Eine Handvoll Bücherkritiken

Ich weiß noch nicht, ob dies eine wiederkehrende Kategorie wird, aber da ich merke, dass ich es meist nicht schaffe über ein Buch einen ganzen Beitrag zu verfassen und daher die meisten gelesenen Bücher nur in den Monatsrückblicken behandle, soll es hier um eine Handvoll Kurzkritiken gehen.

Mr. Barnacals Schildkröte

Die Handlung: Mr. Barnacal lebt in einer mehr oder weniger postapokalyptischen Welt in einem viel zu großen Haus für ihn, mit allerlei interessanten Zimmer und genießt die Zeit für sich allein. Doch eines Tages tauchen mehrere Personen auf, die ihm seine Schildkröte abkaufen wollen. Unwirsch wegen der Belästigung versucht Mr. Barnacal die Personen loszuwerden. Doch das ist gar nicht so leicht und während diese eine Belagerung anfangen, fängt Mr. Barnacal an nachzudenken. Besaß er überhaupt eine Schildkröte und wo könnte die sich wohl aufhalten?

Meine Meinung: Mir wurde dieses Buch auf der Comic Con in Berlin vom Wölfchen Verlag in die Hand gedrückt und so mitreißend beschrieben, dass ich das Buch nicht nur sofort kaufte, sondern auch sofort anfing es zu lesen. Und gerade der Anfang gefiel mir wirklich gut, weil es genau das war, was ich erwartet hatte. Man erfährt allerhand über Mr. Barnacals Haus und die fantastischen Zimmer, die teilweise ganze Klimazonen annehmen. Doch die Belagerung zieht sich danach immer mehr hin und das Buch verliert viel an Schwung, da man auch irgendwie nichts so richtig über die Welt an sich erfährt. Und gerade gegen Ende versucht Autorin Lisa Brenk noch einmal alles, um ein spannendes Finale hinzulegen, hatte mich bis dahin aber bereits verloren. Hinzu kommt, dass ich mit dem Schreibstil von Frau Brenk nicht warm geworden bin. Die Satzstrukturen waren sehr einfach gehalten, ebenso wie die Beschreibungen, so dass ich nicht wirklich in der Geschichte versinken konnte. Wem aber die Beschreibung der Geschichte interessiert, sollte durchaus einen Blick mal wagen.

Der Anschlag

Die Handlung: Jake Epping ist eigentlich ein ganz normaler Englischlehrer in Lisbon Falls. Doch eines Tages besucht er das Diner von seinem Freund Al Templeton, der innerhalb von einer Nacht um Jahre gealtert scheint. Und dieser erzählt ihm, dass es in seinem Diner eine Treppe in die Vergangenheit gibt, mit der er ins Jahr 1958 kommt. Al bittet Jake inbrünstig seinen gescheiterten Plan das Attentat auf J. F. Kennedy 1963 zu verhindern, da er glaubt das die Welt danach eine bessere werden müsste. Nach ersten Versuchen gibt Jake schließlich nach und reist ins Jahr 1958.

Meine Meinung: Das Stephen King sich sehr ausführlich mit dem Attentat, den möglichen Hintergründen, Beweggründen, Abläufen und auch mit der Rolle von Lee Harvey Oswald beschäftigt hat, merkt man dem Buch auf jeder Seite an. Auch das er die Geschichte der Welt danach sehr genau durchdacht hat und mögliche andere Zukunftsszenarien erdacht hat, die mit dem Überleben oder Sterben von JFK zusammenhängen, merkt man ständig. Darüber hinaus erzählt er aber die Geschichte eines Mannes, der aus der Zeit gefallen scheint. Während die Vergangenheit permanent gegen ihn arbeitet, versucht Jake fünf Jahre in einer für ihn fremden Welt zu überleben. In diesem relativ neuen Buch Kings (2011 erschienen), zeigt er, dass er noch immer Geschichten in aller Fülle erzählen kann, man merkt aber auch, dass er an einigen Stellen ein wenig abgedriftet ist, weswegen Längen zwischendurch nicht ausgeschlossen sind. Letztlich bleiben jedoch alle Geschehnisse logisch – wenn man sich damit abfindet, dass Zeitreisen existieren – auch wenn ich mit einigen Wendungen einfach nicht einverstanden war. Der Anschlag ist bestimmt nicht Kings bestes Werk, aber bei weitem auch nicht sein schwächstes.

Wir sehen uns beim Happy End

Die Handlung: Ella ist von Happy-Ends besessen. Alle Geschichten und Filme ohne Happy-End muss sie umschreiben und kriegt beim Sehen/Lesen jedes Mal fast einen Zusammenbruch. Doch als ihre augenscheinlich perfekte Beziehung in die Brüche geht, findet sie sich auf einmal im Haus von Oscar wieder, der sein Gedächtnis verloren hat, und der einige Geheimnisse zu haben scheint. Ella versucht also sein persönliches Happy-End heraufzubeschwören und stellt fest, dass dies im realen Leben wohl doch nicht so leicht ist.

Meine Meinung: Wer sich von dem helltürkisen Einband und den rosa eingefärbten Seiten nicht abschrecken lässt, der findet in Wir sehen uns beim Happy End eine Geschichte über eine zunächst schrecklich naive Ella, die man am liebsten aus ihrer Traumwelt schütteln will. Doch nach und nach wird man mit ihr warm und erkennt, dass sie wohl auch etwas zu verbergen hat. Obwohl das Buch fast 600 Seiten umfasst, liest sich die Geschichte so flüssig weg, dass keine Längen aufkommen und man voll in der Geschichte aufgeht, die einen irgendwo doch verzaubert.

Ghostsitter – Geister geerbt & Ghostsitter 2 – Achtung Poltergeist

Die Handlung: Tom lebt eigentlich ein ganz normales Leben für einen 10-jährigen. Bis er eines Tages eine Geisterbahn erbt. Das außergewöhnliche: Alle Bewohner der Geisterbahn sind echt. Der Werwolf Welf ist bei Nichtvollmond noch am normalsten. Zombie Wombie hat zwar sehr viel Kraft, geht aber nirgends ohne seinen Kuschelhasen hin, Vampir Vlarad mutiert zu dem Wesen, von dem er Spenderblut bekam, Hop-Tep, die Mumie, hat ein heißblütiges Temperament und dann gibt es noch Mimi, das Geistermädchen. Alles nicht so leicht zu managen für Tom. Und im zweiten Teil bekommen die Freunde es dann auch noch mit einem Poltergeist zu tun

Meine Meinung: Auf diese Buchreihe bin ich aufmerksam geworden, weil Autor Tommy Krappweis sie auf den Elbenwald-Festivals vorstellte. Konzipiert ist das Ganze zwar als Kinderbuch, doch sind die Charaktere so herrlich gezeichnet und die Geschichten so liebevoll und durchdacht erzählt, dass auch Erwachsene hier durchaus ihren Spaß dran haben. So ganz logisch sollte man hier nicht drangehen, denn wer würde einem 10-jährigen die Leitung einer Geisterbahn übertragen bzw. diese Geisterbahn dann einen Stellplatz geben? Aber wenn man sich einmal mit der Prämisse abgefunden hat, findet man sich regelmäßig in neuen spannenden und gerne auch lustigen Szenen wieder.
Die Buchreihe wurde auch als Hörspiel aufgezogen und vereint Sprecher, wie Christoph Maria Herbst, Hugo Egon Balder oder auch Wigald Boning.

Anime Special: Weathering with You

Ein Vorwort

Nach dem weltweiten Erfolg von Your Name. im letzten Jahr folgt nun ein neues Kinospecial vom japanischen Regisseur Makoto Shinkai. Nachdem der Film zunächst erneut nur an zwei Tagen entweder in der deutschen Synchronisation oder im Originalton mit Untertitel gezeigt wurde, bekam er durch den großen Zuspruch noch einmal zwei Zusatztermine in Deutschland. Ob der Film mit dem deutschen Zusatz „Das Mädchen, das die Sonne berührte“ an seinen Vorgänger heranreichen kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Der Oberschüler Hodaka Morishima ist von zu Hause fortgelaufen und findet sich in Tokyo zur Regenzeit wieder. Doch diesmal handelt es sich um eine besonders hartnäckige Regenzeit. Durch Zufall lernt er Hina Amano kennen, die allein durch Gebete das Wetter für kurze Zeit aufhellen kann. Sie machen ein Geschäftsmodell daraus, doch irgendwann merken sie, dass mit Hina etwas nicht stimmt.

Meine Meinung

Ich glaube ich sollte zur Sicherheit noch einmal vorweg erwähnen, dass ich kein Anime-Fan bin. In Your Name. bin ich eher aus Trotz gegangen, weil mein Lebensgefährte beleidigt meinte, dass ich da ja sowieso nicht mit ihm reingehen würde und er mich daher gar nicht erst fragen müsste. Nun ja, da mir Your Name. nach einer kurzen Eingewöhnungsphase am Anfang dann erstaunlich gut gefiel und ich mir dann auch das Vorgängerwerk The Garden of Words im Heimkino ansah und der mir relativ gut gefiel, war ich also umso gespannter auf Shinkais neuestes Werk.
Auch hier musste ich mich am Anfang zunächst an die Charaktere gewöhnen und der Film braucht auch relativ lange, um zum eigentlichen Thema zu kommen. Sobald er diesen erreicht hat, nimmt er aber schnell Fahrt auf und zeichnet sich wieder durch die Kombination aus Coming-of-Age Geschichte und fantastischen Elementen aus. Diese werden wie schon in Your Name. so geschickt verwoben, dass man sich die eine Geschichte nicht ohne die andere vorstellen kann.
Mit Hodaka hat man einen Charakter an die Seite bekommen, dessen Beweggründe bis zum Ende oft verschwommen bleiben und man ihn daher selten richtig zu fassen bekommt. Seine aufkommenden Gefühle für Mina und sein ständiger Kampf in der Großstadt Tokyo zu überleben sind dafür umso deutlicher erzählt, weswegen man doch irgendwo mit ihm mitfühlen kann. Allgemein kann man sagen, dass Shinkai seine Zuschauer über seine Charaktere gerne im Unklaren lässt. Denn bei vielen kommen im Laufe des Films deutliche Wendungen. Im Prinzip spielt der Regisseur mit den Erwartungen und Vorurteilen seiner Zuschauer. Und auch wenn einige Charaktere – gerade der Polizist, der die Suche nach Hodaka leitet – ziemlich überzeichnet sind, bleiben sie doch immer irgendwo lebensnah.
Allgemein erzählt der Film die Geschichte von zwei jungen Menschen, die zu schnell erwachsen werden mussten oder wollten. Getragen wird dies durch das fanatastische Element, dass Mina das Wetter teilweise durch Gebet kontrollieren kann. Gerade das Ende bringt dann aber eine große moralische Frage auf, die im Film auf zwei Arten beantwortet wird, so dass man sich trotzdem noch immer seine eigene Meinung dazu bilden kann.

Das Fazit

Weatherin with You – das Mädchen, das die Sonne berührte ist nach einer kurzen Einlaufphase ein guter Coming-of-Age Film mit fantastischen Elementen. In die Schuhe seines Vorgängers passt er jedoch nicht.

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Ein Vorwort

Caroline Link präsentierte uns bereits letztes Jahr zu Weihnachten die Geschichte eines harten Kinderschicksals. In „Der Junge muss an die frische Luft“ erzählte sie die Geschichte der Kindheit von Hape Kerkeling, nach dessen gleichnamigen Roman. Dieses Jahr nahm sich die Regisseurin das autobiografische Buch von Judith Kerr vor, die von ihrer Kindheit während der Nazizeit und der Flucht vor eben denen berichtete. Was „Als Hitler das Rosa Kaninchen stahl“ nun zu erzählen hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

1933. Annas Vater Arthur Kemper ein jüdischer Journalist muss vor der Wahl aus dem Land fliehen, da er den Nazis ein Dorn im Auge ist. Anna kommt kurz darauf mit ihrer Mutter und ihrem Bruder nach. Die Familie sucht zunächst in Zürich Unterschlupf und muss später weiter nach Paris und nach London fliehen. Dabei musste die Familie fast alles zurücklassen, auch Annas geliebtes rosa Kaninchen.

Meine Meinung

Das Caroline Link ein gutes Händchen für das Casting von Jungdarstellern hat, bewies sie bereits mit Julius Weckauf als jungen Hape Kerkeling. Auch in ihrem neuen Film hat sie es geschafft mit Riva Krymalowski und Marinus Hohmann zwei gute Jungdarsteller zu finden, die den schmalen Grad zwischen dem jugendlichen Leichtsinn und der Last der Flucht gut ausbalancieren und es in ihrem Alter schon verstehen, zwar reduziert zu spielen, aber trotzdem eine Menge Emotionen zu vermitteln.
Wirklich aufregend wird die Handlung an keiner Stelle. Wer also mit spannenden Fluchtszenen gerechnet hat, der wird hier wohl enttäuscht. Auch hat der Titel bis auf drei kurze Szenen wenig mit dem Titel zu tun. Gerade hierüber war beispielsweise meine beste Freundin sehr enttäuscht, die sich auf wilde Gute-Nacht-Geschichten gefreut hatte, in dem ein gezeichneter böser Hitler das arme rosa Kaninchen stahl. Als sowas sucht man in diesem Film vergeblich. Stattdessen bleibt die Erzählung an Anna dran, die sich regelmäßig in neuen Situationen wiederfindet, die ihr zuwider sind, oder die sie schlicht nicht nachvollziehen kann. Auch bleibt das regelmäßige Sprache lernen und wieder nichts verstehen den Kindern nicht erspart.
Hier ist vor allem spannend zu entdecken, wie das Thema Nazis und Hitler und dessen Machtergreifung mit den Auswirkungen auf die Bevölkerung zwar allgegenwärtig sind, aber tatsächlich eher über die Gespräche der Erwachsenen transportiert wird. Für die beiden Kinder ist es eher ein Herausreißen aus dem gewohnten Leben und ein Abschiednehmen aus der Heimat. Wie unterschiedlich auch beide damit umgehen und mit welchen Problemen und Sorgen sie sich herumschlagen, all das beleuchtet der Film ganz genau. Vielleicht ist er gerade durch die Unaufgeregtheit und die ruhige reduzierte Erzählweise eines der ehrlichsten Alltagsbilder aus eben jener Zeit.
Getragen wird der Film von einer hochmotivierten Riva Krymalowski als Anna, die mit ihrem nie enden wollenden Enthusiasmus den Zuschauer in den Bann ziehen kann. Gerade die transportierte kindliche Unbeschwertheit, trotz der vielen Sorgen der Familie, machen den Film aus. Gerade die Sympathien mit der Familie sorgen dafür, dass der langsam erzählte Stoff an keiner Stelle zäh wirkt.

Das Fazit

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl ist ein ruhig, aber ehrlich erzählter Film über die Nazizeit aus der Sicht eines jungen Mädchens. Dabei ist er nie wirklich spannend, aber wird durch die sympathische Familie getragen. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl läuft seit dem 26.12.2019 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: 1917

Ein Vorwort

1917 wird bereits als hoher Oscarfavorit gehandelt. Sam Mendes inszeniert hier eine Geschichte, die er seinen Großvater, einem Kriegsveteran, widmet. Die Geschichte hat er aus den Erzählungen dessen entwickelt und versucht den Familien und Veteranen der „verlorenen“ Generation Tribut zu zollen.

Die Handlung

Lance Corporal Tom Blake (Dean-Charles Chapman) und Lance Corporal William Schofield (George McKay) werden zum General (Colin Firth) beordert. Dieser hat den wichtigen Auftrag die beiden zu Colonel Mackenzie zu schicken, um den bevorstehenden Angriff abzublasen, da es sich um einen Hinterhalt der Deutschen handelt. Dafür müssen sie durch Niemandsland. Da Blakes Bruder in der Einheit Mackkenzies ist, ist er sehr motiviert den Auftrag auzuführen.

Meine Meinung

Zuletzt brachte uns Christopher Nolan mit seinem gefeierten Dunkirk ins Frankreich in Kriegszeiten. Dort ging es jedoch während des zweiten Weltkrieges um die Evakuierung der britischen Soldaten aus Dünkirchen. Sam Mendes reist nun noch ein Stück weiter in die Vergangenheit. Genau genommen ins titelgebende Jahr 1917. Auch hier verfolgen wir zunächst britische Soldaten, die die Ruhe vor dem Sturm nutzen, um sich etwas auszuruhen. Schnell lernen wir unsere beiden Protagonisten Blake und Schofield kennen. Doch um die Ruhe ist es bald vorbei. Denn der General hat einen Auftrag für die beiden. Und die Kamera wird sie auch nicht mehr allein lassen.
Wo wir schon beim bemerkenswertesten am Film wären. Die Kameraarbeit. Denn diese bleibt an unseren Protagonisten kleben und fährt mal vornweg, mal nebenher, mal hinterher. Dadurch wirkt der Film wie ein einziger Take, auch wenn dies natürlich nicht sein kann. Aber Achtung an alle Leute mit schwachen Magen. Die Kamera „marschiert“ praktisch mit, weswegen immer ein verstärkter Wackeleffekt eintritt, der einen leicht auf den Magen schlagen kann, wenn man dafür empfindlich ist.
Ebenso erwähnenswert ist dadurch auch die schauspielerische Leistung der beiden Protagonisten, deren Emotionen permanent von der Kamera eingefangen werden. Gerade der Marsch durch das Niemandsland wird in allen Details gezeigt. Dies wirkt am Anfang ein bisschen Langatmig, aber auch absolut realistisch, was die Länge wieder wett macht. Und die Langatmigkeit wird auch schon bald durch ein paar hochspannende Szenen ersetzt. Und auch wenn man ein paar Entscheidungen der beiden nicht nachvollziehen kann, bleibt man doch immer mit dran und leidet praktisch bei jeder Wendung wieder neu mit. So bleibt 1917 bis zur letzten Szene hochspannend.
Zwischendurch gibt es auch ein paar ruhigere Momente, wo auch immer mal wieder eine Hollywoodpersönlichkeit auftauchen darf, so dass es auch über die aus dem Trailer bekannten hinaus immer wieder ein bekanntes Gesicht zu erkennen gibt. So ist 1917 letztlich ein erschreckend reales Abbild des ersten Weltkrieges, der beinahe vollkommen auf überdramatische Augenblicke verzichtet und dadurch nur noch bestürzender ist.

Das Fazit

1917 ist ein von der Grundidee her sehr undramatischer und realistisch gehaltener Kriegsfilm, der aber gerade durch den Realismus bestürzt und dadurch lange im Gedächtnis bleibt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

1917 läuft seit dem 16.01.2020 in den deutschen Kinos.

Knives Out

Ein Vorwort

Rian Johnson ist für viele wohl nur der Typ, der Star Wars 8 gemacht hat und für viele auch versaut hat. Da ich immer noch ein großer Verteidiger seines Films bin und Mr. Johnson daher in keinster Weise grolle, war ich sehr offen für sein neustes Werk. Das dies auch noch in bester Agatha Christie Manier und mit einem sehr interessanten Cast daher kommt, war für mich nur noch ein weiterer Grund. Warum Knives Out für mich schon jetzt zu den besten Filmen des Jahres gehört, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Der berühmte Krimiautor Harlan Thrombey (Christopher Plummer) wird tot aufgefunden. Schnell wird Selbstmord diagnostiziert und seine Familie trifft sich auf dem Anwesen zur Testamentseröffnung. Doch dann tritt Benoit Blanc (Daniel Craig) auf, ein berühmter Detektiv. Und so müssen sich alle Familienmitglieder noch einmal zur Befragung.

Meine Meinung

War es der Koch in der Küche, der Butler im Salon oder doch der Gärtner im Garten? Auch wenn das Anwesen auf dem der Film hauptsächlich spielt schon rein von der Optik wie ein Cluedo-Brett aussieht, sind die klassischen Verdächtigen gar nicht dabei. Stattdessen finden sich in der Familie genug Verdächtige. So scheint fast jeder irgendwo einen Grund zu haben und irgendwie auch keinen.
Johnson scheint den Film zunächst wie ein einfaches Whodunit aufzuziehen. Die einzelnen Charaktere werden zur Befragung geholt und dürfen ihre Version der Ereignisse wiedergeben. Gleichzeitig wird dem Zuschauer die reale Version gezeigt. Dies wäre dann bereits die erste Modernisierung, dass auf die Off-Stimme, die die Lüge erzählt, verzichtet wird, und der Zuschauer gleich von der Wahrheit weiß. Doch sobald diese Sequenz vorbei ist und der Zuschauer praktisch die Motive so ziemlich aller Familienmitglieder kennt, bricht Johnson gewaltig mit der Tradition. Denn er zeigt, wie Harlan gestorben ist. Oder doch nicht? Vielleicht auch nur unvollständig? Nun wir wollen nicht weiter spoilern. Auf jeden Fall setzte er den Zuschauer noch einmal auf eine ganz neue Fährte. Und spätestens ab hier hat der Film absolut jeden in den Bann gezogen.
Das liegt vor allem auch an Craigs sehr interessanter Darstellung den Benoit Blanc. Denn nicht nur die Erzählstruktur erinnert stark an einen Agatha Christie Roman, auch Blanc wirkt wie ein etwas weniger aufregter Poirot. Doch setzt er ganz pointiert eine gewisse Verrücktheit in die ansonsten elegante britische Fassade, so dass man gar nicht genug von ihm kriegen konnte. Gepaart wird das mit einer wirklich spannenden Geschichte, bei dem ich – mal wieder – bis zum Ende nicht auf den wahren Mörder gekommen bin. Oder war es doch der vermutete Selbstmord? Ich bin aber sehr stolz darauf, dass ich zumindest den Tathergang vermuten konnte. Aber als i-Tüpfelchen gibt es so viele Kleinigkeiten zu entdecken, in denen Johnson mit dem bekannten bricht und die klassische Geschichte modernisiert. Zumal sich sein Cast auch nicht bitten lässt und ihre Charaktere mit einer absoluten Inbrunst verkörpern.
Ich könnte an dieser Stelle noch über so einige Dinge ins Schwärmen kommen, wie zum Beispiel die wohl coolste Autoverfolgung der Filmgeschichte, aber dafür müsste ich viel zu sehr ins Detail gehen und ich möchte die ganzen Entdeckungen nicht vorweg nehmen. Also bleibt mir nur zu sagen: Wer mit dem Prinzip der Detektivgeschichte und des Whodunit etwas anfangen kann, der sollte diesen Film unbedingt sehen.

Das Fazit

Knives Out ist ein spannender, witziger und an so vielen Stellen charmanter Film mit einem tollen Daniel Craig als Detektiv, dass ich ihn nur wärmstens empfehlen kann. Rian Johnson schafft es klassische Motive zu moderniesieren und ihnen dadurch neues Leben einzuhauchen. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Knives Out läuft seit dem 02.01.2020 in den deutschen Kinos.

Cats

Ein Vorwort

Was hat der Trailer doch für Häme abbekommen. Die Effekte seien zu schwach, das Aussehen schaurig, worum solle es in dem Film eigentlich gehen? Die Kritik endete jedoch nicht nach dem Trailer sondern zog nach Kinostart in einem fort. Cats steuert zielstrebig auf den Flop des Jahres zu. Warum ich den Film gar nicht so schlecht fand, dennoch aber einige Kritikpunkte habe, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Alljährlich findet der große Ball der Jellicle-Cats statt. Dort kürt das Oberhaupt Alt Deuteronimus (Judy Dench) eine Katze, die in den sphärischen Raum eintreten darf, was einer Wiedergeburt gleichkommt. Die Bewerber sind zahlreich und so singen und tanzen sich die Katzen im Bewerbungsprozess durch die Nacht. Neu mit dabei ist Victoria (Francesca Hayward), die frisch auf der Straße ausgesetzt wurde.

Meine Meinung

Praktisch in letzter Sekunde wurde der Film fertig. Regisseur Tom Hooper ließ nach eigenen Angaben noch am Erscheinungstag eine überarbeitete Version fertig stellen. Bereits nach Erscheinen des Trailers wurde ja viel über die CGI Katzen diskutiert. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass ein Film mit solch einem Budget sich schon etwas einfallen lassen musste, da eine simple Musicalversion mit Kostümen auf der Leinwand wohl noch lachhafter gewirkt haben müsste. Weswegen sich dann jedoch für so eine halbmenschliche-halbtierische Variante entschieden wurde, dürfen die Verantwortlichen selbst erklären. Erwartet hatte wohl jeder eher die normale „Motion-Capture“-Variante, die bereits in Planet der Affen und ähnlichen Filmen für viel Lob sorgte. Letztendlich ist das CGI wohl einer der Hauptgründe für die hohen Produktionskosten, warum man es dann nicht einfach richtig gemacht hat, wer weiß.
Wer jedoch über das Aussehen hinwegsehen kann, der kritisiert zumeist die nicht wirklich existente Handlung. Aber mal ganz ehrlich, was wurde denn bei der Musicalverfilmung erwartet? Cats hatte noch nie eine andere Handlung außer verschiedene Katzen und ihre Eigenarten vorzustellen und genau das tut der Film. Durch die Möglichkeit der wechselnden Kulissen wohl auch ausschweifender als auf der Bühne es möglich wäre.
Damit hätten wir die beiden Hauptkritikpunkte zumindest teilweise wiederlegt bzw. spielen sie eigentlich keine so große Rolle. Ist Cats demnach also doch ein guter Film? Leider kann ich dies auch nicht behaupten. Während viele bereits beim Trailer abgeschreckt waren, war ich völlig begeistert. Mir gingen die altbekannten Lieder direkt unter die Haut und ich freute mich regelrecht auf ein Wiedersehen mit den Jellicle-Katzen, aber…
Zum einen fehlt es den Liedperformances an dem nötigen Pepp. Ich hätte den Film gerne im Originalton gesehen, da ich denke, dass gerade ein Jason Derullo dort noch einmal besser zur Geltung kommt. Die deutsche Synchronisation hatte leider bei vielen Liedern eher schwache Stimmchen engagiert, die den Liedern nicht gewachsen schienen. Hinzu kommt, dass viele Lieder noch einmal im Deutschen umgetextet wurden, um synchroner mit der Lippenbewegung zu sein, was aber gerade in den Nahaufnahmen doch noch einmal auffällt, dass es eben nicht synchron ist. Hinzukommt, unabhängig von der deutschen Synchro, dass einige der Lieder versucht „moderner“ interpretiert wurden, was aber irgendwo auch nicht gepasst hat.
Zum anderen fehlt es gerade der Eingangsperformance (Jellicle Songs for Jellicle Cats) an mitreißender Begeisterung bei der Choreographie. Die Gruppenperformances kommen eher in der zweiten Hälfte zu tragen, dort hat man aber bereits viele Zuschauer verloren.
Letztlich ist zu sagen, dass die Stärke von Cats schon immer in den Liedern steckte, da eine Handlung ja noch nie wirklich vorhanden war. Leider schafft der Film es nur an wenigen Stellen wirklich an die Dynamik in Gesang und Tanz mit dem Musical mitzuhalten. Wirklich positiv in Erinnerung ist mir nur das Lied Skimbleshanks, der Kater vom Nachtexpress in Erinnerung geblieben. Und so ist Cats für mich vielleicht nicht der Totalausfall, den viele beschreiben, aber bei weitem noch kein guter Film.

Das Fazit

Wer sich drauf einstellt, dass eine Handlung nicht vorhanden ist, sich mit dem Aussehen der Katzen anfreunden kann und das Musical selbst nicht kennt, der kann hier durchaus einen Blick wagen. Für die Musicalfans werden die Songs gerade in der deutschen Synchro ein wenig lieblos abgearbeitet. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Cats läuft seit dem 25.12.2019 in den deutschen Kinos.

Jumanji 2 – The Next Level

Ein Vorwort

Als die Ankündigung kam, dass der Klassiker aus den 1980er Jahren wiederbelebt werden sollte, zuckten viele nur müde mit den Schultern. So präsent sind die Remakes/Reboots in den letzten Jahren. Doch Jumanji – Willkommen im Dschungel hat es geschafft das alte Konzept in die moderne Zeit zu übertragen und so ein absoluten Filmspaß zu kreieren. Nun kündigte Jumanji erneut ein Sequel an. Ob der zweite Versuch mit dem Erfolg vom ersten mithalten kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Die Freunde Spencer, Fridge, Bethany, und Martha wollen sich kurz vor Weihnachten wiedertreffen, nachdem sie nach dem Schulabschluss alle unterschiedliche Wege einschlugen. Während sich ein Großteil der Gruppe sichtlich freut, fühlte sich Spencer zunehmend unglücklich und wünscht die Jumanji Zeiten zurück. Also versucht er das Spiel zu reparieren. Da sich zeitgleich aber auch sein Opa und dessen Freund Milo im Haus befinden, finden sich die Freunde nur bedingt in ihren alten Egos wieder. Und erneut müssen sie einen Weg aus dem Spiel finden.

Meine Meinung

Jumanji – Willkommen im Dschungel hat von zwei Elementen gelebt. Zum einen die Änderung des Brettspiels in ein Videospiel und mit eben diesen Elementen zu experimentieren. Zum anderen mit den sehr unterschiedlichen Charakteren, die in eher untypische Avatare gesteckt wurden. So greift Jumanji 2 diese nun wieder auf, kommt aber nicht mehr an den Überraschungsfaktor heran. Während es im ersten Teil witzig war, dass die In-Spiel-Charaktere nur bestimmte Floskeln sagen konnten und auch nur einen begrenzten Radius zum interagieren hatten, ist es hier zwar ein Wiedererkennen, aber kein Neuentdecken mehr.
Grundsätzlich ist zu sagen, dass Jumanji 2 durchaus noch einige Ideen hatte, die sie im ersten Teil nicht unterbringen konnten. Gerade weil die Avatare nicht unbedingt mit denen aus dem ersten Teil übereinstimmten, gab es dafür eine witzige Lösung. Auch das grunsätzliche „Oje, das haben wir doch alles schon einmal erlebt“-Gefühl der Charaktere funktioniert zunächst sehr gut. Leider waren dann aber doch nicht genug gute Ideen für einen ganzen Film vorhanden. So werden eben einzelne Gags immer und immer wieder wiederholt – ich sag nur „Wer ist Jumanji?“ und die durchgehende Verpeiltheit und Ahnungslosigkeit der beiden älteren Herren. Mögen sie am Anfang noch witzig sein, so ist die dritte Wiederholung der gleichen Frage dann irgendwann einfach nur noch nervig.
Hinzu kommt, dass dem neuen Bösewicht relativ wenig Screentime zugewiesen wurde und er so wie ein 08/15-Bösewicht wirkt. Rory McCann – bekannt als Bluthund aus Game of Thrones – als Schauspieler ist hier definitiv verschwendet. Hirt hätte man statt den gleichen Gag zum fünften Mal zu nutzen, durchaus ein wenig mehr Handlung einfügen können.
Auch die grundsätzlich gute Idee aus dem ersten Teil mit den drei Leben pro Charakter wurde hier zwar wieder aufgegriffen, aber absolut lieblos umgesetzt. Oh, du hast ein Leben verloren, oops, oh ich jetzt auch, na wie konnte das denn passieren. Im Prinzip wurde nur versucht alle Charaktere vor dem großen Finale auf ein Leben zu kriegen. Das das auch mit guten Einfällen ging, bewies Teil Eins.
Auch schauspielerisch blieb die Fortsetzung hinter dem ersten Teil zurück. Dwayne Johnson scheint hier stark überfordert zu sein, sich selbst in alt zu spielen. Auch Kevin Hart schafft es kaum sich in den neuen Charakter einzufinden. Lediglich Jack Black spielt sich wieder selbst gegen die Wand, auch wenn ihm seine Bethany-Variante besser lag.
So ist Jumanji – the next Level lediglich ein billiger Abklatsch des wirklich starken ersten Teils. Leider ist er stellenweise zwar noch spannend, aber nicht mehr wirklich witzig und eigentlich weiß man auch worauf der Film hinaus will. Ob der in der Midcreditscene angekündigte dritte Teil das Ruder noch einmal rumreißen kann, bleibt abzuwarten.

Das Fazit

Jumanji – the next Level hatte zwar noch ein paar Ideen, die reichten aber nicht für einen ganzen Film. So bleiben Spannung und Witz irgendwo auf der Strecke liegen und der Film kommt nicht an den starken ersten Teil heran. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Jumanji – the next Level läuft seit dem 12.12.2019 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: 3 Engel für Charlie

Ein Vorwort

Auch 2020 geht es weiter mit den Remakes/Reboots, aber auch mit der Frauenpower. Im Gegensatz zu Ghostbusters oder Oceans Eight waren Charlies Engel aber schon immer Frauen, wurden hier aber neu besetzt. Diesmal jedoch mit Elizabeth Banks auch mit einer Regisseurin. Sie bekam die Aufgabe die Engel international zu machen. Das dies zuletzte bei Men in Black nicht funktionierte, schieb niemanden zu stören. Wie das den Engeln bekommt, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Die Informatikerin Elena Houglin (Naomi Scott) arbeitet in der Forschungsabteilung einer großen Firma in Hamburg. Als sie entdeckt, dass ihr neuestes Projekt als Waffe einsetzbar ist, meldet sie dies ihrem Vorgesetzten. Als sie dort auf taube Ohren stößt, wendet sie sich an die Agency. Bosley (Djimon Hounsou) und sein Team aus Sabina (Kristen Stewart) und Jane (Ella Balinska) versucht ihr zu helfen.

Meine Meinung

Ich habe bisher noch nie etwas Nettes über Kristen Stewart geschrieben. Bisher konnte sie mich auch noch mit keinem Film wirklich vom Gegenteil überzeugen. Ihre aussagelose Miene zeigte sie einfach in einem Film zu viel und gerade Snow White & the Huntsman hat sie mir damit auch ganz schön zerstört. Aber da sage mal einer, dass sich eine Schauspielerin nicht doch ändern kann. 2016 sah ich sie zum letzten Mal in Café Society und in diesen drei Jahren scheint sie eine Wandlung durchgemacht zu haben, die ihresgleichen sucht. Oder sie hat in der Rolle der Sabina einfach nur ihre Lebensrolle gefunden. Denn was sie hier abliefert, ist zwar noch immer keine tiefgründige Schauspielleistung, aber eine ganze Reihe an Gesichtsausdrücken, man merkt ihr deutlich den Spaß am Spielen an und darf ich anmerken, dass sie in einigen Szenen einfach nur heiß ist? So das musste gesagt werden.
Ihr zur Seite stehen Naomi Scott – zuletzt zu sehen in der Aladdin Realverfilmung – und Ella Balinska. Außerdem spielt Elizabeth Banks natürlich auch in ihrem Film mit. Als eine der Bosleys, das inzwischen kein Name mehr, sondern eine Rangbezeichnung ist, weswegen es auch mehrere gibt. Ebenfalls mit von der Partie sind Sam Clafin, Patrick Stewart, Djimon Hounsou und Jonathan Tucker.
Gerade am Anfang krankt der Film ein wenig an der üblichen „Origin“-Story. Das Team wird neu gebildet und muss erst einmal mit den unterschiedlichen Charakteren in Harmonie geraten. Gerade die erste halbe Stunde bestand aus meinem ständigen Kopfschütteln. Aber nach und nach wird man mit dem Film und seinen Charakteren immer wärmer. Und gerade das große Finale ist dann eben auch genau das: Ein Finale, das sich absolut sehen lässt. Hier hat sich der Film final eingegroovt und zeigt noch einmal ausschweifend, was es mit dem Charakteraufbau jeweils auf sich hatte.
So ist der Film durchaus größtenteils spannend, stellenweise wirklich witzig, stellenweise wirkt aber auch alles etwas erzwungen. Dennoch ist die Aussicht auf  einen zweiten Teil mit den gleichen Charakteren durchaus aussichtsreich.

Das Fazit

3 Engel für Charlie braucht seine Zeit, um sich einzugrooven, aber das starke Finale macht so viel wett, dass man sich auf die Fortsetzung ohne die Kinderkrankheiten einer „Team muss sich finden“-Story freut. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

3 Engel für Charlie läuft seit dem 02.01.2020 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: 7500

Ein Vorwort

Wenn ich in den Urlaub fliege, habe ich immer irgendwo ein bisschen Restangst. Das Gefühl der vollkommenen Kontrollabgabe ist beim Fliegen noch einmal viel größer, als beispielsweise beim Bahnfahren. Regelmäßige Filme über Flugzeugentführungen und Flugzeugabstürze sind auch nicht gerade hilfreich dabei. Doch anscheinend wurde es einmal wieder Zeit für einen neuen Film über genau die Themen. Ob sich 7500 von anderen Filmen seiner Art abheben kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Tobias Ellis (Joseph Gordon-Levitt) ist Pilot auf der Strecke Berlin-Paris. Alles scheint seinen ganz normalen Gang zu gehen, bis kurz nach dem Start mehrere Männer versuchen das Cockpit zu stürmen und das Flugzeug zu entführen. Tobias setzt also einen Hilferuf ab. Den internationalen Code für Flugzeugentführungen: 7-5-0-0

Meine Meinung

Während Filme, wie Flightplan und ähnliche, sich zumeist mit den Passagieren oder dem eigentlich in diesen Filmen immer anwesenden Air Marshall beschäftigt, setzt 7500 bereits ganz anders an. Die deutsche Produktion zeigt zunächst Aufnahmen von Überwachungskameras von einem der Berliner Flughäfen. Hier scheint es zunächst nur um die allgemeinen Routinen zu gehen, nur wer den Trailer gesehen hat oder sich mit der Inhaltsangabe des Films beschäftigt hat, sieht, dass es die immer gleichen Männer auf den Aufnahmen zu sehen sind. Perspektivwechsel ins Cockpit eines Flugzeuges. Man sieht hier, wie die Crew eintrifft und ihre Vorbereitungen treffen. Hier folgt auch der verzweifelte Versuch eine Bindung mit den Zuschauern aufzubauen. Wenn Protagonist Tobias mit seiner Freundin, einer der Stewardessen, über das Kindergartenproblem ihres Sohnes sprechen, bringt das aber keinen den Charakteren wirklich näher. Schnell verliert sich der Film im stupiden Abarbeiten der Checklisten. Ca. 20 Minuten fühlt es sich eher wie eine Dokumentation über den Flugalltag an als ein Thriller. Dann überschlagen sich die Ereignisse und die Männer von vorhin, versuchen ins Cockpit einzudringen. Dies gelingt ihnen nur teilweise, weswegen Tobias nun immer wieder vor die Wahl gestellt wird, Cockpittür öffnen oder geschlossen lassen. Die Anweisungen sind eindeutig, aber wie verhält man sich, wenn die eigene Freundin bedroht wird.
Der Film hat mit seinen 90 Minuten eine klare Dreiteilung. Einführung und erster Versuch der Entführung dauern ca. 30 Minuten, die nächsten 30 Minuten sind der Kampf der Männer endgültig ins Cockpit zu gelangen inkl. Geiselnahme. Die letzten 30 Minuten sind dann der verzweifelte Versuch ein Ende zu finden, das nicht zu überhastet wirkt.
Positiv zum Film zu sagen ist, dass er großen Wert auf realistische Szenarien legt. Es gibt nicht den Air Marshall, der immer wieder durch das Flugzeug rennt und dabei viel Action erfolgt. Stattdessen verlegt sich der Film auf eine Variante einer Flugzeugentführung, die – leider – genauso stattfinden könnte. Dabei werden gerade die Routinen ausgenutzt, um die strengen Bestimmungen zu umgehen. Auch der übrige Film wird nur aus der Perspektive des Cockpits gezeigt. Dadurch liegt der Film aber auch in der Hand der wenigen Akteure. Denn von den Passagieren und wie die auf die Ankündigungen der Piloten reagieren, bekommt man nichts mit. Dadurch wirkt der Film sehr zurückgenommen und auch die vereinzelten Actionszenen wirken weniger Adrenalingeladen, als das große Rumgerenne durch das Flugzeug,
Problematisch an der Sache wird es dann aber, wenn man durch diese Darstellung als Zuschauer den Bezug zum Film verliert. Dadurch, dass die Charaktere nicht richtig eingeführt wurden, ist es einem letztendlich eigentlich egal, was mit ihnen passiert. Man kann sich nicht einmal in einen der schreienden Gäste reinfinden, da die gar nicht gezeigt werden. So spielt Joseph Gordon-Levitt zwar gut, schafft es aber nicht den Film im Alleingang zu tragen, bzw. scheitert an seiner zu einfach gehaltenen Person.
Auch die Terroristen wirken sehr blass im Film. Ihre Motive bleiben bis zum Ende eigentlich unklar. Zwischendurch wird zwar eine kurze Botschaft vorgelesen, die aber auch wenig Aufschluss gibt. Im Prinzip sind es einfach wieder die „bösen Muslime“, die meinen, dass die „bösen Weißen“ ihnen Unrecht getan haben und deswegen halt mal eben das Flugzeug entführen. Vedat gespielt von Omid Memar ist dann der einzige Charakter, der noch ein wenig mehr Tiefe bekommt und gerade im letzten Dritten noch ein wenig mehr zu sich sagen darf. Aber auch hier bleibt es bei den bekannten Klischees.

Das Fazit

7500 zeigt ein realistisches Szenario einer Flugzeugentführung und bleibt bei den Geschehnissen beinahe vollständig im Cockpit. Da aber kaum Charakterisierung erfolgt und Motive lediglich oberflächlich behandelt werden, fehlt dem Zuschauer aber die Sympathie und damit die Nähe zum Geschehen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

7500 läuft ab dem 26.12.2019 in den deutschen Kinos.

Star Wars – Episode 9 – Der Aufstieg Skywalkers

Ein Vorwort

Eine wichtige Zeit für die Star Wars ans weltweit steht an. Denn mit Episode 9 soll nun endgültig Schluss mit der Skywalker-Saga sein. Zwar soll es weitere Star Wars Filme geben, aber nicht mehr mit dem gleichen Grundgestein. Und so hieß es nun ein letztes Mal Vorhang auf und ein Wiedersehen mit den bekannten Charakteren. Warum Episode 9 die logische Konsequenz aus den vorangegangenen Filmen ist, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

In Episode 7 lernen wir die Schrottsammlerin Rey kennen. Als sie eines Tages den desertierten Sturmtruppler Finn und den Droiden BB-8, der dem Kämpfer des Widerstands Poe Dameron gehört, trifft findet sie sich unerwartet an Bord des Millenium Falken wieder. Auf ihrer Flucht vor der Ersten Ordnung treffen sie auf Han Solo und Chewbacca. Dieser erzählt ihnen, dass die alten Geschichten um die Jedi wahr sind. Auf der Suche nach Luke Skywalker findet Rey Anakin Skywalkers altes Laserschwert und spürt, dass etwas  in ihr erwacht. Doch die erste Ordnung findet die Truppe und der mächtige Kylo Ren nimmt Rey mit. Die Erste Ordnung hat eine Starkillerbasis gebaut, die Planeten noch schnell als der frühere Todesstern zerstören kann. Han, Chewie, Poe und Finn melden sich freiwillig, um auf die Basis einzudringen, diese zu zerstören und Rey zu retten.
In Episode 8 hat Rey Luke aufgespürt und will ihn zum Widerstand zurückholen. Dieser weigert sich jedoch. Zeitgleich hat die Erste Ordnung die Widerstandsbasis aufgespürt und verfolgt das letzte Schiff des Widerstands. Doch diesem geht der Treibstoff aus. Während Leia einen Plan zu haben scheint, vertraut Poe dem ganzen nicht und schickt Poe mit der Wartungsarbeiterin Rose nach Canto Bight, um dort einen „Meistercodeknacker“ zu finden, der sich in das System der Ersten Ordnung einhacken soll und so dem Widerstand die Flucht ermöglichen soll.
Rey und Kylo Ren spüren inzwischen eine Verbindung untereinander. Rey überredet Luke ihr den Umgang mit der Macht beizubringen.

Die Handlung

Kylo Ren (Adam Driver) führt inzwischen die Erste Ordnung an. Auf seiner Suche durch die Galaxis findet er den totgeglaubten Imperator Palpatine. Dieser hat Schiffe und eine Armee bereit, um den Widerstand endgültig zu brechen und die gesamte Galaxie zu unterwerfen. Rey (Daisy Ridley) übt unterdessen an ihren Jedi-Fähigkeiten.

Meine Meinung

Was haben wir als Fans nicht alles schon mit Star Wars durchgemacht. Während die Ursprungstrilogie (nach chronologischer Zählung Episode 4-6) für immer unantastbar bleibt, wollen viele George Lucas Prequel Reihe (nach chronologischer Zählung Episode 1-3) eigentlich nur vergessen. Und während auch für mich Episode 1 und 2 wohl am schwächsten bleiben werden, war gerade Episode 3 die logische Konsequenz um den Übergang zu Episode 4 zu schaffen und die Ereignisse aus den vorangegangenen Teilen zu Ende zu erzählen. Es vergingen erneut … Jahre, bis sich J.J. Abrams erneut an den Stoff traute. Die Rechte waren von Lucas inzwischen an Disney verkauft worden, die eine Menge Potential sahen, vor allem um Geld zu scheffeln. Und so kam Episode 7, die sich sehr uninspiriert an Episode 4 orientierte bzw. die Geschichte einfach noch einmal anders nacherzählte. Dennoch funktionierte es, da die Fans lang genug auf neuen Stoff gewartet hatten. Doch auch ihr Zorn war geweckt. Dies spürte Rian Johnson dann sehr deutlich, als ihm Episode 8 übertragen wurde. In der Vorahnung, dass er es den Fans, die noch immer ihre Ursprungstrilogie vergötterten, sowieso nicht Recht machen konnte, erzählte er eine sehr zurückgenommene Geschichte über den verzweifelten Fluchtversuch des Widerstands und damit seine ganze persönliche Star Wars-Geschichte. Mir persönlich gefiel Episode 8 sehr gut, weil er sich ein bisschen selbst aufs Korn nahm, was aber bei vielen nicht gut ankam. Nun wurde eiligst J.J. Abrams wieder an Bord geholt. Er solle doch bitte den letzten Teil „retten“. Nun war die Frage, wie eben jener, der den Auftakt nicht richtig hinbekommen hat, nun denn das Finale retten soll, sehr drängend.
Aber man muss Abrams eins lassen. Wie schon damals Lucas mit Episode 3, schafft auch er es mit Episode 9 die logische Konsequenz aus den vorausgegangenen Teilen zu kreieren. Klar könnte man jetzt kreativen Mangel vorwerfen, dass er einfach den Bösewicht aus allen früheren Trilogien wiederbelebt hat, der natürlich im Hintergrund alle Strippen gezogen hat. Das Palpatine zurückkommt ist übrigens kein Spoiler, es wird im Trailer angedeutet und bereits im Intro-Text, also in der ersten Filmminuten bereits ausgeklärt – was seinen ersten Auftritt auch ein bisschen wirkungslos gemacht hat, aber durch die Inszenierung wurde hier doch wieder viel gewonnen. Aber letztendlich hatten die vorangegangenen Episoden es auch einfach verpasst den einen großen Bösewicht aufzubauen, also mussten sie nun halt einen herzaubern – die Diskussion ob es einen Oberbösewicht überhaupt gebraucht hätte, spar ich mir dann mal.
Episode 9 schafft es jedoch einen Bogen zu schlagen zwischen offenen Handlungssträngen, neuen Handlungssträngen, der Verknüpfung des Alten mit dem Neuen und die Charaktere sich zu Ende entwickeln zu lassen. Damit steht es wirklich für ein definitives Ende, wo am Ende wohl fast jede Frage geklärt sein dürfte. Dabei werden Entwicklungen und Veränderungen auch versucht zu erklären, so dass der Film trotz zahlreicher Actionsequenzen nicht gehetzt wirkt. Er nimmt sich die Zeit um seine Geschichte fertig zu erzählen. Man muss das Ende nicht gut finden – ein herzliches „Fuck Disney“, tönte am Ende durch den Kinosaal – aber man kann dem Film nicht vorwerfen, dass es nicht zu Ende gebracht wurde – oder wie die 8. Staffel von Game of Thrones Charakterentwicklungen über den Haufen wirkt, damit es zum Ende kommt.
Was einem aber vor allem auffällt ist das riesige Budget, das Disney in seinen Film investiert hat. Die Special Effects sind vom allerfeinsten und gerade das große Finale ist ein Augenschmaus, für den es sich wirklich lohnt den Film auch im Kino gesehen zu haben.

Achtung! Im folgenden Kritikpunkt gehe ich etwas näher auf Details der Handlung ein. Je nach Auslegung kann dies als Spoilern verstanden werden. Ihr seid also gewarnt!

Das einzige, was mich wirklich gestört hat – außer der Bösewicht aus dem Hut, aber das ist noch vertretbar – ist das sich der Film zwar zwischendurch traut Charaktere vermeintlich umzubringen, dies aber meist keine zwei Szenen lang durchhält und sie wiederbelebt. Als dies beim ersten Mal geschah, war ich wirklich den Tränen nah, nur um mich ein paar Minuten danach zu ärgern. Klar war ich glücklich, dass der geliebte Charakter noch unter den Lebenden weilte, aber irgendwo wütend, weil ich um meinen emotionalen Moment betrogen wurde. Und leider geschieht dies einmal zu oft.
Gerade am Ende wäre es wirklich mutig gewesen, wenn sie vermeintlich Tote einfach tot gelassen hätten. Es wäre nicht das Ende, was man sich erhofft hat, aber es wäre mutig und vor allem unvorhersehbar gewesen. Ich hätte es gut gefunden.
Letztendlich ist aber auch dies Kritik auf hohem Niveau.

Das Fazit

Star Wars – Episode 9 – Der Aufstieg Skywalkers ist die logische Konsequenz aus den vorangegangenen Teilen. Die Schwächen resultieren aus den Schwächen der Vorgänger. Letztendlich schafft er aber die Balance zwischen Erwartetem und Überraschendem und bringt die komplette Saga zu einem runden und logischen Ende. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Star Wars – Episode 9 – Der Aufstieg Skywalkers läuft seit dem 18.12.2019 in den deutschen Kinos.