Coco – Lebendiger als das Leben

Am 30.11.2017 erschien ein neuer Disney/Pixar-Film in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Im letzten Jahr entführte uns Disney wortwörtlich ins Paradies. Da dies einen Haken hatte – ja der deutsche Untertitel ist ein schlechter Wortwitz – musste die Häuptlingstochter Vaiana losziehen, um ihre Insel zu retten. Auch schon in früheren Filmen wurde sich gerne einmal mit anderen Kulturen auseinander gesetzt, wie beispielsweise in Mulan. In diesem Jahr zeigt uns Disney eine mexikanische Tradition in ganz neuem Licht. Denn am Día de los Muertos, dem „Tag der Toten“, nimmt uns Disney tatsächlich mit in das Land der Toten.

Die Handlung

Miguels größter Traum ist es Musik zu machen. Doch seit sein Ururgroßvater die Familie für die Musik verließ, hasst die Familie alles was mit Musik zu tun hat. Am Día de los Muertos will Miguel bei einem Talentwettbewerb teilnehmen und klaut dafür die Gitarre seines großen Vorbilds Ernesto de la Cruz. Da er aber am Totentag einen Toten bestiehlt, befindet er sich von nun an in der Totenwelt und braucht den Segen seiner Familie, um wieder zurück in seine Welt zu gelangen. Zeit dafür hat er bis Sonnenaufgang.

Der Vorfilm

Bei Disney ist es ja üblich, dass es vor dem Hauptfilm noch einen kleinen Vorfilm gibt. Da Coco pünktlich zur Weihnachtszeit in die Kinos kommt und man eben doch gerne öfter auf Altbewährtes setzt, ist es diesmal ein neuer Kurzfilm mit den Charakteren aus „Frozen – Die Eiskönigin“. In Arendelle wird Weihnachten gefeiert, doch da Anna und Elsa jahrelang nicht miteinander gesprochen haben, haben sie keine Weihnachtstradition. Also beschließt Olaf einfach alle Bewohner Arendelles nach ihren Traditionen zu befragen.
An sich einer süßer kleiner Film mit den liebgewonnen Charakteren. Leider wurde in die 20-Minuten dann ein ganzer Dramaaufbau wie in einem 90 Minuten Film eingebaut, weswegen der Vorfilm einfach viel zu überladen ist. Es hätte eigentlich der kurze Teil gereicht, in dem Olaf von Tür zu Tür geht und nach verschiedenen Weihnachtstraditionen fragt. Hier steckte Liebe, Musik und Weihnachtsstimmung in vielleicht fünf Minuten. Ohne das andere Drum und Dran, wäre es vollkommen ausreichend gewesen.

Meine Meinung

Coco – Lebendiger als das Leben heißt der neue Film aus Disneys Traumfabrik, wieder einmal in Zusammenarbeit mit Pixar, was in den letzten Jahren immer für gute Filme stand. Auch diesmal wieder ist der Film gut überlegt und bringt den Kindern eine neue Kultur bei. Denn der Dias de los Muertos ist im Gegensatz zu der weit verbreiteten Darstellung in Film und Fernsehen nicht nur ein großes Fest mit aufwändigen Verkleidungen, sondern auch ein Familienfest. Denn jede Familie stellt die Bilder der verstorbenen Verwandten auf einen Altar und feiert zusammen mit der Familie, dass die Toten noch einmal zu Besuch kommen, weswegen auch immer Gaben auf den Altar gestellt werden. Coco verbindet die Festlichkeiten dann gleich noch mit einem direkten Übergang in die Totenwelt. Gerade hier zeigt Disney/Pixar wieder ihre komplette kreative Spannweite, denn das Totenreich ist bunt gemalt, hat viele schöne Einfälle, um den Übergang in die Menschenwelt zu beschreiben und wirkt daher auch auf kleine Kinder nie beängstigend.
Hinzu kommt eine Handlung, die zwar irgendwo dem üblichen Schema folgt und daher kaum Überraschungen bietet, aber durch das ganze Ambiente den Zuschauer doch durchgehend ins Staunen versetzt. Die Charaktere sind alle ordentlich gestaltet und charakterisiert und bis auf eine Ausnahme, folgen sie kaum den üblichen Klischees, was den Film trotz vorhersehbare Handlung doch sehr erfrischend macht. Natürlich darf die Tränendrüse diesmal auch wieder nicht fehlen, ist aber nicht so penetrant wie bei anderen Disneyfilmen.
Musik spielt auch hier wieder eine große und wichtige Rolle, schließlich will Miguel unbedingt in die Fußstapfen seines großen Vorbilds treten. Dabei wird sich hier auf Folklore festgelegt, die wunderbar zur Handlung und zum Ambiente des Films passt, jedoch fehlt letztendlich so ein bisschen die Hymne, also das eine Lied, das jeder aus dem Film kennt. Es fehlt praktisch das „Hakuna Matata“ von Coco.

Das Fazit

Alles in allem hat Coco – Lebendiger als das Leben alles, was ein guter Film braucht. Eine schöne Geschichte, gutes Ambiente, stimmungsvolle Musik und verschiedene Charaktere. Punktabzug gibt es dennoch für die etwas zu vorhersehbare Handlung. Alles in allem kommen wir damit auf 08 von 10 möglichen Punkten.

 

Auftakt der Jahresrückblicke

Kurzmitteilung

Hallo ihr Lieben,
der Dezember ist da und steht einmal mehr das Ende eines Jahres bevor. Für das Fernsehen wird damit das Wettrennen der Jahresrückblicke eingeläutet. Auch bei mir laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, um mit euch noch einmal auf das vergangene Jahr zurückzublicken. Welche Filme liefen, was konnte mich Serientechnisch begeistern, welches Buch wurde verschlungen. Der Haken an der Sache ist, dass auch der Dezember noch mit interessanten Filmen gefüllt ist, die es dann entweder nicht in Listen schaffen, weil ich ihn zu spät sehe oder der Starttermin liegt so spät im Dezember, dass mein Rückblick dann erst im Januar erscheinen würde. In den letzten Jahren fielen dadurch einige Filme unter den Tisch.
Damit dies dieses Jahr nicht passiert, lasse ich mein Kino/Serien/Bücherjahr offiziell im November enden. Alles bis dahin gesehene/gelesene ist dokumentiert und wird in den kommenden Wochen in meinen Rückblicken erwähnt werden. Alles ab Dezember erscheint dafür im nächsten Jahr in meiner Liste.
Da ihr nun über meine Pläne im Bilde seid, kann ich mich nun an die weitere Planung machen 😉

Eure Shalima

Bad Moms 2

Am 09.11.2017 erschien die Fortsetzung der Bad Moms Reihe in den deutschen Kinos

Ein Vorwort

Erst im letzten Jahr überraschten die Bad Moms in den deutschen Kinos. Endlich ein Film, der die Aufopferungsbereitschaft einer Mutter würdigte, der Mütter nicht als perfekt darstellte, aber doch als immer bemüht perfekt zu sein. Der erste Teil überzeugte durch eine gute Handlung, einen starken Cast, viele verschieden Klischees und deren Bereinigung und vor allem viel Witz, der gar nicht so häufig unter der Gürtellinie landete, wie vorher angekündigt. Die Gags waren gut durchdacht und funktionierten immer an den richtigen Stellen. Wie es bei erfolgreichen Filmen so ist, bleibt eine Fortsetzung nicht aus. Und so müssen die Bad Moms in diesem Jahr Weihnachten überstehen.

Die Handlung

Weihnachten steht vor der Tür. Für alle Mütter eine stressige Zeit. Auch die „Bad Moms“ Amy (Mila Kunis), Kiki (Kristen Bell) und Carla (Kathryn Hahn) haben in den Jahren zuvor immer stark geschuftet, um das perfekte Weihnachtsgefühl zu überzeugen. Doch damit ist in diesem Jahr Schluss. Es soll endlich einmal ein gemütliches Weihnachten werden, auch für die Mütter. Doch da haben noch ein paar mehr Menschen ein Wort mitzureden. Denn auch Mütter haben Mütter. Und Ruth (Christine Baranski), Isis (Susan Sarandon) und Sandy (Cheryl Hines) kommen alle zu Weihnachten zu Besuch und mischen die dortigen Vorbereitungen ordentlich auf.

Meine Meinung

Wenn ein Film erfolgreich ist, dauert es bekanntlich nicht lange, bis eine Fortsetzung in die Kinos kommt. Beispiele aus der letzten Zeit zeigen jedoch, dass das Erfolgsrezept nicht unbedingt mit einer Fortsetzung vereinbar ist. Man nehme als Beispiel nur den Reinfall um die Fack ju Göhte-Reihe, die nach einem gelungenen ersten Teil nicht mehr mithalten konnte. Doch Bad Moms 2 hat die grundlegenden Probleme einer Fortsetzung verstanden und sich damit auseinander gesetzt. Als Ergebnis bekommen wir einen Film geliefert, der tatsächlich immer noch rund ist und funktioniert. Denn während im ersten Teil noch das Hauptthema „Wie ist man eine gute Mutter“ auf unsere Bad Moms bezogen wurde und ihre Konflikte mit ihren Männern und Kindern gezeigt wurden, lässt der zweite Teil nun die Mütter der Mütter aufkreuzen und das Thema in „Bin ich eine gute Tochter und wie fühlt sich meine Mutter“ umändern. Dadurch werden thematisch noch einmal ganz neue Aspekte beleuchtet, die wieder auf andere Art und Weise zum Nachdenken anregen. Natürlich brodeln auch diesmal die ernsten Themen unter der Oberfläche, denn als Komödie macht auch Bad Moms 2 einfach nur Spaß. Die Witze sind pointiert, durchdacht und selten unter der Gürtellinie. Dadurch wird Bad Moms 2 zwar auch nicht gerade zum Familienfilm, aber die Zielgruppe wird abgeholt.
Handlungstechnisch verläuft Bad Moms nach einem bekannten Schema und die Wendungen sind relativ vorhersehbar. Aber darauf will der Film gar nicht aus, denn der Spaß kommt an keiner Stelle zu kurz, weswegen die Spannung auch gerne einmal ein bisschen unter den Tisch fallen darf. Die etwas kuriose Liebesgeschichte zwischen Carla und dem Weihnachtsmann wirkt im ersten Moment zwar etwas befremdlich, im Endeffekt passt es aber zur Charakterisierung Carlas und bringt noch einmal neuen Schwung hinein.
Die Treffsicherheit der Gags hat leider im Vergleich zum ersten Teil doch etwas nachgelassen, weswegen der zweite Teil bei aller Mühe doch ein bisschen hinter dem ersten zurück bleibt. Aber dennoch wird man gut unterhalten, was man sich von einer Komödie auch erhofft.

Das Fazit

Vom Spaßfaktor leicht hinter dem ersten Teil, aber dennoch eine würdige Fortsetzung mit gut pointierten Witzen, einer interessanten Handlung, auch wenn etwas vorhersehbar, und einem Wiedersehen mit unseren Chaos-Müttern. Dafür gibt es 07 von 10 Punkten.

Verpasst im November & Mein Lesemonat November

Hallo ihr Lieben,

relativ pünktlich bin ich diesmal dran mit meiner kurzen Übersicht über die verpassten Filme und gelesenen Bücher im November. Jetzt steht langsam die Planung der Jahresrückblicke an… das wird wieder viel Arbeit! Daher geht es hier ohne großes Aufsehen gleich direkt weiter.

Verpasst im November:

The Secret Man: Mark Felt arbeitet beim FBI und bekommt von der Watergate-Affäre Wind. Als der neue FBI-Direktor diese möglichst schnell beenden will, muss er sich entscheiden, ob er lieber seinem Land oder seinem Gewissen dienen möchte.

Aus dem Nichts: Ein Film angelehnt an die NSU-Morde. Katjas Welt bricht zusammen, als ihr Mann und ihr Sohn bei einem Bombemanschlag getötet werden. Vor Gericht versucht sie Gerechtigkeit zu erwirken.

Detroit: 1967 in Detroit ändert sich die von Rassenhass geprägte amerikanische Geschichte grundlegend. Doch was passierte damals wirklich, dass eine ganze Stadt in den Ausnahmezustand versetzen kann.

Flatliners: Eine Gruppe von Medizinstudenten wollen Nahtoderfahrungen auslösen, in dem sie für kurze Zeit das Herz stoppen und sich dann wiederbeleben. Doch es ist ein Spiel mit dem Feuer.

Diese Filme haben es ganz knapp nicht in meine Liste geschafft: Professor Marston and the Wonder Woman, Simpel, Suburbicon, Teheran Tabu, Manifesto.

Mein Lesemonat November

Ich habe im November meine verstaubten Ausgaben der Biss-Reihe mal wieder hervorgeholt. Ich mochte die Buchreihe an sich früher sehr gerne, bis mir die sehr schlechten Filme alles verdarben (auch wenn ich Edward noch immer nicht als ein Vampir ansehen kann… Vampire glitzern nicht! Bin aber gerne versöhnlich ihn als kaltes Wesen zu sehen.) Jetzt Jahre nachdem die Filmreihe beendet ist, wollte ich mir mal wieder ein Bild der Reihe machen. Und ich muss sagen, mir gefallen die Bücher alleine immer noch. So geoutet!

Bücher insgesamt: 4 Bücher
Seiten insgesamt: 1591 Seiten
Seiten pro Tag: 53 Seiten im Durchschnitt
Gebundene Bücher: 3
E-Book: 1

20171203_150902

Platz 4 – Wenn gestern unser morgen wäre: Sarah lebt das Leben, das alle von ihr erwarten. Erfolgreich im Job, Vorzeige-Freund an ihrer Seite und lebt jeden Tag steif nach dem gleichen Prinzip. Doch dann häufen sich eine Reihe von schlechten Entscheidungen und Sarah steht vor den Trümmern ihres Lebens. Bis sie nach einem Unfall wieder erwacht und die Zeit zurück gedreht wurde. Wird sie alle Fehler vermeiden können? – Ein sehr schwieriger Einstieg aber nach circa der Hälfte konnte das Buch doch etwas fesseln. Aber richtig überzeugend ist die Geschichte nicht, da die zu viele Charaktere zu unsympathisch sind. Auch das Ende wäre an einer anderen Stelle passender gewesen. Aber an sich eine ganz süße Geschichte.

Platz 3 – Als ich in meinem Alter war: Torsten Sträter vereint in diesem Werk neue Geschichten, abgedrehte Berichte, Texte aus diversen Fernsehsendungen, wie Extra 3, und alles mögliche andere. – Gefiel mir weitaus besser als Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben, da die Texte durchdachter und lustiger waren. Trotzdem kommen sie nicht an seine Live-Auftritte heran.

Platz 2 – New Moon: Der zweite Teil der Twilight-Reihe bringt Bella an den Rand des Wahnsinns. Denn Edward hat nach einer misslungenen Geburtstagsfeier beschlossen, dass er nicht mehr mit ihr zusammen sein möchte. Mit gebrochenem Herzen bleibt ihr nur ihr bester Freund Jacob, der versucht die Trümmer wieder aufzuräumen. – Als Hauptthema diesmal der Umgang mit einem gebrochenen Herzen. Handlungstechnisch hängt er hinter dem starken ersten Teil zurück, ist aber immer noch gut geschrieben.

Platz 1 – Twilight: Bella Swan zieht zu ihrem Vater in das verregnete Forks. Dort trifft sie auf den mysteriösen Edward, der ihr immer wieder rät, sich von ihr fernzuhalten. Trotzdem gerät Bella immer tiefer in einen Strudel hinein. – Wenn man den Film vergisst, ist es tatsächlich wieder eine schöne Liebesgeschichte. Sobald man „Vampir“ durch „kaltes Wesen“ ersetzt, komme ich auch mit der Mythologie klar.

 

Cinemathek: Rückkehr nach Montauk

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Rückkehr nach Montauk. Der Film lief ursprünglich ab dem 11.05.2017 in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Montauk ist ein kleines Küstendörfchen auf Long Island. Das Wahrzeichen ist der Leuchtturm und viel mehr hat Montauk auch nicht zu bieten. Trotzdem zieht es immer wieder Filme oder Bücher als Handlungsort an. Dazu gehören der fiktive Ort Amity aus der weiße Hai, der bei Montauk liegen soll, die Serie „the Affair“ spielt zu großen Teilen in Montauk und Frank Schätzings Roman „Der Schwarm“ spielt teilweise beim Leuchtturm von Montauk. Auch der Schriftsteller Max Frisch widmete sich in seinem Werk „Montauk“ einer autobiographischen Erinnerung. An eine Liebe, die er nie vergessen konnte und die er unmittelbar mit Montauk verbindet. Diesem Werk widmet der Regisseur Volker Schlöndorff seinen Film „Rückkehr nach Montauk“, der irgendwo auf Frischs Werk basiert, aber trotzdem vielen verschiedenen Einflüssen unterzogen wurde.

Die Handlung

Der in Berlin lebende Autor Max Zorn (Stellan Skarsgård) ist für ein paar Tage in New York, um sein neustes Werk zu präsentieren. Darüber freut sich besonders seine jüngere Lebensgefährtin Clara (Susanne Wolff), die in New York lebt. Doch eine alte Geschichte lässt Zorn nicht los. Und so sucht er seine ehemalige Liebe Rebecca (Nina Hoss) auf, die aber nichts mehr von ihm wissen will. Dennoch brechen sie ein paar Tage später zu einem Ausflug nach Montauk auf, wo Rebecca sich ein Haus ansehen möchte und wo sie einst so glücklich zusammen waren.

Meine Meinung

Dass der Film sehr literarisch angehaucht ist, merkt man bereits in der allerersten Einstellung, in der Stellan Skarsgård als Max Zorn mindestens fünf Minuten lang nur aus Zorns neustem Werk vorliest. Hier bleibt die Kamera zu 100% an Skarsgårds Gesicht, was aber dennoch erstaunlich gut funktioniert, zumindest im Originalton. In der deutschen Synchronisation fällt zuerst auf, dass Skarsgårds eigentliche Synchronisationsstimme ausgetauscht wurde. Die neue passt weder zum Wesen des Schauspielers noch sind die Lippenbewegung wirklich synchron. Wenn man hierrüber aber hinweg sieht, ist es eine sehr interessante Art der Einleitung, weil der Zuschauer zunächst nicht weiß, wem wird diese Geschichte gerade erzählt. Erst nach über fünf Minuten wird die Kamera geschwenkt und man sieht die faszinierten Gesichter der Zuhörer.
Nach dieser Einleitungsphase beginnt eine etwas zähe Geschichte, die zwischen verschiedenen Presseterminen, Lesungen und privaten Ausflügen von Zorn hin und her schwenkt. Die zähe Erzählweise passt zwar zu Skarsgårds Interpretation seiner Rolle, die er sehr schwerfällig und grüblerisch mimt. Wirkliche Sympathien kann man aber an keiner Stelle zu ihm aufbauen, ebenso wenig wie zu seiner Freundin Clara. Im Gegensatz dazu stehen seine PR-Agentin Lyndsay, die durchgehend für den lockeren Teil und eine gute Atmosphäre sorgt und die ehemalige Freundin Rebecca. Auch wenn diese am Anfang sehr forsch, abweisend und leicht arrogant rüberkommt, ändert sich dies im Laufe des Films sehr stark und sie entwickelt sich zur Sympathieträgerin des Films.
So richtig ins Rollen kommt der Film aber erst nachdem bereits die Hälfte vorbei ist und der Ausflug nach Montauk ansteht. Ab hier entwickelt der Film eine ganz eigene Dynamik und wird trotz langer Phasen ohne ein gesprochenes Wort und dann wieder längerer Phasen mit langen Monologen spannend. Hier entfaltet sich erst das gesamte schauspielerische Können von Skarsgård und Hoss, die in ihren Rollen brillieren. Die Gefühle überrollen die Charaktere, wie die Wellen des Atlantiks den Strand von Montauk. Leider muss man erst den ersten Teil über sich ergehen lassen, um zu diesem interessanten und spannenden Teil überzugehen. Und obwohl der zweite Teil sehr spannend gestaltet ist, bleibt der Film in Montauk doch immer etwas verträumt und in der Erzählweise doch sehr ruhig.

Das Fazit

„Rückkehr nach Montauk“ ist wie ein alter Klassiker. Man muss wissen, dass man sich auf einen Film einlässt, der stark literarisch geprägt ist und daher sehr ruhig erzählt wird. Die schwächere erste Hälfte wird mit einer umso viel stärkeren zweiten Hälfte getoppt, muss den Zuschauer aber erst einmal wieder aus einer gewissen Trance herausholen. Für Fans von stark gespielten und ruhig erzählten Stücken. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Happy Deathday

Am 16.11.2017 erschien eine neue Variante von Täglich grüßt das Murmeltier mit Horroreinschlag in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort:

1993 erschien der Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray in der Hauptrolle in den Kinos. Die Faszination den gleichen Tag immer und immer wieder zu erleben und bei jedem Neustart die Möglichkeit zu haben, etwas zu verbessern, fasziniert die Kinowelt bis heute. Seither wird das Handlungsprinzip regelmäßig wieder aufgegriffen, entweder in ganzen Filmen, zuletzt in Tom Cruises „Edge of Tomorrow“, der bereits den passenden Originaltitel „Live, Die, Repeat“ trug, oder in dem Drama mit dem viel zu langen Titel „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“. Alternativ wird das Prinzip auch gerne in einzelnen Serienfolgen verwendet, wie beispielsweise in Supernatural. Happy Deathday ist also auch kein gänzlich neuer Film. Aber sind wir dem Murmeltier inzwischen überdrüssig oder funktioniert das Filmprinzip noch immer?

Die Handlung

Tree führt ein relativ normales Collegeleben. Als Mitglied einer Studentenverbindung lebt sie ein ziemliches Partyleben und wacht auch prompt zu Beginn des Films in einem fremden Bett auf. Da Carter aber nicht so wirklich ihren Ansprüchen genügt, flieht sie schnell in ihr eigenes Zimmer. Unterwegs begegnet sie mehreren Personen, die nicht ganz gut aus sie zu sprechen sind. So beginnt ein durchschnittlicher Tag am College. Doch etwas ist anders. Denn an diesem Abend wir Tree ermordet… und wacht wieder im Bett von Carter auf. Völlig verwirrt, erlebt sie von nun an den gleichen Tag immer und immer wieder und wird jeden Abend wieder ermordet. Als sie sich schließlich Carter anvertraut, ist dieser ganz zuversichtlich: Immerhin hat sie unbegrenzt Möglichkeiten den Mord an sich aufzudecken.

Meine Meinung

Als Horrorkomödie ausgeschrieben und mit einer Altersfreigabe ab 12 Jahren gekennzeichnet. So richtig für voll, wurde der Film von Anfang an nicht genommen. Dementsprechend gering war die Erwartungshaltung, mit der ich den Kinosaal betrat. Und natürlich zeigt Happy Deathday viele Elemente, die man bereits viel zu oft gesehen hat. Aber gerade das Prinzip College-Bitch muss sich bessern, mit ein paar Horrorelementen – der Film orientiert sich zeitweise eher an einem Thriller als an einem Horrorfilm – und dann dem Murmeltierteffekt dazu, scheint gut zu harmonieren. So ist zwar einiges vorhersehbar, aber Happy Deathday hat trotzdem die eine oder andere Überraschung parat und überzeugt vor allem durch seine grandiose Selbstironie. So nimmt er sich durchgehend nicht so ganz ernst, was viele lustige Szenen hervorruft, bleibt aber doch in sich logisch und präsentiert ein gut durchdachtes Werk.
Mit einer Lauflänge von 97 Minuten, hat Happy Deathday genau die richtige Länge, um durchgehend spannend zu bleiben. Wäre der Film länger geworden, wäre man dem Thema irgendwann überdrüssig, wäre er kürzer geworden, hätte die logische Aufklärung viel zu gehetzt gewirkt. So aber lässt sich Happy Deathday an genau den richtigen Stellen Zeit und überfliegt die anderen. Gerade das Ende wird dann noch einmal herausgezögert, was ein mutiger Schritt ist und positiv im Gedächtnis bleibt – hier mehr zu sagen, würde leider stark spoilern – weil es doch eine Überraschung birgt.

Das Fazit

Happy Deathday hat weder die College-Bitch muss sich bessern-Handlung neu erfunden, noch Täglich grüßt das Murmeltier revolutioniert. Aber in der Kombination und dem gewissen Etwas an Selbstironie macht der Film einfach Spaß und eignet sich perfekt für einen verregneten Sonntagnachmittag, wenn man über einen Film nicht allzu sehr nachdenken möchte, sondern sich eher der leichten Unterhaltung widmet. Der Spannungsbogen wird gut gehalten. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Blogger Recognition Award

Hallo ihr Lieben,

ja auch mich hat es im positiven Sinne erwischt und ich wurde inzwischen dreimal beim Blogger Recognition Award genannt. Das freut mich natürlich sehr, dass die lieben Bloggerkollegen an mich denken. Vielen Dank dafür an Ma-Go, der praktisch mein erster und noch immer einer meiner treusten Leser ist (drei Jahre schon!), vielen Dank an Ainu, die mir wie eine Seelenverwandte erscheint, da wir viele ähnliche Interessen haben, und auch einen herzlichen Dank an Zacksmovie, mit dem ich erst seit seiner September-Challenge in Kontakt stehe, ihn aber inzwischen auch als Bloggerkollegen sehr schätze. Da es mit einer einfachen Dankesrede bei diesem Award nicht getan ist, hier noch einmal die Regeln und dann mein obligatorisches Bla-bla dazu 😉

  1. Bedanke dich bei demjenigen, der dich nominiert hat und verlinke ihn. (Check)
  2. Schreibe einen Beitrag, um deinen Award zu präsentieren. (Check)
  3. Erzähle kurz, wie du mit dem Bloggen angefangen hast.
  4. Gib zwei Ratschläge für neue Blogger.
  5. Nominiere 15 andere Blogger für diesen Award.
  6. Kommentiere auf den nominierten Blogs, lass die jeweiligen Personen wissen, dass du sie nominiert hast, und verlinke deinen Beitrag zum Award (tzzz, ich geh doch davon aus, dass die genannten Blogs ab und an mal bei mir vorbei schauen 😉 )

Der Anfang meiner Bloggerei:

Es war vor ziemlich genau 3 Jahren (ich hatte vergangenen Sonntag Jubiläum!) und vor fast exakt 500 Artikeln (dies ist mein 503.) als ich anfing immer häufiger ins Kino zu gehen. Und nach jedem Kinogang wurde ich von vielen Seiten angesprochen, wie ich denn den Film fand und ob ich ihn empfehlen kann. Hinzu kam dann irgendwann das wöchentliche Ritual der Sneak Preview (inzwischen geändert in das Format Cinemathek). Also beschloss ich, anstatt ständig das gleiche zu erzählen, es einfach aufzuschreiben. Inzwischen blogge ich, weil es mir Spaß macht und man dadurch mit vielen tollen Leuten ins Gespräch kommt. Das ursprüngliche Ziel, habe ich leider nicht erreicht, weil ich noch immer ständig nach meiner Meinung gefragt werde. Aber irgendwo freut man sich ja doch, als Ratgeber dienen zu können.

Zwei Ratschläge für neue Blogger:

Ich glaube es wird fast überall das gleiche genannt, also fasse ich mich kurz:
Erstens: Nimm dir Zeit. Du brauchst sie um dich mit deinem Thema auseinander zu setzen und um die Beiträge dazu zu tippen. Viel zu viele Blogs verlaufen sich nach ein paar Artikeln wieder.
Zweitens: Habe Spaß daran, denn neben einem Job/Studium noch einen „zweiten Job“ zu haben, ist manchmal schon sehr anspruchsvoll.

Nominiere andere Blogs:

15 finde ich viel zu viel, also hier eine kleine Auswahl… Außerdem soll sich keiner von mir genötigt fühlen einen eigenen Beitrag zu schreiben. Es geht ja doch eher um meine Anerkennung 😉

Ich möchte noch einmal meine Nominierer nennen, denn auch ihre Blogs sind sehr sehenswert! Also schaut doch mal bei Ma-Go, Ainu oder Zacksmovie vorbei 🙂

Ansonsten möchte ich noch erwähnen:

Popcornfilme
Aequitas et Veritas
Bette David left the Bookshop
Fiktion jetzt
Filmexe
And last but not least möchte ich auch hier noch einmal auf die Jungs und Mädels von Inkunabel aufmerksam machen (wenn man hier alle zusammen zählt, komme ich schon irgendwie auf meine 15 Nominierungen…)

So Pflicht und Schuldigkeit getan. Shalima out 😉

Fack ju Göhte 3 – Final Fuck

Am 26.10.2017 erschien der dritte und (hoffentlich) letzte Teil der Fack ju Göhte Reihe in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort:

Als im Jahr 2013 der erste Teil der Fack ju Göhte Reihe in die deutschen Kinos kam, hätte wohl niemand mit dem unbeschreiblichen Erfolg des Filmes gerechnet. Zeki Müller und seine Chaosklasse trafen genau den richtigen Punkt. Die überforderten Lehrer und die missmutigen Schüler wurden angesprochen und das ganze als Komödie mit sozialkritischem Inhalt konzipiert. Alle Figuren waren irgendwo überzogen dargestellt, aber es funktionierte. Der Erfolg wurde dann im Jahr 2015 noch einmal getoppt, auch wenn die Fortsetzung inhaltlich weit hinter dem starken ersten Teil zurück blieb. Nun sollte der Erfolg noch einmal getoppt werden mit dem großen Final Fuck. Doch schafft der dritte Teil die Kurve zur Qualität des ersten oder orientiert er sich doch an dem allzu abgedrehten des zweiten Teils?

Was bisher geschah:

Hier soll es einen kleinen Überblick über die ersten zwei Filme geben, für alle, die diese entweder verdrängt haben oder den dritten Teil sehen möchte, ohne die anderen zu kennen. Spoiler sind dadurch nicht vermeidbar.

Im ersten Teil lernten wir den Sträfling Zeki Müller kennen, der nach einem Bankraub seine Strafe abgesessen hat. Nun will er eigentlich nur noch sein Geld holen und ein neues Leben beginnen. Doch eben jene Person, der er das Geld anvertraut hat, hat dieses auf einer Baustelle vergraben, auf der inzwischen die neue Turnhalle der Goethe-Gesamtschule steht. Also will er sich als Hausmeister in der Schule einschleusen, um nachts heimlich nach seinem Geld zu graben. Leider gibt es ein kleines Missverständnis mit der Direktorin und er wird promt als Lehrer engagiert. Damit nicht genug, bekommt er auch noch die assozialste Klasse der ganzen Schule zugeteilt. Dumm und doch absolut von sich eingenommen und dabei um keinen Streich verlegen. Herr Müller hat ebenso wenig Lust Unterricht zu geben. Doch müssen sie sich alle zusammenreißen und wachsen so zusammen.

Im zweiten Teil findet Zeki Müller Diamanten im hohen Wert, die jedoch durch blöde Zufälle als Spende in Thailand landen. Um diese zurückzuholen, muss er zusammen mit der Klasse der Konkurrenzschule und seiner Chaosklasse auf Klassenfahrt nach Thailand. Natürlich sind seine Schüler kaum zu bändigen. Trotzdem erleben sie zusammen ein großes Abenteuer.

Die Handlung:

Eine Schulprüfung steht in der Goethe-Gesamtschule an und diese verläuft absolut katastrophal. Jetzt steht der 11. Klasse auch noch ein Eignungstest bevor, damit sie überhaupt zum Abitur zugelassen werden. Gerade Herr Müllers Klasse trifft das besonders tief, da sie noch immer ein Problem mit ihrem Selbstvertrauen haben. Können sie sich noch ein letztes Mal zusammenreißen?

Meine Meinung:

Wenn in der Anfangssequenz einmal das Schulgebäude der Goethe-Gesamtschule gezeigt wird, ist sie vorallem eins: völlig verdreckt. Hier möchte man weder Lehrer noch Schüler sein. Umso verständlicher, dass alle ein bisschen unmotiviert sind. Die Lehrer haben kaum noch Lust zu unterrichten, die Schüler sind aufgedreht, wie eh und je. Doch neben den in Fack ju Göhte üblichen Themen, wie Versagensangst und das unter Kontrolle kriegen von ausgeflippten Teenagern, nimmt sich der dritte Teil noch ganz fest dem Thema Mobbing an und dem Druck der Eltern. Aber natürlich können diese Themen nicht einfach so angesprochen werden, sondern es muss einen großen Knall geben. Auf diesen großen Knall arbeitet der Film jedoch handlungstechnisch nicht wirklich hin. Hier und da verwebt er einzelne Handlungsstränge, die vielleicht, vielleicht aber auch nicht, irgendwann mal etwas miteinander zu tun haben.
Zum einen ist da die Handlung über Zeki Müller, der um seinen Job bangt, weil die Schule kurz vor der Schließung steht, wenn nicht einige Maßnahmen getroffen werden. Dann geht es um die 11. Klasse mit Danger, Chantal & Co, die natürlich kein bisschen Bock auf Schule haben, andererseits aber auch eine Menge Angst vor der Zukunft haben. Dann gibt es den Handlungsstrang über die Lehrerin Frau Enzberger, die in den vorherigen Teilen nie auftauchte und nun wohl die Lücke von Frau Schnabelstedt füllen soll, da Karoline Herfurth im dritten Teil nicht mehr mitspielt – die Gründe wurden in zwei Sätzen abgehandelt und an keiner Stelle sinnvoll im Film untergebracht. Dafür geht es gleichzeitig noch um eine andere Klasse, in der ein Schüler sehr stark gemobbt wird und weil das alles noch nicht ausreicht, geht es noch um ein paar Schüler, die einen Selbstmord planen. Somit ist der gesamte Film eigentlich völlig überladen, um auch nur ein einziges Thema richtig ausführen zu können. Aber darum wird sich auch gar nicht bemüht, kann man die Lauflänge doch erreichen, in dem man einen schlechten Witz nach dem nächsten reißt. Während die Charaktere Chantal, Danger & Co im ersten Teil mit ihrer Art noch belustigen konnten, sind sie inzwischen so sehr überzeichnet, dass man die Grundidee hinter ihnen kaum noch erkennen kann. So scheint der dritte Teil auf dem ersten Blick lediglich wie ein stark überzeichneter und überladener Abklatsch des ersten.
Aber dennoch verbirgt sich unter der dreckigen Schale irgendwo doch eine Moral und einzelne Augenblicke zeigen doch, dass sich mit den Problemen der Schüler auseinander gesetzt wird und man auch den Zuschauer irgendwo ernst nimmt. Ohne diese einzelnen Szenen wäre der dritte Teil wohl wie der zweite ein kompletter Reinfall geworden. Im großen und ganzen kann er aber durch seine inzwischen vollkommen abgedrehten Gags nicht mehr überzeugen.

Das Fazit:

Fack ju Göhte 3 – Final Fuck lädt wieder ein, mit den gleichen bekannten Charakteren, noch derberem Humor und einer völlig abgedrehten Handlung. Dabei will der Film gleichzeitig zu viel und zu wenig und kann sich so weder auf ein Thema, noch auf eine Aussage einigen und bleibt irgendwo in der Belanglosigkeit stecken. Ein gelungener Abschluss einer erfolgreichen Reihe sieht anders aus. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Mord im Orient Express

Am 09.11.2017 erschien eine Neuverfilmung des Agatha Christie Romans in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort:

Agatha Christie gilt nicht umsonst als „Queen of Crime“. Ihre 66 Kriminalromane, unter anderem mit den weltberühmten Detektiven Hercule Poirot oder Miss Marple, und ihre Kurzgeschichten wurden weltweit über 2 Milliarden Mal verkauft und gehören zu den meistübersetzten Werken weltweit. Während sie der Theaterwelt wenig vertraute und die auf ihren Werken basierenden Theaterstücke immer selbst inszenierte, sieht es in der Filmwelt anders aus. Denn hier sind ihre beiden Meisterdetektive Miss Marple und Mr Poirot altbekannte Figuren. Trotzdem schien es an der Zeit zu sein, die Werke Christies erneut auf die Leinwand zu bringen. So begeisterte sich Kenneth Branagh sowohl für die Neuverfilmung eines der Christie-Werke, als auch für die Darstellung des Detektivs Hercule Poirot. Wie schon in der Fassung von 1974 liest sich auch die Besetzungsliste von Branaghs Remake des Stoffes wie ein Who-is-Who in Hollywood. Der Trailer setzte die Erwartungen sehr hoch. Doch kann der Film diese Erwartungen halten?

Die Handlung:

Der Orient-Express von Istanbul bis Paris ist gut gefüllt, als der Detektiv Hercule Poirot (Kenneth Branagh) einsteigt. Die Wagen der ersten Klasse sind komplett gefüllt, weswegen er sich ein Abteil mit dem Sekretär MacQueen (Josh Gad) teilt. Doch mitten in der Nacht kommt es zu einem Mord. Nun ist die Liste der Verdächtigen zwar überschaubar, immerhin müsste es einer der Passagiere sein, doch steht Poirot vor seiner größten Aufgabe, obwohl er doch eigentlich nur seinen Dickens lesen wollte. Waren es der Graf und die Gräfin Andrenyi (Sergei Polunin & Lucy Boynton), die Prinzessin Dragomiroff (Judy Dench) mit ihrer Zofe Hildegarde Schmidt (Olivia Coleman), der Butler Masterman (Derek Jacobi), der mit dem Sekretär MacQueen und dem Gangsterboss Ratchett (Johnny Depp) reist? Oder waren es vielleicht doch die Einzelreisenden? Die Witwe Hubbard (Michelle Pfeiffer), die Missionarin (Penelope Cruz), die Gouvernante (Daisy Ridley), der Arzt Arbuthnot (Leslie Odom Jr.) oder doch der Professor Hardman (Willem Dafoe)?

Meine Meinung:

Mord im Orient-Express beginnt zunächst mit der Aufklärung eines anderen Falls, in dem der Protagonist Poirot vorgestellt wird. So soll der Zuschauer schnell einen Zugang zu ihm kriegen und als Sympathiefigur des Films verstehen. Leider ist Poirot so exzentrisch, dass er nicht wirklich als Identifikationsfigur herhalten kann. Wenn man sich trotzdem an seine Art gewöhnt, hat man mehr Freude an seiner Aufklärungstechnik. Denn Branaghs Mord im Orient Express orientiert sich sehr stark an den Vorlagen und erzählt die Geschichte immer mit einer gewissen Ruhe. Wer aufregende Dialoge, spannende Verfolgungsjagden oder ausgeklügelte Verhörmethoden sucht, sitzt eindeutig im falschen Film. Christies Werk wird voller Respekt behandelt. Der Spannungsbogen selbst ist dadurch zwar nicht sonderlich hoch, aber der Mörder bleibt doch lange Zeit unentdeckt. Die Vermutungen überschlagen sich und wechselns ebenso häufig. Mit seinen 114 Minuten fehlt dem Film die Zeit alle Figuren bis ins Detail vorzustellen, weswegen der Zuschauer gebannt Poirots Ausführungen folgt, da er als einziger den Überblick bei den Charakteren zu halten scheint und ihm Sachen auffallen, die jedem Laien entgangen wären – ganz so wie es sich für einen Meisterdetektiv gehört.

Durch die bedrückende und einengende Atmosphäre des Zuges wird das Katz und Maus Spiel doch noch spannender als zunächst vermutet. Keiner kann weg, jeder könnte der Mörder gewesen sein. Die Enge des Zuges lässt auch das Kamerateam sehr kreativ sein, was die Einstellungen betrifft. So sind nicht nur die üblichen Einstellungen zu sehen, sondern auch immer mal wieder neuartige, die frischen Wind in den Film bringen. Und zwischendurch gibt es dann doch kleine Szenen, die die Spannung durchaus erhöhen.
Ebenfalls ein interessanter Schachzug ist es, neben den ganzen hochkarätigen Namen der Schauspielriege auch wenige unbekannte hinzuzufügen. Während sich Branagh, Dafoe, Dench und viele weitere einer Oscarnominierung oder sogar eines Oscargewinns rühmen können, schafft es trotzdem sich Daisy Ridley (Star Wars – das Erwachen der Macht) ebenfalls in den Vordergrund zu spielen, auch wenn sie vor Star Wars kaum Rollen vorzuweisen hatte. Einen Schritt weiter geht Branagh dann noch bei der Besetzung von Sergei Polunin als Graf Andrenyi, der bisher erfolgreicher Ballettänzer war und zum ersten Mal für einen Kinofilm vor der Kamera stand. Dennoch muss auch er sich nicht verstecken. Castingtechnisch macht Mord im Orient Express also auch vieles richtig.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Mord im Orient Express interessante Kameraführungen hat, den Cast gut ausgewählt hat und sich gleichzeitig auch nah an die Romanvorlage hält. Doch der schmale Grad zur Modernisierung des Materials gelingt letztendlich nicht. So fesselt der Film nicht genug, erzeugt zu wenig Spannung und auch die Auflösung wird im komplett ruhigen Ton des Films gezeigt. Dadurch fehlt dem Film das gewisse Etwas, den gewissen Pepp, der das Werk außergewöhnlich gemacht hätte. So ist Mord im Orient Express zwar ein guter Film, bleibt aber doch hinter den Erwartungen zurück.

Das Fazit:

Wer einen ruhig erzählten Kriminalfall, der in sich an jeder Stelle schlüssig ist – dank der guten literarischen Vorlage – mit einem starken Cast und nicht allzu viel Wert legt auf das außergewöhnliche oder einem hohen Spannungsbogen ist mit Mord im Orient Express genau richtig bedient. Für alle anderen dürfte der Film an der einen oder anderen Stelle doch enttäuschend wirken. Dafür gibt es 7,5 von 10 möglichen Punkten und damit das erste Mal, dass auf dieser Seite halbe Punkte vergeben werden.

 

Verpasst im Oktober & mein Lesemonat Oktober

Hallo ihr Lieben,

wieder einmal ist ein Monat vorbei – okay der November ist auch schon wieder halb rum, aber ich habe es einfach nicht geschafft diesen Beitrag zu schreiben – und das heißt es wird Zeit für meine üblichen Listen. Ihr kennt das Format 😉

Verpasst im Oktober

What happened to Monday? : Eine Überbevölkerte Welt, in der das Problem durch eine Ein-Kind-Politik gelöst werden soll. Doch eine Mutter bekommt Siebenlinge. Der Großvater (Willem Dafoe) bringt es nicht übers Herz alle töten zu lassen, weswegen er sie versteckt und fortan jeder an einem anderen Wochentag aus dem Haus darf. Doch eines Tages kehrt Monday nicht zurück.

Geostorm : Wetterkatastrophen drohen die Welt zu zerstören, weswegen mit Hilfe von Satelitten das Wetter kontrolliert werden soll. Doch eines Tages gibt es Fehlfunktionen in der Wetterkontrolle.

Diese Filme schafften es nicht auf meine Liste: The Square, 66 Kinos, Jigsaw

Mein Lesemonat Oktober

Da ich Lesetechnisch bereits im Oktober ein Großprojekt anfing, ist meine beendete Lektüre eher übersichtlich.

Bücher insgesamt: 3 Bücher
Seiten insgesamt: 1225 Seiten
Seiten pro Tag: 40 Seiten im Durchschnitt
Taschenbücher: 3

20171112_123102

 

Platz 3 – Wintersterne : Eine Geschichte aus dem winterlichen Prag über drei Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen und mit unterschiedlichen Problemen nach Prag reisen und dort zufällig aufeinander treffen. – Gute Grundprämisse, aber leider sehr schwach geraten, da die Charaktere viel zu viel jammern und die Geschichte erst am Ende spannend wird.

Platz 2 – Reif für die Insel : Bill Bryson – gebürtiger Amerikaner – lebte für ein paar Jahren in England. Bevor er mit seiner Familie wieder in die USA zurück zieht, unternimmt er eine ausschweifende Reise durch Großbritannien. In seinem Buch erzählt er von seinen Besichtigungen und Erlebnissen. – Richtig warm werde ich mit Bill Bryson nicht, denn seine Geschichten konnte mich nur mäßig begeistern. Er erzählt leider viel zu viel über seine Wanderungen als wirklich über die Insel.

Platz 1 – Weil ich Will liebe : Will & Layken haben sich endlich gefunden und schon so manche Schicksalsschläge überstanden. Doch dann vergisst Will Layken etwas zu erzählen, was sie ihm sehr übel nimmt. Nun muss Will sich ins Zeug lehnen, um Layken zurückzugewinnen. – Mrs Hoover, auch wenn ihr Buch bei mir wieder auf Platz 1 gelandet ist, so halte ich dieses Werk doch für eins ihrer schwächsten, zumindest das schwächste, was ich bisher gelesen habe. Die Handlung ist sehr primitiv und konnte mich nicht mehr fesseln. Diesen Monat hatten sie einfach nur eine schwache Konkurrenz.