The first Purge

Ein Vorwort

2013 bereicherte uns ein Franchise im Horrorbereich. Mit The Purge kam der erste Teil der Reihe in die Kinos, in der eine Zukunftsvision der neuen Art gesponnen wurde. Durch Anstieg der Kriminalitätsraten wurde durch die neue regierende Partei in den USA, den Neuen Gründungsvätern Amerikas, die alljährliche Säuberung beschlossen. In einer Nacht im Jahr werden die Gesetzte außer Kraft gesetzt und die Notrufe abgeschaltet. Alle Straftaten inklusive Mord sind in dieser Nacht erlaubt. Die Fortsetzungen Anarchy und Election Year kamen 2014 und 2016 in die deutschen Kinos. Nun im vierten Teil soll der Anfang genauer beäugt werden.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

In The Purge lernen wir die Familie Sadin kennen, die durch den Verkauf von Sicherheitssystemen für die Purgenacht reich geworden ist. Auch bei dieser Purge verbarikardieren sie sich wieder. Doch zum einen schleicht sich der Freund der Tochter ins Haus, zum anderen rettet Vater James einen Fremden vor einem wilden Mob. Der Mob droht daraufhin ins Haus einzudringen, wenn die Familie den Fremden nicht ausliefert. In den darauffolgenden Geschehnissen wird James getötet, der Rest der Familie schafft es zu überleben.
In The Purge Anarchy wird die Perspektive umgedreht und der Zuschauer erlebt nun die Geschenisse auf der Straße. Da gibt es zum einen Leo, der sich eigentlich nur am Mörder seines Kindes rächen will, aber schließlich auf Eva und Calie – die vom Militär aus ihrem Haus getrieben wurden – und auf Shane und Liz – die es nicht mehr rechtzeitig zur Purge nach Hause geschafft haben – trifft. Sie finden heraus, dass zum einen das Militär gezielt die Nacht nutzt, um im Auftrag der Regierung die ärmere Bevölkerung zu reduzieren, und zum anderen Reiche Leute Purger engagieren, um Opfer für sie zu fangen.
In The Purge – Election Year kommen wir im Wahljahr an. Senatorin Charlie Roan hat 18 Jahre früher mit ansehen müssen, wie ihre komplette Familie bei einer Purge getötet wurde und möchte nun Präsidentin werden und die Purge abschaffen. Vorher muss sie aber die alljährliche Purge überleben. Leo Barnes, aus dem zweiten Purgeteil, ist ihr persönlicher Sicherheitsbeauftragter und hat alle Hände voll damit zu tun, dass sie nicht stirbt. Gleichzeitig lernen wir die Anti-Purge Bewegung kennen. Am Ende des Films gewinnt Roan die Wahl und beendet die Purge. Die Anhänger der Neuen Gründungsväter setzten sofort zu gewalttätigen Ausschreitungen an.

Die Handlung

Durch ansteigende Kriminalitätsraten beschließt die regierende Partei die Neuen Gründungsväter Amerikas auf Staten Island ein Experiment durchzuführen, dass sie Purge nennen. Als Anreiz wird der überwiegend ärmlichen Bevölkerung viel Geld geboten, wenn sie sich vorab nicht auf dem Festland in Sicherheit zu bringen, und Bonuszahlungen, wenn sie aktiv purgen.

Meine Meinung

Das Problem an diesem Prequel ist, dass man vieles bereits durch die vorherigen Teile weiß. Demnach hatten die Macher deutlich weniger Spielraum. Es ist bekannt, dass die Purge nach diesem Experiment sich landesweit durchgesetzt hat und es ist bekannt, dass die Regierung dabei deutlich ihre Finger im Spiel hat, um die ärmere Bevölkerung zu dezimieren. Demnach wäre es ein sinnvoller Schritt gewesen in diesem Prequel, das von der Idee her die erste Purge zu zeigen grundsätzlich interessant ist, einzelne Charaktere vorzustellen und ihre Beweggründe genauer darzustellen. Das wurde zwar auch versucht doch die einzelnen Schicksale sind hier so belanglos gehalten, dass im Kinosaal eher das große Gähnen statt das große Gruseln herrscht. Denn letztendlich bezahlt die Regierung hier einfach nur die Menschen, die auf Staten Island bleiben und es gibt Bonuszahlungen für aktives Purgen. Das hier natürlich in erster Linie die ärmere Bevölkerung angesprochen wird, die dringend das Geld braucht, ist stark absehbar. Von den Charakteren lernen wir also den naiven Jüngling kennen, der Geld braucht, einen Wahnsinnigen, der tatsächlich Spaß am purgen hat, die Purgegegnerin, die Zuflucht in der Kirche anbietet, und den großen Drogenboss, der sein Eigentum gegen Purger schützen will.
Mit 98 Minuten Laufzeit, ist The first Purge nicht kürzer als die Vorgänger. Hier gibt es aber eine deutlich längere Einführungszeit. Die erste halbe Stunde geht rein für die Einführung drauf, in der sich die Purger anmelden können und die politischen Verhältnisse geklärt werden. Erst danach startet die erste Purge überhaupt und bis wir zu dem Teil kommen, der Spannung erzeugt, vergeht wieder eine halbe Stunde. Natürlich ist auch der vierte Purge-Teil optisch wieder in bester Qualität und kann mit geschickten Lichteffekten eine ganz eigene Stimmung erzeugen. Leider kann das gute Handwerk nicht über das schlechte Drehbuch hinweghelfen, durch das auch bei guter Stimmung keine Spannung aufkommt.

Das Fazit

Nette Idee, gutes Handwerk, aber die Idee konnte einfach nicht vernünftig umgesetzt werden. So schafft es The first Purge nicht spannungstechnisch mit den Vorgängern mitzuhalten und erzählt auch nichts wirklich neues. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

The first Purge läuft seit dem 05.07.2018 in den deutschen Kinos.

Queer Eye

Ein Vorwort

Um euch zu erläutern, wie ich auf diese Serie gestoßen bin, muss ich ein bisschen ausholen – ich entschuldige mich schon einmal dafür. Letzte Woche hatte ich einen dezent beschissenen Tag auf Arbeit, was glücklicherweise echt selten vorkommt, aber wenn man täglich mit Kunden zu tun hat, bleibt es eben nicht aus. Kurzum, ich kam echt niedergeschlagen nach Hause (auch wenn meine bessere Hälfte mich naürlich sofort zum Burgeressen einlud). Ich durchforstete Twitter, da ich auf nichts wirklich Lust hatte. Dabei entdeckte ich einen Tweet von ‚Katie on the Offbeat‘, die beschrieb, dass sie an einem Tag, an dem es ihr sehr schwer fiel allein aus dem Bett zu kommen, einfach eine Folge Queer Eye geschaut hat und dann ging es ihr schon viel besser. Netflix hatte diese Serie mir erst kurz zuvor mehrfach vorgeschlagen, sie sprach mich aber nicht genug an, um auf meiner Watchlist zu landen. Doch ich beschloss, genau an dem Tag, an dem ich mich beschissen fühlte, der Serie eine Chance zu geben. Ich habe innerhalb dieser Woche beide Staffeln durchgesuchtet und muss sagen: Ich habe mich schon nach ein paar Minuten wieder gut gefühlt und kann bestätigen, die Serie hilft und verbreitet gute Laune. Alles weitere nun in meiner Kritik.

Die Handlung

Die Fab 5 sind Antoni, Tan, Karamo, Bobby und Jonathan. Sie sind alle schwul und haben jede Woche die gleiche Aufgabe. Sie reisen zu unterschiedlichen Menschen in Georgia, verbringen eine Woche mit ihnen und helfen ihnen wieder in Form zu kommen. Dazu gehört zum einen den Kleiderschrank auszumisten und die Körperpflege voranzutreiben, aber auch die Wohnung neu zu gestalten, das Kochverhalten zu überprüfen und die kulturellen und sozialen Kontakte zu überprüfen.

Meine Meinung

Queer Eye ist eine amerikanische Reality-TV Sendung. Eigentlich eine Prämisse, dass ich sie nicht unbedingt gut finden dürfte. Zumal die deutsche Synchronisation von ein paar wenigen Sprechern über den Originalton drüber gesprochen wird, so dass man das Original im Hintergrund noch hört. Dabei merkt man schnell, dass es überhaupt nicht synchron ist und meist sehr frei übersetzt wird. Gerade wenn mehrere Charaktere durcheinander sprechen, wird es etwas anstrengend – gut vielleicht sollte ich mir auch einfach angewöhnen solche Serien im Original zu gucken. Das ist auch schon so ziemlich der einzige Kritikpunkt den ich an der Sache habe.
Die Folgen sind immer nach dem gleichen Prinzip aufgebaut. Der neue „Kandidat“ stellt sich vor, bzw. wird von demjenigen vorgestellt, der ihn/sie angemeldet hat. Dann treten die Fab 5 auf und erkunden am ersten Tag erst einmal ganz genau den Lebenstil des Kandidaten. Dabei wollen sie herausfinden, wie sie ihm/ihr am besten helfen können. Dabei sind die Rollen klar verteilt. Bobby, zuständig für Design, guckt sich die Wohnung genauer an und untersucht, was er daraus zaubern kann. Seine Aufgabe die Woche über ist immer der Wohnung neuen Glanz zu verleihen. Tan, zuständig für Mode, untersucht den Kleiderschrank, sortiert aus und bestückt diesen neu. An einem der folgenden Tage nimmt er den Kandidaten immer mit zum shoppen, um deren Stil zu erkunden. Jonathan, zuständig für Pflege, versucht aus den Kandidaten mehr herauszuholen und veranstaltet immer ein kleines Umstyling – allerdings ganz ohne Tränen, ganz anders als die Püppchen von Frau Klum – und erklärt den Kandidaten, wie sie sich ansonsten ganz leicht pflegen können. Antoni, zuständig für Essen und Wein, zeigt den Kandidaten, die sich ganz Amilike zum Großteil von Fertigessen aus der Mikrowelle oder Junk Food ernähren, wie sie mit wenig Aufwand etwas leckeres zaubern können. Zum Schluss gibt es noch Karamo, zuständig für Kultur, dessen Aufgabe nicht so richtig sichtbar ist, denn er nimmt die Kandidaten immer zur Seite und bespricht deren Sorgen und Ängste und versucht diese zu lösen. Am Ende der Woche steht immer ein großes Event für die Kandidaten an, für die sie vorbereitet sein wollen.
Alles, was die Fab 5 tun, tun sie mit einer absoluten Hingabe. Allein das erste Zusammentreffen mit den Kandidaten ist immer schon voller Späße und mit ihrer lockeren Art, treiben sie dem Zuschauer sofort ein Lächeln ins Gesicht. Sie gehen offen aber zielstrebig durchs Leben und strahlen dabei so viel gute Laune aus, dass es bis im Herzen des Zuschauers landet.
Falls ich noch nach einem Kritikpunkt suchen müsste, dann würde ich Jonathans übertriebe Dramaqueen erwähnen, die mitunter etwas anstregend sein kann. Aber im Endeffekt sind die fünf Jungs alle sehr verschieden und harmonieren doch wunderbar.

Bei Netflix sind aktuell zwei Staffeln verfügbar, die jeweils 8 Folgen haben und ca. 45 Minuten pro Folge gehen.

Das Fazit

Queer Eye ist eine Serie, der man durchaus eine Chance geben kann, auch wenn man überhaupt kein Fan von Reality-TV ist. Durch die quirlige Art der Fab 5, baut sich eine Menge guter Laune auf, die auch an schweren Tagen einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Love, Simon

Ein Vorwort

Neben dem allgemeinem Wust an Superheldenfilmen, Fortsetzungen, Remakes und Reboots gibt es auch noch die ganz klassischen Buchverfilmungen. So geschehen mit dem Buch „Nur drei Worte“ von Becky Albertalli (Originaltitel Simon vs. the Homo Sapiens Agenda). Schon der Trailer ließ auf eine süße Teenager Dramedy mit erstem Thema schließen. Was dabei herauskam, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Simon Spier (Nick Robinson) ist ein ganz normaler Junge kurz vor seinem Abschluss an der High-School. Er hat nur ein Geheimnis: Er ist schwul. Auf dem Schulblog outet sich eines Tages der anonyme Blue. Simon freundet sich per E-Mail mit Blue an und versucht herauszufinden, wer er ist. Bis seine E-Mails auch auf dem Schulblog geleaked werden.

Meine Meinung

Love, Simon ist einer dieser selten gewordenen Filme, bei dem einfach alles passt. Die Handlung ist logisch, mitreißend, aber doch auf dem Boden geblieben und erzählt chronologisch die Geschichte des ganz normalen Teenagers, der ein wenig Angst vor seinem Coming-out hat und mit den normalen High-School Problemen herumläuft.
Das größte Lob sollte der Film für die Herangehensweise an das Thema Coming-out kriegen. Natürlich ist vieles davon aus der Buchvorlage abgekupfert, aber auf eine gute Art. So lernen wir zunächst den ganz normalen Simon kennen. Irgendwann erfahren wir, dass er schwul ist und dies auch vor seiner Familie geheim hält. Er ist aber immer noch der gleiche sympathische Junge wie vorher, nur dass der Zuschauer nun ein Detail mehr über ihn weiß. In seinem Mailwechsel mit dem anonymen Blue philosophiert Simon unter anderem darüber, warum er sich überhaupt outen muss. Warum müssen sich heterosexuelle Menschen nicht outen, homosexuelle aber schon? Das ist nur ein Beispiel, in dem Love, Simon auf sehr subtile Art deutlich macht, wie normal Homosexualität in der Gesellschaft sein sollte, aber leider nicht ist. So bekommen wir ein supersüßes lockeres leichtes Teenagerdrama mit einem Hauch Gesellschaftskritik, die gut eingebunden ist, aber nicht dominant auftaucht. So ist Love, Simon so viel mehr als nur ein erzähltes Einzelschicksal, was dem Film nochmal zusätzliche Pluspunkte gibt.
Wie man im Trailer bereits erfährt, kommt es zum unfreiwilligen Coming-out. Hier nimmt sich der Film vor, ganz genau die verschiedenen Charaktere und ihre Reaktionen abzubilden. So erfährt es die Familie, die nicht geschockt ist, dass er schwul ist, sondern dass sie es einfach nicht bemerkt haben. Dass er so lange so ein Geheimnis mit sich herum tragen konnte, ohne dass sie etwas gemerkt haben. Dann kommen die Freunde, die ihn teilweise auch schon ewig kennen und ihre Reaktionen und schließlich natürlich die Mitschüler, die es sehr unterschiedlich auffassen.
Die ganze Thematik meistert Love, Simon mit einer unglaublichen Lockerheit. Hinzu kommt genau pointierter Humor, der dem Film nicht den nötigen ernst nimmt. Untermauert wird die gute Handlung von den gut durchdachten Charakteren und deren Darstellern.

Das Fazit

Love, Simon ist intelligent geschrieben und erzählt Simons Geschichte mit dem nötigen Ernst, aber doch auf eine lockere und witzige Weise. Dabei unterläuft ihm kein Fehler und spielt sich direkt in die Herzen der Zuschauer. Dafür gibt es 10 von 10 möglichen Punkten.

Love, Simon läuft seit dem 28.06.2018 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: Super Troopers 2

Ist es zu glauben? Mein Heimatkino versucht sich seit Neustem an einer Sneak. Aktuell ist sie für jede zweite Woche angekündigt. Hier präsentiere ich euch nun die Wahl für den Sneakauftakt. 

Ein Vorwort

Neulich in der Sneak lief: Super Troopers 2.
Bereits im Jahr 2001 lief der erste Teil Super Troopers in den deutschen Kinos. Aus der Feder der Comedytruppe Broken Lizard, die sich auch für den zweiten Teil verantwortlich zeigen. Während Jay Chandrasekha den Regieposten übernimmt, arbeiteten alle sechs Mitglieder am Drehbuch mit und übernahmen auch die Hauptrollen.

Die Handlung

Die ehemaligen Mitglieder der Vermont State Police werden von ihren neuen Jobs abgezogen, um einem neuen Auftrag zu folgen. Die Grenzsteine an der Grenze zwischen den USA und Kanada wurden noch einmal neu ausgewertet und ein Teil des bisherigen Kanadas soll nun zu Vermont, USA gehören. Dafür werden die sechs engagiert, um zusammen mit den Mounties den Übergang zu regeln. Doch das stößt nur bedingt auf freundschaftliche Absichten.

Meine Meinung

Bei Super Troopers 2 wird sehr schnell klar, dass es sich um einen Film handelt, den niemand gebraucht hätte. Während die erste Szene mit Gastauftritten von Seann William Scott (bekannt als Stifler aus American Pie) und Damon Wayans Jr. (bekannt als Coach aus New Girl) noch ein paar – zwar sehr trashige – witzige Momente vorweisen kann, hören diese nach ca. 5 Minuten auf. Alles was danach folgt ist eine Aneinanderreihung von uninspirierten und nicht lustigen Witzen im Pipi-Kacka-Humor, also absolut unter der Gürtellinie. Alle Charaktere sind viel zu überzogen dargestellt und das Niveau hat sich schon nach der Einblendung des Filmtitels verabschiedet.
Die Handlung selbst ist eigentlich nur Trug, um irgendwo wieder Vorurteile und unangebrachte Witze unterzubringen – ich wiederhole: keiner der Witze war lustig. Die Amerikaner und die Kanadier werden so stereotypisch überspitzt, dass sie nicht einmal als Karikatur durchgehen können. Der „Twist“ der Handlung war lange vorhersehbar, so dass der Zuschauer nicht einmal am Ende gepackt wird. Grundsätzlich ist von Spannung absolut keine Spur, die Handlung wird müde abgearbeitet und als Zuschauer ist man ständig damit beschäftigt über die sehr dummen Gags den Kopf zu schütteln.
Auch schauspieltechnisch ist dem Desaster nicht mehr hinzuzufügen. Die Darsteller scheinen sich in ihrer Blödelkomödie wohl zu fühlen und geben dabei auch nur das Mindestmaß an Schauspielkunst zum Besten.

Das Fazit

Super Troopers 2 ist ein Film, der keiner wollte, keiner brauchte und den auch niemand sehen muss. Abgesehen von einer gut trashigen lustigen Anfangsszene hat der Film absolut nichts zu bieten. Dafür gibt es 01 von 10 möglichen Punkten.

Super Troopers 2 läuft ab dem 12.07.2018 in den deutschen Kinos.

Ocean’s 8

Ein Vorwort

Neben den ganzen Remakes und Reboots in letzter Zeit, scheint es auch modern geworden zu sein, bei Reboots die vormals männliche Belegschaft durch weibliche Akteure zu ersetzen – siehe zuletzt beim neuen Ghostbusters. Der Unterschied ist diesmal jedoch, dass Ocean’s 8 nicht als Reboot, sondern als Sequel aufgebaut ist. So ist die neue Hauptrolle Debbie Ocean die Schwester von George Clooneys Danny Ocean. Dennoch dürfte einem einiges bekannt vorkommen. Aber was können die acht Frauen eigentlich alles so?

Die Handlung

Debbie Ocean (Sandra Bullock) wird nach mehrjähriger Haft entlassen. Während ihrer Zeit im Gefängnis hat sie sich einen Masterplan ausgedacht, um auf der alljährlichen Met-Gala ein sehr teures Collier zu stehlen. Dafür sucht sie zunächst ihre beste Freundin Lou (Cate Blanchett) auf, um mit ihr ein Team zusammenzustellen.

Meine Meinung

Ein Ocean wird aus dem Gefängnis entlassen und hat dort einen perfekten Plan geschmiedet, um bei der nächsten Gelegenheit sehr viel Geld zu machen. Der beste Freund wird aufgesucht, es wird ein Team gebildet, der Plan wird ausgeführt. Dabei kommt heraus, dass es aber auch immer noch um einen Ex-Partner geht. Die Handlung erinnert euch sehr an Ocean’s 11? Ist sie auch. Allerdings lässt sie sich ebenfalls auf Ocean’s 8 anwenden. So viel zu den neuen Ideen in Sequels. Davon aber einmal abgesehen ist die Handlung sehr rund und gut erzählt. Die übliche Dynamik eines Heist-Movies wird genutzt, um eine in sich runde Geschichte zu erzählen. Und immer wenn man denkt, nun ist es aber vorbei, kommt doch noch ein neuer Schritt.
Der größte Vorteil von Ocean’s 8 ist jedoch die tolle Besetzung. Während bei den Vorgängerfilmen mit den Herren immer jemand untergegangen ist, weil es einfach zu viele Charaktere gab, ist die Zahl bei den Damen nun auf 8 begrenzt und damit völlig ausreichend, um jeder Dame eine kurze Vorstellung und eine sinnvolle Aufgabe zu geben. Im Vordergrund stehen Bullock, Blanchett und Sarah Paulson, die eindeutig die größten Rollen haben. Aber auch Rihanna, Helena Bonham-Carter, Awkwafina und Mindy Kaling geben allesamt eine gute Performance ab. Auch Anne Hathaway liefert als „Antagonistin“ und Diva eine gute Rolle ab. Ein wenig unter Wert verkauft sich Frau Hathaway hier allerdings schon, ist doch ihre einzige Aufgabe ein paar viele eingebildete Kommentare abzugeben. Aber auch das will gelernt sein und man nimmt ihr die Roll zu 100% ab. Insgesamt spürt man eine ganz wunderbare Dynamik zwischen den Charakteren.
Auch nach dem großen Coup verläuft sich die Handlung nicht einfach, sondern bringt mit James Corden als Versicherungsdetektiv noch eine zweite Handlung ins Rollen, die gekonnt an die erste anknüpft und so mehr als nur ein Diebstahl aus dem Film macht. Dabei ist es interessant, dass die Geschichte trotzdem chronologisch erzählt wird, am Ende jedoch noch einige Details hinzugefügt wurden, damit die Logiklöcher geschlossen werden konnten.

Das Fazit

Ocean’s 8 erfindet nichts – nicht einmal die eigene Handlung, die sehr stark von Ocean’s 11 abgeknüpft wurde – neu, aber liefert trotzdem eine solide Performance ab. Vor allem der gut gewählte Cast sorgt für heitere 110 Minuten, die durchaus gut unterhalten. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Ocean’s 8 läuft seit dem 21.06.2018 in den deutschen Kinos.

Chef’s Table

Ein Vorwort

Das Netflix mit seinen Eigenproduktionen immer wieder ein gutes Händchen zeigt, beweist die Fülle an guten Serien. Bereits seit 2015 läuft nun schon Netflix erste eigene Kochshow: Chef’s Table. Allerdings hat sich Netflix dagegen entschieden, einen Starkoch immer wieder neue Gerichte zeigen zu lassen, sondern präsentiert dagegen in jeder Episode einen anderen internationalen Starkoch. Chef’s Table ist soeben in die vierte Staffel gestartet und hat aktuell 22 Folgen insgesamt.

Die Handlung

Von Järpes in Schweden bis Melbourne in Australien, von Lima in Peru bis zum Baekyangsa Tempel in Südkorea. Überall auf der Welt sind die Restaurants der ganz unterschiedlichen Starköche zu finden, die die Serie Chef’s Table näher unter die Lupe nimmt. Der Fokus liegt auf der Inspirationsquelle und der Lebensgeschichte der Köche.

Meine Meinung

Chef’s Table ist anders als die Kochsendungen, die man sonst so im Fernsehen sieht. Während man im Fernsehen einen Jamie Oliver sehen kann, wie er seine Rezepte kocht und dann auch immer noch liebevoll dekorierend serviert, sieht man bei Chef’s Table selten den direkten Verarbeitungsprozess. Stattdessen konzentriert sich die Serie auf die Hintergründe des Essens. Wie ist es Entstanden? Dabei werden hauptsächlich zwei Geschichten erzählt. Zum einen die Lebensgeschichte der vorgestellten Köche, zum anderen die Inspirationsquelle. Dabei ist das schönste an der Serie, dass selbst die vorgestellten Köche, obwohl sie alle als Starköche gelten, sehr unterschiedliche Geschichten zu erzählen haben. Es gibt die Geschichten von Familientraditionen, aber auch die von Köchen, die eigentlich nur zufällig diesen Weg eingeschlagen haben.
Jede Folge geht ca. 50 Minuten. Dabei werden die Themen immer wieder gewechselt und es wird zwischendurch auch immer wieder ein kreiertes Gericht vorgestellt, das entweder gerade in der Lebensgeschichte oder in der Geschichte über die Inspiration vorkam. Dadurch hat die Serie eine Eigendynamik, die verhindert, dass die Folgen eintönig werden. Und obwohl jede Folge ähnlich aufgebaut ist und das gleiche Theme die Serie musikalisch untermauert, ist jede Folge einzigartig und kann von neuem begeistern.

Ich habe Staffel 1 und 2 tatsächlich immer dann geschaut, wenn ich gekocht und gebacken habe. Mich direkt abends hinzusetzen und zu sagen, ich schaue jetzt Chef’s Table, konnte ich nie. Aber gerade für die Zeit in der Küche ist die Serie optimal. Staffel 3 habe ich (aufgrund einer technischen Auseinandersetzung mit meinem Fire TV-Stick in der Küche) noch nicht gesehen und bin jetzt mitten in der vierten Staffel. Hier wurde das Konzept leicht geändert, da es nun nicht mehr um Restaurants allgemein geht, sondern um Patisserie, also um Menschen, die sich mit Nachtischen beschäftigen. Die erste Folge der vierten Staffel ist auch gleich meine Lieblingsfolge der Serie geworden. Ich hätte mir noch viel länger Christina Tosis Ideen aus ihrer Milk Bar in New York anhören können – z. B. kam sie auf die Idee Panna Cotta nicht mit normaler Milch zu machen, sondern mit Milch, in der vorher Cornflakes waren, um somit eine Kindheitserinnerung in Panna Cotta Form herzustellen.

Das Fazit

Eine sehr gute Alternative zu all den langweiligen Kochsendungen im Fernsehen. Und sie inspiriert einen gleich wieder in die Küche zu verschwinden, um selbst etwas neues zu zaubern. Eine Serie für alle Hobbyköche da draußen!

Cinemathek: The Big Sick

Ein Vorwort

Herzlich Willkommen in der Cinemathek, heute mit The Big Sick.
In romantischen Komödien wird immer wieder versucht eine möglichst reale und doch zuckersüße Liebesgeschichte zu erschaffen, in der die Protagonisten immer mit verschiedenen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, ehe sie sich final finden. Doch bekanntlich schreibt ja das Leben die besten Geschichten. Das dachte sich wohl auch der amerikanische Komiker Kumail Nanjiani, der kurzerhand beschloss seine eigene Ge-schichte zu verfilmen. Nämlich die Geschichte, wie er seine eigene Frau kennenlernte. Damit auch die weibliche Rolle richtig dargestellt wird, hat Emily V. Gordon, die Frau von Nanjiani, ebenfalls am Drehbuch mitgeschrieben, dass auch gleich eine Nominierung als bestes Originaldrehbuch bei den diesjährigen Oscars erhielt und sich am Ende aber Get Out beugen musste.

Die Handlung

Kumail (Kumail Nanjiani) versucht in Chicago als Stand-up Comedian Fuß zu fassen und verdient sein Geld als Uber-Fahrer. Eines Abends lernt er Emily (Zoe Kazan) kennen. Beide verlieben sich und alles könnte so schön sein, wären da nicht Kumails pakistanische Eltern, die für Kumail nur eine arrangierte Ehe mit einer Muslimin akzeptieren. Und dann wird Emily auch noch sehr krank und Kumail steht auf einmal vor den Trümmern seines Lebens und lernt unter den ungünstigsten Umständen Emilys Eltern kennen.

Meine Meinung

The Big Sick ist einer dieser Filme, der bei den meisten komplett unter Radar läuft, da er kaum für sich warb. Hätte er nicht zumindest die eine Oscarnominierung für das beste Originaldrehbuch erhalten, so wäre der Film auch bei mir völlig untergegangen. Aber so war mir der Film zumindest ein Begriff, als er dem aktuellen Cinemathekprogramm erschien und so beschloss ich ihn mir anzusehen. Hätte ich dies nicht getan, hätte ich einen sehr süßen kleinen Film verpasst.
The Big Sick ist ein sehr ruhig erzählter Film, der keine allzu große Spannungskurve aufweist, aber dafür mit seinem ganz eigenen Charme überzeugen kann. Es wird sich ausreichend Zeit genommen, um alle Figuren vorzustellen und ihnen Gesicht und Charakter zu geben. Auch wenn Emily zwei Drittel des Films im künstlichen Koma liegt, bekommt sie genug Screentime, um ihre Handlungen nachvollziehbar zu machen.
Die Handlung selbst konzentriert sich auf Kumail und seine beiden Konflikte. Zum einen weiß er nicht, wie er seiner Familie sagen soll, dass er sich in eine Nicht-Muslimin verliebt hat, da diese ihn dann komplett verstoßen würde. Andererseits versucht er mit Emilys Eltern umzugehen, die ihre ganz eigenen Probleme mitschleppen und auch nicht sonderlich gut auf Kumail zu sprechen sind. Der Film verliert sich dabei ein bisschen in sich selbst und ist mit einer Lauflänge von 120 Minuten etwas überfordert. Eine Kürzung des Stoffes wäre angebracht gewesen.
Ansonsten entwickelt der Film so seinen ganz eigenen Charme und macht ihn dadurch sehenswert. Leider ist er aber als romantische Komödie von einem Comedian, was das Humorlevel angeht, sehr enttäuschend. Denn wirklich gelacht, habe ich an keiner Stelle. Kleine Schmunzler lagen mir öfter auf den Lippen, aber zu einem wirklichen Lachen hat es nicht gereicht. So verfehlt der Film leider auch irgendwo sein Genre. Wenn man sich nicht vorab auf eine Komödie einstellt, dann kann der Film durchaus wieder funktionieren.

Das Fazit

The Big Sick ist ein kleiner sehr charmanter Film, der durchaus eine Sichtung wert ist, aber leider doch mit mehreren Mängeln zu kämpfen hat. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

The Big Sick lief ursprünglich ab dem 16.11.2017 in den deutschen Kinos.

Jurassic World – Das gefallene Königreich

Ein Vorwort

Im Jahr 1993 freuten sich Dinofans aus aller Welt, als der erste Jurassic Park Film die ausgestorbenen Echsen auf die Leinwand holte. Mit viel Liebe zum Detail wurde eine Handlung geschaffen, die eine ganze Generation begeisterte. Mit zwei eher weniger erfolgreichen Teilen rundete Spielberg seine Trilogie ab. Bereits 2005 hegte Spielberg den Plan noch einen fünften Teil zu kreieren. Doch die Planung verschob sich immer weiter nach hinten und erst 2015 kam mit Jurassic World der vierte Teil in die Kinos, der gleichzeitig den Grundstein legte für eine neue Trilogie – im Zeitalter von Remakes und Reboots nicht ungewöhnlich. Schon der erste Jurassic World Teil zeigte Parallelen zum ersten Jurassic Park Teil. So kann man nun auch zwischen dem zweiten Jurassic Park und dem zweiten Jurassic World Teil wieder Parallelen ziehen. Doch kann sich Jurassic World – das gefallene Königreich als Fortsetzung behaupten?

Was bisher geschah

In Jurassic World erlebten wir den neu gebauten Freizeitpark Jurassic World. Alles ein bisschen neuer und ein bisschen moderner als der frühere Jurassic Park. Wie schon früher gab es einige freilaufende Dinos und die fleischfressenden waren natürlich gut weggesperrt. Als von Leiterin Claire die Neffen Gray und Zach den Park besuchen, hat sie leider nicht so viel Zeit, wie sie gerne hätte. Denn soeben haben sie einen ganz neuen Dino gezüchtet, den Indominus Rex. Gepaart mit einigen verschiedenen Lebensformen und einer hohen Portion an Intelligenz, hält der Indominus Rex leider so gar nichts von Käfigen. Nun muss Claire nicht nur ihre Neffen retten, sondern auch den Park evakuieren. Ihr zur Seite steht Owen (Chris Pratt).

Die Handlung

3 Jahre nach Schließung von Jurassic World droht der Vulkan auf der Isla Nubla auszubrechen und alle noch dort lebenden Dinos unter einer Lavaschicht zu begraben. Während der Kongress noch über das Für und Wider diskutiert, bekommt Claire (Bryce Dallas Howard) ein Angebot von Eli Mills (Rafe Spall). Dieser verwaltet Sir Benjamin Lockwoods (James Cromwell) Vermächtnis und bietet Claire eine neue Zufluchtsstelle für die Dinos. Doch einmal auf der Insel angekommen, arbeiten Mills Einsatztruppen gegen Claire und Owen. Die Dinos werden auf Lockwood Manor gebracht, wo (wieder einmal) ein Überdino gezüchtet wird.

Meine Meinung

Regisseur J. A. Bayona schafft es mit wenigen Bildern viel Eindruck zu machen. Während bei den Dinosauriern wieder viel mit Puppen und wenig mit CGI gearbeitet wurde, was man dem Endprodukt auch sehr positiv ansieht, sind es gerade die Kamerafahrten über die Isla Nubla, die zum Staunen anregen. Auch ansonsten ist die Kameraarbeit mit Oscar Faura in bester Hand und zeigt eine Vielfalt von Perspektiven. Bayona arbeitet in diesem Teil auch viel mit Licht-, Schatten- und Nebeleffekten, die mehr als einmal so geschickt eingesetzt sind, dass sie einem dem Atem stocken lassen. Vom filmischen Handwerk her, hat sich Jurassic World 2 damit erst einmal nichts vorwerfen zu lassen.
Während der erste Jurassic World Teil viel auf Action und große Dinos gesetzt hat, reduziert „Das gefallene Königreich“ dies drastisch und setzt zunehmend auf Atmosphäre und geht damit mit großen Schritten Richtung Horrorbereich. Auch hier kann der Film einige Punkte für sich einheimsen.
Handlungstechnisch orientiert sich der Film deutlich an dem zweiten Jurassic Park Teil von 1997. So wurde auch hier der Park und damit die Dinosaurier jahrelang sich selbst überlassen. Erst als der Vulkan auszubrechen droht wird über eine mögliche Rettung diskutiert bis sich in Sir Lockwood der Retter findet. Auch John Hammon wollte seinerseits die Dinosaurier retten, doch wurde er von seinem Schützling betrogen. Gleiches passiert hier auch wieder, was leider viel Potential verschenkt. Denn zum einen bot die Rettungsaktion vor der Kulisse des ausbrechenden Vulkans eigentlich wesentlich mehr Material als für nur eine halbe Stunde des Films. Hier wird viel Action links liegen gelassen und sehr schnell alles abgearbeitet. Im gleichen Atemzug hätte man die Grundsatzdiskussion über die Rettung der Dinosaurier auch ein wenig ausweiten können und hätte schon damit allein bis zur vermeintlichen Rettung der Dinos einen vollen Film und hätte sich den zweiten Part für einen dritten Teil aufsparen können. Stattdessen werden die Dinos nun bereits nach einer halben Stunde auf das Festland gebracht. Und natürlich hört hier keiner auf die beiden Protagonisten Claire und Owen (Howard und Pratt), sondern es wird versucht illegale Dinger mit den Dinos zu drehen. Soweit so gut. Durch diesen Handlungsstrang wird dann der Horroraspekt deutlich ausgeweitet und man hätte ihn vielleicht mit ein paar Änderungen auch ein bisschen durchdachter und sinnvoller bauen können – Stichwort: Oh ein Dino kommt, ich versteck mich mal unter meiner Bettdecke. Leider musste natürlich nach dem Indominus Rex aus dem ersten Jurassic World Teil wieder ein neuer Hybride gebaut werden, der natürlich auch wieder viel gefährlicher und bösartiger ist, als alle anderen Dinosaurier. Spätestens hier steigt auch der noch so gewillte Zuschauer aus und kann nur noch die Augen verdrehen. Wie oft kann man eigentlich noch nicht aus den Fehlern der anderen lernen?
Schauspieltechnisch wartet der Film wieder mit Chris Pratt und Bryce Dallas Howard auf, die diesmal glücklicherweise die High Heels gegen ein Paar Stiefel austauschen durfte, und die ihre Rollen souverän spielen. Ihrem Charakter fügt der Film jedoch nichts Neues hinzu. Jeff Goldblum – vorab leider viel zu groß angekündigt – schafft es auf ca. fünf Minuten Screentime. Neu mit dabei sind Daniella Pineda und Justice Smith als Claires Assistenten. Hier wäre das Potential groß gewesen, um die neuen Charaktere zu etablieren, hätte man ihnen mehr Screentime gegeben. So wirken sie leider etwas deplatziert und austauschbar, obwohl ich beide als Team gerne gesehen habe.

Das Fazit

So richtig funktioniert Jurassic World – das gefallene Königreich nicht. Logiklöcher in der Handlung und der gleiche Fehler schon wieder trüben das Sehvergnügen. Davon abgesehen hat der Film einiges auf dem Kasten, was bei schönen Effekten und gelungener Kameraführung anfängt und bei der unbeschreiblichen Atmosphäre aufhört. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Jurassic World – das gefallene Königreich ist seit dem 06.06.2018 in den deutschen Kinos.

Cinemathek: Die Lebenden reparieren

Ein Vorwort

Herzlich Willkommen in der Cinemathek, heute mit Die Lebenden reparieren. Organspende ist ein Thema, das bisher noch nicht wirklich Einzug in die Filmwelt erhalten hat. In der ein oder anderen Krankenhausserie wurde das Thema natürlich schon einmal verarbeitet, aber so wirklich tiefgründig diskutiert über das Für und Wider wurde auch dort nicht. Nun hat sich das Team um Regisseur Katell Quillévéré ebendiesem Thema noch einmal angenommen, herausgekommen ist der Film „Die Lebenden reparieren“.

Die Handlung

Simon (Gabin Verdet) ist ein lebenslustiger Junge, der jedoch nach einem Autounfall einen Hirntod erleidet. Nun ist Eile geboten, denn Simon ist ein guter Kandidat für eine Organspende. Und an einer ganz anderen Stelle in Frankreich wartet die Familienmutter Claire (Anne Dorval) dringend auf ein Spenderherz.

Meine Meinung

Die Lebenden reparieren ist ein sehr ruhig erzählter Film, der sehr atmosphärisch anfängt. Mit vielen langen Kamerafahrten lernen wir den lebenshungrigen Simon kennen, der gerne surft und frisch verliebt ist. Obwohl einem nach der Beschreibung des Films bereits klar ist, dass er sterben wird, nimmt sich der Film die Zeit, um ihn zumindest ein bisschen vorzustellen. Dann kommt es auch schon zu besagtem Unfall und die Ärzte müssen den Eltern erklären, dass ihr Sohn Hirntod ist und was das bedeutet. Dann kommt es schon zum entscheidenden Gespräch bezüglich der Organspende, da den Ärzten nur sehr wenig Zeit bleibt. Die Eltern sind natürlich aufgebracht und stürmen aus dem Krankenhaus. Hier verpasst der Film die Chance über Organspende wirklich zu diskutieren. Zumal die Eltern nur einen Tag später wiederkommen und die Unterschrift geben. Das war zu einfach und ging doch zu schnell.
Cut und Schnitt zu Claire. Ihr Herz macht nicht mehr lange mit und Claire freundet sich langsam mit dem Gedanken an bald zu sterben. Ihre beiden Söhne gehen mit dem Thema ganz unterschiedlich um. Auch hier nimmt sich der Film wieder Zeit und stellt den Charakter ausführlich vor. Wir lernen auch ihre Ärztin kennen. Und dann kommt letztendlich die entscheidende Nachricht. Es gibt ein Spenderherz. Claire fängt noch mit ein paar Argumenten an, möchte wissen, von wem das Herz kommt. Das darf natürlich alles nicht verraten werden, aber hier wird der Film das erste Mal wirklich menschlich. Das letzte Drittel des Films befasst sich dann rein mit der Transplantation. Und hier nimmt es der Film sehr genau – vielleicht sogar etwas zu genau – und zeigt auch die Operationen ausführlich. Das bedeutet, dass teilweise minutenlang nur von oben auf den Operationstisch gefilmt wird.
Die Lebenden reparieren hält sich stringent an die oben beschriebene Dreiteilung. Nach jedem Abschnitt gibt es einen harten Cut und das Thema wird geändert. Die ruhige Erzählweise und die Vorliebe für lange langsame Kamerafahren bleiben aber erhalten. Und so ist die Lebenden reparieren zwar ein sehr künstlerischer Film geworden, aber kratzt beim Thema Organspende nur an der Oberfläche. Keine Diskussion über das Für und Wider. Nur ein Statementfilm, über die Wichtigkeit von Organspende, was zumindest ein Anfang ist, aber bei weitem nicht das Resultat, dass man sich vom Film erhofft hat.

Das Fazit

Die Lebenden reparieren verpasst leider die Chance ausführlich über Organspende zu diskutieren und zeigt auf künstlerisch angehauchte Weise lediglich, wie es dazu kommt, dass wenn ein Mensch stirbt ein anderer gerettet werden kann. Für die verpasste Chance gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Die Lebenden reparieren lief ursprünglich ab dem 07.12.2017 in den deutschen Kinos.

Solo – A Star Wars Story

Ein Vorwort

Mit Solo erschien nun der inzwischen insgesamt zehnte Teil der Star Wars Saga in den deutschen Kinos. Nach Rogue One ist er ein weiterer – Achtung Wortwitz – Solofilm und erzählt über die jungen Jahre des Han Solo, den Harrison Ford in Episode 4-6 (also der Ursprungstrilogie) verkörpert hat. Entgegen des bisherigen Veröffentlichungsrhythmus erschien der Film nicht um die Weihnachtszeit, sondern bereits im Mai, was strategisch nicht besonders gut gewählt scheint. Denn zum einen ist die Kinowelt noch im Bann der anderen großen Blockbuster, die relativ zeitgleich gestartet sind, wie Avengers – Infinity War und Deadpool 2. Zum anderen ist Episode 8 – die letzten Jedi eben noch kein halbes Jahr her und spaltet noch immer die Meinungen. Und bis Episode 9 sind es nun noch 1,5 Jahre. Zeitgleich rankten sich einige Gerüchte um die Dreharbeiten, die die Vorfreude auf Solo ebenfalls trübte. Denn allein das Gerücht, dass Hauptdarsteller Alden Ehrenreich zunächst zurück auf die Schauspielschule geschickt wurde, weil er bei den ersten Dreharbeiten nicht überzeugen konnte, lässt am Cast des neuen Han Solo doch Zweifel. Wie viel an dem Gerücht wirklich dran ist, kann ich nicht sagen, aber ob Solo trotz allem funktioniert, erfahrt ihr hier.

Die Handlung

Aufgewachsen auf dem Sklavenplaneten Corellia im neu entstandenen Imperium, versucht der junge Han (Alden Ehrenreich) zusammen mit seiner Jugendliebe Qi’ra(Emilia Clarke) zu entkommen. Doch bei ihrem Fluchtversuch wird Qi’ra geschnappt und Han meldet sich freiwillig für die imperiale Flotte, um Pilot zu werden und sie irgendwann zu befreien. An der Front lernt er die Gruppe um Tobias Beckett (Woody Harrelson) kennen, die für den einflussreichen Dryden Vos (Paul Bethany) arbeiten. Er schließt sich ihnen an und trifft dabei auf einige neue, aber auch auf alte Bekannte.

Meine Meinung

Die größte Frage zu Beginn des Films war eindeutig, wie sich Alden Ehrenreich als neuer Han Solo gibt. Kann er dem großartigen Harrison Ford das Wasser reichen? Ehrenreich selbst sagte dazu in einem Interview, dass er bewusst nicht versucht hat Ford zu kopieren, sondern er wolle seinen eigenen Han spielen. Dennoch hat vor allem die Maske einiges geleistet, denn in einigen Szenen will man in Ehrenreich doch den jungen Ford erkennen. Aber auch Ehrenreich selbst schafft es mit seiner Performance zu überzeugen, auch wenn er in manchen Szenen etwas zu gewollt cool zu sein versucht. Ein bisschen vermisst wurde der bissige Humor, der sich aber nach dem handlungsverlauf erst aufgrund des Ausgangs entwickelt hat, weswegen auch dies nachvollziehbar ist.
Handlungstechnisch ist einiges schon bekannt gewesen. So erwähnte Han schon in den älteren Episoden, dass er den Millenium Falken von Lando beim Glücksspiel gewonnen hat. Diese Szene aber tatsächlich noch einmal zu sehen ist durchaus ganz nett. Aber natürlich kann Solo mit weitaus mehr Handlung aufwarten. Sie ist logisch durchdacht, erfindet das Rad jetzt aber nicht gänzlich neu und spielt mit dem Vorhersehbaren. Nur wenige Überraschungen sind zu finden, dafür aber ein ziemlich großer Cliffhanger, der wohl so richtig nie gelöst wird, da es sich nun einmal um einen Einzelfilm handelt. Dennoch ist Solo an keiner Stelle langweilig oder langatmig. Mit dem guten Cast um Woody Harrelson, wird gerade genug Witz mit reingenommen, um es nicht zur reinen Actionschlacht verkommen zu lassen.
Am ungünstigsten von den bekannten Charakteren dürfte wohl Lando (Donald Glover) getroffen worden sein. Bereits im Vorfeld wurde bekannt gegeben, dass Lando Pansexuell sei. Daran ist erst einmal überhaupt nichts verwerflich, doch leider wird das Thema nicht unterschwellig angedeutet, was sich mit den alten Episoden decken würde, sondern der Zuschauer wird mit dem Vorschlaghammer (die Holzhammermethode ist sehr sanft dagegen) darauf aufmerksam gemacht. Donald Glover setzt seine Rolle grundsätzlich gut um, aber die Auslegung der Rolle ist sehr over the top, was weder zum bekannten Charakter noch im Film selbst wirklich sinnvoll erscheint. Sein für die Rechte der Droiden kämpfende Droidin L3-37 ist hingegen als neuer Charakter wunderbar gezeichnet. Sie wird schnell eingeführt, bekommt aber genug Platz, um sich ein bisschen zu entfalten und ihre Ansichten klar zu machen. Damit ist es wieder ein nicht menschliches Wesen, dass einen Großteil des Charmes im Film ausmacht, wie zuvor schon R2D2, BB8 und auch K-2SO.
Eine wichtige Frage, wenn ein Film ein Teil einer Saga ist, ist, ob der Film in dieser Saga funktioniert. Solo ist ein solider Science Fiction Film, so viel kann man sagen. Aber wie schon Rogue One funktioniert er nicht im großen Zusammenhang der Star Wars Filme. Das liegt weniger daran, dass der typische Vorspann mit dem Star Wars Theme weggelassen wurde, sondern eher daran, dass dieses altbekannte Star Wars Gefühl nicht aufkommt. Es ist sehr schwer in Worte zu fassen, was genau gefehlt hat. Sind es die Weltraumschlachten? Oder liegt es daran, dass einige Charaktere zu stereotypisch sind? In dieser Hinsicht funktionieren – meiner Meinung nach – die neuen Episodenteile (7&8) deutlich besser.
Schauspieltechnisch konnte Solo vor allem mit einem tollen Paul Bethany als Dryden Vos aufwarten. Bethany sagte in einem Interview, dass er sich darauf gefreut hat, endlich mal einen Bösewicht zu verkörpern. Genau diese Freude merkt man ihm auch in jeder Szene an. Emilia Clarke hingehen als Qi’ra kann zwar überzeugen, sticht schauspieltechnisch aber nicht heraus. Das haben wir von ihr schon besser gesehen.

Das Fazit

Als normaler Sci-Fi Film funktioniert Solo erstaunlich gut und kann mit einer guten Besetzung aufwarten. Aber die Handlung ist letztendlich etwas zu einfach gestrickt und kann nur selten überraschen. Auch fehlt, wie bereits bei Rogue One, das typische Star Wars Gefühl. Damit kommt Solo auf 07 von 10 möglichen Punkten.

Solo – a Star Wars Story läuft seit dem 24.05.2018 in den deutschen Kinos.