Mein Serien-Adventskalender: 24x Weihnachten in Serie(n) – 1. Türchen

The Crown – Männergesellschaft – Staffel 2 Folge 2

Darum geht’s – in der Serie

Elisabeth II. besteigt nach dem Tod ihres Vaters den britischen Thron. Gemeinsam mit ihrem Mann Philipp versucht sie einerseits die Traditionen zu bewahren und andererseits das britische Empire in ein neues Zeitalter zu führen.

Darum geht’s – in der Folge

Philipp ist schon seit einer Weile auf seiner großen Reise durch das britische Empire. Sein bester Freund berichtet dabei fleißig an die Donnerstagsgesellschaft, nicht ahnend, dass seine Frau versucht die Scheidung einzureichen. Elisabeth und Philipp hatten seit Wochen keinen Kontakt, die Telefonverbindungen funktionieren nicht richtig. Nun steht der Weihnachtsabend bevor und die traditionellen Weihnachtsansprache der Königin wird vorbereitet. Um der Gerüchteküche der eingereichten Scheidung von Philipps engstem Freund vorzubeugen, wird auch Philipp verpflichtet eine Weihnachtsansprache zu halten. Doch fehlem ihm dafür die Worte.

Der Weihnachtszauber

Ist hier nicht ganz so hoch. Thematisch geht es zwar um die traditionellen Weihnachtsansprachen, doch darüber hinaus, wird wenig Tumult um Weihnachten gemacht. Damit bleibt sich die Serie in ihrem Tonfall zwar treu, dennoch wäre es schön zu sehen, wie der Buckingham Palace weihnachtlicht geschmückt wird.

Weihnachtsfaktor: 2** – Früher war mehr Lametta

Mein Serien-Adventskalender: 24x Weihnachten in Serie(n) – Ein Vorwort

Hand aufs Herz, wer ist schon in Weihnachtsstimmung? Gut, ich auch nicht. Dabei habe ich mich diesmal wirklich angestrengt und für euch alle meine Lieblingsserien nach Weihnachtsfolgen durchkämmt. Das ganze bei einer schönen heißen Tasse Tee – okay, ich gestehe, es ist eine einfache Cola – und im neuen Yoshi-Weihnachtspullover meines Lebensgefährten – seine Weihnachtspullover sind einfach viel bequemer als meine – um ein bisschen Weihnachtsvorfreude zu erzeugen. 24 Serien habe ich herausgesucht, und werde die Weihnachtsfolgen nun wie jedes Türchen bis Heilig Abend vorstellen. Vielleicht kennt der ein oder andere diverse Folgen bereits oder findet vielleicht ein wenig Anregung. Ich wünsche euch allen schon einmal eine schöne Adventszeit.

Folgende Bewertungsskala wird den Folgen auf ihre weihnachtliche Stimmung hin zugeteilt:

1 * = Der Grinch lässt grüßen
2** = Früher war mehr Lametta
3*** = Dir werden drei Geister erscheinen

4**** = Kinder, schaut euch den schönen Baum an
5***** =  Hohoho

Eure Shalima 🙂

Die Eiskönigin II

Ein Vorwort

Die Eiskönigin oder im englischen Original Frozen? „Davon habe ich ja noch nie etwas gehört“, dürfte wohl kaum jemand sagen können. Denn seit der erste Teil 2013 in den Kinos erschien und sich zum absoluten Hit mauserte – ich sag nur Oscargewinn, weltweit erfolreichster Animationsfilm und ein Soundtrack, der sich drei Jahre lang in den deutschen Albumcharts halten konnte – ist das Merchandise aus den Kinderzimmern und vor allem aus den Kaufhallen nicht mehr wegzudenken. So ist es wohl wenig verwunderlich, dass der zweite Teil der erfolgreichste Animationsfilm im Vorverkauf und am Starttag ist.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

Das Königreich Arendelle hat zwei Prinzessinen. Während die impulsive Anna gar nicht genug Spaß haben kann, hat die ältere Schwester Elsa mit magischen Kräften zu kämpfen, die sie Eis erzeugen lässt. Bei einem Unfall in der Kindheit verletzt Elsa Anna beim spielen mit ihrer Magie. Während Annas Erinnerung gelöscht wird, verschanzt sich Elsa fortan in ihrem Zimmer, da sie Angst hat, jemanden weh zu tun. Als ihre Eltern zu einer Reise aufbrechen und nicht wieder kommen, wird Elsa auf einmal Königin. Für die Krönungszeremonie reisen viele Gäste anderer Königreiche an. Anna verliebt sich Hals über Kopf in den charmanten Prinz Hans von den südlichen Inseln. Während der Krönungsfeier kommt es zu einem Zwischenfall in dessen Folge Elsas Magie auffliegt und diese flieht. Anna versucht ihr zu folgen und findet Unterstürtzung im Eisblockhauer Kritstoff und dessen Rentier Sven. Auf der Suche finden sie den Schneemann Olaf, den Elsa auf ihrer Flucht erschaffen hat und der sehnsüchtig vom Sommer träumt. Elsa hat sich inzwischen einen Eispalast erschaffen und sich selbst in der Einsamkeit neu erfunden („Let it go“). Als Anna Elsa findet, haben die beiden einen Schritt, weil Elsa nicht zurückkehren will, da sie Angst über die Unkontrollierbarkeit ihrer Kräfte hat. Im Streit trifft Anna ein Eisblitz ins Herz. Kristoff flieht mit ihr zu seinen Freunden, den Trollen. Diese sagen ihm, dass nur die wahre Liebe Anna noch retten kann. In der Hoffnung, dass Anna diese Liebe bei Hans findet, bringt Kristoff sie zum Schloss zurück. Hans hat inzwischen mit dem Herzog von Pitzbühl Elsas Eispalast gefunden und schaffen es sie zu überwältigen. Während Elsa im Kerker gefangen gehalten wird, enthüllt Hans Anna sein wahres Gesicht. Da er durch zwölf ältere Brüder auf den südlichen Inseln keinen Thronanspruch hat, wollte er diesen durch eine Heirat mit Anna herstellen. Nun überlässt er sie ihrem Schicksal und erzählt dem Volk von Arendelle, dass Anna Tod sei, aber ihm im Sterben noch das Eheversprechen gab. Als erste Tat verurteilt er Elsa zum Tode. Während Elsa sich befreien konnte und vor Hans flieht, hilft Olaf Anna und versucht sie zu Kristoff zu bringen, der sich heimlich in Anna verliebt hat. Doch statt sich retten zu lassen, rettet Anna Elsa vor Hans. Durch diese Tat aus Liebe rettet sich Anna selbst. Die beiden Schwestern räumen zusammen das entstandene Chaos auf.

Die Handlung

Elsa, Anna, Kristoff, Sven und Olaf leben glücklich zusammen im Arendeller Schloss. Als Elsa eine Stimme hört, sie sie ruft, die die anderen aber nicht hören, kehrt ihre Unsicherheit zurück. Kurz darauf erwachsen Naturgeister und verscheuchen alle Bewohner Arendelles aus der Stadt. Elsa wird von den Trollen hinter den Nebel, der ein verlassenes Land einkreist, von dem ihr Vater in früheren Gute-Nacht-Geschichten erzählt hat, geschickt. Anna, Olaf, Kristoff und Sven beschließen sie zu begleiten.

Meine Meinung

Die Eiskönigin II hat ein schwieriges Erbe anzutreten. Denn während zwischen der Fortsetzung von Berhard und Bianca noch 13 Jahre lagen und Ralph reichts seinen zweiten Kinofilm zwar auch nach sechs Jahren bekam, aber bei weitem nicht so einen großen Hype aufgebaut hat, hat der dritte Film der Disney-Meisterwerkreihe mit einer Kinofortsetzung in den Begeisterungsstürmen nie abgebaut. Schon vorab wurde gemunkelt, mit welchem Lied der ewige Ohrwurm „Lass jetzt los“ (im Original Let it go) nun abgelöst werden soll.
So gerät auch gerade der Anfang sehr holprig. Es wird versucht die Charaktere wieder neu vorzustellen und ihre aktuellen Sorgen einzubringen. Mit einem schmissigen „So wird’s immer sein“ wird versucht dies zusammen zu fassen, doch so richtig will die Melodie nicht funktionieren. Auch der neue Titelsong „Wo noch niemand war“ (Im Original Into the Unknown) wird sehr früh eingebracht, hat zwar nach mehrmaligem Hören auch seinen eigenen Charakter, was aber eher die norwegische Sängerin Aurora mit ihrem „Ruf“ schafft. Erst nach circa der Hälfte des Songs schafft er es einen wirklich mitzureißen und stinkt damit gegen ein „Ich lass los“ ziemlich ab – auch wenn das offizielle Cover von Panic at the Disco richtig Laune macht. Erst nachdem die Freunde zu ihrem Abenteuer aufgebrochen sind, scheint die Handlung richtig in Schwung zu kommen. Fernab von Arendelle lernen wir neue Charaktere kennen, decken eine uralte Fehde auf und kämpfen mit den Freunden gegen die Naturgeister. Allerdings wird es hier zunächst erst einmal stiller, was die Lieder angeht. Lediglich Olaf kriegt sein „Wenn ich erst groß bin“ (im Original When I am older), was wohl die Neuinterpretation von „Im Sommer“ aus dem ersten Teil sein soll. Im letzten Drittel folgen dann noch drei weitere Lieder, wobei mir „Zeige dich“ (im Original Show Yourself) als Titelsong besser gefallen hätte – allerdings verrät er auch schon einiges von der Handlung.
Die Aufklärung des Ganzen ist dann zwar doch sehr vorhersehbar und sehr einfach gelöst, doch dafür konsequent und mit einer gelungenen kritischen Haltung.
Weite Teile der Handlung erinnern an Pocahontas, da die „zivilisierten“ Arendeller auf ein „wildes“ Volk treffen. Dennoch werden genug neue und eigene Elemente eingebaut, um sich von dem Bekannten abzuheben. Die Charaktere dürfen sich hier schön weiterentwickeln, auch wenn Olafs Entwicklung ein wenig gezwungen wirkt. Denn während er als Sidekick mit den coolen und herzerwärmenden Sprüchen weiterhin super funktioniert, allein in der Szene, in der er die Geschehnisse des ersten Teils nacherzählt, ist so wunderbar umgesetzt, dass man auf dem Boden liegen möchte vor Lachen, ist sein neuer Herzenswunsch irgendwann Erwachsen zu werden eher uninspiriert. Während er im ersten Teil als Schneemann noch vom Sommer träumte, was wie ein unmöglicher Wunsch schien, ist Erwachsen werden irgendwie langweilig. Hier wirkt auch sein Lied sehr gezwungen, um ihn einfach irgendetwas singen zu lassen.
Die beste Szene jedoch hatte Kristoff. Während ich noch befürchte, dass Disney sein Lied „Verlassen im Wald“ (Im Original Lost in the Woods) durchaus ernst meinte, ist die Inszenierung so übertrieben und voller Klischees, dass ich buchstäblich auf dem Boden vor Lachen lag. Ob dies gewollt war, wage ich jedoch zu bezweifeln.
Optisch orientiert sich der zweite Teil am ersten und kann erneut mit einer wunderschönen und detailreichen Landschaft punkten. Auch  die Charaktere sind wie gewohnt animiert und weisen eine hohe Qualität auf.
Zusammenfassen ist zu sagen, dass die Eiskönigin 2 auf einem hohen Niveau agiert. Optisch ein Augenschmaus, Charakterentwicklung bis auf eine Ausnahme gelungen. Ein kleiner Kritikpunkt ist die am Anfang und Ende etwas holprig geratene Handlung, die aber verzeihlich ist. Dafür grenzt sie sich auch genug vom ersten Teil ab. Zweiter kleiner Kritikpunkt sind die Anordnung der Lieder, die etwas blockweise wirkt. So werden am Anfang gleich drei Lieder hintereinander gebracht und auch am Ende treffen nochmal drei ziemlich nah aufeinander. Bei sieben Liedern bedeutet dies, dass zwischendurch nur ein Lied gespielt wird. Dies hätte besser verteilt werden können.
Auch schaffen es die Lieder zwar nach mehrfachem Hören zu Ohrwürmer zu werden, aber beim ersten Sehen wirken sie nicht so überwältigend, wie ein Let it go oder ein In Summer aus dem ersten Teil. Dafür hat mir zumindest das Lied „Zeige dich“ eine Gänsehaut verschafft – erwähnte ich, dass es mein Lieblingslied aus dem zweiten Teil ist? So schafft es der zweite Teil eine schöne Fortsetzung zu sein, auch wenn er nicht – wie vorher schon vermutet – gänzlich an den ersten Teil heranreicht.

Das Fazit

Die Eiskönigin II schafft es nicht das Niveau des ersten Teils zu halten, für sich betrachtet erzählt er aber eine schöne Geschichte, besticht durch seine Optik und kann bis auf ein paar kleinere Kritikpunkte am holprigen Start und Ende, sowie der Anordnung der Lieder doch überzeugen. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Die Eiskönigin II läuft seit dem 20.11.2019 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: Official Secrets

Ein Vorwort

Wenn man das Wort Whistleblow hört denkt man unweigerlich zunächst an Edward Snowden, der 2013 die NSA-Affäre auslöste. An den Namen Katharine Gun denken dabei wohl die wenigsten, wobei ihre Tat gar nicht mal so unwichtig ist. Mit den Details befasst sich Official Secrets. Wie der Film so performt, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

2003. Katharine Gun (Keira Knightley) arbeitet beim britischen GCHQ als Übersetzerin. Diese dem britischen Geheimdienst unterstehende Behörde erhält ein Memo von der NSA, in der sie angewiesen wird, UN-Abgeordnete einiger Länder abzuhören, die noch unentschlossen in der Irak-Krieg-Frage sind. Gun entdeckt das amerikanische Erpressungsmittel für den Krieg und leakt das Memo, in der Hoffnung damit den Krieg oder zumindest die britische Beteiligung verhindern zu können.

Meine Meinung

Official Secrets ist ein Film mit einer unheimlich spannenden Prämisse, die den Irak-Krieg bzw. dessen Ausrufung noch einmal aus einer völlig neuen Perspektive beleuchtet. Hinzu kommt, dass mit Keira Knightley, Matt Smith, Matthew Goode, Conleth Hill, Indira Varma, Rhys Ifans und last but not least Ralph Fiennes  ein absolut grandioser Cast zusammengesetzt wurde. Leider schafft er es nicht aus der Mittelmäßigkeit herauszukommen und irgendwo besonders hervorzustechen. Versuchen wir einmal die Gründe dafür näher zu beleuchten.
Zum einen spoilert die Handlung sich an vielen Stellen selbst. Ganz zu Anfang wird bereits gezeigt, wie Gun vor dem Gericht steht und sich verantworten muss. Damit steht die Möglichkeit, dass sie nicht entdeckt wird, schon gar nicht mehr zur Debatte. Dennoch bemüht er sich danach den uninformierten Zuschauer im Schnelllauf durch ein paar wenige Dialoge in die Hintergründe der UN-Abstimmung zum Irak-Krieg einzuweihen. Dies gelingt relativ gut – hilfreich war es aber trotzdem, dass in diesem Jahr mit Vice bereits die kritische Sicht der USA darauf dem Kino präsentiert wurde. Danach geht es relativ kurz um den eigentlichen Leak und wie der von statten ging. Während bei Snowden dieser Akt im fortgeschrittenen Teil des Films erst geschah, da Snowden mit Rückblenden arbeitete, war dort die Spannung noch einmal wesentlich größer. Im folgenden wird auf zwei Ebenen erzählt. Zum einen geht es um Katharines Reue, vor allem weil alle im GCHQ verhört werden und auch ihre Freunde alle unter Verdacht stehen, und wie sie versucht damit umzugehen. Zum anderen wird eine zweite Ebene eröffnet und es geht um die Zeitung „Observer“, bei der der Journalist Martin Bright (Matt Smith) das geleakte Dokument erhält und nun die Frage nach dessen Echtheit im Raum steht. Die Recherchearbeiten des Observer sind dann aber leider auch der einzig spannende Teil des Films. Hier ist interessant, wie verschiedene politische Motivationen mit hineinspielen und wie viele Bekanntschaften es benötigt, um die Echtheit zu überprüfen. Dabei bekommt der Observer mit Matt Smith zwar einen sehr talentierten Schauspieler, bleibt jedoch außerhalb der Recherchearbeit sehr blass.
In der zweiten Hälfte fällt die Handlung dann auch noch einmal deutlich ab. Hier geht es praktisch nur noch um Katharine, die den Krieg nicht verhindern konnte mit ihrem Leak, aber dennoch unter Anklage steht. Hier kommt das Anwaltsteam mit Ralph Fiennes ins Spiel. Leider steht es hier ähnlich wie um den Observer. Der Ansatz ist gut, der wichtige Charakter mit einem sehr talentierten Schauspieler besetzt, aber die Umsetzung bleibt blass und beinahe bedeutungslos.
So verbrät der Film letztendlich viel Potential in der Handlung, in den Charakteren und vorallem nutzt er nicht seinen grandiosen Cast. Zurück bleibt eine eigentlich interessante Geschichte, verpackt in einen uninteressanten Film, der mit 112 Minuten eigentlich eine gute Länge hat, daraus aber doch mehr hätte machen können.

Das Fazit

Official Secrets hatte den Cast und die Geschichte um einen spannenden Film über die Whisteblowerin Katharine Gun zu machen. Leider nutzt er die Elemente nicht und schafft es nicht aus der Mittelmäßigkeit herauszukommen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Official Secrets läuft seit dem 21.11.2019 in den deutschen Kinos.

Scary Stories to tell in the dark

Ein Vorwort

Habt ihr euch auch als Kinder bei Klassenfahrten, Zeltlagern oder Ferienlagern nachts im Dunkeln Gruselgeschichten erzählt? Ja? Nun ich nicht. Ich saß bei den Kindern, die sich Witze erzählt haben und versuchten trotz Lachanfällen einzuschlafen. Und abgesehen von einer kurzen Phase als Jugendliche in der ich erstaunlich viele Horrorfilme gesehen habe, meide ich das Genre eigentlich weitgehend. Warum genau mich mein bester Freund nun doch wieder für den Besuch eines Horrorfilms, der hier im Kino auch nur um 23Uhr lief, überreden konnte, weiß ich nicht. Aber ich verrate euch in meiner Kritik, was Scary Stories to tell in the dark kann.

Die Handlung

1968. Stella (Zoe Colletti), Auggie (Gabriel Rush) und Chuck (Austin Zajur) ziehen zusammen an Halloween zu „Süßes oder Saures“ los. Unterwegs treffen sie Ramon (Michael Garza) und zu viert besuchen sie das Spukhaus, das einst der Familie Bellows gehört hat, die eine ihrer Töchter, Sarah, im Keller eingesperrt haben soll. Die Legende sagt, dass Sarah Bellows aus ihrem Verlies den Kindern in der Stadt Geschichten erzählt haben soll, und das die Kinder daraufhin verstarben. Stella, die total fasziniert von der Geschichte ist, finden Sarahs Geschichtenbuch und nimmt es kurzerhand mit. Doch nach und nach tauchen zusätzliche Geschichten auf. Und die Hauptcharaktere sind  lebende Personen, zumindest noch.

Meine Meinung

Scary Stories to tell in the dark verfolgt ein ähnliches Konzept, wie Gänsehaut aus dem Jahr 2015. Er greift die Kurzgeschichten von Autor Alvin Schwartz auf und kreiert eine Rahmenhandlung drum herum. Da ich die Bücher nicht gelesen habe, kann ich nicht sagen, ob die Geschichte von Sarah Bellows auch auf einer Kurzgeschichte basiert oder eben diese für die Rahmenhandlung erfunden wurde. Mit der Einordnung der Handlung in der Vergangenheit versucht der Film auf den Nostalgiezug aufzuspringen, den Erfolgskonzepte, wie Es oder auch Stranger Things in letzter Zeit befeuert hat. Während diese jedoch (filmisch) in den 1980er Jahren angesiedelt sind, siedelt sich Scary Stories jedoch in den 1960er Jahren an. Die angesprochene Zielgruppe ist daher etwas ungenau definiert. Denn während sich die Geschichte der vier Freunde ähnlich wie Gänsehaut an ein eher jüngeres Publikum zu richten scheint, sind die Horrorelemente dann doch so präsent, dass es ein FSK 16 wurde. Die Generation, deren Nostalgie mit dem Setting der 1960er Jahre befeuert werden könnte, dürfte jedoch eher wenig Interesse am Film zeigen.
So ist die Rahmenhandlung eher durch kindlich-naive Dialoge geprägt. Auch fehlt die Gruppendynamik, die die Vorbilder Es und Stranger Things wunderbar etablieren konnten, da man über die meisten Charaktere nur ganz dünne Informationen erhält. Lediglich Stella kriegt ein wenig Hintergrundgeschichte und zu Ramon fallen zumindest ein paar erklärende Sätze, aber Auggie und Chuck sind dann eher Anhang.
Hingegen sind die eigentliche Stärke die erscheinenden Monster, die szenenartig auftauchen und so den Kurzgeschichtencharakter prägen. Diese sind wunderbar durchdacht und definitiv keine Standartmonster. In diesen Horroreinschüben wird praktisch die gesamte Atmosphäre des Films aufgebaut. Und die ist eindeutig gruselig. Auch wenn die Monster auf dem ersten Blick harmlos wirken, schafft es Regisseur André Øvredal durch gekonnte Kameraeinstellungen und dem Setting eine solche Spannung zu erzeugen, dass man sich förmlich in den Sitz krallen will. So ganz ohne Jumpscares kommt der Film dann aber doch nicht aus, was man ihm an dieser Stelle jedoch verzeihen mag, da er sie nicht anstatt einer Atmosphäre nutzt, sondern beide Elemente gekonnt verbindet.
Leider reichen die einzelnen Horrorszenen nicht aus, um den Film als Gesamtwerk zu retten. Gerade die Rahmenhandlung rund um das Spukhaus und die Geschichte mit Sarah Bellows gerät sehr stereotypisch. Zwar ist das große Geheimnis zunächst sehr spannend und hält den Zuschauer auch mit im Kino, da man die Auflösung wissen will. Doch gerade diese gerät dann so enttäuschend, da man hier nur noch auf die einfachste Lösung bedacht war, um den Film irgendwie zu Ende zu bringen. Das hat dem Film noch einmal so viel Charme genommen, dass es besonders bedauerlich ist, dass sich die Macher hier nicht einfach nochmal ein paar Minuten mehr Zeit genommen haben, um den Handlungsaufbau von ca. 90 Minuten auch richtig zu würdigen.

Das Fazit

Scary Stories to tell in the Dark versucht sich an einer Mischung aus Gänsehaut und Es, kann mit beiden, was die Szenenartigen Monstererscheinungen angeht auch mithalten, hält dieses Niveau aber nicht über die Rahmenhandlung und verpasst gerade am Ende die Rundung. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Scary Stories to tell in the Dark läuft seit dem 31.10.2019 in den deutschen Kinos.

Anime-Special: Penguin Highway

Ein Vorwort

Für alle Anime-Fans gibt es ab und an ein Anime-Special in meinem Stammkino (wahrscheinlich auch in anderen, aber da kenne ich die Spielpläne nicht). Normalerweise mache ich darum einen großen Bogen, da ich kein großer Anime-Fan bin. Ganz im Gegensatz zu meinem Lebensgefährten. Und so kam es, dass er, nachdem ich ihn bereits in das Anime-Special zu Your Name. begleitet hatte und er mir auch noch gefallen hatte, mich seitdem immer wieder zu überreden versucht. Diesmal sah er seine Chance wieder sehr gut, denn der Film trägt mein absolutes Lieblingstier im Namen. Und so sagte ich zu, ihn zu begleiten.

Die Handlung

Der viertklässler Aoyama wäre eigentlich gerne schon erwachsen. Seine Zeit vertreibt er sich mit Forschungen, die er akkribisch in Notizbüchern festhält. So ganz nebenbei schwärmt er für die Zahnarzthelferin, die er One-San nennt. Als in der ganzen Stadt auf einmal Pinguine auftauchen, muss er das natürlich sofort untersuchen.

Meine Meinung

Während Studio Ghibli auch den Anime-Neulingen ein Begriff sein dürfte mit Werken, wie Chihiros Reise ins Zauberland oder Prinzessin Mononoke, ist Studio Colorido ein eher unbekanntes Studio, was daran liegen dürfte, dass es auch noch nicht so lange existiert. Mit vier Filmen (laut Wikipedia) versucht das Studio aktuell noch Fuß zu fassen, neben den großen etablierten. Dies mag dem geübten Zuschauer noch in der Animation auffallen, im großen und ganzen ist dies aber kaum ersichtlich. Lediglich die sehr einfach Animation der Pinguine ist sehr auffällig, aber im Laufe des Filmes auch nicht weiter störend.
Den Film an sich zu beurteilen, fällt mir dann sehr schwer. Und das hat zwei Hauptgründe.
Zum einen die Handlung. Objektiv betrachtet ist die Handlung gut ausgearbeitet und beherrscht den Drahtseilakt zwischen realistischen Gedankengängen und Charakteren und dem fantastischen Einschlag. Subjektiv spiegelt für mich die Handlung aber genau das wider, was ich an Animefilmen nicht mag. Sicherlich in seinem eigenen Universum irgendwo logisch, ist die Handlung gerade dies für mich eben nicht. Ich kann die Gedankenwelt und Handlungen der einzelenen Charaktere nicht nachvollziehen und stehe so immer wieder vor einem „Häh?“-Moment und bräuchte jemanden, der neben mit sitzt und mir das Geschehene noch einmal Szene für Szene erklärt. Allerdings ist das Kino weder der passende Ort dafür, da man die anderen Zuschauer ja auch nicht stören will, noch konnte mir mein Lebensgefährte dies während des Films erklären, musste er auch erst auf die Auflösung am Ende warten. Und die Erklärungen im Nachgang haben mir dann auch nicht mehr wirklich geholfen, um den Film für mich positiver zu machen.
Zum anderen die Charaktere. Objektiv betrachtet sind die Charaktere gut charakterisiert, es wird sich Zeit genommen um sie und ihre Beweggründe vorzustellen und eben diese teilweise auch zu hinterfragen. Subjektiv betrachtet waren mir alle Charaktere unsympathisch. Am allermeisten leider der Protagonist Aoyama. Dass es hier um seine Coming-of-Age Geschichte geht, erschwert den Film für mich demnach noch einmal.
Grundsätzlich denke ich, dass der Film für Anime-Liebhaber gut funktionieren dürfte. Die Schwierigkeiten für mich sind nicht gleichbedeutend mit wirklichen Schwächen. Die Grundidee hinter dem Auftauchen der Pinguine mit der Verknüpfung des Prozesses des Erwachsenwerdens ist durchaus gelungen. Und selbst ich konnte mich beim Sehen zumindest an den Pinguinen erfreuen.

Das Fazit

Penguin Highway ist ein Anime, der für Fans des Genres duchaus funktionieren dürfte, mich persönlich aber nicht abholen konnte. Für alle neugierigen unter euch, die einen Anime abseits der großen etablierten Studios sucht, dürfte sich eine Sichtung von Penguin Highway durchaus lohnen.

Gemini Man

Ein Vorwort

Ang Lees Bandbreite als Regisseur ist wirklich erstaunlich. So kennt man seinen Namen wahrscheinlich am ehesten von den beiden Oscarprämierten Filmen „Brokeback Mountain“ und „Life of Pi“. Ebenfalls verfilmte er mit „Sinn und Sinnlichkeit“ ein Jane Austen Werk, zeigte mit Tiger und Dragons sein Können im Action Bereich und mit brachte mit Hulk eine Comicverfilmung in die Anfangszeiten der Comicverfilmungen, aber noch vor den großen Universen. Nun sollte es wieder ein Actionfilm werden. Das Hauptaugenmerk diesmal auf die Optik mit einer besonderen 3D-Variante. Was der Film darüber hinaus kann oder auch nicht kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Henry Brogan (Will Smith) ist der beste Schatfschütze und Auftragsmörder der DIA. Vor seinem Ruhestand nimmt er einen letzten Auftrag an, der sich jedoch als Falle entpuppt. Brogan muss nun fliehen und bekommt dabei Hilfe von Danny (Mary Elizabeth Winstead) und Baron (Benedict Wong), die ihn eigentlich überwachen sollten. Auf seiner Flucht begegnet er immer wieder einem ihm ebenbürtigen Gegner, der sich als jüngere Kopie seiner selbst herausstellt. Brogan will Antworten, wer einen Klon von ihm erstellt hat und warum dieser ihn nun töten soll.

Meine Meinung

Die Zeiten von Will Smith als Actiondarsteller schienen schon längst vorbei, liefen seine letzten Versuche nicht gerade auf Erfolg hinaus. So wandte er sich zuletzt eher Projekten zu, bei denen er seine Schauspielkünste beweisen wollte (Erschütternde Wahrheit/Verborgene Schönheit). Nun holte ihn Ang Lee gleich in doppelter Rolle zurück. Dabei merkt man Smith in den rasanten Szenen das Alter erst einmal gar nicht an.
Was man aber merkt, ist, dass Ang Lee sich mehr Gedanken um die Optik des Films gemacht hat, als um die Handlung. Dabei ist die Ausgangssituation mit Billy Ray (The Hunger Games, Captain Phillips, Vor ihren Augen), Darren Lemke (Shazam, Gänsehaut) und David Benioff (Game of Thrones – man vergesse hier die letzte Staffel) als Drehbuchautoren erst einmal gar nicht so schlecht. Und so ist gerade der Anfang von Gemini Man zwar etwas stereotypisch – Agent will aussteigen, Chance wird genutzt, um ihn als Sündenbock für einen vermasselten Auftrag zu nutzen, Agent kann fliehen, weil er besser ist als alle Einsatztruppen – aber mit Winstead und Wong als Sidekicks wird die Handlung gut aufgelockert und hätte auch einen neueren Einschlag einnehmen können. Aber sobald Junior, der Klon von Brogan, eingeführt wird, scheint sich der Film nur noch von Actionszene zu Actionszene zu hangeln und jede Tiefe wird hier schmerzlich vermisst. Irgendwo wird dann noch versucht die Ethik hinter dem Klonen zu diskutieren. Mehr als zwei Argumente auf jeder Seite werden dann aber doch nicht angeführt.
Was Gemini Man aber kann sind gelungene Actionszenen. Dabei treten logischerweise zwei ebenbürdige Gegner gegeneinander an, weil sie ja buchstäblich die gleichen Voraussetzungen haben. Auch wenn ein paar durchaus kürzer hätten sein dürfen oder die ein oder andere auch ganz weggelassen, funktioniert der Teil für einen Actionfilm grundsätzlich gut. Allerdings ist auch hier die Konkurrenz – man denke nur an Fallout oder John Wick – inzwischen doch noch einmal wesentlich besser geworden. So kann sich Gemini Man nicht einmal an dieser Stelle als etwas wirklich besonderes hervortun.
Das einzige einigermaßen revolutionäre ist die neue 3D Technik, die das 3D Erlebnis zwar deutlich verbessert, die Szenen aber auch teilweise wie im Schnellvorlauf wirken lässt. So ganz ausgereift ist die Technik also auch noch nicht. So kommt Gemini Man leider nicht aus der Mittelmäßigkeit heraus, auch wenn er beim erstmaligen Sehen noch durchaus Spaß macht. Aber für ein zweites Mal sehen, reicht es dann leider nicht.

Das Fazit

Gemini Man dümpelt mit einer mittelmäßigen Handlung vor sich hin und hangelt sich nur von Actionszene zu Actionszene, die trotz starker Bilder nicht mehr mit der starken Konkurrenz mithalten kann. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Gemini Man läuft seit dem 03.10.2019 in den deutschen Kinos.

Last Chrismas

Ein Vorwort

Und Ohrwurm in 3…2…1… Last Christmas, I gave you my heart, but the very next day, you gave it away… Wer kennt es nicht, jedes Jahr wieder läuft der Song in Dauerschleife im Radio und allen Weihnachtsmärkten. Diesmal gibt es auch gleich noch einen Film mit dem Song im Titel. Inspiriert wurde der Film übrigens von genau diesem Lied. Auf dem Soundtrack befinden sich noch zwei weitere Wham! Stücke, sowie 12 Nummern aus George Michaels Solokarriere. Was der Film darüber hinaus kann und wie gut er tatsächlich in die Vorweihnachtszeit passt, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Kate (Emilia Clarke) arbeitet in einem Weihnachtsshop, der 365 Tage im Jahr geöffnet hat. Ihre mürrische Chefin „Santa“ (Michelle Yeoh) wirft ihr ständig vor ihre Fröhlichkeit in der letzten Weihnacht verloren zu haben. Und tatsächlich war Kate letzte Weihnachten sehr krank. Dies führte nicht nur zum Verwürfnis mit ihrer Familie, sondern auch zu einer Charakteränderung. Erst als Kate den attraktiven Tom (Henry Golding) kennenlernt, scheint sie sich wieder öffnen zu können.

Meine Meinung

Eigentlich versuche ich immer relativ unvoreingenommen in einen Film zu gehen oder zumindest nichts zu erwarten, damit ich eher überrascht als enttäuscht werde. Auch diesmal hoffte ich eigentlich eher auf eine interessante Liebesgeschichte mit zwei Schauspielern, die ich schätze, und die bereits im Trailer eine gute Chemie zu haben schienen, erwartete aber eher eine sehr routinehafte Liebesgeschichte, die man ja doch häufiger zu sehen bekommt. Wie falsch ich doch lag. Denn Last Christmas ist ein Film, der weit darüber hinaus geht. Also ja ich bekam meine Liebesgeschichte mit zwei Schauspielern, die ich auch weiterhin sehr schätze. Aber ich bekam auch so viel mehr.
Last Christmas greift die Themen Krankheit und den Umgang damit auf, nicht nur man selbst, sondern auch wie die Familie damit umgeht. Gleichzeitig geht es um das Thema Freundschaft, Nächstenliebe und die Akzeptanz des eigenen Körpers. All dies verwickelt der Film in eine Geschichte, die größtenteils fröhlich oder aber sarkastisch erzählt wird, da die Protagonistin nur noch diesen Tonfall zu kennen scheint. Dabei berührt der Film auch einige Themen nur oberflächlich, wie Flucht, Rassismus und die Emotionen des Brexits. So schafft der Film eine eher tiefgründige Aussage in einer lockeren Liebesfilmatmosphäre zu erzählen und entwickelt dabei einen Tiefgang, den man ihm nach dem Trailer niemals zugetraut hätte.
Dazu trägt das vielfältige Spiel von Emilia Clarke ebenso bei, wie das der anderen Charaktere. Sei es eine überfürsorgliche Emma Thompson als Mutter, eine gewohnt bissige Michelle Yeoh als Chefin oder eben Henry Golding als Zufallsdate.
Mit der Weihnachtsstimmung, da er irgendwo wohl auch als Weihnachtsfilm gedacht war, wird dann auch noch gespielt. Während der Weihnachtsshop eindeutig den übertriebenen Kitsch in der Weihnachtszeit widerspiegelt und überladene Häuserfassaden voller Weihnachtsdeko dazu nicht beitragen, schafft es dann die Kernaussage zum Thema Nächstenliebe doch noch die Quintessenz von Weihnachten einfließen zu lassen. Und keine Angst, der titelgebende Song ist zwar sehr präsent, aber gerne auch auf ironische Weise. So ganz ohne Ohrwurm verlässt man das Kino dann aber doch nicht.

Das Fazit

Last Christmas ist ein wunderbarer Liebesfilm, der sich jedoch mit so viel mehr befasst und neben dem wahren Gedanken von Weihnachten eine Menge guter Botschaften vermittelt. Dabei ist er überaus klischeefrei, außer er setzt diese gezielt ein. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Last Christmas läuft seit dem 14.11.2019 in den deutschen Kinos.

Die Filmreise-Challenge: Weltreise 1.1

Bereits im Januar 2018 flatterte eine Einladung in mein Postfach. Mein geschätzter Bloggerkollege Ma-Go lud mich zu einer Filmreise ein. Dabei hatte er mich sofort für die Challenge gewonnen, trug die doch die gelungene Kombination aus Film und Reise im Titel. Als filmliebende Tourismuskauffrau konnte ich unmöglich widerstehen. Ich machte mich auch gleich daran den Plan für die Aufgaben auszuarbeiten. Die ersten Filme sah ich auch relativ zügig. Doch dann kam das, was mir ständig passierte. Ich fing an zu prokrastinieren. Und so zogen Monate, ja fast Jahre ins Land. Doch nun möchte ich endlich meinen ersten Beitrag beisteuern. Da ich bei solchen Challenges selten einen Beitrag pro Film schaffe, fasse ich auch hier wieder mehrere Filme zusammen. So begann ich mit der Weltreise und möchte euch nun von meinen ersten fünf Filmen berichten.

filmreise-banner1

Was ist die Filmreise-Challenge?

Hierbei handelt es sich ein Projekt von Bloggern für Blogger bzw. für alle Filmfans da draußen. In 70 Aufgaben geteilt in 7 Kategorien soll der filmische Horizont erweitert werden, in dem man sich mit anderen Welten/Kulturen/Menschen/Filmen auseinander setzt.

Pauschalreise oder Abenteuerreise?

Die 70 Aufgaben sind in zwei Kategorien unterteilt. Während die Pauschalreiseaufgaben sehr offen gehalten sind und viel Wahlmöglichkeit lassen, präzisiert die Abenteuerreise einzelne Aufgaben noch einmal. Meine Wahl fiel – um es mir noch einmal schwerer zu machen – auf die Abenteuerreise.

Worum geht es bei der Weltreise?

Die Weltreise hat als übergreifendes Thema Filme aus anderen Ländern. Dabei geht es vor allem darum mal abseits des Mainstreamkinos aus Hollywood oder auch Deutschland/Frankreich/Großbritannien (die noch am ehesten in die deutschen Kinos gelangen) zu schauen, was für Filme werden in anderen Ländern produziert.

Detaillierte Informationen findet ihr in den verlinkten Überschriften meiner Erklärungen.

Und die Reise beginnt…

Es ist soweit. Ich habe meinen Koffer gepackt. Es dürfte für alle Eventualitäten etwas eingepackt sein, aber wie ich mich kenne, habe ich sowieso wieder irgendetwas vergessen. Schnell kontrolliere ich, ob ich auch wirklich meinen Pass eingepackt habe, alle nötigen Visa sind genehmigt und ebenfalls in meinem Rucksack verstaut. Langsam werde ich hibbelig. Die Zeit ist reif. Ich steige zum ersten Mal ins Flugzeug. Für meinen ersten Stopp fliege ich gleich fast ans Ende der Welt. Mein Ziel: Australien. Die Insel, die gleich ein Kontinent für sich bildet, will mir endlich einmal die kleine Mary vorstellen.

Film: Mary & Max – oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet? – Australien, 2009
Ich treffe Mary erstmals im Jahr 1976. Sie ist ein neugieriges jungen Mädchen, als Knetfigur animiert, das mit einer kleptomanischen Alkoholikermutter und einem viel arbeitenden Vater zusammen lebt. Ihre Neugier kennt keine Grenzen. Vor allem interessiert sie, ob die Dinge im entfernten Amerika genauso sind, wie ihr Großvater es ihr für Australien erklärt. Also schreibt sie einen Brief und wählt im Telefonbuch durch Zufall den Mitt-Vierziger Max aus. Max ist Asperger-Autist und zunächst mit dem Brief der kleinen Mary völlig überfordert. Doch schließlich beschließt er zu antworten und es entsteht eine Brieffreundschaft. Über die Jahre schreiben sich die beiden immer wieder und Mary erzählt von ihrem Leben, das von Ängsten und Introvertiertheit geprägt ist, während ihr Max von seiner ganz eigenen Weltanschauung erzählt.
Mein Australienurlaub lässt mich ein wenig ratlos zurück. So grundsympathisch die beiden Charaktere auch sind, so wenig komm ich wirklich in ihre Geschichte rein. Sie ist immer mit einer gewissen Distanz erzählt, so dass ich mich am Ende keinen von beidem näher fühle. Zumal die Erzählweise selbst sich an das jüngere Publikum wendet, mit Themen, wie Alkoholsucht, Depressionen und ähnlichem aber für ein FSK 12 in Deutschland sorgt. So hat der Film eigentlich keinen direkten Adressaten und verläuft im Sande. Schade, war der Ansatz doch gut.

Film: Oldboy – Südkorea, 2003
Von Australien aus, steige ich sofort wieder in den Flieger. Mein nächstes Ziel ist Südkorea. Mit Oldboy schlage ich gleich drei Sachen mit einer Klappe. Sie passt zur Filmreise-Challenge als Film aus Fernost (Japan/China/Korea), stand auf meiner Bucketlist und wurde groß angepriesen in „1001 Filme, die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist“. Umso gespannter war ich Oh Dae-su (Choi Min-sik) kennenzulernen. Ich finde ihn in keinem guten Zustand vor. Bereits seit 15 Jahren ist er in ein Zimmer eingesperrt. Er hat eine Liste erstellt, wer ihn entführt haben könnte, die ihn jeden Tag antreibt. Fasziniert beobachte ich, wie er durch ein zufällig erhaltenes zusätzliches Essstäbchen versucht, sich ein Loch in die Freiheit zu schaben. Und tatsächlich schafft er es. Doch nach der gescheiterten Suche nach seiner Tochter, treibt ihn Rache an. Er versucht herauszufinden, wer ihn entführt und eingesperrt hat.
Geschockt fliege ich aus Südkorea weiter. Oldboy ist ein kompromissloser Rachethriller, der sich dem Thema trotz seiner eigentlich sehr ruhigen Erzählweise von mehreren Seiten schonungslos nähert. Was mir gefallen hat, ist dass es kein direktes Denken in Gut und Böse gibt, sondern sich alle Charaktere irgendwo im Graubereich aufhalten. Vor allem die Erzählstruktur unterscheidet sich sehr von bekannten Vertretern Hollywoods. 2013 versuchte Hollywood zwar in einem Remake seine Version daraus zu machen, scheiterte aber, wenn man den Kritikern glauben darf.

Film: Nader & Simin – Iran, 2011
Filmtechnisch bereits habe ich den Iran bisher eher nur, wenn Hollywood mal wieder einen Agenten in die Richtung schickte. Doch nun steige ich aus dem Flugzeug und stehe erstmals aus iranischer Sicht im heißen Teheran. Hier soll ich mich mit Nader (Peyman Maadi) treffen. Doch der ist gerade sehr überfordert. Seine Frau Simin (Leila Hatami) wollte zusammen mit ihn und der 11-jährigen gemeinsamen Tochter Termeh eigentlich das Land verlassen und hatten dafür bei der Behörde bereits alle Genehmigungen. Doch Nader hat einen Rückzieher gemacht, weil er seinen pflegebedürftigen Vater nicht zurücklassen will. Enttäuscht will Simin nun die Scheidung und ist zurück zu ihrer Mutter gezogen. Nader ist zwar gewillt, der Scheidung zuzustimmen, will aber Termeh die Ausreise verbieten. Doch wäre das Problem noch nicht genug, hat Simin noch eine Haushaltskraft eingestellt. Die strang gläubige Razieh sieht sich jedoch schnell überfordert sich anständig um Naders Vater zu kümmern. So kommt es zum Verwürfnis zwischen Razieh und Nader, die damit endet, dass sich beide vor Gericht wiederfinden. Die Anklage: Nader soll bei dem Versuch Razieh aus der Wohnung zu bekommen, dafür verantwortlich sein, dass diese ihr ungeborenes Baby verlor.
Im Iran kam mir tatsächlich die dramatische Erzählstruktur sehr bekannt vor, da sie dem bekannten Schema sehr ähnelt. Hier ist das Neue eher die Kultur. Die Gesetze, die einer Frau noch immer weniger Rechte einräumt als einem Mann, und vorallem die Nähe zum Koran im alltäglichen Leben, ist mir im filmischen Sinn eher neu. Hier hatte ich also neben einer neuen Geschichte auch eine neue Kultur zu erkunden. Die Geschichte selbst ist stark gespielt und gewann 2012 den besten fremdsprachigen Oscar – der erste für Iran.

Film: Eine Frau namens Yesterday – Südafrika, 2004
Nach der unterbittlichen Sonne im Iran, sah ich mich gewappnet, für ein weiteres eher warmes Land. Südafrika – das Land mit 11 Amtssprachen und einer unvergleichbaren abwechslungsreichen Landschaft. Aber bevor ich zu sehr abschweife, treffe ich mich lieber mit Yesterday.
Diese hat mit einem starken Husten zu kämpfen. Der Fußweg zum Arzt ist lang und Sprechstunde ist nur einmal wöchentlich. Trotzdem nimmt Yesterday den Fußweg auf sich, steht dann aber in der Schlange so weit hinten, dass sie nicht mehr dran kommt. Nachdem dies drei Wochen hintereinander passiert und ihr Husten immer schlimmer wird, spendiert ihr eine befreundete Lehrerin des Dorfes eine Taxifahrt. Die Ärztin nimmt ihr Blut ab und stellt die Diagnose: HIV. Da sie die Krankheit nur von ihrem Mann erhalten haben kann, fährt sie nach Johannesburg, um John davon zu erzählen. Der reagiert jedoch zornig und verprügelt seine Frau. Im darauffolgenden Winter sitzt John eines Tages vor Yesterdays Tür. Er hat ebenfalls HIV und bereits fortgeschritten krank. Als die Dorfbewohner jedoch von der Krankheit erfahren, wollen sie die Familie verjagen, da in Folge mangelnder Aufklärung alle eine Ansteckung befürchten. Doch Yesterday lässt sich nicht unterkriegen und baut trotz Krankheit vor dem Dorf eine Hütte für sich und ihren Mann.
Südafrika zeigt mir zum ersten Mal, wie froh wir doch über unsere ärztliche Versorgung sein können. Jammern wir doch gerne mal über die langen Wartezeiten bei Fachärzten, so müssen wir doch nicht stundenlang laufen, um überhaupt mal einen Arzt zu Gesicht zu bekommen. Der Film holt einen dadurch in ernster Instanz wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. In zweiter Instanz zeigt er uns eine lebensbejaende Frau, die trotz aller Steine auf ihrem Weg versucht, hoffnungsvoll zu bleiben. Und obwohl der Film der erste war, der als Spielfilm in Zulu gedreht wurde, schaffte er es sogleich eine Nominierung als bester fremdsprachiger Oscar zu bekommen – verlor dann gegen Spaniens „Das Meer in mir“.

Film: No Man’s Land – Bosnien-Herzegowina, 2001
Nachdem ich nun bereits einige Kontinente bereist habe, zieht es mich erst einmal zurück nach Europa. Allerdings auch in eine eher unschöne noch nicht allzu entfernte Vergangenheit im östlichen Europa. Genauer gesagt ins Jahr 1993 zum Jugoslawienkrieg.
Hier finde ich mich in einer etwas misslichen Situation wieder. Irgendwie habe ich es geschafft zwischen die Fronten der Bosnier und der Serben zu geraten und befinde mich im sogenannten „Niemandsland“. Hier finde ich eine etwas groteske Situation vor. Der Bosnier Ciki (Branko Duric) wurde losgeschickt, um das Gebiet zu erkunden und findet dort den Serben Nino (Rene Bitorajac) und den auf einer Druckmine liegenden Bosnier Cera (Filip Sovagovic) vor. Sollte sich Cera bewegen und damit den Druck auf die Mine verändern, würden alle drei in die Luft fliegen. Also versuchen sie sowohl ihre Einheiten auf sich aufmerksam zu machen, als auch die Blauhelme der UN. Diese dürfen sich zunächst nicht einmischen, da sie angehalten sind, sich nicht in Gefahr zu bringen. Als sich dann auch noch die Presse einschaltet und daraus einen Skandal macht, ist das Chaos perfekt.
No Man’s Land ist ein Film, der über eine unglaublich groteske Situation berichtet und diese immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet. So ist der Film an vielen Stellen gewollt unfreiwillig komisch, präsentiert aber doch ein erschütterndes Thema. Das Gelungene am Film ist, dass er nicht nach Ursachen sucht oder Erklärungen bringt, warum und wieso der Krieg entstand. Hier gibt es nicht „die Guten“ und „die Bösen“, sondern nur drei Männer, die einfach nur nicht sterben wollen. Zwischendurch stellen sie fest, dass sie obwohl als Feinde aus den gleichen Gründen und mit den gleichen Begründungen kämpfen. Es fasst die Kritik am Jugoslawienkrieg, den Blauhelmen und der Presse gekonnt zusammen.

Nachdem ich es irgendwie wieder heil aus dem Kriegsgebiet geschafft habe, ist meine Filmreise erst einmal wieder beendet. Glücklich lasse ich mich wieder auf meiner Couch fallen. Spaß gemacht hat die Reise. Voller Vorfreude sehe ich mir meinen kommenden Reiseplan an. Das wird auch wieder eine aufregende Reise.

Neulich in der Sneak: Zombieland 2

Ein Vorwort

Nach 10 Jahren erhält der Überraschungsfilm aus dem Jahr 2009 nun eine Fortsetzung. Der Grundcast wurde wieder versammelt und scheint den gleichen Spaß wieder gehabt zu haben. Doch war 2009 noch eine Hochphase der Zombiefilme, die sich durch die gesamten ersten 10 Jahre der 2000er zog und 2010 in den Start der beliebten Serie „The Walking Dead“ gipfelte, scheint das Genre nun ausgelutscht, wenn nicht sogar tot zu sein. Kann da nun eine späte Fortsetzung noch funktionieren? Erfahrt es in meiner Kritik.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

Columbus (Jesse Eisenberg) lebt in einer Welt, in der ein Virus fast alle Menschen in Zombies verwandelt hat. Überlebt hat er bisher nur durch seine penibel aufgestellten Regeln im Umgang mit den Untoten. Auf der Suche nach seinen Eltern trifft er auf Tallahassee (Woody Harrelson), der großen Spaß am Jagen der Zombies hat und das ganze Land durchkämmt auf der Suche nach Twinkies. Zusammen zieht das ungleiche Team weiter und trifft auf die Schwestern Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin). Diese nehmen die Männer zunächst aus, um dann abzuhauen. Die beiden Gruppen treffen aber immer wieder aufeinander, bis die Männer die Damen am Ende aus einer ausweglosen Situation retten müssen. Von da an beschließen sie zusammen zu bleiben.

Die Handlung

Einige Jahre nach den Ereignissen aus dem ersten Teil beschließen die vier Zombieüberlebende Columbus (Jesse Eisenberg), Tallahassee (Woody Harrelson), Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin) sesshaft zu werden und ziehen ins weiße Haus ein. Doch während Columbus und Wichita anscheinend das große Glück gefunden haben, wird Little Rock zunehmend unruhiger und fängt an sich selbst nach der großen Liebe zu sehnen. Als sie eines Tages wegläuft und auf den Hippie Berkeley (Avan Jogia) trifft, beschließen die anderen, ihr zu folgen. Dabei treffen sie auch auf einige andere Überlebende.

Meine Meinung

Eine gute Grundvoraussetzung für Fortsetzungen ist es ja inzwischen schon, wenn man wirklich den Originalcast wieder vereinen kann und nicht einen Charakter mit einem Nebensatz entschuldigen muss. Diese Hürde hat Zombieland 2 – Doppelt hält besser schon einmal genommen. Zwar sind die 10 Jahre, die zwischen den Filmen liegen, an keinem Darsteller spurlos vorbeigegangen, doch am auffälligsten dürfte es wohl bei Abigail Breslin sein, die die Little Rock spielt. Während sie im ersten Teil noch 13 Jahre alt war, sind es nun 23 Jahre. Doch genaue diese Wandlung nimmt sich der Film sogleich als Basis für seine erzählte Geschichte. So bekommen zwar alle Charaktere ihre gleichen Charakterzüge wieder zugeschrieben, aber dennoch wurden gut durchdachte Weiterentwicklungen bereits am Anfang eingeflochten. Während nämlich eine 13 Jährige, noch froh ist mit ihrer großen Schwester durchs Land zu ziehen, sucht eine 23 Jährige dann doch nach anderen Lebenszielen. Und genau diese Entwicklung wird dann für die Handlung gezielt eingesetzt.
Wie bereits im ersten Teil erzählt Zombieland 2 keine großartige tiefgreifende Geschichte, sondern beschränkt sich darauf das Zombiegenre zwar ernst zu nehmen, aber als Komödie umzusetzen. Auch hier ziehen sich Columbus Regeln als Leitfaden durch den Film. Hinzugefügt werden einige Nebencharaktere, die mal einen größeren, mal einen kleineren Auftritt haben. Und genau die sind es, die auch Zombieland 2 wieder den gewissen Charme verleihen. Denn auch, wenn die vier Hauptcharaktere bereits in ihrer Unterschiedlichkeit für Konfliktpotential sorgen, sind es gerade die Nebencharaktere, die neuen Schwung in die Geschichte bringen. Sei es nun das pink liebende Blondchen, das Zombiejägerpaar oder die Elvis liebende Schönheit.
So ist Zombieland 2 vielleicht kein Meilenstein in der Filmgeschichte, aber dennoch ein Film, der erneut frischen Wind in das Zombiegenre bringt und durch gezielt eingesetzten Witz eine Menge Spaß macht. Dabei wird nicht jedes Wort oder jede Entscheidung ins lächerliche gezogen und auch die Zombie-Apokalypse wird durchaus ernst genommen und die Zombies auch als wirkliche Bedrohung dargestellt, dennoch handelt es sich eher um einen gute-Laune-Film mit großem Actionanteil.

Das Fazit

Zombieland 2 – Doppelt hält besser schafft es auch nach 10 Jahren noch eine gute Fortsetzung zu sein, der die wichtigsten Elemente des ersten Teils aufgreift und sich doch weiterentwickelt. Mit einem sympathischen Hauptcast, einem gelungenem Nebencast, viel angebrachtem Witz, durchdachter Action und mitreißender Dialoge schafft es der Film gute Laune zu versprühen. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Zombieland 2 – Doppelt hält besser läuft seit dem 07.11.2019 in den deutschen Kinos.