge getötet wurde und möchte nun Präsidentin werden und die Purge abschaffen. Vorher muss sie aber die alljährliche Purge überleben. Leo Barnes, aus dem zweiten Purgeteil, ist ihr persönlicher Sicherheitsbeauftragter und hat alle Hände voll damit zu tun, dass sie nicht stirbt. Gleichzeitig lernen wir die Anti-Purge Bewegung kennen. Am Ende des Films gewinnt Roan die Wahl und beendet die Purge. Die Anhänger der Neuen Gründungsväter setzten sofort zu gewalttätigen Ausschreitungen an.

Die Handlung

Durch ansteigende Kriminalitätsraten beschließt die regierende Partei die Neuen Gründungsväter Amerikas auf Staten Island ein Experiment durchzuführen, dass sie Purge nennen. Als Anreiz wird der überwiegend ärmlichen Bevölkerung viel Geld geboten, wenn sie sich vorab nicht auf dem Festland in Sicherheit zu bringen, und Bonuszahlungen, wenn sie aktiv purgen.

Meine Meinung

Das Problem an diesem Prequel ist, dass man vieles bereits durch die vorherigen Teile weiß. Demnach hatten die Macher deutlich weniger Spielraum. Es ist bekannt, dass die Purge nach diesem Experiment sich landesweit durchgesetzt hat und es ist bekannt, dass die Regierung dabei deutlich ihre Finger im Spiel hat, um die ärmere Bevölkerung zu dezimieren. Demnach wäre es ein sinnvoller Schritt gewesen in diesem Prequel, das von der Idee her die erste Purge zu zeigen grundsätzlich interessant ist, einzelne Charaktere vorzustellen und ihre Beweggründe genauer darzustellen. Das wurde zwar auch versucht doch die einzelnen Schicksale sind hier so belanglos gehalten, dass im Kinosaal eher das große Gähnen statt das große Gruseln herrscht. Denn letztendlich bezahlt die Regierung hier einfach nur die Menschen, die auf Staten Island bleiben und es gibt Bonuszahlungen für aktives Purgen. Das hier natürlich in erster Linie die ärmere Bevölkerung angesprochen wird, die dringend das Geld braucht, ist stark absehbar. Von den Charakteren lernen wir also den naiven Jüngling kennen, der Geld braucht, einen Wahnsinnigen, der tatsächlich Spaß am purgen hat, die Purgegegnerin, die Zuflucht in der Kirche anbietet, und den großen Drogenboss, der sein Eigentum gegen Purger schützen will.
Mit 98 Minuten Laufzeit, ist The first Purge nicht kürzer als die Vorgänger. Hier gibt es aber eine deutlich längere Einführungszeit. Die erste halbe Stunde geht rein für die Einführung drauf, in der sich die Purger anmelden können und die politischen Verhältnisse geklärt werden. Erst danach startet die erste Purge überhaupt und bis wir zu dem Teil kommen, der Spannung erzeugt, vergeht wieder eine halbe Stunde. Natürlich ist auch der vierte Purge-Teil optisch wieder in bester Qualität und kann mit geschickten Lichteffekten eine ganz eigene Stimmung erzeugen. Leider kann das gute Handwerk nicht über das schlechte Drehbuch hinweghelfen, durch das auch bei guter Stimmung keine Spannung aufkommt.

Das Fazit

Nette Idee, gutes Handwerk, aber die Idee konnte einfach nicht vernünftig umgesetzt werden. So schafft es The first Purge nicht spannungstechnisch mit den Vorgängern mitzuhalten und erzählt auch nichts wirklich neues. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

The first Purge läuft seit dem 05.07.2018 in den deutschen Kinos.

Queer Eye

Ein Vorwort

Um euch zu erläutern, wie ich auf diese Serie gestoßen bin, muss ich ein bisschen ausholen – ich entschuldige mich schon einmal dafür. Letzte Woche hatte ich einen dezent beschissenen Tag auf Arbeit, was glücklicherweise echt selten vorkommt, aber wenn man täglich mit Kunden zu tun hat, bleibt es eben nicht aus. Kurzum, ich kam echt niedergeschlagen nach Hause (auch wenn meine bessere Hälfte mich naürlich sofort zum Burgeressen einlud). Ich durchforstete Twitter, da ich auf nichts wirklich Lust hatte. Dabei entdeckte ich einen Tweet von ‚Katie on the Offbeat‘, die beschrieb, dass sie an einem Tag, an dem es ihr sehr schwer fiel allein aus dem Bett zu kommen, einfach eine Folge Queer Eye geschaut hat und dann ging es ihr schon viel besser. Netflix hatte diese Serie mir erst kurz zuvor mehrfach vorgeschlagen, sie sprach mich aber nicht genug an, um auf meiner Watchlist zu landen. Doch ich beschloss, genau an dem Tag, an dem ich mich beschissen fühlte, der Serie eine Chance zu geben. Ich habe innerhalb dieser Woche beide Staffeln durchgesuchtet und muss sagen: Ich habe mich schon nach ein paar Minuten wieder gut gefühlt und kann bestätigen, die Serie hilft und verbreitet gute Laune. Alles weitere nun in meiner Kritik.

Die Handlung

Die Fab 5 sind Antoni, Tan, Karamo, Bobby und Jonathan. Sie sind alle schwul und haben jede Woche die gleiche Aufgabe. Sie reisen zu unterschiedlichen Menschen in Georgia, verbringen eine Woche mit ihnen und helfen ihnen wieder in Form zu kommen. Dazu gehört zum einen den Kleiderschrank auszumisten und die Körperpflege voranzutreiben, aber auch die Wohnung neu zu gestalten, das Kochverhalten zu überprüfen und die kulturellen und sozialen Kontakte zu überprüfen.

Meine Meinung

Queer Eye ist eine amerikanische Reality-TV Sendung. Eigentlich eine Prämisse, dass ich sie nicht unbedingt gut finden dürfte. Zumal die deutsche Synchronisation von ein paar wenigen Sprechern über den Originalton drüber gesprochen wird, so dass man das Original im Hintergrund noch hört. Dabei merkt man schnell, dass es überhaupt nicht synchron ist und meist sehr frei übersetzt wird. Gerade wenn mehrere Charaktere durcheinander sprechen, wird es etwas anstrengend – gut vielleicht sollte ich mir auch einfach angewöhnen solche Serien im Original zu gucken. Das ist auch schon so ziemlich der einzige Kritikpunkt den ich an der Sache habe.
Die Folgen sind immer nach dem gleichen Prinzip aufgebaut. Der neue „Kandidat“ stellt sich vor, bzw. wird von demjenigen vorgestellt, der ihn/sie angemeldet hat. Dann treten die Fab 5 auf und erkunden am ersten Tag erst einmal ganz genau den Lebenstil des Kandidaten. Dabei wollen sie herausfinden, wie sie ihm/ihr am besten helfen können. Dabei sind die Rollen klar verteilt. Bobby, zuständig für Design, guckt sich die Wohnung genauer an und untersucht, was er daraus zaubern kann. Seine Aufgabe die Woche über ist immer der Wohnung neuen Glanz zu verleihen. Tan, zuständig für Mode, untersucht den Kleiderschrank, sortiert aus und bestückt diesen neu. An einem der folgenden Tage nimmt er den Kandidaten immer mit zum shoppen, um deren Stil zu erkunden. Jonathan, zuständig für Pflege, versucht aus den Kandidaten mehr herauszuholen und veranstaltet immer ein kleines Umstyling – allerdings ganz ohne Tränen, ganz anders als die Püppchen von Frau Klum – und erklärt den Kandidaten, wie sie sich ansonsten ganz leicht pflegen können. Antoni, zuständig für Essen und Wein, zeigt den Kandidaten, die sich ganz Amilike zum Großteil von Fertigessen aus der Mikrowelle oder Junk Food ernähren, wie sie mit wenig Aufwand etwas leckeres zaubern können. Zum Schluss gibt es noch Karamo, zuständig für Kultur, dessen Aufgabe nicht so richtig sichtbar ist, denn er nimmt die Kandidaten immer zur Seite und bespricht deren Sorgen und Ängste und versucht diese zu lösen. Am Ende der Woche steht immer ein großes Event für die Kandidaten an, für die sie vorbereitet sein wollen.
Alles, was die Fab 5 tun, tun sie mit einer absoluten Hingabe. Allein das erste Zusammentreffen mit den Kandidaten ist immer schon voller Späße und mit ihrer lockeren Art, treiben sie dem Zuschauer sofort ein Lächeln ins Gesicht. Sie gehen offen aber zielstrebig durchs Leben und strahlen dabei so viel gute Laune aus, dass es bis im Herzen des Zuschauers landet.
Falls ich noch nach einem Kritikpunkt suchen müsste, dann würde ich Jonathans übertriebe Dramaqueen erwähnen, die mitunter etwas anstregend sein kann. Aber im Endeffekt sind die fünf Jungs alle sehr verschieden und harmonieren doch wunderbar.

Bei Netflix sind aktuell zwei Staffeln verfügbar, die jeweils 8 Folgen haben und ca. 45 Minuten pro Folge gehen.

Das Fazit

Queer Eye ist eine Serie, der man durchaus eine Chance geben kann, auch wenn man überhaupt kein Fan von Reality-TV ist. Durch die quirlige Art der Fab 5, baut sich eine Menge guter Laune auf, die auch an schweren Tagen einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Love, Simon

Ein Vorwort

Neben dem allgemeinem Wust an Superheldenfilmen, Fortsetzungen, Remakes und Reboots gibt es auch noch die ganz klassischen Buchverfilmungen. So geschehen mit dem Buch „Nur drei Worte“ von Becky Albertalli (Originaltitel Simon vs. the Homo Sapiens Agenda). Schon der Trailer ließ auf eine süße Teenager Dramedy mit erstem Thema schließen. Was dabei herauskam, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Simon Spier (Nick Robinson) ist ein ganz normaler Junge kurz vor seinem Abschluss an der High-School. Er hat nur ein Geheimnis: Er ist schwul. Auf dem Schulblog outet sich eines Tages der anonyme Blue. Simon freundet sich per E-Mail mit Blue an und versucht herauszufinden, wer er ist. Bis seine E-Mails auch auf dem Schulblog geleaked werden.

Meine Meinung

Love, Simon ist einer dieser selten gewordenen Filme, bei dem einfach alles passt. Die Handlung ist logisch, mitreißend, aber doch auf dem Boden geblieben und erzählt chronologisch die Geschichte des ganz normalen Teenagers, der ein wenig Angst vor seinem Coming-out hat und mit den normalen High-School Problemen herumläuft.
Das größte Lob sollte der Film für die Herangehensweise an das Thema Coming-out kriegen. Natürlich ist vieles davon aus der Buchvorlage abgekupfert, aber auf eine gute Art. So lernen wir zunächst den ganz normalen Simon kennen. Irgendwann erfahren wir, dass er schwul ist und dies auch vor seiner Familie geheim hält. Er ist aber immer noch der gleiche sympathische Junge wie vorher, nur dass der Zuschauer nun ein Detail mehr über ihn weiß. In seinem Mailwechsel mit dem anonymen Blue philosophiert Simon unter anderem darüber, warum er sich überhaupt outen muss. Warum müssen sich heterosexuelle Menschen nicht outen, homosexuelle aber schon? Das ist nur ein Beispiel, in dem Love, Simon auf sehr subtile Art deutlich macht, wie normal Homosexualität in der Gesellschaft sein sollte, aber leider nicht ist. So bekommen wir ein supersüßes lockeres leichtes Teenagerdrama mit einem Hauch Gesellschaftskritik, die gut eingebunden ist, aber nicht dominant auftaucht. So ist Love, Simon so viel mehr als nur ein erzähltes Einzelschicksal, was dem Film nochmal zusätzliche Pluspunkte gibt.
Wie man im Trailer bereits erfährt, kommt es zum unfreiwilligen Coming-out. Hier nimmt sich der Film vor, ganz genau die verschiedenen Charaktere und ihre Reaktionen abzubilden. So erfährt es die Familie, die nicht geschockt ist, dass er schwul ist, sondern dass sie es einfach nicht bemerkt haben. Dass er so lange so ein Geheimnis mit sich herum tragen konnte, ohne dass sie etwas gemerkt haben. Dann kommen die Freunde, die ihn teilweise auch schon ewig kennen und ihre Reaktionen und schließlich natürlich die Mitschüler, die es sehr unterschiedlich auffassen.
Die ganze Thematik meistert Love, Simon mit einer unglaublichen Lockerheit. Hinzu kommt genau pointierter Humor, der dem Film nicht den nötigen ernst nimmt. Untermauert wird die gute Handlung von den gut durchdachten Charakteren und deren Darstellern.

Das Fazit

Love, Simon ist intelligent geschrieben und erzählt Simons Geschichte mit dem nötigen Ernst, aber doch auf eine lockere und witzige Weise. Dabei unterläuft ihm kein Fehler und spielt sich direkt in die Herzen der Zuschauer. Dafür gibt es 10 von 10 möglichen Punkten.

Love, Simon läuft seit dem 28.06.2018 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: Super Troopers 2

Ist es zu glauben? Mein Heimatkino versucht sich seit Neustem an einer Sneak. Aktuell ist sie für jede zweite Woche angekündigt. Hier präsentiere ich euch nun die Wahl für den Sneakauftakt. 

Ein Vorwort

Neulich in der Sneak lief: Super Troopers 2.
Bereits im Jahr 2001 lief der erste Teil Super Troopers in den deutschen Kinos. Aus der Feder der Comedytruppe Broken Lizard, die sich auch für den zweiten Teil verantwortlich zeigen. Während Jay Chandrasekha den Regieposten übernimmt, arbeiteten alle sechs Mitglieder am Drehbuch mit und übernahmen auch die Hauptrollen.

Die Handlung

Die ehemaligen Mitglieder der Vermont State Police werden von ihren neuen Jobs abgezogen, um einem neuen Auftrag zu folgen. Die Grenzsteine an der Grenze zwischen den USA und Kanada wurden noch einmal neu ausgewertet und ein Teil des bisherigen Kanadas soll nun zu Vermont, USA gehören. Dafür werden die sechs engagiert, um zusammen mit den Mounties den Übergang zu regeln. Doch das stößt nur bedingt auf freundschaftliche Absichten.

Meine Meinung

Bei Super Troopers 2 wird sehr schnell klar, dass es sich um einen Film handelt, den niemand gebraucht hätte. Während die erste Szene mit Gastauftritten von Seann William Scott (bekannt als Stifler aus American Pie) und Damon Wayans Jr. (bekannt als Coach aus New Girl) noch ein paar – zwar sehr trashige – witzige Momente vorweisen kann, hören diese nach ca. 5 Minuten auf. Alles was danach folgt ist eine Aneinanderreihung von uninspirierten und nicht lustigen Witzen im Pipi-Kacka-Humor, also absolut unter der Gürtellinie. Alle Charaktere sind viel zu überzogen dargestellt und das Niveau hat sich schon nach der Einblendung des Filmtitels verabschiedet.
Die Handlung selbst ist eigentlich nur Trug, um irgendwo wieder Vorurteile und unangebrachte Witze unterzubringen – ich wiederhole: keiner der Witze war lustig. Die Amerikaner und die Kanadier werden so stereotypisch überspitzt, dass sie nicht einmal als Karikatur durchgehen können. Der „Twist“ der Handlung war lange vorhersehbar, so dass der Zuschauer nicht einmal am Ende gepackt wird. Grundsätzlich ist von Spannung absolut keine Spur, die Handlung wird müde abgearbeitet und als Zuschauer ist man ständig damit beschäftigt über die sehr dummen Gags den Kopf zu schütteln.
Auch schauspieltechnisch ist dem Desaster nicht mehr hinzuzufügen. Die Darsteller scheinen sich in ihrer Blödelkomödie wohl zu fühlen und geben dabei auch nur das Mindestmaß an Schauspielkunst zum Besten.

Das Fazit

Super Troopers 2 ist ein Film, der keiner wollte, keiner brauchte und den auch niemand sehen muss. Abgesehen von einer gut trashigen lustigen Anfangsszene hat der Film absolut nichts zu bieten. Dafür gibt es 01 von 10 möglichen Punkten.

Super Troopers 2 läuft ab dem 12.07.2018 in den deutschen Kinos.

Ocean’s 8

Ein Vorwort

Neben den ganzen Remakes und Reboots in letzter Zeit, scheint es auch modern geworden zu sein, bei Reboots die vormals männliche Belegschaft durch weibliche Akteure zu ersetzen – siehe zuletzt beim neuen Ghostbusters. Der Unterschied ist diesmal jedoch, dass Ocean’s 8 nicht als Reboot, sondern als Sequel aufgebaut ist. So ist die neue Hauptrolle Debbie Ocean die Schwester von George Clooneys Danny Ocean. Dennoch dürfte einem einiges bekannt vorkommen. Aber was können die acht Frauen eigentlich alles so?

Die Handlung

Debbie Ocean (Sandra Bullock) wird nach mehrjähriger Haft entlassen. Während ihrer Zeit im Gefängnis hat sie sich einen Masterplan ausgedacht, um auf der alljährlichen Met-Gala ein sehr teures Collier zu stehlen. Dafür sucht sie zunächst ihre beste Freundin Lou (Cate Blanchett) auf, um mit ihr ein Team zusammenzustellen.

Meine Meinung

Ein Ocean wird aus dem Gefängnis entlassen und hat dort einen perfekten Plan geschmiedet, um bei der nächsten Gelegenheit sehr viel Geld zu machen. Der beste Freund wird aufgesucht, es wird ein Team gebildet, der Plan wird ausgeführt. Dabei kommt heraus, dass es aber auch immer noch um einen Ex-Partner geht. Die Handlung erinnert euch sehr an Ocean’s 11? Ist sie auch. Allerdings lässt sie sich ebenfalls auf Ocean’s 8 anwenden. So viel zu den neuen Ideen in Sequels. Davon aber einmal abgesehen ist die Handlung sehr rund und gut erzählt. Die übliche Dynamik eines Heist-Movies wird genutzt, um eine in sich runde Geschichte zu erzählen. Und immer wenn man denkt, nun ist es aber vorbei, kommt doch noch ein neuer Schritt.
Der größte Vorteil von Ocean’s 8 ist jedoch die tolle Besetzung. Während bei den Vorgängerfilmen mit den Herren immer jemand untergegangen ist, weil es einfach zu viele Charaktere gab, ist die Zahl bei den Damen nun auf 8 begrenzt und damit völlig ausreichend, um jeder Dame eine kurze Vorstellung und eine sinnvolle Aufgabe zu geben. Im Vordergrund stehen Bullock, Blanchett und Sarah Paulson, die eindeutig die größten Rollen haben. Aber auch Rihanna, Helena Bonham-Carter, Awkwafina und Mindy Kaling geben allesamt eine gute Performance ab. Auch Anne Hathaway liefert als „Antagonistin“ und Diva eine gute Rolle ab. Ein wenig unter Wert verkauft sich Frau Hathaway hier allerdings schon, ist doch ihre einzige Aufgabe ein paar viele eingebildete Kommentare abzugeben. Aber auch das will gelernt sein und man nimmt ihr die Roll zu 100% ab. Insgesamt spürt man eine ganz wunderbare Dynamik zwischen den Charakteren.
Auch nach dem großen Coup verläuft sich die Handlung nicht einfach, sondern bringt mit James Corden als Versicherungsdetektiv noch eine zweite Handlung ins Rollen, die gekonnt an die erste anknüpft und so mehr als nur ein Diebstahl aus dem Film macht. Dabei ist es interessant, dass die Geschichte trotzdem chronologisch erzählt wird, am Ende jedoch noch einige Details hinzugefügt wurden, damit die Logiklöcher geschlossen werden konnten.

Das Fazit

Ocean’s 8 erfindet nichts – nicht einmal die eigene Handlung, die sehr stark von Ocean’s 11 abgeknüpft wurde – neu, aber liefert trotzdem eine solide Performance ab. Vor allem der gut gewählte Cast sorgt für heitere 110 Minuten, die durchaus gut unterhalten. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Ocean’s 8 läuft seit dem 21.06.2018 in den deutschen Kinos.