Monsterwochen Reloaded – Der Untergang des Hauses Ushers – III & IV

Nachdem ich die Monsterwochen im letzten Jahr pausiert habe, geht es dieses Jahr weiter. Zwar nicht direkt mit Monstern, aber dafür wieder mit einem Klassiker aus dem Bereich Horror bzw. Schauerroman, den ich lese und mir dann verschiedene filmische Interpretationen dazu anschaue.
So waren es in den Jahren zuvor bereits Dracula, Frankenstein, Das Phantom der Oper und Das Bildnis des Dorian Gray.
Eine weitere Änderung in diesem Jahr ist, dass ich die vier Versionen aus zeitlichen Gründen lediglich in zwei Beiträgen erläutern werde.

Und damit Vorhang auf für den zweiten Part zu „Der Untergang des Hauses Usher“

Die populärste Verfilmung

Die Handlung: Philip Winthrop hat sich mit Madeleine Usher verlobt und reist zu dem Landsitz der Familie, um sie abzuholen. Doch vor Ort verhalten sich der Butler und vorallem Madeleines Bruder Roderick sehr merkwürdig und erzählen etwas von einer seltsamen Krankheit. Philip will es nicht glauben und versucht alles, um seine Verlobte zu retten.

„Unsicherheit, wie nur das Erlöschen aller lebendigen Impulse sie hervorruft, zu jener Art entschlossener Knappheit, jener abgehackten, gewichtigen, schleppenden und hohlen Aussprache, jenem bleiernden, schwerfälligen und moduliert-gaumigem Tonfall,den man sonst nur bei haltlosen Trinkern oder unverbesserlich Opiumsüchtigen im Zustand höchster Erregung beobachten kann.“*

Meine Meinung: Wenn man nach Verfilmung zur Kurzgeschichte sucht, kommt „Die Verfluchten“ als eines der meisten Suchergebnisse. In 76 Minuten verfilmte Roger Corman – der übrigens eine beeindruckende Geschichte hat und Hollywood nachhaltig veränderte – die 25 Seiten Geschichte und schafft es dabei den Fokus genau richtig zu legen. Denn die Änderung den eigentlich namenlosen Erzähler, der ein alter Freund von Roderick ist, umzuändern in Philip Winthrop, den Verlobten von Madeleine, lässt mehr Spielraum, um die Geschichte zu erzählen. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern, die beide auf ihre Weise versuchen Madeleine zu schützen – wir erinnern uns, dass der Film von 1960 ist – funktioniert hervoragend und gibt der Geschichte weit mehr Tiefe als die Buchvorlage bot. So haben wir trotz der Kammerspielartigen Kulisse, da das Haus kaum verlassen wird, immer wieder erschreckende Momente, denn die Charaktere können einfach aus dem Nichts auftauchen und verschwinden. Und gerade weil Roderick und Philip eher im Streit sind, ergibt sich auch Konflikt und Dialog. So bleibt der Kern der Geschichte erhalten und wird soweit ausgeschmückt, um einen kompletten Film zu erzählen.

„Seine erregte und zerrüttete Vorstellungsweise verlieh allen Dingen einen schwefligen Schimmer; seine langen, improvisierten Sterbegesänge werden mir immer in den Ohren klingen.“*

Funfact zu Edgar Allen Poe: Poes Tod ist so mysteriös wie seine Geschichte. Er war zuvor tagelang verschwunden, trug die Kleidung eines Anderen und wurde als sehr verwirrt beschrieben. Da das Krankenhaus seine Unterlagen verlor, ist die genaue Ursache bis heute unbekannt.

Funfact zu Untergang des Hauses Usher: Es wird gemutmaßt, dass Poe sich bei  der Geschichte stark an „Das Raubschloss“ des deutschen Autors Heinrich Clauren orientiert hat, da es im Aufbau sehr ähnlich ist und die Geschichte auch ins englische übersetzt wurde.

Die Serienverfilmung

Die Handlung: Roderick Usher ist CEO von Fortunato Pharmaceuticals, einem milliademschweren Unternehmen, das sich gerade in einem Gerichtsverfahren wiederfindet. Auch hat er frisch den Tod seiner sechs Kinder zu betrauen. In einer regnerischen Nacht legt er vor dem ermittelndem Staatsanwalt eine umfangreiche Beichte ab und erzählt dabei auch, wie seine Kinder ums Leben kamen.

„“Ob ich es höre? – Oh doch, ich höre es und habe es gehört. Lange schon – lange – viele Minuten, viele Stunden, viele Tage höre ich es schon – doch ich wagte nicht – so habt doch Mitleid mit dem Elenden, der ich bin! – Ich wagte nicht zu sprechen!“*

Meine Meinung: Netflix Werbekampagne hat Früchte getragen, denn mir fiel noch vor der Recherche zu verschiedenen Verfilmungen sofort diese Serienumsetzung ein. Dabei fand ich es von Anfang an befremdlich, dass eine Kurzgeschichte in acht Folgen umgesetzt werden sollte. Und auch der Beginn sah so aus, als würde sich gerade einmal das Grundgerüst an die Vorlage halten. Tatsächlich ist es aber auch genauso gewollt. Netflix wählte zwar den Titel „Untergang des Hauses Usher“, aber eigentlich ist es eine Verfilmung von acht verschiedenen Kurzgeschichten inklusive des wohl bekanntesten Gedichts Poes „Der Rabe“. So begab ich mich auf weitere Recherche und las vor den Folgen jeweils die dazugehörigen Geschichten. Und den Machern der Serie ist es wirklich gut gelungen durch die familiären Strukturen und der Rahmenhandlung die verschiedenen Motive gekonnt einzusetzen. Da die Handlung in die Gegenwart geholt wurde, konnte viel mit den Motiven und die Übertragung dieser in die heutige Zeit gespielt werden, was die Serie auch gekonnt umzusetzen weiß. Unterschwellig ist auch viel Gesellschaftskritik vorhanden, die den finalen Schliff gibt.

„Als läge ein Zauber im Schrei seiner Worte, öffnete im gleichen Moment die schwere alte Tür, auf die er deutete, langsam ihre mächtigen Ebenholzkiefer.“*

Funfact zu Edgar Allen Poe: Obwohl Poe zum Release von Der Rabe bereits seit zwanzig Jahren veröffentlichte, bekam er lediglich 9 Dollar für sein Werk.

Funfact zu Untergang des Hauses Usher: Alle in der Serie vorkommenden Charaktere tragen Namen, die Anspielungen auf Poes Leben oder seine Werke sind.

Kennt ihr die Werke?

*Zitate aus: „Der Untergang des Hauses Usher und andere fantastische Geschichten“ von Edgar Allen Poe in der Ausgabe des Coppenrath Verlags 2024.

Monsterwochen Reloaded – Der Untergang des Hauses Usher I & II

Nachdem ich die Monsterwochen im letzten Jahr pausiert habe, geht es dieses Jahr weiter. Zwar nicht direkt mit Monstern, aber dafür wieder mit einem Klassiker aus dem Bereich Horror bzw. Schauerroman, den ich lese und mir dann verschiedene filmische Interpretationen dazu anschaue.
So waren es in den Jahren zuvor bereits Dracula, Frankenstein, Das Phantom der Oper und Das Bildnis des Dorian Gray.
Eine weitere Änderung in diesem Jahr ist, dass ich die vier Versionen aus zeitlichen Gründen lediglich in zwei Beiträgen erläutern werde.

Und damit Vorhang auf für „Der Untergang des Hauses Usher“

Ein aufgeschlagenes Buch mit Illustrationen zum Untergang des Hauses Usher, so wie ein Tablet mit Standbild zum Kurzfilm. Umring von einer lila Fledermaus und einem dekorativen Glas.

Die Buchvorlage

Die Handlung: Der namenlose Erzähler reist zum Anwesen der Familie Usher, die sein Jugendfreund Roderick Usher und seine Zwillingschwester Madeline bewohnen. Ein Brief von Roderick hatte ihn hergebeten, doch er muss erkennen, dass die letzten lebenden Ushers sehr krank sind. Ein Sturm zieht auf und der Erzähler muss den Untergang des Hauses hautnah miterleben.

„Was war das nur – ich hielt inne, um darüber nachzugrübeln -, was mochte es sein, das mich Anblick des Hauses Usher so bedrückte?“*

Meine Meinung: Poe gilt nicht nur als Begründer des Kurzromans, er hat eben diese auch perfektioniert. In meiner Ausgabe ist der Untergang des Hauses Usher gerade einmal 25 Seiten lang und schafft es doch ab der ersten Seite eine Beklemmung auszulösen, ohne, dass Poe diese genauer beschreiben muss. Im Gegenteil es ist gerade seine zugegebene Unfähigkeit dieses genauer zu erläutern, die es noch realer wirken lässt. Auch weiß er mit der Grundangst der Menschen vor Krankheit und Tod zu spielen. Dabei muss er die Krankheit, die die Familie Usher heimsucht, gar nicht benennen. Allein der stetige Gedanke, dass es gesundheitlich zu Ende geht und damit auch die Erblinie komplett ausgelöscht wird, schafft es die Charaktere an den Rande des Wahnsinns zu treiben. Und nachdem man sich darauf eingelassen hat, schafft er es dann doch noch in einer stürmischen Nacht den wahren Horror herauszuholen, der mehr ist als nur die Metaebene der Geschichte.

„Ich musste mich endlich mit der unbefriedigenden Folgerung begnügen, dass völlig simple und unnatürliche Dinge in bestimmter Anordnung zweifellos die Macht haben, in solcher Art auf uns zu wirken; dass aber ein Ergründen dieser Macht jenseits unserer Fähigkeiten liegt.“*

Funfact zu Edgar Allen Poe: Er ist berühmt geworden für seine Schauerkurzgeschichten und gilt als Meister der Metaebene. Doch auch das Krimigenre hätte es ohne seine Ideen so vielleicht nie gegeben. Sei es Doyles Sherlock Holmes oder Christies Hercule Poirot, sie alle basieren in irgendeiner Weise auf Poes Arthur Gordon Pym.

Funfact zu Untergang des Hauses Usher: Viele Motive der Geschichte sind biographisch entstanden und daher nicht rein als Effektsteigerung zu verstehen. DIe Liebe unter nahen Verwandten basiert zum Beispiel auf seiner Ehe mit seiner jüngeren Cousine und auch Opiumrausch ist dem Autor nicht fremd gewesen.

Die erste Verfilmung

Die Handlung: Familie Usher bestehend aus Roderick und Madeline Usher sitzen entspannt beim Abendessen. Dabei befallen Madeline ungewöhnliche Bilder, die sie in den Wahnsinn und schließlich in den Tod treiben. Roderick befürchtet nun das gleiche Schicksal. Der Reisende besucht ihn und versucht zu helfen.

„Zweifellos war ich mir der abergläubischen Furcht – weshalb sollte ich sie nicht bei diesem Namen nennen? – bewusst, die in mir aufstieg, und zweifellos begünstigte gerade dieses Wissen ihre beklemmende Zunahme.“*

Meine Meinung: Bei der gesehenen Version handelt es sich um die erste amerikanische Verfilmung von 1928. Die französische Verfilmung aus dem gleichen Jahr konnte ich nicht auftreiben. In 13 Minuten wurde die Geschichte nachempfunden, was bei einer Kurzgeschichte durchaus ausreichend sein kann. Durch den Stummfilm gab es keine erklärenden Dialoge und es wurden auch keine Dialogtafeln eingeblendet, wodurch die Handlung ein bisschen schwierig zu entwirren war. Denn um den aufkommenden Wahnsinn der beiden Geschwister darzustellen wurden oft einzelne Bilder übereinander gelegt und ineinander verwoben, wodurch aber die Kulissen schwerer auszumachen waren. Wirklich folgen konnte ich der Handlung nur, weil ich die Buchvorlage vorher gelesen hatte. Da es nur Innenaufnahmen gab, war die Ankunft des Reisenden nicht nachvollziehbar, auch fehlt dadurch die bedrückende Stimmung durch das einschüchternde Haus an sich. Der Film zählt zu den ersten avantgardistischen US-Filmen und das merkt man auch. So fasst die Verfilmung zwar die Grundzüge der Kurzgeschichte zusammen, aber nicht auf wirklich verständliche oder nachvollziehbare Weise.

„Bei meinem Eintreten erhob sich Usher von einem Ruhebett, auf dem er ausgestreckt gelegen hatte, und begrüßte mich mit lebhafter Wärme, die, wie mir anfangs schien, viel von übertriebener Herzlichkeit an sich hatte – von dem gekünstelten Bemühen des blasierten Weltmannes.“*

Funfact zu Edgar Allen Poe: Poe hatte ein Glückspielproblem. Seine Schulden versuchte er mit dem Geld für die Universität zu begleichen, doch sein Ziehvater merkte dies, nachdem Poe immer mehr Geld forderte und drehte ihm schließlich den Geldhahn zu. Dadurch verlor er sein Studium.

Funfact zu Untergang des Hauses Usher: Der Ich-Erzähler wird als Außenstehender eingeführt und erzählt die Geschichte sehr rational, weswegen es den Lesenden so erscheint, als ob noch mehr Geheimnisse zu erkunden sind, die aber offen bleiben.

Kennt ihr die Werke?

Meine Monsterwochen 2022 – #3 – Die Neuverfilmung

Ein Vorwort

Herzlich Willkommen zur dritten und bereits letzten Ausgabe der diesjährigen Monsterwochen. Wie immer gibt es diesmal die aktuellste bzw. die größte Verfilmung der letzten Jahre.

Die Handlung

Lord Henry Wotton (Colin Firth) besucht den Künstler Basil Hallward (Ben Chaplin), der ein neues Porträt fertig gestellt hat, was Lord Henry sehr gelungen findet. Es zeigt den jungen Dorian Gray (Ben Barnes). Obwohl sich Basil zunächst weigert, stellt er die beiden Herren doch einander vor. Lord Henry überzeugt Gray immer mehr von seiner Weltansicht. Nach einer Weile stellt Dorian Gray fest, dass die Veränderungen, wie Altern, aber auch die Veränderungen seines Charakters auf dem Porträt sichtbar sind, anstatt an ihm.

Meine Meinung

Bereits im letzten Beitrag habe ich mir gewünscht, dass die Verfilmung es schafft die ausschweifenden Dialoge des Buches auf das Wesentliche herunterzubrechen und aus der quälend langsam erzählten Geschichte ein flottes düsteres Werk macht. Und auch wenn die Verfilmung von 2009 bei den Kritiker*innen nicht gut weg kam, gefiel sie mir ziemlich gut.
Das liegt vor allem daran, dass sie sich zwar größtenteils an die Vorlage hält, aber ab und an diese etwas abwandelt und neu strukturiert. Dadurch werden neue Ebenen geöffnet und die lassen wesentlich mehr den Schaudereffekt zu. Denn es wurden nur die wesentlichen Handlungselemente übernommen, an die schaurige Grundstimmung angepasst und mit neuen aufgefüllt, so dass das Buch durchaus erkennbar ist, aber der Film dennoch spannend und sehenswert wird.
Ob die Figur Dorian Gray die Charakteränderungen gebraucht hätte, um sein handeln neu erklären zu können, ist wohl fraglich, denn so ist es die übliche Geschichte der schlechten Kindheit, die schlechte Menschen hervorbringt. Auch bemängeln viele Kritiker*innen das der Film nicht  tief genug gehe und die Geschichte nur von der Oberfläche her beleuchte. Das fand ich jedoch durchaus in Ordnung, verpackt Regisseur Oliver Parker die Oberflächlichkeit doch in schöne Bilder, auch wenn einige Szenen ein wenig zu psychodelisch wirken.
Die Optik des Films ist grundsätzlich der zweite große Pluspunkt des Films. Auch wenn Ben Barnes hier in seinen jüngeren Jahren noch nicht auf dem Niveau von Shadow & Bones spielte, und seinem Dorian Gray ab und an dann doch der nötige Feinschliff fehlte, so wird die Stimmung doch durch die Bilder getragen. Auch die Nebencharaktere können sich durchaus sehen lassen. Colin Firth als Lord Henry Wotton kam mir zunächst etwas merkwürdig gewählt vor, doch er geht in der Rolle auf und schafft gerade gegen den Ende dem Charakter noch einmal eine neue Ebene zu geben, die zwar den Filmcharakter deutlich gegenüber des Buches verfremdet und ob die Änderung nun notwendig war, ist eine ganz andere Frage, aber sie lässt den Film, so wie er war, rund enden.
So hat diese Version auch einige Schwächen und funktioniert wohl gerade für Liebhaber des Romans nicht mehr, funktioniert dafür als klassischer Schauerfilm relativ gut. Die Charaktere sind hier eher einfacher gestrickt, wodurch die ausführliche Interpretation wie im Buch nicht mehr gegeben ist, aber das macht ihn gut, zum Nebenbeischauen.

Das Fazit

Das Bildnis des Dorian Gray (2009) funktioniert als klassischer einfacher Schauerfilm und adaptiert die wichtigsten Bestandteile des Romans, vereinfacht die Handlung und vor allem die Charaktere aber stark. Fürs Nebenbeischauen überzeugt er durch eine tolle Optik, für Fans des Romans nicht geeignet.

Monsterwochen 2022 – #2 – Die erste Tonverfilmung

Ein Vorwort

Herzlich Willkommen zur zweiten  Ausgabe der diesjährigen Monsterwochen. Da ich dieses Jahr leider keine Stummfilmvariante ergattern konnte, habe ich dieses Mal zumindest mit der ersten Tonverfilmung begonnen.

Die Handlung

Lord Henry Wotton (George Sanders) besucht den Künstler Basil Hallward (Lowell Gilmore), der ein neues Porträt fertig gestellt hat, was Lord Henry sehr gelungen findet. Es zeigt den jungen Dorian Gray (Hurt Hatfield). Obwohl sich Basil zunächst weigert, stellt er die beiden Herren doch einander vor. Lord Henry überzeugt Gray immer mehr von seiner Weltansicht. Nach einer Weile stellt Dorian Gray fest, dass die Veränderungen, wie Altern, aber auch die Veränderungen seines Charakters auf dem Porträt sichtbar sind, anstatt an ihm.

Meine Meinung

Wie bereits in meinem Beitrag von der Vorwoche erwähnt, ist der Erzählstil von Wilde in das Bildnis des Dorian Gray sehr ausschweifend und anstrengend. Filmisch dürfte dies zugleich eine Chance, aber auch ein Haken sein. Denn zum einen kann filmisch wesentlich mehr gezeigt werden, was ausschweifende Beschreibungen überflüssig macht. Andererseits war das Buch auch voller ausschweifender Dialoge. Diese einzukürzen war dann die Kunst.
Die Fassung von 1945 ist größtenteils in schwarz-weiß gedreht. Lediglich kurze Passagen, wenn das Bildnis in all seiner Grausamkeit gezeigt wurde, ist in Farbe. 1945 war das Farbfilmverfahren zwar bereits in der Entwicklung, aber noch nicht so weit verbreitet. Dies hebt den Stellenwert des Bildes für die Geschichte hervor. Das rote Blut, das von den Fingern tropft, erzeugt im sonst farblosen Film einen zusätzlichen Schauer. Darüber hinaus ist von der Gruselgeschichte, als die Wildes einziger Roman zählt, wenig zu spüren. Trotz einer vermeintlich kurzen Länge von 105 Minuten, zieht sich der Film von Minute zu Minute mehr.
Das liegt vor allem an der sehr nüchternen Erzählweise. Die sehr ausführlichen Dialoge werden übernommen, ohne dabei die Handlung großartig anzupassen. Es wird von Szene zu Szene geschnitten, ohne sinnvolle Übergänge. Vieles davon entspricht vermutlich noch der damaligen Zeit Filme zu erzählen, aber aus heutiger Sicht, hat der Film kaum Mehrwert zum Buch. Einzelne Stränge wurden im Film angepasst, allerdings ist der Großteils sehr der Buchvorlage entsprechend.
Wer sich also nicht dem ganzen Roman stellen möchte, kann dies mit dieser Filmvariante durchaus umgehen. Im Vergleich teilweise früheren Verfilmungen anderer Horrorklassiker (auf diesem Blog bereits besprochen Nosferatu, Frankenstein und das Phantom der Oper) ist der Film sehr ungruselig und auch einfach nicht spannend.
Ich bin hier noch sehr auf die moderne Fassung gespannt, die ich euch in der nächsten Woche präsentieren möchte.

Das Fazit

Das Bildnis des Dorian Gray (1945) ist eine sehr buchnahe Umsetzung, scheitert aber am mangelnden Spannungsaufbau und das die ausschweifenden Dialoge nur wenig umgangen wurden.

In Gedenken an Angela Lansbury, die in diesem Film die Sybil Vane verkörperte und in der letzten Woche leider verstorben ist. Rest in Peace

Monsterwochen 2022 – #1 – Die Grundlage

Mit einer Woche Verspätung soll es auch dieses Jahr wieder die Monsterwochen auf diesem Kanal geben. Der Oktober ist ja prädestiniert für allerlei Aktionen, sei es dem Horroroctober, dem Schocktober, dem Inktober oder auch dem Covertober. Wie bereits in den letzten beiden Jahren, gibt es bei mir wieder die Monsterwochen, bei denen ich mir einen prominenten Horrorklassiker herausgreife und diese dann in verschiedenen filmischen Umsetzungen mir ansehe.
Normalerweise versuche ich das auf die vier Mittwoche im Oktober zu legen. Dieses Jahr wird es eine Ausgabe weniger geben, da ich nur zwei nennenswerte Verfilmungen gefunden habe, da die Stummfilmfassung leider nirgends zu ergattern war.
Aber dann wollen wir mal ohne viele weitere Worte zu verlieren uns erst einmal die literarische Vorlage genauer anschauen. In diesem Jahr geht es um Das Bildnis des Dorian Gray.

Die Handlung

Lord Henry Wotton besucht den Künstler Basil Hallward, der ein neues Porträt fertig gestellt hat, was Lord Henry sehr gelungen findet. Es zeigt den jungen Dorian Gray. Obwohl sich Basil zunächst weigert, stellt er die beiden Herren doch einander vor. Lord Henry überzeugt Gray immer mehr von seiner Weltansicht. Nach einer Weile stellt Dorian Gray fest, dass die Veränderungen, wie Altern, aber auch die Veränderungen seines Charakters auf dem Porträt sichtbar sind, anstatt an ihm.

Meine Meinung

Wie auch bereits in den letzten Jahren ist der Begriff Monster auch hier bewusst provozierend gewählt und ist natürlich eine sehr einfache Interpretation des Stoffes. Dennoch wird Das Bildnis des Dorian Gray nicht selten im gleichen Atemzug, wie beispielsweise Dracula oder Frankenstein genannt, wenn es um die klassische Schockliteratur geht.
Oscar Wilde hat in seinem einzigen Roman so viele Motive und Interpretationsansätze untergebracht, dass dies schon wieder ganze Bücher füllen kann. Auf das einfachste heruntergebrochen geht es aber, um den schlechten Einfluss und wie man mit sich selbst umgeht, wenn man jung und schön bleibt, ohne, dass Alter oder der eigene Charakter auf den Zügen zu erkennen ist. Es geht um Moral, es ist eine Kritik an die englische Oberschicht zu Zeiten Wildes und eine ausschweifende Charakterstudie.
All das ist in einer Geschichte zusammengefasst, die mir von all den Klassikern, die ich zu Ende gelesen habe, am schwersten fiel. Die Sprache ist selbst für damalige Verhältnisse sehr hochtrabend, man merkt Wilde den Theaterhintergrund an. So wird viel Wert auf sehr ausschweifende Dialoge gelegt, die letztendlich die Handlung aber nur künstlich strecken.
So hat der Roman an sich spannende Ansätze und allein das Konzept des Porträts hat nicht ohne Grund einen gewissen Beliebtheitsstatus entwickelt. Aber es ist sehr schwer zu lesen. Ich habe es verteilt in über einem Jahr gelesen, weil ich meist nach einer Seite keine Lust mehr hatte. Dabei waren durchaus Spannungselemente vorhanden, gab es doch den ein oder anderen Todesfall.
Dennoch bin ich gespannt auf die anstehenden Verfilmungen, könnten die doch genau die Schwächen des Buches umgehen. Ob das funktioniert hat, erfahrt ihr in den nächsten beiden Wochen.

Das Fazit

Das Bildnis des Dorian Gray hat ziemlich viel Interpretationsmaterial und birgt eine spannende Geschichte, die leider durch den viel zu ausschweifenden und hochtrabenden Schreibstil alles an Spannung einbüßt und sich einfach nur zieht.

Monsterwochen #4 – Die Musik der Nacht

Herzlich Willkommen zur vierten Ausgabe der Monsterwochen in diesem Jahr. Nach Dracula und Frankenstein im letzten Jahr, wollen wir uns in diesem Jahr mit dem Phantom der Oper auseinander setzen. Heute geht es um die Musicals.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in vier Beiträgen um Das Phantom der Oper in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und das Phantom der Oper ist ein prominenter Vertreter des Genres!

Das Phantom der Oper

Die Handlung: Nach einem Vorfall bei den Proben zu Hannibal, in der die Übergabe an die neuen Operndirektoren angekündet wurde, ersetzte die junge Baletttänzerin Christin Daae die Diva Carlotta. Dabei entdeckt die der Vicomte de Chagny, der sie aus Kindertagen kennt. Das Wiedersehen der beiden, ruft jedoch Christines heimlichen Lehrer aus den Plan: Das Phantom. Die Eifersucht ist geweckt und es folgt ein Tauziehen der beiden Konkurrenten, um das Herz der jungen Frau. Gleichzeitig gibt es mehrere Vorfälle an der Oper, die auch auf das Phantom zurückzuführen sind.

Meine Meinung: Der einzige Film aus der diesjährigen Reihe, den ich schon vorher kannte und liebe. Die Verfilmung von Andrew Lloyd Webbers Meistermusical. Düstere Klänge, Opernelemente, gepaart mit Musicalmelodien erzeugen ein Gänsehaut erzeugendes Klangmeisterwerk. Auch Schauspielerisch hat der Film einiges zu bieten. In einer Phase, in der Gerard Butler noch nicht mit Vorsicht zu genießen war, gibt er ein Phantom ab, das zwischen Mitleid und Wahnsinn so gekonnt schwankt, dass er einen komplexen Charakter ausbaut. Im Vergleich zum Buch merkt man, dass sich die Geschichte stark daran orientiert, aber auch einige Elemente ändert, ausbaut oder verschiebt. Die größte Änderung dürfte wohl die Hintergrundgeschichte des Phantoms sein, die seine ganze Persönlichkeit verschiebt. Wenn man nur das Musical kennt, kann durchaus die Frage aufkommen, warum er in meinen Monsterwochen behandelt wird, auch wenn hier deutlich Soziapathische Züge aufkommen und man sollte die Leichen beachten, die er hinter sich herzieht. Dennoch sind es alles Änderungen, die nachvollziehbar sind, oder dem Buch eine zusätzliche Ebene geben, die ihm gut getan hätte. Schön fand ich, dass die Rolle der Madame Giry deutlich ausgebaut wurde und wir eine weitere starke und durchsetzungskräftige Frauenrolle gewonnen haben. Dass dafür der Perser (im Buch namenlos und nur darüber definiert) komplett gestrichen wurde und dadurch ein rein weißer Cast genutzt wurde, hinterlässt dagegen einen schalen Nachgeschmack. Dennoch zählt das Musical für mich zur besten Verfilmung.

Love never dies

Die Handlung: Christine und Raoul reisen nach New York und folgen einer mysteriösen Einladung. Nicht ahnend, dass das Phantom noch lebt, treffen sie in Coney Island auf Madame Giry und ihre Tochter. Christine wird spontan für ein Auftritt engagiert. Da das Paar unter Geldproblemen leidet, nimmt sie an. Dort treffen die Eheleute mit ihrem Sohn Gustav auch auf das Phantom. Alte Gefühle und Rivalitäten werden neu entfacht.

Meine Meinung: Wusste ich, dass es eine Fortsetzung zum Musical gab? Nicht, bis ich für die Monsterwochen recherchiert habe. Zunächst stand ich dem Ganzen skeptisch gegenüber, ließ mich dann aber doch darauf ein, da Andrew Lloyd Webber erneut seine Finger mit im Spiel hatte. Diesmal handelt es sich um eine Aufzeichnung des Bühnenmusicals und nicht um einen eigenständig gedrehten Film. Dadurch unterscheiden sich auch die Darsteller*innen der Rollen, was aber nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kein Hindernis darstellt. Die Handlung ist in sich schlüssig und die Lieder gut inszeniert – auch wenn sie nicht an den Gänsehautfaktor des ersten Teil herankommen. Gestört hat mich dagegen, dass die Charaktere sich teilweise sehr gestark gedreht haben und nicht mehr ihrer Persönlichkeit entsprechen. Dem Phantom wird alles aus dem ersten Teil vergeben. Ein paar Leichen? Nicht weiter tragisch, er hatte es halt schwer. Entführung und Nötigung? Es ist halt wahre Liebe! Stalkerei und Obzession? Ich wiederhole: Es ist halt wahre Liebe! Man muss sich halt daran gewöhnen, dass all das vorherige größtenteils ignoriert wird, dann funktioniert auch die Geschichte.

Das Fazit

Andrew Lloyd Webbers Musicalverfilmung zu Das Phantom der Oper ist eine dieser Verfilmungen, die das Buch bereichern. Bei der großen Streitfrage Film oder Buch würde hier der Film gewinnen.
Love never dies als Fortsetzung dazu funktioniert nur bedingt, kommt inszenatorisch nicht an den Vorgänger ran und verfälscht auch die Charaktere stark.

 

Monsterwochen #3 – Horror oder so

Herzlich Willkommen zur dritten Ausgabe der Monsterwochen in diesem Jahr. Nach Dracula und Frankenstein im letzten Jahr, wollen wir uns in diesem Jahr mit dem Phantom der Oper auseinander setzen. Heute geht es um eine Horrorfilmvariante oder so.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in vier Beiträgen um Das Phantom der Oper in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und das Phantom der Oper ist ein prominenter Vertreter des Genres! 

Die Handlung

Budapest, frühes 20. Jahrhundert. Nach einem Fiasko bei ihrem Debut an der Oper von Solistin Elena Korvin, die zuvor einen Annäherungsversuch des Direktors zurückweist, der sich mit einer negativen Kritik rächt, nimmt sie sich das Leben. Ihr trauender Mann Sandor stellt den Kritiker zur Rede, der ihm von der Bestechung des Direktors erzählt. Dabei kommt es zu einem Unfall mit Schwefelsäure, die Sandors Gesicht vollständig entstellt. Vier Jahre lang zieht sich Sandor in das Untergewölbe der Oper zurück. Dann taucht die Zweitbesetzung Maria Gianelli auf, die Elena zum Verwechseln ähnlich sieht.

Meine Meinung

Das Phantom der Oper, oder auch das Phantom von Budapest, ist eine Fernsehadaption des Stoffes von Gaston Leroux. Ausgeschrieben als Horrorfilm und im Gegensatz zu vielen anderen Verfilmungen mit einer FSK 16, war ich neugierig, ob diese Version dem Stoff noch einmal eine völlig neue Richtung geben kann.
Nun zumindest interpretiert sie die Geschichte sehr frei und hält sich wenig an die Romanvorlage. Lediglich das Grundkonzept des Phantoms, das unter einer Oper lebt und sich zum Mentor einer jungen Sängerin aufschwingt, doch durchdreht, nachdem sie sich in einen anderen verliebt. Die Vorgeschichte ist komplett neu und bringt eine neue Ebene ein. Auch im folgenden wird vieles neu hinzuinterpretiert, anderes völlig außen vor gelassen.
Den Film als Horrorfilm zu betiteln, ist dann vielleicht doch etwas hoch gegriffen. Für mich als bekennende Schisserin war das an sich nicht weiter tragisch, dennoch fehlte dadurch das besondere. Man merkt in welchen Szenen versucht wurde Horrorelemente einzubringen, die jedoch an der Atmosphäre komplett scheitern. Hier spielt wahrscheinlich mit rein, dass es sich um eine Fernsehproduktion mit geringem Budget handelt. Denn die Produktion sieht an vielen Stellen einfach billig aus. Die Oper ist gerade im Bühnenbereich sehr klein, es gibt kaum Requisiten und auch andere Räume sind sehr spärlich eingerichtet. Die Räume des Phantoms entsprechen zwar schon eher den Vorstellungen einer Kulisse aus einem Horrorfilm, könnte aber auch in jedem anderen auftauchen. Es fehlt das Spezielle.
Charakterlich ist es vor allem Maria, die hier im Gegensatz zu Lerouxs Christine deutlich stärker ist und heraussticht. Statt ständig herumzuheulen, beweist sie Charakter und kann durchaus das Phantom als etwas Böses und gleichzeitig Hilfreiches erkennen.

Das Fazit

Das Phantom der Oper/von Budapest ist für eine Fernsehproduktion vollkommen okay, hält aber gerade im Horrorbereich nicht, was es verspricht.

Monsterwochen #2 – Der Klassiker

Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe der Monsterwochen in diesem Jahr. Nach Dracula und Frankenstein im letzten Jahr, wollen wir uns in diesem Jahr mit dem Phantom der Oper auseinander setzen. Heute geht es um eine der ersten Verfilmungen.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in vier Beiträgen um Das Phantom der Oper in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und das Phantom der Oper ist ein prominenter Vertreter des Genres! 

Die Handlung

Die Ballerinas der Pariser Oper sind sich sicher: Ein Phantom geht in den Katakomben um. Gleichzeitig bekommt die Solistin Carlotta Drohungen, dass sie ihre Rolle an das Nachwuchstalent Christine Daae abgeben soll. Diese ist fasziniert von ihrem Gönner, bis sie ihn kennenlernt. Gleichzeitig trifft sie ihre Jugendliebe Raoul wieder.

Meine Meinung

Ich versuche bei meinem Monsterwochen immer eine der ersten Verfilmungen mit einzubeziehen. Tatsächlich gab es 1916 bereits die erste Verfilmung des Buches von Gaston Leroux, die jedoch als verschollen gilt. Daher wurde es die Verfilmung mit Lon Chaney als Phantom von 1925.
Stummfilme sind für die heutige Zeit ja schwierig zu sehen, da wir gewohnt sich die Handlung durch Gestik und Dialoge vermittelt zu bekommen. Dennoch funktioniert es gerade durch die gruselige Hintergrundmusik bei Horrorfilmen noch erstaunlich gut.
Das Phantom der Oper ist sogar ein Beispiel, das in seiner Gesamtheit als Stummfilm sehr gut funktioniert, weil viel über Kulissen erzählt wird. Die Oper ist eine spannende Szenerie und bringt viel an Atmosphäre rüber. Unterstützt wird das von der musikalischen Untermalung, die jedoch über die 90 Minuten sehr gleichbleibend ist. So ist sie von Anfang an hochdramatisch und spannend, was sich negativ auf das große Finale auswirkt, weil es hier keine Steigerung mehr gibt.
Besonders positiv ist zu bemerken, dass der Film sehr buchnah ist. Lediglich einzelne Figuren, wie Madame Giry wurden gestrichen oder zusammengelegt. Das es die weiblichen und nicht weißen Charaktere trifft, ist wohl der Zeit geschuldet. Während die Grundhandlung gut als Stummfilm funktioniert, sind es gerade die kleineren Hinweise, die Aufschluss zur Hintergrundgeschichte des Phantoms liefern, die fehlen. So bleibt die Figur und sein Handeln sehr blass. Immerhin ist Christine hier wieder etwas sympathsicher dargestellt, als im Buch.

Das Fazit

Ein guter Einstieg in die Verfilmungen und sehr buchnah, dennoch sind es gerade die Hintergrundinformationen, die hier fehlen.

Monsterwochen #1 – Die Grundlage

Herzlich Willkommen zur ersten Ausgabe der Monsterwochen in diesem Jahr. Nach Dracula und Frankenstein im letzten Jahr, wollen wir uns in diesem Jahr mit dem Phantom der Oper auseinander setzen. Heute geht es um die literarische Vorlage.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in vier Beiträgen um Das Phantom der Oper in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und das Phantom der Oper ist ein prominenter Vertreter des Genres! 

Die Handlung

Zwei neue Direktoren übernehmen die Pariser Oper. Kurz darauf häufen sich seltsame Ereignisse, da sie sich weigern die Geldzahlen an den Operngeist fortzuführen. Gleichzeitig entdeckt der Vicomte de Chagny seine Liebe aus Kindheitstagen wieder: Christine Daae. Diese nimmt Gesangsunterricht bei einem geheimen Lehrer, der sie einschüchtert. Ist es das Phantom der Oper?

Meine Meinung

Ich bin schon lange ein großer Fan des Musicals, auch wenn ich „nur“ die Filmversion kenne. Dabei steht das Buch auch schon seit über 10 Jahren ungelesen in meinem Regal, immer auf den passenden Moment wartend. Bei den Überlegungen für das diesjährige Thema der Monsterwochen fiel mein Blick auf den ungelesenen Klassiker in meinem Regal. Eine kurze Recherche zu Verfilmungen später, stand es fest. Das Phantom der Oper würde das diesjährige Monster werden.
Das Buch ist in Berichtform verfasst. Gaston Leroux stellt sich hier als Dokumentar dar. Dass heißt er schreibt selbst die einleitenden Worte über seine Recherche und beruft sich im folgenden auf Berichte verschiedener Akteure, nutzt Teilweise sogar Aufzeichnungen dieser. Daran orientiert er sich, um die Handlung aufzubauen. Dabei wird regelmäßig aus der Sicht von Raoul, Vicomte de Chagny, erzählt und aus der Sicht der beiden neuen Operndirektoren. Das große Finale wird hauptsächlich durch die Aufzeichnungen des Persers – ja die Figur bekommt keinen anderen Namen – erzählt.
Dabei muss man die Geschichte im Rahmen der Zeit sehen. So ist der Schreibstil für unser heutiges Empfinden anstrengend und gerade die Charaktere sind sehr speziell. Abgesehen davon, dass so ziemlich alle Frauenfiguren schlecht wegkommen und nervig, hysterisch oder arrogant dargestellt werden, ist Raoul ein einziger liebestrunkener Verzweifelter. Das Phantom selbst wird lange Zeit als mystisches Überwesen etabliert, nur um dann einen liebestrunkenen Verrückten draus zu machen. Die Hintergrundgeschichte ist seltsam löchrig und irgendwie keine Erklärung für das Verhalten.
Das große Finale hat durchaus Potential, durch die Charaktere wird die Spannung aber regelmäßig wieder herausgenommen. Dennoch legt die Geschichte den Grundstein für einen Mythos, der zu vielen Interpretationen verleitete.

Das Fazit

Das Phantom der Oper von Gaston Leroux ist leider nicht gut gealtert und ist schwer zu lesen, da die Charaktere überwiegend schwer zu ertragen sind. Ein Klassiker, dessen Mythos spannender ist als die Geschichte selbst.

Meine Monsterwochen #6: Meine liebste Draculaverfilmung

Herzlich Willkommen zum vierten Teil meiner Monsterwochen. Heute soll es um die Verfilmungen von Francis Ford Coppola und Kenneth Branagh gehen

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in sechs Beiträgen um Dracula und Frankenstein in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und Dracula und Frankensteins Monster sind wohl prominente Vertreter des Genres! 

Ein Vorwort

Zum Abschluss dieser Reihe möchte ich euch noch meine liebste Draculaverfilmung und die Anschlussteile präsentieren. Es handelt sich dabei um die Verfilmungen mit Christopher Lee als Dracula. Dabei basiert nur der erste Teil lose auf dem Buch. Die anderen Teile greifen lediglich die Figur Dracula wieder auf, haben aber eine komplett unabhängige Handlung. In der heutigen Ausgabe wird es keinen Film zu Frankenstein geben, da ich da meine liebste Verfilmung noch nicht gefunden habe.

Dracula

Die Handlung

Jonathan Harker (John Van Eyssen) reist als Bibliothekar getarnt zur Burg des Grafen Dracula (Christopher Lee). Zusammen mit seinem Freund Dr. Van Helsing (Peter Cushing) hat er herausgefunden, dass Dracula ein Vampir ist und will ihn erledigen. Doch Dracula kommt ihm zuvor. Van Helsing findet den toten Harker und überbringt die Nachricht Familie Holmwood. Arthur (Michael Gough) und seine Frau Mina Holmwood (Melissa Stribling) wollen es seiner Schwester Lucy (Carol Marsh) zunächst nicht sagen, da diese erkrankt ist. Van Helsing erkennt jedoch die Symptome sofort und versucht nun gleichzeitig Dracula zu zerstören und Lucy zu retten.

Meine Meinung

Auch hier ist zu sagen, dass die Verfilmung eher lose auf dem Roman basiert und sich viele künstlerische Freiheiten erlaubt. Zunächst sind Jonathan Harker und Dr. Van Helsing erprobte Vampirjäger und machen direkt Jagd auf Dracula. Dann ist die ganze Konstellation rund um Lucy und Mina stark abgeändert, Quincey Morris wurde komplett weggelassen, Dr. Sewart hat eine Screentime von ca. einer Minute. Dennoch sind die allergrundlegendsten Elemente vorhanden und die Handlung auch so rund. 
Die Filme leben vor allem von Christopher Lee als Dracula. Denn auch wenn die Handlung geändert wurde, so haben wir hier eine wirklich gute Darstellung des unsterblichen Grafen. Zugleich elegant, keine abschreckende Kreatur, und doch düster, drohend. Auch ist es eine der wenigen Darstellungen, die die sexuelle Komponente des Buches aufgreifen und die Anziehung der Frauen zum Grafen glaubhaft machen. Dabei reicht allein der Blick Lees, um genau dies zu vermitteln. An seinem Blick und seiner Mimik erkennt man so viele Nuancen, die viel vom Film erklären, ohne das Worte nötig wären.
Ebenfalls zu Gute kommt dem Film, dass Peter Cushing als Draculas Widersacher Van Helsing hinter dem Meister keinesfalls zurückstecken muss. Auch er gibt seinem Van Helsing in wenig Szenen allein mit Mimik Tiefe. Durch die beiden starken Darsteller täuscht der Film auch geschickt darüber hinweg, dass die visuellen Effekte eben die der späten 1950er Jahre ist. 
Einziger Wermutstropfen bleibt die Degradierung Minas zu Ehefrau und Opfer des Grafen. Denn ihre Darstellung im Buch war für die damalige Zeit schon fast fortschrittlich. So fehlt dem Film die starke Frauenfigur. Aber das bleibt hier Jammern auf hohem Niveau. 

Das Fazit

Dracula schafft es mit wenigen optischen Mitteln, dafür aber starken Protagonisten zu überzeugen. Trotz geänderter Handlung bleiben die Grundmotive erhalten.

Das Blut von Dracula

Die Handlung

Die Gentleman William Hargood (Geoffrey Keen), Samuel Paxton (Peter Sallis) und Jeremy Secker (Martin Jarvis) sind gelangweilt. Als der junge Lord Courtley (Ralph Bates) sie zu einer schwarzen Messe einlädt, um den Grafen Dracula (Christopher Lee) wiederzuerwecken, sind sie zunächst neugierig. Doch Courtley stirbt bei der Zeremonie und die Männer verstecken sich verschreckt zu Hause. Doch Dracula schwört Rache dafür, dass sie seinen treuen Diener haben sterben lassen.

Meine Meinung

Wie bereits erwähnt, greift der zweite Teil lediglich noch die Figur Dracula wieder auf, nicht aber die anderen Charaktere oder Handlungselemente aus dem Buch. Dabei wird sich auf den Mythos berufen, dass Dracula immer wieder kommt, was sich durch die Verfilmungen und die Popkultur  eingebürgert hat.
Der Film braucht ein bisschen, um in Fahrt zu kommen, da zunächst die neuen Figuren vorgestellt werden. Wir lernen die drei Gentleman kennen, aber auch deren Kinder. Erst nach einer ganzen Weile kommt es zu der schwarzen Messe und Christopher Lee darf einmal mehr zeigen, wieso er die bisher beste Besetzung für den Grafen ist. Auch hier schafft er es wieder durch seine reine Präsenz eine Horroratmosphäre zu schaffen. Blicke und kleine Gesten genügen, um die Frauen um den Verstand zu bringen und die Gentleman vor Angst erzittern zu lassen.
Die Handlung ist eigentlich die eines klassischen Rachefeldzugs. Dennoch ist es spannend, wer als nächstes dran ist und auf welche Weise. Trotz einiger Charaktere behält man leicht den Überblick und bekommt sie den jeweiligen Familien zugeordnet. 

Das Fazit

Das Blut von Dracula ähnelt zwar einer typischen Rachegeschichte, schafft es aber durch die übernatürlichen Elemente sich abzugrenzen. Christopher Lee als Dracula ist hier wieder in seinem Element.

Draculas Rückkehr

Die Handlung

Der Monsignore Ernst (Rupert Davies) versiegelt Draculas Burg, nachdem er im Dorf unterhalb der Burg eine leere Messe vorfand. Dadurch kann Dracula (Christopher Lee) nicht zurück und reist mit dem örtlichen  Priester (Ewan Hooper) dem Monsignore hinterher. Dieser steht der neuen Beziehung seiner Nichte Maria (Veronica Carlson) zu dem Bäckergesellen Paul (Barry Andrews) eher kritisch gegenüber.

Meine Meinung

Wie schon bei Das Blut von Dracula hat der Film keinerlei Bezug mehr zur Buchvorlage außer dem titelgebendem Monster. Während im Vorgängerfilm noch durch die schwarze Messe logisch versucht wurde zu begründen, warum Dracula wiederkam, wird man diesmal einfach mit der Tatsache konfrontiert, dass er noch da ist. Das Rachemotiv ist auch diesmal wieder gegeben und richtet sich gegen eben jenen Monsignore, der Draculas Burg versiegelt hat und er dadurch nicht mehr zurück kann. 
Diesmal fällt der Überblick über die Charaktere noch leichter, da die Anzahl stark reduziert ist und man sich keine ganzen Familien merken muss. Interessant ist auch, dass wir hier zwei stark stereotypische Frauenbilder haben. Einmal die unschuldige Schönheit und einmal die lebensfrohe Lasterhafte. Das erlaubt dem Film mit Sinnbildern zu spielen und bietet jede Menge Interpretationsspielraum. Dennoch hält sich der Film irgendwo an das Vorhersehbare. Und obwohl man sich den Ausgang ungefähr vorstellen kann, bleibt der Film spannend, hat einige Wendungen zu bieten und überrascht doch an der ein oder anderen Stelle. 
Christopher Lee erhält hier nicht nur tatsächlich auch ein bisschen Text, wenngleich er noch immer den durch Blicke sprechenden geheimnisvollen Dracula mimt, sondern bekommt auch eine (spoiler!) Todesszene, die ihm würdig ist – war er doch Zeit seines Lebens traurig, dass der Tod seines Sarumans in Herr der Ringe herausgeschnitten wurde. 

Das Fazit

Auch im dritten Film bleibt die Geschichte spannend, auch wenn sich einzelne Abläufe ähneln. Mr. Lee, Danke für Ihren Dracula!

Hat euch das Special gefallen? Wollt ihr ein ähnliches im nächsten Jahr wieder haben? Gerne her mit Lob, Kritik, Anmerkungen und Vorschlägen 🙂