Rückblick auf den August 2020

War bei euch der August gefühlt auch der neue April? Schwitze man die eine Woche bei Temperaturen über 30°, ist nun gegen Ende gefühlt bereits der tiefste Herbst ausgebrochen. Regen, Temperaturen teilweise nur noch um die 15°… Wenden wir uns nach dem Wetter, aber nun meinem medialen Monatsrückblick zu. Der wohl mein lesestärkster Monat überhaupt war (zumindest gemessen an den beendeten Werken).

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Into the Beat: Ein Tanzfilm aus Deutschland, der wohl an alte Hollywood-Erfolge aus dem Genre anknüpfen wollte, auch einige schöne Tanzchoreographien abliefern konnte, sich aber letztlich zu sehr in Klischees verloren hat. 

Edison – ein Leben voller Licht: Ein Film über den Stromkrieg in den 1880er Jahren zwischen Edison im Team Gleichstrom und Westinghouse im Team Wechselstrom. Leider erklärt der Film sehr wenig und lässt den Zuschauer eher im Dunkeln.

Tesla: Die indirekte Fortsetzung zu Edison schafft es den ‚Vorgängerfilm‘ in einer groben Zusammenfassung aufzugreifen und die benötigten Erklärungen zu liefern. Mit wenig Budget versucht der Film einen verschlossenen Charakter greifbarer zu machen und setzt hier viele künstlerische Tricks ein. Letztlich driftet aber auch Tesla immer weiter vom Zuschauer weg.

Tenet: Christopher Nolan hat es endlich geschafft seinen lang ersehnten Film in die Kinos zu bringen. In seiner üblichen Manier wurde es wieder ein ‚Mindfuck-Zeitexperiment‘. Handwerklich wird hier so ziemlich alles richtig gemacht, lediglich erzählerisch gibt es kleine Abstriche, da Nolan sich hier zu viel vorgenommen hat und seinen Film ab einem gewissen Punkt selbst nicht mehr erklären konnte.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Body Cam: Ein Routineeinsatz wird für eine Polizistin zur tödlichen Verfolgungsjagd. Denn sie und ihre Body Cam haben zu viel gesehen. – Ob der Film mehr als die üblichen Stereotype kann, möchte ich noch herausfinden.

Irresistible: Ein Wahlkampf auf dem Land, bei dem hochgradige Wahlkampfhelfer der Demokraten und Republikaner mitmischen. – Steve Carrell und Rose Byrne im Kampf um Stimmen, steht auf jeden Fall noch auf meiner Liste.

Ganz knapp nicht auf die Liste geschafft, haben es folgende Filme: The Secret, I still believe, die obskuren Geschichten eines Zugreisenden, Stage Mother 

Filme- auf großem Fernseher gesehen

Folgende Wiederholungstäter liefen bei mir im August: Hamilton (immer noch ein beeindruckendes Musical), High School Musical (versetzt mich jedes Mal in meine Teeniezeit zurück), The Final Girls (auch beim zweiten Mal sehen wieder herzlich gelacht)

Beetlejuice: Das frisch verstorbene Ehepaar Maitland kehrt in ihr Haus zurück, allerdings als Geister. Nicht nur haben sie Probleme sich an die Geisterregeln zu gewöhnen, auch bewohnt auf einmal eine neue Familie ihr Haus. Vielleicht kann Beetlejuice helfen. – Schwarze Komödie mit typischen Tim Burton Charme, aber etwas wenig Screentime für den Titelhelden.

Zombies – das Musical: Jahre nachdem das Zombievirus unter Kontrolle gebracht wurde, wird es den kontrollierbaren Zombies gestattet an die örtliche High School zu gehen. Dort kämpfen sie mit Vorurteilen. – Eine typische Disney Channel-Produktion mit leider sehr gleichen Liedern und einer sehr vorhersehbaren Handlung.

Booksmart: Die Freundinnen Molly und Amy haben ihre gesamte Highschoolzeit brav nur gelernt, um jetzt an ihren Traumunis angenommen zu sein. Bis sie herausfinden, dass auch ihre Mitschüler an den Elite-Unis angenommen wurden. Sie beschließen in der letzten Nacht der High School alle Partys nachzuholen. Eine turbulente Nacht beginnt. – Guter Ansatz, nette Ideen, funktioniert leider nicht über die gesamte Lauflänge. 

Heathers: Eine Mädchenclique an der High School mit drei Freundinnen, die alle Heather heißen. Die introvertierte Veronica hat sich ihnen angeschlossen, um beliebt zu sein, hält aber wenig von den Gemeinheiten der Clique. Zusammen mit dem neuen Mitschüler Jason will sie es den Heathers heimzahlen, und tötet aus versehen eine von ihnen. – Schwarze Komödie, die einen mehrfach verwirrt zurücklässt. 

Artemis Fowl: Der junge Artemis Fowl erfährt nach der Entführung seines Vaters, dass all die Legenden und Sagengestalten real sind. Prompt sieht er sich einen Angriff der Elfen ausgesetzt. – Eine Buchverfilmung, die so ziemlich alles falsch macht, was man falsch machen kann.

Winnie Puuh (2011): Christopher Robin und seine Freunde erleben neue Abenteuer im 100-Morgen-Wald. – Unglückliche Mischung aus neuartiger Computertechnik mit festhalten an dem ursprünglichen Aussehen. Zwei Geschichten, die auch eher merkwürdig waren.

Boys in the trees: Corey nutzt die Halloweennacht um mit seiner Skaterclique um die Häuser zu ziehen. Dabei trifft er auf seinen früheren Freund Jonah, der von den anderen Mitgliedern von Coreys Clique gemobbt wird. Aus Nostalgie beschließt er noch einen Abend mit Jonah abzuhängen. – Berührende Coming-of-age Geschichte mit kunstvollen Bildern und oberflächlichem Horrorelementen.

Serien – ein etwas ausführlicherer Überblick

This is us – Staffel 1 (Berührende Familiengeschichte auf zwei Zeitebenen)

Alexa & Katie – Staffel 1-4 (Wunderbare Teeniesitcom mit ernstem Hintergrundthema)

The Umbrella Academy – Staffel 2 (Noch mal eine tolle Steigerung zur ersten Staffel, mit vielen coolen Momenten und Wendungen, und erst der Soundtrack…)

Chip & Chap – Staffel 3 (Hintenraus sind den Ritter des Rechts langsam die Ideen ausgegangen, aber es bleibt eine DER Serien meiner Kindheit)

Gargoyles – Staffel 1 (Eine weitere Serie meiner Kindheit, die ich durch Disney+ nun endlich mal wieder sehen kann)

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 12
Seiten gesamt: 4.528
Seiten pro Tag: 146 im Durchschnitt
Taschenbuch: 7
Comic: 1
Spielbuch: 1
Hörbuch: 1
E-Book: 2

Opal: Der dritte Teil der Fantasyreihe von Jennifer L. Armentrout lässt Katy endlich zu Damon finden. Gleichzeitig ist Damons Zwillingsbruder Dawson endlich wieder da. Doch dessen große Liebe Bethany wird immer noch festgehalten. Gleichzeitig taucht Blake wieder auf. – Erneut spannende Geschichte, auch wenn es einige Wiederholungen braucht, um einen vollständigen Band draus zu machen.

Breathless 3 – Verheißungsvolle Sehnsucht: Der Abschluss der Breathless-Reihe befasst sich diesmal mit dem dritten Geschäftspartner Ash McIntyre. Dieser trifft auf Josie und es ist Liebe auf dem ersten Blick. Doch kann sie sich seinem Lebensstil unterwerfen? – Eigentliche tolle Charakter, aber die Geschichte wirkt ein wenig wie der Abklatsch des zweiten Bands. 

Die Flüsse von London: Police Constable Peter Grant trifft bei einer Mordermittlung auf einen Geist. Kurz darauf wird er in eine andere Abteilung versetzt, die sich genau auf solche Fälle spezialisiert hat. – Ein spannender Krimi der ganz anderen Art, wunderbar gelesen von Dietmar Wunder.

Das Buch der gelöschten Wörter: Der erste Federstrich / Zwischen den Seiten / Die letzten Zeilen: Hope Turner dachte immer, dass sie ein ganz gewöhnliches Leben zu leben verdammt sei. Bis sie auf dem Weg zu ihrer alzheimer kranken Mutter in den Buchladen von Mrs. Gateway stolpert. Dort trifft sie auf Rufus Walker, der ihr wunderbares enthüllt. Sie ist eine Verwandlerin und kann mit ihm in die verschiedenen Buchwelten reisen. Doch aus eben diesen droht ihrer Welt Gefahr. – Ich habe diese Buchreihe absolut verschlungen und bin verliebt! So eine spannende Geschichte und gleichzeitig absolut tolle Hommage an die Buchwelten. Ich stell euch die Reihe ganz bald etwas genauer vor!

Verity: Lowen ist eine eher unbekannte Autorin. Trotzdem bekommt sie von ihrem Verlag den Auftrag die Bestsellerthriller der Starautorin Verity Crawford zu Ende zu schreiben. Denn Verity hatte einen Unfall und kann selbst nicht mehr schreiben. Dabei kommt Lowen nicht nur Veritys Mann Jeremy verdammt nah, sie entdeckt auch ein gewaltiges Geheimnis. – Colleen Hoover ist zurück, doch diesmal mit keiner ihrer typischen Liebesgeschichten, sondern mit einem Psychotriller, der es in sich hat.

Harleen – Band 1: Wer kennt nicht Harley Quinn, die an der Seite des Jokers oder später allein allerlei Schabernack in Gotham anstellt? Doch wie wurde die Psychologin Harleen Quinzel zu eben dieser Bösewichtin? Mit dieser Frage befasst sich die Harleen Reihe. – Spannender Comic mit wunderschönen Illustrationen.

Dream Again: Der fünfte Band der Again-Reihe von Mona Karsten nimmt sich diesmal der Geschichte von Blake an. Denn seine Ex-Freundin Jude ist wieder in der Stadt und sucht Unterschlupf bei ihrem Bruder Ezra, Blakes Mitbewohner. Judes Karriere in Hollywood ist gescheitert und nun versucht sie wieder auf die Beine zu kommen. Kann Blake ihr verzeihen? – Der fünfte und bisher letzte Band der Reihe kommt wieder mit einer schönen Geschichte daher, tollen Charakteren, aber nicht mehr dem gleichen Feuer, wie noch am Anfang.

Alice im Düsterland – Ein Spielbuch: Jahre nach Alice erstem Abenteuer im Wunderland kehrt sie zurück. Neue Abenteuer stehen bevor. Doch diesmal ist der Leser mittendrin statt nur dabei. Triff Entscheidungen, fechte Kämpfe, bestehe Proben und entwickle so deine eigene Geschichte. – Spielbuch heißt in diesem Fall, dass man sich von Abschnitt zu Abschnitt hangelt und sich die Geschichte je nach Entscheidung verändert. Zudem muss man Proben und Kämpfen auswürfeln. Es macht unglaublich Spaß. Einziges Manko: Wenn man mit seinen Entscheidungen eine gewisse Stelle nicht erreicht, hat man am Ende automatisch verloren. 

Kiss me never: Amanda ist sich sicher. Ihr Bruder Andrew ist nicht bei einem Unfall gestorben, sondern ermordet worden. Und seine beiden besten Freunde Van und Dante haben etwas damit zu tun. Um das zu beweisen, versucht sie hinter die Geheimnisse der Zetas zu kommen. Dabei kommt sie Dante ungewollt näher. – Auftakt einer vierteiligen Serie. Leider wenig eigene Handlung und viele Hinleitungen auf später. Funktioniert nicht als alleinstehendes Buch. – Ich bedanke mich bei der Autorin für das Rezensionsexemplar. [Werbung]

Seven Sins – Hochmütiges Herz: An ihrem 18. Geburtstag taucht in Averys Leben der Dämon Nox auf. Denn vor vielen Jahren hat ihr Vater ihre Seele an den Teufel verkauft. Doch ihr bester Freund Adam erzählt ihr von der Prüfung der sieben Todsünden, die sie bestehen kann, um ihre Seele zurückzuerhalten. Denn Adam ist eigentlich ein Engel. Zusammen versuchen nun Mensch, Engel und Teufel die Prüfungen zu überleben. – Der Auftakt einer Fantasyreihe. Die ersten beiden Bände hatte die Autorin bereits im Selfpublishing veröffentlicht, nun in überarbeiteter Form beim Impress-Verlag erschienen. Wirkt auch hier wie eine etwas zu lange Einleitung für das Kommende. Dennoch bin ich gespannt, weil ich die Reihe schon im Selfpublishing verfolgt hatte. 

Ein lesereicher Monat. Was waren eure Highlights im August? 

RIP Chadwick Boseman – Wakanda Forever

Edison – Ein Leben voller Licht

Ein Vorwort

Nach Marie Curie scheint es die Zeit der Filmographien zu sein. Denn fast zeitgleich lief dann auch Edison mit dem Beititel „Ein Leben voller Licht“ in den deutschen Kinos an. Dieser wird dann indirekt weitergeführt von Tesla. Warum ich jedoch so meine Probleme mit Edison hatte, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Quelle

Die Handlung

Thomas A. Edison (Benedict Cumberbatch) setzt bei seinem Versuch die Stromanschlüsse in den USA auszubauen und das ganze Land mit elektrischem Licht zu versorgen auf Gleichstrom. Dies nutzt sein Konkurrent George Westinghouse (Michael Shannon) und entwickelt ein ähnliches System, allerdings mit Wechselstrom. Und so geben sich die beiden Herren in den 1880er Jahren ein Wettrüsten.

Meine Meinung

Während Marie Curie mit dem Beititel Elemente des Lebens aufschlug, wusste man mit dem deutschen Titel so ziemlich, dass es sich um eine vollumfängliche Filmographie handelte. Hingegen wurde man mit dem englischen Titel ‚Radioactive‘ ein wenig in die Irre geführt, glaubte man doch den Schwerpunkt auf der Entdeckung der Radioaktivität zu finden. Nun verhält es sich bei Edison genau anders herum. Der deutsche Titel ‚Edison – Ein Leben voller Licht‘ lässt einen glauben, hier ebenfalls eine allumfassende Filmographie zu finden oder auch nur ansatzweise eine Filmographie. Hier ist der Originaltitel deutlich präziser. Mit ‚The current war‘, übersetzt ‚der Stromkrieg‘, konnte man sich darauf einstellen, dass es zwar viel um Edison geht, aber eben hauptsächlich um das Wettrüsten. So ging ich leider mit falschen Vorstellungen an den Film. Was aber nicht weiter schlimm wäre, wenn der restliche Film eben diesen ‚Krieg‘ auch spannend erzählt hätte. Leider kränkelt der Film bereits genau hier.
Aber fangen wir zunächst mit einem positiven Aspekt an. Hier ist auf jeden Fall das Casting zu nennen. Wahrscheinlich wäre es niemandem so gut gelungen Edisons aufbrausendem Charakter irgendwo gerecht zu werden und dennoch ein Fünkchen Sympathie einzubringen, wie Benedict Cumberbatch. Auch Nicholas Hoult als Nikola Tesla, der hier zwar eine kleinere Rolle hat, aber trotzdem ausreichend Screentime, um seinen Charakter zu definieren, sticht eindeutig positiv hervor. Ein bisschen blasser hingegen wirkt Michael Shannon als George Westinghouse, was aber auch daran liegen kann, dass Westinghouse eher zurückhaltend agierte und weniger Starstatus hatte, wie Edison.
Kommen wir nun aber zum großen Problem des Films, selbst wenn man sich von dem Gedanken einer Filmographie verabschiedet hat: Die Erzählweise. Denn leider schafft Edison es nicht Spannung, geschweige auch nur Interesse, am Stromkrieg beim Zuschauer zu erzeugen. Denn leider vergisst er über seine inbrünstigen Dialoge über Gleich- und Wechselstrom dem Zuschauer das Geschehene zu erklären. Das beginnt bereits am Anfang. Edison ist unterwegs um mit seinem Geldgeber über neue Zuschüsse zu verhandeln, um eben jene Versorgung des Landes mit Strom zu starten. Wer im Physikunterricht nicht aufgepasst hat, steigt bereits hier aus, weil man keine Ahnung hat, was Edison bisher eigentlich genau gemacht hat. Kurz darauf wird im Labor Edisons ein großes Schaubild mit den USA installiert, wo für jede Stadt, die einen Vertrag mit Edison abschließt, eine Glühlampe eingedreht wird. Nachdem sich Westinghouse für das Konkurrenzprodukt entschließt, wird für jede Stadt die mit Westinghouses Wechselstrom arbeitet, eine rote Glühlampe eingedreht. Leider sieht man das Schaubild immer nur ausschnittsmäßig, kann als Zuschauer also nicht einschätzen, wer jetzt im Stromkrieg die Nase vorne hat. Auch wird nicht versucht dem Zuschauer die Vor- und Nachteile von Gleich- oder Wechselstrom erklärt, sondern nur Edisons Beteuerung, dass Gleichstrom die Leute töten wird, und Westinghouses Gegenargument, dass Wechselstrom effektiver sei. Keine Chance für den Zuschauer sich ein eigenes Urteil zu bilden, außer man hat früher Im Physikunterricht zu dem Thema aufgepasst und nach der Schule nicht wieder alles vergessen. Kurzum der Film vergisst den Zuschauer irgendwo an die Hand zu nehmen und ihm ein bisschen was zu erklären. Dadurch kommt allerdings auch keine Spannung auf, denn letztlich ist es dem Zuschauer einfach auch egal, wer gewinnt.
Und so ziehen sich 103 Minuten viel zu sehr in die Länge und man verfolgt den Film, wie er von Dialog zu Dialog rennt. Irgendwo kann man zwar den groben Sinn des ganzen verstehen, aber Erklärungen und/oder aussagekräftigere Bilder wären hier eindeutig angebracht gewesen.

Das Fazit

Edison – ein Leben voller Licht verpasst es leider den Zuschauer in den vielen Dialogen über das wirklich Wichtige aufzuklären und lässt diesen daher eher im Dunkeln zurück als zu erhellen. Trotz starker Schauspieler wirkt der Film so ungemein zäh. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Edison – Ein Leben voller Licht läuft seit dem 23.07.2020 in den deutschen Kinos

P.S.: Wenn ihr wissen wollt, warum ich den Film letztlich doch verstanden habe, dann schaut doch am Freitag wieder rein, wenn ich euch von Tesla berichte.

Tenet

Ein Vorwort

Der Hoffnungsschimmer der Kinos, der vielverschobene Film, der langersehnte Blockbuster oder einfach der neue Christopher Nolan. Nach einer langen Zeit des Zitterns hat er nun endlich seinen Starttermin in Deutschland gehabt. Bereits lange bevor wir uns mit dem Thema Corona auseinandergesetzt haben, angekündigt, war er lange das Hoffnungslicht der Kinos, weil er im Gegensatz zu den anderen Blockbustern nicht verschoben wurde. Und dann doch, aber immer nur für ein paar Wochen. Und nun ist er tatsächlich im europäischen Markt veröffentlicht wurden, obwohl im Hauptmarkt USA noch immer die Schotten der Kinos dicht sind – was zuvor nicht einmal zur Diskussion stand. Nun sind die Erwartungen an Nolan hoch. Nicht nur, dass er viele Zuschauer in die Kinos zieht, sondern auch, dass er seine Mindfuck-Zeitexperiment-Filmreihe weiterführt. Warum er genau hier leider ein bisschen übertreibt, erfahrt in in meiner Kritik.

Die Handlung

Der Protagonist (John David Washington) wird bei einem CIA-Einsatz in Kiew gefangen genommen und gefoltert. Als er sich aber dagegen entscheidet seine Leute zu verraten und lieber den Tod wählt, wird er in ein künstliches Koma befördert. Als er aufwacht, wird ihm eröffnet, dass er damit einen geheimen Eignungstest für das Geheimprojekt Tenet bestanden hat. Diese befasst sich mit temporal invertierten Waffen und versucht diese zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen. Dabei bekommt er Neil (Robert Pattinson) an die Seite gestellt. Eine erste Spur führt sie nach Mumbai.

Meine Meinung

Was verrät man über diesen Film und was nicht? Eine gute Frage, wo doch jede Äußerung ein potenzieller Spoiler sein kann, zumal sich die Trailer wunderbar bedeckt gehalten haben, wo der Film genau hinführt. Demnach werde ich versuchen möglichst wenig auf die Handlung an sich einzugehen. 
Befassen wir uns zunächst mit den Rahmenbedingungen des Films. Denn hier macht Nolan so ziemlich alles richtig, was man richtig machen kann. Er baut wunderbare Settings auf, die sich alle irgendwo unterscheiden und jedes für sich eindrucksvoll und doch realistisch sind. Dann wechselt er den Film passend mit spannenden Szenen und dialoglastigeren Szenen ab, so dass aber das Spannungsniveau von Anfang bis Ende ganz oben ist. Vor allem die Actionszenen an sich sind ein absoluter Augenschmaus. Gut choreographiert und gerade noch auf einem „Nur ein bisschen abgehoben“-Niveau. Flugzeug am Boden in Gebäude krachen lassen ist zwar beeindruckend, aber weniger abstrus als Sprünge oder Kletterpartien aus/an Flugzeugen – looking at you Tom Cruise. So nimmt man der ganzen Mission irgendwo noch ab, dass sie so abgelaufen sein könnte, aber trotzdem warten beeindruckende Bilder und spannende Stunts auf den Zuschauer. Hier behält man durch die sichere Kamerafahrt von Hoyte van Hoytema, der mit Nolan bereits bei Dunkirk und Interstellar zusammenarbeitete, immer den Überblick über den Fokus der Szene, auch wenn teilweise vieles gleichzeitig passiert. Positiv hervorzuheben ist auch der Soundtrack von Ludwig Göransson, der die Szenen sehr gut unterstreicht, permanent präsent ist und doch nie zu vordergründig wird. 
Kommen wir nun also zu dem schwierigeren Teil bei Tenet. Ich habe es bereits in meiner Einleitung Mindfuck-Zeitexperiment genannt. Eben jenes Spiel mit der Zeit, das Nolan gerne in seine Filme einbaut. Sei es die Rückwärtserzählung von Memento, die drei Zeitebenen in Dunkirk oder die unterschiedlichen Zeitgefühle in den verschiedenen Traumebenen in Inception. Nolan spielt gerne mit der Zeit und auch gerne so, dass am Ende (oder irgendwo mittendrin) ein Mindfuckmoment entsteht. In Tenet hat er nun gleich sein beliebtes Spiel mit der Zeit zum Hauptthema gemacht. Hier konnte er sich einmal richtig austoben und alles rauskitzeln was ging. Nun wenn man den Film als Gesamtkonstrukt sieht, funktioniert das ganze auch erstaunlich gut. So verlässt man am Ende den Kinosaal und ist von den ganzen Eindrücken absolut überwältigt und gerade nach dem großen Finale auch irgendwo wieder mit allem im reinen. Doch gerade zwischendurch merkt man, dass Nolan mehr als einmal in Erklärungsnöte gerät und diese einfach zu überspielen versucht. Dabei wirft er einfach mit ein paar Fachbegriffen um sich, die den Zuschauer mehr verwirren als aufklären und behauptet dann, dass er ja nun alles erklärt hat. Und wenn es daran geht, dass ein paar Logiklöcher auftauchen, werden die einfach mit ein paar Paradoxen erklärt. So ist man am Ende zwar durchaus noch verwirrt, weil einige Handlungsstränge nicht wirklich erklärbar sind. Man muss halt ein paar Dinge akzeptieren. Dazu gehören gewisse Paradoxe, aber vor allem die Ausgangsidee hinter Tenet. Wenn man die einfach als gegeben akzeptiert, hat man einen richtig guten Film. Wenn man anfängt einzelne Sachen zu hinterfragen, fällt aber das Kartenhaus sehr schnell in sich zusammen. 
Mit einer Lauflänge von 150 Minuten ist Tenet streckenweise zu lang. Hier hätte man Zeit gehabt, um dem Zuschauer ein paar mehr Details zu erklären, aber darauf wird verzichtet. Vielleicht auch einfach, weil Nolan es selbst nicht genauer erklären kann. Dennoch ist Tenet an keiner Stelle langweilig. 
Bleibt mir zum Schluss nur noch über die Schauspielleistungen zu sprechen. Fangen wir mit John David Washington an, der als Protagonist den Film größtenteils auf seinen Schultern trägt. Hier macht er grundsätzlich eine gute Figur, spielt dezent, auch wenn man sich manchmal ein bisschen mehr als nur das Pokerface gewünscht hätte. Positiv sticht hingegen Robert Pattinson hervor – und ja ich gehöre zu denen die nach Twilight alle Filme mit Pattinson gemieden haben, vielleicht ein Fehler wie sich hier zeigt. Auch der übrige Cast liefert eine gute Performance ab. Lediglich mit Kenneth Branagh als russischer zwielichtiger Geschäftsmann hatte ich so meine Probleme. Vielleicht weil er für mich immer noch ein wenig Professor Lockhardt (Harry Potter) oder Poirot (Mord im Orient-Express) ist. Auf jeden Fall habe ich ihm den Schläger nicht abgenommen. 

Das Fazit

Tenet ist der Blockbuster auf den wir gewartet haben. Nolan hat sich aber ein bisschen zu sehr in seinen eigenen Anforderungen an die Mindfuck-Zeitexperimente verstrickt, dass man das Gesamtkonstrukt akzeptieren muss, ohne es zu hinterfragen. Wer das kann, wird mit einem wunderbaren Actionthriller sehr gut unterhalten. Dafür gibt es 08 von 10 Punkten.

Tenet läuft seit dem 26.08.2020 in den deutschen Kinos

Artemis Fowl

Ein Vorwort

Acht Bände der Artemis Fowl-Reihe aus der Feder von Eoin Colfer sind zwischen 2001 und 2012 erschienen. Die beliebte Kinderbuchreihe ist dabei international sehr beliebt und erhielt sogar den deutschen Bücherpreis. Das es überhaupt so lange bis zu einer Verfilmung gedauert hat, ist erstaunlich. Doch dann erbarmte sich Disney endlich zur Freude der Buchfans und kündigte die Verfilmung an. Der erste Trailer wurde jedoch bereits mit gemischten Gefühlen aufgenommen und durch die ganzen Verschiebungen der letzten Zeit wurde der Film nun schließlich auf Disney+ „verbannt“. Warum der Film jedoch nicht nur ein Opfer seiner Umstände, sondern auch wirklich nicht gut ist, erfahrt ihr in meiner Kritik. 

PS: Ich habe die Bücher übrigens nicht gelesen, kann mich hier also nur auf den Film beziehen.

Die Handlung

Artemis Fowl II (Ferdia Shaw) ist ein kleiner Überflieger, was ihn in der Schule nicht gerade beliebt macht. Er sieht sich als Intelligenter als alle anderen an, mit Ausnahme seines Vaters, ebenfalls mit Namen Artemis Fowl (Colin Farrell). Dieser lehrte ihn seit seiner Kindheit die Märchen und Legenden Irlands, wo die Fowls ein großes Anwesen bewohnen. Doch als sein Vater von einem mythischen Wesen entführt wird, muss Artemis erkennen, dass mehr an den Märchen dran ist, als er für möglich hielt. Zusammen mit seinem Butler, dessen Nichte und einer gefangenen Elfe muss Artemis jedoch erst das Anwesen der Fowls vor den Elfen verteidigen.

Meine Meinung

Kenneth Branagh als Regisseur (Thor, Cinderella, Mord im Orient-Express) erschien mir grundsätzlich erst einmal als eine gute Wahl um die Bücherreihe zu verfilmen. Als dann auch noch die Castingliste veröffentlicht wurde und neben Namen wie Josh Gad und Colin Farrell auch noch Dame Judy Dench auftauchte, war ich mir sicher, dass der Film gar nicht so schlecht werden könnte. Leider ist spätestens seit dem Fiasko von Cats – ebenfalls mit Judy Dench – eine gute Castingliste wohl kein Garant mehr für einen guten Film. Denn hier wird so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. 
Fangen wir zunächst an mit der Erzählstruktur. Im Prinzip wird hier das Ende vorweggenommen, dann Josh Gads Charakter Mulch Diggums wird festgenommen und darf nun auf der Polizeistation seine Geschichte erzählen. Allerdings erzählt er eher die Geschichte von Artemis Fowl, zu der er selbst erst später hinzustößt. Obwohl sich die beiden im Film am gleichen Tag erst kennenlernten, kennt Mulch natürlich die ganze Familiengeschichte der Fowls. Selbst wenn wir diesen Fakt ignorieren, so wird hier dann doch die gesamte Vorgeschichte in wenigen Szenen abgearbeitet und auf einmal soll man sich mit den Charakteren im Hause Fowl verbunden fühlen. Dann werden wirr ein paar Begebenheiten in der „realen“ Welt und in der Elfenwelt erzählt, die absolut unzusammenhängend wirken. Weiter geht es mit der eigentlichen Handlung, die wie ein wirres Puzzle aus Szenen wirkt, die irgendwie zu einem Kampf im Anwesen der Fowls führt. Und schwupp ist der Film auch schon wieder vorbei. Nur leider wissen wir immer noch herzlich wenig über die Welt oder die Charaktere, so dass einen auch Einzelschicksale sehr unberührt lassen. 
Kommen wir also zum nächsten großen Problem. Dem Worldbuilding/Weltenbau. Bzw. dem nicht vorhandenen. Grundsätzlich will uns der Film erklären, dass es neben/unter/irgendwo halt der uns bekannten Welt auch noch die „magische“ Welt gibt, in der all die Märchen- und Legendengestalten der irischen Sagen leben. Hier im Film lernt man erst einmal nur die Elfenwelt kennen und auch die nicht wirklich. Denn während der Film noch die Vorgeschichte der Fowls mit ein paar wenigen Szenen versucht zu erklären, hören hier die Erklärungen leider wieder auf. Der Zuschauer wird hier also vor eine neue Welt gesetzt, ohne das diese genauer erklärt wird. Es gibt irgendein magisches Artefakt, das mehrere Seiten aus irgendeinem Grund brauchen/wollen, die Elfen scheinen irgendwo unter unseren Vulkanen zu leben, deren Welt scheint auch technisch viel weiterentwickelt als unsere, aber mehr erfahren wir einfach nicht. Irgendwie haben sie Zwerge und Kobolde gefangen, aus irgendeinem Grund lebt ein Zentaur unter ihnen, aber was es damit auf sich hat, wird einfach nicht erklärt. Ihr merkt schon, dass mich sowas wahnsinnig macht. 
Und weil das alles noch nicht reicht, möchte ich nun noch über die wahnsinnig schlecht geschriebenen und eindimensionalen Charaktere sprechen. Fangen wir ganz vorne an bei Artemis Fowl. Hier ist es tatsächlich egal, welchen von beiden wir uns vornehmen, aber da Colin Farrell vergleichsweise wenig Screentime hat, bleiben wir beim jungen Artemis. Mit Ferdia Shaw wurde ein Nachwuchsschauspieler gefunden, der zwar rein optisch super zur Rolle zu passen scheint, allerdings auch mit absolut keiner Filmerfahrung punkten kann. Was grundsätzlich nicht schlimm sein muss, funktioniert hier leider absolut nicht, da Shaw es nicht schafft seinen einen Gesichtsausdruck zu verändern, egal ob es dramatische Szene ist, es bleibt der arrogante Ausdruck. Allerdings wurde sein Charakter auch nur auf diese eine Eigenschaft reduziert. Ebenso verhält es sich beim übrigen Cast. Die Charaktere sind so eindimensional, dass es selbst eine Judy Dench nicht schafft, ihrem Charakter irgendetwas was man auch nur ansatzweise Tiefe nennen kann, zu geben. 
Ich merke schon, dass dieser Beitrag etwas ausschweifend wird, aber ich muss mit euch noch kurz über die Handlung sprechen. Ein paar Punkte habe ich bereits beim ersten Punkt (Erzählstruktur) angesprochen. Doch ich möchte noch kurz darauf zu sprechen kommen, dass der gesamte Film mit einer Lauflänge von 96 Minuten (inkl. Abspann) geplant wurde. Und dennoch findet der Film Zeit Szenen einzubauen, die absolut keine Bedeutung für den späteren Verlauf haben. Diese Zeit hätte man gut nutzen können, um beispielsweise etwas mehr von der Welt oder zu den Charakteren erklären zu können. 
Schließlich bleibt Artemis Fowl ein lebloser Film. Wirre Szenen ohne wirklichen Zusammenhang mit einem stark inszenierten finalen Kampf wechseln sich ab mit belanglosen Dialogen. Letztlich scheint der Film daraufhin zu arbeiten, dass es mehrere Teile geben wird, aber dafür hätte man sich bereits beim ersten deutlich mehr Mühe geben müssen. Denn auch für Kinder dürfte der Film keinen wirklichen Mehrwert bieten, dafür gibt es zu wenig lustige Szenen und auch die Geschichte selbst dürfte für Kinder zu wirr erzählt worden sein. 
Dennoch möchte ich mit einem positiven Aspekt enden. Die gezeigten Bilder waren wirklich inszeniert, auch wenn man ihnen das überbordende CGI deutlich ansah. Und die Kostüme waren ganz hübsch. Nun, vielleicht gebe ich den Büchern noch eine Chance, da mich das Thema grundsätzlich doch ein bisschen interessiert. 

Das Fazit

Artemis Fowl macht bei Handlung, Erzählstruktur, Charakteren und dem Weltenbau so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann, zumal der Film auch nicht wirklich auf den Punkt kommt, was er denn nun erzählen möchte. Leider daher ein Flop, dem wohl keine weiteren Filme folgen werden. 

Artemis Fowl ist seit dem 14.08.2020 auf Disney+ abrufbar

Into the Beat

Ein Vorwort

Tanzfilme sind wohl keine neue Erfindung und spätestens seit dem anhaltenden Erfolg der Step up-Reihe mit ihren unzähligen Fortsetzungen war es nur eine Frage der Zeit bis wir auch die deutsche Version kriegen. Diese hat dann aber doch relativ lange auf sich warten lassen. Vielleicht auch weil ein Film, der in die ähnliche Kerbe schlägt, gar nicht so viel Erfolg hatte. Gangs erschien 2009 und damit wohl in der Hochphase ähnlicher Filme. Hier gab es dann auch die Balletttänzerin aus gutem Hause, die auf eine Straßengang traf. Die Straßengang wurde nun gegen Streetdancer ausgetauscht und auch ein bisschen mehr Farbe bekam Into the Beat. Warum der Film trotzdem lediglich mittelmäßig ist, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Katya (Alexandra Pfeifer) kommt aus der Tänzerfamilie Orlow – ja wie das russische Adelsgeschlecht – und damit ist ihre Zukunft eigentlich geschrieben. Kurz vor ihrer Aufnahmeprüfung für die New Yorker Ballettakademie trifft sie durch Zufall auf eine Gruppe Streetdancer/Hip Hop-Dancer. Auf einmal eröffnet sich für sie eine völlig neue Welt und eine ganz andere Art des Tanzes. Dort lernt sie den geheimnisvollen Marlon (Yalany Marschner) kennen, der sie trotz seiner abweisenden Art anzieht.

Meine Meinung

Into the Beat – Dein Herz tanzt arbeitet mit dem alten Schema der zwei Welten. Während Katya in einer Tänzerfamilie aufwuchs, war ihr Weg praktisch vorherbestimmt. Aber trotzdem fühlte sie sich in ihrer Welt nie eingeengt. Da ihr Vater auch ein bekannter Balletttänzer ist, scheint es der Familie auch an Geld nicht zu mangeln, um wieder das Klischee der Ballerina aus gutem Hause er erfüllen. Immerhin wird Katya durch die herrschende enge Familienbindung – nach dem Tod der Mutter – ein bisschen weiter charakterisiert als nur durch ihre angestrebte Karriere und den Druck der Familie, die auf ihr lastet. Dazu musste natürlich wieder ein starker Kontrast geschaffen werden. Und was wäre gegensätzlicher als die Hip-Hop Szene. Hier muss dann natürlich noch der schweigsame Junge her, der natürlich nichts aus gutem Hause kommt. Soweit erst einmal so bekannt.
Tatsächlich versucht der Film jedoch zwischendurch immer wieder aus seinen Klischees auszubrechen, nur um dann noch stärker in das Bekannte und Vorhersehbar zu verfallen. Natürlich gibt es das große Vortanzen unserer Protagonistin, das ihre Karriere beeinflusst. Aber natürlich gibt es auch aus der „anderen Welt“ ein wichtiges Casting. Der geübte Zuschauer wird spätestens hier wissen, worauf das ganze hinausläuft. Into the Beat versucht jedoch immer wieder mit coolen Einstellungen und toll choreographierten Tanzeinlagen davon abzulenken. Und zwischendurch entwickelt der Film tatsächlich einen ganz eigenen Rhythmus.
Hier helfen vor allem auch die beiden Hauptdarsteller, die eben noch nicht zu den immer gleichen Gesichtern der deutschen Kinoszene gehören. Auch wenn man ihnen die Unerfahrenheit zwar anmerkt, ist es genau das, was den Film aber positiven Aufwind bringt, weil es noch nicht der einstudierte Wimpernaufschlag ist (looking at you Emilia Schürle) und auch noch nicht die gefestigte „Coolheit“. Sondern es wirkt eben wie zwei Darsteller aus dem Tanzbereich, die es aber dennoch schaffen Gefühle und Handlung zu tragen. Und vor allem schaffen sie es trotzdem die gestelzten und gewollt coolen Dialoge irgendwie so zu verpacken, dass sie nur halb so peinlich sind. Dafür schon einmal Respekt, denn die Dialoge sind mit das grausigste am ganzen Film.
Das Highlight des Films sind dann auch die dröhnenden Beats, die dem Zuschauer unter die Haut gehen und mit den Choreographien gut harmonieren. Leider gehen diese gerade am Ende für ein paar poppige Balladen drauf, die wohl die Dramatik der Szenen verschärfen sollten, aber leider eher die aufgebaute Spannung stören.
So gehen 98 Minuten ins Land, die man so erst einmal nicht merkt, zwischendurch durch ein paar richtige Fremdschämmomente – ich sag nur, lass uns auf ein Schiff einbrechen und wenn die Crew uns stellt, inszenieren wir ein Dancebattle – aber doch zu lang für die erzählte Geschichte wirken. Letztlich ist der Film wohl vor allem für eine jüngere Zielgruppe konzipiert, die eine solche Geschichte nicht schon gefühlt 1000 Mal gesehen hat. Aber auch wenn man von der vorhersehbaren Handlung absieht, hat der Film leider noch zu viele Schwächen. Dennoch möchte ich ihn gar nicht vollkommen verreißen, da ich zwischendurch ja doch irgendwo gut unterhalten wurde.

Das Fazit

Into the Beat – Dein Herz tanzt erzählt eine altbekannte Geschichte mit holprigen Dialogen und Fremdschämmomente und schafft es doch irgendwo ein bisschen Herz einzubringen. Leider bleibt das Gesamtkonstrukt eher enttäuschend. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Into the Beat läuft seit dem 16.07.2020 in den deutschen Kinos

Rückblick auf den Juli 2020

Nachdem Tenet und Mulan immer weiter verschoben wurden (bzw. Mulan nun für Disney+ angekündigt wurde), hat mein Kino leider die Wiedereröffnung auf unbestimmte Zeit verschoben. Dennoch ließ ich mir die Kinofreuden nicht nehmen und nahm dafür auch längere Anfahrtswege in Kauf. Umso mehr freue ich mich, dass es weiterhin die Kinospalte im Rückblick gibt! 

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Der Spion von Nebenan: Ein strafversetzter CIA-Agent soll eine Familie beschützen. Doch die geheime Operation wird schnell von der kleinen Sophie aufgedeckt, die mit ihrer taffen Art schnell alles auf den Kopf stellt. – Charmante Agentenkomödie, die leider nicht Neues wagt.

Marie Curie: Die Filmographie über die bekannte Physikerin und Chemikerin Marie Curie erzählt ihre Erfolge, aber auch die Fehlschläge. – Brilliant gespielt, viel Stoff, ohne zu überfüllt zu wirken.

Suicide Tourist: Max hat einen Gehirntumor und möchte in Würde abtreten. Dies führt ihn ins Hotel Aurora, wo aktive Sterbehilfe angeboten wird. – Tiefgehendes Drama mit unpassendem Ende.

Der Fall Richard Jewell: Bei den olympischen Spielen von 1996 kommt es zu einem Bombenattentat. Der Sicherheitsmann Richard Jewell findet diese und kann schlimmeres verhindern. Nachdem er kurz als Held gefeiert wird, gerät er ins Kreuzfeuer von FBI und den Medien. – Stark inszeniertes Drama über die Macht von FBI und Medien, bleibt aber an seinem Protagonisten und erzählt, wie es ihm damit erging.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Semper Fi: Ein regelkonformer Polizist, der durch seinen Halbbruder von seinem Pfad abweicht. Irgendwo zwischen Prison Break und Triple 9 wohl anzufinden. Was es genau mit dem Film auf sich hat, werde ich hoffentlich noch herausfinden.

Berlin Alexanderplatz: Frei nach dem Roman von Döblin geht es hier um Francis, der ein anständiger Mensch sein möchte, doch durch seine Lebensumstände in eine andere Richtung gedrängt wird. Ich glaube Döblin steht auch noch auf meiner Liste der Schande, mal sehen, ob ich es zuerst schaffe das Buch zu lesen oder den Film zu schauen.

Edison – ein Leben voller Licht: Nach Marie Curie und vor Tesla eine weitere Filmographie der nächsten Wochen. Allein der Cast um Benedict Cumberbatch und Michael Shannon interessiert mich bereits.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Otto – der Film: Durch meinen Lebensgefährten sind die Ottofilme bei mir eingezogen, die ich bisher noch nicht kannte. Der erste wurde mir sogleich präsentiert.

Hugo Cabret: Hugo Cabret ist Waise und lebt am Bahnhof Montparnasse, immer auf der Flucht vor dem Stationsvorsteher. – eine Liebeserklärung an die Anfänge des Films.

Mrs. Doubtfire: (Ihr merkt ich habe ein paar Klassiker nachgeholt) Nachdem ein Vater bei der Scheidung lediglich ein Besuchsrecht bei seinen Kindern erwirkt, schleicht er sich als Kindermädchen wieder in deren Leben. – Wunderbare Familienkomödie mit Robin Williams.

Hamilton: Das Broadway Musical im heimischen Wohnzimmer ist ein Genuss der ganz besonderen Art. Ich habe den Film gleich zweimal gesehen, da ich mich einmal auf die Handlung und einmal auf die Umsetzung konzentrieren wollte.

Hamilton – History has it’s eyes on you: Eine von Robin Roberts moderierte Diskussionsrunde mit den Hamiltondarstellern, – regisseur und einer Harvard Geschichtsprofessorin beleuchtet die Aktualität der Geschichte.

Serien – ein etwas ausführlicherer Überblick

I’m not okay with this – Staffel 1: (Langatmiger Auftakt, wirkt wie eine große Pilotfolge. Hoffentlich bringt Staffel 2 dann etwas Handlung)

Queer Eye – Staffel 5 (Die Fab 5 sind zurück und versprühen wieder gute Laune!)

The Comedy Line-up – Staffel 1 (Kurze Comedyhappen verschiedener Comedians. Für jeden Geschmack etwas dabei)

The Boys – Staffel 1 (Superheldengenre mal ganz anders. Gute Kritik an der Marketinggeilheit der Superhelden, allerdings trifft Handlung und Ton nicht so richtig meinen Geschmack)

Dark – Staffel 1 (Deutscher Netflixerfolg, eine Stadt voller Geheimnisse und Zeitsprüngen. Spannender Auftakt, der den Zuschauer voller Fragen zurücklässt.)

Community – Staffel 2 (Auch in der zweiten Staffel behält Community die intelligenten Folgen mit ihren tollen Charakteren bei)

Vicious – Das Finale (In einer einstündigen Episode werden anhand der vier Jahreszeiten noch einmal vier Kurzgeschichten erzählt. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge gesehen, weil ich nun (mal wieder) durch bin mit der Serie.

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 6
Seiten gesamt: 2.132
Seiten pro Tag: 67 im Durchschnitt
Taschenbuch: 4
Sammelband: 1
Hörbuch: 1

Mythos & Wahrheit: Eine vierteilige Analyse zu den Themen Dracula, Sherlock Holmes, Edgar Allen Poe und Frankenstein. Hier werden jeweils die Werke, Entstehungsgeschichte und die Mythen darum genauer beleuchtet. Grundsätzlich sehr interessant und schön vertont mit verschiedenen Lesern, aber irgendwo hätte ich mir weniger Nacherzählung und mehr Hintergründe gewünscht.

Der Duft von Sommerregen: Lena ist begeisterte Assistentin eines Kunsthändlers.  Mit 40 und single wird man jedoch stets mitleidig angesehen. Als sie den charmanten Jonas kennenlernt, überlegt sie ihren Vorsatz noch einmal. Doch wieso überkommt sie dann immer die Sehnsucht, wenn sie das Klavierspiel eines Nachbarn hört? Schöne Dreieckgsgeschichte, nicht ganz Sommerlektüre, aber  nah dran, ein wenig zu viel Tätigkeitsbeschreibung, aber dafür tolle Charaktere.

Sherlock Holmes – Das Zeichen der Vier: Sherlock Holmes kriegt seinen zweiten Fall. Ein Erbe scheint unterschlagen zu sein, ein Schatz wird gefunden und eine Jagd auf der Themse steht bevor. Der zweite Roman rund um den berühmten Detektiv stellt Detektiv und Leser wieder vor viele Rätsel, bleibt aber im Gegensatz zum ersten (Eine Studie in Scharlachrot) diesmal an den Charakteren.

Dreams of Gods and Monsters: Die finale Schlacht um Eretz steht bevor, Seraphim und Chimären müssen sich zusammen gegen das Heer der Dominion stellen. Denn diesmal geht es nicht nur um Eretz, sondern auch um unsere Welt. Der finale Band der Zwischen den Welten Reihe staubte jetzt lange bei mir ein, nachdem ich es nach gut 200 Seiten nicht mehr ertragen habe. Stückchenweise konnte ich es jetzt doch beenden. Letztlich nimmt es sich die Zeit wirklich alles zu einem Ende zu bringen.

Dracula: Es war Klassikerzeit/Liste der Schade-Zeit bei mir. Und so habe ich es endlich geschafft Bram Stokers berühmten Gruselroman zu lesen. Nachdem man sich durch den Anfang ein wenig durchgequält hat, konnte mich die Geschichte schnell in den Bann ziehen.

Frankenstein: Nach Sherlock Holmes und Dracula ein weiterer Klassiker. Diesmal ging es um Mary Shellys berühmten Wissenschaftler und sein Monster. Wesentlich unspektakulärer als die Verfilmungen doch ein interessantes Werk.

 

Der Fall Richard Jewell

Ein Vorwort

Bereits 2016 brachte Clint Eastwood mit Sully einen Film über einen Helden in die Kinos, auf den kurz darauf die Hetzjagd beginnt. Während Sully das abstürzende Flugzeug im Hudson landete und hinterher beweisen musste, dass er nicht zu einem der anderen Flughäfen hätte fliegen können, wird das Thema in Der Fall Richard Jewell noch einmal wesentlich präsenter, wird der vermeintliche Held doch sowohl vom FBI als auch von den Medien denunziert. Wie Eastwood diese Thematik aufgearbeitet hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Richard Jewell (Paul Walter Hauser) möchte unbedingt Polizist werden. Doch seine Karriere verläuft nicht wie geplant und er hält sich mit kleinen Sicherheitsdiensten über Wasser. So auch am 27.07.1996 Centennial Olympic Park in Atlanta, wo Feierlichkeiten rund um die olympischen Spiele stattfanden. Dort entdeckt er einen alleinstehenden Rucksack. Der stets penibel auf die Vorschriften pochende Jewell nervt solange alle, bis das Bombenentschärfungsteam anrückt. Und tatsächlich konnte so zwar nicht die Detonation, aber zumindest der größte Schaden verhindert werden. Jewell wird zum Held. Zumindest so lange bis sich das FBI auf ihn als Hauptverdächtigen einschießt und diese Information an die Presse durchsickert. Jewell wird vom Helden zum vermeintlichen Täter.

Meine Meinung

Der Fall Richards Jewell hat eine Lauflänge von 129 Minuten. In dieser Zeit schafft Eastwood es sowohl einen kurzen Überblick über Jewells Vorgeschichte zu liefern, um so den Charakter schnell aufzubauen, dann die Geschehnisse am 27.07.1996 zu schildern, Jewell danach die paar Tage Ruhm zu gönnen und dann die Hetzjagd von FBI und Medien darzustellen. Und auch wenn das viel Material ist, wirkt der Film nie gehetzt, sondern nimmt sich genug Zeit. Lediglich die Vorgeschichte wird mit ein paar wenigen Szenen abgespeist, was aber dem weiteren Film auch eher nützt, weil beim Zuschauer lange die Frage bleibt, ob er doch zu so einer Tat fähig wäre.
Eastwood inszeniert den Film geschickt so, dass eigentlich von Anfang an ziemlich klar ist, dass Jewell den Anschlag nicht verübt hat. Dennoch bleibt die Geschichte rund um die Ermittlungen des FBI sehr spannend, da diese teilweise berechtigte Zweifel an Jewells Geschichte haben, bzw. auch die unberechtigten irgendwo vielleicht bewiesen werden können. Doch vor allem der Einfluss der Medien ist das erschreckende am Film. Durch den Fehler eines Mitarbeiters beim FBI gelangt Jewell ins Visier der Medien. Haben sie ihn vorher noch als Held gefeiert, wird plötzlich eine Hetzjagd auf ihn gestartet.
Interessant ist auch die Entwicklung von Jewells Charakter. Für ihn sind jegliche Autoritäten mit Respekt zu behandeln und so ist er zu den ermittelnden FBI Agenten eigentlich viel zu nett. Dennoch bekommt er am Ende noch den Mut sich zu wehren. Während Hauptdarsteller Paul Walter Hauser den Film gut trägt und Jewell gut porträtiert, sind es doch vor allem die NebendarstellerInnen, die den Film in eine sehr gute Richtung drängen. Hier haben wir zum einen John Hamm als FBI Agent Tom Shaw, der sich regelrecht auf Jewell einschießt und keine andere Theorie mehr zulässt, dann Sam Rockwell als Anwalt, der seine kleine Kanzlei kaum am Laufen hält und doch immer wieder wichtige Ratschläge für Jewell hat. Kathy Bates als Mutter erhielt für ihre Rolle eine Oscarnominierung, konnte sich jedoch nicht gegen Laura Dern (Marriage Story) durchsetzen. Olivia Wilde nimmt sich der Rolle der Kathy Scruggs, die Journalistin, die als erstes von den Vorwürfen gegen Jewell berichtete, an. Dies ist auch die Rolle, die im Vorfeld und Nachgang am heftigsten diskutiert wird. Denn Scruggs wird im Film als sensationsgeil dargestellt und dass sie für Informationen sogar Sex anbiete. Da die Journalisten bereits verstorben ist, kann sie sich selbst nicht mehr gegen die Vorwürfe stellen, aber ihre damaligen Chefs setzen sich dafür ein, dass vor dem Film nicht nur das berühmte „basiert auf wahren Begebenheiten“ eingeblendet wird, sondern auch der Hinweis, dass einzelne Aspekte dramaturgisch überspitzt wurden. Hier kommt wieder die Frage auf, wie weit geht dramaturgische Freiheit, wenn es um reale Personen geht? Aber ganz abgesehen davon liefert Wilde eine gute Performance ab. Eastwood platziert aber grundsätzlich alle auf Seiten Jewells als „die Guten“ und alle gegen ihn als „die Bösen“. Hier wären vielleicht ein paar Grauabstufungen angebracht gewesen. Dies dürfte aber auch mit einer der wenigen Kritikpunkte sein, die es an dem ansonsten stark inszenierten Film gibt. Generell hätte der Film ein wenig kritischer an allen Stellen sein können, bleibt hier dafür aber stark am Hauptprotagonisten und lässt die Kritik eher unterschwellig einfließen.

Das Fazit

Der Fall Richard Jewell ist ein stark inszeniertes Drama über die Macht von FBI und Medien, bleibt aber an seinem Protagonisten und erzählt, wie es ihm damit erging. Mit starkem Cast und gutem Spannungsaufbau bleibt der Film durchgehend spannend. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Der Fall Richard Jewell läuft seit dem 25.06.2020 in den deutschen Kinos

Hamilton

Ein Vorwort

Ein Broadway Musical im heimischen Wohnzimmer? Da war ich doch sofort dabei. Während zuvor eine Ausstrahlung der Aufnahme im Kino für 2021 angepeilt wurde, fand nun die Veröffentlichung auf Disney+, dem Streamingdienst aus dem Hause Disney, statt. Da der Dienst mit schwindenden Nutzerzahlen zu kämpfen hat, dürfte Hamilton nach dem Zugpferd The Mandalorian zumindest kurzseitig für Besserung sorgen.

Die Handlung

Der Gründungsvater Alexander Hamilton (Lin-Manuel Miranda) trifft 1776 in New York ein und schließt sich der Revolution an, die im Unabhängigkeitskrieg gipfelt. Nach erfolgreichem Sieg wird Hamilton durch enge Beziehungen zum 1. Präsidenten der USA George Washington (Christopher Jackson) zum 1. Finanzminister, hat im Kabinett aber mit ordentlich Gegenwind zu kämpfen.

Meine Meinung

Wie oft im Leben hat man schon die Chance ein echtes Boradwaystück zu sehen? Und zwar nicht neu adaptiert, verfilmt oder für deutsche Bühnen umgeschrieben. Mit Lin-Manuel Mirandas Hamilton kommt genau dies ins heimische Wohnzimmer. Während es auf der Kinoleinwand wahrscheinlich noch einmal besser gewirkt hätte, ist das Musical aber auch so vom ersten Moment an beeindruckend.
Schon sobald Leslie Odom Jr. die ersten Töne als Aaron Burr anstimmt und dann das Ensemble dazustößt, gibt es Gänsehautmomente. Auch wenn danach erst einmal Verwirrung herrscht, in welche Richtung die Handlung geht, hält Hamilton einen zunächst gefangen.
An die Tatsache, dass es keine deutschen Untertitel gibt, muss man sich auch erst einmal gewöhnen, aber gänzlich ohne Untertitel würde es dann doch nicht gehen. Denn die Lieder sind eine gute Mischung aus Jazz, Musical und vor allem R&B und Hip-Hop. Bei der Geschwindigkeit der Texte sind die Untertitel dann sehr hilfreich. Da auch das gesamte Musical durchgetextet ist, und es zwischendurch keine gesprochenen Dialoge gibt, muss man bei den Liedern auch am Ball bleiben. Daher empfiehlt es sich das Musical eigentlich mindestens zweimal zu sehen, einmal um zu verstehen, worum es geht, und einmal um die Performance an sich genießen zu können.
Auch wenn der Ausgang der Geschichte bereits im ersten Lied gespoilert wird und viele Sachen einfach durch ihren historischen Bezug vorhersehbar sind, bleibt Hamilton doch durch die gesamte Gestaltung und der Ohrwurmlieder durchgehend spannend. Mit einer Lauflänge von 180 Minuten bekommt man trotzdem die ganze Zeit etwas für Augen und Ohren geboten. Gerade die kleinen Details – ja, es gibt schon unzählige Listen mit Ranking dieser Details – heben das Musical auf ein ganz besonderes Niveau.
Schauspielerisch ist das Musical bereits vom Allerfeinsten. Getoppt wird es aber noch um Welten durch die gesanglichen Leistungen und die Tanzperformances.
Hach, ich könnte hier noch eine ganze Weile weiter schwärmen, aber ich mache es mal kurz: Wenn ihr auch nur ansatzweise etwas mit Musicals anfangen könnte, dann guckt euch Hamilton an.

Das Fazit

Hamilton ist ein Musical auf ganz hohem Niveau und unterscheidet sich dabei gerade musikalisch von den sonst üblichen Popklängen. Amerikanische Geschichte wurde noch nie so mitreißend erzählt.

Hamilton ist seit dem 03.07.2020 auf Disney+ abrufbar

Marie Curie

Ein Vorwort

Marie Curie ist eine der wenigen Frauen, die trotz der gemeinsamen Forschung mit ihrem Mann Pierre, später berühmter wurde. Und dabei gibt es nicht nur einen Grund der Arbeit Curies zu gedenken. Daher bietet sich eine Biographie förmlich an. Da ich immer noch längere Anreisen zu geöffneten Kinos in Kauf nehmen muss, war ich von eher negativen Kritiken zweier geschätzter Kollegen erst abgeschreckt. Warum ich die Fahrt bis in die Hauptstadt für den Film dennoch nicht bereut habe, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Maria Sklodowska (Rosamund Pike), geboren in Polen, studiert in Paris und gerät dort immer wieder mit dem Dekan aneinander, weil ihr und ihren Studien zu wenig Raum gegeben wird. Durch Zufall lernt sie Pierre Curie (Sam Riley) kennen, dem sie zunächst gestattet sie zu unterstützen. Die beiden werden zunächst ein Forscherpaar und schließlich heiraten sie auch. Das Ehepaar Curie entdeckt schließlich die beiden Elemente Pulonium und Radon und die Radioaktivität, aber ohne die verheerenden Folgen.

Meine Meinung

Marie Curie ist eine Filmographie, die sich an keiner Stelle die Frage stellt, welchen Aspekt des Lebens von Marie Curie erzählt werden soll, sondern einfach alles mit rein nimmt. Damit wird sie dem deutschen Titel „Marie Curie – Elemente des Lebens“ absolut gerecht, irregeleitet wird man eher vom Originaltitel „Radioactive“, der unterstellt, dass der Titel sich mehr auf die Entdeckung der Elemente bezieht. Doch auch wenn sich der Film hier viel vornimmt und neben der Forschungsgeschichte, auch noch die Nobelpreise, Maries Vergangenheit, ihre Liebesgeschichte, ihren Einsatz im ersten Weltkrieg und die Auswirkungen ihrer Forschung mit einbezieht, hätte der Film schnell überladen wirken können. Aber Regisseurin Marjane Satrapi weiß, wann Andeutungen genügten und wann ein tieferer Blick lohnt. So sind die 110 Minuten zwar völlig gefüllt, aber alles findet seinen Platz.
Das liegt vor allem daran, dass Zeitsprünge und einzelne Episode in teilweise künstlerischen Montagen gezeigt werden oder im Zusammenschnitt einzelner Szenen, so dass beispielsweise die Forschung, die zur Entdeckung der Radioaktivität führt, seine Zeit bekommt, aber eben auch nicht unnötig in die Länge gezogen wird. Auch das Zeigen späterer Vor- und Nachteile wird passend zwischendurch eingeschoben und verdeutlicht so die Thematik, ohne die eigentliche Handlung großartig zu unterbrechen, auch wenn dies durch Geschehnisse wie Hiroshima (1945) und Tschernobyl (1986) schnell hätte geschehen können.
Das der Film die Thematiken so gut verbinden kann, liegt vor allem auch an dem guten Cast, der bis in die letzte Nebenrolle gut besetzt wurde. Dennoch spielt Rosamund Pike als Marie Curie alle an die Wand. Egal, in welchem Stadium sich der Charakter befindet, sie schafft es durch gezielt gesetzte Mimik und kleine Gestik eine große Wirkung zu erzielen, so dass man ab einem gewissen Punkt auch ihre innere Zerrissenheit spürt und nachvollziehen kann. So bringt sie uns eine Frau näher, die immer für ihre Anerkennung kämpfen musste und sich daher schwierig in gesellschaftliche Konventionen zwängen lässt. Das lässt Curie zwar an einigen Stellen unnahbar und teilweise sogar unsympathisch wirken, doch schafft es Pike immer wieder den Schwung zurückzuschaffen.

Das Fazit

Marie Curie ist eine brilliant gespielte Fiomographie, die sich mich allen Aspekten des Lebens Curies befasst, dennoch nicht überfüllt wirkt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Marie Curie läuft seit dem 16.07.2020 in den deutschen Kinos

Suicide Tourist

Ein Vorwort

Wie geht man mit dem Thema Sterbehilfe respektvoll um? Muss es immer ein Für und Wider sein oder kann man es auch einfach nur aus der Sicht eines Betroffenen darstellen? Für diese Fragen holt Regisseur Jonas Alexander Arnby Game of Thrones Star Nicolaj Coster-Waldau in seine dänische Heimat zurück. Warum der deutsche Beititel „Es gibt kein Entkommen“ den Film in eine falsche Richtung drängt, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Max (Nicolaj Coster-Waldau) ist Versicherungsmakler und glücklich verheiratet mit Lærke (Tuva Novotny). Doch als bei ihm ein Gehirntumor festgestellt wird, der nicht mehr aufzuhalten ist, beschließt Max, dass er lieber abtreten möchte, solange er noch er selbst ist, bevor ihn der Tumor verändert. Dafür endet er im Hotel Aurora, einem abgeschiedenen Resort, in dem aktive Sterbehilfe praktiziert wird.

Meine Meinung

Suicide Tourist nimmt sich einem der am stärksten diskutierten Themen an, der aktiven Sterbehilfe. Hier hält er sich aber gar nicht lange mit dem Für und Wider auf, sondern präsentiert uns zunächst mit Max einen Mann, der mitten im Leben stand und durch seine Krankheit herausgerissen wurde. Wir erleben die Hiobsbotschaft des Arztes live mit und auch den Verarbeitungsprozess. Sowohl bei Max, der sich immer mehr in sich zurückzieht, als auch bei Lærke, seiner Frau, die mit allen Mitteln versucht, die verbleibende Zeit so schön wie möglich zu machen und ihn aus seinem Loch herauszuziehen.
Dabei geht uns das Schicksal Maxs besonders nah, da mit Nicolaj Coster-Waldau ein Schauspieler gefunden wurde, der es versteht, die kleinen Nuancen in Gestik und Mimik zu setzen, so dass seine Entscheidungen nachvollziehbar sind. Der Film nimmt sich trotz einer Länge von 90 Minuten die Zeit Max zunächst über verschiedene Methoden nachdenken zu lassen, ehe er das Hotel Aurora entdeckt und sich für die aktive Sterbehilfe entscheidet.
Das er dies seiner Frau nicht mitteilt, spricht auch wieder dafür, dass sich der Film gänzlich gegen eine Diskussion entschieden hat. Max als Betroffener hat die Entscheidung getroffen und kein Außenstehender darf dagegen argumentieren. Im Resort selbst trifft er dann auch verschiedene Charaktere, die in kurzen Andeutungen zwar eine Minidiskussion vorbereiten, die aber nie zu Ende geführt wird. Hier wird natürlich viel Potential verschenkt, denn allein durch die Vielfalt der „Patienten“ und deren Beweggründe hätte man ein vielschichtigeren Film schaffen können. So bleibt der Film bei Max und seinen Gründen.
Suicide Tourist ist langsam erzählt und nimmt sich Zeit für seinen Charakter. Durch ausdrucksstarke Bilder, dem brillanten Schauspiel Coster-Waldaus und der abgelegenen Landschaft Dänemark schafft der Film es eine ernste Stimmung zu schaffen, die einen die Beweggründe Maxs verstehen lässt, auch wenn man die Meinung über das Prozedere nicht teilt. Über 70 Minuten ist der Film sehr stark. Nur um ganz am Ende dann dem deutschen Beititel „Es gibt kein Entkommen“ noch mal alle Ehre zu machen und sich in einen Mysterythriller zu verwandeln. Dies schadet dem Film jedoch sehr, denn zum einen ist die gesamte Stimmung dahin und das ernste Thema wird noch einmal ordentlich mit Füßen getreten. Mit dem offen gehaltenen Ende wird der Zuschauer dann auch noch einmal verwirrt zurückgelassen, so dass die gesamte Botschaft des Films dahinsiecht.
Ich hätte mir in dem Film insgesamt mehr Dialoge gewünscht, die eine Diskussion zum Thema befeuert hätten oder auch verschiedene Beweggründe genauer darlegt. Dafür hätte ich gerne komplett auf den Mystery und Thriller Part am Ende verzichtet, der keinerlei Mehrwert bot, sondern praktisch mit der Keule auf den Zuschauer eindrosch, dass Sterbehilfe wohl doch keine gute Idee sei.*

Das Fazit

Suicide Tourist ein ein Film mit schwierigem Thema, der sich um die nötige Diskussion drückt, dies aber in einem stark gespielten Film auf die Erfahrung eines Betroffenen reduziert. Mit eindrucksvollen Bildern und brillantem Spiel überzeugt der Film bis zu seinem abdriftenden Ende, welches die zuvor gezeigte Geschichte unwürdig abschließt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Suicide Tourist läuft seit dem 02.07.2020 in den deutschen Kinos

 

*Ich möchte hier noch erwähnen, dass ich keine feste Meinung zu dem Thema vertrete, da ich die Argumente beider Seiten nachvollziehen kann, selbst aber noch nie in der Situation war mich dafür oder dagegen zu entscheiden, bzw. auch keinen kenne, der die Entscheidung schon einmal fällen musste und daher nicht aus einem neutralen Posten urteilen möchte.