Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 9.5

Hier kommt nun der zweite Teil von 2018. Hier noch einmal die vorherigen Artikel meiner großen Kategorieaufräumaktion: 2014/2015, 2016, 2017, 2018.1

2018:

1) Isle of Dogs – Ataris Reise

Nach dem Ausbruch des Schnauzenfiebers werden Hunde für alle möglichen Sachen, z. B. Flöhe, Schuldig gesprochen und ins Exil auf eine Müllinsel deportiert. Unter anderem auch Spot, der Wachhund von Atari Kobayashi. Als dieser aufbricht, um seinen Hund zu finden, schließen sich ein paar andere Hunde an. Dabei decken sie nicht nur eine Verschwörung auf, sondern erleben auch allerlei Abenteuer.
Der Stop-Motion-Film ist eher eine Aneinanderreihung kleinerer Episoden, die durch die große Geschichte zusammengehalten werden. Während die Haupthandlung der Gesellschaft gerne den Spiegel vorhält, hier ist es die Ausgrenzung der Hunde wegen angeblicher Vergehen, die sich aber auf viele Vorurteile und andere aktuelle Ereignisse übertragen lässt. Dabei sind es jedoch gerade die kleinen Nebenepisoden und running gags, die den Film von seiner hochtrabenden Kunsterzählweise herunterheben und sehbar machen. Es bleibt dennoch ein sehr speziell erzähler Film, der aber, wenn man sich einmal an den Erzählstil gewöhnt hat, gut funktioniert.

2) Anna und die Apokalypse

Ein Weihnachtsfilm, ein Zombiefilm und ein Musical in einem. Was erst einmal unvereinbar klingt, funktioniert hier tatsächlich sehr gut.
Die Weihnachtsaufführung in Annas Schule steht bevor. Doch eine Virusinfektion lässt die halbe Bevölkerung zu Zombies werden. Anna und ihre Freunde können sich in eine Bowlingbahn flüchten. Sie versuchen zur Schule durchzukommen, wo Eltern und Mitschüler sich versteckt halten.
Für viele ist der Film inzwischen zum absoluten Geheimtipp mutiert. Ich habe leider so meine Probleme mit dem Film. Zum einen bin ich absolut kein Fan von Zombiefilmen. Sobald Zombies anfangen durch die Gegend zu wanken, bin ich raus. Trotzdem hat mich der Film gereizt, durch die Kombination mit dem Musical. Leider enttäuschte mich dieser Aspekt auch, denn die Lieder sind sehr einfallslos und funktionieren alle nach dem gleichen Popschema. So waren sie zwar alle nicht schlecht, aber eben auch nicht gut. Ich bin ein großer Musicalfan und erwarte hier schon, dass ich Lieder voneinander unterscheiden kann, bzw, sie hinterher auch nochmal wiedererkenne. Darüber hinaus ist die Geschichte rund erzählt, kommt zwar mit dem typischen Klischees daher und kann nur an wenigen Stellen überraschen, dennoch macht sie an vielen Stellen einfach Spaß. Wer sich also nicht vom Zombiethema abgestoßen fühlt und auch weniger hohe Erwartungen an den Musicalaspekt hat, kann hier durchaus mal einen Blick werfen.

3) Das Haus der geheimnisvollen Uhren

Lewis ist ganz frisch Waise und wird zu seinem Onkel Jonathan geschickt. In dessen Haus gibt es allerlei Kuriositäten und auch die Nachbarin Mrs. Zimmermann scheint Dauergast zu sein. Schnell findet er heraus, dass sein Onkel ein Zauberer ist und nachts eine geheimnisvolle Uhr im Haus sucht.
Der Film ist in erster Linie ein Fantasy-Film, der sich nebenbei noch mit den Themen Verlust und Außenseitertum beschäftigt. Dabei ist Jack Black als Onkel Jonathan voll in seinem Element, während sich Cate Blanchett eher im Hintergrund hält. Für den Zuschauer hat man Lewis an seiner Seite, mit dem man das Haus erkunden kann. Der Film ist eindeutig für ein junges Publikum konzipiert und hat mit einer Freigabe ab 6 Jahren auch keinen Anspruch wirklich gruselig zu sein. Das ist hier auch gar nicht nötig, da man hier auch als Erwachsene die kindliche Freude über das Unbekannte wiederentdeckt. Hinzu kommen allerhand kuriose Charaktere, die beim Sehen einfach Spaß machen. So bleibt der Film immer leicht hinter seinen Möglichkeiten zurück, bietet aber trotzdem gute Unterhaltung für einen Abend. Ein zweiter Blick lohnt sich dann aber eher nicht.

4) Crazy Rich

Der Überaschungserfolg mit einer rein asiatischen Besetzung.
Rachel Chu reist mit ihrem Freund Nick Young nach Singapur, um dessen Familie bei einer Hochzeit kennenzulernen, bei der Nick Trauzeuge sein wird. Dabei muss sie feststellen, dass Nick zu einer der reichsten Familien Singapurs gehört. Vor Ort hat sie nicht nur Probleme sich dem Lebensstil von Nicks Freunden anzupassen, auch scheint seine Mutter eine Abneigung ihr gegenüber zu haben, die sie nicht nachvollziehen kann.
Crazy Rich fährt mit einem guten Cast auf. So richtig ist der Komödienaspekt bei mir nicht angekommen. Währenddessen hat der Dramaaspekt bei mir wesentlich besser funktioniert. So habe ich relativ wenig gelacht, aber immer mit Rachel mitgefühlt. Dennoch ist der Film ein fasziniertes Eintauchen in eine ganz andere Welt, die gleichzeitig so vertraut ist. Denn die wohl wichtigste Botschaft des Films ist, dass es eben keine weißen Darsteller braucht, damit ein Film funktioniert.

5) Spider-Man – a new Universe

Angeteasert wurde der Film bereits in einer ziemlich langen Afer-Credit-Scene von Venom. Diese schreckte mich jedoch eher ab, da sie sehr rasant daher ging und mein übliches Übelkeitsproblem durch die Perspektive auftrat. Zu Hause auf dem Fernseher ging das dann aber doch ohne Zwischenfälle.
Miles Moralis ist ein ganz normaler Junge, in einer Welt, in der Peter Parker alias Spider-Man gestorben ist. Doch auch Miles wurde von einer radioaktiven Spinne gebissen und verfügt über die gleichen Fähigkeiten. Dabei trifft er auf einen gealterten Peter Parker, die aus einem anderen Universum zu kommen scheint. Nach und nach treffen immer mehr Spider-Mans und Spider-Womans aufeinander. Zusammen versuchen sie Kingpin aufzuhalten, der mit einer Maschine versucht seine geliebte Vanessa zurückzuholen.
Erfrischend neu ist die Geschichte, die sich nur bedingt an dem typischen Superheldenschema orientiert und sich von bestehenden Erzählsträngen loslöst. Dabei ist sie auch animiert und orientiert sich am ursprünglichen Comicstil. Hinzu kommt eine spannende Geschichte und ein Miles Moralis, der eben mit ganz anderen Problemen kämpft. Dennoch bleibt irgendwo die Grundessenz eines Spider-Man erhalten und wird mit einer Menge Humor durch die verschiedenen Spider-Mans ergänzt. Nicht umsonst hat der Film den Oscar für den besten Animationsfilm erhalten.

6) Juliet, Naked

Annie und Duncan führen seit vielen Jahren eine leidenschaftslose Beziehung. Duncan ist ein riesiger Tucker Crowe Fan, der nach einem kurzen Erfolg mit zwei Alben vor über 20 Jahren komplett von der Bildfläche verschwand. Nun soll ein neues Album erscheinen, das die Lieder des ersten Albums noch einmal neu vertont hat. Nachdem Annie, frustriert über die Leidenschaft Duncans Crowe gegenüber, eine schlechte Kritik über das neue Album verfasst, kontaktiert sie niemand geringeres als Crowe selbst. Kurz darauf verlässt Duncan Annie wegen einer Affäre und Annie beschließt sich mit Crowe zu treffen. Dieser führt jedoch weniger das glamuröse Rockstarleben, als vielmehr ein Leben voller Gram und zu vieler Kinder von zu vielen Frauen.
Juliet, Naked ist ein kleiner Film, der wohl neben den ganzen Hollywood Blockbustern untergegangen ist. Dabei ist er liebevoll erzählt und zeigt die Schattenseiten einer kurzzeitigen Berühmtheit. Dabei geht es jedoch auch um Annie, die sich so gerne einen Neuanfang wünscht. Annie und Duncan sind ein Beispiel eines Paares, das irgendwie am Erwachsensein gescheitert ist und nur aus Treue zusammen bleibt und nicht, weil es sie selbst irgendwo glücklich macht. So ist es ein Film zum Nachdenken und gleichzeitig zum stillen Schmunzeln, wenn Duncan merkt, dass sich Annie mit seinem großen Idol trifft. Auch der Cast aus Ethan Hawke, Rose Byrne und Chris O’Dowd harmoniert wunderbar.

Ruf der Wildnis

Ein Vorwort

Bereits 1903 erschien Jack Londons Buch über den Hund Buck, der im hohen Norden Alaskas den Ruf der Wildnis hört. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber dem vernehmen nach, soll es sehr rau und brutal sein, kurzum sehr schonungslos. Der Film ist all das nicht. Ob das Konzept des Films aufgeht und ob der CGI Hund wirklich so missraten ist, wie viele behaupten, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Buck ist ein ziemlich großer Hund, der ein sehr beschauliches Leben in Kalifornien führt. Doch gerät er in die Hände von Hundefängern, die ihn in Zeiten des Goldrausches nach Alaska bringen. Dort arbeitet er zunächst als Schlittenhund. Doch die Wildnis ruft nach ihm.

Meine Meinung

Wie nah sich der Film an die Buchvorlage hält, kann ich nicht beurteilen. Viele werfen dem Film vor sehr weich gespült zu sein. Dem kann ich vom Grundsatz her zustimmen, doch wenn man mit keiner anderen Erwartungshaltung an den Film herangeht, ist das in erster Linie nicht störend.
Problematisch sind wohl die ersten Szenen, die Buck sehr cartoonhaft vorstellen und ziemlich überzeichnet sind. Dies ändert sich, wenn Buck in Alaska landet. Zwar merkt man auch hier noch an einigen Stellen, dass Mensch oder Tier viel zu schnell nachgeben, aber es bleibt dann doch halbwegs realistisch.
Regisseur Chris Sanders inszeniert Londons Buch hier eindeutig als Kinderfilm. Zwar müssen Buck und seine Freunde einige Herausforderungen meistern und geraten in allerhand Gefahren, aber immer so, dass es trotzdem auch von den jüngeren Kindern geschaut werden kann, was die FSK ab 6 Kennzeichnung erklärt. Hierzu gehört eben auch, dass die Tiere mit vergleichsweise viel Mimik animiert wurden. Der Vergleich mit Jon Favreaus König der Löwen liegt hier nahe. Dort waren die Tiere sehr hochwertig animiert, und vor allem sehr lebensnah. Dadurch ging jedoch beinahe vollkommen die Emotionalität des Films verloren. Buck und seinen Freunden sieht man an, dass sie animiert wurden. Der Vorteil ist, abgesehen einmal vom Tierschutz, was grundsätzlich für CGI Tiere spricht, dass dadurch Mimik und Gestik so eingesetzt werden kann, dass eben auch Kinder alle Gefühle und Botschaften verstehen. Theoretisch hätte der Hund aber auch sprechen können, dass hätte auch keinen großen Unterschied mehr gemacht.
Stattdessen haben wir Harrison Ford als Erzähler. Er erzählt die Geschichte von Buck, selbst als die beiden noch nicht aufeinander getroffen sind. Auch hier wird der Zuschauer noch einmal an die Hand genommen, um das erzählte noch einmal zu verstärken. Für einen Kinderfilm nicht unbedingt falsch, der Film entfernt sich so aber immer mehr vom Erwachsenenfilm.
Letztlich bleibt Ruf der Wildnis in dieser Form eine schöne Geschichte mit tollen Landschaftsaufnahmen und einen Hund als Protagonisten, der einen mitleiden lässt. Der Witz im Film ist sehr pointiert und lässt die Kinder immer bei der Stange bleiben. Ob es die Geschichte gebraucht hätte, daraus einen Kinderfilm zu machen, ist eine ganz andere Frage. Gelungen ist es auf jeden Fall. Und daran ändert auch kein cartoonhafter Bösewicht, der mehr schlecht als recht in den Film passt.

Das Fazit

Ruf der Wildnis dürfte viele Buchleser verärgern, schafft es ansonsten aber einen schönen Kinderfilm zu produzieren, mit tollen Landschaftsaufnahmen, spannender und emotionaler Geschichte. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Ruf der Wildnis läuft seit dem 20.02.2020 in den deutschen Kinos.

Nightlife

Ein Vorwort

Dass die Deutschen immer nur Komödien auf die Kinoleinwand bringen, ist ein weit verbreitetes Klischee, das allerdings auch immer wieder gefüttert wird. Während zuletzt Enkel für Anfänger noch als Komödie vermarktet wurde, sich darunter aber ein gutes Drama verbarg, bringt uns nun Regisseur Simon Verhoeven eine sehr platte Komödie auf die Leinwand. Warum Nightlife abgesehen von ein paar guten Ideen, nur wenig kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Milo (Elyas M’Barek) und Renzo (Frederik Lau) wollen ihre eigene Bar eröffnen. Doch dafür brauchen sie Geld. Während Renzo dies beschaffen will, schafft Milo es ein Date mit Sunny (Palina Rojinski) klarzumachen, die eigentlich nach diesem Wochenende einen neuen Job in den USA antreten will. Doch das Date gerät schnell außer Kontrolle, da sich Renzo mit den falschen Leuten angelegt hat.

Meine Meinung

Man nehme zwei erfolgreiche Jungdarsteller aus Deutschland, paare dies mit einer erfolgreichen Jungschauspielerin aus Deutschland, schreibe eine ziemlich abgedrehte Handlung, eine in die möglichst viel Slapstick reinpasst und garniere dies mit Klischees. Oh und man vergesse auf gar keinen Fall die obligatorische Liebesgeschichte. Et voila Nightlife.
Aber was läuft in dem Film nun so verkehrt. Zunächst tatsächlich erstmal gar nichts. Wir haben einen sehr überzeugenden Elyas M’Barek, der sich ein eigentlich cooles Leben aufgebaut hat und nun etwas verändern will. Vom Barkeeper zum Barbesitzer. Dann haben wir einen Frederick Lau, der die Rolle des ständig besoffenen oder zugekifften Kumpel spielt. Hier fangen dann die ersten Klischees an, aber es ist alles noch nicht weiter tragisch. Als weibliche Komponente hätten wir dann jedoch Palina Rojinski. Ihre Rolle der verbitterten, aber eigentlich zutiefst romantisch veranlagten Träumerin scheint dann mehr gewollt als gekonnt reingeschrieben zu sein. Denn eigentlich beschwert sie sich in einem fort über ihren Job und vor allem über Männer und das sie mit denen ja nicht mehr zu tun haben will. Trifft dann aber auf Milo, wirft den Vorsatz über Bord, erinnert sich wieder, dass sie kein Date will, wimmelt ihn ab, stimmt dann einem Date zu, wird dabei leicht versetzt, geht aber natürlich nicht, sagt dann während des Dates immer wieder, dass sie aktuell keine Beziehung will und jetzt gehen wird, geht aber einfach nicht. Hier fangen also schon die Probleme des Films an.
Es geht weiter damit, dass Renzo (Lau) in Schwierigkeiten gerät und dann geraten beide Freunde natürlich immer weiter in Schwierigkeiten, aber Milo will auf das Date nicht verzichten und versucht dann beides unter einen Hut zu bekommen. Man kann Nightlife hier noch zu gute halten, dass er durchaus zwischendurch gute Momente hatte und einzelne Witze durchaus auch funken. Leider habe ich bei den meisten Gags zwar reflexartig gelacht, mir direkt danach aber gedacht „Was ist denn das für ein Scheiß?“. Das spricht leider nicht für die Witze, die meist plump und mit spröden One-Linern daher kommen. So sind die Szenen beim Spieleabend durchaus witzig, zeigen aber auch nur billige Klischees von Rollenspielern und stellen sie alle als kostümliebende Trottel dar. Kann man für ein paar billige Gags durchaus machen, die eigentlichen Witze aus den Szenen hätten aber auch ohne die Klischees funktioniert.
Auch die Antagonisten wurden stupide aus dem Lehrbuch für Bösewichte übernommen. Natürlich sind es erstmal Russen, einer davon möchte jederzeit gerne anderen wehtun oder sie verstümmeln. Natürlich gibt es dann das obligatorische Ultimatum. Dann gibt es als Gegenspieler natürlich auch noch die superbösen Gangsterrapper, die es natürlich nicht schaffen unsere Protagonisten einzuholen.
Und so zieht sich der Film gefühlt von einer belanglosen Szene zur nächsten, man kann keinen Charakter wirklich ernst nehmen, die wenigsten Witze zünden richtig und das große Finale ist dann nur ein weiterer enttäuschender Aspekt – du sprichst russisch? Cool, ich spreche ja auch russisch…

Das Fazit

Nightlife ist einer dieser Filme, die das Klischee, dass die deutschen nur schlechte Komödien können, einmal mehr bestätigt. Plumpe Handlung, flache Charaktere, Witze, die sich nur aus One-Liners ergeben und das wohl schwächste Finale seit langem. Dafür gibt es 02 von 10 möglichen Punkten.

Neulich in der Sneak: The Gentleman

Ein Vorwort

2014 brachte Kingsman die englische Eleganz abseits des James Bond Franchises auf die große Leinwand. Mit einer Fortsetzung und einem geplanten Prequel scheint der Film den Nerv der Zuschauer getroffen zu haben. In The Gentleman wird die Eleganz wieder aufgegriffen, allerdings nicht mehr in einem Agententhriller, sondern in einem Film über den großen Drogenbaron Britanniens. Warum der Film mich vor allem durch seinen unkonventionellen Erzählstil überzeugen konnte, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Mickey Pearson (Matthew McConaughey) hat ein großes Drogennetz in Großbritannien aufgebaut. Da er sich gerne aus dem Geschäft zurückziehen möchte, will er es an Matthew Berger (Jeremy Strong) verkaufen. Doch zu dem Zeitpunkt taucht Dry Eye (Henry Golding), ein aufstrebener Kopf in der chinesischen Mafia, auf und will das Geschäft ebenfalls kaufen. Ein Kampf um den Mann mit der größten Macht entbrennt.

Meine Meinung

The Gentleman sticht vor allem dadurch hervor, dass er sich an einem neuen Erzählstil versucht. Denn ein Großteil des Films wird erzählt indem der Privatdetektiv Fletcher (Hugh Grant) bei Pearsons Assistent Raymond (Charlie Hunnam) auftaucht und ihm den aktuellen Stand seiner Ermittlung mitteilt. Dies wird jedoch immer wieder auf die Schippe genommen – „ich hab das mal als Drehbuch verfasst, du kannst auch die Rechte kaufen“ – das der Erzählstil immer wieder etwas neues zu bieten hat. Im Prinzip geht es nur um das Gespräch zwischen den beiden, das immer wieder durch den eigentlichen Film unterbrochen wird. Das ist spannend und funktioniert nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sehr gut. Die ersten 10-20 Minuten braucht man tatsächlich um sich an den Rhythmus des Films zu gewöhnen, aber danach ist man voll drin.
Hilfreich ist wohl auch, dass Guy Ritchie hier ein Who is who in Hollywood versammelt. Matthew McConaughey, Michelle Dockery, Jeremy Strong, Colin Farrell, Charlie Hunnam, Henry Golding, Eddie Marsan und Hugh Grant geben sich hier die Klinke und geben sich schauspielerisch an keiner Stelle gegenüber den anderen eine Blöße. So funktioniert das Zusammenspiel der verschiedenen Charaktere wunderbar. Und trotz der Vielzahl an verschiedenen Namen, kann man sich die Funktion der einzelnen Charaktere wunderbar merken, denn jeder spielt einzigartig und auf andere Art, so dass man sich auf jede weitere Szene freut.
Und so versprüht der Film nicht nur britische Eleganz, sondern auch jede Menge Humor und findet sich immer wieder in den abstrusesten Situationen wieder. Diese sind jedoch so akkurat in die Handlung eingebunden, dass sie nie fehl am Platz wirken. Einziger Wermutstropfen des Films ist nur, dass Michelle Dockery als Pearsons Frau Rosalind zwar eine starke Frau an der Seite eines einflussreichen Mannes spielt, dies jedoch nur ein einer überschaubaren Anzahl an kleinen Szenen zeigen darf. Hier wäre wesentlich mehr möglich gewesen.

Das Fazit

The Gentleman kommt mit einer interessanten Erzählstruktur, spannender Handlung, großartigem Cast und einem ganz eigenen Rhythmus daher. Nach einer Eingewöhnungsphase am Anfang macht der Film einfach nur Spaß. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Birds of Prey

Ein Vorwort

2016 brachte DC uns eine Gruppe von Superschurken in die Kinos. Suicide Squad scheiterte trotz genialer Trailer an der unzusammenhängenden, platten und sinnlosen Handlung. Ob James Gunn den kommenden zweiten Teil retten kann, bleibt noch offen. 2017 versuchte es DC erneut mit einer Gruppenformation. Doch auch Justice League konnte das Ruder nicht rumreißen. Der zweite Teil ist wegen misserfolg bis auf weiteres verschoben. Nun versucht es DC erneut und nimmt dafür eine der beliebtesten Figuren aus Suicide Squad, Harley Quinn, und baut um sie eine Gruppe von Frauen auf, die alle nach Emanzipation streben. Ob Harley Quinn auch als Einzelfigur funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Harley Quinn (Margot Robbie) hat sich vom Joker getrennt. Zunächst verschweigt sie das, um weiter unter dem Schutz des Jokers zu stehen. Doch nach einer betrunkenen Befreiungstat ist sie auf einmal Freiwild. Mitten in dem Chaos bekommt sie von dem zwielichtigen Roman Sionis aka Black Mask (Ewan McGregor) den Auftrag einen Diamanten zu besorgen, der sich in der kleinen Taschendiebin Cassandra (Ella Jay Basco) befindet. Doch auch Detective Renee Montoya (Rosie Perez) versucht Cassandra zu finden. Und ganz nebenbei taucht auch noch die mit einer Armbrust bewaffnete Huntress (Mary Elizabeth Winstead) auf.

Meine Meinung

Birds of Prey trägt den Beinamen The Emancipation of Harley Quinn. Und beide Titel zeigen dann auch das Problem des Films. Denn eigentlich wäre nur Platz für eine der beiden Handlungen, aber so werden beide irgendwie in einen Film gequetscht, was beiden irgendwie zu wenig Freiraum gibt, um sich richtig zu entfalten.
Doch kommen wir zunächst zu einen der vielen Sachen, die der Film unter der Regie von  Cathy Yan, die hier ihren zweiten Spielfilm inszeniert, absolut richtig macht. Dazu gehört Harley Quinn als Person abseits der Beziehung zum Joker zu zeigen. War sie in Suicide Squad noch eher Sprüchegeber, darf sie nun gleich die ganze Geschichte erzählen. Sie tut dies als ziemlich unzuverlässige Erzählerin, da sie gerne mal ein paar Sachen verdreht oder in willkürlicher Reihenfolge erzählt. Letztlich kann man der Handlung aber trotzdem folgen. Das es immer nur sehr verschwommene Rückblenden zu ihrer Zeit mit dem Joker gibt, dürfte an der Überwerfung Warner Brothers mit Jared Leto liegen, der sich nach seiner Performance in Suicide Squad ungerecht behandelt fühlt, zumal der Jokersolofilm mit Joaquin Phoenix inszeniert wurde, statt mit ihm. Das ist zwar schade, da man dann sicher noch ein paar mehr schöne Rückblenden hätte einfügen können, der Film funktioniert aber auch so. So muss Harley Quinn zum ersten Mal auf eigenen Füßen stehen und bekommt dadurch gleich jede Menge Probleme. Allein diese Loslösung hätte schon zu einem reinen Actionspektakel werden können, hätte man den John Wick Weg gewählt. Doch soll es in diesem Film irgendwo auch noch um die Birds of Prey gehen.
Diese werden irgendwo am Rande eingeführt, obwohl ihre einzelnen Figuren in den Comics wesentlich tiefer gehen. So wurde beispielsweise Black Canary auch in der Serienlandschaft bereits mehrfach vorgestellt. In Smallville noch in ein paar kleineren Folgen als Gastauftritt, in Arrow dann auch in größeren Rollen. Hier übernimmt Jurnee Smollett-Bell die Rolle der Dinah Lance aka Black Canary, bekommt aber relativ wenig Screentime, um ihre Entwicklung richtig zu erzählen. Arbeitet sie am Anfang als Sängerin für Sionis und später als seine Fahrerin, scheint sie doch das Herz am richtigen Fleck zu haben. Dann gibt es Detective Renee Montoya, gespielt von Rosie Perez, die noch in wenigen Sätzen erklärt wird. So erfährt man, dass sie jahrelang in Beförderungen übergangen wird, weil ihre männlichen Kollegen die Lorbeeren für ihre Taten einheimsen. Die letzte im Bunde ist dann noch die mysteriöse Huntress, deren Beweggründe sehr spät offenbart werden. Allein aus der Geschichte, wie sich diese unterschiedlichen Frauen treffen und zu den Birds of Prey werden, hätte sich ein eigener Film machen können. Und genau hier liegt das Problem des Films.
Denn er erzählt diese zwei Geschichten, will an einer Stelle näher auf die Ursprungsgeschichte der Birds of Prey eingehen, versucht an einer anderen Stelle aber Harley Quinn wieder mehr in den Vordergrund zu rücken, weil sie durch ihre Bekanntheit aus Suicide Squad wohl das Zugpferd des Films sein soll. Dies gelingt ihr auch größtenteils, denn gerade Robbies absolutes Overacting bringt der Figur den nötigen Charme, um den Film eine lockere Note mitzugeben. Denn eigentlich werden so ganz nebenbei schwierige Themen versucht zu verarbeiten. Diese noch ein bisschen mehr herauszuarbeiten, hätte dem Film auch nicht wehgetan.
Ewan McGregor merkt man den Spaß am Spielen seiner Rolle auch merklich an. Hier wird versucht dem Bösewicht noch ein bisschen Hintergrundhandlung zu geben, doch letztlich schließt er sich einer Reihe absolut austauschbarer Comicbösewichte an.
Was im Film dann aber absolut gelungen ist und so ein paar Stolperer im vorherigen Abschnitt vergessen lässt, ist das großartige Finale. Hier stimmt so ziemlich alles. Die Fronten sind geklärt, es folgt ein atmosphärisches Setting, das sich gut wandeln lässt und so Abwechslung bietet und vor allem gut choreographierte Action. Das Finale ist spannend, nebenbei durch kurze Oneliner witzig und raubt einem doch immer wieder den Atem. Hier hätte man gerne mehr gesehen.

Das Fazit

Birds of Prey – the Emancipation of Harley Quinn hat zwei Schwerpunkte, die beide zu kurz kommen. Dies macht er aber mit einer großen Portion Spaß und Frauenpower wett und schafft es trotz Stolpersteine zu funktionieren. Garniert wird das mit dem besten Finale seit Endgame. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Birds of Prey läuft seit dem 07.02.2020 in den deutschen Kinos.

Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 9.4

2018 sind es ein paar mehr Filme, die ich inzwischen nachgeholt habe, demnach werde ich das Jahr wohl auch nochmal teilen. Aber hey, so langsam komme ich doch voran… Wer noch einmal die vergangenen Beiträge meiner großen Aufräumaktion in dieser Kategorie ansehen möchte, kann dies hier tun: 2014/2015, 2016, 2017

2018

1) Das Zeiträtsel

Meg Murry trauert um ihren Vater, einem Physiker, der nach einem Experiment verschwunden ist. Eines Tages stehen drei seltsame Damen vor ihrer Tür, die sie in eine andere Welt mitnehmen, zusammen mit ihrem kleinen Bruder Charles Wallace. Dort besteht die Möglichkeit, dass sie ihren Vater wiederfindet.
Klingt diese Zusammenfassung seltsam und sehr plump? Das könnte daran liegen, dass ich den gesamten Film schon beim Sehen wieder vergessen habe. Am Ende wusste ich nicht mehr, wie er angefangen hat, oder wie die Kinder wieso von a nach b kamen. Und genau das ist das Problem des Films. Er hat keine richtige Richtung, die er einschlägt, sondern hangelt sich von einer belanglosen Szene zur nächsten, versucht mit seinem Cast Eindruck zu schinden und vergisst ganz nebenbei die neue Welt auch nur ansatzweise zu erklären. Ständig wird Meg in ein neues Setting geschickt, immer nur mit wagen Andeutungen, was sie dort sehen könnte und dies manchmal vielleicht auch tut. Letztlich versteht keiner die Welt, die Andeutungen sind keine Hilfe und einem ist sehr schnell egal, was mit den Charakteren passiert. Die Protagonistin ist eigentlich nur damit beschäftigt, alle zu fragen, warum und wieso sie etwas tun soll, keine richtige Antwort erhält und es dann einfach tut. Kurzum ein absoluter Griff ins Klo aus dem Hause Disney.

2) Lady Bird

Christine McPherson (Saoirse Ronan) möchte lieber Lady Bird genannt werden. Sie wächst in einer armen Familie auf, träumt aber von größerem. Dadurch gerät sie oft mit ihrer Mutter aneinander, die denkt, dass sich Lady Bird für sie schämt.
Lady Bird ist Greta Gerwigs Regiedebut, die uns dieses Jahr den wunderbaren Film Little Woman brachte. In Lady Bird bereits bewies sie die kleinen Feinheiten eines pubertierenden Mädchens einzubauen, das den Kopf voller Träume hat und diese sich aber nicht mit den realen armen Verhältnissen ihrer Familie zusammenpassen. Dabei sind es gerade die Dialoge zwischen Mutter und Tochter, die sehr schnell eskalieren und einem doch so aus der Seele sprechen. Dabei hat Lady Bird keine große Handlung, sondern verliert sich in kleinere Episoden, unter anderem in Liebeleien mit den großartigen Lucas Hedges und Timothee Chalamet. Von fünf Oscarnominierungen konnte er leider keinen mitnehmen, spielt sich aber ganz unscheinbar in die Herzen der Zuschauer.

3) Vielmachglas

Marleens (Jella Haase) Leben stagniert. Lieber würde sie ebenso abenteuerlustig sein, wie ihr Bruder, doch stattdessen jobbt sie nach ihrem Abi in einem Kino. Erst ein Schicksalsschlag lässt sie aufwachen und sie zieht los, um in kürzester Zeit einen Dampfer in Hamburg zu erreichen. Dabei lernt sie allerhand komische Gestalten kennen.
Vielmachglas versucht sich an einem Abenteuerfilm mit tiefsinnigen Botschaften im Gewand einer Komödie. Letztlich scheitert er aber an beiden Genres. Zu platt sind die Gags, die allein dadurch zustande kommen, dass Marleen auf neue Personen trifft, wo einer abgefahrener als der nächste ist. So ist es ein Roadtrip der unspaßigeren Art, auch wenn Jella Haase merkbar alles gibt, um aus ihrem Chantal-Klischee herauszukommen. Während der Film am Anfang noch versucht irgendwo eine tiefere Ebene zu etablieren und Marleen als zwiegespaltene Person darstellt, die eigentlich gerne vorankommen möchte, sich aber nicht den nächsten großen Schritt traut. Dies wird aber schnell über Bord geworfen, um lieber mit Klischees um sich zu werfen und eine absolut austauschbare Handlung zu kreieren.

4) I, Tonya

Tonya Harding (Margot Robbie) lebt seit frühester Kindheit nur fürs Eiskunstlaufen. Ihre strenge Mutter (Allison Janney) triezt sie solange, bis sie immer besser wird und versucht sich für Olympia zu qualifizieren. Dabei hat sie ständig Eheprobleme mit Mann Jeff (Sebastian Stan). Bis heute ist ungeklärt, in wie weit sie verwickelt war, in den Angriff auf Konkurrentin Nancy Kerrigan.
Der Film erzählt sich halbwegs chronologisch und wird getragen durch Intervieweinschübe der Akteure viele Jahre nach den Geschenissen. Aber auch in der erzählten Geschichte durchbrechen die Darsteller gerne die vierte Wand. Bereits am Anfang wird durch widersprüchliche Aussagen Tonyas und Jeffs bezüglich ihrer Ehe ein sehr unzuverlässlicher Erzähler aufgebaut, der das darauf erzählte einen immer hinterfragen lässt. Da bis heute nicht final geklärt ist, wie viel Tonya wusste, legt sich der Film damit auch nicht fest, ob nun alles wirklich so stimmt. Die große Debatte um den Anschlag auf ihre Konkurrentin ist dann auch nur das große Finale des Films, der sich zuvor mit Hardings Leben von Kindesbeinen an beschäftigt und dabei vor allem mit der On/Off-Beziehung zu Jeff und ihren sportlichen Leistungen. Dabei ist der Film stark gespielt, auch wenn nur Allison Janney den Oscar dafür einheimsen konnte. Dabei schwankt man immer wieder hin und her zwischen Sympathie und Antipathie zu Tonya. So richtig fassen, kann man ihren Charakter zu keiner Zeit, was aber auch gar nicht Ziel des Films war. Insgesamt ist er stark erzählt und gespielt.

5) The Death of Stalin

1953. Stalin erleidet eine Hirnblutung, wird jedoch erst am nächsten Tag gefunden. Die Mitglieder seines Kabinetts wetteeifern nun um die Nachfolge und schmieden eine Intrige nach der nächsten.
The Death of Stalin befasst sich mit dem titelgebenden Tot Stalins und den Kampf um seine Nachfolge. Dies mischt er mit einer Menge schwarzen Humor, auch wenn einige Sachen tatsächlich historischen Tatsachen entspringen. Da niemand ohne Erlaubnis Stalins Gemächer betreten darf, wird er erst viele Tage nach seinem Schlaganfall gefunden. Da er kurz zuvor die besten Mediziner des Landes verhaften ließ, müssen nun die zweitbesten ran. Die realen Ereignissen werden gemischt mit fiktiven oder verdrehten Ereignissen. Leider schafft es der Film nicht seine Zuschauer final abzuholen, da er sich in zu vielen Charakteren mit zu vielen laufenden Intrigen verrinnt. So fällt es einem schwer mitzukommen, warum die Figuren so handeln und warum wieder etwas gemacht wird, während man sich eigentlich auf die lustigen Einschübe konzentrieren mag. Ein Film, der mehr gekonnt hätte, wenn er weniger erzählt hätte.

6) Goodbye Christopher Robin

Wer kennt nicht A. A. Milnes Werk „Puh der Bär“? Aber wer kennt auch die Geschichte dahinter, um einen traumatisierten Vater, der seinen eigenen Sohn vermarktet, weil er das beliebteste Kinderbuch überhaupt geschrieben hat? Genau davon handelt Goodbye, Christopher Robin. Wir treffen den Autor Alan Milne (Domhnall Gleeson), der nach dem ersten Weltkrieg mit sich auf keinen grünen Zweig kommt. Er zieht mit seiner Familie aufs Land und macht dort viele Spaziergänge. Als seine Frau (Margot Robbie) ausbricht und ins Stadtleben zurückkehrt, kommt er auf einmal seinem Sohn näher. Nachdem er diesem Geschichte mit seinen Kuscheltieren erzählt, kommt ihm die Idee zu seinem Buch. Doch der spätere Medienrummel nimmt weniger ihn ins Visier als vielmehr den Sohn, der für den wahren Christopher Robin gehalten wird. Während seine Eltern den Rummel zunächst ausnutzen, um möglichst viel Kapital aus ihrem Kind zu schlagen, steht nur dessen Nanny auf seiner Seite.
Goodbye, Christopher Robin befasst sich mit der Schattenseite einer traumhaften Geschichte. Ein Kind, das wenig Elternliebe bekommt, und dann noch als Marketinginstrument genutzt wird und sehr lange darunter leidet. Ein Film, der einem das Herz bricht, wo man sich immer wieder fragt, wie Eltern nur so sein können und es doch nicht schafft den Zauber der Figur Winnie Puh zu brechen. Trotz guter Schauspieler, verliert sich der Film in zu vielen langweiligen Szenen und kommt einfach nicht auf den Punkt. Dabei sind einige wichtige Szenen dabei, die aber zwischen dem ganzen drumherum verloren gehen. Schade, hier wäre mehr möglich gewesen.

Lindenberg! Mach dein Ding

Ein Vorwort

Nach den Erfolgen von Bohemian Rhapsody und Rocketman, war es nur eine Frage der Zeit, ehe der Trend der Künstlerverfilmungen auch in Deutschland ankommt. Mit Udo Lindenberg wurde der Anfang dann auch gleich mit einem der bekanntesten und vor allem interessantesten Künstlern gemacht. Ob Lindenberg mit der Konkurrenz aus Hollywood mithalten kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Udo Lindenberg (Jan Bülow) wächst in einer Familie von Klempnern auf. Das Verhältnis zu seinem Vater ist durch dessen Alkoholkonsum getrübt. Dennoch bekommt er ein Schlagzeug geschenkt, womit er fortan in verschiedenen Bands mitspielt oder in diversen Clubs als Hintergrundbeschallung. Doch Udo ist sich sicher, dass er eigentlich vor das Mikro gehört und will mit seiner eigenen Band durchstarten.

Meine Meinung

Lindenber!: Mach dein Ding richtet sich ähnlich wie die Verfilmungen zu Queen und Elton John an erster Stelle natürlich an die Fans. Blöd ist es natürlich, wenn man eigentlich wenig über die Figur weiß und neben sich einen Hardcore-Fan sitzen hat, die leider den Unterschied zwischen Kino und Couch zu Hause nicht verstanden hat und einem daher bestimmte Änderungen immer kurz vorher spoilert, aber das ist ein anderes Thema. Doch während die Konkurrenz aus Hollywood es geschafft hat, durch gute Darsteller und spannender Handlung auch das breite Publikum anzusprechen, verpasst Lindenberg irgendwo den Sprung von besoffener Möchtegernkünstler zu Weltstar. So wird einem zwar die Kindheit immer wieder nahgebracht, aber ein Großteil der Handlung sieht man Bülow nur besoffen über die Leinwand torkeln. Unterbrochen wird das von regelmäßigen Zeitsprüngen, die einen oft ratlos zurücklassen, da sie eher willkürlich als dramaturgisch sinnvoll wirken. So wird zunächst zwischen den 70er und 50er Jahren hin und her gesprungen, dann befindet man sich auf einmal in den 60er Jahren und dann wieder in den 70ern, dann in den 50ern und dann geht das Spiel wieder von vorne los. Dabei sind es nur wenige Schlüsselszenen, die einen die Figur Lindenberg und sein Verhalten irgendwo näher bringen. Während bei Rocketman eine Therapiesitzung als roter Faden für die Rückblicke herhalten konnte und Bohemian Rhapsody sich chronologisch erzählte, fehlt hier die allumfassende Rahmenhandlung.
Jan Bülow spielt Udo Lindenberg mit einer absoluten Selbstverständlichkeit, die einen durchaus an den echten Herr Lindenberg erinnert. Auch die Nebendarsteller funktionieren in ihren Rollen. Allerdings lebt keiner seine Rolle wirklich. Letztlich fehlt einfach der Funke, der eine Verbindung zwischen Zuschauer und Charaktere entfachen könnte.
Versteht mich nicht falsch. Grundsätzlich ist der Film schon spannend und es ist interessant zu sehen, wie ein Star, wie Udo Lindenberg, mal klein angefangen hat und mit welchem Hintergrund zum Beispiel ein Cello angefangen hat. Aber diese kleinen Informationshäppchen und die tiefgründigen und guten Momente werden unter einer Wolke aus Alkohol begraben. Der Film hätte einfach so viel mehr gekonnt, wenn er auf das wesentliche zusammengekürzt worden wäre und sich mehr an einem roten Faden orientieren würde. So wirkt er gerade durch die starke Konkurrenz der letzten Jahre eben doch eher zusammenhanglos hingeschustert.

Das Fazit

Lindenberg: Mach dein Ding hat eine spannende Grundhandlung, die sich leider unter zu vielen Szenen versteckt, in denen Hauptdarsteller Jan Bülow einfach nur betrunken durch die Gegend torkelt. Ohne roten Faden und mit zu vielen Zeitsprüngen kann der Film beim Zuschauer leider nur wenig punkten. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Lindenberg: Mach dein Ding läuft seit dem 16.01.2020 in den deutschen Kinos

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

Ein Vorwort

Dr. Dolittle ist für viele immer noch Eddie Murphy und wird sich wohl auch nicht ändern. Der Arzt, der mit Tieren sprechen kann, sorgte für einige heitere Momente. Als die Ankündigung kam, dass niemand geringeres als Robert Downey Jr. ihn beerben würde, sorgte zumindest bei mir für Jubelrufe. Auch die Trailer sahen spannend und interessant aus, mein Interesse war mehr als geweckt. Warum mich die fantastische Reise des Dr. Dolittle dann enttäuschte, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Dr. Dolittle (Robert Downey Jr.) hat sich komplett von der Außenwelt zurückgezogen und lebt auf seinem Anwesenheit nur noch in Gesellschaft seiner Tiere. Bis er eine dringende Nachricht aus dem Schloss bekommt, denn die Königin liegt im Sterben. Um sie zu retten, muss er eine sehr seltene Frucht finden. Auf der Suche nach dieser, starb jedoch seine Frau.

Meine Meinung

Man nehme eine traurige Vorgeschichte, um sich dann dem gescheiterten Helden zu widmen. So beginnt fast jede Disney-Geschichte und auch hier ist es nicht anders. Doch die gezeichnete Vorgeschichte ist dann auch schon fast das beste am ganzen Film und das sollte einem doch Grund zur Sorge geben.
Das liegt wohl vor allem daran, dass die Handlung sehr vorhersehbar ist, da sie sich strikt am Schema jedes Abenteuerfilms orientiert. Man wusste genau, wann ist der Held wirklich in Gefahr und wann nicht. Auch brauchte er natürlich einen Sidekick, diesmal in Form eines kleinen Jungen, den der menschenscheue Dolittle natürlich nicht bei seiner Reise dabei haben will, die das Drehbuch aber partout irgendwie an Bord kriegen musste. So wird auf konstruierteste Weise der Junge doch noch an Bord gebracht und natürlich mussten sie sich relativ schnell anfreunden. Alles irgendwo vorhersehbar. Auch im weiteren Verlauf bleibt alles auf einfachste Weise dargestellt, so dass an keiner Stelle wirklich Spannung aufkam, weil man eigentlich wusste, wie das Ganze ausgeht. Und tatsächlich wird bis zum Ende auf alle Überraschungen verzichtet.
Auch die Witze funktionieren in dem komödiantisch angelegtem Abenteuerfilm nur sehr selten. Am Anfang werden noch versucht ein paar running gags einzuführen, wie ein Eichhörnchen, das auf Rache schwört. Doch auch diese werden nicht konsequent durchgehalten und sind bereits in der Mitte des Films wieder vergessen.
Robert Downey Jr. versucht durch sein Spiel dem Film dann noch irgendetwas zu geben. Leider spielt er da gegen ein grottiges Drehbuch an, das er mit seinem verzweifelten Overacting auch nicht mehr retten konnte. Ihm gegenüber steht ein Michael Sheen, der eigentlich perfekt für die Rolle scheint, nur leider ist die Rolle noch plumper geschrieben, als alle anderen. Auch hier versucht Sheen zu retten, was zu retten ist, kann aber wenig ausrichten. Harry Collett als Tommy Stubbins scheint sowieso nur reingeschrieben worden, um alle Abenteuer noch einmal mit einem kindlichen Staunen zu versehen. Als ob der Zuschauer noch eine Anleitung bräuchte, wann er Staunen soll und wann er um seine Helden zittern soll. Oh und natürlich um durch enge Gitter zu kommen. Denn eigentlich funktionieren die Tiere als Helfer Dolittles. Wenigstens hier wird versucht unterschiedliche Charaktere einzuführen und einige funktionieren dabei auch. Am genialsten ist wohl der Tiger mit Mutterkomplex. Dies war dann auch die einzige Szene, die mir wirklich gefallen hat, die überraschend und spannend war und sich auf ein paar gute Dialoge verstand, die einem wirklich mal zum lachen brachten.

Das Fazit

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle hat viel versprochen und wenig gehalten. Plumpe Charaktere treffen auf vorhersehbare Handlung, die eigenen running gags werden vergessen auszuspielen und irgendwo fehlt es dem Film einfach an allem. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle läuft seit dem 30.01.2020 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: Bombshell

Ein Vorwort

Die #metoo Debatte ist zwar etwas abgeflaut, aber trotzdem nicht minder wichtig. Pünktlich zu einer Oscarverleihung, in der wieder jede Regisseurin übergangen wurde, kommt ein Film über den Skandal der sexuellen Belästigung bei FOX News.

Die Handlung

Gretchen Carlson (Nicole Kidman), Moderatorin bei FOX News, verklagt den CEO des Senders, Roger Ailes (John Lithgow) wegen sexueller Belästigung. Die Frage ihrer Anwälte ist nun, ob sich weitere Frauen melden, die ihre Geschichte bestätigen können. Zum Beispiel Megyn Kelly (Charlize Theron) das Aushängeschild des Senders, oder die ambitionierte Kayla Pospisil (Margot Robbie).

Meine Meinung

Bombshell trägt den passenden Beititel „Das Ende des Schweigens“. Denn viele der betroffenen Frauen haben am Ende Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnet und können so ihre eigene Geschichte nicht mehr erzählen. Dies wird jedoch umgangen, in dem beispielsweise die fiktive Rolle der Kayla, gespielt von Margot Robbie, eingeführt wurde, um eben all diesen Frauen eine Stimme zu geben. Dies hat sich niemand geringeres als Drehbuchautor Charles Randolph auf die Fahne geschrieben, der an ähnlichen anklagenden Projekten mitgearbeitet hat, wie The Big Short. Regie übernahm Jay Roach, der vielen durch die Austin Powers Filme bekannt sein dürfte, in der Vergangenheit aber auch ernstere Filme, wie Trumbo, gemacht hat.
Randolph verzichtet hier jedoch fast gänzlich auf die charakterisierenden Erklärungen aus den eben genannten Projekten. In The Big Short wird es durch eine Off-Stimme gemacht mit prominenten Einschüben in ungewöhnlichen Szenen. In Bombshell erzählt uns Protagonistin Megyn Kelly (Charlize Theron) noch die wichtigsten Infos. Wie ist das Gebäude von Fox News aufgeteilt, welche Aufgabe hat Roger Ailes, was hat es mit den durchsichtigen Tischen auf sich. Danach wird genau darauf verzichtet. Und genau hier liegt das Hauptproblem von Bombshell. Der Zuschauer wird mit einer Sturmflut von Namen und Personen überrollt, dass man sie sich einfach nicht merken kann. In Erinnerung bleiben lediglich die aus dem Trailer bekannten Rollen von Kidman, Robbie, Theron und Lithgow. Eine Allison Janney oder eine Kate McKinnon erkennt man durch die prominente Besetzung zwar noch wieder, doch könnte ich beim besten Willen nicht mehr sagen, wie ihre Rollen hießen. Und während man noch die ganzen Charaktere verarbeitet und sich wieder fragt, wer war das nochmal und welche Funktion hatte die nochmal, beginnt die Geschichte an sich. So tauchen am Ende Figuren auf, die einem am Anfang einmal vorgestellt wurden, von denen man aber zu dem Zeitpunkt einfach nicht mehr weiß, wie die in das Bild passen. Garniert wird das ganze dann noch mit mehreren Zeitsprüngen, die zwar versucht wurden auf einer Zeitlinie darzustellen, die dem Zuschauer aber auch wenig hilft. Wirklich erkennbar, wie viel Zeit vergangen ist, erkennt man eher an Therons Frisur.
Und das der Film die Zuschauer durch die verwirrend erzählte Handlung so verliert, ist bei diesem Film absolut schade. Denn Bombshell hat nicht nur ein wichtiges Thema zu erzählen, sondern auch ein erschütterndes. Dabei sind es gerade die kleinen Szenen, die einen tief treffen. Wenn eine Gruppe von Moderatorinnen sich ankleiden und sich dabei, trotz eigentlich perfekter Figuren, noch in Shapewear pressen müssen und durch die hohen Schuhe sich bereits Blasen blutig gelaufen haben und diese mit einem einfachen Pflaster überdecken, um sofort wieder auf Sendung sein zu können, dann prangert das mehr an, als nur einen Roger Ailes. Aber genau solche Momente werden einfach übergangen und mit der Haupthandlung weitergemacht.
Vor allem die Rolle von Charlize Theron wird hier in den Vordergrund gerückt. Am Anfang ist sie noch die taffe Frau, die sich mit Donald Trump als Präsidentschaftskandidat anlegt, nach einem Jahr Dauerkritik aus Reihen der Republikaner, ist sie so fertig, dass sie nachgiebig wird, einfach nur damit sie wieder ihre Ruhe kriegt. Und genau in dieser Zeit soll sie die Entscheidung fällen, ob sie sich Gretchen anschließt und ebenfalls aussagt. Diese innere Zerissenheit spielt Theron grandios. Auch Margot Robbie als Kayla, die symbolisch für alle betroffenen Frauen steht, spielt ihre Rolle, hin- und hergerissen zwischen Ekel vor sich selbst und Karrierewunsch, absolut sehenswert. Lediglich Nicole Kidman als Gretchen bleibt ein wenig blass, was aber auch an ihrer relativ geringen Screentime liegen könnte.
So bleibt Bombshell weit hinter seinen Möglichkeiten, versteckt sich hinter starken Darstellerinnen und vielen guten kleinen Momenten, schafft es aber nicht das große und ganze zusammenhängend zu erzählen und den Zuschauer bei der Stange zu halten. Schade um das Thema, das doch leider so wichtig ist.

Das Fazit

Bombshell – das Ende des Schweigens blickt nicht nur hinter einen Skandal der sexuellen Belästigung, sondern geht thematisch noch tiefer. Leider wird sich für die kleinen wichtigen Momente zu wenig Zeit genommen und der Zuschauer so sehr mit Charakteren und Zeitsprüngen zugeschüttet, das wenig im Gedächtnis bleibt. Hier wäre weit mehr möglich gewesen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Bombshell läuft seit dem 13.02.2020 in den deutschen Kinos.

Enkel für Anfänger

Ein Vorwort

Trailer werden gemacht, um den Zuschauer zu zeigen, was ihm im gezeigten Film erwarten könnte und vor allem um die Lust am Kinobesuch für den Film anzuregen. Doch Trailer können auch tückisch sein. Entweder verraten sie schon viel zu viel, oder zeigen, gerade bei Komödien, bereits die besten Szenen vorab. Und manchmal teasern sie einen Film an, der eigentlich eine ganz andere Richtung einschlägt. Warum Enkel für Anfänger eigentlich gar keine Komödie ist, wie im Trailer angedeutet, als Drama aber doch funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Karin (Maren Kroymann) ist ihrem Mann zu Liebe in Frührente gegangen und langweilt sich nun zu Hause zu Tode, zumal ihr Mann die versprochene Reise doch nicht antreten will. Als ihre Schwägerin Phillipa (Barbara Sukowa) sie überredet sich auch für „Enkeldienst“ anzumelden, bei dem einen ein Patenenkel zugeteilt wird, stimmt sie trotzig zu. Auf dem Weg trifft sie einen alten Bekannten Gerhard (Heiner Lauterbach), der eigentlich nur die Asche seines toten Hundes verstreuen will, den sie kurzerhand auch zum Enkeldienst anmeldet. Auf die drei Paten warten allerhand Zerstreuungen.

Meine Meinung

Wäre Enkel für Anfänger die Komödie, die der Trailer angedeutet hat, dann hätte der Film hinten und vorne nicht funktioniert. Die Witze sind dafür zu kurzlebig, werden nicht richtig ausgespielt und sind oftmals auch einfach sehr platt oder leben von Vorurteilen bzw. Klischees. Doch Regisseur Wolfgang Groos schafft es unter der Komödie ein Drama zu verstecken. Denn hinter jedem Paten steckt eine traurige Geschichte, mit der sie im Laufe des Filmes aufräumen müssen, ohne sich jedoch komplett zu wandeln.
So haben wir zum Beispiel Karin, die einen Großteil ihres Arbeitsleben sich auf die Rente gefreut hat, weil ihr Mann dann endlich mit ihr nach Neuseeland reisen wollte. Doch dieser ist eigentlich ganz glücklich in ihrem eingespielten Leben, baut lieber an seiner Modelleisenbahn rum und genießt die Ruhe. Außerdem sei Neuseeland viel zu teuer und vielleicht brauchen sie irgendwann mal einen Treppenlift. Gleichzeitig bereut Karin es, niemals Kinder bekommen zu haben.
Ihre Schwägerin Phillipa hingegen liebt das einfache Leben. Ihr Zuhause ist ein Bauwagen und sie geht gerne ganz locker mit den Kindern um. Erst nach und nach erfährt man, dass sie eine eigene Tochter und auch eine eigene Enkelin hat, aber der Kontakt abgebrochen ist. Mit dem Enkeldienst versucht sie die Lücke zu füllen.
Gerhard hingegen ist schwul und konnte daher nie Kinder bekommen, hatte aber auch nie Ambitionen dazu. Da sein Mann bereits gestorben ist, und nun ganz frisch auch sein Hund, fühlt er sich zunehmend einsamer. Zunächst ist er gar nicht glücklich Karin wieder über den Weg gelaufen zu sein und dann auch noch zum Patenenkel gedrängt wurde.
Enkel für Anfänger ist immer dann besonders stark, wenn er möglichst wenig sagt. Wenn er einfach nur auf die drei Paten hält und man ihnen die Einsamkeit in jeder Pore anmerkt und wie sehr sie die Enkel verändern, ohne das sie je ihre Persönlichkeit komplett wenden. Gerhard ist am Ende immer noch ein wenig miesepetrig, aber hat sich doch weiter entwickelt.
So sind es gerade die ungewöhnlichen Beziehungen zwischen Paten und Enkel, die den Film spannend machen. Eigentlich wartet man nur auf die große Katastrophe, da der Film doch sehr simpel nach dem gängigen Dramenaufbau konzipiert wurde. Doch entstehen auch zwischendurch immer wieder Situationen, die der Zuschauer erst einmal verdauen muss. Wenn Gerhard zum Beispiel als Pädophiler hingestellt und von der Polizei mitgenommen wird, dann ist das unfassbar erschreckend, zeigt aber leider auch irgendwo ein Stück Realität, versteckt hinter ein paar Witzen. Die Tragweite vieler kleiner Andeutungen wird dem Zuschauer wohl erst am Ende noch einmal richtig bewusst. So ist der Film eigentlich sehr intensiv, versucht sich aber doch immer noch hinter ein paar Witzen zu verstecken und erzeugt eine so doch grundsätzlich heitere Stimmung. Neben vielen sehr ernsten Ansätzen über Einsamkeit und überforderte Eltern, gibt es dann natürlich auch übertriebene Klischees. Gerade die Ökoeltern sind so übertrieben und überfürsorglich dargestellt, dass Themen, wie Bioernährung wieder heruntergespielt werden.

Das Fazit

Enkel für Anfänger ist ein gutes Drama, das sich hinter einer schlechten Komödie verbirgt. Grundsätzlich versucht er es mit guter Laune zu erzählen, schafft es aber gerade in den kleinen ernsten Momenten sich von der breiten Masse abzuheben. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Enkel für Anfänger läuft seit dem 06.02.2020 in den deutschen Kinos.