Das Buch der Schurken

Ein Vorwort

Wir alle kennen sie. Manchmal lieben wir sie, manchmal hassen wir sie, manchmal sind sie einfach nur das Mittel zum Ruhm des Helden. Die Rede ist von den Schurken und Bösewichten der Weltliteratur. Wie oft hat man ein Buch verschlungen und fieberte mit dem Helden und gegen den Schurken. Wie oft war aber auch der Schurke die Hauptfigur und eigentlich waren wir auch auf seiner Seite. Wir mögen sie einfach, egal, was sie letztendlich getan haben. Wie oft macht erst der geniale Gegenspieler ein Buch erst aus. Was wäre wohl der Herr der Ringe ohne Sauron geworden? Sherlock Holmes ohne seinen erbitterten Gegenspieler Moriarty?
Der Autor Martin Thomas Pesl hat sich die Zeit genommen und die Weltliteratur nach den genialsten Exemplaren zu durchsuchen, sie genauer zu erkunden, zu kategorisieren und in dem „Buch der Schurken“ mit dem Beinamen „Die 100 genialsten Bösewichte der Weltliteratur“ zusammen zu fassen.

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Die Handlung

Auf jeder Doppelseite befasst sich Martin Thomas Pesl mit einem anderen Schurken. So ziert die linke Seite eine gelungene Zeichnung von Kristof Kepler, Name des Schurken, zugehöriges Buch, Autor und Erscheinungsjahr, sowie ein Zitat aus dem jeweiligen Werk, das sich mit der Boshaftigkeit des Schurken befasst. Aus der rechten Seite folgt die genauere Durchleuchtung des Schurken und abschließend eine kleine Tabelle mit wechselnden Kategorien, wie beispielsweise „Herkunft“, „Schönheit“ oder „Boshaftigkeitsfaktor“.

Meine Meinung

Mir wurde kurz vor meinem letzten Urlaub dieses Buch empfohlen und so eilte ich noch kurzfristig in den Buchladen meines Vertrauens, die es wie immer schafften mir das Buch bis zum nächsten Tag zu besorgen! So erfreute ich mich nicht nur einer Woche in der Sonne, sondern auch mit einem Wiedersehen geliebter Schurken – gut aus Prof. Umbridge hätte ich vielleicht verzichten können –  und dem Neuentdecken ganz besonderer Exemplare – meine Wunschleseliste ist wieder ganz schön gewachsen und zwei Exemplare sind schon auf meinem SuB gewandert.
Martin Thomas Pesl schafft es vor allem jedem Schurken eine ganze Seite zu widmen. Hier wird erläutert, was ihn so böse macht und warum er gleichzeitig auch so genial ist. Dabei kommt auch das Mitleid für die Helden der Geschichten nicht zu kurz, auch wenn der Schurke manchmal der heimliche Held ist. Besonders gefallen hat mir auch, dass Pesl sich wirklich von den ganz alten Exemplaren – Loki aus der Prosa-Edda von 1220 oder Enkidu aus dem babylonischen Gilgamesch-Epos vom 18. Jahrhundert v. Chr. – bis zu den neusten Exemplaren – Adam Stensen aus Hart auf Hart von 2015 oder Die little People aus 1Q84 von 2009 – hangelt. Zwar scheinen die meisten im 18., 19. und 20. Jahrhundert geschrieben worden zu sein, aber es gibt doch auch einige Ausreiser.
Dann gibt es wieder die Exemplare, bei denen man zweimal überlegen muss, ob man sie wirklich auf so eine Schurkenliste setzen würde, oder ob die Wahl nicht auf jemand anderen hätte fallen sollen. So ist Lord Voldemort wohl der prägendste Schurke aus den Harry Potter Teilen, doch wurde stattdessen Prof. Umbridge aus dem fünften Teil ausgesucht. Doch Pesl ist um keine Erklärung verlegen und kann humorvoll immer wieder belegen, wieso seine Wahl eine gut durchdachte ist. Die Humorvollen Beschreibungen sind dann auch genau das, was das Buch so besonders und lesenswert macht. Man kann es an einem Stück durchsuchten, ohne das einem langweilig wird, oder man kann es Häppchenweise lesen. Hilfreich sind auch die Kategorien, in die die Schurken eingeteilt wurden. So haben die Femme fatal ebenso ihren Abschnitt, wie die Psychopathen. Und wer nun denkt, der größte Teil der Schurken sei männlich, liegt daneben, denn Pesl zeigt auch allerhand Bösewichte des weiblichen Geschlechts.

Das Fazit

Wer ein großer Freund der Weltliteratur ist und ein Wiedersehen mit seinen Lieblingsbösewichten feiern möchte, dem empfehle ich dieses Buch. Wer auf der Suche nach einem neuen Buch ist, das mit einem bösen Schurken bestückt sein soll, dem empfehle ich dieses Buch. Für wen die Beschreibung oben grundsätzlich einladend klang, dem empfehle ich dieses Buch.

Midnight Sun

Ein Vorwort

Xeroderma pigmentosum, die sogenannte Mondscheinkrankheit, ist eine sehr seltene Krankheit, die die Betroffenen aber vollständig einschränkt. Denn das Sonnenlicht muss komplett gemieden werden und eine Heilung der Krankheit gibt es bisher nicht. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 30 Jahren. Aber wie lebt man mit dieser Krankheit? Wie schränkt es das Umfeld ein? Und wie geht man damit um, wenn man ein Teenager ist und sich Hals über Kopf verliebt? Genau mit diesen Fragen beschäftigt sich der Film Midnight Sun.

Die Handlung

Kathy Price (Bella Thorne) könnte ein ganz normaler Teenager sein, der gerade seinen Abschluss gemacht hat. Aber sie leider an der seltenen Krankheit Xeroderma pigmentosum, kurz XP, wodurch sie das Haus nur nachts verlassen darf. Ihr Vater Jack (Rob Riggle) hat sie zu Hause unterrichtet und sorgt nach dem frühen Tod der Mutter auch ansonsten hingebungsvoll für Kathy. Da schon im Kindergartenalter das Gerücht umging sie sei ein Vampir, hat sie nur eine Freundin. Morgan (Quinn Shephard), die sich nie etwas aus ihrer Krankheit gemacht hat. Doch eines Abends trifft sie auf ihren Schwarm Charlie (Patrick Schwarzenegger), der sich auch prompt in sie verliebt. Nur einmal will sie sich wie ein normales Mädchen fühlen und verrät Charlie zunächst nichts von ihrer Krankheit. Ein Geheimnis, das Folgen haben kann.

Meine Meinung

Midnight Sun stellte sich im Trailer primär als reine Liebesschnulze mit einer Krankheit als Prämisse vor. Sich rein darauf zu versteifen, würde dem Film aber im Endeffekt ziemlich unrecht tun. Denn natürlich gibt es viele Szenen, die man schon aus vielen  anderen Teenager-Liebesgeschichten kennt. Aber darüber hinaus bietet Midnight Sun so viel mehr. Zum einen ist die behandelte Krankheit des Films, XP, nicht einfach nur Mittel zum Zweck, sondern das eigentliche Hauptthema. Es wird von der Isolation und der Einsamkeit Kathys berichtet, wie sie nie wirklich Freunde finden konnte. Wenn Morgan nicht einfach mal bei ihr an der Tür geklingelt hätte, wäre ihr Vater noch immer ihre einzige Bezugsperson. Auch wird von ihrer Flucht in die Musik erzählt, denn Gitarre spielen und singen kann sie den ganzen Tag zu Hause und auch ihre verstorbene Mutter hatte eine große Leidenschaft zur Musik. Es geht darum, wie schwierig es für Kathy ist, einfach nur ein ganz normaler Teenager zu sein. Einen Junge zu treffen und dann eine normale Beziehung zu führen, scheint unmöglich. Zum anderen wird auch die Beziehung von Kathy und ihrem Vater Jack in vielen Belangen durchleuchtet. So hofft Jack natürlich immer noch, dass für Kathy irgendwann ein Heilmittel gefunden wird und er ihr nicht mehr alles verbieten muss. Gleichzeitig will er auch, dass sie irgendwo ein erfülltes Leben hat. Im Gegenzug hat Kathy Angst, dass ihr Vater nach ihrem unausweichlichen Tod irgendwann vereinsamt, da er ja auch schon die Frau verloren hat.
Midnight Sun erzählt in nur 93 Minuten Lauflänge einen einfühlsamen Film, der so viele Aspekte in Kathys Leben durchleuchtet, wie ihm möglich war und kreiert gleichzeitig eine der süßesten Liebesgeschichten, die wir seit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ sehen durften. Trotzdem wird die Krankheit nicht weichgespült, sondern mit voller Brutalität gezeigt – denkt also daran Taschentücher einzupacken! Bei diesem Film bleibt kaum ein Auge trocken. Die Charaktere sind alle sehr verschieden und gut charakterisiert. Lediglich Schwarzeneggers Charlie bleibt ein bisschen blass, auch wenn mit seiner Schwimmverletzung versucht wird viele seiner Beweggründe zu erklären. Gleichzeitig lässt Schwarzeneggers Schauspielkünste auch noch viel Spielraum nach oben. Das süße Grinsen beherrscht er ja ganz gut, aber sobald er seine Mimik etwas variieren soll, wirkt er ziemlich überfordert. Trotzdem passt er im großen und ganzen in die Rolle des Charlie. Bella Thorne hingegen überrascht mit ihrer Darstellung der Kathy, die sie sehr pointiert und überzeugend spielt. Auch die weiteren Darsteller Rob Riggle und Quinn Shephard spielen überzeugend auf Grundniveau.

Das Fazit

Midnight Sun ist ein schön inszeniertes Drama, das mit der behandelten Krankheit ernsthaft umgeht und trotzdem eine schöne Liebesgeschichte erzählt. Der Soundtrack wird durch Gesangseinlagen von der Hauptdarstellerin Bella Thorne aufgepeppt. Die Taschentücher sollten nicht vergessen werden, denn im Kino bleibt kaum ein Auge trocken. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Midnight Sun läuft seit dem 22.03.2018 in den deutschen Kinos.

Black Panther

Am 15.02.2018 erschien der nächste Solofilm aus dem Marvel Cinematic Universe in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Das Marvel Universum ist so voller verschiedener Einzelhelden, dass das Marvel Cinematic Universe bisher nur einen sehr kleinen Teil umfasst. So ist es nicht überraschend, dass Marvel diese Lücke schrittweise versucht zu füllen und uns dieses Jahr als neben dem lang ersehnten dritten Avengers Teil „Infinity War“, auch einen neuen Solofilm präsentiert. So bekam der Black Panther – bekannt auf Captain America 3 – Civil War – nun auch seinen eigenen Film. Schließlich müssen neue Helden herangezüchtet werden, da aus Marvel-Kreisen bekannt wurde, dass bei den Schauspielern der ersten Riege teilweise die Verträge auslaufen und in Infinity War wohl auch Köpfe rollen sollen. Wen es trifft, erfährt man dann wohl Ende April. Zunächst durfte der König von Wakanda sein Reich vorstellen und dieses auch gleich wieder verteidigen.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

In Captain America 3 – Civil War wird der König T’Chaka und sein Thronerbe T’Challa zu der Konferenz der vereinten Nationen eingeladen, um über das Sokovia Protokoll abzustimmen, dass die Avengers mehr binden und weniger Alleingänge zulassen soll. Durch einen Anschlag von Baron Zemo, der zunächst dem Winter Soldier in die Schuhe geschoben wird, stirbt T’Chaka und T’Challa schwört Rache am Winter Soldier. Als Black Panther greift er immer wieder in die Fehde zwischen den Avengers ein. Schließlich schließt er sich Team Iron Man an. Letztendlich folgt er Iron Man und Captain America zur letzten großen Schlacht und erfährt dort, dass Baron Zemo am Tod seines Vaters Schuld ist.

Die Handlung

Nach den Geschehnissen aus Civil War kehrt T’Challa (Chadwick Boseman) in sein Heimatland Wakanda zurück. Technisch und wissenschaftlich weit fortgeschritten, versteckt sich Wakanda vor der restlichen Welt, um ihre Vibranium-Vorräte zu schützen. Durch den Tod von T’Chaka muss sich T’Challa einer Herausforderung stellen, um als neuer König und damit als Black Panther anerkannt zu werden. Doch der Waffenhändler Ulysses Klaue (Andy Serkis) hat es erneut auf das Vibranium abgesehen. Unterstützt wird er vom unbekannten Killmonger (Michael B. Jordan), der jedoch eigene Pläne verfolgt. Während einer Mission gegen Klaue, taucht auch noch CIA-Agent Ross (Martin Freeman) auf.

Meine Meinung

Bereits vor Jahren (2013) kamen die Gerüchte auf, dass Marvel an einem Black Panther Film arbeitet. Da ich ihn bereits aus den Comics kannte, war ich sehr begeistert ihn vielleicht auch auf der großen Leinwand sehen zu können. Dennoch musste ich noch fünf Jahre warten. Ebenso wie die Filmwelt den fast ausschließlich schwarzen Cast feiert, war auch in der Comicwelt der Black Panther eine Offenbarung. Er war Wegbereiter für den Falcon und Luke Cage. Nun durfte er endlich in seinem eigenen Film in Erscheinung treten und die Welt feiert ihn.
Black Panther orientiert sich zwar in vielen Fällen an altbewährtem im MCU, der Humor ist unverkennbar und natürlich dürfen ein paar bereits bekannte Gesichter nicht fehlen, weswegen Ulysses Klaue (Avengers – Age of Ultron) und Agent Ross (Civil War) wohl größere Auftritte haben. Aber Black Panther ist auch neu und sehr erfrischend für das MCU. Das beginnt schon in der ersten Szene, wenn die Geschichte Wakandas kurz aber schön gezeichnet erklärt wird. So erfährt man gleich die wichtigsten Aspekte. Der Film fährt fort und wir erkunden Wakanda mit wunderschönen Naturaufnahmen und entdecken seine Einzigartigkeit. Hier ertappt man sich mehr als einmal, dass einem vor lauter Staunen der Mund weit offen steht. Schon hier hat Black Panther so sehr begeistert, dass man ihm sehr vieles verzeihen würde. Doch das ist gar nicht nötig, denn auch die Handlung zeigt sich zwar linear, aber sehr spannend erzählt. Auch hier schafft Marvel es neue Elemente unterzubringen und doch nicht am bekannten Humor zu sparen.
Hier profitiert der Film eindeutig von der sehr gelungenen Leistung von Andy Serkis, der dem Bösewicht Ulysses Klaue endlich die richtige Portion Verrücktheit einhauchen kann, die in Age of Ultron viel zu kurz kam. Selten hat ein Marvel Bösewicht so viel Spaß gemacht, dass man sich kurzzeitig ertappte, vielleicht doch auf der dunklen Seite der Macht zu stehen. Aber dieser Handlungsstrang ist nur die Spitze des Eisbergs, denn Black Panther hat sehr viel mehr zu bieten und das dürfte den größten Unterschied zu den vorherigen Filmen sein. Wir bekommen einen Bösewicht mit einer glaubhaften Vorgeschichte! Das ist seit Loki nicht mehr vorgekommen. Michael B. Jordan (nicht zu verwechseln mit dem Basketballspieler) schlüpft in die Rolle des Killmonger und spielt diese grundsolide. Doch auf die übrigen Rollen müssen sich nicht verstecken, denn sie bekommen Persönlichkeit und können sich entwickeln. Chadwick Boseman als T’Challa, Danai Gurira als General Okoye, Lupita Nyong’o als Nakia, Letitia Wright als Shuri und Winston Duke als M’Baku spielen ihre Rollen alle mit einer Begeisterung, die absolut ansteckend ist. Lediglich Daniel Kaluuya als W’Kabi und Forest Whitaker als Zuri spielen deutlich hinter ihren Möglichkeiten.

Das Fazit

Black Panther verkörpert alles, was wir an einer gelungenen Superheldenverfilmung so lieben. Eindrucksvolle Bilder, durchdachte Handlung, Hintergrundgeschichten, Bösewichte mit Charakter und natürlich die entsprechende Portion des typischen Marvel-Humors. Nach den eher enttäuschenden Spider-Man und Thor – Ragnarök ist Marvel wieder da und kann erneut das Publikum begeistern. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Star Trek Discovery

Ein Vorwort

Der Weltraum unendliche Weiten. Na wer weiß, wie es weitergeht? 1966 brachte uns Gene Roddenberry eine neue Serie rund um Raumschiff Enterprise mit seiner Besatzung Captain Kirk, der Vulkanier Spock, Scotty, Pille und so vielen mehr. Nach nur drei Staffeln war jedoch Schluss mit der Serie, nicht jedoch mit dem Franchise. Es folgten die Folgeserien „Next Generation“, „Deep Space Nine“, „Voyager“, sowie die Prequel Serie „Enterprise“. 10 Kinofilme brachte Star Trek hervor.
Dann 2009 traten Kirk und seine Crew wieder in Aktion. Wesentlich verjüngt durch eine komplette Neubesetzung startet der Film wieder bei Null. Star Trek bekam ein Reboot und mit den Folgefilmen „Into Darkness“ und „Beyond“ auch eine neue Zeitlinie. Denn während die Serien und bisherigen Kinofilme alle auf der gleichen Zeitlinie basierten, möchte sich J. J. Abrams nicht daran halten. Nach dem nicht mehr so erfolgreichen Beyond kündigte Netflix an, nun auch eine neue Serie im Star Trek Franchise anzuordnen. Diese ordnet sich aber wieder in der alten Zeitlinie ein und spielt noch vor Kirk zur Zeit des großen Krieges mit den Klingonen.

Die Handlung

Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) ist Sternflotten-Offizierin auf der USS Shenzhou. Dort trifft sie mit der restlichen Besatzung auf das Klingonenschiff von T’Kuvma, der sich als Erlöser sieht und das Klingonenreich vereinen will. Nach einer Meinungsverschiedenheit mit ihrem Captain Philippa Georgiou (Michelle Yeoh) meutert sie, kann den dadurch resultierenden Krieg aber trotzdem nicht aufhalten. Verurteilt zu lebenslanger Haft gelangt Burnham durch mehrere Zufälle an Bord der Discovery. Captain Gabriel Lorca (Jason Isaacs) nimmt sie trotz ihrer Vorgeschichte mit an Bord und unterstellt sie dem Wissenschaftler Lieutenant Commander Paul Stamets (Anthony Rapp). Zusammen versuchen sie einen neuen Antrieb für das Raumschiff zu konstruieren und gleichzeitig greift die Discovery immer wieder ins Kriegsgeschehen ein, obwohl sie eigentlich ein Wissenschaftsschiff ist.

Meine Meinung

Ich muss gestehen ich bin nicht mit allen Serien und Filmen des Star Treks Universums vertraut. Die meisten Folgen habe ich wohl von Star Trek – Next Generation gesehen. Dennoch reizte mich die neuste Serie, die seit dem 25.09.2017 auf Netflix zu sehen ist. Die 15 Episoden wurden dabei wöchentlich immer 24 Stunden nach der Ausstrahlung in den USA gezeigt. Von November bis Januar pausierte die Ausstrahlung nach neun Folgen. Die restlichen sechs Folgen wurden ab Januar ebenfalls im wöchentlichen Rhythmus gezeigt.
Das erste, was bei der Sichtung von Discovery auffiel, ist wohl das neue Design der Uniformen, die den Rang nicht mehr deutlich sichtbar in den Farben rot, gelb und blau zeigten, sondern eine blaue Grundfarbe hatten und mit Gold und Silber als Ranganzeige arbeiteten. Auch die Klingonen bekamen ein ganz neues Aussehen – leider ebenfalls nicht im Positiven. Eine Modernisierung des Stoffes in allen Ehren, aber warum mussten die Uniformen und Klingonen so hässlich werden? Einmal darüber hinweggekommen, begeistert das neue Intro, dass sich zwar am Intro von Voyager orientiert, es aber noch einmal abstraktiert und nun neu und frisch anzusehen ist.
Während die früheren Star Trek Serien sich noch häufig am Episodenprinzip, also dem „Monster of the week“ orientierten, wirft Discovery dieses Prinzip direkt über Bord und präsentiert sich als ein Spielfilm aus 15 Folgen mit ca. 45 Minuten Länge. Zunächst etwas ungewohnt, funktioniert das Prinzip doch sehr schnell sehr gut, auch wenn einzelne Folgen mitunter ein wenig wie ein Lückenfüller wirken, um die Staffel auf 15 Folgen zu strecken. Auch konzentriert sich Discovery nicht mehr primär um den Captain und seine Hauptbesatzung, wie man es bisher kannte, sondern macht die Außenseiterin Michael Burnham zur Protagonistin. So wenig Screentime wie Captain Lorca hatte wohl noch kein Star Trek Captain. Aber genau das bringt diesen frischen Wind in die Serie und dadurch schafft Discovery es zu funktionieren. Denn hätten die Showrunner nur stur wieder das gleiche Prinzip angewandt, wären die Vergleiche mit den älteren Serien sofort zur Hand gewesen. Aber so lässt sich Discovery einfach nicht mit einer der bisherigen Serien vergleichen und genau das ist gut so.
Die erste Staffel von Discovery schafft es geschickt die Hauptcharaktere komplett durch zu charakterisieren und doch die Handlung permanent voranzutreiben. Während man bisher sehr sicher war, dass die Hauptcrew alle Staffeln überlebt, wird dies bereits in der zweiten Folge zerstört. Auch danach bleibt kein Charakter sicher, auch wenn es noch lange keine Game of Thrones Ausmaße annimmt. Dadurch bleibt die Serie jedoch auch spannend. Durchkreuzt wird das durchgehend hohe Niveau leider durch einen Handlungsstrang in den letzteren Folgen, der mir dann doch etwas zu abstrus war. Gut geschrieben und gut umgesetzt war er ohne Frage. Doch leider für eine erste Staffel schon viel zu übertrieben.
Neben der großen Haupthandlung bringt Discovery auch immer wieder kleinere Nebenhandlungen mit hinein, in dem es um Freundschaft, Vertrauen und Liebe geht. So hat Discovery das erste homosexuelle Pärchen an Bord. Gerade die kleineren Anspielungen setzen Discovery auf ein ganz hohes Niveau, das bis zum Ende durchgehalten wird.
Schauspielerisch hat Discovery ebenfalls viel zu bieten. So wurde Sonequa Martin-Green – vielen wohl aus The Walking Dead bekannt – als Michael Burnham gecastet. Geschickt schafft sie es den von Vulkaniern erzogenen Menschen zu spielen, die immer wieder gegen ihre Gefühle ankämpft, sie aber doch nicht immer vollständig verbergen kann. Jason Isaacs tritt nach seiner Rolle als Lucius Malfoy in den Harry Potter Filmen nun einem neuen Franchise bei und übernahm die Rolle des Captain Lorca. Auch hier weiß er durch minimalistisches Spiel zu überzeugen und schwankt zwischen strengem Captain und Vaterrolle hin und her. Doug Jones überzeugte erst in der vergangenen Oscarsaison als Wasserwesen in The Shape of Water. Auch in Star Trek bekam er wieder ein aufwendiges Make-up und wurde so zu dem Kelpianer Saru. Desweiterem sind in den Hauptrollen Anthony Rapp als Lieutenant Commander Paul Stamets, Mary Wiseman als Fähnrich Sylvia Tilly – und damit als die gute Seele der Serie – und Shazad Latif als Lieutenant Ash Tyler zu sehen.

Das Fazit

Alles neu bei Star Trek Discovery, aber auf eine gute Art und Weise. Ein würdiger Erbe im großen Franchise, auch wenn nicht jede Folge zu 100% überzeugen kann und die Handlung gegen Ende doch etwas abdriftet. Aber Fans des Franchises können sich die Serie gut und gerne einmal ansehen. Zeit ist bis 2019, wenn die zweite Staffel voraussichtlich erscheinen soll.

Cinemathek: Aus dem Nichts

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Aus dem Nichts. Der Film lief ursprünglich ab dem 23.11.2017 in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

In den letzten Wochen erschien es immer wieder in den Nachrichten. Inzwischen sind es 26 Anschläge auf Moscheen innerhalb von acht Wochen. Kurdische Bekennervideos sind zwar aufgetaucht, doch so richtig weiß man noch nicht, wer und welche Gründe dahinter stecken. Damit bekommt Fatih Akins Film Aus dem Nichts erneut eine Aktualität, die man doch lieber im Bereich der Fiktion gesehen hätte. Der Film basiert jedoch eigentlich auf dem Nagelbomben-Attentat in Köln von 2004. Erst viele Jahre später (2011) konnte der Anschlag dem nationalsozialistischem Untergrund zugeordnet werden. Bei der Verleihung der Golden Globe Awards gewann der Film in der Kategorie des besten fremdsprachigen Films. Bei den Academy Awards schaffte er es zwar als deutscher Kandidat auf die Shortlist von neun Filmen, wurde aber letztendlich nicht nominiert.

Die Handlung

Katja Sekerci (Diane Kruger) ist glücklich verheiratet mit dem Kurden Nuri und liebt ihren kleinen Sohn Rocco. Als beide bei einem Nagelbomben-Attentat sterben, bricht für Katja die Welt zusammen. Nicht nur ermittelt ihr die Polizei in eine völlig falsche Richtung, auch muss sie sich letztendlich einem langen Prozess stellen, gegen zwei Tatverdächtige.

Meine Meinung

Aus dem Nichts, ist nicht nur brandaktuell, er geht auch ohne die realen Bezüge tief unter die Haut. Unterteilt in drei Teile beginnt er mit der Geschichte des Nagelbomben-Attentats. Hier treffen wir direkt auf eine Diane Kruger in Höchstform. Denn ihre Handlungen und Emotionen sind so verständlich dargestellt, nicht übertrieben und sehr berührend. Wir lernen hier eine verzweifelte Frau kennen, die nicht weiß, wie sie ohne ihre Familie weiterleben soll. Dem gegenüber stehen die Bemühungen der Polizei, die jedoch für Katja völlig unverständlich bleiben, da sie meint, die Mörder bereits gesehen zu haben. Hochemotional geht es auch um ihre Beziehung zu ihren Eltern und Nuris Eltern, die beide jeweils gegen die Ehe von Katha und Nuri waren.
Im zweiten Teil durchleben wir mit Katja die nervenaufreibende Gerichtsverhandlung gegen die beiden Tatverdächtigen. Hier treffen verschiedene Charakter aufeinander und auch das Hassobjekt des Films ist schnell gefunden. Obwohl sich in dieser Episode fast ausschließlich im Gerichtssaal abspielt, bleibt der Film spannend und unvorhersehbar. Über den dritten Teil mit dem Titel „Das Meer“ möchte ich an dieser Stelle nicht so viel sagen, da ich ansonsten ziemlich viel von der Spannung aus dem Film nehmen würde. Zu sagen ist lediglich, dass er ein bisschen abstrakter ist und sich zunächst nicht so richtig an das Muster der ersten beiden Teile halten will. So kommt man doch nicht so begeistert aus dem Film, wie es möglich gewesen wäre. Hier hätte man den Teil deutlich kürzen können.
Die ursprünglich aus Deutschland stammende, aber inzwischen Hollywood eroberte, Diane Kruger trägt den Film praktisch allein auf ihren Schultern. Ebenso wie Larraín 2016 seine Jackie Kennedy gespielt von Natalie Portman fast durchgehend in die Kamera blicken ließ, so hält auch Arkin an Kruger Gesicht fast pausenlos fest, um alle Emotionen vollständig einzufangen. Das gelingt ihm vor allem deswegen, weil Kruger eine herausragende Performance abliefert. Dagegen kommen die anderen Darsteller im Film leider nicht an und so scheint es immer wieder einen starken Qualitätsabfall zu geben.
Auch kann der Spannungsbogen zwar größtenteils gehalten werden, aber fällt im letzten Teil doch deutlich ab. Hier hat sich Arkin etwas überschätzt und so verlässt man das Kino wenig begeistert, obwohl zwei Drittel des Films durchaus zu überzeugen wussten.

Das Fazit

Weniger ist manchmal doch mehr. Mit einem deutlich kürzeren dritten Abschnitt des Films, hätten die starken ersten beiden Abschnitte mehr Gewicht gehabt. Auch schaffen die Schauspieler es nicht an Diane Kruger heranzureichen, was mitunter etwas störend wirkt, auch wenn Kruger den Film meisterhaft auf ihre Schultern hievt. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Die 90. Academy Awards – Die Nominierten

Die Oscarsaison ist in vollem Gange und wieder einmal presst Deutschland die Kinostarts in ein paar Wochen vor der Verleihung. Natürlich gibt es auch dieses Jahr wieder Filme, die nicht pünktlich vor der Verleihung ihren Kinostart haben. Dazu zählen – nur in den „großen“ Kategorien gezählt – Lady Bird, I, Tonya, The Florida Project und Roman J Israel. Auch werde ich es wohl nicht mehr schaffen Call me by your name mit Kinostart am 01.03. noch rechtzeitig zu sehen. Alle anderen Filme, habe ich nun nachgeholt zu sehen, was wieder mehrere längere Zug/Autofahrten nach sich zog. Hier folgen nun die Kurzkritiken zu ebendiesen Filmen, sowie ein Überblick über die anderen nominierten Filme, zu denen bereits ein Artikel exisitiert:

Der seidene Faden

Nominiert für: Bester Film, bester Hauptdarsteller, beste Regie, beste Nebendarstellerin, beste Filmmusik und bestes Kostümdesign
Die Handlung: Der Designer Reynolds Woodcock verliebt sich in die junge Kellnerin Alma. Ungeachtet ihres Altersunterschieds verlieben sie sich ineinander und Alma zieht bei ihm ins große Haus. Dort lebt ebenfalls Cyrill, Reynolds Schwester. Schnell merkt Alma, dass es gar nicht so einfach ist den exzentrischen Designer zu lieben und er kaum Zeit für sie findet. Doch versucht sie immer wieder seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Meine Meinung: Daniel Day-Lewis offiziell letzter Film – zumindest wurde der Film so beworben. Bei so einer Ankündigung erwartet man schon einen großartigen Film. Und Day-Lewis spielt auch herausragend und haucht dem exzentrischen Designer Woodcock Leben ein. Als Kandidat für den Oscar als bester Hauptdarsteller spielt er Woodcock mit vielen verschiedenen Facetten und kann überzeugen. Leider ist dies auch fast schon das einzige positive, was man über den Film sagen kann. Denn die Handlung, gestreckt auf 130 Minuten, vermag es zwar für die erste halbe Stunde einen interessanten Gedankengang zu zeigen, fällt aber umso schneller wieder ab. Dem hin und her zwischen Liebe und Hass zwischen Woodcock und Alma geht ganz schnell die Luft aus und so richtig wusste der Film dann doch nicht, was er erzählen wollte. Auch kann Vicky Krieps als Alma nicht mit einem Daniel Day-Lewis mithalten, was man leider auch sehr schnell merkt. Hier fehlt es an Mimik und einer eigenen Interpretation des Charakters. Nicht gerade wird es, dass Krieps auch die deutsche Synchronisation ihrer Rolle übernimmt und diese – wie wohl auch im Original –  lustlos und sehr nuschelig und damit unpassend für die Rolle vorgetragen wird.
Das Fazit: Der seidene Faden kann in seiner Gesamtheit leider nicht überzeugen und ist ein eher ungewöhnlicher Oscarkandidat. Lediglich Daniel Day-Lewis sticht mit einer herausragenden letzten Performance hervor. Dafür gibt 04 von 10 möglichen Punkten.

Die dunkelste Stunde

Nominiert für: Bester Film, bester Hauptdarsteller, beste Kamera, bestes Szenenbild, bestes Kostümdesign, bestes Make-up und beste Frisuren
Die Handlung: Anfang Mai 1940 wird Neville Chamberlain als Premierminister Großbritanniens abgesetzt. Ihm folgt der in seiner eigenen Partei unbeliebte Winston Churchill. Ohne Unterstützung von Partei und König versucht Churchill nun in den Anfängen des zweiten Weltkriegs seine Landmänner von der Notwendigkeit eines Kampfes zu überzeugen, während Chamberlain und der Außenminister Halifax auf Friedensgespräche mit Adolf Hitler drängen. Gleichzeitig sitzen über 300.000 junge Männer in Dünkirchen fest.
Meine Meinung: Die dunkelste Stunde erzählt einen begrenzten Zeitraum von ca. einem Monat im Jahr 1940. Und obwohl er mitten im zweiten Weltkrieg spielt, zeigt er nur sehr wenige Kriegsszenen. Denn es geht hier wirklich primär um Churchill uns seine Entscheidungen. Dabei ist der Film durchgehend spannend, interessant und einfach nur mitreißend. Trotzdem lässt der Film dem Zuschauer die freie Entscheidung bei der Meinungswahl. Er versucht nicht mit der Holzhammermethode Churchills Entscheidung zu verteidigen, sondern stellt verschiedene Meinungen und Positionen vor, die man entweder wählen kann oder eine ganz eigene Meinung vertreten kann. Das Setting ist mit den historischen Nachstellungen gut umgesetzt und auch die Musik vermittelt die düstere Grundstimmung. Gary Oldman übernimmt die Rolle des Churchills und ist hier auch als bester Darsteller nominiert. Auf dem ersten Blick erkennt man Oldman auch gar nicht, hier hat die Maske wirklich gezaubert, um den Churchill gut nachgestellt zu bekommen. Oldman selbst spielt sehr konzentriert und schafft es gekonnt alle Eigenarten umzusetzen. So schafft er einen sehr realistischen Churchill und ist damit heißer Kandidat für den begehrten Goldjungen.
Das Fazit: Die dunkelste Stunde kann in allen Belangen überzeugen und schafft es hochpolitisch, aber doch spannend zu bleiben. Gary Oldman liefert eine einmalige Darstellung des Churchills ab. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Shape of Water

Nominiert für: Bester Film, beste Regie, beste Hauptdarstellerin, bester Nebendarsteller, beste Nebendarstellerin, bestes Originaldrehbuch, beste Filmmusik, bester Ton, bester Tonschnitt, bestes Szenenbild, beste Kamera, bester Schnitt, bestes Kostümdesign
Die Handlung: Anfang der 1960er Jahre wird ein Wesen aus dem Amazonas in eine amerikanische Forschungseinrichtung gebracht, halb Mensch, halb Amphibie. Es soll den Amerikanern helfen im Wettlauf gegen die Russen bei der ersten bemannten Raumfahrt. Die stumme Elisa, die dort als Reinigungskraft arbeitet, entwickelt schnell ein ganz eigenes Verhältnis zu dem Wesen.
Meine Meinung: Shape of Water ist ein ruhig erzähltes modernes Märchen. Das unterstreicht die Filmmusik und das gesamte Setting. In einem gleichmäßigen, eher grünlich gehaltenem Setting, kommt man sich mehr als einmal wie in einer fernen Unterwasserwelt vor. Die Handlung ist ebenfalls relativ einfach gehalten und dadurch relativ vorhersehbar. Dennoch weiß sie durch geschickte kleine Kritiken durchaus zu überraschen. So bilden Elisa und ihre Freunde, der schwule Giles und die schwarze Zelda, eine kleine Nischengemeinschaft, die nicht wirklich von der sprechenden, weißen, heterosexuellen Allgemeinheit akzeptiert werden. Jeder von den dreien geht jedoch anders damit um. Als Gegenstück dazu wurde der Sicherheitschef Richard Strickland konzipiert. So ist auch die Frage der Sympathie sehr schnell geklärt, denn Strickland macht es einem sehr leicht ihn zu hassen. So ist der Film in seiner Gesamtheit wunderschön konzipiert, es mangelt ihm aber irgendwo an Ecken und Kanten. Durch das klare Einordnen in Schwarz und Weiß wird dem Film ein Stück Besonderheit genommen. Die Darsteller agieren alle in ihren Rollen herausragend, wobei ich Richard Jenkins Leistung als Giles noch am herausragendsten ansehe.
Das Fazit: Shape of Water erzählt genau das wundervolle Märchen, was es angekündigt hat. Dennoch fehlt irgendwo Guillermo del Toros bekannter Mut, wie man ihn noch in Pans Labyrinth fand. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Die Verlegerin

Nominiert für: Bester Film und beste Hauptdarstellerin
Die Handlung: 1971 veröffentlich die New York Times die sogenannten Pentagon-Papiere, die die Verschleierung über den Vietnam-Krieg durch vier verschiedene US-Präsidenten enthalten. Während das weiße Haus rechtliche Schritte gegen die Times unternimmt, versucht auch die Washington Post an diese Papiere zu kommen, um ebenfalls darüber berichten zu können. Doch hätten sie sich keinen schlechteren Zeitpunkt dafür aussuchen können, denn der Börsengang der Post steht kurz bevor und die Verlegerin Katherine Graham muss nun weitreichende Entscheidungen treffen.
Meine Meinung: Die Verlegerin hat im Original den wesentlich passenderen Titel The Post. Denn es geht im Film nicht einzig und allein um die Verlegerin Katherine Graham, die nach dem Tod ihres Mannes versuchen muss die Redaktion zu halten und sich gleichzeitig in der Männerdomäne zu behaupten, sondern um die Post in ihrer Gesamtheit und wie viele verschiedene Akteure mit der Situation umgehen. So bilden zwar Tom Hanks und Meryl Streep als Chefredakteur Ben Bradlee und Verlegerin Katherine Graham das Gespann, um das es sich hauptsächlich dreht, dennoch kommt der Film nicht ohne seine Nebencharaktere aus. Geschickt schafft es Regisseur Steven Spielberg in wenigen Szenen die Tragödie hinter dem Vietnamkrieg zu umreißen und die Entscheidung des Whistle-Blowers Daniel Ellsberg zu erzählen. In 117 Minuten Spiellänge erzählt Spielberg nun den bevorstehenden Börsengang, die Besorgung der Pentagon-Papers und die schwierige Entscheidung, ob diese veröffentlicht werden sollen. Nur im Nebenton führt er die Probleme Grahams an, sich in der Männerdomäne zu beweisen und aus dem Schatten ihres verstorbenen Mannes zu treten. Dabei beweist Spielberg erzählerisches Geschick und schafft es die Spannung durchgehend hoch zu halten. Schauspielerisch brauch sich keiner der Darsteller hinter der nominierten Streep zu verstecken, die zwar gekonnt und souverän spielt, aber dennoch nicht so wirklich aus ihrem eigenen Schatten heraustritt.
Das Fazit: Die Verlegerin ist eine spannend erzählte und wahre Geschichte, die vom Zusammenspiel verschiedener Erzählstränge und den Einfluss verschiedener Schauspieler aufblüht. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Alles Geld der Welt

Nominiert für: Bester Nebendarsteller
Die Handlung: 1973 wird der Milliardärenkel John Paul Getty III in Rom entführt und ein Lösegeld von 17 Million Dollar gefordert. Die geschiedene Mutter Gail hat jedoch kaum genug Geld für die Miete. So muss sie ihren ehemaligen Schwiegervater, den reichsten Mann der Welt, um Hilfe bitten. Dieser lehnt jedoch jegliche Hilfe ab, bitte aber den Ex-CIA-Agent Fletcher Chase sich der Sache anzunehmen.
Meine Meinung: Alles Geld der Welt hat wohl vor allem deswegen Schlagzeilen gemacht, weil er eigentlich schon komplett mit Kevin Spacey als John Getty abgedreht war und ihm auch schon die Oscarnominierung sicher schien. Bis zum #Metoo-Skandal in dem auch Spacey verstrickt ist und er deswegen komplett aus dem Film gestrichen wurde und durch Christopher Plummer ersetzt wurde, der auch prompt die einzige Oscarnominierung für den Film erhielt. Ob das nun wirklich an Plummers Spiel lag, darüber lässt sich wohl diskutieren, denn seine schauspielerische Leistung ist zwar durchaus souverän, geht aber doch nicht ins außergewöhnliche über. Auch Mark Wahlberg und Charlie Plummer als Fletcher Chase und John Paul Getty III bleiben hinter den Möglichkeiten zurück. Lediglich Michelle Williams als besorgte Mutter kann wirklich überzeugen. Leider bleibt der Film auch ansonsten hinter seinen Möglichkeiten und ist mit 132 Minuten Spiellänge deutlich zu lang. Die erzählte, und wahre, Geschichte über die Entführung Paul Gettys wird zwar in allen Facetten deutlich, doch die einzelnen Entscheidungen werden sehr schwammig angeführt. So rechtfertig sich Getty Senior zwar damit, dass er mehr als nur einen Enkel hätte und wenn er dieses eine Mal zahle, dann würde er auch alle anderen Enkel in Gefahr bringen. Doch dieser Dreizeiler im Film, hätte doch etwas deutlicher gemacht werden können. So wird an keiner Stelle an einer Charakterentwicklung gearbeitet. Getty Senior bleibt der geldgeile Idiot, Gail die bemitleidenswerte Mutter, Getty Junior der entführte Bubi. Tatsächlich gibt es nur einen Charakter, der sich weiterentwickelt und das ist der Entführer Cinquanta.
Das Fazit: Schwammig erzählt, viel zu lang, um Spannung zu erzeugen oder zu halten und auch die Darsteller können nur bedingt überzeugen. Hier wäre deutlich mehr aus der Geschichte herauszuholen gewesen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Dunkirk

Nominiert für: Bester Film, beste Regie, beste Kamera, bestes Szenenbild, beste Filmmusik, bester Schnitt, bester Ton, bester Tonschnitt
Die Handlung: 1940 sind über 300.000 Soldaten in Dünkirchen von den deutschen Soldaten eingekesselt. Ihre einzige Hoffnung sind zivile Rettungsboote.
Meine Meinung: erfahrt ihr hier in meiner ausführlichen Kritik
Das Fazit: Dunkirk überzeugt durch Darstellung, Dramaturgie und Erzählweise. Dabei ist er brutal ehrlich und versteckt sich nicht hinter Patriotismus. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Three Billboards outside Ebbing, Missouri

Nominiert für: Bester Film, bestes Originaldrehbuch, beste Hauptdarstellerin, bester Nebendarsteller (2x), beste Filmmusik, bester Schnitt
Die Handlung: Mildred Hayes kann mit dem Tod ihrer Tochter nicht abschließen. Denn auch sieben Monate nachdem diese getötet wurde, gibt es noch keine Hinweise auf den Täter. Das lässt Mildred nicht auf sich sitzen und mietet drei Werbetafeln (Billboards) vor der Stadt an, um darauf den ansässigen Polizeichef bloßzustellen. Doch Chief Willoughby ist in Ebbing ein angesehener Mann und so macht sich Mildred schnell Feinde.
Meine Meinung: erfahrt ihr hier in meiner ausführlichen Kritik.
Das Fazit: Three Billboards outside Ebbing, Missouri ist ein Film, der weiß, wie er ordentlich provozieren kann und dabei doch eine starke Geschichte erzählt und den schmalen Grad zwischen ruhiger Erzählweise mit gleichzeitig hoher Spannung trifft.  Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Get Out

Nominiert für: Bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller, bestes Originaldrehbuch
Die Handlung: Chris Washington besucht nach fünf Monaten Beziehung das erste Mal die Eltern seiner Freundin Rose. Ziemlich nervös ist er vor der Reise schon, denn Roses Eltern leben in einer Vorstadtsiedlung, die hauptsächlich von weißen Menschen bevölkert wird, während Chris Afroamerikaner ist. Seine Befürchtungen scheinen auf dem ersten Blick unbegründet, doch benehmen sich alle ein wenig merkwürdig in seinrer Nähe.
Meine Meinung: Get Out ist ein Horrorfilm, der sich in erster Linie doch mit der Rassismusfrage beschäftigt. Dennoch gelingt Regisseur Jordan Peele der Spagat zwischen spannender Geschichte und unterschwelliger Kritik, so dass man diese erst bei genauerem Nachdenken über den Film wirklich gewichtet. So ist Get Out leider an erster Stelle ein nicht so richtig spannender Horrorfilm geworden. Die Einleitung ist etwas zu lang geraten, der mittlere Teil auch, nur der spannende letzte Teil ist zu kurz. Daher scheint die Lösung des Films irgendwo viel zu einfach. Am Ende vergisst man die Zwischenhandlung doch ganz schnell. Nur die eigentliche Kritik bleibt bestehen und klingt im Gedächtnis noch ein wenig nach. Auch sind die schauspielerischen Leistungen zwar alle solide, aber gerade die vom nominierten Daniel Kaluuya reicht nicht an eine oscarwürdige Leistung heran, zusehr verharrt sie auf immer ähnlichen Gesichtszügen.
Das Fazit: Get Out hat von allem leider etwas zu wenig. Zu wenig Spannung, zu wenig Horror, zu wenig Humor. Lediglich der Teil des Films, der kritisiert und sich mit Rassismus beschäftigt ist gelungen. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Mudbound

Nominiert für: Bestes adapiertes Drehbuch, beste Kamera, beste Nebendarstellerin, bester Filmsong
Die Handlung: Südstaaten nach dem zweiten Weltkrieg. Die McAllen haben ein Stück Land gekauft, das kaum zu beackern ist. Das überlassen sie der Familie Jackson, Afroamerikaner, deren Familie das Land früher gehörte. Als nach dem Krieg die Soldaten in beiden Familien heimkehren und sich trotz der Rassentrennung gut verstehen und zusammen das Trauma des Krieges aufarbeiten, stößt das bei beiden Familien auf Unverständnis und bei manchen sogar auf Wut.
Meine Meinung: Mudbound, was laut google Übersetzer matschig bedeutet, beschreibt den Film ganz gut. Denn das erste und letzte, was man vom Film sieht, sowie das Element, das einem wohl am meisten im Gedächtnis bleibt ist der Matsch. Er ist allgegenwärtig im Film. Der sehr langsam erzählte, und dadurch leider sehr zäh gewordene Film, hat viele gute Ansätze. Er durchleuchtet den Unterschied zwischen dem armen Schwarzen und dem armen Weißen. Zwei Familien, ein Stück Land, beide müssen ein Familienmitglied in den Krieg schicken, beide kommen gezeichnet davon wieder. Und beide haben keine Lust mehr auf den Rassismus, der zu Hause vorherrscht. Trotzdem trennen beide Welten. Leider wird die Geschichte etwas zu verworren und deutlich zu langatmig erzählt. Er kommt nicht so richtig auf den Punkt. Dabei bot er sehr viel Potential. Mary J. Blige ist als beste Nebendarstellerin nominiert. Dafür hat sie jedoch erstaunlich wenig Screentime, auch wenn Sie diese nutzt, um eine grundsolide Leistung abzulegen, aber auch nicht mehr.
Das Fazit: Mudbound hat gute Ansätze und ein interessantes Setting. Wirklich überzeugen kann er durch seine langsame und dadurch langatmige Erzählung leider nicht, auch wenn die Geschichte eigentlich unter die Haut gehen könnte. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Blade Runner 2049

Nominiert für: Beste Kamera, bester Ton, bester Tonschnitt, beste visuelle Effekte, bestes Szenenbild
Die Handlung: Im Jahr 2049 gibt es noch immer Replikanten, künstlich erschaffene Menschen, die versklavt werden, um den „reinen“ Menschen zu dienen. Die Blade Runner sind noch immer dafür verantwortlich diese zu jagen und auszuschalten. Bei einer seiner Missionen entdeckt Agent K etwas, das dringend unter den Tisch gekehrt werden muss. So begibt er sich auf die Suche und findet Antworten, die er eigentlich gar nicht finden wollte.
Meine Meinung: erfahrt ihr hier in meiner ausführlichen Kritik.
Das Fazit: Alles in allem ist Blade Runner ein Film, der lange im Kopf bleibt und viele positiven Seiten hat, letztendlich aber mit einem schlechten Nachgeschmack hängen bleibt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Star Wars – die letzten Jedi

Nominiert für: beste visuelle Effekte, bester Ton, bester Tonschnitt, beste Filmmusik
Die Handlung: Der Widerstand widersetzt sich noch immer der ersten Ordnung. Als ihre Hauptflotte jedoch von der ersten Ordnung verfolgt wird und es kaum noch Hoffnung gibt, überlegen sich Finn und Widerständler Poe Dameron einen Alternativplan. Gleichzeitig trifft Rey auf einer abgelegenen Insel auf Luke Skywalker. Sie bittet ihn dem Widerstand zu helfen und sie in den Künsten der Jedi zu unterrichten.
Meine Meinung: erfahrt ihr hier in meiner ausführlichen Kritik.
Das Fazit: Trotz ein paar kleinerer Schwächen ist Star Wars – die letzten Jedi ein gelungener Film und eine würdige Fortsetzung, auch wenn sich hier die Geister streiten werden. Mir hat er in seiner Gesamtheit gut gefallen, auch wenn der Humor eindeutig aus einer Marvel-Schublade geklaut wurde. Szenenbild, Handlung, Schauspiel und Spannung gehen Hand in Hand auf sehr hohem Niveau. Daher bekommt der Film 09 von 10 möglichen Punkten.

Baby Driver

Nominiert für: bester Schnitt, bester Ton, bester Tonschnitt
Die Handlung: Baby hat seit einem Autounfall einen Tinitus auf den Ohren und hört daher Musik, um sich zu konzentrieren. Seit einer Jugendsünde arbeitet er als Fluchtwagenfahrer für Doc und ist trotz seines jungen Alters einer der besten. Doch insgeheim und gerade seit er die Kellnerin Deborah kennenlernte, möchte er gerne aussteigen.
Meine Meinung: erfahrt ihr hier in meiner ausführlichen Kritik.
Das Fazit: Auch ohne große Handlung überzeugt Baby Driver in vielen Bereichen und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Und was sind eure Oscarfavoriten?

Wunder

Am 25.01.2018 erschien ein Film über das Wunder des Lebens in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Kinder können ganz schön gemein sein. Das weiß wohl jeder noch aus seiner Kindheit. Kinder sind nämlich brutal ehrlich, wo Erwachsene versuchen sich hinter schönen Formulierungen zu verstecken. Während Erwachsene bei zu hohem Gewicht einer Person noch vorsichtig sagen, dass derjenige etwas korpulenter ist, sagen Kinder ganz ehrlich, der ist dick. Manchmal ist die Ehrlichkeit von Kindern eine Wohltat, manchmal versucht man ihnen noch Taktgefühl beizubringen. Aber was, wenn man durch ungünstige Umstände entstellt ist. Man kann nichts dafür, aber es wird auch niemals besser werden. Und wenn man dann ständig auf andere Kinder trifft, die einem regelmäßig sagen, wie hässlich man ist? Wie würde man dann reagieren, wie verkraftet man so was? Und wie geht dein Umfeld damit um? Deine Familie, deine Freunde? Genau damit befasst sich der Film Wunder.

Die Handlung

Auggie (Jacob Tremblay) wurde seit seiner Geburt unzählige Male operiert, damit er überhaupt leben kann. Leider ist er dadurch im Gesicht durch viele Narben entstellt. Im Schutze seiner Familie hat er bisher sehr sorglos gelebt. Doch nun wollen seine Eltern, dass er nicht mehr von seiner Mutter (Julia Roberts) zu Hause unterrichtet wird, sondern auf eine Schule geht. Damit ist das Chaos vorprogrammiert.

Meine Meinung

Die größte Befürchtung vor dem Film war, dass dieser wahrscheinlich sehr stark gewollt auf die Tränendrüse drückt. Doch genau diesen Teil hat Wunder geschickt umspielt. Denn Wunder ist zwar hochemotional und die ein oder andere Träne wird durchaus beim Zusehen verdrückt. Aber Wunder erzählt nicht die traurige Geschichte eines hässlichen Entleins, sondern bringt ein vielschichtiges Drama hervor, dass sich mit mehreren Sichtweisen beschäftigt.
Natürlich sind einige Handlungsabschnitte vorprogrammiert. Auggie kommt in die Schule und natürlich kann kaum einer wirklich cool mit seiner Situation umgehen. Gerüchte kursieren und er hat ganz schön mit der Einsamkeit zu kämpfen. Aber es gibt auch Handlungsabschnitte, die man so vorher nicht erwartet hätte und die den Film so besonders machen. Auch versucht der Film möglichst objektiv die verschiedenen Einstellungen zu durchleuchten und lässt daher mehrere Personen auch ihre Geschichten erzählen und wie sie zu Auggie stehen. Natürlich kommt der Film trotzdem nicht ohne einiges Klitsches aus, setzt diese aber subtil genug ein, dass sie den Sehgenuss nicht stören.
Ein großes Lob gehört Jacob Tremblay, der nach Raum erneut zeigt, was für ein Talent bereits mit seinen jungen Jahren in ihm steckt. Er spielt den Auggie mit allem, was dazu gehört. Er lebt seinen Schmerz, aber bringt auch alle anderen Emotionen gekonnt rüber. Das macht die Figur des Auggie so glaubwürdig und fängt das Mitgefühl des Zuschauers gekonnt ein. Verstecken muss er sich auf keinen Fall hinter den Schauspielgrößen Julia Roberts und Owen Wilson, die die Eltern von Auggie verkörpern. Beide spielen sehr zurückhaltend, was dem Film aber unglaublich gut tut. Ein ständiges emotionales Kaleidoskop hätte dem Film eher gestört. Die übrigen schauspielerischen Leistungen sind durchgehend gut, auch wenn die anderen Kinderdarsteller definitiv nicht an Jacob Tremblay heranreichen. Da war dann doch noch etwas Potential nach oben – was aber wieder Kritik auf hohem Niveau ist.

Das Fazit

Wunder ist ein sehr emotionaler Film, aber auf die subtile Art und nicht auf die Holzhammermethode. Die Handlung kann durch verschiedene Erzählebenen überzeugen, die die Sichtweisen verschiedener Charaktere widerspiegelt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Your name.

Am 11.01.2018 erschien ein in Japan sehr erfolgreich laufender Anime in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Da Your Name. in Japan sehr erfolgreich lief – genau genommen die zweierfolgreichste japanische Produktion ist – wurden zunächst zwei Kinotermine für Deutschland bekannt gegeben. Auf Deutsch synchronisiert und mit dem Untertitel „Gestern, heute und für immer“ zeigten 150 deutsche Kinos den Anime. Doch auch hier lief er sehr erfolgreich und so wurden kurz darauf noch einmal fünf Zusatztermine in noch mehr Kinos bekannt gegeben. Auch ohne Fan von Animes zu sein, wurde man so auf den Film aufmerksam und neugierig.

Die Handlung

Mitsuha lebt in einem kleinen Dorf in Japan und träumt davon irgendwann ihrer Situation entfliehen zu können. Taki lebt in Tokio und ist auch nicht allzu zufrieden mit seinem Leben. Beide haben merkwürdige Träume. Bis sie feststellen, dass sie tatsächlich an manchen Tagen die Körper tauschen. Also beschließen sie das beste aus der Situation zu machen und versuchen irgendwie zu planen, wie sich der andere verhalten soll, wenn er im Körper des jeweils anderen ist.

Meine Meinung

Die Handlung klingt zunächst nach einer simplen Rollentauschkomödie, nur dass es diesmal eben als Anime umgesetzt wurde. So weit so bekannt. Doch Your Name geht noch einmal einen Schritt weiter und spinnt zur Rollentauschkomödie noch einige weitere Handlungsstränge mit hinein. Und genau hier setzt das besondere am Film an. Denn Your Name ist alles andere als gewöhnlich – immerhin kommt er aus Japan, da ist nichts gewöhnlich. So schafft er es in 107 Minuten eine Geschichte zu erzählen, die den Zuschauer auf so vielen unterschiedlichen Ebenen berühren. Der Film ist liebevoll, spannend, witzig, berührend und trifft genau den richtigen Nerv. Ganz nebenbei schafft er so vielschichtige Charaktere, mit denen man fühlt und die einem absolut sympathisch sind. Zwar nicht alle, so dass es auch Charaktere gibt, die negativ auffallen, aber in einem überschaubaren Rahmen.
Your Name fängt zunächst relativ verwirrend an. Als Neuling in der Animewelt ist es zudem noch ein bisschen schwieriger die ersten Minuten zu greifen, was genau da versucht wird zu erzählen. Erst nach und nach verläuft der Film in regelmäßigere Muster. Ab dann ist auch die Handlung gut verständlich, wenn sie auch immer wieder mit neuen Überraschungen auftaucht. Trotzdem eilt die Handlung nicht, sondern lässt sich nach und nach mit einer gewissen Ruhe erzählen. Selbst in hektischeren Szenen, bleibt eine gewisse Gelassenheit zu spüren. Trotzdem ist die Handlung fast durchgehend spannend.
Ein weiteres großes Kompliment geht an die Animatoren. Denn Your Name. ist sehr detailliert und sehr ausführlich gezeichnet. Während herkömmliche Animes – was man halt nachmittags beim durchschalten auf RTL2 so sieht – in manchen Szenen die Mimik doch stark vereinfacht darstellt, legt Your Name. hier durchgehend großen Wert aufs Detail.

Das Fazit

Your Name. ist ein sehr schön gezeichneter Film, der über die bekannte Körpertauschthematik hinausgeht und mit einer gut durchdachten und spannenden Handlung überzeugen kann. Auch Animeabgeneigte kommen hier auf ihre Kosten. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Paddington 2

Am 23.11.2017 erschien die Fortsetzung rund um den Bär aus Peru und seinen Abenteuern in London in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Bereits seit 1957 schreibt Autor Michael Bond über den kleinen Bären aus Peru, der von seiner Tante und Onkel nach London geschickt wurde und dort am Bahnhof Paddington von der Familie Brown gefunden wird. 25 Bücher umfasst die Reihe, von der nur zehn auf Deutsch übersetzt wurden. 2014 erschien bereits ein erster Film, der sich mit Paddingtons Ankunft in London beschäftigt und ein Abenteuer nach sich zieht, in dessen Folge Paddington und die Browns eine Familie werden.

Die Handlung

Paddington möchte seiner Tante Lucy zu ihrem 100. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk machen. Schnell findet er in einem Antiquariat ein Buch über London. Doch um es kaufen zu können, muss er einige Nebenjobs annehmen. Als er endlich das Geld zusammen hat, wird das Buch gestohlen und Paddington des Diebstahls beschuldigt. Nun versucht Familie Brown seine Unschuld zu beweisen.

Meine Meinung

Das es zu dem ersten Film von Paddington eine Fortsetzung geben würde, stand außer Frage. Die eigentliche Frage war eher, um was würde es in der Fortsetzung gehen. Denn der Trailer, so süß er auch gemacht war, ließ keine großen Schlüsse zu und schreckte doch eher von einem Kinobesuch ab, als für ihn zu animieren. So habe ich vergleichsweise lange gezögert mich doch in den Kinosaal zu setzen. Erst nach ausdrücklicher Empfehlung kaufte ich mir das Ticket.
Der Film beginnt zunächst mit einer kurzen Übersicht über das Geschehen zwischen den beiden Teilen und was die Familienmitglieder seitdem tun. So plätschert der Film zunächst ein bisschen vor sich hin, kann aber doch mit süßen kleinen Einfällen wieder punkten und bringt das Publikum bereits hier zum schmunzeln. Erst dann wird das eigentliche „Problem“ erläutert, auf der die Haupthandlung basiert. Paddingtons Tante Lucy wird 100 Jahre alt und Paddington möchte ihr ein ganz besonderes Geschenk machen. Der weitere Verlauf des Films ist ungemein liebevoll gestaltet, auch wenn einige Szenen zunächst etwas befremdlich wirken für einen Kinderfilm. Im Laufe des Films gibt es einige Szenen, die auch absolut „over the top“ sind und auf den ersten Blick einfach nur bizarr wirken. Doch gerade diesen Szenen werden mit einer solchen Herzlichkeit umgesetzt, dass sie doch wieder hervorragend funktionieren und dadurch fast zum Herzstück des Films werden. Ich denke hier nur an einige Szenen, die im Gefängnis spielen.
Paddington hat eine ganz besondere Art Humor zu zeigen. Denn statt mit plumpen Witzen um sich zu schmeißen, bahnen sich die Witze ganz langsam an und überrollen den Zuschauer, bis sich dieser vor Lachen kaum noch auf den Sitzen halten kann. Selbst Szenen, die auf den ersten Blick nicht lustig wirken, schaffen es dann doch durch Kleinigkeiten – oder durch das Auftauchen von Mr. Curry, ich find seine schrullige Art ungemein lustig – wieder das Kino zum lachen zu bringen. So wechseln sich ernste, lustige, traurige und spannende Szenen regelmäßig ab und als Zuschauer fühlt man sich nur bestens unterhalten.
Zum bereits bekannten Cast um Hugh Bonneville und Sally Hawkins gesellen sich diesmal Hugh Grant als Bösewicht und Brendon Gleeson als Gefängniskoch. Ersterer scheint sich ungewollt selbst zu parodieren und spielt einen einst erfolgreichen Schauspieler, der sich selbst noch immer als das größte Talent weit und breit sieht, aber einfach keine ernstzunehmenden Rollen mehr bekommt. Trotzdem passt sein Charakter deutlich besser in den Paddington Film als noch Nicole Kidmans Millicent aus dem ersten Teil. Auch Brendon Gleeson ist ein großer Gewinn für den Paddington Film, spielt er doch den grummeligen Gefängniskoch mit einer Leidenschaft, die seinesgleichen sucht. Auch der bekannte Cast spielt gewohnt auf hohem Niveau.

Das Fazit

Paddington 2 ist ein süßer und liebevoller Familienfilm, der noch mehr als der erste Teil überzeugen kann. Obwohl er manchmal ein bisschen übertreibt, bringt er alle Emotionen gut rüber. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Die kleine Hexe

Am 01.02.2018 erschien die Verfilmung des Buchklassikers von Ottfried Preußler in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Ob das kleine Gespenst, der kleiner Wassermann oder eben die kleine Hexe. Die Kinderbuchklassiker von Ottfried Preußler zierten mein Bücherregal als noch klein war. Immer und immer wieder versuchte ich mit der kleinen Hexe eine gute Hexe zu werden, um endlich auch auf dem Blocksberg mit zu tanzen. So schlug mein Kinderherz wieder höher, als ich sah, dass das Buch von 1957 nun mit Karoline Herfurth verfilmt werden sollte, die sich spätestens mit SMS für dich von ihrem Fack ju Göhte Ruf verabschiedet hat.

Die Handlung

Jedes Jahr zur Walpurgisnach fliegen die Hexen auf den Blocksberg und tanzen dort ums Feuer. Nur die kleine Hexe (Karoline Herfurth) darf nicht mittanzen, denn mit ihren 127 Jahren ist sie noch zu jung. Trotzdem schleicht sie sich heimlich zum Tanz und wird dort prompt erwischt. Als Strafe wird ihr der Besen weggenommen und sie muss innerhalb eines Jahres das große Hexenbuch auswendig lernen und eine gute Hexe werden. Wenn sie das schafft, darf sie im nächsten Jahr mit um den Blocksberg tanzen. Ihr zur Seite steht ihr treuer Freund, der Rabe Abraxas.

Meine Meinung

Die kleine Hexe ist eines dieser kleinen aber sehr feinen Filme, den man nur mit einem Dauerlächeln sehen kann. Denn jede Szene, jedes Detail ist nur darauf ausgelegt irgendwo gute Laune zu verbreiten. Zwar merkt man schnell, dass der Film wirklich komplett auf die Kinder als Zielgruppe ausgelegt ist, aber sobald man sein inneres Kind wieder herausgeholt hat, funktioniert der Film ziemlich gut. Für mich war es ein Wiedersehen mit den Charakteren meiner Kindheit.
Ein wichtiger Punkt für das Funktionieren des Films ist eindeutig Karoline Herfurth, die ihre kleine Hexe mit so einer Hingabe und mit deutlich sehr viel Spaß spielt, dass ihre gute Laune einfach nur ansteckend wirkt. Zunächst muss man sich zwar etwas an ihre verlängerte Nase gewöhnen, damit sie zumindest ein bisschen wie eine Hexe aussieht, aber nichts trübt ihre gute Laune. Trotzdem spielt sie die traurigeren und ernsteren Szenen mit dem nötigen Respekt. So ist die kleine Hexe nicht nur eine süße Geschichte, sondern steckt auch voller Lektionen fürs Leben. Sei nett zu anderen Kindern, oder glaube nicht jedem Vorurteil, sind nur zwei Beispiele dafür.
Das es sich um eine deutsche Produktion mit einem nicht allzu großen Budget handelt, sieht man dem Film leider hier und da immer mal an. So kann beispielsweise der Rabe Abraxas seine CGI-Herkunft nicht verbergen. Das stört den Filmverlauf aber nicht. Die schauspielerischen Leistungen schwanken sehr stark. So spielt Karoline Herfurth sehr stark und auch Suzanne von Borsody kann als Wetterhexe Rumpumpel überzeugen. Therese Affolter als Oberhexe schwächelt hingegen in ihrer Rolle und die Kinderdarsteller spielen ziemlich hölzern. Dafür hat das Setting im Wald und das Häuschen der kleinen Hexe eine ganz eigene Magie und zeigt Deutschlands schöne Seiten.

Das Fazit

Die kleine Hexe ist ein süßer kleiner Kinderfilm, der das Buch gut widerspiegelt und den Zuschauer mit einem Dauerlächeln beglückt. Keine große teure Produktion, aber dafür eine mit einem sehr großen Herz. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.