Atomic Blonde

Am 24.08.2017 erschien ein Actionfilm, der kurz vor dem Mauerfall in Ostberlin spielt, in den deutschen Kinos.

Lorraine Broughton eine Agentin des MI6 wird nach Ostberlin geschickt, um wichtige Informationen sicher zu stellen. Die CIA, der KGB und auch die Franzosene haben ebenfalls Agenten geschickt. Denn Deutschland steht kurz vor dem Mauerfall und die Informationen könnten dies ändern.

2015 erschien der erste Teil von John Wick in den deutschen Kinos. Sein Kennzeichen waren die sehr gut choreographierten Kampfszenen, das realistische Nachfüllen und die Anzeichen menschlicher Schwäche nach einem schweren Kampf. Nun haben sich die beiden Macher John Wicks David Leitch und Chad Stahelski ein neues Werk ausgedacht. Aber gleich Vorweg: Atomic Blonde ist in keinster Weise ein John Wick in weiblich.
1989 stehen in Ostberlin und der gesamten DDR die Zeichen auf Umbruch. Immer mehr Menschen sind bei Demonstrationen gegen die Regierung auf der Straße und wollen endlich den Mauerfall und die Widervereinigung mit dem Westen. Aufregende Wochen folgen, in der deutsche Geschichte geschrieben wurde. Genau in diesen Wochen setzt Atomic Blonde an. Der Mi6 schickt eine seiner besten Agentinnen Lorraine Broughton in die DDR. Denn hier sind wertvolle Informationen aufgetaucht, die in den falschen Händen die Widervereinigung verhindern könnte. Dementsprechend sind die großen Geheimdienste MI6, CIA und KGB an diesen Informationen interessiert.
Atmic Blonde wird jedoch nicht stringent erzählt, sondern von hinten aufgerollt. So sehen wir Lorraine praktisch nach getaner Arbeit, während sie ihren Vorgesetzten Rechenschaft ablegen muss. Erst nach und nach durch ihre Erzählungen, ergibt sich das Bild der Handlung in Berlin. Trotzdem beschränkt sich der Film nicht auf die Szenen aus ihrer Erzählung, sondern zeigt auch die anderen Charaktere, verschweigt aber immer wieder ein paar Informationen. So kann sich der Zuschauer zwar größtenteils ein eigenes Bild zum Geschehen machen und muss sich nicht rein auf Lorraines Darstellung verlassen, andererseits fehlt dem Zuschauer so aber auch immer ein Puzzleteil, so dass die Handlung an keiner Stelle vorhersehbar wird und die große Auflösung am Ende doch eine Überraschung bleibt.
Der große Pluspunkt des Films bleibt, wie schon in John Wick gezeigt, die realitätstreue Darstellung von Kämpfen. Diese sind sehr gut choreographiert, zeigen die Stärken und Schwächen der beiden Kämpfenden und sind nicht immer zum Vorteil der Heldin des Films gestaltet. So zeigen sich auch Erschöpfungszeichen bei den Kämpfenden und man sieht sogar die Versuchung des Aufgebens in den Augen glitzern, wenn sie sich erneut antreiben müssen, um wieder aufzustehen. Hierzu tragen auch die Schauspieler einen großen Teil bei, da einige der Erschöpfungskampfszenen schnell lächerlich hätten wirken können. Doch durch große Namen, wie Charlize Theron als Lorraine und James McAvoy als ihr Verbündeter wurde diese Gefahr gut umgangen. Ebenfalls mit von der Partie sind John Goodman und Sofia Boutella, die jedoch eher kleinere Rollen spielen und daher nicht ihr gesamtes Können zeigen können. Was genau ein Till Schweiger in diesem Film zu suchen hat, kann wohl keiner so genau sagen. Immerhin ist auch seine Rolle klein genug, dass er nicht viel falsch machen kann.
Der zweite große Pluspunkt des Films ist der coole Soundtrack, der auch einiges an Mut beweist. Welcher Hollywood-Streifen hat vorher Actionszenen mit Major Toms „Völlig losgelöst“ und Nenas „99 Luftballons“ unterlegt. Hier wird auch mit dem Soundtrack die Stimmung und die Zeit gekonnt eingefangen und gibt dem Zuschauer ein gutes Gefühl, so dass Atomic Blonde in der Darstellung zwar ein eiskalter Actionstreifen ist, aber trotzdem die Laune eines Feel-Good-Movies einfangen kann. Hinzu kommt die visuelle Gestaltung des Films. Denn neben dem trüben und grauen Ostberlin, setzt der Film immer wieder auf fast neonfarbene Effekte und setzt so einen Gegenpol zu der eigentlichen Stimmung, was sich auch wieder mit dem Soundtrack deckt.

Alles in allem ist Atomic Blonde ein knallharter Actionstreifen, der aber trotzdem großen Spaß macht und das ohne großen Witz und Humor. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Zu guter Letzt

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Zu guter Letzt. Der Film lief ursprünglich ab dem 13.04.2017 in den deutschen Kinos.

Harriet Lauler hat ihr ganzes Leben immer nach ihren eigenen Vorstellungen und Plänen gelebt. Einst eine erfolgreiche Geschäftsfrau, lebt sie inzwischen in Rente und dabei total einsam. Denn Lauler hat alle, die sie je kennengelernt hat, inzwischen vergrault. Beim Lesen der Zeitung macht sie sich nun zunehmend Sorgen über ihren Nachruf. Und beschließt das Schreiben eben diesem zu überwachen und die junge Journalistin Anne zu engagieren.

Der Tod ist immer etwas endgültiges. Niemand weiß, was danach kommt. Doch „Der Mensch ist erst tot, wenn niemand mehr an ihn denkt“ sagte schon Brecht. So liest man gerade wenn ein bekannterer Mensch stirbt, viele unterschiedlich geschriebene Nachrufe. Doch wäre es nicht schön, wenn man schon vor seinem Tod wüsste, was die Freunde und Familie über einen zu sagen hat? Wenn man wüsste, wie man in Erinnerung bleiben wird?
Genau hiermit befasst sich der Film „Zu guter Letzt“. Protagonistin Harriet Lauler – gespielt von Shirley McLane – hat ihre ganz eigene Lebensweise. Darin haben alle nach ihren Plänen zu handeln und nach ihrer Art zu leben. Und wenn das nicht passt, dann macht Lauler es eben passend. Warum also am Lebensende aufhören und den eigenen Nachruf dem Zufall überlassen? So sucht sie die junge Journalistin Anne auf. Annes Spezialität sind Nachrufe auf exzentrische Menschen, bei denen es schwer ist jemanden zu finden, der etwas gutes über den Verstorbenen zu sagen hat. Doch Harriet Lauler soll Annes größter Härtefall werden. Eine Liste von 100 Leuten durchgehend, kann keiner auch nur ein gutes Wort über sie verlieren. Doch so schnell gibt eine Harriet Lauler nicht auf. Wenn es in ihrer Vergangenheit nichts gibt, was sich positiv vermerken lässt, so will sie die verbleibende Zeit bis zu ihrem Tod nutzen, um noch ein paar Sachen zu ändern.
Zu guter Letzt ist ein Film, der von vielen Klischees lebt und nach einem altbekannten Muster verläuft. Aber dabei baut er so viel eigenen Charme auf, entwickelt Charaktere, in die man sich hineinversetzen kann, mit denen man fühlt und die man einfach nur in sein Herz schließt. Dazu bringt er einige sehr gute eigene Ideen ein. So macht der Film einfach nur Spaß beim Anschauen, was bei dem Genre – und auch bei dem Thema – ein wichtiger Faktor ist. Gleichezeitig schafft der Film es die Spannung an jeder Stelle hoch zu halten, auch wenn viele Geschehnisse irgendwo vorhersehbar waren.
Ein weiterer großer Pluspunkt des Films ist der gut ausgewählte Soundtrack. Hier wird großen Wert darauf gelegt, sich abseits von der Massenware zu bewegen und die Liebe zur Musik zu erwecken oder bei manchen Zuschauern auch neu zu erwecken. Da man diese Liebe und die große Gewichtung der Musik in der Handlung so nicht erwartet, bringt sie gleichzeitig frischen Wind mit hinein.
Amanda Seyfried schien nach ihren Erfolgen mit Mamma Mia, Briefe an Julia und Das Leuchten der Stille ihren schauspielerischen Weg gefunden zu haben. Doch in Zu guter Letzt zeigt sie doch noch einmal mehr Facetten und bringt daher die zwischen deprimierten und sorgenfreien Stimmungen hin und her springende Anne sehr feinfühlig rüber und damit dem Zuschauer sehr nah. Auch Shirley McLane gelingt es genau den richtigen Ton zu treffen und Harriet Lauler auf eine Art zum Leben zu erwecken, die einerseits abschreckt, auf der anderen Seite aber doch anziehend wirkt. Durchgehend ist McLane mit einer Hingabe am Werk die perfekte zu ihrer Rolle passt.

Alles in allem hat Zu guter Letzt zwar nicht die originellste Handlung, macht dies aber mit einer Menge Charme und guter Musik wieder wett. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Der dunkle Turm

Am 10.08.2017 erschien eine neue Buchverfilmung des Meisters des Horrors Mr Stephen King in den deutschen Kinos.

In der Mitte der Welten steht der dunkle Turm. Bewacht wird er vom letzten Revolvermann Roland. Der Mann in Schwarz versucht den Turm zu stürzen. Von all diesem träumt Jake Chambers, der nach dem Tod seines Vaters mit einem Trauma lebt. Bis er eines Tages entdeckt, dass es sich nicht um einen Traum handelt.

Die dunkle Turm Reihe von Stephen King umfasst acht Bände mit unterschiedlichem Umfang. Durch diese Größe galt sie bisher für unverfilmbar. King selbst beschrieb den Dunklen Turm Zyklus für sein wichtigstes Werk, weswegen er vorab viele Angebote für eine Verfilmung ablehnte. Nun genehmigte King doch die Verfilmung. Doch schon nach den ersten Daten des Films erschienen viele Fragezeichen im Gesicht der Kino- und Kingfans. Denn der dunkle Turm in der Verfilmung sollte gerade einmal ca. 90 Minuten umfassen. Wie sollte in dieser Zeit auch nur ansatzweise der gesamte Stoff hineinpassen? Nach den ersten Kritiken und Sichtungen des Films kam es zum nächsten seltsamen Fakt: Keinem der Kritiker gefiel der Film und er wurde auf das übelste zerrissen. Nur einer fand den Film wirklich gut. Mr Stephen King höchstpersönlich. Wie kann das sein?
Zunächst sollte man sich bewusst machen, dass der dunke Turm natürlich mit 90 Minuten nicht den gesamten Zyklus widerspiegelt. Er soll mittendrin ansetzen. Demnach standen sich die beiden Erzfeinde Roland, der Revolvermann, und der Mann in Schwarz bereits mehrfach gegenüber. Dann wurde bewusst Jake Chambers als Protagonist gewählt. Er kennt die Welt um den dunklen Turm bisher nur aus seinen Träumen und dient damit als perfekter Identifizierungspunt für den Zuschauer, der die Bücher nicht gelesen hat und die neue Welt durch die Augen eines Kindes entdecken möchte. So erfährt der Zuschauer zunächst nur einige Eckpunkte, da sich der Film zunächst mit der Vorstellung und Charakterisierung Jakes beschäftigt. Erst nach und nach treten die fantastischen Elemente auf und der Zuschauer wird damit behutsam in die Welt heran geführt.
Mit einer Lauflänge von 90 Minuten kann der dunkle Turm gar nicht all das Aussagen, was er hätte aussagen können. Die Vorlagen waren da. Aber trotzdem scheinen die vielen schlechten Kritiken etwas ungerecht dem Film gegenüber. Vergleichbare Werke, die in letzter Zeit erschienen, hatten zumeist den Kritikpunkt, dass die Welt dahinter nicht ganz ausgereift sei oder das zu viel Stoff in einen Film gepresst wurde – man erinnere sich nur an Jupiter Ascending. Dies umgeht der dunkle Turm, in dem er sich auf die wichtigsten Elemente konzentriert, einen konsequenten Handlungsbogen aufbaut und die Welt beinahe spielerisch aufbaut und durch Jake erkunden lässt. Trotzdem merkt man es unter der Oberfläche brodeln. So viel könnte gesagt werden, so viel könnte noch gezeigt werden und so viel könnte noch erzählt werden.
Der Mann in Schwarz – im Film gespielt von Matthew McConaughey – ist laut Autor Stephen King die Verkörperung von allem Bösen. Ein Zusammenschluss all der Bösewichte, die King jemals erfand. So fungiert er auch im Film eindeutig als das Böse, ohne jede Reue, ohne jedes Mitleid. McConaughey schafft es auch genau die richtige Nuance im Spiel zu finden, die diese Charakterisierung hervorhebt. Ein einzelner Blick reicht, um den Zuschauer verstummen zu lassen und gespannt auf das Kommende warten zu lassen. Trotzdem fehlt hier der letzte Schliff an der Rolle. Ein paar Worte mehr über seine Taten und seine Absichten.
Roland ist der letzte der Revolvermänner. Idris Elba nahm sich der Rolle an und spielt gekonnt zwischen dem angehärtetem Mann und der melancholischen Seite Rolands. Doch leider bleibt seine Rolle sehr blass. Man erfährt nichts über die Revolvermänner und Roland, nur das er gut schießen kann und es seine Aufgabe ist den dunklen Turm zu bewachen. Hier wäre mehr erzählen doch besser gewesen.
Die Handlung folgt stringent einem bereits früh erahnbarem Weg, schafft es aber dennoch Spannung aufzubauen. Hinten hinaus hätten es gerne ein paar Minuten mehr sein können, denn der alles entscheidende Entkampf scheint dann doch wieder zu einfach und zu konstruiert zu sein.

Im Endeffekt kann man sagen, dass der dunkle Turm doch vieles richtig macht und als unabhängiges Werk sehr gut funktioniert, auch wenn er ein paar Schwächen zeigt. Vorraussetzung ist, dass man weder die dunkle Turm Reihe gelesen hat, noch etwas anderes von Stephen King und des Film daher nicht mit Kings einzigartiger Erzählweise vergleichen kann.

Alles in allem hadert der dunkle Turm nur an ein paar Stellen mit sich, ergibt aber doch einen runden Fantasy-Film. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Verpasst im August & Mein Lesemonat August

Hallo ihr Lieben,
ja ist denn schon wieder Weihnachten? Das vielleicht nicht, aber die ersten Lebkuchenherzen stehen schon wieder im Supermarkt-Regal. Mich erinnert das immer wieder daran, dass die Tage jetzt wieder kürzer werden und es draußen immer kälter wird – wenn wir nicht noch glücklicherweise einen schönen Altweiber-Sommer kriegen, die Hoffnung stirbt zuletzt. Hier nun wieder meine monatlichen Übersichten, ihr kennt das 😉

Verpasst im August

1) Alibi.com: Ein ähnliches Prinzip, wie die Trauzeugen AG, aber aus französischer Sicht. Ich hätte den Film gerne als Vergleich gesehen.

2) Das Gesetz der Familie: Michael Fassbender ist ja meist ein guter Garant für einen guten Film. Auch habe ich einige gute Kritiken gelesen.

3) Table 19: Anna Kendrick in einem Drama mit komödiantischen Andeutungen. Leider lief der Film nicht in meiner Nähe, denn der stand mit ganz oben auf meiner Sehliste.

4) Hampstead Park: Ich kann mich ja meistens für die etwas schrulligeren Charaktere begeistern (Monsieur Henri, Eddie The Eagle…) und hätte vielleicht auch hier meinen Spaß mit gehabt.

5) The Limehouse Golem: Noch ein Film mit Bill Nighy und ich konnte ihn wieder nicht sehen. Das frustriert mich immer.

Und hier wieder die Filme, die es ganz knapp nicht auf die Liste geschafft haben:

Der Stern von Indien, Tulpenfieber

Mein Lesemonat August

Bücher insgesamt: 4 Bücher
Seiten insgesamt: 1515 Seiten
Seiten pro Tag: 49 Seiten im Durchschnitt
Taschenbücher: 2
Hardcover: 1
E-Books: 1

Zusammenfassend ist zu sagen, dass ich im August viel unterwegs war und mich ansonsten wieder stärker den Serien zugewandt habe. Daher fällt mein Lesemonat diesmal deutlich kleiner aus.

Platz 4: Dein für… 3 Dates

Nachdem mir die Autorin immer wieder ans Herz gelegt wurde, habe ich mich doch einmal an ihr neustes Werk herangewagt, auch wenn ich eigentlich überhaupt kein Fan des Erotikgenres bin. Und auch hier wurde meine Abneigung wieder bestätigt. Sie möchte ja eigentlich eine starke emanzipierte Frau sein und lässt sich doch von dem ersten Millionär kaufen, der ihr über den Weg läuft. Ich fand die Charaktere sehr unsympathisch und die Handlung unglaublich konstruiert. Mein Flop des Monats.

Platz 3: Silber – das dritte Buch der Träume

Der dritte Teil von Kerstin Giers Silber Reihe konnte mich mit dem zweiten Teil wieder aussöhnen, weil er weniger Schuldrama behandelte, und sich wieder mehr auf die Traumwelt und die damit einhergehenden Möglichkeiten und Gefahren befasste. Aber so richtig rund war mir das Ende wieder nicht, da einfach zu viele Handlungsstränge noch offen waren. Irgendwie werde ich zur Zeit mit dritten Teilen einfach nicht glücklich.

Platz 2: Looking for hope

Mrs Hoover, ich dachte wirklich eine Zeit lang, ich würde Ihr Werk Hope Forever nicht mögen. Aber dieser zweite Teil, der aus der Sicht des männlichen Protagonisten Dean Holder erzählt wurde, zeigte mir, dass ich auch ihren ersten Teil mochte, ihn aber einfach zu einem ungünstigen Zeitpunkt gelesen habe. Aber trotzdem mag ich andere Werke von ihnen immer noch lieber.

Platz 1: Weil ich Layken liebe

Mrs Hoover, diesen Monat müssen sie aber auch zugeben, dass sie absolut keine Konkurrenz hatten. Aber ich mochte Ihr Erstlingswerk auch wirklich. Auch wenn man ihm anmerkt, dass Sie ihn zuerst geschrieben haben, denn gerade das erste Date der beiden fand ich doch etwas holprog. Da konnten mich andere erste Dates viel mehr begeistern, die sie geschrieben haben. Aber trotzdem wieder einmal eine rührende Geschichte von zwei Menschen, die sich im unpassensten Moment ineinander verlieben.

Killers Bodyguard

Am 31.07.2017 erschien eine Actionkomödie mit Samuel L. Jackson und Ryan Reynolds in den deutschen Kinos.

Michael Bryce war einst ein gut bezahlter und hoch geachteter Bodyguard. Doch nachdem er einen Auftrag in den Sand setzte, verlor er fast alles und gibt sich nun mit unterklassigen Jobs zufrieden. Bis er einen Anruf von seiner Ex-Freundin bekommt, die den Auftragskiller Kincaid dringend zum internationalen Gerichtshof in Den Haag bringen muss, doch befürchtet, dass es in ihrer Organisation einen Maulwurf gibt. Doch Bryce und Kincaid können sich eigentlich überhaupt nicht riechen, da Kincaid öfter Aufträge hatte Bryce Klienten zu töten.

Man nehme einen Ryan Reynolds. Dann schreibe man ihm eine Rolle, die sehr pingelig gegenüber seinem Auftreten, seinem Aussehen, seinen Plänen und seinen Regeln ist. Für den eine Welt zusammen bricht, wenn auch nur ein Glied nicht in seine gut durchdachten Pläne passt oder etwas nicht wie gewünscht aufgeht. Also praktisch einen sehr steifen Charakter, den Reynolds aber mit seinem typischen Charme spielen kann, so dass man trotzdem mit ihm mitfühlt und ihn als Identifikationsfaktor nutzen kann. Als nächste nehme man einen Samuel L. Jackson mit seiner absolut unbeschreiblichen Lache. Dann schreibe man ihm die bekannte Rolle aus Pulp Fiction ein klein wenig um, lässt ihn aber unverhätnismäßig oft „Motherfucker“ sagen. Man hat nun also einen unkontrollierbaren, besserwisserischen, aber trotzdem saucoolen Gegenspieler zu Reynolds Rolle. Ungefähr so werden die Produzenten des Films Killer’s Bodyguard geplant haben. Als Krönchen auf dem bereits sehr gut ausgestatteten Cast, konnte man dann auch noch Gary Oldman für den Film gewinnen.
Während sich im Jahr 2016 bereits Russel Crowe und Ryan Gosling in „The Nice Guys“ an einer Actionkomödie mit zwei sehr unterschiedlichen Protagonisten versuchten und scheiterten, geben sich nun Jackson und Reynolds die Ehre. Und schaffen es tatsächlich trotz ihrer Unterschiede und Differenzen miteinander zu harmonieren, so dass allein die Wortgefechte der beiden viel Spaß machen. Es entwickelt sich eine einzigartige Hassliebe, die durch die großen Talente der beiden Schauspieler sehr gut hervorgehoben werden.
Die Handlung an sich ist sehr einfach konzipiert und bleibt an vielen Stellen sehr eindimensional. Teilweise war es wieder das typische Klischee, dass man schon so oft gesehen hat. Doch dadurch, dass die Actionszenen sehr schön choreographiert wurden und auf der großen Leinwand immer gut wirken und mit einem ganz eigenen Humor gekrönt werden, macht der Film unheimlich viel Spaß beim Anschauen, auch ohne tiefgründige Handlung. Durch kleinere Nebenstränge mit sehr guten Einfällen, um die Stimmung bewusst zu heben und zu senken, wirkt die Handlung abwechslungsreich, bleibt aber trotzdem schlüssig und geradlinig.
Der Humor des Films ist trotz der inflationären Benutzung von Motherfucker stets auf einem guten Niveau und nimmt sich auch ganz gerne an einigen Stellen selbst aufs Korn. So sorgt er für ein befreiendes Lachen und dass die Zuschauer den Kinosaal mit einem guten Gefühl verlassen.
Während Reynolds und Jackson ihr Talent in vielen Szenen unter Beweis stellen können, bleibt Gary Oldman in seiner Rolle sehr blass und hat einfach viel zu wenig Screentime, um wirklich etwas aus seiner Rolle zu machen. Die wenigen Szenen spielt er jedoch auf gewohnt sehr hohem Niveau.
Die musikalische Untermalung ist auch für jede Szene gut gewählt, auch wenn sehr oft auf Klassiker zurück gegriffen wurde. Trotzdem passen die Lieder, sind teilweise etwas ironisch für die Szene und passen damit nur noch besser.

Alles in allem macht Killer’s Bodyguard einfach Spaß beim Anschauen und kann auch ansonsten auf vielen Ebenen punkten. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Die Bullyparade – der Film

Am 17.08.2017 erschien die Bullyparade in Spielfilmlänge in den deutschen Kinos.

In fünf kurzen Episodenfilmen erweckt Michael „Bully“ Herbig seine bekanntesten Figuren wieder zum Leben. Seien es Winnetou und Old Shatterhand aus „Der Schuh des Manitu“ oder die Besatzung aus „(T)Raumschiff Surprise“.

Michael Herbig dürfte den meisten ein Begriff sein, immerhin schuf er mit seinem Film „Der Schuh des Manitu“ einen der erfolgreichsten deutschen Filme. Nun besinnt er sich auf seine Anfänge mit der Episodenschow „Bullyparade“. So trommelte er sein Team mit Rick Kavanian und Christian Tramitz erneut zusammen, holte weitere alte Gesichter aus den bereits erschienenen Kinofilmen, wie Sky du Mont, dazu und lud einige bekannte deutschen Schauspieler dazu, wie Elyas M’Barek. Der Plan: fünf kurze Episodenfilme zu drehen und auf die große Leinwand zu bringen.
Diese könnten unterschiedlicher nicht sein. Und genau das ist gut so, denn selbst wenn man von einer Episode weniger überzeugt ist, so trifft eine andere wieder eher den eigenen Humor. Prämisse dafür ist allerdings, dass man grundsätzlich mit Herbigs Humor zu recht kommt. Wer noch nie etwas mit ihm, seinen Filmen oder seinen Shows anfangen konnte, wird auch hier wieder nicht auf seine Kosten kommen. Für alle anderen sind einige wirklich schöne Witze dabei, so dass der Boden gerne mal vor Lachen aufgesucht wird. Andere Gags hingegen scheinen einfach zu konstruiert und zu gewollt, dass sie einfach nicht zünden können. Aber das schöne am Episodenfilm bleibt, wenn einem die Handlung nicht gefällt, ist es ja schnell wieder vorbei. Leider sind die beiden stärksten Episoden auch die beiden kürzesten. Und gerade die bekanntesten Rollen des Trios scheinen irgendwie nach ihrem Solofilm fertig erzählt.
Trotzdem macht „Bullyparade – der Film“ einfach Spaß. Die bekannten Rollen wieder finden, die neuen Rollen entdecken und nebenbei nach bekannten Gastauftritten suchen. Für 100 Minuten einfach abschalten und sich auf die Witze einlassen.
Vor allem mit einem kann der Film überzeugen: Seiner Liebe fürs Detail. Gerade im Bühnenbild überzeugt Herbig wieder einmal, warum der Film auf der großen Leinwand gezeigt wird. Ob man sich wirklich in den Wilden Westen zurückversetzt fühlt, oder eine ganz neue Welt erkundet.

Alles in allem schafft Bully Herbig einen Film mit seinem typischen Humor, der abwechselnd Stärken und Schwächen zeigt. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Valerian – Stadt der tausend Planeten

Am 20.07.2017 erschien eine Comicverfilmung von Regisseur Luc Besson in den deutschen Kinos.

Die Agenten Valerian und Laureline erhalten den Auftrag das letzte Exemplar einer ansonsten ausgestorbenen Spezies zu retten und nach Alpha – eine ehemalige Mondbasis, die inzwischen von Spezies aus allen Ecken des Universums bevölkert wird. Dort angekommen scheint etwas nicht zu stimmen. Die Agenten untersuchen diese Sache.

Luc Besson dürfte als Regisseur für Freunde von Filmen, wie Nikita und das fünfte Element durchaus ein Begriff sein und hat sich damit einen guten Ruf erarbeitet. 2014 brachte er mit Lucy zwar einen bildlich guten Film hervor, der aber ab einem gewissen Punkt in der Handlung einfach übertrieben hat und damit die Meinungen spaltete. Nun nimmt er sich die Comicreihe Valerian und Laureline vor. Der erste Aufschrei erfolgte nach der Bekanntgabe des Namens des Films, denn der weibliche Part Laureline wurde komplett entfernt, so dass der Film nun nur noch Valerian heißt. Dann erschien der erste Trailer und zwei Sachen wurden schnell klar. Erstens: Der Film würde ein visuelles Erlebnis der Sonderklasse werden und den Gang ins Kino visuell entlohnen. Zweitens: Mit dem Casting von Cara Delevigne als Laureline würde der Film einiges an Qualität verlieren.
So beginnt der Film mit einer interessanten Entstehungsgeschichte zur Raumstation Alpha und der Geschichte eines traumhaften Planetens. Dann lernt der Zuschauer die Protagonisten Agent Valerian und Agentin Laureline kennen. Und hier macht der Film den ersten großen Fehler. Er versucht verzweifelt Schauspieler Dane DeHaan als Valerian als Charmeur und Frauenheld zu etablieren. Dies wirkt an keiner Stelle authentisch und stört den bis dahin sehr fließenden Erzählfluss. Weiter geht es zu dem wirklich spannenden und gut erzählten Part der Handlung. Bis sie sich schließlich auf Alpha wiederfinden. Hier schläft die Handlung dann fast vollständig ein, während eine Menge Dialoge geführt werden, ohne den Film richtig voranzubringen. Nach und nach deutet sich ein großes Geheimnis an, das aber letztendlich sehr vorhersehbar ist und daher weder Spannungs aufbauen kann noch den Film wirklich gut macht. Nebenbei werden immer wieder Nebenhandlungen eingebaut, die zwar eindrucksvoll das Universum vergrößern, den Film aber letztendlich nur künstlich verlängern. Da helfen auch schöne Ideen nicht weiter. Im Prinzip verschießt der Film am Anfang ziemlich viel Pulver bis ihm auf halber Strecke die Puste ausgeht.
Die wirklich große Stärke des Films ist ohne Zweifel die Bilder. Die visuelle Erzeugung einer einzigartigen Welt ist ein Genuss für das Auge. Leider stehen dem einige schlechte Castingentscheidungen entgegen. Die größte Enttäuschung dürfte Cara Delevigne sein. Mit nur einem Gesichtsausdruck – genervt – ist ihre Laureline nichts weiter als eine austauschbare Puppe, auch wenn die Charakterisierung der Rolle eigentlich etwas anderes vorgesehen hat. Dane deHaan als Valerian schien angesichts seiner guten Leistungen in a cure for wellness eine gute Entscheidung. Leider passt er sich allzu oft an die schlechten Vorlagen seiner Kollegin Delevigne an und will absolut nicht in die Rolle des draufgängerischen Charmeurs passen. So hat der Film gleich zwei Hauptdarsteller, die schauspielerisch wenig leisten. Das die anderen umso mehr leisten, ist in diesem Fall leider nicht mehr viel wert. Damit verschenkt der Film sehr viel Potential und bleibt so leider im unten Mittelmaß stecken.

Alles in allem ruht sich Valerian zu sehr auf seinen Bildern aus und kann nach der Hälfte weder Handlungstechnisch, noch darstellerisch etwas bieten. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

To the Bone

Am 14.07.2017 lief ein Film über Magersucht auf dem Streaming-Dienst Netflix an.

Ellen ist magersüchtig. Nachdem mehrere Therapien bereits fehlschlugen, besorgt ihre Stiefmutter ihr einen Platz in einem ganz neuartigen Therapieprojekt.

Erst vor kurzem hatte die Netflix Originalserie „13 reasons why“ eine heftige Diskussion ausgelöst. Nun spaltet Netflix neuer Film „To the Bone“ erneut die Meinungen und erneut wird der Film als schädlich abgestempelt. Er soll die dargestellte Magersucht verherrlichen und die Zuschauer, gerade die Teenager, eher in die Magersucht drängen, als von ihr abzuhalten. Fakt ist, dass sowohl Regisseurin Marti Noxon, als auch Hauptdarstellerin Lilly Collins magersüchtig waren. Der Film ist also nicht von Unwissenden gemacht worden, sondern von jemandem, der genau weiß, was die Krankheit mit einem macht.
Der Film setzt bereits im fortgeschrittenen Stadium ein. Protagonistin Ellen ist in einer Klinik, um ihre Magersucht behandeln zu lassen. Dabei provoziert sie bewusst, um schnellstmöglich wieder entlassen zu werden. So wird sie zurück zu ihrer „Familie“ geschickt. Doch diese ist komplett zerrüttet. Ihre Mutter lebt mit ihrer neuen Lebensgefährtin weit entfernt, ihr Vater lässt sich nie blicken und ihre übereifrige Stiefmutter versucht mit dem Thema fertig zu werden, in dem sie nach immer neuen Therapiezentren und Kliniken für Ellen sucht. Lediglich ihre Halbschwester hat ein gutes Verhältnis zu Ellen und versucht auf ihre Art für sie da zu sein. Eines Tages hört ihre Stiefmutter von einer ganz neuen Therapiegruppe. Der behandelnde Arzt Dr. William Beckham lässt betroffene Jugendliche in ungezwungener Atmosphäre zusammen wohnen und hat dabei nur wenige Regeln. Kann dies funktionieren?
To the Bone ist bestimmt kein Film, der die Magersucht in allen Facetten und in allen Entwicklungen beleuchtet. Ellen ist nicht die Magersüchtige, die alle Symptome und alle Verhaltensweisen der Krankheit in sich vereint. Ellen ist lediglich ein Beispiel. In der ersten Szene macht sie sich über eine Mitpatientin lustig, die ihre Krankheit daher hat, dass sie so aussehen möchte, wie die Models aus einer Zeitschrift. Dadurch räumt der Film bereits zu Anfang mit dem Klischee, dass alle Magersüchtigen zwangsläufig nur hungern, um wie die Models auszusehen. Im Laufe des Films werden noch andere Patienten gezeigt und bei jedem ist die Krankheit anders ausgeprägt.
Die Therapie von Dr. Beckham ist wohl der meist kritisierteste Teil des Films. Es wird von Anfang an zwar gesagt, dass er sehr experimentell und entgegen der üblichen Behandlungsmethoden ist, denn genau diese werden bewusst vermieden. Der Film will keine Klischees zeigen, sondern der breiten Masse zeigen, wie unterschiedlich die betroffenen sind. Das Magersucht eine Krankheit ist und die Betroffenen da nicht freiwillig hineinrutschen. Ob nun die gezeigten Behandlungsmethoden wirklich helfen, beantwortet der Film nicht. Denn ebenso wie viele Ursachen es geben kann, mindestens genauso viele verschiedene Behandlungsmethoden muss es geben.
Auch wurde kritisiert, dass Lilly Collins, obwohl sie sich für den Film erneut unter medizinischer Aufsicht herunterhungerte, viel zu hübsch bliebe. Vor allem ihr Gesicht zeigt kaum Anzeichen der Krankheit. Erst wenn die Kamera von ihrem Gesicht tiefer fährt, entdeckt der Zuschauer das gesamte Ausmaß. Den Film für seine hübsche Darstellerin nun zu verurteilen, scheint nicht angebracht, da Lilly Collins in ihrem Spiel wirklich die Krankheit in den Vordergrund setzt und diese glaubwürdig herüberbringt.
To the bone ist ein Film, der sich traut ein bisher verschwiegenes Thema aufzugreifen und zu beleuchten. Natürlich tut er es nicht mit allen ausführenden Erläuterungen, die beispielweise eine Dokumentation mit sich bringen würde, aber zeigt trotzdem, dass vollständiges hungern dem Körper eher schadet, als nützt. Wenn sich Teenager von diesem Film inspirieren lassen, um Magersüchtig zu werden, dann gab es vorher schon deutlich größere Ansätze, denn der Film verherrlicht an keiner Stelle die Magersucht. Über die Handlung gerade mit der sehr gewollten Liebesgeschichte, lässt sich natürlich streiten, aber seine Thematik nimmt der Film ernst.

Alles in allem greift To the Bone ein schwieriges Thema auf und behandelt dieses Ernsthaft ohne Dokumentationscharakter. Dafür bekommt er 07 von 10 möglichen Punkten.

Baby Driver

Am 27.07.2017 erschien ein rasanter Film mit großem Wert auf den Soundtrack in den deutschen Kinos.

Baby hat seit einem Autounfall einen Tinitus auf den Ohren und hört daher Musik, um sich zu konzentrieren. Seit einer Jugendsünde arbeitet er als Fluchtwagenfahrer für Doc und ist trotz seines jungen Alters einer der besten. Doch insgeheim und gerade seit er die Kellnerin Deborah kennenlernte, möchte er gerne aussteigen.

Bereits nach dem ersten Trailer waren zwei Sachen klar. Zum einen wird Baby Driver ein rasantes Erzähltempo haben, das genau auf den einzigartigen Soundtrack abgestimmt wurde. Zum anderen wird die Handlung nur Mittel zum Zweck sein und daher nicht ausgereift oder sonderlich originell. Und genau das sollte jedem Zuschauer beim Betreten des Kinosaals bewusst sein. Wer einen tiefgründigen Film sucht, der eine ausschweifende Handlung vorweist, der sollte sich von Baby Driver fern halten. Wer aber einen Film sucht, bei dem jede Szene und jede einzelne Bewegung der Darsteller auf den dazu eingespielten Song ausgelegt ist und der dadurch eine unglaubliche Dynamik entwickelt, der ist bei dem Film genau richtig.
Die Grundhandlung ist sehr simpel erklärt. Protagonist Baby hat einen Tinitus auf den Ohren – hört also ein ständiges Piepen. Um diesen zu übertönen und um sich konzentrieren zu können, hört er fast pausenlos Musik. In seiner Jugend hat er sich etwas überschätzt und daher Schulden beim Kriminellen Doc gemacht. Um diese abzuarbeiten, fährt er für Doc Fluchtwagen. Eines Tages lernt er Deborah kennen, die in einem Café kellnert. Er verliebt sich sofort in ihre Stimme. Nun versucht er das Fluchtwagen fahren und Deborah unter einem Hut zu bekommen, was gar nicht so einfach ist.
Auf diese einfache Handlung kommen die verschiedensten Charaktere, die durch ihre Eigenheiten dem Film schon eine ganz eigene Dynamik geben. Aber das wirklich ausschlaggebende ist der Soundtrack. Und der präsentiert viele verschiedene Facetten, wobei bei allen Songs eine Sache gleich ist. Sie passen immer zu 100% in die Szene. So hat selbst der einfach Gang zum Kaffee holen so viel Energie, wie es sonst nur ein Musikvideo ausstrahlen kann. Aber wenn der Soundtrack dann auf minutenlange Verfolgungsjagden trifft, beweist Baby Driver, wie viel die richtige Musik ausmachen kann. Und obwohl der Film sein Hauptaugenmerk auf die präzise geschnittenen Verfolgungsjagden mit dem Soundtrack legt, bleibt die Handlung doch stets nachvollziehbar und zeigt alle wichtigen Facetten. Ganz nebenbei charakterisiert er auch noch die wichtigsten Darsteller, zwar nur oberflächlich, aber es wird trotzdem nur bedingt mit Stereotypen gearbeitet.
Einen großen Teil tragen auch die guten Darstellungen zum Erfolg des Films bei. Denn neben Ansel Elgort als Baby, haben sich Schauspielgrößen, wie Kevin Spacey und Jamie Foxx versammelt. Während Spacey merklich unterfordert ist, scheint er trotzdem seinen Spaß am Dreh zu haben. Gleichzeitig zeigt Ansel Elgort noch einmal eine ganz neue Seite an sich, die sich von seinen bisherigen Rollen abhebt. Trotzdem passt sein Gesicht noch immer zu der titelgebenden Rolle, was seine gewollte Coolness im Film etwas verblassen lässt.

Auch ohne große Handlung überzeugt Baby Driver in vielen Bereichen und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

American Gods

Bereits vor der Ausstrahlung der ersten Folge war die neue Serie „American Gods“ in aller Munde. Ähnlich wie bei Westworld weckte dieser Vorhype mein Interesse und ich sah mich mir die Serie an.

Shadow Moon wird nach einem Gefängnisaufenthalt von dem undurchsichtigen Mr Wednesday als Bodyguard „gecastet“. Zusammen reisen sie durch das Land und treffen auf allerhand alte und meistens fast vergessene Götter, während sie von den neuen Göttern verfolgt werden.

Was macht ein Gott zu einem Gott? Laut der neuen Serie „American Gods“ einfach nur die Tatsache, dass die Menschen an ihn glauben. So landeten mehrere Götter in Amerika, weil die Menschen an sie glaubten. Doch mit der Zeit verblasste die Erinnerung an die alten Sagen und somit auch der Glaube an die Götter immer mehr. In Amerika wuchs der Glaube an technische Entwicklungen und die Medien. Dadurch konnte die sogenannten neuen Götter entstehen. Nun inszeniert die Serie „American Gods“ genau diesen Konflikt. Es sind die alten Götter, die sich erheben wollen und die neuen Götter, die genau dies verhindern wollen.
Das Problem an der Serie ist jedoch, dass diese Handlung so genau gar nicht erkennbar ist. Stattdessen werden immer wieder einzelne Handlungsabschnitte gezeigt, die auf dem ersten Blick gar nichts mit der Haupthandlung zu tun haben. Und auch die Haupthandlung um Shadow Moon und Mr Wednesday und ihren Trip quer durch die USA erklärt so wenig von den Absichten dahinter, dass auch dieser sehr willkürlich wirkt.
Die erste Staffel besteht aus acht Folgen und erst die achte gibt ein wenig Aufschluss auf das Ziel der Serie. Dadurch macht aber die letzte Folge auch unglaublich viel Freude auf die nächste Staffel. Nachteil daran ist, dass man sich erst durch die Folgen davor wühlen muss. Gerade die ersten Folgen, die einem eigentlich den Einstieg in die Serie ermöglichen sollen, sind so wirr und ohne Aussage, dass der einzige Antrieb die Serie weiterzugucken der ist, endlich zu erfahren, worum es hier denn geht. Keine gute Voraussetzung.
Bryan Fuller inszeniert die Serie mit seiner einzigartigen Handschrift aus guten Schauspielern und vor allem faszinierenden Bildern. Seine immer sehr ruhige Erzählweise, die er bereits bei der Serie Hannibal frei auslebte, lassen allerdings den Spannungsbogen sich nicht so richtig aufbauen. Seine Erzählweise mag bei Hannibal durchaus funktioniert haben, hier scheint sie doch teilweise sehr unpassend. Fullers Drang jede Folge als halbes Kunstwerk zu inszenieren, führt zwar zu den schönen und unverkennbaren Bildern, aber stört auch irgendwo die Erzähldynamik. So kann man American Gods zwar als Aneinanderreihung von kunstvollen Bildern sehen, doch kränkelt die Serie dadurch an einer erkennbaren Handlung.
So pendelt die Serie zwischen guter Grundidee und übertriebener Umsetzung. Das die Serie ihren ganz eigenen Reiz hat, kann man ihr nicht einmal aberkennen. Denn irgendwo schafft sie es doch die Zuschauer an sich zu binden und große Erwartungen an die zweite Staffel zu schüren. Die Charaktere und auch die Geschichten der verschiedenen Götter sind interessant. Es scheitert bei der Serie einfach nur an der Konsequenten bzw. aussagekräftigen Umsetzung. Und ein bisschen mehr Hintergrundwissen zu den behandelten Göttern wäre manchmal auch nicht schlecht. Ich kenn mich nicht in jeder Mythologie perfekt aus.

Alles in allem ist die erste Staffel lediglich eine Weichenstellung für die zweite und kränkelt an Bryan Fullers Stil, der einfach nicht so richtig funktionieren will.