Cinemathek: Call me by your name

Ein Vorwort

Willkommen in der Cinemathek, heute mit Call me by your name. Der Film war zwar dieses Jahr für mehrere Oscars nominiert – Bester Film, bester Hauptdarsteller (Timothee Chalamet), bester Filmsong (Mystery of Love) und bestes adapatiertes Drehbuch – wovon er aber nur einen (bestes adaptiertes Drehbuch) gewinnen konnte, obwohl ich bisher nur gutes über den Film gehört habe. Hält er, was er verspricht?

Die Handlung

Der 17-jährige Elio lebt mit seinen Eltern in Norditalien, hat aber US-amerikanische und französische Wurzeln. Jedes Jahr im Sommer holt Elios Vater, ein Archäologe, einen Studenten für 6 Wochen ins Haus, der ihm bei seinen Forschungen helfen soll. In diesem Jahr ist es Oliver. Zwischen Elio und Oliver ist schon bald eine Anspannung zu spüren.

Meine Meinung

Ich bin etwas zwiegespalten ins Kino gegangen. Zum einen hatte ich gehört, dass der Film unglaublich langsam erzählt werden soll, was mich bei den meisten Filmen eher stört. Auch konnte mich der Trailer absolut nicht ansprechen. Zum anderen hatte ich bisher nur Lobeshymnen auf den Film gehört. Also beschloss ich mich möglichst ohne jegliche Erwartungen einfach auf den Film einzulassen. Und er konnte mich absolut begeistern!
Call me by your name ist ein Film, der zwar unfassbar ruhig erzählt wird, aber dabei so viel Atmosphäre aufbaut, dass er einen komplett einlullt. Sehr schnell fühlt man sich selbst in einem viel zu heißen Sommer, um irgendetwas zu tun, und überlegt, welches schöne Buch man als nächstes lesen sollte. Ebenso wie Elio träumt man ein bisschen vor sich hin, während man die Ankunft von Oliver verfolgt. Das Armie Hammer einen sofort mit seiner Präsenz einnimmt, tut sein weiteres.
Während der ersten Hälfte des Films scheint auf dem ersten Blick relativ wenig zu passieren. Die Handlung plätschert ein wenig vor sich hin, erst nach und nach merkt man die kleinen versteckten Andeutungen. Doch mit der Zeit nimmt der Film an Fahrt auf und man erwacht aus der Trance, die der viel zu heiße Sommer in Norditalien bei einem hinterlassen hat.
Die Geschichte und Entwicklung zwischen Elio und Oliver, die sich mit der Zeit immer näher kommen, ist sehr subtil angedeutet und spielt mit der Leichtigkeit der Liebe und den damals noch schwierigen Verhältnissen. Hier profitiert der Film eindeutig davon, dass mit Timothee Chamalet und Armie Hammer zwei Schauspieler ausgesucht wurden, die die Stimmung des Films und die Intentionen ihrer Charaktere wirkungsvoll, aber doch subtil herüberbringen können.
Einer der größten Pluspunkte des Films – neben den bisher aufgezählten – ist aber auch der unglaublich authentische Soundtrack. Mystery of Love war nicht ohne Grund für den besten Filmsong nominiert. Denn der Soundtrack unterstützt noch einmal die sehr reduzierte Erzählweise, das Setting und das subtile Spielen der Darsteller und hüllt einen noch einmal zusätzlich in den Kokon des Films ein.

Das Fazit

Call me by your name ist ein Film, der gerade durch seine ruhige und subtile Erzählweise punkten kann. Mit gelungenem Soundtrack und gut gewählten Schauspielern rundet sich das Bild eines würdigen Oscarkandidaten. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Call me by your name lief ursprünglich ab dem 01.03.2018 in den deutschen Kinos.

Deadpool 2

Ein Vorwort

Während viele über die endlose Wucht aus Superhelden auf der großen Kinoleinwand stöhnen, konnte 2016 tauchte dann aber noch einmal ein ganz anderer „Held“ auf. Deadpool, zugehörig dem X-Men Universum, mischte als fluchender und nicht jugendfreier Film (ab 16 Jahren freigegeben) das Superheldengenre ordentlich auf. Und mit Erfolg! Der erste Teil konnte mich damals so sehr überzeugen, dass er die Höchstwerung von 10 Punkten erhielt. Kann der zweite Teil mithalten?

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

In Deadpool lernten wir den ehemaligen Soldaten Wade Wilson kennen, der sich mit kleinen Aufträgen über Wasser hält. Eines Tages lernt er die Prostituierte Vanessa kennen und lieben, bis bei Wade Krebs im Endstadium festgestellt wird. Als eines Tages ein mysteriöser Mann auftaucht und ihm anbietet aus ihm einen Superheld zu machen und dabei gleichzeitig den Krebs zu heilen, willigt Wade ein. Der dubiose Ajax injiziert ihm ein Mutationsmittel und setzt ihm dann einer langen Folter aus. Letztendlich geht jedoch eine Folter schief und Wade ist fortan entstellt. Gleichzeitig kann sein Körper aber inzwischen alles heilen. Nach einer Explosion im Labor, kann Wade fliehen. Er traut sich jedoch nicht zu Vanessa zurück. Er beschließt Ajax zu finden und ihn zu zwingen seinen entstellten Körper wieder zu heilen. Dabei treten ihm aber die X-Men Colossus und Negasonic Teenage Warhead in den Weg, die aus ihm lieber einen richtigen Superhelden machen würden. Im großen Showdown hat Ajax Vanessa entführt und Wade muss die beiden X-Men um Hilfe bitten, um seine große Liebe retten zu können.

Die Handlung

Wade und Vanessa sind wieder vereint. Doch nach einem Zwischenfall beschließt Wade sich den X-Men anzuschließen. Als Azubi-X-Men versucht er dem jungen Russell Collins alias Firefist zu helfen, beide landen jedoch im Gefängnis. Während Russell in Deadpool einen Vater sieht, möchte dieser keine Verantwortung übernehmen. Bis Cable auftaucht, der es auf den Jungen abgesehen hat und diesen töten will. Deadpool versucht dies nun zu verhindern.

Meine Meinung

Deadpool 2 ist eine völlig verrückte Aneinanderreihung von verschiedenen Geschichten aus verschiedenen Genres. Es gibt die Trauerbewältigung, die „Wie-erziehe-ich-ein-Kind/Bin-ich-ein-guter-Vater“, die Gründung einer Superheldengruppe, das „Wie-werde-ich-ein-guter-Superheld“ und natürlich den Kampf gegen das große Böse. Das ganze wird mit ordentlich viel Action, Deadpool-mäßigem deftigem Humor und einer Menge Selbstironie überschüttet und dabei heraus kommt ein Film, den man entweder liebt oder mit dem man relativ wenig anfangen kann.
Ein großer Pluspunkt des Films ist es, dass er die Charakterentwicklung weiter fortsetzt. Sei es nun bei Deadpool selbst, der gleichzeitig mit mehreren Problemen konfrontiert wird und doch seine selbstironische Art behält, aber auch andere Charaktere, wie der Taxifahrer Lupinda oder der X-Men Colossus. Gleichzeitig werden auch wieder neue Charaktere eingeführt, denen (größtenteils) die nötige Zeit für die Einführung und Erklärungen zum Charakter gewährt werden.
Ein großer Negativpunkt ist die viel zu bunt gemischte und ohne richtigen roten Faden verlaufende Handlung. Gerade zur Mitte des Films gibt es eine große Kehrtwende in der Handlung, die einfach so gar nicht richtig funktionieren will und den restlichen Film damit sehr surreal werden lässt. Dabei war der Ansatz zunächst sehr gut. Mit dieser Kehrtwende soll ein Handlungsproblem gelöst werden, was zwar gelingt, aber die Drehbuchschreiber haben es sich dabei doch sehr einfach gemacht.
Hindernis ist hier vor allem der von Josh Brolin verkörperte Bösewicht Cable. Wie schon in Avengers Infinity War bringt Brolin einen Bösewicht auf die Leinwand, der Ecken und Kanten hat und vor allem eine plausible Vorgeschichte aufweist. Doch auch er kann nicht mehr darüber hinwegspielen, dass es sich gerade in Bezug auf seinen Charakter teilweise handlungsmäßig sehr einfach gemacht wurde. Zwar wurde das selbstironisch auch so angesprochen, aber irgendwo steigert sich die Unzufriedenheit beim Zuschauer.

Wir fassen zusammen: Deadpool hat eine gute Grundidee, verrennt sich aber in zu vielen Themen und macht es sich dafür von der Handlung her mit Kehrtwenden sehr einfach. Aber wisst ihr was? Der Film mit der Figur Deadpool funktioniert trotzdem einwandfrei. Man kann natürlich deutliche Schwächen finden und diese habe ich nun auch angesprochen. Aber im Endeffekt macht Deadpool einfach nur wieder höllisch viel Spaß! Gerade für einen Fan von Comicverfilmungen sind so viele schöne Andeutungen und Hinweise gestreut, dass man ständig laut aufjauchzen möchte. Hinzu kommen einige Cameo-Auftritte, mit denen keiner gerechnet hat, und genau das richtige Mischverhältnis zwischen Humor und Selbstironie. Wer auch immer auf die James Bond-Anspielung mit Celine Dion kam, dieser jemand ist mein persönlicher Held! Ich musste nach der Sichtung ein paar Nächte über den Film schlafen, weil ich eigentlich dachte, dass mich die einfache Handlung doch irgendwo stören würde, aber letztendlich erinnere ich mich mehr an den Spaßfaktor. Und auch die moralische Seite kam im Film nicht zu kurz, wurde aber ebenfalls geschickt eingebaut.
Der absolut geniale Soundtrack läuft bei mir übrigens seit neustem rauf und runter!

Das Fazit

Deadpool ist ein Film, dem man Schwächen nachweisen kann, den es aber überhaupt nicht interessiert. Das wilde Chaos an Genres, Themen, Handlungssträngen und Charakteren wird mit viel Witz und Selbstironie überschüttet, so dass der Film am Ende doch gut funktioniert und positiv in Erinnerung bleibt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Deadpool 2 läuft seit dem 17.05.2018 in den deutschen Kinos.

Mit Mann ist auch nicht ohne

Ein Vorwort

Seit inzwischen vier Jahren ist da ein ganz wundervolles männliches Wesen in meinem Leben. Seit zwei Jahren teile ich mit ihm eine Geek-Höhle und wir fühlen uns Pudelwohl zusammen. Als ich beim Stöbern nach neuen Büchern über Silke Neumayers Buch „Mit Mann ist auch nicht ohne“ gestoßen bin, fühlte ich mich aber doch angesprochen, denn ihre ganz eigenen Macken haben die Männer dann ja doch. Als das Buch bei mir eintrudelte, stutzte ich dann doch erst einmal über den Untertitel „Liebeslesestoff für die fortgeschrittene Frau“. Mit Mitte 20 würde ich mich dann doch nicht als fortgeschrittene Frau bezeichnen. Konnte das Buch trotzdem halten, was es verspricht?

Die Handlung

In diesem Episodenroman erzählt Silke Neumayer vom Leben mit ihrem Ex-Mann und seinen Problemen und dann dem neuen Mann in ihrem Leben, der natürlich auch seine Macken hat. Und dann ist da noch ihre pubertierende Tochter, die auch regelmäßig Herzschmerz hat. Oder eben keinen hat, was der Mutter Magenschmerzen bereitet.

Meine Meinung

Die einzelnen Geschichten sind natürlich rein fiktiv und haben absolut gar nichts mit den Personen im Leben der Autorin zu tun. So lautet auf jeden Fall der Hinweis ziemlich am Anfang des Buches. Aber Frau Neumayer nimmt ja alles mit Humor. Zumindest steckt sie ziemlich viel in die Geschichten. Die einzelnen Kapitel nehmen immer nur ein paar Seiten ein, weswegen das Buch auch gut für zwischendurch ist. So ist natürlich nie Platz für sonderlich viel Tiefgang, aber das ist auch gar nicht das Ziel. Es scheint eher, dass die Zielgruppe Frauen (am besten Mütter) sind, die sich mit genau den gleichen Alltagsproblemen herumschlagen. Die pubertierende Tochter, die sich mal die Augen ausheult, weil ihr Freund seit einer Stunde nicht zurückgeschrieben hat, und die mal mit ihrem Freund im Zimmer verschwindet und sich Frau Mama dann zurückhalten muss, um nicht doch mal ins Zimmer reinzuplatzen und zu kontrollieren, was denn dort so getrieben wurde.
Aber auch für das jüngere Publikum bietet das Buch viel Platz zum Schmunzeln. So ein paar Anekdoten kennt man eben auch nach kurzer Erfahrung mit Männern schon. Wieder andere Episoden waren dann weniger spannend – vielleicht muss man dafür dann doch einfach nochmal älter werden – aber das ist das schöne an Episodenromanen, man kann ein Kapitel einfach überlesen, wenn es einen nicht interessiert.
In der Kürze liegt die Würze war wohl das Motto von Frau Neumayer und so kann man das Buch durchaus an 2 Tagen vollständig durchlesen. Die einzelnen Kapitel sind immer sehr einfach gehalten und wirklich tiefgründig sind die Erkenntnisse nun auch nicht. Aber wen das nicht stört, der kann sich auf kurzweilige Unterhaltung freuen und den Vorsatz erfüllt das Buch zur Genüge. Mit 220 Seiten passt es dann auch in die Frauenhandtasche für unterwegs ohne unnötig viel Platz weg zu nehmen.

Das Fazit

Mit Mann ist auch nicht ohne fällt eindeutig unter die Kategorie „ganz nett“, denn es liest sich leicht weg und hat die nötigste Portion Humor mit drin. Vielleicht war ich auch einfach nicht die richtige Zielgruppe. Aber als Zwischendurchlektüre und zum Lästern über das männliche Geschlecht eignet es sich dann doch ganz gut (natürlich werden die Männer auch mal gelobt).

Mit Mann ist auch nicht ohne wurde mir vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung, weise aber daraufhin, dass ich trotzdem meine Meinung teile unabhängig vom Rezensionsexemplar.

I feel pretty

Ein Vorwort

Wer kennt es nicht? Der Blick in den Spiegel und schon hat man wieder eine Stelle gefunden, die man an sich so gar nicht schön findet. Die Nase ist zu dick, zu dünn, zu kurz, zu lang, zu knollig, zu hakennasig… Und das ist nur das Beispiel der Nase. Das ein oder andere Gramm Fett könnte an der einen oder anderen Stelle doch weichen. Für manche führt kein Weg mehr an einer verschönernden Operation vorbei, wieder andere schwitzen sich stundenlang im Fitnessstudio in Form oder hungern sich schön. Wieder anderen scheint ihr Aussehen total egal zu sein. Sie fühlen sich einfach wohl in ihrem Körper. Doch wie ist unser Blick eigentlich auf gewisse Schönheitsideale? Und wie viel bewirken wirklich der Charakter und die Ausstrahlung? Mit diesen Fragen befasst sich Amy Schumers neuer Film I feel pretty.

Die Handlung

Rene (Amy Schumer) findet sich absolut nicht schön. Um wenigstens etwas gegen ihre Fettpölsterchen zu tun, meldet sie sich zu einem Spinning Kurs an. Dort kommt es zu einem Unfall, bei dem sie einen ordentlichen Schlag gegen den Kopf bekommt. Und der neue Blick in den Spiegel, lässt auf ein Wunder hoffen. Denn auf einmal ist sie wunderschön, zumindest sieht sie sich so, denn für die Außenwelt bleibt sie unverändert. Mit neuem Selbstbewusstsein klettert sie fortan nicht nur auf der Karriereleiter weiter hoch.

Meine Meinung

Der Film beginnt an sich mit einer realitätsnahen Grundprämisse. Unsere Protagonistin ist mit ihrem Leben unzufrieden. Single, angestellt in ihrer Traumfirma, aber nicht in ihrer Traumposition. Für all das muss es doch einen Sündenbock geben. Der ist auch schnell gefunden. Sie findet sich nämlich nicht schön und darüber hinaus, schämt sie sich für ihren Hüftspeck. Also wird zumindest eins der Probleme mit motivierendem Sport versucht zu beseitigen. Während ihr einerseits Ablehnung entgegen kommt, was sie denn in so einem Sportkurs sucht, wird sie andererseits auch ganz normal behandelt. So weit, so realitätsnah. Denn wer war nicht schon mal in einem Fitnessstudio und musste sich die Blicke der durchtrainierten antun, was man selbst mit seinen paar Kilos zu viel auf den Hüften denn dort zu suchen hätte? Dann kommt der Unfall und schwupps sieht sich unsere Protagonistin selbst als wunderhübsch. Alles, was danach kommt ist ein Drahtseilakt zwischen guter Überlegungen, herzerwärmender Szenen und auf der anderen Seite einfach nur völlig überzogener Bullshit.
Denn zum einen wird Rene durch ihr neu gewonnenes Selbstbewusstsein aktiv, um ihr Leben neu zu gestalten. Natürlich reagieren ihre Mitmenschen erst einmal erstaunt, über ihr neu gewonnenes Selbstbewusstsein, aber nicht nur ihre Chefin überzeugt sie mit ihrer Art für eine bessere Stellung. Leider gehen auch hier schon einige Dialoge in die falsche Richtung und deuten an, dass sie nur aufgrund ihres „neuen“ Aussehens die richtige für die neue Stelle ist und nicht wegen ihrer anderen Qualitäten. Desweiteren zeigt Rene, dass sie – weil ja nun vorgeblich ihr einziges großes Problem aus der Welt geschafft wurde – endlich Spaß an ihrem Leben hat. Der große Haken an der Botschaft des Films ist aber, dass er nicht sagt, wenn du dich in deinem Körper wohlfühlst, entwickelst du genug Selbstbewusstsein, um endlich deine anderen Ziele im Leben zu erreichen. Sondern die Botschaft läuft eher darauf hinaus, dass er sagt, du wirst von vielen für dein Aussehen verurteilt, aber wenn du schön bist, dann darfst du alles sagen und machen. Das führt dazu, dass Rene sich durch „ihre Schönheit“ in ein arrogantes Miststück verwandelt. Hier hat der Film eindeutig seine eigentliche Botschaft verfehlt.
Als Komödie angelegt, krankt der Film leider auch hier. Denn Amy Schumer ist zwar für ihren eher deftigen Humor bekannt, lebt diesen hier aber so sehr aus, dass es nicht mehr wirklich witzig ist. So krankt der Film nicht nur an Botschaft und Handlung, sondern auch an seinem nicht funktionierendem Humor.

Das Fazit

I feel pretty ist ein Film, der sich das Thema Selbstakzeptanz auf die Farne geschrieben hat, es dann aber doch verfehlt. Letztendlich bleibt die Aussage, dass „schöne“ Leute oberflächlich sind und „hässliche“ Leute es im Leben nicht weit bringen. Auch Amy Schumers Humoreinlagen sind gewöhnungsbedürftig und reichen nicht aus, um die Komödie zu retten. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

I feel pretty läuft seit dem 10.05.2018 in den deutschen Kinos.

A quiet place

Ein Vorwort

Filme über Alieninvasionen gibt es bereits in mehreren verschiedenen Versionen. Von Independence Day über Cloverfield bis zu Arrival. Nun kam mit a quiet place noch einmal eine neue Version des Szenarios in die deutschen Kinos. Diesmal sind die Aliens beinahe blind, hören aber sehr gut. Allein der Trailer ließ wenig zur eigentlichen Handlung erahnen, sondern verriet nur so viel über den Film: Die Familie sollte bloß kein Geräusch machen!

Die Handlung

Zurückgezogen auf eine Farm lebt Familie Abott und hat nur ein Ziel: Zu überleben, ohne ein Geräusch zu machen. Denn überall lauern Aliens, die zwar sehr schlecht sehen, dafür aber sehr gut hören und sich auf jedes laute Geräusch stürzen. Vater Lee (John Krasinski) versucht die Familie aus das Überleben zu schulen, während Mutter Evelyn (Emily Blunt) versucht die Familie weiterhin zu ernähren. Doch es stehen neue Probleme bevor, die es zu lösen gilt.

Meine Meinung

A quiet place ist einer der wenigen Horrorfilme der letzten Jahre, der wirklich auf Atmosphäre setzt. Und allein das ist schon ein unglaubliches Kompliment an den Film. Denn während viele Filme sich über Ihre gut geschriebenen Dialoge und Geräuscheffekte definieren, legt a quiet place ganz andere Prioritäten. Denn wenn in einem Film sich nur mit Zeichensprache verständigt wird, fehlen schon die ausschweifenden Dialoge. Auch ist die Grundprämisse des Films ja die, dass die Familie keine Geräusche machen sollte, um zu überleben. Doch wer denkt, dass es dadurch den ganzen Film über sehr still ist, liegt falsch. Denn für die Atmosphäre wird hier viel auf die Musik gesetzt, die es schafft genau an den richtigen Stellen schüchtern und zurückhaltend zu sein oder richtig auszuholen und die Spannung damit noch zu erweitern.
Spannung ist dann auch das richtige Stichwort, denn die hält a quiet place mühelos die gesamte Filmdauer über einem sehr hohen Niveau. Die ständige Anspannung der Familie, bloß kein Geräusch zu machen, ist ansteckend und man stellt fest, dass man mehr als einmal den Atem anhält. Diese Anspannung lässt einen auch beim Abspann noch nicht so schnell los, denn das Herz schlug auch dann noch viel zu schnell. Erst nach und nach kann man sich vom Film lösen.
Die Handlung selbst ist in sich schlüssig und erklärt sehr viel über die Bilder. So wird der Zuschauer in ein unbekanntes Szenario geworfen und hat aber den Spaß, nach und nach selbst die Hinweise zu einer Lösung zusammenzuziehen. A quiet place nimmt die Zuschauer also nicht wie kleine Kinder an die Hand und erklärt am Anfang erst einmal, was denn alles passiert ist und wieso sich die Familie so still verhält. Stattdessen tastet sich der Zuschauer selbst ganz langsam vor und wird durch Zeitungsartikel, die der Vater sammelt, immer wieder auf die richtige Spur gebracht.
Auch schauspielerisch hat der Film einiges drauf. Während Blunt und Krasinski auch im realen Leben ein Paar sind und dementsprechend eine gute Chemie zwischen beiden herrscht, bringen gerade die Jungdarsteller Millicent Simmonds und Noah Jupe (bekannt aus Wunder) frischen Wind rein und können die verschiedenen Charaktere überzeugen.

Das Fazit

A Quiet Place ist einer dieser Filme, die einem im Trailer erst einmal wenig zusagen und dann hinten raus doch unglaublich gut funktionieren. Die unzähligen Ideen der Familie, um leise zu bleiben, sind wunderbar anzusehen, und die Gruselatmosphäre ist durchgehend hoch, selbst wenn keine Bedrohung zu sehen ist. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

A quiet place läuft seit dem 12.04.2018 in den deutschen Kinos.

Rampage – Big meets Bigger

Ein Vorwort

In einem Interview sagte Dwayne Johnson neulich, dass er sich als eine Marke sieht und seine Fans deswegen eine gewissen Erwartungshaltung an seine Filme hätten. Deswegen dürften diese auch nur auf eine gewisse Art und Weise enden. Damit hatte er dann natürlich schon den Megaspoiler für seinen neusten Film Rampage rausgehauen. Aber abgesehen von der Diskussion, ob sich ein Schauspieler selbst als „Marke“ sehen sollte – da dies ja suggeriert, dass er immer die gleichen Filme machen würde, was bei Johnson ja tatsächlich zutrifft – ist die Frage, ob Rampage an den überraschend guten Film „San Andreas“ anschließen kann, ein Überraschungserfolg wie „Jumanji“ wird oder eher ein Reinfall wie „Baywatch“.

Die Handlung 

Davis Okoye (Dwayne Johnson) ist Primatenforscher und sein Lieblingsgorilla ist George. Doch eines Tages landet ein fehlgeschlagenes Experiment in Georges Gehege und lässt ihn nicht nur unkontrolliert wachsen. Die Spur ist schnell zu Claire (Malin Akerman) und Brett Wyden (Jake Lacy)zurückzuführen. Die skrupellosen Unternehmer hatten im All Experimente mit Genom-Editierung durchgeführt. Dr. Kate Caldwell (Naomie Harris) sieht sofort Verbindungen zu ihrer früheren Forschung und will Okoye helfen. Doch neben George sind noch zwei weitere Tiere betroffen, was das Militär und Harvey Russel (Jeffrey Dean Morgan) auf den Plan ruft.

Meine Meinung

Rampage mit dem Beititel „Big meets Bigger“ – wer hat sich den eigentlich schon wieder ausgedacht?- ist nur eine weitere nicht gelungene Umsetzung eines Videospiels. Wie, ihr wusstet nicht, dass Rampage auf dem gleichnamigen Arcade-Videospiel basiert? Gut wusste wohl vorab kaum einer. Vor allem weil es im Spiel um den Gorilla George und einen Werwolf und einen Dinosaurier geht, die Häuser zerstören müssen. Zumindest dieses Element wurde zur genügend in Rampage eingebaut. Und wer vorab den Trailer gesehen hat, wusste wohl auch, dass er sich auf große „Monsterkloppe“ als Handlung einstellen konnte.
Das Problem an Rampage ist eher, dass er versucht vor der „Monsterkloppe“ noch eine richtige Handlung einzuführen. Er stellt doch tatsächlich erst einmal in aller Ausführlichkeit Davis Okoye und seine Beziehung zum Gorilla George vor. Dann passiert der Experimenteneinschlag und dann wird erst einmal wieder eine Weile über Georges Gefühle geredet. Dr. Kate Caldwell wird auf den Plan gerufen und natürlich mischt sich das Militär direkt ein. Das versteht aber natürlich Georges Gefühle nicht und deswegen läuft es nach einer ewigen Einführung endlich auf die versprochene „Monsterkloppe“ hinaus. Doch zwischendurch ist so viel geredet worden, dass der durchschnittliche Kinozuschauer schon längst kurz vorm Einschlafen ist. Nicht einmal der typische Humor von Dwayne Johnson kommt richtig durch. Letztendlich läuft es dann auf das große Finale hin, in dem Okoye und Caldwell versuchen ein Heilmittel zu finden und George und seine beiden neuen Buddys versuchen halb Chicago zu zerstören. Leider ist selbst dieser Teil nicht so richtig spannend dargestellt und da man den Ausgang ja bereits erahnen konnte, fieberte man auch nur sehr halbherzig mit den Figuren mit.
Dwayne Johnson versucht auch in Rampage wieder den starken Muskelmann zu spielen, aber diesmal sollte dieser noch eine Vorgeschichte und eine Charakterisierung bekommen. Leider ist die sehr stereotypisch ausgefallen und passt hinten und vorne nicht so richtig zusammen. Naomie Harris als weiblicher Sidekick ist dann auch eine ziemliche Verschwendung von Talent, da ihre Rolle viel mehr Leinwandzeit vertragen hätte und leider eben doch nur der Sidekick geblieben ist. Wirklich Spaß hat eigentlich nur Jeffrey Dean Morgans Harvey Russel gemacht, der Cowboy im schicken Anzug. Keine Vorgeschichte, keine Charakterisierung, sondern einfach nur eine coole Socke. Genau das, was Rampage zumindest noch halbwegs erträglich gemacht hat.

Das Fazit

Wenn man sich einen Film wie Rampage ansieht, dann weiß man an sich, dass man keine große Erwartungen haben sollte, sondern sich nur auf ein bisschen sinnlose „Monsterkloppe“ einstellen sollte. Leider zögert Rampage diese viel zu lange heraus und setzt sie dann nicht einmal wirklich gut um, so dass ein Film entsteht, der es schafft nicht vorhandene Erwartungen nicht zu erfüllen. Das haben wir von The Rock schon einmal besser gesehen. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Rampage – Big meets Bigger läuft seit dem 10.05.2018 in den deutschen Kinos.

Frühstück mit Kängurus

Ein Vorwort

Er gilt als einer der besten Autoren für Reiseliteratur. Bill Bryson. Während mich seine Berichte über Großbritannien (Reif für die Insel) und die USA (Streiflichter aus Amerika) nicht so wirklich begeistern konnten, rief ich mir ins Gedächtnis, dass nun mal alle guten Dinge drei sind. So gab ich Mr. Bryson noch eine Chance und legte mir sein Werk „Frühstück mit Kängurus“ zu, da es mir noch einmal von einer Freundin empfohlen wurde. Wagemutig nahm ich es also als eines von drei Büchern mit in meinen Marokkourlaub, wohl wissend, dass wenn es mich wieder langweilt, ich nicht so schnell an ein Ersatzbuch kommen würde. Aber ob es nun die marokkanische Sonne war, die im März während in Deutschland alle froren auf meinen Bauch schien, oder das fremdländische Australien war, auf jeden Fall bereute ich meine Entscheidung nicht!

Die Handlung

Bill Bryson unternimmt insgesamt drei Reisen nach Australien, über die er auch genauer berichtet. Eine Zugreise von West nach Ost, eine Reise entlang der Ostküste und eine Reise ins Outback. Alle Reisen beschreibt er mit einer hübschen Portion Witz und Selbstironie und verpackt das ganze mit Geschichten rund um das Australien, das bisher kaum einer kennenlernte.

Meine Meinung

Der Schreibstil von Bill Bryson war auch bei den vorherigen Werken nie das Problem beim Lesen. Denn Witz und Selbstironie wechseln sich hier gekonnt mit Pointen und interessanten Hintergrundgeschichten ab, so dass das Lesen einem leicht fällt. In diesem Werk sind diese Hintergrundgeschichten jedoch wesentlich spannender, als noch in Reif für die Insel. Vielleicht ein Punkt, wieso sich Frühstück mit Kängurus so wunderbar einfach weg liest. Die knapp über 400 Seiten gehen nahtlos ineinander über und gäbe es keine klare Kapitelabgrenzungen, dann würde man wohl das ganze Buch einfach in einem Stück lesen.
Das Buch teilt sich in drei Abschnitte, wobei der zweite Teil (der gleichzeitig auch der interessanteste ist) den größten Platz einnimmt. Jeder beschäftigt sich mit einer von den drei Reisen Brysons. Die erste mit der Zugreise von West- nach Ostaustralien war wohl auch die Reise, die am wenigsten spannend war. Das dürfte wohl daran liegen, dass Bryson dort die meiste Zeit im Zug saß und nur ab und an mal nach draußen sah. Doch wer diesen Abschnitt geschafft hat, bekommt das Herzstück des Buches präsentiert. Das liegt vor allem daran, dass die Ostküste von Adelaide, Canberra, Melbourne und Sydney (unter anderem) handelt und dies auch dem Australienfremden ein Begriff sein dürfte. Der dritte Teil, der sich mit dem Outback befasst, wurde dann wieder etwas langatmiger, aber immer noch spannend, auch wenn der bekannteste Ort hier Alice Springs mit dem Uluru (ehemals Ayers Rock) sein dürfte. Auf jeden Fall lernt man Australien aus den verschiedenen geographischen Gesichtspunkten kennen. Aber Bryson lässt es sich nicht nehmen, den Leser auch hinsichtlich der australischen Geschichte aufzuklären und dabei auch das unliebsame Kapitel der Aborigines nicht auszulassen, lässt aber auch hier immer wieder Meinungen von Australiern einfließen, so dass es keine reine Außenbetrachtung wird. Ebenso spricht er Politik, Wirtschaft und Städteplanung mit an, so dass für gute Abwechslung der Anekdoten gesorgt ist.
Der wichtigste Aspekt ist aber, dass man während des gesamten Buches Brysons Begeisterung für das Land spürt und dabei unweigerlich das Fernweh geweckt wird. Die Begeisterung schlägt auf den Leser über und man merkt, wie man im Kopf die Preise für Australien überschlägt und durchrechnet, wie lange man dafür sparen muss. Und das ist das größte Kompliment, dass man einer Reiseliteratur machen kann.

Das Fazit

Frühstück mit Kängurus ist witzig und gleichzeitig interessant geschrieben, lässt sich gut weg lesen und schürt dabei ordentlich das Fernweh. Bisher Brysons stärkstes Werk (gemessen an den bisher gelesenen).

Der Sex Pakt

Ein Vorwort

Viele von uns haben wohl genau den Schritt schon hinter sich gebracht. Man hat die Schule beendet und stand dann vor der Entscheidung: Studium oder Ausbildung? Oder vielleicht doch erst einmal ein Jahr etwas ganz anderes machen? Bleibe ich in meiner Heimatstadt bei meinen Freunden, oder schaffe ich mir ein ganz neues Leben in einer neuen Stadt? Aber was verbindet die Freundinnen auch nach dem Schulabschluss? Wenn man dem Film glauben darf, dann wohl nur ein Sex-Pakt, oder?

Die Handlung

Julie (Kathryn Newton), Sam (Gideon Adlon) und Kayla (Geraldine Viswanathan) sind seit Beginn ihrer Schulzeit die besten Freundinnen. Nun steht das Ende der gemeinsamen Zeit bevor, denn sie haben den Schulabschluss hinter sich und planen nun den Abschlussball. Jede der drei hat sich ein Date organisiert und kurz bevor schließen sie noch einen gemeinsamen Pakt, der sie für immer als Freundinnen zusammenschweißen soll. Sie wollen alle an diesem Abend Sex haben. Doch ihre Eltern Lisa (Leslie Mann), Mitchell (John Cena) und Hunter (Ike Barinholtz) finden das heraus und setzen nun alles daran, diesen Pakt zu verhindern.

Meine Meinung

Der Sex-Pakt fängt ganz klassisch mit der Vorstellung der Charaktere an. Wir erfahren wie unterschiedlich die drei Mädchen eigentlich aufgewachsen sind. Während Julie bei ihrer alleinerziehenden Mutter lebt und sie eine sehr innige Beziehung haben – außer, dass Julie ihrer Mutter die Bewerbung an einer fernen Uni verschweigen muss. Kayla ist gut behütet im intakten Familienverhältnis aufgewachsen, auch wenn ihr Vater Mitchell ein wenig überängstlich ist. Und schließlich Sam, die sich nach der Scheidung ihrer Eltern komplett von ihrem Vater Hunter entfernt hat. So weit, so normal. Der Film krankt aber vor allem daran, dass jemand der Ansicht war aus ihm eine Komödie machen zu müssen. Denn als Drama hätte der Film stellenweise richtig gut funktioniert. An sich spricht er viele gute Themen an. So ist er eine Mischung aus Coming-of-Age – OMG ich habe die Schule beendet und der Abschlussball steht bevor und danach fängt das reale Leben an, weil ich von zu Hause ausziehen muss – Erkundung der eigenen Sexualität – inklusive der Unterschiede bei Jungs und Mädchen – und den Problemen bei der Erziehung, wenn die kleinen Prinzessinnen auf einmal erwachsen werden. Es werden verschiedene Sichtweisen gezeigt und mit Argumenten begründet, so dass der Film auch keinem seine Meinung aufdrückt. Soweit so gut. Leider kam irgendjemand auf die Idee aus den ganzen guten Grundprämissen und der Charaktervielfalt eine schlechte 08/15 Komödie zu machen. Auf einmal werden alle Charaktere unglaublich platt, obwohl eigentlich gut charakterisiert, und die Handlung zu einer Abfolge vorhersehbarer Banalitäten, die leider auch noch mit unglaublich schlechten Witzen untersetzt werden. Dass Seth Rogen als Executive Producer aufgelistet wurde, sollte am Ende keinen mehr überraschen. Denn Witze wie „Arschsaufen“ dürfte nur ein ziemlich kleines Publikum wirklich witzig gefunden haben.
Der ganz große Reinfall, wie vielleicht von vornherein durch den Trailer angedeutet, wurde der Sex-Pakt dann trotzdem nicht. Denn auch wenn der Film als Komödie versagt, da er kaum unterhalten konnte, zeichnen sich die kleineren Dramaelemente umso mehr aus. Und die Szenen ohne jegliches Niveau sind sogar erstaunlich wenige, die werden dafür aber grundlos in die Länge gezogen ohne die Handlung voranzutreiben.
Schauspielerisch ist der Film so semioptimal besetzt. Denn während die Jungdarsteller noch eine solide Leistung – wenn auch nicht überragend – abliefern, schaffen es gerade John Cena und Ike Barinholtz nicht, mehr als einen Gesichtsausdruck abzuliefern. Und auch Leslie Mann schafft es nicht über ihr übliches Mittelmaß zu springen.

Das Fazit

Der Sex-Pakt hat irgendwo gute dramatische Ansätze versteckt, die alleinstehend gut funktioniert hätten. Leider wurde der Film zu einer schlechten Komödie verhunzt und das eigentlich relativ hohe Niveau wurde immer wieder mit schlechten Witzen runtergezogen, so dass als Endprodukt leider ein schlechter Film entstand. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Der Sex-Pakt lief ab dem 12.04.2018 in den deutschen Kinos.

Tomb Raider

Ein Vorwort

Nach 9 veröffentlichten Tomb Raider Spielen (seit 1996) und zwei dazugehörigen Verfilmungen mit Angelina Jolie in der Hauptrolle (2000 und 2003) war das produzierende Studio nicht mehr zufrieden mit den Spieleinnahmen. Also wurde 2013 im 10. Teil der Reihe alles auf Null gesetzt. Lara Croft wurde noch einmal neu konzipiert und es wurde mehr Wert auf ihre Vorgeschichte gelegt. Aus der Idee sind inzwischen drei Spiele wieder entstanden. Nun wurde es Zeit die neue Lara auch der Filmwelt zu präsentieren. Und mit Alicia Vikander wurde eine sehr fähige Schauspielerin gewählt. Also dürfte so viel ja nicht schiefgehen, oder?

Die Handlung

Lara Croft (Alicia Vikander) lebt in London und arbeitet als Fahrradkurier. Eigentlich wartet ein großes Erbe auf sie, was alle finanziellen Sorgen abschaffen würde, aber sie weigert sich ihren Vater als Tod zu deklarieren, obwohl er von seiner letzten Forschungsreise, die Jahre zurückliegt – nicht zurückkehrte. Als sie schließlich doch das Testament öffnen lässt, bekommt sie Hinweise auf die letzte Reise ihres Vaters. Entschlossen alle Rätsel zu lösen und ihn zu finden, macht sie sich auf die Reise nach Yamatai, einer Insel zwischen China und Japan, um dort das Grab von Himiko zu finden. Dabei hilft ihr, eher unfreiwillig, Lu Ren (Daniel Wu). Vor Ort muss sie sich jedoch mit dem Grabschänder Mathias Vogel (Walton Goggins) auseinander setzen.

Meine Meinung

Zunächst sollten wir festhalten, dass ich bisher keines der Spiele gespielt habe und auch die Filmvorgänger mit Angelina Jolie in der Hauptrolle nie gesehen habe. Meine bessere Hälfte hat die Spiele gespielt und mitunter sah ich ein paar Szenen aus dem neuen Spiel, während er zockte, die aber nicht ausreichen, um Spiel und Film miteinander vergleichen zu können. Demnach kann ich nur beurteilen, ob der Film als solches funktioniert hat.
Zunächst wird die Protagonistin Lara Croft vorgestellt, für alle wie mich, die sie vorher noch nicht kannten. Wir erfahren einige Details aus ihrer Vergangenheit und warum sie sich weigert, den Tod ihres Vaters zu akzeptieren. Hier wird bereits ihr Kämpfergeist deutlich. Gemessen an der Gesamtlänge von knapp 120 Minuten gerät die Einführung vielleicht doch etwas zu lang. Denn bis Lara endlich auf der Insel anlegt, ist schon ziemlich viel Filmzeit verstrichen. Umso schneller muss nun auch der Rest der Handlung gehen. Schnell wird ein Verbündeter gefunden, der ihr hilft auf die Insel zu gelangen, dann wird der Bösewicht vorgestellt und schon fängt das Katz- und Mausspiel an. Das darf natürlich auch nicht zu lange dauern, denn das große Finale muss sich ja irgendwann ankündigen und darf ja auch nicht zu kurz kommen. So geraten die wirklich guten Szenen, wie Lara versucht auf der Insel zu überleben, während einerseits Vogels Männer hinter ihr her sind und gleichzeitig die Insel nicht gerade zum Leben dort einlädt, viel zu kurz. Hier lag aber die eigentliche Qualität des Films. Aber mehr als ca. 15 Minuten gute Action sind nicht drin gewesen. Und schon geht es Richtung Finale. Hier wird nochmal alles bisher aufgebaute über Bord geworfen und zu einer 08/15-„lasst uns das Grab öffnen, je genau das mit den unzähligen Fallen“ Geschichte. Spätestens hier hat dann auch der letzte Zuschauer abgeschaltet. Spannung wird kaum noch erzeugt, weil einem inzwischen auch die Charaktere egal geworden sind. Die große Auflösung rund um Himiko ist dann zwar doch nochmal überraschend, hilft aber nicht, um den Film final zu retten.
Grundsätzlich ist zu Tomb Raider zu sagen, dass die Optik des Films wirklich gelungen ist. Auch die Auswahl der Schauspieler ist gut gelungen und Alicia Vikander hätte eigentlich eine tolle neue Lara Croft werden können. Wenn der Film nicht so ein großes Problem mit der Handlung und der Spannung hätte. Hier werden Filmgucker und Spielliebhaber gleichermaßen enttäuscht. Das Ende lässt zwar eine Fortsetzung vermuten, aber nach den vielen schlechten Kritiken ist es noch fraglich, ob dieser umgesetzt wird.

Das Fazit

Tomb Raider hätte mit einigen starken Elementen gut funktionieren können, krankt aber an seiner misslungenen Handlung, die gerade zum Ende hin, vieles zerstört. Zurück bleiben enttäuschte Fans und selbst neutrale Filmliebhaber kommen hier nicht auf ihre Kosten. So ist Tomb Raider nur eine weitere nicht gelungene Spieladaption. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Tomb Raider lief ab dem 15.03.2018 in den deutschen Kinos.

Ready Player One

Ein Vorwort

Erst im Jahr 2010 schrieb der Autor Ernest Cline sein Debutroman „Ready Player One“. Noch vor der Veröffentlichung sicherte sich Steven Spielberg die Filmrechte. 2012 erschien dann die deutsche Übersetzung und landete sofort auf den Bestsellerlisten. Die Dystopie und heilige Gral Suche begeisterte sehr viele. Spielberg hielt Wort und brachte nun die Verfilmung in die Kinos, und das obwohl er mit „Die Verlegerin“ dieses Jahr eigentlich bereits einen Film produziert hatte und pünktlich zur Oscarsaison veröffentlichte. Dabei vereint er das Computerspielthema mit sozialer Kritik und einer Suche nach dem „heiligen Gral“. Alle Andeutungen zu finden, dauert sicher einige Sichtungen, aber was kann „Ready Player One“ überhaupt? Schließlich hat Cline bereits angekündigt sein Buch zu einer Trilogie auszuweiten.

Die Handlung

2045. Die Bevölkerung ist so groß geworden, dass die Städte zu Slum ähnlichen Bevölkerungszentren wurden. Fast alle Bewohner versuchen ihrem Leben zu entfliehen, in dem sie sich in das Computerspiel Oasis flüchten. Der Schöpfer des Spiels James Donovan Halliday (Mark Rylance) hat vor seinem Tod drei Rätsel eingebaut und verspricht demjenigen, der sie als erstes löst, die volle Kontrolle über die Oasis. Auch Wade Watts (Tye Sheridan) möchte seinem bisherigen Leben entkommen und die Rätsel lösen. Doch die Konkurrenzfirma  Innovative Online Industries (IOI) möchte unbedingt selbst die Kontrolle erlangen, um ihre „Verbesserungen“ vornehmen zu können. Vor allem deren Chef Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn) greift zu immer skrupelloseren Methoden.

Meine Meinung

Was haben sich die Nerds und Geeks vorab auf ein Who is Who der Szene gefreut. Es sollte eine Geschichte um ein Online-Spiel der Zukunft werden mit einer großen Homage an die alten Spiele. Jeder freute sich bereits auf die Lieblingsfiguren aus seinem Lieblingsspiel. Doch dann kam relativ zu Anfang die Ernüchterung. Ja alle lieb gewonnenen Figuren aus Spiel und Film sind zu sehen… im Hintergrund und ohne größere Bedeutung. Wer sich mit dieser Prämisse anfreunden kann, da der Trailer doch etwas anderes andeutet, für den lohnt sich ein genauerer Blick auf Ready Player One. Denn Spielberg inszeniert schon mit einer kurzen Einführung eine Realität in der man schnell versteht, warum sich alle in die Oasis flüchten – auch wenn die Frage offen bleibt, wie es überhaupt noch ein öffentliches Leben geben kann, wenn doch eigentlich alle spielen, aber mit solchen Kleinigkeiten sollte man gar nicht erst anfangen sich zu beschäftigen. Die Handlung beginnt zunächst auch sehr spannend und führt uns in die unglaubliche Welt der Oasis. Die Spielmöglichkeiten sind zwar nicht mehr ganz so innovativ, wie vielleicht noch bei Erscheinung der Buchvorlage, da die Spielentwicklungen immer weiter gehen, dennoch sind sie ein Traum für jeden Spielenerd und die vielseitige Welt der Oasis ist auch für Nicht-Spieler unglaublich faszinierend.
Doch während die erste Hälfte mit einer unglaublichen Dynamik absolut mitreißen kann, verlässt dem Film irgendwann der Elan. Irgendwann ist der Bösewicht zu stereotypisch geworden und die Handlung scheint sich immer wieder im Kreis zu drehen. Dadurch geht irgendwann auch die Spannung schrittweise immer mehr verloren und irgendwann ist es egal geworden, was aus den Hauptcharakteren wird. Mit einer Laufzeit von 140 Minuten ist Ready Player One für die Geschichte, die er erzählen will, einfach zu lang geworden. Ein paar Wendungen weniger hätten ihm ganz gut getan, damit nicht am Ende eine gewisse Monotonie einsetzt. Denn eigentlich macht Spielberg sehr viel richtig mit seinem Herzensprojekt. Die Charaktere sind sehr verschieden und werden gut vorgestellt, ebenso wie ihre Beweggründe. Es wird eine absolut faszinierende Welt vorgestellt, die voller Überraschungen ist. Ready Player One kombiniert die verschiedensten Elemente und eigentlich hätte er unglaublich gut werden müssen. Aber die Ernüchterung setzt halt spätestens im letzten Dritten ein und ein Spannungsabfall zusammen mit einer Handlung, die sich die ganze Zeit im Kreis dreht, sorgen dafür, dass man relativ enttäuscht aus dem Kinosaal geht, was immer ein schlechtes Kriterium ist.

Das Fazit

Ready Player One startet sehr stark, kann das eigene Niveau aber nicht bis zum Ende durchhalten. Obwohl eine absolut faszinierende Welt aufgebaut wird und der Film auch stellenweise sehr viel richtig macht und dort auch begeistern kann, geht ihm am Ende die Puste aus. Sehr schade! Dadurch gibt es „nur“ 06 von 10 möglichen Punkten.

Ready Player One ist seit dem 05.04.2018 in den deutschen Kinos zu sehen.

P.S.: Achtung Spoiler! Wer Shining noch nicht gesehen hat, es aber noch vorhat, sollte es vor der Sichtung von Ready Player One tun!