Eine Handvoll Filmkritiken

Natürlich gibt es in diesen Zeiten größere Probleme als geschlossene Kinos und natürlich sind die Maßnahmen auch sinnvoll, aber dennoch vermisse ich die regelmäßigen Kinogänge. Und umso größer wird die Liste meiner im „Heimkino“ gesehenen Filme. Und daher wird die Kategorie „eine Handvoll“ nun auch um den Bereich Filme erweitert. Hier soll es nun um Filme gehen, die ich zu Hause gesehen habe und die nicht in der Kategorie Verpasst, aber nicht vergessen auftauchen. Vielleicht ist ja die ein oder andere Filmempfehlung dabei und ich versuche auch dazuzuschreiben, über welche Streamingdienste die Filme abrufbar sind (vorausgesetzt das sie es sind und nicht aus meinem DVD-Stapel sind). So das nächste Mal sollte die Einleitung wieder kürzer werden.

The Final Girls (2015)

Die Handlung: Max Carthwright betrauert noch immer den Tod ihrer Mutter, die eine Schauspielerin war und deren größte Rolle die naive Nancy aus dem Slasher „Camp Blutbad“ war. Nun soll es zum dritten Todestag ihrer Mutter ein großes Screening der beiden Camp Blutbad-Teile geben, für die Max eingeladen wurde. Doch durch ein paar unglückliche Zufälle landen sie und ihre Freunde unerwartet im Film. Sie wissen genau, dass es ein Final Girl geben muss, doch wer von ihnen wird es sein?

Meine Meinung: The Final Girls verbindet spielerisch die klassischen Elemente eines Slasher-Films und die einer Komödie. So ist Camp Blutbad wohl eines der klischeebelasteten Slashers – was wohl auch gewollt war – inklusive des Dummchens, der naiven Gitarrenspielerin und des Aufreißers. Das ganze beginnt natürlich mit einer gruseligen Lagerfeuergeschichte, die leider Realität wird. In dieses Szenario stolpern die Freunde rund um Max, die den gesamten Film und daher auch das Ende kennen. Und dann wird gekonnt mit genau den Klischees gespielt, etwa, wenn die Freunde beschließen sich einfach an das Final Girl ranzuhängen, damit sie alle überleben. Dass das Ganze dann doch nicht so einfach ist, wird schnell klar. Dabei wird das Horrorgenre und gerade die Slasher zwar ziemlich aufs Korn genommen, aber alles noch mit Niveau. Es gibt keine billigen Scary Movie Witze, sondern ausgereifte, auf die hingearbeitet wurde. Dazu gehören natürlich auch die verschiedenen Charaktere, die für eine gute Mischung sorgen.

The Final Girls ist bei Amazon Prime zum Lauf oder zum Leihen verfügbar. Nicht in der Flatrate enthalten.

Elliot, das Schmunzelmonster (1977)

Die Handlung: Pete ist Waise und wurde von den Gogans aus dem Waisenhaus frei gekauft. Diese leben auf einer Farm und nutzen Pete für die schweren Arbeiten und schlagen ihn dabei oft. Als Pete den Drachen Elliot kennen lernt, schafft er es zu fliehen und landet in dem Ort Passamaquoddy. Elliot kann sich unsichtbar machen und erscheint meistens nur für Pete, was diesem viel Ärger einbringt. Nur der Leuchtturmwärter Lampie und dessen Tochter Nora schließen Pete sofort ins Herz und nehmen ihn zu sich. Da kommt der Quacksalber Dr. Terminus in die Stadt und auch die Gogans tauchen auf der Suche nach Pete auf. Chaos ist hier vorprogrammiert.

Meine Meinung: Und jetzt alle: „Ich schau dich nur an und das macht mich fröhlich..“. Elliot, das Schmunzelmonster ist ein fröhlicher Familienfilm, der sich eigentlich mit einer harten Kindheit beschäftigt. Während Pete Waise ist und bei seinen Adoptiveltern nur ausgenutzt und misshandelt wurde, sind Lampie und Nora die ersten netten Menschen. Denn auch die anderen Bewohner in Passamaquoddy stehen ihm sehr skeptisch gegenüber, da Elliots Tollpatschigkeit für seine gehalten wird. So schwankt der Film immer wieder zwischen lustigen und fröhlichen Szenen und traurigen. Das ganze wird jedoch mit einem zuckersüßen Schmunzelmonster überspielt, um so den üblichen Disneyton zu treffen. Ein Film für alle, die sich schon einmal einsam gefühlt haben und sich dann einen Freund wünschten. Ein Film, der die Hoffnung hoch hält, dass es für alle ein liebevolles Zuhause gibt.

Elliot, das Schmunzelmonster ist bei Disney+ in der Flatrate enthalten.

Susi und Strolch (2019)

Die Handlung: Cockerspaniel Susi wächst bei Darling und Jim Dear behütet auf. Als sie eines Tages den Streuner Strolch trifft, ist sie zunächst von ihm und seiner Sichtweise abgeschreckt. Doch dann bekommt Darling ein Baby und Susi ist auf einmal nicht mehr die Nummer Eins. Wirklich schlimm wird es doch erst, wenn Tante Clara mit ihren Katzen zu Besuch kommt. Denn die Katzen sind ziemlich durchtrieben und Susi wird am Ende beschuldigt und soll ein Maulkorb bekommen. Als sie flieht, begegnet sie wieder Strolch, der ihr helfen will nach Hause zu kommen.

Meine Meinung: Während der Originalfilm von 1955 78 Minuten ging, wird hier versucht exakt die gleiche Handlung in 104 Minuten zu stecken. Dementsprechend wirkt es einfach nur wie ein Film, der mit sinnlosen Füllszenen gestreckt wurde. So eine Fahrt mit einem Schaufelraddampfer, die weder die Handlung voranbringt, noch zur Charakterisierung beiträgt. Wobei sich diesmal gerade um  eine tiefergehende Charaktersierung Strolchs bemüht wurde. So erfährt man, warum er Streuner ist. Gleichzeitig wird er aber auch verbitterter und unloyaler gezeigt, was vor allem in dem umgetexteten Lied von „Strolch ist toll“ zu „So ein Strolch“ zu sehen ist. Während 1955 noch gesungen wurde „und ich wünschte nur, dass er mit mir geht“, heißt es nun „und eins ist klar, er ändert sich nie“. Desweiteren hadert der Film wieder mit seiner realistischen Animation der Tiere. Wie schon bei König der Löwen sind die Hunde nun äußerlich sehr unemotional, was mit der Synchronisation versucht wurde zu überdecken. Und während man im Original noch dahinschmolz, wenn die berühmte Spaghettiszene kommt, wirkt sie nun vollkommen fehl am Platz. So schafft es die Neuverfilmung nicht, richtige Neuaspekte einzubringen, zeigt sich zwar leicht kritischer über Strolchs Charakter, entschuldigt das aber sofort wieder mit seiner Vorgeschichte. Stattdessen wird die Handlung unnötig gestreckt und ist erneut eine vollkommen sinnlose Neuverfilmung aus dem Hause Disney.

Susi und Strolch (beide Versionen) sind bei Disney+ in der Flatrate enthalten

The Aeronauts (2019)

Die Handlung: 1862 will Meterologe James Glashier mit einem Heißluftballon einen neuen Rekord aufstellen, um seine Forschungen zur Wettervorhersage zu verbessern. Dafür wirbt er die Witwe Amelia Wren an, die Pilotin ist. Doch in eisiger Höhe kommt es zu einigen Problemen.

Meine Meinung: The Aeronauts basiert auf wahren Ereignissen rund um den Meterologen James Glashier. Seine Begleitung Henry Coxwell wurde im Film durch die fiktive Amelia Wren ersetzt, die sich an realen Pilotinen und Abenteuerinnen orientiert. Grundsätzlich bin ich ja ein Fan, wenn in einem Film Frauenpower demonstriert wird, jedoch schafft es Felicity Jones nicht diese auch umzusetzen. Zwar ist sie es, die in brenzligen Situationen den Überblick behält, ist dabei aber absolut unsympathisch und wirkt in der Mimik und Gestik regelrecht fehl am Platz. Ihr Gegenüber steht ein Eddie Redmayne, der seine Figur gewohnt minimalistisch auslegt und durch Schüchternheit glänzt. Hinzu kommt, dass der Film mit 101 Minuten Lauflänge gefühlt in Echtzeit gezeigt wird und nur durch einzelne Rückblenden unterbrochen wird. Da allerdings auch auf genauere Details von Glashiers Forschungen komplett verzichtet wird, lieber darf Redmayne mit einigen seltsamen Instrumenten rumfuchteln, hat der Film nicht genug Material für die Lauflänge, was dazu führt, dass er größtenteils vollkommen uninteressant ist. Und die wenigen spannenden Szenen schaffen es dann auch nicht mehr einen Spannungsgrad zu erzeugen.

The Aeronauts ist bei Amazon Prime in der Flatrate enthalten

Isn’t it romantic (2019)

Die Handlung: Natalie ist Architektin, wird aber nicht richtig ernst genommen und gerne ausgenutzt. Während ihr Kollege Josh immer an ihrer Seite steht, trifft Natalie den ungehobelten reichen Josh. Da Natalie nichts mit romantischen Komödien anfängt und darüber bei ihrer Assistentin herzieht, ist es für sie ein wahr gewordener Albtraum als sie nach einem Unfall in eben so einer aufwacht. Nun muss sie versuchen einen Weg zurückzufinden.

Meine Meinung: Zum Abschluss hier erneut ein Film, der sich einem Genre annimmt, in diesem Fall romantische Komödien, und diese so verdreht, dass alle Klischees aufgedeckt werden. Dabei ist es gerade die Liebe zum Detail, die einen immer wieder zum schmunzeln bringt. Wenn Natalie auf einmal in New York ein großes Appartement hat, wenn sie im Off mit sich spricht und immer wenn sie ihn braucht, der beste Freund auftaucht. Und wer glaubt, dass man den Ausgang komplett vorhersehen kann, dann mag das zwar über weite Strecken der Fall sein, aber eben doch nicht komplett. Rebel Wilson gibt sich hier weniger derbe als in anderen Filmen, bringt aber gleichzeitig neuen Wind mit. Liam Hemsworth variiert im Original je nachdem ob Realität oder alternative Welt seinen Akzent von britischem zu australischem. Dies wurde in der deutschen Synchronisation mit deutschem und österreichischem Akzent übernommen, was für einige etwas befremdlich wirken kann. Letztlich ist es eine schöne Komödie für zwischendurch, in der sich die romantischen Klischees verstecken und doch komplett anders ist.

Isn’t it romantic ist bei Netflix in der Flatrate enthalten

Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 9.6

Meine große Aufräumaktion in dieser Kategorie läuft gut, immerhin bin ich nun bereit für die Filme aus 2019. Auch diese teile ich wieder in zwei Teile, womit hier 2019.1 kommt. Hier noch einmal die vorherigen Beiträge in der Übersicht: 2014/2015, 2016, 2017, 2018.1, 2018.2

2019:

1) Die Frau des Nobelpreisträgers

Joe Castleman erhält den Literaturnobelpreis. Zusammen mit seiner Frau Joan und seinem Sohn reist er nach Stockholm zur Übergabe. Während alle ganz begeistert von seiner Anwesenheit sind, wird Joan als Anhängsel abgestempelt, obwohl sie selbst Literatur studiert hat. Nach und nach versinkt sie in ihre Erinnerungen, als ihr klar gemacht wurde, dass Frauen in der Literaturbranche keine Chance haben. Dann taucht Nathaniel Bone auf, der ein großer Fan Joes ist und gerne dessen Biographie schreiben möchte, jedoch abgewiesen wird. Im Zuge seiner Recherche scheint er jedoch herausgefunden zu haben, dass Joan die Bücher eigentlich geschrieben habe und nur unter dem Namen ihres Mannes veröffentlicht. Ein Ehestreit nimmt seinen Lauf.
Während Glenn Close für ihre Darstellung der Joan Castleman noch einen Golden Globe gewinnen konnte, unterlag sie bei der Oscarverleihung Olivia Coleman und ihre Darstellung von Queen Anne in The Favourite. Dennoch leitet sie durch den gesamten Film. Hinter der sehr minimalistisch angelegten Mimik liegt so viel Bedeutung, die erst im fortschreitenden Film deutlich werden. Auch der ganze Film ist sehr ruhig angelegt, einzig durch Nathaniel Bones auftauchen, merkt man, dass etwas im argen ist. Und während man am Anfang noch vermutet, dass es bei Joan einfach die Verbitterung darüber ist, hinter dem Rampenlicht ihres Mannes zurückzubleiben, merkt man schnell, dass noch viel mehr dahinter steckt. Die Auflösung dessen lässt den Film noch einmal in einem ganz anderen Licht erscheinen und ist so auch gleich ein herausragendes Werk über die lange Unterdrückung der Frau.

2) Fahrenheit 11/9

Michael Moore ist zurück. In Fahrenheit 9/11 befasste er sich mit den Terroranschlägen vom 11.September 2001. Mit diesem 2004 erschienen Film sollte dieses Werk nicht verwechselt werden, auch wenn die Titel sehr ähnlich klingen. Denn am 09. November 2016 gewann Donald Trump die Präsidentschaftswahl der USA. Wie es dazu kommen konnte, will Moore nun untersuchen. Dafür stellt Moore einige wacklige Theorien auf. Letztlich konzentriert er sich darauf zu zeigen, wie sowohl Republikaner als auch Demokraten das Land immer wieder enttäuscht haben. So waren Dronenabschüsse unter Obama übrigens am höchsten. Dafür zeigt er erschreckende Bilder aus seiner Heimatstadt Flint, redet mit Beteiligtem am großen Schulstreik in West Virginia und den Schülern nach dem Parkland-Amoklauf. Aber auch politische Machenschaften will er aufdecken und erklärt seine Theorie, wie Hillary Clinton überhaupt die Kandidatin der Demoktraten werden konnte.
Bei Michael Moore muss man durchaus vorsichtig sein. Denn zwar spricht er auch diesmal wieder spannende Punkte an, doch hinterfragt er nichts kritisch, sondern stellt seine Überlegungen als Fakten hin. Während sein vorletzter Film Where to invade next seine Überlegungen durchaus auf humoristische Weise unterstrichen werden, fehlt diesem Film jeglicher Humor – wenn man mal von ein paar abstrusen Überlegungen absieht. So ist der Film in seiner Recherche nicht nur fragwürdig, sondern auch in weiten Teilen sehr langsam. Kein Wunder, dass das Einspielergebnis das niedrigste eines Moore Films ist.

3) Crawl

Haley erreicht ihren Vater nicht. Da dieser in Florida lebt und dort eine Hurrikanwarnung der Stufe 5 herausgegeben wurde, macht sie sich trotz Evakuierung der Region mit Straßensperren auf den Weg. Sie findet ihn verletzt unter ihrem Haus. doch beim Versuch ihn zu retten, macht die Bekanntschaft mit  ein paar Alligatoren, sie sich ebenfalls im Keller eingenistet haben. Und sie Alligatoren sind hungrig.
Bei diesem Film ist es sehr wichtig, dass man alles, was man über das Verhalten von Alligatoren gelernt hat, vergisst. Denn er funktioniert wirklich nur, wenn man sie als Killermaschinen ansieht, die alles fressen wollen, was sich bewegt. Auch im weiteren kommt der Film nicht ohne ein paar Logiklöcher aus und einer starken Verharmlosung von Verletzungen – wenn ich meinen Arm in das Maul eines Alligators stecke, um ihn zu erstechen, dann ist mein Arm ab. AB! Im Film sind es jedoch nur ein paar kleine Zähneritzer. Aber wenn man über all dies hinwegsehen kann, dann bietet Crawl auf 88 Minuten Länge spannungsgeladenen Tierhorror vom feinsten. Denn trotz niedrigem Budget kann der Film sehr ansehliche Effekte bieten. Man verfolgt einen Überlebenskampf, der es in sich hat.

4) Late Night

Katherine Newbury ist eine erfolgreiche Moderatorin einer Late Night-Show. Doch ihre Einschaltquoten sinken und ihre Show soll nun der Comedian Daniel Tennant übernehmen, den Newbury jedoch für seinen Fäkalhumor verachtet. Denn obwohl sie durch ihre Sendung ein starkes Symbol für die Frauen in der Branche sendet, besteht ihr gesamtes Schreiberteam aus Männern. Das soll sich so schnell wie möglich ändern und so wird Molly Patel eingestellt. Da sie aber absolut keine Erfahrung in der Branche hat, wird sie eher belächelt. Doch Molly hat große Ambitionen und versucht sich durchzubeißen.
Ich will mal ein paar bekannte Namen der amerikanischen Late Night-Szene aufzählen: Jimmy Kimmel, Jimmy Fallon, Trevor Noah, Seth Meyers, Stephen Colbert und James Corden. Was haben alle gemeinsam? Genau, es sind Männer. Genau dieser Thematik nimmt sich Late Night an, geht jedoch noch ein bisschen weiter und stellt die These auf, das selbst wenn eine Frau moderiert im Hintergrund immer noch die Männer die Show schreiben würden. Die Kritik an dem gesamten System wird hier jedoch in einer süße Komödie versteckt. So gut die Ansätze im Film auch sind, es bleibt die Spitze des Eisbergs, die angesprochen wird. Davon aber abgesehen, macht Late Night deutlich Spaß beim Sehen, auch wenn die Gagdichte relativ gering ist.

5) Tolkien

J.R.R. Tolkien ist ein Waisenjunge, der sich seinen Weg bis aufs College erkämpfen muss und schließlich im ersten Weltkrieg kämpft. Der Film verfolgt seinem Weg über sein Studium, bei dem er seine eigene Sprache erfindet, die schließlich in seinem Roman Der Herr der Ringe verarbeitet wird. Dabei geht es um seine Kameraden aus Kindheitstagen und seine große Liebe Edith Bratt.
Wenn man an den Namen Tolkien denkt, denkt man automatisch an wunderbare Geschichten aus Mittelerde. An große Schlachten, aber auch an die vielen kleinen Geschichten über Freundschaft. So erwartet man eigentlich, dass in so einem biographischen Film unweigerlich die Ideen für diese Welt durch die Geschichte entstehen. Dies ist hier tatsächlich nicht der Fall und bis auf wenige Ausnahmen gibt es überhaupt keine Anspielungen auf das literarische Schaffen Tolkiens. Dafür wird dessen Kindheit und Jugend ziemlich genau unter die Lupe genommen. Hier entsteht durchaus eine spannende Geschichte über Freundschaft und das Erwachsenwerden. Einen Großteil nimmt auch die Liebesgeschichte zu Edith Bratt in Anspruch. So bekommt man zwar einen schönen Film, aber eben nicht den, den man erwartet hat.

The Green Mile – Buch & Film

Ein Vorwort

Das Stephen King Verfilmungen nicht immer funktionieren zeigte zuletzt das Friedhof der Kuscheltiere Remake. Das sie aber auch durchaus funktionieren können, dürften die Verurteilten bewiesen haben – auch wenn ich die Buchvorlage dazu bisher noch nicht gelesen habe. Nun kannte ich The Green Mile bereits als Film, aber noch nicht als Buch. Dies habe ich nun nachgeholt und will hier einmal beide Medien gegenüberstellen.

Die Handlung

Paul Edgecombe arbeitet im Gefängnisblock E von Cold Mountain, in dem sich der elektrische Stuhl befindet. 1932 kommt John Coffey in diesen Block. Er soll zwei Mädchen vergewaltigt und getötet haben. Doch von Anfang an kommt Paul die Sache komisch vor. Doch er hat größere Probleme. Etwa den bösartigen Wärter Percy Wetmore, der alle durch seine Beziehungen nach Washington in Schach hält. Oder auch Billy Wharton, den verrückten und bösartigen Insassen. Doch mit Coffeys Erscheinen passieren ein paar merkwürdige Sachen.

Meine Meinung zum Buch

Stephen King startete mit The Green Mile das Experiment einen Fortsetzungsroman zu schreiben. Und so ist das Buch in sechs Teile unterteilt, die ursprünglich nacheinander veröffentlicht wurden. So gibt es zwar immer noch einen roten Faden, der alles verbindet, dennoch stehen die Geschichten auch gut für sich. Dabei sind die Geschichten nicht chronologisch geordnet, dem Leser wird aber immer wieder vermittelt an welcher Stelle der Gesamthandlung man sich befindet.
King selbst schreibt in seinem Vorwort, dass er eigentlich gar keine Zeit hatte, um richtig für den Roman zu recherchieren und entschuldigt sich im Nachwort wegen ein paar historischer Ungenauigkeiten. Dennoch hat er wohl die Atmosphäre eines Todesblocks gut eingefangen. Die Abläufe, die Gedanken und auch die Insassen könnte es wohl wirklich so gegeben haben – außer vielleicht John Coffey.
Die Geschichte orientiert sich im Rahmen daran, dass Paul Edgecombe im hohen Alter seine Erinnerungen an eben jene Zeit nieder schreibt. So hat King immer wieder einen Anfang für die einzelnen Bücher. Die Geschichten unterscheiden sich in ihrer Spannung, lassen sich aber alle gut weglesen. Denn trotz der bedrückenden Stimmung eines Todestrakts, schafft King es interessante, wenn auch teilweise sehr bösartige, Charaktere zu schaffen und mit ihnen fantastische Geschichten zu kreieren.

Meine Meinung zum Film

Regisseur und Drehbuchautor Frank Darabont hatte bereits Kings Kurzgeschichte Die Verurteilten verfilmt. Fünf Jahre später widmete er sich seinem nächsten Projekt. Mit The Green Mile hatte er sich erneut ein King Werk, das in einem Gefängnisblock spielt, ausgesucht. Prominent besetzt mit Tom Hanks, der Paul Edgecombe spielt, hatte der Film also beste Voraussetzungen. Seine große Stärke ist es wohl, dass er sich eng an die Buchvorlage hält. Die größten Änderungen dürften sein, dass der Film die Bücher in der veröffentlichten Reihenfolge erzählt, aber so tut, als wären diese chronologisch erzählt. Auch große Teile der Geschichte um den alten Paul im Altenheim wurden weggelassen, z. B. den tyrannischen Pfleger Brad Dolan, der Pauls Erinnerungen an Percy Wetmore stärkt. Diese Änderungen verändern jedoch nicht den Charakter der Geschichte.
Mit 181 Minuten ist The Green Mile sehr lang geworden, dadurch konnte aber auch jede Geschichte auserzählt werden, ohne irgendetwas streichen zu müssen. Die Spannung wird trotzdem durchgehend hoch gehalten. Auch die weiteren Rollen sind gut besetzt. Selbst Szenen, die eigentlich nur mit der Gedankenwelt Pauls funktionieren dürften, werden durch kleine Ausschmückungen so umgesetzt, dass man auch ohne gelesene Buchvorlage alles versteht. So kriegt man durch den Film einen guten Überblick über die Geschichte. Richtig rund wird es allerdings trotzdem erst im Buch durch die erläuternden Gedanken.

Das Fazit

Egal, ob als Buch oder als Film, The Green Mile funktioniert durch seine fantastischen Geschichten in beiden Medien und vermittelt so einen Einblick in einen Todestrakt in den 1930er Jahren und spielt mit den Motiven von Gut und Böse.

Eine Handvoll Serienkritiken

Ich glaube die Kategorie hat sich durchgesetzt. Zumindest funktioniert sie aktuell sehr super 😉

The Witcher – Staffel 1

Die Handlung: Geralt von Riva ist ein Hexer. Im Laufe der Staffel stellt er sich verschiedenen Monstern, wobei wohl keine Spezies so niederträchtig ist, wie die Menschen. Parallel dazu werden die Geschichten der Magierin Yennefer von Vengerberg und der Prinzessin Ciri von Cintra erzählt.

Meine Meinung: Die erste Staffel hangelt sich an mehreren Kurzgeschichten entlang und wird auf drei unterschiedlichen Zeitebenen erzählt, die erst am Ende zusammenlaufen. Dies muss man aber wissen, sonst kann es in einigen Folgen zu ein wenig Verwirrung kommen, bzw. wird das erst in späteren Folgen aufgeklärt. So muss man zunächst gespannt sein, welche Gewichtung die verschiedenen Figuren einnehmen werden. Letztlich wird die gesamte Staffel genutzt, um die Charaktere vorzustellen und die Welt ein bisschen genauer vorzustellen. Das scheint zum einen auch notwendig, denn die Welt ist ziemlich komplex, zum anderen scheint es aber auch ein bisschen übertrieben, da man wohl einige Handlungsstärnge hätte weglassen können. Denn so wird der Zuschauer mit Namen und Orten überschüttet, die wohl im weiteren Verlauf keine weitere Bedeutung haben werden, aber die Namen und Orte, die man sich wohl merken sollte, gehen dabei leider mit unter. So hat die Serie für weitere Staffeln wohl großes Potential, konnte mich aber in der ersten Staffel nicht richtig überzeugen – ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich nie die Bücher gelesen habe und auch die Spiele nie gezockt habe.

Doctor Who – Staffel 10

Die Handlung: Der Doktor ist ein großes Versprechen eingegangen einen Tresor unter der Universität zu bewachen und sich nicht von dort wegzubewegen. Dabei lernt er Bill Potts kennen, die er schließlich als Art Privatlehrer unterrichtet. Nachdem Bill von einer Pfütze verfolgt wird, beschließt er sich zu offenbaren, um sie zu retten. Trotz der stetigen Belehrungen von Nardole (bekannt aus den vorangegangenen Weihnachtsspecials) kann der Doktor nicht wiederstehen und reist fortan mit Bill durch Zeit und Raum.

Meine Meinung: So richtig warm geworden mit Peter Capaldi als 12. Doktor bin ich bisher nicht. Nun musste ich feststellen, dass einfach nur die Kombination aus dem 12. Doktor und Clara (Jenna Coleman) aus den beiden vorherigen Staffeln nicht funktioniert hat. Nun schienen sich die Schöpfer wieder zurückzubesinnen und schaffen mit Bill Potts eine neue Figur, die wieder bei jeder Folge über die Wunder der Tardis staunen kann und auch den Doktor wieder auf den Boden der Tatsachen holt. Zusammen mit Nardole für die kleinen, aber feinen, Momente, schaffen sie so eine wirklich starke Staffel. Umso trauriger ist es, dass am Ende die Rekarnation zum 13. Doktor folgt. Ich kann zwar nicht beurteilen, wie Jodie Whittaker ihren Doktor anlegt, aber jetzt hätte ich gerne noch eine Staffel mit Peter Capaldi gehabt.

The Handmaids Tale – Staffel 1

Die Handlung: Der Staat Gilliad ist aus den USA hervorgegangen, nachdem die Geburtenrate immer weiter zurückging. Der totalitäre Staat hat die wenigen Frauen, die noch schwanger werden können, zusammengetrieben und halten sie als Mägde in wohlhabenden Familien. Dabei haben sie keine Rechte mehr, selbst ihre Namen wurden ihnen aberkannt. Die Serie verfolgt die Erlebnisse der Magd Desfred.

Meine Meinung: 2018 habe ich durch Empfehlung die Buchvorlage der Serie für mich entdeckt. Das Buch ist ruhig und unaufgeregt erzählt und begleitet Desfred durch ihren Alltag und zeigt dabei die Schattenseiten Gilliads. Das man daraus eine ganze Serie produzieren konnte, war mir unvorstellbar. Und so legte ich mir die Serie zu, nur um nach den ersten drei Folgen wieder abzubrechen. Denn in diesen drei Folgen war gefühlt das ganze buch vertreten. Was sollte nun in den noch folgenden sieben Episoden passieren? Nachdem nun zwischen Buch und den ersten drei Folgen einige Zeit vergangen ist, habe ich mich doch noch einmal an die Serie herangewagt. Letztlich ist die Serie eine Weitererzählung des Buches. Es werden die Hintergrundgeschichten anderer Charaktere erzählt, die Desfred gar nicht wissen konnte und uns deswegen im Buch auch nicht erzählen konnte. Wenn man sich also von den eigenen Vorstellungen lösen kann, sind die Erweiterungen durchaus sinnvoll und gebem dem Ganzen noch mehr Tiefe. Dennoch sind Längen nicht vermeidbar bei 10 Folgen. Nun bin ich hin und hergerissen, ob ich nun doch auch die anderen Staffeln mal versuche, oder ob ich nun mit endgültigem Ende des Buches auch die Serie für mich für beendet erkläre.

Pixar in real life – Staffel 1

Die Handlung: Die Helden aus den Pixarfilmen sind wohl einem breiten Publikum bekannt. Doch wie würden wir reagieren, wenn uns diese Helden in bekannten Filmszenen in der Realität begegnene würden? Dieses Experiment wurde in dieser Serie mit Kurzepisoden gewagt.

Meine Meinung: Disney+ ist nun endlich auch in Deutschland verfügbar. Neben den altbekannten Filmen und Serien, wurden auch Neuproduktionen aufgenommen – leider erscheinen bei den meisten nur pro Woche eine Folge. Diese Serie jedoch hatte schon eine Staffel. Dabei begegnen wir in Kurzepisoden (5-10 Minuten) die altbekannten Pixarhelden im realen Leben. So hilft Wall-E bei der Ringsuche im Müll, taucht Merida beim Bogenschießstand auf oder versuchen Dorie und Hank in einem Kinderwagen zu fliehen. Dabei sind es vor allem die Reaktionen der überraschten Passanten, die damit natürlich nicht gerechnet haben. Wer also eine kleine Serie zum schmunzeln braucht, ist hier an der richtigen Adresse.

Brain Games – Staffel 1 & 2

Die Handlung: Können wir unseren Sinnen oder unserem Erinnerungsvermögen wirklich immer trauen? Die Serie befasst sich mit optischen Täuschungen und anderen Illusionen und erklärt dabei die Phänomene, die uns täuschen können, die aber für uns auch recht nützlich sein können.

Meine Meinung: Natürlich will die Serie, dass man darauf einfällt. Da ich das weiß, treffe ich natürlich ganz andere Entscheidungen, als die von mir erwarten! Oh, doch nicht… Brain Games schafft es einen immer wieder zu verblüffen und zu überraschen. Dabei lernt man einiges über sich und seine Sinne. Am schönsten ist es die Serie mit einer anderen Person zu gucken, um auch nur sicher zu gehen, dass auch die Person auf die Täuschungen reinfällt. Während in der ersten Staffel noch drei Folgen mit 45 Minuten Lauflänge enthalten sind, sind es ab der zweiten Staffel circa 10 Folgen mit 22 Minuten Lauflänge pro Staffel. Beide Varianten haben gut funktioniert.

Eine Handvoll Bücherkritiken

Wir haben März und ich habe bereits 9 Bücher meiner 20 für 2020 Liste abgearbeitet, und konnte sogar noch ein paar andere Bücher dazwischen quetschen. Läuft also bisher ganz gut. Hier nun fünf neue kurze Bücherkritiken:

Was perfekt war – Colleen Hoover

Die Handlung: Quinn und Graham sind seit acht Jahren verheiratet. Und obwohl die Beziehung auf undenkbare Weise begann, lieben sie sich innig. Doch nun steht ihre Ehe vor dem Aus und es scheint kein Entrinnen zu geben.

Meine Meinung: Mrs. Hoover, Sie wissen, dass ich Ihren Schreibstil und auch viele Ihrer Ideen sehr bewundere und einige Ihrer Werke zu meinen absoluten Lieblingen zählen. Doch bei Ihrem aktuellsten Werk bin ich etwas hin- und hergerissen. Sie erzählen die Geschichte einmal im Jetzt, wo Quinn und Graham nach acht Jahren vor den Trümmern Ihrer Ehe stehen, obwohl Sie sich noch immer lieben. Diese Abschnitte waren ein wenig langatmig, da Sie sich sehr lange weigern zu sagen, worum es eigentlich geht. Die Beiden tanzen umeinander und keiner spricht das Thema wirklich an. Bei jeder anderen Autorin hätte ich da das Buch schon lange aus der Hand gelegt und mich anderem gewidmet. Sie wiederholen Passagen immer und immer wieder und man will doch nur wissen, worum es denn eigentlich geht. Zum Glück schaffen Sie es auch diese Stellen durch Ihren unvergleichlichen Schreibstil irgendwie erträglich zu machen. Gerettet hat dieses Buch dann irgendwann die liebenswerten Charaktere und die Thematik irgendwann an sich, die sich einem ernsten Thema nähert, das einmal zu oft verschwiegen wurde. Sie nähern sich der Thematik vorsichtig und umsichtig und schaffen es dadurch es aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Dennoch wirklich gerettet hat das Buch die Passagen von Damals. Damals als Quinn und Graham sich kennenlernten. Hier beweisen Sie einmal mehr, dass Sie es schaffen supersüße kleine Geschichten zu erzählen, die so voller Liebe sind, das einem das Herz ganz warm wird. Auch wenn es hier irgendwann ziemlich sprunghaft zuging, ist das doch genau so eine Geschichte, die einem den Glauben an die Liebe zurückgibt. Und auch die finale Auflösung ist nichts geringeres als eine reine Hommage an die Liebe.

Wo das Glück zu Hause ist – Jenny Colgan

Die Handlung: Nina ist Bibliothekarin und igelt sich am liebsten mit einem guten Buch ein. Doch aufgrund der vielen Schließungen verliert sie ihren Job. Da kommt ihr der Gedanke sich mit einem kleinen Bücherbus selbstständig zu machen und von der großen Stadt Birmingham nach Schottland zu ziehen. Denn dort brauchen die Menschen dringend neuen Lesestoff. Und Nina als Expertin weiß natürlich auch genau, welches Buch sie jedem in die Hand drücken muss. Nur bei der Liebe fällt es ihr etwas schwerer.

Meine Meinung: Manchmal sehe ich ein Buch und verliebe mich sofort in ihre Idee. Und die Idee vom Bücherbus in Schottland begeisterte mich auf zweierlei Weise. Zum einen die damit einhergehende Liebe zu Bücher und zum anderen das Fernweh – meine eigene Schottlandreise im April wird wohl durch die aktuelle Situation ausfallen müssen. Leider schafft es Frau Colgan nur mich mit der Idee, nicht aber mit dem Buch an sich zu überzeugen. Denn hier wird uns eine absolut naive Protagonistin präsentiert, die mich nicht authentisch durch die Geschichte führen konnte. Mir waren ihre Ängste und Probleme sehr schnell sehr egal. Ihr wortkager, stets miesepetriger Vermieter, ist natürlich trotz seiner Grumpy-Art heiß, was Nina aber erst nach 3/4 des Buches auffällt. Man merkt, dass die Autorin eine Menge Ideen hat und alle versucht irgendwie unterzubekommen, letztlich aber jede nur kurz anspricht und dann relativ schnell eine Lösung findet. So wirkt die Handlung viel zu sprunghaft und es baut sich kein Lesefluss auf. Lediglich die beiden Liebesgeschichten nehmen einige Seiten in Anspruch, kommen aber irgendwie auch nicht voran. So schleppt man sich Seite für Seite vorwärts, verdreht mehr als einmal die Augen, wenn Nina wieder etwas unglaublich naives macht und erhofft sich ein baldiges Ende.

Someone New – Laura Kneidl

Die Handlung: Micah kommt aus gutem Haus und beginnt ihr Jurastudium, um ihren Eltern zu gefallen, die erfolgreiche Anwälte sind. Doch ein Schatten liegt über der Familie, da Micahs Bruder Adrian nach seinem unfreiwilligem Outing verschwunden ist. Eigentlich würde Micah lieber Kunst studieren, aber damit würde ihre Hoffnung auf eine wiedervereinte Familie entgültig zerstört werden. Dann trifft sie auf ihren Nachbarn Julian, der seltsam verschlossen wirkt. Doch Micah gibt nicht locker.

Meine Meinung: Mit Berühre mich. Nicht und Verliere mich. Nicht schaffte es Frau Kneidl bereits einen großen Vertrauensvorsprung bei mir zu haben. Auch diesmal konnte mich ihr Schreibstil sofort wieder gefangen nehmen, auch wenn über lange Strecken gefühlt nichts passiert. Man fragt sich immer wieder, was mit Julian los ist und fiebert doch mit Micah mit, ob sie Adrian irgendwann findet. Die ersehnte Auflösung kommt leider sehr spät, dafür steigert sich hier die Qualität des Buches ins unermessliche, weswegen ich dieses Buch eigentlich absolut jedem in die Hand drücken möchte. Denn hier wird mit einem Thema umgegangen, das sonst eher totgeschwiegen wird. Dabei dürfen dann auch alle Meinungen einmal geäußert werden, auch wenn das Buch sich eindeutig für eine Meinung entscheidet und diese vertritt. Ich möchte hier nicht die Auflösung vorweg nehmen, finde es nur schade, dass das Buch sich nach zwei Schlüssenszenen am Ende bereits verabschiedet. Gerade hier hätte ich mir noch ein paar Seiten mehr gewünscht. Mit der Protagonistin Micah bin ich zwar schnell warm geworden, konnte ihre Entscheidung aber nicht immer nachvollziehen. Ich freu mich auf jeden Fall auf den zweiten Teil, der die Geschichte von Julians Mitbewohnern erzählen wird.

Die großen Vier – Ein Fall für Poirot – Agatha Christie

Die Handlung: Poirot steht vor seinem bisher größten Fall. Eine Geheimorganisation mit vier einflussreichen Mitgliedern versucht ihn zum Schweigen zu bringen. Unterstützt wird er dabei von seinem alten Freund Hastings. Doch die großen Vier wollen sich einfach nicht schnappen lassen.

Meine Meinung: Bisher war ich von Mrs. Christie sehr angetan und verschlang Poirots Fälle. Doch diesmal wollte mich der Fall einfach nicht packen. Es wirkte eher wie eine verwirrende Ansammlung an Kurzepisoden, die viel zu schnell gelöst wurden und irgendwie immer unbefriedigend endeten. Mit den großen Vier wurde ein Gegner geschaffen, der viel zu groß angelegt wirkte und so gar nicht in das übliche Whodunnit Schema passen wollte. Also habe ich ein bisschen nachgeforscht und anscheinend war Mrs. Christie bei der Arbeit an diesem Buch in finanziellen Nöten und hat dann tatsächlich die Kapitel einzelnd veröffentlicht, um möglichst schnell an ein wenig Geld zu kommen. Leider wirkte dadurch die Gesamthandlung sehr unausgewogen und verlor sich in seinen ständigen Hinweisen auf die großen Vier, die doch immer gleich endeten. Dadurch wurde es ein regelrechtes Durchquälen durch 224 Seiten, die nicht zu enden schienen. So freue ich mich nun auf weitere Werke und versuche diesen Fehlschlag einfach zu vergessen.

Heute hat die Welt Geburtstag – Flake

Die Handlung: Flake ist Keyborder bei Rammstein. In seinem zweiten Buch beschreibt er den ganz normalen Ablauf eines Tages auf Tour. Gespickt wird dies mit Erinnerungen aus der Gründungszeit von Rammstein bis zum dritten Album und auch sonst allerlei Gedanken, die einem Keyborder so kommen.

Meine Meinung: Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung Heute hat die Welt Geburtstag als Hörbuch zu konsumieren. Flake schafft es durch seine ruhige Stimme den Worten seine ganz eigene Betonung zu geben, die rein auf dem Papier wohl beim Lesen anders rübergekommen wäre. Der humorvolle Stil dürfte auch nicht eingefleischte Rammstein-Fans ansprechen. Allerdings ist es als Fan wahrscheinlich noch einmal schöner auf diese Weise vermittelt zu bekommen, wie alles angefangen hat. Auch die Gedanken eines Musikers während des Konzerts sind erfrischend und interessant, kennt man es in der Regel ja nur von der anderen Seite. So begleitete mich das Hörbuch auf Reisen, ließ mich schmunzeln, wundern, lachen, grübeln und vorallem konnte es die Reisezeit gefühlt verkürzen.

Sonic – the Hedgehog

Ein Vorwort

Spieleverfilmungen haben es in der Regel schwer. Denn während Buchverfilmungen meist akzeptiert werden und nur bei ganz schlechten Umsetzungen dann kritisiert wird – looking at you Allegiant – werden Spieleverfilmungen grundsätzlich zerrissen. Allerdings nicht nur von den Spielern selbst, können die Filme meist auch den reinen Kinogänger nicht überzeugen. So floppten zuletzt Tomb Raider oder auch ein Assassins Creed. Ob dies bei Sonic besser funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Sonic muss aus seiner Welt mit Hilfe von Ringportalen flüchten. Er findet sich auf der Erde wieder, in einer Kleinstadt namens Green Hills. Dort versteckt er sich vor den Menschen, um nicht wieder verfolgt zu werden. Doch die Einsamkeit macht ihm zu schaffen und bei einem einsamen Baseballspiel dreht er durch. Dies ruft jedoch Dr. Robotnik (Jim Carrey) auf den Plan, der nun versucht Sonic mit allen Mitteln zu fangen und seine Kraft zu absorbieren. Sonic bekommt dabei Hilfe vom Polizisten Tom Wachowski (James Marsden). Ein Roadtrip der besonderen Art steht bevor.

Meine Meinung

Ich habe Sonic nie gespielt. Soweit erst einmal die Beichte. Dementsprechend egal war mir auch zunächst die ganze Diskussion um sein Aussehen. Denn nach der Veröffentlichung des ersten Trailers gab es von den Fans einen riesen Aufschrei. Zu menschlich sei der Igel geraten. Rufe nach mehr Ähnlichkeit zum alten Videospiel wurden laut. Regisseur Jeff Fowler gab schließlich dem Drängen der Fans nach und ließ den Igel überarbeiten, was auch den Start verzögerte. Hinterher gab es dann zwar Spekulationen, ob dies vielleicht alles nur ein großer PR-Gag gewesen sei, doch auf diese Richtung möchte ich mich nicht einlassen. Ebenfalls gab es große Kritik im Vorfeld, dass Youtuber Julien Bam die Synchronisation von Sonic übernehmen sollte. Grundsätzlich sehe ich auch ein Problem darin, dass bei Animationsfilmen zusehends mehr „Prominente“ statt ausgebildeter Synchronsprecher genutzt werden, um mit den bekannten Namen zu werben, aber auch das ist ein größeres Thema, das diesen Beitrag sprengen würde. Bam konnte bereits bei Everest zeigen, dass er sich durchaus auf Synchronisation versteht und liefert auch hier eine solide Arbeit ab, verfehlt aber gerade die Feinheiten in den Emotionen. Hier wäre mehr möglich gewesen.
Grundsätzlich kann man Sonic auch als Nicht-Spieler gut sehen, da kein Vorwissen nötig ist. Natürlich übersieht man dadurch ein paar Feinheiten. Ich konnte die Begeisterung meiner beiden Begleiter über den Namen der Kleinstadt Green Hills nicht nachvollziehen, bis sie mir erklärten, dass so wohl die erste Welt damals bei den Spielen hieß. So ist der Fanservice durchaus vorhanden, hält sich aber in einem Rahmen, dass der Film auch ohne schlüssig ist.
Letztlich ist das größere Problem am Film, dass er eine ganz normale Origin-Story ist. Man lernt die beiden Hauptcharaktere Sonic und Tom, sowie den Gegenspieler Dr. Robotnik nach und nach kennen und begleitet sie auf ihrem Roadtrip. Doch die Schwierigkeiten der beiden sind eben die Schwierigkeiten, die fast jeder beim Kennenlernen hat. Und so kommt der Film nicht wirklich aus dem immergleichen Schema heraus und schafft es nicht sich irgendwo hervorzutun. So bleibt auch der Spannungsgrad auf einem konstanten durchschnittlichen Level. Nur wenig Überraschungen hat der Film zu bieten. So ist der eigentliche Mehrwert eben doch das Erkunden der kleinen Fanservices.
Auch ist Toms Frau Maddie, gespielt von Tika Sumpter, der interessantere Charakter von beiden, kommt aber etwas zu kurz. Trotzdem bleibt der Ausblick auf eine Fortsetzung positiv, denn dort könnte man sich nun richtig austoben und auch gute Ideen einbringen. Ich freu mich drauf!

Das Fazit

Sonic – the Hedgehog macht im Gegensatz zu anderen Spieleverfilmungen viel richtig, schafft es aber nicht aus dem altbekannten Schema einer Origin-Geschichte herauszukommen. So verbliebt das Grundgerüst in der Durchschnittlichkeit, der Mehrwert ist dann der Fanservice. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Sonic the Hedgehog läuft seit dem 13.02.2020 in den deutschen Kinos.

Origin

Ein Vorwort

Dan Brown veröffentlichte bereits im Jahr 2017 sein inzwischen fünftes Werk über den Symbologen Robert Langdon. Doch nach einem ziemlich langgezogenem Inferno und einem zuvor bereits sehr schwachem Verlorenem Symbol, hatte sich meine Begeisterung für Browns Werke stark abgekühlt. So wollte ich Origin gar nicht erst kaufen, zumal Browns Werke auch gerne mal 25€ kosten. Als Thalia das Buch dann bei einer Lagerräumung für 4€ raushaute, wurde ich dann doch schwach. Und nun war die Zeit gekommen, um Origin doch eine Chance zu geben.

Die Handlung

Robert Langdon wurde von seinem ehemaligen Studenten, dem Zukunftsforscher Edmond Kirsch, zu einer bahnbrechenden Enthüllung seiner Forschung ins Guggenheim Museum in Bilbao eingeladen. Doch durch ein Unglück wird die Ausstrahlung, die die Welt in eine Glaubenskrise stürzen soll, verhindert. Langdon versucht zusammen mit Ambra Vidal, der Direktorin des Museums, Kirschs Entdeckung doch noch zu enthüllen. Dabei gerät er in einen Strudel mit den Anführern der drei großen Weltreligionen und des spanischen Königshauses.

Die Thematik der Brown-Werke

1998 schrieb Dan Brown seinen ersten Roman Diabolus (in Deutschland 2005 erschienen). Hier befasste er sich mit einem Supercomputer der NSA, der alle Verschlüsselungen knacken kann. Hier probierte sich Brown noch aus, schaffte es aber schnell Erfolg zu haben. Illuminati wurde der zweite Roman Browns, 2000 erschienen (in Deutschland 2003 und damit vor Diabolus). Hier erschuf er den Symbologen Robert Langdon, der in Origin seinen inzwischen fünften Auftritt hat und in den Verfilmungen von Tom Hanks gespielt wird, was ihn noch einmal wesentlich sympathischer erscheinen lässt. In Illuminati lässt Brown vier Kardinäle während des Konklaves entführen und zu bestimmten Uhrzeiten hinrichten. Langdon muss einer alten Fährte Galileis folgen und es folgt eine Hetzjagd gegen die Zeit durch Rom. Hier griff Brown zum ersten Mal die Kirche an, auch wenn das Ende einen versöhnlichen Ton annimmt und auf eine Vereinbarkeit zwischen Kirche und Wissenschaft pocht.
2001 (in Deutschland 2003) erschien dann Browns drittes Buch Meteor. Hier verzichtete Brown noch auf Langdon als Helden. Meteor ist leider noch immer eines der Werke, die wohl meinen SuB nie verlassen wird.
2003 (in Deutschland 2005) erschien dann der zweite Teil um den Symbologen Robert Langdon mit Sakrileg. Verfilmt unter dem Originaltitel The Da Vinci Code ist Langdon diesmal in Paris und London auf der Suche nach dem heiligen Gral. Mit seinen Vermutungen über die Rolle Maria Magdalenas schien sich Brown entgültig mit der Kirche überworfen zu haben. Beide Werke Sakrileg und Illuminati brauchten Langdon als Symbologen und er bringt durch seine Geschichtskenntnisse die Handlung deutlich voran. Eine zeitlang wurde es ruhig um Brown. Erst 2009 ging es mit den Abenteuern Langdons weiter. Das Verlorene Symbol spielte diesmal auf amerikanischem Boden und hatte die Freimaurer als Thematik. Leider schien Brown trotz der langen Vorbereitung die Puste ausgegangen zu sein. Ich könnte die Handlung des Buches nicht einmal mehr wiedergeben, so schnell hatte ich sie nach dem Lesen wieder vergessen. So wurde auch die geplante Verfilmung auf unbestimmte Zeit verschoben und Langdons vierter Fall Inferno vorgezogen.
Die Buchvorlage für Inferno erschien 2013. Auch hier hatte sich Brown wieder ausgiebig Zeit genommen, um eine detaillierte Recherche vorzunehmen. Diesmal ging es um Danthes Inferno, ein Teil seines Buches die Göttliche Komödie. Zunächst schien die Geschichte auch wieder deutlich spannender als das Verlorene Symbol zu werden. Doch nachdem sich Brown offensichtlich in die Stadt Florenz verliebt hatte und sich in seinen Beschreibungen, gerade der Kunstwerke in den Uffizien, verlor, wurde das Buch zunehmend langatmiger, obwohl die Ansätze und Gedankengänge durchaus interessant waren und das Ende durchaus spannend. Der Film konnte jedoch gerade die Botschaft am Ende nicht vermitteln und hat sie einfach umgeschrieben, was den Film belanglos wirken lässt.
2017 erschien nun Langdons fünfter Fall Origin. Diesmal zog es Brown nach Spanien. Auch schien er sich mal wieder mit der Kirche anlegen zu wollen, so dass bereits im Klappentext berichtet wird, dass sich die Entdeckung des Zukunftsforschers Edmond Kirsch mit allen großen Religionen anlegt. Ebenfalls erfindet er diesmal einen neuen Supercomputer, was an seine Anfänge mit Diabolus erinnert. Geht Brown also in doppelter Sicht zum Ursprung (Origin) zurück?

Meine Meinung

Dan Brown versteht sich darauf am Anfang erst einmal allerlei Handlungsstränge aufzumachen und gefühlt jedes Kapitel mit einem Rätsel enden zu lassen. Dafür nimmt er sich die ersten hundert Seiten Zeit um das Grundgerüst seiner Geschichte zu bauen. Sobald man diese überstanden hat, fängt die Geschichte an langsam spannend zu werden. Etwas nervend ist lediglich, dass einem immer wieder von verschiedenen Personen gesagt wird, dass Kirschs Forschung und Erkenntnisse „bahnbrechend“ seien und „unser Denken, aber vor allen den Glauben, auf den Kopf stellen würden“. Durch die Entwicklungen bei der Präsentation gelangt diese aber erst einmal in den Hintergrund. Etwas frustrierend war es beim Lesen schon immer wieder hingehalten zu werden.
Der Mittelteil ist eine spannende Hetzjagd durch Bilbao und schließlich Barcelona. Ähnlich wie seine Figur Langdon scheint sich Brown aber mit der modernen Kunst schwer zu tun. So tauchen gerade die Werke Gaudis immer wieder auf, aber große Geheimnisse verbergen sich hier nicht. Dies ersparte uns zwar endlose Kunstvorträge, wie zuletzt in Inferno, aber Langdon bekam in seiner Funktion als Symbologe erstaunlich wenig zu tun. Auch ohne ihn hätte die Geschichte funktioniert und damit wird das Rätsel, das es zu lösen gilt, ihm nicht gerecht.
Achtung! Ich werde noch ein paar Worte über das Ende verlieren. Auch wenn ich versuce mich allgemein zu halten, kann es sich je nach Definition um Spoiler handeln!
Auch das Ende lässt einen dann etwas ratlos zurück. Die große Ankündigung entpuppt sich als teils durchdachte Version der Evolution und als teils an den Haaren herbeigezogene Zukunftsvision. Darauf über 500 Seiten hinzustreben, scheint es am Ende irgendwie nicht so richtig wert. Auch die danach noch offenen Handlungsstränge scheinen sich zunächst im Nichts zu verlaufen, ehe sie auf den letzten Seiten dann doch noch gelöst werden. Allerdings ist auch die Lösung ein bisschen einfach gehalten. Alle nebenbei eingeführten Personen verlieren mit einem Mal an Bedeutung. Hier hatten die Leser doch etwas mehr verdient. Spoiler Ende
Wirklich überwerfen dürfte sich Brown diesmal wohl mit der Kirche nicht, findet er doch diesmal – ähnlich wie in Illuminati – am Ende tröstende Worte über Kirche und Wissenschaft und wieso sie nicht gänzlich das gegensätzliche predigen. Seine zentralen Themen, wie die Schöpfung bzw. die Evolution, ziehen sich zwar wie ein roter Faden durch das Buch, doch so richtig auf den Punkt kommt Brown leider nicht. So ist Origin zwar nach Das Verlorene Symbol und leider auch Inferno wieder auf einem richtigen Weg gewesen, kann aber nicht an Illuminati und Sakrileg heranreichen. Ein paar mehr Rätsel und vielleicht ein paar ernst gemeinte Symbolentschlüsselungen für Langdon hätte das Buch gut verkraften können. Dennoch bin ich nun fast wieder gespannt auf ein weiteres Werk Browns.

Das Fazit

Origin hält seine eigenen Versprechen nicht. Trotz spannendem Mittelteil kann das Ende die hohen Erwartungen nicht halten. Auch hat Symbologe Langdon wenig zu tun, vielmehr darf er sich lediglich über die moderne Kunst beschweren. Dennoch wieder ein starker Fortschritt zu Browns beiden Vorgängerwerken.

Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 9.5

Hier kommt nun der zweite Teil von 2018. Hier noch einmal die vorherigen Artikel meiner großen Kategorieaufräumaktion: 2014/2015, 2016, 2017, 2018.1

2018:

1) Isle of Dogs – Ataris Reise

Nach dem Ausbruch des Schnauzenfiebers werden Hunde für alle möglichen Sachen, z. B. Flöhe, Schuldig gesprochen und ins Exil auf eine Müllinsel deportiert. Unter anderem auch Spot, der Wachhund von Atari Kobayashi. Als dieser aufbricht, um seinen Hund zu finden, schließen sich ein paar andere Hunde an. Dabei decken sie nicht nur eine Verschwörung auf, sondern erleben auch allerlei Abenteuer.
Der Stop-Motion-Film ist eher eine Aneinanderreihung kleinerer Episoden, die durch die große Geschichte zusammengehalten werden. Während die Haupthandlung der Gesellschaft gerne den Spiegel vorhält, hier ist es die Ausgrenzung der Hunde wegen angeblicher Vergehen, die sich aber auf viele Vorurteile und andere aktuelle Ereignisse übertragen lässt. Dabei sind es jedoch gerade die kleinen Nebenepisoden und running gags, die den Film von seiner hochtrabenden Kunsterzählweise herunterheben und sehbar machen. Es bleibt dennoch ein sehr speziell erzähler Film, der aber, wenn man sich einmal an den Erzählstil gewöhnt hat, gut funktioniert.

2) Anna und die Apokalypse

Ein Weihnachtsfilm, ein Zombiefilm und ein Musical in einem. Was erst einmal unvereinbar klingt, funktioniert hier tatsächlich sehr gut.
Die Weihnachtsaufführung in Annas Schule steht bevor. Doch eine Virusinfektion lässt die halbe Bevölkerung zu Zombies werden. Anna und ihre Freunde können sich in eine Bowlingbahn flüchten. Sie versuchen zur Schule durchzukommen, wo Eltern und Mitschüler sich versteckt halten.
Für viele ist der Film inzwischen zum absoluten Geheimtipp mutiert. Ich habe leider so meine Probleme mit dem Film. Zum einen bin ich absolut kein Fan von Zombiefilmen. Sobald Zombies anfangen durch die Gegend zu wanken, bin ich raus. Trotzdem hat mich der Film gereizt, durch die Kombination mit dem Musical. Leider enttäuschte mich dieser Aspekt auch, denn die Lieder sind sehr einfallslos und funktionieren alle nach dem gleichen Popschema. So waren sie zwar alle nicht schlecht, aber eben auch nicht gut. Ich bin ein großer Musicalfan und erwarte hier schon, dass ich Lieder voneinander unterscheiden kann, bzw, sie hinterher auch nochmal wiedererkenne. Darüber hinaus ist die Geschichte rund erzählt, kommt zwar mit dem typischen Klischees daher und kann nur an wenigen Stellen überraschen, dennoch macht sie an vielen Stellen einfach Spaß. Wer sich also nicht vom Zombiethema abgestoßen fühlt und auch weniger hohe Erwartungen an den Musicalaspekt hat, kann hier durchaus mal einen Blick werfen.

3) Das Haus der geheimnisvollen Uhren

Lewis ist ganz frisch Waise und wird zu seinem Onkel Jonathan geschickt. In dessen Haus gibt es allerlei Kuriositäten und auch die Nachbarin Mrs. Zimmermann scheint Dauergast zu sein. Schnell findet er heraus, dass sein Onkel ein Zauberer ist und nachts eine geheimnisvolle Uhr im Haus sucht.
Der Film ist in erster Linie ein Fantasy-Film, der sich nebenbei noch mit den Themen Verlust und Außenseitertum beschäftigt. Dabei ist Jack Black als Onkel Jonathan voll in seinem Element, während sich Cate Blanchett eher im Hintergrund hält. Für den Zuschauer hat man Lewis an seiner Seite, mit dem man das Haus erkunden kann. Der Film ist eindeutig für ein junges Publikum konzipiert und hat mit einer Freigabe ab 6 Jahren auch keinen Anspruch wirklich gruselig zu sein. Das ist hier auch gar nicht nötig, da man hier auch als Erwachsene die kindliche Freude über das Unbekannte wiederentdeckt. Hinzu kommen allerhand kuriose Charaktere, die beim Sehen einfach Spaß machen. So bleibt der Film immer leicht hinter seinen Möglichkeiten zurück, bietet aber trotzdem gute Unterhaltung für einen Abend. Ein zweiter Blick lohnt sich dann aber eher nicht.

4) Crazy Rich

Der Überaschungserfolg mit einer rein asiatischen Besetzung.
Rachel Chu reist mit ihrem Freund Nick Young nach Singapur, um dessen Familie bei einer Hochzeit kennenzulernen, bei der Nick Trauzeuge sein wird. Dabei muss sie feststellen, dass Nick zu einer der reichsten Familien Singapurs gehört. Vor Ort hat sie nicht nur Probleme sich dem Lebensstil von Nicks Freunden anzupassen, auch scheint seine Mutter eine Abneigung ihr gegenüber zu haben, die sie nicht nachvollziehen kann.
Crazy Rich fährt mit einem guten Cast auf. So richtig ist der Komödienaspekt bei mir nicht angekommen. Währenddessen hat der Dramaaspekt bei mir wesentlich besser funktioniert. So habe ich relativ wenig gelacht, aber immer mit Rachel mitgefühlt. Dennoch ist der Film ein fasziniertes Eintauchen in eine ganz andere Welt, die gleichzeitig so vertraut ist. Denn die wohl wichtigste Botschaft des Films ist, dass es eben keine weißen Darsteller braucht, damit ein Film funktioniert.

5) Spider-Man – a new Universe

Angeteasert wurde der Film bereits in einer ziemlich langen Afer-Credit-Scene von Venom. Diese schreckte mich jedoch eher ab, da sie sehr rasant daher ging und mein übliches Übelkeitsproblem durch die Perspektive auftrat. Zu Hause auf dem Fernseher ging das dann aber doch ohne Zwischenfälle.
Miles Moralis ist ein ganz normaler Junge, in einer Welt, in der Peter Parker alias Spider-Man gestorben ist. Doch auch Miles wurde von einer radioaktiven Spinne gebissen und verfügt über die gleichen Fähigkeiten. Dabei trifft er auf einen gealterten Peter Parker, die aus einem anderen Universum zu kommen scheint. Nach und nach treffen immer mehr Spider-Mans und Spider-Womans aufeinander. Zusammen versuchen sie Kingpin aufzuhalten, der mit einer Maschine versucht seine geliebte Vanessa zurückzuholen.
Erfrischend neu ist die Geschichte, die sich nur bedingt an dem typischen Superheldenschema orientiert und sich von bestehenden Erzählsträngen loslöst. Dabei ist sie auch animiert und orientiert sich am ursprünglichen Comicstil. Hinzu kommt eine spannende Geschichte und ein Miles Moralis, der eben mit ganz anderen Problemen kämpft. Dennoch bleibt irgendwo die Grundessenz eines Spider-Man erhalten und wird mit einer Menge Humor durch die verschiedenen Spider-Mans ergänzt. Nicht umsonst hat der Film den Oscar für den besten Animationsfilm erhalten.

6) Juliet, Naked

Annie und Duncan führen seit vielen Jahren eine leidenschaftslose Beziehung. Duncan ist ein riesiger Tucker Crowe Fan, der nach einem kurzen Erfolg mit zwei Alben vor über 20 Jahren komplett von der Bildfläche verschwand. Nun soll ein neues Album erscheinen, das die Lieder des ersten Albums noch einmal neu vertont hat. Nachdem Annie, frustriert über die Leidenschaft Duncans Crowe gegenüber, eine schlechte Kritik über das neue Album verfasst, kontaktiert sie niemand geringeres als Crowe selbst. Kurz darauf verlässt Duncan Annie wegen einer Affäre und Annie beschließt sich mit Crowe zu treffen. Dieser führt jedoch weniger das glamuröse Rockstarleben, als vielmehr ein Leben voller Gram und zu vieler Kinder von zu vielen Frauen.
Juliet, Naked ist ein kleiner Film, der wohl neben den ganzen Hollywood Blockbustern untergegangen ist. Dabei ist er liebevoll erzählt und zeigt die Schattenseiten einer kurzzeitigen Berühmtheit. Dabei geht es jedoch auch um Annie, die sich so gerne einen Neuanfang wünscht. Annie und Duncan sind ein Beispiel eines Paares, das irgendwie am Erwachsensein gescheitert ist und nur aus Treue zusammen bleibt und nicht, weil es sie selbst irgendwo glücklich macht. So ist es ein Film zum Nachdenken und gleichzeitig zum stillen Schmunzeln, wenn Duncan merkt, dass sich Annie mit seinem großen Idol trifft. Auch der Cast aus Ethan Hawke, Rose Byrne und Chris O’Dowd harmoniert wunderbar.

Ruf der Wildnis

Ein Vorwort

Bereits 1903 erschien Jack Londons Buch über den Hund Buck, der im hohen Norden Alaskas den Ruf der Wildnis hört. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber dem vernehmen nach, soll es sehr rau und brutal sein, kurzum sehr schonungslos. Der Film ist all das nicht. Ob das Konzept des Films aufgeht und ob der CGI Hund wirklich so missraten ist, wie viele behaupten, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Buck ist ein ziemlich großer Hund, der ein sehr beschauliches Leben in Kalifornien führt. Doch gerät er in die Hände von Hundefängern, die ihn in Zeiten des Goldrausches nach Alaska bringen. Dort arbeitet er zunächst als Schlittenhund. Doch die Wildnis ruft nach ihm.

Meine Meinung

Wie nah sich der Film an die Buchvorlage hält, kann ich nicht beurteilen. Viele werfen dem Film vor sehr weich gespült zu sein. Dem kann ich vom Grundsatz her zustimmen, doch wenn man mit keiner anderen Erwartungshaltung an den Film herangeht, ist das in erster Linie nicht störend.
Problematisch sind wohl die ersten Szenen, die Buck sehr cartoonhaft vorstellen und ziemlich überzeichnet sind. Dies ändert sich, wenn Buck in Alaska landet. Zwar merkt man auch hier noch an einigen Stellen, dass Mensch oder Tier viel zu schnell nachgeben, aber es bleibt dann doch halbwegs realistisch.
Regisseur Chris Sanders inszeniert Londons Buch hier eindeutig als Kinderfilm. Zwar müssen Buck und seine Freunde einige Herausforderungen meistern und geraten in allerhand Gefahren, aber immer so, dass es trotzdem auch von den jüngeren Kindern geschaut werden kann, was die FSK ab 6 Kennzeichnung erklärt. Hierzu gehört eben auch, dass die Tiere mit vergleichsweise viel Mimik animiert wurden. Der Vergleich mit Jon Favreaus König der Löwen liegt hier nahe. Dort waren die Tiere sehr hochwertig animiert, und vor allem sehr lebensnah. Dadurch ging jedoch beinahe vollkommen die Emotionalität des Films verloren. Buck und seinen Freunden sieht man an, dass sie animiert wurden. Der Vorteil ist, abgesehen einmal vom Tierschutz, was grundsätzlich für CGI Tiere spricht, dass dadurch Mimik und Gestik so eingesetzt werden kann, dass eben auch Kinder alle Gefühle und Botschaften verstehen. Theoretisch hätte der Hund aber auch sprechen können, dass hätte auch keinen großen Unterschied mehr gemacht.
Stattdessen haben wir Harrison Ford als Erzähler. Er erzählt die Geschichte von Buck, selbst als die beiden noch nicht aufeinander getroffen sind. Auch hier wird der Zuschauer noch einmal an die Hand genommen, um das erzählte noch einmal zu verstärken. Für einen Kinderfilm nicht unbedingt falsch, der Film entfernt sich so aber immer mehr vom Erwachsenenfilm.
Letztlich bleibt Ruf der Wildnis in dieser Form eine schöne Geschichte mit tollen Landschaftsaufnahmen und einen Hund als Protagonisten, der einen mitleiden lässt. Der Witz im Film ist sehr pointiert und lässt die Kinder immer bei der Stange bleiben. Ob es die Geschichte gebraucht hätte, daraus einen Kinderfilm zu machen, ist eine ganz andere Frage. Gelungen ist es auf jeden Fall. Und daran ändert auch kein cartoonhafter Bösewicht, der mehr schlecht als recht in den Film passt.

Das Fazit

Ruf der Wildnis dürfte viele Buchleser verärgern, schafft es ansonsten aber einen schönen Kinderfilm zu produzieren, mit tollen Landschaftsaufnahmen, spannender und emotionaler Geschichte. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Ruf der Wildnis läuft seit dem 20.02.2020 in den deutschen Kinos.

Nightlife

Ein Vorwort

Dass die Deutschen immer nur Komödien auf die Kinoleinwand bringen, ist ein weit verbreitetes Klischee, das allerdings auch immer wieder gefüttert wird. Während zuletzt Enkel für Anfänger noch als Komödie vermarktet wurde, sich darunter aber ein gutes Drama verbarg, bringt uns nun Regisseur Simon Verhoeven eine sehr platte Komödie auf die Leinwand. Warum Nightlife abgesehen von ein paar guten Ideen, nur wenig kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Milo (Elyas M’Barek) und Renzo (Frederik Lau) wollen ihre eigene Bar eröffnen. Doch dafür brauchen sie Geld. Während Renzo dies beschaffen will, schafft Milo es ein Date mit Sunny (Palina Rojinski) klarzumachen, die eigentlich nach diesem Wochenende einen neuen Job in den USA antreten will. Doch das Date gerät schnell außer Kontrolle, da sich Renzo mit den falschen Leuten angelegt hat.

Meine Meinung

Man nehme zwei erfolgreiche Jungdarsteller aus Deutschland, paare dies mit einer erfolgreichen Jungschauspielerin aus Deutschland, schreibe eine ziemlich abgedrehte Handlung, eine in die möglichst viel Slapstick reinpasst und garniere dies mit Klischees. Oh und man vergesse auf gar keinen Fall die obligatorische Liebesgeschichte. Et voila Nightlife.
Aber was läuft in dem Film nun so verkehrt. Zunächst tatsächlich erstmal gar nichts. Wir haben einen sehr überzeugenden Elyas M’Barek, der sich ein eigentlich cooles Leben aufgebaut hat und nun etwas verändern will. Vom Barkeeper zum Barbesitzer. Dann haben wir einen Frederick Lau, der die Rolle des ständig besoffenen oder zugekifften Kumpel spielt. Hier fangen dann die ersten Klischees an, aber es ist alles noch nicht weiter tragisch. Als weibliche Komponente hätten wir dann jedoch Palina Rojinski. Ihre Rolle der verbitterten, aber eigentlich zutiefst romantisch veranlagten Träumerin scheint dann mehr gewollt als gekonnt reingeschrieben zu sein. Denn eigentlich beschwert sie sich in einem fort über ihren Job und vor allem über Männer und das sie mit denen ja nicht mehr zu tun haben will. Trifft dann aber auf Milo, wirft den Vorsatz über Bord, erinnert sich wieder, dass sie kein Date will, wimmelt ihn ab, stimmt dann einem Date zu, wird dabei leicht versetzt, geht aber natürlich nicht, sagt dann während des Dates immer wieder, dass sie aktuell keine Beziehung will und jetzt gehen wird, geht aber einfach nicht. Hier fangen also schon die Probleme des Films an.
Es geht weiter damit, dass Renzo (Lau) in Schwierigkeiten gerät und dann geraten beide Freunde natürlich immer weiter in Schwierigkeiten, aber Milo will auf das Date nicht verzichten und versucht dann beides unter einen Hut zu bekommen. Man kann Nightlife hier noch zu gute halten, dass er durchaus zwischendurch gute Momente hatte und einzelne Witze durchaus auch funken. Leider habe ich bei den meisten Gags zwar reflexartig gelacht, mir direkt danach aber gedacht „Was ist denn das für ein Scheiß?“. Das spricht leider nicht für die Witze, die meist plump und mit spröden One-Linern daher kommen. So sind die Szenen beim Spieleabend durchaus witzig, zeigen aber auch nur billige Klischees von Rollenspielern und stellen sie alle als kostümliebende Trottel dar. Kann man für ein paar billige Gags durchaus machen, die eigentlichen Witze aus den Szenen hätten aber auch ohne die Klischees funktioniert.
Auch die Antagonisten wurden stupide aus dem Lehrbuch für Bösewichte übernommen. Natürlich sind es erstmal Russen, einer davon möchte jederzeit gerne anderen wehtun oder sie verstümmeln. Natürlich gibt es dann das obligatorische Ultimatum. Dann gibt es als Gegenspieler natürlich auch noch die superbösen Gangsterrapper, die es natürlich nicht schaffen unsere Protagonisten einzuholen.
Und so zieht sich der Film gefühlt von einer belanglosen Szene zur nächsten, man kann keinen Charakter wirklich ernst nehmen, die wenigsten Witze zünden richtig und das große Finale ist dann nur ein weiterer enttäuschender Aspekt – du sprichst russisch? Cool, ich spreche ja auch russisch…

Das Fazit

Nightlife ist einer dieser Filme, die das Klischee, dass die deutschen nur schlechte Komödien können, einmal mehr bestätigt. Plumpe Handlung, flache Charaktere, Witze, die sich nur aus One-Liners ergeben und das wohl schwächste Finale seit langem. Dafür gibt es 02 von 10 möglichen Punkten.